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Der antisemitische Jude

26. Januar 2017

Es gibt zwei Arten von antisemitischen Juden. Da den linken Juden jeder Kontakt zum bioenergetischen Kern abgeht, sie in ständiger Rebellion gegen den Vater stehen („die Patriarchen“, Gott) und da sie in der charakterlichen Fassade leben und entsprechend einer universalistischen, humanistischen Ersatzreligion frönen (die sie als genuin „jüdisch“ betrachten), ist für sie Israel ein selbstsüchtiger „rassistischer Apartheidstaat“, der imgrunde keine Existenzberechtigung hat.

Ebenfalls auf die „Werte der Diaspora“ berufen sich die ultraorthodoxen Juden, „die Taliban des Judentums“. Für sie hat Israel kein Existenzrecht, weil es auf universalistischen, humanistischen Prinzipien beruht, d.h. eine westliche Demokratie ist und kein Gottesstaat, der vom „Messias“ ins Leben gerufen wurde. Die Ultraorthodoxen, die in Israel leben, verweigern den Kriegsdienst und machen den säkularen Juden das Alltagsleben zur Hölle. Charakterstrukturell unterscheiden sie sich kaum von Salafisten.

Im Sinne von Jes 42,24f sehen manche Ultraorthodoxen im Holocaust eine Strafe Gottes, weil das Judentum den Sabbat nicht mehr geheiligt hätte. 1972 sprach vor der B’nai B’rith der Pariser Militär-Rabbiner André Chekroun vom „Sühneopfer von sechs Millionen der Unsrigen“ (Ehrlich, et. al.: Religiöse Strömungen im Judentum heute, Zürich 1973, S. 52). Es ist, um mit Hitler zu reden, der Haß auf jene, die sich selbstsüchtigerweise nicht selbst opfern wollen und deshalb geopfert werden müssen.

Derartiger Wahnsinn ist rational nur zu begreifen, wenn man in die bioenergetische Tiefenstruktur der Massen schaut, die die Grundlage ihrer politischen und religiösen Haltungen ist. Diesen Zugang bietet die soziopolitische Charakterologie, wie sie von Elsworth F. Baker und Charles Konia entdeckt wurde. Siehe Dr. Konias Blog http://www.orgonomie.wordpress.com.

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Der orgonomische Bibelforscher (Teil 1): Freuds Christusmord

11. September 2015

Der Gott der Bibel war ursprünglich Mensch. Er wandelte im Garten Eden (Gen 3,8), er sprach mit Abraham von „Mensch zu Mensch“ (Gen 18,1ff), er kämpfte „Mann gegen Mann“ mit Jakob (Gen 32,23ff), er „sprach mit Mose Auge in Auge wie ein Mensch mit einem anderen“ (Ex 33,11 und Num 12,8).

Gott war ursprünglich der siegende Feind, der den unterworfenen symbolisch kastrierte, d.h. beschnitt. Man denke nur an die Großtaten des Kastrators David (1 Sam 18,25-27.)

So jedenfalls Freuds „Ägypterhypothese“ in seinem letzten Werk Der Mann Moses und die monotheistische Religion (Studienausgabe, Bd. IX), wonach sich die Juden homosexuell dem kastrierenden Ägypter Moses unterwarfen.

Freuds Hauptargument dafür, daß Moses ein Ägypter war, bestand darin, daß in allen anderen orientalischen Mythen über die Kindheit des Heros, er königlicher Herkunft sein soll, aber in einer ärmlichen Familie heranwächst, während Moses ganz atypisch von niederer Abstammung ist, jedoch von der Tochter eines Königs großgezogen wird. Genauso wenig wie die orientalischen Heroen wirklich königlicher Abstammung waren, sondern der Mythos ihre ärmliche Abstammung kaschieren sollte, war Moses wirklich jüdischer Abstammung. Moses war der leibliche Sohn der ägyptischen Prinzessin. Daß sie das Kind aus dem Wasser gezogen hatte, stellte nur eine Deckbehauptung dar.

In der biblischen Vorstellung von der Adoption des „Juden“ Moses durch die Tochter des Pharaos klingt durch die Verdrängung hindurch, daß, so jedenfalls Freuds These, die Juden vom Ägypter Moses „adoptiert“ worden sind. Ebenso wie in der späteren jüdischen Geschichte Sabbatai Zevi vom türkischen Sultan und Jakob Frank vom polnischen König „adoptiert“ wurden (David Bakan: Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958, S. 150f).

Der Ägypter Moses war es, so Freud, der den Juden die (vorgeblich) monotheistische Aton-Religion Echnatons aufzwang. Später wiederholte sich in der jüdischen Geschichte ähnliches mit der zweiten Gründungsfigur des Judentums, mit dem bereits erwähnten David, der ja auch kein Jude war. Man denke nur an die ambivalente Überlieferung in Ps 144,2, wo David Jahwe preist: „Du unterwirfst mir fremde Völker.“ So wird jedenfalls mit zahlreichen Handschriften übersetzt. In der Hebräischen Bibel heißt es „mein Volk“.

Das unterworfene Volk übernahm die Doktrin seiner Unterwerfer, den Monotheismus. Für Freud ist es die Religion des Urvaters, die wiederersteht, wenn sich Stämme und Völker zu immer größeren Einheiten zusammenfinden, wobei auch die Götter vereinigt werden.

Einer unter ihnen wird häufig zum Oberherrn über Götter und Menschen erhöht. Zögernd geschieht dann der weitere Schritt, nur einem Gott zu zollen, und endlich erfolgt die Entscheidung, einem einzigen Gott alle Macht einzuräumen und keine anderen Götter neben ihm zu dulden. Erst damit war die Herrlichkeit des Urhordenvaters wiederhergestellt, und die ihm geltenden Affekte konnten wiederholt werden. (Der Mann Moses, S. 578)

Der Einheit des Volkes entsprach die Einheit Gottes. Dies hat sich, Freud zufolge, zuerst unter der pharaonischen Weltherrschaft erfüllt, die zu Echnatons Monotheismus führte, welcher dann durch Moses zu den Juden kam. Sie wurden in Folge zu den Hauptträgern des Monotheismus. Die „Weltherrschaft“, auf die dies alles zurückging, eine Wunschphantasie, die vom jüdischen Volk längst aufgegeben worden ist, „lebt noch heute bei den Feinden des Volkes im Glauben an die Verschwörung der ‘Weisen von Zion’ fort“ (ebd., S. 533f). Aus den Sklaven der Ägypter sind gefürchtete „Superägypter“ geworden.

Freud sah die Ursache für den Antisemitismus auch darin, daß die Nichtjuden eifersüchtig auf die besondere Beziehung des „auserwählten Volkes“ zu Gott waren.

Wenn man der erklärte Liebling des gefürchteten Vaters ist, braucht man sich über die Eifersucht der Geschwister nicht zu verwundern, und wozu diese Eifersucht führen kann, zeigt sehr schön die jüdische Sage von Josef und seinen Brüdern. (ebd., S. 552)

Freud hält dem entgegen, die Juden seien nicht das auserwählte Volk Gottes, sondern das auserwählte Volk des Moses gewesen. Dieser Nichtjude sei darüberhinaus für das jüdische Gesetz verantwortlich zu machen, so daß der Antisemitismus an sich dem Nichtjuden Moses zu gelten habe (Bakan, S. 153).

Freuds Umwandlung von Moses in einen Nichtjuden ist für David Bakan ein Akt der Apostasie nach dem Vorbild der beiden berühmtesten Messiasse des Judentums, Sabbatai Zevi und Jakob Frank. Indem Freud aus Moses einen Nichtjuden machte, erfüllte er, Bakan zufolge, „die traditionelle messianische Funktion, von Schuld zu befreien“ und reiht sich so neben Jesus ein. Freud befreit von Schuld, indem er vom Gesetz befreit. Darüber hinaus befreit er die Juden vom Antisemitismus, denn sie sind nun nicht mehr verantwortlich für das verhaßte Gesetz, das ja von einem Nichtjuden stammt (ebd., S. 168).

Freuds Ägypterhypothese steht auf ziemlich wackeligen Füßen und ist für Freuds ganze Argumentation hinsichtlich von Ursprung und Entwicklung des Monotheismus vollkommen irrelevant (ebd., S. 146). Wir haben es also mit verborgenen Motiven bei Freud zu tun. „Auf der Grundlage der Freudianischen Theorie würde die Umwandlung von Moses zu einem nichtjüdischen Ägypter als eine Wunscherfüllung auf Freuds Seite erscheinen.“ Wenn Freud schreibt, Moses sei ein Ägypter gewesen, aus dem das Volk einen Juden machen mußte, kann eher so formuliert werden, daß Moses ein Jude war, aus dem Freud einen Nichtjuden machen mußte (ebd., S. S. 147f).

Neben dem Motiv der Abwehr des Antisemitismus, gibt es m.E. ein noch weit gewichtigeres, zwanghafteres Motiv bei Freud, nämlich Antisemitismus bei Freud selbst. Stellt doch die Ägypterhypothese eine merkwürdige Distanzierung vom Judentum dar, das seines Religionsstifters beraubt wird. Wenn Moses gar kein Jude war, dann ist der Jude, wie Bakan (S. 154) sagt, „der Hanswurst der Menschheitsgeschichte“. Moses, der nicht nur kein Jude war, sondern darüber hinaus auch noch Vertreter jenes Volkes, das die Juden unterdrückt hatte, hat den Juden mit der Idee ihre Köpfe verdreht, eine besondere Beziehung zu Gott zu haben. So werden die durch den Mann Moses verführte Juden mit ihrer ganzen Lebensgeschichte zu den homosexuell depürten „Deppen der Weltgeschichte“ (Bakan, S. 155).

Man kann darin, wie Bakan es tut, Freuds Versuch sehen, den Antisemitismus dadurch zu überwinden, daß nun der Jude „von einer bedrohlichen zu einer komischen und stumpfsinnigen Figur“ wird. Wenn man aber an Freuds offensichtlicher Identifizierung mit Moses denkt, ist es doch wohl eher Ausdruck schlimmsten Antisemitismus von Seiten des „Juden“ Freud. Etwas Pathologisches bei Freud, das man nur noch psychoanalytisch verstehen kann. Wenn Bakan Freud in der sabbatianischen Tradition eines Jakob Frank sieht, sollte er nicht vergessen, daß die Frankisten schlimmste Antisemiten waren und daß ihre Nachkommen später im polnischen Adel die widerwärtigsten Judenfeinde stellten.

Freuds zweite Hauptthese in Der Mann Moses und die monotheistische Religion besagt, daß Moses von den Juden ermordet worden ist. Da Moses eine hervorragende Vatergestalt gewesen sei, sei das jüdische Volk durch seine Tötung schicksalhaft der „Großtat und Untat der Urzeit, der Vatertötung“ nähergerückt. Womit die Juden, so Freud, zu den „Gottesmördern“ par excellence geworden sind. Hier steht der Jude also nicht mehr stellvertretend für das Über-Ich, sondern ganz im Gegenteil für schuldbeladene Rebellion. Die Christen hingegen haben ihre Schuld getilgt, indem sie zur Sühne für den durch den Mosesmord aktualisierten Mord am Urvater die Symbolfigur des rebellischen Sohnes opferten. Christus, der Nachfolger und die Reinkarnation des Anführers der vatermörderischen Brüderbande der Freudschen Urhorde.

Für Freud war Moses sozusagen der „Schnittpunkt“ zwischen dem Urvater und Jesus. Moses’ Monotheismus war nichts Neues, sondern nur die Wiederbelebung des Urvaters. Aber diese „Wiedereinsetzung des Urvaters in seine historische Rechte“ konnte nicht das Ende sein, da auch die anderen Elemente der prähistorischen Tragödie vom Urvatermord nach vorne drängten. Die Mordtat der Söhne verlangte nach Schuld und Sühne. Und genau die habe Paulus mit seiner „Erbsünde“ gebracht, die der „Sohn Gottes“, also der Sohn des Urvaters mit seinem Tod abbüßte und so die Welt erlöste: die frohe Botschaft (Der Mann Moses, Studienausgabe, Bd. IX, S. 534).

Die Wunschphantasie „Messias“ speiste sich aus der Reue um den Mord an Moses, so daß die Auferstehung Christi gleichzeitig die Auferstehung Mose und damit des Urvaters war. Indem aber Christus, der Sohn an die Stelle des Vaters rückt, endet die vorgebliche Versöhnung doch mit der Entthronung und Beseitigung des Vaters.

Das Judentum war eine Vaterreligion gewesen, das Christentum wurde eine Sohnesreligion. Der alte Gottvater trat hinter Christus zurück. Christus, der Sohn kam an seine Stelle, ganz so, wie es in jener Urzeit jeder Sohn ersehnt hatte. Paulus, der Fortsetzer des Judentums, wurde auch sein Zerstörer. (ebd., S. 535f)

Hat aber überhaupt ein Mosesmord stattgefunden? In seinem Buch über Moses – Der Mann aus Ägypten (Hamburg 1983) stimmt Johannes Lehmann vollständig mit Freud überein: „Seinen Befreier behält man anders im Gedächtnis als einen Mann, von dem man sich befreit hat“ (Lehmann, S. 265). Der Bibel nach muß Moses ständig einer Steinigung durch das Volk gewärtig sein. Niemand will ihn begraben haben. Die Lage des Grabes ist unbekannt. Alles weist also auf einen verdrängten Mord hin. Außerdem machte man aus dem Opfer einen Schuldigen, dem man keine Schuldgefühle schuldet. Moses wird in der Bibel ja nicht gerade als Idealgestalt, sondern voll negativer Züge gezeichnet.

Hingegen ist für David Bakan der Mosesmord eine Phantasietat Freuds, die Freud beim Akt des Schreibens beging. Was Freud um so leichter fiel, als er Moses vorher in der Ägypterhypothese zum Mitglied eines fremden, feindlichen Volkes gemacht hatte. Es war, so Bakan, Freuds Wunsch, daß Moses von den Juden ermordet worden ist. Doch sei es eben keine Tat der Juden, sondern Freuds gewesen, die gegen das mosaische „Joch des Gesetzes“ gerichtet war (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958, S. 164). Ein Schlag gegen Urvater = Gott = Über-Ich = Rabbinismus.

Spätestens hier möchte ich den wilden Spekulationen Bakans Einhalt gebieten, denn Freud war nun wirklich alles andere als ein Vertreter von Triebbefriedigung, die von der Moral nicht eingeschränkt wird. Vielmehr unterstellt Bakan Freud eine Anschauungsweise, die weit besser auf Reich zutreffen würde.

In einer hellen Minute schreibt Bakan:

Typischerweise wird behauptet, daß der Beitrag des Judentums zur westlichen Kultur seine starke ethische Orientierung ist und dies wird von Freud nochmals bestätigt. Moses Wirken bestand darin, die Juden zum leisten von „Triebverzicht“ zu führen. Die Juden nahmen das „Joch des Gesetzes“ auf sich und über sie wurde es auf das Christentum übertragen. Freud weist darauf hin, daß einer der Gründe für den Antisemitismus genau darin besteht, daß der Jude symbolisch für das Über-Ich steht. Antisemitismus, sagt Freud, ist bei jenen Menschen am stärksten ausgeprägt, die erst jüngst die Last der mosaischen Moral auf sich genommen haben. (ebd., S. 156f)

Und dies ist doch gerade der Punkt – daß Freud sich vollständig mit dieser rabbinischen Mission identifizierte. Auch die Psychoanalyse stand für Triebverzicht. Auch die Psychoanalyse wurde vom „triebhaften, wotanischen Heidentum“ des Nationalsozialismus bedroht. Und ihre Abwehr des Triebhaften erstreckte sich nicht nur auf die sekundären Triebe, wie sie der Nationalsozialismus verkörperte, sondern auch auf die primären Triebe der Sexualökonomie. In Reich Speaks of Freud führt Reich Freuds Ablehnung der Orgasmustheorie auf Freuds Verhaftetsein an mosaischen Moralvorstellungen zurück.

Freud hatte gar keine Veranlassung Moses zu töten, denn für ihn war Moses die Verkörperung des Erwachsenen, der mit dem Es vollständig fertig geworden ist. Um sich dies Ideal zu erhalten, fälschte Freud sogar das Mosesbild auf recht grobe Weise.

Freud sah in Moses eine (geläuterte) Wiedergeburt des tyrannischen mythischen Urvaters, während Christus den rebellischen Heldensohn verkörperte, der den Urvater stürzte. Freud stellte sich eindeutig auf die Seite des Vaters und betrachtete dementsprechend den Schritt vom Juden- zum Christentum als kulturelle Regression. Demgegenüber sah Reich darin einen kulturellen Fortschritt. Er identifizierte sich mit Christus, in dem er die Verkörperung des ungepanzerten Menschen sah. Das „Christuskind“, das eins mit seinen unverdorbenen Trieben ist. Bei Freud Sublimation, bei Reich Genitalität. Natürlich nahm Reich Freuds Haltung ein, wenn er mit sekundären Trieben konfrontiert war.

Freud glaubte, daß Moses von den Juden ermordet worden ist, weil er ihnen den Monotheismus und Triebverzicht aufgezwungen hatte. Ohne Reichs Haltung zu Moses zu kennen, würde ich nun ausführen, Reich hätte mit Sicherheit die Meinung vertreten, Moses wäre sozusagen der Christus der Hebräer gewesen, die ihn dann aus Angst vor der Freiheit ermordet hätten. Doch in Christusmord (Freiburg im Breisgau 1978, S. 194) scheint Reich eher mit Freuds Anschauung übereinzustimmen (obwohl Der Mann Moses merkwürdigerweise nicht in der Bibliographie von Christusmord erwähnt wird), nämlich, daß Moses nach der Manier von Paulus den Hebräern den hochvergeistigten Monotheismus brachte, um sie zu organisieren und zu zivilisieren, d.h. ihre sekundären Triebe in Schach zu halten. Reich teilt Freuds Meinung, Moses wäre als Abwehrreaktion gegen diesen zivilisatorischen Gewaltakt ermordet worden.

In der Mosessage kann man den Reichschen Christusmythos finden vom unverdorbenen Leben, das vom gepanzerten Leben gefürchtet und deshalb verfolgt wird. Die Kindheitsgeschichte des Moses erinnert fatal an das „Christkind“. Die Sage soll ursprünglich so gelautet haben, daß der Pharao durch einen prophetischen Traum gewarnt wurde, sein Sohn, bzw. ein Sohn seiner Tochter werde ihm Gefahr bringen. Deshalb läßt er das Kind im Nil aussetzen. Es wird von jüdischen Leuten gerettet und als ihr Kind aufgezogen (Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion, Studienausgabe, Bd. IX, S. 165).

Freud erwähnt auch die außerbiblische Sage, daß, als der Pharao einmal den dreijährigen Moses auf den Arm nahm, ihm das Kind die Krone vom Haupt riß und auf seinen eigenen Kopf setzte. Ein Vorfall, der den König sehr erschrocken hat (ebd., S. 482). Schließlich wendet sich Moses tatsächlich gegen den Pharao, indem er zunächst einen einzelnen Ägypter tötet, dann das ganze Land Ägypten ins Unglück stürzt und endlich den Pharao selbst in den Tod führt. Von Moses geht dabei die mythische Sohnesrolle auf das ganze Volk der Hebräer über, die sich im Land zu stark vermehren, vom Landesvater vertrieben werden, um dann doch über ihn zu triumphieren. Der Exodus und der Einzug ins Gelobte Land entspricht dabei der Auferstehung und Himmelfahrt Christi.

Während Reich seine Hoffnung auf den mythischen Sohn setzte, war Freuds Idealbild zumindest der liebende, nicht der strafende Vater. In Moses findet man natürlich beides, den liebenden und den strafenden Vater, was mit Spr 3,12 hervorragend zum Ausdruck gebracht werden kann: „Denn wenn der Herr jemand liebt, dann erzieht er ihn mit Strenge, genauso wie ein Vater seinen Sohn.“ Offenbar sehnte sich Freud nach einem Vater, der sich in dieser Hinsicht unter Kontrolle hat und nicht sozusagen „über die Strenge schlägt“. Das Idealbild „konfuzianischer“ Mäßigung, für das die ganze Psychoanalyse steht.

1914 stellte Freud in seinem Aufsatz über „Den Moses des Michelangelo“ Moses als archetypische Verkörperung der Sublimation vor. Bezeichnend ist, daß Freuds Interpretation nicht nur nicht durch die Bibel gestützt wird, sondern erst recht nicht durch die Statue Michelangelos. Freud zufolge soll Michelangelos Werk Moses nach dem ersten Abstieg vom Sinai zeigen, doch in der Bibel ist Moses ausgerechnet dort alles andere als ein Vorbild vornehmer Zurückhaltung und Sublimation. Freuds Manipulation geht so weit, daß er die betreffende Stelle Ex 32,7-35 zitiert, aber Ex 32,21-29 ausläßt, wo beschrieben wird, wie auf Anordnung von Moses die Leviten die jüdischen Götzenanbeter abschlachten.

Bakan schreibt zu Freuds Mosesbild:

Über die sinnbildliche Besprechung einer Statue bringt Freud zum Ausdruck, daß die befürchtete Bestrafung niemals erfolgen wird. Das Über-Ich hält sich zurück. Das Über-Ich wird seinen Zorn zurückhalten und bändigen. Das Über-Ich wird seinen Zorn zügeln und nicht zuschlagen. In diesem neuen Moses-Bild hat Freud ihn in ein steinernes Standbild verwandelt; eines das nicht jene töten wird, die um das Goldene Kalb tanzen; jene die die Vorschriften, die von der rabbinischen Tradition aufrechterhalten werden, nicht annehmen, sondern übertreten. (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958, S. 128)

Des weiteren unterschlägt Freud, daß der Moses des Michelangelo Hörner trägt. Hörner, die Moses erst nach dem zweiten Abstieg hatte. Freud selbst schreibt, Michelangelo habe im Vergleich zum unvollkommenen historischen Moses einen verbesserten, idealisierten Moses in Stein gehauen. In Wirklichkeit war es aber einzig und allein Freud, der besserte, idealisierte und „sublimierte“. Freud brauchte und wünschte sich einen solchen geschönten Moses. Freud verdrängt den Mann, der voll Zorn die Gesetzestafeln zerschmettert (Ex 32,19), und wählt stattdessen den „sanftmütigsten und geduldigsten aller Menschen“. Den Moses, der nichts gegen die frevlerischen Juden unternimmt, „denn er war der bescheidenste Mensch, der je auf der Erde gelebt hat“ (Num 12,3).

Freuds Moses-Buch und Reichs Christus-Buch waren jeweils Bücher der Hoffnung nach Unsterblichkeit angesichts der Nazi-Bedrohung, bzw. der Bedrohung der Orgonomie in den USA.

Moses’ Monotheismus setzte sich durch, trotzdem sich die Hebräer von ihm befreit hatten. Das Verdrängte kehrte zurück. Wenn im Exil die Priester ihre Gebote und Institutionen in die Zeit Mose zurückversetzten, um damit ihre Unanfechtbarkeit zu begründen, entbehrte dies Verfahren trotz seiner geschichtlichen Fälschung Freud zufolge

nicht einer bestimmten psychologischen Berechtigung. Es spiegelte die Tatsache wider, daß im Laufe der langen Zeiten (…) die Jahwereligion sich zurückgebildet hatte zur Übereinstimmung, vielleicht bis zur Identität mit der ursprünglichen Religion des Moses. (Der Mann Moses, S. 496)

Wenn Freud dann abschließend anfügt, dies sei „das wesentliche Ergebnis, der schicksalsschwere Inhalt der jüdischen Religionsgeschichte“, dann meinte er wohl in erster Linie sein eigenes Schicksal, bzw. das Schicksal seiner Psychoanalyse, die in einer vom Nationalsozialismus überrannten Welt doch eines Tages aus der Verdrängung wieder auftauchen würde, so wie Moses immer wieder in den Propheten und schließlich im biblischen „Priesterkodex“ wiedergekehrt sei.

Ganz ähnlich sah Reichs Vision aus: Trotz aller Panzerung bricht sich das Lebendige in Gestalt der Neugeborenen doch immer wieder Bahn und eines Tages würden die Kinder der Zukunft Träger der Orgonomie sein. Das gepanzerte Leben ist nur eine Oberflächenerscheinung, unter der im Verborgenen das Lebendige und die Arbeitsdemokratie autonom weiterlaufen, um in Zukunft wieder an die Oberfläche zu treten. Herbert Marcuse, der von Freuds Spätschriften ausging, die er ziemlich frei interpretierte, hat beide Visionen von der „Rückkehr des Verdrängten“ in der Vorstellung miteinander verbunden, daß die Erinnerung an nichtrepressive Traditionen eine befreiende Funktion hat, wenn sie sich mit revolutionärem Aktionismus verbindet.

Auf diese Weise ist Reich doch auch irgendwie in Freuds letztem Werk verborgen. Bemerkenswert an Der Mann Moses ist z.B., daß Freud wie ganz zu Beginn seiner Arbeit plötzlich wieder den frühen Traumen (insbes. der Kastrationsdrohung) eine zentrale Rolle einräumt. Es geht um Triebeinschränkung von außen. Der „Todestrieb“ wird in Freuds Buch an keiner Stelle erwähnt. In der Zeit, als das Buch veröffentlicht wurde, brachte Freud zum Ausdruck, daß ihm Das Unbehagen in der Kultur fremd geworden sei. Jenes Buch, das Freud faktisch gegen Reich geschrieben hatte (Walter Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984, S. 66).

Verglichen mit Totem und Tabu (1913) wird den Muttergottheiten in Der Mann Moses ein weit größerer Raum zuerkannt. Das Machtvakuum, das nach dem Urvatermord entstand und das durch die rivalisierenden Brüder nicht gefüllt werden konnte, sei auf die Frauen übergegangen, so daß sich das Urpatriarchat in das Matriarchat umgewandelt habe. In der Diskussion um die Umwandlung der totemistischen Tiergötter zu menschlichen Göttern schreibt Freud sogar, daß die Muttergottheiten wahrscheinlich vor den männlichen Göttern aufgetreten seien, von denen die Muttergottheiten dann langsam verdrängt wurden (Der Mann Moses, S. 531f). Leider sind Freuds Ausführungen sehr vage, z.B. sollen merkwürdigerweise die Muttergottheiten erst zur Zeit der Einschränkung des Matriarchats entstanden sein „zur Entschädigung der zurückgesetzten Mütter“. Im übrigen spricht Freud von nicht weiter bestimmten „äußeren Momenten“, die zur Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat geführt hätten (ebd., S. 560).

Freuds Theorie könnte man wie folgt zusammenfassen: Das Urpatriarchat wurde durch den Mord am Urvater beendet, der zum Totemismus führte. Über den Umweg des Matriarchats stabilisierte sich langsam die Sohnesherrschaft, was sich im patriarchalen Polytheismus widerspiegelte, bis der eine Urvater als Wiederkehr des Verdrängten im Monotheismus zurückkehrte, um dann im Christentum erneut vom Sohn gestürzt zu werden. Wie ich erwähnte, betrachtete Freud das Christentum als kulturelle Regression. Hier ist anzufügen: u.a. weil es mit Maria „die große Muttergottheit wiederherstellte“ (ebd., S. 536).

Im Zusammenhang mit dem Mord an Moses, der eine Wiederholung des Urvatermordes gewesen sei, erwähnt Freud, diese Tat hätte „sich in Urzeiten als Gesetz gegen den göttlichen König gerichtet“ und er verweist auf James George Frazer (ebd., S. 556). Frazer beschrieb, wie der König als Vegetationsheros geopfert wurde und daraufhin in der unfruchtbaren Jahreshälfte in der Unterwelt verweilte, die er dann in Gestalt seines Nachfolgers im Frühling wieder verließ, um mit seiner Herrin, der Himmelskönigin, die Heilige Hochzeit zu feiern. So erweist sich Freuds wirklich vollständig abwegige Theorie vom Mord am völlig abwegigen Konstrukt „Urvater“ als ein letztlich matriarchaler Mythos. Von Frazers Arbeit geht z.B. die Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth aus.

Für Freud selbst ist der mythische Heros natürlich der Anführer der vatermörderischen Brüderbande gegen den Urvater. Freud nennt als Beispiel die griechische Tragödie, in der der Held und der Chor eben diesen Anführer und seine Brüderbande darstellen sollen. Da auch Christus Reinkarnation dieses Urhelden ist, ist es nicht verwunderlich, daß im Mittelalter das Theater mit der Darstellung der Passionsgeschichte wieder neu beginnt (ebd., S. 535). Zu Ende gedacht führt praktisch Freud Christus auf den matriarchalen Kultheros zurück, denn die griechische Tragödie läßt sich auf matriarchale Mysterienspiele zurückverfolgen.

Außerdem macht Freud an der betreffenden Stelle folgende Anmerkung:

Ernst Jones macht darauf aufmerksam, daß der Gott Mithras, der den Stier tötet, diesen Anführer darstellen könnte, der sich seiner Tat rühmt. Es ist bekannt, wie lange die Mithrasverehrung mit dem jungen Christentum um den Endsieg stritt. (ebd., S. 535)

Dieser „Stiertöter“ leitet uns direkt zum spätmatriarchalen Moses des Stierkults, auf den ich bereits in Der verdrängte Christus zu sprechen gekommen bin. Der Sonnengott Mithras wurde relativ spät zum patriarchalen „Stiertöter“. Vorher war er der Fruchtbarkeitsheros der persischen Himmelsgöttin Anahita. Über den babylonischen Tammuz und den kanaanitischen Baal geht eine direkte Linie zum gehörnten Moses und dem Goldenen Kalb als „Heros der Göttin“. Nichts mit Freuds spinnerten Ideen über den „Urvater“ und den „Urvatermördern“! In wirklich jeder Hinsicht führt uns der ganz späte Freud schnurstracks zum einzig legitimen Erben der Psychoanalyse, Wilhelm Reich!

Aus dem Führerhauptquartier der Antiorgon-Naziliga: Die drei Grundlagen des Nationalsozialismus (Teil 2)

16. Mai 2012

Hitler wurde als „Messias aller Deutschen“ bezeichnet. Dietrich Eckart „der Prediger und Apostel Adolf Hitlers“ und „unsterbliche Dichter und Künder des Dritten Reiches“ brachte kurz vor seinem Tod 1923 folgenden poetischen Erguß zu Papier:

Du blödes Volk! Du schmähtes jeden, der sich treulich um dich mühte, mit gotteslästerlichen Reden lohntest du auch Hitlers Güte, grunztest, als die Pharisäer Hinterrücks ihn niederzwangen.

Baldur von Schirach, Reichsführer der HJ, dichtete voll Ergriffenheit:

Wir hörten oftmals deiner Stimme Klang und lauschten stumm und falteten die Hände, da jedes Wort in unsere Seelen drang. Wir wissen alle: einmal kommt das Ende, das uns befreien wird aus Not und Zwang. Was ist ein Jahr der Zeitenwende! Was ist das Gesetz, was hemmen will – der reine Glaube, den du uns gegeben, durchpulst bestimmend unser junges Leben. Mein Führer, du allein bist Weg und Ziel! (H.J. Gamm: Der braune Kult, Hamburg 1962, S. 24)

Und sogar Kindergebete galten ihm:

Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben, beschütz und erhalte noch lange mein Leben! Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not; Dir danke ich heute mein täglich Brot. Bleib lang noch bei mir, verlaß mich nicht, Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht! Heil, mein Führer! (ebd., S. 213f)

Hitler selbst hatte 1922 gesagt:

Ich wäre kein Christ (…), wenn ich nicht, wie einst vor 2000 Jahren unser Herr, Front machen würde gegen die, die dieses arme Volk heute ausplündern und ausbeuten!

Es schmerzt mich, daß ich als Katholik gerade von katholischer Seite so niederträchtig angegriffen werde. Das schmerzt mich um so mehr, weil wirklich keine Bewegung mehr für das Christentum eintritt als die unsere und weil ich derjenige bin, dessen Arbeit es mit zu verdanken ist, daß das Christentum sich wieder so entfalten kann!

Entsprechend dankbar verkündete der Thüringer Kirchenrat Leutheuser 1933:

Christus ist zu uns gekommen durch Adolf Hitler. Er ist der entscheidende Mensch gewesen, als ein ganzes Volk bereit war, unterzugehen. Durch seine Kraft, seine Ehrlichkeit, seinen Glauben und seinen Idealismus fand der Heiland zu uns. Wir haben eigentlich nur eine Aufgabe: Werdet deutsch! Nicht: Werdet Christen! (z.n . Werner Reichelt: Das Braune Evangelium, Wuppertal, 1990, S. 56).

Nach der Machtergreifung sei, so Werner Reichelt in seiner Analyse des „braunen Evangeliums“, Schritt um Schritt die Christus-Geschichte in die Gegenwart übertragen und Hitler zum „Heiland der Deutschen“ erhoben worden, dessen Werdegang bis in die kleinsten Einzelheiten denen Jesu entsprach: Hitler wuchs in einer Art österreichischem Nazareth auf. Er führte seine Heimat heim ins Reich, als Verkörperung des Weges, der Wahrheit und des Lebens. Und trotzdem blieb dieser Gott doch ganz Mensch: „Das ist an ihm das Größte: daß er doch Mensch blieb, so wie du und ich.“ Durch sein, des schuldlosen armen Gefreiten, Opfer wird das ganze Volk gerettet werden. Am Anfang war er verborgen und seine Stimme galt im eigenen Land nichts. Seine Jünger wurden verfolgt, doch er hatte für sie die Trostworte der Bergpredigt: eines Tages wird alles umgekehrt sein! Standhaft steht Hitler gegen die satanische Versuchung des demokratischen Staates, der ihn, den eschatologischen Revolutionär, einbinden will. Wer nicht für Hitler ist, ist gegen ihn. Hitler verlangt absoluten, fanatischen Glauben. Ziel ist eine Art urchristlicher Gütergemeinschaft, wo das „Blut“ die Rolle des einigen Heiligen Geistes übernimmt. Die Dreieinigkeit wird durch „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ ersetzt, bzw. „die Dreieinigkeit des Blutes, des Glaubens und des Staates“.

Anläßlich des NS-Winterhilfswerkes sagte Hitler 1937:

Wenn ich so manches Mal ärmlich gekleidete Mädchen mit unendlicher Geduld sammeln sehe, selbst frierend, um für andere Frierende zu sorgen, dann habe ich das Gefühl, daß sie alle auch Apostel eines Christentums sind. Und zwar eines Christentums, das von sich mit mehr Recht als ein anderes sagen kann: Dies ist das Christentum eines aufrichtigen Bekenntnisses, weil hinter ihm nicht das Wort, sondern die Tat steht. (z.n. Reichelt, S. 83)

Das hier beschriebene kann man wie folgt rekapitulieren:

In seiner Massenpsychologie des Faschismus beschreibt Reich die subjektiv revolutionäre Einstellung, die den Faschismus von bloßen reaktionären, restaurativen, „bürgerlichen“ Bewegungen kraß unterschieden hat. Hinzu kam, daß sich, wie Reich es ausdrückt, wie zuvor in allen anderen vorangegangenen derartigen Bewegungen „im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus sich das vegetative Leben abermals Bahn (brach)“ (Die sexuelle Revolution, Fischer-TB, S. 267). Dabei imponiert die „nationalsozialistische Mystik“ wie ein grotesk verzerrter Animismus – die Alternative zum patriarchalischen, „bürgerlichen“ Mystizismus und Mechanismus (siehe dazu Reichs Äther, Gott und Teufel). Die Nähe des „Hitler-Mythus“ zum Christus von Reichs Christusmord ist ebenfalls allzu offensichtlich.

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft beobachten wir ganz ähnliche Entwicklungen. Man denke nur an die USA, in der die Rebellion auf allen Ebenen immer groteskere Züge annimmt. Man braucht nur das Fernsehen anmachen, ins Kino gehen oder im Internet surfen! Alles ist von abstrusen Verschwörungstheorien durchzogen (die fast durchweg einen antisemitischen Kern haben!), ständig werden die traditionellen Werte und das „Establishment“ verhöhnt. Das traditionelle Christentum wird buchstäblich angepißt und mit Kot beschmiert. Eine ganze Nation hört auf das mystische Geschwafel eines Eckhart Tolle, öffnet Chakren, praktiziert „Quantenheilung“, etc. Obama wird als neuer Heiland präsentiert. Er hat sogar seine eigene Hakenkreuzfahne. Das ist Nationalsozialismus heute, nicht der Mummenschanz einer Handvoll geisteskranker Neonazis. (Die eh meist nur Schwule und Sadomasochisten sind, die ihren Fetisch ausleben.)

Der zweite Jesus (Teil 2)

30. Januar 2012

Zur Befreiung vom Gesetz und zum Zusammengehen von Mensch und Gott tritt als Drittes die Rückkehr zur Himmelskönigin hinzu. In der Kabbala wird die Schechina (die Herrlichkeit Gottes) als „Himmelsmutter“ bezeichnet und nimmt eine ganz zentrale Rolle ein. In Sabbatais persönlichem Leben war es Sara, seine Maria Magdalena.

Sara war als Sechsjährige bei den Chmelnizkij-Massakern verwaist, wurde von einem Kloster aufgenommen, floh mit 10 aus den Klostermauern. Sie wurde von Juden nach Amsterdam gebracht, wo sie verkündete, sie wäre als Frau für den Messias bestimmt. Von dort kam sie nach Livorno, um „des Messias Braut zu werden“. Als Zwi davon hörte, ließ er sie zu sich nach Kairo holen und heiratete sie. Es hieß wohl in der jüdischen Gemeinde, sie habe sich als Prostituierte durchgeschlagen, doch Zwi behauptete, gerade dies sei messianische Fügung, daß er wie der Prophet Hosea eine unzüchtige Frau heimführe (Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der Juden, Bd. VI, München 1985, S. 57f).

Hier könnte man jetzt nach Manier von Reichs Christusmord Zwi als Genitalen Charakter darstellen. Doch Zwi war (wie auch Jesus?!) nach allem, was wir wissen, ein impotenter, homosexueller und psychotischer Modju mit einer unglaublich charismatischen Ausstrahlung, wie sie dieser Charakterstruktur eigen ist. Abertausende von Juden hat er mit seinen leeren Versprechungen in den Ruin, in die seelische Verzweiflung und in den Tod getrieben und wären nicht ein paar wenige konservative Rabbiner bei Verstand geblieben, hätte er beinahe das durch Inquisition und Chmelnizkij-Aufstand bereits geschwächte Judentum vollends vernichtet. Was sein messianisches Pendant Jesus wohl zu seiner Zeit alles angerichtet hat! Und inwieweit ist Jesus für die Zerstörung Israels durch Titus verantwortlich?! Zwi war der charakterliche Todfeind der Genitalität. Ist dies, wenn man es auf Jesus überträgt, die einfache Lösung des Rätsels, von dem Reich in Christusmord (S. 82) spricht: wieso sich auf der Grundlage des vorgeblich genitalen Lebens Christi eine antigenitale Kirche hat entwickeln können?

Zwis Charakter zeigte sich nicht nur in seinem Verhalten, sondern auch in seiner Lehre, die darauf beruhte, man müsse zuerst ins Böse hinabsteigen, um zu spiritueller Freiheit gelangen zu können. Dieser Abstieg in die Mittlere Schicht erzeugt aber nichts als unheilvolles Chaos, wie ja die Geschichte des Sabbatianismus gezeigt hat, ebenso auch alle folgenden revolutionären Bewegungen insbesondere der Marxismus, die pervertierte säkulare Form jüdisch-christlichen Messianismus.

Besonders schlimm trieb es Jakob Frank (1726-1791) aus Ostgalizien, wo 150 Jahre später Reich geboren werden sollte. Frank stammte aus einer Sabbatianischen Familie und begründete als „Reinkarnation“ Sabbatai Zwis eine abgewandelte Form des Sabbatianismus. Er lebte ein noch verruchteres, noch lügnerisches Leben als Zwi, da eine verruchte Zeit der messianischen Zeit vorangehen sollte.

Beide wollten das rabbinische Judentum auflösen und den Talmud vernichten. Frank nihilierte das gesamte Judentum durch Übertretung aller guten Sitten, aller Gebote und Verbote, selbst der Inzestschranke.

Dabei mischten sich uralte vorderasiatische, matriarchalische Kultkomponenten mit hinein. Die Anhänger Jakob Franks umtanzten bei ihren Sexorgien auf der Basis der Promiskuität zugleich ein nacktes Frauenzimmer, das sie für die weibliche Hypostase der Gottheit hielten. (Salicia Landmann Jesus und die Juden, München 1987, S. 207)

Aus der Schechina Gottes wurde die lebendige „Matronita“, Franks Tochter Eva, die die Frankisten bei ihren Riten anbeteten.

Frank erklärte das Gesetz für tot und stattdessen die „Heiligkeit der Sünde“. Nach alter gnostischer Theorie waren die „Heiligen Funken“ in der Welt verschüttet worden und nun gelte es, sie wieder einzusammeln, indem man sich der Verderbnis ganz hingebe und sie so dialektisch aufhebe. „Durch die Sünde würde die Errettung kommen. Aus dem großen Sünden würde eine Welt hervorgehen, in der es keine Sünde mehr gäbe“ (David Bakan: Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton 1958, S. 107). Dies ist natürlich die Theorie aller modernen religiösen oder säkularen terroristischen Ideologien.

Als die Rabbiner sich gegen Jakob Frank wandten, den Bann aussprachen und sogar erfolgreich versuchten, die katholische Inquisition auf diese „neue Sekte“ aufmerksam zu machen, diente sich Frank in Notwehr der Katholischen Kirche an und rächte sich blutig, indem er Greuelmärchen über den Inhalt des Talmuds verbreitete. Es würde Christenmord und der Gebrauch von Christenblut vorgeschrieben. Im übrigen seien er und seine Anhänger mit ihrem sabbatianischen Glauben beinahe auch schon Christen, – was ja stimmte. Sie behaupteten, der Sohar lehre die Dreieinigkeit und daß eine Person der Gottheit Fleisch geworden sei. Schließlich nahmen sie 1759 den christlichen Glauben ganz an. Als besondere Vergünstigung für getaufte Juden wurden sie vom polnischen Adel adoptiert und übernahmen so adlige Familiennamen. Heimlich glaubten sie aber weiter, daß sich die besagte Person der Gottheit in allen Messiasanwärtern, also nicht nur in Jesus verkörpert habe und daß nun Frank der „Heilige Herr“ sei. Nach der Taufe blieben sie eine geschlossene Gruppe und heirateten nur untereinander.

Dabei handelte Frank nach dem Vorbild von Zwi, der als jüdischer Messias aus Angst vor dem vom türkischen Sultan angedrohten Foltertod zum Islam übergetreten war. Die islamischen Nachfolger der Sabbatianer, die selbst diese Charakterlosigkeit als messianisch akzeptierten, waren die 1683 in Saloniki formierten jüdischen Moslems „Dönmeh“, die eine geschlossene Gruppe bildeten, da sie nur untereinander heirateten. So lebten die Ideen Zwis in einer moslemischen Sekte fort.

Aus den katholischen Frankisten ging z.B. als Nachkomme der polnische Nationaldichter Adam Mickiewicz hervor, der das geteilte Polen mit dem leidenden Christus gleichsetzte. Landmann:

Ich zweifle daran, daß man an polnischen Schulen diese Wurzeln des polnischen Nationalismus in einer ketzerischen, pseudomessianischen jüdischen Bewegung der Jugend offenbart. Aber trotzdem beschäftigt man sich im heutigen sozialistischen Polen intensiv mit dem Frankismus. Als nämlich die Französische Revolution losbrach, kamen etliche von Franks Adepten zur Überzeugung, in Paris breche die eigentliche und wahre Welterlösung an, sie zogen nach Frankreich, nahmen an den revolutionären Auseinandersetzungen auf Seiten der Aufständischen teil, und einer von ihnen starb, gleichzeitig und zusammen mit Robespierre, auf der Guillotine. (S. 215)

Landmann weiter:

Im heutigen sozialistischen Polen zelebriert man aber etliche Frankisten, die den religiösen Background der Lehre ihres Meisters preisgaben, zur Überzeugung gelangten, daß die Französische Revolution die Welterlösung einleite, und für sie kämpften und starben. Durchaus richtig erkennen die polnischen sozialistischen Ideologen in diesen revolutionären Frankisten Vorläufer von Karl Marx, der von der Weltrevolution unter sozialistischem Vorzeichen das endzeitliche Paradies auf Erden erwartete. (S. 216)

Die religionsgeschichtliche Forschung hat gezeigt, daß Sabbatai Zwi und Jakob Frank als Vorläufer von Theodor Herzl große Bedeutung haben. Frank und seine Anhänger vollzogen eine äußerliche Massenkonversion zum Katholizismus in der Hoffnung, im Bunde mit Rom das messianische Reich aufzurichten. Und Zwi suchte die religiöse und nationale Wiedergeburt von Israel zu fördern, indem er seine Anhänger dazu aufforderte, durch äußerlichen Übertritt zum Islam die Sultanswürde in jüdische Hand zu bringen, um dann ein neues Israel errichten zu können. Aus den Reihen der Dönmeh ging um die Jahrhundertwende der türkische Minister Dschawid Bey hervor. Er war in der türkischen Regierung, mit der die Zionisten erfolgreich über erste Niederlassungen in Palästina verhandelten. So schloß sich der Kreis.

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Der zweite Jesus (Teil 1)

29. Januar 2012

Wer war Jesus? Was ist vor 2000 Jahren wirklich passiert? Die Antwort könnte in einem Geschehen zu finden sein, das sich vor etwa vier Jahrhunderten zutrug und diesmal sehr gut dokumentiert:

Von Kabbalisten war das Jahr 1648 als Zeit der Wunder festgelegt worden, in der die Messianische Ära beginnen sollte. In diesem Jahr stand ein gewisser Sabbatai Zwi (1626-76), der aus Smyrna in der Türkei stammte, in einer Synagoge in Saloniki auf und sprach den mystischen Namen Gottes aus, wie es nur einst der Hohepriester durfte, bzw. eines Tages der Messias tun dürfte, und machte sich so zum Messias-Anwärter. Daraufhin wurde der Bann gegen ihn gesprochen, genauso wie bei Jesus, nachdem dieser vor dem Sanhedrin den Heiligen Namen aussprach, was er in Mt 10,25 angekündigt hatte. (Die großen Zaddikim der Chassiden werden „Baal Schem“ genannt, „Meister des [Heiligen] Namens“. Mit diesem hat Rabbi Löw in der Sage den Golem zum Leben erweckt.)

In Saloniki beging Sabbatai Zwi

seine mystische Vermählungsfeier mit der Thora. Kabbalistisch sollte es bedeuten, daß die Thora, die Himmelstochter, mit dem Messias, dem Sohn des Himmels, in einem unzertrennlichen Bund vereinigt sei, oder daß er die Fleisch gewordene Thora sei und diese ersetzen könne. (Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der Juden, Bd. VI, München 1985, S. 55f)

Zwi feierte Heilige Hochzeit mit der Thora, die man sich kabbalistisch, der spätbiblischen Tradition folgend, als weiblich personifizierte Weisheit vorstellte. Andererseits behauptet er aber auch selbst, die fleischgewordene Thora zu sein und diese zu ersetzen (ebd., S. 56).

Das schlimme Schicksal der Juden ausgerechnet 1648, nämlich der Kosakensturm unter Chmelnizkij, hatte so manchem Juden gezeigt, daß die Thora tot ist. So konnte nur noch der Messias helfen, denn die Befolgung des göttlichen Gesetzes hatte nichts gebracht. Es kam soweit, daß sich unter kabbalistischen Vorzeichen das Judentum vom Gesetz trennte. Dessen Grundwesen sich sowieso weniger im Gesetz als vielmehr im Sabbat zeigt, in dem sich Gott und Schöpfung versöhnen und das messianische Reich vorweggenommen wird. Maimonides sagte, zu den wenigen Dingen, an die der Jude glauben müsse, um Jude zu sein, gehöre der Glaube an das Kommen des Messias. An dieser Stelle setzte Sabbatai sein gegen das Rabbinertum gerichtetes Zersetzungswerk an.

Es gehört schon seit dem Neuen Testament zu den Hauptgedanken des Antisemitismus, daß Jesus kein Jude (mehr) war. Jene Philosemiten aber, die zurecht auf die Jüdischkeit Jesu hinweisen, verkennen, daß es gerade zur Dialektik des jüdischen Messianismus gehört, daß der Messias aus dem von der Thora bestimmten Judentum heraustritt, wie z.B. der „Jude“ Sabbatai Zwi. Gerade diese Kritiker haben das Judentum genausowenig verstanden, wie die Antisemiten.

Das kabbalistische Hauptwerk, der Sohar, geht mit seiner mündlichen Überlieferung auf das alexandrinische Zeitalter etwa 200 v.Chr., also in eine Zeit vor Jesus, zurück. Sein Grundgedanke habe, so Graetz, gelautet, „daß in der Gnadenzeit, in der Welt der Ordnung, die Gesetze des Judentums, die Ritualien über Erlaubtes und Verbotenes, vollständig ihre Bedeutung verlieren würden“ (Graetz, S. 64). Sabbatai war ein solcher, das Gesetz auflösender Messias.

Die Sabbatianer stellten die lästerliche Theosophie auf, die Gottheit sei dreifältig in drei Personen, dem Uralten der Tage (vgl. Dan 7,13), dem heiligen König und in einer weiblichen Person, Schechina. Der heilige König, der Messias, sei der wahre Gott, der Erlöser und Befreier der Welt, der Gott Israels, ihm allein müsse Anbetung zuteil werden, der Uralte dagegen habe sich zurückgezogen und Sabbatai zu seinem Stellvertreter eingesetzt. (Graetz, S. 65)

Der „lästerliche Hauptgedanke“ der Sabbatianer war, „daß der höchste Gott, die erste Ursache, mit dem Weltall in keinerlei Verbindung stehe, sondern eine zweite Person in der Gottheit, der Gott Israels genannt, habe die Welt erschaffen, das Gesetz für Israel offenbart“. In Sabbatai Zwi, dem Messias, habe sich nun die zweite Person der Gottheit verkörpert und durch sein Erscheinen habe die Bedeutung der Thora aufgehört (Graetz, S. 117).

Es war immer so, daß mit der Befreiung vom Gesetz das engere Zusammengehen von Gott und Mensch parallel lief. Nietzsche:

Jesus hatte ja den Begriff der „Schuld“ selbst abgeschafft, – er hat jede Kluft zwischen Gott und Mensch geleugnet, er lebte diese Einheit vom Gott als Mensch als seine „frohe Botschaft“. (Antichrist, A 41)