Mit ‘Zwangskollektivierung’ getaggte Beiträge

Reich und Marx (Teil 2)

9. März 2012

Was ist die Triebfeder unserer Wirtschaft, wenn nicht das „Tier“ in uns! Der Sozialismus hat gezeigt, was passiert, wenn man einen „neuen Menschen“, einen nicht-tierischen Menschen schaffen will! Der Trieb, seine Mitmenschen zu überflügeln, gehört zu den Treibstoffen sowohl der Trobriandrischen als auch der deutschen ach so unmoralischen kapitalistischen Wirtschaft, genauso wie die Eifersucht unser Liebesleben in Schwung hält. Wie würden wir uns gehenlassen, wenn es diese beiden Antriebe nicht gäbe! Der Trobriander, den Reich als sein Beispiel für genitale Gesundheit gewählt hat, ist noch weit mehr vom Streben nach Ruhm und von Eifersucht geprägt als wir! Materielle Armut und Mißerfolg im Liebesleben führen dort noch weit mehr in die gesellschaftliche Ächtung als bei uns. So findet sich schon in den ursprünglichen, genitalen Gesellschaften alles angeblich so „böse“, was die Verleumder des Lebens, die Moralprediger, Ethisierer und Pfaffen á la Erich Fromm, gerne vernichten wollen.

Unser Urinstinkt ist der Wille nach Besitz, nach Mehrbesitz, nach Wachstum, nach Macht und Ansehen. Die Feinde des Lebens, die antisexuellen Christen, Marxisten, ÖkoPax-Sozialisten und sogenannten „Wertkonservativen“ wollen uns kastrieren, wollen das Lebensfeuer zum Erlöschen bringen. Das erstrebte Ziel ist debiler „Friede auf Erden“. Schauen wir aber in die Natur, finden wir nur den ständigen Krieg, Begierden und den Willen zur Macht.

Pestilent wird der Neid erst, wenn er nicht zum Ansporn für eigene Leistung wird, sondern im Gegenteil zum Niedermachen des Erfolgreichen führt: dies ist das Geheimnis des Sozialismus. Max Stirner hat dazu geschrieben:

Weil in der Gesellschaft sich die drückendsten Übelstände bemerkbar machen, so denken besonders die Gedrückten, also die Glieder aus den unteren Regionen der Sozietät, die Schuld in der Gesellschaft zu finden, und machen sich’s zur Aufgabe, die rechte Gesellschaft zu entdecken. Es ist da nur die alte Erscheinung, daß man die Schuld zuerst in allem Anderen als in sich sucht; also im Staate, in der Selbstsucht der Reichen usw., die doch gerade unserer Schuld ihr Dasein verdanken. (Der Einzige und sein Eigentum, S. 129)

Die Verantwortlichmachung der Erfolgreichen für die eigene Misere hat Rußland dem Sozialismus, d.h. dem gesellschaftlichen Untergang, anheimgegeben und es zerstört. Während im Westen das Streben nach Erfolg zum Wohlstand führte, leitete der Neid im saharasischen Rußland ins Verderben. In jedem anderen Land der Welt ist der Reichtum des Nachbarn Ansporn ihm nachzueifern – in Rußland warf man seine Fenster ein, zündet sein Haus an, etc. „Haben wir denn dafür die Revolution gemacht, daß es jetzt einigen wenigen besser geht als dem Volk!“ „Lieber sollen alle arm sein, aber dafür gleich!“ Neid, Mißgunst und Haß im Volk – das war die materielle Basis auf den sich der gleichmacherische und gerechtigkeitsfanatische Marxismus in Rußland gründete, das von Natur aus ja nicht gerade nach links, sondern eher zum Mystizismus neigt. (Ähnliche Tendenzen gibt es mittlerweile sogar in Amerika mit der durch und durch pestilenten Occupy-Bewegung.)

Nicht nur Stalin ist für die Zwangskollektivierung verantwortlich zu machen, sondern auch die Bauern, die wollten, daß ihre erfolgreicheren Nachbarn enteignet wurden. So stellte sich der Großbauer gegen den Landadligen, der Bauer gegen den Großbauern und der Landarbeiter gegen den Bauern – bis das ganze Land verarmt und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert war und keiner sich mehr traute, aus der Masse der Armen hervorzustechen. Dieser allgegenwärtige Neid verunmöglicht auch heute noch jede wirtschaftliche Entwicklung, da jeder Erfolgreiche gleich des „Schiebertums“ geziehen wird und die Mafia sich moralisch im Recht fühlt, den erarbeiteten Mehrwert an jene abzuführen, die auf dem freien Markt nicht konkurrenzfähig sind, z.B. weil sie faul sind und deshalb nur durch Verbrechen ihr Leben fristen können.

Die Marxisten haben vollkommen recht, wenn sie sagen, daß der Kapitalismus die notwendige Vorstufe des Sozialismus sei. Im Kapitalismus führte der gesunde Neid gemäß dem Drang den anderen zu überflügeln, also gemäß dem orgonomischen Potential, zur Akkumulation von Reichtum, während dann im Sozialismus der krankhafte Neid zum Drang nach Gleichheit führt, also zur Verteilung dieses akkumulierten Reichtums gemäß dem mechanischen Potential – bis alles zugrunde gewirtschaftet ist. Dieses dem Sozialismus inhärente mechanische Potential, das zu einem krebsigen Zerfall führt, bedingt, daß er ein autonom nicht lebensfähiges System ist. Es muß ständig künstlich von außen in Gang gehalten werden. Der Sozialismus muß „aufgebaut“ werden, es muß ständig den Impuls von einem „Lenin“ geben, um dieses künstliche Projekt am Leben zu halten (Zwangsmoral), während der Kapitalismus von selbst läuft (Selbstregulation).

Es ist eine nicht zu überbietende Groteske, daß ausgerechnet Reich Leninist war und daß ihn ausgerechnet der Aspekt der Umverteilung des akkumulierten Reichtums zu Marx brachte. Marx hatte den Zerfall des Kapitalismus aufgrund von Überproduktion prognostiziert; die fallende Profitrate führe unausweichlich zur Krise und diese zur Revolution. Entsprechend sah Reich in der „libidinösen Überproduktion“ die Ursache der Neurose. In seiner „Sexualökonomie“ sollten sich libidinöse Energieproduktion und Energieentladung entsprechen, nach dem Muster der wirtschaftlichen Beziehungen in einer geregelten sozialistischen Gesellschaft mit ihrer ökonomischen Stabilität aufgrund des bis ins einzelne vorgeplanten Ausgleichs von Produktion und Konsumption. Die genitale Charakterstruktur sei dergestalt funktionell identisch mit der sozialistischen Sozialstruktur.

Die Geschichte hat gezeigt, daß Reich einem ökonomischen Scharlatan und Nichtswisser aufgesessen ist, wobei kurioserweise gleichzeitig die karzinomatöse Realität des Sozialismus den Beweis für die Richtigkeit der sexualökonomischen Thesen geliefert hat. Deshalb lassen wir jetzt mal Marx dort, wo er ohnehin schon von der Geschichte hingespült wurde, und wenden uns ohne diesen Umweg gleich einer der Hauptquellen zu, von der Marx schlecht abgeschrieben hat und die all das Vertreten hat, was Reich dazu brachte, die Orgonomie peinlicherweise mit dem Namen Marx und irrsinnigerweise mit dem der sozialistischen Vision zu verbinden: Adam Smith und sein Konzept einer selbstregulatorischen Ökonomie.

Beim Wiederaufbau der Orgonomie nach Reichs Tod hat eine reaktive („reaktionäre“) Grundhaltung in der Orgonomie Platz gegriffen, die alle kritischen „antikapitalistischen“ Gedanken Reichs als zur unorgonomischen Frühphase Reichs gehörig abtat und stattdessen auf den reinen Kapitalismus des Adam Smith zurückgriff. Beides ist gleichermaßen historisch unredlich wie wissenschaftlich unhaltbar, denn erstens hat Reich den Aufsatz über „Die lebendige Produktivkraft – Arbeitskraft – bei Karl Marx“ noch 1953 im Orgone Institute Press herausgegeben (Menschen im Staat) und sich so ausdrücklich zu den kapitalismuskritischen Grundthesen seiner marxistischen Phase bekannt, und zweitens kann man sich bei einer unkritischen Verklärung des Kapitalismus eben nicht auf Adam Smith berufen.

Der Theoretiker des Kapitalismus hatte immer gesagt, daß dies ein ganz unmoralisches System sei, daß auf dem zerstörerischen Eigennutz beruhe, der sich erst durch die „unsichtbare Hand“ des wirtschaftlichen Verkehrs in Gemeinnutz verwandele. Smith hat darüber hinaus diese vorgebliche Zwangläufigkeit des Wandels vom bösen Ursprung zum guten Resultat dahingehend relativiert, daß man bei allem Nutzen für die Allgemeinheit den zugrundeliegenden Eigennutz nicht aus den Augen verlieren dürfe und den Unternehmern von Staatswegen und durch eine ständig alerte kritische Öffentlichkeit unablässig auf die Finger schauen müsse, denn die Kapitalisten wären stets bestrebt, durch geheime Absprachen die Löhne zu drücken, die Preise hochzuhalten und den kapitalistischen Markt außer Funktion zu setzen.

So ist „Antikapitalismus“ untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden – wer kein „Antikapitalist“ ist, hat nichts vom Kapitalismus begriffen und ist überhaupt kein „Kapitalist“, sondern ein Krypto-Kommunist, der die wahren Konflikte verkleistert, wie es schon Marx getan hatte. Indem Marx mit seinen mystifizierenden Mehrwerttheorien von dem einfachen Machtkampf zwischen Werktätigen und Kapitalisten ablenkte, hat er der Arbeiterbewegung einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Das gleiche gilt natürlich für das Kleinbürgertum, das Marx buchstäblich durch den Rost fallen ließ. Doch die von Marx vorausgesagte (und im Gegensatz zu Adam Smith von Marx ersehnte) Konzentration des Kapitals findet in einer offenen Gesellschaft, in der Macht in einem ewigen Kampf eingeschränkt wird, eine natürliche Grenze, einfach weil Großbetriebe nicht marktgerecht, flexibel und kundennah arbeiten können. Die Gewinnspanne von Kleinbetrieben ist höher als die von Großbetrieben – wenn diese nicht den Markt durch ihre Macht ständig pervertieren würden. – Eine genaue Analyse zeigt, daß Marx auf Seiten der Mächtigen stand: gegen die Werktätigen in ihren Betrieben und gegen ihre „kleinbürgerliche“ Konkurrenten auf dem Markt.


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