Posts Tagged ‘Protestantismus’

Die gescheiterte Orgonomie (Teil 1)

13. Mai 2017

Es gibt zwei grandiose Mißverständnisse hinsichtlich der Orgonomie, die sich in entsprechende Fragen kleiden lassen:

Wo sind denn die tollen Ergebnisse der Orgontherapie? Wo die umstrukturierten, entpanzerten, gesunden genitalen Expatienten?

Warum hat es nach Reich keine neuen weltbewegenden Entdeckungen und Entwicklungen gegeben?

Die Orgontherapie ist die einzige, die einzige, Therapieform, die ein eindeutig umrissenes, klar definiertes und objektiv nachprüfbares Ziel anvisiert: die orgastische Potenz. Es geht dabei nicht darum, dieses Ziel zu erreichen, sondern die Patienten auf dieses Gleis zu setzen. Das ist der einzige wirkliche Wirkmechanismus. Es ist schon viel erreicht, wenn die Therapie aus schier unerträglichen Nervensägen einigermaßen vernünftige Menschen macht.

Bei der Orgontherapie ist es wie überall in der Soziologie und Psychologie. Um beispielsweise den Einfluß des Protestantismus auf die Menschen zu erforschen, muß man zunächst den Durchschnitt und die historische Entwicklung betrachten, so daß man bei Fallstudien an Einzelnen weiß, was man sinnvoller Weise untersuchen soll, um die Dynamik des Protestantismus im Vergleich zum Katholizismus zu verstehen. Man kann sich also dieser Frage nicht „wertfrei“ nähern! Kurz gesagt können Protestanten klarer denken und „klarer fühlen“, weil sie sich weiter vom heidnischen Obskurantismus entfernt haben. Alles andere ist irrelevant. Ähnlich ist das bei der Bewertung der Orgontherapie: es geht um den Entwicklungsprozeß.

Wie willst du entscheiden, was „gesund“ ist? Es kommen unendlich dumme Einwände a la, daß in katholischen Ländern die Menschen fröhlicher sind und ähnlicher irrelevanter Unsinn.

Und was die mangelnde Produktivität betrifft: Es herrscht allgemein ein Mißverständnis vor, was Wissenschaft und technische Entwicklungen betrifft. Nach einer wissenschaftlichen Revolution (etwa Galilei und Newton, später die Quantenmechanik) oder einer technischen (die Dampfmaschine, der Verbrennungsmotor und der Elektromotor) wird jahrhundertelang dran rumgedoktert, aber es gibt keine wirklich neuen Entdeckungen oder grundlegenden neuen Erfindungen. Die Materie ist wie sie ist, die Orgonenergie ist wie sie ist, d.h. ihre Eigenschaften sind jeweils überschaubar, nachdem jemand den Schlüssel gefunden hat, diesen Raum der Natur zu öffnen.

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Die bioenergetische Grundlage des Euro

7. Mai 2017

Die unterschiedlichen Währungen spiegeln die unterschiedliche Arbeitskapazität der Völker wider. Wegen des signifikant höheren Arbeitsethos haben beispielsweise die Währungen protestantischer (oder zumindest protestantisch geprägter) Länder eine höhere Kaufkraft als die katholischer Länder. Das gleiche gilt für klimatische und genetische Unterschiede (der IQ ist weitgehend angeboren). Nicht zuletzt spielen auch sexualökonomische Elemente mit hinein, d.h. je weiter das Land von „Saharasia“ entfernt liegt, desto durchschnittlich freier fließt die Orgonenergie durch den Körper. Eine freiere Sexualität entspricht einer größeren Arbeitsleitung. All das spiegelt sich im Nord-Süd-Gefälle innerhalb Europas wider. (Hinzu kommen Mitte-West- und Mitte-Ost-Gefälle.) Deshalb konnte man früher die Deutsche Mark oder den niederländischen Gulden nicht mit der italienischen Lira, der spanischen Peseta oder der griechischen Drachme vergleichen. Es waren zwei Welten, die miteinander auskamen, weil die unterschiedliche Kraft der Währungen das Gefälle zu etwas Positivem machten, d.h. etwa die Schwäche der Drachme machte es möglich, daß der Norden griechische Waren und Dienstleistungen nachfragte und so kostbare Devisen nach Griechenland flossen. Eine Situation, von der alle profitierten!

Dann kam in Gestalt des Euro der Angriff der Emotionellen Pest (d.h. der Gesellschaftspolitik). Rational wäre es gewesen, etwa die Währungen der Niederlande, Dänemarks und Deutschlands zu vereinigen und das dann langsam auszuweiten. Aber nein, gegen alle wirtschaftliche und bioenergetische Vernunft wurden den unterschiedlichsten Völkern die gleiche Währung aufoktroyiert. Griechenland wurde so zerstört, zu einem Bittsteller ohne jede Zukunftsaussicht degradiert, und Deutschland hat sich Verpflichtungen aufgebürdet, die uns eines Tages das Genick brechen werden.

Warum dieser Wahnsinn? Der Euro wurde durchgepeitscht, weil der „Zeitgeist“, d.h. die dominierende linksliberale Charakterstruktur, keine Unterschiede, letztendlich keine bioenergetische Erregung ertragen kann. (Sie wollen sogar die Geschlechter abschaffen!) Alles andere als ein europaweiter Euro wäre „rassistisch“ gewesen! Und das ist keine Theorie, so hat die SPD explizit argumentiert, als es um die Aufnahme Griechenlands ging.

Orthodoxie und Katholizismus

27. April 2017

Gestern schon wieder Ausführungen über Religion. Gibt es denn nicht wahrhaftig Wichtigeres? Nun, ich persönlich bin über die Religion zur Orgonomie gekommen. Genauer gesagt über Tantra und Bhakti-Yoga, d.h. das Bewußtwerden und die Mobilisierung der inneren Orgonenergie-Ströme („kosmischer Sex und kosmische Liebe“). In der Religion geht es nicht um „Erlösung“, „Gott“, „den Sinn des Lebens“ und den ganzen übrigen Mumpitz, sondern um den Umgang mit der organismischen Orgonenergie. Deshalb gibt es kaum wichtigere Ausführungen als solche religiöser Natur!

Der Osten ist vom orthodoxen „Denken“, d.h. einer bestimmten Art des organismischen Orgonenergie-Haushalts bestimmt. Typisch für den gepanzerten, will sagen „fragmentarisierenden“, Menschen haben der Osten und der Westen nur jeweils einen Teilaspekt der allumfassenden kosmischen Wahrheit erfaßt. Die Orthodoxie legte alles Gewicht auf die göttliche Natur Jesu. Damit hat die Theologie des Ostens zwar eine unvergleichliche Tiefe und Zwangsläufigkeit erlangt, doch – das Wesentliche klammert sie vollständig aus, weshalb sie die Menschen auch nie motivieren konnte gegen das Unrecht, gegen die Emotionelle Pest aufzustehen.

Schaut man sich die orthodoxe Ikonographie an, wird das Jesuskind immer als ernster, allwissender und alleskontrollierender „Erwachsener im Kleinformat“ dargestellt. Eine Identifikation mit dem „Kind der Zukunft“ ist fast unmöglich. Reich hätte sein Buch Christusmord niemals aus östlicher Perspektive schreiben können! Ausschließlich der Katholizismus (und der Protestantismus) macht es überhaupt möglich, sich Jesus als Mensch zu nähern und die Essenz des Christentums zu erfassen, wie es Reich in Christusmord abschließend getan hat.

Heute hat die westliche Kirche mitsamt ihrer krankhaften Theologie ihre Schuldigkeit getan, ist nur noch eine leere Hülle und gehört in den Orkus gestoßen, angeführt von ekligen Gestalten wie Papst Franziskus und den kommunistischen Clowns, die heute den Protestantismus repräsentieren. Fahrt zur Hölle!

Der orthodoxe Funktionalismus

26. April 2017

Ich bin immer wieder verblüfft, wie nahe doch die Orthodoxie dem orgonomischen Funktionalismus steht. Während der Katholizismus von der sozusagen „gradlinigen“ Emanation des Göttlichen geprägt ist (Gottvater zeugt den Sohn, der wiederum den Heiligen Geist schickt) und der Protestantismus mit seiner Kreuzestheologie von einem existentiellen Dualismus, nimmt die orthodoxe Kirche die Dreieinigkeit wirklich ernst. Sie prägt ihr gesamtes Denken. Wie das zum Ausdruck kommt, zeigt folgendes Beispiel:

In der linksliberalen Umweltbewegung ist der Mensch ein schädlicher Fremdkörper in der Natur und sollte am besten verschwinden, während bei den Konservativen sich der Mensch die Natur zum Untertan machen soll. Bei den einen hat die Natur, die zu einer Art Gottheit wird, Priorität, bei den anderen der Mensch, der sich im Auftrag Gottes die feindliche Natur aneignet. Die Auseinandersetzung dieser beider Lager prägt einen Gutteil des gesellschaftspolitischen Diskurses in der westlichen Welt. Die Herangehensweise der Orthodoxie ist eine grundlegend andere. Hier gehen der Mensch und die Natur beide aus dem, wenn man so will, „gemeinsamen Funktionsprinzip“ Gott hervor. Die Natur ist der unantastbare Tempel Gottes und der Mensch der Priester in diesem Tempel.

Corrington: Wilhelm Reich. Psychoanalyst and Radical Naturalist (2003)

31. Januar 2017

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Corrington: Wilhelm Reich. Psychoanalyst and Radical Naturalist (2003)

Warum Linke nichts in der Orgonomie verloren haben

12. Juni 2016

Zunächst ein Wort über das „Deutschland über alles in der Welt“ dieses Blogs: In der Orgonomie geht es um die Verteidigung und Durchsetzung des Eigenen (des bioenergetischen Kerns) gegen selbstzerstörerische Fremdbestimmung (die Panzerung). Ich gehe über alles, meine Familie geht über alles, Deutschland geht über alles in der Welt. Den anderen ist das gleiche jeweils unbenommen!

Aber hat nicht Reich, der doch so stolz darauf war ein „Bastard“ zu sein (tatsächlich war er reinrassiger Jude!), stets für Internationalismus und vor allem gegen den Rassismus gestritten? Hebt nicht Reich zufolge das „einheitliche Protoplasma“ in seiner Bedeutung alle nationalen und „rassischen“ Unterschiede gänzlich auf?

Betrachten wir das ganze funktionell:

rassismus

Autoritäre Faschisten, wie der neuerlich in dieser Hinsicht häufig zitierte Muhammad Ali, sehen mit pseudobiologischen Argumenten nur den Gegensatz, nicht das gemeinsame Funktionsprinzip und wenn, dann allenfalls als mystisches Abstraktum, aber nie konkret. Wenn es konkret wird, dann ist es „Rassenschande“, die angeblich „gegen die Natur“ ist. Der heutige anti-autoritäre „Antifaschist“ sieht nur das gemeinsame Funktionsprinzip. Offensichtliche Unterschiede werden auf die fadenscheinigste, manchmal geradezu schwachsinnigste Art und Weise vom Tisch gewischt und ebenfalls pseudobiologisch begründet („Es gibt keine Rassen!“). Zur Illustration hier und hier Gespräche zwischen einem „Neonazi“ und einem Multikulti.

Was Reich gesagt hat, gilt für die alte autoritäre Gesellschaft, wie sie heute noch in der durch und durch rassistisch-nationalistischen Türkei vorherrscht oder beispielsweise im „Land der Arier“ (dem Iran), in der anti-autoritären Gesellschaft des Westens ist es aber vollständig unangebracht. Entsprechend rasten die Umvolker der Elite in Politik, Wirtschaft und Medien (ich sage nur „Bertelsmann-Stiftung“) förmlich aus, wenn man von Deutschland (!) als Land der Deutschen spricht und sich dagegen wehrt, daß alle Rassen „beautiful“ sind, nur nicht die weiße. Priese ich die abessinische Nation und die abessinischen Negervölker so, wie ich es beim Deutschtum mache, postete ich abessinische Kriegstänze statt Deutscher Marschmusik, wäre für das komplett verpeilte linke Gesocks alles in Ordnung! Doch so bin ich ein deutschtümelnder Nazi…

Aus diesen Gründen hat das enthirnte linke Geschmeiß nichts, aber auch rein gar nichts in der Orgonomie verloren. Sie unterliegen dem (charakter-) strukturellen Zwang ihre eigene Gruppe zu zerstören. Das zeigt sich bereits anhand ihrer bloßen Existenz. Es sind fast durchweg Leute aus reichem Hause, Privilegierte, Studenten, Menschen aus traumhaft wohlhabenden Ländern, – die für „Umverteilung“ eintreten, also für die Zerstörung ihrer eigenen Gruppe, letztendlich der eigenen Familie, d.h. ihres Vaters. Ich für meinen Teil möchte solche Leute nicht in „meiner Gruppe“ haben. Sie sind die geborenen Verräter. Man schaue sich etwa dieses metrosexuelle Etwas an, das im modischen Che Guevara-Hemd und mit todschickem Palituch als amerikanischer Jude nicht nur für die Aufgabe der israelischen „Besatzung“ (sprich die Aufgabe urjüdischen Landes, das von arabischer Besatzung befreit wurde) plädiert, sondern auch für die Rückkehr der palästinensischen „Flüchtlinge“ nach Israel, d.h. für die Zerstörung Israels und für einen zweiten Holocaust:

Wäre diese Type Deutscher, würde er, a la Claudia Roth, davon träumen, daß Deutschland in einem Fahnenmehr von roten Türkenflaggen ertrinkt.

Würde man solche Leute nicht immer wieder durch gezielte Provokationen in die Flucht treiben, hätten sie die Orgonomie bereits restlos okkupiert und wenig später endgültig zerstört. Dabei geht es nicht um persönliche Sympathien oder die Wertschätzung irgendwelcher Expertise (die meisten dieser Leute sind durchaus sympathisch und könnten einiges an Fachwissen beitragen), sondern schlicht um den Kampf ums Überleben.

Man schaue sich an, was die Linken, die seit den 1960er Jahren Deutschland und ganz Westeuropa dominieren, angerichtet haben! Ihr Multikulturalismus und ihr anhaltender „Kampf gegen Rechts“ haben dazu geführt, daß europäische Kinder im Vorschulalter in immer größeren Landesteilen bereits jetzt in der Minderheit sind – innerhalb von 30 Jahren haben sie 2000 Jahre europäischer Geschichte der Auslöschung preisgegeben. Und sie machen sich deswegen vor Euphorie naß, siehe Claudia Roth.

Solche Leute können Opfer einer Vergewaltigung durch Flüchtilanten werden und…

Karsten Nordal Hauken steckt in einem tiefen, persönlichen Dilemma: Der Norweger, der sich selbst als Antirassist und Feminist bezeichnet, wurde vor rund fünf Jahren von einem somalischen Flüchtling vergewaltigt. Der Täter wurde damals gefaßt und ein Gericht verurteilte ihn zu einer viereinhalb Jahre langen Haftstrafe. Als die Behörden Hauken kürzlich mitteilten, daß der Somalier nach Absitzen der Strafe aus Norwegen ausgewiesen werde, überfiel das Opfer ein schlechtes Gewissen.

Ich erspare mir Beispiele im Bereich der Orgonomie, etwa das Reich-Schlachtfest, das zum Hundersten Geburtstag Reichs in den „Beiheften“ zur Veröffentlichung der Späten Schriften Reichs veranstaltet wurde oder wie linke Reichianer mit ihrer „Spiritualität“ alles plattwalzen. Auch wenn sie das Gegenteil von sich behaupten: sie tun alles, um die Orgonomie zu zerstören und jedes aufkeimende Interesse an Reich zu ersticken. Das ist ihnen größtenteils gar nicht selbst bewußt, weil es, wie gesagt, ein struktureller Zwang ist, dem sie unterliegen. Es hat noch nicht einmal spezifisch etwas mit der Orgonomie zu tun, denn sie zerstören wirklich alles, womit sie sich „identifizieren“ (bzw. eben nicht identifizieren). Linke sind regelrechte Todesengel.

Woher kommt dieser „Todestrieb“? („Todestrieb“ ist der passende Ausdruck. Man schaue sich nochmal das obige Video an!) Jede, wirklich jede, Neurose beruht letztendlich auf dem Versuch mit der genitalen Versagung („Ödipus-Komplex“) umzugehen. Frei nach Elsworth Baker und Charles Konia gibt es dementsprechend drei Typen von Linken:

  1. den Linksliberalen = genitale Rache, die vom Intellekt zurückgehalten wird: er ist „verkopft“, „oberflächlich“, mechanistisch und hat kaum Zugang zu energetischen Prozessen (was jeweils auch für die beiden weiteren Typen gilt).
  2. den Sozialisten = genitale Rache, die von der „sozialistischen Sehnsucht“ verdeckt wird: er ist antiautoritär, gleichzeitig aber unfähig unabhängig zu funktionieren – die typische widersprüchliche Struktur des Faschisten (was auch auf den folgenden Typen zutrifft).
  3. den Kommunisten = genitale Rache, die durch den Intellekt zum Ausdruck kommt: bei ihm dreht sich alles um Subversion und darum andere zu kontrollieren.

Die genitale Rache richtet sich gegen den Vater. Beim Linken drückt sie sich in einer alles umfassenden Rebellion gegen „das Überkommene“, gegen Gott, sogar gegen die Natur selbst aus. Beispielsweise bestreiten solche Leute vehement, daß gesellschaftliche Prozesse von der Charakterstruktur der Gesellschaftsglieder bestimmt werden. Sie sind prinzipiell unfähig das zu erfassen! Für sie sind es stattdessen stets irgendwelche oberflächlichen „gesellschaftspolitische“ Faktoren, die unser Geschick bestimmen. Letztendlich läuft es immer auf finstere Machinationen von Seiten „der Mächtigen“ hinaus = des Vaters. Dieser ödipale Schwachsinn wird dann als „Gesellschaftswissenschaft“ verkauft.

Die Genitalität wird entweder instrumentalisiert, um gegen die Autoritäten anzukämpfen oder sie verwandelt sich in vage Konzepte, etwa von „freier Pulsation“. Da sie vom bioenergetischen Kern abgespalten sind, leugnen sie die kosmische Orgonenergie entweder ganz oder sie verflüchtigt sich bei ihnen zu einem „spirituellen Agens“. Aus dem funktionellen Denken Reichs wird entweder eine Neuauflage des Dialektischen Materialismus oder postmodernes Geschwafel. Kein Gedanke kann vernünftig zuende gedacht werden, weil alles ständig hinterfragt und „dekonstruiert“ wird. Charakteristischerweise wird letztendlich auch der Person Reich (der Vaterfigur) nur mehr Verachtung entgegengebracht.

Der erste Typ (der Linksliberale) ist zwar kein pestilenter Charakter (Emotionelle Pest) im eigentlichen Sinne, aber wegen seiner emotionalen Oberflächlichkeit und seinem Hang zum Mechanismus ist er für die Orgonomie kaum geeignet. Reichs Biograph Myron Sharaf, ein grundanständiger Mensch, war so jemand. Die beiden anderen Charaktertypen sind demhingegen pestilente Charaktere, die in keinerlei Bereich eine Existenzberechtigung haben. Dabei tritt der Sozialist immerhin offen und unverblümt für seine „Ideale“ ein (die letztendlich auf Diebstahl hinauslaufen – „Umverteilung“), während der pseudo-liberale Kommunist (der modern liberal character) seine wahren Ziele verbirgt. Wenn man denn überhaupt von „Zielen“ sprechen kann, denn letztendlich geht es ihm um Subversion um der Subversion willen. Er tut so, als stünde dahinter ein Plan, der zum humanistischen Paradies auf Erden führt, tatsächlich geht es aber nur um Zerstörung.

Die Sozialisten findet man im Lager der meisten sogenannten „Reichianer“, die die Orgonomie dem Zeitgeist anpassen wollen (beispielsweise darf Homosexualität nicht mehr zu den Perversionen gezählt werden), d.h. sie wollen sie sozusagen „sozialisieren“. Zu den subversiven Modjus gehören Leute wie der jugoslawische Regisseur Dušan Makavejev mit seinem Film WR – Die Mysterien des Organismus oder neuerdings Christopher Turner. Typischerweise Journalisten, die sich mit Lügen und falschen Versprechungen in das Vertrauen von Vertretern der Orgonomie einschleichen, um ihr Verletzungen zuzufügen, unter der sie jahrzehntelang zu leiden hat. Es sind sozusagen die Kinder und Kindeskinder von Mildred Brady! Charakteristischerweise werden sie von den linken Reichianern verteidigt, teilweise sogar unterstützt und gefördert, selbst nachdem ihre Taten offen zutage getreten sind.

Es ist bei der Stalinistin Mildred Brady (1947), dem Kommunisten Dušan Makavejev (1971) und Christopher Turner (2011) immer die gleiche zerstörerische subversive Propaganda: Reich sei im weitesten Sinne ein Pornograph gewesen, der Orgonakkumulator schenke „orgiastische (sic!) Potenz“ (Turners angehender Bestseller heißt Adventures in the Orgasmotron) und Orgontherapie sei eine brutale, sadistische Angelegenheit. Auf einen Nenner gebracht: der Staat solle im Namen von Sitte, Anstand und Volksgesundheit der Orgonomie Einhalt gebieten!

Linke sind hoffnungslose Kreaturen, verlorene Seelen auf dem Weg in die Verdammnis. Man hält sie sich tunlichst vom Hals. Ohnehin sind sie nur schwer therapierbar (Linksliberale) bzw. als pestilente Charaktere prinzipiell untherapierbar (Sozialisten und erst recht Kommunisten).

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Linke haben ein für allemal nichts, aber auch rein gar nichts in der Orgonomie verloren, da aus allem, was sie anfassen, früher oder später ein Scherbenhaufen wird. Sie haben die Pädagogik reformiert. Ergebnis: immer mehr verhaltensauffällige Kinder. Sie haben die Schule reformiert. Ergebnis: Generationen von Vollidioten. Sie wollten den Niedergang des Protestantismus aufhalten. Ergebnis: die evangelische Kirche ist eine leere Hülle. (Siehe dazu Christusfunktionalismus (Teil 2).) Sie wollten die Sexualität befreien. Ergebnis: die Menschen sind sexuell frustrierter denn je. Sie wollten die Frauen emanzipieren. Ergebnis: noch nie waren Frauen so unsicher und so unglücklich. Sogar den Kommunismus selbst haben sie zerstört (Gorbatschow)! Unter ihren ungeschickten zwei linken Händen hat nichts bestand. Nichts Menschengemachtes und nicht mal Naturgegebenes (man denke nur ans „Gender Mainstreaming“).

Hätte Elsworth Baker nach Reichs Tod sich nicht von fast allen anderen (durchweg linksliberalen) Orgonomen getrennt und die Orgonomie mit seinen eigenen Schülern neu aufgebaut, gäbe es die Orgonomie heute nicht mehr bzw. wäre sie zu einer leeren Geste verkommen.

Sophia und Christus

14. November 2015

In der hebräischen Bibel findet sich noch ein einigermaßen ungebrochenes Verhältnis zur Sexualität, so spricht z.B. Sara ganz ausdrücklich von der „Liebeslust“ mit ihrem Gatten (Gen 18,12). Jungfräulichkeit ist dem alten Hebräer ziemlich gleichgültig.

Das Auftauchen von weiblichen Äußerungsformen Gottes im nachbiblischen Judentum bedeutet alles andere, als daß hier etwa im weitesten Sinne „matriarchale“ lebenspositive Elemente in die patriarchale Religion eindrangen. Genausowenig wie man von Jesu „Vater unser“ auf gegenteilige Tendenzen schließen darf – ganz im Gegenteil! Andrew Greely hat in seinem Buch Maria – Über die weibliche Dimension Gottes (Köln 1979) darauf hingewiesen, daß die Römer im Gegensatz zum Judentum wohl zu weiblichen Gottheiten beteten, aber im täglichen Leben die Frauen in der hebräischen Gesellschaft weit mehr Rechte und mehr Einfluß besaßen, als die Frauen Roms.

Bereits in der hebräischen Bibel zeichnet sich eine geradezu perverse männliche Paranoia ab. Das fängt mit Eva an, die den armen Adam verführt und endet damit, daß Lot von seinen eigenen Töchtern vergewaltigt wird (Gen 19,30-38). Wirklich frauenfeindlich wird es aber erst im Buch Jesus Sirach. Bei Sirach wird die Frau als etwas zutiefst bedrohliches dargestellt, eine richtige Horrorgestalt. Eine schamlose Hure, die in ihrer unersättlichen Gier nur danach aus ist, den züchtigen jüdischen Mann zu verderben.

So wie ein durstiger Wanderer jedes Wasser trinkt, das er findet, wird sie sich vor jedem Pflock niedersetzen und für jeden Pfeil den Köcher öffnen. (Sir 26,12)

Noch heute werden in den Synagogen zum Schutz der frommen Männer die gemeingefährlichen Frauen hinter Gitter gesperrt. Herbert Haag und Katharina Elliger schreiben in ihrem Buch über „die Diskriminierung der Sexualität – ein Verrat an der Bibel“, daß noch um 400 v.Chr. die öffentliche Gesetzesvorlesung keine Trennung zwischen Männer und Frauen erkennen läßt (Neh 8). Am Ende des 1. Jahrhunderts sei die frauenfeindliche Tendenz jedoch schon fest fixiert (Stört nicht die Liebe, Olten und Freiburg 1986, S. 56).

Es ist auffallend, daß je rigider eine Religion wird, geistige Frauengestalten immer mehr in den Vordergrund treten. Himmlische Jungfrauen, an denen sich der männliche Mystiker guttun kann, während er die realen Frauen in seiner Umgebung á la Sirach in den Dreck zieht. Im späten Judentum war es Sophia, im spätmittelalterlichen Katholizismus Maria.

Über den letzteren Kult hat Reich in seiner Massenpsychologie des Faschismus folgendes zu sagen:

Der Marienkult wird zur Durchsetzung der Keuschheit mit großem Erfolg herangezogen. Wir müssen (…) nach dem psychologischen Mechanismus fragen, der diesen Absichten die Erfolge sichert. Es ist (…) ein Problem der dieser Beeinflussung unterworfenen Massen von Jugendlichen. Es geht dabei hauptsächlich um die Niederringung der genitalen Triebkräfte. Mobilisiert der Jesuskult die passivhomosexuellen Kräfte gegen die Genitalität, so der Marienkult wieder sexuelle Kräfte, diesmal aus der heterosexuellen Sphäre selbst. (…) Die Mutter Gottes übernimmt (…) im Gefühlsleben des christlichen Jugendlichen die Rolle seiner eigenen Mutter, und er wendet ihr die ganze Liebe zu, die er seinerzeit für seine Mutter hatte, die ganze starke Liebe seiner ersten genitalen Wünsche. Das Inzestverbot aber spaltete nun seine Genitalität in Orgasmussehnsucht und asexuelle Zärtlichkeit. Die Orgasmussehnsucht muß verdrängt werden und ihre Energie verschärft die zärtliche Strebung, gestaltet sie zu einer schwer lösbaren Bindung an das mystische Erlebnis. Sie geht mit heftiger Abwehr nicht nur des Inzestwunsches, sondern jeder natürlichen genitalen Beziehung zu einer Frau einher. Die ganze lebendige Kraft und große Liebe, die der gesunde junge Mann im orgastischen Erleben mit der Geliebten aufbringt, stützt beim mystischen Mann, nach der Verdrängung der genitalen Sinnlichkeit, den mystischen Marienkult. Aus diesen Quellen bezieht die Mystik Kräfte, die nicht zu unterschätzen sind, weil es unbefriedigte Kräfte sind. Sie machen die jahrtausendealte Macht der Mystik über die Menschen (…) verständlich.

Im Vergleich mit dem katholischen Marienkult ist es kein Zufall, daß der rein „männliche“ Protestantismus, der sich von Maria befreite, zumindest am Anfang sexualbejahender war. Reich wies 1927 auf den wohltuenden Einfluß hin, den die Aufhebung des Prinzips der Askese auf den Protestantismus ausgeübt habe: „er unterschied sich zumindest im Beginne vom Katholizismus durch seine Güte und Toleranz“ (Die Funktion des Orgasmus, S. 163). Es ist aber ebenfalls kein Zufall, daß mit dem Nachlassen dieses lebenspositiven Schwungs sich bald eine Sophien-Mystik entwickelte, die dem Marienkult nicht unähnlich war.

Als Preis für seine himmlischen Wonnen mußte Johann Georg Gichtel (1638-1710), ein Vertreter dieser protestantischen Sophien-Mystik, auf die irdische Eva verzichten. Dem Kirchenhistoriker Walter Nigg zufolge ist Gichtel dieser Verzicht auf die Ehe nicht leicht gefallen,

wenn ihm auch hierin ein stark entwickeltes Schamgefühl, das sich bis zur Blödigkeit steigerte, zu Hilfe gekommen ist. Es wurden ihm in seinem Leben mehrfach Heiratsanträge gemacht, merkwürdigerweise stets von außerordentlich begüterten Frauen, die sich mit ihm zu vermählen wünschten. Er war ein Mann, der gerade als geistige Persönlichkeit auf das weibliche Geschlecht eine sichtliche Anziehungskraft ausübte, und einmal scheint ihm auch ein Mädchen nicht ganz gleichgültig gewesen zu sein. Als es ihm seine Liebe gestand, wurde er beim Anhören der Mitteilung von einem Zähneklappern befallen und Fieber schüttelte ihn. Gichtel wußte sich nicht mehr zu helfen und flüchtete in seiner Not nach Hause, wo er in seinem Zimmer Sophia anflehte, ihm doch die Kraft zu verleihen, ihr nicht untreu zu werden. Ein anderes Mal sah er in einer Vision eine Hand, die seine Hand in die ihn beschäftigende Frauenhand legte, und eine helle Stimme sagte zu ihm: „Du mußt sie haben!“ Allein er durchschaute die Erscheinung als eine List des Teufels. Gichtels Benehmen deutet jedoch an, daß er gegenüber den weiblichen Reizen nicht unempfänglich war. Er wollte aber nicht wie Simson von einer Dalila überwältigt werden, weshalb er alle Einschmeichelungen standhaft von sich wies. dafür machte ihm viel später seine Haushälterin das Leben sauer, mit der er sich herumschlagen mußte und die zu entlassen er mit den Worten zurückwies: „Sollte ich mein Kreuz aus dem Haus jagen? Das sei ferne. Gott hat es mir gegeben; es ist mir heilsam, ich kenne meinen eigenen Feind in mir, welcher einen Gegensatz als diese ist, haben muß.“

So bleibt Sophia himmlisch und Eva eine eklige Horrorgestalt.

In Gichtels sophianischer Mystik finden wir die klarsten Belege für Reichs in der Massenpsychologie des Faschismus dargelegten These, daß sich hinter der religiösen Erregung, von der einfachsten Hingebung bis zur religiösen Ekstase, eine sexuelle Erregung verbirgt, Wohl versucht der religiöse Mensch durch Mystifizierung den sexuellen Charakter dieser Erregung zu negieren, aber das sexuelle Element bricht doch immer wieder hervor, wie neben Gichtel auch Jakob Böhme (1574-1624) und Gottfried Arnold (1666-1714) zeigen. So ist die religiöse Gefühlserregung gleichzeitig antisexuell und Sexualitätsersatz. Die Sehnsucht nach Gott entspricht der sexuellen Vorlusterregung, die nach orgastischer Auslösung ruft, welche man wiederum mit der Erlösung von der Sünde gleichsetzen kann. So wird die religiöse Ekstase zum Ersatz für das orgastische Erleben, auch wenn sie nicht zur Entspannung, sondern allenfalls zur neurasthenischen Ermattung führt, die man „Vergeistigung“ nennt. Wie Reich schreibt,

ist aus Behandlungen kranker Priester bekannt, daß am Höhepunkt religiös ekstatischer Zustände unwillkürliche Samenentleerung sehr häufig vorkommen. Die normale orgastische Befriedigung ist ersetzt durch einen allgemeinen körperlichen Erregungszustand, der das Genitale ausschließt und der gegen den Willen, wie zufällig, Teilentspannungen herbeiführt.

Für Gichtel sind Sophia und Christus in dem Sinne identisch, wie Christus identisch mit Gott war, aber doch ganz Mensch blieb. Die Beziehung zwischen den beiden Gestalten stellte sich Gichtel wie folgt vor: Als Adam wie ein Tier sich ein Weib zulegte, ist Sophia

von ihm gewichen und hat ihn fallen lassen, dadurch er dem Geist der Welt heimgefallen, und nun ein Tier aller Tiere ist worden, dem nun Jesus ist zur Hilfe gekommen. Also, so wir Jesum anziehen, so kriegen wir wieder unsere Jungfrau in ihm, die wir in Adam verloren, und empfangen zugleich die Kraft Jesu im inneren Menschen, den äußeren zu bändigen, und Gottes Willen zu tun.

Auch religionshistorisch läßt sich eine Verbindung zwischen Sophia und Christus ziehen. Sophia bildet nämlich sozusagen die konzeptionelle Brücke zwischen der Welt des Alten und des Neuen Testaments.

Für den tiefsinnigen Christen Alfons Rosenberg bedeutet christlicher Glaube „nicht ‘Glaube an etwas oder an jemanden’, sondern bis in die Tiefe Offensein für das Gegenüber (…) wie in einer Liebespartnerschaft. Glauben heißt, sich vereinigen“ (Jesus der Mensch, München 1987). Hier hat Rosenberg ungewollt den extrem sexuellen Charakter der Christusmystik des Evangeliums offengelegt, die nichts weiter als eine sexuelle Perversion ist. Dieses grobsexuelle Element ist darauf zurückzuführen, daß die Sophia in homosexueller Weise durch Christus ersetzt wurde.

Sebastian Franck

28. Oktober 2015

Sebastian Franck (1499-1543) war zunächst katholischer Geistlicher, der unter dem Einfluß Luthers mit dem Katholizismus brach und ein protestantisches Pfarramt übernahm. Bald merkte er, daß seine Predigerei keine Früchte trug. Die Körner fielen auf unfruchtbaren Boden. So folgte er Jesu Mahnung und hörte auf, Perlen vor die Schweine zu werfen. In radikaler Nachfolge Christi gab er seine sichere geistige und materielle Existenzgrundlage auf, löste sich von seiner Kirche und schlug sich bis zu seinem frühen Tode als Seifensieder durch.

Franck wurde so in jeder Beziehung zum von allen verachteten Paria.

Das ist der einzige Weg zum Leben, das ist Christus, das ist aller Philosophen Philosophie, aller Christen Christentum, daß wir mit der Welt und vielen der Menschen nicht halten, den weiten, wohlgebahnten Weg nicht gehen, die gemeine Straße, wie auch Pythagoras lehrt, nicht laufen, sondern gesinnt seien wie wenige, es mit dem kleinen Haufen und Auswurf der Welt halten, deren Sterben ein Leben und deren Unfried Fried ist mit Christo in Gott.

Die Vertreter aller Glaubensfraktionen verfolgten ihn mit unbändigem Haß und selbst der Humanist Erasmus von Rotterdam betrieb z.B. Francks Ausweisung aus Straßburg. Buchstäblich „hat der Menschensohn nicht, wo er sein Haupt hinlege.“ In wirklich jeder Beziehung wurde Franck heimatlos. Sein Reich war nicht von dieser Welt:

Es sind in unseren Zeiten drei fürnehmliche Glauben aufgestanden, die großen Anhang haben, als Lutherisch, Zwinglisch, Täuferisch, der vierte ist schon auf der Bahn, daß man alle äußerlich Predigt, Zeremonie, Sakrament, Bann, Beruf als unnötig will aus dem Wege räumen und glatt ein unsichtbar geistlich Kirchen in Ewigkeit des Geistes und Glaubens versammelt unter allen Völkern und allein durchs ewig unsichtbare Wort von Gott ohn einig äußerlich Mittel regiert, will anrichten.

So betrieb Franck die „Reformation der Reformation“, genauso wie später Stirner die „Aufklärung der Aufklärung“ betreiben sollte. Luther hatte sich zwar vom „Papismus“ losgesagt, nun warf aber Franck den Lutheranern vor, bei ihnen sei die Bibel zum papierenen Papst“ geworden. Der rigiden Rechtgläubigkeit hielt Franck die Freiheit des Heiligen Geistes entgegen, wobei er wie ein neuer Joachim von Fiore klingt:

Sobald man das Christentum in Regeln und in ein vorgeschriebenes Gesetz und Ordnung will einfassen, so hört es auf, ein Christentum zu sein. Niemand will verstehen, daß die Christen dem Heiligen Geist überliefert sind und daß das Neue Testament kein Buch, Lehre und Gesetz ist, sondern der Heilige Geist. Wo nun der Geist Gotte ist, da muß Freiheit sein, Moses schweigen, alle Gesetze weichen und niemand so kühn sein, der dem Heiligen Geist Gesetz, Regel, Ordnung, Ziel und Maß vorschreib, die Seinen zu lehren, regieren und führen.

Demgemäß sah er in den freien Geistern des Christentums, den Ketzern, die einzigen wirklichen Christen.

Vor der Welt sind nie Gott, Christus, Gottesvolk, Christen etc. solche gewesen, die vor Gott dafür in der Wahrheit sind, sondern Antichristen, Teufel, Ketzer, Teufelsvolk.

Wie kein anderer dachte Franck hier jesuanisch: Die Letzten werden die Ersten sein. Die, die vom Menschen verworfen wurden, werden von Gott erhoben werden. Die Ketzer der Christenheit sind die Brüder und Schwestern Jesu, die Heiligen Gottes.

Die größte Frommheit oder Gerechtigkeit ist oft die höchste Unbilligkeit und wiederum ist die größte Ketzerei, Torheit und Sünde die größte Frommheit, Gottseligkeit, Weisheit und Gerechtigkeit.

Franck ging mit 1 Kor 3,19 davon aus, daß das, was in den Augen der Welt in Ordnung ist, Torheit bei Gott ist, und umgekehrt. Aus diesem antithetischen Verhältnis zog Franck eine zutiefst menschenfreundliche, im wahrsten Sinne des Wortes befreiende Konsequenz. Wie Jesus in der Bergpredigt stellt sich Franck auf die Seite der Armen, Unterdrückten und Schwachen. Gott ist nicht der ferne unerreichbare Herr, sondern das, worauf die Welt voll Verachtung hinabblickt.

Alle Dinge verhalten sich anders in der Wahrheit, als es von außen anzusehen ist nach dem Schein. Gott hält immerzu in allen Dingen Widerpart und verteilt das Widerspiel. Darum: wie die Welt ein Ding hält, nennet, glaubet, redet usw., so ergreife du das Widerspiel und das Gegenurteil, so hast du Gottes Wort, Weisheit und Willen ergriffen.

Gott ist zwar der „ganz andere“ Widerpart der Welt, aber Franck läßt ihn nicht à la Karl Barth zu einem kosmischen Hitler verkommen, dem sich kein irdischer Hitler entgegenstellen darf.

Genauso wie schon Eriugena gegen die Prädistinationslehre von Augustin aufgetreten war, verwarf nun Franck die noch verschärfte, selbstgerechte Prädistinationslehre der Reformatoren. Das gleiche galt für die Rechtfertigung durch bloßen Glauben. Ihm war ein sich in Worten und Predigerei erschöpfendes Christentum ein Greuel: „Vor uns waren Werkheilige (…) jetzt sind sie Wortheilige und Maulchristen.“ Das bloße Bekenntnis zu Christus galt ihm gar nichts. Er wollte „in Christus und nicht an Christus glauben“, denn Christus sei „in uns und nicht außer uns.“

Diese Loslösung von jeder Äußerlichkeit machte es Franck möglich, ein universelles Christentum zu vertreten. So konnte er auch die Heiden „Plato, Plotinos, Hermes und andere erlauchte Philosophen“ zum Reich Christi zählen. Nun konnte es sich auch auf andere Religionen erstrecken. Wichtig waren weder äußerliche Riten und Organisationen, noch das Wort der Bibel, sondern einzig das „innere Wort“ in jedem einzelnen Menschen. Nicht der geschichtliche Heiland des Christentums war wichtig, sondern einzig der „innere Christus“. Dieser innere Christus habe unabhängig von der Heilsgeschichte zu allen Zeiten gewirkt. So wird selbst die Bedeutung des Opfertodes Christi als rein äußere Vorstellung relativiert.

Wie bei den Amalrikanern verband sich bei Franck Christusmystik paulinischer Prägung mit einer pantheistischen Grundhaltung, die nicht nach dem äußeren „Gott“ schaut, sondern den inneren Gott in allen Dingen erspürt:

Der Vogel singt und fliegt eigentlich nicht, sondern er wird gesungen und in den Lüften dahergetragen. Gott ist es, der in ihm singt, lebt, webt und fliegt. Er ist aller Wesen Wesen, also daß aller Kreaturen seiner voll sind, sie tun und sind nichts anderes, als sie Gott heißt und will.

Alles Ding ist ein leeres Stroh und ein lautes Nichts, wenn man das Wesen Gottes nicht darin ergreift, besitzt und hat. Er ist des Eines, Weibes, Mannes, Kindes, Geldes Reichtum und aller Kreaturen Wesen, Seele, Kraft und Nachdruck.

Gott ist die Natur, deshalb alle Natur von Natur gut und aus Gott ist.

Dieser „amalrikanischen“ Weltheiligung entspricht bei Franck auch die „amalrikanische“ Heiligung des Selbst:

So sind wir also Gottes fähig, wir sind göttlicher Art, das Licht ist in der Laterne unseres Herzens angezündet und der Schatz liegt schon in den Äckern. Ja, wer nur in sich selbst einkehrte und diesen Schatz suchte, der würde ihn gar nicht jenseits des Meeres finden, noch im Himmel suchen dürfen. Sondern in uns ist das Wort, das Bild Gottes.

„Amalrikanisch“ ist auch, wie bei Franck „Mystik“ rationalistische Züge annimmt. Er übt Kritik an der wörtlichen Interpretation der Bibel. Er mißt die Aussagen der Bibel am Maß der Vernunft. Das gleiche macht er mit jedem Gesetz und jedem Gebot. Und zusammen mit den radikalen Täufern und den Brüdern und Schwestern des freien Geistes vertritt er die Meinung, daß der Christ eh keine Gesetze braucht. Aber nicht nur das angebliche „Wort Gottes“, sondern Gott selbst wird relativiert. Von einem „objektiven“ äußeren Herrn wird Gott zu einer rein subjektiven Gegebenheit:

Gott ist also den Verkehrten verkehrt, dem Stolzen stolz, dem Reichen reich, dem Wollenden willig, und in Summa; einem jeden, wie er ihn selbst findet und will.

Wie bei Dionysius Areopagita verflüchtigt sich Gott zu nichts, denn man kann nichts über ihn aussagen, außer was man in ihn hineintut. Franck „funktionalisiert“ dies darüber hinaus, denn „Gott außer unserer Seele ist nichts nütz.“ Hinzu kommt eine radikale Historisierung der christlichen Religion. Franck hält die christlichen Riten und selbst die Zehn Gebote für rein zeitbedingt. Sie stellen für ihn keine absoluten Werte dar. Ebenso sind auch „Gut“ und „Böse“ für Franck keine absoluten metaphysischen Größen, sondern relative Begriffe.

Dabei bleibt Franck aber Moralist und lehnt z.B. den Egoismus radikal ab. Ganz „christlich“ erniedrigt er sich selbst: „Das muß freilich auch ein Tor sein, der mich armen Fleischbatzen zum Götzen haben will.“ Trotzdem und angesichts seiner nihilistischen Züge und seiner nicht zu überbietenden Einsamkeit, erinnert er mich wie sonst kaum einer an Max Stirner. Zumal Franck sich dem Pöbel verweigerte und sich gegen die Masse und ihre Gebote, auf die Seite des Einzelnen und seiner Freiheit stellt.

Marx, Freud, Reich (Teil 2)

22. April 2015

1951 schrieb Reich, daß die Kommunisten seit 1928 nicht aufgehört hätten, seine Ansichten zu bekämpfen, „offenbar in der Furcht vor der Konkurrenz zwischen dem Marxschen Ökonomismus und der Psychologie“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1995, S. 114). Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist, wie das Amerikanische original „Marx’s economism“ in der deutschen Ausgabe von 1982 übersetzt wurde: „Wirtschaftstheorie von Marx“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1982, S. 92).

Bereits 1930 mußte Reich in der Sexpol-Bewegung klarstellen,

daß die sexuelle Unterdrückung tiefer lag als die ökonomische Unterdrückung. Die Marxisten konnten das nicht ertragen. Die Marxisten akzeptierten mich, solange ich die Orgasmustheorie als zweitrangig hinter die ökonomischen und sozialen Faktoren plazierte. (Sharaf: „Further Remarks of Reich: Summer and Autumn, 1948”, Journal of Orgonomy, May 1971)

Man vergleiche dies mit der folgenden Aussage des Marxistischen „Reichianers“ und Wirtschaftsprofessors Bernd Senf aus dem Jahre 1982:

Die herrschende Ideologie ist so tief in den Strukturen unseres Denkens verankert, daß sie sich nicht von selbst auflöst, wenn die emotionale Struktur in Bewegung kommt. Auch eine (in bezug auf die Lockerung emotionaler Blockierung) wirksame Therapie befreit uns nicht von der Verbindung, die wir aufgrund der herrschenden Ideologie in unseren Köpfen haben und die uns mehr oder weniger blind machen gegenüber den tieferen Wurzeln der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen. (emotion 5, S. 114)

Wie eine entsprechende Auseinandersetzung mit dem Marxismus aussieht, läßt sich aus Reichs Vorwort zur revidierten Neuauflage von Massenpsychologie des Faschismus ableiten. Dort präsentiert Reich sein Modell von der Dreischichtung der menschlichen Charakterstruktur. Demnach wäre der Marxismus ohne jeden Zweifel der oberflächlichen Soziale Fassade zuzurechnen, ist doch für ihn, gemäß der 6. These über Feuerbach, der Mensch nur ein „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Nicht von ungefähr warfen die Marxisten Reich stets „Biologismus“ und „kleinbürgerlichen Individualismus“ vor.

Was für Marx rational war (der durch unterschiedliche ökonomische Interessen bestimmte Klassenkampf), wurde für Reich zum Inbegriff der Irrationalität, während das, was für Marx irrational war (die Postulierung gemeinsamer Interessen zwischen den Klassen), für Reich die Essenz seiner Bio-Soziologie wurde: die alle Klassen übergreifende natürliche Arbeitsdemokratie.

Während Marx im oberflächlichen Sozialen haften blieb, drang Freud zwar in den Bereich der biologischen Antriebe des menschlichen Verhaltens vor, blieb dabei aber in der von den irrationalen, „sekundären“ Trieben entstellten Mittleren Schicht der Charakterstruktur stecken. Daß Psychoanalyse und Marxismus mit der Orgonomie inkompatibel sind, sieht man daran, wie Freud und Marx die gesellschaftlichen Probleme lösen wollten. Freud ging es um die Bewußtmachung des Verdrängten, um so das böse Tier im Menschen der gesellschaftlichen Kontrolle zu unterwerfen. Entsprechend ging es Marx darum, den Menschen zum emanzipierten Herrscher über die Natur zu machen, indem er die „Anarchie“ der kapitalistischen Wirtschaftsweise meistert.

Hatten die Marxisten aber schon Probleme mit ihrem Geistesbruder Freud, der doch immerhin lehrte, der Mensch müsse in die Natur eingreifen, konnten sie rein gar nichts mit der nun vollkommen dem menschlichen Zugriff entzogenen ahistorischen, naturgeschichtlichen Determiniertheit des Reichschen Modells anfangen: sie hassen den bioenergetischen Kern, das Tier im Menschen.

Diesen Haß auf die Biologie verdeutlicht der „kritische Marxist“ Ira H. Cohen bei seinem Versuch eine m.E. korrekte Verbindung von Marx und Freud herzustellen. Demnach kann nicht die Frage sein, ob eine Harmonie zwischen den biologischen Trieben und dem sozialen Sein herzustellen ist, wie Reich es anstrebte,

sondern ob die spezifische Modifikation, die das Realitätsprinzip verlangt, Selbstregulation oder moralistische Unterdrückung fördert. Mit anderen Worten ist das Problem nicht eine spezifische Konzeption der „menschlichen Natur“, sondern eine spezifische Art der sozialen Konditionierung. Freud bestand darauf, daß die Modifikation der Primärprozesse eine soziale Notwendigkeit war. Seine Vorstellung von den Primärprozessen entspricht tatsächlich Marx‘ Vorstellung der menschlichen Natur als einer Verkörperung der Geschichte und Struktur der sozialen Beziehungen, in deren Rahmen sie sich ausdrückt.

Die Frage nach der Art der notwendigen sozialen Konditionierung werde nun durch „Reichs Libidotheorie“, also der Orgasmustheorie, verschleiert. Cohen weiter:

An die Stelle einer von der Geschichte bestimmten Charakterstruktur stellt Reich eine von Natur aus sich selbst regulierende Libido. Selbstregulierung wird nicht als ein menschliches Potential begriffen, das sich durch die Prozesse der individuellen und sozialen Entwicklung realisiert, sondern vielmehr als ein Naturgesetz des Lustprinzips, das in natürlicheren, prähistorischen Gesellschaften bis zum Auftauchen der Klassenbeziehungen verwirklicht wurde.

Die Selbstregulierung sei also nicht mehr der auf die Psyche einwirkenden sozialen Entwicklung unterworfen, sondern wohne „den naturgemäß und automatisch nach Entladung strebenden Instinkten selbst inne“ (Ideology and Unconsciousness, New York 1982, S. 180f)

Sexualökonomie und Marxismus sind absolut unvereinbar, bzw. nur vereinbar, wenn man Reich buchstäblich seines „Kerns“ beraubt.

Für Reich war die Biologie, waren die individuellen „Triebe“, das umfassendere Funktionsprinzip, das Soziale und Ökonomische nur oberflächlicher Überbau. Oder wie Reich es 1953 ausdrückte:

Die soziale Existenz des Lebewesens Mensch ist bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins. (Ausgewählte Schriften, S. 24)

Zu dieser Zeit beklagte Reich denn auch in Menschen im Staat Marx‘ „Unverständnis für die biologische Verwurzelung des Menschen, für seine Triebbestimmtheit“. Marx‘ Theorien hielt er durchweg für „weit überholt durch die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie“. Er machte nur eine einzige Ausnahme, die sogenannte „Arbeitswertlehre“.

In Massenpsychologie des Faschismus mußte sich Reich mit den fehlerhaften Grundannahmen des Marxismus herumplagen, die zu dem führten, was Reich „die Schere“ genannt hat. Mit diesem Begriff bezeichnet er die Diskrepanz zwischen dem „revolutionären“ Sein und dem „reaktionären“ Bewußtsein, die zum Faschismus führte. Das hätte nicht passieren können, wenn das Sein das Bewußtsein bestimmt!

In Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral schreibt Reich: Die Sexualität im

subjektiven Sinne als Bedürfnis zur Auslösung einer Spannung, die als sexuelle Befriedigung erlebt wird, einschließlich ihrer sublimierten Abwandlungen (Erfindergeist, technisches Interesse, wissenschaftliche Forschung) dürfen wir (…) analog zum Hunger als bewegendes Moment in die Geschichte einführen.

Die dreigeteilte Betrachtungsweise „Liebe, Arbeit und Wissen“ entspricht der modernen auf Max Weber zurückgehenden Geschichtsschau, die nicht im primitiven Unter-Überbau-Schema des Marxismus befangen ist, sondern die Bereiche Kultur, Arbeit und Herrschaft gleichberechtigt ins Kalkül zieht. Es sei nur an Webers Arbeiten über die Entwicklung von kapitalistischer Herrschaft und Arbeitsmoral aus der kulturellen Entfaltung des Protestantismus erinnert.

Ein schönes Beispiel ist die Entwicklung der organisierten Kriminalität in den USA des letzten Jahrhunderts. Anfangs wurde sie von Juden dominiert. Das, was man heute augenzwinkernd als „Kosher Nostra“ bezeichnet. Doch schon bald wurden sie von den Italienern verdrängt. Heute sind allenfalls noch Bugsy Siegel und Meyer Lansky geläufig. Es gibt schlicht keine jüdische Kriminalität mehr in den USA. Jüdische Slums sind ganz verschwunden und typische jüdische Berufe wurden Rechtsanwalt und Arzt. Anders bei den Italo-Amerikanern: eine Generation nach der anderen füllt die Reihen der Mafia von neuem auf. Es zeichnet sich in den letzten Jahren sogar eine „Re-Italianisierung“ ab, da nur so die „Umerta“ gesichert werden kann.

Die gleiche ökonomische Ausgangslage – und eine drastisch unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Entwicklung. Der Unterschied ist (neben dem angeborenen IQ) der Arbeitsethos, der sich im nüchternen Judentum kaum von dem des nüchternen Protestantismus unterscheidet. Der verschrobene Katholizismus italienischer Provenienz ist eine vollkommen andere Welt, die konsequent rationales Handeln fast unmöglich macht.

Reich hat in Menschen im Staat ganz entgegen dem Marxistischen „Materialismus“ folgendes über die bewegende Kraft der Geschichte geschrieben:

Die Bewegungskraft der Geschichte auf der Grundlage der technischen Prozesse ist die vegetative Energie, die sich im praktischen Leben der Masse wie des einzelnen als sexuelles Empfinden und Glückssehnsucht äußert. Die Erfolge dieser Äußerungen reichen nur so weit, als politische, soziale und wirtschaftlichen Voraussetzungen es zulassen.

Das „…auf der Grundlage der technischen Prozesse…“ läßt sich sehr schön am erwähnten Beispiel der gegensätzlichen Entwicklung von „Kosher Nostra“ und Cosa Nostra aufzeigen: Anfangs bestimmen selbstverständlich „historisch-materialistische“ Faktoren die Entwicklung. Wie sollte es auch anders sein! „Zuerst kommt das Fressen!“ Doch dann greifen doch sehr schnell und mit zunehmender Macht die bioenergetischen Faktoren. Mit Massenpsychologie des Faschismus hat Reich ein ganzes Buch darüber vorgelegt.

Nach Friedrich Engels, der trotz aller „Dialektik“ ganz vom primitiven Materialismus des 19. Jahrhunderts geprägt war, sollte es genau umgekehrt sein: kurzfristig möge der kulturelle „Überbau“ die geschichtliche Entwicklung beeinflussen, doch langfristig und vor allem in letzter Instanz sei der ökonomische „Unterbau“ bestimmend.

Die Geschichte ist „gefrorene Bewegung“ (Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, S. 174) und deshalb wie alle Strukturen aus der Kreiselwelle ableitbar. Genauso wie die kosmische Energie Galaxien und Wettersysteme bildet, formt sie auch die Lebewesen und damit ihre Charakterstruktur. Diese bestimmt das soziale Umfeld, besonders das der Familie, das wiederum auf die Verbindung zwischen Orgon und Charakterstruktur einwirkt (d.h. auf die Genitale Funktion) und dabei die Qualität der Energie verändert. Daraufhin kommt es zur Formation einer modifizierten Charakterstruktur usw. So ist der Charakter aus sozialen Prozessen ableitbar, die aber wiederum durch die Charakterstrukturen bedingt sind.

Was ich an der Katholischen Kirche liebe und was ich an ihr hasse

6. Mai 2014

Die widerliche Hetze gegen die Katholische Kirche setzt sich fort. Es geht beispielsweise darum, daß der Papst nicht glaubt, daß das Kondom die Lösung aller Probleme darstellt; es geht darum, daß er – katholisch ist. Oder wie der Wiener Standard vor einigen Jahren schrieb:

So spricht ein Geistlicher, der an das „heilige Sakrament“ der Ehe glaubt. Das ist weder reaktionär noch konservativ oder progressiv, sondern schlicht katholisch. Der Papst ist eben ein Romantiker. Er glaubt an die Einheit von Liebe und Sex. Soll er sagen: „Nehmt doch bitte ein Kondom, wenn ihr euren außerehelichen sexuellen Vergnügungen nachkommt“? Das ist nicht sein Job, und ein Papst ist kein liberaler Aufklärer – wie sollte er auch. Wer das glaubt, ist selig oder naiv.

Der Papst wollte mit seiner Äußerung darauf hinaus, daß kontaktlose Promiskuität (welche durch Kondome und andere Verhütungsmittel ja erst ermöglicht wurde) die Hauptursache von AIDS sei, und daß es keine AIDS-Epidemie gäbe, wenn man nur mit einem Partner schläft, für den man eine tiefe (= genitale) Liebe empfindet. (Mal vorausgesetzt, daß das mit dem HIV/AIDS in Afrika denn überhaupt stimmig wäre…)

Wäre die Partnerwahl nach sexualökonomischen Kriterien ausgerichtet, gäbe es das Problem sexuell übertragbarer Krankheiten nicht, bzw. wäre sie eine vernachlässigbare Größe.

Papst wettert gegen Hexen und böse Geister lautete eine herablassende Überschrift im Focus. Bezeichnend ist folgender Leserbrief:

Erst die Kritik am Islam, dann seine Aussage gegen das Judentum und nun sein Wettern gegen Hexen und böse Geister! Trotz anderslautender Worte werde ich das Gefühl nicht los, daß der Papst in Wahrheit an einem Dialog der Religionen gar nicht interessiert ist. Für ihn zählt einzig und allein der katholische Glaube!

Wie schockierend, daß der Papst katholisch ist! Im Ernst, solche aufgeblasenen Knilche, wie dieser Leserbriefschreiber. Die Dummheit der ach so Aufgeklärten ist fast so unermeßlich wie ihre Anmaßung!

Warum geht es Afrika ökonomisch so schlecht? Aufgrund seiner Feldforschnung kommt der Schweizer Ethnologe David Signer in seinem Buch Die Ökonomie der Hexerei oder Warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt zu folgender Erklärung: Der afrikanische Geister- und Hexenglaube bedingt, daß die Erfolgreichen den Fluch der Neider fürchten. Deshalb wird in einer Art „spirituellem Sozialismus“ das erarbeitete Geld nicht investiert, sondern verteilt zur allgemeinen Beschwichtigung schwarzmagischer Machenschaften.

Wie anhand des „neo-heidnischen“ Nationalsozialismus evident wurde, sind einerseits Aberglaube, magisches Denken und Okkultismus und andererseits eine Neidkultur, in der sich alles um „ungerechten“ Reichtum, Ausbeutung, „geheime Drahtzieher“ und „Zinsknechtschaft“ dreht, durch tiefsitzende Sexualängste miteinander verknüpft. Siehe dazu Ökonomie und Sexualökonomie.

Und genau hier fängt auch meine Kritik an der Katholischen Kirche an, zumal der neue Papst geradezu sozialistische Töne anstimmt.

Der Ökonom Horst Feldmann von der britischen University of Bath hat in einer Studie festgestellt, daß, alle anderen Faktoren der 80 untersuchten Länder herausgerechnet, in überwiegend protestantisch geprägten Staaten die Beschäftigungsquote höher als in jenen liegt, in denen die katholische Konfession oder andere Religionen dominieren. Grund sei das in der protestantischen Bevölkerung weit verbreitete Arbeitsethos, diszipliniert und viel zu arbeiten. Im Mittel liegt die Beschäftigungsquote um 6% höher. Frauen sind in protestantischen Ländern sogar zu 11% höher beschäftigt.

Damit bestätigt sich von neuem die berühmte These des deutschen Soziologen Max Weber, das Aufblühen des Kapitalismus im 16. bis 18. Jahrhundert hänge mit der protestantischen Arbeitsethik zusammen.

Was bei der Diskussion vergessen wird, sind die sexualökonomischen Faktoren, d.h. die funktionelle Einheit von Arbeit und Sexualität. Man kann sagen, daß Gebiete nahe oder im Zentrum Saharasias stets jene Gebiete ausgeplündert und ausgebeutet haben, die am Rande oder ganz außerhalb Saharasias liegen. Saharasia versinkt in fauler Indolenz und lebt vom arbeitenden Teil der Weltbevölkerung. Mit der vermeintlichen „Arbeitsmigration“ von Nichtprotestanten in nördliche, protestantische Gefilde, wird die ökonomische Leistungsfähigkeit des Nordens abnehmen.

Feldmans Studie zeigt von neuem, daß bei allem, was die Marxisten und „Neo-Marxisten“ behaupten, das exakte Gegenteil wahr ist: ökonomische Probleme sind einzig und allein sexualökonomische Probleme!

Siehe dazu Ökonomie und Sexualökonomie.

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