Posts Tagged ‘Wissenschaft’

Warum wenden sich „Orgonomen“ von der Orgonomie ab?

29. April 2018

Ich muß immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich an Leute zurückdenke, die mir einst geradezu inquisitorische Fragen über meine „orgonomische“ Rechtgläubigkeit und Ernsthaftigkeit stellten – und die sich mittlerweile in Luft aufgelöst haben, teilweise sogar zu Gegnern der Orgonomie geworden sind. Seit Reichs Zeiten gibt es immer wieder sogar Orgonomen, die quasi „in Amt und Würden“ standen und öffentlich gegen die Verzerrung der Orgonomie auftraten – und die dann später einfach verschwanden, teilweise sogar zu Gegnern der Orgonomie geworden sind. Wie ist das zu erklären?

Die Antwort findet sich bei Reich:

Es ist immer die Unfähigkeit des gepanzerten Organismus, seine Liebesregungen zu entwickeln, in Enthusiasmus zu geraten, sich dauernd einer Sache hinzugeben. Die ihn destruktiv werden läßt. (Äther, Gott und Teufel, S. 74, Hervorhebung hinzugefügt)

Da der gepanzerte Organismus „nie voll auszuschwingen vermag, ist seine Liebe eine kleine, abgemessene, säuberlich verteilte und zugeteilte Liebe“. Er ist, wie Reich weiter schreibt, stets beherrscht, zieht die Umstände in Betracht, handelt wohlabgewogen und überlegt. „Ein solcher Organismus haßt die geordnete, aber unendlich variable Freiheit der Naturvorgänge oder er fürchtet sie“ (ebd., S. 67f).

Imgrunde war diesen lauwarmen Gesellen die Orgonomie schon immer fremd. Das dumme ist, daß man im realen Leben ihr Verhalten immer erst im nachhinein durchschaut und daß sie sich nur durch einen einzigen Faktor zu erkennen geben: in der Dauer ihres Enthusiasmus. Hält der nicht unvermindert bis zur Todesstunde an, war es gar kein „Enthusiasmus“ für die Wissenschaft von der Lebensenergie, d.h. kein einheitlicher und umfassender Ausdruck ihres biologischen Kerns, sondern nur ein isolierter Vorstoß ihrer Lebensenergie durch eine Lücke in der Panzerung, ein folgenloses Strohfeuer.

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ZUKUNFTSKINDER: 4. Geburtshilfe, b. Die Emotionelle Pest auf der Entbindungsstation

16. Februar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

4. Geburtshilfe, b. Die Emotionelle Pest auf der Entbindungsstation

nachrichtenbrief96

10. Dezember 2017

nachrichtenbrief94

5. Dezember 2017

Die Weltgeschichte der Emotionellen Pest gegen die Wissenschaft Orgonomie

30. Oktober 2017

Nietzsches Antichrist zufolge handelt Kapitel 3 der biblischen Genesis „von der Höllenangst Gottes vor der Wissenschaft“. Diese „Angst Gottes“ vor der Wissenschaft sei dabei natürlich nur Ausdruck der Angst von Priestern des Aberglaubens vor der wissenschaftlichen Aufklärung. Insbesondere mit der Erschaffung des Weibes habe Gott einen Fehlgriff getan, denn jeder Priester wisse, daß das Weib „seinem Wesen nach Schlange, Heva“ ist; jeder Priester wisse, daß vom Weib jedes Unheil in die Welt kommt, folglich auch die Wissenschaft. Nietzsche schreibt weiter:

Erst durch das Weib lernte der Mensch vom Baume der Erkenntnis kosten. – Was war geschehen? Den alten Gott ergriff eine Höllenangst. Der Mensch selbst war sein größter Fehlgriff geworden, er hatte sich einen Rivalen geschaffen, die Wissenschaft macht gottgleich, – es ist mit Priestern und Göttern zu Ende, wenn der Mensch wissenschaftlich wird! – Moral: die Wissenschaft ist das Verbotene an sich – sie allein ist verboten. Die Wissenschaft ist die erste Sünde, der Keim aller Sünde, die Erbsünde. Dies allein ist Moral. – „Du sollst nicht erkennen“ – der Rest folgt daraus. – Die Höllenangst Gottes verhinderte ihn nicht, klug zu sein. Wie wehrt man sich gegen die Wissenschaft? das wurde für lange sein Hauptproblem. Antwort: fort mit dem Menschen aus dem Paradies! Das Glück, der Müßiggang bringt auf Gedanken – alle Gedanken sind schlechte Gedanken… Der Mensch soll nicht denken. – Und der „Priester an sich“ erfindet die Not, den Tod, die Lebensgefahr der Schwangerschaft, jede Art von Elend, Alter, Mühsal, die Krankheit vor allem – lauter Mittel im Kampfe mit der Wissenschaft! Die Not erlaubt dem Menschen nicht, zu denken… Und trotzdem! entsetzlich! Das Werk der Erkenntnis türmt sich auf, himmelstürmend, götter-andämmernd [der Turmbau zu Babel (Gen 11)] – was tun! – Der alte Gott erfindet den Krieg, er trennt die Völker, er macht, daß die Menschen sich gegenseitig vernichten (– Priester haben immer den Krieg nötig gehabt…). Der Krieg – unter anderem ein großer Störenfried der Wissenschaft! – Unglaublich! Die Erkenntnis, die Emanzipation vom Priester, nimmt selbst trotz Kriegen zu. – Und ein letzter Entschluß kommt dem alten Gotte: „der Mensch ward wissenschaftlich – es hilft nichts, man muß ihn ersäufen!“… [die Sintflut (Gen 6f)]

So enthalte der Anfang der Bibel die ganze Psychologie des Priesters, der den Menschen unglücklich halten muß, um ihn von der Wissenschaft (dem „gesunden Begriff von Ursache und Wirkung“) abzuhalten. Das sei die Logik des Priestertums.

Man errät bereits, was, dieser Logik gemäß, damit erst in die Welt gekommen ist – die „Sünde“… Der Schuld- und Strafbegriff, die ganze „sittliche Weltordnung“ ist erfunden gegen die Wissenschaft – gegen die Ablösung des Menschen vom Priester… Der Mensch soll nicht hinaus-, er soll in sich hineinsehen; er soll nicht klug und vorsichtig, als Lernender, in die Dinge sehn, er soll überhaupt gar nicht sehn: er soll leiden… Und er soll so leiden, daß er jederzeit den Priester nötig hat. – Weg mit den Ärzten! Man hat einen Heiland nötig. – Der Schuld- und Straf-Begriff, eingerechnet die Lehre von der „Gnade“, von der „Erlösung“, von der „Vergebung“ – Lügen durch und durch und ohne jede psychologische Realität – sind erfunden, um den Ursachen-Sinn des Menschen zu zerstören: sie sind das Attentat gegen den Begriff Ursache und Wirkung! – Und nicht ein Attentat mit der Faust, mit dem Messer, mit der Ehrlichkeit in Haß und Liebe! Sondern aus den feigsten, listigsten, niedrigsten Instinkten heraus! Ein Priester-Attentat! Ein Parasiten-Attentat! Ein Vampyrismus bleicher unterirdischer Blutsauger!… Wenn die natürlichen Folgen einer Tat nicht mehr „natürlich“ sind, sondern durch Begriffs-Gespenster des Aberglaubens, durch „Gott“, durch „Geister“, durch „Seelen“ bewirkt gedacht werden, als bloß „moralische“ Konsequenzen, als Lohn, Strafe, Wink, Erziehungsmittel, so ist die Voraussetzung zur Erkenntnis zerstört – so hat man das größte Verbrechen an der Menschheit begangen. – Die Sünde, nochmals gesagt, diese Selbstschändungs-Form des Menschen par excellence, ist erfunden, um Wissenschaft, um Kultur, um jede Erhöhung und Vornehmheit des Menschen unmöglich zu machen; der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde. –“ (Antichrist, Kritische Studienausgabe, Bd. 6, Hrsg. G. Colli, M. Montinari, München: dtv/de Gruyter, 1988, S. 226-229)

Freud behauptete, unsere „Kultur“ sei auf der Unterdrückung der sexuellen Triebe aufgebaut und entsprechend die Rebellion der Heroen der Kultur eben gegen diese Kultur von vornherein angelegt sei. Er führt aus, daß derjenige, der, dank einer „unbeugsamen Konstitution“, seine Triebe nicht unterdrücken könne, entweder als Verbrecher ende oder, wenn er eine entsprechende soziale Position einnimmt oder hervorragende Fähigkeiten besitzt, sich als „großer Mann“, als „Held“ durchsetzen werde (Freud: Die „kulturelle“ Sexualmoral und die moderne Nervosität, 1908. In: Studienausgabe Bd. 9, Frankfurt: S. Fischer Verlag, 1974, S. 18). Eine romantische Auffassung, die kaum der Realität entspricht. Eine sinnvollere Unterscheidung wäre die zwischen pestilentem Charakter (Verbrecher, Gewaltmensch, Tyrann) und genitalem Charakter (Kulturheros), wie sie von Reich herausgearbeitet wurde (Charakteranalyse).

Napoleon war für Reich beispielsweise alles andere als ein „Kulturheros“, sondern einfach ein Schwerstverbrecher, der nur von Idioten verehrt werden könne (Napoleon, that stupid ass!, American Odyssey, S. 179). Ein, oder vielmehr der, wirkliche Held war für Reich Christus. Sein Erscheinen war der Durchbruch der Genitalität, das ausgesprochen sexualfeindliche Christentum entsprechend eine mißglückte biologische Revolution.

Die Weltgeschichte der soziopolitischen Orgonomie

19. Oktober 2017

Die Weltgeschichte ist die Entwicklung vom ungepanzerten Kern zur Fassade des Panzers, die sich in Gestalt des Kommunisten vollständig vom Kern gelöst hat und alles tut, um eben diesen zu vernichten – das Leben selbst zu vernichten. Man betrachte sich die Antifa, den Gender-Wahnsinn oder den mörderischen Anti-Trump-Wahn.

In der gepanzerten Gesellschaft ist der Kern nicht gesellschaftlich repräsentiert, sondern nur der Mystizismus (verzerrter Kernkontakt) und der Mechanismus (die Fassade). Der Mystizismus wird von der Kirche, in China durch den Buddhismus und Taoismus vertreten, der Mechanismus durch den Staat, in China durch den Konfuzianismus. Und so entsprechend in allen Kulturen. In Tibet findet man diese Spaltung etwa zwischen dem Panchen Lama („Buddha“) und dem Dalai Lama („Bodhisattwa“) oder quasi „katholischen“ Rotmützen und quasi „protestantischen“ Gelbmützen. In Indien zwischen den Brahmanen und der Kriegerkaste. Bei den Indianern und Indios, Negern und den Bewohnern der Pazifikinseln war es der Konflikt zwischen den Schamanen, die kaum lebensfähige Traumtänzer waren, und den pragmatischen Kriegshäuptlingen, letztendlich der zwischen Magie und Wissenschaft.

In der Antike war es der Gegensatz zwischen den diversen Mysterienkulten und dem rationalen Denken, zum Schluß der zwischen dem Christentum und den Philosophen. Später war es in der islamischen Welt der Kampf zwischen einem alles erstickenden voodoo-artigen Aberglauben, der bis heute den volks-islamischen Alltag in einer Weise überschattet, die sich der aufgeklärte Deutsche nicht im entferntesten ausmalen kann, und dem islamischen Fundamentalismus, der pseudo-rationalistisch das „Gesetz“ durchsetzen will. Zuvor kämpfte in Gestalt von Paulus das Christentum gegen ein immer mehr verrohendes, sich ganz der mittleren Schicht hingebendes Rom. In der Westkirche kam es dann in Gestalt der Scholastik zu einer „Verwissenschaftlichung“ der Theologie, d.h. die Philosophen traten erneut in Erscheinung. Diese haben sich dann immer mehr emanzipiert („Aufklärung“), bis es (etwa bei den Jakobinern) zur Formierung des kommunistischen Charakters kam. Die Fassade versuchte nicht mehr die sekundären Triebe einzudämmen, sondern tat nur noch so, um dergestalt die sekundäre Schicht umso effektiver durchzusetzen und den bioenergetischen Kern endgültig zu vernichten.

Seit dieser Zeit kommt es nicht nur zu sporadischen Ausbrüchen der Emotionellen Pest (sekundäre Schicht), sondern die Emotionelle Pest ist organisiert und hat nur das eine Ziel, die Gesellschaft zu zerstören. Heute beherrscht sie den gesamten öffentlichen Diskurs. 100 000 000 Menschen haben die Linken bereits ermordet und sie sind dabei wirklich jede einzelne Seele auf diesem Planten in die Hölle zu stürzen. Man schaue nach Hollywood und allgemein zur Unterhaltungsindustrie und dem infernalischen Dreck, mit dem Kinder und Jugendliche in den Bildungsinstitutionen indoktriniert werden! Man schaue sich den Abfall und Schrott an, der heutzutage als „Kunst“ vor unsere Füße geschissen wird!

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Der Psychoanalytiker und Kommunist Wilhelm Reich 1927/28 über die Emotionelle Pest

2. September 2017

Reich hat die Emotionelle Pest parallel zur Arbeitsdemokratie Ende der 1930er/Anfang der 1940er Jahre entdeckt. Die Untersuchung des Konflikts zwischen Emotioneller Pest und Arbeitsdemokratie konstituiert die orgonomische Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie). Zuvor hatte er Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre den Konflikt zwischen der Genitalität (Funktion des Orgasmus) und der Emotionellen Pest untersucht, was die Sexualökonomie konstituierte. Das war zwar ein Jahrzehnt vor der eigentlichen Entdeckung der Emotionellen Pest, doch die folgenden beiden Zitate zeigen, daß er bereits wußte, bevor er wußte…, will sagen, bevor sein Wissen zum definierbaren Begriff wurde.

Beim ersten Zitat geht es um den Sadismus bei Triebgehemmten, etwa Zwangsneurose oder Hysterie, und bei Triebhaften, jeweils im Zusammenhang mit Fallgeschichten, die uns hier nicht weiter interessieren:

Wir erinnern an unsere Beschreibung der Reaktionsweise der zwangsneurotischen Frau auf ihre in der Übertragungssituation hervorbrechende Liebestendenz: Sie haßt den Analytiker, weil sie von ihrer Liebe nichts wissen darf und ihn wie jedes Liebesobjekt fürchtet; dabei überwuchern ihre sadistischen Phantasien, deren sexueller Charakter unverkennbar ist. Was hier unbewußt vor sich geht, rollt beim Triebmenschen offen ab, er fordert rücksichtslos Liebesbezeugungen und droht etwa, den Arzt zu vergiften, wenn er zurückgewiesen wird; als Motiv seiner Mordabsicht gibt er aber niemals die Zurückweisung an; das verbieten ihm sein so leicht verletzbarer Stolz und sein Schuldgefühl, sondern er findet bald eine nichtige Rationalisierung oder er erklärt einfach, das Töten, Kastrieren oder Brandlegen würde ihn sicherlich heilen, nur darin könnte er restlose Befriedigung finden, er müßte sich nur einmal tüchtig austoben. (Die Funktion des Orgasmus, 1927, S. 157f)

Was Reich hier beschreibt, die auffällige Diskrepanz zwischen vorgeschobenem und wirklichem Motiv, ist nichts anderes als die Emotionelle Pest. Das ganze könnte man auf Hitler, den „Generalpsychopathen“, wie Reich ihn nannte, und die nationalsozialistische Judenverfolgung übertragen.

Wie die Emotionelle Pest in ihrem eigentlichen Funktionsbereich, der Gesellschaft, zum Ausdruck kommt, und wie man ihr dort entgegentreten muß, beschreibt der Psychoanalytiker und Kommunist Reich wie folgt:

Es gibt Idealisten, welche meinen, die Wissenschaft sei eine voraussetzungslose Arbeit an Gegebenheiten, die unbekümmert um Meinungen und Ängste, rücksichtslos Wahrheiten aufdeckt. Statt dessen sieht man, daß insbesondere dort, wo es sich um Fragen des sexuellen Seins handelt, ethische Predigten mit der dazugehörigen Verlogenheit an der Arbeit sind, die sexuelle Not ins Maßlose zu steigern. Es kann wohl kein ethischeres Ziel gehen, als diese Art „Wissenschaft“, und je berühmter der Name des Forschers, desto unerbittlicher, zu bekämpfen, ohne Rücksicht auf die übliche Konvention und das schädliche laissez faire. Wohlerzogene Rücksichtnahme wird (…) zum Verbrechen an der Wissenschaft und an den Menschen. (Reich in einer Besprechung von Prof. Paul Häberlin „Über die Ehe. Schweizer Spiegel-Verlag, Zürich, 1928“ Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 14(4), 1928, S. 532f)

Reich zitiert entsprechende Stellen bei Professor Häberlin, die zeigen, wie das Lebensglück der Menschen irgendwelchen „höheren Prinzipien“ geopfert wird. Mit Hilfe der damaligen Sexpol wollte Reich dieser gesellschaftlichen Perversion in der autoritären Gesellschaft aktiv entgegentreten.

Funktionelle und mechanistische Wissenschaft

28. August 2017

1944 schrieb Reichs Freund A.S. Neill:

Die alte Aussage, daß die Wissenschaft die Farben in einem Van-Gogh-Bild analysieren kann, ist nicht so plattitüdenhaft, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Für die Wissenschaft ist ein Sonnenuntergang das Ergebnis von Staub in der Luft, und keine Menge von gelehrter Wissenschaft wird uns je helfen, die Emotionen zu verstehen, die ein Sonnenuntergang uns schenken kann. (…) Es gibt nicht einen unter meinen zahlreichen wissenschaftlichen Freunden, bei dem ich auf den Gedanken käme, mich an ihn zu wenden, wenn es um ein menschliches Problem ginge, nicht einen, dessen Bewertung eines Theaterspiels oder eines Bildes ich wahrscheinlich akzeptieren würde. Es geht um die elementare Tatsache, daß es keine zwei Meinungen über die Wirkung einer Säure auf ein Metall geben kann, hingegen tausend Meinungen über ein Bild oder eine Religion oder ein politisches Glaubensbekenntnis. Alles Wissen um die Säuren und Alkalien der Welt müssen vergleichsweise unwichtig bleiben, solange wir nicht ein gleichgroßes Verständnis von geistigen und emotionalen Dingen besitzen. (Hearts not Heads in the School, London 1944, S. 68)

Diese Stelle ist gehaltvoller, als sie auf den ersten Blick klingen mag. Es geht schlichtweg um das innerste Wesen der gepanzerten Gesellschaft. Sie beruht darauf, daß beispielsweise Liebe und Sexualität voneinander getrennt werden. Entsprechend werden die „schönen Künste“, die Religion und die Geisteswissenschaften von den Naturwissenschaften getrennt. Goethe war vielleicht der letzte, der noch um eine Einheit der beiden Sphären rang. Er mußte scheitern, weil er nichts von der Ursache dieser verhängnisvollen Spaltung wußte.

Die chemische Analyse der Farben Van Goghs sind dem Studenten der Orgonomie ziemlich gleichgültig. Das Hauptinstrument des orgonomischen Physikers ist seine Subjektivität, sein Körpergefühl, seine Wahrnehmungsgabe, sein „orgonotischer Sinn“ und in diesem Sinne können die Bilder Van Goghs und dessen inneres Ringen Inspiration sein. Van Gogh malte die atmosphärische Orgonenergie, die über ihre diversen Erregungszustände mit unseren Emotionen untrennbar verbunden ist. Der Student der Orgonomie weiß, daß jeder Sonnenuntergang ein energetisch hochdramatisches Ereignis ist und daß die Farben des Himmels nicht nur mechanisch erklärt werden können. Er sieht die Erregung der atmosphärischen Orgonenergie unmittelbar beim Sonnenuntergang, etwa wenn er zu der Zeit durch den Wald spazierengeht, und experimentell die Entsprechung in der VACOR-Röhre. Wie Reich sagte: er hätte keine einzige Formulierung der Orgonphysik hingekriegt, hätte er sich nicht vorher mit der individuellen und gesellschaftlichen Panzerung („Charakteranalyse und Sexpol“) auseinandergesetzt.

Nichts steht außerhalb der Wissenschaft, weder die Kunst noch die Religion. Beispielsweise kann man die moderne „Kunst“ und die moderne „Religion“ (der sich ausbreitende Buddhismus) nur verstehen, wenn man weiß, daß sie ein sekundärer Ausdruck einer bestimmten bioenergetischen Umwandlung sind, die ich auf diesem Blog bereits des öfteren erklärt habe: Emotion → Sensation.

Und was den Bereich der mechanistischen Wissenschaft betrifft, d.h. das Handhaben von Maschinen und die Übertragung des menschengemachten Maschinenmodells auf die Natur, hat sie zweifellos ihre Berechtigung. Sie hat etwa das Notebook geschaffen, auf dem ich dies gerade schreibe, aber hier muß ich Neills Ausführungen im zitierten Buch beipflichten, die darum gehen, daß in der Erziehung das Herz die erste Geige spielen sollte und der Kopf sekundär ist. Die ungeheuren Machtmittel, die uns die mechanistische Wissenschaft geschenkt hat, können verantwortlich nur von Menschen mit „Herzensbildung“, d.h. ungepanzerten Menschen angewendet werden bzw. Menschen die mit der Panzerung, der Emotionellen Pest und dem Orgon vertraut sind. Alles andere wird die Menschheit über kurz oder lang zerstören. Es ist wie mit dem herzlosen Sexus, der uns Geschlechtskrankheiten, zerstörte Familien und zerstörte Menschen hinterlassen hat.

Die gescheiterte Orgonomie (Teil 1)

13. Mai 2017

Es gibt zwei grandiose Mißverständnisse hinsichtlich der Orgonomie, die sich in entsprechende Fragen kleiden lassen:

Wo sind denn die tollen Ergebnisse der Orgontherapie? Wo die umstrukturierten, entpanzerten, gesunden genitalen Expatienten?

Warum hat es nach Reich keine neuen weltbewegenden Entdeckungen und Entwicklungen gegeben?

Die Orgontherapie ist die einzige, die einzige, Therapieform, die ein eindeutig umrissenes, klar definiertes und objektiv nachprüfbares Ziel anvisiert: die orgastische Potenz. Es geht dabei nicht darum, dieses Ziel zu erreichen, sondern die Patienten auf dieses Gleis zu setzen. Das ist der einzige wirkliche Wirkmechanismus. Es ist schon viel erreicht, wenn die Therapie aus schier unerträglichen Nervensägen einigermaßen vernünftige Menschen macht.

Bei der Orgontherapie ist es wie überall in der Soziologie und Psychologie. Um beispielsweise den Einfluß des Protestantismus auf die Menschen zu erforschen, muß man zunächst den Durchschnitt und die historische Entwicklung betrachten, so daß man bei Fallstudien an Einzelnen weiß, was man sinnvoller Weise untersuchen soll, um die Dynamik des Protestantismus im Vergleich zum Katholizismus zu verstehen. Man kann sich also dieser Frage nicht „wertfrei“ nähern! Kurz gesagt können Protestanten klarer denken und „klarer fühlen“, weil sie sich weiter vom heidnischen Obskurantismus entfernt haben. Alles andere ist irrelevant. Ähnlich ist das bei der Bewertung der Orgontherapie: es geht um den Entwicklungsprozeß.

Wie willst du entscheiden, was „gesund“ ist? Es kommen unendlich dumme Einwände a la, daß in katholischen Ländern die Menschen fröhlicher sind und ähnlicher irrelevanter Unsinn.

Und was die mangelnde Produktivität betrifft: Es herrscht allgemein ein Mißverständnis vor, was Wissenschaft und technische Entwicklungen betrifft. Nach einer wissenschaftlichen Revolution (etwa Galilei und Newton, später die Quantenmechanik) oder einer technischen (die Dampfmaschine, der Verbrennungsmotor und der Elektromotor) wird jahrhundertelang dran rumgedoktert, aber es gibt keine wirklich neuen Entdeckungen oder grundlegenden neuen Erfindungen. Die Materie ist wie sie ist, die Orgonenergie ist wie sie ist, d.h. ihre Eigenschaften sind jeweils überschaubar, nachdem jemand den Schlüssel gefunden hat, diesen Raum der Natur zu öffnen.

Das Mammut im Boß und Protomaterie voller Elan

8. März 2017

Reich zufolge, haftet die gängige Wissenschaft am Statischen. Die atmosphärische Orgonenergie seien für die Wissenschaftler nur „Hitzewellen“, die kosmische Orgonenergie nur „kosmischer Staub“. Für die Entwicklung und Dynamik in der Natur seien sie wie blind (siehe Äther, Gott und Teufel).

Zheng Cai (University of California, Santa Cruz) et al. haben den dritten „enormous Lyman-alpha nebula“ (ELAN) entdeckt. Der Nebel MAMMOTH-1 (Mapping the Most Massive Overdensities Through Hydrogen) sei 10 Milliarden Lichtjahre ebtfernt. Ein „Nebel“ ist eine interstellare Gas- bzw. Staubwolke. MAMMOTH-1 liegt ungefähr im Zentrum des etwa 50 Millionen Lichtjahre großen „Protoclusters“ BOSS1441. Protocluster sollen die Vorgänger der heutigen Galaxie-Cluster sein.

Die Astronomen stehen vor einem Rätsel, denn niemand kann sagen, was den Nebel MAMMOTH-1 zum Leuchten bringt. Vielleicht ein aktiver Galaxienkern, ähnlich einem Quasar, der unserer Sicht verborgen bleibt, weil er von kosmischem Staub verdeckt wird? Ein ELAN wie MAMMOTH-1 ist ein Nebel, der Lyman-Alpha-Strahlung aussendet, d.h. ultraviolettes Licht, das entsteht, wenn im Wasserstoffatom das Elektron auf die niedrigste Bahn fällt. Die beiden vorher entdeckten ELANs, der Slug-Nebel und der Jackpot-Nebel, enthalten Quasare (der letztere sogar unglaubliche vier Stück!), die das Gas und den Staub erleuchten. Doch bei MAMMOTH-1 gibt es vielleicht eine schwache, verschmiert erscheinende Galaxie, aber keinen Hinweis auf einen Quasar.

ELANs sind schwer zu erkennen, weil sie so diffus sind (…). Die direkte Beobachtung von einem bietet die Möglichkeit, zu untersuchen, wie Gase zu Galaxien verschmelzen, was meist nur mit Computersimulationen möglich ist.

Kann es nicht sein, daß MAMMOTH-1 ultraviolett leuchtet (wenn man die Rotverschiebung wegrechnet), weil nicht irgendwelche Gase, sondern die Orgonenergie erstrahlt? Ist dieser Nebel aus „kosmischem Staub“ vielleicht nichts anderes als kosmische Orgonenergie, wie Reich es in Die kosmische Überlagerung generell für den „kosmischen Staub“ behauptet? Und verweist die schwache, verschmiert erscheinende Galaxie nicht einfach auf die Anfänge einer kosmischen Überlagerung? Und überhaupt, ist MAMMOTH-1 vielleicht gar keine 10 Milliarden Lichtjahre entfernt? Die Rotverschiebung der Quasare in den beiden anderen ELANs könnte, wie bei allen Quasaren, nämlich ebenfalls ein Effekt der kosmischen Überlagerung sein. Es handelt sich um Protomaterie, junge Materie, in der die Elektronenbahnen in einer größeren Entfernung um den Atomkern verlaufen, so daß die Atome weitaus längerwelliges Licht abgeben („Rotverschiebung“). Und es ist schon auffällig, daß es von den eher seltenen Quasaren im Jackpot-Nebel unglaublicherweise gleich vier Stück gibt – daher auch der Name! Siehe dazu meine Ausführungen in Überlagerung und Teilung in galaktischen Systemen.