Posts Tagged ‘Sigmund Freud’

Peters Lektüre von KINDER DER ZUKUNFT (Teil 5)

13. Januar 2018

Kinder der Zukunft: einer der entscheidenden Sätze findet sich auf S. 22f: Ziel sei es, „den natürlichen Ausdruck des Neugeborenen zu verstehen und jede Einschränkung zu beseitigen“. Dieses Grundanliegen Reichs kann man wirklich auf alle Gebiete ausdehnen: in der Therapie wird versucht, den natürlichen Ausdruck freizulegen und zu unterstützen, desgleichen in den Versuchen die Arbeitsdemokratie freizulegen, selbst beim Cloudbusting, was die Selbststeuerung der Atmosphäre betrifft – überall. Das ist der Kern der Orgonomie. Sozusagen: der Kern ist ihr Kern. Und genau deshalb ist dieses Buch auch so überaus wichtig. Und genau weil es so wichtig ist:

Auf S. 27 schreibt Reich, daß „die Natur in den tiefen Quellen des lebendigen Prinzips ein Zusammenwirken der Menschen anstrebt“, doch die neurotischen Prinzipien „diese grundsätzliche Einigkeit der internationalen menschlichen Existenz zerreißen und trennen“. Das sollte, so Reich weiter, im Schmelztiegel USA leicht zu begreifen sein, im Gegensatz zu Ländern mit „nationalen Beschränkungen“. Soweit Reich. Das Prinzip „Kinder der Zukunft“ soll hier, ganz gemäß dem Zeitgeist nach zwei verheerenden Weltkriegen, der Durchsetzung des internationalistischen Projekts dienen. Etwa im Sinne dieser Schmelztiegelhexe (und, nein, ich bin kein Antisemit, aber sie ist nun mal das beste Beispiel):

Wir müssen bei Reich das Überzeitliche vom Zeitgebundenen trennen. Die Wahrheit von damals ist heute eine lebensfeindliche, pestilente Lüge, die unser Leben insbesondere aber das Leben unserer deutschen Kinder in eine veritable Hölle verwandelt! Oder wie Reich auf S. 29 schreibt: die biophysikalischen Grundlagen „sind jenseits der Veränderlichkeit“, während Institutionen und Ideologien unbedeutende sekundäre Funktionen darstellen, die veränderbar sind.

Ich werde gefragt, warum ich so streng mit dem Buch Kinder der Zukunft umgehe. Schlechte Umgangsformen, kompromißlos, extrem, etc. Sozusagen schlecht für „die Bewegung“ oder „die Sache“. Ich gebe nur das wider, was mir aufgefallen ist und was der Leser m.E. wissen sollte. Die Übersetzung ist flüssig zu lesen und gibt das Original korrekt wider. Aber ist das SELBSTVERSTÄNDLICHE erwähnenswert? Ist erwähnenswert, daß jeder SELBSTVERSTÄNDLICH das Buch lesen sollte, der sich auch nur marginal für Reich interessiert?

Ein anderes Beispiel: Teile von Äther, Gott und Teufel (1983) mußten ins Deutsche übersetzt werden. Eine ganz überwiegend gute Übersetzung. Nicht erwähnenswert, da SELBSTVERSTÄNDLICH. Erwähnenswert sind einzig und allein Stellen wie: „es gibt keinen luftleeren Raum“ (sic!), weil der Übersetzer allen Ernstes „vacuum“ mit „luftleer“ widergegeben hat. Ich muß so etwas erwähnen, allein schon, weil es sonst niemand macht. Für mein Empfinden ist ein solches Schweigen gewissenlos, nach dem Motto: „Hauptsache Äther, Gott und Teufel ist auf deutsch erschienen!“

Warum fehlt in Kinder der Zukunft, im Gegensatz zur amerikanischen Originalausgabe, die Quellenangabe des zentralen und wichtigsten Kapitels des Buches, „Die Kinder der Zukunft“? („Children of the Future. I. Report on the Orgonomic Infant Research Center“, Orgone Energy Bulletin, 2(4), Oktober 1950, S. 194-206). Kann man sich solche Nachlässigkeiten bei einem Freud-Buch vorstellen? Deshalb die rigiden Formalitäten, die Reich und später Elsworth F. Baker ihrer Umgebung aufzwangen: angesichts von „Orgasmus, Sexualökonomie und Entspannung“ muß man Respekt erzwingen. Siehe Reichs Rede an den Kleinen Mann.

Ich weiß, ich bin kleinlich, aber Fußnote 3, S. 21: „Der Begriff Sexualökonomie ist eine Weiterentwicklung der Freudschen Trieblehre.“ Warum nicht: „Die Sexualökonomie ist eine Weiterentwicklung der Freudschen Trieblehre“? Der Begriff der Sexualökonomie umfasse, so diese Fußnote des Übersetzers, die Gesamtheit der menschlichen Antriebe, nicht nur, wie häufig fälschlicherweise angenommen werde, den Sexualtrieb. Und warum heißt es denn „Sexualökonomie“? Lautet der Untertitel des Buches nicht „Zur Prävention sexueller Pathologien“? „Sexualität“ steht schlichtweg für die Expansion des Energiesystems, das eine Einheit ist, nicht, wie bei Freud, ein Sammelsurium voneinander vollkommen unabhängiger Triebe, die miteinander griechische Tragödie spielen. Regulator dieses Energiesystems ist der Orgasmus. Und was macht diese Fußnote? Sie relativiert die Bedeutung der Sexualität!

Aber zitieren wir das Glossar von Die Massenpsychologie des Faschismus:

Sexualökonomie. Der Begriff bezieht sich auf die Regulierungsweise der biologischen Energie oder, was dasselbe ist, des sexuellen Energiehaushalts des Individuums. Sexualökonomie meint die Art, in der ein Individuum mit seiner biologischen Energie wirtschaftet – wieviel davon es eindämmt, wieviel davon es orgastisch entlädt. Die Faktoren, die diese Regulierungsweise bestimmen, sind soziologischer, psychologischer und biologischer Natur. Die sexualökonomische Wissenschaft hat die aus dem Studium dieser Faktoren gewonnene Gesamtheit des Wissens zum Inhalt gehabt. Der Begriff bezeichnet Reichs Arbeit vom Zeitpunkt seiner Widerlegung der Freudschen Kulturphilosophie bis zur Entdeckung des Orgons, wonach er zu dem Terminus Orgonomie – Wissenschaft von der Lebensenergie – abgewandelt wurde.

So einfach, so funktionell ist das Leben! Ohnehin hätten wir uns das alles ersparen können, denn im amerikanischen Original lautet die Fußnote von Raphael und Higgins (die dort übrigens skandalöserweise nicht als solche gekennzeichnet ist, so daß jeder Leser sie Reich zuweisen wird, dessen Originalaufsatz gar keine Fußnoten hat!) entsprechend der offiziellen orgonomischen Definition von „Sexualökonomie“: „Sex economy refers to the manner in which the organism regulates its biological (orgone) energy.“ Ist dieses Fußnoten-Durcheinander etwa nicht erwähnenswert?

Warum, warum, warum müssen wirklich alle Bücher Reichs zu einem editorischen Alptraum entarten?!

In der Fußnote 5, S. 22 wird Dr. Müschenichs Doppelblindstudie über den Orgonenergie-Akkumulator erwähnt. Sie stamme aus dem Jahr 1995 (sic!). Als Beleg wird auf Dr. Müschenichs Buch von 1987 verwiesen… Puhhhhh… Ja, jetzt bin ich wirklich kleinlich, aber… Puhhhh…

P.S.: Gerade eben habe ich für neue Blogbeiträge in Reich-Büchern geblättert: In Charakteranalyse werden in einer Abbildung „blockierte Erregung“ und „blockierende Erregung“ miteinander vertauscht (KiWi, S. 574). In Äther, Gott und Teufel wird in einer Abbildung der Panzer nicht mit „Panzer“ beschriftet, sondern mit – „Liebe“ (1983, S. 67).

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Die „Kulturdebatte“ zwischen Reich und Freud am Beispiel der Bundesliga

25. Dezember 2017

Frei nach Freud „geht die Kultur“ vor, was die Erziehung unserer Kinder betrifft. Alles, was ich als Kind wollte, war von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang durch das wilde Billwerder-Moorfleet streunen, mit meinen Spielkameraden ein haarstreubendes Abenteuer nach dem anderen zu bestehen. Aber die Wilden müssen ja zivilisiert werden und zur Schule gehen. Dabei zahlt die Gesellschaft einen hohen Preis dafür, daß sie Kinder in stinklangweilige Schulen preßt. Wir hatten immerhin noch lange Nachmittage zur freien Verfügung und unsere Eltern waren heilfroh uns nicht zu sehen. Heute ist das Leben der Kinder lückenlos durchorganisierter als das von Sträflingen!

Wie immer, wenn der gepanzerte Mensch etwas unternimmt, kommt am Ende so ungefähr das Gegenteil des Intendierten dabei raus. Die Menschen sollen auf die Erwachsenenwelt vorbereitet werden, doch tatsächlich bleiben die Erwachsenen infantil, weil sie die entsprechenden Strebungen in ihrer Kindheit nicht ausleben konnten. A.S. Neill, Gründer von „Summerhill“ und Freund Reichs, schreibt dazu:

Ich wollte, es ließe sich genau bestimmen, wieviel Schaden Kindern zugefügt wird, die man nicht spielen läßt, wie sie möchten. Ob die Menschenmassen, die den professionellen Fußballspielen zuschauen, nicht insgeheim ihren gehemmten Spieltrieb ausleben wollen, indem sie sich mit den Fußballern identifizieren, sie sozusagen stellvertretend für sich spielen lassen? Die meisten unserer ehemaligen Schüler gehen nicht zu Fußballspielen. (Neill: Theorie und Praxis der anti-autoritären Erziehung, Fischer TB, S. 79)

Offenbar konnte ich mich einigermaßen ausleben, denn mein aktiver und passiver Spieltrieb geht gegen null. Um so mehr befremden mich Menschen, die praktisch ihre gesamte so überaus kostbare Zeit mit Kinderspielen verbringen, etwa War of Soundso – oder wie die Videospiele immer heißen mögen, oder gebannt zuschauen, wie 22 „Männer“ einem Lederball hinterherlaufen.

Das, was die Gesellschaft an, wenn man so sagen kann, „Menschenzeit“ gewonnen hat, als sie Kinder vom „sinnlosen“ Spielen abgehalten hat und mit Polizeigewalt (sic!) auf Schulbänke preßte, verliert sie zigfach an den ganzen infantilen Schwachsinn, der für die meisten Menschen ihr wichtigster, wenn nicht einziger Lebensinhalt darstellt.

Der Rote Faden: Die Leninistische Organisation

28. Oktober 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

 

Der Rote Faden: Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

18. Oktober 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

 

 

Der Rote Faden: Psychoanalyse und Kommunismus

8. Oktober 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

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e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

 

 

nachrichtenbrief72

22. September 2017

nachrichtenbrief70

15. September 2017

 

Der Rote Faden: Der rote Parasit

25. Juli 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

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e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Der rote Parasit

Der Rote Faden: Das rote Berlin

20. Juli 2017

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d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

nachrichtenbrief35

16. Juni 2017