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DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Orgonomie und Mystizismus (Teil 1)

12. August 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Orgonomie und Mystizismus (Teil 1)

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Der Rote Faden: Volksfront in Norwegen

15. Oktober 2013

Eine Ergänzung zu Der Rote Faden: Volksfront und Detente:

In einem Brief von Willy Brandt an Reich („B. 16.4.37“, in: Der pech-rabenschwarze Anarcho-Kalender 1992, Karin Kramer, Berlin 1991, S. 125-129) bezieht sich Brandt auf umfangreiche Gespräche und Korrespondenz zwischen ihm und Reich. Hier beschreibt er die politische, soziale und militärische Lage in Barcelona, Katalonien, wo er zu dieser Zeit war, die Anarchisten, Stalinisten, POUM und so weiter. Reich direkt adressierend schreibt Brandt:

Dir hatte große Sorge gemacht, daß die Frauen aus den Milizen entfernt würden. Und du bist froh, nachdem Du gehört hast, daß viele Frauen sehr tapfer mitkämpfen. Ich muß Dich da wieder betrüben. Denn es ist tatsächlich so, daß man – zumindest in den mir bekannten Formationen die Frauen, soweit noch vorhanden, entfernt. Es gibt viele Gründe. a) [Buenaventura] Durruti hat sich gezwungen gesehen, zu Erschießungen zu greifen, als sich ganze Gruppen von Prostituierten in der Form von Milicianas [Frauenmilizen] an die Front geworfen hatten. b) Als wir das letzte Mal an der Front waren, kam dort ein Schweizer Genosse mit seiner Frau an, die nur einige Zeit als Journalistin dort bleiben wollte, nachdem sie vorher schon als Miliciana gedient hatte. Die Genossen nahmen aber den Standpunkt ein: Frauen können wir hier nicht gebrauchen. Länger als einen Tag kann sie nicht hierbleiben. Und sie mußte am nächsten Tag nach Barcelona zurückfahren. c) Als auf dem ZK-Plenum der J.C.I. die Genossin Santiago über die Mädelfrage zu referieren begann, begann gleichzeitig Gelächter, und es hat fast während der ganzen Behandlung des Punktes nicht aufgehalten. – Das nur, um einige Beispiele zu nehmen. Es gäbe viel dazu zu sagen. Aber wir stehen im Krieg. Und die hiesige Frauensektion ist vom Exerzieren (das sich auf den Bildern fand, die ich Dir neulich schickte) zum Nähen übergegangen. Und die Literatur über die Frauenfrage beschränkt sich auf „klassische“ Übersetzungen. An den Zeitungsständen mischen sich die Neukonjunktur der guten und schlechten Aufklärungsliteratur mit der alten Konjunktur (die bestimmten Pfaffen viel Geld brachte) der Pornographie. Das Publikum verwechselt leicht das eine mit dem andern.

Die Jugend hat insgesamt eine hervorragende Rolle in den Kämpfen gespielt. Aber sie wurde in den Partei- und Organisationsgrenzen gehalten. Nicht einmal über die sozialen Fragen sind manche „Jugendführer“ unterrichtet, viel weniger noch über die kulturellen. Die Anarchisten machen in diesen Fragen ernsthafte Versuche des Durchbruchs, während bei der Vereinigten Jugend Ansätze einer – wenn auch falsch ausgerichteten – Jugendbewegung da sind. Die Prostitution ist weiterhin die Form des Geschlechtslebens der Jugend. Die Macht der Kirche hält an, selbst da, wo schwarz-rote Fahnen über zu dem nützlichen Zweck des Materiallagers umdisponierten Kirchen wehen…

Brandt beherrschte also das Gedankengut der Sexpol fließend.

Nach seiner Rückkehr aus Spanien organisierten Brandts SAP und die deutsche KPD im norwegischen Exil eine Volksfront. Am 27. September 1937 wurde im Haus von Johan Vogt die gemeinsame SAP/KPD-Zeitschrift Det Skulte Tyskland gegründet. Das hochwertige Magazin erschien in norwegischer Sprache. Neben Vogt wurde es von vielen weiteren hochrangigen Vertretern der regierenden norwegischen Arbeiterpartei unterstützt. 1938 veröffentlichte sogar Reichs Mitarbeiterin Nic Hoel (Waal) Artikel in Det Skulte Tyskland. Die Zeitschrift existierte länger als zwei Jahre. Obwohl sie am Ende mehr oder weniger das Einmannunternehmen des KPD-Mitglieds Jacob Vogel war (der im März 1940 aus der KPD in Oslo ausgeschlossen wurde). Die letzte Ausgabe erschien im Mai 1939. Das Magazin kam zu einem Ende, weil sich die UdSSR mehr und mehr von der Volksfrontpolitik distanzierte, was drei Monate später im Hitler-Stalin-Pakt mündete.

Aber zwischen 1936 und 1939 war die politische Atmosphäre in Norwegen stark pro-sowjetisch. Ende 1936 verhandelte die norwegische Arbeiterpartei sogar mit der norwegischen KP, um mit ihr zu verschmelzen. Im Zuge davon unterdrückte die Arbeiterpartei die innerparteiliche, linkssozialistische Opposition, die sich als „Sosialistik Kulturfront“ um die Zeitschrift Kamp og Kultur sammelte. Die Arbeiterpartei betrachtete sie als „Trotzkistische Obstruktionspolitiker“ (Frank Meyer: „Interkulturelle Kommunikation im Exil. Zur Analyse der Exilpublizistik in Skandinavien“. In: Helga Grebing/Christl Wickert (ed.): Das „andere Deutschland“ im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Essen 1994).

Das wurde auch in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Bd. 3, Nr. 3/4(10/11) 1936) im Abschnitt „Die Sexpol in der internationalen Diskussion“ diskutiert: Das Periodikum Kamp og Kultur veröffentlichte das „Kulturprogramm“ der Sex-Pol. Darauf folgte ein heftiger Angriff von Digenis (Digernes?) im kommunistischen Parteiorgan Arbeideren vom 22. und 25. Mai 1936. Digenis ist, so schreibt die Zeitschrift, unfähig, zwischen dem subjektiven Inhalt und der objektiven Funktion einer Ideologie zu unterscheiden, was ihn zu – offenbar bewußt niederträchtigen – Mißverständnissen führt. Zum Beispiel bestreitet die Sexpol nicht die psychologische Realität der Religion, und findet in ihr sogar verkleidet Lebensbejahung, was Digenis in seiner Interpretation zu der Behauptung führt, die Sexpol verteidige die Religion (S. 159).

Im Mai 1937 gab es einen Konflikt zwischen dem Zentralorgan der Arbeiterpartei Arbeiderbladet und dem Periodikum der „Intellektuellen“, Kamp og Kultur. Beispielsweise kritisierte ein führender Intellektueller aus dem Kamp og Kultur-Kreis die Ausweisung Trotzkis durch die Arbeiterregierung. Arbeiderbladet wiederum kritisierte die Eitelkeit der intellektuellen. Diese Eitelkeit sei mit ihrer Trotzkistischen Mentalität verbunden. Offen Stalinistisches Vokabular in einer sozialdemokratischen Zeitung!

Die Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Vol. 4, No. 3(14) 1937), wieder unter der Überschrift „Die Sexpol in der internationalen Diskussion“, schreibt, daß dieser Hintergrund wichtig sei, um den Angriff von Dag Bryn auf die Sexpol in seiner Artikelserie „Arbeiterschaft, Kultur, Sexualität“ im Arbeiderbladet vom 1., 3. und 4. Juni, 1937 zu verstehen.

Bryn zufolge müssen Intellektuelle innerhalb der Arbeiterbewegung sich auf ihre spezialisierte Arbeit beschränken. Die Freunde Reichs werden von ihm einer dogmatisch-sektiererischen Betrachtungs- und Herangehensweise beschuldigt und der Überschreitung ihrer Zuständigkeit als spezialisierte Fachleute durch Einmischung in die politische Diskussion. „Man möchte von Trotzkismus sprechen, wenn das Wort nicht so abgebraucht wäre.“ (Stalinistische Angriffe gegen Reich im offiziellen Organ der soziademokratischen Regierungspartei Norwegens!) Reichs Anhänger würden die Rolle der sexuellen Unterdrückung im Proletariat übertreiben. In seiner Ausrichtung beabsichtigt Bryns Artikel eindeutig eine Anti-Sexpol-Stimmung hervorzurufen durch die Verknüpfung der folgenden Anschuldigungen: die Sexpol ist Trotzkismus, die Sexpol kritisiert die Sowjetunion, die Sexpol kritisiert die norwegische Arbeiterregierung und die Sexpol überschätzt die Rolle der Sexualität. Die Zeitschrift hält dem entgegen, daß Bryn der Sexpol Unrecht tut, indem er sie für die Aussagen des Kamp og Kultur-Kreises verantwortlich macht, einer Gruppe, die nichts mit der Sexpol zu tun hat (insbesondere im Hinblick auf die Kritik an der norwegischen Arbeiterregierung, die Bryn erwähnt).

Kurz davor erschien in der kommunistischen Veien Frem ein Angriff von Digernes (Digenis?) auf die „Psychologie“ (gemeint ist die Sexpol), die er als ideologische Abweichung neben den Machismus stellt (S. 223). Was ist „Machismus“? Lenin setzt sich mit Ernst Mach (1838–1916) in seinem Buch Materialismus und Empiriokritizismus auseinander, wo er Machs Betonung des subjektiven Empfindungen a la John Dewey angreift, seinen „subjektiven Idealismus“ a la George Berkeley, seinen „Positivismus“ und „Pragmatismus“ a la William James: d.h. Mach’s Proto-Funktionalismus a la Henri Bergson. Für die Stalinisten war Reich politisch ein Trotzkist, philosophisch ein Machist: ein Psycho-Faschist.

Das folgende als kleine Ergänzung:

Der „Verein Ernst Mach“ wurde 1928 vom „Wiener Kreis“, einer Diskussionsrunde „logischer Empiristen“, organisiert. Dort hielt Reich 1930 einen Vortrag über die psychoanalytische Triebtheorie. Er gehörte neben Josef K. Friedjung, Heinz Hartmann und Siegfried Bernfeld zum „Proponentenkomitee“ des Vereins. Reichs Vortrag war Bestandteil der Bemühungen des Vereins, das Modell einer „vereinigten Wissenschaft“ aufzubauen, in die auch die Psychoanalyse als eine naturwissenschaftliche Theorie integriert werden sollte. Zu diesem Unterfangen arbeiteten die genannten vier Psychoanalytiker mit dem Verein (Friedrich Stadler (Hrsg.): Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaftler, Wien 1988; und Stadler: Vom Positivismus zur „Wissenschaftlichen Weltauffassung“ . Am Beispiel der Wirkungsgeschichte von Ernst Mach in Österreich von 1895 bis 1934, Wien 1982).