Mit ‘Wassermangel’ getaggte Beiträge

Gott und die Wüste (Teil 2)

8. September 2010

Nach jüdischer Zeitrechnung beginnt das Jahr 5771 nach Erschaffung der Welt. Alles begann 3761 v.Chr. Es fragt sich nur, was begann, bzw. welche Welt hier entstand. Diese Jahreszahl stimmt mit jener Zeit überein, in der der orgonomische Geograph James DeMeo die Anfänge der geographischen und emotionalen Verwüstung gelegt hat. Die geographische schuf die Emotionale Wüste, auch wenn die Bibel charakteristischerweise den umgekehrten Vorgang beschreibt:

Man mißbraucht den Gottesnamen, um andere zu verfluchen, man verdreht die Wahrheit, man mordet, stiehlt, bricht die Ehe; Blutsvergießen ist an der Tagesordnung. Deshalb vertrocknet das Land, und seine Bewohner verdursten, Menschen wie Tiere, sogar die Fische verenden. (Hos 4,2f)

Kurz nach „Erschaffung der Welt“ müssen schon die ersten asiatischen („arischen“) und arabischen („semitischen“) Invasoren ins Heilige Land eingedrungen sein und die 5000jährige Entwicklung hin zum Patriarchat eingeleitet haben, der erst mit der Errichtung des neuen Israel zumindest in Ansätzen ein Ende gesetzt wurde. Heute ist das Heilige Land ein blutender Stachel des Lebendigen im Herzen der seelisch verpesteten arabischen Welt, ja der gesamten moslemischen Welt.

DeMeo zufolge waren Zentralarabien und Zentralasien die beiden Zentren, von denen aus sich das Patriarchat im Verlauf von 5000 Jahren über die ganze Erde ausbreitete. Für die Geschichte des Heiligen Landes sind nicht nur die semitischen Stämme aus Arabien von Bedeutung, sondern auch diverse indoarische Gruppe aus Zentralasien (zu denen DeMeo auch die Hunnen, Mongolen und Türken zählt). Es könnte durchaus sein, daß die hebräischen Stämme, die sich im 2. Jahrtausend v.Chr. (nach der Abraham-Legende von Norden kommend) im besiedelten Vorderen Orient niederzulassen begannen, mit den Indoariern verwandt gewesen sind, die zur gleichen Zeit in Indien einfielen.

Ob indoarisch oder semitisch, die nomadisierenden Gruppen Saharasias waren in quasi militärischen Einheiten organisierte Horden, die von Führern dominiert wurden. Charakteristisch war der weitgehend unterdrückte Status von Frauen und Kindern. Um 3500 v.Chr. verließen semitische Völker im steigenden Maße ihr zentralarabisches Ursprungsgebiet und zogen nördlich zur Mittelmeerküste und westlich nach Nordafrika. Um 3000 v.Chr. wurden sie die führende Herrscherkaste im Niltal, in der Levante und in Mesopotamien. Siehe dazu DeMeos Buch Saharasia.

Michael Grant schreibt in seiner Geschichte des Alten Israel, daß in das Land Kanaan die ersten semitischsprachigen Gruppen in der zweiten Hälfte des vierten Jahrtausends vom Rand der arabischen Wüste eindrangen.

Die kriegerischen Ereignisse, die mit diesen Wanderbewegungen verbunden gewesen sein müssen, führten offensichtlich zu einem Stilstand der zivilisatorischen Entwicklung. (Das Heilige Land, Bergisch Gladbach 1988)

Tausend Jahre später (um 2400-2000) kam es zu einem noch weit größeren Einschnitt infolge eines plötzlichen Klimawechsels, der Dürre nach sich zog. Siedlungen in Palästina wurden von ihren Bewohnern entweder aufgegeben oder die Bevölkerungszahl sank erheblich. Landwirtschaftliche Tätigkeit ging zurück und Viehzucht trat an ihre Stelle. In der Zeit zwischen 2200 und 2000 drangen Hirtenstämme ein, die die letzten noch vorhandenen Reste städtischen Lebens beseitigten.

Zwischen den von den „Herrenmenschen“ dominierten Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten wurde Israel während seiner ganzen Geschichte aufgerieben. Hinzu kamen immer neue Anstürme aus dem arabischen Zentrum „Saharasias“ und sogar aus seinem zentralasiatischen, denn die Griechen und Römer, die in Israel einfielen, waren natürlich ursprünglich aus Zentralasien stammende „Arier“.

Dies hat sich auch später wiederholt, als zwischen 640 und 1000 n.Chr. islamische Armeen aus Arabien vordrangen, gefolgt von den „christlichen“ Kreuzrittern aus Europa, deren Grausamkeit selbst für arabische Maßstäbe schlicht unfaßlich war. Im Zeitalter der Kreuzzüge begann dann die Unterdrückung der Juden in Europa, die schließlich im Holocaust gipfeln sollte. Kein Volk wurde schwerer von Saharasia heimgesucht und keines hat sich wackerer geschlagen, bis hin zum schier unglaublichen Wunder, das das moderne Israel darstellt. Es ist der Heiland unter den Völkern und führt den heroischen Kampf gegen das Böse an.

Das „Böse“ ist einfach die Wüste, die die Menschen einst „verwüstet“ hat, die die Menschen zu Unmenschen gemacht hat, was sich dann unabhängig von der realen Wüste über die von Reich beschriebenen Mechanismen in den darauffolgenden Generationen fortsetzte. Das Böse ist die Emotionale Wüste, die auf die geographische Wüste zurückgeht.

Bei den Geschichten, die sich beispielsweise um die biblischen Gestalten Elija und Elischa ranken, haben wir das klassische Beispiel für den Druck vor uns, den die nomadisierenden Viehzüchter aus den Randgebieten der arabischen Wüste auf das Land ausübten, in dem, aus ihrer Sicht, „Milch und Honig fließen“ (Ex 3,8). Der Prophet Elija nutzte eine Dürre aus, um 850 Priester der Fruchtbarkeitsgötter Aschera und Baal abschlachten zu lassen (1 Kön 18).

Auch im Mythos von Kain und Abel finden wir die Auseinandersetzung zwischen dem idealisierten Hirten Abel und dem dämonisierten Ackerbauern Kain wieder. Im übrigen stellt dieser Mythos den zweiten Schritt bei der patriarchalen Einstimmung in die Bibel dar. Ging es in Gen 3, wie in Teil 1 beschrieben, um die Verantwortung gegenüber dem patriarchalen Gott, so geht es nun in Gen 4 um die Verantwortung gegenüber dem „patriarchalen Mitmenschen“.

Wie es wohl noch heute den Menschen vom Lande in der Großstadt ergeht, empfanden auch die wilden Nomaden aus der Wüste die Kulturlandbewohner als wenig bekümmer um menschliches Leben (Gen 19,9). Darüber hinaus galten sie den Nomaden als verweichlicht (Ex 1,19) und sexuell haltlos (Gen 19 und 34). Umgekehrt mögen die Kulturlandbewohner die Nomaden ähnlich empfunden haben, wie wir die geheimnisumwitterten „Südländer“ empfinden, nämlich als unzuverlässige Bande mit wenig Unterscheidungsvermögen für eigenes und fremdes Gut (Ex 3,21f; 11,2 und 12,35f) (Othmar Keel, Max Küchler: Synoptische Texte aus der Genesis, Fribourg 1971, S. 126). Dabei mag jede neue semitische Einwanderungswelle ins Gelobte Land nach einiger Zeit wie unsere Kulturlandbewohner empfunden und benommen haben. Es waren dann sie, die ängstlich auf die nachfolgenden Gruppen hinabschauten.

Sie alle sind hilflose Figuren innerhalb eines sich hinziehenden sozio-ökologischen Desasters voller Zynismus und Sadismus. DeMeo weist darauf hin, daß eine frühe Periode der Wüstenbildung in Zentralasien mit den verschiedenen Sintflutsagen (klimatische Instabilität und große Überflutungen) in den Gebieten am Rande Zentralasiens übereinstimmt. Für Palästina gibt er die Zeit um 2355 an. So spiegelt die Sintflutsage den biokulturellen Umbruch vom Matriarchat zum Patriarchat wider, der durch die Verwüstung ausgelöst wurde. Alttestamentler wie Keel und Küchler gehen davon aus, daß die Sintflut in der sogenannten „Priesterschrift“ die gleiche Rolle spielt, die beim „Jahwisten“ vom Sündenfall ausgefüllt wird.


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