Posts Tagged ‘McCarthy’

nachrichtenbrief56

9. August 2017

Svoboda et al.: Wer hat Angst vor Wilhelm Reich? (2009) & Der Fall Wilhelm Reich (2012) (Filme)

24. Januar 2017

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Svoboda et al.: Wer hat Angst vor Wilhelm Reich? (2009) & Der Fall Wilhelm Reich (2012) (Filme)

Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

8. Oktober 2016

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Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht

 

 

Robert sagte 2010: Der Publizist William S. Schlamm,… rechtskonservativer Reich-Hasser
Es ist typisch für die vielen Konservativen, dass sie perverse Sexualität nicht von natürlicher Sexualität unterscheiden können und deswegen Reich missverstehen. Schlamm ist da beileibe nicht der Einzige. Der übelste Vorwurf ist, Reich hätte den sexuellen Kindesmissbrauch unterstützt.
Während die Konservativen Reich unterstellen, er fördere Perversionen, unterstellen ihm die Liberalen, er wolle eine genitale Diktatur errichten (und die Prä-Genitalität unterdrücken).

Klaus: Immer wenn ich anfing, was von Bloch zu lesen, war ich sehr gelangweilt, weil ich mich fragte, was er außer historischen Thesen zu bieten hat an allgemeinen Erkenntnissen. Und wenn da auch allgemeinere Erkenntnisse sind, kann man die kürzer und klarer zum Ausdruck bringen. Diese Standardautoren der Linken machten sich eben vierzig Jahre gut in Regalen – Suhrkamp hat ja gleich fürs Design gesorgt. Nun hatten die linken Studenten immerhin wenigstens Helden fürs Bücherregal – die gegenwärtigen haben u. a. wegen der standardisierten Veranstaltungen und Prüfungen meistens erheblich weniger Lektüreerfahrungen aus eigener Initiative. Nicht einmal mehr zum Protzen ist etwas im Regal aneinandergereiht.
Wie sehr z. B. Adorno bloß Kultstatus hatte (und z. T. noch hat) (wie mir scheint: ohne inhaltlich Umwerfendes mitzuteilen), merkte ich z. B. daran, dass in einem meiner spannendsten Seminare – über kleine Schriften Gottlob Freges – mein Nachbar einerseits heimlich, andererseits demonstrativ (Buch unterm Tisch, aber vor Seminarbeginn sichtbar) Adorno las.

Robert: Adorno hat allerdings mit die „Studien zum autoritären Charakter“ geliefert, womit er die Psychostruktur des faschistischen Charakters liefern wollte. Es hat allerdings mehr mit Sozialpsychologie statt Tiefenpsychologie zu tun. Ich bezweifele, ob er Reichs „Massenpsychologie“ gelesen hat – jedenfalls merkt man darin wenig (in der Suhrkamper Taschenbuchausgabe). Das Buch erschien 1950 als Sammelwerk in den USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

Jonas Says:
@Robert:
Habe leider die Quelle nicht parat, erinnere mich aber gelesen zu haben, dass sich Adorno im „autoritären Charakter“ stark an Reich orientierte – auch wenn er seinen Namen nicht erwähnt. In privaten Briefen diskutiert er dies aber. Er gibt Reich den Vorzug gegenüber Erich Fromm, da letzterer den Fehler beginge, die psychoanalytische Methode direkt auf die Gesellschaft anzuwenden, während Reich psychoanalytische und soziologische Methodik nach ihren Zuständigkeitsbereichen getrennt halten will.
Das man davon zugegebenermaßen wenig merkt, ist natürlich eine andere Geschichte. Zum Verhältnis Adorno-Reich sind sicherlich Laskas Arbeiten im LSR-Projekt lesenswert (Stichwort Re-pulsions- und De-zeptionsgeschichte).

Klaus: Wie trivial es ist, was er zum irrationalen Kampf gegen jegliche Autorität zu sagen hat – eben so trivial, wie das, wogegen er argumentiert, lächerlich ist. Daher wundern mich immer die vielen Worte, die dafür gebraucht wurden.

David 2015: Der libertinistische Gegenpart zum asketisch verträumten Bloch spielte Herbert Marcuse, der Prophet des Anspruchsdenkens, der Leistungsverweigerung und der anti-genitalen polymorph-perversen Erotisierung der Gesellschaft. Alles was die Spießer von je her den fortschrittlichen Menschen fälschlich andichteten, propagierte dieses Schwein.
Und Habermas?
Der wird doch auch immer wieder erwähnt – im Zusammenhang mit der Kritischen Theorie:
Zitat Wikipedia:
Wegen der Vielfalt seiner philosophischen und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten gilt Habermas als ein produktiver und engagierter öffentlicher Intellektueller.[2] Vom hegelianisch-marxistischen Ursprung der Frankfurter Schule hat er sich durch die Rezeption und Integration eines breiten Spektrums neuerer Theorien gelöst. Er verband den historischen Materialismus von Marx mit dem amerikanischen Pragmatismus, der Entwicklungstheorie von Piaget und Kohlberg
(ähnlich auch Loevinger – das sind doch die Stadien der moralisch-psychologischen Entwicklung des Kindes wenn ich mich nicht irre; Anmerkung von mir)
und der Psychoanalyse von Freud. Zudem beeinflusste er maßgeblich die deutschen Sozialwissenschaften, die Moral- und Sozialphilosophie. Meilensteine waren vor allem seine Theorie des kommunikativen Handelns
(kommunikatives Handeln klingt ziemlich modern, irgendwie facebook-like; nach Arbeitsdemokratie hört das sich aber gar nicht an, finde ich; Anmerkung von mir)
und, wiederholt inspiriert durch die diskurstheoretische Auseinandersetzung mit Karl-Otto Apel, seine Diskurstheorie der Moral und des Rechts.
Zitat Ende.
Irgendwie kommt mir das alles ziemlich „rechts“ vor und anfangen konnte ich mit Habermas noch nie was. Vielleicht konnte ich ihn noch nicht einmal verstehen.

Robert 2011: Zu Daniel Cohn-Bendit ein informativer Artikel von Bettina Röhl:
Vom Wutbürger zum Machtbürger
Daniel Cohn-Bendit ist eine Art Überpräsident der 68er Bewegung. Seine pädophilen Entgleisungen schaden ihm nicht. Jetzt schwingt er sich zum Oberrichter über Demokratie, Verfassung und die Schweiz auf. Von Bettina Röhl
http://fact-fiction.net/?p=5646#more-5646

Dazu Peter: Bei den lesenswerten Leserbriefen habe ich folgenden interessanten Link gefunden:
http://wireltern.eu/news/die-paedophilenpartei.html
Ich werde niemals soviel fressen können, wie ich kotzen möchte.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist Forderungen aus der CSU nach höheren Mindeststrafen für sexuellen Kindesmissbrauch ab.
Im „Hamburger Abendblatt“ nannte die FDP-Politikerin die geforderte Strafverschärfung für jede Form von sexuellem Missbrauch „reine Symbolpolitik“.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Justizministerin-gegen-schaerfere-Strafen_aid_949153.html
Ja, es ist symbolisch, daß in diesem Land Diebstahl härter bestraft wird als die Zerstörung einer Kinderseele.

O.: So wie Dieter E. Zimmer im Zeit-Artikel WR interpretiert und dieses Verständnis als das der 68-er hinstellt, wird den Studenten unterstellt sie wollten oder konnte WR nicht verstehen. Aber auch in den 90-ern wurde Reich in Belzig und Berlin in Reich-nahen Kreisen noch als Freifahrtschein zum Ficken missverstanden. Die meisten Reich-Schüler waren aber noch zu verklemmt, um überhaupt mal Sex zu haben, so musste sie dann bei den etwas lockeren sozialisierten Ex-DDR-lern/-innen sich abschauen, wie man einfach mal sich mit jemandem zum Sex verabreden kann.
Also auch in Berlin wurde noch geglaubt, bei „Reich-Lese-Unkundigen“, die aber durch Vorträge glaubten etwas vom genitalen Charakter verstanden zu haben, man müsse nur ficken und frei fließen. Die Eingeweihten wussten natürlich, dass das nichts bringen würde und das man ohne Therapie ohnehin nicht vorankäme.
Das Problem war aber vielmehr eine taugliche Therapie zu finden, wo doch niemand weit und breit eine Ahnung davon hatte … und so beißt sich die „sexuelle Revolution“ noch in ihren eigenen „Schwanz“ – wenn sie einen hat.

Peter 2015: Erneute Hetze von Rechts gegen Reich – angestachelt durch das linke Gesindel…
https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/02/linksanarchistische-kinderladen-der-68er-revolutionare-befreiung-durch-kindersex/

Der Rote Faden: Arthur Garfield Hays

3. Juni 2016

1945 wählte Reich den langjährigen Staranwalt der ACLU, d.h. der links-liberalen Bürgerrechtsbewegung, Arthur Garfield Hays (1881-1954) zu seinem Anwalt. Hays war durch den berühmten „Affen-Prozeß“ in Tennessee 1925 und durch die Verteidigung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti berühmt geworden. Gleichzeitig zählte er zu den führenden Anwälten, die für Wall Street tätig waren. Während des Ersten Weltkrieges hatte er die Interessen des Deutschen Reiches in den USA vertreten. Auch zählte er zu den ausländischen Beobachtern während des Reichstagsbrand-Prozesses in Leipzig 1933.

Leo (oder Leon) Roth („Viktor“) (1911-1937) war einer der wichtigsten Funktionäre des Nachrichtendienstes der KPD. Er kam zum Nachrichtendienst durch den Kommunistischen Jugendverband in Berlin. Gegen 1930 wurde er, wie beispielsweise auch Erich Mielke (der spätere Chef der Stasi) in einer Spezialschule mit angeschlossenem militärischen Training in Rußland ausgebildet. Seit 1931 (oder 32) war er Leiter der Abteilung für „spezielle Verbindungen“ im militärpolitischen Apparat des Zentralkomitees der KPD. Nach 1933 lebte er als Illegaler in Deutschland. 1934 und 35 im noch unabhängigen Saarland. 1935 wurde er in die Auslandsabteilung West der KPD versetzt. Wie andere Mitglieder des militärpolitischen Apparats wurde er 1936 nach Moskau beordert, wo er als britischer und französischer Spion hingerichtet wurde.

Roths Abteilung für „spezielle Verbindungen“ gelangte 1933 an Photokopien der strenggeheimen Anklageschrift gegen die Angeklagten im Reichstagsbrand-Prozeß: Georgi Dimitroff, Blagoj Popov, Vasil Tanev, Ernst Torgler und Marinus van der Lubbe. Roth brachte die Kopien nach Paris, wo sie dem „Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes“, der von Willi Münzenbergs „Weltkomitee für die Opfer des Hitler-Faschismus“ gegründet worden war, übergeben wurde. Münzenberg war der Propagandachef, sozusagen der „Goebbels“, der KPD. Roths militärpolitischer Apparat hatte der KP-Führung über den Prozeß Bericht zu erstatten und die Strafverteidiger zu unterstützen. Roth gelang es Norman Ebbutt, Korrespondent der Times und Sprecher der ausländischen Presse in Deutschland, als geheimen Berichterstatter für die KPD zu gewinnen. Das Material, das Roth sammelte, wurde im US-Konsulat in Leipzig hinterlegt, wo Roth auch illegale Pressekonferenzen organisieren konnte. Roth nahm Kontakt mit Hays auf, der als Mitglied des „Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes“ zusammen mit seinem Sekretär H. Lehnauer am Reichsgericht in Leipzig im September 1933 als einer der Beobachter des Prozesses fungierte. Über Hays war Roth in der Lage Material an die deutschen Verteidiger weiterzuleiten (Bernd Kaufmann et al.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919-1937, Berlin 1993).

Ich beschäftige mich hier mit Roth so ausführlich, weil er auch eine indirekte Rolle in der Einstein-Affäre spielte: Einsteins Sekretärin Helene Dukas hatte mit ihren beiden Schwestern in Berlin eine größere Wohnung angemietet und prompt ein Zimmer an Luise Kraushaar untervermietet. Kraushaar war eine KPD-Sekretärin für besondere Aufgaben. In dem konspirativen Büro, das in der Dukas-Wohnung lag, dechiffrierte sie beispielsweise Spionagebotschaften. Auch Leo Roth hatte einen Schlüssel zu der Wohnung. Alles deutet darauf hin, daß Helene Dukas genau wußte, was gespielt wurde – und willig mitspielte (Siegfried Grundmann: Einsteins Akte – Wissenschaft und Politik, Berlin 2004, S. 613). Wer mit Einstein sprach, sprach mit Moskau, zumal Einstein selbst die Einstellung seiner Sekretärin zu teilen schien.

1931/32 lehrten neben Reich eine ganze Reihe berühmter Leute an der MASCH in Berlin: Albert Einstein, John Heartfield, Egon Erwin Kisch, Jürgen Kuczynski, Willi Münzenberg, Erwin Piscator, Annie Reich und Karl August Wittfogel (Gabriele Gerhard-Sonnenberg: Marxistische Arbeiterbildung in der Weimarer Zeit (MASCH), Köln 1976).

Die MASCH (Marxistische Abendschule, vgl. Menschen im Staat, S. 153) wurde von László Radványi geleitet (unter dem Pseudonym Dr. Johann Lorenz Schmidt), dem Ehemann der kommunistischen Autorin Anna Seghers. Die Nachfrage nach den Kursen war so groß, daß noch 1932 die Örtlichkeiten erweitert werden mußten.

Der berühmte Wirtschaftshistoriker Jürgen Kuczynski, Jahrgang 1904, trat der KPD 1930 bei, 1931 wurde er halbtags Mitglied der Redaktion des Parteiorgans Die Rote Fahne, den Rest des Tages arbeitete er für die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) und in der kommunistischen „Liga für Menschenrechte“. Januar 1933 war er Vollzeit für die Informationsabteilung (den Nachrichtendienst) der KPD tätig und mußte sehr bald illegal im Untergrund arbeiten. Ab März 1936 Exil in England, nach dem Krieg in der „DDR“, verstarb 1997.

Kuczynskis Erinnerungen zufolge hatte László Radványi (Schmidt) die Idee Einstein für die MASCH zu gewinnen und Anna Seghers konnte Einstein tatsächlich überreden. Die MASCH lag jedoch im Zentrum des Rotlichtdistrikts Berlins und Radványi bat Kuczynski Einstein persönlich zur MASCH zu begleiten. Das war 1932. Im Mai 1938 beauftragte ihn die KP Einstein in Princeton zu besuchen und diesen zu fragen, ob er Finanzquellen für den kommunistischen Geheimsender „29,8“ auftun könne. Kuczinski erinnert sich schöner Stunden mit Einstein sechs Jahre nach ihrem letzten Zusammentreffen. Einstein habe im Gespräch großes Interesse für den Radiosender „und allgemein für unsere Arbeit“ gezeigt. Tags darauf habe Einstein ihm durch dessen Sekretärin eine weitere Adresse eines gemeinsamen Freundes zukommen lassen, um noch mehr Geld aufzutreiben (Jürgen Kuczynski: Freunde und gute Bekannte. Gespräche mit Thomas Grimm, Berlin 1997).

1939 hörte Kuczynski das letzte Mal von Einstein, als er ihm eines seiner Bücher zusandte und Einstein am 4. Mai 1939 begeistert antwortete und sich erkundigte, was er für ihn tun könne. Einstein stimmte vollständig mit Kuczynskis Analyse der merkwürdigen Haltung Englands und Frankreichs überein. Diese Haltung sei, so Einstein, darauf zurückzuführen, daß bourgeoise Klasseninteressen Vorrang vor den Interessen des Staates hätten (ebd.). Ich halte es nicht für übertrieben Einstein als Marxisten zu bezeichnen, dessen entsprechende Sympathien eindeutig bei der Sowjetunion lagen! Siehe dazu Der Rote Faden: Der Hintergrund der „Einstein-Affäre“.

Kuczynski war 1926 bis 1929 in den USA gewesen. Zunächst um an der Brookings School zu lernen und dann für die American Federation of Labor zu arbeiten. Damals war er sehr am Fall von Sacco und Vanzetti interessiert. Beispielsweise schrieb er am 8. August 1927 an seine Frau Marguerite, daß er am Abend einem Vortrag des „progressive Rechtsanwalts” A. Garfield Hays beigewohnt habe (ebd.) Für Kommunisten wie Kuczynski war Hays ein Progressiver.

Hays war ein Anwalt, der nicht nur eng mit der „progressiven Sache“ verbunden war, sondern auch in Kontakt mit Kommunisten stand. Zeitweise war er geradezu deren Aushängeschild. Jim Martin hat die Entdeckung gemacht, daß Hays in den 1930er Jahren mit der linken „Verbraucherschützerin“ Mildred Brady im Sinne der „progressiven Sache“ zusammengearbeitet hatte (Wilhelm Reich and the Cold War, Fort Bragg, Ca, 2000).

Liest man die entsprechenden Stellen in Jerome Greenfields Buch USA gegen Wilhelm Reich (Frankfurt 1995) drängt sich einem der Eindruck auf, daß kaum jemand mehr Schuld an der ausweglosen Situation, in der sich Reich am Ende befand, trägt als Hays. Am 10. Oktober 1947 bat Reich ihn, der von der Stalinistin Brady initiierten Verleumdungskampagne Einhalt zu gebieten, was zu dieser Zeit noch möglich war, aber Hays weigerte sich mit fadenscheinigen rechtlichen Begründungen. Wahrscheinlich aus Rücksicht gegenüber Brady. Hays war ein Liberaler, ein Linker, vielleicht sogar ein Fellow Traveller.

Reich hatte Hays insbesondere wegen dessen Buch über den Scottsboro-Fall, in dem in Alabama neun Schwarze der Vergewaltigung zweier weißer Mädchen angeklagt worden waren, gewählt, Arthur Garfield Hays: Trial By Prejudice, 1933 (American Odyssey, S. 438). Diesen Fall, der in der Tat ein rassistischer Alptraum war, hatte die KP der USA zu einer umfassenden Kampagne genutzt, in der Hays natürlicherweise einen zentralen Part spielte.

In einem Brief schrieb Reich an Hays, ausgerechnet an Hays, daß „die lawinenartig anschwellende Verleumdung (…), wie wir nun mit Bestimmtheit wissen, von kommunistischen Kreisen an der Westküste in Gang gesetzt wurde“ (ebd., S. 431). Man kann sich lebhaft ausmalen, wie Hays auf solche Aussagen reagiert hat!

Hier Hays 1951 im amerikanischen Fernsehen, wo er sich vehement dagegen verwahrt, daß es innerhalb von Amerika so etwas wie eine kommunistische Bedrohung gäbe. Zu diesem Zeitpunkt vertraten er und Reich in dieser Hinsicht diametral entgegengesetzte Positionen.

Der Rote Faden: Atome für den Frieden

7. Mai 2016

Im Anschluß an das ORANUR-Experiment glaubte Wilhelm Reich einen Zugang zur friedlichen Nutzung der Atomenergie und der Einschränkung ihrer schädlichen Nebenwirkungen eröffnet zu haben. Diesen Plan schickte er an Präsident Eisenhower, wobei er die Phrase „Atoms for Peace“ benutzte. Bald darauf sprach Eisenhower in seiner berühmten Rede vor der UN-Vollversammlung am 8. Dezember 1953 tatsächlich von „Atoms for Peace“.

Am 21. September 1954 entdeckte Reich, daß das Radium, das im ORANUR-Experiment stark konzentrierter Orgonenergie ausgesetzt worden war, sich in ein lebenspositives Agens umgewandelt hatte. So war das eigentliche Ziel des Experiments doch erreicht und das Atom wirklich friedlichen Zwecken zugänglich gemacht worden. In der darauffolgenden Expedition in die Wüste von Arizona hat Reich dann dieses Material, das er „ORUR“ nannte, praktisch am Cloudbuster zur Wüstenbekämpfung und gegen Ea („UFOs“) eingesetzt.

Wenn Reich im Anschluß immer wieder diesen Begriff benutzte, hat er, wie im ursprünglichen ORANUR-Versuch, wo er in der Korea-Krise die amerikanischen Kriegsanstrengungen unterstützen wollte, versucht, aus seiner Isolation hervorzubrechen und der Entdeckung des Orgons jenen selbstverständlichen Platz zu verschaffen, der ihr zusteht. Er hatte sogar die wechselnden Schichten aus metallischem und nicht-metallischem Material in den Wänden des Orgonenergie-Akkumulators mit den Uran-Graphit-Lagen im Atommeiler verglichen! Reich hat also versucht eine Sprache zu sprechen, die damals allgemein verständlich war. Er mußte dies tun, da er außerhalb dieser „Zivilisation“ stand und mit dem Problem der Übersetzung konfrontiert war.

Wie die Lage damals war, kann folgendes Beispiel beleuchten: Am 27. Januar 1954 stellte der Präsident der Radio Corporation of America (RCA) David Sarnoff eine „Atombatterie“ der Presse vor:

Seit über vierzig Jahren sucht die Wissenschaft nach einem praktischen Weg, die Strahlung der Atome [direkt] in Elektrizität zu verwandeln. Obgleich unsere Forschung noch weit von ihrem Ziel entfernt ist, bedeutet die erfolgreiche Arbeit an der RCA-Atombatterie in unseren Laboratorien einen wichtigen Durchbruch zu diesem Ziel.

Auf der Pressekonferenz morste der ehemalige Funker als Demonstration des Atomstroms nicht nur: „Atome für den Frieden“, sondern auch: „Der Mensch ist noch das größte Rätsel und das größte Problem auf dieser Erde“ (Spiegel, 17. Feb. 1954).

Hier floß ganz im Sinne Reichs eine (vermeintlich) revolutionäre Entdeckung (aufgrund eines „simplen Einfalls“, der aber so weitreichend sei, so Sarnoff, wie die Entdeckung Faradays) mit einer Äußerung zusammen, die genauso Hoffnung auf eine lebenspositive Entwicklung machte, wie der Begriff „Atome für den Frieden“ selbst. Es sei auch an Walter Hoppes Hinweis erinnert, daß „gewisse Bemerkungen Eisenhowers wie ‚weapon of the truth‘ (Waffe der Wahrheit) für Eisenhowers Kenntnis Reichscher Veröffentlichungen sprachen“ (Wilhelm Reich, München 1984).

In Bezug auf Reichs positiver Einstellung zu Eisenhower sind hier einige Bemerkungen am Platze, zumal linke Autoren Reichs Haltung immer als den Höhepunkt der Verirrung darstellen. Sie ziehen scheinbar Präsidenten wie Roosevelt vor (der Deutschland und Europa den Kommunisten ausgeliefert hat), ganz zu schweigen von Kennedy (der für Vietnam) oder Carter (der für Afghanistan, Iran und letztendlich auch den Irak die Verantwortung trägt). Das ist der liberale Charakter: an seinen Händen klebt das Blut der halben Welt (ich denke nur an die grandiose Entkolonialisierung!), aber er fühlt sich als „guter Mensch“, der voll Verachtung auf einen Eisenhower oder Reagan hinabschaut.

Nach dem Autor Lorenz Stucki galt General Eisenhower als mittelmäßiger Feldherr, aber auch als „eine ausgleichend versöhnende, weiche, liebeswürdige Persönlichkeit“. Was wohl zusammengehört.

Er nannte seine Memoiren über den Invasionskrieg Kreuzzug in Europa, und in der Vorstellung vom Kreuzzug gegen den Antichristen Hitler lag (…) für diesen General, der später als ausgesprochener „Friedensverkörperer“ zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde, (…) die moralische Rechtfertigung des Kriegführens.

Als Präsident erschien er

dem Volk als ein „Apostel des Friedens“ und ein gütiger „Vater der Nation“. (…) Diese Wahl nahm McCarthy einigen Wind aus den Segeln, und (…) der fanatische Senator [geriet] bald auch in Gegensatz zu Präsident Eisenhower.

Was McCarthy viel seiner Popularität entzogen habe. „Bald war der Bann des Inquisitionssenators gebrochen.“

Eisenhower war ein „eher konservativ-defensiv eingestellter Präsident“, „ein zu höchster Prominenz aufgestiegener, schlichter integerer ‚kleiner Mann’“, der „unter der gewaltigen Last seiner Verantwortung litt“ (So entstand die Gegenwart, Zürich 1971).

Am Ende seiner Regierungsperiode warnte Eisenhower vor dem militärisch-industrielen Komplex, in dem sich militärische und industrielle Interessen verständigen, ohne daß der gewöhnliche Bürger etwas davon bemerkt. Was wohl Ausdruck eines tiefen Gefühls der Ohnmacht gegenüber dem Apparat war, gegen die „Hig“, die Hoodlums in Government (Gangster in der Regierung), wie Reich sie nannte.

Einer von ihnen, Lewis Strauss, war der wesentliche Architekt der Atoms for Peace-Rede. Er war der Vorsitzende der AEC, also jener (Atom-) Behörde deren Vertreter Dr. Charles L. Dunham sich bei der FDA (die Behörde, die Reich gerichtlich verfolgen ließ) für die Mitteilung bedankte, daß Reich endlich zur Strecke gebracht worden war, denn, so Dunham, „Sie wissen ja nur zu gut, was für ein Dorn im Auge er für viele von uns gewesen ist“ (Jerome Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich, Frankfurt 1995).

Worum es hier bei den Hig geht, wird besonders bei folgender Aussage eines Regierungsvertreters im Prozeß gegen Reich deutlich:

Sie sprechen von präatomarer Energie! Was soll das sein? Darüber sind wir doch längst hinaus – wir haben die Atomenergie, und jetzt sind wir auf dem Weg zur H-Energie (der H-Bombe)!

Man muß sich vergegenwärtigen, daß hier zwei unterschiedliche Welten aufeinander gestoßen waren: die Welt der Todesenergie („Atom“) dort und die der Lebensenergie („Orgon“) hier; und daß diese Leute wirklich alles zur Propagierung des Atomzeitalters herangezogen haben. Selbst jene lächerliche Atombatterie. Man glaubte, „daß in einigen Jahren jeder sein eigenes Elektrizitätswerk in Form einer Strontiumbatterie im Haus haben wird“. Der Beta- d.h. Elektronenstrahler Strontium 90 sollte als winzige Batterie für wenig Dollar genügen, „um zwanzig Jahre lang Strom für Radioapparat, Bügeleisen und Eisschrank zu haben“!

Wie müssen die Hig da erst auf Reichs vielversprechende Mitteilungen zum ORANUR-Experiment reagiert haben!

Doch dann haben sie Reich sehr schnell wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Genauso wie sich in den 30er Jahren die Kommunisten sehr schnell gegen Reich gewandt hatten. Man denke auch an die Einstein-Affäre. Und auch bei der waren (neben der Atom- und Pharmaindustrie) die Kommunisten (als Agenten einer fremden Macht) am Werk.

Invasion von der Wega

14. Oktober 2015

Nach Sean Connery und der Schrecken der Medusa ein zweiter Blick auf das linke Hollywood:

Wenn Die Invasion der Körperfresser vielleicht der beste Film war, der je gedreht wurde, ist Die Invasion von der Wega vielleicht eine der besten Fernsehserien. Die Handlung läßt sich mit einem Satz zusammenfassen: Ein Mann gegen die Emotionelle Pest.

In dem oben verlinkten Wikipedia-Beitrag heißt es:

Der Umstand, daß die Außerirdischen als Menschen auftreten und somit überall und plötzlich in Erscheinung treten können, erzeugt eine unheimliche Bedrohung, die von überall her zu kommen scheint und damit eine dramaturgische Spannung, die selten nachher in einem solchen Serienprojekt wieder erreicht wurde. Die Serie greift damit deutlich Motive der sogenannten „Invasionsfilme“ aus den 1950er-Jahren auf (etwa The Invasion of the Body Snatchers – deutscher Titel Die Dämonischen von Don Siegel), die auf die Angst vor dem sich angeblich einschleichenden Kommunismus in den USA anspielten.

Tatsächlich wollte der Autor der Serie, Larry Cohen, eine Art Satire über den grassierenden Antikommunismus kreieren. Dazu schreibt die amerikanische Wikipedia:

Für viele Zuschauer schien es oft so, als spiegele das Thema der Paranoia, das The Invaders durchzieht, die Ängste vor einer kommunistischen Unterwanderung zur Zeit des Kalten Krieges wider. Ängste, die aus der ein Jahrzehnt zurückliegenden McCarthy-Ära nachklangen. Der Schöpfer der Serie, Larry Cohen, hat bestätigt, daß dies Absicht war, zusammen mit dem politischen Thema der Serie insgesamt. Im Audiokommentar für die Episode „The Innocent” (…), sagte Cohen, seine Erfahrung mit der Schwarzen Liste für Drehbuchautoren in Hollywood wegen angeblicher kommunistischer Verbindungen habe ihn dazu inspiriert, die Angst vor einer hinterhältigen Unterwanderung der Gesellschaft „dem Gespött auszusetzen“, indem er Kommunisten durch Außerirdische ersetzte.

Cohen hat auch zugestanden, daß er nicht der erste war, der die Ängste des Kalten Krieges in ein Science-Fiction-Drama umgesetzt hat. Wie oben angedeutet, hatten solche Ängste Filme wie The Invasion of the Body Snatchers beeinflußt. Cohen gibt in seinem Kommentar an, daß die politische Intention, die einige seiner Kreationen, einschließlich The Invaders beinhalteten, nicht immer von den Produzenten und Schauspielern geteilt wurden.

Damals machten sich „fortschrittliche“ Menschen über die „Paranoia“ und den untergründigen „McCarthyismus“ der Fernsehserie lustig – während ihr Urheber, der wirre Linke Cohen, das ganze von vornherein ins Lächerliche ziehen wollte. Tatsächlich hat Cohen jedoch die Realität der kommunistischen Unterwanderung sehr genau beschrieben. Man sehe sich beispielsweise die Folge „Der Carterpilot“ an:

Die ganze Folge, imgrunde die ganze (in Amerika 43teilige, in Deutschland leider nur 20teilige) Reihe, illustriert die Ausführungen des KGB-Offiziers Yuri Bezmeno, die ich in älteren Blogs so häufig erwähnt habe.

Das ganze erinnert etwas an die hysterischen Stimmen, als das deutsche Volk in den 1980er Jahren begann, sich gegen die schleichende Überfremdung zu wehren, die aus ihm eine bloße „Be-Völkerung“ macht. Wie heute wieder wurde regierungsamtlich und in allen Medien die „Ausländerfeindlichkeit“ bekämpft – so daß wir heute vor dem Phänomen der Deutschenfeindlichkeit stehen und es kaum einen deutschen Schüler gibt, der nicht von Gasthartzvierlerkindern terrorisiert, teilweise sogar versklavt wird, während jede Gegenwehr ein Tabu ist: „Nazi!!“

Gegenwehr ist in der EUdSSR eine Straftat!

Und wer die Serie noch ernster nehmen will: in der Folge „Tödliche Kristalle“ wird gezeigt, wie die Außerirdischen die Atmosphäre dieses Planeten umwandeln, damit er der ihres Heimatplaneten entspricht. Sie können den Sauerstoff nicht ertragen – es sind DOR-Wesen. Die sauerstoffvernichtenden „Kristalle“, die sie dazu verwenden, erinnern an Reichs Entdeckung von Melanor.

Und: die gesamte Serie beschreibt ein Szenario, das sich heute praktisch eins zu eins in der Wirklichkeit abspielt. Man höre aich etwa diesen Vortrag an:

Hier David Jacobs über sein neustes Buch:

Wilhelm Reich und Jerome Eden haben uns gewarnt – mittlerweile ist die Inavasion der Außerirdischen soweit fortgeschritten, daß es wahrscheinlich keine Rettung mehr gibt. Interessanterweise geht Jacobs davon aus, daß sie im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts begann… Siehe dazu meinen Beitrag Der Tag, an dem die Erde stillstand.

Jacobs, Professor für neuere amerikanische Geschichte, hat sich seit Mitte der 1960er Jahre mit dem UFO-Phänomen auseinandergesetzt und war ein enger Freund des mittlerweile verstorbenen UFO-Forschers Bob Hopkins, dem Pionier der Erforschung des Phänomens der Entführungen durch UFOs. Jacobs geht davon aus, daß im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, spätestens in den 1890er Jahren, fremde insektenartige Wesen auf diesem Planeten in „UFOs“ landeten und Menschen entführten. (Damals gab es weltweit eine erste „UFO-Welle“ mit geheimnisvollen „Luftschiffen“.) Woher sie kommen und wie sie das ganze bewerkstelligt haben, sei zwar eine interessante Frage aber zunächst einmal vollkommen nebensächlich. Aus ihrer DNA (oder deren Äquivalent oder was auch immer – wieder eine nebensächliche Frage!) und der ihrer ersten Entführungsopfer formten sie eine Rasse von möglicherweise geklonten Arbeitssklaven, die bekannten „UFOnauten“, die wie menschliche Embryos aussehen und die gleichzeitig merkwürdig „insektenartig“ sind. Ihnen fiel die Aufgabe zu über die Generationen hinweg die Mitglieder von Familien zu entführen und mit deren Erbmaterial Hybride zu züchten, die immer mehr gewöhnlichen Menschen gleichen. Nach hundert Jahren wären sie nun soweit und diese Hybride unterschieden sich in nichts mehr von uns, mit einer alles entscheidenden Ausnahme: sie können uns telepathisch „scannen“ und telepathisch beeinflussen, was ein denkbar großes Machtgefälle konstituiert. Warum die Urgroßeltern, die Großeltern, die Eltern und Kinder von Familien jeweils hunderte Male im Jahr entführt wurden und werden und dieses Programm sich so ausweitet, daß irgendwann alle Menschen betroffen sein werden und was das nunmehr scheinbar abgeschlossene Zuchtprogramm soll, kann natürlich niemand mit Sicherheit beantworten, doch die Antwort sollte naheliegen: der Planet wird organisch und ohne jeden Verlust, den ein „Krieg der Welten“, so einseitig er sich auch gestalten würde, für den Angreifer bedeuten würde, in die Gesellschaft der insektenartigen Wesen integriert. Die Invasion von der Wega!

Reich und die Roten Faschisten

4. Oktober 2015

Als sein Mitarbeiter Sharaf ihn nach der Beziehung zwischen Dialektischem Materialismus und dem orgonomischen Funktionalismus fragte, antwortete Reich:

Ich versuchte fortwährend meine Ideen in deren Rahmen zu halten. Es war der Kleine Mann in mir. Diese Sachen waren nicht bei Freud oder Marx. Ich war zu loyal. (Journal of Orgonomy, 1971)

Fast alle Marxisten greifen bei Reich den „Primat der Genitalität“ an. Wir ersparen uns die Begründungen zu referieren, weil sie einfach zu blöd, eben marxistisch, sind. Wichtig ist einzig, daß scheinbar in ihrer Genitalität schwerstens gestörte Menschen sich zu Marx hingezogen fühlen und dann von dort auf Reich einschlagen. Letztlich haben wir es mit dem Kampf der Emotionellen Pest gegen die Genitalität zu tun.

Man denke nur an den „guten Menschen“ Erich Fromm und seine Angriffe auf Reich. In seinem Marxismus ging er so weit, daß er Freud jede weltgeschichtliche Potenz absprach und sie allein Marx zuschanzen wollte! Bemerkenswert ist, wie dies mit Fromms Verwendung des Marxschen Entfremdungsbegriff zusammenhängt. Fromm schwärmt von der prä-ödipalen polymorph-perversen Glückseligkeit und in Analytische Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie gar von der „Idee des Gruppensex“ „die große Ähnlichkeit mit Bachofens Schilderung der frühen, matriarchalischen Entwicklungsstufe der Menschheit“ hätte.

Während bei Fromm die Entfremdung durch die Erniedrigung und Vergewaltigung der Frau aufgehoben wird, war es bei seinem Mitmarxisten Ernest Borneman das Kind, das dran glauben mußte. Er propagierte in seinem Geschlechtsleben des Kindes vom „Orgasmuszwang“ befreiten Sex zwischen Erwachsenen und Kindern. Wieder wird hinter der Maske der Emanzipation das Lebendige um so besser hingemordet! Später beklagte er „den ‚Triumph‘ der Konfromisten in den USA“, „die Verwandlung linker Reichianer in Orgon-Mystiker“.

Aber gehen wir auf den Vorwurf ein, den der Psychologe Frederick Wyatt Mitte der 1980er Jahre wie folgt ausdrückte:

Selbst wenn [die Psychoanalytiker], wie damals Wilhelm Reich es tat, eine Deutung der NS-Katastrophe veröffentlichten, so hat dies weder etwas geändert, noch den Autor, wie seine weitere Entwicklung zeigte, als besonders gesinnungsfest erwiesen.

Reich war also in den Augen von der Realität entfremdeten linken Intellektuellen ein gesinnungsloser Verräter an „der Sache“. Der amerikanische Historiker Wilfred M. McClay sagte über die New School for Social Research in New York, an der auch Reich zuerst nach der Emigration lehrte, die dort betriebene Soziologie habe die traumatischen Erfahrungen der Emigranten den ganz andersgearteten amerikanischen Verhältnissen in unzulässiger Weise aufgepfropft: Adorno und der „polternde Junker“ Herbert Marcuse hätten auch in ihrer neuen Heimat überall autoritäre Strukturen und „repressive Toleranz“ gewittert. Während der Watergate-Krise habe Hannah Arendt ernsthaft die Rückkehr nach Europa erwogen – wie sie ihren Freunden anvertraute: „rasch, solange noch Zeit dazu ist“. Die Dämonisierung der amerikanischen Gesellschaft sei schließlich in einem solchen Ausmaß Gemeingut unter den Intellektuellen geworden, daß die revolutionäre Bewegung der sechziger Jahre ihren Kampf gegen das „Establishment“ ganz mit deutschen Argumenten habe führen können – der klassische Fall einer self-fulfilling prophecy.

Daß Reich bei diesem Spiel der paranoiden Irren nicht mitgemacht hat, aber ihm Realitätsverlust vorgeworfen wurde, ist der Triumph und das schlimme Schicksal der Orgonomie. Er sah, was wirklich lief und wo die faschistische Gefahr wirklich herkam!

Unglückseligerweise traten fünf Elemente zusammen, die zur Vernichtung Reichs führten:

  1. war Reich zu vertrauensvoll seinen Mitmenschen gegenüber;
  2. war er für viele „ein Verräter an der Sache“;
  3. hatte er bei ihnen die Emotionelle Pest hinter der Maske des Menschenfreundes aufgedeckt – so mußte er sterben, wenn sie überleben wollten;
  4. kam Reich in ein Land, das durch die Depression der 1930er Jahre, die Nazi-Bedrohung, den Emigranteneinfluß und die Waffenbrüderschaft mit der UdSSR jede Widerstandskraft gegen den Roten Faschismus verloren hatte; und
  5. war er durch diesen Umstand in den Machtbereich der roten Faschisten geraten.

Vor und während des Krieges hatte die UdSSR mit der tatkräftigen Hilfestellung „progressiver“ Kreise nachrichtendienstlich alle wichtigen Bereiche der amerikanischen Gesellschaft, vom Pressewesen bis zu höchsten Regierungsämtern, unterwandert. Es gab

in den USA verschiedene Agentenringe des sowjetischen Generalstabs und des NKWD bzw. NKGB. Die sowjetischen Nachrichtendienste haben in mehreren zivilen und militärischen Verwaltungen, einschließlich des amerikanischen Nachrichtendienstes, ein Netz von Mitarbeitern und Informanten eingebaut. In Washington arbeitete ein Ring sowjetischer Spione, zu denen u.a. auch der Vater des Morgenthauplanes, Harry Dexter White, Major William Ullman vom militärischen Nachrichtendienst, Maurice Halperin vom Außenministerium und andere gehörten. Präsident Roosevelt stand unter dem Einfluß zahlreicher Berater, die jahrelang Verbindungen zum sowjetischen Geheimdienst unterhielten. (Borys Lewytzkyi: Vom roten Terror zur sozialistischen Gesetzlichkeit, München 1961)

Solche Leute sollte Reich später als Hoodlums in Government (Higs) bezeichnen und sie für seine organisierte Verfolgung verantwortlich machen.

Nach Jean-Michel Charlier und Pierre Demaret (Der Bulle – Hoover vom FBI, Wien 1977) teilte 1945 der FBI-Chef J. Edgar Hoover Präsident Truman mit, „daß in den letzten beiden Jahren zwölf hohe Staatsbeamte Nachrichten (…) an sowjetische Spione weitergegeben hatten“. Dabei erwähnt Hoover auch den Unterstaatssekretär im Finanzministerium White, „der aus seinen kommunistischen Sympathien keinen Hehl machte“. Aber Truman antwortete nicht auf dies Schreiben und wollte White zum Chef der Vertretung beim Internationalen Währungsfond ernennen. Darauf Hoover im Kreis seiner Mitarbeiter:

„Dieser Truman ist entweder ein Dummkopf oder ein Kryptokommunist. Wobei das eine das andere nicht ausschließt. Wenn er glaubt, daß ich diese Angelegenheit auf sich beruhen lasse, täuscht er sich gewaltig.“ Diese Aussage wurde Truman hinterbracht. Sie dürfte dazu beigetragen haben, daß der Präsident Allan Dulles an die Spitze des 1947 geschaffenen CIA berief, um Hoover in Schach zu halten.

Übrigens wurde White schließlich von Hoover gegen den Widerstand des Weißen Hauses entlarvt.

Aus solcher Perspektive erscheint es wohl kaum als abwegig, daß das CIA von den Sowjets von Anfang an unterwandert war. (Heute wird immer öffentlicher, in welchem schier unglaublichen Ausmaß das britische Nachrichtenwesen es war!) So drückte z.B. 1967 Barry Goldwater

seinen Ärger über den Umstand aus, daß die Agentur Gruppen des „linken Flügels“ finanziert habe. „Warum haben sie das Geld nicht überallhin verteilt? Mit anderen Worten – sie haben, soweit ich sehen kann, den Sozialismus in Amerika finanziert!“ (David Wise und Thomas B. Ross: Das Spionage Establishment, Berlin 1968)

Wie steht es nun mit Sowjetagenten im näheren Umkreis Reichs? Hat Reich nicht das medizinische Establishment mit dem Roten Faschismus in Zusammenhang gebracht? Hier möge das folgende Zitat von Wise/Ross als Fingerzeig dienen: der KGB-Agent „Dr.“ John Gilmore –

ohne Zweifel war er ein bekannter medizinischer Illustrator (…) der von einer Anzahl angesehener Fachverlage und von großen pharmazeutischen Häusern beschäftigt wurde. 1953 scheint er eine medizinische Ausstellung für die Tagung der American Medical Association (…) in New York vorbereitet zu haben. Wahrscheinlich war es das erste Mal, daß ein Sowjetspion für die so überzeugungstreue konservative AMA gearbeitet hat. Er war auch eine Autorität für Sexfragen: Zusammen mit Samuel A. Lewin war er Koautor von zwei illustrierten Büchern mit den Titeln „Sex Without Fear“ (…), erschienen 1950, und „Sex After Forty“, erschienen bei der Medical Research Press und vertrieben durch Grosset & Dunpal, 1952.

Aber war nicht trotz allem Reichs Angst vor den „Roten Faschisten“ maßlos übertrieben? Groteskerweise haben dies immer wieder „Reichianer“ gefragt, die selber in ihren Publikationen dem Kommunismus Vorschub leisteten. Diese Leute sind selbst die Antwort!

Wurde Reich vom KGB (oder gar der GRU) in einem US-Gefängnis ermordet? Unmöglich ist es nicht, man lese z.B. bei John Barron (KGB, München 1982) nach, wie ein ungarischer Überläufer, der Geheimpolizeileutnant Béla Lapusnyik, in einer Sicherheitszelle im Wiener Polizeipräsidium vom tschechoslowakischen STB drei Tage vor seinem Abflug in die sichere (?) USA ermordet wurde. „Bei der Autopsie wurden keine Spuren irgendeines Gifts gefunden.“ Vergessen sei auch nicht, daß Reich mit vielen zusammen einsaß, die im Laufe der McCarthy-Kampagne in den Knast gewandert waren.

Wie läuft so ein sowjetischer Mordplan ab? Ersteinmal können die Mord- und Entführungsaktionen der Abteilung 13 der ersten Hauptverwaltung des KGB „in dieser Ära [den 1950er Jahren] nicht als zufällige Übertretungen des KGB oder gar seiner Agenten und Offiziere gewertet werden. Vielmehr handelte es sich um sorgfältig geplante Akte der sowjetischen Führung“ (Barron). Aber „ohne Rücksicht darauf, ob dieser oder jener Spitzenfunktionär in Moskau beseitigt wurde oder Karriere zu machen begann, arbeiteten alle Residenten der Sicherheitsorgane mit ihrem Geheimnetz im Ausland ungestört. Das war einer der Gründe für ihre Erfolge nach Stalins Tod“ (Lewytzkyi).

Gewalttaten (…) sind nach Aussagen Nikolaj J. Chochlovs, der 1954 überlief, Routinearbeiten des sowjetischen Nachrichtendienstes. Er sagte, er habe den MWD verlassen, um nicht in jenem Jahr einen Mordauftrag ausführen zu müssen, und erzählte folgende Geschichte: Alexander S. Panjuschkin, der von 1947 bis 1952 während der Regierung Truman Botschafter in den Vereinigten Staaten gewesen war, befahl ihm persönlich, Georgij S. Okolowitsch, einen Führer der antisowjetischen Exilorganisation NTS (Nationalbund russischer Solidaristen), zu ermorden. Panjuschkin überwachte die Vorbereitung einer (als Zigarettenpäckchen getarnten) geräuschlosen elektrischen Pistole, deren Geschosse mit Zyankali gefüllt waren. (Wise/Ross)

Reich selber erwähnt diesen Alexander Semjonowitsch Panjuschkin (Paniushkin, Panjuskin) sogar in seinem Prozeßmaterial.

Zwischen 1939 und 1944 war Panjuschkin sowjetischer Botschafter bei Tschiang Kai-Schek, danach Spitzenbeamter im Außenministerium. 1947 bis 1952 war er dann Botschafter in den USA. Nachdem er Washington verlassen hatte, war er ein Jahr lang Botschafter in Rotchina. Fünf Tage nach Stalins Tod 1953 wurde er nach Moskau zurückberufen, um die Auslandsabteilung des MWD zu übernehmen, die über politische Morde im Ausland entschied. Schon im Herbst 1953 hatte er in dieser Funktion Chochlow losgeschickt. Der KGB-General gehörte später dem ZK der KPdSU an und leitete dort die wichtige „Abteilung für diplomatische Kader“, die mit dem KGB in enger Verbindung steht und entscheidet, welche Parteimitglieder und Wissenschaftler ins Ausland reisen dürfen. So wird sich der General wohl auch ausgiebig mit der wissenschaftlichen Entwicklung im Westen und mit deren Sabotage und Beschaffung für die SU beschäftigt haben. Übrigens: als Panjuschkin Botschafter und Leiter des KGB in den USA war, orderte die russische Botschaft die Literatur zur Orgonenergie.

Orgonkitsch

11. Februar 2013

Wenn ich so zurückblicke (und es überhaupt noch selbst überblicken kann!), stehe ich weitgehend zu allem, was ich hier und auf www.orgonomie.net verzapft habe. Es gibt nur zwei Bereiche, die wirklich eine Revision benötigten: der quasi „feministische“ Blick auf die menschliche Frühgeschichte frei nach Bachofen und die Reduzierung der Natur auf den „Äther“ und dessen Bewegung ebenfalls frei nach dem 19. Jahrhundert.

Man kann beide „Weltanschauungen“ mit jeder Menge an „Reich-Zitaten“ „untermauern“, aber wie ich jeweils anderswo (hier und hier) ausgeführt habe, entsprechen sie nicht dem Geist des Reichschen Oeuvres. Reich war weder ein „besserer Erich Fromm“, noch wollte er die Physik rehabilitieren, so wie sie vor Planck, Einstein und Heisenberg war. Reich war in erster Linie ein Naturforscher, der natürlich von den „weltanschaulichen Kämpfen“ seiner Zeit und durch den überkommenen Zeitgeist geprägt wurde, dessen eigentlicher Beitrag aber außerhalb dieses Rahmens zu verorten ist.

Reich hat den Panzer entdeckt. Was das wirklich ist, kann man nur erfahren, wenn in der Orgontherapie Kontakt mit dem Panzer hergestellt wird. Schließlich kann man die fremd gewordene Panzerung ablegen, wie man etwa stark behindernde Kleidung ablegt, um sich besser bewegen zu können. Diese Behinderung ist nicht angeboren, sondern geht auf unsere Erziehung zurück. Der Rest ist Spekulation. Es ist nur folgerichtig, daß die Menschheit in ihren Anfängen genauso ungepanzert war, wie der Mensch ungepanzert ist, wenn er zur Welt kommt. Es müßte aber im einzelnen erforscht werden, wie sich das abgespielt hat. Reich hat das am Beispiel der Trobriander, einer der dank Malinowski ethnologisch am besten erforschten Ethnien überhaupt (und das gilt bis heute!), versucht durchzuexerzieren. Daraus aber ein umspannendes System machen zu wollen („Engels, Morgan, Bachofen“, „Matriarchat → Patriarchat“) ist Weltanschauung, keine Wissenschaft.

Ähnlicher „Orgon-Kitsch“ ist die Sache mit der „Äther-Energie“, die fließt, gestaut werden kann, wabert und wabbelt und so alle physikalischen, ja überhaupt alle Phänomene erklären soll. Es ist nur allzu verständlich, daß jene, die diesem „orgonomischen“ Weltbild verfallen sind, schließlich wieder ausbrechen hin zum „Tao der Physik“ und anderem mystischen Quatsch. Denn das, was gerne als „Orgonomie“ verkauft wird, ist nichts anderes als eine Art dröger „Hydromechanik“, mit deren Hilfe man vieles vielleicht am bequemsten beschreiben kann, die aber die orgonotischen Funktionen in ihrer Gesamtheit nicht annähernd adäquat widergibt.

Es ist letztendlich eine Frage des Kontakts. Für den gepanzerten Menschen gibt es „Kontakt“ nur im Sinne eines mechanischen Kontakts, etwa wenn eine Billardkugel gegen die andere prallt und so einen Impuls überträgt. Im Sinne dieser „Nahwirkungstheorie“ stellt man sich dann auch das Funktionieren des Orgons vor. Tatsächlich bedeutet orgonotischer Kontakt jedoch primär, daß etwas als Ganzheit funktioniert. Nur so ist etwa das Phänomen „Bewußtsein“ überhaupt begreiflich.

Ein weiterer Bereich des Orgon-Kitsches, dem ich mich aber kaum schuldig gemacht habe, ist die Biographie Reichs. Insbesondere geht es um Reich als „Antifaschisten“. Freud hätte sich von Reich getrennt, da dieser sich im Kampf gegen das aufkommende nationalsozialistische Regime zu sehr exponiert habe. Bernd Laska hat ausgeführt, daß Reichs politisches Engagement nur ein willkommener Anlaß für Freud war, Reich loszuwerden, ohne sich in eine inhaltliche Diskussion verwickeln lassen zu müssen. In Amerika sei der „Antifaschist“ Reich dann dem „McCarthy-Regime“ zum Opfer gefallen. Eine Räuberpistole, die jetzt beispielsweise in dem filmischen Machwerk Der Fall Wilhelm Reich fröhliche Urstände feiert. Reich wird auf diese Weise zu einem Herold der „liberalen Kultur“ gemacht. Erneut ein „besserer Erich Fromm“. Es ist ein elender Kitsch, der Reichs gesamtes Anliegen negiert.

Das irregeleitete Publikum wird erstaunt sein, daß, wenn es die Originalliteratur liest, Reich den Nationalsozialismus als Fortschritt betrachtet hat (das berühmte „Blutwallen), der jedoch im Rassenmystizismus versumpfte. Ähnlich war er, mal abgesehen von den Methoden, für den „McCarthyismus“, da er den „Progressismus“ der damaligen Zeit als Maske und Instrument des roten Faschismus einschätzte.

dreifünfkitsch