Posts Tagged ‘Otto Fenichel’

Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Die sexuelle Revolution

7. Januar 2017

Als Reich aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte und nach einem Semester Jura anfing Medizin zu studieren, organisierte er zusammen mit seinem damaligen Freund Otto Fenichel ein privates Studentenseminar über eine Leerstelle im offiziellen Lehrplan: die Sexologie. Über dieses Seminar kam er in Kontakt mit Freud und wurde sehr schnell Psychoanalytiker. Was ihm bereits damals auffiel, war, wie imgrunde fremd ihm die Herangehensweise der damaligen Sexologen und Psychoanalytiker war, die sich detailversessen an allen möglichen Perversionen abarbeiteten, das eigentliche Thema aber verfehlten: die gewöhnliche Sexualität des Menschen bzw. das, was sich die meisten Menschen als erfüllende Liebe ersehnen. Entsprechend lebte er als Sexualaufklärer in einer vollkommen anderen Welt als etwa Magnus Hirschfeld. Es gab praktisch keinerlei Berührungspunkte. Man muß auch daran denken, daß zu der Zeit, als Reich in Berlin tätig war, Berlin als die „Sexhauptstadt“ der Welt galt. Nichts davon ist in seinem persönlichen Leben oder in seiner „Sexpol“-Arbeit zu finden. Entsprechend verband ihn in Amerika so gut wie nichts mit Leuten wie Henry Miller oder Alfred Kinsey. Vielmehr galt er wegen seines Beharrens auf der Genitalität als prüde und außerdem betrachteten ihn beispielsweise die damaligen Anarchisten, die für „sexuelle Freiheit“ fochten, als eine Gefahr, weil sie befürchteten mit seiner „Pseudowissenschaft“ in einen Topf geworfen zu werden.

In seiner Sexpol-Arbeit beschäftigte er sich natürlich auch mit Perversionen, Hermaphroditen, etc. doch dies nie in seinen öffentlichen Vorträgen, sondern nur in Einzelgesprächen, wo es darum ging, daß das ganze kein Problem der Moral sei, daß sich der betreffende nicht schämen müsse, wo er weitere Hilfe finde, etc. Das kontrastiert auffallend zur „modernen“ Herangehensweise, Minderheitenprobleme in den Mittelpunkt zu stellen und das, was „die Massen“ angeht, an den Rand zu schieben.

Kurioserweise wurde von Anfang an versucht Reich mit der „sexuellen Revolution“ der 1960er Jahre in Verbindung zu bringen, allein schon wegen des gleichnamigen Buchtitels von Reichs Mitte der 1940er Jahre erschienenen Buches. Doch ist es vollständig abwegig Reich in irgendeine Beziehung etwa zum Playboy oder anderen Vermarktern von „Sex“ zu setzen. Man schaue sich nur den Film What‘s New Pussycat aus dem Jahre 1965 an. Nichts verband ihn mit den Hippies und selbst in der Studentenbewegung, man denke nur an Cohn-Bendit, wurde eindeutig Herbert Marcuse bevorzugt und Reich der „Fetischisierung der Genitalität“ geziehen.

Die wahre „sexuelle Revolution“ hatte für Reich verschiedene Aspekte. Zunächst einmal ging es um die Herstellung einer grundsätzlich sexualpositiven, lebensfreundlichen und das hieß für Reich anfangs vor allem antireligiösen Atmosphäre. Diese stellte er etwa auf den Massenversammlungen der Sexpol in Wien und Berlin her. Heute kann man kaum sagen, daß die gesellschaftliche Atmosphäre „sexualpositiv“ ist, vielmehr ist sie von Angst geprägt nicht irgendwelchen Kriterien zu genügen und ständig wird Angst vor Geschlechtskrankheiten, insbesondere HIV eingeflößt. Hinzu kommt, daß heute „Sex“ weitgehend als Ersatz für familiäre Wärme und emotionalen Kontakt herhalten muß. Bei Migranten herrschen heutzutage ähnliche Verhältnisse wie damals im erzkatholischen Österreich oder in der damaligen deutschen Provinz und selbst die Deutschen sind alles andere als „antireligiös“, vielmehr greift eine „Spiritualität“ um sich, die die Menschen erst recht von ihrer Sexualität entfremdet.

Einer der Hauptgegensätze zwischen Reich und Freud war die Natur des Ödipuskomplexes. Für Freud war er eine biologische Gegebenheit, aus der sich die Kultur entwickelt hat, die deshalb untrennbar mit der Neurose verknüpft sei. Für Reich war er ein Kunstprodukt der patriarchalen Familienstruktur und würde sich, zusammen mit der Neurose, mit dem Verschwinden der Familie, wie wir sie kennen, in Luft auflösen. Er schaute dabei hoffnungsvoll nach Rußland und dessen Experimenten mit „kollektiver Erziehung“. Reich dachte dabei vor allen an von den Kindern selbstgesteuerte „Kinderrepubliken“, in denen kindliche Sexualität ausschließlich zwischen etwa gleichaltrigen Kindern stattfindet. Gleichzeitig erkannte Reich im Laufe der Zeit aber immer deutlicher, wie sehr das Kind vom Augenblick der Geburt an die körperliche und vor allem emotionale Nähe seiner Mutter braucht, um gesund heranzuwachsen. In der sogenannten „sexuellen Revolution“ kam es jedoch, nicht zuletzt durch den Einfluß der orthodoxen Psychoanalyse, die bei zu engem Kontakt zwischen Kindern und Eltern immer eine „Aktivierung des Ödipuskomplexes“ witterte, zu einem Wegbrechen dieses Urvertrauens. Für Kinder und Jugendliche wurde „Sex“ zu einem Ersatz für diese Nähe und Menschen mit pädophilen Tendenzen sahen sich berufen, die Sexualität von Kindern „zu befreien“, wobei sie sich irrwitzigerweise teilweise sogar auf Reich beriefen.

Durch den Zerfall der alten triebgehemmten autoritären Ordnung und ihre schrittweise Ersetzung durch eine triebenthemmte antiautoritäre „Unordnung“ ist es infolge der „sexuellen Revolution“ zu einer grundlegenden Veränderung der Panzerstruktur des Durchschnittsmenschen gekommen, nicht zuletzt auch durch die Verbreitung legaler und illegaler Drogen, insbesondere Marihuana: muskuläre Panzerung wurde weitgehend durch okulare (Augen-) Panzerung ersetzt, was zu einem Zustand allgemeiner Kontaktlosigkeit, einem höheren Angstpegel und allgemeiner Orientierungslosigkeit führt, die die Augenpanzerung immer weiter verstärkt.

Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

1. November 2016

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Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

Peglau: Unpolitische Wissenschaft? (2013)

4. September 2016

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Peglau: Unpolitische Wissenschaft? (2013)
 
 

2009 schrieb David: „Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche.“

… und besser als von den Kommunisten / Sozialisten, deren Bewegung wie ich glaube ebenfalls „abgebogen“ wurde. Nicht erst Stalin, schon Lenin verbreitete die Ansicht, die „Arbeiter“ seien dumm und sie selber, die Bolschewiki, seien ihnen intellektuell – „Kopf“ – weit überlegen, sie seien die Elite, sie müssten daher die Arbeiter führen, müssten ihnen das kommunistische Bewusstsein injizieren anstatt des gewerkschaftlichen „trade-unionistischen“ Bewusstseins, das sie von sich aus hätten.

Dazu Peter: Man muß noch weiter zurück bis zu den Quellen. Ich zitiere aus meinem Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie:

Nicht von ungefähr war „Zentralisation“ der Leitbegriff des Kommunistisches Manifests. Aus dem Wahn heraus der Geist, also ein Geist, könne alles überblicken, mußte sich logisch der Personenkult um das zentrale „Superhirn“ entwickeln (Marx, Lenin, Stalin, Mao, Castro, Abimael Guzman, etc.). Bereits in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie von 1844 sagt Marx in seinem typischen verquasten Stil, „der Kopf“ der „menschlichen Emanzipation“ sei „die Philosophie, ihr Herz das Proletariat“. „Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen (…) Die Philosophie kann sich nicht verwirklichen ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie“ (z.n. 26:93). Der „Masse“ fehle völlig, so Marx im Kommunistischen Manifest, die theoretische Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate ihrer Befreiung.

Das ist einer der Gründe, warum ich bei kommunistischer „Antifa“ säuerlich aufstoßen muß.

David: Theoretisch hatte z.B. Mao eine ganz gute Idee, nämlich die Sache mit den Dorf-Hochöfen. Eisen bzw. Stahl sollte dezentral hergestellt werden.
Tatsächlich ist dann etwas Unerwartetes geschehen. Es konnte nicht die gleiche Qualität hergestellt werden wie in den Stahl- und Hüttenwerken der Sowjetunion oder des Westens.
Hier kommen wir in ein Gebiet was möglicherweise allein mit der herkömmlichen Wissenschaft nicht so leicht erklärt werden kann. Gewisse Prozesse sind nur im Großen möglich, oder nur im Großen gelingen sie so gut wie wir sie kennen. So kann zum Beispiel Ammoniumnitrat im Labormaßstab nicht zur Explosion gebracht werden; es zerfällt bei Erhitzen LANGSAM zu Distickstoffoxyd (Lachgas). Dieselbe Reaktion aber trat in den zwanziger Jahren bei einem großen Chemieunfall bei der BASF explosionsartig ein.
Also muss jede / jeder, die / der die Welt verändern will, den Armen helfen will, usw., mit der Realität in Kontakt bleiben, wozu Kommunisten normalerweise nicht willens und vielleicht auch nicht fähig sind.
Eine Ausnahme mag vielleicht die Einführung der „Neuen Ökonomischen Politik“, das Wieder-Erlauben von privaten Kleinunternehmen durch Lenin sein. Offenbar begriff Lenin, dass mit einer reinen Zentralverwaltungswirtschaft eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und anderen wichtigen Dingen nicht möglich ist.
Wie, wann und warum die NEP wieder abgeschafft wurde, ist mir nicht ganz klar, ich glaube aber es ist noch vor Übernahme der Macht durch Stalin, also noch unter Lenin gemacht worden. Offenbar ging Lenins Bereitschaft, sich nach der Realität zu richten, wieder verloren.

Peter: Mao hatte auch die gute Idee, alle Vögel in Peking von den Roten Garden töten zu lassen. Seine Überlegung war, daß sie zu viel Getreide aufpicken. Ergebnis war eine Insektenplage. Reich hat gegen derartigen Wahnsinn sein Konzept der Arbeitsdemokratie gesetzt: jene Leute bestimmen, die wirklich im Arbeitsprozeß drinstecken und deshalb abschätzen können, was passieren wird, wenn man eine Maßnahme ergreift. Lenin hat die NEP durchgesetzt, und die Maoisten haben später entsprechendes getan, weil das Land schlichtweg vor dem ökonomischen Kollaps stand. Man hat die Fachleute (die „Kapitalisten“) wieder gewähren lassen – und dann nach getaner Arbeit erschossen. Das wird in China und im modernen Rußland nicht mehr geschehen, vielmehr geht das ganze System in einem undurchdringlichen Gewirr von Wirtschaftskriminalität auf.

Robert 2013: Gustav Hans Graber war später einer der Pioniere der pränatalen Psychologie, er vertrat so etwas wie eine Misch-Typenpsychologie von Jung und Freud. Seine Bücher sind heute noch lesenswert.

O.: Das „Fremde“ muss hier wohl eher als „Nicht-Ich“ als identifiziertes Elternteil aufgefasst werden und das Selbst soll diesen Teil des Ich abspalten. Das wäre inhaltlich an der Charakteranalyse orientiert mit einem anderen Lösungsansatz als Reich es vorschlug. –
Das Selbst könnte den Kern „psychisch repräsentieren“. Das wäre natürlich alles nur Psycho-Gefasel, aber immer hin an Reich angelehnt.

David 2013: Kontaktlosigkeit – ist da auch folgendes gemeint:
Wenn beispielsweise ein Vater befürchtet, er könne vielleicht auf seine Tochter einen inzestuösen Übergriff begehen – oder falls er tief unbewusst soger wünscht, das zu tun, könnte es dazu kommen, dass er jede, auch jede anständige freundschaftliche Berührung der Tochter vermeidet.
Der Schweizer Arzt Samuel Widmer hat über diese Dinge geforscht und er hat das den „Ehrbaren Inzest“ genannt. Samuel Widmer ist auch als Halluzinogen-Forscher bekannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Widmer#Das_Inzest-Tabu

O.: Welches Problem hinter einem „Inzestwunsch oder -gedanken“ steht, wird regelmäßig unbeachtet gelassen oder nicht erkannt.
Hier wird zumindest einmal Freuds (für mich) falsche These des Ödipuskonfliktes richtig gestellt. Nicht die Tochter begehrt den Vater, sondern umgekehrt.
__________________
Konia folgt dem Tenor der „modernen“ Körperpsychotherapeuten, die eine Zunahme der frühen Ströungen zu erkennen glauben. Letztere begründen dies mit ihrerer „Narzissmustheorie“, Konia mit „Kontaktlosigkeit“ (ouklare Blockierung).

Sebastian 2013: Helmut Dahmer wiederholt seit Jahrzehnten seine fruchtlose Kritik. Das Einzige, was er zu sagen hat, ist, dass Reich weder Freud noch Marx ist, was Reich aber selbst stets betonte. Worin liegt also der Erkenntnisgewinn seines Schreibens? Zudem stellt er die Theorie Reichs negativ dar, ohne sich auch nur die geringste Mühe zu geben, das sachlich zu begründen. Die Frage, die Dahmer unbeantwortet lässt, lautet: WAS für FAKTEN sprechen gegen diesen „naturalisierenden“, „technisierenden“ Ansatz?
Seine Botschaft ist, dass Reich weder Freud noch Marx verstanden hat und sein (Reichs) eigener Ansatz sich ideologisch im Technizismus und Naturalismus verrannt hat. Er will Reich restlos zerstören. Warum darf so jemand die Einleitung von Peglau’s Buch schreiben?

Peter: Dahmer ist halt Experte in Psychoanalysegeschichte und Peglau ist stolz darauf, mit Leuten fruchtbar („arbeitsdemokratisch“) zusammengearbeitet zu haben, die seiner Einschätzung Reichs teilweise diametral entgegengesetzt sind.

O.: Nun wenn Prof. Dr. H. Dahmer (bekannt geworden unter Mitscherlich) einen Herrn Peglau kennt, ist dies schon eine Ehre, folglich geht es um „Anerkennung“ (!), die Mutter aller falschen Motive. Damit ist er auch für die „Reichszene“ attraktiv und er kann sich mit ihnen schmücken und umgekehrt.
Außerdem verlegt er im Psychosozial Verlag Gießen, was nach Beziehungen aussieht, die er sich wohl erarbeitet haben wird.

Sebastian: Ich habe mir nochmal den Aufsatz des Soziologen Helmut Dahmer in Birgit Johlers „Wilhelm Reich Revisited“ durchgelesen und möchte den kurz besprechen.
Dahmer kritzelt seit 40 Jahren irrational über Reich herum. Eine gewisse Genugtuung scheint es ihm zu bereiten, dass die Faszination für Reich seit der Studenten- und Jugendbewegung erloschen ist und seine „skurrilen Züge deutlicher präsent“ sind, obwohl er sich wundert, dass immernoch Reich-Biografien und -Monographien erscheinen. Dahmer versucht Reich nicht durch Klatsch und Tratsch über sein Privatleben zu zerstören, wie zB Christopher Turner, sondern durch die Beurteilung seines Werkes, vor allem seiner „Metatheorie“ aus Psychoanalyse und Marxismus.
Dabei überschreitet Dahmer erstens immer wieder die Grenze seines soziologischen Fachgebietes, was ja nicht schlimm wäre, wenn er sachliche Argumente dafür hätte. Da man sich in der wissenschaftlichen Gemeinde etabliert hat, hat man es aber zweitens nicht nötig sich mit lästigen Fakten herumzuschlagen. So werden Fakten zu „glücklichen Einfällen“ und „vorschnellen Generalisierungen“ und technische Weiterentwicklungen und soziale Konsequenzen aufgrund neuer Faktenlage zu quasi aus der Luft gegriffenen „Erfindungen“ oder „faszinierend einfachen Lösungen“, die anschließend „dogmatisiert“ werden.
Diese unwissenschaftliche Vorgehensweise praktiziert Dahmer seit 40 Jahren, ohne den geringsten Skrupel. Wer nicht mit sachlichen Argumenten überzeugen kann, der muss mit Plakaten um sich schmeißen. Reich hätte zwar dies und jenes „versucht“, aber sei daran letztendlich „verzweifelt“. Was übrig bleibe, sei ein „revolutionärer Arzt“ und „wunderlicher Naturforscher“, auf theoretischem Feld ein „Pamphletist und Säbelfechter“, ein „Sexualutopist“ und „Naturromantiker“, der über die „kosmische Lebensenergie Orgon“ „spekulierte“ bzw. „quacksalberte“.
Sein ganzer Hass richtet sich ganz offen gegen die Orgasmustheorie. Reich „überhöhe“ bzw. „fetischisiere“ die genitale Sexualität zu einem „naturgegebenen Ziel“ und hätte damit die „gegenwärtige Sexualökonomie“ vorweggenommen. Die Realität hätte ihn widerlegt. Für Dahmer ist Genitalität unnatürlich bzw. „pseudonatürlich“, weil das, was vergesellschaftet ist, niemals Natur sein kann. Ein rotes Tuch beim Orgasmus ist für ihn die Bewusstseinsverdunkelung, die reflexionslose Ungehemmtheit, die vergleichbar mit dem Schlaf ist. Dagegen sieht er gerade in der Reflexion in Verbindung mit Arbeit und Klassenkampf die Lösung der Probleme unseres Zeitalters. Die gegenwärtige Sexualökonomie nennt er gemäß Herbert Marcuse „repressive Entsublimierung“, dh, dass sozusagen keine Energie mehr für Sublimierung bzw. Kultur bzw. Gegenkultur übrig ist, wenn man ständig Sex hat.
Wenn man sein bisheriges Wirken oberflächlich anguckt, ist sein gesamtes Werk ein Gegenan gegen alles und jeden. Abweichen („Divergieren“) um jeden Preis in seiner prägenitalen, emotionslosen, intellektuell hypertrophierten Welt.
Worin hat Dahmer recht? Er sieht genauso wie die ACO Orgonomen (und wie Reich es auch gesehen hätte), dass die gegenwärtige Sexualökonomie Mist ist. Er übersieht, dass es sich bei der gegenwärtigen um eine ungeordnete Sexualökonomie handelt und er hat vor 40 Jahren wie heute nicht den Unterschied zwischen Prägenitalität und Genitalität verstanden.
Außerdem kritisiert er an Reich, dass sich seine Theorie „wenig zur Analyse der Entwicklung sozialer Systeme“ eignet. Dabei hat er die 60er Jahre vor Augen, die Reich tatsächlich nicht vorschwebte. Allerdings finden sich genug Hinweise verstreut in seinem Werk, die eine solche Transformation erklärbar machen. Das haben seine Nachfolger vom ACO überzeugend getan.

Peter: Was will Dahmer eigentlich? Er “betont die Bedeutung der angestrebten »Freien Assoziation« bei Marx (der Individuen) und Freud (der Gedanken)“ http://www.jungewelt.de/2013/08-03/015.php
Auf so etwas muß man erstmal kommen! Die freie Assoziation bei Marx und Freud!
Mein Gott, mit Kategorienfehlern fängt Wissenschaft vielleicht an („Inspiration“ durch Verknüpfung von Dingen, die zuvor niemand verknüpft hat), aber bei Dahmer endet sie so. „Die freie Assoziation bei Marx und Freud“! Lol.

Peter: Hier, so sieht die freie Assoziation nach Marx und Freud konkret aus:

Eines meiner Lieblingslieder. DAS waren noch Schlager!

O. 2013: Wie es allen bekannt sei müsste, die sich mit der Geschichte der Psychologie auseinandergesetzt haben, hat C. G. Jung sich schon 1933, kurz nach der Machtergreifung Hitlers zum Führer schriftlich bekannt. Er unschied die arische (Psychologie) von der jüdischen Psychoanalyse und übernahm die führende Rolle (mit anderen) für die Psychologie im Nationalsozialismus. Freud und Reich wurden so verdrängt. Dennoch wurden gerade Freud und Reich bis ins Detail von den´Nationalsozialisten gelesen und verstanden! – Diese Haltung gilt ungebrochen bis in die Adenauerzeit und bis heute in der Psychologie, jedoch spricht man heute weder von Jung oder Reich, auch Freud wird mit Naserümpfen erwähnt. Der angebliche Positivismus und die „objektive, wissenschaftliche“ Haltung habe mit der Verhaltensmedizin (VT) eine „politische Psychologie“ (auch bezugnehmend auf Reich oder den Nationalsozialismus) überwunden und mit ihr quasi nichts mehr zu tun.
Das Bekenntnis zu Jung – und damit unweigerlich zum Nationalsozialismus – kommt in der psychologischen Literatur in Form von harmlosen Jungzitaten vor. Hiermit hisst man die NS-Fahne, ohne sich hierzu öffentlich bekennen zu müssen und kann Karriere machen. Die Verhaltenstherapie lehnt die (jüdische) Psychoanalyse kategorisch ab, trennt sich aber nicht und äußert sich nie kritisch gegenüber Jungs arischer Psychologie/ „Analyse“.
Die neuere Generation von Wissenschaftler weiß hierum selbstverständlich und versucht Jung nicht mehr die Bühne und Ehre zu geben, um eben nicht in denselben Verdacht zu geraten, aber ihre geistigen Väter sind natürlich dieser Tradition verbunden.
Es wundert also gar nicht das Deutschland gemäß dem 3. Reich in der Psychologie wieder einen eigenen Weg geht und alle anderen (jüdisch anmutenden) Methoden verdrängt, sagen wir es offen ausmerzt.
Dies müsste auch so bei Peglau stehen, wenn er nicht hierzu zu feige wäre.

Der Rote Faden: Reich in Skandinavien (Teil 2)

15. Dezember 2014

Am 29. Oktober 1933 schrieb eine dänische Zeitung, daß man Leute wie Reich, diese sexuellen Schweine, aus dem Land entfernen sollte. Bereits am 3. Oktober hatte das dänische Innenministerium beschlossen, daß Reichs befristete vorläufige Aufenthaltsgenehmigung nach Ablauf der sechs Monate nicht verlängert werde, so daß er am 1. Dezember das Land verlassen müßte. Er reiste nach London, weiter nach Paris, Zürich, Tirol, um dort Weihnachten mit seinen Kindern zu verbringen. Weiter nach Wien und Prag. Über Deutschland zurück nach Skandinavien. Nimmt seine Lebensgefährtin Elsa Lindenberg aus Berlin mit, die inzwischen ihre Freunde und Familie besucht hatte. Anfang 1934 kommen Willi und Elsa in Malmö, Schweden an. Reich führt den Begriff „Sex-Pol“ ein und veröffentlicht als „Ernst Parell“ die Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie. Am 3. und 4. April Treffen der linken Psychoanalytiker in Oslo: Reich, George Gerö, Nic Hoel, Edith Jacobsohn. Zurück nach Malmö. Ende Mai läuft erneut seine sechsmonatige vorläufige Aufenthaltserlaubnis (diesmal für Schweden) aus und er zieht illegal nach Sletten, Dänemark. Am 1. Juli 1934 Treffen von Reich, Fenichel, Gerö, Nic Hoel in Humlebäk, Dänemark. Seine beiden Töchter besuchen ihn. Die Gruppe reist über Deutschland zur psychoanalytischen Konferenz in Luzern, Schweiz, 26. bis 31. August. Danach Camping in der Schweiz. Über Frankreich zurück nach Dänemark. In Kopenhagen wohnt er bei Freunden.

Ende Oktober 1934 zieht er nach Oslo, wo er bis 1939 ansässig bleibt. Zunächst wohnt er in einer Pension, dann am 14. November schreibt er in sein Tagebuch: „Nach 1 3/4 Jahren Wanderung wieder eine Wohnung.“ Januar 1935 beginnt er seine Vorlesungen an der Universität Oslo. 24. März 1935: der Oszillograph ist bereit. Mai bis Dezember 1935 die bioelektrischen Experimente. 1936: im Sommer reist Reich nach Grundlsee, Österreich, um die Kinder zu sehen. Den gesamten August über (2.8. bis 5.9.1936) reist er allein durch Europa: Norwegen, Dänemark, Polen, Tschechoslowakei, Österreich, Schweiz, Frankreich, England, Dänemark, Norwegen. Am 4. Oktober 1936 besucht Malinowski Reich in Oslo. 1. Mai 1937: das Labor für Lebensforschung wird eröffnet. DuTeil vom 26. Juli bis 7. August in Oslo. Am 22. September beginnt die konservative Aftenposten mit der norwegische Pressekampagne. 1938: im Juli ist Reich campen, im August erste Notizen über die Arbeitsdemokratie. Am 18. August 1939 verläßt Reich Norwegen.

Die Kopenhagener Ortsgruppe der Sexpol wurde 1936 geschlossen. Dr. med. Leunbach mußte eine dreimonatige Haftstrafe wegen illegaler Abtreibung absitzen. Das gleiche passierte Dr. med. Tage Philipson, dem vorgeworfen wurde, Patienten vernachlässigt zu haben. Darüber hinaus wurde Leunbach (Jahrgang 1884) das Recht zur Berufsausübung für fünf Jahre entzogen, außerdem wurde er durch den Verlust seiner Bürgerrechte bestraft. Philipson wurde das Recht zu praktizieren für drei Jahre entzogen. Auch wurde die Krankenschwester Frau Perlmutter verurteilt. Wegen des Mangels an Unterstützung für Leunbach und Philipson durch die Sexpol-Mitglieder stellte Reich die Sexpol ein: seine „politische Arbeit“ hatte ein Ende gefunden.

zeitschrift2In Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Band 3, Doppel-Heft 3/4(10/11) 1936) findet sich unter der Rubrik „Die internationale Sexpol-Diskussion“ das folgende von Interesse:

In der deutsche Emigrantenpresse in Frankreich besprachen im Januar und Februar 1934 deutsche Trotzkistische Zeitschriften Reichs Massepsychologie ziemlich positiv, jedoch änderten sie ihre Ansicht offenbar sehr bald. Es gab eine abfällige Schmähung der Sexualpolitik (ohne sich speziell auf Reich und seine Gruppe zu beziehen). Im März 1936 veröffentlichte die Trotzkistische Unser Wort ein komplette Ablehnung und verständnislose Kritik von Karl Tschitz‘ Sexpol-Buch Religion, Kirche, Religionsstreit in Deutschland. Die Besprechung enthielt auch scharfe Schmähungen gegen die Sexualökonomie generell (S. 157f).

Am 17. Mai 1936 veröffentlichte Mot Dag, die Zeitschrift der Marxistischen norwegischen Gruppierung Mot Dag, einen Artikel von Hanns Vogt: „Wer regiert Deutschland?“. Dort diskutiert er auch, sich auf Reichs Massepsychologie beziehend, die sexual-psychologischen Wurzeln der NS-Idologie. Dies ist um so bemerkenswerter, als Mot Dag zuvor der Sex-Pol ablehnend gegenübergestanden hatte (S. 159). (Zu Vogt siehe Der Rote Faden: Willy Brandt und Mot Dag (Teil 2)).

Die Zeitschrift der norwegischen Arbeiterpartei Kamp og Kultur veröffentlicht das Kulturprogramm der Sex-Pol gefolgt von einen furiosen Angriff von Digernes in dem kommunistische Parteiorgan Arbeideren am 22. und 25. Mai 1936. Digernes sei, so heißt es in der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, nicht in der Lage, zwischen den subjektiven Inhalten und der objektiven Funktion einer Ideologie zu unterscheiden, was ihn – offenbar bewußt bösartig – zu Mißverständnissen führt. Zum Beispiel bestreitet die Sex-Pol nicht die psychologische Realität der Religion, findet darin sogar eine verschleierte Lebensbejahung, was Digernes so interpretiert, daß die Sex-Pol die Religion verteidige (S. 159). (Reich ist ein „Psycho-Faschist“!)

Diese Notizen über Trotzkisten, linke Sozialisten und Kommunisten werfen ein Licht auf Reichs politische Position zu dieser Zeit und seine politische Entwicklung:

  1. Desillusioniert durch den Großen Krieg wird Reich, wie alle um ihn herum, ein Sozialdemokrat (1919-1927).
  2. In Österreich war die Sozialdemokratie verbal sehr radikal, aber ihre tatsächliche Politik wurde immer defätistischer, so daß sich Reich der damals extrem linken Komintern zuwendet (1927-1933).
  3. Trennung von der Komintern (1932-34).
  4. Reich wendet sich mehr und mehr den Trotzkisten zu, gefolgt von einer ähnlichen Trennung weg von den Trotzkisten (1933-36).
  5. Reich nähert sich den linken sozialistischen Organisationen wie Brandts SAP (z.B. auf dem Innencover seiner Zeitschrift druckt Reich 1937 eine Anzeige für das Organ der SAP ab) und der Mot Dag (1935-39) an.
  6. Er formuliert das Konzept seiner Arbeitsdemokratie zunächst ganz ähnlich wie linke „Sozialdemokratie“, distanziert sich dann aber zunehmend von der Linken (1937-46).
  7. Nachdem er sieht, daß selbst der neue, der zweite „Große Krieg“ nicht ausreicht, um Bewegung „in den Massen“ zu tragen, wendet er sich der Rechten zu: aus einem Roosevelt-Fan wird ein Eisenhower-Fan (1946-57).
  8. Der nächste logische Schritt wäre gewesen, alle veralteten theoretischen Verbindungen zu Marx und Lenin zu kappen, was aber erst die ACO-Orgonomen taten.

Mittlerweile in Amerika ansässig, zitiert Otto Fenichel in einem seiner Rundbriefe (3. August 1938) einen Bericht von Gerö über Norwegen:

In den Zeitungen tobt seit Monaten eine Kampagne für und gegen Reich. Er, d.h. seine elektrischen Narrheiten, wurden von wissenschaftlichen Kreisen als ärgste Charlatanerie entlarvt, von manchen Seiten auch die Nicht-Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung gefordert. Verteidigt wurde er vor allem von den Narren des inneren Kreises Sigurd Hoel, Nic Hoel, Ola Raknes, Havrevold. Schjelderup ist vollständig abgefallen. Er sagt jetzt die gleichen Wahrheiten über Reich, die er von Dir (Fenichel) und mir schon vor Jahren gehört und damals höhnisch abgelehnt hat. Er gab mir gegenüber zu, daß Reich die Psychoanalyse in Norwegen fürchterlich geschädigt hat. Trotzdem haben sowohl er wie Braatöy ein Gesuch unterschrieben, das für die Verlängerung von Reichs Aufenthaltsbewilligung eintritt, weil sie sehr anständig den Standpunkt vertreten, daß man verhindern soll, daß die Ausweisung Reichs einen Präzedenzfall gegen das Asylrecht schafft. (119 Rundbriefe, Bd. 2 (Amerika), S. 951f)

Im Rundbrief vom 6. Februar 1939 zitiert Fenichel aus einem Brief aus Skandinavien:

Aus Oslo hört man, daß dort die Sex.Pol. immer mehr einschrumpft. Sigurt Hoel scheint bereits zu schwanken, dagegen Raknes und Nic Hoell keineswegs. … Die Zeitschrift erscheint nicht mehr. … Eine Tratschgeschichte ist bezeichnend für den Geist der Sex.Pol.: Bei Raknes ziehen sich die Patienten Trainingsanzüge an, bevor sie die „vegeto-therapeutische“ Seance beginnen. (ebd., S. 1065)

Punkt 3 des Rundbriefs vom 3. Mai 1939 handelt von Skandinavien: vor einiger Zeit hielt der norwegische Psychoanalytiker Braatöy einen Vortrag vor der Studenterforeening in Kopenhagen. Fenichels Berichterstatter:

Es ist interessant, wie diese Norweger, selbst Braatöy, der nie ganz die Distanz verloren hat, von Reich und der Sex.Pol.-Ideologie verdummt worden sind. Eine an sich wünschenswerte Kulturkritik an dem heutigen Erziehungssystem verliert ihre Berechtigung und Überzeugungskraft wegen unklarer Gesichtspunkte und falscher Verallgemeinerungen. Denn Braatöy hat nicht klar unterschieden zwischen der affektiven Lebendigkeit des unneurotischen Menschen und dem neurotischen Affektausbruch, so daß die Karikatur, die ich Dir beilege, ihn ganz treffend ironisiert. Danach, was er gesagt hat, könnte man annehmen, hysterische Affektausbrüche wären der Idealzustand für den Normalen. (…) In Oslo ist jetzt glücklicherweise zwischen Reichisten und Analytikern jede Verbindung abgebrochen. Zu Reich halten jetzt nur mehr Raknes und die Hoel. (ebd., S. 1107f)

Spitze Bemerkungen

21. Mai 2013

Woran erkennt man einen pestilenten Charakter? Hitler war in abendlicher Gesellschaft oder am Mittagstisch ein angenehmer, charmanter Mann. Bis er, der Vegetarier, etwa angesichts der Suppe von „Leichentee“ sprach oder davon, daß im Tierreich jedes Tier bei lebendigen Leibe zerrissen werde, sobald es Schwäche zeigt, und ähnliche Widerwärtigkeiten, die einem das Essen im Halse stecken lassen. Der Film Der Untergang arbeitet das sehr schön heraus. Stalin ließ regelmäßig kameradschaftliche Saufgelage „unter Genossen“ in sadistische Exzesse ausufern, die die Opfer vollkommen unvorbereitet traf: das Lachen erstarrt urplötzlich. Es ist ein innerer Zwang des pestilenten Charakters so etwas zu inszenieren. Das kennt jeder aus dem Alltag: diese satanische Freude, die in den Augen mancher Menschen aufflackert, wenn sie mal wieder ohne Vorwarnung und wohl plaziert, eine „spitze Bemerkung“ haben fallenlassen, die das Opfer bis ins Mark trifft.

Dieses Muster findet sich überall, etwa wenn eine fruchtbare Diskussion urplötzlich von einer Frage oder Anmerkung unterbrochen wird, die nur für Verwirrung, Unmut und einen schlechten Nachgeschmack sorgt. Ein einzelner pestilenter Charakter hintertreibt und verunmöglicht so die arbeitsdemokratische Zusammenarbeit von vielleicht Dutzenden von Leuten. Es läuft ihm alles „zu glatt“ und er muß unbedingt seine „kritischen Anmerkungen“ einbringen – die typischerweise wirres Zeugs sind. Wer kennt nicht diese Trolle! Oder man denke etwa daran, wie ein Lehrer im Sexualkundeunterricht versucht, den Schülern die Genitalität nahe zu bringen. Mit absoluter Sicherheit wird es zumindest einen Schüler geben, der mit entsprechenden ekelhaften Fragen und Zwischenbemerkungen alles zum Kippen bringt. In den Teeny-Komödien Hollywoods werden solche Typen gefeiert. Apropos Film: man nehme den Spielfilm über Reichs letzte Jahre, Der Fall Wilhelm Reich. Es ist „typisch Emotionelle Pest“, daß vollkommen unmotiviert und schwachsinnigerweise Reichs letzte Frau, Aurora Karrer, als Agentin der CIA (sic!) dargestellt wird. Ansonsten würde der Film nämlich „zu glatt“ laufen.

Es ist der charakterstrukturelle Zwang des pestilenten Charakters urplötzlich, zusammenhanglos und aus heiterem Himmel das organisch gewachsene oder das organisch sich entwickelnde durch eine „spitze Bemerkung“ oder deren Äquivalent zu zerstören. Er ist wie derjenige, der die Nadel zückt, wenn jemand einen Luftballon aufgeblasen hat, um kleinen Kindern eine Freude zu machen. Ihr Erschrecken und Entsetzen verschafft ihm eine tiefe Wollust.

Manchmal verstecken sich die Pestträger hinter „Wissenschaftlichkeit“ und „Gewissenhaftigkeit“. Ich spreche natürlich von den „Skeptikern“, die mit ihren ständigen Nörgeleien und Logeleien („spitze Bemerkungen“) jedes Vorankommen verunmöglichen. Jedes zarte Pflänzchen einer neuen Einsicht oder Entdeckung wird rücksichtlos totgetrampelt. Man denke nur an Otto Fenichel, der Reich stets prinzipiell zustimmte, ihn dann aber mit allen möglichen Einwänden, man müsse das ganze „differenzierter sehen“, überschüttete. Seine umjubelten „Rundbriefe“ sind nichts anderes als ein großes „Wenn und Aber“, das paralysieren soll.

Oder man denke an Hans Löwenbach und seine Auseinandersetzungen mit Reich über dessen bioelektrische Experimente in Oslo. Die Geschichte ist in Jenseits der Psychologie dokumentiert. Jahrgang 1905 arbeitete der Psychiater am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin als anerkannter Spezialist für Neurophysiologie. 1935 Emigration nach Norwegen, dort Tätigkeit an der Universität Oslo, wo er Reich half. 1936-1938 Bordarzt für Walfänger. 1938 Emigration in die USA, dort in der Forschung tätig. Professorenstellen an Universitäten (Einhart Lorenz: Exil in Norwegen. Lebensbedingungen und Arbeit deutschsprachiger Flüchtlinge 1933-1943, Baden-Baden 1992).

Reich notierte sich 1935 über ihn:

Löwenbach ist ein Intrigant. Versuchte Hoffmann [einen weiteren von Reichs Mitarbeitern] durch Unwahrheiten aufzuhetzen. Die Intriganten haben es leicht in dieser Welt. Man kann ihnen nur mit Geradheit begegnen, zahlt dann aber oft Lehrgeld. Beim Elektrodenversuch mit Hoffmann gab es keinen einzigen Einwurf, den Löwenbach ins Feld geführt hatte. Hoffmann hatte nicht die Eindrücke der ersten Versuche, das „Wandern“ etc., und fiel daher auf Löwenbach herein. Löwenbach = Prototyp der Furz-Wissenschaftler, die jahrzehntelang die feinsten Fäserchen an Blättchen untersuchten, wenn sie sagen sollten, wie ein Baum aussieht, blüht und wächst. Kommt dann einer und beschreibt den Baum im Ganzen, dann sind sie exakt – und verkleinern.

Leute wie Löwenbach wissen immer alles besser und kramen die abstrusesten „wissenschaftlichen“ Einwände hervor, um den, der wirklich die Forschung voranbringen will, mit „spitzen Bemerkungen“ zu piesacken. Sie nennen es „Wissenschaft“, tatsächlich leben sie aber nur ihre sadistische Lust aus.

schoenegruesse

Was hat die Orgonomie gegen arme Menschen?

24. Januar 2013

Gar nichts! Reich selbst war derjenige Psychoanalytiker, der so ziemlich als erster, auf alle Fälle jedoch als engagiertester sich in „Armenambulanzen“ für die Benachteiligten der Gesellschaft engagiert hat. Später dann auch politisch, zeitweise radikal, und im Gegensatz zu den theoretisierenden Salonmarxisten seiner Zeit a la Otto Fenichel ging er dabei stets auf Tuchfühlung mit der Unterschicht. Von den Kommunisten wurde ihm sogar vorgeworfen, er gebe sich zu sehr mit dem „Lumpenproletariat“ ab. Siehe beispielsweise auch die Auseinandersetzungen um den von ihm verlegten Roman Untermenschen.

Als er sich nach und nach immer mehr in die Laborarbeit zurückzog, kam er nach übereinstimmender Meinung sämtlicher Zeitzeugen immer hervorragend mit Handwerkern, Arbeitern, Hilfskräften, etc. zurecht. Standesdünkel oder „intellektuelle Abgehobenheit“ waren ihm in jeder Hinsicht wesensfremd.

Gleichzeitig mußte Reich aber auch irgendwo Geld auftreiben für seine teilweise extrem kostspielige Forschung (seine Laboreinrichtung, etwa die Mikroskope, war stets vom Feinsten und konnte mit jedem anderen Labor der Welt konkurrieren!) und für seine Öffentlichkeitsarbeit mit einem eigenen Verlag. Entsprechend mußte er sich mit Menschen seiner eigenen großbürgerlichen Ursprungsklasse umgeben, um an ausreichende Finanzmittel zu gelangen. In den 1930er Jahren war dies beispielsweise der steinreiche Karl Motesiczky und in den 1940er Jahren beispielsweise die Mutter von Myron Sharaf. Eine schizophrene Frau, mit der sich Reich mit Sicherheit kaum abgegeben hätte, hätte sie nicht zum Geldadel gehört und immer wieder großzügig zum Forschungsfond beigetragen. Über sie hat er auch Myron Sharaf und William Washington kennengelernt, zeitweise seine engsten Mitarbeiter. Eine „Putzfrau“ hätte ihm nicht derartige Kontakte vermitteln können.

Das mit dem Geldadel und „Leuten mit Verbindungen“ hat sich bis heute nicht geändert. Zwar ist es eine Mär, daß die Therapie nur etwas für Superreiche sei (in den USA übernehmen viele Versicherungen die Kosten einer Orgontherapie, die schließlich von anerkannten Psychiatern ausgeübt wird), aber es gehört einfach zu den Realitäten des Lebens, daß Menschen mit Geld „interessanter“ sind. Das war immer so und wird immer so bleiben. Reich hat versucht sich unabhängiger zu machen, indem er mit der Orgonenergie selbst Geld für die aufwendige Orgonforschung zu machen versuchte durch Vermietung von Orgonenergie-Akkumulatoren. Das brachte ihn ins Gefängnis. Auch danach sind Versuche, Geld mit nicht-medizinischen „Sachen“ Geld zu verdienen, bisher gescheitert bzw. haben sich nie materialisiert. Und an Forschungsgelder von Stiftungen ranzukommen – das klappt ohnehin nur über Beziehungen mit den „Reichen und Mächtigen“…

Im Laufe der Jahre wurde Reich zunehmend kritischer was den Sinn von sozial-politischen Maßnahmen anging. Anfang des Jahrhunderts und insbesondere durch die Kriegsfolgen war die materielle Not in Österreich derartig groß gewesen, daß auch der psychisch stabilste sich leicht aufgab, doch mit wachsendem Wohlstand, insbesondere im Nachkriegsboom der USA, zeigte sich, daß nicht nur die psychische Not sich kaum verbesserte, sondern vor allem, daß die psychische Not unmittelbare Ursache von materieller Not auch unter den besten sozialen Bedingungen war. Zu einem ähnlichen Schluß war Reich bereits bei seiner Analyse des „sozialistischen Aufbaus“ in der Sowjetunion gelangt.

Es bringt nur wenig bis nichts die Menschen mit sozialen Wohltaten zu überschütten, vielmehr verfestigt es die Not. Nicht nur weil es den Menschen die Initiative nimmt, sondern auch ihre Möglichkeiten zur Eigeninitiative einschränkt. Die Bürokratie füttert sie und versklavt sie gleichzeitig. Das traurigste Beispiel sind die Sozialprogramme für die Neger in den USA seit den 1960er Jahren. Es zeichnete sich ab, daß sie endlich am amerikanischen Traum teilnehmen könnten. Stattdessen zerbrachen unmittelbar als Folge der besagten Sozialprogramme die legendär engen Familienzusammenhänge der Neger. Mittlerweile zeichnet sich ein regelrechter Genozid ab: astronomische Kriminalitätsraten, es gehört geradezu zur Normalität, daß junge schwarze Männer einen gewaltsamen Tod finden, die schwarze Kultur feiert geradezu das Unterschichtendasein und die Dummheit, etc. Es wird kaum einen neuen Miles Davis oder John Coltrane geben! Entsprechendes zeichnet sich überall ab, wo der Staat „den Armen“ helfen will. Man denke auch an die verheerende Wirkung der Entwicklungshilfe in der Dritten Welt. Was etwa unsere „Kleidersammlungen“ in Afrika angerichtet haben, macht einen fassungslos. Ganze Branchen, ganze Ökonomien wurden irreparabel geschädigt.

Das Gegenargument sind dann Beispiele, wo Kapitalisten gewachsene ökonomische Zusammenhänge zerstören, von Landvertreibungen in Äthiopien bis zu ruinösen Mieterhöhungen für kleine Krämerläden in den guten Lagen der Innenstädte. Es sollte offensichtlich sein, daß das erste (die Zerstörungen durch den Sozialismus) mit dem zweiten (die Zerstörungen durch den Kapitalismus) wenig bis nichts zu tun hat bzw. sozusagen „umgekehrt“ ein Schuh draus wird: Es ist die Hilflosigkeit der Massen, die sie zum Opfer macht. In Japan florieren die kleinen unabhängigen Geschäfte, die hierzulande zugrunde gehen, weil sie sich organisieren und lebendige „Geschäftsstraßen“ herstellen. „Gemeinschaften zu organisieren“ kann nicht bedeuten, sie zu Bittstellern zu machen, die sich Almosen erstreiten, sondern nur sie aus ihrer Hilflosigkeit zu befreien, so daß sie sich auf Augenhöhe mit ihren Gegnern auseinandersetzen können. Für Sozialisten sind derartige Äußerungen „anti-revolutionäre Agitation“!

Community Organizer wie Obama gerieren sich gerne als Freunde der Armen, tatsächlich sind sie ihre Todfeinde, weil sie die ursächliche Grundlage der Armut verewigen: die charakterstrukturelle Hilflosigkeit. Wegen pestilenten Charakteren wie Michelle und Barack Obama wird Chicago für Neger ewig ein Höllenloch bleiben.

Bedeutet das, daß Arme krank und Reiche gesund sind? Zumindest tendenziell? Mit dem Thema habe ich mich bereits in Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur beschäftigt.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=bCOzZuXrWXs%5D

The Journal of Orgonomy (Vol. 41, No. 2, Fall/Winter 2007)

8. Januar 2013

Eines der Streitthemen, wenn nicht das Streitthema, der Orgonomie ist die Frage nach den charakterologischen Einteilungen. Das begann gewissermaßen bereits in den 1920er Jahren, als Reichs psychoanalytische Kollegen ihm einen Hang zur „Schematisierung“ vorwarfen. Die Therapie sei weniger eine Technik als eine Kunst und Reichs technizistische „Charakteranalyse“ trüge dem („dem Hören mit dem dritten Ohr“) nicht Rechnung. Auch seien Einteilungen wie „orgastisch potent gegen orgastisch impotent“, „genitaler Charakter gegen neurotischer Charakter“ und die diversen Charaktertypen innerhalb des letzteren viel zu mechanistisch. Beispielsweise warf ihm Otto Fenichel dies vor, der ihm weit in die Charakteranalyse gefolgt war.

Heute gibt es einige Orgontherapeuten, die die Charaktereinteilungen, wie sie erstmals 1967 von Elsworth F. Baker in seinem Buch Der Mensch in der Falle und seit dieser Zeit kontinuierlich vom Journal of Orgonomy vorgestellt wurden und werden, als zu schematisch und „mechanistisch“, wenn nicht rundweg ablehnen, so doch relativieren.

Derartige Rufe klingen natürlich stets abgewogen und „funktionell“. Aber sind sie das?

Es ist viel von „funktionell“ die Rede, doch was bedeutet „Funktionalismus“ eigentlich? Er ist jedenfalls kein verschwommenes „Hören mit dem dritten Ohr“, sondern die Differenzierung zwischen tieferen (umfassenderen) und höheren (beschränkteren) Funktionsebenen, das Verfolgen der Verzweigungen zwischen diesen Funktionsebenen und die Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen Funktionen auf der jeweiligen ihnen gemeinsamen Funktionsebene.

Dazu muß zunächst erkannt werden, was eine Funktion ist. Eine Funktion ist nicht eine beliebige Gegebenheit, die wir mit einem Wort benennen können. Beispielsweise gibt es zahllose Symptome, die praktisch auf jede beliebige tiefere Funktion zurückgehen können. Die Psychiatrie leidet darunter, daß sie sich an derartigen Symptomen (statt an Funktionen) orientiert und auf dieser Grundlage immer neue „Krankheitsbilder“ entwirft, die aus bioenergetischer Sicht vollkommen bedeutungslos sind. Das fängt schon bei der „Depression“ an. Es wird kaum einen gepanzerten Menschen geben, der nicht „unter Depressionen leidet“. Obzwar vielleicht die verbreiteste Diagnose, ist „Depression“ keine Funktion und damit keine orgonomische Diagnose. Derartig Leidende unter der Kategorie „oraler Charakter“ zu subsumieren (wie es manche „Reichianer“ allen Ernstes getan haben!), grenzt an Idiotie.

Ähnliches läßt sich über die Soziologie sagen. Das fängt mit den Marxistischen Klasseneinteilungen an und hört mit willkürlichen sozialpsychologischen Kategorisierungen, wie sie etwa Erich Fromm unternommen hat („autoritärer Charakter“), auf.

Elsworth F. Baker hat auf der Grundlage von Reichs charakteranalytischer Typologie, wie sie in der Charakteranalyse skizziert wurde, eine genuin bioenergetische Charakterologie für die Orgontherapie geschaffen; entsprechendes im Bereich der Soziologie auf der Grundlage von Reichs Massenpsychologie des Faschismus.

Es gelten diese beiden Kategorisierungen und keine anderen, weil nur sie ermöglichen, die Wirklichkeit bioenergetisch zu entschlüsseln. Das ist kein „totalitärer“ Anspruch, die endgültige Wahrheit gepachtet zu haben (tatsächlich haben die Orgonomen immer wieder Korrekturen an Bakers System vorgenommen), sondern: In der Charakteranalyse, der Orgontherapie und der „Sozialpsychiatrie“ gibt es zu jedem Zeitpunkt nur jeweils einen, einen einzigen richtigen therapeutischen Schritt und das spiegelt sich in der Theorie wider. Man komme mir also nicht mit „alternativen“ Nosologien anderer „Schulen“. Es gibt nur eine Wirklichkeit und deshalb nur eine einzige korrekte Theorie. „Schulen“ haben keinerlei rationale Funktion.

Robert A. Harman faßt in „Sigmund Freud, Wilhelm Reich and Elsworth Baker“ (S. 30-52) die Voraussetzungen einer Nosologie für die psychiatrische Orgontherapie wie folgt zusammen:

  • Die Diagnose muß die bewußte und unbewußte Grundlage der im Ödipuskomplex verwurzelten Charakterentwicklung umfassen, die einen Charakter produziert, welcher in seinem psychischen Funktionieren auf sehr spezifische Weise gestört ist.
  • Die Diagnose muß die segmentäre muskuläre Panzerung beinhalten, die bei jedem Patienten in einem bestimmten Muster Energie bindet.
  • Die Diagnose darf weder auf Psychischem noch Somatischem allein beruhen, sondern auf der übergreifenden charakterlichen „Haltung“ und der „Art des Funktionierens“, die den Patienten charakterisiert, eine Manifestation des libidinösen Funktionierens ist und gleichzeitig sowohl psychisch als auch somatisch ist.
  • Jeder Patient darf nur eine einzige Diagnose haben. Die Menge der möglichen Diagnosen muß klein sein (5 oder 6 Diagnosen umfassen 99 % der Patienten), aber die Diagnose darf dem Roten Faden des Patienten in keinem einzigen Fall widersprechen.

bakersfunk

Der Rote Faden: Exil in Norwegen

21. September 2012

Einhart Lorenz: Exil in Norwegen. Lebensbedingungen und Arbeit deutschsprachiger Flüchtlinge 1933-1943, Baden-Baden 1992

Die folgenden Norwegischen Psychoanalytiker hatten in Berlin studiert und waren entsprechend von Reich beeinflußt: Trygve Braatöy, Johannes Landmark, Ola Raknes, Hjordis Simonsen, Astri Bruun und Nic Waal. 1933 wurde Otto Fenichel Lehrer der Psychoanalytiker Braatöy, Landmark, Raknes und Waal. Aber er war nicht in der Lage, in Norwegen einen dauerhaften Kreis von Anhängern um sich zu scharren. Das lag, so Lorenz, an Reich. Ein Jahr nachdem Reich in Oslo angekommen war, ging Fenichel 1935 nach Prag.

Von allen Emigranten war Reich der Intellektuelle, der, zumindest für eine kurze Zeit, die tiefsten Spuren in Norwegen hinterlassen sollte. Gleichzeitig wurde er zu einem der kontroversesten Emigranten und der „Fall Reich“ wurde zu einem der wichtigsten kulturellen Debatten im Norwegen der Zwischenkriegszeit. (Siehe Arni Stai: Norsk kultur- og moraldebatt i 1930-ärene, Oslo 1954.)

Reich wurde mit verhaltenem Interesse von politischen Kreisen wie der SAP beobachtet, während die Kommunisten auch Anschuldigungen gegen Reich vorbrachten. Lorenz fand in den Archiven der Exil-KPD einen Bericht vom Februar 1937. Demzufolge wurden die KPD-Emigranten nicht klug aus Reichs Sexualforschung. Sie kamen zu dem Schluß, daß diese von bestimmten Individuen als Tarnung für Trotzkistische Machenschaften genutzt werde!

Sigurd Hoel, der ursprünglich Mot Dag nahestand, war 2 1/2 Jahre bei Reich in Behandlung. Zum Kreis um Reich gehörten Hoel, Arnulf Overland, Helge Krog und Lars Berg, auch Harald Schjelderup. Zu seinen engeren Freunden gehörten auch der Historiker und spätere Außenminister Halvard Lange und dessen Bruder August Lange, die Historikerin Ingrid Semmingsen, der Reformpädagoge Olav Storstein, die „Textilkünstlerin“ Gerd Bergersen und die Schauspielerin Gerda Ring. Im Februar 1936 gründete Reich zusammen mit skandinavischen Freunden und Kollegen das der KPD so verdächtige „Institut für sexualökonomische Lebensforschung“, mit 9 Mitgliedern aus Oslo, Kopenhagen und England.

Die medizinische Fakultät der Universität von Oslo beschloß einstimmig, daß es keine wissenschaftliche Begründung für eine Verlängerung von Reichs Aufenthaltsgenehmigung in Norwegen gäbe. Das Ministerium für Gesundheits- und Sozialwesen schrieb an das zentrale Paßamt, daß die Öffentlichkeitsarbeit für Reichs Sexuallehre eingeschränkt werden müsse und sie insbesondere bei Laien und Jugendlichen aufzuhören habe.

Die Angriffe auf Reich in Norwegen beeinflußten sogar die Nazi-Behörden. Angesichts der norwegischen Reich-Debatte schrieb die deutsche Botschaft in Oslo am 23. April 1938 an das deutsche Außenministerium in Berlin und empfahl die Beschleunigung der Ausbürgerung Reichs, weil die Gefahr bestünde, daß Reich als ehemaliger österreichischer Staatsbürger eines Tages nach Deutschland repatriiert werden könnte. Fälschlicherweise wurde in diesem Schreiben behauptet, daß Reich Mitglied der KPD sei. Dieses Argument für eine beschleunigte Ausbürgerung wurde vom SS-Reichssicherheitshauptamt in einem Schreiben vom 6. Oktober 1939 übernommen.

Ein Einschub: Diese kleine, vollkommen unbedeutende Episode zeigt, daß man mit „Logik“ in der Reich-Biographik vorsichtig sein muß. Es ist natürlich vollkommen absurd, daß Nazideutschland Angst davor hatte, der Jude Reich könne nach Deutschland zurückkehren oder das Renommee des „Dritten Reiches“ gefährden. Absurd ist auch, daß sich in der Diktatur die Ausbürgerung so lange hinzog, daß schließlich sogar das Büro Heinrich Himmlers beim Außenministerium vorstellig wurde. Das sind schlicht die Absurditäten der Bürokratie und ihre institutionalisierte Dummheit. Später in Amerika wurde der gleiche Reich als Naziagent verdächtigt und andere Verrücktheiten von Seiten einer schlichtweg durchgeknallten Bürokratie verbrochen. Wer da mit „Logik“ vorankommen will, wird schließlich selbst zum Kandidaten für die Klapsmühle!

Lorenz sagt, die regierende norwegische Arbeiterpartei habe im „Fall Reich“ der öffentlichen Meinung, die von den norwegischen Konservativen dominiert worden sei, nachgegeben und vergleicht Reichs Probleme mit dem „Fall Trotzki“. Die Norweger benahmen sich in beiden Fällen wirklich extrem schlecht.

An dieser Stelle frage ich mich, ob nicht Moskau hinter der norwegischen Kampagne gegen den vermeintlichen „Trotzkisten“ Reich stand. (In Amerika sollte es ja ein Jahrzehnt später auch nicht anders aussehen: oberflächlich konservativer „McCarthyismus“, doch tatsächlich „Moskau“!) Im Fall Trotzki wurde der Druck direkt ausgeübt. Das ist bei Reich nicht der Fall, aber vielleicht war die norwegische Pressekampagne ja genauso sowjetisch inspiriert wie später die Brady-Kampagne. Lorenz berichtet, Reich sei von den Kommunisten in Nordahl Griegs Zeitschrift Veien Frem angegriffen worden (Ivar Digernes: „Medisinmenn“, Veien Frem, 4. Juni 1937, S. 17ff). Tatsächlich gehörten Trotzki und Reich zu den ganz wenigen Emigranten, die aus Norwegen vertrieben wurden.

Hier Stimmen, die schlaglichtartig die Bedrängnis Reichs von psychoanalytischer Seite beleuchten:

In Otto Fenichels „Rundbrief” vom 3. August 1938 berichtet der Psychoanalytiker Georg Gerö über Norwegen:

In den Zeitungen tobt seit Monaten eine Kampagne für und gegen Reich. Er, d.h. seine elektrischen Narrheiten, wurden von wissenschaftlichen Kreisen als ärgste Charlatanerie entlarvt, von manchen Seiten auch die Nicht-Verlängerung seiner Aufenthalts-Bewilligung gefordert. Verteidigt wurde er vor allem von den Narren des inneren Kreises Sigurd Hoel, Nic Hoel (= Nic Waal), Ola Raknes, Havrevold. Schjelderup ist vollständig abgefallen. Er sagt jetzt die gleichen Wahrheiten über Reich, die er von Dir und mir schon vor Jahren gehört und damals höhnisch abgelehnt hat. Er gab mir gegenüber zu, daß Reich die Psychoanalyse in Norwegen fürchterlich geschädigt hat. Trotzdem haben sowohl er wie Braatöy ein Gesuch unterschrieben, das für die Verlängerung von Reichs Aufenthalts-Bewilligung eintritt, weil sie sehr anständig den Standpunkt vertreten, daß man verhindern soll, daß die Ausweisung Reichs einen Präzedenzfall gegen das Asylrecht schafft. (Fenichel: 119 Rundbriefe, Frankfurt 1998, S. 951)

Im „Rundbrief“ vom 3. Mai 1939 wird von einem Vortrag berichtet, den Braatöy vor der Studentenforeening in Kopenhagen gehalten hatte. Fenichels Korrespondent berichtet:

Es ist interessant, wie diese Norweger, selbst Braatöy, der nie ganz die Distanz verloren hat, von Reich und der Sex.Pol.-Ideologie verdummt worden sind. Eine an sich wünschenswerte Kulturkritik an dem heutigen Erziehungssystem verliert ihre Berechtigung und Überzeugungskraft wegen unklarer Gesichtspunkte und falscher Verallgemeinerungen. Denn Braatöy hat nicht klar unterschieden zwischen der affektiven Lebendigkeit des unneurotischen Menschen und dem neurotischen Affektausbruch, so daß die Karikatur, die ich Dir beilege, ihn ganz treffend ironisiert. Danach, was er (Braatöy) gesagt hat, könnte man annehmen, hysterische Affektausbrüche wären der Idealzustand für den Normalen. (…) In Oslo ist jetzt glücklicherweise zwischen Reichisten und Analytikern jede Verbindung abgebrochen. Zu Reich halten jetzt nur mehr Raknes und die Hoel (Nic Waal). (ebd., S. 1107f)

Reichs zunehmende Isolation und das Ausmaß des persönlichen Verrats an ihm wird auch dadurch beleuchtet, daß sein engster Freund und zeitweiliger Herausgeber der Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie, Sigurd Hoel, 1944 einen Aufsatz schrieb, „Dybdepsykologi og diktning“, in dem zwar von „vegetativ energi“ and „genitale karakter“ die Rede ist, aber Reich, im Gegensatz zu beispielsweise Freud und Braatöy, an keiner Stelle erwähnt wird (Hoel: Essays i utvalg, Gyldendal, Oslo, 1962 und 1968).