Posts Tagged ‘Pädagogik’

ZUKUNFTSKINDER: 2. Die Vererbungsfrage, a. Genetik und Epigenetik

31. Januar 2018

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ZUKUNFTSKINDER:

2. Die Vererbungsfrage, a. Genetik und Epigenetik

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Peter liest das Kapitel „Probleme gesunder Kinder während der ersten Pubertät“ von KINDER DER ZUKUNFT

26. Januar 2018

Das Kapitel „Probleme gesunder Kinder während der ersten Pubertät (3.-6. Lebensjahr)“ ist der erste vorher unveröffentlichte Text im Buch. Also er wurde im Jahre 1983 im amerikanischen Original Children of the Future das erste Mal veröffentlicht. Der Laie staunt und der Experte wundert sich, denn das Archiv wurde doch erst 2007, also 50 Jahr nach Reichs Tod geöffnet. Solange sollte es nach Reichs Letztem Willen versiegelt bleiben.

In dem Kapitel wird „David“ beschrieben, Sohn „eines Arztes“. Tatsächlich ist es die Fallgeschichte von Peter, Reichs Sohn. Es gehört also mehr oder weniger zu Reichs „autobiographischen Schriften“.

Eines der Themen handelt davon, daß Reich das OIRC (orgonomic infant research center, Zentrum für orgonomische Kinderforschung) von Anfang an vor der Irrationalität, der Emotionellen Pest des damals von der Psychoanalyse beherrschten Feldes schützen wollte, indem er von vornherein zwei Tabus in den Mittelpunkt stellte und überwinden wollte: die Genitalität des Kindes und das Berühren des kindlichen Körpers. Alles ganz entsprechend dem Vorgehen in der Orgontherapie von Erwachsenen. Entsprechend beschreibt er die ersten Ansätze der Orgontherapie bei Kindern, die er damals entwickelte. Das ist weitgehend sozusagen „überzeitlich“, doch wie bereits angeschnitten hat es auch einen an die damaligen Zeitumstände gebundenen Aspekt: die Abgrenzung von der Psychoanalyse.

Kinder wollen nicht berührt werden. Es ist für sie eine schlimme Tortur von irgendwelchen „Tanten und Onkeln“ betatscht und abgeschmatzt zu werden. Berührungen sind nur OK, wenn sie von den Kindern selbst ausgehen oder das ganze in einem Spiel geschieht, wie etwa in einer „Spieltherapie“. Erst recht sollte die Sexualität von Kindern ein absolutes Tabu sein. Das einzige, was man machen kann, ist ihre Lebensfreunde, ihre expansive Lebensenergie vorbehaltlos zu unterstützen, unter keinen Umständen moralisch auf ihre sexuellen Äußerungen und Verhaltensweisen reagieren und vor allem ihre Privatsphäre achten, wenn sie beispielsweise irgendwelche „Doktorspiele“ mit Gleichaltrigen betreiben

Die Gefahr besteht nun, daß Reichs damaliger, wie gesagt zeitgebundener Ansatz (Kampf gegen den Einfluß der alptraumhaften Psychoanalyse, die am liebsten alle Zärtlichkeiten unterbinden wollte, um den Ödipuskomplex nicht zu aktivieren), heute, in einer grundsätzlich anderen gesellschaftlichen Atmosphäre grundlegend mißverstanden und so ins Gegenteil verkehrt wird.

Dazu eine bezeichnende Szene. Ein kleiner Junge, vielleicht Vier, ist zu Gast. Alle können sich nicht wieder einkriegen: Knuddeln, überbordende Freundlichkeit, großes Theater. Nur ich bin zurückhaltend und der einzige, der seine Arme am eigenen Körper läßt. Resultat, der Kleine hielt sich an mich, konnte nur in meiner Gegenwart entspannen und spielen. Entsprechend auch die überraschten Kommentare der anderen mir gegenüber. Er spürte schlicht, daß ich ihm RESPEKT entgegenbrachte. – Beim „affigen“ Verhalten der Erwachsenen kleinen Kindern gegenüber geht es nie darum, das Bedürfnis der Kinder nach Kontakt und Nähe zu befriedigen, sondern um die krankhaften Bedürfnisse der Erwachsenen! Das behandelt Reich Ansatzweise übrigens in seinem „Eltern als Erzieher“ aus dem Jahre 1926, das in diesem Buch rätselhafterweise fehlt…

Das absolut Fatale an der deutschen Ausgabe ist die ungeschickte Übersetzung, die Reich in einem Licht dastehen läßt, das unangemessen ist. Es tut mir leid, besserwisserische destruktive Nörgelei am ersten Reich-Buch, das seit 20 Jahren erschienen ist, hin oder her, aber: „It also appeared senseless to speak of ‘giving sex information’ to children who never had occasion to see spontaneous mating in nature.” „Mating“ hat im englischen eindeutig zoologische Konnotationen, während in der Übersetzung beim mißwilligen Leser ein Begriffsfeld des Sexhorrors aufgetan wird: „Es macht keinen Sinn, Kindern ‚sexuelle Informationen‘ zu geben, wenn sie nie die Gelegenheit hatten, spontane Begattung in der Natur zu sehen und zu erleben“ (S. 45). Wie konnte aus „to see“ „sehen und erleben“ werden? Und Rehe, Hunde und Kühe „begatten“ sich nicht, das macht der Gatte mit seiner Gattin, sondern sie paaren sich, werden gedeckt, etc.!

Reich wird hier Opfer einer übersetzerischen Undiszipliniertheit, die einen verwundert zurückläßt. Und was lesen gedanklich undisziplinierte Leser da alles rein? Kinder sollen in freier Natur das Begatten nicht nur sehen, sondern auch „erleben“?!

Da wir nun mal beim Übersetzen sind: Wie konnte aus „hot potato“ eine „heiße Tomate“ werden?! (S. 37). Wie aus „homo normalis“, ein feststehender Begriff in der Orgonomie, ein „Normalbürger“ (S. 62). Wie kann man so undiszipliniert übersetzen? Dreimal, geschlagene dreimal, habe ich das Buch irritiert beiseite gelegt, als ich über diesen Satz stolperte: „Eine disziplinierte Umgebung beruht auf der Unterdrückung der natürlichen, primären, selbstregulierten Gefühle und diese vereitelte emotionale Struktur antwortet darauf in Übereinstimmung mit der disziplinierten Umgebung, indem sie diese unterstützt und reproduziert“ (S. 54). Meine Güte! Reich hat nichts gegen eine „disziplinierte Umgebung“, sondern etwas gegen ein „disciplinary environment“: eine disziplinarische Umgebung! Es geht nicht um irgendwelche „Gefühle“, sondern um Emotionen! Die emotionale Struktur ist nicht „vereitelt“, sondern ausgebremst, behindert, kurz: verkrüppelt.

Die zumindest teilweise ungeschickte Übersetzung ist so bedauerlich, weil dieses Kapitel von Reichs damals geplantem Buch über die „Kinder der Zukunft“ zum Besten und Wichtigsten gehört, was er je geschrieben hat. Beispielsweise macht er unmißverständlich klar, daß es bei Kindern keine natürliche „Analität“, keine „natürliche, angeborene“ Lust an Ausscheidungen gibt (S. 39). Die meisten Reichianer haben offenbar nie davon gehört… Auch findet sich beispielsweise eine sehr eingängige Erklärung dafür, daß es nicht um Symptome, sondern um die charakterliche Reaktionsbasis geht. Ich wollte dieses Konzept Reichs immer im Blog erklären, bin aber stets gescheitert. Allein schon wegen dieses Abschnitts lohnt sich der Erwerb und die Lektüre des Buches!

ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

25. Januar 2018

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ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

nachrichtenrief77

14. Oktober 2017

nachrichtenbrief40

30. Juni 2017

Ein Leben in Zwangsjacke und Gummizelle

23. Juni 2017

Als Kind wäre ich in der Schule beinahe draufgegangen. Mich hat dieser ganze Müll an der Tafel nicht die Bohne interessiert. Ich wollte nur eins: den ganzen Tag die mit allen möglichen und unmöglichen exotischen Pflanzenkeimlingen aus dem nahen Hafen verwilderte Industriebrache durchkämmen und am Ufer des Tidekanals nach dem suchen, was aus der Nordsee bis nach Hamburg angespült wurde. Ich wollte mich BEWEGEN. Heute würde man mich vielleicht mit der Droge Ritalin vollpumpen. Ich kann jetzt noch spüren, wie die Energie in meinem Körper rebellierte und wütete. Und diese verlogenen Schweine regen sich über das Schicksal von Legehennen auf!

Dazu berichtet die ÄrzteZeitung für Neurologen und Psychiater (Juni 2017) über ein interessantes Projekt aus Bremen. Seit Februar stehen Heimtrainer in einer 5. Klasse. Sie sind mit hohen Tischen ausgestattet, so daß die Kinder ihre Schularbeiten machen können, während sie in die Pedale treten. Erstmals eingeführt wurden sie 2007 von einem Gymnasiallehrer und Sportwissenschaftler in Wien. Die Schüler können sich besser konzentrieren, die Noten und das Sozialverhalten verändern sich zum Besseren.

Die Idee ist so lächerlich einfach und naheliegend, daß man sich fragt, warum nicht schon längst jemand auf sie verfallen ist. Haben denn die Leute nie Jungtiere beobachtet, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ununterbrochen herumtollen? Und was machen wir! Wir wickeln („pucken“) Babys, Sperren Kinder in Zuchthäser („Schulen“) und haben selbst nichts besseres zu tun, als vor Bildschirmen zu hocken. Es ist ein schieres Wunder, daß es nicht öfter Schulmassaker und Amokläufe gibt!

nachrichtenbrief23

18. Mai 2017

Anti-Summerhill

21. März 2016

Anlaß dieses Blogeintrags ist meine zufällige Entdeckung eines Interviews zum Thema auf brightsblog Das ist unendlich besser, als alles, was ich verzapfen könnte. Bitte auch den unten verlinkten Vortrag anschauen! Anyway:

Als 1934 die Gefahr bestand, daß seine Waldorfschule geschlossen wurde, schrieb der anthroposophische Lehrer René Maikowski, ein ehemaliger Mitarbeiter Steiners, einen Brief an Hitler und pries die wahrhaft deutsche Willens- und Charaktererziehung an Waldorfschulen. Steiner sei immer für den gleichen Geist wie die Nazis eingetreten. Maikowski führt die „Opferfreudigkeit“ seines Bruders, des „Blutordensträgers“ Hans Maikowski, eines SA-Führers, der bei der Machtübernahme von Kommunisten erschossen worden war, auf dessen Waldorferziehung zurück. 1935 schrieb Maikowski an Rudolf Heß im Namen des „Bundes der Waldorfschulen“ über die Haltung der Waldorferziehung zum Judentum: da Waldorfschulen jeden einseitigen Intellektualismus ablehnten und wegen ihrer christlichen Grundhaltung gäbe es sowieso nur sehr wenige jüdische Schüler und die meisten würden ohnehin die Waldorfschulen nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Obwohl sie die ideologische Exklusivität der Nazis gefährdete, wurde die autoritäre, anti-intellektuelle und anti-materialistische (und deshalb anti-Marxistische) Ausrichtung der Waldorferziehung anerkannt. Viele ihrer Elemente wurden 1936 Teil der damals eingerichteten offiziellen Adolf-Hitler-Schulen und Napola-Schulen. Tatsächlich ähnelten die Erziehungskonzepte der Nazi-Pädagogin Magdalene von Tiling ziemlich denen Steiners. Der Nazi-Pädagoge Alfred Baeumler fand für die Waldorferziehung lobende Worte. (Dieses Mitglied der SS und Nazi-Interpret Nietzsches pries Steiners Buch Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit als das beste Buch über Nietzsche, das er jemals gelesen habe.)

Die ungebrochene Tradition wird in folgenden Büchern dargelegt, deren wesentlichen Inhalt ich im Anschluß kurz referieren werde. Ob sich seit dieser Zeit Entscheidendes geändert hat, vermag ich nicht zu sagen.

  • Beckmannshagen, F.: Rudolf Steiner und die Waldorfschulen, Wuppertal 1984
  • Kayser, M./Wagemann, P.A.: Wie frei ist die Waldorfschule?, Berlin 1991
  • Prange, K.: Erziehung zur Anthroposophie, Bad Heilbrunn 1985
  • Rudolph, Ch.: Waldorf-Erziehung, Darmstadt 1987
  • Ulrich, H.: Waldorfpädagogik und okkulte Weltanschauung, Weinheim 1986

Die Autoren führen aus, man könne zwar als positiv konstatieren, daß es in der Waldorfschule keinen Leistungsstreß durch eine rigide Benotung gäbe, dafür gäbe es aber statt dieser einigermaßen objektiven und nachvollziehbaren Noten, persönliche, moralisierende Anmerkungen, die als Zeugnisse dienen. Da werde dann nicht eine Teilfunktion bewertet, sondern gleich die ganze Persönlichkeit. Die Kinder, die nicht ins anthroposophische Entwicklungsschema paßten, z.B. sexuell aktiv seien oder ein gestörtes Verhältnis zu Führerfiguren hätten, würden moralisch runtergemacht. Als Schüler weiß ich, daß mit einer 5 oder 6 nicht ich selbst gemeint bin, sondern einfach nur ein Teilaspekt meines Tuns, während in der Waldorfpädagogik genau mein intimer Wesenskern bewertet und angegangen werde. Das sei totalitär.

Waldorflehrer lebten in einem geschlossenen ideologischen System, in das sie ihre Schüler preßten. Es gäbe die rigiden Schemata der vier „Äther-Körper“, Zyklen von sieben Jahren und die traditionellen Aristotelischen vier Temperamente. Steiner stahl die mehr spezifischen Elemente des letzteren Konzepts, das entscheidende Zentrum der Waldorferziehung, aus den, Ende des 19. Jahrhunderts, populären Erziehungsbüchern von Bernhard Hellwig, zusammen mit all ihren herabsetzenden volkstümlichen Vorstellungen von z.B. dem „phlegmatischen“ Temperament. Auch gäbe es das vom Waldorflehrer zu unterstützende „karmische Gesetz“, das jede Möglichkeit einer persönlichen Entwicklung hintertreibe. Aufgrund von Steiners Version des karmischen Gesetzes erhält jedes körperliche Merkmal moralische Bedeutung, da der Geist diesen besonderen Körper aufgrund der vorherigen karmischen Tätigkeiten zugeteilt bekam – eine Art von Mikro-Rassismus. Eine kleine Schülerin erzählte ihrer Waldorflehrerin, daß ihr Vater sie sexuell mißbrauche, die Lehrerin antwortete: „Du hast dir deine Eltern selber ausgesucht“ – was bedeutet, du bist verantwortlich, aufgrund des karmischen Gesetzes, so trage dein Kreuz.

Waldorflehrer seien Opfer der persönlichen Neurose Steiners, wie sie sich in der Anthroposophie Struktur widerfindet. Sie unterdrücken ihre Gefühle, da Steiner von seinen eigenen Gefühlen entfremdet war. Waldorflehrer, insbesondere die Frauen, sähen stets sehr unattraktiv aus, ohne Make-up, grau, ausgemergelt, „vergeistigt“. In ihrem Ausdruck und Verhalten wirkten die männlichen Lehrer wie Klone von Steiner: asketisch, moralistisch, ohne Humor, trocken, mumifiziert, tot unterhalb des Kopfes. Das Alltagsleben unter Waldorflehrern sei im allgemeinen erfüllt von Intrigen und Gehässigkeiten. Als Priester der Anthroposophie ist der Waldorflehrer eine absolute Autorität mit einem nicht reproduzierbaren absoluten okkulten Hintergrund – das perfekte moralische allwissende Über-Ich. Der Schüler solle dieser Imitation Steiners folgen und selber zu einem kleinen Steiner bzw. zu einer kleinen Marie von Sivers werden. (Ewald Althans, der schwule Neonazi aus dem Film Beruf Neonazi, ist Produkt eines Waldorfkindergartens.)

Waldorflehrer setzten ihre unterdrückte Sinnlichkeit in asexuelle „Übersinnlichkeit“ um. Je mehr die Sexualität unterdrückt werde, desto mehr seien sie an der Kindererziehung interessiert als Ventil für ihre fehlgeleitete, sadistisch gewordene Sexualität. Sie werde von Zeit zu Zeit in wilden hysterischen Ausbrüchen körperlicher Bestrafung ausgelebt und sogar in buchstäblichen Exorzismen von „bösen Geistern“! In seinem Tagebuch notierte sich Franz Kafka als besonderes Merkmal der Anthroposophen ihre starren, stechend moralistischen Augen. Waldorflehrer schauten stets tief in deine Augen, um ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. Dieses typische hypnotische Starren ist eine unbewußte sexuelle Annäherung. Ganz allgemein arbeiteten sie nicht erzieherisch, sondern mit Moralurteilen, d.h. maskiertem Sadismus, der eine perverse sexuelle Äußerung ist. Alles werde aus moralistischer Sicht betrachtet. Sogar die künstlerischen Äußerungen des Kindes werden in Moral erstickt: keine Farbkontraste und keine scharfen Kanten sind erlaubt und allem wird eine ethische Bedeutung zugeordnet.

So kämpfe die Waldorfschule gegen alles, was unterhalb des Kopfes liegt. Der Blickwinkel von Waldorf sei patriarchalisch, moralistisch, antisexuell und konservativ. Die Märchenwelt des 19. Jahrhunderts werde den Kindern nahegebracht, mit all der Schuld und Angst. Ein kleines Mädchen, das keine Märchen mochte, wurde von Steiner als „Naturdämon“ bezeichnet, dem jedes Menschentum abgehe. Seit den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wären menschliche Gestalten geboren worden, die überhaupt keine Inkarnationen von Menschen sind, „sondern wo die Menschenform ausgefüllt wird von einer Art Naturdämon.“

Der Hauptfeind der Waldorferziehung sei das masturbatorische Interesse des Kindes für den eigenen Körper. Es gelte als Hindernis für die gesunde Entwicklung des Kindes. Steiner zufolge, sind kleine Kinder nicht egoistisch, nicht aggressiv, nicht neugierig, nicht erotisch, nicht sexuell – wenn sie es sind, stehen ahrimanische Kräfte dahinter. Vor dem Alter von 20 oder 21 Jahren werde die Sexualität als etwas Pathologisches und Perverses betrachtet, so daß Kinder aus Waldorfschulen geworfen würden, wenn ihre Sexualität zu offensichtlich werde. Jugendliche sollten durch das Spirituelle von der Pubertät abgelenkt werden. Kinder würden geschlagen. Es gäbe einen Fall, wo eine Erzieherin im Waldorfkindergarten einen kleinen Jungen eine heftige Ohrfeige verpaßt habe, als er sich einem kleinen Mädchen nackt zeigte. Der Mund eines kleinen Jungen wäre mit Seife ausgewaschen worden, nachdem er schmutzige Wörter benutzt hatte.

In Waldorfsonderschulen würden unruhige Kinder an ihre Sitze festgebunden. Andere Methoden der anthroposophischen Erziehung seien das hundertfache Niederschreiben des gleichen Satzes, in der Ecke stehen oder Schläge – wie in der guten alten preußischen Schule. Noch raffinierter sei die Methode des Liebesentzugs. Tatsächlich sei er die hauptsächliche Erziehungstechnik des geliebten Waldorflehrers. Die Lehrer arbeiteten natürlich auch mit vernichtenden Moralpauken – und okkulten Flüchen!

Waldorflehrer machten regelmäßig Hausbesuche und zwängen die ganze Familie in einen anthroposophischen Lebensstil hinein. Das reiche vom Verzicht auf Coca Cola bis zu dem auf Kartoffel, weil diese indianische Nahrung unserem germanischen Wesen widerspräche. Und in der Schule würden die Kinder über das Familienleben ausgefragt. Es sei wie in einem totalitären Staat. Waldorf als „Freie Schule“ zu bezeichnen, sei dasselbe, als würde man katholische Privatschulen so nennen.

Die Anthroposophie sei ein vom Staat unterstützter destruktiver Kult und viele Entscheidungsträger im Staatsapparat und in der Politik seien selbst Anthroposophen, insbesondere in den Erziehungsministerien. Nur dies erkläre, wie die Waldorfschulen gedeihen und so viel staatliche Unterstützung erhalten konnten und so wenig Kontrolle ausgesetzt wären. Selbst Helmut Kohl schickte seine Kinder in Waldorfschulen. Waldorfschulen seien ein Weg um neue Anthroposophen zu rekrutieren. Selbst wenn nur die Hälfte oder ein Drittel der Schülerschaft sich zu gläubigen Anthroposophen entwickelt, macht dies angesichts der derzeitig 221 Waldorfschulen in Deutschland eine beträchtliche Masse aus.

Waldorfschüler lernten Zeugs wie: der Mensch stamme nicht von den Affen ab, vielmehr seien die Affen eine Degenerationsform des Menschen. Und selbst wenn, wie es der offiziellen Waldorfdoktrin entspricht, inhaltlich nichts indoktriniert wird, komme es doch durch die Bewertung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers, durch die Schulstruktur selbst und durch die Entfremdung von der Realität zugunsten der „geistigen Welt“ zur kultischen Prägung.

1986 gründeten Opfer der Waldorferziehung die Selbsthilfeorganisation „Distel-Bund“ in Herne.

 

Der möderische Haß auf das Lebendige (Teil 1)

18. Februar 2015

Stefan Müschenich hat in seinem Buch Der Gesundheitsbegriff im Werk des Arztes Wilhelm Reich (S. 246) darauf hingewiesen, daß das, was Reich in Charakteranalyse als „Emotionelle Pest“ beschrieben hat, zu einem Gutteil mit jenem Verhalten am Arbeitsplatz identisch ist, das heutzutage als „Mobbing“ bezeichnet wird.

Dieser Punkt findet Unterstützung durch eine psychologische Studie von Thomas Rammsayer und Kathrin Schmiga, Universität Göttingen.

Zuvor war man davon ausgegangen, daß vor allem psychisch weniger stabile, sensible Menschen der dauerhaften Boshaftigkeit ihrer „Kollegen“ ausgesetzt seien, doch dann fanden 2003 die beiden Forscher zur eigenen Überraschung, daß in der Arbeitswelt neugierige, kreative und „offene“ Menschen genauso leicht zu Mobbing-Opfern werden. Nicht nur der bekannte Risikofaktor „Neurotizismus“ mache angreifbar, sondern auch das Merkmal „Offenheit“. Das bedeutet, daß nicht nur Abweichungen nach „unten“ (also ängstliches, nervöses, „verdruckstes“ Verhalten), sondern auch nach „oben“ erbarmungslos eingeebnet werden. Wer nicht ins Mittelmaß paßt, wird ausgegrenzt, teilweise schlichtweg vernichtet.

Unter Kindern und Jugendlichen sind, so der Kinder- und Jugendpsychiater Josef Kirchner, insbesondere sensible, mitfühlende und aggressionsarme Schüler gefährdet, Mobbing-Opfer von Gleichaltrigen zu werden („Amokläufer von heute – Mobbingopfer von gestern“, Der Neurologe & Psychiater, DNP, 10/09).

Besonders fatale Folgen zeitigt jedoch die Ausgrenzung von „Grenzautisten“. Es handelt sich dabei zwar nicht um eigentliche Autisten, doch mangelt es auch ihnen an sozialer Wahrnehmung und an emotionaler Empathie.

In ihrer eigenen Altersgruppe werden sie von den meisten gemieden oder gar gemoppt, da sie durch ihre soziale Unbeholfenheit andere oft genervt haben, ohne es zu merken. Sie erleben nur ihre eigene emotionale Bedürftigkeit, ohne die des Gegenübers wahrnehmen zu können. Daher werden sie als rücksichtslos erlebt.

Der durch vollkommene Gefühlskälte gekennzeichnete Ablauf von Schulmassakern wäre klassisches Verhaltensmuster von Grenzautisten. Typisch sei beispielsweise das Fehlen von jedweder Lust an der Erniedrigung der Opfer. Es ist ein vollkommen mechanisch ablaufendes Geschehen, in dem nicht einmal das Gefühl sadistischer Lust auftritt. Und dies, obwohl Opfer gezielt ausgewählt und bestraft werden.

Was tun? Kirchner weist darauf hin, daß es schon immer Grenzautisten gegeben hat (er nennt Newton und Einstein als Beispiele). Er fordert dazu auf, die Unterschiede zwischen den Schülern zu akzeptieren und die unterschiedlichen Normvarianten nicht zu pathologisieren. Es sei ein Unding, wenn sogar Psychopharmaka hinzugezogen würden, nur um bestimmte Gruppen ans Schulsystem anzupassen.

Was diese Gesellschaft braucht, ist mehr Toleranz gegenüber jenen, die nicht ins Muster passen. Wir sind zwar stolz auf den angeblichen „Individualismus“ in dieser Gesellschaft, tatsächlich ist der Anpassungsdruck aber stärker als jemals zuvor. Wer nicht paßt, „wird passend gemacht“. Die Individuen werden in den Seelentod, teilweise sogar den physischen Tod getrieben. Manche treibt die Erniedrigung in den Amoklauf.

Die „Anpassung“ erfolgt mit den Mitteln des Terrors und der Verhaltensmodifikation (wobei sogar zur Chemie gegriffen wird). Die Folgen sieht man in der Wirtschaft und Politik, wo es kaum noch Führungsfiguren mit Ecken und Kanten gibt (ein Herbert Wehner oder Franz-Josef Strauß wäre heute schlichtweg undenkbar – stattdessen nur die leeren Gesichter von Sparkassenangestellten), in der Wissenschaft (die trotz des angeblich exponentiell ansteigenden Wissens zunehmend verflacht – Fach-Idioten) bis hin zum Alltag (wo es trotz der schreienden Neurosen und Perversionen immer weniger „Originale“ gibt).

Jedes Kind ist wißbegierig. Ich habe meinen Eltern Löcher in den Bauch gefragt und konnte es kaum abwarten, nach der Schule, diesem Totenhaus, nach Hause zu kommen, um Bildungsfernsehen zu sehen, das X-Magazin und Sachbücher zu lesen. Die Funktion der Schule in der gepanzerten Gesellschaft ist es, dieses Feuer zu ersticken, diese lebendige Expansion einzuschränken. Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Die Lehrerschaft verkörpert das genaue Gegenteil.

Eine Fernsehdokumentation regt zur Diskussion über Schüler, Schulen und Lehrer an. Folgender Absatz ist bezeichnend für den Zustand unserer Lernfabriken:

Sabine Czerny ist Grundschullehrerin in Bayern und überzeugt: „Alle Kinder können lernen.“ Sie kritisiert, daß viele ihrer Kollegen, statt die Freude am Lernen zu fördern und die Kinder für ihre Leistungen zu loben, in erster Linie Druck auf die Schüler aufbauen. Ihr selbst gelang es in ihrer Klasse, daß die Kinder plötzlich Spaß am Schulstoff hatten. Als jedoch damit die Noten der Schüler immer besser wurden, erklärte man Czerny, daß es auch in ihrer Klasse „Fünfer und Sechser“ geben müsse. Schließlich mußte die Lehrerin die Schule wechseln. Czerny macht deutlich, daß Kinder nicht an ihren Fähigkeiten und an ihrem Können scheitern, sondern am System.

Anläßlich seines 75. Geburtstages 2004 sagte der mittlerweile verstorbene Schriftsteller Walter Kempowski, einst selbst Dorfschullehrer in Niedersachsen, heutzutage würde er lieber Taxifahrer werden als Lehrer.

Die 68er haben die Pädagogik restlos zerstört. Das ganze Schulsystem, so wie es heute ist, ist menschenfeindlich geworden. (…) Es war ein großer Fehler, die kleinen Dorfschulen zu schließen. Jetzt beklagen sich dieselben Leute, die das veranlaßt haben, darüber, daß die Kinder sich im Schulbus prügeln. Was sollen die sonst tun?

Seiner Meinung nach müßte die Pädagogik wieder an die Reformbewegung der 1920er Jahre anknüpfen. „Damals waren wir weiter als heute.“

In Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht wird gezeigt, daß das Wirken der Sozialisten (beschönigend „Sozialdemokraten“ genannt) und „modern liberals“ (pseudo-liberale Kommunisten!) ein integraler Bestandteil der Ausbreitung der emotionalen Wüste ist. Mit maschinenhafter blinder Konsequenz ver-wüsten die kontaktlosen Sozialingenieure unsere letzte Hoffnung: die Kinder der Zukunft. Die „PISA-Katastrophe“, für die ihre „Bildungsreformen“ verantwortlich sind (man denke nur an die „Verwissenschaftlichung“ der Lehrerausbildung!), veranlaßt sie, alles zu mobilisieren, um noch mehr Schulzentren und Gesamtschulen zu errichten und die Kinder nicht nur am Vormittag, sondern in Zukunft ganztags „über einen Kamm zu scheren“.

tryingtomakethemnormallikeyourself

Die wirkliche Ursache der „Bildungskatastrophe“ wird jedoch auch von Konservativen nie angeschnitten (für Linke ist sie eh ein absolutes Tabu!). Jeder weiß aus eigener Erfahrung, daß Lehrer im allgemeinen weitaus neurotischer strukturiert sind als der Rest der Bevölkerung. Ich wage sogar die Generalisierung, daß die Sprößlinge von Lehrern fast ausnahmslos psychisch extrem auffällig sind. Jaja, man darf nicht generalisieren – aber man frage einen beliebigen Psychotherapeuten, der seit einigen Jahren im Geschäft ist. Außerdem sind wir ja alle Experten, was Lehrer betrifft – und unsere Kinderaugen waren unbestechlich.

Die Hauptqualifikation für einen Lehrer sollte ein erfülltes Liebesleben sein, um fähig zu sein, mit den Kindern emotional mitzuschwingen. Die Lage wäre dann jedoch vollkommen hoffnungslos, denn an sich dürften nur Leute Lehrer werden, die in Orgontherapie sind und einen Kurs in sozialer Orgonomie abgeschlossen haben. Vollkommen utopisch und selbst in einer Million Jahren nicht realisierbar. Das bringt mich zurück zu meinem Helden Walter Kempowski:

Ein funktionelles Leben erzwingt ein funktionelles Verhalten. Lehrer in kleinen „Dorfschulen“ haben gar keine Chance ihre Neurose auszuleben, weil sie sich nicht hinter einer Institution verstecken können. Sie müssen auf die Schüler eingehen, ständig in Kontakt sein. Die Arbeit selbst wird zur „Therapie“.

Dieses Land benötigt eine konservative Revolution im Sinne eines Kempowski oder eines Joachim Fest. Beide waren fast schon archetypische Verkörperungen des „konservativen Charakters“, der von allen Charaktertypen innerhalb der gepanzerten Gesellschaft dem genitalen Charakter noch am nächsten kommt. Um was es geht, zeigt der Titel von Fests 2006 erschienenen Beschreibung der ersten zweieinhalb Jahrzehnte seines Lebens: Ich nicht.

Der konservative Charakter hat so viel „Restkontakt“ zum eigenen bioenergetischen Kern, daß er sich den irrationalen Massen, den „modernen Ideen“, dem Anpassungsdruck an die schwachsinnigen Normen des angeblichen „Fortschritts“ nicht unterwerfen muß. Er ist der einzige vernunftbegabte Erwachsene in einem Meer von verzogenen Kindern, die wie Lemminge ihrem sicheren Untergang entgegentrotten.

Selbstregulierung – ein grundlegendes Mißverständnis

17. November 2012

1977 sagte Ilse Ollendorff in einem Interview mit der orgonomischen Psychologin Jacqueline Carleton:

Eines der Dinge, die mich immer wieder „schaffen“, ist, daß die Leute denken, Selbstregulierung sei das gleiche wie Permissivität. Sie ist es nicht. Unsere Vorstellung von Selbstregulierung hatte mit den Körperfunktionen, physiologischen Funktionen zu tun, die sich selbst regulieren sollten: Ernährung, Fütterung, Reinlichkeitserziehung, Zugang zu allen Teilen des Körpers. Das war Selbstregulierung. Was das Verhalten anging, haben wir, ich würde nicht sagen konventionelle Methoden angewandt, aber es gab Einschränkungen. Es wurde sehr früh klargestellt, daß die Erwachsenen Rechte haben. Daß das Kind ganz bestimmt auch Rechte hat, aber die Erwachsenen haben auch Rechte; daß du in einem Familienverbund lebst. Jeder hat Rechte, muß aber an andere Menschen denken, auf sie Rücksicht nehmen.

Das antiautoritäre Mißverständnis, unter dem unsere Gesellschaft zu zerbrechen droht, lautet, daß genau umgekehrt zu gewichten sei. Aus Bequemlichkeit („Freiheit“) werden die körperlichen Bedürfnisse des Kindes eingeschränkt, während (ebenfalls aus Bequemlichkeit) die Erziehung zur Rücksichtnahme vernachlässigt wird. Ergebnis dieser Art von vermeintlicher „Selbststeuerung“ sind hochneurotische Haustyrannen, die dann als lebende Beweise dafür gelten, daß an Reichs Erziehungstheorien nichts dran sein kann…

Im Presseclub der ARD vom 11.11.12, wo es um das „Betreuungsgeld“ (sic!) ging, wurde die Email der 20jährigen Andrea verlesen, die aufgrund ihrer Erfahrung davon Abstand genommen hatte, sich zur Krippenerzieherin ausbilden zu lassen:

Erlebnisse wie dieses haben mich davon abgehalten: Babys (und wir reden hier über Babys und Kleinstkinder von 0-3 Jahren) wurden in meiner Kinderkrippe weder getröstet, noch frisch gewickelt, sondern wurden stundenlang in der vollen Windel belassen aufgrund Personalmangels. Kurz vor der Abholung wurden die Kinder frisch gewindelt und dann freudestrahlend der Mutter übergeben: „Heute hatte er/sie einen schönen Tag.“

Diese in die „Betreuung“ (sic!) abgeschobenen Kinder, deren körperlich-emotionale Bedürfnisse in den Krippen selbst beim besten Willen nie adäquat erfüllt werden können, kommen dann nach Hause und sollen sich „frei entfalten“!

Hier zwei typische Beispiele aus der antiautoritären Gesellschaft:

„Ich mache nur, was mir Spaß macht. Mir kann keiner was befehlen!“ Die 15-jährige Linda sagte weiter: „Mein Vater erfüllt mir jeden Wunsch!“ Ihre Eltern leben getrennt, kümmern sich aber beide engagiert um Linda und wollen stets das Beste für ihr Kind. Beim Vater, von Beruf Psychiater, bestimmen Grenzenlosigkeit und Verwöhnen den Alltag, die Mutter, als Apothekerin tätig, sieht in der Tochter eine gleichberechtigte Partnerin. Linda schwänzte bereits mit zwölf Jahren die Schule, blieb nachts fort, war respektlos und verhaltensauffällig. Die Situation eskalierte, als sie ihre Mutter tätlich angriff und dabei verletzte.

Annik und Tessa bestimmen den Tagesablauf komplett. (…) Erlaubt ist, was Spaß macht, Grenzen oder Regeln gibt es nicht. „Meine Kinder werden als gleichberechtigte Partner behandelt. Wir diskutieren über alles. Mit guten Argumenten dürfen sie alles bestimmen.“ Annik und Tessa aber werden immer aggressiver, verweigern sich in der Schule. Die Situation eskaliert.

Und so in zahllosen gutsituierten Familien in diesem Land, die sich alle der „Selbststeuerung“ verschrieben haben. Was bei dieser Art von „Liberalismus“, der vollständig in der sozialen Fassade aufgeht, stets vernachlässigt wird, ist die bioenergetische Fundierung der Selbststeuerung. Beispielsweise der Kontakt zwischen Mutter und Säugling, das Stillen, keine forcierte „Reichlichkeitserziehung“, etc. – alles Dinge, die etwa durch „Krippenbetreuung“ hintertrieben werden.