Posts Tagged ‘Judentum’

nachrichtenbrief62

27. August 2017

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Wie die Emotionelle Pest „argumentiert“

3. Mai 2017

Die Emotionelle Pest erkennt man daran, daß der wahre Beweggrund praktisch das Gegenteil des vorgeschobenen Motivs ist. Man denke nur an die Kindererziehung: „Das ist nur zu Deinem Besten!“ Generell, etwa in der Politik: es ist immer „nur zu unserem Besten“! Klar doch…

Das gleiche findet sich in den „Argumenten“ der Emotionellen Pest, etwa den „Argumenten“ der Antisemiten. Mit dem Brustton der Überzeugung werden offensichtliche Lügen verbreitet. Man denke nur an die Leugnung des Holocaust. Auschwitz sei auf einem Feuchtgebiet errichtet worden, wo man deshalb angeblich keine Gruben ausheben konnte, um Leichen zu verbrennen. Äh, ich habe mein gesamtes Leben neben Mooren gewohnt, dort als Kind gespielt und später meine Freizeit dort verbracht. Im Raakmoor kenne ich seit Jahrzehnten Gruben, die partout trocken bleiben. Vor einiger Zeit wurden Gruben ausgehoben, um künstliche Tümpel zu schaffen: es hat Wochen, wenn nicht Monate gedauert, bis die sich endlich mit Wasser gefüllte hatten.

Alle „Argumente“ der Holocaust-Leugner sind dieser Natur: sie klingen nur für den überzeugend, der sich nie mit der Materie auseinandergesetzt hat oder schlichtweg nicht auf diesem Planeten lebt. Oder nehmen wir die Talmud-Hetze, die genauso funktioniert. Jeder, wirklich jeder Antisemit, wird dir irgendwann die erschröckliche Geschichte auftischen, im Talmud stehe, daß man Mädchen unter drei Jahre ruhig vergewaltigen könne, weil sie danach wieder als jungfräulich gelten. Das wird dann noch weiter ausgeschmückt (etwa, daß es angeblich nur um nichtjüdische Mädchen geht) und unvermittelt steht das Judentum da als veritabler Satanskult. Schlägt man aber im Talmud selbst nach, wird man feststellen, daß diese Stelle auf denkbar hinterhältige Weise aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Es wird im Talmud diskutiert, wie man einen Kinderschänder bestrafen soll und wie man das Schicksal seines Opfers lindern kann. In diesem Zusammenhang wird gesagt, daß man dem Opfer, das ja schließlich keinerlei Schuld auf sich geladen hat, nach dem rabbinischen Gesetz weiterhin als jungfräulich betrachten sollte, so daß es später heiraten kann und nicht noch in zusätzliches Unglück gestürzt wird. Aus dem Talmud spricht also Humanismus, Mitmenschlichkeit und Mitleid, doch der Emotionellen Pest gelingt es, dies ins diametrale Gegenteil zu verkehren, da niemand sich die Mühe macht (und auch rein lebenspraktisch sich nicht die Mühe machen kann), dieser Geschichte auf den Grund zu gehen.

Es ist sehr ermüdend, all den „Argumenten“ der Emotionellen Pest auf den Zahn zu fühlen. Man könnte ganze Bibliotheken füllen mit dicken Bänden, die all den gemeinen Unsinn geraderichten, der beispielsweise über Wilhelm Reich und die Orgonomie verbreitet wurde und wird. Durch Diskussionsforen im Internet sich durchzukämpfen, fühlt sich teilweise an, als würde man eine Jauchegrube durchschwimmen. Oder man denke an Fernsehdiskussionen: die „Argumente“, die ausgetauscht werden, sind manchmal so bodenlos nichtig, daß man wirklich den Fernseher ausmachen muß, um nicht vollends an der Menschheit zu verzweifeln. Oder etwa wenn ausgerechnet die öffentlich-rechtlichen Medien „Fake News“ anprangern.

Du weißt, daß du es mit der Emotionellen Pest zu tun hast, wenn du dich vollkommen hilflos fühlst, angesichts der ganzen Niedertracht den Boden unter den Füßen verlierst und geradezu in Schockstarre gerätst.

Der Anlaß für diesen Blogeintrag ist die Lebensbeichte eines holländischen Bankers, der offenlegt, von was für einem ekelerregenden mörderischen Abschaum in den Medien, der Wirtschaft und der Politik wir regiert werden. Wirklich sehenswert:

Nach etwa 25 Minuten wird daraus jedoch unvermittelt eine antisemitische Schmonzette über „die verschollenen Zehn Stämme Israels“ und „die Weisen von Zion“. Die Juden hätten in Babylon Kinder geopfert und seien deshalb vertrieben worden. Liest man das Alte Testament aber selbst, wird man finden, daß das genaue Gegenteil dessen wahr ist, was dieser Idiot andeutet. Die Juden waren die einzigen, die gegen die Menschenopferung vorgingen. Jahwe verfluchte jeden Juden, der so unmenschlich handelte wie die Heiden. Antisemiten stellen stets wirklich alles auf den Kopf, verkehren alles ins vollständige Gegenteil.

Hier die deutsche Zusammenfassung:

nachrichtenbrief1

25. März 2017

Die Kontaktlosigkeit von Angela Merkel und Abu Bakr al-Baghdadi

14. März 2017

Die jüdische Religion dreht sich vor allem um den Erhalt der eigenen Gruppe. Bis zum Erbrechen wird der Auszug aus Ägypten, die Eroberung Kanaans und der Erhalt der eignen Staatlichkeit ständig wiedergekäut. Das Christentum ist eine Reformbewegung, die gegen diesen Tribalismus den spirituellen Kerngehalt des Judentums hervorhebt, das Gebot der Liebe zum Mitmenschen, egal wohin er gehört oder was er getan hat. Im Laufe der Zeit, spätestens aber mit der Ernennung des Christentums zur Staatsreligion des Römischen Reiches, paßte sich das Christentum dem Selbsterhaltungswillen der Völker an. Erst heute, in einer grotesken Verkennung der Zeitbedingtheit beziehungsweise des Kontextes der jesuanischen Botschaft, wird auf fundamentalistische Weise wieder darauf beharrt, „die andere Wange hinzuhalten“.

Kranke Fundamentalisten wie die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident und andere gemeingefährliche Pfaffen beharren darauf, daß wir offen und tolerant bis zur Selbstverleugnung sein müssen, ansonsten wären wir nämlich „Nazis“. Tatsächlich sind sie wie Roboter, die einem Computerprogramm folgen, das überhaupt nicht zu den heutigen Anforderungen paßt. Mehr, es hat NICHTS mit der heutigen Zeit und unserem Land zu tun! In ihrem bizarren Masochismus ergänzen sie auf perfekte Weise die sadistischen Islamisten, die auf eine Reformbewegung des Christentums zurückgehen.

Als die jüdische Sekte der „Christen“ immer mehr vom hellenistischen Umfeld geprägt wurde und das Christentum zu einer neuen Form des Polytheismus wurde, mit Christus, Maria, Petrus, etc. als Götter, entwickelte sich östlich des römischen Reiches eine Gegenbewegung, die gegen diesen Götzendienst zu Felde zog und Jesu Botschaft retten wollte. Schon bald wurde daraus das genaue Gegenteil: eine Abfolge immer neuer grauenerregender Massaker, um das Übel der Götzenanbetung endgültig von der Erde zu tilgen. Mördermaschinen, die blind Menschen niedermähen.

Wilhelm Reichs Jüdischheit (Teil 1)

1. März 2017

1930 erklärte die Sowjetunion die Sowjetisierung des Lebens für weit fortgeschritten, so daß allenfalls noch Sprachunterschiede zwischen den Nationen blieben und jedes Beharren auf beispielsweise jüdische Identität „kleinbürgerlicher Chauvinismus“ wäre. „Ein Buch, das 1931 in einem kommunistischen Partei-Verlag in Wien und Berlin erschien, formulierte diese alte und wiederum neue Linie sowjetischer ‚Judenpolitik‘ programmatisch, nicht zuletzt auch gegenüber der aufkommenden NS-Bewegung in Deutschland“ (Koenen/Hielscher: Die Schwarze Front, rororo 1991, S. 153). Der Titel lautet: Otto Heller: Der Untergang des Judentums. Die Judenfrage – Ihre Kritik – Ihre Lösung durch den Sozialismus, Wien-Berlin 1931. Reich hat dem damals 100prozentig zugestimmt und auch nach dem Krieg war der „Jude“ Reich alles andere als ein Freund der „Judischheit“:

Ich glaube, daß das jüdische Volk irgendwann einmal sich in den Massen der Menschentiere dieses Planeten verlieren wird, zu seinem eigenen Gedeihen, und dem seiner Enkelkinder. Das hörst du nun nicht gerne, kleiner jüdischer Mann, denn du pochst so sehr auf dein Judentum, weil du dich selbst als Juden verachtest, und jeden, der dir nahe ist. Der schlimmste Judenhasser ist der Jude selbst. Dies ist eine alte Wahrheit. Doch ich verachte dich nicht, und ich hasse dich nicht. Ich habe mit dir nur nichts gemein, oder nicht mehr gemein, als ein Chinese mit einem Wiesel in Amerika: den gemeinsamen Ursprung aus dem Weltenall. Weshalb gehst du nur bis Sem, und nicht bis auf das Protoplasma zurück, kleiner Jude? Für mich beginnt das Lebendige in der Plasmazuckung, und nicht mit deinem Rabbinat. (Rede an den kleinen Mann, S. 38f)

Apropos „Weltenall“, berühmt ist Reichs Aussage in Reich Speaks of Freud:

Während Freud im Judaismus befangen war, war ich davon frei. Meine Sympathien gehören eher der christlichen Geisteswelt und der katholischen Sphäre. Nicht, daß ich sie gutheiße oder daran glaube. Ich glaube nicht an diese Dinge. Aber ich verstehe sie gut. Die Christen haben die tiefste Perspektive, die kosmische. (z.n. Wilhelm Reich Blätter, 3/81, S. 146)

Das Christentum ist „kosmischer“ als das Judentum, denn christliche Mystik führt zur unio, jüdische Mystik kann grundsätzlich nur zur communio führen. Es geht also um die Vereinigung mit der kosmischen Orgonenergie, letztendlich um die orgastische Verschmelzung.

Reich widersprach dezidiert der philosophischen Grundlage des Judentums, der jüdischen „negativen Theologie“, daß Gott unnennbar, unerkennbar, sei. Reichs Orgonomie verkörpert das genaue Gegenteil.

Der antisemitische Jude

26. Januar 2017

Es gibt zwei Arten von antisemitischen Juden. Da den linken Juden jeder Kontakt zum bioenergetischen Kern abgeht, sie in ständiger Rebellion gegen den Vater stehen („die Patriarchen“, Gott) und da sie in der charakterlichen Fassade leben und entsprechend einer universalistischen, humanistischen Ersatzreligion frönen (die sie als genuin „jüdisch“ betrachten), ist für sie Israel ein selbstsüchtiger „rassistischer Apartheidstaat“, der imgrunde keine Existenzberechtigung hat.

Ebenfalls auf die „Werte der Diaspora“ berufen sich die ultraorthodoxen Juden, „die Taliban des Judentums“. Für sie hat Israel kein Existenzrecht, weil es auf universalistischen, humanistischen Prinzipien beruht, d.h. eine westliche Demokratie ist und kein Gottesstaat, der vom „Messias“ ins Leben gerufen wurde. Die Ultraorthodoxen, die in Israel leben, verweigern den Kriegsdienst und machen den säkularen Juden das Alltagsleben zur Hölle. Charakterstrukturell unterscheiden sie sich kaum von Salafisten.

Im Sinne von Jes 42,24f sehen manche Ultraorthodoxen im Holocaust eine Strafe Gottes, weil das Judentum den Sabbat nicht mehr geheiligt hätte. 1972 sprach vor der B’nai B’rith der Pariser Militär-Rabbiner André Chekroun vom „Sühneopfer von sechs Millionen der Unsrigen“ (Ehrlich, et. al.: Religiöse Strömungen im Judentum heute, Zürich 1973, S. 52). Es ist, um mit Hitler zu reden, der Haß auf jene, die sich selbstsüchtigerweise nicht selbst opfern wollen und deshalb geopfert werden müssen.

Derartiger Wahnsinn ist rational nur zu begreifen, wenn man in die bioenergetische Tiefenstruktur der Massen schaut, die die Grundlage ihrer politischen und religiösen Haltungen ist. Diesen Zugang bietet die soziopolitische Charakterologie, wie sie von Elsworth F. Baker und Charles Konia entdeckt wurde. Siehe Dr. Konias Blog http://www.orgonomie.wordpress.com.

Die matriarchalen Wurzeln des Christentums

8. Juni 2016

Die erste geschichtlich greifbare Frau ist Debora. Debora bedeutet „Biene“. Ein Attribut, das sie mit der kämpferischen ägyptischen Göttin Neith verbindet. Neiths Kampf galt der Unterwelt, also dem Tod und der Dürre. Wurde dies dann in die Kampflegende um die streitbare Debora umgedeutet? Debora ist die Herrin über Efraim und sie ist die Amme der Rebekka, die Jakob gebiert, welcher zu Lea und Rahel geht. (Ein Schwesterpaar wie bei Ezechiel 23 „die beiden Schwestern Samaria und Jerusalem, Töchter derselben Mutter“.)

Lea bedeutet „Wildkuh“, die kuhgestaltige Himmelskönigin Anat, die kuhgestaltige Sonnengöttin Aschera, die hebräische Form der ägyptischen kuhgestaltigen Hathor, die der griechischen kuhgestaltigen Hera entspricht. Der Richter Schamgar wird „Sohn Anats“ genannt (Ri 3,31). Ihr kultischer Partner ist „der Sohn“ Ru-Ben, der wiederum Kultheros des Stammes Ruben ist. Dieser Stamm war mit Sicherheit „schon immer“ in Kanaan seßhaft und zwar im Gebiet nordöstlich des Toten Meeres, das man später dem „Stamm“ Juda zulog. In Beth-Anat im Lande Naftali lag der Kultort der Anat. Später wurden Anat und ihr Partnergott Baal zu den Kindern des Götterpaares Aschera und El herabgesetzt.

In der Bibel hat die patriarchale Darstellung der Lea als Gattin des Jakob die Funktion, zusammen mit Jakobs zweiter Frau und den „Mägden“ (Nebenfrauen) disparate Stammesgruppen aneinanderzubinden: Rinderzüchter und Schafzüchter, Alteingesessene und Spätankömmlinge. „Einheimische“ Stämme waren: Ruben, Ascher und Gad, die in Jos 8,33 gegen „die Fremden“ abgehoben werden.

Die Einwanderung wird aber für alle Stämme unter dem von Moses geleiteten Exodus Josefs aus Ägypten subsumiert und mit der Landnahme Benjamins aus der syrischen Wüste ins Westjordanland verknüpft (Jos 2-9), obwohl in Ri 1,1-2,5 Einzugsgeschichten für jeden einzelnen Stamm vorliegen. (Man sieht, daß das Alte Testament sogar noch zusammengestückelter und noch unglaubwürdiger ist als das Neue Testament.)

Zuerst kamen die Rinderzüchter, deren ursprüngliche Herrin Lea war: Ruben, Sachar und Sebulon. Simeon, Levi, Juda, die ebenfalls genannt werden, sind neuere Zusätze, da sie, wie auch die Südstämme, die später alle unter dem Oberbegriff „Juda“ fielen, im alten Deboralied fehlen und die Zuteilung von Stammesgebieten entweder problematisch ist oder ganz fehlt. Zur Lea-Sippe kommen jene, deren Urmutter Silpa war: Gad, Ascher. Dies sind die Stämme, die um das „Goldene Kalb“ tanzten und nachträglich auf den Sinai neben den Stamm Josef gesetzt wurden.

Nach den Rinderhirten kamen die Schafzüchter. Die Opferkulte um Rinder und Schafe wurden dementsprechend verbunden: siehe Ex 29,10.15. Herrin der Schafzüchter ist die jüngere Schwester Leas, Rahel das „Mutterschaf“ (vgl. Hld 6,6), die unsterbliche Gottesmutter Manasses und Efraims, sowie Benjamins (Jer 31,15). Benjamin ist der Widder und später das „Lamm Gottes“. Rahels Kultort war das „Grabmal“ Rama, zu dem noch Saul (1012-1004) als König Benjamins pilgert (1 Sam 10,2).

Wie fern Saul dem Jahwekult stand, sieht man daran, daß er Jahwe-Priester als judäisch-davidische Agenten töten ließ (1 Sam 22,17). Einer der Klangenossen Sauls hieß Belia („Jahwe ist Baal“), seine Söhne hießen Isch-Boschet, bzw. Eschbaal („Baal lebt“) und Meribaal („Baal belohnt“). Saul tritt uns in einem dionysischen Tanz entgegen (1 Sam 10,9-12; siehe auch 19,22-24); eindeutig ein Verhalten, wie es zur Baalsreligion gehörte (vgl. 1 Kön 18,26). Alle Söhne Sauls sind gefallen (1 Sam 31,2; vgl. 14,49), sodaß sein vorgeblicher Sohn Eschbaal nicht durch patriarchale Erbfolge Sauls Nachfolger geworden sein kann.

Was ganz allgemein die Baale betrifft: Der Bundesschluß mit Jahwe zu Sichem geht auf vorisraelitische Zeit zurück, auf den dortigen Baal-Berit, dem „Herren des Bundes“ (vgl. Ri 8,33; 9,4). Andere Baale wurden dämonisiert, wie z.B. der Baal-Sebub, an den sich noch König Ahasja (852-851) um Heilung wandte. Später wurde er zum verderbenbringenden Beelzebub (2 Kön 1,2 und Mt 10,25; 12,24).

Zur Rahel-Sippe gehört auch die Gruppe der Urmutter Bilha: Naftali und Dan. Was speziell Dan angeht, erwähnt Immanuel Velikovsky in seinem Buch über Ramses II. und seine Zeit, die Velikovsky in das zeitliche Umfeld von Judas Fall ansiedelt, einen Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Nebukadnezzar, in dem verschiedene Götter angerufen werden, über die vertraglichen Bestimmungen zu wachen. In der Liste der Götter taucht u.a. die „Göttin von Dan“ auf. Dazu kommentiert Velikovsky als Argument für seinen chronologischen Umbau:

Aber in der Zeit vor der Eroberung Dans durch die Daniter, in der Zeit der Richter (in die Ramses konventionellerweise verlegt wird), wurde dieser Ort Lais genannt (Ri 18,29), und es war Jerobeam (926-907), der dort einen Tempel baute. (Frankfurt 1983, S. 66)

Velikovsky geht gar nicht darauf ein, daß der Heiligen Schrift zufolge der besagte Tempel Jahwe galt, sich nun aber herausstellt, daß die Israeliten von Dan zu einer Göttin beteten!

Moses ist der Stammesfürst des Stammes Josef, den er aus Ägypten geführt hat. (Oder ist er der matriarchale Kultheros, der den Todesgott Mot, den Pharao, in die Unterwelt verbannt und den Frühling bringt – Manna vom Himmel fallen und Quellen sprudeln ließ?) Trotzdem Josef als (vor)letzter Ankömmling der äußeren, patriarchalen Schicht der Charakterformation Israels sehr nahe kommt, sind bei Josef noch Reste spätmatriarchalen „Fruchtbarkeitsheroentums“ zu finden. Josef „gleicht dem Erstgeborenen des Stiers, in Josef wohnt die Stärke seines Gottes. Er hat die Hörner eines Büffels“ (Dtn 33,17). Desgleichen haben wir ja auch Moses als „Stier der Göttin“ kennengelernt. Moses’ Nachfolger heißt Josua, was „Retter“ bedeutet, also auch ein Anklang an den „Heros der Göttin“. Übrigens ist „Jesus“ hiervon nur eine gleichbedeutende Namensvariante.

In Gestalt von Moses’ Schwester Mirjam taucht auch schon „Maria“ auf. Neben das Deboralied gehört das Lied der Mirjam (Ex 15,21) zum ältesten Überlieferungsgut. Sie tanzt mit einer Pauke dem „Siegesreigen der Frauen“ voran. Zusammen mit ihrem Bruder Aaron soll sie sich gegen Moses aufgelehnt haben, woraufhin sie mit Aussatz bestraft wird. Jahwe vergleicht seine Strafe mit der eines Vaters, der seiner Tochter ins Gesicht spuckt (Num 12,14) – das ist der Gott des Alten Testaments.

Josef, der von Moses aus Ägypten geführt wurde, fehlt es in Kanaan am Stammesgebiet. Er wurde einfach zum Vorfahren von Manasse und Efraim erklärt und so ins Stammessystem eingepaßt. Vollends patriarchal wird es mit Levi, dem letzten Stamm, der ebenfalls kein eigenes Stammesgebiet hat. Levi ist eng mit Juda verbunden, der gar kein Stamm ist, sondern mythische Absicherung der davidischen Herrschaft.

Doch selbst Juda, der nicht zu Israel gehört, hat einen matriarchalen Aspekt. In Ezechiels Klagelied (Ez 19) über den Untergang der Könige Judas steht deren „Mutter“ im Vordergrund, die mit einer Löwin und einer Weinrebe verglichen wird. Gemeint ist Tamar. Sie ist die Palme mit dem Steinbock, der sie „besteigt“ (vgl. Hld ,8f). Das ist ein sehr bekanntes Motiv („Ziegenbock am Lebensbaum“) aus Ur in Chaldäa, der Heimat Abrahams, das jeder kennt, der sich mit der Geschichte des alten Orients beschäftigt hat.

Tamar ist die judäische Kultheroin. Davids ältester Sohn Amnon, ein Priester, liebte seine Schwester Tamar (2 Sam 13). Auch eine Enkeltochter Davids hieß Tamar (2 Sam 14,27). Die Palme, die für Tamar stand, spielte eine herausragende Rolle bei der Ausstattung des Salomonischen Tempels (1 Kön 6,29.32.35; 2 Chr 3,5 und Ez 41,18f), in dem keine Knaben sangen, wie in der Katholischen Kirche, sondern Mädchen (Klgl 1,4).

Tamar ist die Stammutter der Südstämme Kaleb, Othniel, Kain und Jerachmeel, die alle vom davidischen Kunstgebilde „Juda“ verdrängt wurden. Hebron, der Kultort des Stammes Kaleb, war erster Regierungssitz Davids. Mamre bei Hebron ist wiederum Kultort Saras, deren Kultheros der „Stammvater“ Abraham war. Gerda Weiler schreibt über diesen Komplex:

Als Heimat Abrahams wird Haran angenommen, wo auch eine „Göttin“ namens Sara bekannt ist. „Sara“ bedeutet „Königin“, wird aber auch mit „Fürstin“ wiedergegeben. Noch bis ins 11. Jahrhundert u.Z. haben sich in Haran matriarchale Kulte erhalten – im Widerspruch zu Christentum und Islam. Der Kult Saras, der Frau des Abraham, stammt aus Hebron. Dort ist ihr Grab, an das eine alte kultische Überlieferung gebunden ist. Matriarchale Kulttexte erzählen von Sara, der Priesterin oder Königin am Heiligtum in Hebron, die eines jeden Jahres Unfruchtbarkeit in der Heiligen Hochzeit überwindet. (Das Matriarchat im Alten Israel, Stuttgart 1989, S. 117f)

Sara wird neben dem Stammvater Abraham als Stammutter Israels bezeichnet (Jes 51,2). Und in der Verheißung „an Abraham“ ist gar nicht von ihm als Stammvater die Rede, sondern: „Sara soll die Mutter ganzer Völker werden, und Könige sollen von ihr abstammen“ (Gen 17,16).

Mit Sara ist die Magd Hagar verbunden, die ihren Sohn aus der Wüste führt, so wie die Göttin ihren Kultheros aus der Unterwelt. Dieser Sohn, Ismael gilt im Islam als der Stammvater der Araber.

So läßt sich alles abgrundtief Patriarchale auf matriarchale Ursprünge zurückverfolgen. Beispielsweise stellen die Horden Dschingis-Khans ein prototypisches Beispiel für die brutale Ausbreitung des Patriarchats dar. Aber selbst diese Horden lassen sich auf Urmütter im Matriarchat zurückführen. Auf 5000 Jahre alten Felsbildern aus der Mongolei kann man diese Stammütter etwa in Form von Hirschkühen sehen. Motive, die sich kontinuierlich in der mongolischen Kultur verfolgen lassen, bis heute. So wird eine Hirschkuh namens Olun-Goa als Ur-Mutter der mongolischen Sippe der Bordschigin in Verbindung gebracht, der Sippe, aus der Dschingis-Khan stammte.

Noch in Ex 38,8 und 1 Sam 2,22 dienen Frauen Jahwe. Im Alten Testament treten Weise Frauen (2 Sam 14,2), die für ganze Städte sprechen (2 Sam 20,16ff), Schamaninnen (Hexe von Endor) und Prophetinnen auf. Bei Joel 3,1 verkündet Gott, Männer und Frauen zu Propheten in Israel zu machen. Jesaja 8,3 sagt: „Als ich mit meiner Frau, der Prophetin, schlief, wurde sie schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.“ Noch bei der Einrichtung des eigentlichen Judentums spielen Prophetinnen eine entscheidende Rolle: die Prophetin Hulda gibt ein Gutachten über das im Tempel gefundene Gesetzesbuch Mose ab (2 Kön 22,14-20 und 2 Chr 34,22), während sich Nehemia bei der Durchsetzung des Judentums gegen die Prophetin Noadja zur Wehr setzen muß (Neh 6,14).

Für die Jahwisten sind alle Feinde, „die sich um eine Götzenpriesterin scharen“ (Jes 66,17). Schon das Alte Testament ruft zur Hexenverfolgung auf (Ez 13,17-23); Frauen im Volke, die „nach ihrem eigenen Gutdünken prophezeien“ und magische Hexenpraktiken ausführen, wird das göttliche Strafgericht angedroht.

Die Geschichte der Dirne Rahab, die eine bedeutende Rolle bei der israelitischen Landnahme spielt (Jos 2,1-21; 6,22-25), zeigt, daß schon im Alten Testament Dirnen Gott näher stehen, als andere Menschen – lange vor Jesus (Hebr 11,31 und Jak 2,25). Prostitution genoß hohe Wertschätzung; über sie wurde ganz unbefangen berichtet (z.B. Ri 16,1). Was mag sich ursprünglich hinter der Geschichte der Tamar verbergen, die Juda verführte, indem sie sich als Prostituierte ausgab? (Gen 38). Jiftach, ein Held der Richterzeit, „war der Sohn einer Prostituierten“ (Ri 11,1), wie ja auch Jesus. Vollends merkwürdig wird es, wenn dem einzigen originären Propheten des Nordreichs, Hosea (etwa 750-722 v.Chr.), von Gott befohlen wird eine Prostituierte zu ehelichen. Im Buch Hosea gilt dann diese Ehe als Gleichnis für die tragische Liebesgeschichte zwischen Jahwe und der Hure Israel, die sich den Baalen hingibt.

Doch das Volk „hurte“ weiter und bekannte sich zu alten matriarchalen Religionsformen. In dem betreffenden Bekenntnis Jer 44,17f ist auch von den Königen die Rede. Die Fruchtbarkeitskulte waren so verbreitet, daß die Könige aus staatspolitischen Gründen diese Kulte tolerierten, wenn sie nicht selbst, wie noch Saul, an ihnen teilhatten. Deshalb kommen die Könige in der Bibel fast durchweg schlecht weg. Asa von Juda (908-868) war einer der wenigen Könige, der von der Bibel nicht kritisiert wird. Er beseitigte die matriarchale Opposition und ging dabei soweit, ein ungeheuerliches Sakrileg zu begehen, nämlich seine Großmutter, die Königsmutter Maacha, abzusetzten, „weil sie ein verabscheuungswürdiges Götzenbild der Göttin Aschera aufgestellt hatte“ (1 Kön 15,13). So emanzipierten sich die Könige gegenüber den Königsmüttern langsam mit Hilfe eines patriarchalen Kults: „Steig von deinem Thron herunter (…) du feine Dame“ (Jes 47,1).

Asas Nachfolger Joschafat (868-847) sandte die Leviten aus, das Volk im Gesetz Jahwes zu unterweisen (2 Chr 17,7). Diese Missionierung zeigt, daß der patriarchale Glauben kein Volksglauben war, sondern Herrschaftsinstrument (siehe auch 2 Chr 19,4 im Vergleich mit 20,33). Joschafat war ein gottgefälliger Mann.

Ahab von Israel (871-852) ist demgegenüber für die Bibel der Inbegriff des heidnischen Bösewichts – bis hin zu Melvilles Moby Dick. Ahab heiratete Isebel, deren Namensvetterin noch im Neuen Testament Offb 2,20-23 auftaucht, sich als Prophetin ausgibt und zur Unzucht verführt, wofür Christus in seiner großen Güte u.a. ihre Kinder töten will. Ahab heiratete also Isebel und stellte für sie ein Bild der Göttin Aschera auf (1 Kön 16,32f). Zu dieser Zeit nutzte der Prophet Elija eine Dürre aus, um 850 Priester der Fruchtbarkeitsgötter Aschera und Baal abschlachten zu lassen (1 Kön 18). Dieser patriarchale Ausrottungszug wurde in die Vergangenheit projiziert: die Leviten schlachten dreitausend ihrer „Söhne, Brüder und Freunde“ ab, weil sie das Goldene Kalb anbeteten (Ex 32)), später diente er wiederum als Muster für die legendäre Gestalt des Daniel-Buches (2.Jahrhundert v.Chr.), der im babylonischen Exil Frauen und Kinder der Baal-Priester (Bel) umbringen läßt (kath Dan 14; Einheitsübersetzung DanZ C,1-22). In Wirklichkeit ereigneten sich all diese Greuel zur Zeit Isebels.

Nach Ahabs Tod wurden sein Sohn Ahasja und dessen Sohn Joram (852-845) Könige unter der Königsmutter Isebel. Königin Isebel leitet den (heidnischen) Staatskult, sie läßt Elija verfolgen und sie führt die Staatsgeschäfte, wobei sie das königliche Siegel benutzt – angeblich „verbotenerweise“ (1 Kön 21,8). Elijas Nachfolger Elischa salbte daraufhin den Oberst Jehu (845-818) aus Jorams Armee zum neuen König, der den rechtmäßigen König umbrachte. Die nachfolgende bestialische Ermordung der Könismutter Isebel wird von der Bibel in allen Einzelheiten genußvoll geschildert. Dies war der Anfang eines wahren Blutrausches, in dessen Verlauf 70 Söhne und Enkel Ahabs geköpft und ihre Köpfe in zwei Haufen vor dem Stadttor aufgestapelt wurden. Auch alle restlichen Mitglieder der Königsfamilie wurden umgebracht, desgleichen alle hohen Beamten, Ratgeber und Priester des Königs. Nachdem Jehu auch die 42 Verwandten des judäischen Königs Ahasja (den er bereits zusammen mit Joram) getötet hatte, ging Jehu daran, die Verehrer Baals systematisch auszurotten. Wie er dies getan hat (er berief als vorgeblicher Baalsanhänger ein großes Opferfest für Baal ein, um ausnahmslos aller Baalspriester habhaft zu werden) ist ein Paradestück der Emotionellen Pest und ein Vorbild, an dem sich z.B. die Eroberer Südamerikas orientiert haben (2 Kön 10,18-27).

Inzwischen hatte in Juda die Königsmutter Atalja, eine Tochter Ahabs, die Macht auch offiziell übernommen. Vorher sei „dieses schändliche Weib“ (2 Chr 24,7) Ahasjas Beraterin gewesen, die ihn dazu verleitet habe, dem schlechten Vorbild Ahabs zu folgen (2 Chr 22,3). Jedenfalls ließ sie alle Angehörigen der Familie umbringen. Nur der kleine Sohn Ahasjas, Joasch (840-801) konnte dem Gericht entkommen und im Tempel Jahwes versteckt werden. Nach sieben Jahren wurde Atalja von den Priestern Jahwes gestürzt und hingerichtet. Joasch wurde König und den Baalspriestern von Juda ging es an den Kragen. Bezeichnenderweise wurde die Mutter von Joasch Zibja nun nicht zur Königsmutter. Nicht sie, sondern der Levit Jojuda hatte den bei seiner Inthronisation siebenjährigen König erzogen. Statt der Königsmutter regierten jetzt die Leviten. Doch selbst Joasch sollte doch noch zum Astarte-Anhänger werden, um schließlich von treugebliebenen Jahwe-Anhängern erschlagen zu werden.

Als Israel 722 fiel, wurden noch immer „auf jeder höheren Erhebung und unter jedem größeren Baum geweihte Steinmale und Pfähle aufgestellt“ (2 Kön 17,10). Sogar „das Bild der Göttin Aschera in Samaria blieb unangetastet“ (2 Kön 13,6). Zur gleichen Zeit mußte Judas König Hiskija (725-697) noch immer „Opferstätten rings im Land zerstören, die geweihten Steinmale in Stücke schlagen und das Götzenbild der Aschera umstürzen“ (2 Kön 18,4).

Unter König Joschija (639-609) schließlich gewann Jahwe ganz. Er befahl

den Tempel des Herrn von den Spuren des Götzendieners zu säubern. Er ließ alle Geräte und Einrichtungen, die für den Gott Baal, die Göttin Aschera und die Gestirngötter bestimmt waren, aus der Stadt bringen und im Kidrontal verbrennen. (2 Kön 23,4)

Dazu gehörte auch „das Götzenbild der Aschera im Tempel des Herrn“ (2 Kön 23,6). „Außerdem ließ er die Häuser der Prostituierten abreißen, die im Tempelbezirk gestanden hatten. Dort hatten die Frauen Gewänder für die Göttin Aschera gewebt“ (2 Kön 23,7). Zu diesem Vernichtungswerk gehörte auch die Entweihung von Altären im Osten von Jerusalem, die Salomo für Astarte hat bauen lassen. Außerdem ließ der König ihre „Priester auf den Altären abschlachten“ (2 Kön 23,20). Aber Joschija gab sich nicht damit zufrieden nur Jerusalem und Juda zu reinigen, sondern „auch in den Städten der Stämme Manasse, Efraim, Simeon und bis nach Naftali durchsuchte er die Häuser“ (2 Chr 34,6), also im Gebiet des untergegangenen Israel.

Israel war der Himmelskönigin verhältnismäßig treuer geblieben als das kriegerische Juda, das Israel immer wieder bedrängte. Juda folgte zunehmend den Leviten. So entsprach im regenarmen Südland Juda (Ri 1,15) die geographische Wüste der Emotionalen Wüste. Doch erst mit dem Untergang Judas begann sich das ganz zu entwickeln, was man als voll ausgebildete patriarchalische Religion bezeichnen kann. Es fing mit der Durchsetzung der Mosaischen Gesetze unter König Joschija an. Alles wird der Vergeltung unterworfen; es kommen die Gesetze, die das gesamte Leben in ein Korsett pressen.

Die matriarchale Bindung (Heidentum) war zerbrochen und wurde durch eine Bindung an das patriarchale Gesetz ersetzt (Rabbiner sehen es lieber mit dem Wort „Wegweisung“ ins Deutsche übersetzt). Eigentliche Begründer des Judentums waren im babylonischen Exil Ezechiel, der „Vater des Judentums“, der am Ritual und Tempelkult interessiert war, und Esra, der als „Zweiter Moses“ (Neh 8,1) das Deuteronomium verlas und Juda den Namen Israel gab. Erst Esra ist der eigentliche Anfang des Monotheismus. Die Pharisäer sahen Esra als den Begründer ihrer Bewegung. Es setzt sich unter Nehemia und Esra eine feste Theokratie durch, wie sie sich in den Büchern Haggai, Sacharja und Maleachi widerspiegelt. Sacharja war der letzte Prophet, während Maleachi Wortführer der Priesterkaste war (vgl. Mal 3,8) und so Ahnherr der Sadduzäer.

Wir haben gesehen, wie zählebig das Matriarchat im alten Israel war. Selbst die beginnende jüdischer Orthodoxie konnte diese matriarchale Überlieferungskette nicht unterbrechen. Noch zur Zeit des Heiligen Hieronymus im 4 Jahrhundert n.Ch. versammelten sich in der Nähe von Betlehem (!) Frauen, um den blutigen Tod des Adonis zu beweinen, des Geliebten der Aphrodite. Adonis ist identisch mit Tammuz, dem „Liebling der Frauen“ (Dan 11,37). Der Hain von Betlehem, in dem die Felshöhle der Geburt Christi lag, war dem Adonis geweiht. Die Geburtshöhle entsprach nach alten Kulten dem gebärenden Mutterleib der großen Göttin.

Der ganze Wiedergeburtsmythos des Christentums ist zweifellos auf spätmatriarchale Ursprünge zurückzuführen, die es dem Christentum ermöglicht haben sich in den Randgebieten Saharasias problemlos einzunisten. Sei dies bei den Griechen mit ihren Mysterienkulten oder bei den Germanen, deren Siegfriedlegende sozusagen einen Übergang vom Christus des Fruchtbarkeitskultes (Überwindung der unfruchtbaren Jahreszeit) zum Christus aus Reichs Christusmord darstellt. Es würde sich lohnen, unter diesem Gesichtspunkt Richard Wagners Ring etwas genauer zu betrachten.

Die Ungewißheit um den Vater Jesu entspricht einem alten kultischen Muster des Orients: Gilgamesch, Sargon, etc. kannten alle ihren Vater nicht. Es war Tradition, daß junge Mädchen vor der Hochzeit als Tempelprostituierte im Ischtartempel dienen mußten. Ihr erstgeborener wurde als Kind Gottes betrachtet – daß gegebenenfalls geopfert (z.B. gekreuzigt), sozusagen zurückgegeben werden mußte. Der Psalm 22, den Jesus am Kreuz angestimmt hat, geht mit Sicherheit auf altorientalische Kultgesänge um die Himmelskönigin und ihren Fruchtbarkeitsheros zurück. Er wird nach der Melodie „Eine Hirschkuh am Morgen“ gespielt, was auf eine tiergestaltige Urmutter verweist.

Das Christentum steht in einer Kontinuität, die ständig geleugnet wird, obwohl erst diese „heidnische“ Kontinuität das Christentum, das gerne als hellenistisch-jüdischer Synkretismus denunziert wird, auf feste dogmatische Grundlagen stellt. Nehmen wir nur die Ankündigung der Christusgestalt bei Sacharja, „die Klage um den Durchbohrten“. In der Endzeit wird Gott die Bewohner Jerusalems mit Reue erfüllen, „weil sie meinen Beauftragten durchbohrt haben“ (vgl. Joh 19,37).

Sie werden um ihn trauern, wie man um den einzigen Sohn trauert, sie werden weinen und klagen wie um einen Erstgeborenen. Die Klage Jerusalems um ihn wird so groß sein wie die Klage um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo. (Sach 12,10f).

Dazu gibt die Einheitsübersetzung den Kommentar, Hadad-Rimmon sei der phönizische Gott der Vegetation (griechisch Adonis), „dessen ‘Sterben’ im Herbst rituell beweint (vgl. Ez 8,14) und dessen Auferstehung jedes Frühjahr gefeiert wird. Mit Megiddo verbunden ist auch der Tod des bedeutenden Königs Joschija, der noch spät in Klageliedern besungen wird (2 Chr 35,20-25).“ Hier fließen spätmatriarchaler Fruchtbarkeitskult vom sterbenden und auferstehenden Gott, altisraelitische Königsideologie und christlicher Mythos in eins. Der Menschensohn ist Adonis und Adonis ist Adonai und Adonai ist Jahwe – und Jahwe ist identisch mit dem Menschensohn Jesus.

Das Christentum ist demnach so etwas wie ein Urjudentum. Fast die gesamte Jesusliteratur leidet darunter, daß man vermeint ins rabbinische Judentum zurückzukehren, wenn man auf die Ursprünge Jesu zurückginge. Dabei vergißt man, daß neben dem Christentum nur rein zufällig eine weitere Tradition des Judentums den Fall des Tempels überlebt hat und daß das talmudische Rabbinertum nur eine Strömung von vielen im Judentum repräsentiert.

Ein heutiger Jude mag die Einzelheiten des Alten Testaments besser einordnen können als ein Christ, aber das übergreifende Verborgene des Textes versteht ein Christ sicherlich besser. Es ist tatsächlich der Schlüssel zu Jesus, aber nicht in dem Sinne, wie es uns von mit Schuldkomplexen beladene Theologen weismachen wollen.

Zum Beispiel wird von solchen Autoren, die aus Jesus einen pharisäischen Rabbiner (der sich nur mit seinen apokalyptischen Anwandlungen etwas von den anderen abhob) machen wollen, Jesus vollkommen unrabbinisches Verhalten gegenüber Frauen nie erwähnt. Wenn das Weib in der Gemeinde unmittelbar nach Jesu Tod wie im Judentum keine Rolle spielte, warum verlangt dann der judäische Ex-Pharisäer Paulus ausdrücklich, daß das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe? (1 Kor 14,33f). Es war der einzige Judäer unter den ansonsten galiläischen Jüngern Jesu, der feindselig reagierte, als Frauen Jesus Liebe entgegenbrachten (Joh 12,1-8).

Die Bioenergetik des Antiamerikanismus

7. Juni 2016

Eine Kolumne von Henryk M. Broder hat mich zu Folgendem inspiriert.

Nach Nietzsche ist die Handlung „vollkommen leer an Wert: es kommt alles darauf an, wer sie tut“ (Der Wille zur Macht, A 292). Man denke nur an eine Vergewaltigung. Erschreckend spontan entweicht bei der Verurteilung von Vergewaltigern aus meinem Munde der Spruch: „Hoffentlich wird das Schwein im Gefängnis vergewaltigt!“ Oder man denke an die seit einem Säureanschlag erblindete und entstellte Iranerin, die ihrem Peiniger nach den Grundregeln der Scharia das gleiche antun will.

Ein KZ-Häftling hat mir erzählt, wie die Aufseher die Häftlinge fast verhungern ließen, um ihnen dann voll sadistischem Ergötzen verschimmelte Brotlaibe vor die Füße zu werfen. Jene, die sich nicht zurückhalten konnten und sie Bissen für Bissen in sich hineinschlangen, sind unter elendlichen Qualen verreckt.

Das Bild ändert sich unvermittelt, wenn man erfährt, daß mir diese Geschichte von einem deutschen Kriegsgefangenen, einem Reichsbahner, der Züge nach Auschwitz abgefertigt hat, erzählt wurde. Er war nach dem Krieg in ein polnisches Straflager geraten.

Wird ein blonder Deutscher von einer Gruppe „Südländer“ zusammengeschlagen und schließlich wie ein Schwein abgestochen, ist das kaum eine kleine Meldung im Lokalblatt wert. Wird umgekehrt ein Migrant von einer Gruppe blonder Bestien zusammengetreten, bis er tot ist, schaltet sich das Bundeskriminalamt ein.

Die Handlung ist vollkommen leer. Es kommt darauf an, wer sie tut!

Heute ist für weite Teile der Bevölkerung grundsätzlich alles abgrundtief böse, was Amerika (und auch Israel) tun. Leute, die bei der Ermordung von 3000 unbeteiligter Menschen im World Trade Center nur mit den Achseln zuckten, kriegen sich nicht wieder ein vor Empörung, gar Mitgefühl, wenn sie an den armen „unbewaffneten Familienvater Osama“ denken. Ein Scheusal wie Gaddafi mutiert unversehens zu einem Opfer von CIA-Machenschaften, während die gleichen Leute das Schicksal der seit Jahrzehnten in den Verliesen Gaddafis schmachtenden politischen Gefangenen nie interessiert hat. Das hätte anders ausgesehen, wäre Gaddafi eine „Marionette Amerikas“ gewesen! Dann wären die gleichen Gefangenen ein Cause célèbre gewesen, genauso wie sich diese „progressiven“ Kreise etwa für schwarze Polizistenmörder in den USA engagieren!

Das schlimmste dabei ist, daß sie es mit absolut selbstgewisser moralischer Inbrunst tun. Angeblich „aufgeklärte“ und „kritische“ Menschen benehmen sich wie religiöse Fanatiker, die vollkommen in ihrem Wahn verrannt sind.

Was macht wohlmeinende und hochintelligente Menschen zu derartigen moralischen Mikroben?

Nun, zunächst einmal sind auch Amerika und Israel „leer“. Was repräsentieren sie emotional? Schlicht und ergreifend das „Establishment“, „Gott“, letztendlich die Eltern. „Die Eltern sind immer schuld.“ Sie haben unser Leben versaut. Wenn nicht die realen Eltern, dann die Macher unserer Kultur: die „Kapitalisten“, die „Sklaventreiber“, die „Kolonialisten“, die „Ausbeuter“, „der weiße Mann“, das Christentum, letztendlich das Judentum. Amerika und Israel sind dafür nur Projektionsflächen.

Deshalb ist alles, was Amerika und Israel anpacken a priori böse und jede noch so grausame Aktion gegen sie (etwa „9/11“) hat eine gewisse Legitimation – ist letztendlich Gegenwehr, Verteidigung.

Alle gepanzerten Menschen in unserer Kultur sind in dieses neurotische Gespinst eingewoben. Der gesamte öffentliche Diskurs, so „wissenschaftlich“ er sich auch immer geben mag, ist nichts weiter als neurotisches Geplärr, das man nicht ernstnehmen darf. Handlungen sind prinzipiell leer und alles was gepanzerte Menschen über Handlungen sagen, hat nichts, aber auch rein gar nichts, mit den Handlungen und es hat alles mit der Charakterstruktur jener zu tun, die die Handlungen bewerten.

Was nun die Haltung zu Amerika (und auch zu Israel) betrifft gibt es, wie Elsworth F. Baker gezeigt hat, zwei Arten von Reaktionsweisen, die auf entsprechenden Charakterstrukturen beruhen (Der Mensch in der Falle, München 1982):

Beide Gruppen sind in gleicher Weise Opfer ihrer Eltern, bzw. der gesamten gepanzerten Kultur:

  • Die einen, jene mit einer konservativen Charakterstruktur, bewältigen es, indem sie in einen Wettstreit „mit dem Vater“ treten. Sie versuchen es besser zu machen, „den Alten“ zu übertrumpfen. Deshalb identifizieren sie sich, egal wie stark die Konflikte auch immer waren, mit ihren Ursprüngen und bleiben entsprechend mit ihrem bioenergetischen Kern in Kontakt. Wenn sie antiamerikanische und antisemitische Anschauungen haben, wie etwa G.K. Chesterton, dann weil sie durch die „moderne Welt“ ihre „christlichen Wurzeln“ gefährdet sehen.
  • Die anderen, die, in amerikanischer Ausdrucksweise, eine „liberale“, also linke, Charakterstruktur besitzen, reagieren auf die elterlichen (bzw. kulturellen) Zumutungen mit Rebellion. „Daddy the pig.“ Alles, aber auch wirklich alles, was „von oben“ kommt ist schlecht und böse. Die Linken sind in einem permanenten Aufbegehren gegen ihre Ursprünge gefangen und haben sich entsprechend vollständig von ihrem bioenergetischen Kern losgelöst. Sie haben, wie Reich es in Christusmord ausdrückt, im Gegensatz zu den Konservativen ihre Seele an den Teufel verkauft. Satan ist in die Gesichter der Antiamerikaner und „Antizionisten“ geschrieben.

Forschungsergebnisse bestätigen, daß langfristige politische Haltungen in unserem Körper verankert sind. Dabei schälen sich zwei unterschiedliche Gehirne heraus: das „rote Gehirn“ des Konservativen und das „blaue Gehirn“ des Progressiven. (In Amerika steht die Farbe Rot für die Republikaner, die Farbe Blau für die Demokraten.)

Das „rote Gehirn“ zeigt eine vermehrte Aktivierung der Mandelkerne, d.h. dem „Angstzentrum“, das bei Konservativen häufig ausgeprägter ist als bei Linken. Das „blaue Gehirn“ ist vor allem durch eine vermehrte Aktivierung des Gyrus cinguli anterior gekennzeichnet, bei dem es u.a. um die Verarbeitung sich widersprechender Informationen, also um „Kritikfähigkeit“ geht. Bei Linken ist dieser Hirnbereich oft stärker ausgeprägt.

Die Unterschiede entsprechen dem auf die Kreiselwelle zurückgehenden energetischen Orgonom (der bioenergetischen Grundlage des Liberalen) und dem pulsierenden orgonotischen System (der bioenergetischen Grundage des Konservativen):

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Jesus und die Frauen

6. April 2016

Bereits in Die bio-historischen Grundlagen des Christentums (Teil 3) habe ich Ernst E. Vardiman zitiert, der auf den eklatanten Widerspruch zwischen der Idealisierung der Person Jesu und der eher abträglichen Darstellung Marias hingewiesen hat. Dies deutet auf einen Verdrängungsprozeß, dem alles, was an die Himmelskönigin erinnern könnte, zum Opfer gefallen ist. Wie alles Verdrängte ist es dann natürlich später in Gestalt der Marienverehrung verzerrt wieder an die Oberfläche gedrungen.

Aber nicht nur Maria, sondern alle Frauen in der Umgebung Jesu werden in den Evangelien aus dem Vordergrund geschoben. Sie waren seine Hauptzeugen, wurden jedoch von jenen wieder in den Hintergrund gedrängt, die Jesus schmählich im Stich gelassen hatten und sich nun als „Apostel“ in den Vordergrund spielten. Aus dieser Tradition heraus konnte sich dann schließlich Epiphanius mit „apostolischer“ Autorität über die Kollyridianerinnen ereifern:

Dieser (Christus) hat wie ein Bildner und Herr des Geschehens sich aus der Jungfrau wie von der Erde gebildet, indem er als Gott vom Himmel herab kam und als Logos aus der heiligen Jungfrau Fleisch annahm; sicherlich aber nicht, damit die Jungfrau angebetet würde, nicht damit er sie zu Gott mache, nicht damit wir auf ihren Namen opfern, nicht damit er Weiber nach so vielen Generationen [männlicher Dominanz] zu Priesterinnen mache.

Schon immer haben Frauen gespürt, daß Jesus und nicht seine Jünger auf ihrer Seite stehen. So schrieb im 16. Jahrhundert die Heilige Theresia von Avila:

Herr, als du auf der Welt warst, hast du die Frauen nicht verachtet. Du warst immer für sie da und zeigtest ihnen dein großes Erbarmen. Du fandest bei ihnen auch mehr Glauben und gewiß nicht weniger Liebe als bei den Männern. Wir dürfen in der Öffentlichkeit nichts tun, was für dich irgendwie wichtig ist. Wir dürfen nicht einmal über einige Wahrheiten reden, über die wir im Stillen weinen aus Angst, daß du nicht hörst, was unser innigstes Sehnen ist. Trotzdem kann ich das um deiner Güte und Gerechtigkeit willen nicht glauben, Herr, denn du bist ein gerechter Richter, nicht wie die Richter dieser Welt, die alle Männer sind, Söhne Davids, und die von vornherein sogar den Tugenden der Frauen mißtrauen.

In den Seligpreisungen der Bergpredigt Mt 5,3-9 nennt Jesus in der patriarchalischen Gesellschaft typisch weibliche Attribute: geistig arm, da vom Bildungssystem ausgeschlossen; leidtragend, da die Hauptlast der Arbeit auf den Frauen ruht; sanftmütig, als primär biologische Anlage und als sekundäre patriarchale Verbiegung; unterdrückt, deshalb Hunger nach Gerechtigkeit; Barmherzigkeit als Merkmal der Mutterschaft; reinen Herzens und friedfertig, da frei von den korrumpierenden Einflüssen der Macht.

In ihrem Kommentar zu den Synoptischen Texten aus der Genesis schreiben Othmar Keel und Max Küchler über Jesus:

Die lukanische und johanneische Tradition verkünden immer wieder seine unbefangene, befreiende Hinwendung zu verschiedensten Frauen (Lk 7,36-50; 8,1-3; 10,38-42; Joh 4,27; 12,1-11). Die einseitig den Mann begünstigende Ehescheidungspraxis hat er trotz Dtn 24,1 unter Verweis auf Gen 2,24 abgelehnt (Mk 10,2-12; Mt 19,3-10; vgl. Joh 8,1-11). Die kultische Unreinheit, die die Frau viel schwerer belastete (Menstruation: Lev 15,19-30; Geburt: Lev 12), erklärte Jesus für inexistent (Mk 7,1-23 parr; vgl. Mk 5,25-34 parr). (Fribourg 1971, S. 94)

Weiter weisen Keel und Küchler darauf hin, die Jünger Jesu, vor allem der Rabbinenschüler Paulus, hätten dieses „kostbare Erbe“ Jesu nicht zur Entfaltung gebracht.

Durch frauenfeindliche Überlieferungen belastet (vgl. etwa 1 Kor 11,2-16) und im eifrigen Bemühen die christliche Frau den jüdisch-griechisch-römischen Idealbild der Ehefrau abzupassen (vgl. Kol 3,18-22; 1 Tim 2,11-15), gelang es diesen Männern nur noch gelegentlich in schwächlichen Korrekturen der stark frauenfeindlichen Traditionen, das genuin Christliche zur Geltung zu bringen.

Als bezeichnendes Beispiel nennen Keel und Küchler 1 Kor 11,13ff, wo Paulus gegen seine eigene christliche Aussage in 1 Kor 11,11f, „das noch weitgehend jüdisch-heidnische Empfinden der Gemeinde zur Hilfe ruft“.

Immerhin tritt schon im Buch Maleachi, dem Schlußpunkt des Alten Testaments Jahwe als Anwalt der Frauen auf. Da wird in Mal 2,14-16 von allen Sünden die Sünde hervorgehoben, seiner Frau die Treue zu brechen. „Der Herr kennt sie; er ist der Anwalt der Frauen, die von ihren Männern verstoßen worden sind.“ Seine Frau zu verstoßen, „ist so schlimm wie Mord.“ Um so schockierender ist es, daß Rabbi Hillel, ein Zeitgenosse Jesu, den Scheidungsartikel Dtm 24,1 schon als erfüllt ansah, wenn eine Frau das Essen anbrennen ließ (Walter Grundmann: Jesus von Nazareth, Göttingen 1975, S. 75).

Neben der Stelle bei Maleachi wäre auch noch das jüdische apokryphe Buch Daniel, bzw. eine Ergänzung desselben (DanZ B) zu nennen, wo Susanne von den patriarchalen Ältesten unschuldig verleumdet, jedoch dann vom Gottesmann Daniel rehabilitiert wird. Maleachi erinnert natürlich an das Scheidungsverbot bei Jesus (Mk 10,2.12), Daniel an Jesu Verteidigung der Ehebrecherin (Joh 8,1-11). Diese zu Jesus hinführenden jüdischen Versatzstücke sind aber nur Funken in einem universalen patriarchalen Dunkel. Und wenn man die betreffenden Stellen im Zusammenhang liest, sind es zumal recht lichtschwache Funken. Es bleibt doch der Bruch. Man vergleiche nur Jesu Fragen, wer denn sich anmaßen wolle, den ersten Stein zu werfen (Joh 8,7) mit der deuteronomischen Aufforderung: „Wirft den ersten Stein!“ (Dtn 13,10) oder auch mit der Aussage: „Eine Zauberin darf nicht am Leben bleiben“ (Ex 22,17).

In ihrem Buch über Heilige und Hexen schreibt Anke Jelsma:

In Bezug auf die Stellung der Frau erscheint es mir unverkennbar, daß das Auftreten Jesu eine befreiende Reaktion auf die patriarchalische Verhaltensweise war, die innerhalb des Judentums die Oberhand gewonnen hatte. (Konstanz 1977, S. 38)

Und weiter:

Immer wenn Männer gewissen schwierigen Frauen das Schweigen auferlegen wollten, beriefen sie sich auf Paulus. Immer suchten die Frauen dann Schutz bei Jesus. (ebd., S. 64f)

Wie schon erwähnt sind nach den Evangelien die ersten Zeugen der Auferstehung Frauen. Paulus schreibt jedoch in 1 Kor 15,4-8, Jesus habe sich zuerst Petrus gezeigt, „danach dem ganzen Kreis der zwölf Jünger. Später sahen ihn über fünfhundert Brüder auf einmal (…). Dann erschien er Jakobus und schließlich allen Aposteln“, einschließlich Paulus, der den Endpunkt, das Siegel darstellen will. Bei Markus 16 steht jedoch, daß es Maria Magdalena war, der sich der auferstandene Jesus als erster zeigte. Maria Magdalena, seine Geliebte; sie, mit der er ein Fleisch und Blut sein wollte (vgl. Mk 10,8): ihre genitale Liebe, die sich bis über den Tod hinauserstreckte, war der Ausgangspunkt des Christentums.

Ohne Übertreibung kann man die Vermutung wagen: Hätte Maria von Magdala nicht das leere Grab Jesu entdeckt, das die Voraussetzung zum Erlebnis seiner Auferstehung zunächst bei ihr selbst und dann bei den Jüngern wurde, so wäre das „Christentum“ vielleicht mit Jesu Kreuzigung zusammen bereits erloschen. (Salcia Landmann: Jesus und die Juden, München 1987, S. 293)

Von Anfang an zeigte sich das wirklich spezifisch Christliche an den Frauen. Wedding Fricke schreibt in seinem Buch Strafrechtlich gekreuzigt, schon die Tatsache, daß Jesus

den Frauen insgesamt Sympathie entgegenbringt, ist nach den damals geltenden gesellschaftlichen Regeln eine unschickliche Sache. Jesus soll aber noch einen entscheidenden Schritt weiter gegangen sein: Konkubinen und Ehebrecherinnen nimmt er in Schutz. Dirnen verspricht er [in Lk 7,47] mehr Vergebung als den Keuschen im Lande. (Buchschlag 1986)

Genau wie beim Essen scheint der „Vielfraß und Säufer“ (Mt 11,19) Jesus, wie Fricke schreibt, „auch in Bezug auf Frauen (…) nicht abstinent gewesen zu sein.“ Und weiter: „Jesus hat (…) offenbar den Ort, wo es leckere Sachen zu essen gibt, mit einem Brautgemach verglichen“. Fricke verweist auf eine „Szene mit erotischem Hauch“ bei Lk 7,36-50, wo sich Jesus „von einer Frau – Lukas nennt sie eine ‘Sünderin’ – im Hause des Pharisäers Simon bedienen läßt und ihre Annäherung, die selbst den toleranten Gastgeber zu weit geht, gut heißt“. Weiter verweist Fricke auf die Toleranz, die Jesus bei dem Gespräch „mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen zum Ausdruck bringt (Joh 4), die immerhin fünf Männer gehabt hat und nun mit einem zusammenlebt, der nicht ihr legitimer Ehemann ist“.

Außerdem möchte ich den Leser auf folgende Stellen in den Evangelien hinweisen: Mt 26,6-13; Mk 5,25-34; 15,40f; 16,1-8 (der ursprüngliche krönende Schluß des ältesten Evangeliums); Lk 8,1-3; 10,38-42; 23,26-31; Joh 11,1-45.

Wenn man derartige Stellen in Reihe liest, dann wird die folgende von Fricke zitierte Stelle aus dem apokryphen Phillipusevangelium alles andere als unglaubwürdig:

Die Frauen wandelten mit dem Herrn allezeit: Maria, seine Mutter, deren Schwester und Magdalena, die seine Paargenossin genannt wird (…) Maria Magdalena liebte den Soter mehr als alle Jünger, und er küßte sie oftmals auf ihren Mund. Die übrigen Jünger kamen zu ihr und machten ihr Vorwürfe. Zu ihm sagten sie: Weshalb liebst du sie mehr als alle?

Fricke weist darauf hin, daß „der Umstand, daß in den Evangelien jeder Hinweis auf eine Eheschließung Jesu fehlt, kein Indiz gegen, sondern gerade für den Verheiratetenstatus ist“. Schalom Ben-Chorim schreibt in seinem Buch über seinen jüdischen Bruder Jesus, daß die Ehe für einen Rabbi einfach selbstverständlich war und daß Jesu Jünger und insbesondere Jesu Gegner ihn gefragt hätten, warum er denn von diesem allgemeinen Brauch abwiche – so daß das Fehlen jedes Hinweises auf eine Ehe Jesu geradezu der Beweis für eine Ehe sei! (München 1967, S. 129).

Selbst Martin Luther ging davon aus, daß Jesus verheiratet war, „um der menschlichen Natur völlig teilhaftig zu werden“. Luther glaubte, daß Maria Magdalena die Ehefrau Jesu war. In allen Evangelien wird sie an herausragender und stets an erster Stelle der Frauen genannt. Sie ist als einzige nicht geflohen, hat Jesus nach Golgota begleitet und den Auferstandenen sah sie als erste.

Fricke schreibt:

Wenn nach kirchlicher Darstellung stets nur das Bild eines unverheirateten Jesus erscheint, so dürfte dies auf den Apostel Paulus zurückzuführen sein, der – nun in der Tat als Sonderling! – sein eigenes Junggesellendasein preist und es zum Modell eines guten Christen machen möchte.

Demhingegen ließe sich feststellen, „daß nirgendwo ein Ausspruch des Meisters erscheint, in dem er sich gegen die Sinnenfreuden der Ehe, gegen die Sexualität im allgemeinen und gegen die Sexualität der Frau im besonderen wendet“.

Wilhelm Reich und das Judentum (Teil 1)

26. März 2016

Reich hat zu seinem Mitarbeiter Michael Silvert gesagt, Silvert würde weniger wie ein Jude aussehen, je mehr er er selbst werden würde. Dies sagt, glaube ich, das wesentliche über den „Juden“ Reich und sein Verhältnis zum Judentum aus. Zu Elsworth F. Baker sagte Reich, er, Reich, wäre kein Jude, da ein Jude nur der wäre, der regelmäßig in die Synagoge ginge. Mit dieser Definition steht Reich ziemlich einzig dar. Reichs Absage an seine jüdischen Wurzeln ging so weit, daß selbst der Jude Morton Herskowitz, der letzte direkte Schüler Reichs, nichts von Reichs „Judentum“ wußte, bis Reichs Witwe Ilse Ollendorff 1969 ihre Reich-Biographie veröffentlichte.

Reichs problematische Haltung zur Homosexualität haben Ilse Ollendorff und Myron Sharaf (beide waren Juden) vollkommen falsch eingeschätzt. (Siehe dazu meinen Blogeintrag Fragwürdigkeiten der Reich-Biographik.) Sie hat wenig mit Reichs verdrängter Homosexualität zu tun, als vielmehr mit seinem eigenen verdrängten Judentum. Man kann sie nur im Rahmen von Reichs früher Lektüre von Otto Weiningers (ein zum Protestantismus übergetretener Jude, der Christus und Wagner verehrte) antisemitischem Machwerk Geschlecht und Charakter verstehen.

Bei Weininger ging der jüdische Selbsthaß bis zum Selbstmord von 1903 (er war 1880 Wien geboren!) als bewußter Vorwegnahme des Holocaust. In Geschlecht und Charakter wird der schwache, feige, hinterhältige, verächtliche Ghetto-Jude mit dem schwachen, feigen, hinterhältigen, verächtlichen Geschlechtscharakter der Frau gleichgesetzt. Der richtige Mann müsse sich von seiner Weiblichkeit, d.h. gleichzeitig von seinem Judentum befreien. Hinter Reichs Problem mit der Homosexualität, bzw. Bisexualität steckt in Wirklichkeit sein Problem mit seinem Judentum.

Weininger wollte sich vom Judentum trennen, genauso wie sich der Mann vom Weib, seiner Mutter, trennen muß. Frauenhaß und Judenhaß sind die beiden Kernelemente von Weiningers Philosophie. Der neue Mann sollte alles triebhaft Weibliche und Jüdische in sich vernichten. Der Jude und das Weib haben kein Ich und deshalb keinen Eigenwert. Das erinnert etwas an die Schwarzen in Amerika, die zu asketischen Moslems werden, um dem Image als glücklich grinsende fleischlichen Lüsten hingegebenen Nigger-Affen das genaue Gegenteil entgegenzuhalten. Hier ist auch die Gleichung sinnlicher Nigger = sinnliche Frau = sinnlicher Schwuler. Der Führer der Black Muslims, Louis Farrakhan, ist ein Frauenverächter, ein Homosexuellenhasser und ein militanter Antisemit.

Die ganze Familientradition der Reichs lief darauf hinaus, kein „Jude“ zu sein. Also nicht so jiddisch zu sprechen und dabei wild in der Gegend rumzufuchteln, was Reich z.B. stets bei Otto Fenichel gestört hat („peinlich!“), sondern dezidiert kühl, männlich-herb und „deutsch“ als „Herrenreiter“ aufzutreten, – wie heute der archetypische Israeli. Dieses jüdische Hin-und-Her von Untermensch und Übermensch kommt noch in Reichs Rede an den kleinen Mann zum Ausdruck, wenn er etwas kryptisch zum kleinen Mann sagt: „Du nennst nun einen ‚Juden‘, wer dir zuviel oder zuwenig Respekt einflößt“ (S. 37).

Nur in diesem Rahmen kann man auch Reichs stolzes und gradliniges Verhalten vor Gericht verstehen. Sich nicht mit juristischen Kniffen kriecherisch durchzuwinden wie der „archetypische jüdische Rechtsverdreher“, gehörte zu seiner persönlichen Emanzipation vom Ghetto-Judentum. Dies hat Reich davon abgehalten, sich ganz normal zu verhalten, juristische Kniffe zu nutzen, Kompromisse zu akzeptieren, Lippenbekenntnisse abzugeben und mit dem Richter zu handeln – wie ihm Baker, einer seiner wenigen nicht-jüdischen Mitarbeiter, nahelegte. (Baker war von der typischen Verachtung des amerikanischen Konservativen für „Washington“ und Institutionen wie die FDA geprägt.)

Freud war C.G. Jung so zugetan, weil dieser endlich mal ein Nichtjude war, der die Psychoanalyse aus ihrem jüdischen Ghetto führen könne, waren doch so gut wie alle Psychoanalytiker Juden. Vielleicht muß man auch aus dieser Perspektive Reichs Trennung von der Psychoanalyse sehen: als ein weiterer Schritt seiner Emanzipation vom jüdischen Milieu. Man wird in der Orgonomie, sowohl zu Reichs Zeiten als auch nach Reichs Tod, vergeblich nach irgendwelchen „jüdischen“ Elementen suchen, obwohl ein Großteil der Orgonomen Juden waren und sind. Wirklich die einzige Ausnahme ist ein Aufsatz von Richard Schwartzman, wo er Maimonides erwähnt – in einem Artikel gegen die Beschneidung…

Das spezifisch jüdische an der Psychoanalyse war ihr „Bilderverbot“, d.h. alles lief nur über das Medium der Sprache ab, der Analytiker blieb für den Patienten unsichtbar und der Körper blieb stets draußen vor. Gegen diese audielle Kultur der Juden setzte Reich die visuelle „griechische“ Kultur: in der Orgonomie ist alles greifbar, sichtbar, das Auge steht im Mittelpunkt, Bücherwissen gilt nichts, sondern nur die Naturerfahrung.

So ist auch Reichs merkwürdige Zuneigung zu Christus (ein griechischer Begriff) zu verstehen, während vom jüdischen Rabbi Joschua („Jesus“) nie die Rede ist. Reich hat sozusagen einen nichtjüdischen, „arischen“ Christus vertreten.

Auch die beiden großen Lieben seines Lebens waren gerade jene beiden langjährigen Verhältnisse, die keine Jüdinnen (wie Annie Pink und Ilse Ollendorff) waren: Elsa Lindenberg und Aurora Karrer.

Selbst seinen „Kommunismus“ kann man unter dieser Perspektive vielleicht besser verstehen, denn es gab zwei Parteien, die eine Lösung der Judenfrage versprachen: die Kommunisten wollten die Juden durch vollständige Assimilation beseitigen, die Nationalsozialisten wollten die Juden durch vollständige Sequestration beseitigen.

1930 erklärte die UdSSR die Sowjetisierung des Lebens für so weit fortgeschritten, daß allenfalls noch Sprachunterschiede zwischen den Nationen blieben und jedes Beharren auf jüdische Identität „kleinbürgerlicher Chauvinismus“ wäre. „Ein Buch, das 1931 in einem kommunistischen Partei-Verlag in Wien und Berlin erschien, formulierte diese alte und wiederum neue Linie sowjetischer ‚Judenpolitik‘ programmatisch, nicht zuletzt auch gegenüber der aufkommenden NS-Bewegung in Deutschland.“ (Gerd Koenen/Karla Hielscher: Die Schwarze Front, Reinbek 1991, S. 153) Der Titel lautete: Otto Heller: Der Untergang des Judentums. Die Judenfrage – Ihre Kritik – Ihre Lösung durch den Sozialismus, Wien-Berlin 1931. Wurde Reich durch dieses Buch zu seiner Untergang-des-Judentums-Forderung in Rede an den kleinen Mann inspiriert?

Ich glaube, daß das jüdische Volk irgendwann einmal sich in den Massen der Menschentiere dieses Planeten verlieren wird, zu seinem eigenen Gedeihen, und dem seiner Enkelkinder. Das hörst du nun nicht gerne, kleiner jüdischer Mann, denn du pochst so sehr auf dein Judentum, weil du dich selbst als Juden verachtest, und jeden, der dir nahe ist. Der schlimmste Judenhasser ist der Jude selbst. Dies ist eine alte Wahrheit. Doch ich verachte dich nicht, und ich hasse dich nicht. Ich habe mir dir nur nichts gemein, oder nicht mehr gemein, als ein Chinese mit einem Wiesel (!!, PN) in Amerika: den gemeinsamen Ursprung aus dem Weltall. Weshalb gehst du nur bis Sem, und nicht bis auf das Protoplasma zurück, kleiner Jude? Für mich beginnt das Lebendige in der Plasmazuckung, und nicht mit deinem Rabbinat. (S. 38f)

Jedenfalls empfahl Reich Otto Hellers Buch 1934 in „Anfragen“ Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie Band 1, Nr. 2, S. 159-164.

Genauso auch Reichs späterer Antikommunismus und plakativer „Amerikanismus“: er wollte nicht der typische linksintellektuelle Jude sein, der sich über die tumben Amis lustig macht. Gerade jüdisch-stämmige Linksintellektuelle, die Atheisten waren, haben sich immer explizit zu ihrem Judentum bekannt. Der modern liberal identifiziert sich gerne mit den Unterprivilegierten. In der Dialektik der Aufklärung findet sich ein ganzes Kapitel, das die Juden praktisch mit dem Proletariat gleichsetzt. Reich hat dieses verachtenswerte Spiel nicht mitgemacht.