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Das Herausnehmen der Psyche aus der Psychiatrie

30. Januar 2016

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über das Elend der Psychiatrie:

Das Herausnehmen der Psyche aus der Psychiatrie

Tantra (Teil 1)

24. Januar 2016

Die Bedeutung von Tantra für die Orgonomie ist kaum zu überschätzen. Vor mir liegt die Zeitschrift Tantra (Fünfte Ausgabe Januar 1996). Damals war beispielsweise zu erfahren, daß Gerald Pohler, der 1989 im Nexus-Verlag das verdienstvolle Buch Krebs und seelischer Konflikt veröffentlicht hatte, 1996 Präsident der „Österreichischen Gesellschaft zur Förderung tantrischer Lehren, Wissenschaft und Kunst“ war. In seinem Buch und anderen Veröffentlichungen hatte der Psychologe Pohler Reichs Arbeit kompetent und voller Sympathie dargestellt. Wir erfahren, daß Peter Gäng 1988 Übersetzer und Herausgeber eines zentralen tantrischen Textes gewesen war (Das Tantra der verborgenen Vereinigung). 1997 sollte er einen der beiden Texte zum Kommentarband zur Christusmord-Ausgabe bei Zweitausendundeins beitragen – und Reich kreuzigen. Von Josef Dvorak, katholischer Theologe, Satanologe, Experte für Sexual-Yoga und Sexual-Magie sowie Psychoanalytiker, der beispielsweise Otto Mühl zu Reich geführt hatte, erfahren wir:

Seit 1965 hielt ich in Wien Vorträge über Wilhelm Reich und freie Sexualität, als Trotzkistenchef bereitete ich mit meinen Genossen die „Studentenrevolte“ 1968 vor, und wirkte als Supervisor der Kommune- und Kinderladenbewegung. Dabei idealisierte ich Reich (und dessen Vorläufer Otto Gross) keineswegs, sondern wies auch auf Ungereimtheiten in seiner Person und seinen Ansichten hin: seine Paranoia, sein autoritäres Verhalten, seine Ablehnung der prägenitalen Libido, von Masturbation und Homosexualität; sein naiver Rousseauismus, sein Beharren auf dem Freudeschen Konzept der Neurasthenie, nach dem alles Übel vom coitus reservatus, d.h. auch von tantrischen Übungen kommt. Reich kannte keine Cakrani außer dem Solarplexus, sondern nur Panzerungen, denen sich der Wurm entwinden mußte – mit Augenaufreißen, Würgen und Kotzen.

Zur Illustration: Im gleichen Tantra-Heft führt der bekannte Berliner Tantriker Ando aus:

Der Schlüssel für das Hochziehen der Energie [zum Kopf] ist die Kontrolle des Orgasmus, deswegen beginne genau das zu üben. Stimuliere Dich selbst und komme möglichst pro Minute einmal bis an die Kontrollgrenze des Orgasmus. In dem Augenblick, in dem Du gewöhnlich eine Ejakulation hättest, halte inne mit dem Erregen der Lust, unterlasse für einen Moment jede Bewegung, die Dich erregt, auch jeden erregenden Gedanken. Wenn Du sicher bist, jetzt nicht zu ejakulieren, fährst Du mit dem Erregen Deiner Lust fort bis zur nächsten Kontrolle. Mache hundert Kontrollen nacheinander, und mache keine längere Unterbrechung als für fünf Minuten.

Übrigens betrachtete, wie wir ebenfalls in diesem Heft erfahren, Otto Mühl „im Anschluß an Reich“, die Zweierbeziehung, also Genitalität, als Ausdruck der „emotionalen Pest“…

Oder nehmen wir die Sechste Ausgabe Sommer 1996. Ständig ist in der Zeitschrift von Reich die Rede. Hier nur zwei Beispiele, die das ganze Elend des „Reichianismus“ beleuchten. Unter der Überschrift „Heilung durch Ekstase“ wird Edda Boysen interviewt. In ihrer „Psycho-Orgastik“ bzw. „Psycho-Energetik“ ginge es um „die behutsame Befreiung der Libido“, die mit Reichs Orgon identisch sei. Boysen:

Sich sexuell ausleben, bedeutet noch lange nicht Ekstase. Meiner Meinung nach verwechseln viele Leute Ekstase mit körperlicher Entladung. Ekstase entsteht nur durch Loslassen, durch die Verbindung von Physischem und Spirituellem. Es ist das, was Reich „cosmic superimposition“ nannte: Die kosmische Energie von außen vermischt sich mit der inneren Energie und kreiert Ekstase. Der Mensch wird von den Göttern beschenkt.

Ihr ganzes pseudo-orgonomisches Geschwafel kann man getrost vergessen, entscheidend ist das durch „Spiritualität“ und „Götter“ unversehens Reich Intentionen in ihr Gegenteil verkehrt werden: das Eigene wird durch das Fremde okkupiert. Ich verweise auf Bernd A. Laskas LSR-Projekt!

Selbst wenn diese Intention unter der Überschrift „Plädoyer für eine bewußt gelebte Sexualität“ thematisiert wird, kommt dabei heraus, daß wir bei Herbert Marcuse landen, dem Leib und Magen-Philosophen der Mischpoke, die heute Deutschland in den Abgrund steuert:

Bereits der Psychoanalytiker Wilhelm Reich wies nach, daß eine unterdrückte Sexualität zur „emotionalen Pest“ – religiösen Wahnvorstellungen, Verlogenheit und faschistoidem Denken – führt. Der Philosoph Herbert Marcuse geht in seinen gesellschaftskritischen Betrachtungen einen Schritt weiter und prägte dafür den Begriff der „repressiven Entsublimierung“. Er zeigte auf, daß repressive Sexualnormen – von Kirche, Gesellschaft und Staat vorgeschrieben – mit der Zeit in Form eines strengen Über-Ichs von innerpsychischen Instanzen übernommen werden. Als Folge davon können die äußeren Normen gelockert werden – eine viel wirksamere Kontrolle über den Menschen ist entstanden.

(Anmerkung zum Modju Marcuse: Beispielsweise soll die Empörung gegen „Ungerechtigkeit“, egal wie fern sie ist, zum Instinkt werden; die Sprache soll so verändert werden, daß der Mensch auf „Frieden und Beruhigung“ ausgerichtet wird; der Gegentypus des aggressiven Menschen soll gezüchtet werden, d.h. der Mensch, der sein Eigenes nicht mehr verteidigt. Voila: der rot-grüne Untertan der Merkelschen Republik, dem alle Begriffe zum widerständigen Denken abhanden gekommen sind, der angesichts der Umvolkung seinen Arsch hinhält, die komplette Verschwulung! Die komplette Negation von allem, was Reich und Laskas LSR-Projekt vertreten!)

Die Siebte Ausgabe Januar 1997 ist sogar ganz Wilhelm Reich gewidmet. Siehe meine Besprechung hier.

Durchblättert man die Zeitschrift, geht es vor allem um Blut, Scheiße („Exkrement als Sakrament und Kunst“), Porno und Sadomaso. Für das ganze muß die Göttin Kali herhalten, in deren Umkreis alles „gleich-gültig“ werde: ob Genuß oder Ekel, alles ist eins. Gerne wird vergessen, daß Kali im Hinduismus eine Art Christus-Figur ist: Gott geht in die tiefsten Schichten der Materie und der „Hölle“, um Dämonen auszutreiben. Es geht eben nicht darum sich in Kadavern und Kacke zu suhlen und Dämonen heraufzubeschwören! Diese groteske Verschiebung der Bedeutungsebenen passiert, wenn Elemente einer autoritären Kultur, wie der Hinduismus, in den antiautoritären Westen verlagert werden: alles gerät durcheinander und wird entwertet. Kalis Rache wird grausam sein!

Der Kapitalismus ist nicht die Lösung

21. Januar 2016

Reich wurde in eine Familie von Großgrundbesitzern hineingeboren, die in Galizien wie kleine Landadlige herrschten. Verhältnisse wie heute vielleicht in Guatemala! Im Ersten Weltkrieg implodierte diese Welt. Wie viele seiner Generation war der restlos desillusionierte Frontkämpfer Reich vom „russischen Experiment“ fasziniert. In seiner Tätigkeit als Psychiater und Psychotherapeut, der Ambulanzen für Mittellose anbot, hatte er aus erster Hand Einblicke in das schier ausweglose Elend der Nachkriegszeit. Leute wie die Hausärztin Marie „Mizzi“ Frischauf-Pappenheim (1882-1966) überzeugten ihn schließlich von der Marxistischen Wirtschaftstheorie. Eine gerechte Welt war möglich.

Zwar glaubte er im Laufe der Zeit weniger und weniger an linke Politik, die im Kern „Sozialpolitik“ ist (d.h. von der Hilflosigkeit der Massen lebt und diese perpetuiert) und formulierte sein Konzept der „Arbeitsdemokratie“, doch am ökonomischen Kerngehalt des Marxismus hielt er stets fest, zumal er am Ende seines Lebens zunehmend mit der ekelerregenden Geschäftemacherei der Pharmaindustrie konfrontiert war. Der Orgonenergie-Akkumulator war eine potentielle Gefährdung ihrer Profite! (Reichs Anwälten wurde das ganz offen gesagt.)

In meiner Auseinandersetzung mit Marx habe ich in diesem Blog zu zeigen versucht, daß dessen „Politökonomie“ unvereinbar mit Reichs Konzept Arbeitsdemokratie ist, es jedoch eine große Schnittmenge zwischen der Arbeitsdemokratie und Friedrich August von Hayek gibt, der „Österreichischen Schule“ in der Ökonomie.

In der Österreichischen Schule geht es im Grunde nur um eines: die Wirtschaft ist dermaßen „organisch verwoben“, daß man sie nicht von außen regulieren kann.

Friedrich August von Hayek’s time has come! In diesem Artikel wird jedoch kritisch angemerkt, daß die Österreichische Schule nicht erklären kann, warum die Märkte immer wieder daran scheitern, eine vernünftige und vor allem finanzierbare Gesundheits- und Altersversorgung für die Unterschicht bereitzustellen.

Beispielsweise ist das Gesundheits- und Rentensystem von der Qualität her in den USA zwar geradezu traumhaft, wenn man ein gutes Einkommen hat oder auch zufällig in der richtigen Branche, in der richtigen Firma arbeitet, aber für die Armen und auch für ein Gutteil der Mittelschicht ist es die reinste Katastrophe. Selbst wenn niemand hungern muß und im Notfall für medizinische Versorgung gesorgt wird (MEDICAID und MEDICARE), bleiben beispielsweise künstliche Hüftgelenke, die in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sind, für viele alte Amerikaner ein unerreichbarer Traum. Deutsche können da nur vollkommen fassungslos mit dem Kopf schütteln.

Reichs erste Formulierungen seiner „Arbeitsdemokratie“ vom Ende der 30er Jahre erinnern sehr an „rätekommunistische“ und „anarcho-syndikalistische“ Konzepte – „unter Ausschluß des Privateigentums an gesellschaftlichen Produktionsmitteln“. Organisatorische Anregungen, die er bald fallenließ und durch eine Maxime ersetzte: Funktion hat stets Priorität vor Struktur – der rationale Arbeitsprozeß selbst soll die Gesellschaft bestimmen.

Damit näherte sich Reich der Vorstellungswelt der Österreichischen Schule sehr stark an. Es war nur folgerichtig, daß Hayek’s The Road to Serfdom zu einer der Grundtexte der Orgonomie wurde. Aber, wie gesagt, es gibt Lücken in der Österreichischen Schule, die ausgerechnet für die Orgonomie von zentraler Bedeutung sind, insbesondere das Gesundheitswesen.

Der Kapitalismus hat für eine praktisch hundertprozentige Versorgung der Bevölkerung mit Kühlschränken, Waschmaschinen, Telefonen, etc., neuerdings sogar mit Computern, gesorgt. Bei allem was recht ist: ich möchte in keinem anderen System leben und wäre bereit zur Waffe zu greifen, wenn hier der Sozialismus (oder meinetwegen „Rätekommunismus“) eingeführt würde! Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht, daß zentrale Bereiche von „Liebe, Arbeit und Wissen“ vom Profitdenken bestimmt werden. Ich möchte nicht, daß die Alten und Schwachen unter die Räder geraten.

Genau hier ist Raum für Reichs „prä-amerikanische“ Überlegungen über „Arbeits- und Konsumvertreter“, die, um Reich zu paraphrasieren, aus ihren sachlich-fachlichen Kenntnissen und Fähigkeiten heraus die Interessen und materiellen Bedürfnisse der arbeitenden Massen vertreten (siehe Die natürliche Organisation der Arbeit, 1939).

Dies geschieht heute in jeder gutgeführten gemeinnützigen Organisation, solange sie nicht von irgendeiner meschuggen Ideologie bestimmt wird. Es ist kaum einzusehen, warum sich Medizin und Altenpflege flächendeckend nicht ähnlich organisieren lassen. (Wobei natürlich jedem freistehen sollte, daneben privatwirtschaftliche Lösungen anzubieten.)

Und es geht hier nicht nur um den Kapitalismus mit seinen Profitinteressen, sondern auch um jene Sozialdrohnen, die wie die Maden im Speck von der gegenwärtigen Sozialbürokratie leben. Man erzähle mir nicht, diese Leute hätten keine „Profitinteressen“! Beide, die „Kapitalisten“ und die „Sozialisten“, haben ein wirtschaftliches Interesse daran, daß den Menschen langfristig nicht geholfen wird.

Ein genuin arbeitsdemokratisches System würde die Medizin und sogar die Altenpflege mit der Zeit schrumpfen lassen. (Wenn man ihnen nur vernünftig hilft, können Alte sehr lange ein selbstbestimmtes und produktives Leben führen!) Ausgerechnet jene Bereiche also, die heute als „Zukunftsbranchen“ gelten.

Es geht um Solidarität – um Liebe. Wir brauchen einander. Das Problem ist, daß zwei Ebenen verquickt werden, die man auseinanderhalten muß: den Kapitalismus, der von Effizienzdenken und monetärem Kalkül geprägt ist, und die grundlegendere Arbeitsdemokratie, in der es darum geht, gemeinsam und wechselseitig Bedürfnisse zu erfüllen. Vom Feld der Arbeit auf das der Sexualität übertragen, entspricht das erstere der Ebene, von der die Evolutionsbiologie handelt, die kalte Welt der genetischen Auswahl, das letztere der bioenergetisch-emotionalen Ebene, von der in Reichs Sexualökonomie die Rede ist.

Dazu wollen wir auf die vielleicht ersten Anklänge an das Konzept „Arbeitsdemokratie“ in Reichs Werk blicken. Im Oktober 1934 fügte Reich folgende Fußnote seinem Aufsatz „Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse“ (1929) an:

Da der heutige ökonomische Marxismus im Namen von Karl Marx gegen die Sexualökonomie polemisiert, bringe ich ein Zitat, das zeigt, wie sehr Marx die Bedürfnisse als Basis der Produktion und der Gesellschaft einschätzte (…). „Die Individuen sind immer und unter allen Umständen von sich ausgegangen, aber daß sie nicht einzig in dem Sinne waren, daß sie keine Beziehungen zueinander nötig gehabt hätten, da ihre Bedürfnisse, also ihre Natur und die Weise, sie zu befriedigen, sie aufeinander bezog (Geschlechtsverhältnisse, Austausch, Teilung der Arbeit), so mußten sie in Verhältnisse treten. Da sie ferner nicht als reine Ichs, sondern als Individuen auf einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer Produktivkräfte und Bedürfnisse in Verkehr traten, in einen Verkehr, der seinerseits wieder die Produktion und die Bedürfnisse bestimmte. So war es eben das persönliche individuelle Verhalten der Individuen, ihr Verhalten als Individuen zueinander, das die bestehenden Verhältnisse schuf und täglich neu schafft. Sie traten als das miteinander in Verkehr, was sie waren, sie gingen ‘von sich aus’, wie sie waren, gleichgültig welche Lebensanschauung sie hatten. Die ‘Lebensanschauung’ selbst, die windschiefe der Philosophie, konnte natürlich immer nur durch ihr wirkliches Leben bestimmt sein.“ (Marx-Engels, Deutsche Ideologie, Wien-Berlin, 1932, S. 16)

An der Basis haben wir die Arbeitsdemokratie, auf der der Kapitalismus beruht, der wiederum die gesellschaftliche Ideologie prägt. Vergegenwärtigen kann man sich das an einer Arztpraxis. Auf der untersten Ebene arbeitet der Arzt als eben das, als Arzt im persönlichen Kontakt mit seinem jeweiligen Patienten. Auf der zweiten Ebene ist der Arzt Geschäftsmann, der ein kleines Unternehmen nach betriebswirtschaftliche Prinzipien „kalten Herzens“ führt („Zeit ist Geld!“). Und auf der obersten Ebene ist er gefangen in irrationalen Regularien, etwa das vollkommen absurde „Qualitätsmanagement“, die die jeweilige gesellschaftliche Ideologie widerspiegeln.

Ostlebengorda

Sex, wozu?

13. Januar 2016

Bis heute fragen sich Biologen, wozu Sex eigentlich gut sein soll, denn im Vergleich zur ungeschlechtlichen Vermehrung ist Sexualität für das Individuum extrem kostspielig. Die Fortpflanzungsorgane schlagen in der Energiebilanz des Individuums negativ zu Buche, ohne irgendeinen Überlebensvorteil zu bieten, vielmehr würden sie nur der Art, d.h. den eigenen zukünftigen Konkurrenten dienen. Und auch für die Art selber wäre eine einfache Zellteilung oder Knospung weit günstiger, denn die durch die Sexualität möglich gemachte evolutionäre Weiterentwicklung (Rekombination der genetischen Information) schafft der Art Konkurrenz durch neue besser angepaßte Arten.

Im Rahmen seiner „Energon-Theorie“ zeigt Hans Hass, daß die sexuelle Fortpflanzung einer dritten Instanz dient, die über Individuum und Art hinausweist: dem „Lebensstrom“. Dieser „Strom“ ist das blinde, wie ein Feuer in Zeit und Raum auswuchernde Leben selbst. Die Evolution ermöglicht es, daß die lebendige Materie immer mehr tote Materie okkupiert – bis hin zum Mond. Entsprechend vergleicht Hass den „Lebensstrom“ mit einem Feuer, das sich immer weiterfrißt.

Hass beruft sich bei diesem Bild auf Heraklit. Doch der hatte eben nicht den mechanisch-toten Energieprozeß, der das leere Spiel der Genetik nach dem Gesetz des geringsten Widerstandes steuert, sondern das Orgon-„Feuer“ vorweggenommen; das Lebensfeuer, das das Movens des äußeren (motion) und inneren (emotion) Lebens ist.

Während für Hass der Körper nur seelenlose Maschine ist, das Werkzeug einer blinden Evolution, die sich mittels der mechanischen Gesetze des „kapitalistischen Konkurrenzkampfes in der Natur“ fortsetzt, ist für Reich der Lebensstrom in einem viel tieferen Sinne Sexualität. Reich begreift ihn als Lebensfeuer, das nicht nur im Evolutionsgeschehen zum Ausdruck kommt, sondern in erster Linie als individuelles „Libidogeschehen“. Der libidinöse Lebensstrom im Körper ist das Primäre und setzt sich sekundär im „Weiterströmen“ der Art und in der Weiterentwicklung des Lebens fort.

Reich zufolge dient der Geschlechtsapparat von frühester Kindheit an der Funktion der sexuellen Lust und Befriedigung. Mit der Geschlechtsreife tritt als bloßer Nebeneffekt für eine begrenzte Zeit auch die Funktion der Fortpflanzung hinzu.

Schon daraus geht hervor, daß die Funktion der sexuellen Befriedigung im Geschlechtsleben bedeutsamer ist als die Fortpflanzung. (Der Sexuelle Kampf der Jugend)

Der „libidinöse Lebensstrom“ im Körper ist das Primäre und setzt sich sekundär zufällig im „Weiterströmen“ der Art und in der Weiterentwicklung des Lebens fort.

Auch der Verhaltensforscher Hass räumt ein, daß man beim Menschen die Sexualität funktionell von der Produktion von Nachkommen loslösen kann. Beide Funktionen stören sich, Hass zufolge, sogar gegenseitig. Wir verdanktem dem Sexualtrieb nicht nur Lustgefühle, sondern auch „viele der höchsten menschlichen Leistungen, besonders auch die künstlerische Entfaltung, dürften weitgehend von dieser Triebfeder beeinflußt sein.“

Diese „kulturelle“ Funktionserweiterung der Sexualität, die in der Evolution erst beim Menschen voll ausgeprägt auftritt, hat nach Hass ihren funktionellen Kern in der Bindung des menschlichen Männchens an sein Weibchen mittels sexueller Lust. Diese durch Sexualität gefestigte Familienbindung sei für das Aufziehen der Kinder unabdingbar, da diese bei der Tierart Homo sapiens abnorm lange hilfsabhängig sind.

Dergestalt stellt die Sexualität in ihrer Funktionserweiterung für den Verhaltensforscher die Grundlage der gesamten menschlichen Zivilisation dar. Man kann also nicht sagen, daß, frei nach Freud, kulturelle Leistungen und die Forderungen der Zivilisation den Menschen von der tierischen Sexualität abspalten, vielmehr verdanken sie sich ganz und gar der Hypersexualität des Menschen!

Reich hat dargelegt, daß die Sexualität ihre Grundlage in einer Funktion hat, die zunächst einmal für das Individuum unverzichtbar ist: die Funktion des Orgasmus. Von ihrer Erforschung ist Reich nicht nur in den sozialen, sondern auch in den biologischen und schließlich in den kosmischen Bereich vorgestoßen („kosmisch“, da die Lebensenergie identisch mit dem „Äther“ ist):

  • 1923, als Freud das erste Werk zur psychoanalytischen Ich-Psychologie vorlegte, die immer mehr von der sexuellen Determination der Neurose fortführen sollte, veröffentlichte Reich seine erste Arbeit über seine Genitaltheorie: der Orgasmus dient der Regulierung der Libido.
  • 1933 öffnete die Postulierung der biologischen Spannungs-Ladungs-Funktion den Weg zur sexualökonomischen Lebensforschung.
  • Circa 1943 kam es zur (erst später veröffentlichten) Entdeckung der rein physikalischen kosmischen Überlagerung, von der die Genitale Umarmung eine Spezialform ist.
  • Und etwa 1953 erfolgte die Entdeckung des OR-DOR-Metabolismus: wird die organismische Energie nicht regelmäßig entladen und so ein ständiger Energiewechsel gewährleistet, wird die Energie langsam schal und giftig – was unmittelbar auf Freuds ursprüngliche „chemische“ Libidotheorie zurückverweist, nach der neurotische Symptome aus den toxischen Auswirkungen nichtabgeführter somatischer Libido hervorgehen.

1927 hatte Reich in Die Funktion des Orgasmus dargelegt, daß der „Destruktionstrieb“ (Freuds „Todestrieb“ – in weitestem Sinne Reichs DOR) in einem reziproken Verhältnis zur Sexualbefriedigung steht: der Orgasmus entzieht ihm die Energie. Interessanterweise kann man im Rahmen der Evolutionsbiologie ähnlich argumentieren. Zweigeschlechtliche Tiere, etwa Schnecken, haben nämlich ein denkbar brutales Sexualleben, da stets ausgekämpft werden muß, wer nun die Rolle des Männchens spielt, das die eigenen Gene ohne langfristige Investitionen und doch denkbar effektiv verbreiten kann. Die Zweigeschlechtlichkeit (im weitesten Sinne die „Genitalität“) hat, bei allen Kämpfen um die Weibchen, zu einer ungeheuren Befriedung in der Natur geführt.

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Orgonomie, die Liberalen und die Konservativen

12. Januar 2016

Der gesellschaftspolitische Ansatz, wie er von Elsworth F. Baker und Charles Konia vertreten wird, geht von folgender Aussage Reichs aus:

Die Politik ist ihrem Wesen nach organisierte Befriedigung biopathischer Emotionen der Parteigefolgschaft, formuliert in einem politischen Programm. (Wilhelm Reich: Menschen im Staat)

Als Beispiel nehme man folgenden Blogeintrag Konias, bei dem es um die Unterscheidung zwischen dem wirklichen Liberalen und dem von Konia so bezeichneten „Pseudo-Liberalen“ geht, der identisch mit Bakers „modern liberal“ ist.

Den Unterschied zwischen dem wahren Liberalen und dem Pseudo-Liberalen kann man gut am Beispiel von Joseph Lieberman (US-Senator des Bundesstaates Connecticut), einem wahren Liberalen, und Präsident Barack Obama, einem Pseudo-Liberalen, herausarbeiten. Sie gehören zwar beide der gleichen Demokratischen Partei an und beide vertreten liberale Ideale, aber es gibt grundlegende Unterschiede in den politischen Überzeugungen der beiden Männer, die auf ihren Charakter zurückgehen. Während Lieberman pro-amerikanisch ist, ist Obama ein Internationalist. Während Lieberman Nationen unterstützt, die Amerika wohlgesonnen sind, steht Obama auf der Seite der Feinde Amerikas. Während Lieberman traditionelle Autoritäten unterstützt, scheint es nur so zu sein, als würde Obama Autoritäten respektieren, tatsächlich untergräbt er jedoch die Autoritäten auf lokaler Ebene, ist antiautoritär auf jedem Gebiet des gesellschaftlichen Lebens und bevorzugt die Zentralregierung. Während Lieberman egalitär ist, ist Obama ein elitärer Intellektueller. Während Lieberman demokratische Ideale unterstützt, ist Obama ein Kollektivist und unterstützt sozialistische Ideale. Während Lieberman ein politischer Idealist ist, ist Obama ein politischer Aktivist.

Das sind nicht bloße „Meinungsunterschiede“, die man im Dialog ausdiskutieren könnte, sondern es handelt sich um tiefgreifende Unterschiede in der Charakterstruktur, d.h. letztendlich um bio-physikalische Unterschiede, die Konia erstmals offengelegt hat.

Natürlich kann in Deutschland kaum jemand etwas mit dem Namen „Lieberman“ anfangen. Mir will aber kaum eine deutsche Entsprechung einfallen. Das wäre noch in den 1970er Jahren gegangen, aber mittlerweile ist es zu einer derartigen „Rotverschiebung“ gekommen (ein von Konia geprägter Begriff), daß man kaum noch echte Liberale im Sinne Liebermans ausmachen kann – „scheiß Liberale“ wie sie die rotfaschistischen 68er nannten. Der gesellschaftliche Konsensus ist durchweg elitär-intellektuell („political correctness“), internationalistisch und sozialistisch. Wenn Leute auch nur zarteste Ansätze für eine genuin liberale Politik unterbreiten, werden sie von den Roten Faschisten in den Medien (den pseudo-liberalen „modern liberals“) derartig zur Sau gemacht, daß man sich an die Massenkampagnen Stalins, Maos oder Castros erinnert fühlt.

Lasse ich die Meinungsäußerungen der heutigen vermeintlich „fortschrittlichen“ Menschen auf mich wirken, fällt mir sofort die Verachtung für „die Rechten“ ins Auge. Diese werden durchweg als genauso unglaublich dumm wie unglaublich unmoralisch imaginiert. Linke zeichnet vor allem eine intellektuelle Überheblichkeit und moralische Empörung aus, wobei es stets um die materielle Ausbeutung „der Armen“ durch die Reichen geht. Die antiautoritäre Gesellschaft läßt sich entsprechend wie folgt beschreiben:

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Früher, in der autoritären Gesellschaft sah dies ganz ähnlich aus, als die Konservativen über die Unangepaßten herzogen. Für sie waren das „Halbaffen“ (Verachtung). Ihre Überheblichkeit war jedoch eher religiöser als intellektueller Natur („Sie sind blind für die Offenbarung!“) und die moralische Empörung galt nicht der Klassenstruktur, sondern galt ausschließlich tatsächlichen und imaginierten sexuellen „Verfehlungen“.

Die obige funktionelle Aufstellung beschreibt und erklärt wirklich so gut wie alles, was einem so an soziopolitischen Äußerungen und Handlungen im Alltag begegnet. Die Verachtung für jene, die sich gegen den sich beschleunigen Fortschritt wehren oder sich diesem einfach nur entziehen, ist stets greifbar. Immer, wirklich immer, wird nahegelegt, daß diese Konservativen schlichtweg dumm sind: sie leben nicht aus dem Gehirn wie der Linke, der ein fast ausschließlich zerebrales Wesen ist, das jedweden Kontakt mit dem bioenergetischen Kern verloren hat. Und immer, wirklich immer, ist von der „sozialen Ungerechtigkeit“ die Rede. Wobei es dabei wirklich geht, sind aber nicht wirkliche ökonomische Ungleichgewichte, sondern es geht darum, daß die Linken keine ökonomische Unabhängigkeit ertragen können, diese erinnert sie nämlich an, wenn man so will, „bioenergetische Unabhängigkeit“, d.h. das spontane Agieren des bioenergetischen Kerns, vor dem sie eine Todesangst haben. Es ist die gleiche Angst vor Bewegung, die der Konservative in Bezug auf die Sexualität hat. Der Unterschied ist nur, daß der Konservative über die Religion zumindest einen verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern hat, während der Linke sozusagen frei in der Luft schwebt. Er kennt deshalb keine Mäßigung, keinen Halt, keine Grenzen. Der „Kampf gegen Rechts“ wird erst dann enden, wenn alles, wirklich alles eingeebnet ist und maximale Entropie herrscht. Man denke doch nur an den ganzen politisch korrekten Wahnsinn, der zunehmend unser Leben bestimmt, die Redeverbote, die immer radikaler durchgesetzt werden!

Besonders lächerlich wird es, wenn man die Facebook-Einträge von angeblichen „Orgonomen“ in Amerika betrachtet, die sich außerhalb des American College of Orgonomy bewegen. Ständig machen sie sich über die Republikaner lustig, stellen sie als halbgebildete Primaten und egoistische Knechte der Kapitaleigner dar, die anscheinend höchste Lust verspüren, wenn sie Arme und „Minderheiten“ malträtieren. Diese „Orgonomen“ beziehen sich dabei natürlich implizit, teilweise sogar explizit auf Reich – ohne in ihrer Kontaktlosigkeit die oben beschriebenen bioenergetischen Zusammenhänge auch nur zu ahnen. Mich schaudert es, wenn ich daran denke, daß ohne Baker diese Leute heute „die Orgonomie“ ausmachen würden… Kleine Männer, die nichts, wirklich nichts verstanden haben, sondern nur einer „orgonomischen“ Ideologie folgen.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 3.d.

9. Januar 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

a. Dialektischer Materialismus

b. Massenpsychologie

c. Die autoritäre Gesellschaft

d. Die antiautoritäre Gesellschaft

Sophia und Christus

14. November 2015

In der hebräischen Bibel findet sich noch ein einigermaßen ungebrochenes Verhältnis zur Sexualität, so spricht z.B. Sara ganz ausdrücklich von der „Liebeslust“ mit ihrem Gatten (Gen 18,12). Jungfräulichkeit ist dem alten Hebräer ziemlich gleichgültig.

Das Auftauchen von weiblichen Äußerungsformen Gottes im nachbiblischen Judentum bedeutet alles andere, als daß hier etwa im weitesten Sinne „matriarchale“ lebenspositive Elemente in die patriarchale Religion eindrangen. Genausowenig wie man von Jesu „Vater unser“ auf gegenteilige Tendenzen schließen darf – ganz im Gegenteil! Andrew Greely hat in seinem Buch Maria – Über die weibliche Dimension Gottes (Köln 1979) darauf hingewiesen, daß die Römer im Gegensatz zum Judentum wohl zu weiblichen Gottheiten beteten, aber im täglichen Leben die Frauen in der hebräischen Gesellschaft weit mehr Rechte und mehr Einfluß besaßen, als die Frauen Roms.

Bereits in der hebräischen Bibel zeichnet sich eine geradezu perverse männliche Paranoia ab. Das fängt mit Eva an, die den armen Adam verführt und endet damit, daß Lot von seinen eigenen Töchtern vergewaltigt wird (Gen 19,30-38). Wirklich frauenfeindlich wird es aber erst im Buch Jesus Sirach. Bei Sirach wird die Frau als etwas zutiefst bedrohliches dargestellt, eine richtige Horrorgestalt. Eine schamlose Hure, die in ihrer unersättlichen Gier nur danach aus ist, den züchtigen jüdischen Mann zu verderben.

So wie ein durstiger Wanderer jedes Wasser trinkt, das er findet, wird sie sich vor jedem Pflock niedersetzen und für jeden Pfeil den Köcher öffnen. (Sir 26,12)

Noch heute werden in den Synagogen zum Schutz der frommen Männer die gemeingefährlichen Frauen hinter Gitter gesperrt. Herbert Haag und Katharina Elliger schreiben in ihrem Buch über „die Diskriminierung der Sexualität – ein Verrat an der Bibel“, daß noch um 400 v.Chr. die öffentliche Gesetzesvorlesung keine Trennung zwischen Männer und Frauen erkennen läßt (Neh 8). Am Ende des 1. Jahrhunderts sei die frauenfeindliche Tendenz jedoch schon fest fixiert (Stört nicht die Liebe, Olten und Freiburg 1986, S. 56).

Es ist auffallend, daß je rigider eine Religion wird, geistige Frauengestalten immer mehr in den Vordergrund treten. Himmlische Jungfrauen, an denen sich der männliche Mystiker guttun kann, während er die realen Frauen in seiner Umgebung á la Sirach in den Dreck zieht. Im späten Judentum war es Sophia, im spätmittelalterlichen Katholizismus Maria.

Über den letzteren Kult hat Reich in seiner Massenpsychologie des Faschismus folgendes zu sagen:

Der Marienkult wird zur Durchsetzung der Keuschheit mit großem Erfolg herangezogen. Wir müssen (…) nach dem psychologischen Mechanismus fragen, der diesen Absichten die Erfolge sichert. Es ist (…) ein Problem der dieser Beeinflussung unterworfenen Massen von Jugendlichen. Es geht dabei hauptsächlich um die Niederringung der genitalen Triebkräfte. Mobilisiert der Jesuskult die passivhomosexuellen Kräfte gegen die Genitalität, so der Marienkult wieder sexuelle Kräfte, diesmal aus der heterosexuellen Sphäre selbst. (…) Die Mutter Gottes übernimmt (…) im Gefühlsleben des christlichen Jugendlichen die Rolle seiner eigenen Mutter, und er wendet ihr die ganze Liebe zu, die er seinerzeit für seine Mutter hatte, die ganze starke Liebe seiner ersten genitalen Wünsche. Das Inzestverbot aber spaltete nun seine Genitalität in Orgasmussehnsucht und asexuelle Zärtlichkeit. Die Orgasmussehnsucht muß verdrängt werden und ihre Energie verschärft die zärtliche Strebung, gestaltet sie zu einer schwer lösbaren Bindung an das mystische Erlebnis. Sie geht mit heftiger Abwehr nicht nur des Inzestwunsches, sondern jeder natürlichen genitalen Beziehung zu einer Frau einher. Die ganze lebendige Kraft und große Liebe, die der gesunde junge Mann im orgastischen Erleben mit der Geliebten aufbringt, stützt beim mystischen Mann, nach der Verdrängung der genitalen Sinnlichkeit, den mystischen Marienkult. Aus diesen Quellen bezieht die Mystik Kräfte, die nicht zu unterschätzen sind, weil es unbefriedigte Kräfte sind. Sie machen die jahrtausendealte Macht der Mystik über die Menschen (…) verständlich.

Im Vergleich mit dem katholischen Marienkult ist es kein Zufall, daß der rein „männliche“ Protestantismus, der sich von Maria befreite, zumindest am Anfang sexualbejahender war. Reich wies 1927 auf den wohltuenden Einfluß hin, den die Aufhebung des Prinzips der Askese auf den Protestantismus ausgeübt habe: „er unterschied sich zumindest im Beginne vom Katholizismus durch seine Güte und Toleranz“ (Die Funktion des Orgasmus, S. 163). Es ist aber ebenfalls kein Zufall, daß mit dem Nachlassen dieses lebenspositiven Schwungs sich bald eine Sophien-Mystik entwickelte, die dem Marienkult nicht unähnlich war.

Als Preis für seine himmlischen Wonnen mußte Johann Georg Gichtel (1638-1710), ein Vertreter dieser protestantischen Sophien-Mystik, auf die irdische Eva verzichten. Dem Kirchenhistoriker Walter Nigg zufolge ist Gichtel dieser Verzicht auf die Ehe nicht leicht gefallen,

wenn ihm auch hierin ein stark entwickeltes Schamgefühl, das sich bis zur Blödigkeit steigerte, zu Hilfe gekommen ist. Es wurden ihm in seinem Leben mehrfach Heiratsanträge gemacht, merkwürdigerweise stets von außerordentlich begüterten Frauen, die sich mit ihm zu vermählen wünschten. Er war ein Mann, der gerade als geistige Persönlichkeit auf das weibliche Geschlecht eine sichtliche Anziehungskraft ausübte, und einmal scheint ihm auch ein Mädchen nicht ganz gleichgültig gewesen zu sein. Als es ihm seine Liebe gestand, wurde er beim Anhören der Mitteilung von einem Zähneklappern befallen und Fieber schüttelte ihn. Gichtel wußte sich nicht mehr zu helfen und flüchtete in seiner Not nach Hause, wo er in seinem Zimmer Sophia anflehte, ihm doch die Kraft zu verleihen, ihr nicht untreu zu werden. Ein anderes Mal sah er in einer Vision eine Hand, die seine Hand in die ihn beschäftigende Frauenhand legte, und eine helle Stimme sagte zu ihm: „Du mußt sie haben!“ Allein er durchschaute die Erscheinung als eine List des Teufels. Gichtels Benehmen deutet jedoch an, daß er gegenüber den weiblichen Reizen nicht unempfänglich war. Er wollte aber nicht wie Simson von einer Dalila überwältigt werden, weshalb er alle Einschmeichelungen standhaft von sich wies. dafür machte ihm viel später seine Haushälterin das Leben sauer, mit der er sich herumschlagen mußte und die zu entlassen er mit den Worten zurückwies: „Sollte ich mein Kreuz aus dem Haus jagen? Das sei ferne. Gott hat es mir gegeben; es ist mir heilsam, ich kenne meinen eigenen Feind in mir, welcher einen Gegensatz als diese ist, haben muß.“

So bleibt Sophia himmlisch und Eva eine eklige Horrorgestalt.

In Gichtels sophianischer Mystik finden wir die klarsten Belege für Reichs in der Massenpsychologie des Faschismus dargelegten These, daß sich hinter der religiösen Erregung, von der einfachsten Hingebung bis zur religiösen Ekstase, eine sexuelle Erregung verbirgt, Wohl versucht der religiöse Mensch durch Mystifizierung den sexuellen Charakter dieser Erregung zu negieren, aber das sexuelle Element bricht doch immer wieder hervor, wie neben Gichtel auch Jakob Böhme (1574-1624) und Gottfried Arnold (1666-1714) zeigen. So ist die religiöse Gefühlserregung gleichzeitig antisexuell und Sexualitätsersatz. Die Sehnsucht nach Gott entspricht der sexuellen Vorlusterregung, die nach orgastischer Auslösung ruft, welche man wiederum mit der Erlösung von der Sünde gleichsetzen kann. So wird die religiöse Ekstase zum Ersatz für das orgastische Erleben, auch wenn sie nicht zur Entspannung, sondern allenfalls zur neurasthenischen Ermattung führt, die man „Vergeistigung“ nennt. Wie Reich schreibt,

ist aus Behandlungen kranker Priester bekannt, daß am Höhepunkt religiös ekstatischer Zustände unwillkürliche Samenentleerung sehr häufig vorkommen. Die normale orgastische Befriedigung ist ersetzt durch einen allgemeinen körperlichen Erregungszustand, der das Genitale ausschließt und der gegen den Willen, wie zufällig, Teilentspannungen herbeiführt.

Für Gichtel sind Sophia und Christus in dem Sinne identisch, wie Christus identisch mit Gott war, aber doch ganz Mensch blieb. Die Beziehung zwischen den beiden Gestalten stellte sich Gichtel wie folgt vor: Als Adam wie ein Tier sich ein Weib zulegte, ist Sophia

von ihm gewichen und hat ihn fallen lassen, dadurch er dem Geist der Welt heimgefallen, und nun ein Tier aller Tiere ist worden, dem nun Jesus ist zur Hilfe gekommen. Also, so wir Jesum anziehen, so kriegen wir wieder unsere Jungfrau in ihm, die wir in Adam verloren, und empfangen zugleich die Kraft Jesu im inneren Menschen, den äußeren zu bändigen, und Gottes Willen zu tun.

Auch religionshistorisch läßt sich eine Verbindung zwischen Sophia und Christus ziehen. Sophia bildet nämlich sozusagen die konzeptionelle Brücke zwischen der Welt des Alten und des Neuen Testaments.

Für den tiefsinnigen Christen Alfons Rosenberg bedeutet christlicher Glaube „nicht ‘Glaube an etwas oder an jemanden’, sondern bis in die Tiefe Offensein für das Gegenüber (…) wie in einer Liebespartnerschaft. Glauben heißt, sich vereinigen“ (Jesus der Mensch, München 1987). Hier hat Rosenberg ungewollt den extrem sexuellen Charakter der Christusmystik des Evangeliums offengelegt, die nichts weiter als eine sexuelle Perversion ist. Dieses grobsexuelle Element ist darauf zurückzuführen, daß die Sophia in homosexueller Weise durch Christus ersetzt wurde.

Von Freud zu Reich (Teil 6)

22. Oktober 2015

Die psychoanalytische Triebtheorie ist u.a. deshalb aus orgonomischer Sicht falsch, da sie die Vorstellung von 100 Prozent sexueller Energie hat, die möglichst 100prozentig in Arbeit umgesetzt werden muß, um Kultur zu ermöglichen. Für Reich hingegen ist es ein Pendeln: ein befriedigendes Genitalleben ist Voraussetzung produktiver Arbeit und umgekehrt.

Nicht nur, daß Freud beispielsweise auch an der Gleichsetzung von Fortpflanzung und Genitalität festhielt, auch seine Todestriebtheorie war nicht etwa ein die Psychoanalyse sprengender Ausrutscher, wie Reich glaubte, sondern die logische Fortführung und konsequente Vollendung der Freudschen Triebvorstellung.

Wie unsicher Reich hier leider selber noch war, zeigt folgender Satz von 1938 (Inhalt der Klammer von 1944?) über seine Haltung von 1934:

Meine Orgasmustheorie und die ihr entspringenden Anschauungen widersprächen in keiner Weise der klinischen Psychoanalyse (heute weiß ich, daß sie ihr doch in wichtigen Punkten widersprachen), doch sie ließen sich mit der Todestriebtheorie nicht vereinbaren. (Menschen im Staat, S. 256, Hervorhebungen hinzugefügt)

Für Freud bestand das Grundwesen des Triebes darin zu vergehen, entsprechend würde der Organismus danach streben, die produzierten Erregungsquantitäten loszuwerden. Seine Triebtheorie spiegelte dergestalt die Thermodynamik des 19. Jahrhunderts wider. Nach dem Zweiten Thermodynamischen Gesetz strebt das Universum dem Wärmetod entgegen!

Das mechanistische Triebkonzept Freuds, nach dem Spannung mit Unlust und Entspannung mit Lust gleichgesetzt wird, hat Reich überwunden, denn für ihn ist auch die Spannung lustvoll, wenn Entspannung in Aussicht steht (Die Funktion des Orgasmus, S. 161).

Anfangs mag „die analytische Charakterlehre noch als eine Erweiterung der Freudschen Neurosenlehre erscheinen. Doch sie trat bald in Gegensatz zu ihr“ (ebd., S. 107).

Im Oktober 1938 schreibt Reich:

Die Vegetotherapie kann nicht einfach der gebräuchlichen psychoanalytischen Theorie und Technik hinzugefügt werden. Beide sind größtenteils unvereinbar. (Zeugnisse einer Freundschaft, S. 49, Hervorhebungen hinzugefügt)

Reich 1942:

Ich konnte in der IPV [der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung] mit meiner Genitalitätstheorie nur deshalb so lange bleiben, weil ich mich ständig auf Freud berief. Ich tat damit meiner Theorie unrecht und erschwerte meinen Mitarbeitern die Loslösung von der Organisation der Psychoanalytiker. (Die Funktion des Orgasmus, S. 102).

Wenn die Psychoanalyse wenigstens etwas von Psychologie verstehen würde, aber gemäß ihren Darwinistischen Ursprüngen geht sie davon aus, daß die Gegenwart eine Funktion der Vergangenheit ist und überträgt das mechanisch auf die Psychologie. Doch jeder, der mit offenen Augen durchs Leben geht, sollte wissen, daß dies für das Innenleben des Menschen nicht zutrifft. Man lese nur eine beliebige Autobiographie und vergleiche sie mit den wirklichen Gegebenheiten, wie sie aus zeitgenössischen Quellen erschließbar sind. Erinnerungen haben kaum objektiven Wert. Im Kopf des Menschen ist die Vergangenheit eine Funktion der Gegenwart.

Für Reich ist das Gehirn nur der „Vollzugs- und Bremsapparat“ der vegetativen Impulse (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 122), d.h. daß man das Eigenleben des Gehirns (Erinnerungen, Bilder, Vorstellungen, „Verdrängungen“) einfach nicht sonderlich ernst nehmen sollte. Wie Reich erschlossen hat, ist die Sprache direkter Ausdruck bioenergetischer Gegebenheiten (z.B. „er ist so hartnäckig“) und ist deshalb dem Psychoanalytiker in ihrem wirklichen Gehalt nicht zugänglich. Die psychoanalytische Grundregel das zu sagen, was einem grade einfällt, ist deshalb schlicht Unsinn – wenn ein Psychoanalytiker zuhört.

Diskussionsforum 2011: eine Nachlese (Teil 4)

2. Oktober 2015

Sebastian: Hi, ich habe ein paar Fragen…
Könnt ihr mir folgenden Satz erklären: „Wir werden später zu zeigen haben, daß es die Funktion der Emotion ist, die das Ziel eines Triebes bildet und nicht umgekehrt, wie die Metaphysiker behaupten.“ (Äther, Gott und Teufel, S. 54)
Wann kommt dieses „später“ (Seitenzahl oder so) und wer sind in diesem Fall die Metaphysiker?
Als Funktion der Emotion nennt Reich Beispiele: Die Lust führt zur Entladung überschüssiger Zellenergie, Wut hat die Funktion lebensbedrohende Situationen zu bewältigen. Welche Funktionen erfüllen Angst (Wahrnehmung von Gefahr?), Trauer (Bewältigung des Verlustes von gewohntem Kontakt?) und Sehnsucht (Streben nach Kontakt?)?
Was für Bewegungszustände spiegeln die primären Emotionen wider? Lust, Sehnsucht, Wut = expansiv und Angst, Trauer = kontraktiv?
Wie muß ich mir das Verhältnis zwischen Emotion und Trieb vorstellen? Eine Emotion ist doch die Reaktion auf einen äußeren Reiz und der Trieb ein innerer, permanenter Reiz, oder? Wie hängen die beiden zusammen?
Und schließlich: In Charakteranalyse geht Reich von Lust, Angst und Wut als den grundlegenden Emotionen aus. Wie ist er zu Trauer und Sehnsucht gekommen? Klinische Beobachtung?
Vielleicht ein bißchen viele Fragen. Wer will, kann mir per Email antworten. Würde mich freuen, weil ich gerade ein bißchen durchhänge. Allgemein ist es der Übergang von primären und sekundären Trieben zu primären und sekundären Emotionen, der mich fragen läßt.

O.: Sowas ist natürlich eine schöne Aufgabe und vermutlich würde ich jeden Tag, etwas anderes darauf antworten … jetzt einmal so aus dem Zusammenhang gerissen, da mir das Buch momentan nicht vorliegt und schon ewig her ist, daß ich es gelesen habe … will ich mal einen Versuch wagen, obwohl es für mich natürlich auch viel interessanter wäre zu schauen, was andere dazu sagen wollen.
In der Psychologie gibt es Grundemotionen und sekundäre Emotionen und irgendwelche Emotionstheoretiker …
Bei Reich gibt es prinzipiell nur zwei Bewegungszustände, wenn man die totale Starre (oder die Nicht-Bewegung einmal ausschließt): Hin zur Welt und weg zur Welt. Soweit so einfach. Anhand der bioelektrischen Untersuchung von Sexualität und Angst erzielt der Lustreiz (Streicheln) das hin zur Welt (Lust) und ein Angstreiz (Schreck) einen Rückzug von der Welt. – Das sind die beiden „Bewegungszustände“.
Diese Bewegungszustände finden auch ohne Reize statt und ohne Emotionen, wenn man jetzt nicht „emotion“ von emovere (bewegen) begreift. Zentrieren/Kontrahieren und Expandieren nur als Energiebewegung in einer Membran. Beim Mensch geht das mit Emotionen einher und der „Beweggrund“ ist die „Trieb-“/Bio-Energie, der Sexualtrieb/Libido.
Es gibt nur einen Trieb (Bei Reich schon mal kritisch zu sehen, wenn er von „einem“ Trieb spricht – welchen gibt es noch???), die Libido.
Ziel dieser Libido sei nun kein Objekt (wie es vielleicht auch klar und richtig wäre), sondern im Reich-Satz eine Funktion!
Was ist die Funktion (hier der Emotion)? Hin zur Welt oder Rückzug, würde ich erstmal annehmen.
Der Trieb ist der Sexualtrieb, die Energie, die sich im Körper aufbaut und natürlich auch psychisch ist und wirkt. Die Funktion, sagt nun, daß etwas mit dem Energiepotential geschehen muß … sonst würde man ja irgendwann platzen …, jetzt müßte sich von außen einmal ein Reiz anbieten, auf den die „Energieladung“ agieren kann.
Je nach Reiz/Anlaß bekommt man die entsprechende passende primäre Emotion: Wut, Lust und Angst als Reaktion auf einen externen Reiz. Wobei natürlich der Mensch nicht passiv zu denken ist, sondern er sich eine Situation aktiv gesucht haben wird. Wird die Lust zurückgewiesen, entsteht (sekundär) Trauer, die Triebenergie verkehrt sich zurück nach innen. Lust, die nachströmt zum Liebesobjekt, aber nicht zum Ziel finden darf, wird wieder zur Trauer und zur (tertiär) Sehnsucht … die dann wieder enttäuscht wird … etc.
Reich fragt jetzt welche Funktion erfüllen die primären Emotionen … Entladung von Sexualenergie, Bewältigung einer bedrohlich erlebten Situation durch Aggression oder Angst (Rückzug, Flucht).
Wenn es nicht um die basalen Emotionen (Durst und Hunger) geht, dann kann man sich andere leisten, wie Sehnsucht, Trauer …
Der Primäre Trieb ist die Libido, der sekundäre bei Reich, der „Thanatos“ (angeblicher Todestrieb), abgeleitet vom verhinderten Libido.
Dann gibt es noch das Schichten-Modell mit dem primären Kern (Lust, Liebe) und der sekundären Triebschicht (Gewalt, Zerstörung, etc.) und die freundliche gesellschaftliche Maske als dritte äußere Schicht.
Auf Metaphysik bin ich mal nicht eingegangen.
Trauer und Sehnsucht ist ihm wohl später auch ins Blickfeld gerückt, aber ließ sich nicht sofort mit energetischen Funktionen verbinden … daher wohl etwas später.
Das war jetzt erstmal eine erste Annäherung und morgen wäre mir evtl. eine andere Antwort eingefallen … d.h. andere Aspekte kann man bestimmt auch betrachten. Je mehr man sich Gedanken macht, desto komplexer wird es. An manchen Textpassagen macht Reich auch nur einen Überflug, um dann später genauer zu werden oder man selbst überfliegt einige Passagen, die dann beim dritten Lesen (nach Jahren) plötzlich an Bedeutung gewinnen können.
Daher kann man Reich auch in viele Richtungen interpretieren, was die Sache nicht angenehmer macht.

Sebastian: Danke, O. Allerdings wird mir durch Deine Ausführung noch nicht die Verbindung der Konzepte (Trieb, Schichtenmodell, Emotionen) ganz klar.
Ich habe nochmal nachgelesen: In Bd. 1 von der Entdeckung des Orgons definiert Reich den Trieb als die motorische Seite der Lust. Das Ziel des Triebes ist nun die Funktion der Emotion, die bei der Lust = die Entladung überschüssiger Zellenergie ist. Kann man sagen, daß Angst, Wut, Trauer und Sehnsucht alle im Dienst der Lust stehen? Das würde mir auch die Rangordnung erklären, die Reich für die primären Emotionen angibt.
Und noch eine Frage: Bevor Reich von Emotionen spricht, spricht er von Affekten. Was unterscheidet diese beiden Begriffe?

O. Sebastian, nageln Sie mich jetzt nicht auf das folgende fest. Ich will einmal antworten, wie ich es mir denke (ohne jetzt bei Reich nachzuschlagen), vielleicht ist das etwas einfacher, zu erklären.
Der Trieb („drive“) ist direkt spürbar und geht in die Motorik, man möchte etwas machen und ist gleich spontan dazu gedrängt. Dahinter steckt die Energie und Power. Es treibt zum Handeln an. = Antrieb für motorische Handlungen (Sexualität, Arbeit).
Die Emotion kommt aus der bewegten Energie mit dem entsprechenden psychischen Gefühl (Angst, Wut, Liebe, Trauer, Sehnsucht); Energie + Gefühl = Emotion
Sexuelle Lust, und davon reden wir hier, ist eine Erregung und Steigerung von Energie (des Triebes) und führt in motorische Aktivität. Im schönsten Fall ist dies durch die Emotion der Liebe getragen und nicht von Wut oder anderen Emotionen.
Das Schichtenmodell zeigt die Struktur des Ichs im Groben in den wesentlichen Schichten: Energie-Kern (primärer Trieb)/ destruktive Schicht (sekundär: Panzerung)/ und nach außen hin verträgliche soziale Maske (tertiäre Schicht). Je durchlässiger die Panzerung ist, desto eher kommen authentische Emotionen durch.
Ein Affekt ist eine alte festgehaltene Emotion, die aus dem Körperpanzer wieder rausbricht, wie ein Heulen, Schrei, Stöhnen oder motorische Entladung.
Die Rangordnung von Emotionen bedeutet nicht ein wichtiger oder besser … sie ergibt sich als Triebschicksal der Auswärtsbewegung: Die (primäre) Lust stößt auf Versagung (Liebes-Objekt sagt „Nein“); was passiert als nächstes? Die Energie richtet sich zurück nach innen und muss sich stauen. Dann folgt eine (sekundäre nach außen) Wut, die vielleicht auch nicht gezeigt werden kann oder eine (sekundär nach innen) Trauer. Die Sehnsucht würde ich nach der Trauer oder Wut ansiedeln als tertiäre Emotion.
Wird der Wut oder der Trauer nun auch etwas entgegengestellt, das können auch eigene gelernte Sätze wie „Du darfst nicht wütend sein, oder Jungen weinen nicht/ beiß die Zähne zusammen“, staut sich diese Energie zur Stauungs-Angst.
Diese Angst muß wieder vermieden werden und wird energetisch aufgespalten in den ursprünglichen Lusttrieb und die Angst, die verhindert, daß die Lust wieder erlebt werden kann. So bildet sich dann der Charakter an dem realen Thema, um das es geht im Konflikt Außenwelt und Ich.
Das war jetzt mal Reich in fast drei Sätzen erklärt. Andere brauchen dazu Bücher :)

Peter 2015: Reich war mit einer Psychoanalyse konfrontiert, in der es potentiell unendlich viele Triebe gab. Primitive Völker „erklärten“ den Donner mit einem „Donnergott“ und Psychoanalytiker „erklärten“ beispielsweise den Exhibitionismus mit dem „Exhibitionstrieb“. Für Reich hingegen gab es nur einen Trieb: die Lust. Durch die Umwelt kommt es zum Rückstau der Lust = Angst, wogegen sich der Organismus wehrt = Wut. Das geht einher mit Sehnsucht nach Erfüllung bzw. Trauer bei Nichterfüllung des Strebens nach Lust. Das sind die fünf Grundemotionen.

Ein Pferd kennt nur „Fressen, Ficken, Flüchten“, also Lust und Angst. Wobei Lust und Angst stets mit der dritten Emotion gepaart sind: Aggression (Futterneid, Kampf um die Weibchen, Mobilisierung des Bewegungsapparats). Diese drei „Triebziele“ („die drei F“) sind durch die funktionellen Zusammenhänge vorgegeben: die Expansion (Lust), die Kontraktion (Angst) und die Mobilisation des Bewegungsapparats (Aggression). Es ist metaphysisch zu glauben, daß die Pferde weglaufen, „um nicht gefressen zu werden“, vielmehr geht das Verhalten und seine strukturellen Voraussetzungen (etwa Läufe und Hufe) auf die Bewegung der Orgonenergie zurück, die im Laufe der Entwicklung der Organismen durch die Umwelt geprägt wird. Reichs Beispiel war die Bahnfahrt zwischen New York und Chicago: Man hat nicht einfach (sozusagen „aus dem Nichts heraus“) das Ziel mit der Bahn nach Chicago zu fahren, vielmehr ist die Bahnfahrt Resultat unendlich vieler funktioneller Voraussetzungen. Beispielsweise geht die Entwicklung der Bahngleise bis weit ins Mittelalter zurück und hatte zunächst nichts mit der Bahnfahrt zu tun. – Das steckt hinter: „… daß es die Funktion der Emotion ist, die das Ziel eines Triebes bildet und nicht umgekehrt, wie die Metaphysiker behaupten.“

Das Dreischichtenmodell: Ursprünglich gibt es nur die „lebendige, pulsierende Blase“, die einen Kern hat, von dem die Impulse ausgehen und eine Peripherie. Genauso wie sich in der Onto- und Phylogenese zwischen das Entoderm und Ektoderm das Mesoderm schiebt, bildet sich aus bioenergetischer Sicht die mittlere Schicht aus, die die Energie steuert („Flucht oder Widerstand?“). Diese Steuerung erfolgt weitgehend über die Muskulatur. Kommt Panzerung ins Spiel wird daraus die sekundäre Schicht („sekundäre Triebe“). Entsprechend kennzeichnet deine größte Kalamität, die Hauptpanzerung, potentiell auch deine größte Stärke.

Das, was ich hier eben präsentiert habe, ist einfaches orgonomisches Denken, die Ausführungen der anderen davor waren, Verzeihung, kompliziertes „Reichianisches Denken“, das mittlerweile ganze Bibliotheken füllt.

Anderes Thema: Mesmer

O.: Mesmer muß man im Original (deutsch) lesen und man wird sich an seiner heute befremdlichen Wortwahl und auch am Druckbild etwas schwer tun. Dann kann man wie Eden den Eindruck haben, man habe es verstanden und die Parallelen suchen und meinen „aha, das ist doch dieselbe Energie“. Dann hat man immer noch nichts verstanden, sorry. Mesmers Problem war es natürlich überhaupt die Phänomene zu beschreiben und er hat sich an den gängigen physikalischen Modellen bedient, die heute mechanistisch anmuten. Aus Reichs Sicht versteht man nicht unbedingt, was er gemeint haben könnte, aber man bekommt eine Idee, was er getan hat – eben nur eine Idee. Es gibt verblüffende Ähnlichkeiten mit der Orgonomie, doch man fragt sich, wie kam Mesmer darauf? Wie kam er auf seine Kosmologie, wo er diese doch kaum beobachten konnte. (seine Dissertation ist glaube ich nur auf Französisch erschienen). Die Streitereien, die er hatte, sind gut belegt und thematisiert worden, niemals aber seine therapeutische Technik, das wurde vermutlich alles zerstört, daher war das Tor zur Mystik (bis hin zur Hypnose) weit offen. Er wird bis heute noch dermaßen vernichtend angefeindet, daß seine Gegner wohl intuitiv genau wissen, der Mann ist gefährlich – so wie Reich und Stirner. Jedes Lob über ihn ist ein Schlag in sein Gesicht! So wird heute noch mit ihm umgegangen. Wer‘s kann, sollte ihn unbedingt langsam und gründlich lesen. Aber er ist nichts für jedermann.
Mit ihm wird es einem gehen, wie wenn man in Boadellas Biographie über den ORAC liest, man weiß nicht was man davon halten soll, hält es für wesentlich, doch kann es sich nicht vorstellen. Und anhand des Buches kann man auch keinen ORAC bauen und anwenden, weil erstmal noch zu viele Details fehlen, bis man einen gesehen hat und ausprobieren konnte. Mesmer ist der Tesla der Psychotherapie, geheimnisvoll unverständlich, aber ohne ihn geht gar nichts. Freud und Reich wären nicht denkbar ohne Mesmer gewesen.

Peter: Hat Mesmer nicht alles auf Französisch verfaßt?
Mesmer hat entdeckt, daß der Organismus von einem „Fluidum“ („Animalischer Magnetismus“) durchflossen wird. Störungen dieses Flusses seien für die psychischen und somatischen Erkrankungen verantwortlich. Der „Magnetiseur“ überträgt sein eigenes Fluidum so, daß die Staus wieder aufgelöst werden. Mesmer wurde sexueller Übergriffe verdächtigt und schließlich von einer wissenschaftlichen Kommission zu Fall gebracht.
Reich ahnte gar nicht, in welcher Tradition er stand.

O.: Mesmer wurde erst selbst für eine Kommission hinzugezogen als Gutachter über Gassner, der mystische Praktiken vollzog. Dann hat in Frankreich eine zweite Kommission von „Wissenschaftlern“ sein Fluidum für unmöglich und unsinnig hingestellt, darunter war der erfolgreichste „Körpertherapeut“ Guillotin, nach dem die bekannte Hals-„massage“ (Rübe ab) benannt wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Guillotine
Mesmer hat sich dann zurückgezogen und keiner wußte, wo er war. 1814 wurde er von Wolfahrt wieder aufgesucht und dadurch entstand das einzig übriggebliebene und brauchbare Dokument über den Mesmerismus.
Mesmerismus war damals in aller Munde – auch im positiven Sinne. Der Mann hatte damals weitaus mehr internationalen Erfolg als Reich bezogen auf Europa. Es gibt eine Dissertation (ca. 1950), in der über ca. 200 Seiten nichts anderes steht, als eine gesammelte Literaturliste über Mesmer und den Animalischen Magnetismus (ich hoffe, ich finde die Arbeit nochmal). Doch fast nichts davon hat überlebt. Er hat absolut „energetisch“ gearbeitet, was auch keiner richtig verstehen konnte. Er hat keine Staus aufgelöst, das wäre eine post-reichianische Interpretation, er hat auch keine Hypnose benutzt, wie die Erikson-Leute es verstehen möchte. Stefan Zweig glaubte, daß er einfach nur eine hochgeladenen faszinierende Persönlichkeit war mit enormer Ausstrahlung, das erklärt aber nichts, sondern möchte eine Scharlatanerie andeuten, worauf sich die „wissenschaftliche“ Nachwelt geeinigt hat. Nun dann wären die besten Berliner Ärzte der Charitè Vollidioten gewesen, weil diese Mesmer durchaus folgten und ihn zu verstehen begannen.
Mesmer wurde von seinem Schüler Marquis de Puységur nicht verstanden, Charcot verstand Marquis de Puységur nicht mehr und Freud verstand Breuer und Charcot nicht, dann wollte Reich auch Freud nicht verstehen und ließ von der längst aufgegebenen Libidotheorie nicht ab. So wären wir dann wieder am Anfang vom Fluidum zum Orgon, wobei die Techniken nicht zu vergleichen sind!
Das mit den angeblichen „Übergriffen“ ist wohl offensichtlich zu blöd darzustellen … die Familie bangte um eine Pension, die sie für ihre Tochter, die eine begnadete Musikerin (psychisch/hysterisch) blind war. Mesmer hatte sie sehend gemacht, das gefiel dem Vater nicht. Und bedrängte sie so, daß sie wieder erblindete. (Mesmer hat darüber eine Abhandlung geschrieben.)
Ob Mesmer sich in das junge Ding verliebt hatte, kann ich nicht beurteilen, sie soll aber reizvoll gewesen sein. Breuer hatte sich wohl auch in Anna O. verliebt und Freud war wohl zu sehr auf Männer fixiert dafür. Reich hatte auch eine Affäre mit einer Patientin. Und die anderen Psychoanalytiker … – da war wohl auch des öfteren was, worüber man vornehm schwieg.

Peter: Jerome Eden hat 1974 in Animal Magnetism and the Life Energy 23 Fallberichte von Dr. John Elliotson, Dr. James Esdaille (Mesmeric Hospital of Calcutta, India) und anderen aus dem 19. Jahrhundert abgedruckt. Auch hat er die Methode selbst beispielsweise in Alaska angewandt, wenn kein Arzt zur Stelle war. https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2014/08/22/jerome-eden-franz-anton-mesmer-teil-2/

O.: Es ist vermutlich mein Lieblingsbuch von Eden. Doch genau wie in vielen anderen Berichten fehlt mir die Beschreibung der Anwendung. Er setzt die „orgone energy“ zu schnell mit Mesmers Fluidum gleich. Der Effekt und der Grund der Behandlung wird erzählt, nicht aber die praktische Anwendung, daß man sie verstehen könnte. Mit den Händen streicht man in etwas Abstand über den Organismus, mehrfach. Wo genau und wie lange (ungefähr)? Und was passiert dann? Wie kann man das erklären? Evtl. sollte ich es nochmal lesen … Die Maxime/Prinzipien des Mesmerismus werden auf englisch abgedruckt (die gibt es auch auf deutsch). Eden (1974) war, glaube ich, der erste, der den Hinweis auf Mesmer gab, neben Henri Ellenberger (1970/1973) in The Discovery of the Unconscious. The History and Evolution of Dynamic Psychiatry, der Mesmer zwar auch falsch versteht, aber von ihm fasziniert war. Vermutlich hat Eden auch dieses Buch gelesen und den Wert bzgl. Reich erkannt. [Peter 2015: Eden hat sich schon in den 1950er Jahren mit Mesmer beschäftigt und dessen Bücher übersetzt.]

Peter: Das folgende erinnert fatal an die Herausgabe der Spätwerke Reichs bei Zweitausendeins Mitte/Ende der 1990er Jahre, denen jeweils „Begleitbände“ beigefügt wurden, um auch ja jede Wirkung dieser Schriften (d.h. die Ausbreitung der Orgonomie nach bzw. in Deutschland) zu hintertreiben: http://www.pi-news.net/2011/09/gouguenheim-daniel-g-konig-und-fuat-sezgin/

das Werk von Sylvain Gouguenheim Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel. Die griechischen Wurzeln des christlichen Abendlandes herausgebracht, in dem hochbrisanter Weise behauptet wird, daß das mittelalterliche, christliche Abendland dem Islam beileibe nicht soviel verdanke, wie die heutige, nach Mekka gesüdete Wissenschaft nicht müde wird, politkorrekt zu verbreiten.
Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft legte deshalb dem explosiven Buch in einem Nachwort die Kritik zweier Fachleute, Prof. Martin Kintzinger und Dr. Daniel G. König, bei, um eventuelle islamkritische Blogger davon abzuhalten, Buchstellen zu zitieren, wie in Frankreich schlimmer Weise geschehen, wo es dann Boykotte und Proteste hagelte.

Jonas: Eine weitere Parallele zur Reich Ausgabe bei 2001:
Wenn ich mich recht erinnere, weist Laska darauf hin, daß Stirners Einziger mehrfach von fanatischen Anti-Stirnerianern wiederaufgelegt wurde – jeweils versehen mit einem vernichtenden Nachwort.

Peter: The latest madness:

In den 1950er Jahren prägte ein Arzt namens Wilhelm Reich den Begriff „Orgonenergie“ und beschrieb sie als „Lebenskraft-Energie, die sich als sexuelle Energie ausdrückt“. Er wurde auf diesen Forschungsbereich aufmerksam, als er ein Schüler des berühmten Psychologen Sigmund Freud war, der bereits die Idee der „libidinösen Energie“, aus dem lateinischen „Libido“ für „Gier“ oder „Verlangen“, entwickelt hatte. Aber was ist diese Energie wirklich? Bevor Sie Ihr hart verdientes Geld für die neuesten „Orgon“-Emitter ausgeben, die von beliebig vielen ahnungslosen Händler angeboten werden, müssen Sie von den Gefahren dieser Energie erfahren und warum die Alten, einschließlich „Jesus“, versucht haben, uns so vehement davor warnten mit ihr zu spielen. Erfahren Sie, was Dr. McQuate über diese alte, hergestellte Kraft aus seiner jahrelangen Erforschung der ältesten Sprachen gefunden hat. Dies sind Informationen, die Sie nicht verpassen möchten und Forschung, die Sie nirgendwo sonst auf dem Planeten finden … garantiert

http://orgoneuncovered.com/

O. verweist auf einen Reich-Artikel in der Welt: http://www.welt.de/kultur/article1325127/Warum_guter_Sex_die_Welt_heilen_kann.html

Peter: Peter Haffner: Die fixe Idee: 13 Genies und ihre Spleens, S. 184-197 über Reich: http://www.amazon.de/fixe-Idee-Genies-ihre-Spleens/dp/3423202084

Einer, der Zitate aneinanderreiht. Es sind immer die anderen, die den „Spleen“ haben…

Ein Buchtipp von O.: Wilhelm Reich von Ilse Ollendorff Reich (1967; Kindler 1980 vergriffen)

Das Buch hat eine Stärke und Schwäche zugleich, es wurde von einer Frau geschrieben und aus ihrer Perspektive, sie war Reichs Frau in den USA von ca. 1940-54 und hat den „Traumsohn“ Peter Reich geboren und erzogen. Wer Peter Reich einmal sehen und erleben durfte, weiß sofort was ich meine, kaum ein Mensch ist so beeindruckend menschlich wie er. (Und bei aller Kritik an der WRG, kann ich hier auch mal einen Dank aussprechen, daß sie so wundervolle Menschen nach Berlin gebracht hat.)
Ilse beschreibt die Umstände in jener Zeit, wie sie Reich kennenlernte und wer da noch mit ihnen in Kontakt war und wie das Leben zuerst in New York und später in Maine ablief aus ihrem persönlichen Erlebnis. Es ist eine Erzählung wie wenn meine Mutter aus der alten Zeit berichtet, so daß ich mir vorstellen kann, wie einfach die Dinge waren und wie sie sich in kurzer Zeit abspielten. Ob Reich da so manches Mal gut wegkommt, ist eigentlich egal, wenn man lediglich zuhört und nicht sich moralisch ereifern möchte.
Einzelheiten über Theorien werden nicht gegeben, dafür wird die Sorgfalt im Umgang mit den Versuchstieren und einiger Experimente beschrieben, ohne einen Versuchsaufbau zu geben oder über Inhalte von Büchern zu schreiben. Es sind die Details, die es lesenswert machen. Der Einblick in die drei Konferenzen, die Personen, die am Rande erwähnt werden: Neill, Raknes, Hoppe, Sharaf, Tropp, Eva und W. Moise, Lore, Peter, usw.
Der Aufbau von Orgonon, etwas über Finanzen und die Träume von einer Klinik in Maine, die anderen Institute in New York, positive und negative Erlebnisse dichtgedrängt in wenigen Jahren ohne eine Zeit der Ruhe zu finden, mit Zigaretten bis zur Herzattacke, der Alkohol, das Oranur-Experiment, die Krankheiten und schließlich auch die Trennung wegen Reichs Symptomen eines nahenden Burnouts (so würde man heute sagen). Gereizte Stimmung bei Reich, seine Prinzipien und Teile seiner Gedanken. Ilse geht schließlich, weil sie nicht mehr versteht, was Reich nach dem Oranur-Experiment für neue Ideen entwickelt, Reich fühlt sich allein gelassen und ist alleine und sucht wieder Kontakt zu anderen Menschen in Maine, was ihm nur schwer gelingt, weil er schon sehr zurückgezogen in seiner Gedankenwelt gelebt hat. Er fährt durch Arizona mit dem CLB, weil zu Hause seine Frau nicht mehr auf ihn wartet und nimmt Peter, Eva und ihren Mann mit. Die offensichtliche Logik seiner Forschungschritte wird auch durch Persönliches mitbestimmt. Reich schwankt nach Ilse zwischen Anerkennung und den Glaube an einem Durchbruch und einem drohenden Scheitern, insbesondere vor Gericht. Sein möglicherweise tragisches Ende vor Augen, plant er dennoch weiter und neu … er verliebt sich noch einmal, läßt sich auf eine junge Frau ein und würde sie auch heiraten, eine Wendung seines Lebens, das ihm nicht mehr vergönnt war.
Was bleibt im nachhinein? Eigentlich nur der Haß der Gegner, die ihn bis heute verfolgen, nicht realisierend: Der Mann ist tot!
Seine Schriften werden als stilles Zeugnis wieder gedruckt, nachdem sie vernichtet wurden … man möchte meinen, sie werden nur gedruckt, damit man Reich weiter bekämpfen kann. Die Frage, ob Reich paranoid gewesen sei, beantwortet sich von selber: Gegner, die ihr ihn noch zu jagen wagt, APA, FDA, CIA, FBI, die Liste wäre lang, you are so sick and paranoid, you all need psychiatric orgone therapy by Wilhelm Reich, believe me.

Soweit O. Beim folgenden kann ich O. nicht folgen, anyway. O.: In meinen Augen ist Fritz Perls ein so genialer Reichianer, Charakteranalytiker, und die Sprache ist wirklich ähnlich dem von Reich:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=T3jYcDbcpUs%5D

Klaus: In: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46836/Studie_sieht_Elektrosmog_als_Asthmarisiko.htm:

Kinder erkranken dreimal häufiger an Asthma, wenn ihre Mutter während der Schwangerschaft erhöhten elektromagnetischen Feldern exponiert war.

Immer wieder Problem (v.a. ohne Kenntnis Reichs): „Es fehlt vor allem ein überzeugendes biologisches Konzept, daß die pathogenetischen Zusammenhänge plausibel erklären würde.“

Peter: Zu Paul Goodman und seinem Verhältnis zu Reich: http://www.as-anker.de/pg/index.php?option=com_content&task=view&id=23&Itemid=35

Zur Homosexualität: entweder ist sie ein Symptom wie jedes andere auch oder sie ist tief in der Struktur verankert (passiv-femininer Charakter): http://orgonomy.org/articles/Konia/A_Case_of_Homosexuality.html

O.: Das Bild von der Goodman-Familie sagt ja mehr als tausend Worte, ich will es nicht kommentieren.
Paul Goodman ist mir nach diesem Eindruck sehr unsympathisch.
Wenn jemand Schüler von einem anderen wird, geht das vielleicht eine Therapeuten-Generation gut bei Talent der Person, eine zweite Therapeuten-Generation muß quasi schon scheitern. Goodman scheint ein solcher Fall zu sein, die Core-Energetics-Leute sind auch solche Fälle, ebenso die von der Bioenergetik.
Die „KPT-Liga“ ist voll solcher Fälle, wenn die Originale der Therapieschulengründer wegfallen. Ebenso die meisten Freudableger der dritten Generation, manche der zweiten zeugen auch von wenig Qualität und eigener gefundenen Originalität. Das Glück der zweiten Generation liegt wohl darin, daß Persönlichkeiten sich um den Begründer gefunden haben. In der nächsten Generation, kann nur noch das Mittelmaß sich um die neuen Therapie-Ableger gruppieren, die glauben, daß die Technik das wesentliche sei. Wesentlicher sind die persönlichen Eigenschaften der Therapeuten!
Reich hat sich mit Homosexualität kaum befaßt, da er eine Abneigung hat und die von Freud hat er nicht angepackt und unentdeckt gelassen.
Aufgrund von dramatischen Erlebnissen (Ekel gegen das Weib) wenden sich Jungen vom weiblichen Geschlecht ab. Das wäre meine Ausgangshypothese, auf die die Charakterbildung aufbaut. Bei Lesben wäre es dementsprechend umgekehrt. Prinzipiell wäre dies therapierbar durch entsprechende Traumaarbeit (wenn das einer könnte). Die Verhaltenstherapie hat die Phobien, Angstneurosen und Panikattacken zu ihrem Steckenpferd gemacht, hier könnten sie die „Überlegenheit“ ihrer Technik unter Beweis stellen.
Jedoch glaube ich, daß die VT jämmerlich scheitern wird, nicht nur weil Homosexualität als Symptom gesehen werden müßte.
Sie würde vielleicht mit ethischen Fragen aufwarten …
Als Reichianer/Körpertherapeut müßte man seine Scheu gegenüber der homosexuellen Neigung überwinden, ein Hindernis, das ich nicht als unbedingt überwindbar sehe. Dann könnte man den Versuch machen einen homosexuellen Therapeuten zu finden, ein Freund von mir arbeitet hiermit, jedoch glaube ich nicht, daß sein Therapieziel eine Herstellung der Heterosexualität wäre. Das funktioniert eben auch nicht. Ein homosexueller Therapeut würde eher die Beziehungsproblematik von Homo-Paaren bearbeiten und lösen. Praktisch scheint die Homosexualität nicht therapierbar zu sein, die Motivation des Klienten dürfte auch gegen Null gehen, so daß eine Therapie auch deswegen scheitern würde.
Trotzdem könnte man am Trauma arbeiten, jedoch ohne dem Ziel, dem Klienten seine Identität und Liebesorientierung nehmen zu wollen oder gegen eine andere einzutauschen.
Es wäre genauso vermessen, wenn ein homosexueller Therapeut von mir verlangen würde „meine natürliche Homosexualität“ zu entdecken und mich dazu bringen wolle, meine „Frauenfixierung“ aufzugeben.
Man sollte sich auch vor Augen halten, daß es Grenzen gibt in der Psychotherapie, man wird keinen neuen Menschen oder Charakter schaffen, sondern nur Tendenzen verändern.
Gegen das Nichtrauchen könne man mit dem Stechen einer Akupunktur-Nadel einen Raucher zum Aufhören bringen, wenn er dazu bereit sei. Ob die Methode auch für Sexualpräferenzen möglich wäre, bleibt abzuwarten. Ehrlich gesagt rauche ich da lieber oder höre auf, wenn ich es nicht mehr will. Homosexuelle können ja auch mit dem anderen Geschlecht Beischlaf haben, jedoch bleibt ein gewisser Ekel oder eine schwache Erregbarkeit übrig. Das dürfte der Schlüssel zum Problem sein, wenn es denn ein Problem ist! Letztlich schläft ja auch ein Hetero nicht mit jedem … außer in den 70-er Sekten (Kommunen, Kriegsbordellen, Swinger-Clubs etc.), wo man glaubt, man müsse sich nur massiv sexuell betätigen, um unneurotisch zu werden.
Um dem ganzen auch etwas Positives abzugewinnen, bleibt die Frage, warum homsexuelle Paare die gleiche Rollenverteilung leben wollen, wie heterosexuelle Paare? Das wäre absurd, wenn man eben nur Männer/Frauen lieben würde. Durch diese Rollenverteilung wird ja die Homosexualität nicht „normaler“ oder besser. Und dies muß von einer „Dominanz“ unterschieden werden, darum geht es hier nicht, sondern um die gegengeschlechtlichen Rollen!

O. weiter: Es würde mich wundern, wenn Homosexualität im ICD-10 stehen würde. Somit wäre es strenggenommen für die Medizin und Psychologie – einschl. Psychiatrie kein Krankheitsbild.
Nun in Wikipedia stehen weitere Erläuterungen unter Psychologie:

Zitat:

Sigmund Freud bezeichnete Homosexualität „als Abweichung der sexuellen Funktionen, hervorgerufen durch eine gewisse Stockung der sexuellen Entwicklung“ [51]. Als psychischen „Normalfall“ sah Freud die Bisexualität an; auch die Heterosexualität beruhe „auf einer Einschränkung der Objektwahl“.[52] Mehrfach bezog er öffentlich Stellung gegen Kriminalisierung und Pathologisierung der Homosexualität. 1903 betonte er in der Zeitschrift Die Zeit, daß „Homosexuelle nicht als Kranke behandelt werden sollen“. 1905 stellte er fest: „Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuch, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen abzutrennen.“[53] 1921 widerspricht er Ernest Jones, der einen homosexuellen Arzt nicht zur analytischen Ausbildung zulassen wollte.[54] 1930 unterzeichnete er einen Appell an den Nationalrat zur Abschaffung der Strafbarkeit. Und 1935 schrieb er in einem Brief an eine Mutter, daß auch Homosexuelle – durch eine Analyse – zu „Harmonie, Seelenfrieden und volle[r] Leistungsfähigkeit“[51] gelangen können.
Seine Ansichten zum Thema resümiert er in dem Aufsatz „Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität“ aus dem Jahr 1920. Darin wendet er sich gegen die Vorstellung, „vollentwickelte“ Homosexualität − mit dem Ziel der Wiederherstellung der „vollen bisexuellen Funktion“ − psychoanalytisch behandeln zu können. Dies sei „nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte“ – die Heilung von „vollentwickelter“ Heterosexualität –, „nur daß man dies letztere aus gut praktischen Gründen niemals versucht“.[55] Entsprechende Therapieanstrengungen scheiterten zudem sehr häufig daran, daß homosexuelle Patienten nicht aus Unzufriedenheit mit ihrer Situation, sondern auf äußeren gesellschaftlichen Druck hin eine Therapie begännen:
„In der Regel vermag der Homosexuelle sein Lustobjekt nicht aufzugeben; es gelingt nicht, ihn zu überzeugen, daß er die Lust, auf die er hier verzichtet, im Falle der Umwandlung am anderen Objekt wiederfinden würde. Wenn er sich überhaupt in Behandlung begibt, so haben ihn zumeist äußere Motive dazu gedrängt, die sozialen Nachteile und Gefahren seiner Objektwahl, und solche Komponenten des Selbsterhaltungstriebes erweisen sich als zu schwach im Kampfe gegen die Sexualstrebungen. Man kann dann bald seinen geheimen Plan aufdecken, sich durch den eklatanten Mißerfolg dieses Versuches die Beruhigung zu schaffen, daß er das Möglichste gegen seine Sonderartung getan habe und sich ihr nun mit gutem Gewissen überlassen könne.“
– Sigmund Freud. 1920[56]
Dennoch wurde Homosexualität erst 1973 von der American Psychiatric Association (APA) aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen – nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse von Evelyn Hooker. Zuvor galt Homosexualität als psychische Störung. Allerdings existierte von da an im DSM-II die „sexuelle Orientierungsstörung“, später im DSM-III „ich-dystone Homosexualität“ genannt, mit der ein Zustand anhaltenden Leidens an der eigenen Homosexualität diagnostiziert werden konnte. Im neuen, aktuellen DSM-IV-TR befindet sich eine Diagnosekategorie „nicht näher bezeichnete sexuelle Störung“, die auch ein „andauerndes und ausgeprägtes Leiden an der sexuellen Orientierung“ (302.9) beinhaltet. Die Streichung erfolgte 1973 gegen den Widerstand der American Psychoanalytic Association (APsaA), die dadurch erheblich an Renommee und Einfluß verlor, dann nach einem Generationswechsel neue Position bezog und sich 1991 entschuldigte:
„Die American Psychoanalytic Association lehnt jede öffentliche oder private Diskriminierung gleichgeschlechtlich orientierter Frauen und Männer ab und bedauert sie. Es ist die Position der American Psychoanalytic Association, daß die mit uns verbundenen Ausbildungsinstitute ihre Kandidaten aufgrund ihres Interesses für die Psychoanalyse aussuchen, wegen ihres Talents, ihrer Vorbildung, ihrer Integrität, ihrer Bereitschaft zu Selbstanalyse und Ausbildung, und nicht aufgrund sexueller Orientierung.“
– American Psychoanalytic Association, Declaration on Homosexuality, adopted 1991, amended May 1992 (…)
Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die Homosexualität erst mit der 1992 veröffentlichten ICD-10 entfernt. Dafür wurde dort das Störungsbild der ich-dystonen Sexualorientierung (F66.1) im Bereich der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgenommen. In der ICD-8 wurde Homosexualität bereits 1968 als umstrittenes Krankheitsbild dargestellt.
In Psychoanalyse und Psychotherapie gibt es nach wie vor kontroverse Meinungen. Anhänger der Gay Affirmative Psychotherapy, die die internationale Mehrheitsmeinung vertreten, versuchen, den Umgang mit Homosexualität möglichst in das Menschsein zu integrieren. Im deutschen Sprachraum äußerten sich 2000 zwei Standardwerke klar und deutlich: Im Mertens/Waldvogel konstatierte Udo Rauchfleisch, daß Diskriminierung und Pathologisierung wissenschaftlich nicht vereinbar seien.[57] Im Stumm/Pritz verlangte Wolfgang Till von der Psychotherapie „eine nichtpathologisierende, vorurteilsfreie Haltung zur Homosexualität“.[58] Johannes Cremerius nannte (schon 1992) die Pathologisierung der Homosexualität und die Weigerung, Homosexuelle zur analytischen Ausbildung zuzulassen, als einen der wesentlichen Gründe für die Krise der Psychoanalyse.[59]
Dazu entgegengesetzt gibt es eine immer kleiner werdende Minderheit von Medizinern bzw. Psychoanalytikern, die Homosexualität im Gegensatz zum DSM-IV und zur ICD-10 als „krankhafte und behandlungsbedürftige Störung“ sehen (Charles Socarides[60] und Joseph Nicolosi). Der Psychotherapeut Douglas Haldeman, der ehemalige Vorsitzende der American Psychological Association, ist der Meinung, Lesben und Schwule hätten zwar ein Recht auf Veränderung ihrer sexuellen Orientierung, sofern sie mit ihren sexuellen Orientierungen unzufrieden seien. Bisher ist jedoch keine funktionierende „Therapie“ bekannt, mit der langfristig die sexuelle Orientierung verändert werden konnte. Die sogenannte reparative Therapie bezeichnet Haldeman als „Pseudowissenschaft“. Die sexuellen Neigungen als solche bestimmen noch nicht die psychologische Identität eines Menschen, da dazu wesentlich die freie Stellungnahme gehört.[61] Im Sommer 2008 erklärte die deutsche Bundesregierung im Bundestag, daß die reparative Therapie in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt werde. Die deutsche Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, daß Homosexualität einer Therapie bedarf, noch daß Homosexualität einer Therapie zugänglich ist.[62] Auch Haldeman ist der Meinung, die sogenannte „reparative Therapie“ passe nicht in die moderne „mental health profession“ hinein, und sei „seit Jahren diskreditiert.“[63]” (Zitat Wikipedia Ende)

Ich (O.) interpretiere es mal so, daß nur der, der darunter leide als „ichdystone Sexualorientierung“ (F66.1) im Sinne einer Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden würde.
Freud soll argumentiert haben das Hetero auch nicht normal sei, sondern nur die Bisexualität – Aha, soso!

Peter: F66.1 Ichdystone Sexualorientierung

Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Ausrichtung (heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder präpubertär) ist eindeutig, aber die betroffene Person hat den Wunsch, daß diese wegen begleitender psychischer oder Verhaltensstörungen anders wäre und unterzieht sich möglicherweise einer Behandlung, um diese zu ändern.

Der Witz bei der Sache ist, daß noch nie jemand unter einer “heterosexuellen Ausrichtung” subjektiv gelitten hat. In dieser Hinsicht ist F66.1 pseudowissenschaftlicher, von Ideologie bestimmter SCHWACHSINN.

O.: Unter seiner Heterosexualität leidet der, der gerne das andere Geschlecht wäre, daher streben einige eine Geschlechtsumwandlung an, von Geschlechtsmißbildungen einmal abgesehen. Denke ich an meine Jugend zurück, habe ich oft gedacht, als Homosexueller wäre es wesentlich einfacher, Männer kann man leichter verstehen, Frauen überhaupt nicht. Ferner fehlte es nicht an direkten Angeboten unter Männern …, nun sind Männer aber nicht gerade die attraktivsten Geschöpfe, von daher kann man nur froh sein, daß alles so ist, wie es ist. :)

Peter 2015: Ich verweise auch auf meinen Blogeintrag Homosexualität und die Angst der Psychiater.

2011 waren „Rassenunruhen“ in England ein wichtiges Thema. Dazu Peter: Gewisserweise eine „gescheiterte biologische Revolution“: man (Labour) wollte ein fröhliches, offenes, buntes, multikulturelles Großbritannien…

http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/law-and-order/6418456/Labour-wanted-mass-immigration-to-make-UK-more-multicultural-says-former-adviser.html

Robert: Mit Biologie hat die Immigration durchaus etwas zu tun:
http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-sagen-sie-mal-irenaeus-eibl-eibesfeldt—_aid_158854.html

O. am 23. August 2011 um 23:23: Ich bring hier mal einen sonderbaren Report rein, der für mich keine plausible Erklärung hat. Diese Beobachtung wurde ca. 50 km von Kassel gegen 4:00 und in Bochum gegen 3:00 gesehen. (Das sind ca. 200 km Entfernung voneinander, kann aber auch viel größer gewesen sein.) Dauer des Phänomens ca. bis 5:15 Uhr am Dienstag den 23.08.2011.
Vorab gab es seit den 17.8.2011 schon vereinzelte Chemtrails am Horizont und in Deutschland über verteilt seit Beginn des Monats August Unwetter mit Überschwemmungen in verschiedenen Regionen. Das nur nebenbei.
Ich wachte aus dem Tiefschlaf auf, weil es blitzte … so dachte ich erst, aber es kam kein Donner. Wieder ein Unwetter, dachte ich, doch keine Winde und kein Regen folgte. Es blitzte wie eine kaputte Neonröhre, doch alle Straßenlampen waren aus. (Dorf eben) Es schien mir als blitzte es in einem Rhythmus, ich zählte. So alle vier Sekunden kam ein großer Blitz gefolgt von einem kleineren, wie ein Blinkzeichen aber nicht regelmäßig, dennoch etwas pulsierend, sich wiederholend, hellweiß. Leider hatte ich keine Kamera zur Hand, da bin ich nicht gut ausgerüstet und versuchte es mit der Aufnahme über ein Laptop, doch darauf war nichts zu erkennen, als wäre der Blitz zu schnell gewesen und die Kamera zu lahm. Bei Handbewegungen zeigt sie diese auch schon verwischt, also leider war nichts drauf. Ich beobachte das Schauspiel – natürlich beunruhigt über eine Stunde, dann gehe ich doch mal raus als es etwas weniger wird. Der Himmel ist sonst dunkel, nach meinem Eindruck war alles bewölkt. Dunkelblaue Wolken (da kam der Lichtschein nicht durch nur oberhalb erhellte es den Himmel) unten und drüber die Leuchterscheinungen, die von der unteren Wolkenfront abgehalten werden. Als ich gegen 5:00 runtergehe kommt plötzlich ein stürmischer Wind auf, die Bäume biegen sich, die vorher ruhig waren, das Blitzen wird seltener, kein Geräusch. Jetzt denk ich wird es gleich böse schütten und ich gehe wieder zurück ins Haus, doch nichts kommt runter, kein Regen. Da nichts mehr passiert und das Blitzen weniger wird, gehe ich endlich ins Bett (wollte ja auch lieber schlafen). Am nächsten Morgen keine zwei Stunden später ist keine Wolke am Himmel und die Sonne scheint warm. Ein paar Arbeitskollegen haben dieses Phänomen auch kurz bemerkt, sind dann wieder eingeschlafen und haben sich nichts dabei gedacht. Eine weitere Person bestätigt dasselbe um 3:00 in Bochum.
Das Wetterradar hier bei wetteronline zeigt keine Wolkenfelder zu diesem Zeitpunkt (4:00), erst später kommt ein Wolkenfeld durch.
Es ist wohl unnötig zu sagen, daß ich heute morgen erstmal ein paar Stunden gebraucht habe, um mich wieder zu sortieren. Ehrlich gesagt, wäre mir ein kleines Ufo lieber gewesen, das wäre auch schon unheimlich, aber nicht so mächtig. – Von Oranur war jedoch nichts zuspüren …

Darauf Peter: Hier eine mögliche Erklärung: http://www.wz-newsline.de/home/panorama/blitzende-wolken-ueber-dem-rheinland-1.744989

O. 24. August 2011 um 01:35: Wenn der ganze Himmel mit dichten Wolken bedeckt war, hat man von unten keinen Blitz gesehen, auch nicht am „Rand“, ich hatte den Eindruck, daß ich es nur auf einer Seite gesehen hatte … es ist erstmal die beste Erklärung, Danke! Das läßt mich erstmal ruhiger schlafen :)
Und heute gibt es einen schönen Sternenhimmel.

O. 25. August 2011 um 00:01: Kaum hatte ich den letzten Kommentar hierzu geschrieben, begann es draußen wieder zu „Blitzen“ – ohne Donner und Blitz. Es waren keine nennenswerten Wolken am Himmel und sternenklar, so daß diese gute Erklärung zu diesem Phänomen nicht paßt. Stattdessen kamen die Leuchterscheinungen wohl vom Boden aus und reflektierten in den Himmel, am Horizont hinter einem Gebäude versteckt war ein wenige Meter großes auf höhen eine vierstöckigen Hauses gelboranges Leuchten zu erkennen. Evtl. schau ich mir das heute nacht mal genauer an. Ich hoffe das werden nicht meine letzten Worte gewesen sein … ;) Das Phänomen kann eigentlich nur ca. 2-5 Kilometer weit entfernt sein.

O. 25. August 2011 um 02:09: Ich hätte jetzt zu gern eine schöne Videokamera, die das Spektakel aufnimmt. Im Moment ist noch alles ruhig (2:00 Uhr) und nichts zu sehen. Die Umgebung habe ich schon mal etwas erkundet. Ich komme mir schon vor wie der Typ im Fernsehen, der sich durch den Dschungel bewegt und irgendwelche Giftsschlangen suchte und letztlich dann von einem Krokodil erwischt wurde.

O. 27. August 2011 um 16:32: Das Phänomen ist leider nicht mehr aufgetreten …

Sebastian: Kann mir jemand etwas zum unten verlinkten Text sagen (nähere Informationen zum Autor, Beurteilung des Textes etc.)? Ich kann das aufgrund biologischer Unkenntnis weder einordnen, noch beurteilen: http://www.smn-germany.de/dokumente/biogenese.pdf

Peter: siehe dazu „Experiment 20: Frozen Bion Water Yields Life-Like Structures“: http://www.orgonelab.org/DeMeoBionsColor.pdf

Sebastian: Danke für die PDF-Datei. Sie erledigt nicht nur die Kritik am Experiment XX, sondern auch andere Anwürfe. Ich habe mich in den letzten zwei Tagen in die Bionexperimente (habe nur Der Krebs) + Entstehung der Krebszelle hineingearbeitet und mir den Text nochmal genauer durchgelesen. Also… Ich weiß nicht, ob ich übertreibe. Meine biologischen Kenntnisse sind sehr laienhaft, aber ich kann ganz gut den Inhalt von Texten verstehen. Und das, was der Dr. von und zu der Naturwissenschaften da schreibt, regt mich einfach nur auf.
Da beschreibt Reich die Entwicklung von Protozoen aus Bionbläschen, indem er stunden- und tagelang ins Mikroskop glotzt, das fotografiert und filmt, was von DeMeo und anderen nachvollzogen wurde, und dieser „Biologe“ erdreistet sich zu der Behauptung: „Nach aller heutigen Kenntnis handelt es sich weder bei den Koazervattropfen, noch den Mikrosphären und Bionen um Leben und auch nicht um Vorstufen in dem Sinne, daß daraus jederzeit wieder Leben entsteht.“ Ja, meine Güte, was haben die denn sonst bitte beobachtet? „Cysten“. Sind Cysten vor ihrer Entwicklung zu Protozoen unsichtbar (sowas weiß ich als Laie z.B. nicht, bitte um Aufklärung)? Reich schreibt jedenfalls: „Von Bakterien, Zysten oder Protozoen ist auch bei 4000x Vergrößerung nichts zu sehen“ und: „[Die Bionhaufen mit Membran] nehmen immer prallere Form an und sehen tatsächlich wie Zysten aus. Aber es sind nicht eingetrocknete Protozoen, sondern Gebilde in Entwicklung aus Bionhaufen.“
Außerdem hat sich das Folgende mit der PDF erledigt: „Auch wenn Reich, um sicherzugehen, Gras bei bis zu 80 °C sterilisierte und dennoch Protozoenentwicklung in seinen Heuaufgüssen fand, ist dies kein Widerspruch, denn C. cucullus Dauercysten überleben z.B. eine Behandlung mit 2%iger Salzsäure bei 97 °C (Grave, 1975).“ DeMeo autoklavierte mit 130° C.
Und was faselt er noch? „Es wird also kaum gelingen, in nährstoffreichen Lösungen eine Entwicklung von Protozoen einzuleiten, wenn sich keine Substanzen mit anhaftenden Cysten darin befinden, wie z.B. beim Heuaufguß.“ Aber genau das ist doch geschehen, oder irre ich mich??

Peter: http://charleskonia.com/editorials/project-protozoa/

Sebastian: “Project Protozoa” ist noch am Laufen oder besitzt das ACO schon die Aufnahmen?

Peter: Meines Wissens wurde vom ACO noch nichts in dieser Hinsicht veröffentlicht. Problem ist weniger das Phänomen selbst, sondern es so darzustellen, daß es 100% beweiskräftig ist. Bis dahin beispielsweise: http://www.youtube.com/user/arvec2

Peter: http://www.cellulacancerosa.it/
Der Biologe Dr. Armando Vecchietti.

Warum wird die Orgonomie übergangen? (Teil 1)

28. September 2015

Reichs Mitarbeiter und späterer Biograph Myron Sharaf hat zu dieser Frage in einem seiner frei gehaltenen Vorträge etwas gesagt, was mich sehr beeindruckt hat:

(…) Ich gewinne häufig den Eindruck, daß die Orgonomie nicht gesehen wird. Es gibt eine sehr gute Redewendung, von einem Literaturkritiker, derzufolge du nicht in der Lage bist etwas anderes zu sehen, solange du nicht bereit bist selbst gesehen zu werden. Und die meisten Menschen sind nicht bereit, von der Orgonomie gesehen zu werden – die Einsichten, die sie über sie enthüllen würde. Deshalb können sie sie nicht sehen. (Pulse of the Planet Vol. 5, S. 52)

Ich muß dabei an Kinder denken, die, wenn sie sich selbst die Augen zuhalten, glauben, daß sie auch für andere unsichtbar sind. Ähnlich ist es mit der Reaktion auf Reich.

Aber das ist nur Psychologie. Das Problem geht weit tiefer:

Wilhelm Reichs größte Sorge hinsichtlich der Zukunft der Orgonomie war, daß das Konzept Genitalität von zukünftigen Generationen ignoriert oder entstellt werden würde. Tatsächlich erachtete er es für sehr wahrscheinlich, daß die Orgonenergie von den Physikern lange vor den Medizinern akzeptiert werden würde. (von E.F. Baker überliefert, Journal of Orgonomy, Nov. 1987, S. 154)

Zunächst glaubte Reich, daß der Widerstand gegen die Entdeckung der Lebensenergie daher stammte, daß er sie in Verbindung mit der Entdeckung der Funktion des Orgasmus entdeckt hatte und natürlich war er seit langem vertraut mit den sexuellen Tabus und der sich daraus ergebenden Angst vor der natürlichen Sexualität. Später fühlte er, daß, obwohl die Angst vor den sexuellen Tiefen dazu beitrug, die tiefere Ursache mit dem Kontakt mit der kosmischen Lebensenergie zu tun hatte, dem Kern und Urquell unserer Existenz. (Er brachte dies mit dem biblischen Verbot Gott zu erkennen in Zusammenhang.) (von Lois Wyvell überliefert, Offshoots of Orgonomy, Spring 1986, S. 8 )

Ich hatte nicht nur eine lähmende Angst mobilisiert, die Orgasmusangst, sondern ich hatte ihre gesamte Existenz angegriffen, die Fähigkeit, ihr gepanzertes Leben fortzusetzen. (Wilhelm Reich 1955, Ausgewählte Schriften, S. 476)


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