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nachrichtenbrief56

9. August 2017

Nationalsozialismus und „Antifaschismus“ (Teil 1)

25. August 2013

Wie Reich 1933 in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegt hat, war der Nationalsozialismus immer gezielt das, was ihn für die angesprochene Gruppe attraktiv machte. Für das gesicherte Bürgertum repräsentierte er die alte Ordnung („Potsdam“), während er für das vom sozialen Abstieg gefährdete Kleinbürgertum und teilweise sogar für das Proletariat eine „national-sozialistische“ Volksgemeinschaft vertrat, die Sicherheit, Schutz und die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg bot. Für die durch und durch heterogenen Parteigänger des Nationalsozialismus selbst war der Nationalsozialismus vor allem eins: Antisemitismus. Das war der Kitt, der das ansonsten an allen Ecken und Enden auseinanderfließende Gebilde „Nationalsozialismus“ zusammenhielt und ihm seine unverwechselbare Identität gab.

Der nationalsozialistische Antisemitismus war dadurch gekennzeichnet, daß er einen zutiefst religiösen Aspekt hatte, wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe. Die Juden repräsentierten eine Art „Gegengott“, den Teufel. „Der Jude“ selbst ist dieser (Gegen-) „Gott“: er ist allgegenwärtig und allmächtig. Sekundär wurde der „Jude“ dann zum „Dämon der bolschewistischen Zersetzung“ und gleichzeitig zum „Finanzkapitalisten“, der die Verantwortung für alle Mißstände trüge.

Der Schritt zum Holocaust war dergestalt fast zwangsläufig. Fast, denn ohne Krieg mußte er, aus Sicht eines gläubigen Nationalsozialisten, eine chiliastische Utopie bleiben. Der Krieg bot Hitler die Möglichkeit alle Juden aus seinem Herrschaftsbereich in Konzentrationslager im Osten zu verbringen. Mit einer verqueren, aber nachvollziehbaren psychotischen „Logik“ wollte er potentielle Agenten und Saboteure unschädlich machen. Dieser Wahnsinn hatte Methode, denn rein formal ist in Amerika das gleiche passiert: Roosevelt ließ zumindest an der Westküste ein Gutteil der Japaner mit amerikanischer Staatsbürgerschaft internieren, um so potentielle Agenten und Saboteure unschädlich zu machen. Wären sie nicht auch alle ermordet worden, hätte Roosevelt dazu die Order gegeben? Das wäre nicht der erste Völkermord-Befehl eines US-Präsidenten gewesen! (Ich spreche natürlich von den Indianerkriegen mit ihren „Todesmärschen“.) Siehe auch die rassistische Mentalität, die Truman dazu brachte, zwei japanische Städte auszuradieren als wären es Rattennester!

Ich schreibe das, um deutlich zu machen, daß die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht einfach mit Verweis auf Hitlers Charakter und eine angebliche „Massenpsychose“ erklärt werden können, sondern sich alles in rationalen Begriffen verstehen läßt. Reich hat dazu ein Jahrzehnt vor dem Holocaust geschrieben:

Die nationalsozialistischen Versammlungsreden zeichneten sich (…) durch sehr geschickte Maßnahmen aus, mit den Gefühlen der Massenindividuen zu operieren und sachliche Argumentation tunlichst zu vermeiden. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 53)

Es ist (…) irreführend, wenn man den Hitlerschen Erfolg allein aus der Demagogie der Nationalsozialisten, mit der „Vernebelung der Massen“, ihrer „Irreführung“ oder gar mit dem vagen, nichtssagenden Begriff der „Nazipsychose“ zu erklären versuchte, wie die Kommunisten und später andere Politiker es taten. Kommt es doch gerade darauf an zu begreifen, weshalb sich die Massen der Irreführung, Vernebelung und psychotischen Situation zugänglich erwiesen. Ohne die genaue Kenntnis dessen, was in den Massen vorgeht, kann man das Problem nicht lösen. Die Angabe der reaktionären Rolle der Hitler-Bewegung genügt nicht. Denn der Massenerfolg der NSDAP widersprach dieser ihrer reaktionären Rolle. Millionenmassen bejahten ihre eigene Unterdrückung, ein Widerspruch, der nur massenpsychologisch, und nicht politisch oder ökonomisch, zu lösen ist. (ebd., S. 53)

Leider gibt es gerade unter Reichianern die Tendenz, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus unnötig zu emotionalisieren. Das schimpft sich dann „Antifaschismus“, wobei die ständig wütenden und moralisch aufgebrachten sogenannten „Antifaschisten“ überhaupt kein Gefühl dafür haben, wie sehr sie doch in ihrer ganzen Herangehensweise, die keine Grautöne kennt, den Nationalsozialisten ähneln: Fanatismus, der jede Diskussion ausschließt, nachdem Schlüsselbegriffe gefallen sind! Und wenn der Nationalsozialismus auch noch zur Inkarnation des Bösen schlechthin stilisiert wird, dann wird es wirklich unheimlich. Gar wenn das ganze eindeutig paranoide Züge annimmt und praktisch überall „Nazis“ vermutet werden. „Antifaschisten“ ahnen nicht mal, daß sich ihre „Weltanschauung“ formal in nichts von der der Nationalsozialisten unterscheidet.

Vollends gruselig wird es, wenn der „Antifaschismus“ mit althergebrachten „humanistischen Werten“ kommt, die gegen diesen allgegenwärtigen und offenbar allmächtigen subversiven Feind zu verteidigen sind. Die Abrundung bringt schließlich der Antikapitalismus, dessen Grundthese lautet, daß der Kapitalismus zwangsläufig in den Faschismus münden müsse, der uns auch unserer letzten Rechte und unseres letzten Halts beraube.

Dazu paßt, daß „Antifaschisten“ fanatische „Hitleristen“ sind: der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, alles sei vorher bis ins Detail von Hitler geplant und von ihm mikrogemanagt worden. Es dreht sich alles um Intentionen, nicht um Strukturen, auf die die Linke doch sonst immer insistiert („strukturelle Gewalt“, etc.). Das ist Ausdruck eines tiefsitzenden Mystizismus, der, wie stets, mit einem extremen Mechanismus verbandelt ist („Hitler an den Schalthebeln einer gigantischen Maschinerie“). Daß die Nationalsozialisten die Welt bzw. ihre Feinde („der Jude“) exakt genauso betrachtet haben, scheint niemanden weiter zu kümmern. Desgleichen nicht, daß die „Antifaschisten“ genau wie die Nationalsozialisten mit Fälschungen arbeiten, etwa Hitlers lächerlicher „Dschingis-Kahn-Rede“. Weist man sie darauf hin, steht man unvermittelt als „Nazi“ da, der Hitler verteidigt. Es ist ein geschlossenes, brutal (moralische Entrüstung und blanker Haß) verteidigtes Wahnsystem, das nicht mal vor Mordaufrufen zurückschreckt.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: selbstverständlich hätte es ohne Hitler keinen Holocaust gegeben, aber der Holocaust war vor allem eins, eine sich ausbreitende pestilente Reaktion (Emotionelle Pest).

trioinferjoo

Ea Briefing 6/12

26. Juni 2012

Reich war in den letzten vier Jahren seines Lebens davon überzeugt, daß die Erde einem Angriff aus dem Weltall ausgesetzt ist. In den seitdem vergangenen knapp 60 Jahren hat sich folgendes zugetragen:

Während der Eisenhower-Administration kam es zu einem regelrechten Putsch. – Die Welt der Geheimdienste beruht, ganz ähnlich wie die Welt der organisierten Kriminalität, auf dem Prinzip des streng begrenzten Informationszugangs. Jede Abteilung, jede Unterabteilung und jeder Agent innerhalb der Organisation braucht nur so viel zu wissen, wie sie bzw. er für die Erledigung der jeweiligen Aufgabe unbedingt wissen muß. Auf diese Weise wird der Schaden durch Überläufer und andere Sicherheitslücken minimiert. Aus diesem Grund können solche Organisationen, entgegen jeder „logischen“ Erwartung, auch keine „Pyramiden“ sein. Die „Spitze“ weiß auch nur so viel, wie sie wissen muß, was natürlich die „Spitzenposition“ letztendlich illusorisch macht. Dieses Organisationsprinzip begünstigt die Verselbständigung ganzer Bereiche – von deren bloßer Existenz kaum jemand etwas weiß.

Je sensibler und deshalb geheimer der Gegenstand ist, desto extremer sind diese Mechanismen ausgeprägt. Die Sache mit den UFOs war (natürlich nicht nur in diesem Sinne) derartig „extrem“, daß sich ab Mitte der 1950er Jahre die zuständigen Geheimdienst- und Militärkreise vollständig von der offiziellen, demokratisch legitimierten Regierung abgekoppelt haben.

Nach dem allseits bekannten Zwischenfall von Roswell 1947 war Truman mit einiger Sicherheit noch soweit informiert, wie US-Präsidenten normalerweise in Sachen der nationalen Sicherheit gebrieft werden. Natürlich nicht in jedem Detail (was sowieso denkbar unpraktikabel wäre), aber doch in den wesentlichen Zügen. Eisenhower wurde wahrscheinlich auch weitgehend gebrieft, zumal es glaubhafte Hinweise darauf gibt, daß es zwischen ihm und Außerirdischen sogar zu einem „offiziellen“ Treffen auf einem Luftwaffenstützpunkt gekommen ist:

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Bei Kennedy und Johnson ist das Briefing mit Sicherheit oberflächlicher ausgefallen. Nixon und mit ihm auch Ford waren Überbleibsel der Eisenhower-Administration. Carter, der Außenseiter aus der Provinz, war der Erste, der so gut wie nichts erfuhr. Und Reagan war der Letzte, der gebrieft wurde. Er ist berühmt dafür, wie oft er seine Reden mit Verweise auf „Außerirdische“ ausschmückte und im persönlichen Gespräch das eine oder andere hat durchblicken lassen. Mehr als die gröbsten Umrisse wird seit Eisenhower niemand mehr, inklusive der US-Präsidenten, außerhalb der Schattenregierung erfahren haben. Einzige Ausnahme ist vielleicht Bush senior, der zeitweise Leiter der CIA war und zusätzlich einer der führenden Unternehmerdynastien des Landes angehörte.

Wie kann man sich so eine Schattenregierung vorstellen, die nur über einige wenige Kontakte in den Geheimdiensten und im Militär mit der konstitutionellen Regierung verbunden ist? Die einfachste Art und Weise, so etwas zu organisieren, ist die Privatisierung. Von einem Augenblick zum anderen fällt die Kontrolle durch die Legislative weg und der Exekutive hat das Privateigentum heilig zu sein. Einem US-Präsidenten oder irgendeinem anderen Regierungsvertreter geht es einen feuchten Dreck an, was Privatleute treiben, solange diese die Gesetze einhalten.

Wie so etwas abschotten, daß es den Blicken des Staates und der Medien entgleitet? Desinformation und Lächerlichmachen! Wie das geht, hat der spielsüchtige und auch in anderer Hinsicht erpreßbare J. Edgar Hoover vorgemacht, als er der amerikanischen Öffentlichkeit bis in die 1960er Jahre hinein weismachen konnte, daß es in den USA keine organisierte Kriminalität gab. Wer das Gegenteil behauptete, konnte sich gleich die Pappnase aufsetzen! Als die Existenz der Mafia nicht länger unter den Teppich zu kehren war, hat diese mit Hilfe von Filmen wie Der Pate selbst für ein geschöntes Image gesorgt.

Was die UFO-Sache betrifft wurde durch gezielte Desinformation die öffentliche Atmosphäre derartig verseucht, daß jede offizielle, ernsthafte Untersuchung durch irgendeinen Bereich der Regierung oder der Medien vollkommen undenkbar ist. Diese Desinformationskampagne läßt sich am Fall „George Adamski“ sogar überzeugend nachweisen. Wie kein anderer hat er mit seinen Geschichten über „Besucher von der Venus“ dafür gesorgt, daß sich wirklich kein rationaler Mensch mehr mit dem Thema beschäftigte. Das Problem bei dieser grandiosen Geheimdienstunternehmung war nur, daß die Hand der Geheimdienste in diesem Fall mehr als offensichtlich war. Adamski genoß höchste Protektion. Da Skeptiker das nicht wegerklären können, erklären sie diese Unregelmäßigkeit mit „psychologischer Kriegsführung“ während des Kalten Krieges.

Was genau soll eigentlich unseren Blicken entzogen werden? Seit Mitte der 1950er Jahre hat sich mit Hilfe außerirdischer Technologien eine vollkommen eigenständige menschliche Zivilisation vom Rest der Menschheit entkoppelt. Die Planeten und Monde und sogar fremde Sternensysteme könnten inzwischen von menschlichen Raumstationen übersät sein, ohne daß wir davon erfahren. Buchstäblich über unseren Köpfen könnten ganze „Sternenkriege“ ausgefochten werden, ohne daß wir auch nur den Anschein einer Vorstellung davon haben, was geschieht.

Diese „zivilisatorische Abspaltung“ muß nicht einmal intentional erfolgt sein, sondern ist höchstwahrscheinlich „einfach passiert“ – und mit jedem Jahr wird es schwieriger, wenn nicht sogar „unmöglicher“, diese beiden getrennten Zivilisationen wieder miteinander zu verbinden. Wie soll das auch geschehen? Ganze Religionen würden kollabieren, ganze wissenschaftliche Fakultäten würden als Ansammlung grenzdebiler Idioten dastehen, praktisch alle Politiker würden ihr Gesicht verlieren, die rechtlichen Konsequenzen wären unausdenkbar, da die Schattenregierung wirklich alle Gesetze mit Füßen getreten hat und nicht zuletzt würde es zu Ausbrüchen von Massenpsychosen kommen, die unmöglich zu kontrollieren wären.

Und jetzt versetze man sich an den Anfang der ganzen Entwicklung, wo Reich, dieser Unglücksrabe, mit seinen UFO-Geschichten „diesen Leuten“ wirklich in jeder Beziehung nur ein Dorn im Auge gewesen sein konnte. Übrigens ist er 1954 auf dem Weg nach Tucson, welch ein Zufall, sogar an Roswell vorbeigekommen! Er hat angedeutet Eisenhower begegnet zu sein. Er hat alle möglichen Stellen mit Briefen über seine „Geheimforschung“ bombardiert, entsprechendes vor Gericht angedeutet…

Reich glaubte, daß er mit seiner Forschung den Schlüssel zum Überleben der Menschheit in Händen halte. – Verfolgt man die Aktivitäten der Schattenregierung, ohne sich vom perfekten Schutzschirm des Lächerlichmachens beeindrucken zu lassen, zeichnet sich ab, daß diese Parallelzivilisation kein Selbstzweck ist, sondern die Schattenregierung einen verzweifelten Kampf gegen die Zeit führt. Mit anderen Worten: wir könnten tatsächlich auf eine kosmische Katastrophe zusteuern, so wie Reich es angedeutet hat. Der Realität am nächsten kommt vielleicht die englische Science Fiction-Serie UFO von Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre, die so eine Schattenregierung (in der Serie heißt sie „Shado“) beschreibt. Das Leben der Menschen nimmt seinen gewohnten Gang, während im Geheimen, jenseits aller staatlichen Institutionen, ein Weltraumkrieg ausgefochten wird. Manche Dinge sind zu Ernst, um sie den Politikern zu überlassen oder gar dem dummen Volk.

Übrigens spielt UFO im futuristischen Jahr 1980. 1970 glaubte jedermann, daß wir 10 Jahre später in einem futuristischen Utopia leben würden mit einem regulären Weltraumverkehr, Autos, die kein Benzin mehr schlucken und Menschen, die in einer Umgebung lebten, in dem die meisten sozialen Konflikte gelöst sind. Oder man denke an die 1975 gedreht Serie Space 1999, derzufolge wir vor 13 Jahren in einer futuristischen Weltraumzivilisation gelebt hätten. Ganz zu schweigen vom Kinofilm 2001 von 1968. Wo ist diese Zukunft, wo sind die wissenschaftlichen und vor allem technologischen Durchbrüche? Diese Utopien waren nicht einfach „Spinnkram“, sondern vollkommen rationale Extrapolationen der Entwicklung durch naturwissenschaftliche gebildete Leute wie Arthur Clarke. Was ist geschehen? Wie konnten wir um all das betrogen werden? Ist das alles in der besagten Parallelzivilisation versickert, während wir in einer Welt leben, die sich seit den 1950er Jahren technologisch kaum verändert hat (wenn wir mal von der Unterhaltungselektronik absehen!)? Das ganze ist eine Anomalität, die wirklich niemandem aufzufallen scheint. Und wenn man darauf hinweist, wird man angestarrt, als käme man aus der Irrenanstalt oder „vom Mars“.

Wie sieht die besagte Bedrohung durch die Außerirdischen konkret aus? Es geht, anders als in der Fernseserie UFO, sicherlich nicht um die Abwehr einer „Invasionsarmee“, sondern um einen schleichenden energetischen Prozeß. Reich glaubte an eine stille DOR-Verseuchung des Planeten, die nur mit Hilfe der Orgonomie erfaßt und abgewehrt werden könne. Wenn man die UFO-Literatur der letzten Jahrzehnte verfolgt und entsprechend gewichtet, zeichnet sich ein Szenario ab, das am besten vielleicht fundamentalistische Christen in den USA erfaßt haben, für die es sich bei UFOS schlichtweg um „dämonische Erscheinungen“ handelt, die „die letzten Tage“ und das zweite Kommen Christi ankündigen. Das umfaßt sowohl das Element, das Reich beschrieben hat, als auch die „spirituellen“ Implikationen von ORANUR. Siehe dazu meinen Aufsatz Ea und die Kreiselwelle als auch meinen Blogeintrag über Wilhelm Reich und Whitley Strieber.

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Der Rote Faden nach Christopher Turners ADVENTURES IN THE ORGASMATRON

20. September 2011

Der 1000ste Blogeintrag:

In seiner Reich-Biographie Adventures in the Orgasmatron (S. 283-291) beschäftigt sich Christopher Turner mit einigen Punkten des „Roten Fadens der Verschwörung“, die zu einem Gutteil bereits bei Jim Martin (Wilhelm Reich and the Cold War) aufgetaucht sind. Es lohnt sich sie nochmals zusammenzufassen:

Dwight MacDonald, ein ehemaliger Trotzkist, war in den 1940er Jahren ein bekannter Pazifist und Anarchist an der Ostküste. Er gab die Zeitschrift Politics heraus. Inspiriert durch die Schriften Reichs versuchte er politische Befreiung mit sexueller Befreiung zu verbinden. Resultat war eine Art „Swinger“-Ideologie mit „Nacktpartys“ und „Orgien“, an denen u.a. Fritz Perls, Paul Goodman und Norman Mailer teilnahmen. Im Spätsommer 1945 erschien in MacDonalds Zeitschrift Goodmans Artikel „The Political Meaning of some Recent Revisions of Freud“, der Reichs Theorien der „sexuellen Befreiung“ (so wie sie der bisexuelle Goodman sah) bei den nicht-kommunistischen Progressiven allgemein bekannt machte.

Fünf Jahre später, 1950, plante MacDonald, der in der Zwischenzeit regelmäßig einen Orgonenergie-Akkumulator benutzt hatte, einen Artikel in Politics zu veröffentlichen, in dem er Reichs Orgontheorie mit Berufung auf den befreundeten Krebsspezialisten Theodore Hauschka als Pseudowissenschaft bloßstellen wollte. Politics mußte jedoch vorher eingestellt werden, so daß dieser Artikel nie erschienen ist. MacDonald sah sich zu diesem Schritt gezwungen, weil er glaubte, daß die Kommunisten (via Mildred Edie Brady) die zu dieser Zeit sehr erfolgreichen Anarchisten lächerlich machen und ins Abseits stellen wollten, indem sie sie mit Reichs „absurden Theorien“ in Verbindung brachten.

Tatsächlich verabscheute Brady Reich, weil er, in Bradys Augen, einen snobistischen Sexualkult inspiriert hatte, der die amerikanische Avantgarde zu entpolitisieren drohte; Politik wurde durch eine Art Sexualmystik ersetzt (S. 276f). So Bradys erster Artikel „The New Cult of Sex and Anarchy“, der 1947 in Harper’s Magazine erschien. Aber war Brady eine Kommunistin? Sie hatte 1936 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Ökonomen Robert Brady, und anderen die Consumers Union ins Leben gerufen, eine Art kapitalismuskritische „Stiftung Warentest“. Nicht nur als Produzenten, sondern auch als Konsumenten sollten sich die Arbeitenden organisieren. 1939 wurde die Consumers Union von der HUAC, dem Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten, das später durch McCarthy berühmt wurde, in die Liste der subversiven Organisationen aufgenommen, von der sie erst 1954 nach einer langen „Bürgerrechtskampagne“ wieder gestrichen wurde.

Im selben Jahr wurde Robert Oppenheimer, der „Vater der Atombombe“, der durch die Bradys für die Consumer Union rekrutiert worden war, vom FBI über seine Beziehung zu dem Ehepaar befragt. Die Bradys waren enge Freunde von Alger Hiss [einem Sowjetagenten!] und Haakon Chevalier, der Mann von dem Oppenheimer behauptet hatte, er hätte versucht ihn 1942 als sowjetischen Agenten zu rekrutieren. (S. 284)

1949 sagte MacDonald zu Reichs Mitarbeiter Myron Sharaf, daß Robert Brady „definitiv ein Kommunist“ war. Auf Anfrage Reichs berichtete Karl Frank Ende 1947, daß er den Bradys 1936 in Kalifornien begegnet war und sie definitiv „Fellow Travellers“ seien. Robert sei, so Frank, ein bekannter Kommunist gewesen und seine Frau Mildred hatte deutlich gemacht, daß ihre kommunistischen Überzeugen noch stärker seien als die ihres Ehemannes. 1937 verlieh Brady in seinem Buch Spirit and Structure of German Fascism seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich Amerika vom „zum Faschismus neigenden Kapitalismus“ abwenden möge.

Und schließlich ist da noch der anarchistische Poet Kenneth Rexroth und seine Aussage: „It did’t take the Communist Party long to attack us“ (S. 289). Das bezieht sich auf den Libertarian Circle in San Francisco, den Brady in ihrem Artikel über „Sex und Anarchie“ mit Reich in Verbindung gebracht hatte. Neben Rexroth gehörte auch der berühmte „erotische Autor“ Henry Miller und der Poet George Leite zu diesem Umfeld. Später behauptete Rexroth, Miller und die anderen angeblichen „Reichianer“ an der Westküste hätten vor dem Erscheinen von Bradys Artikel nie Reich gelesen und jene, die es taten, hätten Reich als Scharlatan betrachtet. Turner zieht diese nachträgliche Distanzierung in Zweifel. Diese Anarchisten wollten sich von der Kommunistin Brady (sie wurde wie selbstverständlich von ihnen als eine solche betrachtet) nicht in den „Reichianischen Dreck“ ziehen lassen…

Handelt es sich aber um eine „konzertierte kommunistische Aktion“? Nachdem Goodman 1945 von MacDonald beauftragt worden war den bereits erwähnten enthusiastischen Artikel über Reich für Politics zu schreiben, beauftragte ihn The New Republic eine Besprechung des soeben erschienenen Buches The Masspsychology of Fascism zu verfassen. Die Besprechung wurde von den Herausgebern jedoch abgelehnt, weil Goodman zu begeistert mit Reich umgegangen sei. Stattdessen wurde eine vernichtende Besprechung von Frederic Wertham veröffentlicht. Reichs Denken sei, so Wertham, „neo-faschistisch“, Reich vertrete eine Art „Psycho-Faschismus“. Alle Intellektuellen wurden aufgerufen dieser neuen faschistischen Gefahr, d.h. Wilhelm Reich, entgegenzutreten. Entsprechend war die Besprechung mit „Calling All Couriers“ überschrieben! Sechs Monate später erschien Bradys erster Artikel „The New Cult of Sex and Anarchy“ in Harper’s Magazine, im darauffolgenden Monat „The Strange Case of Wilhelm Reich“ in The New Republic.

In ihren Artikel in Harper’s knüpfte Brady an den Faden an, den Wertham gesponnen hatte, als er Reichs Konzept der „Arbeitsdemoktratie“ als gefährlich reaktionär und Reich als „Psychofaschisten“ hingestellt hatte. Brady zog eine Verbindung zwischen dem neuen, angeblichen „Reichianischen“ Kult von „Sex und Anarchie“ und der völkischen Bewegung im vorfaschistischen Deutschland. In diesem Zusammenhang erwähnte sie Stefan George und dessen snobistischen Appell an die „schöpferische Persönlichkeit“. Genau wie die „Reichianer“ hätte George die Instinkte glorifiziert und einer Sexualmystik gehuldigt. Die „Reichianer“ seien deshalb „Neofaschisten“. (Manchmal erinnert Brady verdammt an Jutta Ditfurth…)

MacDonald berichtete Sharaf, daß Wertham ein führendes Mitglied der American-Soviet Friendship League war und ein „Fellow Traveller“. The New Republic selbst reihte sich hier perfekt ein. Im September 1946 übernahm Henry Wallace, einst Vizepräsident unter Roosevelt, die radaktionelle Leitung von The New Republic. Präsident Truman hatte ihn kurz zuvor als Handelsminister entlassen, nachdem Wallace Trumans antikommunistische Außenpolitik kritisiert hatte. The New Republic nutzte er nun als Sprachrohr, um gegen den beginnenden Kalten Krieg anzukämpfen und für einen Ausgleich mit der Sowjetunion zu werben. Turner schreibt dazu:

Der Artikel von Brady könnte tatsächlich in diesem Zusammenhang interpretiert werden: Sie schrieb, daß Reich Rußland als „sexual-reaktionär“ und als „antisexuell“ betrachtete, und offensichtlich verteidigte sie die Familienwerte dieses Landes. (S. 285)

1948 war Wallace Präsidentschaftskandidat der Progressive Party, erhielt aber nur drei Prozent der Wählerstimmen. Er war aufgrund der enthusiastischen Zustimmung der Kommunisten in New York einer horrenden Fehleinschätzung aufgesessen. Später stellte sich heraus, daß Laurence Duggan, der unter Wallace Außenminister werden sollte, und Harry Dexter White, der Finanzminister werden sollte, sowjetische Agenten waren!

Nach Wallace‘ Präsidentschaftskandidatur übernahm Michael Straight die radaktionelle Verantwortung von The New Republic, er war bereits der Herausgeber des Magazins. Straight war selbst Sowjetagent gewesen. 1937 war er von Anthony Blunt für den NKWD rekrutiert worden, spionierte für die Sowjets im Außenministerium, hatte den späteren Sowjetagenten Alger Hiss als möglichen Rekruten vorgeschlagen und er hatte The New Republic benutzt, um einem Sowjetagenten einen Presseausweis zu verschaffen. Ab 1942 weigerte er sich jedoch mit den Sowjets weiter zusammenzuarbeiten.

Anthony Blunt und die anderen vier der berühmten „Cambridge Five“ Kim Philby, Guy Burgess, John Cairncross und Donald Maclean waren von Arnold Deutsch, einem ehemaligen Anhänger und Mitarbeiter Reichs, rekrutiert worden. Mit Deutsch haben wir uns bereits beschäftigt. Turner führt aus, daß Deutsch‘ „sexualökonomische“ Haltung seine Sache sehr attraktiv für die „Cambridge Five“ machte, durchweg Bisexuelle. Die Sowjetunion wurde von Deutsch als ein Land der Gleichheit und der sexuellen Toleranz gezeichnet. Praktisch in jeder Beschreibung der „Cambridge Five“ wird Philbys Satz zitiert: „An orgasm a day keeps the doctor away.