Posts Tagged ‘Otto Weininger’

Der Rote Faden: Der Kalte Krieger Nr. 1

26. August 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

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nachrichtenbrief55

7. August 2017

Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

24. Dezember 2016

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Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

Wilhelm Reich und das Judentum (Teil 1)

26. März 2016

Reich hat zu seinem Mitarbeiter Michael Silvert gesagt, Silvert würde weniger wie ein Jude aussehen, je mehr er er selbst werden würde. Dies sagt, glaube ich, das wesentliche über den „Juden“ Reich und sein Verhältnis zum Judentum aus. Zu Elsworth F. Baker sagte Reich, er, Reich, wäre kein Jude, da ein Jude nur der wäre, der regelmäßig in die Synagoge ginge. Mit dieser Definition steht Reich ziemlich einzig dar. Reichs Absage an seine jüdischen Wurzeln ging so weit, daß selbst der Jude Morton Herskowitz, der letzte direkte Schüler Reichs, nichts von Reichs „Judentum“ wußte, bis Reichs Witwe Ilse Ollendorff 1969 ihre Reich-Biographie veröffentlichte.

Reichs problematische Haltung zur Homosexualität haben Ilse Ollendorff und Myron Sharaf (beide waren Juden) vollkommen falsch eingeschätzt. (Siehe dazu meinen Blogeintrag Fragwürdigkeiten der Reich-Biographik.) Sie hat wenig mit Reichs verdrängter Homosexualität zu tun, als vielmehr mit seinem eigenen verdrängten Judentum. Man kann sie nur im Rahmen von Reichs früher Lektüre von Otto Weiningers (ein zum Protestantismus übergetretener Jude, der Christus und Wagner verehrte) antisemitischem Machwerk Geschlecht und Charakter verstehen.

Bei Weininger ging der jüdische Selbsthaß bis zum Selbstmord von 1903 (er war 1880 Wien geboren!) als bewußter Vorwegnahme des Holocaust. In Geschlecht und Charakter wird der schwache, feige, hinterhältige, verächtliche Ghetto-Jude mit dem schwachen, feigen, hinterhältigen, verächtlichen Geschlechtscharakter der Frau gleichgesetzt. Der richtige Mann müsse sich von seiner Weiblichkeit, d.h. gleichzeitig von seinem Judentum befreien. Hinter Reichs Problem mit der Homosexualität, bzw. Bisexualität steckt in Wirklichkeit sein Problem mit seinem Judentum.

Weininger wollte sich vom Judentum trennen, genauso wie sich der Mann vom Weib, seiner Mutter, trennen muß. Frauenhaß und Judenhaß sind die beiden Kernelemente von Weiningers Philosophie. Der neue Mann sollte alles triebhaft Weibliche und Jüdische in sich vernichten. Der Jude und das Weib haben kein Ich und deshalb keinen Eigenwert. Das erinnert etwas an die Schwarzen in Amerika, die zu asketischen Moslems werden, um dem Image als glücklich grinsende fleischlichen Lüsten hingegebenen Nigger-Affen das genaue Gegenteil entgegenzuhalten. Hier ist auch die Gleichung sinnlicher Nigger = sinnliche Frau = sinnlicher Schwuler. Der Führer der Black Muslims, Louis Farrakhan, ist ein Frauenverächter, ein Homosexuellenhasser und ein militanter Antisemit.

Die ganze Familientradition der Reichs lief darauf hinaus, kein „Jude“ zu sein. Also nicht so jiddisch zu sprechen und dabei wild in der Gegend rumzufuchteln, was Reich z.B. stets bei Otto Fenichel gestört hat („peinlich!“), sondern dezidiert kühl, männlich-herb und „deutsch“ als „Herrenreiter“ aufzutreten, – wie heute der archetypische Israeli. Dieses jüdische Hin-und-Her von Untermensch und Übermensch kommt noch in Reichs Rede an den kleinen Mann zum Ausdruck, wenn er etwas kryptisch zum kleinen Mann sagt: „Du nennst nun einen ‚Juden‘, wer dir zuviel oder zuwenig Respekt einflößt“ (S. 37).

Nur in diesem Rahmen kann man auch Reichs stolzes und gradliniges Verhalten vor Gericht verstehen. Sich nicht mit juristischen Kniffen kriecherisch durchzuwinden wie der „archetypische jüdische Rechtsverdreher“, gehörte zu seiner persönlichen Emanzipation vom Ghetto-Judentum. Dies hat Reich davon abgehalten, sich ganz normal zu verhalten, juristische Kniffe zu nutzen, Kompromisse zu akzeptieren, Lippenbekenntnisse abzugeben und mit dem Richter zu handeln – wie ihm Baker, einer seiner wenigen nicht-jüdischen Mitarbeiter, nahelegte. (Baker war von der typischen Verachtung des amerikanischen Konservativen für „Washington“ und Institutionen wie die FDA geprägt.)

Freud war C.G. Jung so zugetan, weil dieser endlich mal ein Nichtjude war, der die Psychoanalyse aus ihrem jüdischen Ghetto führen könne, waren doch so gut wie alle Psychoanalytiker Juden. Vielleicht muß man auch aus dieser Perspektive Reichs Trennung von der Psychoanalyse sehen: als ein weiterer Schritt seiner Emanzipation vom jüdischen Milieu. Man wird in der Orgonomie, sowohl zu Reichs Zeiten als auch nach Reichs Tod, vergeblich nach irgendwelchen „jüdischen“ Elementen suchen, obwohl ein Großteil der Orgonomen Juden waren und sind. Wirklich die einzige Ausnahme ist ein Aufsatz von Richard Schwartzman, wo er Maimonides erwähnt – in einem Artikel gegen die Beschneidung…

Das spezifisch jüdische an der Psychoanalyse war ihr „Bilderverbot“, d.h. alles lief nur über das Medium der Sprache ab, der Analytiker blieb für den Patienten unsichtbar und der Körper blieb stets draußen vor. Gegen diese audielle Kultur der Juden setzte Reich die visuelle „griechische“ Kultur: in der Orgonomie ist alles greifbar, sichtbar, das Auge steht im Mittelpunkt, Bücherwissen gilt nichts, sondern nur die Naturerfahrung.

So ist auch Reichs merkwürdige Zuneigung zu Christus (ein griechischer Begriff) zu verstehen, während vom jüdischen Rabbi Joschua („Jesus“) nie die Rede ist. Reich hat sozusagen einen nichtjüdischen, „arischen“ Christus vertreten.

Auch die beiden großen Lieben seines Lebens waren gerade jene beiden langjährigen Verhältnisse, die keine Jüdinnen (wie Annie Pink und Ilse Ollendorff) waren: Elsa Lindenberg und Aurora Karrer.

Selbst seinen „Kommunismus“ kann man unter dieser Perspektive vielleicht besser verstehen, denn es gab zwei Parteien, die eine Lösung der Judenfrage versprachen: die Kommunisten wollten die Juden durch vollständige Assimilation beseitigen, die Nationalsozialisten wollten die Juden durch vollständige Sequestration beseitigen.

1930 erklärte die UdSSR die Sowjetisierung des Lebens für so weit fortgeschritten, daß allenfalls noch Sprachunterschiede zwischen den Nationen blieben und jedes Beharren auf jüdische Identität „kleinbürgerlicher Chauvinismus“ wäre. „Ein Buch, das 1931 in einem kommunistischen Partei-Verlag in Wien und Berlin erschien, formulierte diese alte und wiederum neue Linie sowjetischer ‚Judenpolitik‘ programmatisch, nicht zuletzt auch gegenüber der aufkommenden NS-Bewegung in Deutschland.“ (Gerd Koenen/Karla Hielscher: Die Schwarze Front, Reinbek 1991, S. 153) Der Titel lautete: Otto Heller: Der Untergang des Judentums. Die Judenfrage – Ihre Kritik – Ihre Lösung durch den Sozialismus, Wien-Berlin 1931. Wurde Reich durch dieses Buch zu seiner Untergang-des-Judentums-Forderung in Rede an den kleinen Mann inspiriert?

Ich glaube, daß das jüdische Volk irgendwann einmal sich in den Massen der Menschentiere dieses Planeten verlieren wird, zu seinem eigenen Gedeihen, und dem seiner Enkelkinder. Das hörst du nun nicht gerne, kleiner jüdischer Mann, denn du pochst so sehr auf dein Judentum, weil du dich selbst als Juden verachtest, und jeden, der dir nahe ist. Der schlimmste Judenhasser ist der Jude selbst. Dies ist eine alte Wahrheit. Doch ich verachte dich nicht, und ich hasse dich nicht. Ich habe mir dir nur nichts gemein, oder nicht mehr gemein, als ein Chinese mit einem Wiesel (!!, PN) in Amerika: den gemeinsamen Ursprung aus dem Weltall. Weshalb gehst du nur bis Sem, und nicht bis auf das Protoplasma zurück, kleiner Jude? Für mich beginnt das Lebendige in der Plasmazuckung, und nicht mit deinem Rabbinat. (S. 38f)

Jedenfalls empfahl Reich Otto Hellers Buch 1934 in „Anfragen“ Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie Band 1, Nr. 2, S. 159-164.

Genauso auch Reichs späterer Antikommunismus und plakativer „Amerikanismus“: er wollte nicht der typische linksintellektuelle Jude sein, der sich über die tumben Amis lustig macht. Gerade jüdisch-stämmige Linksintellektuelle, die Atheisten waren, haben sich immer explizit zu ihrem Judentum bekannt. Der modern liberal identifiziert sich gerne mit den Unterprivilegierten. In der Dialektik der Aufklärung findet sich ein ganzes Kapitel, das die Juden praktisch mit dem Proletariat gleichsetzt. Reich hat dieses verachtenswerte Spiel nicht mitgemacht.