Posts Tagged ‘Weimarer Republik’

Der Rote Faden: Der Friedenskämpfer Nr. 1

8. August 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Der rote Parasit

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

nachrichtenbrief6

4. April 2017

Wenn hinten weit in der Türkei…

23. Juli 2016

Was in der Türkei geschieht, kann man nur vor einem charakterologischen Hintergrund verstehen. Im krassen Gegensatz zu Deutschland und dem gesamten Westen, wird die türkische Gesellschaft von Menschen geprägt und bestimmt, die dem konservativen Spektrum angehören. Das reicht von gemäßigten Konservativen, die imgrunde nur eins wollen, nämlich Ruhe und Ordnung, bis hin zu Menschen, die offen Sympathie für die Mörder von der IS zeigen und mit Freuden für ihren Führer Erdogan auch die abscheulichsten Greueltaten begehen würden. Angesichts von München werden sie sich klammheimlich freuen. Die zunehmende Rechtsverschiebung der Türkei, von der Erdogan nur eine Funktion ist, ist eine direkte Antwort auf die vorhergehende radikale Linksverschiebung im Westen, die nicht zuletzt durch den Einfluß der Medien alle traditionellen Werte und Sicherheiten zu unterminieren droht. Das kann man seit Jahren in Deutschland selbst beobachten, wo mit Verwunderung festgestellt wird, daß sich „die“ Türken angesichts einer immer permissiveren deutschen Gesellschaft nicht etwa zunehmend integrieren, sondern immer mehr abschotten, nationalistischer und islamischer werden. Je weiter die Integrationsbemühungen in Deutschland und, was die Türkei selbst betrifft, in der EU vorangingen, desto weiter wanderten die Türken nach rechts.

Ähnliches trug sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg zu.

Siehe dazu auch Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie.

Weimarer Verhältnisse

1. Dezember 2014

Wir haben Weimarer Verhältnisse. Die Republik wird von zwei Seiten in die Zange genommen, während das „Mittelfeld“ von einer dritten Gruppe innerlich ausgehöhlt wird. Die drei Mitspieler des Infernos sind:

  1. Die Kommunisten, d.h. pseudo-liberale Ideologen, die insbesondere die Grünen, die SPD und fast flächendeckend die Medien, aber auch den gehobenen Beamtenapparat dominieren. Sie sind für die absurde Flut von Wirtschaftsflüchtlingen und die schleichende rechtsradikale Islamisierung verantwortlich, die absurderweise von einer linksradikalen Kultur („Gendermainstreaming“) flankiert wird, um für eine Spannung zu sorgen, die über kurz oder lang zum vollständigen Kollaps der Gesellschaft führen muß.
  2. Die Entsprechung dieser Leute auf der rechten Seite sind rechte Obskurantisten (siehe dazu meine Ausführungen in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie). Gemeint sind insbesondere die verpeilten Putin-Fans und Verschwörungstheoretiker in Sachen NSU. Wie einst ihre Geistesverwandten, die Nationalsozialisten, verunmöglichen sie jede rationale Debatte und machen es Konservativen unmöglich Gehör zu finden, d.h. der bioenergetische Kern hat keinerlei Chance mehr sich zu Wort zu melden. Charakteristischerweise bilden sich immer wieder zeitweise „Querfronten“, bei denen sie sich mit der extremen Linken, insbesondere „Die Linke“, zusammenfinden. Ihr gemeinsames Funktionsprinzip ist die Emotionelle Pest, der mörderische Haß auf das Lebendige (den bioenergetischen Kern).
  3. Die verweichlichten Liberalen, die für alles und jedes Verständnis haben, insbesondere aber für die „Bürgerrechte“ der Emotionellen Pest kämpfen. Das ist überhaupt das einzige, für das sie die Energie zum Kampf aufbringen!

Politik ist die Verlagerung der Neurose auf den sozialen Bereich. Die linke Seite will aus ödipalen Motiven den Vater töten, die Rechte mit ihm wetteifern. Entsprechend hat die Linke den Kontakt zum bioenergetischen Kern verloren, während die Rechte zumindest noch einen verzerrten Kernkontakt hat.

Als die Türme des World Trade Center fielen, fiel symbolisch die (phallische) Macht des Vaters der Welt (die USA), mit all seinem Reichtum und seinem Geld (seinem Zugang zu Frauen).

Ein typischer Linkintellektueller ist der „Vorurteilsforscher“ Wolfgang Benz. Bei einer Podiumsdiskussion kurz nach dem 11. September sagte er:

[Die Zwillingstürme von Manhattan] sind Symbole von Stolz und Reichtum und Arroganz. Solche Gebäude aufzurichten, das ist die äußerste Arroganz, und die Verletzlichkeit ist damit mit eingebaut. Und die Attacke gegen diese Gebäude, mit dieser Attacke kann man eigene Ohnmachtsgefühle und eigene Demütigungen auslöschen und in die Ohnmacht und Demütigung des Gegners verwandeln… Und das provoziert die drastischen und dramatischen Reaktionen und die martialischen Reaktionen, und das macht es so gefährlich und so verheerend, gerade diese Symbole anzugreifen und zu zerstören.

Wie konnten die USA nur so provozieren! Als der Vater zurückschlug, kam es zur Panik unter jenen, deren subversive Phantasien sich erfüllt hatten.

In seinem Thriller Der Rächer thematisiert Frederick Forsyth, einer der wenigen wirklich authentischen Konservativen im kulturellen Leben, das verhängnisvolle Wirken Clintons, der aus Gründen der Political Correctness dem FBI und der CIA verboten hatte, moralisch zweifelhafte Quellen anzuzapfen. Resultat war der 11. September!

Unter den führenden europäischen Politikern war die 2003 ermordete Außenministerin Schwedens, Anna Lindh, einer der schärfsten, wenn nicht der schärfste, Kritiker des Vorgehens von Sharon und Bush im Nahen Osten. In der Konsequenz war sie einer der Hauptunterstützer der mörderischten Regime und Ideologien, die der Planet heute kennt. Die syrische Ministerin Bouthaina Shaaban widmete Anna Lindh einen hymnischen Artikel im libanesischen Daily Star.

Lindhs Politik lief darauf hinaus, Israel und den gesamten Westen zum kollektiven Selbstmord aufzurufen. Der vollkommen denaturierte und gesellschaftlich gemeingefährliche liberale „gutmenschliche“ Geist, den sie prototypisch verkörperte, zeigte sich auch posthum:

Der Eheman von Anna Lindh empfand keinen Haß für den Mörder seiner Frau, einen serbischen Einwanderer, der nichts, aber auch rein gar nichts in Schweden zu suchen hatte. Bo Holmberg:

Anna hat gesagt, wer haßt und Rache will, der ist kein guter Mensch. Ich muß solche Gefühle herunterschlucken.

Seit der Weimarer Republik hat sich nichts geändert: die politische Klasse und die „kulturelle Elite“ Deutschlands ist nach wie vor bis ins Mark verdorben. In ihrer Dummheit, aus ihrem falschen Liberalismus heraus, liefert dieses elende Gesindel Deutschland von neuem der organisierten Emotionellen Pest aus und bereitet einer Zweitauflage des Holocaust den Boden!

Reich zufolge haben die „weichlichen“ und „gefühlsschwachen“ Liberalen Deutschland dem Nationalsozialismus ausgeliefert (Christusmord, Freiburg 1978, S. 382).

Ähnliches findet heute in der Berliner Republik statt. Als die Regierung die NPD verbieten wollte, schmetterte dies 2003 das Bundesverfassungsgericht ab. Die denkbar abwegige Begründung: der Verfassungsschutz habe die NPD unterwandert! Faktisch kritisierten die Verfassungsrichter, daß die Verfassungsschützer ihre Arbeit getan hatten! Oder sollen sie sich aus der Zeitung informieren? Dank der Sorge des Verfassungsgerichts um die „Bürgerrechte“ der Todfeinde der Verfassung, tanzt die NPD unangreifbar dem Rechtsstaat auf der Nase herum.

In den USA setzte sich der Supreme Court für die „Bürgerrechte“ der Guantanamo-Häftlinge ein. Mittlerweile sind die ersten, die freigelassen wurden, wieder fleißig dabei, amerikanische Bürger zu ermorden.

Die linksliberalen Meinungsmacher tun alles, um Europa zu unterminieren:

Politiken aus Kopenhagen ging 2007 wie folgt auf die anhaltende Diskussion über eine verstärkte Terrorbekämpfung ein:

Wir verstärken die Nachrichtendienste, schränken die demokratischen Rechte ein und überzeugen die Moslems davon, daß sie unsere Feinde sind. Bislang haben wir diesen inneren Krieg gegen den Terrorismus ohne Terroristen geführt. Doch das ist nur eine Frage der Zeit. Machen wir so weiter, schaffen wir diese selbst.

Wenn wir uns gegen die Islamisierung Europas zur Wehr setzen, sind letztendlich wir selbst daran Schuld, wenn es zu Terroranschlägen kommt. Diese verquere Logik findet sich auch in einem Kommentar der Westdeutschen Zeitung:

Nun zeigt sich, daß auch [Bushs] liberaler Nachfolger Barack Obama den Sicherheitswahn seines Landes nicht zu bannen vermag. Wenn als Folge eines versuchten Attentats auf ein Passagierflugzeug ab sofort alle Flugreisenden aus arabischen Ländern mit besonderer Akribie kontrolliert werden, dann ist dies nichts anderes als eine von der US-Regierung verordnete Diskriminierung (…).Wenn das Racial Profiling nun seine Auferstehung feiert, dann ist dies nichts als ein Triumph der Terroristen, denen es mit ihren feigen Anschlägen um genau das geht: Argwohn und Haß zwischen den Kulturen zu säen; eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, in der jeder unter Verdacht steht; schließlich die zentralen Werte und damit das ideelle Fundament des Westens zu unterhöhlen. Wir werden uns – unter bestimmten Voraussetzungen – mit Körperscannern an Flughäfen abfinden müssen, denn sie dienen der Sicherheit aller. Aber wir dürfen es uns nicht erlauben, im Namen der Sicherheit ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen.

Genau dieses Vorgehen hat die israelische El Al zur sichersten Fluggesellschaft der Welt gemacht! Aber Logik und Vernunft anzumahnen ist ein hoffnungsloses Unterfangen, weil die Unterhaltungsindustrie, etwa die Lindenstraße und wirklich alle anderen Sendungen, der Bevölkerung tag ein tagaus die richtige, d.h. „liberale“ und sozialdemokratische, Gesinnung eintrichtert. Ein vernünftiges Wort – und man wird angestarrt, als käme man vom Mars!

Systematisch haben die Linken über 40 Jahre hinweg jenen Acker bestellt, von dem sie leben: die Hilflosigkeit der Massen. Sollten die infolge sozialistischer „Wohltaten“ von der Arbeitsdemokratie entfremdeten Massen aus Angst vor der Freiheit erneut der Linken folgen, die diese Freiheitsangst weiter verankert, zeichnet sich eine unaufhaltsame Abwärtsspirale ab.

Nie wurde funktioneller plakatiert als in den 1950er Jahren von Adenauer: „Alle Wege des Sozialismus führen nach Moskau!“

„Moskau“ liegt mittlerweile im Zentrum Saharasias. Genauso wie die „freiheitliche“ Linke Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre von einer aussichtslosen Lage sprach, in der sich die USA in Indochina angeblich hineinmanövriert hätten, – obwohl es Nordvietnam „und“ der Vietkong waren, die langsam alle Hoffnung fahren ließen, – wird uns heute teilweise von den gleichen Leuten eingehämmert, die Lage im Nahen Osten sei ausweglos. Damals kapitulierte der von der Linken moralisch ausgehöhlte Westen vor dem Roten Faschismus, heute sollen wir uns den Islamo-Faschisten beugen.

Wie sehr sich die „liberalen“ Eliten und sogenannten „Intellektuellen“ nach einem neuen Holocaust sehnen, erkennt man allein schon daran, wie sehr sie einerseits ständig Israel in Stürmer-Manier angreifen und andererseits jüdische „Onkel Toms“ bzw. Kapos anhimmeln.

Will man sich eine mögliche, wenn nicht wahrscheinliche Zukunft Deutschlands anschauen, blicke man nach Malaysia.

Vor fünfzehn Jahren wurde berichtet, ein islamischer Religionslehrer (27) aus Kuala Lumpur (Malaysia) habe seine jüngere Schwester (16) brutal zu Tode geprügelt. Grund: Sie war zu spät aus der Schule nach Hause gekommen. Schon in der Vergangenheit soll er sie öfter geschlagen haben – um ihr „Disziplin“ beizubringen.

Der schiere Irrsinn ist, daß diese für die islamische Welt typische Meldung ebenso gut aus Deutschland stammen könnte! Wenige Tage zuvor vorher hatte hier in Deutschland ein türkischer Religionslehrer eine ganze türkische Familie erschossen, weil er deren Tochter nicht zur Zweitfrau nehmen durfte.

Zu dieser Zeit mußte ich mir bei einer der täglichen Talkshows von einer tiefverschleierten Muslima anhören, im Islam seien die Geschlechter gleichberechtigt – nachdem sie gerade bekannt hatte, daß sie natürlich abends nicht alleine das Haus verlassen dürfe.

Aber diese Leute haben natürlich alle den Islam nicht verstanden!

Der Islam ist wie eine ansteckende Geisteskrankheit, die sich ausbreitet. Massenhysterie. Im eigenen Haus sind es die Frauen, die auf bestialische Weise erniedrigt und gequält werden, im öffentlichen Raum sind es die drei Hauptfeinde der Moslems: die Juden (da diese dünn gesät sind, deren „Stellvertreter“), danach die Christen und natürlich die Schwulen.

2003 ermahnte der damalige langjährige Premierminister von Malaysia, Mahathir Mohamed, bei seiner Eröffnungsrede des Gipfeltreffens der islamischen Länder (Organisation of Islamic Conference, OIC) die Moslems dieser Welt: im „antizionistischen“ Kampf sollten sie sich an den Juden selbst orientieren, die 2000 Jahre voller Pogrome überlebt hätten, indem sie nicht zurückschlugen, sondern nachdachten. Die Juden würden, so Dr. Mahathir, „die Welt durch Stellvertreter regieren“ und andere für sich kämpfen und sterben lassen.

Genauso wie Mahathir haben die Nazis gedacht: sie haben das (heute in der moslemischen Welt äußerst populäre) Machwerk Die Protokolle der Weisen von Zion ernst genommen.

Apropos Nazi-Abschaum: die Nazis von heute sind jene Linken, die sich seit „dem 11. September“ den gleichen antisemitischen und antiamerikanischen Verschwörungstheorien hingeben, wie die Jünger Mohammeds. Vollends pathologisch und schlichtweg reif für die Klapsmühle sind jene, die von „Chemtrails“ stammeln, mit denen die „Illuminati“ (also die Juden) die Welt vergasen wollen.

Genau wie bei den Nazis kommt bei den Moslems und Linken nach dem Judenhaß (wenn auch mit einigem Abstand) der Christenhaß. In Kuala Lumpur wurden Brandanschläge auf chirstliche Kirchen verübt. Ein Gericht hatte einer katholischen Zeitung erlaubt, den christlichen Gott wie im moslemischen Kulturkreis üblich als „Allah“ zu bezeichnen. Für radikale Moslems ist das eine Beleidigung. Eine Entweihung des heiligen Namens durch unreine Schweinefleischfresser und Götzenanbeter.

Eine der erfreulichen Entwicklungen der letzten Jahre in Deutschland war, daß sich Politiker offen zu ihrer Homosexualität bekennen können, ohne negative Folgen für ihre politische Karriere. Man kann Außenminister werden, eine Landesregierung führen. Das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, weil das die ultimative Normalisierung ist. Kaum eine Menschengruppe mußte so viel leiden – wegen nichts und wieder nichts. Jetzt sind sie endlich frei!

Im Alltag erfahren Schwule bereits, das diese Freiheit kaum von Dauer sein wird. Sie wissen ganz genau vor welcher wachsenden Bevölkerungsgruppe sie sich in acht nehmen müssen. Es ist unausdenkbar, wenn der Islam eines Tages dieses Land zu bestimmen anfängt!

In Malaysia ließ Mahathir seinen ehemaligen Stellvertreter Anwar Ibrahim mit dem Vorwurf, eine homosexuelle Verbindung zu seinem Chauffeur zu unterhalten, zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilen.

Genauso wird die Zukunft Deutschlands aussehen: das Land wir von allen „jüdischen“, christlichen und „entarteten“ „Elementen“ gereinigt werden.

Der Focus hat zu Malaysia einen beängstigenden Artikel veröffentlicht. Ein Abgeordneter der bedrängten chinesischen Minderheit zur Islamisierung Malaysias: „Das ist ein gefährlicher Trend, den wir wohl nie wieder umkehren können.“

Man bedenke dabei, daß der Islam in dieser Region von jeher als „gemäßigt“ galt. Genauso wie ja auch der türkische Islam „gemäßigt“ ist…

reichbrand

Hitler und die Orgonomie (Teil 1)

14. August 2014

Es hat etwas Befriedigendes, am Anfang einer Biographie über Joseph Goebbels (Narziß Goebbels. Eine psychohistorische Biographie) Reich zitiert zu sehen.

Im ersten Kapitel geht es um jene Gruppe, aus der Goebbels entwachsen ist und die die Hauptstütze des Nationalsozialismus war: das Kleinbürgertum, das durch den Untergang des wilhelminischen Deutschland sich gezwungen sieht, die sie tragenden gesellschaftlichen Strukturen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Dazu diene insbesondere die Aufrechterhaltung der gewohnten Feindbilder.

So steht [das Kleinbürgertum] den Vertretern des Großkapitals feindlich gegenüber, und zwar als unbewußte Wahrnehmung der ökonomischen und damit auch der sexuellen Freiheit, wie Wilhelm Reich darstellt, weshalb es Adolf Hitler und Joseph Goebbels später ein Leichtes sein wird, aus einem latenten einen massiv-aggressiven Antisemitismus in der Bevölkerung aufzubauen. (S. 18)

Reichs Analyse fassen die Autoren wie folgt zusammen:

Eine politisch-gesellschaftliche Diktatur, wie der Nationalsozialismus sie darstellt, gründet ihr Fundament auf Begriffe wie Reinheit, Ehre, Pflicht, Tapferkeit und Disziplin, wodurch ein vermehrter Druck auf die zwangsmoralischen gesellschaftlichen Vorstellungen ausgeübt wird. Da diese permanente sexuelle Selbstbeherrschung und die Angst vor der eignen Sexualität den Kleinbürger überfordern, entsteht eine Führersehnsucht, um die eigene individuelle (und damit auch sexuelle Verantwortung) abzugeben, womit die Strukturlegung für den reaktionären Menschen gegeben ist. (S. 19)

Reich hält Hitlers Persönlichkeit, oder gar die eines Goebbels, für vollständig nebensächlich und denkbar uninteressant. Ihm ging es darum, wie die Massen auf solche Knallchargen haben hereinfallen können. Die Frage ist demnach: Was geht in den Massen vor?

Daß [die] Massenorganisierung gelang, lag an den Massen und nicht an Hitler. Es lag an der autoritären, freiheits-ängstlichen Struktur der Menschen, daß seine Propaganda Wurzeln fassen konnte. Daher kommt das, was an Hitler soziologisch wichtig ist, nicht aus seiner Persönlichkeit, sondern aus der Bedeutung, die er von den Massen bekommt. (Massenpsychologie des Faschismus, S. 57)

Es geht darum, ob die Massen ihr Leben selbst in die Hand nehmen oder irgendeinem „Obama“ folgen, weil der ihnen verspricht, er werde sie an die Hand nehmen und sie „betreuen“. Es geht um die Übernahme von Eigenverantwortung.

Die Grundlage von Eigenverantwortung ist der ungehinderte „psychische“ Kontakt mit seiner Umgebung. „Psychohistorie“, wie sie in immer neuen Büchern über die Nazi-Größen zelebriert wird, verlagert jedoch die Energie ins Gehirn („Grübelei“, „Logelei“) und verstärkt dadurch die Kontaktlosigkeit des Lesers. (Sie ist in etwa mit dem Marxismus vergleichbar, dessen „Analysen“ den gleichen blöde machenden Effekt haben. Kein Wunder, daß Psychoanalyse und Marxismus bei „Intellektuellen“ so beliebt sind!)

goebbels

Und dann ist da etwas, was die Bücher über die Protagonisten des Dritten Reiches schlichtweg ungenießbar macht: Es wird nie diskutiert, daß Leute wie Hitler und Goebbels nicht einfach nur „böse“ waren und Lügen verbreitet haben, sondern vor allem auch Wahrheiten ausgesprochen haben, die nie über die Lippen unserer vermeintlichen „Demokraten“ kommen. Reich:

Es ist nie aus den Augen zu verlieren, daß Hitler stets an den berechtigten Haß des Massenmenschen gegen die Scheindemokratie und das Parlamentssystem anknüpfte – und mit viel Erfolg! (ebd., S. 233)

Für den gepanzerten Menschen ist Hitler ein absolutes Faszinosum. Manchmal will es scheinen, daß der Spiegel und das ZDF kein anderes Thema kennen und das Jahr ein, Jahr aus, über Jahrzehnte hinweg. Der paranoid-schizophrene Charakter Hitler hatte und hat diesen Erfolg seit nunmehr über 90 Jahren, weil er auf verzerrte Weise drei Dinge ansprach, die schlichtweg wahr sind:

  1. Seine Darstellung „des Juden“ ist fast eine perfekte Beschreibung der Emotionellen Pest im allgemeinen und des pestilenten Charakters im besonderen.
  2. Sein extremer Rassismus verweist darauf, daß der Mensch ein Tier ist und entsprechend gesellschaftliche Probleme letztendlich biologische Probleme sind.
  3. Sein Kampf gegen die christliche Mitleidskultur, mit dem er die abendländische Kultur vor dem Untergang bewahren wollte, ist von geradezu prophetischer Bedeutung.

Mit traumwandlerischer Sicherheit sind es gerade diese drei Aspekte, die dämonisiert werden: jedwede Analyse des Bösen als charakterologisches Problem ist Anathema, die biologische Bestimmtheit des Menschen, selbst seine Zweigeschlechtlichkeit, wird radikal infrage gestellt und christliche Tugenden werden auf masochistische Selbstverleugnung zugespitzt. Beide christliche Kirchen sind zu Todfeinden des deutschen Volkes mutiert. Auf diese Weise wird Hitler immer ein Faszinosum bleiben!

Ein weiteres Moment wird gerne verdrängt, da es zu sehr nach Apologetik klingt. Rechte Bewegungen appellieren immer an das Gesunde im Menschen, das „gesunde Volksempfinden“, während die Linke immer an das Kranke in den Menschen appelliert: wie bedürftig (infantil) doch alle „Unterdrückten“ seien, man müsse „Widerstand“ (sic!) leisten. Der Nationalsozialismus hingegen handelte zentral von nichts anderem als von Gesundheit und Schönheit und ihrer Erhaltung („Rassereinheit“). Siehe dazu den ausgezeichneten Film von Peter Cohen Architecture of Doom.

Die Frage stellt sich, ob die Nationalsozialisten wirklich „Rechte waren“, betrachtete sich doch Hitler als „Deutschen Lenin“. Man führe sich dazu folgendes Video zu Gemüte:

Es läßt sich trefflich darüber streiten, ob der „Kampf gegen Rechts“ nicht Etikettenschwindel ist. Bzw. kann man streiten, solange man auf der oberflächlichen Ebene von Politik, Ökonomie, Soziologie und Psychologie verharrt.

Die Orgonomie behauptet, daß der ideologische Unterschied zwischen Liberalen („Linken“) und Konservativen letztendlich auf strukturellen Unterschieden beruht, d.h. grundsätzlich unterschiedliche Charakterstrukturen vorliegen. Den grundlegenden bioenergetischen Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ hat Charles Konia in seinem Blog herausgearbeitet.

Aber zurück zur Frage, ob „Nazis“ wirklich „rechts“ stünden. Das obige Video will uns suggerieren, daß dies vollkommener Unsinn sei: natürlich seien National-Sozialisten Linke, was denn sonst?! Nun, die meisten Menschen haben dieses ach so „offensichtliche Faktum“ nicht so gesehen. Aber man kann dieses Thema von der Warte der Ideologie her ohnehin nicht sinnvoll behandeln.

Die beste Annäherung an das Thema ist, wie stets bei solchen Dingen, wenn man nach einem entsprechenden Problem in der Gegenwart sucht. Hier bietet sich der Islamismus an, der ohne jeden Zweifel „rechts“ ist: es geht um konsequente Fortschrittsfeindlichkeit, um blinden Glauben an Autoritäten, um Frauenfeindlichkeit, Kulturimperialismus, Rassismus, Geschäftemacherei, Machismo, Klassenunterschiede, Gewaltverherrlichung, etc.pp. Am eindeutigsten „rechts“ ist der alles durchdringende Mystizismus im Islam.

Der Islam ist zweifellos rechts und zweifellos wurde er von Menschen geschaffen und geprägt, die auch von ihrer Charakterstruktur rechts waren. Aber wie Charles Konia in seinem Buch The Emotional Plague (S. 256) ausführt, gibt es auch im Islam Menschen mit einer „linken“ Charakterstruktur. Konia zufolge erkennt man sie daran, daß es ihnen vor allem um ihre kulturelle Identität zu tun ist.

Wie ihre pseudo-liberale Entsprechung im Westen zieht es sie zu linksgerichteten politischen Versammlungen, etwa Demonstrationen von Feministinnen, oder sie schließen sich antiamerikanischen Antikriegs-Bewegungen an. Sie identifizieren sich mit den Unterprivilegierten und Außenseitern und betrachten Amerikaner als Rassisten, die gegen Moslems Vorurteile hegen. Ihre Identität gruppiert sich um die muslimische „Opferrolle“ und nicht um das westliche Land, das sie aufgenommen hat. Sie tragen Schleier nicht so sehr aus religiöser Überzeugung, sondern als Zeichen des Protests und um ihre „Gruppenidentität“ zu feiern. Sie blühen auf, wenn sie Kontroversen hervorrufen und beim Debattieren sozialer und politischer Fragen, weil auf diese Weise Energie in ihr Gehirn hochgezogen wird.

Ähnlich muß man die Nationalsozialisten betrachten. Beispielsweise war Goebbels von der Charakterstruktur her wohl doch eher ein „Linker“, während Himmler ein „Rechter“ war.

Die Frage, wie man die „Bewegung“ als ganzes einordnen soll, läßt sich nur beantworten, wenn man den Nationalsozialismus in die gesamte Geschichte des Abendlandes einordnet, wie Konia es getan hat. Dann geht es schlicht um die Frage, ob intellektuell durchschaubare mechanische Kräfte das Geschehen bestimmen (Mechanismus) oder ein undurchschaubarer Gott bzw. „die Vorsehung“ (Mystizismus). Diese beiden grundsätzlich unvereinbaren Weltanschauungen gehen auf die Charakterstruktur ihrer Anhänger zurück. Diese bioenergetische Ebene wird zwar von politischen, ökonomischen, soziologischen und psychologischen Verwerfungen überlagert, teilweise bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, kommt aber letztendlich doch zum tragen.

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

28. Dezember 2013

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 400seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Stalin und Hitler

19. November 2013

Geschichte sollte nicht der Volkspädagogik dienen und nicht politisch instrumentalisiert werden („Mitgefühl“). Geschichtliche Ereignisse sollte man so betrachten, als würde man fernab von den Menschen über der Erde schweben. Nur so werden die funktionellen Zusammenhänge deutlich. Etwa, daß Bürgerkriege Auseinandersetzungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Charakterstrukturen sind. Der „europäische Bürgerkrieg“ zwischen 1917 und 1989 war da keine Ausnahme. Am Anfang stand der Rote Faschismus, der die gesamte menschliche Zivilisation bedrohte. Als Immun-Reaktion gegen ihn formte sich der Schwarze Faschismus, der zeitweise nicht weniger zerstörerisch war. Es war wie bei einer Infektion, wo man zeitweise nicht recht weiß, ob die Krankheitskeime oder die überschießende Immunabwehr lebensbedrohlicher sind. Schließlich obsiegten die westlichen Demokratien (OR) über die beiden Faschismen (DOR).

Ursprünglich hatte niemand ausgerechnet Moskau als Zentrum der Weltrevolution vorgesehen. Sowohl Engels als auch Lenin waren wie selbstverständlich davon ausgegangen, daß Berlin das natürliche Epizentrum der Umwälzungen sein werde. Bis 1923 war entsprechend alle Hoffnung der sich gerade bildenden Sowjetunion darauf gerichtet, daß es in Deutschland zu einer Revolution („Räterepublik“) komme und natürlicherweise das „deutsche Proletariat“ die Führung auf dem Weg zur Weltrevolution übernehme, denn von einem nennenswerten „russischen Proletariat“ konnte man kaum sprechen. Diese Hoffnung war alles andere als unrealistisch, – so ist auch der damalige „Hitler-Putsch“ einzuordnen. Nach dem Vorbild Mussolinis wollte Hitler der Machtübernahme durch die Kommunisten ein für allemal einen Riegel vorschieben. Zum Glück erwies sich die parlamentarische Demokratie in Deutschland zu diesem Zeitpunkt als unerwartet stark.

1923 kam es in der Sowjetunion zum Richtungskampf: sollte man die Weltrevolution doch vorantreiben (Trotzki) oder sollte man gegen alle Marxistische Orthodoxie (die schon Lenin selbst kaum beachtet hatte) versuchen, zunächst einmal die Sowjetunion zu konsolidieren und auf eine Art „sowjetischen Nationalismus“ setzen (Stalin)? Dies hatte zur Konsequenz, daß die Komintern zu einem bloßen Instrument der sowjetischen Außenpolitik wurde. Für Deutschland bedeutete dies, daß die Kommunisten für das „Mutterland des Sozialismus“ Werbung machen mußten und von ihren Feinden nicht zu Unrecht als „Moskau-hörig“ gebrandmarkt wurden. Hinzu kam, daß die Säuberungen gegen Abweichler, insbesondere aber „Trotzkisten“, d.h. „Weltrevolutionäre“, nach Deutschland übergriff. Die deutschen Kommunisten sollten die Weimarer Republik schwächen, aber auf keinen Fall ein „Sowjet-Deutschland“ errichten, das Moskau Konkurrenz machen würde und vom „Trotzkistischen Geist“ durchsetzt wäre.

Hitlers Machtergreifung kam Stalin mehr als Recht. Hitler war der Eispickel, den Stalin in den Schädel des Trotzkismus rammte. Deutsche Kommunisten, die in die Sowjetunion flohen, wurden vor dem Krieg fast restlos ausgemerzt, jene, die ins westliche Ausland flohen, nach dem Krieg. Sie hatten ihre Schuldigkeit getan, nämlich Deutschland und den Westen zu zersetzen, was sollte die Sowjetunion schon mit solchen „Zersetzern“ im eigenen Territorium anfangen?

Schließlich erfüllte Hitler als „Eisbrecher“ genau jene Aufgabe, die Stalin ihm zugewiesen hatte: mit Hilfe der Ressourcen der Sowjetunion, vor allem Lebensmittel, Erdöl und seltene Metalle, schaltete Hitler die westlichen Demokratien aus und war drauf und dran, sich in einem Krieg mit England zu verausgaben. Stalin war bereit, Europa „vom Faschismus zu befreien“ und die Sowjetunion bis zum Atlantik auszudehnen. Die deutsche Armee war derartig schwach, das kurz vorher die deutschen Generäle beinahe Hitler weggeputscht hätten, weil sie panische Angst hatten vor einem Krieg mit – der Tschechoslowakei! Der Einfall ins Deutsche Reich und damit nach Westeuropa wäre für Stalin ein Spaziergang gewesen, wenn Hitler nicht das Undenkbare und deshalb vollkommen Unerwartete getan hätte: in Stalins Aufmarsch hinein anzugreifen. Die Sowjetarmee war überhaupt nicht auf Verteidigung ausgerichtet und deshalb ein leichtes Ziel für die von der Ausrüstung her eher minderwertige Wehrmacht. Immerhin hielt Hitler die Rote Armee solange zurück, bis Westeuropa (gegen Hitlers verzweifelten Widerstand!) von der amerikanischen Armee besetzt war. Die Sowjetunion konnte nicht mehr expandieren, trotz verzweifelter Versuche in der Dritten Welt, und kollabierte deshalb schließlich unter Gorbatschow.

Der wirklichkeitsfremde Hitler selbst ist nichts weiter als eine kuriose Randerscheinung. Kurios in zweifacher Hinsicht: erstens war der Angriff auf die Sowjetunion ein schlichtweg größenwahnsinniges Unternehmen, nur ein Irrer konnte so etwas befehlen, und zweitens hätte dieser Wahnsinn beinahe doch funktioniert, hätte man die Sowjetvölker, insbesondere aber die Ukrainer, auf seine Seite gebracht. Aber Hitler hatte von den von ihm so bewunderten Kommunisten gelernt: eine in sich geschlossene Ideologie ist unbesiegbar, – kreierte entsprechend eine abgrundtief schwachsinnige Gegenideologie („Rassenkampf“ statt Klassenkampf), der er dann jedoch selbst zum Opfer fiel. Immer, wenn es darum ging, rational hellsichtig oder ideologisch verblendet zu entscheiden, wählte er die letztere Option. Im krassen Gegensatz zum genialen Stalin war er unfähig dialektisch zu denken.

Dazu zwei Vorträge vor amerikanischen Militärakademien:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=wYSy80WlmWY%5D

 

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=5agLW7fTzBc%5D

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 6)

24. Juli 2013

Die Geschichte des Antisemitismus in Europa war wesentlich komplexer als sie Daniel Goldhagen dargestellt hat. Seine Theorie ist zu einseitig und grobschlächtig und hat zu Recht sowohl formale als auch inhaltliche Kritik namhafter Historiker auf sich gezogen. Goldhagen vernachlässigt beispielsweise, daß virulenter Antisemitismus nur ein Ausdruck der Emotionellen Pest unter vielen ist und auch in den Nachbarländern Deutschlands weit verbreitet war und das kurioserweise fast immer mit einem antideutschen Unterton. Man denke nur an die Dreyfus-Affäre! Reich hat, wie im 1. Teil bereits erwähnt, betont, daß der Faschismus kein spezifisch deutsches oder italienisches Phänomen war, sondern als pestilenter Zug in der Charakterstruktur nahezu aller Menschen in gepanzerten Gesellschaften vorhanden ist. So schreibt er in der Massenpsychologie des Faschismus, daß „es heute keinen einzigen lebenden Menschen gibt, der nicht in seiner Struktur die Elemente des faschistischen Denkens und Fühlens trüge“.

Weiten Teilen der deutschen Bevölkerung muß es ziemlich sauer aufgestoßen sein und zu wilden Verschwörungstheorien Anlaß gegeben haben, daß die Juden (die nie mehr als 1 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachten) so über alle Maßen erfolgreich und einflußreich waren, etwa im Handel, bei den Banken, an der Börse, bei Versicherungen, an den Universitäten (sowohl als Studenten als auch im Lehrkörper), bei den Rechtsanwälten und Ärzten und nicht zuletzt im Kulturbetrieb.

Andererseits wird gerne behauptet, daß die Kriminalstatistik jener Jahre zeige, daß ein deutlich überproportionaler Prozentsatz krimineller Handlungen (Raub, Mord, Vergewaltigung, Dokumentenfälschung, Kindesmißbrauch, Erpressung, Entführung, Unterschlagung, Betrug) von Juden begangen wurde. Solche Behauptungen werden von Antisemiten bis heute verbreitet. Daß sie totaler Schwachsinn sind, die Juden hier sogar eher unterrepräsentiert waren, wurde im Detail nachgewiesen. Daß Deutsche in jüdischen Armenvierteln, insbesondere im Berliner Scheunenviertel, ganz andere Eindrücke gewinnen mußten, ist natürlich von keiner Statistik erfaßbar.

Jedenfalls zeigt die Fälschung der Statistik das ganze Wesen des Antisemitismus: Die Juden waren den Deutschen (man verzeihe mir diese Gegenüberstellung, aber wie soll ich sonst einigermaßen übersichtlich argumentieren?!) in jeder Beziehung überlegen. Aber ihr Erfolg wurde mit irgendwelchen „jüdischen Verschwörungen“ erklärt und entsprechend auch noch so getan, als seien „die Juden“ besonders große Schufte und würden ihre Positionen entsprechend ausnutzen. Wie sollten sie sonst die doch angeblich so überlegenen Arier überflügeln?! Daß „die Juden“ durch ihren Arbeitsethos und ihre überkommene Kultur, die so viel Wert auf Gelehrsamkeit legte, so erfolgreich waren und daß sie entsprechend gar nicht zur Kriminalität prädestiniert waren – dem antisemitischen Kleinen Mann will das nicht in den Schädel. (Ich habe das bereits an anderer Stelle erläutert.)

Natürlich sollte man auch nichts romantisieren und beschönigen, denn ohne Zweifel standen „die Juden“ an der Vorfront des Kapitalismus. Reich selbst war von seiner geschäftstüchtigen Verwandtschaft angewidert. Gleichzeitig waren in Rußland und Deutschland überproportional viele der kommunistischen Führer Juden. Einfachen Gemütern muß es um 1920 herum tief beunruhigt haben, daß auf der einen Seite so unverhältnismäßg viele der „Kapitalisten“ Juden waren und auf der anderen Seite so viele namhafte Kommunisten ebenfalls Juden waren.

Subjektiv glaubten viele Deutsche tatsächlich, daß sie sich „gegen die Juden wehren mußten“. Als dann 1933 in Deutschland eine durch und durch widersprüchliche Massenbewegung an die Macht kam, die ideologisch einzig und allein durch ihren Antisemitismus zusammengehalten wurde (der es erlaubte, gleichzeitig gegen den Kapitalismus und gegen den Kommunismus, d.h. eben „Nationalsozialist“ zu sein!), reagierten Juden in Europa und Amerika verständlicherweise extrem alarmiert und riefen öffentlich zum Boykott auf. In London, New York, Paris und Warschau vereinigten sich jüdische Geschäftsleute zu einem umfassenden „wirtschaftlichen Kreuzzug“. So fühlte sich die Hitler-Regierung moralisch vollkommen im Recht, d.h. fühlte sich als Opfer, als sie verkündigte, es werde im Gegenzug in Deutschland einen eintägigen Boykott jüdische Geschäfte geben, wenn die Kampagne nicht aufhöre. Noch heute behaupten Neonazis Hitlers Rede vom 28. März 1933, in der er einen Boykott gegen jüdische Geschäfte forderte, sei eine direkte Reaktion auf die „Kriegserklärung an Deutschland“ von Seiten des „internationalen Judentums“ gewesen. Objektiv war das von vornherein der pure Schwachsinn, aber subjektiv… Beispielsweise zeigen alle Dokumente und berichten Zeitzeugen, daß der tumbe Himmler, ein paranoid-schizophrener Charakter wie Hitler selbst, bis zum bitteren Ende fest von der „jüdischen Weltverschwörung“ überzeugt war.

Man kann sich über die Dummheit der damaligen und heutigen „Nazis“ aufregen, sollte aber zumindest einmal versuchen sich in das subjektive Empfinden dieser Leute hineinzuversetzen. Man muß also etwas tun, was keiner der Protagonisten jemals auch nur im Ansatz versucht hat: Gerechtigkeit walten lassen. Die Juden haben keinerlei Schuld auf sich geladen, „aber“ aufgrund ihrer unglücklichen Geschichte standen sie dort, wo Menschen verletzt wurden: an der vordersten Front von Kapitalismus und Kommunismus. Es war, im Vergleich mit ihrem geringen Anteil an der Gesamtbevölkerung, unverhältnismäßig wahrscheinlich, daß der „kalte Kapitalist“, der einen kleinen Handwerker in den Ruin trieb, etwa weil ein Kredit nicht verlängert wurde, ein Jude war. Jedenfalls machte es sofort die Runde, wenn er ein Jude war. Und wenn ein „roter Kommissar“, der zufällig jüdischer Abstammung war, ein Massaker zu verantworten hatte, waren im Bewußtsein der Beobachter sofort „die Juden“ schuld.

Geradezu alptraumhaft absurd wird das Bild dadurch, daß, kaum waren die Nazis an der Macht, eine Phase der inoffiziellen Zusammenarbeit zwischen der deutschen Regierung und der zionistischen Bewegung in Deutschland und weltweit begann. So bizarr diese seltsame „Interessengemeinschaft“ heute auch anmuten mag, so verfolgten in den darauffolgenden Jahren die SS und die Zionisten doch tatsächlich das gemeinsame Ziel, den Strom an deutsch-jüdischen Einwanderern nach Palästina zu erhöhen. Der wachsende Antisemitismus in Deutschland spielte in diesem Sinne sogar in die Hände der Führer der zionistischen Bewegung. (Das änderte sich drastisch nach dem Beschluß der „Endlösung“ und nachdem die Nazis sich der „palästinensischen Sache“ angenommen hatten. Gewisserweise ist die PLO eine Nachfolgeorganisation der NSDAP!)

Vor der Eskalation des Antisemitismus als Folge des oben erwähnten Boykotts hegte die Mehrheit der deutschen Juden wenig Sympathie für zionistische Bestrebungen. Auch Reich wollte mit dem Zionismus nichts zu tun haben und sah zu dieser Zeit das Heil der Juden einzig und allein in der weltweiten sozialistischen Befreiungsbewegung.

Daß die Geschichte manchmal merkwürdige (und für uns Nachgeborene schwer nachvollziehbare) Blüten schlägt, zeigt sich in diesem Zusammenhang z.B. auch dadurch, daß die spätere Magda Goebbels zuvor eine Liebschaft mit dem Zionisten Viktor Chaim Arlosoroff hatte, den Davidstern an einer Kette um den Hals trug (sic!) und mit ihrem Partner gemeinsam nach Palästina auswandern wollte. Wer hätte das von der nachmaligen Ehefrau des antisemitischen NS-Propagandaministers Dr. Joseph Goebbels gedacht?

Ähnlich bizarr erscheint, daß ausgerechnet der Sicherheitsdienst der SS dem späteren Protokollführer der Wannsee-Konferenz, Adolf Eichmann, 1937 eine kostspielige Reise spendierte, „um die zionistische Arbeit in Palästina durch Besichtigungen persönlich kennenzulernen“ und die Zusammenarbeit mit den Führern des Zionismus zu intensivieren, damit das gemeinsame Ziel der forcierten Umsiedlung deutscher Juden nach Palästina befördert werde.

Was für ein nihilistischer Alptraum die Zeit des Nationalsozialismus war, wird auch daran deutlich, daß die SS am Ende des Krieges gewisserweise diese Verhandlungen wiederaufnahm.

Man wiederholt ständig, „daß Geschichte von Menschen“ gemacht wird, – um dann mit ellenlangen Statistiken und drögen Dokumentationen aufzuwarten. Beispielsweise läßt sich zeigen, daß die Rede vom „jüdischen Bolschewismus“ statistisch durch keine Fakten gedeckt wurde. So kann man meinetwegen volkspädagogisch Leute aufklären, die zu neonazistischem Gedankengut neigen, aber um die Geschichte zu begreifen, bringen solche Darstellungen wenig. Wichtig ist allein, was damals massenwirksam war, d.h. geglaubt wurde, unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt. Man muß in der Geschichte den „subjektiven Faktor“ wirklich ernstnehmen, ansonsten begreift man nämlich gar nichts. Reich hat das getan, als er damals etwas für Linke unerhörtes tat, nämlich indem er bei der Vorbereitung auf seine Massenpsychologie des Faschismus Hitler und Rosenberg wirklich las und sich in ihre Gedankenwelt einfühlte, statt nur nach Zitaten zu suchen, die man polemisch verwursten konnte. Erschreckenderweise wird das letztere noch heute getan in einer volkspädagogischen Schmonzette nach der anderen, die die historische Wissenschaft nachhaltig zerstören.

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Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 1)

12. Juli 2013

Ich plane eine längere Reihe über den dreißigjährigen Krieg im 20. Jahrhundert (1914-1945), der das Deutsche Reich nach einer über eintausendjährigen, nach außen hin fast immer friedlichen Geschichte, für immer ausgelöscht hat.

Viele wird das alles befremden. Bin ich etwa ein „Rechter“? Deshalb hier einige Vorbemerkungen:

Ich betrachte die Alliierten als „OR“ und die Nazis als „DOR“:

alordorna

Diese Betrachtungsweise ist eine funktionelle, d.h. es handelt sich hier nicht um einen mechanischen Gegensatz, d.h. im Einzelfall kann das ganze geradezu gegensätzlich aussehen. Deshalb ist die obige Gleichung alles andere als überflüssig! Mir kann beispielsweise niemand weißmachen, daß die Bomber, die die Arbeiterviertel Hamburgs in die Hölle auf Erden verwandelten, „OR“ waren, während die deutschen Flakeinheiten für „DOR“ standen! Das gleiche gilt für die Wehrmachtseinheiten (meinetwegen auch SS-Einheiten), die deutsche Flüchtlingstrecks aus dem Osten Flankenschutz gewährten! Diese Beispiele lassen sich beliebig vermehren, ohne die obige Grundgleichung in Frage zu stellen. Mechanisten, d.h. Dummköpfe, werden das nie verstehen.

Man muß stets versuchen, so wie der Gegner zu denken; so zu denken, wie der Teufel höchstpersönlich. Man muß, um etwa den Zweiten Weltkrieg zu verstehen, die Welt mit den Augen Hitlers betrachten! „Warum?“ Warum wurden die Juden ermordet und warum wurde die Sowjetunion überfallen? Hier finde ich beispielsweise folgende Gedanken, die ich in Anlehnung an Gunnar Heinsohn vortrage, ziemlich überzeugend:

Man kann Hitler nur verstehen, wenn man sich bewußt ist, daß er in erster Linie Rassist war. Er betrachtete alles aus „biologischer“ Warte, ausnahmslos alles. Hitlers „Analyse“ zufolge hatte Deutschland den Ersten Weltkrieg aus zwei Gründen verloren. Die Deutschen seien in ihrer Kriegsführung nicht brutal und konsequent genug vorgegangen, wegen ihrer „un-germanischen“ christlichen und vor allem humanistischen Gesinnung. Diese hatte in Hitlers Augen eine „rassische“ Basis“, die Juden, so daß diese verschwinden mußten, wollte man das Problem lösen. Die „Logik“ eines paranoid-schizophrenen Charakters!

Der zweite Grund für die Kriegsniederlage war, daß England durch die Seeblockade Deutschland förmlich zu Tode hungern ließ. 800 000 Deutsche starben in der Kriegszeit an Hunger und schwerer Fehlernährung, manche verhungerten buchstäblich. Es war praktisch unmöglich den Krieg unter diesen Umständen fortzuführen, zumal ständig „kommunistische“ Hungerrevolten drohten. Das ist der Grund für Hitlers Streben nach großen Territorien im Osten. Er wollte Deutschland für immer autark und damit kriegsfähig machen. Da er Rassist war, war sein Kolonialkrieg, und als nichts anderes betrachtete er ihn, ein ethnischer Ausrottungskrieg gegen Slaven.

Wenn ich versuche, die verquere „Rationalität“ der Nazis zu verstehen, die bei Kritik hämisch auf die Kolonialpolitik der Westmächte verwiesen, macht mich das noch lange nicht zu einem Nazisympathisanten. Aber viele Menschen sind einfach zu dumm, zu dumpf, um das zu verstehen.

Geschichtswissenschaft wird von der Fähigkeit getragen, sich in das Denken und Fühlen anderer Menschen einzutunen. Manche Menschen scheinen Angst zu haben, sich durch so ein Einfühlen irgendwie anzustecken, mit einer „emotionalen Pest“ anzustecken. Nun, niemand soll sich zum Beispiel in die Taten eines Kinderschänders hineinversetzen, aber man sollte schon versuchen, so wie ein Kinderschänder zu denken, wenn dieser auf der Suche nach seinen Opfern ist. Nur so kann man seine Kinder effektiv schützen!

Aber bleiben wir bei Hitler und dem Hitler-Faschismus: Zunächst einmal sollte sich jeder Leser stets folgende Grundaussage Reichs vor Augen halten:

(…) dazu hatten mich meine ärztlichen Erfahrungen mit Menschen vieler Schichten, Rassen, Nationen, Glaubensbekenntnissen etc. gelehrt, daß „Faschismus“ nur der politisch organisierte Ausdruck der durchschnittlichen menschlichen Charakterstruktur ist, eine Struktur, die weder an bestimmte Rassen oder Nationen noch an bestimmte Parteien gebunden ist, die allgemein und international ist. In diesem charakterlichen Sinne ist „Faschismus“ die emotionelle Grundhaltung des autoritär unterdrückten Menschen der maschinellen Zivilisation und ihrer mechanistisch-mystischen Lebensauffassung. (…) Der Faschismus wird auch heute noch, infolge des politischen Fehldenkens, als eine spezifische Nationaleigenschaft der Deutschen oder der Japaner aufgefaßt. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 13)

Charles Konia hat darauf hingewiesen, daß im Ersten Weltkrieg die Amerikaner in Europa nichts verloren hatten und daß der pseudo-liberale Charakter Woodrow Wilson persönlich die Verantwortung für alles trägt, was nach der Kapitulation Deutschlands geschehen ist (The Emotional Plague, S. 117f). Konia an anderer Stelle: „Der Zerfall der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung in Deutschland ebnete den Weg für die Popularität des Kommunismus und Sozialismus und den genauso verzweifelten wie rücksichtslosen Versuch der Eindämmung durch Adolf Hitler und die Ideologie des Nationalsozialismus“ (Neither Left Nor Right, p. 305). Das ist Ernst Nolte! Und genau wie Ernst Nolte wollte auch Reich Hitler gerecht werden:

Reich schrieb über Hitler: „Hitler hat alle moralischen Argumente, die innerhalb der jetzigen Welt gelten, auf seiner Seite. Ebenso Solidarität, Mut, Kraft” (Jenseits der Psychologie, S. 219). Dies ist nicht aus dem Zusammenhang gerissen, sondern es kommt sogar „noch schlimmer”, wenn man Reichs gesamten Tagebucheintrag vom 11. März 1938 liest, wo er dazu aufruft „Hitler recht zu geben“, d.h. die Welt aus dessen Augen zu sehen! Am 12. September des gleichen Jahres notierte sich Reich: „Heute hörte ich die Rede Hitlers – Wie recht der Mann im Rahmen der Schweinerei hat!! Kein vernünftiges Argument gegen ihn!” (ebd., S. 258). Ich habe Hitlers Rede gelesen. Hitler hatte die unglaubliche Verlogenheit der westlichen Kolonialmächte angegriffen, die es sich herausnahmen Italien und Deutschland zu kritisieren. Und schließlich: „Bevor die Morde Hitlers voll verstanden werden konnten, mußte die Wahrheit, die er über Marxisten, Juden, Liberale und die Weimarer Republik gesagt hatte, erkannt werden” (Christusmord, Freiburg 1978, S. 357).

Ich picke da bei Reich nicht irgendetwas raus, vielmehr steht das alles in einem Kontext. Reich betrachtete den Nationalsozialismus als einen Schritt in die richtige Richtung! Bevor der Leser eine Herzattacke bekommt – lesen hilft:

Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche und ins Irdische herabgeholt. Die nationalsozialistische Mystik der „Blutwallung“ und der „Verbundenheit mit Blut und Boden“ bedeutet somit gegenüber der altchristlichen Anschauung von der Erbsünde einen Fortschritt; er erstickt jedoch in neuerlicher Mystifizierung und in reaktionärer Wirtschaftspolitik. Die Lebensbejahung biegt neuerdings in Lebensverneinung um, wird zur Bremsung der Lebensentfaltung in der Ideologie der Askese, des Untertanentums, der Pflicht und der Rassengemeinschaft. Trotzdem kann man nicht die Sündenlehre gegen die Lehre von der „Blutwallung“ verteidigen; man muß die „Blutwallung“ vorwärtstreiben, sie zurechtbiegen. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 267)

Es geht hier nicht darum, den Nationalsozialismus und seine Untaten zu relativieren, sondern darum, sowohl die Welt, aus der er erwuchs, als auch die weltweite Emotionelle Pest bloßzustellen! Beispielsweise waren die Juden nicht nur Opfer des deutschen, sondern auch des angloamerikanischen Antisemitismus. Man betrachte nur einmal die Frage nach der Bombardierung von Auschwitz. Roosevelt wollte nichts davon wissen. Jedenfalls war sein Antisemitismus symptomatisch für die Führungseliten des Westens.

Was sind die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg? Erstens können sich Gruppen wie die Juden nur auf sich selbst verlassen. Die israelische Armee ist die Antwort auf den Holocaust! Und zweitens darf man Mächte nicht in die Enge treiben. Als Europa nach dem Fall von Byzanz endgültig vom Handel mit Asien abgeschlossen war, kolonisierte es die Welt und rottete dabei ganze Völker aus. Ähnlich sah sich Deutschland in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts von den westlichen Kolonialmächten in die Enge getrieben und suchte nach „Lebensraum“. Gnade uns Gott, wenn sich etwa China „hoffnungslos eingekreist“ fühlt!

Die sexuelle Revolution und die antiautoritäre Gesellschaft

20. September 2012

„Der Sexualprozeß der Gesellschaft war“, Reich zufolge, „immer der Kern ihres Kulturprozesses“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 159).

Das vegetative Leben der Menschen, das sie mit der gesamten lebendigen Natur teilen, strebt nach Entfaltung, Bestätigung, Lust, vermeidet Unlust und erlebt sich selbst in Gestalt strömender, drängender Empfindungen. Sie sind die Kernelemente jeder vorwärtstreibenden, also revolutionären Weltanschauung. Auch dem sogenannten „religiösen Erleben“ und dem „ozeanischen Gefühl“ liegen vegetative Lebenserscheinungen zugrunde. (ebd., S. 266)

Dies zeigte sich in der Entwicklung der „bürgerlichen Gesellschaft“, wie Freud und seine Schüler nachgewiesen haben. In Die sexuelle Revolution hat Reich dies nochmals am Beispiel der Sowjetunion, die die „bürgerliche Gesellschaft“ überwinden wollte, exemplifiziert. Heute erweist sich die Richtigkeit des Diktums anhand der Entwicklung der antiautoritären Gesellschaft.

De antiautoritäre Gesellschaft geht auf zwei Faktoren zurück: den ideologischen Einfluß vermeintlicher „Experten“ und den „materiellen“ Einfluß der Zeitläufe. Über die ersteren schrieb Reich im Zusammenhang mit der sexuellen Revolution in den Anfangsjahren der Sowjetunion:

Die allergrößte Schwierigkeit stellen die Pastoren im revolutionären Lager dar. Es sind meist sexuell verkrampfte Intellektuelle, Revolutionäre aus neurotischen Motiven, die, statt mit Wissen zu helfen, nur Verwirrung stiften. (ebd., S. 250)

Damit meinte Reich zwar Funktionäre, deren Sexualmoral sich in nichts von der katholischer Priester unterschieden hat, jedoch konnte diese Neurose ebensogut in einer vermeintlich gegenteiligen Sexualideologie zum Ausdruck kommen. Im Christusmord schrieb Reich über die Kommunisten: „(…), daß diese zerebralen Mechanisten die wahre körperliche Liebe hassen wie die Pest, während sie gleichzeitig mit Pornographie nur so um sich werfen“ (Freiburg 1978, S. 379).

Zwei Weltkriege in Folge, die Industrialisierung, die Verstädterung, der Einfluß der Massenmedien (insbesondere des neuen Mediums Film), etc. erzeugten eine sexualbejahende Atmosphäre, was jedoch zu vollkommenen Chaos führte wegen der sexualablehnenden Struktur der Massenindividuen. Das ist die „Schere“, von der Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus spricht.

„Es gilt die Schere zwischen menschlicher Struktur und Daseinsform zu schließen; nicht durch Zwang, sondern in organischer Weise“ (Die sexuelle Revolution, S. 223). „Neue Lebensformen bilden sich nur durch die neuen Inhalte des Lebens, und neue Inhalte müssen neue Formen haben“ (ebd., S. 220).

In Die sexuelle Revolution führt Reich, die „Verwahrlosung der Jugend“ in der Sowjetunion von 1935 auf eine entsprechende Schere zurück:

(…) kollektive gesellschaftliche Ideologie und kollektives Leben der Erwachsenen muß unter Beibehaltung asketischer Forderungen für die Kinder, sexueller Heuchelei und Familienerziehung mit Notwendigkeit zur kindlichen Verwahrlosung führen. (ebd., S. 256)

Die entsprechenden Widersprüche in der antiautoritären Gesellschaft habe ich in dem Blogeintrag Die Zerstörung der biologischen Familie in der antiautoritären Gesellschaft diskutiert.

Man könnte einwenden, daß demnach also „materielle“, letztendlich ökonomische Prozesse frei nach Marx den eigentlichen Kern der „gesellschaftlichen Bewegungsprozesse“ ausmachen würden. Doch dieser Einwand zieht nicht in Betracht, daß Reich zufolge der wahre Kern die „lebendige Arbeitskraft“ ist, die „Arbeitsenergie“ und damit die Charakterstruktur der Massen, die in der Familie geformt wird. Entsprechend geht aus der autoritären Gesellschaft die antiautoritäre Gesellschaft hervor, wenn die „Arbeitsenergie“ ein gewisses Maß an ökonomischen Wohlstand erwirtschaftet hat (Überexpansion). Die Gesellschaft wird zum Autoritarismus zurückkehren, wenn die Ökonomie wegen der antiautoritären Unterminierung der Arbeitsfunktion kollabiert. Ansatzweise ist dies beim Zusammenbruch der Weimarer Republik geschehen. Die „Studentenbewegung“ Ende der 1960er Jahre war ein bloßes Wohlstandphänomen, das sich mit dem Niedergang der Wirtschaft schnell wieder verflüchtigt hat.

Keine Betrachtung geschichtlicher Entwicklungen darf sich (…) revolutionär nennen, wenn sie den psychischen Zustand der Masse bloß als ein Ergebnis wirtschaftlicher Vorgänge nimmt, und nicht auch als ihren Motor. (Die sexuelle Revolution, S. 172)