Posts Tagged ‘Kinder der Zukunft’

Der verdrängte Christus: 7. Die Beschneidung

19. Mai 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

7. Die Beschneidung

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Der genitale Charakter und die genitale Welt

13. April 2018

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Paul Mathews: Der genitale Charakter und die genitale Welt

acologo

War Peter nicht zu streng mit seiner Kritik an der deutschen Übersetzung von CHILDREN OF THE FUTURE?

30. März 2018

Ich war ganz und gar nicht zu streng, denn auf die eigentliche Übersetzung, nämlich die des von Reich im Original auf amerikanisch verfaßten Materials, bin ich kaum eingegangen. Ich müßte ein Buch von der Dicke von Kinder der Zukunft schreiben, um darzulegen, was hier fabriziert wurde!

Deshalb nur ein einziger Paragraph, in dem es um die Frage geht, wo der Zugang zur ungepanzerten Rationalität zu finden ist, von der jeder „tief drinnen“ weiß, daß sie der Wahrheit entspricht. Reich weiter (in der Übersetzung von 2018):

Für jemanden, der menschliche Verhaltensweisen wirklich versteht, ist offensichtlich, daß der Zugang zu diesem Gebiet nicht nur verdeckt ist, wie manch anderes Rätsel der Natur, sondern sicher geschützt wird gegen alle Zugangsversuche. Man fühlt sich erinnert an die biblische Legende vom Erzengel Michael, der mit seinem Flammenschwert Adam und Eva den Eintritt ins Paradies verwehrt. Solche Mythen haben tiefere Bedeutung. Die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden entspricht dem Kontaktverlust des Menschen mit der Natur vor langer Zeit. Er kann nicht mehr zurück, denn er ist „sündig“. Aus unserem Blickwinkel kann er nicht mehr zurück zur Natur aufgrund etwas, was dieser Natur widerspricht. Da der Mensch ein winzig kleiner Teil der Natur ist, muß er deren Gesetze einhalten, ansonsten verliert er seine wahre Natur, wird schwach und gerät in das Durcheinander, das wir heute haben. Es macht wenig Sinn, den Menschen „zurück zu Gott“ zu rufen, ohne daß verstanden ist, was „Gott“ wirklich bedeutet und darstellt. Nicht zu wissen, daß Gott ein Teil dieses Verwehrens des Zugangs ist und die Strafe ein Teil des menschlichen („Sünden“-)Falls. (S. 71f, Hervorhebungen hinzugefügt)

Reich hat aber das Gegenteil geschrieben:

To the one who understands human affairs it is quite obvious that the entrance to this domain is not only hidden as are other riddles of nature; it is well guarded against entry. One thinks of the archangel who, with flaming sword, forbiddingly guards the entrance to paradise in the biblical legend of Adam and Eve. Myths have a very deep significance. The expelling of Adam and Eve from the Garden of Eden refers to man’s loss of his contact with nature long ago. He cannot enter again as long as he is “sinful.” From our viewpoint, he cannot return to nature because of something that contradicts nature. Since man is a tiny part of nature, he must obey its laws, lest he lose his true nature, become unfit, and land in the mess he is in now. There is not much use in calling man „back to God“ unless it is finally understood what „God“ actually means. Not to know Got is a part of guarding the entrance, the punishment, a part of man’s downfall. (Hervorhebungen hinzugefügt)

Korrekt übersetzt:

Für jemanden, der menschliche Verhaltensweisen wirklich versteht, ist offensichtlich, daß der Zugang zu diesem Gebiet nicht nur verdeckt ist, wie andere Rätsel der Natur, sondern gegen alle Zugangsversuche sicher geschützt ist. Man fühlt sich an den Erzengel erinnert, der in der biblischen Legende von Adam und Eva mit seinem Flammenschwert den Eintritt ins Paradies verwehrt. Mythen haben eine sehr tiefe Bedeutung. Die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden entspricht dem Kontaktverlust des Menschen mit der Natur vor langer Zeit. Er kann nicht mehr zurück, solange er „sündig“ ist. Aus unserem Blickwinkel kann er nicht mehr zurück zur Natur aufgrund von etwas, was dieser Natur widerspricht. Da der Mensch ein winzig kleiner Teil der Natur ist, muß er deren Gesetze einhalten, ansonsten verliert er seine wahre Natur, wird lebensuntüchtig und gerät in das Durcheinander, das wir heute haben. Es macht wenig Sinn, den Menschen „zurück zu Gott“ zu rufen, ohne daß endlich verstanden wird, was „Gott“ wirklich bedeutet. Gott nicht zu kennen, ist Teil des Verwehrens des Zugangs, der Strafe, ein Teil des Niedergangs des Menschen. (Hervorhebungen hinzugefügt)

KINDER DER ZUKUNFT: Gesundheit und sexuelle Lebensfreude (Teil 3)

18. März 2018

Unter die gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen bei der Onanie nennt Reich „bei Mädels Onanie in der Scheide mit scharfen und spitzen Gegenständen (was sehr häufig vorkommt)“. Ausführlich beschrieben wird das in Der triebhafte Charakter (1925) und Die Funktion des Orgasmus (1927). Dazu folgender interessanter Kommentar:

Die Tatsache, daß Mädchen bei der Onanie spitze Gegenstände verwenden, weist in neueren Untersuchungen daraufhin, daß dies ein Indikator über sexuellen Mißbrauch innerhalb der Familie sein kann. Diese Möglichkeit läßt Reich völlig außer acht. (Christina Weber: Wie Reich die Frauen sah, Egelsbach 1995, S. 195)

Ich bin froh, daß die Herausgeber folgendes „eingekringelt“ und gestrichen haben:

Wir anerkennen nur ein moralisches Prinzip, welches lautet: Wir brauchen deine Kräfte für die großen Aufgaben, die wir alle leisten müssen, um die Befreiung des Menschen von jeder Art von Knechtschaft durchzusetzen; befreie dich daher, so gut du kannst, von der [unleserliche Korrektur für „bürgerlichen“] Moral und bring so gut du kannst, deine Sexualität in Ordnung.

Ab und an wird deutlich, daß Reich mit seinen Revisionen alter Manuskripte ein unheilvolles Durcheinander erzeugt hat bzw. verlieren seine Ausführungen unnötigerweise an logischer Kohärenz. Etwa hier:

Original 1932: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, ihrer Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“

Revision 1938: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der heutigen Sexualordnung, ihrer Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“ (sic!).

Übersetzung 1983 bzw. Rückübersetzung 2018: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der gegenwärtigen Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“ (Kinder der Zukunft, S. 188).

Oder mit anderen Worten: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Sexualordnung und der – Sexualordnung.“

Äußerungen, wie die folgende sind heute vielleicht noch revolutionärer als damals:

(…) hätte die Jugend rechtzeitig die Wahrheit erfahren, daß die sexuelle Befriedigung nicht nur eine Bedürfnisbefriedigung, wie das Essen und das Aufs-Klosett-Gehen ist, sondern daß von der Art ihres Sexuallebens (…) ihre seelische Entwicklung, ihre Lebensfrische, Arbeitsfähigkeit und Kampfesfreude restlos bestimmt werden (…)

Das spätere Buch Christusmord wirft seine Schatten voraus. So wird aus „Gott“ der „rächende Gott“, der „rächende Gott der alten Juden“, wie es in einer von Reich oder den Herausgebern durchgekreuzten Passage heißt. „Gott“ wird also nicht per se abgelehnt. (Übrigens, dafür, daß die besagte Passage doch von Raphael und Higgins „durchkreuzt“ wurde, spricht, daß sie sowohl mit einem Haken = veröffentlichen und verwirrenderweise gleichzeitig mit einem Kringel = nicht veröffentlichen versehen wurde.)

Wie rudimentär Reichs Kenntnisse des organisierten Christentums waren, zeigt sich daran, daß er von der „Konfirmation“ in der Katholischen Kirche schreibt. In der deutschen (Rück-) Übersetzung wurde daraus stillschweigend korrekterweise „Firmung“ (Kinder der Zukunft, S. 191). In der amerikanischen Übersetzung „confirmation“.

KINDER DER ZUKUNFT: Gesundheit und sexuelle Lebensfreude (Teil 2)

14. März 2018

Der Überschrift des Abschnitts „Die sexuelle Reifung“ hat in Kinder der Zukunft die gleiche Größe der Überschrift wie alle anderen auch, während in Children of the Future die ursprünglich Aufteilung in Kapitel und Unterabschnitte der Kapitel immer noch durch unterschiedliche Größe der Überschriften deutlich wird.

Sowohl im Original als auch in Kinder der Zukunft findet sich in diesem Abschnitt der Satz: „Hoden und Eierstöcke sind zwar die wichtigsten Quellgebiete der sexuellen Erregung, aber nicht die einzigen“ (S. 153). Ziemlich verwirrend, denn das ist eindeutig keine Rückübersetzung! In Children of the Future wurden aus den „Quellgebieten“ nämlich einfach „organs“. Im Manuskript schreiben die amerikanischen Herausgeber Raphael und Higgins den Übersetzern diese Änderung ausdrücklich vor. Wer gibt ihnen das Recht in Reichs Text Wörter auszutauschen? (Wobei vollständig egal ist, ob diese Veränderungen Reichs Text verbessern oder nicht!)

Wer hat das Ende von „Die sexuelle Reifung“ gestrichen, wo Reich ausführt, daß in der westlichen Kultur die seelische Reife bei Jugendlichen nicht mit der körperlichen Schritt hält, „da die moralische Sexualunterdrückung gewöhnlich ein Zurückbleiben der seelischen Reife bedingt“. Warum hätte Reich das streichen sollen? Oder folgendes:

Dem Jugendlichen stehen Geschlechtsverkehr, Onanie der Enthaltsamkeit zur Wahl. Das aber, so Reich, differenziert nach der gesellschaftlichen Schicht:

Die Frage steht anders für den großbürgerlichen Jugendlichen, das Kind des Bankiers und Fabrikanten, anders für den kleinbürgerlichen, den Sohn und die Tochter des Kaufmannes oder Beamten, und anders für den proletarischen Jugendlichen, dessen Eltern in der Fabrik arbeitetet. Dieser Unterschied kommt schon bei der körperlichen Reife zum Ausdruck; denn körperliche Unterernährung behindert die körperliche Reifung, so daß man so oft vierzehn-, fünfzehn-, sechzehnjährige Proletarier, Jungens und Mädels, sieht, die körperlich wie Zehnjährige und im übrigen durch Not, Entbehrung und andere miserable Lebensverhältnisse wie Greise ausschauen, dagegen bei bürgerlichen Jugendlichen oft gut genährte, körperlich über das Alter hinaus Gereifte mit kindlich zurückgebliebenem seelischem Apparat. Proletarische Jugendliche kommen oft infolge der Wohnverhältnisse früher zum Geschlechtsverkehr, als ihrem Reifezustand entspricht. Unter sexueller „Frühreife“ darf man aber nicht verstehen, daß der Heranreifende sich überhaupt sexuell betätigt, sondern nur in welcher Form er es tut, ob seinem Alter entsprechend oder nicht.

Ist doch kein unwichtiger Absatz. Er und die soeben paraphrasierte Passage sind auch die einzigen im Abschnitt, die spezifisch „Sexpol“ sind. Wurde dieser Absatz wirklich von Reich selbst gestrichen oder selbstherrlich von den Herausgebern, die den Text den Gegebenheiten in den heutigen USA anpassen wollten? Es ist, als wollten sie den Text dezidiert nicht als historisches Dokument abdrucken, sondern als Teil eines vermeintlichen „Buches“, das sich an das Amerika von 1983 richtet. Tut mir leid, aber Reichs Text ist nicht eure Verfügungsmasse. Schreibt selbst Texte, anstatt Reich als Vehikel eurer Gedanken zu benutzen!

Reich war selbst in der Lage, wirkliche Klöpse selbst zu streichen. Etwa folgenden Absatz:

Im Kapitalismus gibt es in dieser Hinsicht für die Massen keine Hilfe. Aber es steht außer Frage, daß Klassenbewußtheit und verantwortungsvolle und wichtige politische Arbeit auch die Einstellung zur Sexualität verändern; daß sie aus solchen Schwierigkeiten oft heraushelfen, von einer sonst nicht zu beseitigenden Überspannung der sexuellen Bedürfnisse befreien, indem sie sexuelle Energie verbrauchen und dadurch gleichzeitig zu einem befriedigenden Sexualleben verhelfen.

Die Passage ist weder ausgestrichen, noch eingekreist oder überklebt, sondern Reich hat sie mit der Schere rausgeschnitten und das Manuskript neu zusammengeklebt. Von daher kann ich nur schwer glauben, daß die Schmierereien im Manuskript von Reich selbst stammen.

Sehr merkwürdig ist das Ende des Abschnitts „Die Störungen beim Geschlechtsverkehr“. 1932 hatte Reich dort geschrieben: „So wie es in der mutterrechtlich-urkommunistischen Gesellschaft keine sexuelle und materielle Unterdrückung der Frau und daher keine Sexualstörungen gibt, so…“ Daraus wurde in seinen Korrekturen: „So wie es in der Natur keine sexuelle Unterdrückung des weiblichen Tieres und daher keine Sexualstörungen…“ Das wurde offenbar von den Herausgebern gestrichen – und auch die ganze darauffolgende Seite. Gestrichen wurde auch der Abschluß des Abschnitts, den Reich vollkommen neu auf Schreibmaschine geschrieben und ins Manuskript hineingeklebt hatte. Die kämpfenden Mädel und Frauen würden den Sieg „gegen Kraftlosigkeit, Muckertum und Heuchelei herbeiführen und die Grundlagen eines natürlichen menschenwürdigen Lebens begründen“.

Was einen wirklich wütend machen kann, ist folgender Anachronismus: Im Text ist von der materiellen Not der (proletarischen) Jugend die Rede, insbesondere die Wohnungsfrage, die es zu lösen gelte, so „daß diese nicht mehr in Haustoren und hinter Zäunen ein Zerrbild von Geschlechtsleben führen“ müssen. Raphael und Higgins machten bei ihrer Fälschungsaktion daraus „Hauseingänge oder Autos“ (Kinder der Zukunft, S. 193). Zu Reichs Zeiten hatten Jugendliche in den USA noch keine Autos, geschweige denn Proletarierkinder in Europa! Übrigens sieht man auf dem Originalumschlag von Der sexuelle Kampf der Jugend ein solches „Haustor“, wie es für die Arbeiterviertel in Wien und Berlin typisch war!

Über die genitale Selbstbefriedigung der KINDER DER ZUKUNFT

6. März 2018

Das Kapitel „Über die Onanie im Kindesalter“, so jedenfalls die ursprüngliche Überschrift des 1927 verfaßten Aufsatzes, der 1928 in der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik erschienen ist, wurde 1950 im Orgone Energy Bulletin in amerikanischer Übersetzung erneut veröffentlicht. Mit einem Vorwort („Editorial note“), einer einzigen Korrektur im Text (im ersten Satz des Aufsatzes wurde „Analysanden“ in „Patienten“ umgeändert) und drei zusätzlichen Fußnoten. 1983 wurden in Children of the Future zwar die Fußnoten übernommen und die besagte Korrektur, aber nicht das Vorwort. Auf welchem Planeten in diesem Universum würde ein Herausgeber es wagen sowas zu unterschlagen und nicht mal auf die Veröffentlichung im Orgone Energy Bulletin hinzuweisen? Übrigens hat sich Reich etwas dabei gedacht, als er dort dem Aufsatz den Titel gab: „About Genital Self-satisfaction in Children“!

Was steht im unterschlagenen sehr langen Vorwort? Der wissenschaftliche Fortschritt sei sehr langsam, was sich nicht zuletzt bei der Haltung zur Genitalität des Kleinkindes zeigte. In den USA hätte es um das Jahr 1945 eine abrupte Wende zum Besseren gegeben. Reich verweist in diesem Zusammenhang auf seine Veröffentlichungen in den USA seit 1942 und auf seinen Aufsatz von 1928, in dem erstmals in der Geschichte von Medizin, Psychiatrie und Psychologie die kleinkindliche genitale Sexualitat nicht nur toleriert, sondern bejaht und das Kind darin bestärkt wurde: das FEHLEN von kleinkindlicher genitaler Selbstbefriedigung stelle eine pathologische Abnormität da, das FEHLEN von kleinkindlicher genitaler Selbstbefriedigung sei prognostisch negativ zu bewerten, was die zukünftige seelische Gesundheit betrifft. Bis zu Reichs Auftreten wurde die infantile Genitalität als pathologisch, unmoralisch, sündhaft, böse, schlecht und gesundheitsschädlich betrachtet. Reichs dazu konträre in der Weltgeschichte erstmalige Auffassung brauchte danach 20 Jahre, um sich in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Mit anderen Worten: Reich stellt seinen Aufsatz in den wissenschafts- und gesellschaftsgeschichtlichen Zusammenhang.

Im Buch folgt auf den Aufsatz von 1928 das „Gespräch mit einer vernünftigen Mutter“ von 1936, das sich ebenfalls um die kindliche Selbstbefriedigung dreht. Warum 2018 der Übersetzer von Kinder der Zukunft ein „Interview“, das ausschließlich aus gesprochenem Wort besteht, jeweils von neuem in Anführungszeichen setzt, die kennzeichnen sollen, daß es sich um gesprochenes Wort handelt, gehört zu den Absurditäten dieser Ausgabe.

Weitere Absurditäten: Das Interview erschien 1936 erstmals in der Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie. Hier ist es der Wortwechsel zwischen „Mutter“ und „Arzt“. Raphael und Higgins haben das 1983, wie ich finde sehr unpassend, in „Mutter“ und „Reich“ abgewandelt. Das Buch ist doch schließlich von Wilhelm Reich… Ich meine, was ist denn das für ein Stil! Und vor allem: niemand hat das Recht am Reichschen Text auch nur ein Komma zu ändern! Auch der Text selbst wurde verändert, beispielsweise wurde aus „Mutter: Das Kind ist nicht so gleichmäßig ruhig…“ (1936) der Satz „Mutter: Meine Tochter ist nicht so gleichmäßig ruhig…“ (1983). Oder etwa: „Das Kind entwickelt nun zunächst nicht etwa die Lust am Zurückhalten, sondern Angst vor dem Herauslassen des Kotes.“ So lautet der Text im Original und in Kinder der Zukunft (S. 145f), doch in Children of the Future haben Higgins und Raphael beim Komma aus eigener Machtvollkommenheit hinzugefügt „as psychoanalysts claim“. Das ist eine Verbesserung des Textes, der so klarer und unmißverständlicher wird, aber… Wenn Herausgeber in den Texten ihrer verstorbenen Autoren herum schmieren… – das ist geradezu Urkundenfälschung.

Das Ende des Interviews, so wie es in Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie abgedruckt ist, lautet: „Auf Wiedersehen!“ In Children of the Future und Kinder der Zukunft wurde das einfach gestrichen! Wenn man das Gespräch liest, hat dieses „Auf Wiedersehen!“ eine Funktion, denn es ist von weiteren möglichen Treffen die Rede. Mal abgesehen, daß man nicht im Reichschen Text einfach so Passagen streichen kann!

Den Vogel abgeschossen hat aber folgende unerklärliche Abfolge. Im Original von 1936 lautet der Satz:

Sie dürfen doch nicht eine Liebesaffäre des Kindes deshalb als unernst oder harmlos hinstellen, weil das Kind gleichzeitig Genitalangst hat.

In der Übersetzung von 1983 wurde „oder harmlos“ gestrichen…

You should not treat the child’s love affair as trivial, just because she is troubled by genital anxiety.

…um dann 2018 auf mir unerklärliche Weise zurückzukehren:

Sie sollten eine Liebesaffäre eines Kindes nicht deshalb als unernst oder harmlos hinstellen, weil das Kind gleichzeitig Genitalangst hat.

Eine Rückübersetzung kann es ja nicht sein, denn wie soll aus „as trivial“ wieder exakt „unernst oder harmlos“ werden? Eine Übernahme des Originals von 1936 kann es aber auch nicht sein, denn es wäre nicht nachvollziehbar, wie dann aus „Sie dürfen…“ ein „Sie sollten…“ hätte werden können. Mir wird unheimlich!

Was die Massen lernen müssen

4. März 2018

Alles hängt davon ab, ob oder ob nicht und wie schnell die gesamte Öffentlichkeit von der Einsicht in die Schädlichkeit von Panzerung durchdrungen wird. (Kinder der Zukunft, S. 66)

Das ist eine der wichtigsten Aussagen in Kinder der Zukunft, das erste Buch von Reich, das seit 20 Jahren in Deutschland erschienen ist. Wie Charles Konia immer und immer wieder hervorgehoben hat, ist es praktisch das einzige, was man im Moment auf Massenbasis konkret tun kann: die Massen müssen gewahr werden, daß Panzerung ein Faktor, nein, DER Faktor ist, der ihr Leben bestimmt.

Dies umfaßt drei Bereiche:

  1. Die Prävention, d.h. das Verhindern, daß sich Säuglinge, Kinder und Jugendliche überhaupt erst abpanzern. Das ist natürlich das Thema von Kinder der Zukunft.
  2. Das Gewahrwerden, daß „psychische“ (emotionale) und „psychosomatische“ (bioenergetische) Erkrankungen nicht auf biochemischen Ungleichgewichten im Körper beruhen, sondern auf Panzerung, will sagen, sie gehen letztendlich auf Panzerung zurück. Langfristig bedeutet dies einen radikalen Umbau unseres gesamten Gesundheitswesens.
  3. Unser soziales Leben, insbesondere aber die „Gesellschaftspolitik“ ist Ausdruck von Panzerung. „Politik“ reduziert sich dann weitgehend auf Psychopathologie (d.h. Emotionspathologie) und verliert damit ihre Macht über die Massen. Dies gilt insbesondere für Politik linker Provenienz, die nichts anderes ist als säkularisierte Religion. Es ist buchstäblich so, daß das „Seelenheil“ der Weltverbesserer von der – Weltverbesserung abhängt, d.h. keinerlei Verankerung im rationalen Leben (in dem, was Reich „Arbeitsdemokratie“ nannte) hat.

Es wird sich in dieser Welt nichts, NICHTS, zum Positiven hin verändern, solange die Menschen sich ihrer Panzerung und der Panzerung in ihren Mitmenschen nicht gewahr werden. Es ist wie in der individuellen Orgontherapie: nichts, wirklich NICHTS, geht voran, solange der Patient sich nicht seiner jeweiligen Panzerung, etwa im Brustsegment, gewahr wird. Das bedeutet natürlich nicht nur, daß man intellektuell „weiß“, daß man gepanzert ist (ein bloßes Jonglieren mit nicht klar definierten Begriffen), sondern daß man es fühlt, erfährt, in Kontakt mit der Panzerung tritt, sozusagen Kontakt mit der Kontaktlosigkeit aufnimmt. Das geht einher mit einem existentiellen Schmerz und dem Willen zur Veränderung. Im sozialen Bereich muß dieser Wille die Massen erfassen oder es gibt keinerlei Hoffnung dem Abgleiten in die Barbarei zu entgehen. Deshalb ist etwa das Buch Kinder der Zukunft von einer Bedeutung, die schlichtweg nicht überschätzt werden kann.

Die Mißhandlung von Wilhelm Reich in CHILDREN OF THE FUTURE

26. Februar 2018

Im teilweise deutschen Originalmanuskript von Children of the Future findet sich eine Kopie von „Mißhandlung von Säuglingen“. In der deutschen Ausgabe von Kinder der Zukunft wurde daraus ein vermeintliches „Kapitel“, das irrigerweise als „Mißhandlungen von Kindern“ rückübersetzt (sic!) wurde.

Ursprünglich war dieses Schriftstück Reichs vom Oktober 1942 ein „Letter to the Editor“ des International Journal of Sex-economy and Orgone Research, Theodore P. Wolfe. Es wurde in der Rubrik „Correspondence“ und mit der Einleitung „A physician writes: Dear editor“ als der anonyme Beitrag „Disastrous Fads in Infant Upbringing“ in der Ausgabe vom November 1942 abgedruckt (Vol. 1, No. 2, S. 276-278), nachdem es, wahrscheinlich von Wolfe, ins Amerikanische übertragen worden war.

Die Herausgeber der amerikanischen Ausgabe von Children of the Future (1983) erachteten es nicht für nötig, auf diese Erstveröffentlichung hinzuweisen, die sofort ihre Manipulation offenbart hätte. Sie machten nämlich aus den Anfangsworten „Seit mehreren Wochen…“ das, was in der deutschen Ausgabe als „Über mehrere Wochen hinweg…“ übersetzt wurde. So wird aus einer zeitgebundenen Notiz ein sozusagen „überzeitliches“ Kapitel für ein Buch. Entsprechend wurde die Gegenwartsform des ersten Absatzes (die in der Übersetzung von 1942 erhalten geblieben war) in die Vergangenheitsform versetzt und der Anfang des vierten Absatzes von „Wir sind eben im Begriff…“ in „Wir haben seither darum gerungen…“ (meine Rückübersetzung!) verwandelt. 1942 war noch korrekt übersetzt worden: „And now we are…“. Reichs Text wurde also selbstherrlich so umgeschrieben, als hätte er ein Buchkapitel verfaßt. Das sind wohlüberlegte Verfälschungen am Reichschen Text, die Reich in seinem Testament ausdrücklich allerstrengstens untersagt hat!

An anderer Stelle habe ich gezeigt, daß diese Art von Manipulation praktisch alle Neuausgaben der Reichschen Texte durchzieht. Und niemand, wirklich niemand, hat m.W. jemals darauf hingewiesen. Es wurden etwa in der Masspsychology of Fascism einzelne Wörter so ins Amerikanische „übersetzt“, daß es dem Leser nicht auffiel, daß die Herausgeber aus dem großen Endkapitel über die Arbeitsdemokratie mehrere kleinere „Kapitel“ gemacht hatten, was die innere Logik des Buches nachhaltig zerstört hat; es „zerfleddert“ sozusagen am Ende.

Die Mißhandlung des Wilhelm Reich durch Leute, die ihn offensichtlich zutiefst verachten. So gehen Eltern mit Kindern um, denen das Wort im Munde umgedreht wird, die kein geistiges Eigentum besitzen und mit denen man tun und lassen kann, was man will. „Wir machen das schon für Dich, Du kleiner Hosenscheißer!“ In dieser Hinsicht ist das Buch Children of the Future bzw. Kinder der Zukunft von einer grausamen Ironie. Alle schauen beim Mißbrauch zu und niemand macht was.

Interessanterweise hat Reich folgenden etwas unglücklichen, da verwirrenden (im Zusammenhang aber logischen!) Satz, der sich gegen die Bauchlage von Säuglingen mit ihrer Intention a la Moritz Schreber richtet, aus der Veröffentlichung von 1942 gestrichen. Er erscheint aber in der amerikanischen Neuübersetzung und damit der deutschen Rückübersetzung (die den Satz prompt ins Gegenteil verkehrt!). Hier das Reichsche Original:

Es wäre dringend ratsam, sofort mit klarer und entschlossener ärztlicher und erzieherischer Propaganda gegen diese modernste Besorgtheit um die natürliche Entwicklung einzusetzen.

Im Originalmanuskript folgt ein weiterer Satz, den Reich im Manuskript gestrichen hat und der deshalb nie veröffentlicht wurde:

Wer die Natur nicht begreift, soll seine Hände davon weghalten.

KAMERADEN DER ZUKUNFT

21. Februar 2018

In Kinder der Zukunft wirkt der Abschnitt „Das Problem der Freundschaft zwischen Jugendlichen“ (S. 181-188) im „Kapitel“ über „Die sexuellen Rechte der Jugend“ ziemlich anachronistisch – bzw. er wirkte noch vor wenigen Jahren anachronistisch: heute wird er immer aktueller. Es geht um die Spaltung der Sexualität in Zärtlichkeit und Sinnlichkeit. Früher himmelte der bürgerliche Jugendliche die Mädchen der eigenen Klasse an und stellte sie auf ein Podest als Verkörperung von Schönheit und „Reinheit“. Seinen Trieb entlud er mit Prostituierten und Mägden.

Im von Reich selbst revidierten Originalmanuskript heißt der Abschnitt übrigens „Die Schwierigkeiten der kameradschaftlichen Beziehungen der Jugend“ und beispielsweise wird die Gattin nicht zum „sexuellen Spielzeug“ (ein Begriff, der Freude suggeriert) des Ehemannes, wie es der Übersetzer ungeschickt widergibt, sondern (so das Originalmanuskript) zum „sexuellen Werkzeug“. Zynisch ausgedrückt: ein bloßer Stoßdämpfer. Eine kameradschaftliche Beziehung ist ausgeschlossen, weil der Geschlechtsakt die Ehefrau immer weiter entwertet, d.h. gefühlsmäßig auf die Stufe der besagten Prostituierten und Mägde herabwürdigt.

Szenarien einer vergangenen Welt, die in den beiden Weltkriegen und der Entwicklung der antiautoritären Gesellschaft seit 1960 bis auf kuriose Restbestände untergegangen ist. Aber nein, in der multikulturellen Gesellschaft sind sie aktueller denn je! Was im übrigen zeigt, daß es hier um fundamentale bioenergetische oder besser gesagt charakterstrukturelle Gesetzmäßigkeiten geht.

Die „Prostituierten und Mägde“ sind heute unsere ganz normalen deutschen Mädchen. Mit ihnen verlustiert sich die moslemische männliche Jugend, da die eigene Volksgruppe in dieser Hinsicht absolut tabu ist. Kommt dann die Cousine aus der Türkei, die man zu heiraten hat, hat das deutsche Spielzeug seine Schuldigkeit getan. Es ist wirklich alles wie in der einstigen Klassengesellschaft.

Die Parallele geht sogar noch weiter, wenn wir das Mädchen aus besseren Kreisen betrachten. Ich zitiere das von Reich revidierte Originalmanuskript (bitte mit der entsprechenden Stelle S. 182 vergleichen):

Das Mädel wieder muß ihre genitale Sinnlichkeit unterdrücken. An Stelle gesunder, natürlicher Sexualität entwickelt sie das typische Wesen des Weibchens mit dem Seelchen, sie wird kokett, sexuell überspannt, dem Mann, den sie liebt, gefügig, ja hörig, oder sie nützt die Sexualität zur Beherrschung der Männer aus. Das Ausschalten der genitalen Befriedigung hat ein Lüsternwerden zur Folge; ein solcher Mensch muß von Sexualität zu triefen anfangen. Soweit sich so ein Mädel von der heuchlerischen Moral und Lebensart befreit und ein Geschlechtsleben lebt, wird der Schwerpunkt auf die Reizung verlegt. So kommt es zur Erscheinung der Halbjungfrau, die alles tut, ausnahmslos alles, bis auf die Aufnahme des männlichen Gliedes in die Scheide.

Wer kennt sie nicht, die aufgedonnerten, ewig provokanten kleinen „Südländerinnen“, die exakt den von Reich beschriebenen „Mädeln“ entsprechen.

Die Paralelität wird deutlich an den folgenden Ausschnitten, die ich einem früheren Blogeintrag von mir entnehme:

Ab und an findet man sogar in deutschen Medien so etwas wie Realität. Etwa wenn man folgendes zu lesen bekommt:

Sie heißen Serap, Ayse oder Günay, kommen aus der Türkei, Algerien oder dem Kosovo und sind auf der Flucht vor ihrer Familie. Sie sind 16, 17 Jahre als, also noch halbe Kinder, aber sie sollen verheiratet werden – an den Cousin oder einen Mann aus ihrem Heimatdorf. Krumm von Prügeln und in Todesangst haben sie sich in Frauenhäuser oder vom Jugendamt angemietete Wohnungen geflüchtet. Für die Mädchen geht es tatsächlich um Leben und Tod.

Wie in in den Ursprungsländern dieser Mädchen und Frauen zugeht, beschreibt Souad in ihrer Autobiographie Bei lebendigem Leib. Hier wird der wirkliche, nämlich sexualökonomische, Hintergrund des „Nahostkonflikts“ beleuchtet.

In Sabatina: Vom Islam zum Christentum – ein Todesurteil beschreibt die 21jährige Pakistanerin Sabatina James ihre tragische Lebensgeschichte, die ein bezeichnendes Licht auf die Realität des Islam und die imgrunde reaktionäre Vision einer „multikulturellen Gesellschaft“ wirft.

Als 10jährige folgt Sabatina ihrer Familie in die österreichische Provinz. Sie lebt sich schnell ein. Dabei kollidiert sie immer häufiger mit den Moralvorstellungen ihrer Eltern. Kurz nach ihrem 16. Geburtstag verschleppen sie ihre Eltern nach Pakistan, weil sie ihnen zu westlich geworden ist. In der Koran-Schule wird sie geschlagen und mißhandelt. Zu ihrem 17. Geburtstag wird sie (wie in der islamischen Welt üblich) zur Heirat mit ihrem eigenen Cousin gezwungen!

Dem Buch Der Multikulti-Irrtum von Seyran Ates zufolge müssen muslimische Mädchen und junge Frauen häufig den Analverkehr über sich ergehen lassen; die Methode würde zuverlässig nicht nur die Empfängnis, sondern vor allem die Entjungferung verhüten. Vernünftige Erhebungen zum Thema kann man sich kaum vorstellen. Man kann nur beispielsweise auf die „sotadische Zone“ verweisen und auf sich häufende Anekdoten, wie die folgende aus einem „Sexforum“:

hatte mal eine perserin als freundin. diese wurde gezwungen, jemanden zu heiraten den die familie ausgesucht hat. sie musste als jungfrau die ehe eingehen. ich hatte fast ein jahr lang spass mit ihr. sie machte alles ausser normalen gv. fuer sie war anal das beste ueberhaupt. sie konnte nicht genug davon kriegen.

Man lese auch unbedingt den Artikel „Gefangen im Unaussprechlichen“ aus der Süddeutschen Zeitung:

Kundruns wirklicher Horror aber, das sind eingesperrte und vergewaltigte Ehefrauen, mißbrauchte Töchter. Sie erzählt von einem Mädchen, in deren Mund sich eine Geschlechtskrankheit eingenistet hatte, vom Bruder übertragen. Von einer Fünfjährigen, deren Anus zerrissen ist, weil sie anal mißbraucht wurde, um das Jungfernhäutchen zu schützen. „Tor zwei“ nennen Musliminnen das: Analverkehr, um die Jungfräulichkeit zu bewahren; diese Sexualpraktik nutzen Männer, wenn ein junges Mädchen in der Hochzeitsnacht unberührt wirken soll.

In ihrem Buch Die fremde Braut beschreibt die deutsch-türkische Soziologin Necla Kelek, wie aus Gastarbeitern Türken und aus Türken Moslems wurden. „Importbräute“ (so gut wie immer Cousinen) werden aus der Türkei geholt, hier wie Gefangene gehalten und als Brutmaschinen mißbraucht. Eine vom deutschen „Sozialstaat“ subventionierte systematische Türkisierung bzw. Islamisierung der deutschen – „Be-Völkerung“.

Das besondere an ihrer Arbeit ist der quasi „sexualökonomische“ Blick ins Intimleben. Beispielsweise beschreibt sie, wie sie selbst auf das Eheleben vorbereitet wurde:

Auch ich wurde von meiner Tante in die „Kunst der Liebe“ eingewiesen. Ich war 14, und sie sagte mir, wie man es mit einem Mann machen soll: „Du legst dich hin, machst die Hände zur Faust und schließt die Augen. Und ‚o gelir ve bosalir’, er kommt und entleert sich. Aber wenn du dich bewegst, wird er sich lange an dir aufhalten.“ Seit 25 Jahren mache sie es so, und ihr Mann habe sich noch nie beklagt. (S. 217)

Soweit das Eigenzitat. – Wir brauchen Wilhelm Reich mehr denn je, werden aber mit dieser minderwertigen Rückübersetzung abgespeist.

Das Trauerspiel der Reich-Editionen

19. Februar 2018

Publish or die! Für Reich war das Publizieren seiner Arbeiten überlebenswichtig. Das begann mit seiner Arbeit als Psychoanalytiker und später als Sexualpolitker, den man schon bald mundtot machen wollte, und mündete schließlich in seinen sexualökonomischen und später orgonomischen Schriften im Exil. Beispielsweise waren seine Veröffentlichungen in den 1950er Jahren eine Hauptwaffe gegen die Kampagne der FDA und der amerikanischen Linkspresse gegen ihn. (Es ist durchaus vergleichbar mit Trumps heutigen Twittern!) Ohne seine Publikationsarbeit wäre er sehr schnell in der Versenkung verschwunden. Entsprechend wurde von ihm und später seinen Mitarbeitern, insbesondere Theodore P. Wolfe, eine ungeheure Arbeit und Sorgfalt in die Aufmachung der Schriften und Periodika investiert. Entsprechend wird man kaum je irgendeinen Fehler finden. Und das war lange vor den heutigen Rechtschreibprogrammen und unendlich vielen Recherche- und Korrekturmöglichkeiten, die wir heute mit den Computern haben!

Das hohe Niveau änderte sich nach Reichs Tod als Chester M. Raphael und seine Partnerin Mary Boyd Higgins Herausgeber seiner Schriften wurden. Anfangs passierte außer das eine oder andere verpeilte Vorwort nicht viel, denn die von Wolfe in enger Zusammenarbeit mit Reich angefertigten Übersetzungen wurden neu aufgelegt und erhielten teilweise positive Besprechungen, weil man nicht erwartet hatte, daß die FDA eine so wertvolle Literatur hat verbrennen lassen. Doch seit Anfang der 1970er Jahre wurden diese Originalübersetzungen, von denen ein eigentümlicher sprachlicher Zauber ausging, durch Neuübersetzungen ersetzt, die fast durchweg ein Desaster waren. Der Sprachduktus war für amerikanische Ohren mit einem Mal hölzern und „teutonisch“ und vor allem voller faktischer Fehler. Beispielsweise wurde aus dem „Generalpsychopathen“ (Hitler, unter dem u.a. seine Generäle litten) idiotischerweise „psychopathic generals“ – und zahllose andere Beispiele von Übersetzungsmurx (siehe hier und hier). Und das alles im Namen einer Organisation, die Reichs Namen trug. Es war alles sozusagen „Reich-offiziell“!

Aus verschiedensten Gründen konnte man sich nach Reichs Tod praktisch nur noch aufregen. Wirklich in jeder Neuausgabe wurde irgendein Bockmist gebaut, so als wollte man Reich posthum noch toter machen, als er ohnehin schon war. Dabei waren seine Schriften nach seinem Tod für sein Überleben (bzw. natürlich für das Überleben und die Verbreitung seiner Ideen) um Potenzen wichtiger als zu seinen Lebzeiten. Die Arbeit war auch um soviel einfacher, denn der Kanon lag abgeschlossen vor.

Den Leuten, die dieses posthume Verbrechen an Reich begangen haben, glaube ich keine einzige Sekunde, daß es keine andere Möglichkeit gab, daß man doch froh sein solle, daß Reich überhaupt wiederveröffentlicht wurde und was für ungeheure persönliche Opfer sie doch aufgebracht haben. Mir kommen die Tränen! Tatsächlich geht es nur um eins: daß sich diese Leute unglaublich stark voller Liebesinbrunst zu Reich hingezogen fühlen, er ihnen aber imgrunde fremd ist, sie deshalb nicht „mitschwingen“ können, aber auch nicht von ihrem vermeintlichen Erlöser lassen können. Die Lösung dieses Konflikts kann jeder in der Umgebung an den diversen Beziehungs- und Ehehöllen sehen: man kommt nicht vom angeblich „geliebten“ Partner los und versucht ihn deshalb mittels „Sabotage“ nach und nach buchstäblich umzubringen.

Deshalb reagiere ich so überaus empfindlich etwa jetzt auf Kinder der Zukunft. Reichs Wort ist Reich selbst, das ist das einzige, was von ihm geblieben ist, das ist sein LEBEN. Kleinere Fehler, wir sind alle nur Menschen – aber hier geht es um ein MASSAKER. Nehmen wird etwa die drei „Orgasmuskurven“ im „Kapitel“ über „Die sexuellen Rechte der Jugend“. Auf S. 160 ist die Orgasmuskurve zum Beispiel mit „F = Vorlust – Vorspiel“ beschriftet. Das „F“ wurde so aus der amerikanischen Ausgabe übernommen für „forepleasure – foreplay“. Im deutschen Orgnalmanuskript steht natürlich „V“! Was der unbedarfte Leser von Kinder der Zukunft in diese und die anderen aberwitzigen Beschriftungen (etwa „C = Beginn des Höhepunkts“ – im Orginal „A = Einsetzen der ‚Auslösung‘“) hineininterpretieren mag… S. 165: „N = Unlust nach der Ejakulation“, im Original „U = nachfolgendes Unbehagen“. S. 169: die Hemmungen werden mit „I“ statt wie im Original mit „H“ beschriftet. Man kann hier nur die Sorgfalt der amerikanischen Herausgeber und Übersetzer loben, denn „V = foreplay“ etc. wäre einfach derartig lächerlich gewesen!

Selbst die Herausgeber der amerikanischen Ausgabe sind dumm dran. Die Fußnote „Sulfonamides are the appropriate drugs used today“ wird übersetzt als:

Anm. der Hrsg. der amerik. Ausg.: Der weiche Schanker wird heutzutage antibiotisch behandelt. (S. 171)

Oder gar aus…

The incidence of later stages of syphilis has been declining, even without the indicated treatment, because antibiotics are now so frequently used for other infectious diseases as well.

…wird das veritable Gegenteil:

Anm. der Hrsg. der amerik. Ausg.: Die Syphilis ist durch die Antibiotikabehandlung zwar deutlich zurückgegangen, die Anzahl der Neuerkrankungen stieg ab (sic!) seit 1990 wieder deutlich an. Vor allem in Großstädten und unter Homosexuellen ist auch heute die Syphilis weit verbreitet.

Übrigens „1990“: die (einzige) amerikanische Ausgabe erschien 1983!

Alle gehen selbstherrlich mit Reich um. Die amerikanischen Herausgeber maßen sich an aus Versatzstücken selbst ein „Buch von Wilhelm Reich“ aus dem Hut zu zaubern, das er so nie geschrieben hat, und der deutsche Übersetzer setzt in einer zweiten Schicht an Selbstherrlichkeit noch eins drauf. Also normal ist das nicht!