Posts Tagged ‘Sexualität’

Orgontherapie nach Wilhelm Reich

3. Januar 2017

In vieler Hinsicht ist die Orgonomie mit Reich gestorben. Er hatte wohl immer wieder Mitarbeiter, etwa Biologen, die ihr Fachwissen einbrachten, doch imgrunde wurde die Orgonforschung von ihm allein getragen. Der einzige Bereich seiner Tätigkeit, der sich selbst trug und den er Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre selbst weitgehend an andere abgetreten hatte, war die Orgontherapie. Er machte seinen Schüler Elsworth F. Baker, Psychiater und ausgebildeter Psychoanalytiker, für diesen Bereich zuständig. Beispielsweise war es Baker, der so etwas wie der „Familienpsychiater“ der Familie Reich war und zu Reichs Lebzeiten die Zeitschrift Medical Orgonomy herausbrachte. Nach Reichs Tod behauptete Baker, Reich habe ihm bei ihrem letzten Treffen vor seinem Gefängnisaufenthalt gesagt, daß er sich von allen anderen Orgonomen distanzieren solle und zusammen mit neu von ihm ausgebildeten Therapeuten die Orgonomie neu aufbauen sollte. Das ist glaubhaft, weil Reich zuvor ähnlich gehandelt hatte, etwa nach seinem Rauswurf aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1934, nach dem Scheitern der Sexpol 1936, seinem Fortgehen aus Skandinavien 1939 und den Belastungen, die mit der Pressekampagne, den Auseinandersetzungen mit der Gesundheitsbehörde und dem ORANUR-Experiment (1951) nach 1947 aufbrachen und die Orgonomie bereits vor seinem Tod grundlegend umformte.

Es kam, wie es kommen mußte: zu einem unheilbaren Bruch zwischen Baker und der überwiegenden Mehrheit von Reichs anderen Mitarbeitern. Ein Faktor war auch, daß, bis auf Michael Silvert, Baker der einzige Schüler Reichs war, der von Anfang an ein Konservativer war, während alle anderen mehr oder weniger linksliberal eingestellt waren und sich nur anpaßten, als Reich beispielsweise verkündete, daß „die Orgonomie“ Eisenhower bei seiner Wahl unterstütze. 1967 brachte Baker ein Buch heraus, Der Mensch in der Falle, in der er die drei Tabus einer gepanzerten Gesellschaft anging: Sexualität, Religion und Politik. In den ersten beiden Bereichen bestand von jeher Konsens unter Reichs Anhängern, aber Baker machte sich daran, Reichs entsprechenden Ausführungen aus den 1950er Jahren über Liberale (im amerikanischen Sinne, also Linke) und Konservative zu systematisieren. Die Kernaussage war, daß eine erfolgreiche Orgontherapie die Patienten konservativer machen würde. Wenn sie mehr in Kontakt zu ihrem „bioenergetischen Kern“ kommen, beginnen sie sich mit „dem Eigenen“ zu identifizieren, statt mit haltlosen „humanistischen“ Ideologien.

Derartige Ideen formulierten Baker und seine Schüler genau zu jener Zeit, als Amerika in Aufruhr geriet und die gesamte Kultur sich dramatisch nach links verlagerte, wobei neben Herbert Marcuse auch „Wilhelm Reich“ eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Zur gleichen Zeit bildete sich eine neue therapeutische Kultur heraus (Esalen, Encounter Groups, die Urschrei-Therapie, Reichs Schüler Alexander Lowen und seine „Bioenergetik“ wurden ungemein populär, etc.), als Baker streng darauf beharrte, daß ausschließlich voll ausgebildete und von den Fachverbänden anerkannte Psychiater Orgontherapeuten sein konnten. Baker war so etwas wie der ultimative Spielverderber.

In seinen letzten Jahren hatte Reich mit einer therapeutischen Herangehensweise experimentiert, bei der er sehr schnell mit der Auflösung des Körperpanzers voranschritt in der Hoffnung, daß sich die damit erreichten Ansätze von Genitalität im Laufe der Zeit selbst konsolidieren würden. Baker beharrte weiter auf dem „traditionellen“ Ansatz, bei dem mehr Nachdruck auf die Charakteranalyse gelegt wurde und Zeit keine Rolle spielen durfte. Auch stellte sich im Laufe der Zeit heraus, daß gerad der heutige Mensch, d.h. der Mensch in der antiautoritären Gesellschaft mehr Charakteranalyse benötigt.

Ein weiterer Faktor der Spaltung war der Orgonenergie-Akkumulator. In seinem Buch Der Mensch in der Falle hatte er sorgsam jede Erwähnung des Akkumulators vermieden und auch in dem seit 1968 erscheinenden Nachfolgeorgan von Medical Orgonomy, der Zeitschrift Journal of Orgonomy wird der Akkumulator ausschließlich in Zusammenhang mit Tierexperimenten und physikalischen Messungen erwähnt. Das mußte wie der ultimative Verrat an Reich erscheinen, zumal Baker bereits zu Reichs Lebzeiten ganz und gar nicht einverstanden war, wie Reich mit den Gesundheitsbehörden umging. Reich wollte offensiv für sein Recht kämpfen Menschen mit dem Akkumulator zu helfen, während Baker dafür plädierte, alles den Rechtsanwälten zu überlassen. Nach Reichs Tod schrieb Baker der FDA, daß er nichts mit dem Akkumulator zu tun habe und auch nichts zu tun haben wolle. Das hat einen zweifachen Hintergrund: erstens Angst, daß den heutigen Orgonomen das gleiche widerfahren könnte wie Reich selbst und zweitens ist da die berechtigte Angst vor den Berufsverbänden und Versicherern mit horrenden Regreßforderungen und einem effektiven Berufsverbot. In Europa besteht dieses Problem zum Glück nicht in diesem Ausmaß.

Hier zeichnet sich auch das eigentliche Problem der heutigen Orgonomie ab: Psychiater sind in den USA dermaßen in ein System aus überbordender Bürokratie und einem Berufsbild eingespannt, das sich ausschließlich um „Gehirnchemie“, das Verabreichen von Psychopharmaka und das „Management“ des Falles erschöpft (d.h. die Zuweisung an Neurologen, Internisten, etc. und vor allem an neuerdings weitgehend nichtmedizinische Psychotherapeuten), daß das Berufsbild des klassischen Psychiaters, der sich zum Orgonom fortbilden kann, zunehmend verschwindet. Es fehlt schlicht der Nachwuchs. Andererseits wäre es ziemlich absurd Nichtmediziner als Körpertherapeuten auszubilden und Nichtpsychiater angesichts einer Bevölkerung auszubilden, die zunehmend psychiatrisch auffällig ist („Frühstörungen“, Substanzmißbrauch, zerrüttete Familien, etc.).

Um was es hier zentral geht, kann man sich am Beispiel Alexander Lowens, dem Begründer der „Bioenergetik“ vergegenwärtigen. Er war einer der ersten Schüler Reichs in Amerika, aber leider nur Rechtsanwalt und Gymnastiklehrer. Deshalb wurde er von Reich aufgefordert Medizin zu studieren, wenn er wirklich als Therapeut arbeiten wolle. Dies tat Lowen dann auch unter großen persönlichen Opfern in der damals noch billigen Schweiz. Als er nach seiner Rückkehr nach Amerika aber auch noch Psychiater werden sollte, verließ er die Orgonomie unter dem Vorwand sie sei zu „kultisch“ geworden. Die Krankheitslehre, die er dann aber in einer Reihe von Büchern ausbreitete, zeigte genau das: den eklatanten Mangel an psychiatrischen Kenntnissen, so daß sein System geradezu gemeingefährlich ist, auf jeden Fall aber Verwirrung stiftet.

Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

24. Dezember 2016

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Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

Du kannst mir mal am Hobel blasen!

22. Dezember 2016

Kuang-Yi Ku von der Design Academy in Eindhoven, Niederlande, ein Zahnarzt, der zum Künstler wurde, will im Zahnlabor des King’s College in London die Art und Weise, wie wir über Medizin denken, mit Hilfe von Sexprothesen verändern. Sein Workshop ist Teil der Ausstellung „Mouthy“ der Science Gallery, in der Werke gezeigt werden, in denen sich Kunst und Wissenschaft vereinigen. In dem Artikel, in dem seine Arbeit vorgestellt wird, heißt es:

Die Wissenschaft hat keine große Erfolgsbilanz vorzuweisen, wenn es darum geht, menschliche Sexualität in Forschung und Praxis zu integrieren. Die Zahnmedizin betrachtet beispielsweise drei Funktionen für die Mundhöhle: Ästhetik, Aussprache und Kauen. „Es gibt eine andere Funktion, Sex, die in den Lehrbüchern nie erwähnt wird“, sagt Ku. „Ich komme aus der Homosexuellen-Gemeinschaft und ich erkannte, daß die Ausbildungsinstitute der Medizin sehr patriarchalische Systeme sind, sehr ernst, und die Professoren sind sehr traditionell, vor allem in den asiatischen Ländern. Folglich wollte ich mich diesem Zusammenhang nähern.“

Resultat ist eine Zahnprothese, die die Fellatio lustvoller machen soll. Zum erwähnten Workshop gehören auch Frauen aus der LGBT-Gemeinschaft der Universität. Fellatio-Hilfen sind für Lesben zwar irrelevant, doch die LGBT-Gemeinschaft sei im ganzen offener eingestellt, was Körperveränderungen betrifft, und sie böte so eine hervorragende Plattform dafür, wie Kunst und Wissenschaft zu diesen körperlichen Modifikationen beitragen könnten. Kuang-Yi Ku selbst plant, seine Prothese schließlich mit lebendem Gewebe zu überziehen und fest im Gaumen zu verankern und dergestalt den Mund so zu modifizieren, wie es den sexuellen Präferenzen des betreffenden Klienten entspricht. Der Leiter der Science Gallery sieht den umfassenden Zusammenhang:

Ein Gutteil des Denkens über Gesundheit löst sich vom Aufheben des Negativen von Krankheit, Tod, Schmerz und bewegt sich zu etwas das ihm eigen ist, den positiven Dingen, die wir mit Hilfe aller möglichen Interventionen anstreben sollten. Das ist demnach Teil einer Bewegung, die Technologie einsetzt und Wissenschaft benutzt, um das Leben zu verbessern und nicht nur um Schaden zu mindern.

Wie man bei Wilhelm Reich, Elsworth F. Baker und Charles Konia nachlesen kann, hat sich der linksliberale Charakter, also genau jene Klientel, die heute die entarteten Kunstgalerien und die „Wissenschaft“ dominieren, vollständig von seinem bioenergetischen Kern gelöst. Sexualökonomische Analysen im Sinne Reichs findet man heutzutage nur in konservativen Publikationen, während sich die linksliberalen in Geschlechtsgleichschaltung („Gendermainstreaming“) erschöpfen. Die Verknüpfung der Sexualwissenschaft mit ihren biologischen Grundlagen, wie Reich sie in der Orgonbiophysik vorexerziert hat, nimmt heute eine extrem „antibiologische“ Wende, d.h. die Körper sollen mit Hilfe von Robotik, Schnittstellen zum Computer und genetischen Modifikationen so modifiziert werden („Transhumanismus“), daß sie den pervertierten Trieben des gepanzerten Menschen entsprechen.

Die Zukunft wird ein Horrorfilm sein, dessen Grauen unser jetziges Vorstellungsvermögen übersteigt. Die einzige Überlebenschance der Menschheit ist die allgemeine Verbreitung der von Elsworth F. Baker und Charles Konia entdeckten soziopolitischen Charakterologie im allgemeinen und die Analyse des liberalen Charakters im besonderen. Siehe dazu Dr. Konias Blog http://www.orgonomie.wordpress.com.

Tantra (1996/1997)

10. Dezember 2016

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Tantra (1996/1997)

 

 

O. 2011: Ein sehr klar und bestens formulierter Beitrag. Er trifft den Kern des Gegensatzes zwischen den zwei sexual-energetischen Ansätzen. Nun beide Richtungen sind letztlich eine Quälerei – Psychotherapie ist kein Vergnügen und das, was wie pures sexuelles Vergnügen in Form von Tantra aussieht, womöglich mit einer schönen Frau, ist nicht nur sexuelle Triebunterdrückung, sondern zugleich Gehirnwäsche mit dem Ziel Körper und Geist (in diesem Fall kann man davon sprechen) zu formen. Energetische Aufladung als Machtinstrument für mystisch-religiöse Zwecke und zur Bildung von Abhängigkeiten mit Suchtcharakter.
Was hier unerwähnt bleibt, ist, dass die Reichzene mit ihrer socalled „Ogrontherapie“ (etc.) nicht anderes macht!!!
Energetisches Wissen kann immer wieder missbraucht werden zur Bildung faschistoider Strukturen. Dies wird natürlich nicht bewußt, so doch wissentlich angewandt und konzipiert. Wer hierfür blind ist, dem ist nicht zu helfen. Ohne ein vernünftige Psychotherapie – ich wage nicht mehr von Orgontherapie zu sprechen – ist eine faschistische Orgontherapie a la östlicher „Energetik“ vorprogrammiert. Und diese Form der „deutschen Orgonomie“ ist leichter zu ertragen, als sich mit den Schmerzen seiner Psyche in einer Körpertherapie auseinanderzusetzen.
Deswegen ist man noch lange kein „Reichianer“, weil man sich einen Orgonakkumulator baut und da reinsetzt, oder weil man Eva Reichs Methode benutzt, um andere von der „Reichlehre“ zu überzeugen. Man ist noch derselbe Faschist, der man vorher strukturell war. Nur dass hier keine Rassenideologie verbreitet wird, sondern Reichs Dogma „orgastischer Puslation“ zum Kriterium für die Heilslehre genommen wird.
So wird aus einem kleinen privaten esoterischen Interesse eine faschistische Interpretation und Okkupation der Orgonomie. PN hat den Mut dies hier in den vielen Artikeln zu diskutieren. Und die Vermischung von blauen, roten und braunen Faschismus zerstört jeden Ansatz Reichs Gesellschaftskritik zu einer erkenntnistheoretischen und strukturellen Veränderung werden zu lassen. Es macht keinen Unterschied, ob Reich bildlich gekreuzigt wird, seine Bücher verbrannt werden oder ob man Reich auf diese Weise vertritt und in den blauen Himmel der lebensenergetischen Forschung lobt, wo die Engelchen fliegen.

Klaus: „Meditation führt zur Panzerung des okularen Segments und zur Zerstörung des Orgonenergie-Feldes.“
Solche Aussagen interessieren mich sehr; ich kenne regelmäßig Meditierende, die mir tatsächlich irgendwie so vorkommen, und eigene Versuche z. B. mit Stille-ChiGong erweckten bei mir den Eindruck einer merkwürdigen Einkapselung des Energiegefühls in einzelne ‚Bahnen‘, was einerseits für eine Weile konzentrationsfördernd sein konnte, sich andererseits aber unangenehm künstlich und verengt anfühlte. Doch gibt es Erfahrungen – etwa aus therapeutischer Praxis -, die diese Annahme in Bezug auf das okulare Segment und das Orgonfeld genauer stützen?

Peter 2011: Ich verweise etwa auf http://www.w-reich.de/nelson.html
Noch etwas:

Yoga, meditation, and mind control are processes of relaxed concentration that slow down the autonomic functions (breathing, heart, etc.) whereby the intuitive and telepathic processes are tapped. Demonstrably, they work, despite the mystical trappings usually associated with them; but, for most, they lessen contact with their direct organ perceptions. This was as true for me when I took courses in mind control and meditation, as it was for some of my classmates. Yet, when these orgonotic senses are used spontaneously and naturally, they have no side effects. Dr. Elsworth Baker says he habitually uses this kind of contact in treating patients, but he doesn’t hold his breath or slow down his heartbeat. When I, on rare occasions, have spontaneously had telepathic and intuitive experiences, they have not been accompanied by any detectable changes in other functions. This is not conclusive, but it is fairly good circumstantial evidence that mind control, meditation, and yoga are artificial, forced ways of achieving what is natural to the unarmored. The deliberate efforts to attain orgonotic sensory perceptin tend to fail or are at least miniscule in their results compared to the great effort put into them, probably because they are an effort to force an orgonotic function, and that doesn’t work any better than does trying to force love or human contact – they are purely spontaneous events that occur from the free flow of energy. (Loi Wyvell: „Orgone and You“ Offshoots of Orgonomy No. 1, S. 19f)

Tzindaro 2016: While in India, I visited a Reichian Ashram where the guru had a copy of Reich’s function Of The Orgasm on his bookshelf. He told me he thinks he is the only married guru in India. He said this is because his own teacher had a stroke at the age of 75 and after meditating on it, told his students he thought it had happened to him because of pent-up pressure from more than 50 years of sexual abstinence, so he advised his students to marry.

Denis Roller 2012: Ja, es gibt sie noch, die echten Vampirjäger, Exorzisten und-Männer. Nehmt euch in Acht ihr Spassemacken. Wir fackeln nicht lange…

Klaus: „Liste von „Erleuchteten“, die an somatischen Biopathien, insbesondere Krebs, verreckt sind“
Darüber wüsste ich gerne mehr!
Warum ‚Erleuchtung‘ überhaupt erstrebenswert sei, wird auch nie gesagt.

Klaus: Etwa so stelle ich mir das vor: http://blog.stuttgarter-zeitung.de/licht/2011/03/15/erleuchtungsram/

Robert: Der einzige Heilige in Hamburg-Altona

O.: Wer bei Reich bis jetzt die Erleuchtung des Orgasmus gefunden haben mag, wird hier fündig:
Nein jetzt kommt nicht Fischers Seite, sondern die hier:
http://www.advaita-tantra.de/wordpress/

Robert: Hier mal was zum Thema Körpertherapie bei Amazon läuft
http://www.amazon.de/gp/bestsellers/books/557528/ref=pd_zg_hrsr_b_1_5_last

Robert 2014: OSHO: Jenseits der Grenzen des Verstandes. Das Märchen von der Psychologie
Wilhelm Reich, ein Tantra-Meister unserer Zeit
Der deutsche Psychologe Wilhelm Reich stieß auf ein paar innere Geheimnisse der Bioenergetik, und er wandte sie auch in der Behandlung seiner Patienten an. Aber man warf ihm vor, er sei anti-sozial; er wurde eingesperrt und für verrückt erklärt. Was war es, woran Reich gearbeitet hat und woran ist er gescheitert ? … Wilhelm Reich fing an, mit der menschlichen Energie zu arbeiten. Und natürlich, wenn du mit der menschlichen Energie arbeitest, dann stößt du unweigerlich auf die Quelle von allem – und das ist die sexuelle Energie … Und im Gefängnis müssen sie ihn ungeheuer gequält haben. Er war kein Mann, der so leicht zerbricht; er war ein ausgeglichener Mensch, und diejenigen, die ihn kannten, haben bezeugt, dass es nur wenige gibt, die so stark, so in sich gefestigt und mit beiden Beinen auf der Erde sind, wie er es tat – aber im Gefängnis wurde er verrückt. Ich habe den Verdacht, dass man ihn mit Absicht in den Wahnsinn getrieben hat … Ich nenne Wilhelm Reich einen modernen Tantra-Meister, obwohl er selbst sich dessen nicht bewusst war. … Wilhelm Reich wird eine Renaissance erleben, denn was er getan hat, war absolut wissenschaftlich. … Er gehört zu uns. Ich gebe ihm nachträglich Sannyas.
http://h0rusfalke.wordpress.com/bernd-senf-uber-wilhelm-reich-die-bildung-des-charakterpanzers-in-der-kindheit/

emotion (Teil 2: Therapie)

17. November 2016

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emotion (Teil 2: Therapie)

 

 

Robert 2009: Was sind eigentlich die Hintergründe dieser Auseinandersetzung? Warum wird die Autorität Dr. Bakers angezweifelt? Gibt es mehrere konkurrierende Reich-Schüler, die behaupten, sein Nachfolger zu sein?

Darauf Peter: Als Reich noch lebte, galt Reichs Autorität als vereinigendes Band. Nach Reichs Tod hatte man es mit Reichs Erbe zu tun, dem Trust Fund in Maine, der aufgrund der gerichtlichen Auseinandersetzungen so gut wie pleite war und um den sich Reichs Tochter Eva Reich und Reichs Ehefrau Aurora Karrer stritten, weil Aurora Karrer behauptete, Reich hätte sie als Nachlaßverwalterin bestimmt – im Testament stand aber Evas Name. Eva war mit dieser Aufgabe total überfordert und bat Baker, der Kopf der in und um New York herum tätigen medizinischen Orgonomen war, doch die Treuhänderschaft zu übernehmen. Nach einigem Hin und Her einigte man sich schließlich auf eine Patientin des medizinischen Orgonomen Chester Raphael, die finanziell unabhängig war und nach einer Aufgabe suchte. Als sich Baker und Raphael zerstritten, war der Bruch in der Orgonomie perfekt.
Reich hatte Baker zunächst inoffiziell dann offiziell als Ausbilder für neue Orgonomen bestimmt (je wie man es nimmt 1949, 1950 oder 1951), er war Supervisor (d.h. leitete das Seminar, in dem der Reihe nach alle Orgonomen ihre Fälle zur Diskussion stellten), er war Therapeut der Familie Reich und er war Herausgeber der Zeitschrift ORGONOMIC MEDIZIN. Mangels Artikel stellte er diese Zeitschrift nach Reichs Tod ein und führte sie dann 1967 als JOURNAL OF ORGONOMY weiter.
In diesem Zusammenhang zeichnete sich bereits der erste Konflikt ab, denn viele Orgonomen waren sauer auf Baker, weil der „eigenbrödlerisch“ sich weigerte, die Orgonomie bruchlos weiterzuführen, sondern stattdessen sich auf die Ausbildung neuer Orgonomen zurückzog. Baker behauptete später, Reich habe ihm das bei ihrem letzten Treffen nahegelegt: sich von den alten Orgonomen zu distanzieren, eine neue (hoffentlich geeignetere) Generation von Orgonomen heranzubilden und so die Orgonomie langsam wieder aufzubauen. Herr Lassek bezieht sich auf diese Behauptung Bakers, der 1968 Reichs alten Plan wieder aufgegriffen hatte, ein „College of Orgonomie“ zu gründen, im Sinne von „Kollegium“, eine Gemeinschaft der Orgonomen.
Hinzu kam, daß neben Reich selbst und dem Orgonomen Michael Silvert, Baker der einzige unter den Orgonomen war, der politisch konservativ eingestellt war. Weitere Faktoren: Aus Angst vor den Berufsverbänden, den Versicherungen (ohne Arzthaftpflichtversicherung keine Praxis!) und vor allem der FDA (der Gesundheitsbehörde, die Reich ins Gefängnis gebracht hatte) distanzierte sich Baker wohl nicht explizit, aber doch implizit vom Orgonenergie-Akkumulator, – was manche als ultimativen Verrat ansahen. Er schuf eine spezielle Nosologie für die psychiatrische Orgontherapie, die viele der alten Orgonomen nicht akzeptierten. Baker bestand im Gegensatz zu vielen anderen streng darauf, daß ausschließlich ausgebildete Psychiater als medizinische Orgonomen tätig werden dürfen. (Einzige Ausnahme war sein Schüler Robert Dew, ein Internist.)
Im Laufe der Jahre, angefangen mit Chester Raphael, distanzierten sich einige Orgonomen öffentlich von Baker, bis schließlich deren Schüler auftraten und frech die Frage stellten: „Wer ist denn schon Baker? Meine Tradition geht direkt auf Reich zurück.“ Sie wollen einfach die Lizenz haben, unkontrolliert drauf los therapieren zu können. Ihre, wie ich finde ziemlich kuriose, Haupttaktik besteht darin, Baker ins Lächerliche zu ziehen.
Verkompliziert wird das ganze dadurch, daß es seit zirka 1980 im von Baker gegründeten American College of Orgonomy selbst zu immer neuen Verwerfungen gekommen ist, aber das beruht weniger auf theoretischen Auseinandersetzungen, sondern vor allem darauf, wie man am besten die Zukunft der Orgonomie sichern kann. Beispielsweise sind in den USA praktisch nur noch orgonomische Psychiater als Psychotherapeuten tätig, während alle übrigen Psychiater Ärzte sind, die Psychopillen verschreiben. So stellt sich die Frage, ob man, dem Trend der Zeit folgend, nicht Psychologen und sogar Sozialarbeiter in Orgontherapie ausbildet. Ich persönlich halte das für Unsinn, weil gerade heute die Patienten teilweise so geschädigt sind, daß es wirklich eines Psychiaters bedarf.

Heiko Lassek:
Lieber Peter Nasselstein,
ich will nicht Bakers Kompetenz als psychiatrischer (!) Orgontherapeut in Frage stellen sondern den immer wieder – und seit der Münchener Konferenz (1984), bei der Vertretern skandinavischer Länder Mikrofone abgestellt worden, insbesondere bei Prof. Rolf Groenseth, der von Sicherheitspersonal vom Mikrofon weggedrängt wurde als er wie auch andere Schüler und Studenten von Ola Rakness (als da waren: Prof. Erik Groenseth und Björn Blumenthal aus Oslo, ein anderer Björn, Ralph und Jan – Ivor aus Bergen)) den ALLEINvertetungsanspruch des ACO in Frage stellte (übrigens wurde Prof. Rolf Groenseth von dem wie Luis de Funes erscheinenden Dr. Camarella (in meiner Anwesenheit im Beisein von Dr. Richard Blasband, dem damaligen Präsidenten des ACO und Nachfolger Bakers, Dr. Schwartzmann und Dr. Konia) – den weder Frederico Navarro noch Francesco Dragotto jemals ernst nahmen – als „linker Homosexueller“ denunziert, (was er nun wirklich nicht ist was würde es denn an sachlicher Kritik bedeuten, wenn er es gewesen wäre?)
meinen Hintergrund darstellen:
wie sie möglicherweise wissen, war – durch Tod im hohem Alter – und bin ich mit seit 1981 und im späterem Verlauf befreundet oder in engem, vertrauensvollen Kontakt mit allen Mitgliedern der Familie Reichs, als da wären Eva, Lore, Renata, Peter, Susan, Ilse Ollendorf – Reich, auch mit Dr. Chester M. Raphael – ausserdem in engster Freundschaft fast zwanzig Jahre lang mit Myron Sharaf und Giselle, Dick Blasband, Kathleen, Betty und anderen seiner Weggefährten, in jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit David Boadella, Björn Blumenthal, Will Davis und Vertretern der spanischen, portugiesischen, lateinamerikanischen, finnländischen, italienischen, kroatischen und natürlich österreichischen und schweizerischen Wilhelm Reich Bewegungen und möchte nur als Behauptung an dieser Stelle ausdrücken, das niemand der genannten Personen jemals eine Grundlage für diesen immer wiederholten Vertretungsanspruch des ACOs hat finden können; auch bei den von der EU finanzierten Recherchen 2004- 2006 von Antonin Svoboda und mir war kein Hinweis darauf zu finden (Schon 1997 habe ich im Goethe Institut Boston – unter dem Direktor Dr. Jürgen Keil – darauf hingewirkt, das der damalige Präsident des ACO, Dr. Peter Christ, anlässlich der mehrtägigen Feier zu Ehren Reichs überhaupt reden durfte: wieder ein von den Verantwortlichen des Goethe Instituts als peinlich bewerteter Vortrag über den Alleinvertretungsanspruch, warum eigentlich in diesem feierlichen Rahmen? Christ wirkt heute viel entspannter, siehe „Room for Happiness“. Übrigens sind auch Mary Higgins und ihr designierter Nachfolger Kevin Hinchey oben angeführter Meinung.
Kleiner amüsanter Nachtrag zu ihrem Beitrag „Frankensteins Tochter“: die Absetzung der Dame hatte ganz und gar enge persönliche, keinesfalls sachliche Gründe.
Dr. Nicolas Internetauftritt ist übrigens sympathisch.
Anfang 2010 ist der Beginn der Planung für einen weiteren Dokumentationsfilm aus dem über 90- stündigen Materials der EU – Recherche und alten Materialien anvisiert; wir arbeiten an den letzten Szenen mit Brandauer Anfang Dezember. Kevin Hinchey – zusammen mit James Strick – wird einen Dokumentarfilm über Wilhelm Reichs Jahre in Amerika drehen.
Sie sehen, ich werde unterstütze Sie durchaus mit Informationen, weil ich zahlreiche der Beiträge für sehr informativ halte und NIEMAND ausgrenzen will.
Herzlichen Gruß aus Berlin.

Peter antwortete:
Lieber Herr Lassek,
nur gut, daß ich nicht die Zeit gefunden habe, Ihnen sofort zu antworten, denn ich hätte mich (mal wieder) zum Idioten gemacht. Ich war nämlich drauf und dran zu schreiben, daß ich auch in München war und daß ich bezeugen könne, daß keine Mikrophone abgestellt wurden und niemand herausgeführt wurde. „Ich bin schließlich dabei gewesen!!“ Nun habe ich gerade mit jemanden gesprochen, der ebenfalls in München war – und der Ihre Geschichte bestätigt. Da sieht man mal wieder, wie vorsichtig man mit „oral history“ sein muß, denn ich hätte selbst unter Folter bezeugt, daß nichts an Herrn Lasseks Geschichte dran ist.
Ich erwähne das auch, weil wir alle wirklich vorsichtig sein müssen, wenn wir „Geschichten“ austauschen. Der hat das über Baker erzählt, jener hat dies erlebt, er kann dies bezeugen und sie hat jenes gehört…
„Trotzdem“ glaube ich Ihnen, daß Dr. Cammarella sich homophob und, na ja, sagen wir mal „undifferenziert“ geäußert hat. Zweifellos alles keine Glanzleistung, zumal eine solche Konferenz ja Leute zusammenführen und nicht neue Gräben aufbrechen soll.
Das Problem der Ausgrenzung begleitet die Orgonomie von Anfang an. Schon zu Reichs Zeiten. Ich kann nur immer wieder auf ZEUGNISSE EINER FREUNDSCHAFT verweisen, wo dokumentiert ist, wie Reich, auf ziemlich ungeschickte Weise, diverse „Reichianer“ in ihre Schranken weisen wollte, insbesondere Paul Ritter.
Was ich noch unbedingt erwähnen muß: in Ihrem ersten Kommentar haben Sie Dr. Nicola erwähnt und daß Sie ihn „einbinden“ wollen. Dazu: Dr. Nicola hat nichts mit diesem Blog zu tun. Ich glaube, er hat ihn bisher überhaupt nur zweimal besucht und neulich hatte er ganz vergessen, daß er überhaupt existiert. Also: alles, was hier steht, hat allein meine Wenigkeit zu verantworten. Ich bin kein „Sprachrohr“ und niemandem verpflichtet.
Immer direkt an Dr. Nicola wenden. Seine private Emailadresse findet sich auf http://www.w-reich.de unter „Kontakt“.
Vielleicht schreibe ich demnächst einen Blogeintrag, in dem ich etwas tiefer auf die von Ihnen angeschnittenen Themen eingehe.
Was schließlich Ihre Filmprojekte angeht habe ich eine Heidenangst. Ich traue mich beispielsweise einfach nicht WER HAT ANGST VOR WILHELM REICH? anzuschauen. Ich habe Angst davor, wie schon unzählige Male zuvor enttäuscht zu werden.

Robert an Peter: Danke für die profunde Auskunft.
Was ist denn mit den Psychoanalytikern und RET/NLP-Therapeuten in den USA, die verschreiben doch auch nicht nur Pillen?
Gibt es noch andere orgonotische Schulen ähnlich wie das College, die sich etwa auf Chester Raphael oder Schwartzmann beziehen?

Peter:
Lieber Robert,
soweit ich es sagen kann, hat Raphael, wenn überhaupt, sozusagen nur „inoffiziell“ Ärzte ausgebildet. Ähnliches trifft sicherlich auf Blasband zu. Schwartzman hat sich erst vor wenigen Monaten, wenn nicht Wochen vom College getrennt. Es gibt in Italien und Skandinavien Leute, die sich auf Ola Raknes berufen. Dann gibt es die Schüler von Victor Sobey (dem Orgontherapeuten von Jerome Eden) in New York, meistens Psychologen. Und natürlich das Institute of Orgonomic Science, das sich 1982 vom College abgespalten hat. Es wird von Morton Herskowitz geleitet, dem letzten noch lebenden Schüler Reichs.

Manuel: Bei der Gelegenheit möchte ich mal das Buch „Emotionale Panzerung“ von Morton Herskowitz empfehlen, das ich sehr hilfreich fand. Zur Zeit sind einige gebrauchte Exemplare bei Amazon günstig zu haben.
Es enthält viele Fallbeispiele aus der (Arzt-)Praxis von Dr. Herskowitz und ist deshalb sehr anschaulich, wenn auch nicht besonders systematisch – kein Lehrbuch im klassischen Sinn – gibt es überhaupt eines über Orgontherapie… ich glaube nicht. Dr. Herskowitz praktiziert übrigens immer noch, mit über neunzig, in Philadelphia.

Und schließlich Robert: Das Buch von Herskowitz ist größtenteils online verfügbar
http://tinyurl.com/ygwnoaz

Robert: Meine bescheidene Meinung zu „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?“.
Zuerst die Freude, dass es einen Film zu diesem Sujet mal wieder gibt.
Dann das Gefühl der Langeweile und Verwirrtheit in der ersten Hälfte, die dann aber weiterem Interesse weicht.
Zwischendrin häufig die Enttäuschung über entstellende Fehler, zB das Foto von Reich und Elsa, wobei über die Ankunft in den USA gesprochen wird oder das Nachsprechen wie bei einer Tonaufnahme, wobei es nicht die Stimme von WR ist (also so etwas wie Täuschung).
Bei allen Nachteilen und Angebereien in diesem Film: es kann froh machen, dass der Film es bis in das österreichischen Fernsehen geschafft hat. Er ist weder grob entstellend noch vermittelt er ein absurdes Bild von WR.

Jonas: Ich wurde von WER HAT ANGST VOR WILHELM REICH eher positiv überrascht. Generell erwarte ich auch eher das Schlimmste von solchen Filmen, was sich in diesem Falle definitv als unnötig erwies.
Ich war durchaus beeindruckt, wie viele größtenteils richtige Informationen hier in kurzer Zeit vermittelt werden.
Meine Kritikpunkte wären:
-Einige kleinere Sachfehler, z.B. wird in mindestens einer Texttafel der Originaltext Reichs, soweit ich nicht selbst eine falsche Version kenne, sinnentstellend verändert (zitiert wird da ungefähr „Man muss die Atmosphäre in der Psychiatrie und Sexologie VON Freud kennen…“ anstatt „…VOR Freud…“, wodurch die Textpassage meines Erachtens ihren Sinn verliert, geht es doch gerade um die Abgrenzung von Freud gegenüber der damaligen Mainstream-Wissenschaft).
-Einige Interview-Partner bekommen für mein Empfinden etwas viel Redezeit zugestanden, insbesondere Frau Prof. Keil, deren Äußerungen ich als ziemlich wirr empfand. Von anderen, zum Beispiel von Herrn Lassek oder auch Herrn Hebenstreit, hätte ich gerne mehr gesehen.
-Die bekannten Schwierigkeiten mit der Interpration, Reich sei ein Opfer der McCarthy-Ära gewesen. Der Film behauptet dies zwar nicht expilzit, unterschlägt aber, dass die Angriffe gegen Reich in den USA auch und gerade von links kamen. Im Film erscheint es so, als seien es mal wieder die „bösen Konservativen“ gewesen. Zumindest wird dies von dem Archivmaterial nahegelegt, mit dem die Kampagne gegen Reich illustriert wird (nämlich einige heutzutage ziemlich lächerlich wirkende Ausschnitte aus „pro-amerikanischen“ Propagandafilmen der 50er).
-Schließlich auch die bereits angesproche „Inszenierung“ des Films, zum Beispiel wenn zum ORANUR-Experiment Archivmaterial aus den 50ern gezeigt wird, dass wohl sicher nicht das Original-Experiment zeigt, aber auf den uninformierten Laien so wirken könnte.
Ingesamt aber durchaus ein gelungener Film.

Klaus 2010: „Zuerst die Freude, dass es einen Film zu diesem Sujet mal wieder gibt.“
Diese Freude erlebe ich nicht. Der Name „Reich“ und vor allem der Name „Orgon“ stehen aufgrund ihrer Verwendungen in der Eso-Szene längst für Mist. Daran ist durch ‚Aufklärung‘ über die ursprünglichen Arbeiten über die betreffenden Phänomene wohl nichts mehr zu ändern. Ich setze eher darauf, diese Phänomene – als physikalische, biologische und therapeutisch nutzbare – künftig möglichst ohne Bezugnahme auf jene Namen zu erforschen. Je mehr „Dr.“ vor dem Namen „Reich“ steht und je mehr Filme über den ach so großen einsamen genialen Mann gemacht werden, desto mehr erinnert einen diese Darstellungsweise an die abgeschmackte Art und Weise, in der etliche andere Leute als geniale und verkannte Entdecker verkauft werden. (Nebenbei: In Fachpublikationen würde man sich damit lächerlich machen, dauernd „Dr. Albert Einstein“ zu schreiben.)

O. 2014: Statt dass der Berliner Pulsationstheoretiker Heiko Lassek nach Amerika gefahren wäre und im ACO Therapie und eine Ausbildung gemacht hätte, gibt er an, dass er 1995 Blasband kennen gelernt hat (was ich bestätigen kann) und er nach seiner Vorstellung sein geschätzter Freund über 25 Jahre gewesen sei, der nachdem er Lassek kennen lernte schon nicht mehr Präsident des ACO war.
Lassek braucht diese ganzen „mein bester Freund“ Geschichten um die ersehnte Nähe zu Reich zu konstruieren und als „Orgontherapeut“ eine Anerkennung sich zu erschleichen, obwohl er keine Ausbildung oder bekannte Therapie auf dem Gebiet gemacht hatte. Er hätte die Zeit und das Geld gehabt, also warum hat er es nicht gemacht?
Vielleicht, weil er es nicht gebraucht hat, denn post mortem werden ihn seine Nachfolger (nicht Freunde) zum „verstorbenen Berliner Orgontherapeuten“ küren. Wie gut waren da noch die Zeiten, wo er sich energetischer Mediziner oder Vegeto/Orgontherapeut nannte.

David 2009: Im letzten Satz wird besonders deutlich, wie bei den „Reichianern“ „Panzerung“ einen ganz bestimmten Sinn bekommt. Es geht um den Kampf gegen die „Erstarrung“ der lebendigen Arbeit im „Kapital“, um den Kampf gegen das „System“!
Erstarrung – das haben wir am meisten in Systemen, welche auf dem Marxismus-Leninismus beruhen, wie z.B. noch heute in Kuba und Nordkorea. Überwunden wurden diese in Europa auf der Grundlage der Religion sowie dadurch, dass in einem Land, wo der Volkscharackter besonders freiheitsorientiert ist sich in den Achtziger Jahren eine Unabhängige Gewerkschaft gebildet hat: Polen.
Weniger Erstarrung, mehr Mitbestimmung der Arbeiter und Bauern gab es in Tito’s System in Jugoslawien. Dieses System war weniger zentral und planwirtschaftlich, war somit dem Kapitalismus ähnlicher, aber ähnlicher auch dem was die Arbeiterbewegung ursprünglich erreichen wollte, als Stalins System.
Über die langfristig mögliche Weiterentwicklung des „Titoismus“ verbietet sich jegliche Spekulation, da das System dort zerbrach: Infolge dessen dass die Leute ethnisch reine Gebiete wollten oder, wie in diesem Blog schon einmal vermutet, infolge russischer Verdeckter Operationen.
Was haben Jugoslawien, Polen und Kuba gemeinsam? Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft gab es dort nicht (nur in Polen wurde sie begonnen, aber bald abgebrochen, wenn ich mich nicht irre).

Peter: Dazu der köstliche Kommentar der heutigen Stalinisten:

Unter der Phrase der »Selbstverwaltung« der Betriebe wurde die Erstellung eines verbindlichen, im Interesse der Arbeiterklasse liegenden zentralen Wirtschaftsplans verhindert, und die Preise wurden weitgehend freigegeben. Damit standen die Betriebe, wenngleich staatlich, in Konkurrenz zueinander, und die Betriebsleiter konnten weitgehend schalten und walten, wie sie wollten, da die angebliche demokratische Kontrolle durch die Belegschaften auf dem Papier stehen blieb. Mit der »Selbstverwaltung« wurden sozialistische Ansätze liquidiert, wurde der Aufbau des Sozialismus verhindert. (Hervorhebungen PN)

http://www.kommunisten-online.de/Kommunisten/titoismus.htm
Es geht nicht darum, daß das jugoslawische Modell wirklich eine Farce war, sondern um den unüberwindlichen Gegensatz „Selbstbestimmung vs. Sozialismus“. Franz-Josef Strauß hatte ja so Recht: FEIHEIT ODER SOZIALISMUS!

Manuel: Ich würde das nicht als köstlich bezeichnen. Ich lache gerne und viel, aber das ist wirklich nicht lustig…sondern sehr, sehr traurig – aber diese Textstelle ist sicher gut geeignet, um manchen die „blauen“ Augen zu öffnen…

Robert: Zu Luigi De Marchi wäre noch zu sagen, dass er 1984 (dt. 1988, Der Urschock) ein Buch veröffentlichte, wo er die These aufstellte, die Geschichte der Menschen würde aus der „Angst vor dem Tod, sie zu verdrängen und sich in Illusionen des Heils und des ewigen Lebens zu flüchten, bestimmt“ (Cover, Rückseite). Zu Reich schreibt er: „Und nicht ohne Grund entwickelt Reich (…) in den letzten Lebensjahren Phantasien einer übermenschlichen Herkunft. (…) So werden auch bei Reich (…) die ruinösen und entstellenden Auswirkungen der Verdrängung der Todesangst mit seltener Deutlichkeit sichtbar; nicht nur wegen des unkritischen Festhaltens an einem einfachen heilsgeschichtlichen Mythos vom universellen Glück a la Naturalismus, sondern auch aufgrund der messianisch-paranoiden Verzerrung der ganzen Persönlichkeit. (…) Die Überlegung scheint plausibel, daß gerade bei Reich diese Verdrängung (…) so stark war, dass sie ihrerseits die dem naturalistischen Millennarismus ohnehin innewohnenden paranoiden Momente verstärkte.“ (S. 148)

Dazu Peter:

Ich habe das Buch besprochen. http://www.orgonomie.net/hdobespr1.htm#6.

Robert 2014: „Die Geschichte der „Reichianischen Bewegung“ in Europa zwischen den 1950er und 80er Jahren läßt sich in etwa wie folgt grob (sehr grob, aber nicht entstellend) zusammenfassen: Paul Ritter – David Boadella – Luigi de Marchi – Federico Navarro – Roger Dadoun und Gérard Ponthieu – Heiko Lassek und Bernd Senf.“
Was ist eigentlich mit den Freudomarxisten der Marxistisch-Reichianischen Initiative um Fritz Erik Hoevels?
Deren Schriften findet man in
http://www.amazon.de/Jahre-Ketzer-Fritz-Erik-Hoevels/dp/389484809X/ref=sr_1_27?s=books&ie=UTF8&qid=1396421124&sr=1-27

O. 2011: Zu erwähnen wäre hier noch die Fickgesellschaft ZEGG bei Belzig/Brandenburg, die sich auf Reichs angeblich „freie Liebe“ mit ständig wechselnden Partnern bezieht, ohne ihn verstanden zu haben.

Robert 2015: Zum ZEGG hier ein Film (im letzten Drittel)

O. 2014: Solche irrigen Verdrehungen der Reichschen Funktion des Orgasmus hin zu einem irgendwie „Lebendigen“, dem Hebenstreitschen Unverständnis des Orgasmus als „S-L-Formel“ von 1995 bis hin zur Darstellung als banaler Cosmic Superimposition – einer Überlagerungsfunktion (statt Sexualität) – oder einer Pulsationsfunktion sind wichtig zu benennen, und geschehen sie zufällig? Nein, sie liegen in einer Tradition von „Reichianern“, die das Wesentliche sich weigern wollen zu begreifen und einem (anderen) Paradigma folgen. Eben deshalb sind sie keine Orgontherapeuten, da IHRE ORGON-Theorie ein paradigmatisches Kunstprodukt (a la Hellmann) ist, eine Pulsationstheorie vom „Orgon“, dass sie nicht spüren, nicht greifen oder kognitiv erfassen können, dem sie die physikalische Existenz absprechen und sie nur als Oranurbombe noch wahrzunehmen imstande sind. Der Orgasmus wird zum Kastratenprodukt „lebendigen Pulsierens“ als Meditationserfahrung in einem Rosenkranz-Akkumulator, der per definitionem immun gegen Oranur sei, weil dieses nicht gespürt und erfahren werden kann.
Zur Erinnerung: Schon Ritter hatte eine „Orgonomic Functionalism“ Zeitschrift herausgegeben, die gegen Reichs Willen den Anspruch der Orgonomy verwässerte. Und Boadella setzte dies fort – Reich als verrückt bezeichnend in seiner Biographie – was in die EABP und DGK mündete, und von „Körperpsychotherapeuten“ fortgesetzt wird und ganz zu schweigen von der WRG.
Von außen betrachtet sieht natürlich alles so schön bunt und unabhängig aus, jeder erscheint individuell nur Reichs Interesse vertreten zu wollen, wie straff dieses Netzwerk organisiert ist, fällt erst auf dem zweiten Blick auf. Nur ein neuer Reich Schüler wird hier den Überblick verlieren, da die Spreu vom Weizen nicht zu trennen zu sein scheint.

Robert: „oder durch gleichgeschlechtliche Partner – wie bei der Homosexualität.“
Na, dann mal los…
http://www.amazon.de/Fist-Fibel-Einf%C3%BChrung-mit-Hand-Fu%C3%9F/dp/3867874360/ref=la_B001K1J7J8_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1396602104&sr=1-1

Peter: Alternative Erotik!
http://www.amazon.de/Das-Schei%C3%9Fe-Quartett-Voll-Kacke/dp/B004RU262O/ref=sr_1_cc_2?s=aps&ie=UTF8&qid=1396606852&sr=1-2-catcorr&keywords=schei%C3%9Fquartet

Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

1. November 2016

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Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

Der sexuelle Kampf der heutigen Jugend

25. Oktober 2016

Die Probleme, mit denen Wilhelm Reich während der 1920er und 30er Jahre in Österreich und Deutschland im „Kulturkampf“ konfrontiert war, unterscheiden sich im Grunde kaum von denen, mit denen sich seine Schüler noch heute in den USA auseinandersetzen müssen. Es werden jedenfalls noch immer die gleichen Dinge diskutiert.

90 Jahre später dreht sich in den USA die „liberale” schulische Sexualaufklärung darum, die Jugendlichen vor den verheerenden körperlichen, seelischen und auch geistigen Folgen von sexuellen Aktivitäten zu bewahren. Es wird ihnen vollständige sexuelle Abstinenz nahegelegt.

Die beiden Soziologen Bill McCarthy und Eric Grodsky konnten aufgrund landesweiter Erhebungen zeigen, daß es zwar eine Korrelation zwischen schulischen Problemen und sexuellen Aktivitäten außerhalb liebevoller Partnerschaften gibt, jedoch kaum ein Unterschied zwischen den schulischen Leistungen von Abstinenzlern und jenen Schülern festzustellen ist, die eine liebevolle sexuelle Partnerschaft leben.

McCarthy und Grodsky:

Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, daß die Schädlichkeit, die allgemein jugendlichem Geschlechtsverkehr zugeschrieben wird, größtenteils in nicht-romantischen Zusammenhängen auftritt. Diese Ergebnisse stellen die Richtigkeit von Programmen zur sexuellen Aufklärung in Frage, die jugendlichen Sex mit jeder Menge von negativen Folgen verbinden.

Offenbar geradezu revolutionäre Forschungsergebnisse für die USA Anfang des 21. Jahrhunderts. Genauso revolutionär wie die „überraschende“ Erfahrung, die Colorado gemacht hat: die Geburtenhäufigkeit bei jungen Frauen zwischen 15 und 19 fiel innerhalb von fünf Jahren um sage und schreibe 40 Prozent, als kostenlose bzw. verbilligte Verhütungsmittel an die entsprechende Klientel mit geringem Einkommen verteilt wurden. Die einzige Alternative, nämlich die „Erziehung zur Abstinenz“, führt nachweislich zu keiner Abstinenz, sondern allenfalls zu einem schlechten Körpergefühl und mehr Verantwortungslosigkeit.

Igitt: Bornemann

24. Oktober 2016

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Igitt: Bornemann

Zwischen Kinderfickern

9. Oktober 2016

Wenn nicht aktiv, so haben die 68er jedenfalls Kinderfickerei geduldet, diente es doch der „Befreiung“. Man denke nur mal an die Kommune 1 und die Kommune 2 oder an den „Provokateur“ Daniel Cohn-Bendit. Dazu die katholische Tagespost 2008:

Dazu gab es ja eine umfangreiche theoretische Grundlegung. Der marxistische Sexualtheoretiker Wilhelm Reich, der Star der Bewegung, schrieb: „Die Unterdrückung des kindlichen und jugendlichen Liebeslebens hat sich als Kernmechanismus der Erzeugung von hörigen Untertanen und ökonomischen Sklaven erwiesen“.
Das ist in der Tat der Punkt, an dem eine bis dahin eher humane Vorstellung von Befreiung der Sexualität umschlug. Das ist paradox: Das Kind muß zur sexuellen Freiheit gezwungen werden, aber was diese Freiheit sei, das definieren die Erwachsenen. Wenn wir uns ansehen, was in den Kinderläden und Familien passiert, was dokumentiert und theoretisch legitimiert worden ist, dann war 68 bezogen auf die Kinder eine grenzverletzende, keineswegs eine lässige Bewegung. Das ist auch ein Erbe von 1968. Es wurde und wird außer Acht gelassen, daß freie oder befreite Sexualität auch die Freiheit beinhaltet, nein zu sagen, Grenzen zu setzen, sogar, gegebenenfalls, auf Sexualität zu verzichten, im Zölibat zu leben oder eine unspektakuläre Sexualität zu haben oder nicht dauernd und mit jedem über sein Intimleben quatschen zu müssen.

Damals erschien im Stern ein Artikel über die 68er mit dem gleichen Reich-Zitat. Und das wiederum entstammte offensichtlich einem Artikel aus der Zeit von 1991.

2007 erschien im Spiegel ein guter ausgewogener Artikel über Neills Summerhill, in dem auch Reich kurz Erwähnung fand (was in der Berichterstattung über Neill und Summerhill nicht selbstverständlich ist). Es wurde sogar hervorgehoben, daß Summerhill nichts mit „antiautoritärer Erziehung“ zu tun hat.

Der deutsche Buchtitel hängt bis heute wie ein Fluch über der Schule. Dabei hatte Neill den Begriff antiautoritär nie benutzt, sein Motto war „Freiheit, nicht Zügellosigkeit“. Seine Schule war kein experimenteller Kinderladen, seine Schüler kamen klar mit der Freiheit. (…) „Laßt mich bloß in Ruhe mit den deutschen 68ern“, soll Neill oft gewettert haben.

Eine Kritik, die von einer ehemaligen Schülerin angebracht wird, ist sicherlich berechtigt: das Problem in Summerhill sind Lehrer, die ihre eigene Kindheit auf Kosten der Kinder nachholen wollen.

Irgendwo schreibt Neill (leider finde ich das genaue Zitat nicht), daß, wenn er von der Sexualität von Kindern und Jugendlichen spricht, er natürlich davon ausgehe, daß seine Leser wirklich erwachsen sind – und deshalb nicht selbst Interesse an „kindlicher Sexualität“ haben.

Genau das, daß Erwachsene aufgrund einer eigenen unerfüllten Kindheit emotional zurückgeblieben sind, trifft den Nagel auf den Kopf. Die 68er, die nie erwachsen geworden sind, haben ihre neurotische infantile Rebellion ausgelebt. Der Schaden, den diese antiautoritären Wichser der Orgonomie in Deutschland zugefügt haben, ist schier unermeßlich!

Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

8. Oktober 2016

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Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

 

 

Robert sagte 2010: Der Publizist William S. Schlamm,… rechtskonservativer Reich-Hasser
Es ist typisch für die vielen Konservativen, dass sie perverse Sexualität nicht von natürlicher Sexualität unterscheiden können und deswegen Reich missverstehen. Schlamm ist da beileibe nicht der Einzige. Der übelste Vorwurf ist, Reich hätte den sexuellen Kindesmissbrauch unterstützt.
Während die Konservativen Reich unterstellen, er fördere Perversionen, unterstellen ihm die Liberalen, er wolle eine genitale Diktatur errichten (und die Prä-Genitalität unterdrücken).

Klaus: Immer wenn ich anfing, was von Bloch zu lesen, war ich sehr gelangweilt, weil ich mich fragte, was er außer historischen Thesen zu bieten hat an allgemeinen Erkenntnissen. Und wenn da auch allgemeinere Erkenntnisse sind, kann man die kürzer und klarer zum Ausdruck bringen. Diese Standardautoren der Linken machten sich eben vierzig Jahre gut in Regalen – Suhrkamp hat ja gleich fürs Design gesorgt. Nun hatten die linken Studenten immerhin wenigstens Helden fürs Bücherregal – die gegenwärtigen haben u. a. wegen der standardisierten Veranstaltungen und Prüfungen meistens erheblich weniger Lektüreerfahrungen aus eigener Initiative. Nicht einmal mehr zum Protzen ist etwas im Regal aneinandergereiht.
Wie sehr z. B. Adorno bloß Kultstatus hatte (und z. T. noch hat) (wie mir scheint: ohne inhaltlich Umwerfendes mitzuteilen), merkte ich z. B. daran, dass in einem meiner spannendsten Seminare – über kleine Schriften Gottlob Freges – mein Nachbar einerseits heimlich, andererseits demonstrativ (Buch unterm Tisch, aber vor Seminarbeginn sichtbar) Adorno las.

Robert: Adorno hat allerdings mit die „Studien zum autoritären Charakter“ geliefert, womit er die Psychostruktur des faschistischen Charakters liefern wollte. Es hat allerdings mehr mit Sozialpsychologie statt Tiefenpsychologie zu tun. Ich bezweifele, ob er Reichs „Massenpsychologie“ gelesen hat – jedenfalls merkt man darin wenig (in der Suhrkamper Taschenbuchausgabe). Das Buch erschien 1950 als Sammelwerk in den USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

Jonas Says:
@Robert:
Habe leider die Quelle nicht parat, erinnere mich aber gelesen zu haben, dass sich Adorno im „autoritären Charakter“ stark an Reich orientierte – auch wenn er seinen Namen nicht erwähnt. In privaten Briefen diskutiert er dies aber. Er gibt Reich den Vorzug gegenüber Erich Fromm, da letzterer den Fehler beginge, die psychoanalytische Methode direkt auf die Gesellschaft anzuwenden, während Reich psychoanalytische und soziologische Methodik nach ihren Zuständigkeitsbereichen getrennt halten will.
Das man davon zugegebenermaßen wenig merkt, ist natürlich eine andere Geschichte. Zum Verhältnis Adorno-Reich sind sicherlich Laskas Arbeiten im LSR-Projekt lesenswert (Stichwort Re-pulsions- und De-zeptionsgeschichte).

Klaus: Wie trivial es ist, was er zum irrationalen Kampf gegen jegliche Autorität zu sagen hat – eben so trivial, wie das, wogegen er argumentiert, lächerlich ist. Daher wundern mich immer die vielen Worte, die dafür gebraucht wurden.

David 2015: Der libertinistische Gegenpart zum asketisch verträumten Bloch spielte Herbert Marcuse, der Prophet des Anspruchsdenkens, der Leistungsverweigerung und der anti-genitalen polymorph-perversen Erotisierung der Gesellschaft. Alles was die Spießer von je her den fortschrittlichen Menschen fälschlich andichteten, propagierte dieses Schwein.
Und Habermas?
Der wird doch auch immer wieder erwähnt – im Zusammenhang mit der Kritischen Theorie:
Zitat Wikipedia:
Wegen der Vielfalt seiner philosophischen und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten gilt Habermas als ein produktiver und engagierter öffentlicher Intellektueller.[2] Vom hegelianisch-marxistischen Ursprung der Frankfurter Schule hat er sich durch die Rezeption und Integration eines breiten Spektrums neuerer Theorien gelöst. Er verband den historischen Materialismus von Marx mit dem amerikanischen Pragmatismus, der Entwicklungstheorie von Piaget und Kohlberg
(ähnlich auch Loevinger – das sind doch die Stadien der moralisch-psychologischen Entwicklung des Kindes wenn ich mich nicht irre; Anmerkung von mir)
und der Psychoanalyse von Freud. Zudem beeinflusste er maßgeblich die deutschen Sozialwissenschaften, die Moral- und Sozialphilosophie. Meilensteine waren vor allem seine Theorie des kommunikativen Handelns
(kommunikatives Handeln klingt ziemlich modern, irgendwie facebook-like; nach Arbeitsdemokratie hört das sich aber gar nicht an, finde ich; Anmerkung von mir)
und, wiederholt inspiriert durch die diskurstheoretische Auseinandersetzung mit Karl-Otto Apel, seine Diskurstheorie der Moral und des Rechts.
Zitat Ende.
Irgendwie kommt mir das alles ziemlich „rechts“ vor und anfangen konnte ich mit Habermas noch nie was. Vielleicht konnte ich ihn noch nicht einmal verstehen.

Robert 2011: Zu Daniel Cohn-Bendit ein informativer Artikel von Bettina Röhl:
Vom Wutbürger zum Machtbürger
Daniel Cohn-Bendit ist eine Art Überpräsident der 68er Bewegung. Seine pädophilen Entgleisungen schaden ihm nicht. Jetzt schwingt er sich zum Oberrichter über Demokratie, Verfassung und die Schweiz auf. Von Bettina Röhl
http://fact-fiction.net/?p=5646#more-5646

Dazu Peter: Bei den lesenswerten Leserbriefen habe ich folgenden interessanten Link gefunden:
http://wireltern.eu/news/die-paedophilenpartei.html
Ich werde niemals soviel fressen können, wie ich kotzen möchte.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist Forderungen aus der CSU nach höheren Mindeststrafen für sexuellen Kindesmissbrauch ab.
Im „Hamburger Abendblatt“ nannte die FDP-Politikerin die geforderte Strafverschärfung für jede Form von sexuellem Missbrauch „reine Symbolpolitik“.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Justizministerin-gegen-schaerfere-Strafen_aid_949153.html
Ja, es ist symbolisch, daß in diesem Land Diebstahl härter bestraft wird als die Zerstörung einer Kinderseele.

O.: So wie Dieter E. Zimmer im Zeit-Artikel WR interpretiert und dieses Verständnis als das der 68-er hinstellt, wird den Studenten unterstellt sie wollten oder konnte WR nicht verstehen. Aber auch in den 90-ern wurde Reich in Belzig und Berlin in Reich-nahen Kreisen noch als Freifahrtschein zum Ficken missverstanden. Die meisten Reich-Schüler waren aber noch zu verklemmt, um überhaupt mal Sex zu haben, so musste sie dann bei den etwas lockeren sozialisierten Ex-DDR-lern/-innen sich abschauen, wie man einfach mal sich mit jemandem zum Sex verabreden kann.
Also auch in Berlin wurde noch geglaubt, bei „Reich-Lese-Unkundigen“, die aber durch Vorträge glaubten etwas vom genitalen Charakter verstanden zu haben, man müsse nur ficken und frei fließen. Die Eingeweihten wussten natürlich, dass das nichts bringen würde und das man ohne Therapie ohnehin nicht vorankäme.
Das Problem war aber vielmehr eine taugliche Therapie zu finden, wo doch niemand weit und breit eine Ahnung davon hatte … und so beißt sich die „sexuelle Revolution“ noch in ihren eigenen „Schwanz“ – wenn sie einen hat.

Peter 2015: Erneute Hetze von Rechts gegen Reich – angestachelt durch das linke Gesindel…
https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/02/linksanarchistische-kinderladen-der-68er-revolutionare-befreiung-durch-kindersex/