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Das Bertelsmännchen

17. Mai 2017

Seit Jahren lasse ich mir keine Nummer von change entgehen, dem „Magazin der Bertelsmann Stiftung“. Immerhin ist es kostenlos. Man kann sich wohl kaum etwas Kapitalistischeres vorstellen, aber gleichzeitig überkommt einem jedesmal das Gefühl die „Prawda“ der Globalisten zu lesen. Linksliberal bis zum Exzeß.

Es geht hier um einen der größten Medienkonzerne der Welt und diese Medienkonzerne sind in dieser Hinsicht durch die Bank wirklich konsequent. Wohin man schaut Zeitungen, Magazine, Bücher, Fernsehserien, Hollywoodfilme, etc. werden stumpf an den Massen vorbei produziert und fahren nur rote Zahlen ein, weil die linke Ideologie, etwa „Gender“ oder „Black Lives Matter“, wichtiger ist, als jeder Profit. Es sind wirklich Kommunisten! „Kommunisten“, weil sie nicht etwa die Bedürfnisse der Kunden befriedigen, sondern primär das Bewußtsein dieser Kunden verändern wollen.

change bietet mir immer wieder Einblicke in das, was die Elite wirklich mit uns vorhat. Es geht schlicht um die totale Globalisierung, die „offene Gesellschaft“. Es dreht sich alles darum, daß wir unsere „irrationalen Ängste“ gegenüber „der Öffnung“ überwinden sollten. Wie? Durch mehr Wissen!

Das ist natürlich hanebüchener Unsinn. Man denke nur an die Medizin: würden wir alles über das in uns brodelnde Ungemach und die wahrscheinlichen Todesagonien wissen, die uns in nicht allzu ferner Zukunft bevorstehen – wir würden vor Angst vergehen. Hast du mal einen Krebspatienten aus nächster Nähe KREPIEREN sehen?! Gesund ist nur der, der noch nicht gründlich untersucht wurde. Und so in allem: je mehr ich mich über die Weltwirtschaft, den Islam oder etwa die türkische Kultur informiere – desto mehr Angst bekomme ich.

Auf Angstüberwindung durch Wissen kann nur der liberale Charakter kommen, der vollkommen in seinem zerebralen System lebt und keinerlei Zugang zum Reich der Emotionen hat!

In diesem Zusammenhang blitzt in der neuen change für einen Augenblick die Realität jenseits der ideologischen Verblendung auf, als in einem Interview einem nach eigener Aussage „linksliberalen“ Sozialpsychologen, Prof. Dr. Soundso, folgende Frage gestellt wird:

„Offenheit wird begrenzt durch Angst, und Angst entsteht durch Unwissen – müßte nicht mehr für die Bildung getan werden, um die offene Gesellschaft zu stützen?“

Leute, noch mehr?! Seit Anfang der 1970er Jahre habe ich nie etwas anderes gehört als „mehr Bildung“!

Aber zur Antwort von Prof. Dr. Soundso:

Das ist keine Wissensfrage. Wenn sie ressentiment-geladenen Leuten mit Fakten kommen, behaupten die sowieso, die seien gefälscht. Was Menschen für ihre Wirklichkeit halten, ist immer emotional grundiert. Der Umgang mit der Welt ist nicht wissensbasiert. Der hängt ab von den sozialen Beziehungen, die man hat oder haben möchte; von den Wünschen, die man an sich selber hat, wie stark man sich orientieren möchte, welche Pfeiler man dafür braucht. Wissen wird total überbewertet.

Das weist wohl in die richtige Richtung, doch endet in inhaltsleerem Geschwafel. Solche überbezahlten Bertelsmännchen leben von meinem Steuergeld! Bitte das obige Zitat nochmal lesen: „Der Umgang mit der Welt (…) hängt ab von den sozialen Beziehungen, die man hat oder haben möchte; von den Wünschen, die man an sich selber hat, wie stark man sich orientieren möchte, welche Pfeiler man dafür braucht.“

Ohne Kenntnis des Reichschen Konzepts der Panzerung wird die Sozialpsychologie nie auf einen grünen Zweig kommen. Der Umgang mit der Welt hängt ab von der Charakterstruktur!

Der Rote Faden: Aldous Huxley

7. Januar 2016

1929 umriß Reich die Geschichte der Sexualökonomie der breiten Massen wie folgt:

Zur Zeit der ersten Differenzierung des Proletariats, in den Anfängen des Kapitalismus, hat es, nach den Berichten von Marx im Kapital und von Engels in Die Lage der arbeitenden Klasse in England zu urteilen, so gut wie keinerlei Einschränkung oder Verdrängung der Sexualität im Proletariat gegeben. Die Sexualform des Proletariats war nur gekennzeichnet und beeinflußt durch seine desolate soziale Lage, wie etwa noch heute die des „Lumpenproletariats“. Aber im Laufe der kapitalistischen Entwicklung, als die herrschende Klasse, soweit es ihr eigenes Dasein und ihr Profitinteresse erforderte, sozialpolitische Maßnahmen ergriffen und „Fürsorge“ zu treiben begann, setzte eine heute immer mehr im Ansteigen begriffene ideologische Verbürgerlichung des Proletariats ein. Damit verschob sich die Wirkung der Sexualverdrängung auch ins Proletariat, ohne hier jedoch je solche Dimensionen erreicht zu haben, wie etwa im Kleinbürgertum (…). (Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse)

Das „Lumpenproletariat“ hatte Reich vier Jahre zuvor in seinem Buch Der triebhafte Charakter beschrieben. Das Proletariat wurde immer triebgehemmter mit den Folgen, die Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus diskutiert. Die Entwicklung ist fortgeschritten und mittlerweile kann man das genaue Gegenteil beobachten. Durch staatliche Eingriffe, angefangen von der Krippenerziehung, über die Kindergärten und Schulen, nicht zuletzt aber durch den Einfluß der Medienkonzerne, wird geradezu systematisch ein neues triebenthemmtes „Lumpenproletariat“ herangezüchtet.

Angesichts der überhandnehmenden Sexualisierung in der westlichen Welt wird von „Gesellschaftskritikern“ gerne angeführt, wie überholt die Theorien Reichs über die weltverbessernden Folgen einer „sexuellen Befreiung“ doch wären. Als mahnender Gegenentwurf wird gerne auf Aldous Huxleys Zukunftsroman Brave New World (Schöne neue Welt) von 1932 verwiesen.

Reich hat sich 1936 in seiner Zeitschrift mit diesem Werk auseinandergesetzt, da der niederländische Kommunist Jef Last mit Verweis auf Huxleys Roman ganz ähnliche Argumente, wie sie heute im Schwange sind, gegen die Sexpol anführte. Jef Last hatte „Genossen Reich“ geschrieben:

Huxley führt in diesem Roman die Gedankengänge der Sexpol eigentlich ad absurdum. Er zeichnet eine phantastische Zukunftsgesellschaft, in der alle Bindungen zwischen Fortpflanzung und Sexualität gelöst sind. Die Kinder werden in Staatslaboratorien ausgebrütet, der Sexualakt als Lust dagegen ist nicht nur stärkstens bejaht, sondern der Staat tut alles, damit der sexuelle Trieb fortwährend hemmungslos und restlos befriedigt werden kann. Auch in Huxleys Roman fordert man bereits die dreijährigen Kinder auf mit dem „Lulu“ zu spielen und bestraft nur diejenigen, die an sexuellen Spielen kein Vergnügen haben. Das Ergebnis ist eine scheinbar vollkommen glückliche Welt, aus der (bei genügender materieller Versorgung) jede Unzufriedenheit verschwunden ist und auch jede sexuelle Entartung. („Antwort auf Wilhelm Reich/Antwort an Jef Last“, Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, Bd. 3, Nr. 3/4, S. 169-171)

Negativ sei jedoch zu konstatieren, so Last, daß aus dieser „vollkommen glücklichen Welt“ leider „jede Spannung, jedes künstlerische Schaffen, jede geistige Hingabe und jede wirkliche Wissenschaft“ verschwunden sei. Und genau dies sei der implizite Vorwurf der reaktionären Gegner der Sexpol: „eine hemmungslose Bejahung des Trieblebens bedeute den Untergang aller Kultur, da diese nur auf einer bewußten Eindämmung und Beherrschung der Triebkräfte aufgebaut ist“.

Reich erwidert darauf, daß man es bei Huxleys Roman mit einem reinen Phantasiegebilde zu tun habe, während die Anschauungen der Sexpol aus der wissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien. Diese habe gezeigt, daß eine Trennung von Sexualität und Fortpflanzung eine ganz andere Zukunft zeitige.

[K]ein Trieb des Menschen wirkt so befruchtend und anregend auf seine Produktivität sowohl in Bezug auf künstlerisches Schaffen als auf wissenschaftliche Arbeit wie der Geschlechtstrieb, der eine Bejahung erlebt. So würde die Sexpol, wenn sie die Zukunftsgesellschaft schildern wollte, gerade zu entgegengesetzten Schlüssen kommen wie Huxley: Die Menschen, welche frei von Schuldgefühlen zu ihrem Sexualleben stehen und unabhängig von wirtschaftlichen Miseren ihren gesunden, natürlichen Trieb lustvoll befriedigen könnten, würden nicht wie bei Huxley, jede Spannung entbehren, sondern ihre Spannungen wie deren Lösungen bewußt erleben. Und aus der bewußten Bejahung ihrer Bedürfnisse und deren Befriedigung würde eine neue Kultur aufblühen. Kunst wäre nicht mehr Privileg einiger Auserwählter, sondern die Masse würde fähig werden, sie zu genießen! (ebd.)

Reichs Aussage kann man in folgendem dem Studenten der Orgonomie wohlbekannten (hier nur leicht abgewandelten) Diagramm zusammenfassen:

Damals gehörten beide, Huxley und Last, zur linken Kulturschickeria. (Später wurde Huxley Antikommunist.) Auf dem „Ersten Schriftstellerkongreß für die Verteidigung der Kultur“, von Willi Münzenberg, damals noch immer der Kopf des Agitprop der Komintern, in Paris organisiert (21.-25. Juni 1935), wurde jene Figur geschaffen, der Reich schließlich zum Opfer fallen sollte: der fellow traveller. Eine Kreatur, die noch heute, lange nach dem Untergang der UdSSR, die Kultur bestimmt und alles tut um die Orgonomie zu vernichten, teilweise mit den oben von Last vorgetragenen Argumenten.

Der damalige Kongreß sollte die ideologischen Grundlagen der Volksfront in Frankreich errichten. Leute wie André Gide, André Malraux, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Ernst Bloch und nicht zuletzt Aldous Huxley nahmen an ihm teil. Ganz allgemein umfaßte die pro-kommunistische anti-faschistische Intelligenz Europas um diese Zeit folgende Leute:

Vertreten sind auf französischer Seite Alain, Rolland, Barbusse, Aragon, Malraux, Gide, Guilloux und Vildrac, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Johannes Becher aus Deutschland, die Russen Ehrenburg und Aleksei Tolstoi, und aus England schließlich Aldous Huxley und E.M. Forster. (Francois Furet: Das Ende der Illusion, München 1998, S. 365)

Last war ein enger Freund von Andre Gide und hat ihn, zusammen mit Eugene Dabit, auf Gides berühmte und Gide enttäuschende Reise in Stalins UdSSR begleitet. Jef Last und Eugene Dabit, „die beide Kommunisten sind“.

Ziemlich genau ein Jahr nach Romain Rolland trifft Gide mit seinem Gefährten Pierre Herbart in den letzten Junitagen 1936 in Moskau ein; in Leningrad stoßen vier seiner engsten Freunde dazu, die bei dieser Reise mit von der Partie sind: Jef Last und Eugene Dabit, aber auch Louis Guilloux und der Verleger Schriffrin. (ebd., S. 367f)

So naiv Huxley auch immer argumentiert hat, etwa wenn Kinder dazu aufgefordert werden müssen mit dem „Lulu“ zu spielen und bestraft, wenn sie an sexuellen Spielen kein Vergnügen haben, hat er zweifellos in mancher Hinsicht recht behalten. Es breitet sich in der Tat eine Art „Sexualterror“ aus und die (vermeintliche) „Befreiung der Sexualität“ hat zu einem schier fassungslos machenden Kulturzerfall geführt. Ich brauche das hier nicht weiter ausführen.

Reich lebte in einer Gesellschaftsformation, der „autoritären Gesellschaft“, die weitgehend auf der Hemmung der Sexualität beruhte und sich entsprechend in einem Zustand chronischer Kontraktion befand. Das Leben war ein Jammertal, geprägt von Arbeit, Verzicht und Sparsamkeit.

Die Verwerfungen der Weltkriege, die diese „patriarchalischen“ Zustände im Mark erschütterten, die Entwurzelung der Menschen durch die Industrialisierung und nicht zuletzt die „Trennung von Sexualität und Fortpflanzung“ durch die Pille führten seit den 1960er Jahren zu einer vollkommen neuen Gesellschaftsformation, der „antiautoritären Gesellschaft“, die sich in einem chronischen Expansionszustand befindet. Der „Spaß regiert“, Arbeit ist nur eine leider notwendige Unterbrechung der Freizeit, und jeder, der sich gegen die allgemeine Enthemmung stellt, wird als Spaßbremse ins Abseits gestellt. Introvertierte und „stille“ Jugendliche wissen genau wovon ich spreche.

Beide Gesellschaftsformationen sind gepanzert: