Posts Tagged ‘kritisches Denken’

Das Skandalon Reich, Baker, Konia

11. Mai 2017

Linke, die ja so viel auf ihre ökonomischen und gesellschaftlichen Analysen geben, haben seit Marx, Lenin und Stalin tatsächlich immer nur eins getan: Rufmord oder wie es so viel vielsagender im Englischen heißt „character assassination“ – Charaktermord. Das sieht man an Trump und sah man an Kohl („Birne“). Linke sind generell immer persönlich geworden, wollten „Charaktermasken“ herunterreißen, insbesondere die sexuellen Verfehlungen von konservativen Politikern, die für „Werte und Familie“ eintraten. Jedwede Hemmung verlieren sie, wenn es um vermeintliche „Nazis“ geht. Sie schütten ganze Ozeane voller Jauche über dir aus, nur eins wird niemals kommen: ein vernünftiges Argument. Ich kann in diesem Zusammenhang nur immer wieder an die Sarrazin-Diskussion vor wenigen Jahren erinnern!

Man kann sich gar nicht ausmalen, was für eine Provokation Reich darstellte, als er damit anfing, die Linke charakteranalytisch zu betrachten. Auch ist der Haß von „Reichianern“ auf Elsworth F. Baker und Charles Konia so maßlos, weil beide diese Herangehensweise noch weiter verschärft haben. Und dabei geht es ja nicht um Rufmord und Niedertracht, worin etwa die Pestratte Karl Marx ein Meister war, sondern ganz im Gegenteil um wirkliche Charakteranalyse. Linken ins Gesicht zu sagen, daß sie ganz und gar nicht so heilig sind, wie sie immer tun, und daß der ganze Mummenschanz ums „Soziale“, um „Gleichberechtigung“ und „Gerechtigkeit“ nichts weiter ist als Ausdruck ihrer persönlichen Neurose, mit der sie andere behelligen – das treibt sie in die Raserei. Sie sind schlichtweg nicht daran gewöhnt, persönlich infrage gestellt zu werden, während Konservative dem nonstop ausgesetzt sind.

Die Strategie der linken Verschwörer

3. November 2016

In der Marxistischen Ideologie geht es darum, daß sozio-ökonomische Veränderungen früher oder später eine Neuorganisation der Gesellschaft erzwingen. Dieser Determinismus kontrastiert bereits bei Marx selbst mit einem Voluntarismus: die Revolution müsse forciert werden, denn der politische Umsturz ermöglicht sozio-ökonomische Veränderungen. Die Linke mußte schließlich einsehen, daß sowohl der deterministische Ansatz von Kautsky, als auch der voluntaristische Ansatz von Lenin hoffnungslos sind. Die Produktivkräfte können sich entwickeln, wie sie wollen, es kommt einfach nicht zu einer grundlegenden Veränderung der Produktionsverhältnisse. Und die Erlangung von politischer Macht ist ausweglos, zumal „der Weg durch die Institutionen“ die Revolutionäre korrumpiert und die von ihnen eingeleiteten Reformen die bestehenden Produktionsverhältnisse nur festigen.

Was tun? Der bürgerlichen Politik die Grundlagen entziehen, indem erstens das Bildungssystem und die Kultur (d.h. der Bezug auf die Vergangenheit) zerstört wird, so daß nichts mehr organisch nachwachsen kann, was die „alten Verhältnisse“ stützt, und indem zweitens die bereits bestehenden organisch gewachsenen (sozusagen „räumlichen“) Verhältnisse zerstört werden, insbesondere durch einen Bevölkerungsaustausch. Konkret bedeutet das, daß sich die Menschen nicht mehr als Deutsche fühlen und das Deutschtum in ihrer Umgebung zunehmend „ausdünnt“.

Bioenergetisch betrachtet geht es darum, die Menschen so weit wie möglich von ihrem bioenergetischen Kern zu trennen. Praktisch sieht das so aus, daß Emotionen in Sensationen überführt werden. Beispielsweise geht verbindliche Religiosität in unverbindliche „Spiritualität“ auf, Vaterlandsliebe in „Verfassungspatriotismus“, Nachdenken (d.h. das Durchdringen der oberflächlichen Realität) in „kritisches Denken“ (d.h. das Abgleichen der Realität mit ideologischen Denkschablonen), eine absolute Moral, die Sicherheit und Gewißheit vermittelt, in die relative Moral der Political Correctness, die für ständige Verunsicherung sorgt, etc.

Ist die Orgonomie ein Kult?

6. August 2011

Kulte erkennt man daran, daß von bzw. in ihnen das logische Denken (und damit das selbständige Denken) untergraben und schließlich zerstört wird. Ihre Hauptmethode ist dabei das Übermannen mit Material. Beispielsweise kann man „beweisen“, daß 1 plus 1 nicht 2, sondern 3 ergibt, indem man der einen Rechnung „1 + 1 = 2“ ganze Bände mit zigtausenden von entsprechenden Fehlrechnungen „1 + 1 = 3“ von Erstklässlern entgegenhält. „Eins plus eins“ braucht man doch nur abzählen: das ergibt eindeutig 3!

Wenn eine Formulierung nicht in sich klar, nachvollziehbar und logisch ist, bringt es nichts, auf „die Literatur“ zu verweisen! Auf diese Weise ließe sich nämlich wirklich jede Aussage „beweisen“. Mit entsprechenden „Querverweisen“ ließe sich ein ganzes Gedankensystem aufbauen, das keinerlei Verknüpfung zur Realität hat. Eines erklärt das andere – und alles zusammen hängt in der Luft wie ein paranoides Wahnsystem. So sehen beispielsweise die „Grundlagen“ der vermeintlichen „Esoterik“ aus.

Das ist bei der Orgonomie eindeutig nicht der Fall. Sie ist kein in sich geschlossenes Gedankengebäude, in dem das eine Element das andere abstützt, sondern alles geht immer wieder von neuem nachvollziehbar auf die Klinik und das Labor zurück.

Ein weiteres Element kultischen „Denkens“ ist die Gleichsetzung von Abfolge und kausaler Beziehung. Beispielsweise kann sich einer Übung, einem Ritual, etc. ein Erfolgserlebnis anschließen. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, daß das Zweite Ergebnis des Ersten ist! Um das festzustellen bedarf es Experimente, in denen die Randbedingungen kontrolliert werden. In der Psychotherapie ist so etwas leider so gut wie unmöglich, aber immerhin war Reich der erste Psychoanalytiker, der objektive Kriterien für einen Therapieerfolg anmahnte und erste Statistiken präsentierte. Und je „körperlicher“ seine Therapie wurde, desto greifbarer wurden die „Therapieergebnisse“.

Und was ist, wenn sich kein Therapieerfolg einstellen will? Ein Kultanhänger ließe sich davon nicht irritieren und erwiderte einfach, daß das dann halt gar keine richtige Orgontherapie war! Nun ist es aber so, daß die Orgontherapie ja gerade auf der Aufarbeitung von gescheiterten Therapieversuchen beruht. Auf diese Weise entwickelte sich im „Technischen Seminar“ die systematische Charakteranalyse aus der ursprünglichen Psychoanalyse, bei der das Unbewußte mehr oder weniger willkürlich mit Deutungen „beschossen“ wurde. So entwickelte sich die Vegetotherapie aus der Charakteranalyse, als klar wurde, daß das Unbewußte in der körperlichen Panzerung direkt greifbar war und dergestalt auch Fälle behandelt werden konnten, die zuvor unzugänglich geblieben waren. Und als dann deutlich wurde, daß der Körper nicht nur einfach „gepanzert“ ist, sondern diese Panzerung eine klare segmentäre Struktur besitzt, ohne deren Berücksichtigung sich der Körper an einer Stelle um so mehr abpanzert, desto mehr man ihn an anderer Stelle entpanzert, entwickelte sich aus der Vegetotherapie die Orgontherapie. Aus dieser wurde schließlich die moderne Orgontherapie, nachdem sich immer mehr herausstellte, daß zu viel Aktivismus und „Technik“ von seiten des Therapeuten kontraproduktiv und letztendlich mechanistisch ist. Der wirkliche therapeutische Faktor ist der Kontakt zwischen Therapeut und Patient.

Das bringt uns schließlich zum Hauptpunkt, wegen dem zunächst der Psychoanalyse und dann der Orgonomie vorgehalten wurde, es handele sich jeweils um Kulte: Wer dem ganzen nicht folgen mag, bei dem kommt das Unbewußte zum Ausdruck („Widerstand“), bzw. er ist „gepanzert“. Noch schlimmer, ihm wird vorgehalten, daß diese widerständigen Regungen sexueller, meist homosexueller, Natur seien (Psychoanalyse), bzw. daß er „orgastisch impotent“ sei (Orgonomie). Wer Leuten so etwas an den Kopf wirft, hat von der Orgonomie nichts verstanden (wenn man mal von allgemeinen Erläuterungen über den Zustand der „gepanzerten Menschheit“ absieht). Es geht im konkreten Fall nicht um „Panzerung“ per se, sondern um die Art der Panzerung. Es kann beispielsweise auch sein, daß jemand sehr empfindlich, geradezu „allergisch“ auf die Orgonomie reagiert, weil er allgemein besonders wenig gepanzert ist. Oder in ihm eine unerträgliche Sehnsucht aufkommt, weil der Brustkorb praktisch ungepanzert ist. Oder umgekehrt „das ganze“ ihn „kalt läßt“, weil der Brustkorb vollkommen erstarrt ist.

Kultisch wirkt es auch, wenn man im vermeintlichen „Kampf gegen die Emotionelle Pest“ dem Kritiker Dinge unterstellt, die er gar nicht gesagt hat, aber „aufgrund seiner Charakterstruktur“ angeblich gemeint hat. Beispielsweise wird so aus jemanden, der die angeblich „politisch konservative Ausrichtung der Orgonomie“ infrage stellt, unvermittelt ein „Kommunist“. Ich glaube, das ist der Bereich, wo die Orgonomie tatsächlich kultische Züge annimmt. Ich habe mich damit bereits in Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 2) befaßt.

Kultisch ist es vor allem, wenn man auf Kritiker überhaupt nicht mehr hört, weil generell die bisherige Kritik nichts weiter war als üble Nachrede und Unterstellung. Man kann jedoch nicht von der Masse an haltloser Kritik darauf schließen, daß jede einzelne Kritik haltlos ist, genausowenig wie man von einer einzelnen haltlosen Kritik darauf schließen kann, daß jedwede Kritik haltlos ist. Wer aufgrund solchen unlogischen „Denkens“ seine Ohren für jedwede Kritik verschließt, handelt töricht und selbstschädigend, zumal dieses Verhalten nach außen hin vollkommen indiskutabel ist. Reich selbst mußte hinsichtlich der Kritik durch Mildred Brady konstatieren: „Ja, das ist ein Kult!“, als ihm auffiel, wie seine „Mitarbeiter“ (in diesem Fall wohl eher seine Jünger!) seine Büste behandelten und wie viele Photos seines Konterfeis in der Zeitschrift der medizinischen Orgonomen abgedruckt wurden.

Also, ist die Orgonomie ein Kult? Von ihrer Struktur her nicht, jedoch gibt es Kristallisationspunkte, um die herum sich sehr schnell ein Kult ausbilden könnte. Das hängt davon ab, inwiefern die Vertreter der Orgonomie klar und logisch denken können, d.h. vor allem vom Zustand ihres Augensegments. Deshalb ist es auch so wichtig, daß wirklich jeder, der sich mit Orgonomie beschäftigt, in Therapie ist. Und zwar nicht irgendeine „Reichianische Therapie“, die durchweg die Augenpanzerung verstärken, sondern eine Therapie bei den handvoll autorisierten Therapeuten. Reich hat darauf bereits in den 1930er Jahren bestanden. Nun ist es aber so, daß für den Außenstehenden gerade dies das Kennzeichen eines Kultes ist – daß jeder sich einer „Gehirnwäsche“ unterziehen muß. Und das auch noch unter ungeheuerem persönlichem Aufwand bei den ganz ganz wenigen Spezialisten!

Spätestens hier muß der Dialog zwischen der Orgonomie und ihren Kritikern abbrechen, denn hier tut sich tatsächlich die unüberwindbare „generelle Kluft“ auf, von der ich oben gesprochen habe:

Die Lösung bietet einzig das Projekt „Kinder der Zukunft“, d.h. eine rationale Welt, in der Orgontherapie weitgehend überflüssig ist.