Posts Tagged ‘Nietzsche’

Eine Ergänzung zu „Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht“

17. März 2017

Oh Mensch! Geb Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit
will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Nietzsches Gedicht faßt sein Konzept der ewigen Wiederkehr des Gleichen zusammen. Worum geht es? Warum ist die Welt „tief“? Was ist die ewige Wiederkehr? Was hat es mit dem Weh und mit der Lust auf sich?

Die Welt ist tief, weil es diesen Moment wirklich gibt! Und zwar in zeitlicher und in räumlicher Hinsicht. Die Welt ist kein flüchtiger Schein hinter der es eine „wirkliche Welt“ gibt. Jeder Moment ist von unendlicher Bedeutung, ist buchstäblich ewig, weil er sich EXAKT so bereits unendliche Male ereignet hat und sich EXAKT so in Zukunft unendlich oft wiederholen wird. Warum? Weil die Welt eine Einheit ist und zwar in existentieller Hinsicht. Das bedeutet, ich und die Welt sind eins. Wiederholt sich alles so, wie es jetzt ist, mit dem einzigen Unterschied, daß sich eine Amöbe auf dem Beinhaar einer Spinne im Amazonas nicht nach links, sondern nach rechts bewegt, dann ist das nicht dieser Moment – es wäre nicht mehr ich. Ich bin mit allem unlösbar verbunden. Das ist auch der Grund, warum sich alles unendlich oft wiederholt – wie ein unerbittliches, grauenerregendes Uhrwerk.

Das ist Nietzsches Philosophie. Kein Wunder, daß er sie nie explizit formuliert hat, denn allzuschnell wird das zu einer mehr als wackligen Trivialität, was ihn zutiefst erschüttert hat. Aber vergessen wir sein mechanistisches Modell! Was Nietzsche beschreibt, ist das Gefühl von Kontakt, das mit dem ewigen Kreislauf der Kreiselwelle und dem ewigen Wechsel von Expansion und Kontraktion verknüpft ist. Ihr höchster Ausdruck ist die orgastische Plasmazuckung. Diese Erfahrung ist grundsätzlich anders, als was Mystiker sich darunter vorstellen.

Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Eine Ergänzung zu „Peter der Griesgrämige“

16. März 2017

Betrachten wir zunächst die Hauptgleichung der Orgonomie (hier in sehr verkürzter, „amputierter“ Form!):

Zutiefst haben wir die „orgonotische Strömung“. Was das ist, wird am ehesten noch anhand der Orgontherapie deutlich. Die Beseitigung der Augenblockierung führt zum Kontakt mit der Umwelt (dreidimensionales Sehen), die Beseitigung der Zwerchfellblockierung zum Kontakt mit dem eigenen Selbst, dem Körper (dreidimensionales Fühlen) und die Beseitigung der Beckenblockierung zum Kontakt mit dem Kosmos (orgastische Potenz). Dies geht jeweils einher mit einem Gefühl zunehmender Tiefe. Zunächst sieht man die atmosphärische Energie, dann, nach der Öffnung des Zwerchfells, fühlt man sie durch die eigenen Glieder fließen (und lernt entsprechend den Körper wirklich als dreidimensionales Gebilde zu empfinden) und schließlich wird man eins mit diesem Fließen, d.h. wird eins mit der kosmischen Strömung, die in ihrer Überlagerung die Galaxien und damit die Materie aus dem primordialen Orgonenergie-Ozean bildet. Hier setzt die Panzerung an. Indem sie die orgonotische Strömung unterbindet, macht sie die Welt flach, raubt ihr jede Tiefe und führt bei den gepanzerten Menschen zu Derealisation, Depersonalisation und einer generellen orgastischen Impotenz.

Konkret kommt die orgonotische Strömung in der kreiselwellenartigen Bewegung (dem „Orgonom“, siehe Die kosmische Überlagerung) und der orgonotischen Pulsation (siehe Äther, Gott und Teufel) zum Ausdruck.

In der alten, autoritären Gesellschaft führte die Abpanzerung der orgonotischen Strömung dazu, daß die Menschen einseitig aus dem durch das autonome Nervensystem (Plexus solaris) verkörperte orgonotische System heraus empfanden und entsprechend eine konservative, reaktionäre, wenn nicht faschistische Charakterstruktur hatten. In der neuen, antiautoritären Gesellschaft ist es zu einer ebenso einseitigen Verschiebung hin zum Orgonom gekommen, das durch das zentrale Nervensystem verkörpert wird. Die Menschen sind „zerebral“ und von ihren Emotionen getrennt, entsprechend liberal, sozialistisch, wenn nicht kommunistisch strukturiert. Den Unterschied sieht man im gesamten Auftreten. Man vergleiche etwa einen heutigen „typischen Deutschen“ mit einem typischen Türken! Ein „Erdogan“ wäre heute in Deutschland undenkbar!

Aus der obigen Gleichung ist ersichtlich, daß sich die Kreiselwelle in der „Welle“ und im „Puls“ äußert, die Pulsation selbstredend in Expansion und Kontraktion.

Die „Welle“ steht für den Schwung nach vorne, wie er etwa archetypisch im Sprung des Tigers zum Ausdruck kommt – oder in der Flucht der Gazelle. Dem Sprung ging ein mühsames und langwieriges Verfolgen und Lauern voran, der wilden Flucht das Grasen. Das letztere steht für den „Puls“, das „Mahlen auf der Stelle“, die Arbeit am Kleinklein. In der autoritären Gesellschaft „lebte man, um zu arbeiten“. Nur so waren die horrenden Kriegsanstrengungen und das Wirtschaftswunder möglich. Für den antiautoritären Menschen sind das „Sekundärtugenden, die Auschwitz erst möglich gemacht haben“. Arbeit ist eine Last („Ausbeutung“), stattdessen wird umverteilt und konsumiert, man gibt sich der Hedonie hin.

Die entsprechenden Erörterungen über Kontraktion und Expansion erübrigen sich ebenso, wie eine detaillierte Beschreibung, wie sich diese energetischen Funktionen in der neueren Geschichte des Kapitalismus widergespiegelt haben bzw. wie dessen Entwicklung wiederum die jeweiligen Charakterstrukturen perpetuierten. Man braucht nur die Augen aufmachen!

Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

13. März 2017

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Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

The Mass Psychology of Fascism (1970) und andere Übersetzungen

27. Januar 2017

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Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

24. Dezember 2016

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Bioenergetik und Tod

29. November 2016

In seinem Buch Der Urschock stellt der italienische Reichianer Luigi DiMarchi die These auf, daß alles menschliche Elend aus einem „existentiellen Schock“ stammt, der dem „menschlichen Affen“ widerfuhr, als er spürte, daß er sterblich ist. Wir alle sind zum Tode verurteilt und perverserweise wissen wir nicht mal, wann denn das Urteil vollstreckt wird: morgen oder erst in 50 Jahren! Alle Kultur, Philosophie, Religion und alle politischen Aufstände dienten nur dem Ziel mit dieser unerträglichen Angst fertigzuwerden, die so letztlich die Ursache der Panzerung sei. Gefährlich wird diese Angst dadurch, daß die Menschen ihre Angst paranoid nach außen projizieren würden, und die vermeintlich „bösen“ Gruppen wie „die Juden“, „die Kapitalisten“, „die Roten“, etc. sterben müssen, um so irgendwie mit dem eigenen Tod fertigzuwerden. Aber nicht unsere Mitmenschen, sondern die böse „Stiefmutter Natur“ sei unser wirklicher Gegner, gegen den wir uns humanistisch solidarisieren müßten. Wir müßten unsere Wissenschaft danach ausrichten, endlich mit dem Tod fertigzuwerden. Letztendlich wird dieser Ansatz in die Unmenschlichkeit eines „unsterblichen“ kybernetischen künstlichen Wesens führen, das alle Verbindung zur Natur verloren hat.

Die Alternative zu diesem Ausweg vor dem Tod, eine, die praktisch alle Menschen vor dem Zeitalter der Aufklärung beschritten haben, ist der Mystizismus. Der Mechanist wird sagen, daß dies alles nur Träumereien seien und daß der einzige reale Weg zur Überwindung des Todes in der medizinischen Forschung und der technischen Weiterentwicklung liege. Tatsächlich hängt jedoch der Mechanist weit eher einer Scheinlösung an und dies in zweifacher Hinsicht:

Die Frage nach dem Tod und dem Sinn des Lebens ist eine Frage, „die das Gehirn stellt“. Warum glauben wir, daß diese Frage irgendeine Bedeutung hat?! Das Zentrale Nervensystem, bzw. das Bewußtsein ist nicht die höchste Ausdrucksform des Lebendigen, sondern ein bloßes Werkzeug, um uns in unserer Umwelt zurechtzufinden. Vor vielen Jahren ist die Narbe meiner Fahrradpedalen blockiert, als ich mit ganzer Kraft losradeln wollte. Mit dem Gesicht voran bin ich mit voller Wucht auf den Asphalt geknallt – hätte mein Bewußtsein die Herrschaft behalten, stattdessen hat mein Körper in Bruchstücken einer Sekunde so reagiert, daß mir rein gar nichts passiert ist. Was genau er gemacht hat, weiß ich nicht. Als mein Bewußtsein die Kontrolle wieder innehatte, stand ich verdutzt vor dem vor mir auf dem Boden liegenden Fahrrad. Oder eine Klassenfahrt, als ich ein Kind war: im Kinderheim tobte und alberte ich auf dem Stockbett herum, verfing mich im Bettlacken und knallte mit dem Genick voran aus zwei Meter Höhe auf den Betonboden, – wenn sich nicht mein Körper in der Luft gedreht hätte, so daß ich in einer artistischen Nummer, die ich bewußt nie hingekriegt hätte, irgendwie so flog, daß ich plötzlich unter dem oberen Etagenbett hing und mich kopfüber mit allen Vieren am Bettgitter festklammerte. Eine artistische Spitzenleistung! Das Bewußtsein ist, wenn es wirklich ums Überleben geht, nichts weiter als ein alberner Störfaktor. Zu glauben, daß das Denken uns irgendwas über „Leben und Tod“ sagen könnte, ist eine Idiotie! Der Mystiker versucht zumindest Zugang zu diesem Geheimnisvollen zu finden, das jenseits des Denkens in uns wohnt – das wir sind: „Hinter deinen Gedanken und Gefühlen, mein Bruder, steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser – der heißt Selbst. In deinem Leibe wohnt er, dein Leib ist er“ (Nietzsche).

Überhaupt unser ach so wertvolles Bewußtsein! Bewußtsein ist kein „Ding“, keine „Seele“, kein „kleiner Mann im Kopf“ oder sonst etwas, was eine Ausdehnung und einen Ort hätte. Es gehört, zusammen mit Phänomenen wie die Genetik oder die Gravitation, zum orgonotischen Funktionsbereich der „gleichzeitigen Wirkung“, die dem Mechanisten prinzipiell nicht zugänglich ist. Ohne „Fernwirkung“ wäre die Gravitation unerklärlich oder wie in jeder einzelnen Körperzelle der gesamte Körper codiert sein kann – oder wie ein materieller Zellhaufen so etwas wie „Bewußtsein“ entwickeln kann. Mystiker mit ihrem Glauben an die Unsterblichkeit haben zumindest ein Gespür dafür, daß das Bewußtsein außerhalb der materiellen Welt steht.

Die Schwerkraft funktioniert so, als gäbe es zwischen den Objekten keinen Raum. Die Gene funktionieren, als gäbe es keine Zeit, die die aufeinanderfolgenden Ereignisse voneinander trennt. Das Bewußtsein hat keine räumliche Ausdehnung, im Gedächtnis ist die Zeit aufgehoben. Die Mystiker liegen nicht vollkommen falsch!

Goethes Funktionalismus

20. September 2016

Das menschliche Gehirn erkennt auf Bildern andere Lebewesen weitaus schneller und zuverlässiger als tote Gegenstände. Forscher um Joshua New von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara zeigten Probanden jeweils zwei Bilder ein und derselben Szene, die sich nur durch ein Detail unterschieden. Beispielsweise ein Elefant bzw. ein Auto in einer afrikanischen Savannenlandschaft, eine Kaffeetasse auf einem Schreibtisch oder eine menschliche Gestalt in einer Urwaldszene. Für jedes Bildpaar ermittelten die Forscher, ob und wie schnell die Probanden die Veränderung bemerkten. Dabei zeigte sich durchweg ein großer Unterschied zwischen toten Gegenständen und Lebewesen, selbst wenn die ersteren viel kleiner waren und sich mit deutlich weniger scharfen Kontrasten vom Hintergrund abhoben. Das Getreidesilo auf dem Bild einer Landschaft oder die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch registrierten die Probanden bei weitem nicht so schnell wie eine vergleichsweise winzige Taube in einer Marktszene oder die menschliche Gestalt im tropischen Regenwald. Gerade die im Vergleich zu Lebewesen langsame Erkennung von Autos spreche dafür, so die Wissenschaftler, daß die Unterschiede nicht auf erlernten Fähigkeiten beruhen, sondern angeboren sind, denn für die meisten Menschen wäre es heute wohl eher ein Vorteil, Autos schnell zu erkennen. Eine Fähigkeit, die wir im Alltag ständig trainieren.

New und seine Kollegen erklären die Ergebnisse natürlich evolutionsbiologisch: unsere Vorfahren hätten vor Raubtieren auf der Hut sein müssen und wären vom Jagderfolg abhängig gewesen.

In Äther, Gott und Teufel beschreibt Reich den Animismus als natürlichen Geisteszustand. Die toten „mechanischen“ Gegenstände um uns herum sind unserem Wesen derartig fremd, daß wir sie “beseelen”. Durch die Dominanz der evolutionistischen Herangehensweise wurde diese „Goetheanische“ Betrachtungsweise fast vollständig verdrängt.

Dazu ein sehr interessanter Film auf YouTube in vier Teilen:

Liest man bestimmte Stellen bei Goethe, fühlt man sich stellenweise in die Welt des Orgonomischen Funktionalismus versetzt.

Wenn es bei Goethe heißt, daß ein ausgesprochenes Wort meistens „Widerspruch, Stocken und Stillstehen“ erregt, oder daß „der Begriff Summe ist“, dann auch, daß das Höchste „das Anschauen des Verschiedenen als identisch“ ist, so ist es leicht, über alle Unterschiede hinweg, die Verbindungslinien zu Grundgedanken Hegels zu ziehen, zum Beispiel zu seinem Axiom: „Das Wahre ist das Ganze.“ Die deutsche Klassiker bilden eine höchst harmonische Ganzheit, und sie stehen gemeinsam auf dem Boden einer großen Tradition, die in ihnen ihre letzte Aufgipfelung empfängt. (Predrag Grujic: Hegel und die Sowjetphilosophie der Gegenwart, Bern 1969)

Das Höchste ist das Anschauen des Verschiedenen als identisch!

Hans Hass, nach Reich mein zweiter Held des Funktionalismus (siehe Hans Hass und der energetische Funktionalismus), sei, nach eigenem Bekunden, „nahezu erschlagen“ gewesen von Gedankengängen bei Goethe, die der eigenen Energontheorie entsprachen.“Wie kein anderer“ habe Goethe „das Energonprinzip in der Natur erschaut.“ Wenn Goethe

nach dem Urtier und der Urpflanze suchte, dann dachte er nicht an gemeinsame Ahnen, sondern an ein gleiches Grundkonzept, das den höheren Pflanzen und den höheren Tieren, so verschieden sie sich unseren Sinnen auch darbieten, verbindend zugrunde liegt. „Alle Gestalten sind ähnlich und keine gleichet der anderen, und so deutet das Chor auf ein einigendes Gesetz, auf ein heiliges Rätsel“ – so schrieb er in einem Gedicht über die Metamophose der Pflanzen. Nirgends fand ich deutlicher ausgesprochen, was mich selbst in meiner Forschung bewegte, wohin sie mich Stück für Stück weiterführte. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Auch in der ganz konkreten Herangehensweise an Naturphänomene wirkt Goethe wie ein direkter Vorläufer Reichs. Insbesondere wenn Reich beispielsweise auf die Voraussetzungslosigkeit des funktionellen Forschungsansatzes abhebt. Hätte Reich Anfang der 1930er Jahre profunden Kenntnissen in der Bakteriologie Folge geleistet, hätte er nie die Bione entdecken können.

Goethe in einem Brief von 1780:

(…) wie der Hirsch und der Vogel sich an kein Territorium kehrt, sondern sich da äst und dahin fliegt, wo es ihn gelüstet, so, halte ich davon, muß der Beobachter auch sein. Kein Berg sei ihm zu hoch, kein Meer zu tief. Da er die ganze Erde umschweben will, so sei er frei gesinnt wie die Luft, die alles umgibt. Weder Fabel noch Geschichte, weder Lehre noch Meinung halte ihn ab zu schauen. Er sondere sorgfältig das, was er gesehen hat, von dem, was er vermutet oder schließt. Jede richtig aufgezeichnete Bemerkung ist unschätzbar für den Nachfolger, indem sie ihm von entfernten Dingen anschauende Begriffe gibt, die Summe seiner eigenen Erfahrungen vermehrt und aus mehreren Menschen endlich gleichsam ein Ganzes macht.

Bei der Naturforschung sei „der anschauende Begriff dem wissenschaftlichen unendlich vorzuziehen“ und man fühle „mit dem lebhaften Anschauen einen dunklen Wink in der Seele (…): so ist es erstanden!“

Eine solche empathische, d.h. gleichempfindende, Annäherung an die Natur erfordert natürlich „reine“ Sinneswerkzeuge, reine (Nach- und Mit-)Empfindung orgonotischer Prozesse, d.h. eine ungepanzerte Wahrnehmung. Goethe in einem Brief von 1779:

Mein Auge und meine Seele konnten die Gegenstände fassen, und da ich rein war, diese Empfindung nirgends falsch widerstieß, so wirkten sie was sie sollten.

Auch in sozialer Hinsicht war Goethe, der schließlich zu Zeiten der französischen Revolution und der beginnenden romantischen Bewegung lebte, hellsichtig und aktuell.

Für den Goethe-Verehrer Nietzsche war Romantik ein Rachesyndrom, dessen Gegensatz die klassischen Produkte eines Goethe waren, die der Dankbarkeit für das Leben entspringen, aus der heraus man allen Dingen einen Glorienschein geben will. Demgegenüber entspricht das romantische Syndrom dem Gefühl des Leidenden und Schlechtweggekommenen, der aus seinem Ressentiment heraus am Leben Rache nehmen will. Auch das Christentum sei eine solche Bewegung, aus der sich schließlich der „romantische Pessimismus der Entbehrenden, Mißglückten, Überwundenen“ entwickelte, wie er sich in der Wagnerschen Musik und Schopenhauers Willensmetaphysik ausdrückt. Der Romantiker nimmt Rache am Leben, indem er dem Dasein sein eigenes Leiden „zum verbindlichen Gesetz und Zwang“ aufprägen will (Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft, Aphorismus 370). Die eigene persönliche neurotische Not wird zunächst theoretisch und dann praktisch der ganzen Welt aufgezwungen, angefangen vom kleinbürgerlichen Christentum der Antike bis zu den gegenwärtigen linken „Bewegungen“.

Der konservative Philosoph Günter Rohrmoser führt aus, daß es den konservativen Menschen kennzeichnet, in der Kategorie der Dekadenz zu denken, während der Linke strukturell dazu nicht in der Lage ist.

Wer eine Gesellschaft oder einen einzelnen Menschen als dekadent empfinden kann, der ist ein Konservativer von Geblüt. Eine der ganz großen Schwierigkeiten in der Verständigung mit Sozialisten besteht darin, daß man sich mit noch so einsichtigen und gutwilligen Sozialisten nicht über Dekadenz verständigen kann. Im Falle, daß man sich mit einem Sozialisten über Dekadenz verständigen kann, stellt man fest, daß dieser Sozialist im Grunde genommen keiner ist. Die Behauptung vom inneren Zusammenhang von Sozialismus und Dekadenz hat eine lange Vorgeschichte. Der späte Goethe beispielsweise hat in diesem Punkte voll mit Nietzsche übereingestimmt. Goethe hat im Angesicht der Ausbreitung des Humanitarismus, und der Sozialismus ist nichts anderes als eine humanitaristische Ideologie, die Prognose gewagt, daß am Ende dieses Weges die Menschheit ein einziges großes Lazarett und jeder des anderen Krankenwärter werden würde. Wenn wir heute in der Analyse des fortgeschrittenen Sozialstaates Pathologien in den Mentalitäten der Wohlfahrtsempfänger und derer, die es werden wollen, entdecken, dann ahnen wir vielleicht, was Nietzsche unter der im Sozialismus angelegten Dekadenz verstanden und immer bekämpft hat. (Rohrmoser: Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 298f)

Goethe war natürlich in erster Linie Dichter, obwohl er zeitweise seine Farbenlehre als bedeutenderen Beitrag betrachtete als etwa den Faust!

In der Anfang der 80er Jahre in München erschienen Zeitschrift Die Wolken sterben wurde Goethes Funktionalismus anhand der Ballade Der Fischer von 1779 aufgezeigt. Der Autor, Werner Schiwy, führt aus, wie zu Beginn des Gedichts die Antithese von lebendigem Organismus „Fischer“ und totem Element „Wasser“ aufgehoben wird, indem der Fischer wesentlicher Attribute des Lebens entkleidet wird (er ist kühl und ruht bis ins Herz hinein), während das tote Element Wasser lebendig ist und durch eine Frau (eine „Nixe“) verkörpert wird. Im folgenden beschreibe Goethe die orgonotische Erregung und schließliche Vereinigung der beiden Anfangs unvereinbar erscheinenden Systeme.

In der Ballade heißt es:

Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?

Das erinnert mich an mein Lieblingsgedicht von Goethe, das mich immer an den äquatorialen Orgonenergie-Strom der Erde gemahnt hat. Es entstammt einem Brief von 1775 an die Gräfin Christine von Brühl:

Auf den Auen wanden wir
Und bleiben glücklich ohne Gedanken,
Am Hügel schwebt des Abschieds Laut,
Es bringt der West den Fluß herab
Ein leises Lebewohl.
Und der Schmerz ergreift die Brust,
Und der Geist schwankt hin und her,
Und sinkt und steigt und sinkt.
Von weiten winkt die Wiederkehr
Und sagt der Seele Freude zu.
Ist es so? Ja! Zweifle nicht.

Goethes Faust, das deutsche Nationalepos, wird von Anthroposophen als mystisches Mysterienspiel interpretiert. Marxisten wollen in den Schlußszenen Kritik am beginnenden Kapitalismus und Kolonialismus erkennen. Was m.W. kaum je gesehen wird, ist das, was sofort ins Auge fällt. Am Ende heißt es: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Das ist tatsächlich mystisch und doch hat es eine zutiefst funktionelle und sexualökonomische Bedeutung. Das Ewig-Weiblich ist nämlich nicht nur das Höchste, sondern auch das Tiefste, das Gemeinsame Funktionsprinzip. Taucht doch Faust im ersten Akt (Finstere Galerie) von Faust II in die namenlose Tiefe des Ungeformten, zu den „Urmüttern“ hinab, um Helena heraufzubeschwören. Er war ihr bereits in Faust I begegnet, denn in der Hexenküche hieß es: „Das schönste Bild von einem Weibe! Ist’s möglich, ist das Weib so schön? Muß ich an diesem hingestreckten Leibe den Inbegriff von allen Himmeln sehn? So etwas findet sich auf Erden?“ Das Weib ist natürlich niemand anderes als Helena.

In Faust I geht es um das Kindweib Gretchen, in Faust II um das Vollweib Helena. Die Gretchen-Tragödie mit dem Vorspiel des Osterspaziergangs, auf dem er Mephisto trifft und der zitierten Szene in der Hexenküche ist eine geradezu sexualökonomische Moritat. Es dreht sich alles um die Sexualnot junger Männer und Frauen, alleingelassener Frauen (Gretchens Nachbarin), mangelnde Empfängnisverhütung und einen überholten Sünden- und Ehrbegriff, der in Mord- und Todschlag endet. Der Hexensabbat auf dem Blocksberg ist das Gegenbild einer vom Christentum zerstörten Sexualökonomie: die Unfähigkeit Befriedigung zu finden, endet in frustrierenden Orgien. Faust hat „zwei Seelen in seiner Brust“, d.h. die für orgastische Impotenz ausschlaggebende Trennung zwischen sinnlichen und liebevollen Strebungen. Letztendlich beruht die gesamte Tragödie, auch im zweiten Teil, auf Fausts Lebenshunger bzw. Sexualhunger.

Im zweiten Teil versucht Faust der christlichen Sexualmisere mit Hilfe von Wissenschaft (dem ohne Geschlechtsakt erzeugten Homunkulus) und mit Rückbesinnung auf das heidnische Griechentum zu entfliehen, in das ihn der Homunkulus entführt. (In Faust I und in Faust II wird die Kirche als unmoralisch und geldgeil gezeichnet.) Schließlich endet Faust als Industriemogul, der ganze Landschaften erschließt und dabei neues Elend, himmelschreiende Ungerechtigkeit, Mord und Todschlag verbreitet. Goethe hat die Tragödie des gepanzerten Menschen gezeichnet, der Himmel (der bioenergetische Kern), Erde (die bürgerliche Fassade) und Hölle (die sekundäre Schicht) durchschreitet. Und bemerkenswerterweise erkannte Goethe den sexualökonomischen Kern dieser Tragödie.

Orgonotische Post

19. August 2016

Die Verbindung zwischen der alltäglichen Elektrizität und der kosmischen Lebensenergie läßt sich sehr schön durch einen Brief Nietzsches an Erwin Rohde (3.9.1869) aus der Frühzeit der technischen Anwendung der Elektrizität illustrieren: „… werfe ich einen ganzen Brief mit guten Gedanken und Wünschen für Dich in den blauen Himmel, in der Hoffnung, daß der elektrische Draht zwischen unseren Seelen (oder, nach Reichenbach, die odische Lohe) diese Schnellschrift zu Dir befördert.“

Der Rote Faden: Die Anfangsjahre

26. Juni 2016

1919: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechtsgerichteten Offizieren ermordet. Die Komintern wird gegründet, ihr Kopf ist Sinowjew. Lenins Staat und Revolution. Kurzlebige Räterepublik in Ungarn unter Béla Kun. Deutsche Arbeiterpartei (aus der später die NSDAP wird) wird gegründet, Hitler wird ihr siebtes Mitglied. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ist die stärkste Partei in Österreich. Sie stellt den Kanzler Karl Renner und den Präsidenten Karl Seitz. William Crookes, Erfinder des Radiometers, stirbt. Das erste Mal überhaupt gelingt Rutherford die Umwandlung von einem Element (Stickstoff) in ein anderes (Sauerstoff). Prohibition in Amerika. Radio Corporation of America.

Reichs Hauptlehrer an der Universität ist Julius Tandler, über den ich mich bereits an anderer Stelle ausgelassen habe. Reich und Otto Fenichel gründen ihr Studentenseminar über Sexologie.

Reich nimmt an einem Kurs von Isidor Sadger über Psychoanalyse teil, der im Studentenseminar für Sexologie auch oft Vorträge über „Psychopathia sexualis“ hält. Kurze Lehranalyse bei Sadger. (Lehranalysen waren erst seit 1918 Grundbedingung der Psychoanalyse-Ausbildung.) Reich bittet Sadger die Therapie auszusetzen und statt seiner Lia Laszky, eine Freundin Reichs, zu behandeln. Sadger ist der „Michael Silvert“ der Psychoanalyse, d.h. ein perverse Modju, den niemand mochte, ein wirklicher Pestträger, der von bizarren Sexualpraktiken fasziniert war. Dergestalt waren beide Lehranalytiker Reichs (Sadger und ein Jahr später Federn) pestilente Charaktere.

Sadgers Pestilenz wird beispielsweise am Fall von Hermine Hug-Hellmut deutlich. Er war der Vormund des Neffen von Hug-Hellmut. Ihr Neffe sollte diese psychoanalytische Hexe 1924 ermorden, weil sie ihn mit ihren ewigen Analysen seelisch und materiell zerstört hatte. Immer wenn er Taschengeld benötigte, „analysierte“ sie dies weg, sodaß er weder sein Essen noch seine Schule bezahlen konnte. Nachdem er ihr etwas gestohlen hatte, um eine Schulgebühr bezahlen zu können, nahm ihn Sadger kraft seines Amtes als Vormund von der Berufsschule, obwohl die Schulleitung nichts dagegen hatte, daß der Junge in der Schule verblieb. Sadger zerstörte so die berufliche Zukunft des jungen Mannes, aus moralistischen Gründen: er war ein uneheliches und deshalb von vornherein moralisch geschädigtes Kind, daß, nach Sadgers Meinung, die er nach dem Mordfall auch dem Gericht kundgab, sowieso nur menschlicher Abfall war (Angela Graf-Nold: Der Fall Hermine Hug-Hellmuth, München 1988).

Sadger gilt als erster, der grundlegende Beiträge zum Verständnis der Homosexualität beisteuerte. Er hat den Begriff „Sadomasochismus“ geprägt und versuchte um 1919 herum die Sexualwissenschaft auf psychoanalytische Grundlagen zu stellen. Dabei hatte er festgefahrene moralische Grundsätze, die funktionell identisch waren mit der pornographischen Faszination, die er für alles Perverse empfand. Seine detaillierten Fallgeschichten, in denen er genüßlich bis in die kleinsten Einzelheiten die Sexualpraktiken seiner Patienten ausmalte, riefen bei seinen Kollegen Widerwillen und Ekel hervor. Die allgemeine Einschätzung der Psychoanalytiker war: „Sadger ist ein Schwein!“ Unappetitliche Perversionen schienen ihn zu faszinierten, wobei er gleichzeitig moralistisch über seine Patienten herzog, die darüber berichteten. Er war so ungefähr der Gegenpol Reichs, d.h. extrem moralistisch, z.B. behauptete er, daß sich eine uneheliche Geburt moralisch negativ auf das Kind auswirke. Innerhalb der Psychoanalytischen Vereinigung war er verhaßt wegen seiner boshaften, bissigen Art; alle anderen machte er runter, während er selber extrem eingebildet war. Selbst Freud war ihm gegenüber sehr ambivalent.

Federn war kaum besser, denn er betrachtete den Menschen als ein von Natur aus „sadomasochistisches Tier“. In den 1890er Jahren hatte er das Gerücht gestreut, daß Nietzsche sich seine Syphilis als passiver Homosexueller durch Analverkehr in einem Italienischen Bordel für Schwule zugezogen hatte (Joachim Köhler: Zarathustras Geheimnis. Friedrich Nietzsche und seine verschlüsselte Botschaft, Nördlingen 1989). Später versuchte dieser moralistische Perverse hinter den Kulissen Reichs Ruf zu zerstören.

Während dieser Zeit war Reich mit verschiedenen Kommunisten befreundet. Am 15. Juni 1919 gab es den Versuch eines kommunistischen Putsches, dessen Zentrum die Universität Wien war. Zu dieser Zeit war die KPÖ mehr oder weniger eine „Studentenpartei“. Zu Reichs kommunistischen Freunden gehörte der Schüler William S. Schlamm. Am Ende des Krieges war Schlamm zum Kommunismus gekommen, weil die Kommunisten gegen den Krieg waren. 1919, mit 15, erhielt Schlamm das Mitgliedsbuch der Kommunistischen Jugend-Internationale (KJI).

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben löste sich Schlamm 1928 vom Kommunismus. Zehn Jahre nach dem Bruch, also 1938 traf Schlamm in New York mit dem vorherigen Leiter der GPU in West Europa zusammen, General Walter Kriwitzki. Kriwitzki hatte 1937 mit der Partei gebrochen und schrieb damals an seinem großen Enthüllungsbuch (Walter Krivitsky: In Stalin’s Secret Service. An exposé of Russia’s secret policies by the former chief of the soviet intelligence in Europe, London/New York 1939). Schlamm war überrascht, über dessen unglaubliche Detailkenntnisse und sein noch erstaunlicheres Gedächtnis. Er konnte sich an die persönlichsten Einzelheiten von Schlamms Leben 1919 erinnern. (Sogar Details, die Schlamm selbst mittlerweile vergessen hatte.) Und das, obwohl Schlamm Kriwitzki vor 1938 nie begegnet war. Kriwitzki antwortete zu Schlamms großer Verwunderung, daß er, Kriwitzki, 1919 Leiter des Wiener Geheimbüros der GPU war. Dann könne Kriwitzki ihm sicherlich sagen, warum die Russen ihn nie in den Abgrund befohlen hätten, d.h. die Untergrundarbeit. Kriwitzki lachte und antwortete, daß sie Schlamm nie recht getraut hätten. Als er 1919 zur Partei gekommen sei, habe er sich zwei Abende in der Woche für Konzertbesuche ausbedungen. Man habe ihm nicht vertraut, weil ihm Mozart offensichtlich wichtiger war als die Partei.

Ein anderer von Reichs Freunden war der bereits erwähnte Karl Borromäus Frank (1893-1969), der an der Universität Wien Psychologie, Biologie und Philosophie studiert hatte. 1918 war er einer der Gründer der „Mittelschülerbewegung” und Vertreter der Universität Wien im revolutionären Arbeiterrat Wiens. Als eines der Leitfiguren des Linksextremismus in Wien trat er 1919 der KPÖ bei und gehörte zeitweise der Redaktion der Roten Fahne an. Seit Dezember 1919 im Zentralkomitee der KPÖ, ging er Ende 1920 nach Berlin.

Franks erste Frau Alice Herdan, damals 18, erinnert sich, daß sie Frank im April 1919 in Wien traf. Er sei damals eine der leitenden Figuren der Jugendbewegung gewesen. Die männliche Jugend hätte ihn verehrt, während ihn Mädchen und Frauen wegen seiner schieren Schönheit liebten. Sehr bald heirateten Alice und „Karli“. Sie lebten mit Franks bestem Freund zusammen, Gerhart Eisler (1897-1968). Gerhart führte Alice in den Marxismus ein. Sie erinnert sich, daß er klein und häßlich gewesen sei. Später wurde er „Aufräumer“, d.h. er reiste in Länder, die für den Kommunismus reif waren und schaltete Leute aus, die der Partei im Wege standen (Alice Herdan-Zuckmayer: Genies sind im Lehrplan nicht vorgesehen, Frankfurt 1981).

Frank, ein Nichtjude, ging aus dem fast ausschließlich jüdischen jugendbewegten Kreis um Siegried Bernfeld und Otto Fenichel hervor. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte sich die protestierende Jugend um Bernfeld gesammelt: Rudolf Dreikurs, die berühmten Brüder Gerhart und Hanns Eisler, Otto Fenichel, Karl Frank, Paul Friedländer, Hilda Geiringer, Ernst Krenek, Paul Lazarsfeld.

Als Reich aus dem Krieg zurückkehrte, schloß er sich dem Jungwandervogel an. Zu dieser Zeit siehe auch William S. Schlamm (Teil 2).

Wie in Leidenschaft der Jugend deutlich wird, flirtete Reich bereits damals mit dem Kommunismus. Zu dieser Zeit war er jedoch zu sehr vom Psychologismus Freuds und dem radikalen Individualismus Max Stirners (1806-1856) beeinflußt. Obwohl Reich mit der „Weltrevolution“ sympathisierte, fühlte er sich mehr zu Stirner hingezogen und glaubte, daß nur das freie Individuum eine freie Gesellschaft begründen kann. Solch ein freies Individuum ist frei vom Ödipuskomplex. Als sich Reich acht Jahre später doch den Kommunisten anschließen sollte, war er schnell einer Opposition ausgesetzt, die verblüffend an Marx’ Tiraden gegen Max Stirner in Die deutsche Ideologie erinnerten. Es ging nicht nur um politische Fragen und philosophische Unterschiede, sondern um grundlegende Differenzen in der anthropologischen Sichtweise. Glaubst du an das selbstbestimmte Individuum oder vertraust du einem göttlichen „Weltgeist“, den Hegelianischen Gott namens „Geschichte”? Im Krieg hatte Reich unmittelbar und brutal erfahren, daß unsere „Kultur” Menschen in Maschinen verwandelt und was es für die Menschen „da unten“ bedeutet, für eine vermeintlich „höhere Sache“ geopfert zu werden.

Man muß sich immer wieder vergegenwärtigen, zwischen was für Leuten sich das Leben Reichs abgespielt hat: Sohn eines brutalen tyrannischen Vaters, alles drehte sich nur um Geld und Status; entsprechend wurde die Familie Reich fallengelassen, nachdem sich sein Vater verspekuliert hatte. Im Krieg mußte Reich als Offizier einfache Menschen in den Tod schicken, die nicht die geringste Ahnung hatten, worum es überhaupt ging – wenn das denn überhaupt jemand sagen konnte. Nach dem Krieg wurde Reich und sein Bruder um ihr gesamtes Erbe betrogen. Als Student und angehender Psychoanalytiker fand er sich zwischen Leuten wider, bei denen sich alles um „Kultur“ drehte und die ein verbildetes, durch und durch pornographisches Verhältnis zur Sexualität hatten. Er war von Anfang an „ein Fremder“.

Wäre Reich Mitte der 1920er Jahre seiner Tuberkulose erlegen, wären seine bis dahin verfaßten Schriften kaum eine Fußnote in der Geschichte der Psychoanalyse wert. Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte. Mit dieser Entdeckung hatte er endgültig den Bereich bloßen Theoretisierens und „Philosophierens“ verlassen. Er war nicht mehr ein Psychoanalytiker neben zahllosen anderen mit jeweils ihren eigenen „Schulen“, sondern hatte einen objektiven, nachprüfbaren Standpunkt gefunden. Erst von „der Entdeckung“ aus betrachtet, machen die früheren Arbeiten Reichs Sinn.

Als einziger der damaligen Psychoanalytiker gab sich Reich nicht mit dem Bekunden des Patienten zufrieden, er habe Geschlechtsverkehr oder masturbiere, sondern insistierte darauf zu erfahren, was der Patient dabei jeweils konkret mache und empfinde.

1920 wird Reich Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Reich legt seine erste psychoanalytische Arbeit vor: „Über einen Fall von Durchbruch der Inzestschranke in der Pubertät“. Hier beschreibt er sein Jugenddrama: den Selbstmord seiner Mutter und deren Umstände.

Im Juni begegnet Reich seiner späteren Frau Annie Pink zum ersten Mal. Sie ist eine Freundin von Lore Kahn. Die 19 Jahre alte Kindergärtnerin Lore war im Winter Reichs erste Patientin gewesen und wurde später zu seiner Geliebten. Sie erkrankt und stirbt. Karl Frank, Lores vorangegangener Geliebter, wegen dem sie zu Reich in Therapie gekommen war, verläßt Wien und geht nach Berlin, um für das neue Büro der Komintern unter Thomas Rubinstein („Genosse Thomas”) zu arbeiten.

Reich liest Paul Kammerer’s in diesem Jahr veröffentlichtes Opus magnum Allgemeine Biologie. Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen. Es ist der Erwähnung wert, daß 1881 Roux die Hauptquelle für Nietzsches Naturphilosophie des „Willens zur Macht“ war.

1919 war Reichs Universitätslehrer Julius Tandler Unterstaatssekretär für Gesundheit in der Bundesregierung Renner und Leiter des Volksgesundheitsamtes. 1920 wird er in Wien Stadtrat für das Wohlfahrts- und Gesundheitswesen. Auf Bundesebene kommt die Christlich-soziale Partei an die Macht. Michael Mayr wird Kanzler, Michael Hainisch Präsident. Otto Bauer formuliert die Theorie des „Austromarxismus“. Albert Einstein propagiert den Zionismus. In Den Haag wird der Internationale Gerichtshof eingerichtet. Mahatma Gandhi beginnt mit seinem Befreiungskampf in Indien.

1921: Während er immer noch Medizin studiert, trägt Reich einige Arbeiten vor der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung vor. Vor dem Wiener Studentenseminar für Sexuologie spricht er über „Der Koitus und die Geschlechter“. Reich ist bereits weniger psychoanalytisch als vielmehr bioenergetisch orientiert.

Reich selbst ist von der gesellschaftlich hervorgerufenen Spaltung zwischen zärtlichen und sinnlichen Strebungen betroffen. Seine große platonische Liebe Lia Laszky, Jahrgang 1894, heiratet den Dirigenten Johann Swarowsky. Über seine gesamte wissenschaftliche Karriere hinweg schreibt Reich immer über sich selbst. Sein Werk ist gewisserweise seine „Selbstanalyse“. Das ist entscheidend, um Teile seiner späteren Arbeit (etwa „Am I a Spaceman?“) richtig beurteilen zu können.

Schober, ein Unabhängiger, wird Kanzler Österreichs. Ein kommunistischer Aufstand im Mansfeld wird von der Reichswehr niedergeschlagen. Die SA formiert sich. Kämpfe zwischen deutschen und polnischen Milizen in Oberschlesien. Nach einem Referendum Teilung Oberschlesiens zwischen Deutschland und Polen. Der Aufstand von Kronstadt wird von Trotzkis Roter Armee zerschlagen. Der 10. Parteitag der russischen Kommunisten stimmt für eine strikte ideologische „Einheit der Partei“. Lenin ruft die „Neue Ökonomische Politik” (NÖP) ins Leben. Kommunistische Gewerkschafts-Internationale in Moskau. Gorkis Immigration aus Rußland. In Berlin wird die „Internationale Arbeiterhilfe“ gegründet, um dem unter einer Hungersnot leidenden Rußland zu helfen. Die Kommunistische Partei Chinas wird gegründet.

Ernst Kretschmer stellt seine psychiatrische Einteilung in Körpertypen vor. Der psychiatrische Rorschach-Test. A. S. Neill gründet in Dresden seine erste eigene Schule für den „schöpferischen Selbstausdruck” von Kindern. Einstein erhält den Nobelpreis. Armstrong präsentiert seinen Radioempfänger „Superhet“. Die erste Radiounterhaltung in Amerika. Der Bubikopf wird modern. D.H. Lawrences Women in Love.

1922: Reich heiratet Annie Pink. Er erhält seinen „Dr. med.”. Seine klinische Facharztausbildung beginnt unter Paul Schilder (1886-1940). Gründung des Psychoanalytischen Ambulatoriums und, auf Reichs Anregung hin, des Seminars für Psychoanalytische Therapie. Reichs Aufsatz über „Zwei narzißtische Typen“ stellt seine erste Arbeit zur Charakteranalyse dar. Otto Fenichel geht nach Berlin.

Reichs ehemaliger Universitätslehrer Julius Tandler arbeitet mit unermüdlicher Energie für den Ausbau der Fürsorge der Stadt. Unter vielen anderen Einrichtungen gründet er 1922 ein Eheberatungszentrum, „Gesundheitliche Beratungsstelle für Ehewerber“, das von Karl Kautsky jr. geleitet wird.

Der jüdische Außenminister Deutschlands, Walter Rathenau, wird von einem Nationalisten ermordet. Mussolini wird Ministerpräsident Italiens. Die Sowjetunion wird gegründet. Aus der Tscheka wird die GPU. Niels Bohr erhält den Nobelpreis. Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes, Hermann Hesses Siddhartha und James Joyces Ulysses erscheinen.

1923: Mit Freuds Das Ich und das Es endet die alte „libidinös orientierte“ Psychoanalyse mit ihrem Gegensatz von Sexualität und Angst. Im gleichen Jahre erscheint Reichs Aufsatz „Über Genitalität vom Standpunkt der psychoanalytischen Prognose und Therapie“, der den Beginn der Orgasmustheorie signalisiert. Am Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium wird Reich im November als erster Hilfsarzt eingestellt. Durch die Umstände gezwungen, versucht er die langwierige psychoanalytische Behandlung durch Suggestion abzukürzen. Diese verkürzte Analyse paßt zu seiner Theorie von der heilenden Funktion der freigelegten Genitallibido.

Kommunistischer Aufstand Hamburg. Hitler-Putsch in München. Die Inflation in Deutschland erreicht ihren katastrophalen Höhepunkt: 1 US-Dollar gleich 4,2 Trillionen Reichsmark. Kalinin wird Präsident der UdSSR. Compton entdeckt den nach ihm benannten Effekt. Hermann Oberth begründet mit seinem Buch Die Rakete zu den Planetenräumen die wissenschaftliche Theorie der Weltraumfahrt. Röntgen, der Entdecker der nach ihm benannten Strahlen, stirbt.

1924: Reichs erstes Kind, Eva. Die kleine Familie zieht in eine größere Wohnung, Blindengasse 46a. Reichs in Rumänien tätiger Bruder Robert erkrankt an Tuberkulose und geht mit seiner Familie (1923 wurde seine Tochter Sigrid geboren) in ein Sanatorium in Norditalien. Reich wird zum Leiter des Wiener Seminars für psychoanalytische Therapie gewählt. Im Manuskript seines Buches Der triebhafte Charakter zeigt er, daß die Symptomanalyse zur Charakteranalyse ausgeweitet werden muß. Von der neuen Ich-Psychologie aus gesehen (siehe Freuds Das Ich und das Es) ist die Beziehung zwischen dem Ich und dem sich entwickelnden Über-Ich die Grundlage der Charakterologie.

Der erste Band von Freuds Gesammelten Schriften erscheint. Auf dem Psychoanalytischen Kongreß in Salzburg führt Reich den Begriff “orgastische Potenz” ein, die er von der erektiven und der ejakulativen Potenz unterscheidet. Reich spezifiziert Freuds Theorie, daß es keine Neurose ohne sexuellen Konflikt gäbe, dahingehend, daß es keine Neurose ohne Störung der Genitalfunktion gäbe.

Nach 1923 verlor Sowjetrußland ein Gutteil, wenn nicht den Großteil ihrer Anziehungskraft für die Intellektuellen Europas. Um 1924 herum war sogar Trotski von der Frage geplant, wie es möglich sei, daß je höher eine kapitalistische Gesellschaft entwickelt ist, desto schwächer dort die Kommunistische Partei wird. Seine Antwort war, daß die europäische Sozialdemokratie sich zu einer Agentur der kapitalistischen Interessen Amerikas entwickelt habe. Während dieser kritischen Phase tritt Reich ca. 1924 (m.W. kann niemand den genauen Zeitpunkt angeben) der SDAP bei, der sozialdemokratischen Partei Österreichs, und engagiert sich in der Jugendarbeit.

Bei einem Attentatsversuch wird Österreichs Kanzler Ignaz Seipel schwer verletzt. Hitler wird frühzeitig aus der Haft entlassen. Nach Lenins Tod bilden Sinowjew und Kamenew eine Allianz gegen Trotski. In Georgien wird ein antisowjetischer Aufstand niedergerungen. Woodrow Wilson stirbt. Louis de Broglies Theorie der „Materiewellen“. Max Hartmanns Allgemeine Biologie. Ein Werk, von dem Reich sehr beeinflußt wird. Man denke etwa an Hartmanns Experiment über „relative Sexualität“. O.H. Warburgs Krebs-Theorie. Joseph Conrad und Franz Kafka sterben. Der Bubikopf wird zur allgemeingültigen Mode.

1925: Neugründung der NSDAP. Die SS formiert sich. Mein Kampf wird veröffentlicht. Stalins „Sozialismus in einem Land“ gegen Trotskis Konzept einer Weltrevolution. Heisenberg, Born und Jordan formulieren die Quantenmechanik. Wolfgang Pauli erklärt das Periodensystem. Internationale Übereinkunft zum Kampf gegen Drogen. Rudolf Steiner stirbt an Magenkrebs. Dos Passos‘ Manhattan Transfer.

Siegfried Bernfeld geht nach Berlin. Reich veröffentlicht:

Reich, Rambo und Eden

19. Juni 2016

Es gehört zum innersten Wesen des Orgonomischen Funktionalismus mit „paradigmenbrechenden Fakten“ zu arbeiten. Dergestalt hat Reich gearbeitet: die Wirklichkeit, die seinen Theorien widersprach, hat ihn gezwungen funktionell (d.h. an der Wirklichkeit orientiert) zu denken und sich jeweils vollkommen neu zu orientieren. So hat sich die Orgonomie entwickelt. Entsprechend habe auch mich bemüht Dingen offen gegenüberzutreten, die meiner Einstellung kraß entgegenlaufen. Beispielsweise war ich, als ich von den Boot Camps in Amerika hörte, einfach nur schockiert, entsetzt und angewidert. Doch als ich Fernsehberichte sah und Artikel darüber las, änderte sich meine Meinung grundlegend, zumal ich sie nachträglich mit meinen eigenen persönlichen Erfahrungen im „Boot Camp“ Bundeswehr abglich.

In Amerika gibt es ein Programm für jugendliche Straftäter: entweder geht’s für lange Zeit ins Gefängnis oder für ein paar Wochen in ein Millitärlager mit einer ultraharten Ausbildung, die darauf gerichtet ist den Rekruten physisch und psychisch bis an die Belastungsgrenze zu bringen und ihn danach neu aufzubauen. Teufelskreise werden aufgebrochen. Ich finde diese Art der Therapie sehr gut, denn sie richtet eine unordentliche, willensschwache Panzerung aus; macht aus impulsiven perversen Monstern, die keine Sekunde Triebstau aushalten können ohne Amok zu laufen, ordentliche in jedem Sinne sparsame Bürger. Und nur als solche haben sie überhaupt eine Chance langfristig einigermaßen gesund zu werden.

„Rambo“ ist ein typisches Produkt eines Bootcamps. Ich habe mich darüber in Die Kulturdebatte zwischen Freud und Reich heute ausgelassen.

Und ist es nicht tatsächlich so, daß vieles am jugendlichen Protestverhalten unbewußt darauf gerichtet ist: „Oh, bitte, steckt uns in ein Boot Camp!“? Über kurz oder lang werden sie sich sowieso freiwillig irgendwelchen Regimen unterwerfen, die ihnen ihre innere Unordnung meistern helfen. Seien dies nun links- oder rechtsradikale Kaderorganisationen, militärisch organisierte Gangsterbanden, Drückerkolonnen, mystische Sekten wie Scientology oder was auch immer. Früher fanden sich solche Leute in der Fremdenlegion. Beispielsweise waren auch die SA und die SS von derartigen „psychopathischen“ Typen durchsetzt.

Hierher gehören auch Süchtige, die ganz einfach keinerlei Frust ertragen und sofort zur Flasche, Pille oder Nadel greifen müssen. Was ihnen fehlt ist Zucht und Ordnung und nicht das liberale Geseiere vom „Recht zum Rausch“! Wenn ich das schon höre: „Sucht ist eine Krankheit“. Als in China die Kommunisten die Macht übernahmen, stellten sie die Opiumsüchtigen vor die Wahl: entweder clean werden oder an die Wand. Und, oh Wunder, über Nacht war das Drogenproblem gelöst und keiner mußte sterben. Heroinabhängige bleiben in der Hölle, weil sie sich einreden (und einreden lassen), daß der Entzug unerträglich sein wird. In Wirklichkeit ist er kaum schlimmer als eine Magendarm-Grippe, die wir schon alle mal durchmachen mußten. Oder mit anderen Worten: die gesamte Drogenpolitik ist ein Haufen Müll! Lügen, Lügen und nochmals Lügen!

Das ist das ganze Problem, daß niemand mehr Leid, Schmerz, Triebverzicht, etc. ertragen kann und alle der allgemeinen Pseudo-Reichianischen „neuen Weinerlichkeit“ folgen, die nur den Interessen der Reaktion dient. So vertiert der Mensch langsam wieder. Nach Nietzsche und Reich ist aber die Fähigkeit zur Selbstüberwindung das wichtigste am Menschen. Wie Reich in sein Tagebuch schrieb: „Ich liebe meine Liebe! Ich liebe mein Leidenkönnen, ohne zu flüchten! Was liegt daran? Das Leben entdeckt zu haben ist groß“ (Jenseits der Psychologie, S. 224).

Als ich zum Bund kam, war ich beunruhigt über mein eigenes vollkommen unmilitärisches Wesen, meine geradezu physische Unfähigkeit zu gehorchen, mich einzuordnen oder auch nur den Spint ordentlich zu halten. Ich wundere mich bis heute, daß ich keinen Offizier zusammengeschlagen habe. Umgekehrt war etwa A.S. Neill schockiert, als er erfuhr, daß sich seine Summerhill-Abgänger hervorragend in die britische Militärmaschinerie einordneten. Es ist so vollkommen „unreichianisch“, daß ungepanzertes Leben sich gut in eine Armee einordnen kann, während neurotische Krüppel wie ich (die voller Trotz und Protest stecken), in militärischer Hinsicht einfach nicht anpassungsfähig sind. (Was wiederum ein neues Licht auf Reichs späte Militärbegeisterung wirft, aber das ist ein anderes Thema…)

Mir geht es nicht darum nun Jugendgefängnisse (die ich im übrigen insbesondere aus rein sexualökonomischer Sicht für weitaus unmenschlicher halte als die schnell absolvierten Boot Camps) durch „Straflager“ zu ersetzen – mich reizt einfach das „Un-Reichianische“.

Ich habe mit der Frage angefangen, was funktionelles Denken ist. Wichtiger ist die Frage nach dem „funktionellen Leben“. Wie Jerome Eden ausgeführt hat, zwingt uns das Leben selbst dazu funktionell zu leben. Kümmern wir uns nicht um unseren Körper, finden wir keinen Partner und werden krank. Sorgen wir nicht für genügend Schlaf und Entspannung, werden wir unaufmerksam, werden wir verunglücken, vielleicht dabei sterben. Passen wir uns nicht den Gegebenheiten an, werden wir schlichtweg verhungern. Das Leben selbst ist ein Boot Camp! Brutaler und erbarmungsloser als jedes Militärlager.

Eden hat Anfang der 60er Jahre unsere bequeme Zivilisation verlassen, die uns ein falsches Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gibt, uns tatsächlich aber innerlich aushöhlt und schwach macht. Er ist in das damals noch wilde Alaska, später in den amerikanischen Nordwesten gezogen, um dort wie die einstigen Pioniere zu leben. Warum nimmt man so etwas freiwillig auf sich? Weil man das zurückbekommt, was das kostbarste überhaupt ist: Kontakt zum Leben. Leben!

Siehe dazu das Interview mit ihm.