Posts Tagged ‘Rechtssystem’

Einen Punkt setzen

6. August 2017

Ich kann mich lebhaft an eine Diskussion mit einem Freund erinnern. Wir saßen in der Küche und sprachen über unser Rechtssystem. Meine Idee war, was wäre, wenn ein Mann in einem hermetisch abgeschlossenen ABC-Anzug, der keinerlei Spuren hinterläßt, hereinstürmen würde, das Küchenmesser aus meiner Hand risse und meinem Freund ins Herz stieße? Oder umgekehrt, was wäre, wenn ich ihn ersteche und behaupte der unbekannte „ABC-Mann“ wäre es gewesen. Wer wollte mir jemals das Gegenteil beweisen! Es gibt keine Zeugen? Er hat sich halt aufs Grundstück geschlichen oder das Schweigen der Zeugen wurde von der Mafia, der CIA oder wem auch immer erzwungen. Meine Fingerabdrücke befänden sich auf dem Messer? Ich habe damit gegessen! Und was alle anderen Spuren betrifft: wir haben eine Stunde zusammen in der Küche gesessen und er ist in meinen Armen gestorben! Welches Gericht der Welt will mich verurteilen?!

Die Antwort ist einfach: jedes Gericht der Welt! Es gibt so etwas wie eine Lebenswirklichkeit und die von mir aufgetischte Geschichte ist einfach lebensfremd. Hinzu kommt das Prinzip des Rechtsfriedens: man kann nicht alles bis in alle Ewigkeit widerkäuen, denn dann gäbe es keine einzige Verurteilung. Oder nehmen wir die unrühmliche Geschichte von Lee Harvey Oswalds Mord an Kennedy. Niemand kann 100prozentig ausschließen, daß Oswald tatsächlich unschuldig war, aber dann gäbe es kein einziges Mordurteil. Niemals und nirgendwo! Schließlich sind Staatsanwälte, Richter und Geschworene keine unfehlbaren Götter, sondern nur fehlbare Menschen. Bis es nicht irgendwelche neuen und umstürzenden Erkenntnisse gibt, ist eine Diskussion über Oswald oder irgendeinen anderen überführten Mörder vollkommen sinnlos.

Derartige Debatten haben nur eine Funktion: Verwirrung zu stiften. Das ist eine der Haupttaktiken der Emotionellen Pest. Eine Arbeitsgruppe arbeitet produktiv zusammen, man kommt zu Ergebnissen und es geht voran. Und dann betritt der pestilente Charakter (oder auch nur ein akut an der Pest erkrankter!) die Szene und bringt alles mit „neuen Gesichtspunkten“ durcheinander. Die einzige Funktion dieser „neuen Gesichtspunkte“ ist es vom Wesentlichen abzulenken. Und es ist ja nicht so, daß der Störer unbedingt falsch liegen muß, vielmehr ist in diesem Moment die von ihm präsentierte Wahrheit nicht zielführend. Man betrachte nur, wie sich Reich hoffnungslos in einem unentwirrbaren juristischem Wirrwarr verfangen hatte, nachdem ihm von dem Modju Michael Silvert eingeredet wurde, man müsse die objektive Wahrheit durchsetzen und sich nicht von Anwälten in juristische Spitzfindigkeiten verwickeln lassen. Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hatte Silvert vollkommen recht, doch das Ergebnis in der realen Welt war, wie gesagt, ein wirklich unentwirrbarer juristischer Wirrwarr.

Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hätte tatsächlich der „ABC-Mann“ meinen Freund erstechen können, könnte Oswald vollkommen unschuldig gewesen sein, etc.pp. Sich auf dieses Spiel einzulassen, bedeutet in die Falle zu tappen. Übrigens ist das auch der tiefere Grund für all die Spaltungen in der Orgonomie nach Reichs Tod. Immer ging es darum, daß Dr. Elsworth F. Baker und nach ihm Dr. Charles Konia sich gegen Leute wenden mußten, die die Orgonomie hoffnungslos vom Weg abgebracht hätten. Man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen.

Hierher gehört auch die Sache mit dem gestern erwähnten David Jacobs. Er ist Historiker und die Geschichtswissenschaft gehört zu den aufwendigsten Studienfächern überhaupt, weil man angesichts der überwältigenden Materialfülle lernen muß, das Wichtige vom Unwichtigem, das Charakteristische vom Zufälligen zu scheiden. So ist Jacobs auch ans UFO-Phänomen herangegangen, hat gesehen, daß hinter all den Geschichten ein wahrer Kern stecken muß und hat Jahrzehnte damit verbracht diesen Kern freizulegen. Sein Ansatz war dabei, sich nicht durch das verwirrende Material von der Wahrheitssuche abbringen zu lassen, sich auf das Wesentliche, den besagten „Kern“ zu konzentrieren und nicht Passendes als „Konfabulieren“ zu entlarven, d.h. als falsche Aussagen aufgrund von Fehlwahrnehmungen und Gedächtnisstörungen. Das Hauptkriterium dabei ist, ob etwas unabhängig voneinander von unterschiedlichen Zeugen bestätigt wird. Es ist ähnlich wie beim Fall Oswald: natürlich gibt es immer wieder einzelne Zeugen und Aktennotizen, die nicht zum Gesamtbild passen, aber das entspringt nach aller Lebenserfahrung mit einiger Sicherheit „Konfabulation“. Praktisch bei jedem Fall, etwa von „Schulmassakern“, gibt es hier und da Zeugen, die einen „zweiten Schützen“ gesehen haben wollen. Nochmals: man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen oder man wird nichts, rein gar nichts zuwege bringen!

Reich: Where’s the Truth? (2012)

28. Januar 2017

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Reich: Where’s the Truth? (2012)

Was würde ein orgonomischer Kanzler tun?

22. November 2016

Wäre nicht viel zu tun? Lauter „orgonomische“ Gesetze könnten eingebracht und „orgonomische“ Prinzipien angewendet werden! Tatsächlich würde ein „orgonomischer Kanzler“, der diesen Namen verdient, rein gar nichts bzw. weniger als gar nichts tun, d.h. er würde die gesamte Gesetzgebung seit etwa 1973 rückgängig machen, als die „Gesellschaftspolitik“ begann, die normale Politik zu überwuchern.

Die Menschen sollen selbst die Verantwortung für ihr Leben übernehmen und alles, was man tun kann, ist ihnen dabei sowenig Steine in den Weg zu legen wie irgend möglich. Nur ein Beispiel: Es gibt derartig viele Gutmenschen, deren gesamtes Fühlen und Denken dem Wohlergehen der „Unterprivilegierten“ gilt. Gut, schaffen wir den Sozialstaat ab, dann können sie sich frei entfalten und das Elend weitaus effektiver bekämpfen als ineffiziente Bürokratien. Auch die ach so moralischen Christen könnten sich endlich entfalten und „den Armen dienen“!

Alles, was ein genuin orgonomischer Kanzler zu tun hätte, wäre die Bekämpfung der Emotionellen Pest, insbesondere solcher Linker, die gar nicht selbst den „Armen und Entrechteten“ praktisch helfen wollen, sondern das Thema der „sozialen Gerechtigkeit“ nur benutzen, um selbst an die Macht zu kommen.

Gesetze und das gesamte Rechtssystem sind nur ein Ausdruck der gesellschaftlichen Panzerung (individuelle Fälle werden in das Prokrustesbett allgemeiner „Gesetze“ gezwängt!). Sie sollten auf ein notwendiges (!) Mindestmaß zusammengestrichen und die freiwerdenden Kapazitäten einer einzigen Aufgabe gewidmet werden: der Ausmerzung der aktuellen Emotionellen Pest und der Prävention neuer Ausbrüche dieser schlimmsten aller Epidemien.

Deutsche Politik

9. April 2016

Das Elend der Politik liegt darin, daß stets ein schuldiger gesucht wird. Beispielsweise sind entweder die Deutschen die Täter oder die Opfer. Etwa hier:

Dazu ist zu sagen, daß alle irgendwo Recht haben, alle Positionen verständlich und nachvollziehbar sind (mit Einschränkungen, etwa die Gesetze der Logik), doch der alles entscheidende Faktor nie genannt wird: daß jeweils Opfer gesucht werden, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Immer ist irgendjemand anderes schuld, nur nicht die eigene Irrationalität, die sich eben hier zeigt: indem Polen Deutsche drangsalieren (oder umgekehrt), zeigen sie ihren eigenen Sadismus und ihre eigene Kontaktlosigkeit, die einer lebensfeindlichen Charakterstruktur entspringen. Dies, die lebensfeindliche Charakterstruktur, ist der Feind. Bei aller irrationalen Politik geht es um den Versuch mit ihr umzugehen bzw. sich ihr (der besagte eigenen Verantwortung) zu entziehen und nicht etwa um die vermeintlichen Sachfragen. Egal, ob wir andere Völker oder Religionsgemeinschaften dämonisieren oder idealisieren, etwa Juden oder Mohammedaner, es ist jeweils nur Ausdruck unserer verkorksten Bioenergetik. Man braucht nur mit offenen Augen in die Welt zu schauen! Hier ein schönes Beispiel für solch einen hellsichtigen Menschen (bitte anschauen!):

Ein beliebiges Beispiel: Auf der Gegenseite des Globus gerät ein Kernkraftwerk aufgrund außergewöhnlicher Umstände und außergewöhnlicher Verantwortungslosigkeit außer Kontrolle – und als Reaktion darauf begeht Deutschland ethnisches, soziales und ökonomisches Harakiri. In Baden-Württemberg triumphieren der „Multikulturalismus“ (d.h. die systematische Islamisierung), die endgültige Zerstörung des Bildungssystems und die systematische Unterminierung eines Wirtschaftstandortes, ohne den der Rest der Bundesrepublik ins Mittelmaß absinken würde.

Ähnliches Irrationales wiederholte sich bei der „Flüchtlingskrise“ im letzten Jahr, als auf bundesdeutschen Bahnhöfen eine merkwürdige „Erweckungsatmosphäre“ herrschte und die ganze Welt zu Recht dachte, die zum Irrationalismus neigenden Deutschen würden mal wieder unter wotanischen Blutwallungen leiden. Eine vollkommen irre Massenhysterie beim Empfang von verachtenswerten jungen Männern, die Frauen und Kinder zurückgelassen hatten und zu feige waren, in den Krieg zu ziehen, um für ihre Gemeinschaften zu kämpfen!

Diese weltweit einmalige Reaktion erinnert fatal an den Nationalsozialismus, als ebenfalls Scheinprobleme, die von wirren Intellektuellen vorformuliert worden waren, die Massen in ihren Bann zogen. Es handelte sich damals und handelt sich heute um eine „gescheiterte Biologische Revolution“. Während die liberalen und sozialistischen Parteien an die Vernunft und den Realitätssinn appellierten, zelebrierten die Nationalsozialisten geradezu „politische Gottesdienste“ und sprachen fast ausschließlich das Gefühl an – das Gefühl, daß es einer grundsätzlichen „Umkehr“ bedürfe. Dem wachen Beobachter sollte sofort klar sein, daß das alles nur Show war und man tatsächlich mit der eigenen Panzerung rang.

Heute verkörpern die Grünen den offensichtlichen Wahnwitz. Ich erinnere daran, daß es in Deutschland nur eine Partei mit einem bewaffneten Arm gibt: die Grünen mit ihren „autonomen“ Sturmabteilungen, die im Rahmen der „Bewegung“ (sic!) für Nötigung, Sabotage und Sachbeschädigungen zuständig sind. (Einer aus diesem Mordgesindel wurde sogar Außenminister!) Wahlveranstaltungen mißliebiger Parteien werden gestört, Wahlplakate niedergerissen (ich habe noch nie ein zerstörtes Grünes Wahlplakat gesehen!) und durch gezielten Terror jede politisch unkorrekte Öffentlichkeit ausgeschaltet.

1968 schrieb Ulrike Meinhof in konkret:

Wir wissen – von Freud, Reich, Mitscherlich u.a. –, daß wir Deutschen mehr Schwierigkeiten als andere mit unseren unterdrückten Aggressionen haben, weil wir die, die wir hassen müßten, die unsere Aggressionen unterdrücken und unterdrückt haben – Vorgesetzte, Eltern, die da oben –, nicht hassen dürfen.

Stattdessen hätten wir unseren Haß auf die Juden, Kommunisten und Kriminellen gelenkt (Ulrike Marie Meinhof: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aufsätze und Polemiken, Berlin 1986, S. 163f).

Ziemlich interessant, wie man sich damals auf Reich berief, um seinen neurotischen Ödipuskomplex gegen „Vorgesetzte, Eltern, die da oben“ zu mobilisieren. Wenn das kein Faschismus ist, dann weiß ich nicht! Ich meine, diese elenden, unsäglichen Kindsköpfe wollten dieses Land in einen Bürgerkrieg stürzen, „den Vietnam-Krieg in die Metropolen tragen“. Der neurotische („ödipale“) Kampf geht heute weiter und richtet sich gegen alles, was in diesem neurotischen Wahnsystem für den Vater steht. Was bei den Hitleristen die „jüdischen Plutokraten“ waren, wird heute von der Atomindustrie, Mercedes und „Stuttgart 21“ verkörpert. Politik hat nichts mehr mit Sachfragen zu tun, sondern degeneriert vollends zur Bewältigung emotionaler Probleme. Es geht nicht mehr um Realität, sondern Chimären.

Die wirkliche Biologische Revolution, d.h. die Bewältigung der neurotischen Struktur selbst, steht aus. Nur sie wird die Lösung bringen, die die Faschisten versprechen.

Die Menschenmassen, die so sehr leiden, biopathisch und sozial, werden gezwungen sein, rational zu denken und wieder Kontakt mit ihrem biologischen Grundwesen zu gewinnen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 410)

Eine Zusatzbemerkung: Ich werde von Lesern immer wieder aufgefordert, mich doch endlich hierzu oder dazu zu bekennen. Sie sehen einfach nicht, daß ich das nicht tun kann, solange dies ein orgonomischer Blog sein soll. Es geht um Bioenergetik und nicht um irgendwelche ach so grandiosen politischen Analysen!

Und schließlich noch etwas: In seinem Buch Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (Freiburg 2001) behauptet Fritz Erik Hoevels etwas, zu dem einem jede Menge Gegenargumente einfallen, das aber trotzdem „funktionell“ richtig ist: Leute wie Marx, Freud und Reich konnten trotz ihrer gesellschaftsstürzenden Denke überleben, weil zu ihrer Zeit, die Staaten noch wirklich unabhängig waren und etwa England sich niemals hätte von Preußen reinreden lassen, was subversiv tätige Emigranten wie Marx und Engels betraf. Auch war innerhalb der Staaten das Rechtssystem noch intakt, d.h. die Richter haben sich an den Wortlaut der Gesetzestexte gehalten, so daß es nicht wie heute reihenweise bizarre Überraschungen vor Gericht gab (Hoevels, S. 27). Wie gesagt, dem Leser werden jede Menge Gegenbeispiele einfallen, von der damaligen skandalösen „Klassenjustiz“ bis hin zum Völkerrecht, das es damals in diesem Ausmaß noch nicht gab, aber betrachtet man das ganze „funktionell“, nämlich nicht vom „Prinzip“, sondern vom Resultat her, hat Hoevels mit seiner Beobachtung vollkommen recht.

Die besorgniserregende Veränderung von der bürgerlichen Rechtssicherheit zur postdemokratischen Rechtsunsicherheit ist dem Übergang von der autoritären zur anti-autoritären Gesellschaft zu schulden. Dies geht einher mit dem Zusammenbruch der Gewaltenteilung und der Erosion der Staatlichkeit. Die Politik von Angela Merkel, die ganz auf Europa setzt, es zuläßt, daß ein Erdogan in Deutschland mitregiert und bei der „Energiewende“, der Schuldenkrise und der Flüchtlingskrise mit dem Recht nach dem Motto „legal – illegal – scheiß egal“ umgeht, ist das vielleicht beste Beispiel. Die lokale Autonomie bricht zusammen und es herrscht eine alles zersetzende „pubertäre Rebellion“, bei der den Autoritären die lange Nase gezeigt wird. Als Folge gibt es keinerlei Schutz mehr und fundamentale, politisch inkorrekte Gesellschaftskritik wird zu einem Vabanquespiel. Ich kann jederzeit im Knast landen oder gar an ein fremdes Land ausgeliefert werden!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 15)

15. August 2013

Schließlich muß auch etwas erörtert werden, was immer unter den Tisch fällt: Deutschland als Opfer der Emotionellen Pest. Ich will jetzt nicht mit den gezielten Bombardierungen von deutschen Zivilisten oder den von langer Hand geplanten antideutschen „ethnischen Säuberungen“ in den ehemaligen deutschen Ostgebieten anfangen oder gar von den Plänen für die Nachkriegszeit, die an einen Genozid grenzten. (Uns hat nur gerettet, daß man uns als Schutzschild gegen die Russen brauchte!) Hier möchte ich nur folgendes zu diesem Themenkomplex sagen: Es ist teilweise ungeheuerlich, was man sich von vermeintlichen „Antifaschisten“ in dieser Hinsicht anhören muß. Die betroffenen Deutschen hätten das verdient! Sie hätten den Preis für ihre Hitler-Verehrung bezahlt! Aus solchen Aussagen spricht die gleiche menschenverachtende Mentalität, die einen Goebbels geprägt hat.

Oder doch, die Bombardierung Deutschlands: die war gleich in doppelter Hinsicht eine bodenlose Bosheit, denn sie war sozusagen der Ersatz für die „zweite Front“, um die die Russen die Westalliierten seit Hitlers überraschendem Überfall geradezu angefleht hatten. Hunderttausende russischer Bauernjungen krepierten im deutschen Kugel- und Artilleriehagel, während die Westmächte die Russen bis Mitte 1944 hinhielten, d.h. erst nachdem der russische Vormarsch auf Europa ihre eigenen Interessen zu gefährden begann. Das werden die Russen (ob Kommunisten oder Antikommunisten ist hier egal) dem Westen niemals verzeihen! Außerdem wurde die zweite Front erst aufgebaut, als der Holocaust schon so gut wie erledigt war. Es war kein Krieg gegen Nazi-Deutschland und schon gar keiner zur Befreiung der Juden, sondern es ging einzig und allein um die nationalen Interessen der Alliierten.

Der Dreißigjährige Krieg von 1914 bis 1945 war vor allem ein imperialistischer Krieg auf allen Seiten, die beteiligt waren. England und Frankreich wollten diesen Krieg um ihre wirtschaftlichen Imperien zu erhalten und weiterzuentwickeln, Dazu mußte eine ernsthafte wirtschaftliche Konkurrenz auf den Weltmärkten verschwinden, während die Underdogs Deutschland und Österreich um ihren „Platz an der Sonne“ kämpften.

Selbst die USA realisierten, wie rücksichtslos und imperialistisch die britische Position stets gewesen war. Roosevelt zwang die Engländer die ökonomische Ausbeutung der Kolonien einzuschränken. Der Historiker Robert Trout hat dazu gesagt:

Die Briten waren nur dann für den Freihandel, wenn es zu ihrem Vorteil gereichte. Das britische Empire beruhte auf monopolistischen Handelsregeln, die Großbritannien bereicherten und die Kolonien verarmen ließen. Der Handel zwischen den britischen Kolonien und anderen Ländern wurde stark eingeschränkt.

Vor und nach den beiden Weltkriegen war Deutschland seit jeher die bei weitem friedvollste Nation unter allen zivilisierten Ländern. Sogar an den Kreuzzügen hatte sich Deutschland kaum beteiligt! Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ war Opfer von Napoleon Bonapartes militantem Imperialismus. In den 850 Jahren, die dem vorangegangen waren, war Deutschland weder bereit noch überhaupt fähig zu großartigen Kriegseinsätzen, während die imperialistischen Militärmächte von England, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Holland, den USA und so weiter die ganze Welt eroberten, Millionen von Einheimischen versklavten und töteten und ihre Bodenreichtümer plünderten.

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Seit der Frühen Neuzeit war das Reich strukturell nicht mehr zu offensiver Kriegsführung, Machterweiterung und Expansion fähig. Seither wurden Rechtsschutz und Friedenswahrung als seine wesentlichen Zwecke angesehen. Das Reich sollte für Ruhe, Stabilität und die friedliche Lösung von Konflikten sorgen, indem es die Dynamik der Macht eindämmte. Da seit 1648 auch benachbarte Staaten als Reichsstände in seine Verfassungsordnung integriert waren, erfüllte das Reich zudem eine friedenssichernde Funktion im System der europäischen Mächte.

So war Deutschland die eine und einzige friedenstiftende Nation, während alle anderen zivilisierten Länder innerhalb dieser 850 Jahre äußerst kriegerisch waren. Man denke nur an den Westfälischen Frieden, der ausgehandelt wurde, nachdem andere Nationen 30 Jahre lang ihre Konflikte auf deutschem Boden ausgefochten hatten. Diese schreckliche Zeit hat bis heute die Mentalität der Deutschen geprägt.

Während des Zweiten Reichs (nachdem Deutschland, als Revanche für die Niederlage gegen Napoleon, Frankreich geschlagen und wieder zu einer einheitlichen Nation wurde, wenn auch ohne Österreich) war Deutschland weniger kriegerisch als die anderen europäischen Länder. Während die anderen Nationen noch immer die ganze Erde ausbeuteten, konzentrierte sich Deutschland auf sich selbst. Mit Ausnahme von den kleinen deutschen Kolonien (Togo, Kamerun, Namibia) hatte Deutschland den höchsten Standard an Bürgerrechten in der ganzen Welt. Ein komplettes Sozialversicherungssystem für Minderbemittelte und die Arbeiterklasse wurde von Bismarck in den 1880er und 90er Jahren eingeführt, zu einer Zeit, als beispielsweise die britischen Arbeiterklasse von der sehr wohlhabenden Oberklasse extrem ausgebeutet wurde. Die im 9. Teil beschriebenen Zustände hatten in Deutschland nie in diesem Umfang geherrscht. In Deutschland hat es keine grotesken Figuren wie Churchill gegeben, der nie in seinem Leben ein Geschäft betreten hat, der nie ein Portemonnaie besaß und der die einfachen Menschen um sich herum nur als Gegenstände wahrnahm.

Man betrachte die Liste der Kriege und Schlachten im 19. Jahrhundert und im 20 Jahrhundert. Läßt man kleinere Grenzscharmützel beiseite, schält sich heraus, daß Deutschlands Streitkräfte kaum an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt waren. Während Großbritannien, Frankreich, Belgien, Spanien, Holland, Portugal, und so weiter jede Menge grausamer imperialistischer Kriege ausfochten, war Deutschland der große Friedensstifter, fast eine pazifistische Nation innerhalb einer extrem imperialistischen Welt.

Aus wirtschaftlichen Gründen (die Briten wollten ihre antiquierte wirtschaftliche Vormachtstellung und ihren zusammengeraubten Wohlstand behalten) war es immer britische Politik gewesen, die mächtigste Nation auf dem Kontinent zu bekämpfen und damit ihren gefährlichsten wirtschaftlichen Konkurrenten in Europa loszuwerden. Für dieses Ziel hatte Großbritannien in der Vergangenheit Kriege gegen Spanien und Frankreich geführt. Aber 1913 (zu einem Zeitpunkt, wo Deutschland 50 Prozent aller Nobelpreise gewonnen hatte und ein riesiges Potential an technischen Erfindungen und wirtschaftlicher Macht vorwies) wurde klar, daß Großbritannien einen Vorwand brauchte, um Deutschland in einen verheerenden Krieg ziehen und so zerstören zu können.

Daß sie dann schließlich gegen Hitler kämpften, ändert an dieser Grundmotivation zunächst einmal gar nichts, zumal sie selbst immer wieder deutlich machten, daß sie auch im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland in den Krieg zogen. Aufschlußreich ist die Times vom Ende 1918, wo zu lesen ist: „Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder beginnt Handel zu treiben, ist dieser Krieg umsonst geführt worden.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vorgehensweise diffiziler. Die deutschen Eliten wurden dazu gebracht,

Deutschlands Platz unter den westlichen Nationen dadurch zu sichern, daß die BRD das Geschichtsbild der Siegermächte in toto übernimmt und sich dadurch sozusagen moralisch unter die Sieger einreiht – freilich um den Preis einer Politikauffassung, wonach Politik in der Vertretung bestimmter Werte und Ideologien besteht, so daß die Vertretung „westlicher Werte“ im Zweifel Vorrang vor der Verfolgung eigener nationaler Interessen gewinnt.

Großbritannien (wie auch Frankreich) war auf Deutschlands Potential neidisch, denn Deutschland beherrschte den Weltmarkt nicht nur bei Stahl, Kohle und Elektrogeräten, sondern auch in Medizin, Wissenschaft, Musik, Philosophie, Technik, Chemie, Logistik, Bürgerrechten und der Sozialversicherung für Arbeitnehmer. Deutschland war das erste Land mit Schulpflicht, die durchschnittliche Bildung war die höchste in der Welt. Dies ist dafür verantwortlich, daß wir auch heute die breiteste Mittelschicht unter allen westlichen Ländern haben, während der Anteil der sehr reichen und sehr armen Bürger in England, Frankreich und den USA viel höher ist als in Deutschland.

Das war vor allem extrem bedrohlich für die Briten: Deutschland war historisch der Erfinder der „sozialen Marktwirtschaft“ (die sich bereits zu Bismarcks Zeiten abzeichnete), d.h. der Kombination von Freihandel und modernen Geschäftspraktiken plus vorbildlichen Sozialleistungen. Die damalige Angst der Engländer vor Deutschland kann man sich heute vergegenwärtigen, wenn man sieht, wie die amerikanische Gesellschaft, aber insbesondere die amerikanische Geschäftswelt, auf Investitionen großer deutscher Unternehmen in den USA reagiert: „Die machen uns ja den ganzen Standard kaputt!“ Deutschland war die Quadratur des Kreises gelungen, d.h. es war weitaus erfolgreicher als sowohl der sprichwörtliche „Manchesterkapitalismus“ als auch der Sozialismus und zwar auf beiden Gebieten: der Industrieproduktion und der sozialen Sicherheit. Auch das deutsche Rechtssystem war seit Friedrichs Zeiten weitaus besser als das seiner späteren Konkurrenten. Noch heute kann ein Deutscher angesichts des teilweise abenteuerlichen amerikanischen Rechtssystems nur seinen Kopf schütteln. Der „Fall Reich“ wäre im Nachkriegsdeutschland nur schwer vorstellbar gewesen.