Posts Tagged ‘Skan’

Die Laientherapeuten-Lüge

22. Juni 2018

Es nervt über Dinge diskutieren zu müssen, über die wirklich jedwede Diskussion vollkommen überflüssig und sinnlos ist. Wer weiterdiskutiert ist schlichtweg böswillig! Orgontherapie und Laien: man nehme Alexander Lowen, einer der ersten Schüler Reichs in New York. Reich zwang Ende der 1940er Jahre den Gymnastiklehrer und Rechtsanwalt, der inzwischen so etwas wie „vegetotherapeutische Gymnastik“ betrieben hatte, ein Medizinstudium zu absolvieren, wenn er denn wirklich auf diesem Gebiet arbeiten wolle. Als Reich nach Lowens Studium auch noch von diesem abverlangte Facharzt für Psychiatrie zu werden, verließ dieser frustriert die Orgonomie und verzapfte infolge ein peinliches Buch nach dem anderen, das auf jeder Seite zeigt, daß er in Sachen Psychotherapie ein bombastischer Laie war. Heute ist, wie mir ein Psychiater sagte, die „bioenergetische Analyse“ tot, weil sie vollkommen unwirksam ist.

Ein noch älterer Schüler Reichs war A.S. Neill, der bereits in Oslo dessen Patient war und ähnlich wie zeitweise Lowen von Reich autorisiert worden war seine heranwachsenden Schüler in Summerhill „vegetotherapeutisch“ zu behandeln. Neill gab das bald auf, wodurch er bei Reich weiter in dessen ohnehin schon sehr hoher Wertschätzung stieg. In Paul Ritters Zeitschrift Orgonomic Functionalism schrieb Neill kurz nach Reichs Tod, daß er Paul Mathews‘ Brief voll zustimme und tatsächlich einige Wochen, bevor dessen Brief veröffentlicht wurde, selbst einen Brief fast identischen Inhalts an Ritter geschickt hatte. Dort hatte er zum Ausdruck gebracht, wie geschockt und wütend er sei, daß dieser und David Boadella als „Orgontherapeuten“ dilettieren und sich sogar anmaßen „Fallgeschichten“ zu schreiben. Reich hätte immer wieder deutlich gemacht, daß ausschließlich Fachärzte als Orgontherapeuten tätig sein dürfen. Einzige Ausnahme sei Reichs ältester Schüler Ola Raknes (ein Psychologe) gewesen. Ich möchte anfügen, daß das im freien Ermessen von Reich und später Elsworth F. Baker lag und alles andere als ein Freibrief für Politologen, Archäologen oder Pädologen darstellt, sich als „Reichianische“ (sic!) „Körpertherapeuten“ aufzuspielen oder extrem invasive Therapien wie „Skan“ zu propagieren.

Neill führt aus, daß Reich in der Therapie bei Neill schrecklich intensive Emotionen freigelegt hatte und daß er, Neill, aus dieser Erfahrung und später durch Briefe und im persönlichen Gespräch immer mehr die Überzeugung gewann, daß die Orgontherapie potentiell gefährlich sei. „Ich habe Reich beunruhigt und ängstlich hinsichtlich möglicher Selbstmorde erlebt, nicht so sehr wegen seiner eigenen Patienten, sondern wegen der seiner Jünger. In meinen Augen schien die Methode Kräfte zu wecken, mit denen nur ein großer Psychologe umgehen konnte, und so großartig er auch war, Reich selbst hatte Mißerfolge bei seinen Patienten, und er hat dem ehrlich ins Auge gesehen.”

Neill fährt fort, Reich habe oft gesagt, daß er niemandem erlaube Orgontherapie auszuüben außer einem qualifizierten Arzt. („Reich often said that he would have no one but a qualified Doctor use Orgone Therapy.”) Neill selbst sieht das mit den Laientherapeuten nicht so streng, solange es um reine Gesprächstherapien geht, beharrt aber darauf, daß „die Reich-Technik so mächtig, so neu ist, daß ich sie persönlich in keiner anderen Hand sehen will als die eines von Reich ausgebildeten“ (Orgonomic Functionalism, Vol. 6, No. 5, September 1959, S. 161f). Paul Ritter antwortet in der gleichen Nummer (S. 163) und muß zugeben, daß er und sein Schüler David Boadella gegen den ausdrücklichen Willen Reichs Therapien angeboten haben, beide jedoch (sic!) in ihren Sitzungen Reichs Techniken anwendeten: „We have given therapy in England without Reich’s blessing and yet felt it was Reich’s techniques we were applying.“ WAS FÜR EINE ABWEGIGE LOGIK! Soviel auch zu den ebenfalls abwegigen Behauptungen, die hier in Leserbriefen verbreitet wurden, Reich wäre in irgendeiner Weise mit Ritters und Boadellas Tätigkeit als „Orgontherapeuten“ einverstanden gewesen und hätte Ritter in dessen Tun gar bestärkt.

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ZUKUNFTSKINDER: 7. Das Drogenproblem, d. Drogen und Sexualökonomie

25. April 2018

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Skan Reader (1996)

16. Dezember 2016

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Ströme

18. November 2016

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Ströme

Psychoanalyse, Orgontherapie, Körpertherapie

21. März 2015

Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.

Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußt gemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.

Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.

Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.

Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.

Und noch etwas: man verwechsele bitte die Charakteranalyse nicht mit der Psychoanalyse! In vieler Hinsicht sind es geradezu Gegensätze. Reich hat die „charakteranalytische Vegetotherapie“ aus der Psychoanalyse dadurch entwickelt, indem er die „Haltlosen“ in dieser Gesellschaft behandelte. Dieser „triebhafte Charakter“ zeigte reale körperliche Erscheinungen, im Gegensatz zu den üblichen „gutbürgerlichen“ Klienten der Psychoanalyse, wo es um Erinnerungen und den intellektuellen Austausch ging. Die Funktion des Orgasmus zeigte, daß es sich bei der Libido um eine reale Energie handelt, die sich beispielsweise zwischen dem Herzen (Angst) und dem Genital (Lust) hin und her bewegt.

Die Psychoanalytiker mieden diese beiden Bereiche, heftige psychosomatische Reaktionen und die Genitalität, in denen Freuds Libido wirklich greifbar wurde, wie der Teufel das Weihwasser und beschäftigten sich stattdessen mit „Psychologie“, d.h. das komplizierte Wechselspiel prägenitaler Strebungen, deren Verdrängung, Sublimierung, etc. In seiner Charakteranalyse ging es Reich hingegen darum, das Geflecht der prägenitalen Strebungen und Gegenstrebungen aufzulösen, um von der komplizierten Psychologie zum einfachen bioenergetischen Kern des Problems durchzudringen. Dieser erschloß sich ihm in den 1930er Jahren im Rahmen seiner sexualökonomischen Lebensforschung: es war die Sympathikotonie.

Es geht nicht um das Aufdecken hochkomplizierter psychologischer Zusammenhänge, sondern um denkbar einfache bioenergetische Prozesse. Patienten können beispielsweise a la Woody Allen jahrzehntelang zum Psychotherapeuten gehen, ohne ein einziges Mal auf jene Charakterhaltungen hingewiesen worden zu sein, mit deren Hilfe sie ihre organismische Orgonenergie drosseln, – d.h. mit deren Hilfe sie ihr eigenes Leben zerstören.

Die Zerstörung von Wilhelm Reichs Erbe

22. Juli 2014

Eines der Rätsel der Orgonomie ist ihr schleichendes Ableben nach einer zeitweisen Renaissance in den 1970er Jahren. Hier und da hat es ein Aufbäumen gegeben, aber der wellenförmige Abwärtstrend ist eindeutig. Man kann vieles als Grund anführen, etwa die Zersplitterung einer fiktiven „Reichianischen Bewegung“. Die wahre Ursache hat jedoch nichts mit der Orgonomie selbst zu tun, sondern ist in der sozialpsychologischen Entwicklung der Gesellschaft begründet.

Die ersten Anzeichen waren bereits in den 70er und Anfang der 80er Jahre zu sehen, als orgonomische Veranstaltungen stets nur von einer Richtung angefeindet und teilweise sogar gestürmt wurden: von links. Es waren jene Kräfte, die heute den öffentlichen Raum vollständig kontrollieren. Man schaue sich etwa folgendes Video über den Versuch an, an einer amerikanischen Universität über den Islam aufzuklären:

Wie einer der Kommentatoren zu dem Video sagt:

Erstaunlich. Diese kleinen Rotznasen werfen Blumen nach Mahmud Ahmadinedschad, kritisieren jedoch Geert Wilders. Unwirklich.

Willkommen in der Welt der Linken, in der jeder klare Gedanke als „Hate Speech“ defamiert wird und beispielsweise jede Andeutung hinsichtlich Genitalität und die Funktion des Orgasmus als „Diskriminierung“ abgewürgt wird. In einer solchen Welt hat die Orgonomie kaum Überlebenschancen.

Ein zentrales Element der linken Geisteserkrankung, der alles durchdringende und zersetzende „Anti-Autoritanismus“, zersetzt die Orgonomie auch von innen her.

Ein Orgontherapeut wurde nacheinander zum Arzt, Psychiater und Medizinischen Orgonomen ausgebildet – was alles in allem mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nimmt! Zu Reichs Zeiten gab es Ausbildung in Orgontherapie ausschließlich am Orgone Institute, d.h. bei Reich selbst, bzw. bei jenen, an die er diese Aufgabe innerhalb des Orgone Institute unmittelbar delegiert hatte. Iin den 40er Jahren war dies Thedore P. Wolfe, in den 50er Elsworth F. Baker. Nach Reichs Tod (und damit dem Ende des Orgone Institute) hat Baker diese Aufgabe bruchlos weitergeführt. Nach seinem Tod Charles Konia. Ein Orgontherapeut ist demnach jemand, der dazu von Reich, Baker oder Konia persönlich ernannt worden ist. Das läßt sich ebenso wenig weitergeben, wie etwa ein Hausarzt jemanden ausbilden und dann zum Allgemeinmediziner „autorisieren“ kann! Schon gar nicht reicht es, selber Patient gewesen zu sein und/oder Reich gelesen zu haben…

Orgontherapie ist „bio-psychiatrische Chirurgie“, die, wie jede andere Art von Chirurgie auch, nur von speziell dazu ausgebildeten Fachärzten durchgeführt werden darf (siehe Reichs Brief vom 9.10.1950 an Paul Ritter, Journal of Orgonomy, May 1977, S. 62). Ritter war Architekt! Ich führe das im einzelnen in meinem Blogeintrag Avanti diletanti! aus.

Es muß ein für allemal Schluß damit gemacht werden, daß Leute (darunter vollkommene Laien) irgendwelche „reichianischen“ „Therapieformen“ zusammenpfuschen und meistens auch noch mit angeblich „esoterischem“ Firlefanz ausschmücken.

1937 beschrieb Reich, wie sich am Ende der Therapie die Teilbewegungen des Organismus harmonisch vereinigen und einen funktionellen Sinn annehmen:

Solange mir diese Tatbestände nicht bekannt waren, war ich gezwungen, die Hemmung der Beckenbewegung teilweise durch „Übungen“ überwinden zu lassen. Die Unvollständigkeit der Erfolge brachte mich dazu, auf die künstlichen Maßnahmen zu verzichten und nach den Hemmungen der natürlichen Beweglichkeit zu suchen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 259)

In der Folgezeit sind tatsächlich Laien auf die bizarre Idee verfallen, Reichs Therapie ausgerechnet mittels roboterartiger Yogaübungen fortentwickeln zu wollen oder gar „den Orgasmusreflex zu üben“. Keine Satire!

Die Orgonomie ist in erster Linie eine Naturwissenschaft und kann nur Therapien befürworten, die logisch nachvollziehbar sind, eine naturwissenschaftliche Basis haben und einer ständigen Erfolgskontrolle unterliegen. In dieser Hinsicht gibt es nur zwei Therapieformen, die diese Kriterien erfüllen: die „evidence based“ tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie, also das was die Krankenkasse jedem Versicherten ohnehin zahlen muß. Hinzu kommt die Orgontherapie selbst, die Reich zufolge ausschließlich von Fachpsychiatern mit einer orgonomischen Zusatzausbildung durchgeführt werden darf. Der Rest ist Körper- bzw. „Seelenverletzung“.

Bereits zu seiner Zeit als Psychoanalytiker mußte sich Reich mit jenen Wirrköpfen auseinandersetzen, die „mit dem Dritten Ohr hören“. Eine der Absurditäten dieser Welt ist, daß ausgerechnet viele unter denen, die sich selbst als Anhänger Reichs betrachten, sogenannte „Reichianer“, auf eine auffällige Weise unfähig sind, klar zu denken. Schlichte Debilität, offensichtliche Psychosen, narzißtische Selbstdarstellungen, paranoide und „spirituelle“ Wahnvorstellungen und nicht zuletzt Denkstörungen – sind besonders ausgeprägt bei denen, die als „Therapeuten“ auftreten.

Wie diesen Augiasstall ausmisten? In erster Linie dadurch, daß immer und unter allen Umständen auf klarem Denken bestanden wird. Nicht von ungefähr wehren sich die meisten sogenannten „Reichianer“ im Namen der Arbeitsdemokratie oder gar „der Demokratie“ und sogar der „Weiterentwicklung des Reichschen Ansatzes“ gegen jene strenge Disziplin des Denkens, die Reich gefordert hat.

Praktisch jeder kann sich beispielsweise zum „originalen Reich-Therapeuten“ erklären, sich ein Cocktail aus „neo-Reichianischen Therapieansätzen“ selbst zusammenstellen oder gar eine neue „Therapieschule“ gründen. Etwa die „originale Orgasmusreflextherapie der Reichschen Sexualökonomie“ (sic!). Wie ehrlich auch immer ihre Motivation sein mag, diese Leute wissen nicht, was sie tun! Reich zufolge gibt es in jeder gegebenen Situation nur eine einzige richtige Intervention; daß der Erfolg der Therapie von der richtigen Diagnose abhängt und daß es von Reich entdeckte naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten des psychischen und bioenergetischen Funktionierens gibt, die man nicht ungestraft außer acht lassen darf. Beispielsweise darf man den Patienten nicht mit „Wahrheiten“ konfrontieren („deuten“), für die er gar nicht bereit ist (Wahrheitskrämerei). Auch ist es ein grober Kunstfehler, „Energie zu mobilisieren“ (nichts einfacher als das!), die den Patienten nur noch weiter in die Kontaktlosigkeit treibt, weil die oberen Segmente, insbesondere das Augensegment, noch nicht ausreichend von der Panzerung befreit sind (Freiheitskrämerei). Allein schon diese strenge Herangehensweise ist in unserer „anti-autoritären Welt“ nicht mehr durchzusetzen.