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DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Gedanken zu Reichs Orgon- und UFO-Forschung und die Rolle der Spionage

23. März 2017

Behauptung: Die US-Regierung interessierte sich für Reich, weil er ein „Alien Enemy“ war, d.h. jemand, der aus Österreich, Deutschland und der antifaschistischen Emigration kam. Potentiell konnte er sie über seine ehemaligen Genossen informieren. Außerdem war da sein seltsames Treffen mit Einstein. Reich wurde deshalb routinemäßig überwacht. Sie verstanden seine Forschungen nicht und nahmen sie ohnehin nicht ernst. Im Laufe der Zeit behelligte Reich das FBI und die CIA mit gestohlenen „Orgon-Motoren“, später mit privater Atomforschung, privater Wettermanipulation, UFO-Beobachtungen und schließlich sogar mit der Behauptung UFOs Außergefecht gesetzt zu haben. Langsam stieg das Interesse erneut, aber ich glaube nicht, daß sie, nach einer anfänglichen Neugierde, den Orgon-Motor oder das ORANUR-Experiment ernst genommen haben. Siehe z.B. Robert Oppenheimers Brief an Eleanore Roosevelt. Oppenheimer war sicherlich einer der Experten, von denen sich die CIA beraten ließ.

Antwort: Die Frage ist schlicht, ob irgendeine Institution die Entdeckung des Orgons und die UFO-Bedrohung ernstgenommen hat. Da es sich stets zentral um die Frage der Landesverteidigung dreht, ist ein zumindest anfängliches Interesse mehr als wahrscheinlich und zwar sowohl von russischer, als auch von amerikanischer Seite.

Behauptung: Während dieser Zeit interessierten sich die CIA und die US-Air Force für die populäre Vorstellung einer „Invasion aus dem Weltraum durch Außerirdische“. Diese Beamten waren auch nur amerikanische Bürger, die alle Ängste mit der zeitgenössischen Popularkultur teilten. Sie wußten nicht, was sich am amerikanischen Himmel zutrug. Sie konnten mit diesen merkwürdigen Erscheinungen nicht umgehen. Nun gab es diesen verrückten Kerl, Reich, der behauptete, in „Kontakt mit dem Weltraum“ getreten zu sein. Entsprechend waren sie sehr darauf bedacht mit einem von Reichs Mitarbeitern zu sprechen, William Moise. Wir kennen Wertenbakers Kommentare zu Moises Vortrag bei der ATIC (siehe Die kosmische Revolution). Sie hatten zumindest einen neuen Ansatz für das UFO-Rätsel erwartet, aber was der naive Kunstmaler Moise vorgetragen hatte, amüsierte sie nur. Da sie aber nichts zu verlieren hatten, sondern nur zu gewinnen, ermutigten sie Reich, sie weiterhin über seinen „Kontakt mit dem Weltraum“ auf dem Laufenden zu halten. Im Laufe der Zeit hatten sie aber unabhängig davon realisiert, daß es keine Bedrohung aus dem Weltraum gibt, so daß sie schließlich Reich ganz fallenließen. Sie ließen ihn im Gefängnis sterben, nachdem er nicht mehr zu gebrauchen war. In den Jahren zuvor hatten diese verdammten Bastarde ihm signalisiert, sie würden ihn schützen.

Antwort: Das UFO-Phänomen war zweischneidig: einerseits war es eine bequeme Art Geheimexperimente der Regierung mit exotischen (beispielsweise „atomgetriebenen“) Fluggeräten bequem in der ausufernden „UFO-Folklore“ versinken zu lassen, so daß es zu keinen peinlichen Nachfragen kam, doch andererseits machte genau diese „UFO-Folklore“ eine stringente Luftraumüberwachung so gut wie unmöglich, denn schließlich konnten sich ebensogut „die Russen“ hinter „UFOs“ verbergen. Und schließlich konnte niemand ausschließen, daß sich hier tatsächlich „Außerirdisches“ zutrug, wobei wiederum die Beteiligung der Bevölkerung sowohl ein Segen war, als auch ein Fluch, da die ausufernden und phantasievollen Berichte mehr zu verschleiern drohten als etwas offenzulegen. Von daher wäre eine tiefgreifende Ambivalenz Reich gegenüber nur verständlich.

Behauptung: Der Glaube, daß es Aliens gibt, die die Erde angreifen, war eine Mischung aus natürlichen (orgonotischen) Phänomenen, vielleicht künstlichen Phänomenen durch Atomtests, und den sich verbreitenden und ein Eigenleben gewinnenden Memen der Popularkultur. Hinzu kamen Geheimprojekte der Regierung. Seit einigen Jahren wurden auch die US-Air Force und die Geheimdienste durch diese Massenhysterie beeinflußt und sogar in Panik versetzt. Sie kannten Reich, wußten von seiner Forschung auf diesem Gebiet, ermutigten ihn, ließen ihm sogar wissen, daß der Präsident selbst daran interessiert sei (eine Lüge), ließen ihn dann aber im Gefängnis sterben, nachdem sie realisiert hatten, daß an der ganzen UFO-Geschichte nichts dran war. Vielleicht haben sie ihn sogar getötet, weil sie befürchteten, er könnte ihr peinliches Interesse an UFOs und Orgonforschung öffentlich machen, wie er es zuvor in der Einsten-Affäre getan hatte. In späteren Jahren benutzten sie die UFO-Geschichte, um das amerikanische Volk mit Blödsinn zu beschäftigen und einige ihrer Operationen zu decken (beispielsweise das Testen von „Science-Fiction-Fluggeräten“).

Antwort: Derartige Behauptungen machten vor der Massenverbreitung von Handykameras und dem Internet vielleicht noch Sinn, doch mittlerweile wird das Phänomen alltäglich im wahrsten Sinne des Wortes „dingfest“ gemacht. Wobei andererseits natürlich auch zu konstatieren ist, daß es nichts Einfacheres gibt, als auf seinem Computer alles mögliche und unmögliche durch die Atmosphäre fliegen zu lassen…

Behauptung: Sowjetische Spionage war beim Fall Reich nicht beteiligt. Brady und die Nachwirkungen waren nur Rache der amerikanischen Linken an Reich für seinen Verrat, seinem „Trotzkismus“ und „Psychofaschismus“. Natürlich sammelte das KGB alle veröffentlichten Arbeiten über Orgonenergie und schickte es an die entsprechenden wissenschaftlichen Institute, aber das war Routine, und nichts kam dabei heraus. Möglicherweise ein ORAC in Sibirien, einige Bemühungen, den Cloudbuster zu verwenden, Inspiration für „psychotronische“ Forschung und Bemühungen, einen Motor zu bauen, der mit „freier Energie“ funktioniert.

Es gab eine kommunistische Verschwörung, und die Sowjets versuchten, das Orgon zu benutzen. Die USAF und CIA interessierten sich auch für seine Orgonforschung und machten alle Arten von Versprechungen, sie würden ihn schützen. Aber Reich hat die Dinge nicht in ihren richtigen Proportionen gesehen und war zu optimistisch und blauäugig. Beispielsweise als er im Oktober 1933 Trotzki schrieb: „Ich bin noch Mitglied der KPD, stehe jedoch in schwerster Opposition und bin nur deshalb noch nicht ausgeschlossen worden, weil erstens sich kein Kompetenter findet, der meine sexualpolitische Theorie kritisieren kann, und zweitens, weil mein Einfluß zu groß ist.“ Nein, Reich hatte in der Partei keinen Einfluß, und sie scherte sich nicht um seine „sexualpolitischen Theorien“. Auch bei der psychoanalytischen Konferenz 1934 glaubte Reich ernsthaft, daß sein Ausschluß aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, diese auseinanderreißen würde und die Hälfte der Psychoanalytiker ihm folgen würden. Es ließen sich zahlreiche andere Beispiele anführen.

Die historisch-materialistische Interpretation und die bio-psychologische Interpretation des Todestriebes und der gesellschaftlichen Ideologie

14. Januar 2017

Der sozialistische Kampf, das theoretische Organ des Austromarxismus war im faschistischen Österreich verboten. Es wurde deshalb in der Tschechoslowakei veröffentlicht. Sein Herausgeber war der berühmte Otto Bauer, Führer des „Austromarxismus“. Anläßlich von Freuds 80. Geburtstag veröffentlichte das Magazin 1936 zwei Artikel. Einen von W.M. (d.i. Karl Frank): „Sigmund Freud und der revolutionäre Sozialismus“. Wegen dem historischen, d.h. bürgerlichen Hintergrund der Psychoanalyse und der Enge des zeitgenössischen Marxismus gäbe es bis heute (1936) keine marxistische Analyse der Psychoanalyse. Es gäbe eine Freudsche Philosophie, z.B. Freuds Todestrieb, die mit Oswald Spengler gemeinsame Wurzeln habe, nämlich die Philosophie der untergehenden Bourgeoisie. Trotzdem schuf Freud eine moderne Psychologie, indem er auf die soziale Verursachung psychologischer Tatbestände hinwies und dergestalt eine biologisch-materialistische Grundlage für eine Herangehensweise entwickelte, die dem historischen Materialismus ähnlich sei. Die grundlegende Leistung der Psychoanalyse sei ihr Beitrag zum Verständnis des sozialen Überbaus (Wolfgang Huber: Psychoanalyse in Österreich seit 1933, Wien: Geyer-Edition, 1977; Ernst Glaser: Im Umfeld des Austromarxismus, Wien: Europaverlag, 1981, S. 271).

Das entspricht auch weitgehend Reichs damaliger Sichtweise (siehe dazu Otto Fenichels 119 Rundbriefe, Bd. 1, S. 379f). Reich ist nur weitergegangen, über die Psychoanalyse und den Marxismus hinaus. Zunächst einmal führte nicht die soziologische Verortung der Todestriebtheorie (Ideologie der „untergehenden Bourgeoisie“) zu deren Überwindung, sondern die Durchdringung des Masochismus als bio-psychologisches Problem, d.h. als einer Funktion der Panzerung (siehe Charakteranalyse). Und überhaupt, was den ideologischen „Überbau“ betrifft: dieser ist tatsächlich eine Funktion der dreischichtigen bio-psychologischen Struktur des gepanzerten Menschen (siehe Die Massenpsychologie des Faschismus).

Es ist ernüchternd, daß man sich noch heute mit der Denkungsweise, die im ersten Absatz dargestellt wurde, auseinandersetzen muß – selbst bei „Reichianern“.

Der Rote Faden: Kim Philby (Teil 1)

23. Februar 2015

Während in den 1920er Jahren Österreich als Land schwarz (katholisch) war, war die Hauptstadt Wien rot (sozialdemokratisch). Von der „Sexualpolitik“ her gab es aber kaum Unterschiede. Das Lumpenproletariat sollte lernen, sich auf eine angemessene d.h. a-sexuelle Weise zu verhalten. Die meisten Psychoanalytiker waren Sozialdemokraten. Reich und seine Anhänger rebellierten gegen diese linke elitäre Ideologie, und so wurden sie zu glühenden Kommunisten. Faktisch operierten sie sogar als Komintern-Agenten, indem sie versuchten, die Sozialdemokratie zu spalten: Reichs Revolutionäre Sozialdemokraten Dezember 1929 bis Mai 1930, wofür Reich denn auch prompt aus de SDAP ausgeschlossen wurde.

Reich als Komintern-Agent ist durchaus nicht abwegig. Das sieht man, wenn man einen gewissen Arnold Deutsch und Kim Philby (!) betrachtet. Gehen wir dazu zunächst nach Großbritannien.

England war eine sehr gewalttätige, repressive und homophobe Gesellschaft, voll von jungen Homosexuellen. So war es kein Wunder, daß sie Kommunisten wurden – aus „sexualökonomischen Gründen“. Philby war bisexuell, ein zurückhaltender junger Mann voller Sehnsucht nach emotionaler Befreiung, was von den sexualökonomisch geschulten Kominternagenten in Wien ausgenutzt wurde.

Siehe dazu:

martincoldwar

Der Kommunismus ist eine Geschichte der Konspiration. Im allerersten Pamphlet über die „Partei neuen Typs“ (Was tun?, Stuttgart 1902) sprach Lenin ganz in der Tradition des russischen Anarchismus über die Kommunisten als einer „Geheimgesellschaft“ und einem „Agentenring“. Von Beginn an war der Kommunismus Verschwörung mit Spionen, Geheimcodes, verdeckten Mordanschlägen (z.B. „Selbstmorden“), etc. „Stalinismus“ bedeutete nur eins: daß dies schließlich auf mißliebige Kommunisten selbst übertragen wurde. Dieser „Klassenkampf“ wurde zusätzlich durch einen Faktor verwirrt, der gerne unter den Tisch gekehrt wird: die russischen Sozialdemokraten, aus denen die Kommunisten herausgewachsen sind, hatten Sympathisanten in Kreisen der russischen Industrie, die hofften mit ihrer Hilfe die archaischen Reste des Feudalismus hinwegfegen zu können. Entsprechend wurde die Oktoberrevolution von Wall Street unterstützt. Auch im Kalten Krieg spielte die Großindustrie teilweise eine unrühmliche Rolle. Man denke auch daran, wie der Kapitalist und Millionär Friedrich Engels die frühe Marxistischen Bewegung finanzierte oder wie sein Freund Georgi W. Plechanow (1856–1918), Millionär und Gründer der russischen Sozialdemokratie, Lenin unterstützte. Kommunisten und Kapitalisten konnten schon immer gut miteinander. Es sollte niemanden verwundern, daß die Spionageringe im Westen zu einem Gutteil in den höchsten Gesellschaftsschichten verankert waren.

1929 und 1930, als die drei „sexualökonomischen“ Bücher Reichs im Münster-Verlag veröffentlicht wurden, war Arnold Deutsch Besitzer des Münster-Verlags. Manager des Münster-Verlags war Dr. Johannes Wertheim, ein hochrangiges Mitglied der KPÖ.

  • Wilhelm Reich: Sexualerregung und Sexualbefriedigung – Schriften der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien, Nr. 1, Wien: Münster-Verlag, 1929
  • Marie Frischauf und Annie Reich: Ist Abtreibung schädlich? – Schriften der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien, Nr. 2, Wien: Münster-Verlag, 1930
  • Wilhelm Reich: Geschlechtsreife, Enthaltsamkeit, Ehemoral – Schriften der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien, Nr. 3, Wien: Münster-Verlag, 1930

Wertheim leitete auch den Wiener Agis-Verlag. Beide Verlage waren Sprachrohre der Komintern. Zu den Autoren gehörten Marx, Engels, Lenin, Stalin, Trotzki (anfangs!) und viele andere. Deutsch war in Wien zeitweise das, was Genosse Thomas in Berlin gewesen war. Das rückt Reich ziemlich in der Mitte des Geschehens.

Eine zentrale Rolle bei Reichs früher Teilhabe am kommunistischen Projekt spielte Marie Frischauf. In seinem Nachwort zu Marie Frischaufs Buch Der graue Mann: Roman und Gedichte für Arnold Schönberg (Wien 2000, S. 120-123) schreibt Marcus G. Patka, daß sie keine erklärte Anhängerin der Lehre Sigmund Freuds war. Es gibt nur für einen einzigen Besuch bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung: am 10. Oktober 1928, anläßlich eines Vortrags Wilhelm Reichs über Nackterziehung. Beide waren Mitglieder des Schönberg-Vereins. Sie gründeten und führten die Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung, die von den städtischen Behörden der Stadt Wien am 27. Dezember 1928 registriert wurde. In der Satzung erhielt die Psychoanalyse eine zentrale Stellung. Marie Frischauf gab die politische Linie vor, Reich diente als klinischer Leiter. Acht der zehn weiteren Gründungsmitglieder waren ebenfalls Mitglieder der KPÖ. Die Vorträge in den Arbeiterstadtvierteln wurden ausschließlich in der Roten Fahne angekündigt, dem offiziellen Organ der KPÖ.

Gelegentlich arbeitete Marie Frischauf auch als Anästhesistin bei Abtreibungen, die von Dr. Fritz Jensen durchgeführt wurden. 1930 brachte die Wende in der Gesellschaft. Ohne Zweifel war ein Höhepunkt am 19. September das Rahmenprogramm für den 4. Kingreß der Weltliga für Sexualreform. Neben Marie und Hermann Frischauf und Wilhelm Reich trug unter anderem Reichs Vorbild Max Hodann vor. Doch kurz danach zog Reich nach Berlin. Nach seinem Weggang wurde die Gesellschaft in Unterabteilungen gegliedert, wo Marie Frischauf die Konsultationen für Empfängnisverhütung und venerische Krankheiten durchführte.

Hinzu kam eine weitere Aufgabe. Im März 1930 übernahm sie die Leitung des Verlags Egon Grünberg & Co., der bald danach in Weidmann & Co. umbenannt wurde – es war der Verlag der Kommunistischen Jugendinternationale in Österreich. Darüber hinaus leitete sie seit 1933 (nach dem Verbot der kommunistischen Arbeiter-Hilfsorganisationen, die dem Verbot der KPÖ vorangingen) den Verein für proletarische Solidarität, der im Jahr zuvor gegründet worden war, und bald in Bund proletarischer Solidarität umbenannt wurde.

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

28. Dezember 2013

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 400seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 15)

15. August 2013

Schließlich muß auch etwas erörtert werden, was immer unter den Tisch fällt: Deutschland als Opfer der Emotionellen Pest. Ich will jetzt nicht mit den gezielten Bombardierungen von deutschen Zivilisten oder den von langer Hand geplanten antideutschen „ethnischen Säuberungen“ in den ehemaligen deutschen Ostgebieten anfangen oder gar von den Plänen für die Nachkriegszeit, die an einen Genozid grenzten. (Uns hat nur gerettet, daß man uns als Schutzschild gegen die Russen brauchte!) Hier möchte ich nur folgendes zu diesem Themenkomplex sagen: Es ist teilweise ungeheuerlich, was man sich von vermeintlichen „Antifaschisten“ in dieser Hinsicht anhören muß. Die betroffenen Deutschen hätten das verdient! Sie hätten den Preis für ihre Hitler-Verehrung bezahlt! Aus solchen Aussagen spricht die gleiche menschenverachtende Mentalität, die einen Goebbels geprägt hat.

Oder doch, die Bombardierung Deutschlands: die war gleich in doppelter Hinsicht eine bodenlose Bosheit, denn sie war sozusagen der Ersatz für die „zweite Front“, um die die Russen die Westalliierten seit Hitlers überraschendem Überfall geradezu angefleht hatten. Hunderttausende russischer Bauernjungen krepierten im deutschen Kugel- und Artilleriehagel, während die Westmächte die Russen bis Mitte 1944 hinhielten, d.h. erst nachdem der russische Vormarsch auf Europa ihre eigenen Interessen zu gefährden begann. Das werden die Russen (ob Kommunisten oder Antikommunisten ist hier egal) dem Westen niemals verzeihen! Außerdem wurde die zweite Front erst aufgebaut, als der Holocaust schon so gut wie erledigt war. Es war kein Krieg gegen Nazi-Deutschland und schon gar keiner zur Befreiung der Juden, sondern es ging einzig und allein um die nationalen Interessen der Alliierten.

Der Dreißigjährige Krieg von 1914 bis 1945 war vor allem ein imperialistischer Krieg auf allen Seiten, die beteiligt waren. England und Frankreich wollten diesen Krieg um ihre wirtschaftlichen Imperien zu erhalten und weiterzuentwickeln, Dazu mußte eine ernsthafte wirtschaftliche Konkurrenz auf den Weltmärkten verschwinden, während die Underdogs Deutschland und Österreich um ihren „Platz an der Sonne“ kämpften.

Selbst die USA realisierten, wie rücksichtslos und imperialistisch die britische Position stets gewesen war. Roosevelt zwang die Engländer die ökonomische Ausbeutung der Kolonien einzuschränken. Der Historiker Robert Trout hat dazu gesagt:

Die Briten waren nur dann für den Freihandel, wenn es zu ihrem Vorteil gereichte. Das britische Empire beruhte auf monopolistischen Handelsregeln, die Großbritannien bereicherten und die Kolonien verarmen ließen. Der Handel zwischen den britischen Kolonien und anderen Ländern wurde stark eingeschränkt.

Vor und nach den beiden Weltkriegen war Deutschland seit jeher die bei weitem friedvollste Nation unter allen zivilisierten Ländern. Sogar an den Kreuzzügen hatte sich Deutschland kaum beteiligt! Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ war Opfer von Napoleon Bonapartes militantem Imperialismus. In den 850 Jahren, die dem vorangegangen waren, war Deutschland weder bereit noch überhaupt fähig zu großartigen Kriegseinsätzen, während die imperialistischen Militärmächte von England, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Holland, den USA und so weiter die ganze Welt eroberten, Millionen von Einheimischen versklavten und töteten und ihre Bodenreichtümer plünderten.

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Seit der Frühen Neuzeit war das Reich strukturell nicht mehr zu offensiver Kriegsführung, Machterweiterung und Expansion fähig. Seither wurden Rechtsschutz und Friedenswahrung als seine wesentlichen Zwecke angesehen. Das Reich sollte für Ruhe, Stabilität und die friedliche Lösung von Konflikten sorgen, indem es die Dynamik der Macht eindämmte. Da seit 1648 auch benachbarte Staaten als Reichsstände in seine Verfassungsordnung integriert waren, erfüllte das Reich zudem eine friedenssichernde Funktion im System der europäischen Mächte.

So war Deutschland die eine und einzige friedenstiftende Nation, während alle anderen zivilisierten Länder innerhalb dieser 850 Jahre äußerst kriegerisch waren. Man denke nur an den Westfälischen Frieden, der ausgehandelt wurde, nachdem andere Nationen 30 Jahre lang ihre Konflikte auf deutschem Boden ausgefochten hatten. Diese schreckliche Zeit hat bis heute die Mentalität der Deutschen geprägt.

Während des Zweiten Reichs (nachdem Deutschland, als Revanche für die Niederlage gegen Napoleon, Frankreich geschlagen und wieder zu einer einheitlichen Nation wurde, wenn auch ohne Österreich) war Deutschland weniger kriegerisch als die anderen europäischen Länder. Während die anderen Nationen noch immer die ganze Erde ausbeuteten, konzentrierte sich Deutschland auf sich selbst. Mit Ausnahme von den kleinen deutschen Kolonien (Togo, Kamerun, Namibia) hatte Deutschland den höchsten Standard an Bürgerrechten in der ganzen Welt. Ein komplettes Sozialversicherungssystem für Minderbemittelte und die Arbeiterklasse wurde von Bismarck in den 1880er und 90er Jahren eingeführt, zu einer Zeit, als beispielsweise die britischen Arbeiterklasse von der sehr wohlhabenden Oberklasse extrem ausgebeutet wurde. Die im 9. Teil beschriebenen Zustände hatten in Deutschland nie in diesem Umfang geherrscht. In Deutschland hat es keine grotesken Figuren wie Churchill gegeben, der nie in seinem Leben ein Geschäft betreten hat, der nie ein Portemonnaie besaß und der die einfachen Menschen um sich herum nur als Gegenstände wahrnahm.

Man betrachte die Liste der Kriege und Schlachten im 19. Jahrhundert und im 20 Jahrhundert. Läßt man kleinere Grenzscharmützel beiseite, schält sich heraus, daß Deutschlands Streitkräfte kaum an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt waren. Während Großbritannien, Frankreich, Belgien, Spanien, Holland, Portugal, und so weiter jede Menge grausamer imperialistischer Kriege ausfochten, war Deutschland der große Friedensstifter, fast eine pazifistische Nation innerhalb einer extrem imperialistischen Welt.

Aus wirtschaftlichen Gründen (die Briten wollten ihre antiquierte wirtschaftliche Vormachtstellung und ihren zusammengeraubten Wohlstand behalten) war es immer britische Politik gewesen, die mächtigste Nation auf dem Kontinent zu bekämpfen und damit ihren gefährlichsten wirtschaftlichen Konkurrenten in Europa loszuwerden. Für dieses Ziel hatte Großbritannien in der Vergangenheit Kriege gegen Spanien und Frankreich geführt. Aber 1913 (zu einem Zeitpunkt, wo Deutschland 50 Prozent aller Nobelpreise gewonnen hatte und ein riesiges Potential an technischen Erfindungen und wirtschaftlicher Macht vorwies) wurde klar, daß Großbritannien einen Vorwand brauchte, um Deutschland in einen verheerenden Krieg ziehen und so zerstören zu können.

Daß sie dann schließlich gegen Hitler kämpften, ändert an dieser Grundmotivation zunächst einmal gar nichts, zumal sie selbst immer wieder deutlich machten, daß sie auch im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland in den Krieg zogen. Aufschlußreich ist die Times vom Ende 1918, wo zu lesen ist: „Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder beginnt Handel zu treiben, ist dieser Krieg umsonst geführt worden.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vorgehensweise diffiziler. Die deutschen Eliten wurden dazu gebracht,

Deutschlands Platz unter den westlichen Nationen dadurch zu sichern, daß die BRD das Geschichtsbild der Siegermächte in toto übernimmt und sich dadurch sozusagen moralisch unter die Sieger einreiht – freilich um den Preis einer Politikauffassung, wonach Politik in der Vertretung bestimmter Werte und Ideologien besteht, so daß die Vertretung „westlicher Werte“ im Zweifel Vorrang vor der Verfolgung eigener nationaler Interessen gewinnt.

Großbritannien (wie auch Frankreich) war auf Deutschlands Potential neidisch, denn Deutschland beherrschte den Weltmarkt nicht nur bei Stahl, Kohle und Elektrogeräten, sondern auch in Medizin, Wissenschaft, Musik, Philosophie, Technik, Chemie, Logistik, Bürgerrechten und der Sozialversicherung für Arbeitnehmer. Deutschland war das erste Land mit Schulpflicht, die durchschnittliche Bildung war die höchste in der Welt. Dies ist dafür verantwortlich, daß wir auch heute die breiteste Mittelschicht unter allen westlichen Ländern haben, während der Anteil der sehr reichen und sehr armen Bürger in England, Frankreich und den USA viel höher ist als in Deutschland.

Das war vor allem extrem bedrohlich für die Briten: Deutschland war historisch der Erfinder der „sozialen Marktwirtschaft“ (die sich bereits zu Bismarcks Zeiten abzeichnete), d.h. der Kombination von Freihandel und modernen Geschäftspraktiken plus vorbildlichen Sozialleistungen. Die damalige Angst der Engländer vor Deutschland kann man sich heute vergegenwärtigen, wenn man sieht, wie die amerikanische Gesellschaft, aber insbesondere die amerikanische Geschäftswelt, auf Investitionen großer deutscher Unternehmen in den USA reagiert: „Die machen uns ja den ganzen Standard kaputt!“ Deutschland war die Quadratur des Kreises gelungen, d.h. es war weitaus erfolgreicher als sowohl der sprichwörtliche „Manchesterkapitalismus“ als auch der Sozialismus und zwar auf beiden Gebieten: der Industrieproduktion und der sozialen Sicherheit. Auch das deutsche Rechtssystem war seit Friedrichs Zeiten weitaus besser als das seiner späteren Konkurrenten. Noch heute kann ein Deutscher angesichts des teilweise abenteuerlichen amerikanischen Rechtssystems nur seinen Kopf schütteln. Der „Fall Reich“ wäre im Nachkriegsdeutschland nur schwer vorstellbar gewesen.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 13)

11. August 2013

Die „Kriegsschuldfrage“ im Ersten Weltkrieg ist eine leidige Angelegenheit. Sie reduziert sich aber imgrunde auf folgende Aussage:

Das Mächtesystem Europas ertrug den deutschen Nationalstaat gerade so lange, wie er bereit war, sich strikte Beschränkungen aufzuerlegen. Die ausgleichende Außenpolitik von Reichskanzler Otto von Bismarck war von seinen Nachfolgern jedoch nicht fortgesetzt worden; die europäischen Mächte empfanden das neue, weltpolitisch auftrumpfende Deutsche Reich als bedrohlichen Störenfried. Zudem versechsfachte Deutschland zwischen 1871 und 1914 seine industrielle Produktion und überflügelte damit Großbritannien.

In beiden Weltkriegen mußte sich Deutschland auf sich selbst verlassen, da es keine starken Brudernationen hatte, die es unterstützen konnten, stattdessen waren unsere Verbündeten immer so schwach, daß wir ihnen beim Überleben helfen mußten. Wegen der vertraglichen Bindung an die Donaumonarchie hatte Deutschland den Österreichern, die zu dieser Zeit bereits ziemlich geschwächt waren, nach dem Attentat von Sarajewo politische und militärische Unterstützung zu gewähren. Und im Zweiten Weltkrieg war Japan nie ein enger Freund Deutschlands. Es gab nur in einigen Situationen eine informelle Zusammenarbeit, die aber weitgehend folgenlos blieb.

Aber Hitler war von Pearl Harbor derartig enthusiasmiert, daß er, um seine Solidarität mit Japan auszudrücken, sofort an Amerika eine Kriegserklärung richtete, im festen Glauben Amerika sei im Pazifik genug beschäftigt und die U-Boot-Waffe würde schon Schlimmeres verhindern. Kein Bündnisvertrag hatte Hitler zu diesem wahnwitzigen Schritt gezwungen. Sicherlich spekulierte er auch darauf, daß Japan im Gegenzug Rußland den Krieg erklären würde. In diesem Fall wäre die UdSSR innerhalb eines halben Jahres zusammengebrochen. Schließlich wollte er sicherlich, auch die letzte Brücke hinter sich niederbrennen, um den Deutschen jede verbliebene Hoffnung auf eine nichtmilitärische Beendigung des Konflikts zu nehmen. In diesem Sinne war es auch eine Kriegserklärung an das eigene Volk: „Fanatismus oder Untergang“. Er wollte in Deutschland eine Mentalität wie in Japan. Und tatsächlich: Hätte die Wehrmacht auch nur den mittlerweile vollkommen sinnlosen Krieg wenige Wochen weiter ausgefochten, wäre die erste Atombombe auf Berlin gefallen!

Italien war der katastrophalste Freund, den Deutschland finden konnte. Nicht nur verlor Italien wirklich ausnahmslos jede einzelne Schlacht im gesamten Krieg, sondern wechselte schließlich auch noch die Seiten. Mussolinis Operetten-Abenteuer verzögerten den Angriff auf Rußland um sechs entscheidende Wochen und kosteten damit Deutschland den fast sicheren Sieg mit der Eroberung Moskaus vor dem Winter. Mussolini zwang Hitler in eine militärische Überexpansion in Afrika, Griechenland und Bulgarien hinein, die sich als zu viel für ein so kleines Land wie Deutschland erwies. Ohne diesen wahnsinnigen Amateur hätte kein deutscher Soldat jemals seinen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt – stattdessen hätte Rommel Moskau erobert. Einige Tage vor seinem Tod erklärte Hitler nicht ganz zu Unrecht sinngemäß: „Wir hätten leicht den Krieg gewinnen können, wenn Italien unser Feind, nicht unser Verbündeter gewesen wäre!“ Und warum das ganze? Weil Hitler sich Mussolini gegenüber, den er bereits 1923 als Vorbild genommen hatte, persönlich verpflichtet fühlte!

Nie wurde der ganze Wahnsinn der Politik, das ganze erbärmliche Affentheater, mehr ad absurdum geführt als durch Hitler. Das gleiche gilt für jeden „materialistischen“ Versuch, die Geschichte zu erklären. – Aber zurück zu eben diesen materialistischen Grundlagen des Zweiten Weltkrieges, denn das ist schließlich der Rahmen, in dem sich das besagte Affentheater abspielte:

Im Gegensatz zu fast allen seinen Kriegsgegnern war Deutschland überbevölkert, hatte nur einen kleinen und leicht blockierbaren Zugang zu den Ozeanen, war, was Rohstoffe und selbst die Nahrungsversorgung anbetrifft, zur Selbstversorgung nicht in der Lage, hatte nach dem Versailler Vertrag keine einzige Kolonie mehr und direkt an unserer Grenze standen die Armeen von Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Polen und der Tschechoslowakei. Ein solches Land ist leicht angreifbar und erpreßbar im Gegensatz etwa zu Frankreich, England und Amerika.

Daher war in beiden Weltkriegen Deutschland stets knapp in der Zeit. Es wird immer so getan, als wären Wilhelm II. und Hitler in der Offensive gewesen: oberflächlich betrachtet waren sie das natürlich, aber bei genauerer Betrachtung der globalen Machtverhältnisse waren sie in einer (jedenfalls aus ihrer subjektiven Perspektive heraus) verzweifelten Defensive und mußten so schnell wie irgend möglich zum Befreiungsschlag ausholen, um nicht schließlich hoffnungslos marginalisiert zu werden. Frankreich, England und Amerika hatten alle Zeit der Welt, Deutschland nicht. Wenn Deutschland einen Krieg führen würde, mußte es jetzt und ein „Blitzkrieg“ sein, weil Deutschlands Lage nicht mehr hergab.

Für Deutschlands Gegner war die Situation umgekehrt – weil sie wußten, daß mit jedem Jahr, das verstrich, die Überlegenheit der Alliierten größer und ihre gemeinsame Bewaffnung immer überwältigender werden würde. Ein kleines Land wie Deutschland ist in der Regel nach 4 bis 5 Jahren der Kriegsführung komplett ausgeblutet, was die Anzahl der verfügbaren Soldaten und Ressourcen betrifft. Während England, Frankreich und die USA aufgrund ihrer überseeischen Besitzungen und zahllosen alliierten Staaten auf der ganzen Welt bei Bedarf 20 Jahre hätte weiterkämpfen können. (Sie taten es dann auch im 40jährigen Kalten Krieg!)

Deshalb taten im Zweiten Weltkrieg an der Westfront Frankreich und England anfangs rein nichts. Sie warteten nur, weil sie wußten, daß die Zeit für sie arbeitete. Erst recht sah es so bei Stalin aus, der im krassen Gegensatz zu Hitler so viel Zeit schinden mußte wie nur irgend möglich.

Hitler wußte jedoch, daß, was immer er auch tun wollte, es sehr bald geschehen müsse. Deshalb marschierte er in das abwartende Frankreich ein und überfiel nur ein Jahr später das ebenfalls abwartende Rußland. Dabei hatte er keinen „großen Plan“, sondern wurde zum großen „Vabanquespieler“, der jeweils spontan reagierte. Und genau das macht selbst für den Zweiten Weltkrieg die „Kriegsschuldfrage“ nicht so eindeutig, wie es uns die Historiker, die stets ihren volkspädagogischen Auftrag im Hinterkopf haben, weißmachen wollen.

Im Spätsommer 1939 richtete Hitler an Polen eine Friedensofferte nach der anderen, in der Hoffnung das Danzig-Problem am Verhandlungstisch zu lösen. In seinem Buch Der Krieg der viele Väter hatte dokumentiert der Bundeswehr-Generalmajor im Ruhestand Gerd Schultze-Rhonhof, daß die Polen von den Briten und Franzosen dazu angehalten wurden, sämtliche Friedens- und Verhandlungsangebote Deutschlands zurückzuweisen. Tragischerweise waren die Polen voll des Optimismus jeden denkbaren Krieg gegen Deutschland leicht zu gewinnen, weil England und Frankreich ihnen unverantwortlicherweise versprachen, daß sie sofort in Deutschland einmarschieren würden, sobald Deutschland es wagen würde, Polen anzugreifen. Deutschland wäre sofort in einen hoffnungslosen Zweifrontenkrieg verwickelt gewesen, den es schnell verloren hätte, da Deutschlands Bewaffnung ziemlich schwach war. Nachdem Polen alle Annäherungsversuche arrogant und brüsk von sich gewiesen hatte, sah Hitler keine andere Möglichkeit, als Polen so schnell wie möglich anzugreifen. Es ist wohldokumentiert, daß Hitler vollkommen überrascht war, als daraufhin Frankreich und England ihm den Krieg erklärten, da er davon überzeugt war, daß beide das denkbar unbedeutende Polen opfern würden – was sie dann ja auch taten.

Hitler improvisierte und die seiner Ideologie zutiefst widersprechende taktische Antwort auf die Bedrohung aus dem Westen war der Hitler/Stalin-Pakt, der Polen zwischen Deutschland und der UdSSR weitgehend nach den historischen Grenzen vor Versailles aufteilte. Über das Vorgehen Hitlers regt man sich zu Recht auf, aber über das unverantwortliche, feige und zutiefst verachtenswerte Verhalten von Frankreich und England wird großzügig hinweggegangen. Es schnürt einem die Kehle zu, wenn man an die unfaßbar heroischen polnischen Soldaten etwa am Monte Cassino denkt, die in englischer Uniform voller Todesverachtung für ein befreites Polen kämpften, zu einer Zeit als die Engländer Polen schon wieder hinters Licht geführt, verraten und verkauft hatten – diesmal an Stalin. Polen wurde in diesem Krieg von den Westmächten genauso verraten und verkauft wie die Juden!

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Hitler griff Frankreich nicht an, um es zu erobern, sondern weil er unter Zeitdruck stand und sich die Gelegenheit bot. Er wollte damit England imponieren und die englischen Expeditionstruppen vom Kontinent vertreiben. Der daran anschließende Luftkrieg gegen England war nur eine große Show, um ein friedliches „Gentlemen´s Agreement” zwischen Brudernationen zu erreichen und endlich freie Hand für sein eigentliches Ziel zu haben. Er wollte die Sowjetunion, die Deutschland im Ersten Weltkrieg geschaffen hatte, um Ruhe an der Ostfront zu haben, durch deutsche Hand wieder den garauszumachen. Dazu mußte er Stalins durchsichtigen Plan durchkreuzen, daß sich Deutschland und die Westmächte in einem aufreibenden Kampf gegenseitig schwächen würden, so daß Stalin bequem in das dann restlos ausgeblutete Westeuropa hineinmarschieren hätte können. In diesem Zusammenhang ist die Kriegsschuldfrage auch an die Sowjetunion zu richten!

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 11)

7. August 2013

Generell neigen Betrachter der Geschichte dazu ein hoffnungsloses Durcheinander anzurichten, indem sie Dinge verknüpfen, die nichts miteinander zu tun haben, etwa daß Hitler der legitime Kanzler des Deutschen Reiches war, mit der Tatsache, daß er ein Nazi und Massenmörder war. Stalins „geschichtlich Aufgabe“ als Führer der russischen Nation war es, jene Gebiete zurück zu Rußland zu holen, die vor dem Versailler Vertrag zu ihm gehörten, insbesondere Ostpolen. Das hat erst mal nichts mit seiner Rolle als Kommunist und Massenmörder zu tun. Nicht viel anders sieht die Sache bei Hitler aus. Aber kaum argumentiert man so, steht man irrwitzigerweise als „Nazi“, „Leugner“, „Revisionist“ da. „Reichianer“ sind besonders gut darin, denn für die war Hitler ein pestilenter Charakter und damit ist für sie alles erklärt. Tatsächlich haben sie nichts begriffen, denn es geht nicht um das Was (in diesem Fall um die Rückgängigmachung von Versailles, die etwa Stauffenberg voll und ganz begrüßt hat), sondern um das Wie, das im Holocaust mündete.

Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust wären vermeidbar gewesen, wenn England und Frankreich dem Reichskanzler (!) Hitler Osteuropa als dessen Interessengebiet überlassen hätten (ein Großteil hatte, wie angedeutet, vor dem Ersten Weltkrieg sowieso dem Deutschen Reich bzw. der K.u.K-Monarchie angehört), genauso wie sie es 5 Jahre später Stalin überließen. Im Gegenzug hätte Hitler die bestehenden Westgrenzen und den Erhalt des Empire garantiert. Ohnehin waren die deutschen Generäle vor dem Angriff auf Polen nicht auf eine umfassende europäische Invasion vorbereitet. Nach dem Krieg haben die Alliierten und die Historiker nie konkrete Pläne beispielsweise für eine Invasion Englands gefunden. Als Deutschland in Österreich und Tschechien einmarschierte, standen nicht einmal Militärkarten zur Verfügung, so daß sich die Panzerkommandeure auf Karten für Autofahrer verlassen mußten.

Natürlich werden auf den Militärakademien jeder Nation regelmäßig der Einmarsch in die Nachbarländer simuliert. Und natürlich haben alle Länder ihre Hardliner, etwa Amerika seinen General McArthur, der taktische Atombomben im Koreakrieg zum Einsatz bringen wollte. Aber die beiden Weltkriege mit dem Hinweis auf die „preußischen Junker“ und die aggressive „preußische Militärkaste“ zu erklären, grenzt an Idiotie.

Im Umfeld von Kaiser Wilhelm II. 1914 sowie von Hitler 1939 gab es zwar einige Scharfmacher, die davon träumten, daß Deutschland die Welt regiert, aber solche Spinner gab es in allen Ländern. Beim Krieg, der Ende der 1930er Jahre begann, sollte man nie einen Krieg vergessen, der Anfang der 1930er Jahre beinahe ausgebrochen wäre und dessen Strategie schlichtweg verbrecherisch war, was das Involvieren der Zivilbevölkerung betrifft. Ich spreche vom Beinahe-Krieg zwischen den USA und England (Landkrieg mit Kanada plus Seekrieg):

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Auch sollte man an einen Krieg denken, der tatsächlich stattgefunden hat: der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898, mit dem die USA begannen ihr Interessensgebiet auszuweiten. Man denke erst einmal in solchen Kategorien, bevor man Deutschland als singulär böse hinstellt, nur weil es seine egoistischen nationalen Interessen durchsetzen wollte, wie alle anderen Mächte auch! Man gebe sich doch keinen Illusionen hin, daß Stauffenberg oder Rommel oder wer auch immer, großartig anders gehandelt hätten als Hitler. Nochmals: Es ging weniger um das Was, sondern das Wie. Da, in der Art der Hitlerschen Kriegsführung im Osten, beginnt das Problem der Emotionellen Pest in diesem Krieg, nicht bei den Fragen nach Territorien und deutschen Interessensgebieten.

Ich bin mir bewußt, daß es während des „Boxeraufstands“ 1899-1901 in China und in einigen von Deutschlands Kolonien (die sie bereits nach einigen Jahren verloren), wie Namibia, „deutsche Metzger“ gab, die die indigene Bevölkerung abschlachteten, versklavten und sie allgemein schlecht behandelten. Aber Deutschlands Verbrechen während des „Boxeraufstands“ waren nicht größer als die britischen Verbrechen während der „Opium-Kriege“ und was Deutschland in ihren 2 oder 3 Kolonien wie Namibia tat, war quantitativ viel kleiner als das, was beispielsweise der britische Imperialist Cecil Rhodes den Bewohnern mehrerer afrikanischer Länder angetan hat. Im dankbaren Angedenken seines mörderisches Imperialismus benannten die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg sogar ein Land nach seinem Namen: „Rhodesien“.

Was die Ausbeutung überseeischer Kolonien betraf, verantwortete das Kaiserreich vielleicht 5 Prozent, während die restlichen 95 Prozent in der Verantwortung von Großbritannien, Spanien, Portugal, Holland, Japan, Frankreich und Belgien lagen, wobei die Kolonialmacht Belgien mit Abstand am brutalsten war.

Natürlich weiß ich, daß es sehr große Unterschiede gab, wie die Kolonisierung durchgeführt wurde und wie die indigene Bevölkerung behandelt wurde. Die Spanne reicht von einer „sehr weichen und moderaten“ Kolonisation (die einer „Supervison“ nahekam und sehr viel Verantwortung und Mittel den Eingeborenen überließ), wie auf dem indischen Subkontinent, im Gegensatz zu sehr brutaler Kolonisation, die auf Völkermord hinauslief und dem Diebstahl sämtlicher Ressourcen, wie in Belgisch-Kongo. Und ich bin mir auch bewußt, daß viele europäische Kolonialisten eher harmlos waren im Vergleich mit den extrem brutalen Verbrechen mancher indigener Völker untereinander vor dem Beginn der europäischen Kolonisation. Man denke nur an die Sklaverei, die im gesamten Machtbereich der Briten verboten wurde.

Nebenbei bemerkt: all die linken Antikolonialisten scheren sich einen Dreck darum, was jetzt, in diesem Augenblick, in Indonesien geschieht!

Kaiser Wilhelm II. 1914 und Hitler 1939 sahen, daß die westlichen Nationen sich untereinander die Welt bereits aufgeteilt hatten. Statistisch gesehen, hatte jeder britische Bürger 100 mal mehr Quadratmeter als ein deutscher Staatsbürger zur Verfügung und auch das sehr kleine Land Belgien war im Besitz eines Territoriums, das 100 mal größer war als sein Heimatgebiet. Selbst der Kleinstaat Niederlande hatte sein riesiges Indonesien! Alle anderen westlichen Länder waren autark, während Deutschland es als einziges nicht war. Deutschland war immer abhängig von Ressourcen, die es von der wirtschaftlichen Konkurrenz kaufen mußte. Beispielsweise waren wegen der Zollschranken für die Deutschen Öl, Gas, Gold (vor allem, da alle Nationalökonomien und alle Währungen auf dem Goldstandard beruhten) und Südfrüchte viel teurer als für Engländer oder Franzosen.

Die westlichen Nationen hatten ihre Kolonien mit militärischen Mitteln gestohlen, zeigten aber mit dem moralischen Zeigefinger auf Deutschland, wenn dieses seine Interessen durchsetzen wollte. Die Situation war für Deutschland schlichtweg nicht hinnehmbar, weil bei jedem kleineren wirtschaftlichen Konflikt die anderen leicht eine Seeblockade verhängen und so Deutschland von allen Ressourcen abtrennen konnten.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 2)

15. Juli 2013

Im Leben des Einzelnen und in der Geschichte der Völker ereignet sich nichts „einfach so“. Genauso wie im neurotischen Individuum alle Strebungen jeweils Impuls und Gegenimpuls (Abwehr) entsprechen, kann man auch gesellschaftliche Ereignisse, insbesondere aber Kriege, einordnen. Stets entspricht die eine Kriegspartei dem Durchbruch von Trieben und die andere dem Versuch, diese Triebe in Schach zu halten. „Materielle“ Interessenkonflikte spielen hierbei nur eine untergeordnete, vernachlässigbare Rolle. Jene Auseinandersetzungen, bei denen es geschichtlich tatsächlich nur um Ressourcen ging, entsprechen selbstredend nicht dem erwähnten neurotischen Kräftespiel und gehören deshalb nicht in diese Ausführungen. (Keine Angst, in späteren Teilen werde ich noch zu genüge auf die materiellen Interessen in den beiden Weltkriegen eingehen!)

Hier eine Tabelle von Kriegen, die primär neurotischer Natur waren:

Kriege1

Das ganze geht natürlich auch umgekehrt:

Kriege2

Es ist immer so, daß die Kräfte des Lebens (OR) gegen die Kräfte des Todes (DOR) stehen. Einer der Kontrahenten kann dabei gleichzeitig zwei entgegengesetzte Funktionen einnehmen. England kann gegen die rationale amerikanische Revolution angehen und gleichzeitig gegen die irrationale französische Revolution. Es ist genauso wie in der Neurose, wo etwa Zwanghaftigkeit jede natürliche Lebensäußerung unmöglich macht, aber gleichzeitig auch anal-sadistische Triebe in Schach hält.

Ähnlich sieht es mit dem Gegensatz zwischen „die Alliierten (DOR)“ und „Faschismus (OR)“ aus. Beispielsweise stand in den 1930er Jahren ganz und gar nicht fest, daß Italien, das sich schließlich als Schutzmacht eines unabhängigen Österreich sah, mit Deutschland ein Bündnis eingehen würde. England hätte damals kein Problem damit gehabt, sich mit Italien zu verbünden. Es hatte ja auch keines bei Polen, das zu dieser Zeit alles andere als eine Demokratie war! Im Verlauf des Krieges wechselte die Sowjetunion die Fronten: von einem faktischen Bündnispartner Deutschlands, zu einem offenen Bündnispartner Englands. England hatte damit kein Problem, obwohl die Sowjetunion in mancher Hinsicht schlimmer als Hitlerdeutschland war!

Nun, das sind abstrakte Überlegungen im nachhinein vom bequemen Schreibtisch aus. Italien hatte sich nun mal auf Gedeih und Verderb mit Deutschland verbunden und schließlich sogar dessen „Rassengesetze“ übernommen. Rußland bot sich dem vollkommen isolierten England als Waffenbruder an, nachdem Hitler Rußland angegriffen hatte, explizit um England auch diese letzte Hoffnung eines möglichen Bündnispartners auf dem Kontinent zu nehmen. Churchill konnte da gar nicht anders, als sich mit der Sowjetunion zu verbünden, zumal deren Lage anfangs alles andere als rosig aussah und die Sowjetunion entsprechend nicht gerade bedrohlich wirkte!

Genauso wie in der Orgontherapie es nicht darum geht, Panzerung per se zu beseitigen, nur weil sie vorhanden ist, sondern systematisch vorzugehen, d.h. jeweils darauf zu achten, welche Funktion die Panzerung im gegebenen Augenblick hat, gilt auch in der Geschichte, daß eine gewisse Ehrfurcht vor der Macht des Faktischen geboten ist. Die freie Welt, die damals in Gefahr stand, auf die USA reduziert zu werden, konnte unmöglich gleichzeitig Hitler und Stalin angreifen. Die Umstände zwangen dazu, zuerst Hitler zu beseitigen und erst dann die Sowjetunion. General Patton wollte zusammen mit der Wehrmacht unter neuer Führung gleich weiter nach Moskau weitermarschieren. Dies war politisch unmöglich durchsetzbar. Doch wenige Jahre später wurde mit Wehrmachtsoffizieren die Bundeswehr gegründet und in einem Kalten Krieg schließlich auch die Sowjetunion besiegt. Wären durch die Atomspione und durch Playboypolitiker a la Kennedy den Alliierten nicht ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen worden, wäre die Sowjetunion spätestens in den 1960er Jahren kollabiert, aber 1989 hat es dann doch geklappt.

Trotzdem bleibe doch die Tatsache, daß ich in meiner Gleichung ausgerechnet die Sowjetunion Stalins mit der pulsierenden Orgonenergie (OR) gleichgesetzt habe! Meine Antwort: Es handelt sich bei orgonometrischen Gleichungen nie um mechanische („logische“) Gleichsetzungen und Entgegensetzungen, sondern um funktionelle (lebendige) Beziehungen, d.h. um bewegliche Prozesse, die nicht vom Zusammenhang und der zeitlichen (bzw. funktionellen, was nicht unbedingt das gleiche sein muß) Entwicklung getrennt werden können. Ein und das gleiche Messer sind in den Händen eines Chirurgen und in den Händen Jack the Rippers funktionell vollkommen unterschiedliche Dinge. Das gleiche gilt auch, wenn Jack the Ripper tagsüber als Chirurg gearbeitet hätte! Am Tag wäre Jack ein Werkzeug des Lebendigen gewesen, nachts ein Werkzeug der Hölle.

Prinzipiell ist eine Beckenpanzerung etwas Schlimmes, sogar sozusagen das „ultimative Schlimme“. Für den Neurotiker, erst recht für Schizophrene, ist die Beckenpanzerung jedoch ein absoluter Segen, da sie den Organismus vor der Überflutung mit Energie und dem kompletten Zusammenbruch bewahrt. Wahrheiten sind wohlfeil, Gegenwahrheiten sind kostbar! Das Problem ist, daß Faschisten ähnlich wie „Bioenergetiker“ mit Wahrheiten nur so um sich werfen, als handele es sich um Konfetti. Das geht soweit, daß heute in der sehr populären „revisionistischen“ Literatur Churchill als Blutsgeselle Stalins verteufelt wird, während Hitler demgegenüber geradezu ein Glorienschein verliehen wird. (Keine Angst, auch in dieser Beziehung werde ich in den folgenden Teilen nicht einfach den konventionellen Standpunkt widerkauen!)