Posts Tagged ‘McCarthyismus’

Reich, die Kennedys, King, Benno Ohnesorg und Moskau

15. Juni 2017

Je älter ich werde, desto mehr bin ich von der soziopolitischen Charakterologie überzeugt, die Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle dargelegt hat. Und ich werde zunehmend zorniger, wenn diese mit rein politischen oder „verschwörungstheoretischen“ Argumenten beiseite gewischt bzw. zu einem Nichts relativiert wird.

Verschwörungstheorien, etwa über die „Illuminati“, sind Produkt des hilflosen kleinen Mannes, der zwar irgendwie spürt, daß hinter dem Weltgeschehen eine bioenergetisch und charakterologisch bestimmte „Macht“ steckt, die von Reich, Baker und Konia erstmals beschrieben wurde, doch kann er aufgrund seiner emotionalen Panzerung mit diesen Ahnungen nicht recht umgehen und setzt sie kurzschlußartig in irgendwelche wirren Verschwörungstheorien um, die er mit immer mehr angelesenem angeblichen Fachwissen untermauert.

Es hat zahllose Theorien darüber gegeben, wer John F. Kennedy umgebracht hat. Die meisten dieser Theorien beruhten auf dem Unverständnis von Laien, die beispielsweise nicht wissen, daß bei Schußverletzungen die Austrittswunde um vieles größer ist als die Eintrittswunde und daß ein Kopf nach hinten fliegt, wenn von hinten in ihn hineingeschoßen wird und die Kugel vorne wieder austritt. Auch konnten sie nicht verstehen, daß eine einzelne Kugel mehrere Menschen verletzen kann und dabei einen Zickzackkurs verfolgt. Zum Glück kann man heute solche Dinge in der Computergraphik simulieren, so daß jeder sehen kann, daß das scheinbar Unmögliche, eine „magic bullet“, eben doch möglich ist und angebliche „Widersprüche“ gar keine sind, wenn man den Sachverhalt mit Fachwissen betrachtet. (Genau dasselbe läßt sich zu den idiotischen Verschwörungstheorien über den 11. September sagen!)

Oswald konnte am 22. November 1963 der einzige Schütze gewesen sein. Oswald war zweifellos aktiver Kommunist und seine Verbindungen zu Kuba waren eindeutig. Die Behauptung ist demnach alles andere als abwegig, daß Kennedy vom langen Arm des KGB ermordet wurde. Das Motiv ist offensichtlich: man bringt eine gemäßigt linke Hoffnungsfigur um, um die Linke weiter nach links zu treiben. Und es hat hervorragend funktioniert. Viele Amerikaner sind bis heute überzeugt, daß Kennedy vom CIA und „Nazis“ ermordet wurde. Man sehe sich nur mal Oliver Stones idiotischen Film JFK an!

Es folgte am 4. April 1968 die Ermordung von Martin Luther King, der in der letzten Periode seines Lebens immer weiter nach links gedriftet war und anfing, gegen den Vietnam-Krieg und das Wirtschaftssystem der USA zu wettern. Die Umstände seines Todes waren mehr als fragwürdig. Verschwörungstheoretiker gehen davon aus, daß er nicht von einem rassistischen Einzeltäter, sondern von einer großangelegten Verschwörung weißer Rassisten, vielleicht sogar vom FBI (J. Edgar Hoover) ermordet worden war.

Es gibt ein Detail in der Geschichte, das nicht recht ins Bild passen will. Der vermeintliche Attentäter James Earl Ray wurde nach eigener Aussage von einem angeblichen Waffenschmuggler namens „Raoul“ angewiesen, eine Waffe zu kaufen und in jenes Hotel in Memphis zu bringen, von dem aus King erschossen wurde. Welcher amerikanische weiße Rassist würde sich „Raoul“ nennen?! Heute ist Raúl Castro Staatschef Kubas. Es ist gut möglich, daß kubanische Agenten den Vornamen des damaligen Chefs des kubanischen Geheimdienstes verwendet haben.

Robert Kennedy wurde am 6. Juni 1968 von dem christlichen Palästinenser Sirhan B. Sirhan ermordet. In den darauffolgenden Jahren plante die PLO und die Drahtzieher vom KGB, die hinter der PLO standen, Sirhan durch die Entführung amerikanischer Diplomaten freizupressen.

Der Student Benno Ohnesorg wurde nicht von dem durch die rechte Springer-Presse fanatisierten „Nazi“ Karl-Heinz Kurras, sondern von dem Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras ermordet.

Das Neue Deutschland berichtete am 5. Juni 1967 über den „antidemokratischen Polizeiterror“ im Westen:

Dieser tödliche Schuß war nicht Notwehr, und es war kein unglücklicher Zufall. Auf diesen Höhepunkt des politischen Terrors war die Hetze der Springer-Presse seit Wochen angelegt.

Es ist sinnlos bei diesen vier traurigen Morden jeweils groß ins Detail zu gehen. Ich möchte mich nicht in die Reihe der erwähnten Verschwörungstheoretiker einreihen, die sich von einer Abstrusität in die nächste hangeln. Immerhin zeichnet sich ein Szenario ab, das klassischem leninistischen Macht-Zynismus entspricht:

Schaffe linke Märtyrer, indem du linke Gallionsfiguren, die nach der Machtergreifung eh als erste vor den Erschießungskommandos der Tscheka landen würden, ermorden läßt und schiebe diese Taten den Stützen des Regimes zu. Du beseitigst so unsichere, da idealistische Kantonisten im eigenen Lager und deslegitimierst das feindliche Lager. Die Rebellionen und Aufstände, die Folge dieser Morde sein werden, machen die „inneren Widersprüche“ des feindlichen Lagers deutlich und könnten sogar Initialzündung für Aufstände sein, die Wegmarken auf dem Weg zur Weltrevolution sein können. Die Ermordeten waren stets Linke, die, wie etwa der Republikaner (sic!) King, Moskau potentiell mehr Probleme machen konnten als jeder Rechtskonservative.

Die Linke und beispielsweise die Wahl von Obama sind ohne die vorangegangenen Morde kaum vorstellbar!

Invasion von der Wega

14. Oktober 2015

Nach Sean Connery und der Schrecken der Medusa ein zweiter Blick auf das linke Hollywood:

Wenn Die Invasion der Körperfresser vielleicht der beste Film war, der je gedreht wurde, ist Die Invasion von der Wega vielleicht eine der besten Fernsehserien. Die Handlung läßt sich mit einem Satz zusammenfassen: Ein Mann gegen die Emotionelle Pest.

In dem oben verlinkten Wikipedia-Beitrag heißt es:

Der Umstand, daß die Außerirdischen als Menschen auftreten und somit überall und plötzlich in Erscheinung treten können, erzeugt eine unheimliche Bedrohung, die von überall her zu kommen scheint und damit eine dramaturgische Spannung, die selten nachher in einem solchen Serienprojekt wieder erreicht wurde. Die Serie greift damit deutlich Motive der sogenannten „Invasionsfilme“ aus den 1950er-Jahren auf (etwa The Invasion of the Body Snatchers – deutscher Titel Die Dämonischen von Don Siegel), die auf die Angst vor dem sich angeblich einschleichenden Kommunismus in den USA anspielten.

Tatsächlich wollte der Autor der Serie, Larry Cohen, eine Art Satire über den grassierenden Antikommunismus kreieren. Dazu schreibt die amerikanische Wikipedia:

Für viele Zuschauer schien es oft so, als spiegele das Thema der Paranoia, das The Invaders durchzieht, die Ängste vor einer kommunistischen Unterwanderung zur Zeit des Kalten Krieges wider. Ängste, die aus der ein Jahrzehnt zurückliegenden McCarthy-Ära nachklangen. Der Schöpfer der Serie, Larry Cohen, hat bestätigt, daß dies Absicht war, zusammen mit dem politischen Thema der Serie insgesamt. Im Audiokommentar für die Episode „The Innocent” (…), sagte Cohen, seine Erfahrung mit der Schwarzen Liste für Drehbuchautoren in Hollywood wegen angeblicher kommunistischer Verbindungen habe ihn dazu inspiriert, die Angst vor einer hinterhältigen Unterwanderung der Gesellschaft „dem Gespött auszusetzen“, indem er Kommunisten durch Außerirdische ersetzte.

Cohen hat auch zugestanden, daß er nicht der erste war, der die Ängste des Kalten Krieges in ein Science-Fiction-Drama umgesetzt hat. Wie oben angedeutet, hatten solche Ängste Filme wie The Invasion of the Body Snatchers beeinflußt. Cohen gibt in seinem Kommentar an, daß die politische Intention, die einige seiner Kreationen, einschließlich The Invaders beinhalteten, nicht immer von den Produzenten und Schauspielern geteilt wurden.

Damals machten sich „fortschrittliche“ Menschen über die „Paranoia“ und den untergründigen „McCarthyismus“ der Fernsehserie lustig – während ihr Urheber, der wirre Linke Cohen, das ganze von vornherein ins Lächerliche ziehen wollte. Tatsächlich hat Cohen jedoch die Realität der kommunistischen Unterwanderung sehr genau beschrieben. Man sehe sich beispielsweise die Folge „Der Carterpilot“ an:

Die ganze Folge, imgrunde die ganze (in Amerika 43teilige, in Deutschland leider nur 20teilige) Reihe, illustriert die Ausführungen des KGB-Offiziers Yuri Bezmeno, die ich in älteren Blogs so häufig erwähnt habe.

Das ganze erinnert etwas an die hysterischen Stimmen, als das deutsche Volk in den 1980er Jahren begann, sich gegen die schleichende Überfremdung zu wehren, die aus ihm eine bloße „Be-Völkerung“ macht. Wie heute wieder wurde regierungsamtlich und in allen Medien die „Ausländerfeindlichkeit“ bekämpft – so daß wir heute vor dem Phänomen der Deutschenfeindlichkeit stehen und es kaum einen deutschen Schüler gibt, der nicht von Gasthartzvierlerkindern terrorisiert, teilweise sogar versklavt wird, während jede Gegenwehr ein Tabu ist: „Nazi!!“

Gegenwehr ist in der EUdSSR eine Straftat!

Und wer die Serie noch ernster nehmen will: in der Folge „Tödliche Kristalle“ wird gezeigt, wie die Außerirdischen die Atmosphäre dieses Planeten umwandeln, damit er der ihres Heimatplaneten entspricht. Sie können den Sauerstoff nicht ertragen – es sind DOR-Wesen. Die sauerstoffvernichtenden „Kristalle“, die sie dazu verwenden, erinnern an Reichs Entdeckung von Melanor.

Und: die gesamte Serie beschreibt ein Szenario, das sich heute praktisch eins zu eins in der Wirklichkeit abspielt. Man höre aich etwa diesen Vortrag an:

Hier David Jacobs über sein neustes Buch:

Wilhelm Reich und Jerome Eden haben uns gewarnt – mittlerweile ist die Inavasion der Außerirdischen soweit fortgeschritten, daß es wahrscheinlich keine Rettung mehr gibt. Interessanterweise geht Jacobs davon aus, daß sie im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts begann… Siehe dazu meinen Beitrag Der Tag, an dem die Erde stillstand.

Jacobs, Professor für neuere amerikanische Geschichte, hat sich seit Mitte der 1960er Jahre mit dem UFO-Phänomen auseinandergesetzt und war ein enger Freund des mittlerweile verstorbenen UFO-Forschers Bob Hopkins, dem Pionier der Erforschung des Phänomens der Entführungen durch UFOs. Jacobs geht davon aus, daß im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, spätestens in den 1890er Jahren, fremde insektenartige Wesen auf diesem Planeten in „UFOs“ landeten und Menschen entführten. (Damals gab es weltweit eine erste „UFO-Welle“ mit geheimnisvollen „Luftschiffen“.) Woher sie kommen und wie sie das ganze bewerkstelligt haben, sei zwar eine interessante Frage aber zunächst einmal vollkommen nebensächlich. Aus ihrer DNA (oder deren Äquivalent oder was auch immer – wieder eine nebensächliche Frage!) und der ihrer ersten Entführungsopfer formten sie eine Rasse von möglicherweise geklonten Arbeitssklaven, die bekannten „UFOnauten“, die wie menschliche Embryos aussehen und die gleichzeitig merkwürdig „insektenartig“ sind. Ihnen fiel die Aufgabe zu über die Generationen hinweg die Mitglieder von Familien zu entführen und mit deren Erbmaterial Hybride zu züchten, die immer mehr gewöhnlichen Menschen gleichen. Nach hundert Jahren wären sie nun soweit und diese Hybride unterschieden sich in nichts mehr von uns, mit einer alles entscheidenden Ausnahme: sie können uns telepathisch „scannen“ und telepathisch beeinflussen, was ein denkbar großes Machtgefälle konstituiert. Warum die Urgroßeltern, die Großeltern, die Eltern und Kinder von Familien jeweils hunderte Male im Jahr entführt wurden und werden und dieses Programm sich so ausweitet, daß irgendwann alle Menschen betroffen sein werden und was das nunmehr scheinbar abgeschlossene Zuchtprogramm soll, kann natürlich niemand mit Sicherheit beantworten, doch die Antwort sollte naheliegen: der Planet wird organisch und ohne jeden Verlust, den ein „Krieg der Welten“, so einseitig er sich auch gestalten würde, für den Angreifer bedeuten würde, in die Gesellschaft der insektenartigen Wesen integriert. Die Invasion von der Wega!

Der Rote Faden: Peter Mills

14. Juni 2013

Dem unbedarften europäischen Leser und selbst Amerikanern muß es, wenn sie Reichs Schicksal zwischen 1947 und 1957 verfolgen, so vorkommen, als sei Reich Opfer „amerikanischer Rechtskonservativer“ geworden und als sei entsprechend der Hauptvertreter der Anklage gegen Reich, Peter Mills, die Verkörperung des amerikanischen Spießers, der heimlich mit dem Ku Klux Klan sympathisiert, ein Antisemit und „Kommunistenfresser“ sei.

Nichts könnte ferner von der Wirklichkeit sein. Die FDA, die amerikanische Behörde für die Überwachung von Arzneimitteln, die Mills als US-Staatsanwalt faktisch vertrat, war ein durch und durch linkes Projekt. Sie stand für das, was „Sozialdemokratie“ in Amerika ausgemacht hätte. Es waren Leute wie der Harvard-Ökonom John Kenneth Galbraith, die derartige Agencies ins Leben riefen, welche langsam aber sicher aus dem Land der Freiheit einen Alptraum gemacht haben, – dem nicht zuletzt Reich zum Opfer gefallen ist. Galbraith war in den 1930er Jahren ein früher Anhänger des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes. Er beeinflußte sowohl den „New Deal“ von Franklin D. Roosevelt als auch die „Great Society“ von Lyndon B. Johnson.

Mills verstarb 2001 mit 90 Jahren. Daß er eine Verkörperung dieser linksliberalen bzw. „sozialdemokratischen“ Geisteshaltung war, zeigt der Gedenkartikel, der damals in der Bangor Daily News erschien:

(…) Am 26. August 1911 in Farmington als Sohn von Sumner P. und Flora A.P. Mills geboren, absolvierte er 1929 die High School in Farmington, 1930 die Hebron Academy und im Jahr 1934 das Colby College. Mills erlangte des weiteren einen Abschluß in Rechtswissenschaften an der Boston University im Jahr 1937. Seine Leidenschaft für Gerechtigkeit und den Staatsdienst waren herausragende Eigenschaften während seiner gesamten Karriere.

Mills wurde für fünf Legislaturperioden ins Parlament von Maine gewählt, darunter drei im Repräsentantenhaus (1938, 1940 und 1946), wo er Mehrheitsführer von 1947 bis 1948 war. 1966 und 1968 wurde er in den Senat des Bundeslandes gewählt. Mills diente auch mit einer Rekordzeit von 16 Jahren als US-Staatsanwalt für Maine währen der Eisenhower-Regierung von 1953 bis 1961 und später unter den Präsidenten Nixon und Ford von 1969 bis 1977.

Als 30jähriges Mitglied des Landesparlaments gab er 1941 nach dem Angriff auf Pearl Harbor seinen Sitz auf, um in den aktiven Dienst in die Marine zu gehen. Als Artillerieoffizier an Bord eines Geleitträgers erlebte sein Schiff den ersten Kamikaze-Angriff des Krieges und er war daran beteiligt die Schlacht im Golf von Leyte, die größte Seeschlacht der Weltgeschichte, zu gewinnen. Nach dem Krieg diente er in der Reserve, wurde Kommandant der Reserveeinheit in South Portland und nahm schließlich Abschied mit dem Rang eines Hauptmanns.

Der Höhepunkt seiner Karriere kam in den späten 1960er Jahren mit seinem Dienst im Senat von Maine und seiner späteren Rückkehr in die Stellung eines US-Staatsanwalts. In dieser Zeit erzielte er drei große Erfolge.

1969 unterstützte er ein Gesetz, das ethnische und rassische Diskriminierung durch Spirituosen- und Lebensmittel-Lizenznehmer in Maine untersagt, womit antisemitischen Praktiken in einem Wirtschaftsclub in Portland ein Ende gesetzte wurden und es führte zur Streichung von diskriminierenden rassistischen Klauseln aus der Charta eines nationalen Wohltätigkeitsvereins. „Ich will das auf meinem Grabstein, wegen der Empörung, die ich empfand und noch immer empfinde, wenn ich darüber nachdenke“, sagte er bei einem Interview von 1993 vehement.

Ebenfalls während Mills Zeit im Senat von Maine wurden unter seiner Führung Verbraucherschutzvorschriften für Darlehen verabschiedet. Diese neuen Gesetze begrenzten hohe Zinsraten, überteuerte Kredite („flipping“) und das unbegrenzte Erneuern von Darlehen und andere Mißbräuche im Bereich des Verbraucherkredits, die von kleinen Kreditinstituten, die damals in Maine ihre Geschäfte machten, begangen wurden. Innerhalb weniger Jahre waren diese Unternehmen aus Maine verschwunden und die Kreditvergabe wurde von verbraucherfreundlicheren Sparkassen und Banken übernommen.

Als US-Staatsanwalt brachte er 1970 eine Klage der Zentralregierung ein, die die Flößerei auf den großen Flüssen Maines beendete. Eine Errungenschaft, auf die Mills mit Stolz verwies.

Im späteren Leben machte es Mills Freude die Bibliothek der Universität von Maine in Farmington zu unterstützen, sowie das dortige Gesundheits- und Fitneß-Center und den Hippach-Sportplatz der Stadt. Aufgrund seiner Stiftungen sind alle Kinder und Erwachsenen im Bereich Farmington berechtigt, kostenlosen Schwimmunterricht für Anfänger zu erhalten.

Mills heiratete Katherine Coffin aus Ashland, Maine 1941. Die Ehe wurde im Jahr 1975 geschieden. Das Paar hatte fünf Kinder, die derzeit alle in Maine leben. (…)

Niemand kann an diesem Leben, so wie es hier nachgezeichnet wird, etwas aussetzen! Aber genau das ist es ja: daß viele „Reichianer“ in einer Art Comic-Universum leben, das wenig Berührungspunkte mit der Wirklichkeit hat, denn ihnen zufolge war Mills die Verkörperung des „McCarthyismus“; die Verkörperung all dessen, was Linksliberale an Amerika hassen, etwa den „grassierenden Rassismus“ und den „wild wuchernden Kapitalismus“. Filme wie Wer hat Angst vor Wilhelm Reich oder Der Fall Wilhelm Reich vermitteln das. Mills war als Republikaner nun wahrhaftig alles andere als ein Kommunist, aber er war vom gleichen Geist des „Konsumentenschutzes“ beseelt wie Mildred Brady. Hier sein Sohn:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=WZ5CAEr8xGo%5D

Orgonkitsch

11. Februar 2013

Wenn ich so zurückblicke (und es überhaupt noch selbst überblicken kann!), stehe ich weitgehend zu allem, was ich hier und auf www.orgonomie.net verzapft habe. Es gibt nur zwei Bereiche, die wirklich eine Revision benötigten: der quasi „feministische“ Blick auf die menschliche Frühgeschichte frei nach Bachofen und die Reduzierung der Natur auf den „Äther“ und dessen Bewegung ebenfalls frei nach dem 19. Jahrhundert.

Man kann beide „Weltanschauungen“ mit jeder Menge an „Reich-Zitaten“ „untermauern“, aber wie ich jeweils anderswo (hier und hier) ausgeführt habe, entsprechen sie nicht dem Geist des Reichschen Oeuvres. Reich war weder ein „besserer Erich Fromm“, noch wollte er die Physik rehabilitieren, so wie sie vor Planck, Einstein und Heisenberg war. Reich war in erster Linie ein Naturforscher, der natürlich von den „weltanschaulichen Kämpfen“ seiner Zeit und durch den überkommenen Zeitgeist geprägt wurde, dessen eigentlicher Beitrag aber außerhalb dieses Rahmens zu verorten ist.

Reich hat den Panzer entdeckt. Was das wirklich ist, kann man nur erfahren, wenn in der Orgontherapie Kontakt mit dem Panzer hergestellt wird. Schließlich kann man die fremd gewordene Panzerung ablegen, wie man etwa stark behindernde Kleidung ablegt, um sich besser bewegen zu können. Diese Behinderung ist nicht angeboren, sondern geht auf unsere Erziehung zurück. Der Rest ist Spekulation. Es ist nur folgerichtig, daß die Menschheit in ihren Anfängen genauso ungepanzert war, wie der Mensch ungepanzert ist, wenn er zur Welt kommt. Es müßte aber im einzelnen erforscht werden, wie sich das abgespielt hat. Reich hat das am Beispiel der Trobriander, einer der dank Malinowski ethnologisch am besten erforschten Ethnien überhaupt (und das gilt bis heute!), versucht durchzuexerzieren. Daraus aber ein umspannendes System machen zu wollen („Engels, Morgan, Bachofen“, „Matriarchat → Patriarchat“) ist Weltanschauung, keine Wissenschaft.

Ähnlicher „Orgon-Kitsch“ ist die Sache mit der „Äther-Energie“, die fließt, gestaut werden kann, wabert und wabbelt und so alle physikalischen, ja überhaupt alle Phänomene erklären soll. Es ist nur allzu verständlich, daß jene, die diesem „orgonomischen“ Weltbild verfallen sind, schließlich wieder ausbrechen hin zum „Tao der Physik“ und anderem mystischen Quatsch. Denn das, was gerne als „Orgonomie“ verkauft wird, ist nichts anderes als eine Art dröger „Hydromechanik“, mit deren Hilfe man vieles vielleicht am bequemsten beschreiben kann, die aber die orgonotischen Funktionen in ihrer Gesamtheit nicht annähernd adäquat widergibt.

Es ist letztendlich eine Frage des Kontakts. Für den gepanzerten Menschen gibt es „Kontakt“ nur im Sinne eines mechanischen Kontakts, etwa wenn eine Billardkugel gegen die andere prallt und so einen Impuls überträgt. Im Sinne dieser „Nahwirkungstheorie“ stellt man sich dann auch das Funktionieren des Orgons vor. Tatsächlich bedeutet orgonotischer Kontakt jedoch primär, daß etwas als Ganzheit funktioniert. Nur so ist etwa das Phänomen „Bewußtsein“ überhaupt begreiflich.

Ein weiterer Bereich des Orgon-Kitsches, dem ich mich aber kaum schuldig gemacht habe, ist die Biographie Reichs. Insbesondere geht es um Reich als „Antifaschisten“. Freud hätte sich von Reich getrennt, da dieser sich im Kampf gegen das aufkommende nationalsozialistische Regime zu sehr exponiert habe. Bernd Laska hat ausgeführt, daß Reichs politisches Engagement nur ein willkommener Anlaß für Freud war, Reich loszuwerden, ohne sich in eine inhaltliche Diskussion verwickeln lassen zu müssen. In Amerika sei der „Antifaschist“ Reich dann dem „McCarthy-Regime“ zum Opfer gefallen. Eine Räuberpistole, die jetzt beispielsweise in dem filmischen Machwerk Der Fall Wilhelm Reich fröhliche Urstände feiert. Reich wird auf diese Weise zu einem Herold der „liberalen Kultur“ gemacht. Erneut ein „besserer Erich Fromm“. Es ist ein elender Kitsch, der Reichs gesamtes Anliegen negiert.

Das irregeleitete Publikum wird erstaunt sein, daß, wenn es die Originalliteratur liest, Reich den Nationalsozialismus als Fortschritt betrachtet hat (das berühmte „Blutwallen), der jedoch im Rassenmystizismus versumpfte. Ähnlich war er, mal abgesehen von den Methoden, für den „McCarthyismus“, da er den „Progressismus“ der damaligen Zeit als Maske und Instrument des roten Faschismus einschätzte.

dreifünfkitsch