Posts Tagged ‘William S. Schlamm’

Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

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DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

8. Oktober 2016

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Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

 

 

Robert sagte 2010: Der Publizist William S. Schlamm,… rechtskonservativer Reich-Hasser
Es ist typisch für die vielen Konservativen, dass sie perverse Sexualität nicht von natürlicher Sexualität unterscheiden können und deswegen Reich missverstehen. Schlamm ist da beileibe nicht der Einzige. Der übelste Vorwurf ist, Reich hätte den sexuellen Kindesmissbrauch unterstützt.
Während die Konservativen Reich unterstellen, er fördere Perversionen, unterstellen ihm die Liberalen, er wolle eine genitale Diktatur errichten (und die Prä-Genitalität unterdrücken).

Klaus: Immer wenn ich anfing, was von Bloch zu lesen, war ich sehr gelangweilt, weil ich mich fragte, was er außer historischen Thesen zu bieten hat an allgemeinen Erkenntnissen. Und wenn da auch allgemeinere Erkenntnisse sind, kann man die kürzer und klarer zum Ausdruck bringen. Diese Standardautoren der Linken machten sich eben vierzig Jahre gut in Regalen – Suhrkamp hat ja gleich fürs Design gesorgt. Nun hatten die linken Studenten immerhin wenigstens Helden fürs Bücherregal – die gegenwärtigen haben u. a. wegen der standardisierten Veranstaltungen und Prüfungen meistens erheblich weniger Lektüreerfahrungen aus eigener Initiative. Nicht einmal mehr zum Protzen ist etwas im Regal aneinandergereiht.
Wie sehr z. B. Adorno bloß Kultstatus hatte (und z. T. noch hat) (wie mir scheint: ohne inhaltlich Umwerfendes mitzuteilen), merkte ich z. B. daran, dass in einem meiner spannendsten Seminare – über kleine Schriften Gottlob Freges – mein Nachbar einerseits heimlich, andererseits demonstrativ (Buch unterm Tisch, aber vor Seminarbeginn sichtbar) Adorno las.

Robert: Adorno hat allerdings mit die „Studien zum autoritären Charakter“ geliefert, womit er die Psychostruktur des faschistischen Charakters liefern wollte. Es hat allerdings mehr mit Sozialpsychologie statt Tiefenpsychologie zu tun. Ich bezweifele, ob er Reichs „Massenpsychologie“ gelesen hat – jedenfalls merkt man darin wenig (in der Suhrkamper Taschenbuchausgabe). Das Buch erschien 1950 als Sammelwerk in den USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

Jonas Says:
@Robert:
Habe leider die Quelle nicht parat, erinnere mich aber gelesen zu haben, dass sich Adorno im „autoritären Charakter“ stark an Reich orientierte – auch wenn er seinen Namen nicht erwähnt. In privaten Briefen diskutiert er dies aber. Er gibt Reich den Vorzug gegenüber Erich Fromm, da letzterer den Fehler beginge, die psychoanalytische Methode direkt auf die Gesellschaft anzuwenden, während Reich psychoanalytische und soziologische Methodik nach ihren Zuständigkeitsbereichen getrennt halten will.
Das man davon zugegebenermaßen wenig merkt, ist natürlich eine andere Geschichte. Zum Verhältnis Adorno-Reich sind sicherlich Laskas Arbeiten im LSR-Projekt lesenswert (Stichwort Re-pulsions- und De-zeptionsgeschichte).

Klaus: Wie trivial es ist, was er zum irrationalen Kampf gegen jegliche Autorität zu sagen hat – eben so trivial, wie das, wogegen er argumentiert, lächerlich ist. Daher wundern mich immer die vielen Worte, die dafür gebraucht wurden.

David 2015: Der libertinistische Gegenpart zum asketisch verträumten Bloch spielte Herbert Marcuse, der Prophet des Anspruchsdenkens, der Leistungsverweigerung und der anti-genitalen polymorph-perversen Erotisierung der Gesellschaft. Alles was die Spießer von je her den fortschrittlichen Menschen fälschlich andichteten, propagierte dieses Schwein.
Und Habermas?
Der wird doch auch immer wieder erwähnt – im Zusammenhang mit der Kritischen Theorie:
Zitat Wikipedia:
Wegen der Vielfalt seiner philosophischen und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten gilt Habermas als ein produktiver und engagierter öffentlicher Intellektueller.[2] Vom hegelianisch-marxistischen Ursprung der Frankfurter Schule hat er sich durch die Rezeption und Integration eines breiten Spektrums neuerer Theorien gelöst. Er verband den historischen Materialismus von Marx mit dem amerikanischen Pragmatismus, der Entwicklungstheorie von Piaget und Kohlberg
(ähnlich auch Loevinger – das sind doch die Stadien der moralisch-psychologischen Entwicklung des Kindes wenn ich mich nicht irre; Anmerkung von mir)
und der Psychoanalyse von Freud. Zudem beeinflusste er maßgeblich die deutschen Sozialwissenschaften, die Moral- und Sozialphilosophie. Meilensteine waren vor allem seine Theorie des kommunikativen Handelns
(kommunikatives Handeln klingt ziemlich modern, irgendwie facebook-like; nach Arbeitsdemokratie hört das sich aber gar nicht an, finde ich; Anmerkung von mir)
und, wiederholt inspiriert durch die diskurstheoretische Auseinandersetzung mit Karl-Otto Apel, seine Diskurstheorie der Moral und des Rechts.
Zitat Ende.
Irgendwie kommt mir das alles ziemlich „rechts“ vor und anfangen konnte ich mit Habermas noch nie was. Vielleicht konnte ich ihn noch nicht einmal verstehen.

Robert 2011: Zu Daniel Cohn-Bendit ein informativer Artikel von Bettina Röhl:
Vom Wutbürger zum Machtbürger
Daniel Cohn-Bendit ist eine Art Überpräsident der 68er Bewegung. Seine pädophilen Entgleisungen schaden ihm nicht. Jetzt schwingt er sich zum Oberrichter über Demokratie, Verfassung und die Schweiz auf. Von Bettina Röhl
http://fact-fiction.net/?p=5646#more-5646

Dazu Peter: Bei den lesenswerten Leserbriefen habe ich folgenden interessanten Link gefunden:
http://wireltern.eu/news/die-paedophilenpartei.html
Ich werde niemals soviel fressen können, wie ich kotzen möchte.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist Forderungen aus der CSU nach höheren Mindeststrafen für sexuellen Kindesmissbrauch ab.
Im „Hamburger Abendblatt“ nannte die FDP-Politikerin die geforderte Strafverschärfung für jede Form von sexuellem Missbrauch „reine Symbolpolitik“.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Justizministerin-gegen-schaerfere-Strafen_aid_949153.html
Ja, es ist symbolisch, daß in diesem Land Diebstahl härter bestraft wird als die Zerstörung einer Kinderseele.

O.: So wie Dieter E. Zimmer im Zeit-Artikel WR interpretiert und dieses Verständnis als das der 68-er hinstellt, wird den Studenten unterstellt sie wollten oder konnte WR nicht verstehen. Aber auch in den 90-ern wurde Reich in Belzig und Berlin in Reich-nahen Kreisen noch als Freifahrtschein zum Ficken missverstanden. Die meisten Reich-Schüler waren aber noch zu verklemmt, um überhaupt mal Sex zu haben, so musste sie dann bei den etwas lockeren sozialisierten Ex-DDR-lern/-innen sich abschauen, wie man einfach mal sich mit jemandem zum Sex verabreden kann.
Also auch in Berlin wurde noch geglaubt, bei „Reich-Lese-Unkundigen“, die aber durch Vorträge glaubten etwas vom genitalen Charakter verstanden zu haben, man müsse nur ficken und frei fließen. Die Eingeweihten wussten natürlich, dass das nichts bringen würde und das man ohne Therapie ohnehin nicht vorankäme.
Das Problem war aber vielmehr eine taugliche Therapie zu finden, wo doch niemand weit und breit eine Ahnung davon hatte … und so beißt sich die „sexuelle Revolution“ noch in ihren eigenen „Schwanz“ – wenn sie einen hat.

Peter 2015: Erneute Hetze von Rechts gegen Reich – angestachelt durch das linke Gesindel…
https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/02/linksanarchistische-kinderladen-der-68er-revolutionare-befreiung-durch-kindersex/

Reich und die Linke (Teil 1)

5. August 2015

Man kann die orgonomische soziopolitische Theorie im folgenden Schema zusammenfassen (dabei handelt es sich um eine, hier geringfügig modifizierte, orgonometrische Gleichung von Paul Mathews, die dieser wiederum auf Grundlage von Reichs Massenpsychologie des Faschismus ausgearbeitet hat):

Der rechteckige eingerahmte Teil entspricht dann der ausführlicheren Tabelle der soziopolitische Charakertypen in Elsworth F. Bakers Der Mensch in der Falle (S. 232).

Reichs Auseinandersetzung mit dem falschen Liberalen, den später Baker als „modernen Liberalen“ bzw. „Kollektivisten“ bezeichnen sollte, läßt sich sehr weit zurückverfolgen. So richtete sich Reich schon 1920 in seinem Tagebuch gegen die kollektivistische Haltung seines Freundes William S. Schlamm:

Aber in einem gebe ich ihm auch affektiv nicht recht: daß jeder Einzelne ein Teil eines Ganzen zu sein verpflichtet sei, um dem objektiven Geist zu dienen.

Vielmehr nehme er Stirners Standpunkt ein: „ich will nicht dienen, ich will den Geist in mir aufrichten“ (Leidenschaft der Jugend, Köln 1994, S. 139).

Schon aus den ersten rein privaten „politischen“ Aufzeichnungen Reichs kann man praktisch alle Elemente seines späteren Konzepts der „Arbeitsdemokratie“ auf der Grundlage selbstregulierter Individuen entnehmen: aus der Freiheit der Einzelnen entwickelt sich eine freie Gesellschaft. Ständig ist in Reichs damaligen privaten Aufzeichnungen von „Individualismus“ die Rede, während Leute wie Siegfried Bernfeld nur in Kollektiven leben könnten. Reich spricht vom „kommunistischen Geschwafel“ und stellt ihm die „egoistische Realität“ gegenüber. Er verweist dabei auf den „Gott“ Max Stirner, der 1844 mehr gesehen habe, als „wir 1921“. Reich fühlt sich abgestoßen von kommunistischen Sympathisanten und „Altruisten“, wie Alfred Adler, die nur kontaktlos „intellektuell revolutionär“ reden, ohne persönliche Konsequenzen zu ziehen. „Idealisten“, die für das ferne Rußland agitieren, das sie nichts angeht, während sie für das Elend in ihrer unmittelbaren Nähe blind sind und hilflos reagieren, wenn man sie auf es aufmerksam macht – sie planen aber die Weltregierung… (vgl. Leidenschaft der Jugend).

Willy Schlamm wandte sich Ende der 20er Jahre vom Kommunismus ab und entwickelte sich zum pessimistischen Konservativen, während sich zur selben Zeit Reich der kommunistischen Bewegung anschloß. In seinem Buch Wilhelm Reich in Wien (Wien 1988) beschreibt Karl Fallend den Elan und die Radikalität, die Reich dabei an den Tag legte. Bei einem politischen Engagement, das Reich nicht nur später mehr oder weniger zu vertuschen trachtete, um seinen Lebensweg gradliniger erscheinen zu lassen und diese Emotionelle Pest-Reaktion (auf seine eigene Entdeckung der Funktion des Oragsmus?) „einzuebnen“.

Reich war damals ganz dem sozialistischen Aufklärungsideal verpflichtet: Kläre die „Massen“ über ihre Lage auf und sie werden mechanisch, rationalistisch ihren Interessen gemäß handeln. Er mußte schmerzlich miterleben, daß man in der Tat die Menschen nicht erziehen kann. So sagte er rückblickend 1952 in einem Interview mit dem Psychoanalytiker Kurt Eissler:

Nun, ich kann Ihnen versichern, daß ich seinerzeit viele Fehler gemacht habe. Beispielsweise war es ein Fehler zu glauben, daß man mit den Leuten nur über die Neurose und dann über Glück zu sprechen braucht und daß sie dann fähig wären, zu verstehen und sich zu ändern. Ich wußte, daß die Leute krank waren, aber ich wollte Freiheit für sie. Aber die Fähigkeit zur Freiheit, die strukturelle, charakterologische Fähigkeit, war irgendwie nicht ganz da. Gerade hier, in der Frage der strukturellen Unfähigkeit, waren Freuds [konservative] Einwände gegen meine Arbeit korrekt.

Die Berechtigung konservativer Zurückhaltung zeigte sich Reich auch, als er bei seiner sexualpolitischen Arbeit mit der zügellosen Freiheitskrämerei des falschen Liberalismus konfrontiert wurde. So erinnert er sich 1946 in seiner Rede an den Kleinen Mann (S. 60):

Ein künftiger, derzeit noch verhinderter Führer, voll begeistert für die Diktatur des Proletariats, war auch für die Sexualökonomie begeistert. Er kam zu mir und sagte: „Sie sind wunderbar! Karl Marx hat den Menschen gesagt, wie sie ökonomisch frei sein können. Und Sie haben den Menschen gesagt, wie sie sexuell frei sein können. Sie haben gesagt: „Geht hin und vögelt nach Belieben.“

Genauso wie die Moralisiererei des reaktionären Konservativen in der totalen menschenverachtenden Amoralität des Nazismus endete, führt auch diese Zügellosigkeit des falschen Liberalismus in die kommunistische Prüderie. Reich wurde von den Roten Faschisten nur benutzt, um die Menschen in die Falle zu locken:

Ich belebe die Massen, kleiner Revolutionär, zeige ihnen die Misere ihres kleinen Lebens. Sie horchen meinen Worten, glühen vor Begeisterung und Hoffnung, rennen in deine Organisationen, weil sie glauben, mich dort zu finden. Du aber, was tust du? „Die Sexualität ist eine kleinbürgerliche Verirrung“, sagst du, „auf die ökonomischen Faktoren kommt es an.“ (ebd., S. 42)

Reich paßte einfach in keiner Hinsicht zum linken Spektrum und wurde nur zynisch ausgenutzt. Außerdem war seine Adaption des Marxismus so geartet, daß nichts von einer linken, kollektivistischen, gegen das Leben gerichteten Ideologie übrigblieb. So korrigierte Reich 1932 in seinem Buch zur „Geschichte der sexuellen Ökonomie“, Der Einbruch der Sexualmoral eine der fundamentalen Thesen, wenn nicht die fundamentale These, des Marxismus. Ging Engels noch kollektivistisch von der Produktion aus, davon, daß der Mensch durch die Produktion von Gütern und Menschen (Fortpflanzung) zum Menschen wird und beide Arten der Produktion die Gesellschaftsform bestimmen, betrachtete Reich individualistisch den Menschen vom Standpunkt der Konsumtion her: Nahrungstrieb (Konsum) und Sexualbedürfnis (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, S. 130). Dies ist schlicht das Gegenteil des Marxismus, unabhängig davon, daß sich Reich zu dieser Zeit noch als „Marxist“ betrachtete!

Reichs Schüler und Mitarbeiter Elsworth F. Baker schreibt in Der Mensch in der Falle (München 1980), daß sowohl der Konservatismus (Ordnung) als auch der Liberalismus (Freiheit)

in ihrer einfachsten Form (…) legitime Einstellungen zur Welt [sind], und wenn sie von gleich vielen Menschen vertreten werden, schaffen sie ein gutes Gleichgewicht im Fortschritt von Gesellschaft und Regierung. Übertreibungen und Verzerrungen der einen oder der anderen Einstellung bringen soziales und politisches Chaos mit sich.

Es hängt von den gesellschaftlichen Umständen ab, welche Seite von der Orgonomie in einer gegebenen Zeitperiode unterstützt wird. Beispielsweise hatte der „wissenschaftliche Sozialismus“ anfangs eine unmittelbare Relevanz für den Reichschen Ansatz „Sexualökonomie“.

In August Bebels 1883 erschienenem Buch Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden sich sexualökonomische Stellen wie folgende:

(…) weil besonders für das Weib sich die meisten Hemmungen ergeben, seine heftigsten Naturtriebe in natürlicher Weise zu befriedigen. Dieser Widerspruch zwischen Naturbedürfnis und Gesellschaftszwang führt zur Unnatur, zu geheimen Lastern und Ausschweifungen (…).

So ist es nur natürlich, daß Reich sich dieser Marxistischen Tradition zuwandte, die von Anfang an sexualökonomische Elemente in sich trug.

Der Rote Faden: Der Hintergrund der „Einstein-Affäre“

3. Februar 2015

Reich traf 1941 mit Einstein zusammen und zeigte ihm den Temperaturunterschied zwischen dem Orgonenergie-Akkumulator und dessen Umgebung. Einstein hat das selbst im Labor nachgemessen, bestätigt, dann jedoch mit einer geradezu schwachsinnigen Begründung verworfen: ganz normale Konvektion. Wärme steigt auf und wenn man die Temperatur oberhalb eines Tisches (sozusagen in der „Wärmezone“) mißt, ist sie dort höher als unterhalb des Tisches (in der „Kältezone“). Nun stand Reichs Orgonenergie-Akkumulator im Labor jedoch auf dem Tisch, während das Kontrollthermometer frei im Raum hing.

Ein paar Handgriffe und dieser Einwand ließe sich überprüfen. Warum hat Einstein nach all seinen Bemühungen sich diese Zeit nicht mehr genommen und stattdessen die Sache nach der nächstbesten „Erklärung“ verworfen? Zumal Reichs Versuchsaufbau alles andere als abwegig war, wie ich in Reich und die Physik gezeigt habe.

Außerdem war Reichs Kontaktaufnahme mit Einstein und seine Begründung, daß er wegen der Natur seiner Entdeckung das übliche Procedere umgehen müsse, keineswegs ein Einzelfall. Der damals noch vollkommen unbekannte 27jährige Inder Satyendranath Bose, nach dem heute die „Bosonen“ benannt sind, schrieb 1924 seine später berühmt gewordene Abhandlung Planck’s Law and the Hypothesis of Light Quanta und schickte sie an Einstein zur Begutachtung. Darin versuchte er „den Koeffizienten in Plancks Strahlungsformel unabhängig von der klassischen Elektrodynamik abzuleiten“. Dazu griff er auf Boltzmanns statistische Theorie der Gase zurück.

Ein ziemlich mutiges Unterfangen für einen jungen Physiker am anderen Ende der Welt, sich mit einem solchen Ansinnen an den großen Einstein zu wenden. Aber ohne den einflußreichen Fürsprecher hätte Bose wohl keine Chance gehabt, seine Theorie in einem angesehenen wissenschaftlichen Journal zu veröffentlichen. (Brigitte Röthlein: Die Quantenrevolution, München 2004, S. 174)

Einsteins Eintreten für Immanuel Velikovsky zeigt, daß Einstein nichts so schnell von sich gewiesen hat, nur weil es unorthodox war. Man lese nur die Korrespondenz zwischen den beiden.

Also wie Einsteins Verhalten Reich gegenüber erklären?

Myron Sharaf sagt in seiner Reich-Biographie Fury on Earth (New York 1983, S. 508), daß „Einstein mit der Planung für die Entwicklung der Atombombe beschäftigt war“ und daß er, so eine Idee von Professor Arthur Efron, vor dem ehemaligen „Kommunisten“ Reich durch das FBI gewarnt wurde. Nun war erstens Einstein nie direkt in die Entwicklung von Kernwaffen verwickelt, schon gar nicht in das Los Alamos National Laboratory, und zweitens war einer der Gründe hierfür, daß er den Behörden als unzuverlässiger „Linker“ verdächtig war.

Einstein hatte mehr als genug Muße, sich mit „obskuren Entdeckungen“ zu beschäftigen, zumal er Reichs Entdeckung wörtlich als „eine Bombe“ bezeichnete (Reich: The Einstein Affair, Rangeley 1953, E-21). Einstein war bereit gewesen, Reich an einem Montag zu empfangen und er verbrachte mit ihm fünf lange Stunden (E-21). Zwischen dieser Begegnung und dem Brief, in dem er die Sache als „für völlig aufgeklärt“ erklärte (E-9), liegt fast ein Monat.

Was war nun der Beweggrund für Einsteins ablehnendes und überraschend verletzendes Verhalten Reich gegenüber? Reich zitiert (E-35) eine Meldung aus der New York Times vom 17. März 1950, daß ein ehemaliger Assistent Einsteins, Dr. Leopold Infeld, ins stalinistische Polen gehen wolle, um dort der kommunistischen Regierung beim sozialistischen Aufbau zu helfen. War es nicht vielleicht so, daß 1941 gewisse europäische Assistenten und Mitarbeiter Einsteins gegen den ihnen aus Europa suspekten „Trotzkisten“ und „Psychofaschisten“ Reich Stimmung gemacht haben und alles taten, um seine Entdeckungen wegzuerklären? (Selbst wenn man Infelds direkte Beteiligung so gut wie ausschließen kann, scheint seine kommunistische Grundhaltung doch symptomatisch für Einsteins Umgebung gewesen zu sein.)

Hinzu kam, daß Reichs Entdeckung einer, wenn nicht der zentralen, Grundannahme von Einsteins physikalischem Weltbild ins Gesicht schlug.

1931 hatte Arthur Eddington in Das Weltbild der Physik etwas geschrieben, was sicherlich auch Einsteins Grundhaltung widerspiegelte:

Ich glaube, daß dem Gesetz von dem ständigen Wachsen der Entropie – dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik – die erste Stelle unter den Naturgesetzen gebührt. Wenn jemand Sie darauf hinweist, daß die von Ihnen bevorzugte Theorie des Universums den Maxwellschen Gleichungen widerspricht, – nun, so können Sie sagen, um so schlimmer für die Maxwellschen Gleichungen. Wenn es sich herausstellt, daß sie mit der Beobachtung nicht vereinbar ist, – gut, auch Experimentalphysiker pfuschen manchmal. Aber wenn Ihre Theorie gegen den Zweiten Hauptsatz verstößt, dann ist alle Hoffnung vergebens. Dann bleibt ihr nichts mehr übrig, als in tiefster Demut in der Versenkung zu verschwinden. (z.n. Coveney P., R. Highfield: Anti-Chaos, Reinbek 1992, S. 198)

Reich hatte nicht Recht, weil er nicht Recht haben konnte. Oder wie Planck mal in einem anderen Zusammenhang seine Kollegen durch den Kakao zog: „Um so schlimmer für die Tatsachen, wenn sie nicht stimmen.“

Als Reich schließlich 1944 drohte, wegen all der Gerüchte um sein Zusammentreffen mit Einstein die ganze Angelegenheit öffentlich zu machen, protestierte Einstein, er wolle sich nicht für „Werbezwecke“ einspannen lassen. Was brachte ihn dazu, Reich derartig zu beleidigen?

16 Jahre zuvor hatte Einstein einen ziemlich abwegigen Kühlschrank patentieren lassen, der nicht mit Strom, sondern mit Wasser angetrieben und mit Alkohol gekühlt wurde. 1928 wurde er von der Hamburger Firma Citogel auf der Leipziger Messe vorgestellt. Einstein wollte aber auf keinen Fall mit seinem Kühlschrank in Verbindung gebracht werden und der Hersteller mußte ihm vertraglich zusichern, nicht mit seinem Namen für den Kühlschrank zu werben. Es ist begreiflich, daß er im Zusammenhang mit Reichs „Wärmeschrank“ noch weitaus vorsichtiger war.

Die Geschichte der roten Verschwörung gegen Reich kann sehr weit zurückverfolgt werden in Europa – bis 1919. So berichtet William S. Schlamm, der in Wien engen Umgang mit Reich pflegte, das folgende:

Zehn Jahre nach meinem [1927 erfolgten] Bruch mit dem Kommunismus traf ich in New York den früheren westeuropäischen Chef der G.P.U., General Walter Kriwitzki, der erst im vorangegangenen Jahr (1937) mit der Partei gebrochen hatte und damals gerade sein großes Bekenntnisbuch schrieb. Er verblüffte mich mit einer unheimlichen Detailkenntnis und einer noch unheimlicheren Erinnerungskraft. Er konnte sich privatester Einzelheiten meiner Lebensführung aus dem Jahre 1919 erinnern (Einzelheiten die ich völlig vergessen hatte), und das, obwohl ich ihm vor 1938 nie begegnet war. „Das ist doch ganz einfach“, entließ er meine verblüfften Fragen. „Ich war damals Chef des Wiener Geheimbüros und hatte natürlich gute Sicht.“ Dann könnte er mir vielleicht erklären, fragte ich, wie es passiert sei (…) daß ich nie von den Russen in jene Abgründe befohlen worden war, in denen so viele brauchbare, junge Menschen der Welt für immer abhanden kamen. (…) „Ach das kann ich Ihnen genau sagen“, lachte Kriwitzki. „Wir haben Ihnen nie getraut.“ (Schlamm: Die jungen Herren der alten Erde, Stuttgart 1962, S. 61f)

War damals schon der Name Reichs in Moskauer Akten zu finden? Wie dem auch sei „hatten die ‚Roten Faschisten‘ WR seit 1930 bekämpft.“ (Red Threat of Conspiracy, Rangeley 1955)

Ist Reichs Vermutung so abwegig, daß seine Schwierigkeiten in den USA unter roten Vorzeichen standen?

Ein anderer Mediziner ostjüdischer Herkunft war in seinen Forschungen wie Reich von Freud ausgegangen. Während Reichs klinische Kritik am späten Freud ihn zur Entdeckung der Orgonenergie im Organismus und später in der Atmosphäre, schließlich im Kosmos führen sollte, leitete Immanuel Velikovsky die Kritik an bestimmten historischen Vorstellungen Freuds über Ödipus, Echnaton und Moses bis an den Rand der dynamischen, unstatischen Orgonenergie unseres Planetensystems, dessen Bewegungen durch Orgonenergie-Ströme bestimmt werden. Die Planeten bewegen sich nicht ewig statischen mechanischen Gesetzen folgend im leeren Raum, sondern rollen auf offenen Kreiselbahnen. Die Welt ist kein festgelegtes Uhrwerk. Genau wie Reich mußte so Velikovsky den modernen Anhängern der materialistisch-marxistischen Religion zum Ziel ihres unbändigen Hasses gegen alles Dynamische werden. (Als Die Welt noch eine vernünftige Zeitung war, stand einmal in einem Kommentar zur Medienpolitik der SPD sehr gut geschrieben, „daß es den Sozialisten schwerfällt, in dynamischen, das heißt lebendigen Strukturen zu denken“, was „in mehr als hundert Jahren oft deutlich geworden ist“.)

Aber zur Verschwörung gegen Velikovsky: der Soziologe Alfred de Gracia weist darauf hin, daß staatliche Stellen die politischen Verbindungen des Astronomie-Professors Harlow Shapley erkundeten, einem der Hauptgegner Velikovskys. Linke wie Shapley standen mit Ausbruch des Kalten Krieges unter Beschuß und Velikovsky hätte, so de Gracia, „dann ein bequemes und recht hilfloses Ziel für abgelenkte Aggressionen abgegeben“. Das ist eine typische kommunistische Taktik: niemals in die Defensive geraten. Wenn du deine Gegner nicht direkt treffen kannst, sollten die dich angreifen, weil sie dir auf die Schliche gekommen sind, lenke ihre Aggression um und schlage mit ihnen zusammen auf ihre Leute ein, die von dir entsprechend diskreditiert wurden! Es hat Gracia zufolge auch noch andere Beweggründe geben können:

Ein Angriff auf das Werk könnte einem politischen Apparat samt seinen angeschlossenen Organisationen die nötige Gelegenheit zu Manövern bieten oder, mehr noch, einen dringend notwendigen Sieg im Augenblick ihres Tiefstandes. Der Konflikt könnte zudem noch dazu dienen, harmlose Sympathisanten, denen man einredet, es gehe um eine gemeinsame Sache der Wissenschaft, an die Gruppe zu binden. (Alfred de Gracia: Immanuel Velikovsky, München 1979, S. 199f)

Nun ein Professor der Soziologie der Universität von New York, wie de Gracia, kann so etwas sagen, wenn Reich in bezug auf sich aber ähnliches sagt, ist er „paranoid“ und „verrückt“. Dabei kannte er sich doch nun wahrhaftig mehr als gut in der kommunistischen Mentalität aus (vgl. Reich: Menschen im Staat).

De Gracia erwähnt auch, daß der Physiker Dr. Edward U. Condon unter dem gleichen politischen Druck stand wie Shapley und ihn in seiner Emotionalen Pest-Kampagne gegen Velikovsky unterstützte. Später wurde Condon mit dem sogenannten Condon-Report berühmt, der die gesammelten UFO-Berichte der US-Luftwaffe dokumentierte. Der Report selbst war ein überzeugendes Dokument für die Invasion der Erdatmosphäre durch außerirdische Raumschiffe, doch die angebliche „Zusammenfassung“ am Anfang des Buches, die Condon verfaßt hatte, behauptete das genaue Gegenteil. Siehe dazu die Ausführungen hier.

Condon war mit Robert Oppenheimer am Atomprojekt der USA beteiligt gewesen und dieser Oppenheimer erklärte 1951 in einem Brief auf Anfrage von Eleanor Roosevelt über den Plan des ORANUR-Experiments:

„Ich fürchte, daß das Material im Papier in mir den Verdacht erweckt, daß die Unternehmung ein Jux ist; ich war nicht in der Lage irgendetwas zu finden, das ermutigend wäre.“ Dieser Wissenschaftler in einer Schlüsselstellung wurde 1953 [wie auch Condon, PN] wegen fragwürdiger Loyalität und Beweisen für rotfaschistische Verbindungen untersucht. In einem Artikel über die Geschichte der Wasserstoff-Bombe wird Oppenheimers Einfluß so umrissen, daß er eine besonders „blockierende und emotional lähmende“ Bremswirkung ausübte, die bei der Entwicklung der Wasserstoff-Bombe Rußland einen Vorteil verschaffte. Man gewinnt den Eindruck, daß er seine Autorität benutzte, um die Orgonomie in hohen Zirkeln der AEC [d.h. der Atomenergie-Behörde der USA] zu blockieren. Man beachte die Tatsache, daß Oppenheimer am Princeton Institute of Advanced Studies in New Jersey arbeitet, dem Schauplatz des Infeld-Einstein-Vorfalls und ein Zentrum des Angriffs auf die Orgonomie. (Red Threat of Conspiracy, S. 19)

Shapley, Condon und Oppenheimer hatten sich genauso verhalten, wie es, so Reichs Verdacht, Infeld (oder ein entsprechender Assistent Einsteins) getan hatte.