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Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 7)*

10. April 2018

von Paul Mathews

Die moderne liberale Pest wurde für eine eingehendere Untersuchung nicht etwa deshalb ausgewählt, weil ich die Macht und das Vordringen anderer Formen der Pest, ob organisiert oder nicht, außer Acht lasse. Es geschah, weil der moderne Liberalismus der gegenwärtige Ausdruck des umfassenden, vorherrschenden Zustands ist, der für den Erfolg aller Pestreaktionen sorgt. Wo immer eine lebenszerstörende Kraft – sei es der rote oder der schwarze Faschismus, ein mörderischer Verbrecher oder ein randalierender Mob, ein psychopathischer Hausierer utopischer Drogenwelten oder sexueller Pornographie und Zügellosigkeit – im Namen von „Frieden“, „Gerechtigkeit“ und „Freiheit“ verteidigt werden soll, steht der moderne Liberale mit seiner Unterstützung bereit, bietet seine ritualisierten Parolen an und signalisiert Tugendhaftigkeit.

Sozio-politische Probleme erscheinen komplex, weil sie im Grunde genommen ein Überbau sind, der aus frühesten Blockaden (Panzerung) erwächst. Der rote Faden der Einfachheit, der von den Liberalen so gescheut wird, wird wegen der Blindheit und Unkenntnis des Menschen gegenüber den bioenergetischen Faktoren, die dem Charakter des Menschen innewohnen, übersehen. Es gibt eine bestechende und, wie ich glaube, unbestreitbare Analogie zwischen Reichs Schema der menschlichen Struktur der Panzerung und der Struktur des sozio-politischen Dilemmas der gepanzerten Menschheit (7):

Kurz gesagt, wir haben das Bild einer komplizierten Struktur der Panzerung, in der das Verdrängte und das Verdrängende keineswegs getrennt sind, sondern in einer komplexen und scheinbar ungeordneten Weise miteinander verflochten sind. Es ist nur die charakteranalytische Arbeit, die Ordnung ins Bild bringt, eine Ordnung, die der Geschichte der Struktur entspricht . . . es ist offensichtlich, dass der Prozess nicht durch irgendein mechanistisches oder systematisches Denken verstanden werden kann, sondern nur durch funktionelles und strukturelles Denken.

Der Liberale versteht weder dies noch die enorme Kluft zwischen der Sehnsucht des Menschen und seiner Fähigkeit zur Erfüllung. Er wählt deshalb unterschiedliche mechanistische Programme zur Besserstellung des Menschen, die sich eher an Illusionen als an der Realität orientieren. Er verbündet sich mit den schlimmsten Feinden einer wirklichen Besserung oder provoziert Unruhen, Mord, Anarchie und Chaos – Produkte der Frustration, die er mit seinen illusorischen Hoffnungen und Versprechungen erzeugt. Um jeden Preis muss er eine monolithische Welt aufbauen, in der Bewegung und gesunde Aggression zum Stillstand kommen: das ist der „Frieden“, der für seinen gepanzerten Organismus am angenehmsten ist.

Zusammenfassend teilt der moderne Liberale die folgenden Merkmale in unterschiedlichem Maße mit dem voll entfalteten emotionalen Pestcharakter, im Detail beschrieben von Reich (7s) und Baker (1):

  1. Er funktioniert hauptsächlich in der oberflächlichen Schicht (Fassade) der psychischen Struktur.
  2. Seine Panzerung ist so beschaffen, dass er natürliche bioenergetische Bewegungen oder Strömungen in seinem eigenen Organismus nicht tolerieren kann (lebensnegative Einstellung).
  3. Ebenso kann er es nicht ertragen, sie in irgendeinem anderen Organismus zu sehen oder zu spüren, da dies unerträgliche Angst und Hass hervorruft.
  4. Er bürdet seiner Umwelt deshalb rigide Anforderungen auf, die darauf gerichtet sind, gesunde Bewegung und Aggression außer Kraft zu setzten. Er tut dies auf dem Altar des Gemeinwohls, und er glaubt wirklich an die Ehrenhaftigkeit seiner Sache.
  5. Sexuell ist er ein überzeugter Freund des Pornographischen und Ungesunden (seine großzügige Toleranz) und der Erzfeind der natürlichen Genitalität in all ihren Erscheinungsformen.
  6. Er inthronisiert Vernunft und Intellekt und zieht die Energie vom Becken zum Kopf hinauf. Er ist daher kontaktlos und durch seine besondere Art der Panzerung von seinem natürlichen Kern und seinen genitalen Gefühlen abgeschnitten.

Wenn man das berücksichtigt, rückt das Paradoxon des modernen Liberalen – zugleich lebensnegativ und „Weltverbesserer“ zu sein – deutlich in den Brennpunkt.

[Ende des Artikels]

 

* Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 1 (1967), Nr. 1 & 2, S. 138-148.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein.

 

Anmerkungen des Übersetzers

s Charakteranalyse, Kapitel 6, „Die emotionale Pest“.

 

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967
7. Reich, W.: Character Analysis. 3. erw. Aufl. New York: Orgone Institue Press, 1949

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Einen Punkt setzen

6. August 2017

Ich kann mich lebhaft an eine Diskussion mit einem Freund erinnern. Wir saßen in der Küche und sprachen über unser Rechtssystem. Meine Idee war, was wäre, wenn ein Mann in einem hermetisch abgeschlossenen ABC-Anzug, der keinerlei Spuren hinterläßt, hereinstürmen würde, das Küchenmesser aus meiner Hand risse und meinem Freund ins Herz stieße? Oder umgekehrt, was wäre, wenn ich ihn ersteche und behaupte der unbekannte „ABC-Mann“ wäre es gewesen. Wer wollte mir jemals das Gegenteil beweisen! Es gibt keine Zeugen? Er hat sich halt aufs Grundstück geschlichen oder das Schweigen der Zeugen wurde von der Mafia, der CIA oder wem auch immer erzwungen. Meine Fingerabdrücke befänden sich auf dem Messer? Ich habe damit gegessen! Und was alle anderen Spuren betrifft: wir haben eine Stunde zusammen in der Küche gesessen und er ist in meinen Armen gestorben! Welches Gericht der Welt will mich verurteilen?!

Die Antwort ist einfach: jedes Gericht der Welt! Es gibt so etwas wie eine Lebenswirklichkeit und die von mir aufgetischte Geschichte ist einfach lebensfremd. Hinzu kommt das Prinzip des Rechtsfriedens: man kann nicht alles bis in alle Ewigkeit widerkäuen, denn dann gäbe es keine einzige Verurteilung. Oder nehmen wir die unrühmliche Geschichte von Lee Harvey Oswalds Mord an Kennedy. Niemand kann 100prozentig ausschließen, daß Oswald tatsächlich unschuldig war, aber dann gäbe es kein einziges Mordurteil. Niemals und nirgendwo! Schließlich sind Staatsanwälte, Richter und Geschworene keine unfehlbaren Götter, sondern nur fehlbare Menschen. Bis es nicht irgendwelche neuen und umstürzenden Erkenntnisse gibt, ist eine Diskussion über Oswald oder irgendeinen anderen überführten Mörder vollkommen sinnlos.

Derartige Debatten haben nur eine Funktion: Verwirrung zu stiften. Das ist eine der Haupttaktiken der Emotionellen Pest. Eine Arbeitsgruppe arbeitet produktiv zusammen, man kommt zu Ergebnissen und es geht voran. Und dann betritt der pestilente Charakter (oder auch nur ein akut an der Pest erkrankter!) die Szene und bringt alles mit „neuen Gesichtspunkten“ durcheinander. Die einzige Funktion dieser „neuen Gesichtspunkte“ ist es vom Wesentlichen abzulenken. Und es ist ja nicht so, daß der Störer unbedingt falsch liegen muß, vielmehr ist in diesem Moment die von ihm präsentierte Wahrheit nicht zielführend. Man betrachte nur, wie sich Reich hoffnungslos in einem unentwirrbaren juristischem Wirrwarr verfangen hatte, nachdem ihm von dem Modju Michael Silvert eingeredet wurde, man müsse die objektive Wahrheit durchsetzen und sich nicht von Anwälten in juristische Spitzfindigkeiten verwickeln lassen. Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hatte Silvert vollkommen recht, doch das Ergebnis in der realen Welt war, wie gesagt, ein wirklich unentwirrbarer juristischer Wirrwarr.

Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hätte tatsächlich der „ABC-Mann“ meinen Freund erstechen können, könnte Oswald vollkommen unschuldig gewesen sein, etc.pp. Sich auf dieses Spiel einzulassen, bedeutet in die Falle zu tappen. Übrigens ist das auch der tiefere Grund für all die Spaltungen in der Orgonomie nach Reichs Tod. Immer ging es darum, daß Dr. Elsworth F. Baker und nach ihm Dr. Charles Konia sich gegen Leute wenden mußten, die die Orgonomie hoffnungslos vom Weg abgebracht hätten. Man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen.

Hierher gehört auch die Sache mit dem gestern erwähnten David Jacobs. Er ist Historiker und die Geschichtswissenschaft gehört zu den aufwendigsten Studienfächern überhaupt, weil man angesichts der überwältigenden Materialfülle lernen muß, das Wichtige vom Unwichtigem, das Charakteristische vom Zufälligen zu scheiden. So ist Jacobs auch ans UFO-Phänomen herangegangen, hat gesehen, daß hinter all den Geschichten ein wahrer Kern stecken muß und hat Jahrzehnte damit verbracht diesen Kern freizulegen. Sein Ansatz war dabei, sich nicht durch das verwirrende Material von der Wahrheitssuche abbringen zu lassen, sich auf das Wesentliche, den besagten „Kern“ zu konzentrieren und nicht Passendes als „Konfabulieren“ zu entlarven, d.h. als falsche Aussagen aufgrund von Fehlwahrnehmungen und Gedächtnisstörungen. Das Hauptkriterium dabei ist, ob etwas unabhängig voneinander von unterschiedlichen Zeugen bestätigt wird. Es ist ähnlich wie beim Fall Oswald: natürlich gibt es immer wieder einzelne Zeugen und Aktennotizen, die nicht zum Gesamtbild passen, aber das entspringt nach aller Lebenserfahrung mit einiger Sicherheit „Konfabulation“. Praktisch bei jedem Fall, etwa von „Schulmassakern“, gibt es hier und da Zeugen, die einen „zweiten Schützen“ gesehen haben wollen. Nochmals: man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen oder man wird nichts, rein gar nichts zuwege bringen!