Posts Tagged ‘NKWD’

Der Rote Faden: Der Warmduscher

6. September 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011:

Der aller letzte Rat, den Falk Brandt auf seinem Sterbebett in Schweden gab: da ganz Europa dem Faschismus anheimfallen wird, sollte eine Elitegruppe skandinavischer Sozialisten in die USA gehen um zu überleben, so daß sie eines Tages die sozialistische Idee zurück nach Europa bringen können

Unfassbar, wie genial dieser Falk war.
Auf solch eine Idee muss erst einer kommen. Hitler hätte unter günstigeren Umständen tatsächlich ganz Europa besetzen können.

Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mot_Dag

„Gegründet wurde Mot Dag 1922 von Studenten in Oslo. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Erling Falk, Harald Viggo Hansteen und Sigurd Hoel.“

Hoel war sogar Herausgeber der ZPPS.

http://en.wikipedia.org/wiki/Mot_Dag

„The first editor was Sigurd Hoel.
(…)
Many well-known authors, intellectuals, and future leading politicians and officials were among them. Of mention are filmmaker Olav Dalgard; the authors Helge Krog, Odd Eidem, Sigurd Hoel, Arnulf Øverland, Nic Waal and Inger Hagerup — the latter two of the few women who were connected to Mot Dag.“

Nic Waal war eine Schülerin von Reich. Sie war von 1927-36 mit Sigurd Hoel verheitatet.

http://en.wikipedia.org/wiki/Nic_Waal

http://www.psychoanalytikerinnen.de/skandinavien_biografien.html#Waal
„Als Wilhelm Reich vor den Nationalsozialisten nach Oslo floh, gehörten Nic und Sigurd Hoel zu der Gruppe von Anhängern, die sich um ihn scharten. Nic Hoel begann bei dem ebenfalls nach Oslo emigrierten Freudomarxisten Otto Fenichel eine weitere Analyse, die sie bei Reich fortsetzte. Sie war eine der wenigen, die Wilhelm Reich 1934 bei dessen Ausschluss aus der IPV offen verteidigte. Obwohl sie später seine Orgontheorie nicht nachvollzog, unterstützte sie Reich nach seiner Emigration in die USA weiterhin.“

http://en.wikipedia.org/wiki/Sigurd_Hoel
„From 1934 to 1939 Hoel was a co-worker of Wilhelm Reich who then had chosen Oslo as his exile. Hoel contributed to Reich’s German language periodical Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Journal for Political Psychology and Sex Economy) and was the editor-in-chief of the issues No. 13 to 15. One of his major essays deals with the Moscow Trials.“

Von Sigurd Hoel gibt es mehrere ins Deutsche übersetzte Werke.

Robert 2012:
Oliver Janisch: Das Kapitalismus Komplott, 2010 FinanzBuch Verlag, S.324 ff.

Zitat:
„Es sind oft gerade die beliebtesten Politiker, die einen höchst zweifelhaften Hintergrund haben. Erst nach Willy Brandts Tod stellte sich in Deutschland heraus, dass er bereits während des Zweiten Weltkriegs Informant des russischen Geheimdienstes KGB war. Sein richtiger Name war Herbert Frahm,
»Willy Brandt« ein seit 1934 benutzter Deckname. Falsche Identitäten anzunehmen scheint ihm gelegen zu haben: 1936 kehrte er aus dem norwegischen Exil unter dem Decknamen Gunnar Gaasland nach Deutschland zurück und sprach Deutsch mit norwegischem Akzent. Er war im Auftrag Jakob Walchers
als »Kriegsberichterstatter« unterwegs. Walcher hatte nach der russischen Revolution zusammen mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht den kommunistischen Umsturz in Deutschland geplant. Sie können das alles auf Wikipedia nachlesen, weil es in Deutschland nichts Verwerfliches ist, eine kommunistische
Revolution anzuzetteln.
Was auf Wikipedia natürlich nicht steht, ist, dass Brandt KGB-Informant war. Er wurde von einem ehemaligen KGB-Offizier mit Decknamen »Curb« als KGB-Spion enttarnt, wie der Focus 1998 schreibt. 1992 offenbarte sich »Curb« nach der Wende dem britischen Geheimdienst. Brandt erhielt vom KGB-Vorläufer NKWD den Decknamen »Polarforscher«. Laut Focus versuchte ausgerechnet der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Peter Frisch, mit aller Macht die Veröffentlichung von Willy Brandt betreffenden Geheimdienstinformationen, besonders in Form der geplanten Memoiren des Obersten »Curb«, zu verhindern. Die Vertuschungsaktion war laut Focus mit Helmut Kohl abgesprochen, der zu Brandt eine Freundschaft entwickelt hatte.
Behalten Sie das im Hinterkopf.Der Überläufer wurde vom Bundeskriminalamt als absolut vertrauenswürdig eingestuft, weil er zahlreiche Spione enttarnte. Focus zitiert einen Verfassungsschutzmitarbeiter so:
Uns wurde ganz mulmig, was der alles wusste. Moskau besitzt offensichtlich tonnenweise Erpressungsmaterial. Tonnenweise! Wir wissen nicht, was alles in den Akten stand, weil sie nie veröffentlicht wurden. Angeworben wurde Brandt während des Zweiten Weltkriegs. Am 14. Dezember 1966, zwei Wochen nach der Ernennung Brandts zum Vizekanzler in der großen Koalition, brachte die schwedische Hauptstadtzeitung Aftonbladet einen Artikel, in dem es hieß, dass Brandt immer noch in der aktuellen Datei der Stockholmer Sicherheitspolizei Säpo, die ihn seit seiner Anwerbung beobachtete, als »verdächtiger Ostblock-Spion« erfasst sei. Die SPD protestierte gegen den Bericht. Niemand kann sagen, wie lange Brandt spionierte. Auf jeden Fall war er vom KGB erpressbar. Im April 1972 startete Rainer Barzel das Misstrauensvotum gegen Brandt. Wie wir heute wissen, bestach die Stasi mindestens zwei Abgeordnete der Unionsfraktion, für Brandt zu stimmen. Da sollen wir glauben, dass er kein Ostagent mehr war? Zumindest arbeitete er offensichtlich im Interesse der Stasi. Er leitete zusammen mit Walter Scheel die Ostpolitik ein, also die Annäherung an die kommunistischen Regime, die schließlich zu den Ostverträgen mit der Sowjetunion und Polen führten. Am 6. Mai 1974 trat Brandt vom Amt des Bundeskanzlers zurück. Offizielle Begründung für diesen Schritt war die Enttarnung von Günter Guillaume, einem seiner Mitarbeiter, als DDR-Spion. Warum sollte ein Kanzler zurücktreten, nur weil er ausspioniert wurde? Liegt es nicht viel näher, dass Brandt befürchtete, dass seine KGB-Tätigkeit bekannt würde? Es ist immer verdächtig, wenn Akten nicht freigegeben werden. Also muss Brandt sich die Spekulation gefallen lassen.“

Robert fährt fort:
http://www.focus.de/politik/deutschland/spionage-kgb-dossiers-ruetteln-am-denkmal-willy-brandt_aid_170084.html

Robert 2016:
Besprechung Weg nach Berlin
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43065460.html

Robert:
Sehr interessant, was Ella Lingens über ihren Freund Karl von Motesicky schreibt:
„Motesicky selbst wohnte in einer großzügigen Wohnung in Wien und kam nur dann und wann zu Besuch. Auch er war gegen seine Familie aufgestanden (…), hatte sich dem Kommunismus zugewandt, ihn aber bald mit seltsamen sektiererischen
psychiatrischen Bewegungen verbunden oder gegen sie getauscht – ich bin da nie ganz durchgedrungen – und führte dank seines Vermögens das Leben eines Privatgelehrten auf der Suche nach dem wirklichen Leben, das wir für ihn zu verkörpern schienen.“

Ella Lingens, Gefangene der Angst, S. 43

Eine psychiatrische Sekte ist die Orgonomie bis heute geblieben.

Robert 2013:
Dieselbe Haltung des Zwiedenkens vertrat Lion Feuchtwanger in „Moskau 1937“. Da kann eine Gesellschaft, auf Vernunft gegründet, auch gerne blutige Opfer kosten.

Peter 2016:
Zum Tod von Egon Bahr:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_grosse_irrtum_des_egon_bahr

Er war ein typischer Sozialdemokrat: ein Verröter an der Freiheit, der sich zugute hielt, er, ausgerechnet er, hätte die Freiheit verteidigt und ausgeweitet. Siehe auch die Analyse der Entspannungspolitik durch Bukowski, wie ich sie hier dargelegt habe:

http://orgonomie.net/hdosozio.htm

Die Pest kann man nur besiegen, indem man ihrEinhalt gebietet, nicht indem man mit ihr „verhandelt“.

Peter 2013:
Wider die Romantisierung des Spanischen Bürgerkrieges:

http://www.pi-news.net/2013/10/gestern-522-von-roten-ermordete-spanische-martyrer-seliggesprochen/

Robert 2013:
„Brandt beherrschte also das Gedankengut der Sexpol fließend.“

Und beeinflusste auch seinen Sohn…
„Am schulfreien 17. Juni 1967 gründete sich das SDS-inspirierte Aktionszentrum unabhängiger und sozialistischer Schüler (AUSS) in Frankfurt. Dort referierte Willy Brandts ältester Sohn Peter über die Zumutungen des Kalten Kriegs unter der Fragestellung »Warum der 17. Juni gestorben ist«. Wie der Verfassungsschutz mitteilte, forderten die versammelten Gymnasiasten Zweierlei: die gründliche Reform der »seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unverändert gebliebenen patriarchalischen Schulstruktur« und »in aller Breite Aufklärung über den Geschlechtsverkehr einschließlich aller Perversionen«. Allen voran verlangte der junge Brandt die Pille für jedes geschlechtsreife Mädchen und »den Abbau der sexuellen Diskriminierung von Schülern durch die Schulautorität«.“

Und auch Ulbricht wurde vermutlich von Reich beeinflusst…
„Nicht so deutlich, doch erheblich, unterschied sich die Praxis der schulischen Sexualaufklärung in den beiden deutschen Staaten. Auch insoweit erging es den Zonenkindern besser. In der DDR hatte Walter Ulbricht 1958 höchst selbst auf dem V. Parteitag der SED die »natürliche Aufklärung« der Kinder verlangt, um sie vor »Schwierigkeiten und Konflikten« zu schützen. Fortan wurde in den DDR-Schulen Sexualkunde unterrichtet.95 Unvorstellbar, dass sich Ulbrichts westlicher Widerpart Adenauer jemals zu solchen Sätzen durchgerungen hätte.“

(Götz Aly, Unser Kampf)

Robert 2016
USA zahlten heimlich Geld an Willy Brandt

Bereits in den Siebzigerjahren kursierten Gerüchte über geheime Zahlungen der CIA an Willy Brandt. Der SPD-Politiker bestritt alle Vorwürfe. Neueste Archivfunde belegen nun: Ab 1950 floss Geld.

http://www.spiegel.de/einestages/willy-brandt-bekam-geheime-us-zahlungen-ab-1950-a-1096881.html

Advertisements

Der Rote Faden: Der Friedenskämpfer Nr. 1

8. August 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Der rote Parasit

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

Der Rote Faden: Mildred Brady

1. September 2012

(…) die „Partei“ schickte den Idioten mit einer Botschaft auf den Marktplatz; der Polizist hörte es und leitete es an die Kommission für Nahrungs- und Medikamentensicherheit weiter; von hier gelang es in mehrere Zeitungen, von dort in eine psychiatrische Zeitschrift und das Büro des für den Landkreis zuständigen Staatsanwalts (…). („Public Responsibility in the Early Diagnosis of Cancer“, Orgone Energy Bulletin, 1(3), July 1949, S. 113)

Ohne Frage lag Reich mit dieser Beschreibung richtig. Die einzige kritische Frage ist, ob Mildred Edie Brady wirklich auf Anweisung Moskaus handelte. Dies ist der eine kritische und entscheidende Punkt in Reichs Argumentation. Und da Karl Frank Reichs Hauptquelle war, ist Frank so wichtig. Der „ein gewisser Karl Frank“ bei Jerome Greenfield (USA gegen Wilhelm Reich, S. 85). Myron Sharaf spricht über „a friend of Reich’s“ (Fury on Earth, 1983, S. 366). Sowohl Greenfield als auch Sharaf legen nahe, daß die Hauptquelle für Reichs Verdacht, daß Brady im Auftrag Moskaus handelte, eine unbedeutende Person war, die Reich nur eine zufällige Beobachtung und nicht weiter ins Gewicht fallende Einschätzung mitteilt. In Wirklichkeit war dieser „Informant“ eine sehr bedeutende Figur und ein Experte, wie an anderer Stelle dargelegt.

Von Anfang an war das Unterwandern und Wühlen Taktik von GPU/NKWD/KGB. Später versuchten sie Immigranten zu eliminieren und zwar nicht nur solche, die aus Rußland, sondern auch jene, die aus der Komintern geflohen waren. Dimitri Wolkogonow berichtet über Angelika Balabanowa (1878-1965), eine ehemalige Freundin des Sozialisten Benito Mussolini und spätere Sekretärin der Komintern. Kurz vor der Oktoberrevolution wurde sie nach Schweden gesandt, um sich im Auftrag der Bolschewisten mit linksgerichteten Organisationen in Europa zu befassen. Jeden Samstag kamen Schiffe in Stockholm an mit Geldern aus Rußland, die sie weiterleitete. Ihr wurde gesagt, sie solle das Geld verwenden, um linksgerichtete Organisationen zu unterstützen, anti-bolschewistische („oppositionelle“) Gruppen zu untergraben und einzelne Personen zu diskreditieren (Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror, Düsseldorf 1994).

Genau das hat später Mildred Brady getan: Unterstützen linksgerichteter Gruppen in den Vereinigten Staaten, Untergraben von progressiven Gruppen, die dem Kommunismus gegenüber feindselig eingestellt sind und Diskreditieren bestimmter Personen, in diesem Fall Wilhelm Reich. Diese drei Punkte haben die Politik der Komintern bereits charakterisiert, bevor diese überhaupt offiziell gegründet wurde. (Das Büro für Auslandsarbeit wurde am 8. Oktober 1918 gegründet und bestand aus Balabanowa, Worowski, Bucharin und Axelrod.)

Jürgen Kuczynski war ein enger Freund von Mildred Bradys späterem Ehemann Robert A. Brady, einem Wirtschaftswissenschaftler, und dessen erster Frau. Im September 1926 ging Kuczynski in die Vereinigten Staaten, um an der Brookings School zu studieren. Viele Studenten dieser kleinen Eliteeinrichtung mit nur 20 bis 30 Studenten wurden später Mitglieder der Roosevelt Administration. Und sie waren alle untereinander befreundet und viele heirateten auch untereinander. Kuczynski zufolge hielten viele dieser Bekanntschaften und Freundschaften Jahrzehnte an und schlossen weitere Freundeskreise mit ein. Da die meisten Studenten wegen ihres Talents interessante Jobs bekommen hatten und einige hohe Positionen in der Roosevelt Administration innehatten, war Kuczynskis USA-Reise von 1938 in die USA, wo er für den kommunistischen Geheimsender „29,8“ um Spenden warb, so überaus erfolgreich. Er kehrte als der damals erfolgreichste Spendensammler für die KP heim (Kuczynski: Freunde und gute Bekannte. Gespräche mit Thomas Grimm, Berlin 1997, S. 115f).

Kuczynski war an der Brookings School von Sept. 1926 bis Juni 1927. Danach arbeitete er für die American Federation of Labor, die von William Green geleitet wurde. Sept. 1928 kehrte er zum Brookings Institute zurück, um ein Buch über Arbeitslosenstatistik zu schreiben. 1929 kehrte er nach Deutschland und seinem Familienstammsitz am Schlachtensee zurück. Ein Jahr später schloß er sich der Partei an, besuchte die UdSSR, usw.

Wir zeichnen das Jahr 1931. Kuczynski berichtet, daß viele Briefe mit den Freunden in Amerika ausgetaucht wurden. Elsie Gluck, Bob und Dorothy Brady besuchten ihn am Schlachtensee (Kuczynski: Memoiren, Köln 1983).

Die letztere schrieb damals an Kuczynski, daß ihr Ehemann Bob Brady mit ganzem Herzen auf ihrer Seite, d. h. auf Seite der Kommunisten stünde, aber leider gezwungen sei, an der Universität von Berkeley jede Menge Quatsch zu lehren. Zurück in den USA habe er das Gefühl seine Seele an den Mammon zu verkaufen. Kuczynski fügt jedoch an, daß sich Bob Brady keine Sorgen um seine Seele hat machen müssen, da er gute Bücher gegen den deutschen Faschismus und den Monopolkapitalismus im allgemeinen geschrieben habe. Zwar sei auch Dorothy nicht in der Partei gewesen, aber, wie Bob, auf kommunistischer Seite mit voller Überzeugung gesellschaftlich aktiv (ebd., S. 214f).

1934, ein Jahr bevor die damalige Mildred Edie ihren späteren Mann Bob Brady kennenlernte, wurde die junge Journalistin auf Reich aufmerksam, als sie den Psychoanalytischen Kongreß in Luzern besuchte. Siehe dazu Item 178 (Statement by Angelica M. Haymes on Masters [Consumer Reports], Dec. 7, 1948) von Reichs The Red Threat of a Conspiracy (Rangeley, Maine: Orgone Institute Press, 1955). Zusammen gründeten sie 1936 die kommunistisch inspirierte Consumers Union, eine Art „Stiftung Warentest“, um das kapitalistische System nicht nur von der Seite der „Produzenten“ (Werktätigen), sondern auch von der Seite der Konsumenten her zu untergraben. Ein Opfer dieser kapitalismuskritischen „Warentests“ sollte Wilhelm Reich werden.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=rbMw_0yYdPY%5D

Kuczynski hat seine Wirtschaftsstudien (besonders über die Wirtschaftsstruktur des Nazistischen Deutschland) beim Verlagshaus der englischen KP veröffentlicht, in Amerika beim dortigen KP-Verlag. Dennoch hat 1944 die amerikanische Botschaft (d. h. dieselbe Botschaft, die einige Jahre später Neill die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrte) den Erzkommunisten Kuczynski eingeladen, sich dem United States Strategic Bombing Survey anzuschließen. Er und seine Mitarbeiter (z.B. Paul Baran, später der erste Marxistische US-Professor mit Lebensanstellung) hatten täglichen Kontakt mit dem Office of Strategic Services. Dort gab es ebenfalls, so Kuczynski, jede Menge „progressive Leute“. Die Amerikaner haben sich einfach nicht darum geschert, ob man ein Kommunist war oder nicht, soweit man für sie nützlich war. Kuczynski hat dort viele Freunde gefunden und hielt später Kontakt zu ihnen, mit einigen bis zu seinem Tode 1997. Als ziviler Fachmann bekam Kuczynski den militärischen Rang eines Oberst verpaßt. Der United States Strategic Bombing Survey wurde von vier Generälen befehligt, Alexander, George Ball, Paul Nitze und Ken Galbraith, aber nur einer von ihnen sei, so Kuczynski, „progressiv“ gewesen, Galbraith. Er blieb ein lebenslanger Freund. Damals sei Galbraith in der politischen Mitte verortet gewesen, er habe sich aber später mehr nach links entwickelt. Er wurde Freund und Berater von JFK. In seiner Autobiographie erwähnt Galbraith Kuczynski: dieser sei ein sowjetischer Spion gewesen.

Die geheimen Berichte des Office of Strategic Services, Vorgänger des CIA, über die Ökonomie des Deutschen Reiches wurden nur an vier Empfänger gesandt: Roosevelt, Eisenhower, Churchill und Ismay (der „englische Eisenhower“). Kuczynskis Schwester war die berühmteste Sowjetspionin (Ursula Kuczynski war identisch mit „Ursula-Marie Hamburger“, „Ruth Werner“ und der berühmten „Sonia“) und über sie gelangten diese hochgeheimen Berichte auf den Schreibtisch Stalins.

Beim „Office of Strategic Services” befand sich ein ganz besonders linker Linker: Joseph. Bis zu seinem Tode 1993 blieb er ein sehr enger Freund Kuczynskis. Gould erkundigte sich bei Kuczynski, ob es nicht gut sei fünf deutsche Kommunisten von England nach Deutschland mit amerikanischen Flugzeugen zu schicken. Kuczynski wählte fünf Kommunisten und informierte gleichzeitig seine Schwester. So warfen die Amerikaner fünf OSS-Agenten über Deutschland ab, die gleichzeitig über Kuczynskis Schwester für Stalin arbeiteten. Kuczynskis Schwester brachte auch Klaus Fuchs’ Dokumente über die Atombombe in die Sowjetunion. Kuczynski höchstpersönlich vermittelte den Deal.

Fuchs war Kommunist und als er in England eintraf, hatte er sich direkt an Kuczynski gewandt, da dieser der politische Führer der deutschen KPler in England war. Etwa 1942 erzählte Bernal, ein enger Freund Kuczynskis, diesem auf eine sehr vage Weise über eine hochgeheime Superwaffe. (John Desmond Bernal [1901-1971] war ein britischer Naturwissenschaftler, nach 1945 aktiv in der Weltfriedensbewegung und 1950 Präsident des Weltfriedensrates.) Klaus Fuchs teilte Kuczynski Details mit und fragte ihn, ob das nicht für die Sowjetunion von Bedeutung sei. Kuczynski brachte ihn in Kontakt mit den Sowjets. Als die Sowjets plötzlich alle Verbindungen mit Fuchs kappten, wandte sich dieser wieder an Kuczynski, der ihn in Kontakt mit seiner Schwester brachte (Kuczynski: Freunde und gute Bekannte).

Der Rote Faden nach Christopher Turners ADVENTURES IN THE ORGASMATRON

20. September 2011

Der 1000ste Blogeintrag:

In seiner Reich-Biographie Adventures in the Orgasmatron (S. 283-291) beschäftigt sich Christopher Turner mit einigen Punkten des „Roten Fadens der Verschwörung“, die zu einem Gutteil bereits bei Jim Martin (Wilhelm Reich and the Cold War) aufgetaucht sind. Es lohnt sich sie nochmals zusammenzufassen:

Dwight MacDonald, ein ehemaliger Trotzkist, war in den 1940er Jahren ein bekannter Pazifist und Anarchist an der Ostküste. Er gab die Zeitschrift Politics heraus. Inspiriert durch die Schriften Reichs versuchte er politische Befreiung mit sexueller Befreiung zu verbinden. Resultat war eine Art „Swinger“-Ideologie mit „Nacktpartys“ und „Orgien“, an denen u.a. Fritz Perls, Paul Goodman und Norman Mailer teilnahmen. Im Spätsommer 1945 erschien in MacDonalds Zeitschrift Goodmans Artikel „The Political Meaning of some Recent Revisions of Freud“, der Reichs Theorien der „sexuellen Befreiung“ (so wie sie der bisexuelle Goodman sah) bei den nicht-kommunistischen Progressiven allgemein bekannt machte.

Fünf Jahre später, 1950, plante MacDonald, der in der Zwischenzeit regelmäßig einen Orgonenergie-Akkumulator benutzt hatte, einen Artikel in Politics zu veröffentlichen, in dem er Reichs Orgontheorie mit Berufung auf den befreundeten Krebsspezialisten Theodore Hauschka als Pseudowissenschaft bloßstellen wollte. Politics mußte jedoch vorher eingestellt werden, so daß dieser Artikel nie erschienen ist. MacDonald sah sich zu diesem Schritt gezwungen, weil er glaubte, daß die Kommunisten (via Mildred Edie Brady) die zu dieser Zeit sehr erfolgreichen Anarchisten lächerlich machen und ins Abseits stellen wollten, indem sie sie mit Reichs „absurden Theorien“ in Verbindung brachten.

Tatsächlich verabscheute Brady Reich, weil er, in Bradys Augen, einen snobistischen Sexualkult inspiriert hatte, der die amerikanische Avantgarde zu entpolitisieren drohte; Politik wurde durch eine Art Sexualmystik ersetzt (S. 276f). So Bradys erster Artikel „The New Cult of Sex and Anarchy“, der 1947 in Harper’s Magazine erschien. Aber war Brady eine Kommunistin? Sie hatte 1936 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Ökonomen Robert Brady, und anderen die Consumers Union ins Leben gerufen, eine Art kapitalismuskritische „Stiftung Warentest“. Nicht nur als Produzenten, sondern auch als Konsumenten sollten sich die Arbeitenden organisieren. 1939 wurde die Consumers Union von der HUAC, dem Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten, das später durch McCarthy berühmt wurde, in die Liste der subversiven Organisationen aufgenommen, von der sie erst 1954 nach einer langen „Bürgerrechtskampagne“ wieder gestrichen wurde.

Im selben Jahr wurde Robert Oppenheimer, der „Vater der Atombombe“, der durch die Bradys für die Consumer Union rekrutiert worden war, vom FBI über seine Beziehung zu dem Ehepaar befragt. Die Bradys waren enge Freunde von Alger Hiss [einem Sowjetagenten!] und Haakon Chevalier, der Mann von dem Oppenheimer behauptet hatte, er hätte versucht ihn 1942 als sowjetischen Agenten zu rekrutieren. (S. 284)

1949 sagte MacDonald zu Reichs Mitarbeiter Myron Sharaf, daß Robert Brady „definitiv ein Kommunist“ war. Auf Anfrage Reichs berichtete Karl Frank Ende 1947, daß er den Bradys 1936 in Kalifornien begegnet war und sie definitiv „Fellow Travellers“ seien. Robert sei, so Frank, ein bekannter Kommunist gewesen und seine Frau Mildred hatte deutlich gemacht, daß ihre kommunistischen Überzeugen noch stärker seien als die ihres Ehemannes. 1937 verlieh Brady in seinem Buch Spirit and Structure of German Fascism seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich Amerika vom „zum Faschismus neigenden Kapitalismus“ abwenden möge.

Und schließlich ist da noch der anarchistische Poet Kenneth Rexroth und seine Aussage: „It did’t take the Communist Party long to attack us“ (S. 289). Das bezieht sich auf den Libertarian Circle in San Francisco, den Brady in ihrem Artikel über „Sex und Anarchie“ mit Reich in Verbindung gebracht hatte. Neben Rexroth gehörte auch der berühmte „erotische Autor“ Henry Miller und der Poet George Leite zu diesem Umfeld. Später behauptete Rexroth, Miller und die anderen angeblichen „Reichianer“ an der Westküste hätten vor dem Erscheinen von Bradys Artikel nie Reich gelesen und jene, die es taten, hätten Reich als Scharlatan betrachtet. Turner zieht diese nachträgliche Distanzierung in Zweifel. Diese Anarchisten wollten sich von der Kommunistin Brady (sie wurde wie selbstverständlich von ihnen als eine solche betrachtet) nicht in den „Reichianischen Dreck“ ziehen lassen…

Handelt es sich aber um eine „konzertierte kommunistische Aktion“? Nachdem Goodman 1945 von MacDonald beauftragt worden war den bereits erwähnten enthusiastischen Artikel über Reich für Politics zu schreiben, beauftragte ihn The New Republic eine Besprechung des soeben erschienenen Buches The Masspsychology of Fascism zu verfassen. Die Besprechung wurde von den Herausgebern jedoch abgelehnt, weil Goodman zu begeistert mit Reich umgegangen sei. Stattdessen wurde eine vernichtende Besprechung von Frederic Wertham veröffentlicht. Reichs Denken sei, so Wertham, „neo-faschistisch“, Reich vertrete eine Art „Psycho-Faschismus“. Alle Intellektuellen wurden aufgerufen dieser neuen faschistischen Gefahr, d.h. Wilhelm Reich, entgegenzutreten. Entsprechend war die Besprechung mit „Calling All Couriers“ überschrieben! Sechs Monate später erschien Bradys erster Artikel „The New Cult of Sex and Anarchy“ in Harper’s Magazine, im darauffolgenden Monat „The Strange Case of Wilhelm Reich“ in The New Republic.

In ihren Artikel in Harper’s knüpfte Brady an den Faden an, den Wertham gesponnen hatte, als er Reichs Konzept der „Arbeitsdemoktratie“ als gefährlich reaktionär und Reich als „Psychofaschisten“ hingestellt hatte. Brady zog eine Verbindung zwischen dem neuen, angeblichen „Reichianischen“ Kult von „Sex und Anarchie“ und der völkischen Bewegung im vorfaschistischen Deutschland. In diesem Zusammenhang erwähnte sie Stefan George und dessen snobistischen Appell an die „schöpferische Persönlichkeit“. Genau wie die „Reichianer“ hätte George die Instinkte glorifiziert und einer Sexualmystik gehuldigt. Die „Reichianer“ seien deshalb „Neofaschisten“. (Manchmal erinnert Brady verdammt an Jutta Ditfurth…)

MacDonald berichtete Sharaf, daß Wertham ein führendes Mitglied der American-Soviet Friendship League war und ein „Fellow Traveller“. The New Republic selbst reihte sich hier perfekt ein. Im September 1946 übernahm Henry Wallace, einst Vizepräsident unter Roosevelt, die radaktionelle Leitung von The New Republic. Präsident Truman hatte ihn kurz zuvor als Handelsminister entlassen, nachdem Wallace Trumans antikommunistische Außenpolitik kritisiert hatte. The New Republic nutzte er nun als Sprachrohr, um gegen den beginnenden Kalten Krieg anzukämpfen und für einen Ausgleich mit der Sowjetunion zu werben. Turner schreibt dazu:

Der Artikel von Brady könnte tatsächlich in diesem Zusammenhang interpretiert werden: Sie schrieb, daß Reich Rußland als „sexual-reaktionär“ und als „antisexuell“ betrachtete, und offensichtlich verteidigte sie die Familienwerte dieses Landes. (S. 285)

1948 war Wallace Präsidentschaftskandidat der Progressive Party, erhielt aber nur drei Prozent der Wählerstimmen. Er war aufgrund der enthusiastischen Zustimmung der Kommunisten in New York einer horrenden Fehleinschätzung aufgesessen. Später stellte sich heraus, daß Laurence Duggan, der unter Wallace Außenminister werden sollte, und Harry Dexter White, der Finanzminister werden sollte, sowjetische Agenten waren!

Nach Wallace‘ Präsidentschaftskandidatur übernahm Michael Straight die radaktionelle Verantwortung von The New Republic, er war bereits der Herausgeber des Magazins. Straight war selbst Sowjetagent gewesen. 1937 war er von Anthony Blunt für den NKWD rekrutiert worden, spionierte für die Sowjets im Außenministerium, hatte den späteren Sowjetagenten Alger Hiss als möglichen Rekruten vorgeschlagen und er hatte The New Republic benutzt, um einem Sowjetagenten einen Presseausweis zu verschaffen. Ab 1942 weigerte er sich jedoch mit den Sowjets weiter zusammenzuarbeiten.

Anthony Blunt und die anderen vier der berühmten „Cambridge Five“ Kim Philby, Guy Burgess, John Cairncross und Donald Maclean waren von Arnold Deutsch, einem ehemaligen Anhänger und Mitarbeiter Reichs, rekrutiert worden. Mit Deutsch haben wir uns bereits beschäftigt. Turner führt aus, daß Deutsch‘ „sexualökonomische“ Haltung seine Sache sehr attraktiv für die „Cambridge Five“ machte, durchweg Bisexuelle. Die Sowjetunion wurde von Deutsch als ein Land der Gleichheit und der sexuellen Toleranz gezeichnet. Praktisch in jeder Beschreibung der „Cambridge Five“ wird Philbys Satz zitiert: „An orgasm a day keeps the doctor away.