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Arbeitsdemokratie (Teil 2)

21. April 2018

Übersetzung eines Auszugs aus einem Kommentar des medizinischen Orgonomen David Holbrook, M.D. auf Dr. Konias Blog. Hier abgedruckt mit freundlicher Genehmigung des Autors

Reich zufolge war, statt Fragen der Wirtschaft oder der Klasse, die verkrüppelte Charakterstruktur der Massen und ihre Unfähigkeit, Verantwortung für ihre eigene Freiheit zu übernehmen, das, was die Menschheit daran gehindert hat, eine rationalere Gesellschaftsstruktur zu entwickeln:

Die soziale Gewissensfrage lautet heute nicht mehr in erster Linie: „Bist du reich oder bist du arm?“, sondern: „Bist du und kämpfst du für Sicherung und größtmögliche Freiheit des menschlichen Lebens?“ (Reich, W. 1949/1966 (ursprünglich 1929 verfaßt). Die sexuelle Revolution: Zur charakterlichen Selbststeuerung des Menschen, vierte Auflage. Frankfurt: Fischer TB, S. 13)

Gemeint ist die echte Freiheit der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die Freiheit von Lebensangst, von ökonomischer Unterdrückung welcher Form immer, die Freiheit von reaktionären Hemmungen der Entwicklung, kurz, die freiheitliche Selbstverwaltung des Lebens. Befreien wir uns von allen Illusionen. In der Menschenmasse selbst wirkt eine reaktionäre, mörderische, entwicklungshemmende Macht, die alle Anstrengungen der Freiheitskämpfer immer wieder zuschanden macht. Diese reaktionäre Macht in den Menschenmassen erscheint als allgemeine Angst vor Verantwortung und als Angst vor Freiheit. Dies sind keine moralischen Werturteile. Diese Angst wurzelt tief in der biologischen Konstitution des heutigen Menschen. (Reich, W. (1946). Die Massenpsychologie des Faschismus. Dritte korrigierte und erweiterte Auflage. Frankfurt: Fischer TB, S. 294, Hervorhebungen im Original)

Reich beschrieb sich grundsätzlich als Liberaler, aber er meinte mehr eine Art Psychobiologie als eine politische Ideologie:

(…) es scheint so, daß Entwicklung, Freiheit, Unendlichkeit und Indeterminismus sich zu einer Gruppe von Variationen zusammenschließen, die mit der anderen Reihung, Struktur, Gesetz, Endlichkeit und Determinismus gepaart sind. Noch mal, diese Gruppierung hat überhaupt nichts mit Ideologien zu tun. Ich persönlich würde geneigt sein, der ersten Reihung von Variationen der zweiten vorzuziehen. Der ideologisch konservative Geist hingegen würde den zweiten Satz bevorzugen. (Reich, W. Oktober 1950. Finity and infinity; determinism and freedom, Orgone Energy Bulletin Vol. 2, No. 4, S. 175)

Obwohl er sich vom Konservativen abgrenzte, erkannte er die tragischen Grenzen der liberalen Ideologie:

In den ethischen und sozialen Idealen des Liberalismus erkennen wir die Vertretung der Züge der oberflächlichen, auf Selbstbeherrschung und Toleranz bedachten Charakterschichte. Dieser Liberalismus betont seine Ethik zum Zwecke der Niederhaltung des „Untiers im Menschen“, unserer zweiten Schichte der „sekundären Triebe“, des Freudschen „Unbewußten“. Die natürliche Sozialität der tiefsten, dritten Schicht, der Kernschichte, ist dem Liberalen fremd. Er bedauert und bekämpft die menschliche Charakterperversion mittels ethischer Normen, aber die sozialen Katastrophen des XX. Jahrhunderts lehrten, daß er damit nicht weit kam. (Reich, W. (1946). Die Massenpsychologie des Faschismus, S. 12)

Der Freiheitskrämer [d.h. der Pseudo-Liberale] macht aus der Wahrheit einen Köder, um die Menschen in eine Falle zu locken. Wahrheit ist für ihn ein „Ideal“ und nicht die Art und Weise, in der alle Angelegenheiten erledigt werden. Ist er rechthaberisch, so glaubt er, daß er die Wahrheit verteidigt. Der Konservative, der aus der instinktiven Kenntnis der großen Schwierigkeiten, die mit dem Streben nach Wahrheit verbunden sind, den STATUS QUO im gesellschaftlichen Leben verteidigt, ist weit ehrlicher. Er hat wenigstens eine Chance, anständig zu bleiben. DER FREIHEITSKRÄMER DAGEGEN MUSS SEINE SEELE DEM TEUFEL VERKAUFEN, WENN ER VORANKOMMEN WILL. (Reich 1953, Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, S. 307; Hervorhebungen und der eingeklammerte Text von Dr. Holbrook)

Die Wahrheit ist, daß Reich keine politische Lösung für die sozialen Probleme der Menschheit angestrebt hat:

Die politikante Form der Regierung über Völker muß durch die naturwissenschaftliche Lenkung sozialer Prozesse abgelöst werden. (Die sexuelle Revolution, S. 16)

Reichs Ansicht war, daß die Menschen nicht in der Lage sein werden, eine gesunde Gesellschaft zu bilden oder eine gesunde Form gesellschaftspolitischen Funktionierens zu bilden, bis nicht die Menschenmassen ausreichend frei von Panzerung sind, um zur genitalen Liebe fähig zu sein: Genitalität.

Der Kern der praktisch-politischen Psychologie ist die Sexualpolitik; denn der Kern des seelischen Funktionierens ist die sexuelle Funktion. (ebd., S. 19)

(…) die seelische Struktur (ist) in ihrem Kern Sexualstruktur und der Kulturprozeß (ist) im wesentlichen sexueller Bedürfnisprozeß (…) (ebd., S. 20)

Ich denke, diese Passagen machen ziemlich deutlich, was Reich hinsichtlich der Lösung des menschlichen Elends nicht glaubte. Die Frage bleibt: Wie würde eine echte „Arbeitsdemokratie“ aussehen? Wie würden sich die „Arbeitsbeziehungen“ in einer solchen Gesellschaft in Bezug auf die Wirtschaftsstruktur praktisch gestalten? Sicherlich müßte die Gesellschaft eine Wirtschaftsstruktur haben, auch wenn es sich um eine genitale Gesellschaft handelt.

Es scheint mir, daß Reichs Sprache und Denken eine Art von Wirtschaftssystem nahelegen, das den einzelnen Bürger dazu verpflichten und befähigen würde, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen und gleichzeitig für Freiheit der Bewegung und die Funktionsfähigkeit zu sorgen. Es scheint mir, daß eine klassische liberale (nicht moderne, pseudo-liberale) Form des demokratischen Kapitalismus den Menschen die größten Möglichkeiten bietet, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen und die Freiheit zu haben, ihre biologische Energie auf gesunde Weise auszudrücken.

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Die Selbstsucht des Liberalen

15. April 2018

Der Konservative lebt (wenn auch mystisch verzerrt) aus seinem biologischen Kern heraus, der Liberale („Linke“) ist von diesem Kern getrennt und lebt ganz in der sozialen Fassade. Diese Trennung vom biologischen Kern geht einher mit einer Trennung von den Mitmenschen (Selbstsucht) und vom Kosmos („Atheismus“).

Beim Linken dreht sich alles um ihn selbst. Alles dreht sich um das ach so kostbare Ego. Für die Nation, die Familie, den religiösen Glauben, für Traditionen, etc. empfindet er nur Verachtung. Für Mutti war er ein Gott, entsprechend tritt er für den Sozialismus ein, der ihn vor aller Konkurrenz schützt. Wenn er sich opfert, dann nie für andere, sondern aus Protest, weil es nicht nach seinem Willen geht, oder um hinter seine hohlen „Ideale“ ein Ausrufungszeichen zu setzen. Man denke nur an die Selbstmorde der RAF-Mitglieder in Stammheim.

Der Konservative nimmt sich nicht so wichtig. Instinktive weiß er, daß er Teil einer Kette ist, die von der Vergangenheit in die Zukunft reicht, ein winziger Teil eines Ganzen, das für ihn auf ewig unüberschaubar bleibt. Deshalb glaubt er nicht an gesellschaftliche und ökonomische „Eingriffe“. Gleichzeitig ist sein Selbstgefühl und sein Selbstbewußtsein nicht so prekär wie das des Linken, denn der Konservative weiß, wo er steht, kennt seine Identität und kann sich wenn nötig durchsetzen. Sein „Ich“ hat sozusagen Substanz, so daß er sich niemals für eine bloße Idee wie den „Weltfrieden“ opfern würde, sondern allenfalls, wie im Tierreich üblich, für seine Gene. Der Linke haßt Kinder, ermordet sie („Schwangerschaftsunterbrechung“) auf dem Altar seiner „Selbstverwirklichung“ und zerstört die Zukunft der weniger Überlebenden. Für Reichs Konzept „Kinder der Zukunft“ hat er von jeher nur Verachtung übrig.

Es stimmt zwar, daß im Realsozialismus das Wort „Ich“ tabu war und bei den heutigen Linken das „Wir“ im Mittelpunkt steht, aber das ist alles hohl. Der Staat tat alles, um die Menschen zu einer homogenen Masse von lauter Einzelnen ohne Vergangenheit und ohne Verortung zu machen, die sich nicht autonom organisieren können. „Fraktionsbildung“ war die große Sünde. Und das rot-grüne „Wir“ gilt immer nur einer rein abstrakten Menschheit. Kaum sagt jemand auf eine inhaltlich substantielle Weise „wir“ (etwa „wir Deutschen“), wird er niedergeknüppelt. Auch im täglichen Umgang wird man kaum kältere und rücksichtslosere, ja gemeinere Menschen finden als Linke. Dieses Gesocks hat kein Vaterland, keine Vergangenheit und – keine Zukunft!

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 6)*

8. April 2018

von Paul Mathews

In diesem Sinne ist der Liberale verstohlener als der Rote Faschist, denn er kann seine schmutzige Arbeit verrichten, ohne von ihr zu wissen und sogar während er sich ihr zu widersetzen scheint. Auf diese Weise erlaubt er sich ein williges Werkzeug des Roten Faschisten zu sein. Seine Wahnideen sind Produkt seiner Kontaktlosigkeit und des charakteristischen Augenblocks, den Reich, Baker11 und andere beschrieben haben. So kann er aufrichtig gottesfürchtig, rechtschaffen und moralistisch sein, während er mittels seiner „Toleranz“ und Wortverdrehungen zu den menschlichen Katastrophen beiträgt, gegen die er vorgibt vorzugehen.

Er kann zum Beispiel empört sein über die Zivilopfer, die durch das amerikanische Vorgehen gegen einen fanatischen und skrupellosen Feind12 verursacht werden und zur gleichen Zeit blind sein gegenüber den vorsätzlichen Gräueltaten oder sie rechtfertigen, die dieser Feind verübt hat, um durch Terror Unterwerfung zu erzwingen. Dies enthüllt seine Heuchelei und falsche Humanität. In Wirklichkeit geißelt er sein Land dafür, dass es versucht, die Ausbreitung der emotionalen Pest (via kommunistischer Aggression) zu stoppen, und er stimmt, auch wenn nur durch seine Versäumnisse, den Übeln zu, die von den roten Aggressoren auf ihrem Weg zur Welteroberung begangen werden. Er wird eine Intervention in der Dominikanischen Republik, in Kuba oder Korea aus Gründen der „Souveränität“ verurteilen, während er eine Intervention in Angola, Rhodesien, Südafrika und sogar in Indonesien und im Nahen Osten billigt oder verschweigt.o Es gibt zwei Dinge, die sein Augenblock vernebelt: den Unterschied zwischen einem todbringenden, endemischen Befall und einer lokalen, sich selbst begrenzenden Infektion, und seinen eigenen Doppelstandard zugunsten der Pest des Roten Faschismus. Er versäumt es, den Roten Faschisten als den gefährlichsten Träger der heutigen emotionalen Pest zu erkennen – die größte Bedrohung für die menschliche Freiheit, die Selbstregulierung und die natürliche bioenergetische Bewegung.

Ist eine solche Haltung lediglich Blindheit oder ist sie Aufwiegelung? Reich erklärte (4)p:

Die Menschen tragen ihren Hass nicht offen zur Schau. Sie verheimlichen ihn und leben ihn auf meisterhafte Weise im Verborgenen. Der Hass kommt so perfekt bemäntelt daher, als Hass auf den ewigen Feind, den Imperator, den Übeltäter von außen, dass keine vertrauensvolle und liebende Seele ihn im Traum im Innern eines rechtschaffenen Menschen selbst vermuten würde. Und doch ist es so: Die klammernde Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist in Wahrheit Hass; die unverbrüchliche Treue einer Ehefrau ist in Wahrheit Hass. . . .
Die Abhängigkeit eines Mannes als Versorger seiner Familie ist in Wahrheit Hass. . . .

All das ist so unglaublich, dass wir es weder begreifen noch damit umgehen können. Aber es ist wahr. . . . die Quintessenz der allgemeinen Flucht vor allen Wahrheiten. . . . Bevor wir die Wahrheit greifen können, müssen wir erst diese große Lüge entlarven. Und die Entlarvung dieser großen Lüge stürzt alle Beteiligten ins Unglück.

Der Liberale ist nicht in der Lage, mit diesem Hass13 in Kontakt zu treten, da er ihn in der oberflächlichen Schicht seiner Struktur abwehrt; aber je mehr er ihn abwehrt, desto drängender sind seine Forderungen nach Ausdruck in Ersatzformen und die Notwendigkeit der Rationalisierung. Demgemäß werden der Liberale und seinesgleichen zu den „Freiheitsscharlatanen“, die, wie Reich sagt (4), „Unterstützung erfahren (…) durch Intelligenzmaschinen, die keine andere Funktion haben als die, den abgestorbenen Zustand ihrer Genitalien zu erhaltenq“. Es ist diese verzweifelte Reaktion gegen seinen Hass, die den Liberalen in den pestkranken Kreuzritter verwandelt, der schließlich seinen Hass im Zusammenbruch der Menschheit befriedigt, der mit seiner Hilfe herbeigeführt wird. Masochistische Duldung des Pestverhaltens ist selbst ein Aspekt der Pest. Der Liberale duldet nicht nur, sondern unterstützt es aktiv durch die entstellten Programme sozialen Aktivismus, die leicht zugunsten von Modju kanalisiert werden können.

Wir wissen, dass die letztendlichen Lösungen für die Menschheit, wie Reich betont hat, aus der Arbeit an Säuglingen und Kindern kommen müssen; nicht von der „Politik“. Dennoch glauben wir, dass wir in diesem Zeitalter des nuklearen Alptraums alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um sicherzustellen, dass die Welt lange genug besteht, um die Möglichkeit eines solchen Jahrtausends zu testen – wie auch immer die statistischen Chancen gegen uns stehen mögen. Daher müssen wir vorbereitet sein, die Pest in jeder ihrer Erscheinungen und Ausprägungen zu erkennen, denn „Die Waffe der Wahrheit erfordert, dass Fragen gestellt werden ohne Rücksicht darauf, ob sie gefallen oder nicht und zu welchen Antworten sie führen“ (4)r.

 

11 Siehe im speziellen „okulare Charaktertypen“ (1, S. 138ff).

12 Es ist interessant festzustellen, dass bei den amerikanischen Aktionen gegen die Zivilbevölkerung in den Achsenländern während des Zweiten Weltkrieges kein so großes Interesse geäußert wurde und dass selbst Hiroshima und Nagasaki erst dann zu causes célèbres wurden, als der kommunistische Propagandaapparat das Stichwort ausgab.

13 Ein Artikel in der New York Times vom 3. September 1967, (S. 40), berichtet, dass die meisten Morde in Familien und unter Freunden begangen werden; normalerweise von „netten“, „überkontrollierten“ Leuten. „Misshandelnde Eltern haben 1962 mehr Kinder getötet als zusammen an Leukämie, Mukoviszidose und Muskeldystrophie gestorben sind.“

 

Anmerkungen der Übersetzer:

o Mathews bezieht sich hier auf „Volksbefreiungsbewegungen“, die in den 1960er Jahren beispielsweise in Angola von der Sowjetunion ins Leben gerufen und unterstützt wurden und etwa auf Kuba von den USA bekämpft wurden. Nur das letztere sind für den modernen Liberalen „Interventionen“, die das Prinzip der staatlichen Souveränität untergraben. PN

p Christusmord, Zweitausendeins, S. 125

q Christusmord, Zweitausendeins, S. 359

r Christusmord, Zweitausendeins, S. 338

 

4. Reich, W.: The Murder of Christ. Rangeley, Me.: Orgone Institute Press, 1953

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 5)*

5. April 2018

von Paul Mathews

Durch dieses Verhalten zeigt der moderne Liberale, dass er nicht wirklich „liberal“ ist, sondern tatsächlich ein pestkranker Charakter mit einer langen Geschichte der Unterstützung für die subversivsten zerstörerischen Kräfte in der Gesellschaft – und alles im Namen der Humanität!

Der ehemalige polnische kommunistische Funktionär Wladyslaw Tykocinskin deckte bei der Diskussion der Strategie der kommunistischen Geheimdienste im Westen auf:9

Ihr sucht im Inland immer nach Kommunisten. Aber sie – die echten Kommunisten des Geheimdienstes – wollen keine Kommunisten. Sie wollen Bürger mit Geld und Einfluss. . . . Sie umschmeicheln die Intellektuellen und die nicht-kommunistischen Linken und lassen sie die Arbeit machen. Sie wollen sie nicht als Mitglieder der Kommunistischen Partei, sondern als Strohmänner, die Zugang zur Gesellschaft haben. . . . Um der Welt zu beweisen, dass du die Welt rettest und dass du die Welle der Zukunft bist, brauchst du respektable Menschen – keine Arbeiter, sondern Studenten, Lehrer, Kirchenmänner, Professoren und Ärzte.

Wenn wir die Liberalen dafür verurteilen, dass sie sich Modju zur Verfügung gestellt haben – berufen wir uns bloß auf das Prinzip „schuldig, weil gedanklich eine Verbindung hergestellt werden kann“? Nicht ganz, denn funktionell gesehen, ist die Wahl derer, zu denen du dich gesellst, Produkt deiner Charakterstruktur und eine Projektion deiner Identifikationen. Der wichtigste Punkt ist, dass der moderne Liberale ein Pestcharakter ist, der Modju genausoviel benutzt, wie Modju ihn benutzt – wie ein Paar in einer sado-masochistischen Beziehung. Er braucht Modju, um seine neurotische Abwehr intakt zu halten; er kann unverfälschte Aggression, er kann das Leben nicht ertragen. So versteckt er sich hinter Modju, der ihn benutzt, und plädiert, wenn nötig, auf unschuldig: „Du siehst, ich bin nicht des Verrats schuldig. Ich wurde von Modju reingelegt.“ (Fassade, oberflächliche Schicht.)

Modju dagegen funktioniert im Wesentlichen von der sekundären Schicht aus, mit einem Lippenbekenntnis, andere gegen diese Schicht zu verteidigen.10 Paradoxerweise ist er sowohl offener, bzw. direkter, als auch subversiver als der Liberale. Der Liberale ist in seinen Übertretungen weniger offensichtlich und macht sich sogar selbst vor, dass er ein „herzensguter“ und „fairer“ Kerl sei, ohne zu wissen, dass es „Herzensgüte“ und „Fairness“ im Dienste von Niedertracht und Ungerechtigkeit ist, um Reich zu paraphrasieren (5).

 

9 New York Times, 8. März 1967.

10 Siehe das Schema der sozio-politischen Charaktertypen (1, S. 126).

 

Anmerkungen der Übersetzer:

n Leiter der polnischen Militärmission in West-Berlin (1957-1965), lief am 16. Mai 1965 zu den Amerikanern über.

 

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967

5. Reich, W.: „Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, 4, Nr. 3

Die Antifa, Hollywood, die Polizei und die soziopolitische Charakterologie

2. April 2018

Der Aufkleber unten sagt so gut wie alles über unsere rotverschobene Gesellschaft. Es handelt sich um eine Szene aus dem Hollywoodfilm Terminator, wo einer der bösen Roboter in Gestalt eines Polizisten den anarchistischen Helden jagt. „Vertraue niemals einem Polizisten.“

Unsere gesamte Gesellschaft (Schule, Universitäten, Medien) ist ein einziger antiautoritärer Alptraum. Er beruht auf einer charakterologischen Verschiebung vom Konservativen zum Liberalen, d.h. von der muskulären Abwehr zur intellektuellen Abwehr. Das geht einher mit Verachtung für und Haß auf die Polizei und das Militär. Beide Professionen beruhen auf der Anwendung bzw. Androhung von unmittelbarer körperlicher Gewalt und beide tun dies im Auftrag von denen „da oben“, letztendlich sind sie Vertreter des verhaßten Vaters.

Diese Charakterdynamik, die das eigentliche Substrat des „Linksseins“ ist, durchzieht sämtliche Gesellschaftsschichten und setzt sämtliche materiellen Interessen außer Kraft. Tatsächlich tut sich eine auffallende Schere auf, zwischen den Klasseninteressen der Unterschicht und deren größeren Hang zur muskulären Abwehr („rechts“, konservative Charakterstruktur) bzw. der Oberschicht und deren größeren Hang zur intellektuellen Abwehr („links“, liberale Charakterstruktur).

Das Photo unten und seine Beschriftung sagt dermaßen viel über den soziopolitisch-charakterologischen Gegensatz aus! Beispielsweise hat der Konservative noch einen gewissen, wenn auch mystisch verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern (Identifizierung mit dem Vater und der Tradition) und kann deshalb annähernd zwischen primären und sekundären Trieben unterscheiden. Entsprechend ist in seinem Weltbild die bewaffnete Macht dafür da „to protect und to serve“ (zu schützen und zu dienen). Es geht darum, die primären Triebe vor den sekundären Trieben zu schützen und dem Lebendigen zu dienen. Das anarchistische Ungeziefer, das mit Aufklebern wie dem unten unsere Städte verschandelt, empfindet vollkommen anders. Der Linke wendet sich radikal vom Vater und der Tradition ab, verliert damit jedweden Kontakt zum bioenergetischen Kern und hat deshalb keinerlei Empfinden für den Unterschied zwischen primären und sekundären Trieben. In seinen Augen sind die „Bullenschweine“ PER SE unterdrückerisch und „triebfeindlich“. Der Linke identifiziert sich mit den Kriminellen und damit mit den sekundären Trieben. Er identifiziert sich mit der Emotionellen Pest. Er ist der Abschaum dieses Planeten.

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 3)*

29. März 2018

von Paul Mathews

Nicht wenige Liberale haben die Meinung geäußert, dass sie „für die Sache“ sogar ihr „unbedeutendes Leben“ opfern oder sich genau von den Menschen ermorden lassen würden, die sie unterstützen. Dieser Gedanke der „Bedeutungslosigkeit“ ist häufig anzutreffen und passt gut zu ihren kollektivistischen Idealen. Viele sogenannte Pazifisten haben ihre Bereitschaft erklärt, sich und ihre Familien ermorden oder verstümmeln zu lassen, statt zu kämpfen. Diese Haltung hat sich in Handlungen wie den Selbstverbrennungen von Roger La Portei und Norman R. Morrisonj greifbar manifestiert. La Porte wurde dahin beschrieben, daß er „die Strafe als Folge des [Vietnam-] Krieges auf sich nehmen“ wolle7, und Morrison, ein Quäker, wurde dahin beschrieben8, dass er sich mit Bürgerrechten und Pazifismus befasste und sein Leben durch Selbstverbrennung ein Ende gesetzt hatte aufgrund von Berichten in I. F. Stone’s Weeklyk über die Bombardierungen von Zivilisten durch US-Flugzeuge. Das ist eindeutig ein vorgeschobener Beweggrund, denn Vietcong-Massaker an Zivilisten waren schon eine ganze Reihe von Jahren einer möglichen US-Aktion vorausgegangen. Diese Selbstverbrennungen waren keine Heldentaten der Aufopferung. Sie waren Manifestationen des Vorzugs des Todes gegenüber der Wahrheit – offenkundiger zum Ausdruck gebracht als durch den durchschnittlichen Liberalen. Sie sind ein Analogon dazu, dass politisch der Liberale den Tod vorzieht, der durch den Roten Faschismus beschert wird. „Lieber rot als tot“ bedeutet im bioenergetischen Sinn eigentlich „Lieber rot als die Wahrheit“.

Technisch sind diese Selbstmorde Psychosen – aber ihre bioenergetische Bedeutung ist klar: was immer den gepanzerten Charakter näher an seinen Kern (Wahrheit) heranführt oder seinen Rückzug davon verhindert, führt zu mörderischen oder selbstzerstörerischen Reaktionen, je nach den Umständen und der individuellen Charakterstrukturierung. Die Verbrannten waren ihrem Kern näher als der durchschnittliche Liberale (La Porto war ein Katholik, der von Christus sprach, und Morrison wurde als ein Mystiker beschrieben, dem „die Religion die dominierende Kraft in seinem Leben war“). Der durchschnittliche Liberale muss seine schreckliche Angst, seine Ermordung und seinen Selbstmord auf symbolischere und aufwiegelndere Weise ausdrücken, denn er ist im Wesentlichen kontaktlos und kann diese Dinge nicht direkt tun. Er benutzt deshalb das „mörderische Gerede“ (Slogans) und die selbstmörderische „OFFENE VERTEIDIGUNG DES MÖRDERS“.

Von dem Pestcharakter hat Reich gesagt (6):

Er bemüht sich sehr darum, als gerecht den Gerechten und vernünftig den Vernünftigen zu erscheinen, und es gelingt ihm sogar, gerecht und vernünftig zu erscheinen. . . . Das Motiv, gerecht und vernünftig zu erscheinen, ist nicht gerecht und vernünftig zu sein, sondern nur gerecht und vernünftig zu erscheinen, um in einer sehr schlauen Art und Weise zu verstecken, dass man ungerecht ist und in schädigender Weise unvernünftig.

Es ist gerade diese Art von Verhalten, die für die durchschnittliche anständige Person so schwer zu ergründen ist. Es ist die Falle der Projektion des eigenen Anstands auf den Unanständigen und die Angst, einen „Unschuldigen“ zu bestrafen – vor allem, wenn er so wohlmeinend zu sein scheint. Was die Sache noch schlimmer macht, ist die mangelnde Einsicht des Pestcharakters und dass er in seiner Rechtschaffenheit ziemlich sicher zu sein scheint. Er wankt selten, denn der Dogmatismus ist in seiner sehr benötigten Abwehr gegen bioenergetische Bewegung im Organismus verankert. Wie bestimmt man dann pestartiges Verhalten? Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus dem gegenwärtigen Weltgeschehen, die Vietnam-Politik der US-Regierung.

 

* Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 1 (1967), Nr. 1 & 2, S. 138-148.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein.

 

7 New York World Telegram & Sun, 9. November 1965

8 New York Times, 7. November 1965.

 

Anmerkungen der Übersetzer:

i Roger Allen LaPorte, Demonstrant gegen die Beteiligung am Vietnamkrieg. Setzte sich am 9. November 1965 als 22-Jähriger vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York City in Brand.

j Norman Morrison, Quäker, Selbstverbrennung mit 31 Jahren als Protest gegen die Beteiligung der USA am Vietnamkrieg. Hatte zwei Töchter und einen Sohn. Übergoss sich am 2. November 1965 mit Petroleum und zündete sich unter dem Pentagon-Büro von Verteidigungsminister Robert McNamara an.

k I.F. Stone’s Weekly (1953-71), sehr einflussreiches linkes Wochenblatt, setzte sich gegen McCarthyismus und Rassendiskriminierung ein, kritisierte den Vietnamkrieg.

 

6. Reich, W.: „Modju at Work in Journalism“, Orgone Energy Bulletin, 5, Nr. 1 & 2, 1953.

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 2)*

27. März 2018

von Paul Mathews

Reich hat erklärt: „Die schändliche Kreuzigung Christi ist nur zu verstehen, wenn wir die verborgenen, hinterhältigen und wohldurchdachten Methoden der emotionalen Pest gründlich durchschauen“ (4)b. Den modernen liberalen Charakter müssen wir in diesem Zusammenhang verstehen, denn er ist in der Tat ein emotionaler Pestcharakter, dessen Funktionsweise das menschliche Glück zerstört; einer, der wie der Rote Faschist das Leben im Namen seines Schutzes zerstört. Er ist zahlreicher als die professionellen und ideologischen Sozialisten oder Kommunisten (obwohl, einer von ihnen zu sein, seine nächste Stufe der politischen und charakterologischen Abwärtsentwicklung sein wird). Er ist daher bedeutender und einflussreicher als sie, da er in einer viel besseren Position ist, um eine größere Anzahl von Menschen zu täuschen. Er täuscht durch seinen Anschein der politischen Objektivität und mit seiner wortgewandten Intellektualität; er verschleiert damit seine charakterologische Vorliebe für Kollektivismus und „Pazifismus“ und seine von Schuldgefühl motivierten Konzepte von Gerechtigkeit und Bürgerrechten. In zukünftigen Artikeln hoffe ich, die spezifischen menschlichen Probleme, die durch das Dilemma der liberalen Charakterologie entstehen, eingehender zu erforschen. („Liberaler“ bedeutet in diesem Artikel zukünftig „moderner Liberaler“, sofern nicht anders angegeben.)

In seinem Artikel „Die Wahrheit versus Modju“ sagt Reich (5):

Der „liberale Geist“ ist in Bezug auf diese Toleranz auf eine sehr schlechte Weise vom rechten Weg abgekommen. Es wird bald ganz klar werden, dass unter dem Deckmantel dieses Schutzes, den die Pest genießt, unzählige Morde begangen wurden . . . nur für Modju.
So sind solche [liberalen] Slogans mehr als gehaltlos. Sie sind mörderisches Gerede . . .

In Christusmord sagt er (4)c:

Der „Christusmord“ wird geschützt durch . . . OFFENE VERTEIDIGUNG DES MÖRDERS, wenn und sofern es geschieht, dass mit dem Finger auf ihn gezeigt wird, Verteidigung insbesondere durch sogenannte „Liberale“.

Obwohl Reich den Begriff „moderner Liberaler“ nicht verwendete, ist aus seinen vielen Verweisen auf diese „sogenannten ‚Liberalen‘“ offensichtlich, dass es sich genau um den Charaktertypus handelt, den er meint. Kann man leugnen, dass „mörderisches Gerede“ und „OFFENE VERTEIDIGUNG DES MÖRDERS“ symptomatisch für pestartiges Verhalten sind?

Bei der Klärung der Natur des Pestcharakters hat Reich weiter ausgeführt: „Da jede Wahrheit die Frustration innerhalb des Organismus vergrößert, muss der Pestcharakter unbedingt die Wahrheit hassen“ (5). Es ist dieser Hass auf die einfache Wahrheit, der die wahnsinnigen intellektuellen Begründungen der Liberalen hervorbringt und die erstaunliche Blindheit hervorruft, die ihre Wahrnehmungen und Ideen charakterisiert. Wie oft wird der Begriff „undifferenziert“ abwertend und mit Verachtung verwendet. Dies hier ist nicht in einem anti-intellektuellen Sinne gemeint, denn im Gegensatz zu Intellektualisierungen, die lediglich der Abwehr dienen, basiert die echte Intellektualität auf einer kontaktvollen Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Die pestilente Natur des Liberalen wird in unserer Zeit immer deutlicher, wenn er sich für vorgebliche idealistische Beweggründe einsetzt, die von Modjus allzu häufig manipuliert und schlussendlich kontrolliert werden. Großzügigkeit könnte uns dazu bringen, diese Tatsache als Produkt der Schuldgefühle des Liberalen, der Naivität, der Angst vor Aggression und anderer neurotischer Mechanismen zu interpretieren. Das Verhalten des Liberalen ist jedoch geprägt von Destruktivität auf der sozialen Bühne und dadurch, daß er sich in Institutionen organisiert – seien dies nun Kreuzzüge für FRIEDEN, SEX oder BÜRGERRECHTE – die durch ihre Abwicklung das Gegenteil ihrer vordergründigen Ziele garantieren. Selbst ein so kompromissloser Bürgerrechtler wie Bayard Rustind musste zugeben, dass die Bürgerrechtsbewegung seit 1965 „ganz und gar zersplittert“ ist. Er forderte den Ausschluss von Dr. Benjamin Spock aus SANEe wegen „politischer Naivität“, weil der, um den Krieg in Vietnam5 zu beenden, mit Maoisten und Trotzkisten zusammengearbeitet hat.

Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, wie sich die Liberalen wahllos an den Elementen ausgerichtet haben, die dem tatsächlichen sozialen Fortschritt am meisten abträglich sind, sei es in Petitionen, Märschen, Sitzstreiks oder mit anderen Mitteln, die benutzt werden, um Druck für Veränderungen auszuüben. Ich habe schmerzlich mit angesehen, wie sich diese Beweggründe nicht auf die Erreichung des verkündeten humanitären Ziels bezogen, sondern – wie bei jeder „Volksfront“, die von der emotionalen Pest gelenkt wird – um die Ziele der Pest zu fördern. Weder die unverblümte Verachtung und der Hass der Separatistenf noch die Androhung körperlicher Gewalt können diese Liberalen davon abhalten, sich und die Gesellschaft vor ihrem selbstmörderischen Schuldgefühl niederzuwerfen. Daniel Moynihang (von dem anzunehmen ist, dass er eher ein umweltbedingter als ein charakterologischer Liberaler ist), hatte kürzlich folgendes seinen liberalen Mitstreitern in Americans for Democratic Actionh zu sagen:6 „Liberale müssen irgendwie die sonderbare Herablassung überwinden, mit der sie alles verteidigen und wegdiskutieren, wie skandalös es auch immer sei, was Neger einzeln oder gemeinschaftlich anrichten könnten.“

 

* Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 1 (1967), Nr. 1 & 2, S. 138-148.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein.

 

5 New York Times, 8. Mai 1967.

6 New York Times, 24. September 1967, S. 1.

 

Anmerkungen der Übersetzer:

b Christusmord, Zweitausendeins, S. 178.

c Christusmord, Zweitausendeins, S. 175.

d Afroamerikanischer Bürgerrechts-Aktivist, Berater von Martin Luther King Jr. Wurde führender Stratege der Bürgerrechtsbewegung von 1955 bis 1968.

e 1957 gegründete Organisation gegen das atomare Wettrüsten. Der Name „SANE“ kam von den Konzepten, die Erich Fromm in seinem Buch The Sane Society vorstellte.
Benjamin Spock (1903-1998), US-amerikanischer Kinderarzt und Psychiater, der die Psychoanalyse für die Kindererziehung popularisierte. Seit 1962 Co-Vorsitzender von SANE. Stand 1968 vor Gericht, weil er während des Vietnamkrieges dazu aufgerufen hatte, den Wehrdienst zu verweigern.

f Gemeint ist die militante Black Power-Bewegung. [Anmerkung von PN]

g Stellvertretender Arbeitsminister unter Kennedy und Präsident Lyndon B. Johnson, widmete viel Zeit dem Krieg gegen die Armut. Verließ 1965 die Johnson-Administration. Danach Professor an der Harvard University.

h 1947 gegründete Organisation, für pro-gewerkschaftliche und liberale Innenpolitik. Erreichte in den frühen 1960er Jahren starken Einfluss, als einige ihrer wichtigsten Mitglieder ausgewählt wurden, sich der Regierung von US-Präsident John F. Kennedy anzuschließen.

 

(4) Reich, W.: The Murder of Christ. New York: Orgone Institute Press, 1953
(5) Reich, W.: „Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, 1, Nr. 3

Warum wird Trump von der Linken so abgrundtief gehaßt?

26. März 2018

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die Hysterie der Linken:

Warum wird Trump von der Linken so abgrundtief gehaßt?

Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 1)*

24. März 2018

von Paul Mathews, M.A.**

Der Zweck dieses Papiers ist es, auf die wichtige Rolle aufmerksam zu machen, die der moderne Liberale im soziopolitischen Bereich spielt.

Lassen Sie mich zuerst den Begriff „moderner Liberalismus“ definieren, wie er von Dr. Elsworth F. Baker (1) verwendet wird, um ihn vom echten Liberalismus zu unterscheiden. Der moderne Liberalismus repräsentiert die Kräfte des Kollektivismus im politischen und ökonomischen Bereich und der Zügellosigkeit im Bereich des sozialen Verhaltens. Bioenergetisch ist der moderne Liberale eine Spielart des gepanzerten Menschen, der völlig in seiner oberflächlichen Schicht lebt und die Bewegung der Bioenergie durch seinen Organismus nicht ertragen kann1. Er hält starre und unnachgiebige Abwehrkräfte aufrecht, da jede Regung unerträgliche Angst hervorruft. Charakterologisch ist der moderne Liberalismus eine der vielen Varianten des Faschismus, die tief im Menschen verankert sind; denn, wie Reich sagte, der Faschismus ist kein bloßes politisches System, sondern „die emotionelle Grundhaltung des autoritär unterdrückten Menschen der maschinellen Zivilisation und ihrer mechanistisch-mystischen Lebensauffassung. . . . Die faschistische Mentalität ist die Mentalität des kleinen, unterjochten, autoritätssüchtigen und gleichzeitig rebellischen ‚kleinen Mannes‘“ (3)a. Alle Formen pathologischen Verhaltens stellen im Wesentlichen den Ausdruck dieses Faschismus oder eine Abwehr gegen ihn dar, die sekundäre Schicht2 (3). Es gibt mehr Menschen, die sich gegen den Ausdruck der sekundären Schicht und den Kontakt mit ihr wehren als jene, die sie offen, brutal oder mit Hinterlist ausdrücken. Die organisierte Form der letztgenannten Gruppe (organisierte emotionale Pest) wäre ohne die Hilfe der erstgenannten unwirksam (4). In beiden Gruppen ist der Faschismus am Werk; aber die größere Gefahr für das Überleben liegt bei denen, die wie der moderne Liberale die äußere Abwehr (oberflächliche Schicht) und die Versorgungslinien für Modju3 (der ultimative todbringende Pestcharakter) darstellen.

Der moderne Liberale ist ein umfassender Typ, den man bis auf die frühe Geschichte des zivilisierten Menschen zurückverfolgen kann. Er hebt sich nicht durch die Ideale und Anliegen ab, die er vertritt und die vortrefflich sein können, sondern durch seine Motive und Methoden, die stets darauf abzielen, jede echte Chance auf Fortschritt zunichte zu machen. Es handelt sich hier nicht um eine politische Frage im engeren bzw. parteipolitischen Sinne, sondern um die Anwendung medizinischen Wissens auf das Verständnis gesellschaftspolitischer Phänomene, was gerade in unserer Zeit überlebenswichtig ist. Der moderne Liberale, im Gegensatz zu sowohl dem wahren Liberalen als auch dem umgebungsbedingten Liberalen (der moderne liberale Programme aufgrund von umgebungsbedingter Blindheit und des Drucks der Umgebung anstelle von spezifischer Charakterpanzerung hinnimmt), ist ein ernstes Problem. Als emotionaler Pestcharakter fügt er der Menschheit großes Leid zu, indem er die organisierte und unorganisierte Pest beschwichtigt und verteidigt. Hinzu kommt, daß er sich, um seine Abwehr aufrechtzuerhalten, so verhalten muss, wie er es tut; er muss seine Destruktivität rationalisieren; er muss sich weigern zu sehen, dass er sich irrt, denn ein Zusammenbruch seiner Abwehr würde für ihn eine Katastrophe bedeuten.

Es ist diese emotionale Grundhaltung (Faschismus im Sinne Reichs), die die treibende Kraft hinter den Mechanismen des modernen Liberalen ist. Dinge wie seine „Intellektualität“, sein „Humanismus“, sein oberflächlicher Witz und Charme und seine falsche Fairness sind Deckmäntel für eine zugrunde liegende neurotische Schuld und Angst und den brutalen Hass, der von seiner sekundären Schicht ausgeht, gegen die er sich mit solcher Verzweiflung wehrt. Dabei dient er, oft unbewusst, als Bindeglied in dem Prozess, bei dem der latente Faschismus der Massen allmählich oder auf andere Weise in die Senkgruben und Blutbäder der organisierten Pest gelenkt wird, die von den menschlichen Sehnsüchten und deren gleichzeitiger Unerfüllbarkeit lebt.4

 

* Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 1 (1967), Nr. 1 & 2, S. 138-148.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein.

** Pädagoge, Sprachlehrer und Kliniker. Doktorand der Psychologie, New York University. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

 

1 H. D. Lasswell (2), Money-Kyrle, Allport und andere haben Studien über politische Charaktertypen durchgeführt, aber keine von ihnen basierte auf energetischen und panzer-strukturierten Konzepten.

2 Reich unterschied drei separate Schichten der biopsychischen Struktur: die oberflächliche Schicht oder soziale Fassade; die zweite mittlere Schicht, bestehend aus grausamen, sadistischen und pornographischen Impulsen; und die dritte Schicht, der biologische Kern, die Quelle primärer (natürlicher) Triebe.

3 Von Reich geprägt als Amalgam von Mocenigo (Verräter von Giordano Bruno an die Inquisition) und Djugashvili (Stalin).

4 Siehe „Der biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“ (3).

 

a Anm. d. Übers.: Die Massenpsychologie des Faschismus, Kiwi 1986, S.13 und 15

 

(1) Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967
(2) Lasswell, H.D.: Psychopathology and Politics. New York: Viking Press, 1960
(3) Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York: Orgone Institute Press, 1946
(4) Reich, W.: The Murder of Christ. New York: Orgone Institute Press, 1953

Politik ist eine Sexualkrankheit

10. November 2017

Wie Elsworth F. Baker in seinem Buch Der Mensch in der Falle ausgeführt hat, gibt es prinzipiell zwei soziopolitische Charaktertypen: den Konservativen und den Liberalen (gemeint ist der Linke). Wie alle Charaktere (außer natürlich dem genitalen Charakter) gehen sie auf Sexualabwehr zurück.

Das sieht man daran, daß der Konservative ganz offen gegen den Sexus gerichtet ist. Sein Gegner wird letztendlich immer als „sexuelles Schwein“ diskreditiert, als „Unter(leibs)mensch“. Reich hat das im einzelnen in Die Massenpsychologie des Faschismus ausgeführt.

Beim Linken ist das komplizierter, weil er keine einfache „muskuläre Abwehr“ hat, wie der Konservative, sondern eine hochkomplexe „intellektuelle Abwehr“. Er wirft dem politischen Gegner vor nicht intellektuell genug zu sein, dumm zu sein, will sagen, nicht ausschließlich im Gehirn zu leben, also dem „Ort“, der in jeder Hinsicht am weitesten vom Genital entfernt ist. Sein Gegner, der „Rechte“, der „Nazi“, ist jemand, der NICHT DENKT UND NICHTS WEISS. Die Sexualverneinung des Linken ist also weitaus komplizierter und weitaus schwerer zu durchschauen als die des Rechten.

Alle Politik ist nichts anderes, nichts anderes, als der Streit zwischen diesen beiden Arten der Sexualabwehr.

Aufkleber, wie der folgende, werden einfach hingenommen und niemand, wirklich niemand, durchschaut dieses Spiel, dessen Mechanismen Reich bereits 1933 in Die Massenpsychologie des Faschismus offengelegt hat: