Posts Tagged ‘Matriarchat’

Der verdrängte Christus: 4. Saharasia im Alten Testament

22. März 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

4. Saharasia im Alten Testament

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ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? c. Verlorengegangene und erträumte Paradiese

27. Januar 2018

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ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? c. Verlorengegangene und erträumte Paradiese

Der verdrängte Christus: 3. Die Aktualität der Bibel

20. Januar 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

3. Die Aktualität der Bibel

Der verdrängte Christus: 2. „Erlösung“ ist Befreiung vom DOR

12. Januar 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

2. „Erlösung“ ist Befreiung vom DOR

Der verdrängte Christus: 1. Kern, Gott und Über-Ich

3. Januar 2018

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DER ROTE FADEN:

1. Kern, Gott und Über-Ich

Der Rote Faden: Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

18. Oktober 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

 

 

Der Rote Faden: Psychoanalyse und Kommunismus

8. Oktober 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

 

 

Die matriarchalen Wurzeln des Christentums

8. Juni 2016

Die erste geschichtlich greifbare Frau ist Debora. Debora bedeutet „Biene“. Ein Attribut, das sie mit der kämpferischen ägyptischen Göttin Neith verbindet. Neiths Kampf galt der Unterwelt, also dem Tod und der Dürre. Wurde dies dann in die Kampflegende um die streitbare Debora umgedeutet? Debora ist die Herrin über Efraim und sie ist die Amme der Rebekka, die Jakob gebiert, welcher zu Lea und Rahel geht. (Ein Schwesterpaar wie bei Ezechiel 23 „die beiden Schwestern Samaria und Jerusalem, Töchter derselben Mutter“.)

Lea bedeutet „Wildkuh“, die kuhgestaltige Himmelskönigin Anat, die kuhgestaltige Sonnengöttin Aschera, die hebräische Form der ägyptischen kuhgestaltigen Hathor, die der griechischen kuhgestaltigen Hera entspricht. Der Richter Schamgar wird „Sohn Anats“ genannt (Ri 3,31). Ihr kultischer Partner ist „der Sohn“ Ru-Ben, der wiederum Kultheros des Stammes Ruben ist. Dieser Stamm war mit Sicherheit „schon immer“ in Kanaan seßhaft und zwar im Gebiet nordöstlich des Toten Meeres, das man später dem „Stamm“ Juda zulog. In Beth-Anat im Lande Naftali lag der Kultort der Anat. Später wurden Anat und ihr Partnergott Baal zu den Kindern des Götterpaares Aschera und El herabgesetzt.

In der Bibel hat die patriarchale Darstellung der Lea als Gattin des Jakob die Funktion, zusammen mit Jakobs zweiter Frau und den „Mägden“ (Nebenfrauen) disparate Stammesgruppen aneinanderzubinden: Rinderzüchter und Schafzüchter, Alteingesessene und Spätankömmlinge. „Einheimische“ Stämme waren: Ruben, Ascher und Gad, die in Jos 8,33 gegen „die Fremden“ abgehoben werden.

Die Einwanderung wird aber für alle Stämme unter dem von Moses geleiteten Exodus Josefs aus Ägypten subsumiert und mit der Landnahme Benjamins aus der syrischen Wüste ins Westjordanland verknüpft (Jos 2-9), obwohl in Ri 1,1-2,5 Einzugsgeschichten für jeden einzelnen Stamm vorliegen. (Man sieht, daß das Alte Testament sogar noch zusammengestückelter und noch unglaubwürdiger ist als das Neue Testament.)

Zuerst kamen die Rinderzüchter, deren ursprüngliche Herrin Lea war: Ruben, Sachar und Sebulon. Simeon, Levi, Juda, die ebenfalls genannt werden, sind neuere Zusätze, da sie, wie auch die Südstämme, die später alle unter dem Oberbegriff „Juda“ fielen, im alten Deboralied fehlen und die Zuteilung von Stammesgebieten entweder problematisch ist oder ganz fehlt. Zur Lea-Sippe kommen jene, deren Urmutter Silpa war: Gad, Ascher. Dies sind die Stämme, die um das „Goldene Kalb“ tanzten und nachträglich auf den Sinai neben den Stamm Josef gesetzt wurden.

Nach den Rinderhirten kamen die Schafzüchter. Die Opferkulte um Rinder und Schafe wurden dementsprechend verbunden: siehe Ex 29,10.15. Herrin der Schafzüchter ist die jüngere Schwester Leas, Rahel das „Mutterschaf“ (vgl. Hld 6,6), die unsterbliche Gottesmutter Manasses und Efraims, sowie Benjamins (Jer 31,15). Benjamin ist der Widder und später das „Lamm Gottes“. Rahels Kultort war das „Grabmal“ Rama, zu dem noch Saul (1012-1004) als König Benjamins pilgert (1 Sam 10,2).

Wie fern Saul dem Jahwekult stand, sieht man daran, daß er Jahwe-Priester als judäisch-davidische Agenten töten ließ (1 Sam 22,17). Einer der Klangenossen Sauls hieß Belia („Jahwe ist Baal“), seine Söhne hießen Isch-Boschet, bzw. Eschbaal („Baal lebt“) und Meribaal („Baal belohnt“). Saul tritt uns in einem dionysischen Tanz entgegen (1 Sam 10,9-12; siehe auch 19,22-24); eindeutig ein Verhalten, wie es zur Baalsreligion gehörte (vgl. 1 Kön 18,26). Alle Söhne Sauls sind gefallen (1 Sam 31,2; vgl. 14,49), sodaß sein vorgeblicher Sohn Eschbaal nicht durch patriarchale Erbfolge Sauls Nachfolger geworden sein kann.

Was ganz allgemein die Baale betrifft: Der Bundesschluß mit Jahwe zu Sichem geht auf vorisraelitische Zeit zurück, auf den dortigen Baal-Berit, dem „Herren des Bundes“ (vgl. Ri 8,33; 9,4). Andere Baale wurden dämonisiert, wie z.B. der Baal-Sebub, an den sich noch König Ahasja (852-851) um Heilung wandte. Später wurde er zum verderbenbringenden Beelzebub (2 Kön 1,2 und Mt 10,25; 12,24).

Zur Rahel-Sippe gehört auch die Gruppe der Urmutter Bilha: Naftali und Dan. Was speziell Dan angeht, erwähnt Immanuel Velikovsky in seinem Buch über Ramses II. und seine Zeit, die Velikovsky in das zeitliche Umfeld von Judas Fall ansiedelt, einen Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Nebukadnezzar, in dem verschiedene Götter angerufen werden, über die vertraglichen Bestimmungen zu wachen. In der Liste der Götter taucht u.a. die „Göttin von Dan“ auf. Dazu kommentiert Velikovsky als Argument für seinen chronologischen Umbau:

Aber in der Zeit vor der Eroberung Dans durch die Daniter, in der Zeit der Richter (in die Ramses konventionellerweise verlegt wird), wurde dieser Ort Lais genannt (Ri 18,29), und es war Jerobeam (926-907), der dort einen Tempel baute. (Frankfurt 1983, S. 66)

Velikovsky geht gar nicht darauf ein, daß der Heiligen Schrift zufolge der besagte Tempel Jahwe galt, sich nun aber herausstellt, daß die Israeliten von Dan zu einer Göttin beteten!

Moses ist der Stammesfürst des Stammes Josef, den er aus Ägypten geführt hat. (Oder ist er der matriarchale Kultheros, der den Todesgott Mot, den Pharao, in die Unterwelt verbannt und den Frühling bringt – Manna vom Himmel fallen und Quellen sprudeln ließ?) Trotzdem Josef als (vor)letzter Ankömmling der äußeren, patriarchalen Schicht der Charakterformation Israels sehr nahe kommt, sind bei Josef noch Reste spätmatriarchalen „Fruchtbarkeitsheroentums“ zu finden. Josef „gleicht dem Erstgeborenen des Stiers, in Josef wohnt die Stärke seines Gottes. Er hat die Hörner eines Büffels“ (Dtn 33,17). Desgleichen haben wir ja auch Moses als „Stier der Göttin“ kennengelernt. Moses’ Nachfolger heißt Josua, was „Retter“ bedeutet, also auch ein Anklang an den „Heros der Göttin“. Übrigens ist „Jesus“ hiervon nur eine gleichbedeutende Namensvariante.

In Gestalt von Moses’ Schwester Mirjam taucht auch schon „Maria“ auf. Neben das Deboralied gehört das Lied der Mirjam (Ex 15,21) zum ältesten Überlieferungsgut. Sie tanzt mit einer Pauke dem „Siegesreigen der Frauen“ voran. Zusammen mit ihrem Bruder Aaron soll sie sich gegen Moses aufgelehnt haben, woraufhin sie mit Aussatz bestraft wird. Jahwe vergleicht seine Strafe mit der eines Vaters, der seiner Tochter ins Gesicht spuckt (Num 12,14) – das ist der Gott des Alten Testaments.

Josef, der von Moses aus Ägypten geführt wurde, fehlt es in Kanaan am Stammesgebiet. Er wurde einfach zum Vorfahren von Manasse und Efraim erklärt und so ins Stammessystem eingepaßt. Vollends patriarchal wird es mit Levi, dem letzten Stamm, der ebenfalls kein eigenes Stammesgebiet hat. Levi ist eng mit Juda verbunden, der gar kein Stamm ist, sondern mythische Absicherung der davidischen Herrschaft.

Doch selbst Juda, der nicht zu Israel gehört, hat einen matriarchalen Aspekt. In Ezechiels Klagelied (Ez 19) über den Untergang der Könige Judas steht deren „Mutter“ im Vordergrund, die mit einer Löwin und einer Weinrebe verglichen wird. Gemeint ist Tamar. Sie ist die Palme mit dem Steinbock, der sie „besteigt“ (vgl. Hld ,8f). Das ist ein sehr bekanntes Motiv („Ziegenbock am Lebensbaum“) aus Ur in Chaldäa, der Heimat Abrahams, das jeder kennt, der sich mit der Geschichte des alten Orients beschäftigt hat.

Tamar ist die judäische Kultheroin. Davids ältester Sohn Amnon, ein Priester, liebte seine Schwester Tamar (2 Sam 13). Auch eine Enkeltochter Davids hieß Tamar (2 Sam 14,27). Die Palme, die für Tamar stand, spielte eine herausragende Rolle bei der Ausstattung des Salomonischen Tempels (1 Kön 6,29.32.35; 2 Chr 3,5 und Ez 41,18f), in dem keine Knaben sangen, wie in der Katholischen Kirche, sondern Mädchen (Klgl 1,4).

Tamar ist die Stammutter der Südstämme Kaleb, Othniel, Kain und Jerachmeel, die alle vom davidischen Kunstgebilde „Juda“ verdrängt wurden. Hebron, der Kultort des Stammes Kaleb, war erster Regierungssitz Davids. Mamre bei Hebron ist wiederum Kultort Saras, deren Kultheros der „Stammvater“ Abraham war. Gerda Weiler schreibt über diesen Komplex:

Als Heimat Abrahams wird Haran angenommen, wo auch eine „Göttin“ namens Sara bekannt ist. „Sara“ bedeutet „Königin“, wird aber auch mit „Fürstin“ wiedergegeben. Noch bis ins 11. Jahrhundert u.Z. haben sich in Haran matriarchale Kulte erhalten – im Widerspruch zu Christentum und Islam. Der Kult Saras, der Frau des Abraham, stammt aus Hebron. Dort ist ihr Grab, an das eine alte kultische Überlieferung gebunden ist. Matriarchale Kulttexte erzählen von Sara, der Priesterin oder Königin am Heiligtum in Hebron, die eines jeden Jahres Unfruchtbarkeit in der Heiligen Hochzeit überwindet. (Das Matriarchat im Alten Israel, Stuttgart 1989, S. 117f)

Sara wird neben dem Stammvater Abraham als Stammutter Israels bezeichnet (Jes 51,2). Und in der Verheißung „an Abraham“ ist gar nicht von ihm als Stammvater die Rede, sondern: „Sara soll die Mutter ganzer Völker werden, und Könige sollen von ihr abstammen“ (Gen 17,16).

Mit Sara ist die Magd Hagar verbunden, die ihren Sohn aus der Wüste führt, so wie die Göttin ihren Kultheros aus der Unterwelt. Dieser Sohn, Ismael gilt im Islam als der Stammvater der Araber.

So läßt sich alles abgrundtief Patriarchale auf matriarchale Ursprünge zurückverfolgen. Beispielsweise stellen die Horden Dschingis-Khans ein prototypisches Beispiel für die brutale Ausbreitung des Patriarchats dar. Aber selbst diese Horden lassen sich auf Urmütter im Matriarchat zurückführen. Auf 5000 Jahre alten Felsbildern aus der Mongolei kann man diese Stammütter etwa in Form von Hirschkühen sehen. Motive, die sich kontinuierlich in der mongolischen Kultur verfolgen lassen, bis heute. So wird eine Hirschkuh namens Olun-Goa als Ur-Mutter der mongolischen Sippe der Bordschigin in Verbindung gebracht, der Sippe, aus der Dschingis-Khan stammte.

Noch in Ex 38,8 und 1 Sam 2,22 dienen Frauen Jahwe. Im Alten Testament treten Weise Frauen (2 Sam 14,2), die für ganze Städte sprechen (2 Sam 20,16ff), Schamaninnen (Hexe von Endor) und Prophetinnen auf. Bei Joel 3,1 verkündet Gott, Männer und Frauen zu Propheten in Israel zu machen. Jesaja 8,3 sagt: „Als ich mit meiner Frau, der Prophetin, schlief, wurde sie schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.“ Noch bei der Einrichtung des eigentlichen Judentums spielen Prophetinnen eine entscheidende Rolle: die Prophetin Hulda gibt ein Gutachten über das im Tempel gefundene Gesetzesbuch Mose ab (2 Kön 22,14-20 und 2 Chr 34,22), während sich Nehemia bei der Durchsetzung des Judentums gegen die Prophetin Noadja zur Wehr setzen muß (Neh 6,14).

Für die Jahwisten sind alle Feinde, „die sich um eine Götzenpriesterin scharen“ (Jes 66,17). Schon das Alte Testament ruft zur Hexenverfolgung auf (Ez 13,17-23); Frauen im Volke, die „nach ihrem eigenen Gutdünken prophezeien“ und magische Hexenpraktiken ausführen, wird das göttliche Strafgericht angedroht.

Die Geschichte der Dirne Rahab, die eine bedeutende Rolle bei der israelitischen Landnahme spielt (Jos 2,1-21; 6,22-25), zeigt, daß schon im Alten Testament Dirnen Gott näher stehen, als andere Menschen – lange vor Jesus (Hebr 11,31 und Jak 2,25). Prostitution genoß hohe Wertschätzung; über sie wurde ganz unbefangen berichtet (z.B. Ri 16,1). Was mag sich ursprünglich hinter der Geschichte der Tamar verbergen, die Juda verführte, indem sie sich als Prostituierte ausgab? (Gen 38). Jiftach, ein Held der Richterzeit, „war der Sohn einer Prostituierten“ (Ri 11,1), wie ja auch Jesus. Vollends merkwürdig wird es, wenn dem einzigen originären Propheten des Nordreichs, Hosea (etwa 750-722 v.Chr.), von Gott befohlen wird eine Prostituierte zu ehelichen. Im Buch Hosea gilt dann diese Ehe als Gleichnis für die tragische Liebesgeschichte zwischen Jahwe und der Hure Israel, die sich den Baalen hingibt.

Doch das Volk „hurte“ weiter und bekannte sich zu alten matriarchalen Religionsformen. In dem betreffenden Bekenntnis Jer 44,17f ist auch von den Königen die Rede. Die Fruchtbarkeitskulte waren so verbreitet, daß die Könige aus staatspolitischen Gründen diese Kulte tolerierten, wenn sie nicht selbst, wie noch Saul, an ihnen teilhatten. Deshalb kommen die Könige in der Bibel fast durchweg schlecht weg. Asa von Juda (908-868) war einer der wenigen Könige, der von der Bibel nicht kritisiert wird. Er beseitigte die matriarchale Opposition und ging dabei soweit, ein ungeheuerliches Sakrileg zu begehen, nämlich seine Großmutter, die Königsmutter Maacha, abzusetzten, „weil sie ein verabscheuungswürdiges Götzenbild der Göttin Aschera aufgestellt hatte“ (1 Kön 15,13). So emanzipierten sich die Könige gegenüber den Königsmüttern langsam mit Hilfe eines patriarchalen Kults: „Steig von deinem Thron herunter (…) du feine Dame“ (Jes 47,1).

Asas Nachfolger Joschafat (868-847) sandte die Leviten aus, das Volk im Gesetz Jahwes zu unterweisen (2 Chr 17,7). Diese Missionierung zeigt, daß der patriarchale Glauben kein Volksglauben war, sondern Herrschaftsinstrument (siehe auch 2 Chr 19,4 im Vergleich mit 20,33). Joschafat war ein gottgefälliger Mann.

Ahab von Israel (871-852) ist demgegenüber für die Bibel der Inbegriff des heidnischen Bösewichts – bis hin zu Melvilles Moby Dick. Ahab heiratete Isebel, deren Namensvetterin noch im Neuen Testament Offb 2,20-23 auftaucht, sich als Prophetin ausgibt und zur Unzucht verführt, wofür Christus in seiner großen Güte u.a. ihre Kinder töten will. Ahab heiratete also Isebel und stellte für sie ein Bild der Göttin Aschera auf (1 Kön 16,32f). Zu dieser Zeit nutzte der Prophet Elija eine Dürre aus, um 850 Priester der Fruchtbarkeitsgötter Aschera und Baal abschlachten zu lassen (1 Kön 18). Dieser patriarchale Ausrottungszug wurde in die Vergangenheit projiziert: die Leviten schlachten dreitausend ihrer „Söhne, Brüder und Freunde“ ab, weil sie das Goldene Kalb anbeteten (Ex 32)), später diente er wiederum als Muster für die legendäre Gestalt des Daniel-Buches (2.Jahrhundert v.Chr.), der im babylonischen Exil Frauen und Kinder der Baal-Priester (Bel) umbringen läßt (kath Dan 14; Einheitsübersetzung DanZ C,1-22). In Wirklichkeit ereigneten sich all diese Greuel zur Zeit Isebels.

Nach Ahabs Tod wurden sein Sohn Ahasja und dessen Sohn Joram (852-845) Könige unter der Königsmutter Isebel. Königin Isebel leitet den (heidnischen) Staatskult, sie läßt Elija verfolgen und sie führt die Staatsgeschäfte, wobei sie das königliche Siegel benutzt – angeblich „verbotenerweise“ (1 Kön 21,8). Elijas Nachfolger Elischa salbte daraufhin den Oberst Jehu (845-818) aus Jorams Armee zum neuen König, der den rechtmäßigen König umbrachte. Die nachfolgende bestialische Ermordung der Könismutter Isebel wird von der Bibel in allen Einzelheiten genußvoll geschildert. Dies war der Anfang eines wahren Blutrausches, in dessen Verlauf 70 Söhne und Enkel Ahabs geköpft und ihre Köpfe in zwei Haufen vor dem Stadttor aufgestapelt wurden. Auch alle restlichen Mitglieder der Königsfamilie wurden umgebracht, desgleichen alle hohen Beamten, Ratgeber und Priester des Königs. Nachdem Jehu auch die 42 Verwandten des judäischen Königs Ahasja (den er bereits zusammen mit Joram) getötet hatte, ging Jehu daran, die Verehrer Baals systematisch auszurotten. Wie er dies getan hat (er berief als vorgeblicher Baalsanhänger ein großes Opferfest für Baal ein, um ausnahmslos aller Baalspriester habhaft zu werden) ist ein Paradestück der Emotionellen Pest und ein Vorbild, an dem sich z.B. die Eroberer Südamerikas orientiert haben (2 Kön 10,18-27).

Inzwischen hatte in Juda die Königsmutter Atalja, eine Tochter Ahabs, die Macht auch offiziell übernommen. Vorher sei „dieses schändliche Weib“ (2 Chr 24,7) Ahasjas Beraterin gewesen, die ihn dazu verleitet habe, dem schlechten Vorbild Ahabs zu folgen (2 Chr 22,3). Jedenfalls ließ sie alle Angehörigen der Familie umbringen. Nur der kleine Sohn Ahasjas, Joasch (840-801) konnte dem Gericht entkommen und im Tempel Jahwes versteckt werden. Nach sieben Jahren wurde Atalja von den Priestern Jahwes gestürzt und hingerichtet. Joasch wurde König und den Baalspriestern von Juda ging es an den Kragen. Bezeichnenderweise wurde die Mutter von Joasch Zibja nun nicht zur Königsmutter. Nicht sie, sondern der Levit Jojuda hatte den bei seiner Inthronisation siebenjährigen König erzogen. Statt der Königsmutter regierten jetzt die Leviten. Doch selbst Joasch sollte doch noch zum Astarte-Anhänger werden, um schließlich von treugebliebenen Jahwe-Anhängern erschlagen zu werden.

Als Israel 722 fiel, wurden noch immer „auf jeder höheren Erhebung und unter jedem größeren Baum geweihte Steinmale und Pfähle aufgestellt“ (2 Kön 17,10). Sogar „das Bild der Göttin Aschera in Samaria blieb unangetastet“ (2 Kön 13,6). Zur gleichen Zeit mußte Judas König Hiskija (725-697) noch immer „Opferstätten rings im Land zerstören, die geweihten Steinmale in Stücke schlagen und das Götzenbild der Aschera umstürzen“ (2 Kön 18,4).

Unter König Joschija (639-609) schließlich gewann Jahwe ganz. Er befahl

den Tempel des Herrn von den Spuren des Götzendieners zu säubern. Er ließ alle Geräte und Einrichtungen, die für den Gott Baal, die Göttin Aschera und die Gestirngötter bestimmt waren, aus der Stadt bringen und im Kidrontal verbrennen. (2 Kön 23,4)

Dazu gehörte auch „das Götzenbild der Aschera im Tempel des Herrn“ (2 Kön 23,6). „Außerdem ließ er die Häuser der Prostituierten abreißen, die im Tempelbezirk gestanden hatten. Dort hatten die Frauen Gewänder für die Göttin Aschera gewebt“ (2 Kön 23,7). Zu diesem Vernichtungswerk gehörte auch die Entweihung von Altären im Osten von Jerusalem, die Salomo für Astarte hat bauen lassen. Außerdem ließ der König ihre „Priester auf den Altären abschlachten“ (2 Kön 23,20). Aber Joschija gab sich nicht damit zufrieden nur Jerusalem und Juda zu reinigen, sondern „auch in den Städten der Stämme Manasse, Efraim, Simeon und bis nach Naftali durchsuchte er die Häuser“ (2 Chr 34,6), also im Gebiet des untergegangenen Israel.

Israel war der Himmelskönigin verhältnismäßig treuer geblieben als das kriegerische Juda, das Israel immer wieder bedrängte. Juda folgte zunehmend den Leviten. So entsprach im regenarmen Südland Juda (Ri 1,15) die geographische Wüste der Emotionalen Wüste. Doch erst mit dem Untergang Judas begann sich das ganz zu entwickeln, was man als voll ausgebildete patriarchalische Religion bezeichnen kann. Es fing mit der Durchsetzung der Mosaischen Gesetze unter König Joschija an. Alles wird der Vergeltung unterworfen; es kommen die Gesetze, die das gesamte Leben in ein Korsett pressen.

Die matriarchale Bindung (Heidentum) war zerbrochen und wurde durch eine Bindung an das patriarchale Gesetz ersetzt (Rabbiner sehen es lieber mit dem Wort „Wegweisung“ ins Deutsche übersetzt). Eigentliche Begründer des Judentums waren im babylonischen Exil Ezechiel, der „Vater des Judentums“, der am Ritual und Tempelkult interessiert war, und Esra, der als „Zweiter Moses“ (Neh 8,1) das Deuteronomium verlas und Juda den Namen Israel gab. Erst Esra ist der eigentliche Anfang des Monotheismus. Die Pharisäer sahen Esra als den Begründer ihrer Bewegung. Es setzt sich unter Nehemia und Esra eine feste Theokratie durch, wie sie sich in den Büchern Haggai, Sacharja und Maleachi widerspiegelt. Sacharja war der letzte Prophet, während Maleachi Wortführer der Priesterkaste war (vgl. Mal 3,8) und so Ahnherr der Sadduzäer.

Wir haben gesehen, wie zählebig das Matriarchat im alten Israel war. Selbst die beginnende jüdischer Orthodoxie konnte diese matriarchale Überlieferungskette nicht unterbrechen. Noch zur Zeit des Heiligen Hieronymus im 4 Jahrhundert n.Ch. versammelten sich in der Nähe von Betlehem (!) Frauen, um den blutigen Tod des Adonis zu beweinen, des Geliebten der Aphrodite. Adonis ist identisch mit Tammuz, dem „Liebling der Frauen“ (Dan 11,37). Der Hain von Betlehem, in dem die Felshöhle der Geburt Christi lag, war dem Adonis geweiht. Die Geburtshöhle entsprach nach alten Kulten dem gebärenden Mutterleib der großen Göttin.

Der ganze Wiedergeburtsmythos des Christentums ist zweifellos auf spätmatriarchale Ursprünge zurückzuführen, die es dem Christentum ermöglicht haben sich in den Randgebieten Saharasias problemlos einzunisten. Sei dies bei den Griechen mit ihren Mysterienkulten oder bei den Germanen, deren Siegfriedlegende sozusagen einen Übergang vom Christus des Fruchtbarkeitskultes (Überwindung der unfruchtbaren Jahreszeit) zum Christus aus Reichs Christusmord darstellt. Es würde sich lohnen, unter diesem Gesichtspunkt Richard Wagners Ring etwas genauer zu betrachten.

Die Ungewißheit um den Vater Jesu entspricht einem alten kultischen Muster des Orients: Gilgamesch, Sargon, etc. kannten alle ihren Vater nicht. Es war Tradition, daß junge Mädchen vor der Hochzeit als Tempelprostituierte im Ischtartempel dienen mußten. Ihr erstgeborener wurde als Kind Gottes betrachtet – daß gegebenenfalls geopfert (z.B. gekreuzigt), sozusagen zurückgegeben werden mußte. Der Psalm 22, den Jesus am Kreuz angestimmt hat, geht mit Sicherheit auf altorientalische Kultgesänge um die Himmelskönigin und ihren Fruchtbarkeitsheros zurück. Er wird nach der Melodie „Eine Hirschkuh am Morgen“ gespielt, was auf eine tiergestaltige Urmutter verweist.

Das Christentum steht in einer Kontinuität, die ständig geleugnet wird, obwohl erst diese „heidnische“ Kontinuität das Christentum, das gerne als hellenistisch-jüdischer Synkretismus denunziert wird, auf feste dogmatische Grundlagen stellt. Nehmen wir nur die Ankündigung der Christusgestalt bei Sacharja, „die Klage um den Durchbohrten“. In der Endzeit wird Gott die Bewohner Jerusalems mit Reue erfüllen, „weil sie meinen Beauftragten durchbohrt haben“ (vgl. Joh 19,37).

Sie werden um ihn trauern, wie man um den einzigen Sohn trauert, sie werden weinen und klagen wie um einen Erstgeborenen. Die Klage Jerusalems um ihn wird so groß sein wie die Klage um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo. (Sach 12,10f).

Dazu gibt die Einheitsübersetzung den Kommentar, Hadad-Rimmon sei der phönizische Gott der Vegetation (griechisch Adonis), „dessen ‘Sterben’ im Herbst rituell beweint (vgl. Ez 8,14) und dessen Auferstehung jedes Frühjahr gefeiert wird. Mit Megiddo verbunden ist auch der Tod des bedeutenden Königs Joschija, der noch spät in Klageliedern besungen wird (2 Chr 35,20-25).“ Hier fließen spätmatriarchaler Fruchtbarkeitskult vom sterbenden und auferstehenden Gott, altisraelitische Königsideologie und christlicher Mythos in eins. Der Menschensohn ist Adonis und Adonis ist Adonai und Adonai ist Jahwe – und Jahwe ist identisch mit dem Menschensohn Jesus.

Das Christentum ist demnach so etwas wie ein Urjudentum. Fast die gesamte Jesusliteratur leidet darunter, daß man vermeint ins rabbinische Judentum zurückzukehren, wenn man auf die Ursprünge Jesu zurückginge. Dabei vergißt man, daß neben dem Christentum nur rein zufällig eine weitere Tradition des Judentums den Fall des Tempels überlebt hat und daß das talmudische Rabbinertum nur eine Strömung von vielen im Judentum repräsentiert.

Ein heutiger Jude mag die Einzelheiten des Alten Testaments besser einordnen können als ein Christ, aber das übergreifende Verborgene des Textes versteht ein Christ sicherlich besser. Es ist tatsächlich der Schlüssel zu Jesus, aber nicht in dem Sinne, wie es uns von mit Schuldkomplexen beladene Theologen weismachen wollen.

Zum Beispiel wird von solchen Autoren, die aus Jesus einen pharisäischen Rabbiner (der sich nur mit seinen apokalyptischen Anwandlungen etwas von den anderen abhob) machen wollen, Jesus vollkommen unrabbinisches Verhalten gegenüber Frauen nie erwähnt. Wenn das Weib in der Gemeinde unmittelbar nach Jesu Tod wie im Judentum keine Rolle spielte, warum verlangt dann der judäische Ex-Pharisäer Paulus ausdrücklich, daß das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe? (1 Kor 14,33f). Es war der einzige Judäer unter den ansonsten galiläischen Jüngern Jesu, der feindselig reagierte, als Frauen Jesus Liebe entgegenbrachten (Joh 12,1-8).

Die Charakteranalyse der Menschheit (Teil 2)

12. Mai 2016

Die beiden grundlegenden Begriffe der Soziologie „Ordnung“ und „Grenzziehung“ sind in der Orgonomie im Gegensatz zwischen triebhaften und triebgehemmten Charakter aufgehoben. Reich beschreibt ihn in Werken wie Der triebhafte Charakter und Charakteranalyse. Später hat Reich das auf die Soziologie ausgeweitet: Panzerung ist demnach das Urmuster aller sozialen Ausgrenzung angefangen vom Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat. Zu diesem Zeitpunkt kam es zur Etablierung eines „göttlichen“ ausgrenzenden Kastensystems, Unberührbarkeit, Frauen gehören nicht in die Öffentlichkeit, etc.pp. auf der einen Seite und der „teuflischen“ Rebellion dagegen auf der anderen Seite.

Die patriarchalische Ausgrenzung ist funktionell identisch mit der Panzerung, der Barriere, die sich in den Menschen um den bioenergetischen Kern ausbreitet und bei der es durch Ausbrüche (das Versagen der Panzerung) zur Symptombildung kommt. Im gesellschaftlichen Bereich entsprechen dem all die Übelstände, die man mittels Ethik und Moral, Justiz und Polizei einzudämmen trachtet.

Immer wieder brechen beim Neurotiker „triebhaft“ Impulse durch den Panzer, die dann durch immer neue Hemmungen unter Kontrolle gehalten werden müssen, was aber nur neue triebhafte Ausbrüche provoziert, usf. Ganz entsprechendes ereignet sich auf der gesellschaftlichen Ebene: durch die Sexualunterdrückung werden Frauen zu störenden Objekten und müssen verschleiert gehen, was den Sexualdruck untergründig nur noch verstärkt, zu homosexuellen und sodomistischen Ausbrüchen führt, die hart bestraft werden, usf.

Diese funktionelle Identität zwischen Panzerung und Gesellschaftssystem sieht man besonders klar etwa im Iran oder in Saudi-Arabien. Dort bietet das öffentliche Leben ein Bild rigider Ordnung, während das Privatleben von Drogensucht, Gewalt, sexueller Perversion, etc. geprägt ist. Im Westen war es bis vor kurzem so, daß die Menschen sich unter Kontrolle hatten und sich dies organisch im gesellschaftlichen Leben fortsetzte. Seit ca. 1960 wird die Panzerung immer brüchiger und die entsprechenden Ausbrüche beherrschen zusehends auch das öffentliche Leben.

Gesellschaften formieren sich entsprechend der Charakterstruktur ihrer Mitglieder. Setze eine Gruppe von Zwangsneurotikern auf einer Insel aus und eine Gruppe von Phallischen Narzißten auf einer anderen Insel: du wirst nach einiger Zeit zwei vollkommen verschiedene Gesellschaftsstrukturen vorfinden. Und tatsächlich werden derartige Feldversuche alltäglich gemacht: durch Firmengründungen. Die „Firmenkultur“ wird jeweils ziemlich genau die Charakterstruktur des Firmengründers und der Leute widerspiegeln, die er im Führungskreis um sich geschart hat. Schaut man genauer hin, wird man sogar feststellen, daß sich in der Firmenstruktur selbst (z.B. in der Art, wie Anordnungen sich ausbreiten) getreulich die Panzerungsstruktur des Firmengründers widerspiegelt (vgl. Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 6)). So etwas kann auf ganze Kulturkreise zutreffen. Man denke nur an die moslemische Kultur, die fast ausschließlich von der narzißtischen Persönlichkeitsstörung Mohammeds geprägt wurde.

Während sich im Westen die Kultur hauptsächlich um die Frage der Schuld drehte und wie mit ihr umgegangen werden soll, ging es im Osten stets um Scham. Das Gefühl der Schuld ist eine Funktion der Mittleren Schicht, es ist in der Muskulatur „festgefahrene“ Aggression gegen unsere Mitmenschen. Schuld dreht sich entsprechend um die Verantwortung zum Mitmenschen, ist immer auf den anderen Menschen bezogen, hat also eine reife, verantwortungsbewußte, erwachsene Qualität („Zurückhaltung“). Das Schamgefühl, d.h. in der Haut steckengebliebene Lust-Energie (Erröten), ist hingegen eine Funktion der charakterlichen Fassade: es dreht sich um Selbstbespiegelung, es ist imgrunde narzißtischer und exhibitionistischer Natur und entspricht einem tiefsitzenden Infantilismus, einer emotionalen Unreife („Distanzlosigkeit“).

Der „Charakter“ des Westens ändert sich zunehmend in diese Richtung. Beispielsweise ist die Rolle der Scham wichtig, um das Verhalten von heutigen Jugendlichen zu verstehen. Wenn man sie etwa anspricht: „Laß das sein, Du Idiot. Ich muß mit meinen Steuergeldern für Deine Zerstörungswut blechen!“ – hat man gleich ein Klappmesser im Bauch. Und das nicht, weil der Jugendliche besonders wütend ist oder Frust loswerden will, sondern einfach, weil er mit der unerträglichen Scham, dem Gesichtsverlust gegenüber seinen Kameraden und gegenüber seinem Ichideal nicht fertigwerden kann. Früher hätte er mit Schuldgefühlen (gehemmt) reagiert, heute „rastet er aus“ (triebhaft).

Im Westen waren bis ca. 1960 Gesetze nur Ausdruck der verinnerlichten Werte. Die Menschen hatten sozusagen „den Polizisten im Kopf“. Nur auf dieser Grundlage konnten der Kapitalismus (der Austausch zwischen „ehrbaren Kaufmännern“) und die Demokratie (der institutionalisierte und formalisierte Bürgerkrieg) funktionieren, ohne daß alles in einem blutigen Chaos versank. Man schaue etwa nach Schwarzafrika, wo regelmäßig freie Marktwirtschaft in reines Banditentum und „Demokratie“ in Bürgerkrieg umschlägt. Es sei auch an die teilweise blutigen Saalschlachten in den Parlamenten Asiens erinnert.

Es ist eine Illusion zu glauben, man könne massenweise Schwarzafrikaner, Moslems und Asiaten mit ihren unreifen Charakterstrukturen nach Deutschland „migrieren“ lassen und gleichzeitig Wohlstand und Demokratie bewahren.

In der Süddeutschen Zeitung frägt Prof. Andreas Wirsching „Gehört der Islam zu Europa?“ und wendet sich dagegen, den „Kampf der Kulturen“ herbeizureden. Wie heutzutage in solchen Fällen beim geistes-„wissenschaftlichen“ Diskurs üblich, betrachtet er das Problem vom Gegensatz „Eigenes“ und „Anderes“ her. Was immer ganz „anti-faschistisch“ auf die Verdammung des Eigenen hinausläuft. Tatsächlich geht es dabei in der Tradition der Frankfurter Schule um die weitere Zersetzung der Panzerung des Westens. Aus dem resultierenden Chaos soll dann, frei nach Lenin, der neue Mensch erwachsen – irgendwie.

Konkret strebt Prof. Wirsching eine Überwindung des Freund-Feind-Denkens an und eine kulturelle Anverwandlung. Der Islam müsse integrativer Teil Deutschlands werden! Gleichzeitig beruhigt er uns: die Migranten haben sich natürlich gefälligst, wie alle anderen Bürger auch, an unsere Gesetze zu halten.

Wie naiv und zerstörerisch das ganze ist, habe ich eingangs anzudeuten versucht. Alles, was sonst noch über Prof. Wirschings unglaublichen Essay zu sagen ist, wurde gestern in Politically Incorrect gesagt.

Die Auseinandersetzung mit dem Isam in diesem Land läßt sich beispielsweise anhand von Kristiane Backers Buch Der Islam als Weg des Herzens beschreiben. Es sei, so die Rezensenten, ein Beitrag zu einer realitätsgerechteren Islam-Diskussion. Man könne den Islam nämlich nicht auf die üblichen Schrecklichkeiten verkürzen, sondern müsse ihn „als ganz normale Religion“ wahrnehmen lernen.

Allen ernstes wird uns der von einer minderbegabten ehemaligen MTV-Moderatorin zusammengezimmerte Privat-„Islam“, die Ergüsse irgendwelcher vollständig isolierter „Islam-Reformatoren“ oder gar „islamischer Feministinnen“, als wahrer Islam angedient.

In den letzten 1400 hat wirklich jeder Moslem den Dschihad als kriegerische Verbreitung des Islam verstanden. Uns soll aber weisgemacht werden, daß Dschihad einfach nur die Bewältigung der eigenen (gewalttätigen) Triebe bedeutet.

Der Rezensent zitiert Backer:

„Gott liebt nicht diejenigen, die Überschreitungen begehen“ (Koran, 2:190), heißt es […] ausdrücklich. Terrorismus gründet sich auf Haß und Rache, und genau davor warnt der Koran: „Euer Haß gegen einige Menschen soll Euch nicht dazu führen, ungerecht zu sein“ (Koran, 5:8).

Der Rezensent weiter:

Ein an mehreren Stellen aufgegriffenes Thema ist das Vergelten von schlechten Taten mit guten Taten. Auch hier beruft sich Backer auf den Koran und zitiert Sure 41:34: „Die gute Tat ist der schlechten nicht gleichzusetzen. Erwidere die schlechte, die dir geschieht, mit einer guten! So wird derjenige, mit dem eine Feindschaft bestand, zu einem Freund.“

Ähmmm, ähmmmmm, ähhhhhhmmmmm, – Sure 2 Vers 190 handelt vom Verhalten im – Dschihad! Der nächste Vers lautet:

Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. Kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie. So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.

Islam als Weg des Herzens! Dazu sehr schön in Onkel Allahs Mekka-Ecke: Der blinde Scheich Omar Abdel Rahman von der Al-Azhar Universität in Kairo antwortete 1980 auf eine Studentenfrage nach der Friedfertigkeit im Koran:

Mein Bruder, es gibt eine ganze Sure, die „Die Kriegsbeute“ heißt. Es gibt keine Sure, die „Frieden“ heißt. Der Djihad und das Töten sind das Haupt des Islam, wenn man sie herausnimmt, dann enthauptet man den Islam. (Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus, S. 44)

In einem Leserkommentar wird darauf hingewiesen, der Islam sei die einzige Religion, in der von einem Gott das Töten anderer Menschen zur Pflicht für die an ihn Glaubenden gemacht wird.

In keiner anderen Kultur, geschweige denn Religion findet sich die Kodifizierung von Mord, Raub, Versklavung und Tributabpressung als religiöse Pflicht. In keiner anderen Religion findet sich die geheiligte Legitimation von Gewalt als Wille Gottes gegenüber Andersgläubigen, wie sie der Islam als integralen Bestandteil seiner Ideologie im Koran kodifiziert und in der historischen Praxis bestätigt hat. Nicht zuletzt findet sich kein Religionsstifter, dessen Vorbildwirkung sich wie bei Muhammad nicht nur auf die Kriegsführung, sondern auch auf die Liquidierung von Gegnern durch Auftragsmord erstreckte. (Hans-Peter Raddatz: Von Allah zum Terror?, S.71)

Und was ist mit Sure 5, Vers 8 und Sure 41, Vers 34? Klingt das nicht nach der Goldenen Regel? Es ist schlichtweg unumstritten, daß der Islam die einzige Religion ist, in der die Goldene Regel explizit nicht gilt!

Bill Warner, Direktor des Center for the Study of Political Islam:

Diese Regel hat Gültigkeit auf Grund der Erkenntnis, daß wir alle auf einer grundlegenden Ebene gleich(berechtigt) sind. (…) Auf der Grundlage der goldenen Regel – der Gleichheit aller Menschen – haben wir die Demokratie errichtet, die Sklaverei beendet und alle Männer und Frauen politisch gleichberechtigt. Also ist die Goldene Regel eine vereinheitlichende Ethik. Alle Menschen müssen gleich behandelt werden. Alle Religionen wenden die eine oder andere Version der Goldenen Regel an außer dem Islam. (…) Der Begriff „menschliches Wesen“ hat im Islam keinerlei Bedeutung. Es gibt den Begriff der Menschheit nicht, es gibt lediglich die Dualität der Gläubigen und der Ungläubigen. (…) Ein Muslim sollte nicht lügen, betrügen, töten oder stehlen. Aber ein Muslim darf einen Ungläubigen belügen, täuschen oder töten, wenn es der Verbreitung des Islam dient. Im Islam gibt es keinerlei universelle ethische Aussagen. Muslime werden auf eine Art und Weise behandelt und Ungläubige auf eine andere. Der Islam kommt am nächsten zu einer universellen ethischen Aussage, indem er befiehlt, daß sich die ganze Welt dem Islam unterwerfen muß. Nachdem Mohammed zum Propheten geworden war, behandelte er nie mehr einen Ungläubigen auf dieselbe Weise wie einen Muslim. Der Islam negiert die Wahrheit der Goldenen Regel.

Der Islam gehört einfach nicht zu den Weltreligionen! Aber unser Rezensent insistiert:

Backer verweist in ihrem Buch gleich zweimal auf die Metapher, der zufolge die Religionen nichts anderes seien als Schöpfkellen, mit denen der Mensch aus dem Brunnen der Gotteserfahrung schöpft. In diesem Zusammenhang zitiert die Autorin auch Sure 5:48 des Korans: „Jedem Volk haben wir einen Rechtsweg und eine Glaubensrichtung zugewiesen. Wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einem einzigen Volk gemacht. Er hat euch aber verschieden geschaffen, um euch zu prüfen und zu erkennen, was ihr aus den euch offenbarten verschiedenen Rechtswegen und Glaubensrichtungen macht. Wetteifert miteinander, gute Werke zu vollbringen!“

Ähmmm, ähmmmmm, ähhhhhhmmmmm, – in Vers 51 der gleichen Sure verbietet Allah seinen Gläubigen Juden und Christen als Freunde zu haben!

O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind untereinander Freunde. Wer von euch sie zu Freunden nimmt, gehört zu ihnen. Gott leitet ungerechte Leute gewiß nicht recht.

Der Rezensent will, daß wir nicht auf die (an Moslems gerichteten und aus dem Arabischen übersetzten!) Aussagen der Al-Azhar Universität, der höchsten Autorität im sunnitischen Islam, hören, sondern – auf Frau Backer.

Es ist vollkommen irrelevant, was Frau Backer, ich oder sonstwer über den Islam aussagt. Mehr, es ist im höchsten Grade respektlos gegenüber der islamischen Kultur! Das einzige, was zählt, ist die Interpretation des heiligen Textes durch das Kollektiv der Rechtsgelehrten, die sich seit 1400 Jahren mit nichts anderem beschäftigen.

Es ist schlichtweg ungeheuerlich, wie in den deutschen Medien mit dem Koran umgegangen wird. Wie Textstellen aus dem Zusammenhang gerissen und vollkommen willkürlich interpretiert werden. Welch eine Verachtung für den Autor des Buches, Allah!

Mohammed ist nur der Überbringer des Buches! Warum taucht er dann im Glaubensbekenntnis auf? Weil nach der Aussage des Koran selbst die Aussagen und das Tun des Propheten der Schlüssel zum Verständnis des Koran sind. Das Leben des Propheten ist sozusagen die Brille mit der der Gläubige den Koran zu lesen hat.

Jeder der eine andere Brille aufsetzen will, wie Frau Backer und ihre Gewährsmänner, fällt vom Glauben ab und verdient, nach islamischer Lehre, den Tod, um nicht andere unschuldige Seelen mit sich in die Hölle reißen zu können. Ein Moslem ist jemand, der sich wie Mohammed verhält. Punkt.

Figuren wie Frau Backer werden von ihren vermeintlichen Glaubensbrüdern nur deshalb toleriert, weil sie gegenwärtig eine ganz andere Funktion ausfüllen: sie machen den Westen weich, „überreden ihn zum Islam“, führen also Menschen ins Paradies. Das ist der einzige Grund, warum Frau Backer von den Islamisten am Leben gelassen wird.

Das ganze ist eine exakte Wiederholung des Geschehens während des Kalten Krieges, als uns teilweise die gleichen Pseudo-Intellektuellen, nützliche Idioten, weismachen wollten, wie human doch der Kommunismus bzw. Marxismus im Kern sei und daß es nichts Schlimmeres gäbe als unsere „antikommunistischen Vorurteile“. Hat Marx nicht gesagt, daß solange der Mensch ein geknechtetes… usw. (Irgendeins der Handvoll Marx-Mantren.)

Man muß miterlebt haben, wie die linken „Reichianer“ auf den Antikommunismus der amerikanischen Orgonomen reagiert haben – genauso wie wenig später auf den „Anti-Islamismus“ von James DeMeo („Saharasia-Theorie“). Es ist wirklich ein und dasselbe: alles, wirklich alles, ist für diese Leute besser als „der Westen“. Der denkbar mörderischten Ideologie, die widerwärtigsten Pseudo-Religion, wird mit aller Macht der Weg geebnet. Das sind die Abgründe des Ödipus-Komplexes wie Elsworth F. Baker sie in Der Mensch in der Falle beschrieben hat.

Es hat etwas zutiefst Obzönes, daß ich ständig mit diesen infantilen Neurosen belästigt werde, kaum daß ich eine Zeitung aufschlage oder ein Radio anmache. Was mich aber wirklich in die Raserei treibt, ist, daß diese niederträchtigen Volldeppen sich als höchste Verkörperung von Anstand, Menschenliebe, Vernunft, Aufklärung, Demokratie, Fairneß und „wissenschaftlich-kritischem Denken“ hinstellen.

Bitte lesen Sie die oben verlinkte Rezension von Backers Buch! Diese Gedankenfäule zerstört unser Land. Es ist ein Verbrechen. Es ist pseudo-liberale Emotionelle Pest und nichts außerdem!

Und zum Schluß eine echte islamische Feministin:

Schöpfung und Opferung

5. Mai 2016

Die Schöpfungsgeschichte zu Beginn der Bibel Gen 1,1-2.4a entstammt der „Priesterschrift“, die im babylonischen Exil (6. Jh.v.Chr.) entstand und die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Einzug ins Gelobte Land beschrieb. Später wurde die Priesterschrift in die fünf Bücher Mose eingearbeitet. Die Priesterschrift stellt die Geschichte als eine patriarchale Genealogie dar, als Stammbaum: Gen 1,1-2.4a; 5; 10; 11. Man bekommt hier den Eindruck, daß die zyklische, spiralige Zeitauffassung des Matriarchats, wo die Schöpfung eine Aufeinanderfolge von Geburten durch die Göttermutter ist, nachträglich in eine abstrakte Abfolge „linearisiert“ wurde. Bei dieser Umarbeitung vom Funktionellen zum Kausalen ist die große Ungereimtheit entstanden, daß Gott Befehle gibt („Licht soll aufstrahlen!“), aber vollkommen im Dunkeln bleibt, wem er eigentlich diesen Befehl erteilt. So etwas passiert, wenn man organismisches Denken in ein mechano-mystisches Denken überführt.

Einer anderen Tradition, in der die Schöpfung weniger ein Geburts- als eine Opferhandlung ist, entstammt das „jahwistische Geschichtswerk“, das zur Zeit Salomos (9. Jh.) entstand. Auch diese Schrift wurde in die Bücher Mose eingearbeitet, so daß wir heute zwei Schöpfungsgeschichten vor uns haben. Die jahwistische Schöpfungsgeschichte (Gen 2,4b-25) fängt wie folgt an:

Als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bebauen konnte.

Othmar Keel und Max Küchler haben in ihrer vergleichenden Übersicht diese Stelle mit folgendem Auszug aus dem babylonischen Epos Enuma Elisch (um 1800 v.Chr.) parallel gesetzt:

Als der Himmel droben noch keinen Namen hatte, als unten das Festland noch keinen Namen trug, da war nichts vorhanden außer dem uranfänglichen Apsu (das Süßwasser – Seen und Grundwasser), ihren (der Götter) Erzeuger, (und) der Gebärerin Tiamat (das salzige Meerwasser), die sie (die Götter) dann alle gebar, die ihre Wasser durcheinander mengten. Als das (abgestorbene) Schilf sich noch nicht angehäuft hatte, als der Sumpfboden noch nicht zu sehen war, als noch kein einziger Gott da war, keiner beim Namen genannt wurde und noch keinem sein Geschick bestimmt war… (Synoptische Texte aus der Genesis, Fribourg 1971)

Schließlich wird die zum Untier Tiamat verteufelte Weltgebärerin vom patriarchalen Vatergott Marduk getötet. Diese Tat stellt die eigentliche Schöpfung dar. Im Enuma Elisch spiegelt sich also der Sieg des Patriarchats (die semitischen Babylonier) über das Matriarchat (die „schwarzköpfigen“ Sumerer) wider.

Daß man das typisch patriarchalische Abschlachten wirklich wörtlich nehmen muß, ist an einem bestimmten Brauch ersichtlich, der auf dem Mythos vom Mord an der zum Drachen dämonisierten Großen Mutter basiert. Vollzogen patriarchalisch infizierte Menschen die Schöpfung nach, indem sie ein Bauwerk errichteten, ging dies mit der kultischen Opferung von Menschen einher. Zum Beispiel wurden Kinder lebendig ins Fundament eingegraben, damit das künstlich Geschaffene genauso beständig sei, wie die natürliche Welt, die ihren Fortbestand der vorgeschichtlichen Großen Opferung zu danken hat (Ready Tannahill: Fleisch und Blut, München 1979, S. 37).

Nur so ist es m.E. auch zu erklären, warum denn bei Lev 18,21 in einer Auflistung sexueller Übertretungen unvermittelt auch der rituelle Kindesmord eingereiht wird. Der Geschlechtsverkehr wurde mit Sicherheit als eine Form des sakralen Nachvollzugs des Schöpfungsaktes betrachtet, der mit der zunehmenden Moralisierung der patriarchalischen Gesellschaft nicht von „Perversionen“ entweiht werden durfte (bis sogar das sexuelle Element ganz wegfiel). Wenn aber auch der Kindesmord zum Komplex des Schöpfungsaktes zählte (vorher brachte man die Große Mutter im „Marienmord“ um, jetzt ihren Sohn im „Christusmord“), ist es offensichtlich, warum er ebenfalls unter die Bekämpfung der sexuellen Perversionen subsumiert wurde. Es war der verzweifelte Versuch des Patriarchats sich von den eigenen Auswüchsen wieder zu reinigen. Die humane Verdammung des Kindesmordes (z.B in Dtn 12,31c) fiel dann tragischerweise mit der unmenschlichen Verdammung der Sexualität zusammen. Schließlich wurde auch aus der biblischen Schöpfungsgeschichte selbst nicht nur alles Blutrünstige, sondern auch alles Sexuelle entfernt. Es ist kein Zufall, daß heute mit dem Verfall des Patriarchats in den Trivialmythen „Sex und Gewalt“ wieder die Einheit bilden wie einst im Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat.

Die Verdammung der Menschenopfer durch die Speerspitze des Patriarchats ist kein Anwachsen der Menschlichkeit an sich, sondern vielmehr einem Verdrängungsprozeß zu danken. Im Alten Testament ist dieser Verdrängung auch der Kampf des patriarchalen Vatergottes gegen die matriarchale Urgöttin zum Opfer gefallen. Diese Mächte des Bösen und Chaotischen, das „Urchaos“, wurden durch die menschliche Ordnung ersetzt, gleichzeitig wurden damit aber auch alle originär menschlichen Elemente, die ausschließlich matriarchal sind, verdrängt. Diese Verdrängung aller Ursprünglichkeit ging mit dem Christentum so weit, daß im Mittelalter das Dogma von der Schöpfung ex nihilo aufkam, als Höhepunkt der Naturferne und -entfremdung.

Die Urschlacht, in der wenigstens (wie auch immer) die Große Göttin erscheint, läßt sich in Gen 1,2 allenfalls noch ganz fern erahnen. Jedoch in den poetischen Werken des Alten Testaments, die viel von der kanaanitischen Naturreligionen bewahrt haben, finden sich noch eindeutige Hinweise auf diese „Urschlacht“. Im Buch Ijob steht, Jahwe habe mit seiner Kraft das Meer besiegt und mit seinem Können das Meerungeheuer Rahab umgebracht (Ijob 26,12). Jahwe fragt:

Wer hat das Meer mit Toren abgesperrt, als es hervorbrach aus dem Schoß der Erde? Ich war’s (…) Ich gab ihm seine vorbestimmten Grenzen, schloß es mit Tor und Riegel sicher ein. Ich sagte ihm: „Bis hierher und nicht weiter! Hier hört der Hochmut deiner Wellen auf!“ (Ijob 38,8-11)

Man vergleiche dies mit den parallelen Aussagen in Ps 74,12-17; 77,17-21 (wo dieses Thema auf interessante Weise mit dem Durchzug durch das Rote Meer verknüpft wird); 89,10f und 104,26. Wo schließlich die patriarchale Überhebung Jahwes ihren Höhepunkt findet, wenn er behaupten läßt, er habe die Meerungeheuer geschaffen, was natürlich impliziert, er sei ursprünglicher als die Große Göttin, die er abschlachtet. (Kanaanitische Göttinnen wie Aschera und Astarte waren mythologisch immer mit dem Meer verbunden, während Jahwe „ein Gott gegen das Meer“ war.)

Daß übrigens der Mord an der Göttin und der Exodus engstens miteinander verbunden sind, zeigt auch folgende Stelle bei Jes 51,9f:

Du warst es (…), der den Drachen Rahab durchbohrt und zerteilt hat. Du warst es, der das Urmeer austrocknen ließ. Und du warst es, der mitten durch das Meer einen Weg bahnte, damit das befreite Volk durchziehen konnte.

Die Utopie der Jahwe-Anhänger ist die vollständige Durchsetzung des Patriarchats, wenn alles „Böse“ und „Chaotische“ besiegt sein wird.