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Blogeinträge Mai/Juni 2012

21. November 2017

Charles Konias Orgonsoziologie. Angesichts des gestrigen Beitrags zur Ökonomie möchte ich insbesondere auf seinen Blogeintrag „Wieso ‚Konjunkturpakete‘ nicht funktionieren“ verweisen:

Blogeinträge Mai/Juni 2012

  • Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Christentums
  • Wieso „Konjunkturpakete“ nicht funktionieren
  • Kommunismus/Sozialismus ist der Krebs des Gesellschaftskörpers
  • Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Liberalismus
  • Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Konservatismus
  • Der schwindende Kern-Kontakt bei den Menschen
  • Das Robin-Hood-Syndrom
  • Eines der Hauptsymptome eines emotionell pestkranken Charakters
  • Die Auswirkungen der sozio-politischen Rotverschiebung auf das Denken der Menschen

 

Kommentar zu „Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Christentums“:

Robert (Berlin) schrieb 2013:

Dieser Artikel ist ausgesprochen gut, leider aber sein Lösungsansatz sehr utopisch. Das deswegen, weil durch den Einbruch der islamischen Pest seine Lösung immer unwahrscheinlicher wird, abgesehen auch davon, dass es nie genügend Therapeuten geben wird. Man müsste eine freie „Insel“ schaffen, diese gut schützen und darin ungepanzerte Kinder aufwachsen lassen (unter der Aufsicht von Orgontherapeuten) und diese erziehen dann wiederum als Erwachsene weitere ungepanzerte Kinder.

O.:

„Die Emotionelle Pest ist eine medizinische Erkrankung und muß wie jede andere Infektionskrankheit behandelt werden.“ (laut Konia)
Dies würde sagen, EP sei keine psychische Erkrankung und könne nicht mit Psychotherapie behandelt werden.
Daher mein Gegenargument: Emotionelle Pest ist eine psychische Erkrankung und muss mit Psychotherapie behandelt werden.
Genauer betrachtet ist sie aber ein soziales Phänomen einer Masse psychisch Kranker (definiert nach Reich). Mit Einzeltherapie wird dem keiner beikommen können. Vielleicht wäre eine Kombination aus Grupen- und Einzeltherapie sinnvoll?
_______________
@ Robert: Ich möchte nicht auf der Insel leben, wo Orgontherapeuten die Aufsicht haben.

Zu „Wieso „Konjunkturpakete“ nicht funktionieren“:

David:

Die wirtschaftlichen Empfehlungen von Seiten der politischen Rechten, verantwortungsvolle Haushaltspolitik durch Ausgaben- und Steuerkürzungen und den Markt sich selbst regulieren lassen, kommt den aktuellen wirtschaftlichen Problemen der gepanzerten Menschheit näher als all die „Lösungen“ der heutigen linken Ideologen.

Richtig, die Deregulierung ist im Prinzip großartig.

Jedoch: de facto wird einseitig zugunsten der Konzerne und Firmen dereguliert, während – gegenwärtiger Berichterstattung zufolge – etwa ein Mini-Jobber sich mit Vertragswerken konfrontiert sieht, die bis oben voll gestopft sind mit Klauseln zugunsten des Stärkeren – für ihn gibt es also nicht weniger, sonder mehr Regulierung!

Das, was ich „Bürokratie westlichen Typs“ nenne, breitet sich immer mehr aus.

Knebelverträge nennt man sowas umgangssprachlich.

Es gibt – unter der Vortäuschung von Deregulierung von konservativer Seite her – eine gewaltige Verschärfung der Regulierung.

Und was kann Mann / Frau sonst machen, als sich verschärft ausbeuten zu lassen??

Mann / Frau braucht ja unbedingt das wenige Geld.

Diese ganze Freiheitsideologie und Dereguliererei ist genau so ein Lügengebäude wie der Marxismus, nur in entgegengesetzter Richtung .So sehe ich das.

David

—-

Übrigens hat der Autor dieser Zeilen online beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, die Leiharbeit – so genannte „Zeitarbeit“ – zu verbieten und unter Strafe zu stellen.

Auch als es die noch nicht gab, konnten dennoch die Firmen auf Auftragsspitzen reagieren:

Sie mussten eben zu den Treffpunkten der Gelegenheitsarbeiter gehen, wie etwa bei Haltestelle „Brendle“ am Stuttgarter Großmarkit, wo auch die „Servis“ des Arbeitsamtes war – die es heute nicht mehr gibt, und sie mussten sich dort Leute holen.

Das war keine Zeitarbeits-Einrichtung, sondern eine Vermittlung, d.h. der Arbeiter wurde nicht verliehen sondern vermittelt. Das muss wieder eingeführt werden.

Es ging also ohne weiteres, nur war es für die Firmen nicht so bequem.

Für die Firmen gab es auch nicht die Haftungs-Abwälzung, die man heutzutage um jeden Preis will – vielleicht wegen der amerikanischen Unsitte, dass übermäßig hoher Schadenersatz-Prozesse üblich sind.

Zu „Kommunismus/Sozialismus ist der Krebs des Gesellschaftskörpers“:

Robert (Berlin):

Ein anderer Krebs ist der Überwachungsapparat, der immer gigantischere Züge annimmt

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/steve-watson/senator-rand-pauls-botschaft-an-obama-genug-ist-genug-wir-wollen-unsere-freiheiten-zurueck-.html

David:

Wie bitte?

der Verzicht auf Rückzahlung der Darlehen für College-Studenten …

dieser Verzicht soll schlecht sein??

Hiermit bezieht sich Konia meines Erachtens auf eine Gesetzes-Änderung, die es erlaubt, von den Studienkredit-Schulden im Falle einer Privatinsolvenz genau so befreit zu werden wie von anderen Schulden auch.

Vorher waren Studienkredit-Schulden von der Privatinsolvenz ausgenommen, das heißt sie mussten auf jeden Fall bedingungslos – und mit Zins und Zinseszins – bis zum letzten Cent zurückgezahlt werden.

Bekanntermaßen stehen die jungen Menschen in Nordamerika – gehört habe ich es von Kanada aber USA ist vermutlich genauso – unter einem GEWALTIGEN sozialen Druck – verschuldet durch die Bildungs-Inflation die wiederum auf das Konto des Modern-Liberalen Charkters geht und zwar:

Kein College-Abschluss – keine Arbeitsstelle.

Die Personalchefs wollen College-Abschlüsse sehen heutzutage.

Glaubt hier etwa immer noch irgend jemand, dass die jungen – nicht besonders privilegierten – Kanadier und US-Bürger sich zum Spass so hoch verschulden??

Und wie könnte man die Bildungs-Inflation wieder zurückdrehen?

Robert (Berlin) schrieb 2016:

Gulag – Der lautlose Tod

GULAG – DER LAUTLOSE TOD
Kriegsdrama von Waris Hussein aus dem Jahr 1982.
Mit: John Savage, Willie Nelson, Francesca Annis, Ben Cross
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

INHALTSANGABE:
Als Abenteurer geht er nach Russland, wo er drei Jahre verbringen wollte. Doch Victors Leben wird zum Drama. Als angeblicher Spion verhaftet und in eine überfüllte Zelle eingesperrt, will man den amerikanischen Staatsbürger zu einer Unterschrift zwingen. In endlosen Verhören wird er brutal zusammengeschlagen und Tag für Tag fast leblos in das feuchte Rattenloch zurückgeschleift … bis er endlich unterschreibt sein eigenes Todesurteil. Denn die Antwort heißt 10 Jahre Gulag zehn Jahre lautloser Tod. Nur sein ungebrochener Stolz gibt dem US Bürger die Kraft, die grausame Zeit der Quälerei in Kälte und Eis zu überleben. Ausgezehrt und entkräftet wird Victor in ein abgelegenes Dorf verbannt. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten. Ständig überwacht und kontrolliert, findet sein kurzes Glück mit einer jungen Frau aus dem Dorf über Nacht ein jähes Ende. Russische Soldaten holen ihn ab und verschleppen den von Folter gekennzeichneten Mann in den Norden Sibiriens. Victors Alptraum beginnt erneut…

Zu „Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Liberalismus“:

Robert (Berlin) schrieb 2013:

Ein bestechender Artikel zu Obama

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_gott_der_keiner_war

O.:

Was unterscheidet Obama von seinem Vorgänger: Eigentlich nur seine vielen (falschen) Versprechen … ansonsten führt er im Einklang mit allen anderen Präsidenten die gleiche (eben konservative) Politik fort.
Seine Fassade scheint einem „liberalen Charakter“ entsprechen, sein Handeln ist „konservativ“. Wie seine Vorgänger spielt er eine Rolle, die des Präsidenten. Ihn als liberal-kommunistisch zu titulieren ist sicherlich eine gute Beleidigung für Linke, aber er tut was Globalisten tun. Hier blicke ich eher auf das Verhalten, woraus ich keinen liberalen Charakter ableiten würde. – Es mag ja sein, das ich hiervon auch gar nichts verstehe.

Zu „Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Konservatismus“:

Robert (Berlin):

Im schwarzen Faschismus müsste es dementsprechend auch pseudo-konservative Typen aus der roten Ecke gegeben haben; sozusagen alles spiegelbildlich.

David:

Goebbels?

Robert (Berlin):

Ich merke gerade, dass ich quatsch geschrieben habe. Der Pseudo-Konservative wäre ja der schwarze Faschist, der in der Demokratie „als ob“ auf Konservativ macht, wenn der Trend zum Rechten stark ist. Das wären dann Konservative, die z.B. in der Weimarer Republik im Stahlhelm oder ähnlichem gewesen ist. aber in Wirklichkeit nur auf dem Nationalsozialismus warteten.

O.:

Konias späte Konstruktion des konservativen Gutmenschentum mag nachkommende Generationen überzeugen und ablenken von dem 80er Globalisierungskapitalismus (der nichts mit den Linken zu tun hatte). Hierzu haben die Konservativen geschwiegen und rein gar nichts gemacht, sie haben abgewartet oder Beifall geklatscht als Typen wie Schröder ihre Politik auch noch reaktionär übertrafen.
Konservative haben in den 60- bis 80-er gegen den Kommunismus gewettert mit Parolen „Lieber tot als rot!“.
Wer jetzt „aufsteht“ und eine konservative „Revolution“ fordert, hat den Zug lange verpasst und sorgt dafür, dass alles so weiterläuft. „Linke Geister“ werden beschworen, konstruiert, in Szene gesetzt und von „Konservativen“ neu geschaffen. Jedes Aufbegehren (z. B. gegen Globalisierung und für mehr Basisdemokratie oder Arbeitsdemokratie, für eine leistungsgerechte Bezahlung) wird in die linke Ecke gestellt. So wird sich nichts ändern, die Bevölkerung bleibt gespalten, gelähmt und nehmen ihr Schicksal nicht in die eigene Hand. Alle Selbstregulationsansätze fallen bei Konia unter die „linke Fahne“ und somit wird die emotionelle Pest weiterregieren, die sich Konia eigentlich wegwünscht.
Ich habe mir den Beleg erspart, wonach es in den 70ern eben keine „anti-autoritäre“ Entwicklung gab und die Konservativen zweifelsohne alles im Griff hatten. Mit dem Chaos kämpfen wir heute.
Ich glaube nicht, dass wir mit einer erneuten politisierenden Rechts-Links-Debatte ein Problem lösen werden, wir entfernen uns von jedem arbeits-(demokratisch-)orientierten Ansatz.
First of all – no politics.

Zu „Das Robin-Hood-Syndrom“:

David:

Zitat aus New York Times:

Was jetzt gebraucht wird, ist noch mehr Unterstützung, einschließlich Ausgaben der Zentralregierung für Bildung und öffentliche Bauvorhaben zur Schaffung von Arbeitsplätzen …

Und es wird – im Entwicklungshilfesektor – immer mehr in Ausbildungsplätze gesteckt, deren Fehlen jedoch nicht das Hauptproblem ist.

Zitat Muhammad Yunus, Die Armut besiegen, S. 139:

Die politischen Entscheidungsträger, die internationalen Berater und viele NGO … glauben, die Menschen seien arm, weil es ihnen an Kenntnissen mangle. Ausgehend von dieser Annahme leiten sie Maßnahmen zur Armutsbekämpfung ein, in deren Mittelpunkt umfassende Ausbildungsprogramme stehen

… dass die meisten Experten gute Absichten verfolgen. Sie geben der Ausbildung den Vorzug, weil sich diese Vorgehensweise folgerichtig aus ihren irrigen Annahmen ergibt.

Zitat Ende. Yunus relativiert dies ein wenig, indem er später sagt, dass doch Ausbildung in vielen Fällen hilfreich ist. Jedoch habe werde der Arme ausgebeutet, habe nicht die Möglichkeit, die Früchte seiner Arbeit selbst zu ernten, weil er dekapitalisiert ist. Er hat kein Kapital, das hat im Dorf nur der Zwischenhändler, Mittler, Geldverleiher, der dem Armen die Bedingungen diktiert.

Abgesehen von Aubildungsplätzen hat für Yunus auch das Schaffen von Arbeitsplätzen (Arbeitsstellen für abhängige Beschäftigung) nicht sehr hohe Priorität.

Zitat: Aber es ist falsch, anzunehmen, die Menschen müssten darauf warten, dass ihnen jemand einen Arbeitsplatz gibt,

Hervorhebung hier von mir, und weiter:

… die Menschen sollen zwischen verschiedenen Optionen wählen können, darunter abhängige und selbständige Erwerbstätigkeit.

… Der beschriebene Einschätzungsfehler geht mit einem weiteren blinden Fleck der herkömmlichen Wirtschaftstheorie einher. Gemeint ist die Annahme, das „Unternehmertum“ sei eine seltene Eigenschaft.

Den Lehrbüchern zufolge haben nur wenige Menschen das Talent, wirtschaftliche Chancen zu erkennen, und den Mut, ihr Kapital zu riskieren, um solche Chancen zu nutzen.

Zitat Ende, Hervorhebung von mir. Genau das hat man auch mir ein Leben lang immer gesagt.

… gibt man den Menschen geeignete Werkzeuge in die Hand, so werden die meisten von ihnen bereitwillig die Gelegenheit beim Schopf packen.

Zitat Ende.

Zurück aus der „Dritten Welt“ in unser Land zu unseren Hartz-Behörden.

Auch hier werden Bildungsprogramme groß geschrieben: die Abhängigen müssen gehorchen; immer noch eine Bildungsmaßnahme und immer noch eine (Blome / Augstein zufolge oft dieselbe mehrmals hintereinander), sonst ist ja die Stütze weg.

Einen Systemzusammenbruch möchte man fast wünschen. Erst dann können Zustände eintreten, in welchen die Armen (in Deutschland sind die Armen Relativ Arme) sich selber helfen können.

Zu „Eines der Hauptsymptome eines emotionell pestkranken Charakters“:

Robert (Berlin):

http://www.barack-obama-infos.de/

Zu „Die Auswirkungen der sozio-politischen Rotverschiebung auf das Denken der Menschen“:

O. schrieb 2014:

Welchen Beleg gibt es für diese Annahme: „Die Democratic Party in Amerika wurde in den 1960er Jahren, zu der Zeit, als sich die sozio-politische Rotverschiebung zutrug, von knallharten kommunistischen Charakteren unterwandert und erfolgreich übernommen.“?

Peter:

http://www.breitbart.com/Big-Journalism/2013/11/12/Horowitz-blasts-left-Heritage

Peter schrieb 2016:

Die Rotverschiebung hat mittlerweile selbst die CSU verfaßt, die heute in den wichtigen (!) Fragen eine linksradikale Haltung angenommen hat: http://www.pi-news.net/2016/01/csu-will-weitere-millionen-ins-land-lassen/

Wer die Blockparteien, die Volkszertreter, wählt, ist in meinen Augen ein Schwein!

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Nazischimpansen gegen Jesusbonobos

15. November 2017

Das von Nietzsche geplante umfangreiche Hauptwerk am Ende seines Lebens, Der Wille zur Macht, kondensierte schließlich zu Antichrist. Für ihn sagte das schmale Bändchen bereits genug aus. Er hatte realisiert, daß es in dieser Welt nur zwei Lebensanschauungen gibt. Für die eine, d.h. seine, wird das Universum im allgemeinen und das menschliche Leben im besonderen nur von einem Faktor bestimmt: dem Willen zu Macht, d.h. alles ist „unschuldig“. Für die andere, die christliche, ist das Universum durch und durch von Moral bestimmt. Das ist das Lebensempfinden des gepanzerten Menschen: entweder „Mord und Todschlag“ oder „Liebe und Gerechtigkeit“.

Diese Dichotomie spiegelt auf verzerrte Weise den biologischen und bioenergetischen Ursprung des Menschseins wider. Auf der einen Seite haben wir die Schimpansen, deren Leben sich, überspitzt gesagt, um nichts anderes dreht als den selbstsüchtigen Willen zur Macht, auf der anderen die Bonobos, die im Vergleich wie Jesus-Freaks wirken: „Make love, not war!“ Betrachtet man Schimpansen, bei denen selbst die Sexualität von Macht und Unterwerfung gekennzeichnet zu sein scheint, bleibt nicht viel von Reichs Sexualökonomie. Bei den Bonobos hingegen dreht sich alles um Sexualität, Spannungsabbau, Zuwendung, „Altruismus“.

Jingzhi Tan, Dan Ariely und Brian Hare von der Duke University, North Carolina konnten zeigen, daß Bonobos sich wie „gute Christen“ verhalten. Bonobos helfen anderen Bonobos, wenn sie selbst keinen Vorteil davon haben und sogar Nachteile davontragen. Das erstreckt sich sogar auf Bonobos, die anderen Gruppenverbänden angehören, zu denen vorher kein Kontakt bestand. Das ist ein Verhalten, das man bei den aggressiven und „fremdenfeindlichen“ Schimpansen niemals finden wird.

Ich verweise ausdrücklich auf folgendes Video!

nachrichtenbrief62

27. August 2017

nachrichtenbrief27

29. Mai 2017

Remote Viewing, ein notwendiger Nachtrag

11. Januar 2017

Meine Begeisterung für das Remote Viewing hat einen empfindlichen Dämpfer erfahren, als ich mir jetzt das Video zum Remote Viewing der Kreuzigung Jesu angeschaut habe. Nach wie vor, glaube ich, daß das Remote Viewing funktioniert. Es ist schlichtweg unbestreitbar, daß die Ziele von den Remote Viewern erkannt werden. Ich frage mich jedoch, ob man wirklich viel mit den Details anfangen kann. Beispielsweise wurde der Remote Viewer blind auf die Kreuzigung Jesu angesetzt und beschreibt eindeutig ein entsprechendes Ereignis, doch was er genau ausführt, der Plot und seine Einzelheiten, kann so unmöglich stattgefunden haben.

Zunächst einmal gibt der Auftraggeber zu, daß er sich vor der Fragestellung mit dem „gechannelten“ Material von „Seth“ auseinandergesetzt hatte. Dort steht, daß es nicht Jesus war, der am Kreuz starb, sondern sozusagen ein „Stellvertreter“. Und, welch Zufall, genau diese Geschichte wurde auch vom Remote Viewer „gesehen“: Jesus wollte nicht am Kreuz sterben und schickte jemanden vor, der sich an seiner statt kreuzigen ließ, da dieses willige Opfer glaubte, nur durch einen blutigen Kreuzestod werde „die Schrift erfüllt“.

Es geht beim Remote Viewing um „geistige Prozesse“, etwa telepathische Beeinflussung. Mir kann niemand sagen, daß die bewußten und unbewußten Intentionen des Auftraggebers und die kollektive Vorstellungswelt der Menschen aus dem Umfeld nicht die „Schau“ des Remote Viewers beeinflussen. Daß das Remote Viewing entsprechend „verunreinigte“ Resultate zeitigt, zeigt dieser Fall, denn so, wie sie der Remote Viewer beschreibt, kann sich die Geschichte um die Kreuzigung gar nicht zugetragen haben. Niemand, wirklich niemand, konnte bei Jesu triumphalen Einzug in Jerusalem auf die bizarre Idee gekommen sein, daß Jesus sich würde opfern müssen, um irgendwelche biblischen Prophezeiungen zu erfüllen. (Schließlich kommt heute auch kein Rabbi auf solche abwegigen Ideen!) Vielmehr war Jesus dramatisch und denkbar drastisch gescheitert und mit ihm zusammen die Jesus-Bewegung gestorben. Die Kreuzestheologie, und damit das Christentum, entstand erst nach der unerwarteten Auferstehung. Außerdem kam die dem römischen Recht entspringende kleingeistige Idee, daß Gott ein „Opfer“ wollte, mit dem eine Schuld getilgt wird, erst 1000 Jahre später in der Westkirche auf. Die ersten Christen sahen vom Blickwinkel der Auferstehung her das Kreuz als neuen „Baum des Lebens“ und entsprechend in Golgatha eine Rückgängigmachung des todbringenden Geschehens im Garten Eden. „Wer an Jesus glaubt, hat Anteil am ewigen Leben.“

Blogeinträge Januar/Februar 2011

19. Oktober 2016

Im Augist 2010 stellte Dr. Konia folgende Blogeinträge ins Netz, auf die hier erneut hingewiesen wird, damit sie nicht verlorengehen:

Blogeinträge Januar/Februar 2011

  • Antiquierter Liberalismus ist nicht die Antwort auf den arabischen Rassismus
  • Das Massaker in Tucson
  • Das Problem Aggression
  • Die politische Strategie der linken Ideologen
  • Die wahre Bedeutung von „Christus starb für unsere Sünden“
  • Es ist die Wahl zwischen schlecht und schlechter
  • Die sozio-politische Dynamik einer Betrugsaktion
  • Die biologische Herkunft der politischen Korrektheit
  • Der Triumph des mechanistischen Denkens in den Sozialwissenschaften
  • Warum es niemals zu einem Waffenstillstand zwischen der Linken und der Rechten kommen wird

   
Kommentar zu: „Die wahre Bedeutung von ‚Christus starb für unsere Sünden‘“

Peter 2013: Zum Karfreitag: In der Nachfolge Christi:
http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Alle-fuenf-Minuten-wird-ein-Christ-ermordet-/story/13051615
 
Kommentare zu: „Warum es niemals zu einem Waffenstillstand zwischen der Linken und der Rechten kommen wird“

Robert: Der Begriff Augenpanzer scheint mir etwas unglücklich, weil die Augen ja selbst nicht muskulär gepanzert sein können. Gemeint ist hier wohl eine geistige Wahrnehmung oder Filterung des Gesehenen, welches spezifisch interpretiert wird, gemeinhin als „selektive Wahrnehmung“ bezeichnet.

Klaus: „Im allgemeinen haben sie weniger Augenpanzer und mehr Muskelpanzer“ – Hier wird von Konia schon zum Ausdruck gebracht, dass „Panzer“ nicht an Muskelverspannung gebunden ist. (Allerdings ist auch Verspannung in Bezug auf die Augen möglich, da sich auch die Augenbewegungen mit Hilfe von Muskeln abspielen. Aber „Panzer“ wird eher in Bezug auf ein Geschehen auf ‚energetischer‘ Ebene verstanden, das ‚Energie‘ chronisch bindet.)

Odin statt Jesus

26. August 2016

Man überfliege die Netzseite der Germanischen Glaubensgemeinschaft und schaue sich die beworbenen Buchtitel an. Die GGG ist stolz auf ihr Altheidentum, d.h. sie versucht redlich die Religion der vorchristlichen Germanen zu rekonstruieren und, um die lückenhafte Überlieferung aufzufüllen, greift sie auf verwandte Glaubenssysteme in Asien zurück, die überlebt haben.

Die GGG erinnert mich wieder daran, wie dankbar ich, bei aller Distanz und Abneigung, den christlichen Missionaren bin, daß sie die heiligen Eichen in Germanien gefällt haben! Das Christentum hat uns von einem alles erstickenden Obskurantismus befreit, der die Entwicklung der Wissenschaft unmöglich gemacht hätte. Seit den Tagen des „New Age“ und nicht zuletzt mit aktiver Unterstützung so mancher „Reichianer“, wird seit geraumer Zeit alles getan, um die Welt wieder zu „verzaubern“. Den Preis, den wir dafür zahlen müssen, wird schrecklich sein.

Nichts gegen „Heidentum“, aber man sollte sich vergegenwärtigen, wie großartig unsere Kultur ist. Das Barock war voller heidnischer Allegorien, teilweise vergißt man ganz, daß man im christlichen Abendland ist, Goethes Faust, an sich ein rein christlicher Stoff, platzt geradezu vor griechischem Heidentum, etc. Europa hatte das Beste aus beiden Welten, den vom Aberglauben befreiten Christenmenschen und dem vom religiösen Wahnsinn freien lebensfrohen Heiden, aber wir sind fleißig dabei dies alles in die Tonne zu treten.

Der Christ ist frei vom Aberglauben und der Heide ist frei vom „Glauben“. Nur in diesem Freiraum, den Europa ins Dickicht der wuchernden Neurose des Menschengeschlechts geschlagen hat, konnte sich die Orgonomie entwickeln. Heute wuchert die Waldlichtung wieder zu.

Die matriarchalen Wurzeln des Christentums

8. Juni 2016

Die erste geschichtlich greifbare Frau ist Debora. Debora bedeutet „Biene“. Ein Attribut, das sie mit der kämpferischen ägyptischen Göttin Neith verbindet. Neiths Kampf galt der Unterwelt, also dem Tod und der Dürre. Wurde dies dann in die Kampflegende um die streitbare Debora umgedeutet? Debora ist die Herrin über Efraim und sie ist die Amme der Rebekka, die Jakob gebiert, welcher zu Lea und Rahel geht. (Ein Schwesterpaar wie bei Ezechiel 23 „die beiden Schwestern Samaria und Jerusalem, Töchter derselben Mutter“.)

Lea bedeutet „Wildkuh“, die kuhgestaltige Himmelskönigin Anat, die kuhgestaltige Sonnengöttin Aschera, die hebräische Form der ägyptischen kuhgestaltigen Hathor, die der griechischen kuhgestaltigen Hera entspricht. Der Richter Schamgar wird „Sohn Anats“ genannt (Ri 3,31). Ihr kultischer Partner ist „der Sohn“ Ru-Ben, der wiederum Kultheros des Stammes Ruben ist. Dieser Stamm war mit Sicherheit „schon immer“ in Kanaan seßhaft und zwar im Gebiet nordöstlich des Toten Meeres, das man später dem „Stamm“ Juda zulog. In Beth-Anat im Lande Naftali lag der Kultort der Anat. Später wurden Anat und ihr Partnergott Baal zu den Kindern des Götterpaares Aschera und El herabgesetzt.

In der Bibel hat die patriarchale Darstellung der Lea als Gattin des Jakob die Funktion, zusammen mit Jakobs zweiter Frau und den „Mägden“ (Nebenfrauen) disparate Stammesgruppen aneinanderzubinden: Rinderzüchter und Schafzüchter, Alteingesessene und Spätankömmlinge. „Einheimische“ Stämme waren: Ruben, Ascher und Gad, die in Jos 8,33 gegen „die Fremden“ abgehoben werden.

Die Einwanderung wird aber für alle Stämme unter dem von Moses geleiteten Exodus Josefs aus Ägypten subsumiert und mit der Landnahme Benjamins aus der syrischen Wüste ins Westjordanland verknüpft (Jos 2-9), obwohl in Ri 1,1-2,5 Einzugsgeschichten für jeden einzelnen Stamm vorliegen. (Man sieht, daß das Alte Testament sogar noch zusammengestückelter und noch unglaubwürdiger ist als das Neue Testament.)

Zuerst kamen die Rinderzüchter, deren ursprüngliche Herrin Lea war: Ruben, Sachar und Sebulon. Simeon, Levi, Juda, die ebenfalls genannt werden, sind neuere Zusätze, da sie, wie auch die Südstämme, die später alle unter dem Oberbegriff „Juda“ fielen, im alten Deboralied fehlen und die Zuteilung von Stammesgebieten entweder problematisch ist oder ganz fehlt. Zur Lea-Sippe kommen jene, deren Urmutter Silpa war: Gad, Ascher. Dies sind die Stämme, die um das „Goldene Kalb“ tanzten und nachträglich auf den Sinai neben den Stamm Josef gesetzt wurden.

Nach den Rinderhirten kamen die Schafzüchter. Die Opferkulte um Rinder und Schafe wurden dementsprechend verbunden: siehe Ex 29,10.15. Herrin der Schafzüchter ist die jüngere Schwester Leas, Rahel das „Mutterschaf“ (vgl. Hld 6,6), die unsterbliche Gottesmutter Manasses und Efraims, sowie Benjamins (Jer 31,15). Benjamin ist der Widder und später das „Lamm Gottes“. Rahels Kultort war das „Grabmal“ Rama, zu dem noch Saul (1012-1004) als König Benjamins pilgert (1 Sam 10,2).

Wie fern Saul dem Jahwekult stand, sieht man daran, daß er Jahwe-Priester als judäisch-davidische Agenten töten ließ (1 Sam 22,17). Einer der Klangenossen Sauls hieß Belia („Jahwe ist Baal“), seine Söhne hießen Isch-Boschet, bzw. Eschbaal („Baal lebt“) und Meribaal („Baal belohnt“). Saul tritt uns in einem dionysischen Tanz entgegen (1 Sam 10,9-12; siehe auch 19,22-24); eindeutig ein Verhalten, wie es zur Baalsreligion gehörte (vgl. 1 Kön 18,26). Alle Söhne Sauls sind gefallen (1 Sam 31,2; vgl. 14,49), sodaß sein vorgeblicher Sohn Eschbaal nicht durch patriarchale Erbfolge Sauls Nachfolger geworden sein kann.

Was ganz allgemein die Baale betrifft: Der Bundesschluß mit Jahwe zu Sichem geht auf vorisraelitische Zeit zurück, auf den dortigen Baal-Berit, dem „Herren des Bundes“ (vgl. Ri 8,33; 9,4). Andere Baale wurden dämonisiert, wie z.B. der Baal-Sebub, an den sich noch König Ahasja (852-851) um Heilung wandte. Später wurde er zum verderbenbringenden Beelzebub (2 Kön 1,2 und Mt 10,25; 12,24).

Zur Rahel-Sippe gehört auch die Gruppe der Urmutter Bilha: Naftali und Dan. Was speziell Dan angeht, erwähnt Immanuel Velikovsky in seinem Buch über Ramses II. und seine Zeit, die Velikovsky in das zeitliche Umfeld von Judas Fall ansiedelt, einen Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Nebukadnezzar, in dem verschiedene Götter angerufen werden, über die vertraglichen Bestimmungen zu wachen. In der Liste der Götter taucht u.a. die „Göttin von Dan“ auf. Dazu kommentiert Velikovsky als Argument für seinen chronologischen Umbau:

Aber in der Zeit vor der Eroberung Dans durch die Daniter, in der Zeit der Richter (in die Ramses konventionellerweise verlegt wird), wurde dieser Ort Lais genannt (Ri 18,29), und es war Jerobeam (926-907), der dort einen Tempel baute. (Frankfurt 1983, S. 66)

Velikovsky geht gar nicht darauf ein, daß der Heiligen Schrift zufolge der besagte Tempel Jahwe galt, sich nun aber herausstellt, daß die Israeliten von Dan zu einer Göttin beteten!

Moses ist der Stammesfürst des Stammes Josef, den er aus Ägypten geführt hat. (Oder ist er der matriarchale Kultheros, der den Todesgott Mot, den Pharao, in die Unterwelt verbannt und den Frühling bringt – Manna vom Himmel fallen und Quellen sprudeln ließ?) Trotzdem Josef als (vor)letzter Ankömmling der äußeren, patriarchalen Schicht der Charakterformation Israels sehr nahe kommt, sind bei Josef noch Reste spätmatriarchalen „Fruchtbarkeitsheroentums“ zu finden. Josef „gleicht dem Erstgeborenen des Stiers, in Josef wohnt die Stärke seines Gottes. Er hat die Hörner eines Büffels“ (Dtn 33,17). Desgleichen haben wir ja auch Moses als „Stier der Göttin“ kennengelernt. Moses’ Nachfolger heißt Josua, was „Retter“ bedeutet, also auch ein Anklang an den „Heros der Göttin“. Übrigens ist „Jesus“ hiervon nur eine gleichbedeutende Namensvariante.

In Gestalt von Moses’ Schwester Mirjam taucht auch schon „Maria“ auf. Neben das Deboralied gehört das Lied der Mirjam (Ex 15,21) zum ältesten Überlieferungsgut. Sie tanzt mit einer Pauke dem „Siegesreigen der Frauen“ voran. Zusammen mit ihrem Bruder Aaron soll sie sich gegen Moses aufgelehnt haben, woraufhin sie mit Aussatz bestraft wird. Jahwe vergleicht seine Strafe mit der eines Vaters, der seiner Tochter ins Gesicht spuckt (Num 12,14) – das ist der Gott des Alten Testaments.

Josef, der von Moses aus Ägypten geführt wurde, fehlt es in Kanaan am Stammesgebiet. Er wurde einfach zum Vorfahren von Manasse und Efraim erklärt und so ins Stammessystem eingepaßt. Vollends patriarchal wird es mit Levi, dem letzten Stamm, der ebenfalls kein eigenes Stammesgebiet hat. Levi ist eng mit Juda verbunden, der gar kein Stamm ist, sondern mythische Absicherung der davidischen Herrschaft.

Doch selbst Juda, der nicht zu Israel gehört, hat einen matriarchalen Aspekt. In Ezechiels Klagelied (Ez 19) über den Untergang der Könige Judas steht deren „Mutter“ im Vordergrund, die mit einer Löwin und einer Weinrebe verglichen wird. Gemeint ist Tamar. Sie ist die Palme mit dem Steinbock, der sie „besteigt“ (vgl. Hld ,8f). Das ist ein sehr bekanntes Motiv („Ziegenbock am Lebensbaum“) aus Ur in Chaldäa, der Heimat Abrahams, das jeder kennt, der sich mit der Geschichte des alten Orients beschäftigt hat.

Tamar ist die judäische Kultheroin. Davids ältester Sohn Amnon, ein Priester, liebte seine Schwester Tamar (2 Sam 13). Auch eine Enkeltochter Davids hieß Tamar (2 Sam 14,27). Die Palme, die für Tamar stand, spielte eine herausragende Rolle bei der Ausstattung des Salomonischen Tempels (1 Kön 6,29.32.35; 2 Chr 3,5 und Ez 41,18f), in dem keine Knaben sangen, wie in der Katholischen Kirche, sondern Mädchen (Klgl 1,4).

Tamar ist die Stammutter der Südstämme Kaleb, Othniel, Kain und Jerachmeel, die alle vom davidischen Kunstgebilde „Juda“ verdrängt wurden. Hebron, der Kultort des Stammes Kaleb, war erster Regierungssitz Davids. Mamre bei Hebron ist wiederum Kultort Saras, deren Kultheros der „Stammvater“ Abraham war. Gerda Weiler schreibt über diesen Komplex:

Als Heimat Abrahams wird Haran angenommen, wo auch eine „Göttin“ namens Sara bekannt ist. „Sara“ bedeutet „Königin“, wird aber auch mit „Fürstin“ wiedergegeben. Noch bis ins 11. Jahrhundert u.Z. haben sich in Haran matriarchale Kulte erhalten – im Widerspruch zu Christentum und Islam. Der Kult Saras, der Frau des Abraham, stammt aus Hebron. Dort ist ihr Grab, an das eine alte kultische Überlieferung gebunden ist. Matriarchale Kulttexte erzählen von Sara, der Priesterin oder Königin am Heiligtum in Hebron, die eines jeden Jahres Unfruchtbarkeit in der Heiligen Hochzeit überwindet. (Das Matriarchat im Alten Israel, Stuttgart 1989, S. 117f)

Sara wird neben dem Stammvater Abraham als Stammutter Israels bezeichnet (Jes 51,2). Und in der Verheißung „an Abraham“ ist gar nicht von ihm als Stammvater die Rede, sondern: „Sara soll die Mutter ganzer Völker werden, und Könige sollen von ihr abstammen“ (Gen 17,16).

Mit Sara ist die Magd Hagar verbunden, die ihren Sohn aus der Wüste führt, so wie die Göttin ihren Kultheros aus der Unterwelt. Dieser Sohn, Ismael gilt im Islam als der Stammvater der Araber.

So läßt sich alles abgrundtief Patriarchale auf matriarchale Ursprünge zurückverfolgen. Beispielsweise stellen die Horden Dschingis-Khans ein prototypisches Beispiel für die brutale Ausbreitung des Patriarchats dar. Aber selbst diese Horden lassen sich auf Urmütter im Matriarchat zurückführen. Auf 5000 Jahre alten Felsbildern aus der Mongolei kann man diese Stammütter etwa in Form von Hirschkühen sehen. Motive, die sich kontinuierlich in der mongolischen Kultur verfolgen lassen, bis heute. So wird eine Hirschkuh namens Olun-Goa als Ur-Mutter der mongolischen Sippe der Bordschigin in Verbindung gebracht, der Sippe, aus der Dschingis-Khan stammte.

Noch in Ex 38,8 und 1 Sam 2,22 dienen Frauen Jahwe. Im Alten Testament treten Weise Frauen (2 Sam 14,2), die für ganze Städte sprechen (2 Sam 20,16ff), Schamaninnen (Hexe von Endor) und Prophetinnen auf. Bei Joel 3,1 verkündet Gott, Männer und Frauen zu Propheten in Israel zu machen. Jesaja 8,3 sagt: „Als ich mit meiner Frau, der Prophetin, schlief, wurde sie schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.“ Noch bei der Einrichtung des eigentlichen Judentums spielen Prophetinnen eine entscheidende Rolle: die Prophetin Hulda gibt ein Gutachten über das im Tempel gefundene Gesetzesbuch Mose ab (2 Kön 22,14-20 und 2 Chr 34,22), während sich Nehemia bei der Durchsetzung des Judentums gegen die Prophetin Noadja zur Wehr setzen muß (Neh 6,14).

Für die Jahwisten sind alle Feinde, „die sich um eine Götzenpriesterin scharen“ (Jes 66,17). Schon das Alte Testament ruft zur Hexenverfolgung auf (Ez 13,17-23); Frauen im Volke, die „nach ihrem eigenen Gutdünken prophezeien“ und magische Hexenpraktiken ausführen, wird das göttliche Strafgericht angedroht.

Die Geschichte der Dirne Rahab, die eine bedeutende Rolle bei der israelitischen Landnahme spielt (Jos 2,1-21; 6,22-25), zeigt, daß schon im Alten Testament Dirnen Gott näher stehen, als andere Menschen – lange vor Jesus (Hebr 11,31 und Jak 2,25). Prostitution genoß hohe Wertschätzung; über sie wurde ganz unbefangen berichtet (z.B. Ri 16,1). Was mag sich ursprünglich hinter der Geschichte der Tamar verbergen, die Juda verführte, indem sie sich als Prostituierte ausgab? (Gen 38). Jiftach, ein Held der Richterzeit, „war der Sohn einer Prostituierten“ (Ri 11,1), wie ja auch Jesus. Vollends merkwürdig wird es, wenn dem einzigen originären Propheten des Nordreichs, Hosea (etwa 750-722 v.Chr.), von Gott befohlen wird eine Prostituierte zu ehelichen. Im Buch Hosea gilt dann diese Ehe als Gleichnis für die tragische Liebesgeschichte zwischen Jahwe und der Hure Israel, die sich den Baalen hingibt.

Doch das Volk „hurte“ weiter und bekannte sich zu alten matriarchalen Religionsformen. In dem betreffenden Bekenntnis Jer 44,17f ist auch von den Königen die Rede. Die Fruchtbarkeitskulte waren so verbreitet, daß die Könige aus staatspolitischen Gründen diese Kulte tolerierten, wenn sie nicht selbst, wie noch Saul, an ihnen teilhatten. Deshalb kommen die Könige in der Bibel fast durchweg schlecht weg. Asa von Juda (908-868) war einer der wenigen Könige, der von der Bibel nicht kritisiert wird. Er beseitigte die matriarchale Opposition und ging dabei soweit, ein ungeheuerliches Sakrileg zu begehen, nämlich seine Großmutter, die Königsmutter Maacha, abzusetzten, „weil sie ein verabscheuungswürdiges Götzenbild der Göttin Aschera aufgestellt hatte“ (1 Kön 15,13). So emanzipierten sich die Könige gegenüber den Königsmüttern langsam mit Hilfe eines patriarchalen Kults: „Steig von deinem Thron herunter (…) du feine Dame“ (Jes 47,1).

Asas Nachfolger Joschafat (868-847) sandte die Leviten aus, das Volk im Gesetz Jahwes zu unterweisen (2 Chr 17,7). Diese Missionierung zeigt, daß der patriarchale Glauben kein Volksglauben war, sondern Herrschaftsinstrument (siehe auch 2 Chr 19,4 im Vergleich mit 20,33). Joschafat war ein gottgefälliger Mann.

Ahab von Israel (871-852) ist demgegenüber für die Bibel der Inbegriff des heidnischen Bösewichts – bis hin zu Melvilles Moby Dick. Ahab heiratete Isebel, deren Namensvetterin noch im Neuen Testament Offb 2,20-23 auftaucht, sich als Prophetin ausgibt und zur Unzucht verführt, wofür Christus in seiner großen Güte u.a. ihre Kinder töten will. Ahab heiratete also Isebel und stellte für sie ein Bild der Göttin Aschera auf (1 Kön 16,32f). Zu dieser Zeit nutzte der Prophet Elija eine Dürre aus, um 850 Priester der Fruchtbarkeitsgötter Aschera und Baal abschlachten zu lassen (1 Kön 18). Dieser patriarchale Ausrottungszug wurde in die Vergangenheit projiziert: die Leviten schlachten dreitausend ihrer „Söhne, Brüder und Freunde“ ab, weil sie das Goldene Kalb anbeteten (Ex 32)), später diente er wiederum als Muster für die legendäre Gestalt des Daniel-Buches (2.Jahrhundert v.Chr.), der im babylonischen Exil Frauen und Kinder der Baal-Priester (Bel) umbringen läßt (kath Dan 14; Einheitsübersetzung DanZ C,1-22). In Wirklichkeit ereigneten sich all diese Greuel zur Zeit Isebels.

Nach Ahabs Tod wurden sein Sohn Ahasja und dessen Sohn Joram (852-845) Könige unter der Königsmutter Isebel. Königin Isebel leitet den (heidnischen) Staatskult, sie läßt Elija verfolgen und sie führt die Staatsgeschäfte, wobei sie das königliche Siegel benutzt – angeblich „verbotenerweise“ (1 Kön 21,8). Elijas Nachfolger Elischa salbte daraufhin den Oberst Jehu (845-818) aus Jorams Armee zum neuen König, der den rechtmäßigen König umbrachte. Die nachfolgende bestialische Ermordung der Könismutter Isebel wird von der Bibel in allen Einzelheiten genußvoll geschildert. Dies war der Anfang eines wahren Blutrausches, in dessen Verlauf 70 Söhne und Enkel Ahabs geköpft und ihre Köpfe in zwei Haufen vor dem Stadttor aufgestapelt wurden. Auch alle restlichen Mitglieder der Königsfamilie wurden umgebracht, desgleichen alle hohen Beamten, Ratgeber und Priester des Königs. Nachdem Jehu auch die 42 Verwandten des judäischen Königs Ahasja (den er bereits zusammen mit Joram) getötet hatte, ging Jehu daran, die Verehrer Baals systematisch auszurotten. Wie er dies getan hat (er berief als vorgeblicher Baalsanhänger ein großes Opferfest für Baal ein, um ausnahmslos aller Baalspriester habhaft zu werden) ist ein Paradestück der Emotionellen Pest und ein Vorbild, an dem sich z.B. die Eroberer Südamerikas orientiert haben (2 Kön 10,18-27).

Inzwischen hatte in Juda die Königsmutter Atalja, eine Tochter Ahabs, die Macht auch offiziell übernommen. Vorher sei „dieses schändliche Weib“ (2 Chr 24,7) Ahasjas Beraterin gewesen, die ihn dazu verleitet habe, dem schlechten Vorbild Ahabs zu folgen (2 Chr 22,3). Jedenfalls ließ sie alle Angehörigen der Familie umbringen. Nur der kleine Sohn Ahasjas, Joasch (840-801) konnte dem Gericht entkommen und im Tempel Jahwes versteckt werden. Nach sieben Jahren wurde Atalja von den Priestern Jahwes gestürzt und hingerichtet. Joasch wurde König und den Baalspriestern von Juda ging es an den Kragen. Bezeichnenderweise wurde die Mutter von Joasch Zibja nun nicht zur Königsmutter. Nicht sie, sondern der Levit Jojuda hatte den bei seiner Inthronisation siebenjährigen König erzogen. Statt der Königsmutter regierten jetzt die Leviten. Doch selbst Joasch sollte doch noch zum Astarte-Anhänger werden, um schließlich von treugebliebenen Jahwe-Anhängern erschlagen zu werden.

Als Israel 722 fiel, wurden noch immer „auf jeder höheren Erhebung und unter jedem größeren Baum geweihte Steinmale und Pfähle aufgestellt“ (2 Kön 17,10). Sogar „das Bild der Göttin Aschera in Samaria blieb unangetastet“ (2 Kön 13,6). Zur gleichen Zeit mußte Judas König Hiskija (725-697) noch immer „Opferstätten rings im Land zerstören, die geweihten Steinmale in Stücke schlagen und das Götzenbild der Aschera umstürzen“ (2 Kön 18,4).

Unter König Joschija (639-609) schließlich gewann Jahwe ganz. Er befahl

den Tempel des Herrn von den Spuren des Götzendieners zu säubern. Er ließ alle Geräte und Einrichtungen, die für den Gott Baal, die Göttin Aschera und die Gestirngötter bestimmt waren, aus der Stadt bringen und im Kidrontal verbrennen. (2 Kön 23,4)

Dazu gehörte auch „das Götzenbild der Aschera im Tempel des Herrn“ (2 Kön 23,6). „Außerdem ließ er die Häuser der Prostituierten abreißen, die im Tempelbezirk gestanden hatten. Dort hatten die Frauen Gewänder für die Göttin Aschera gewebt“ (2 Kön 23,7). Zu diesem Vernichtungswerk gehörte auch die Entweihung von Altären im Osten von Jerusalem, die Salomo für Astarte hat bauen lassen. Außerdem ließ der König ihre „Priester auf den Altären abschlachten“ (2 Kön 23,20). Aber Joschija gab sich nicht damit zufrieden nur Jerusalem und Juda zu reinigen, sondern „auch in den Städten der Stämme Manasse, Efraim, Simeon und bis nach Naftali durchsuchte er die Häuser“ (2 Chr 34,6), also im Gebiet des untergegangenen Israel.

Israel war der Himmelskönigin verhältnismäßig treuer geblieben als das kriegerische Juda, das Israel immer wieder bedrängte. Juda folgte zunehmend den Leviten. So entsprach im regenarmen Südland Juda (Ri 1,15) die geographische Wüste der Emotionalen Wüste. Doch erst mit dem Untergang Judas begann sich das ganz zu entwickeln, was man als voll ausgebildete patriarchalische Religion bezeichnen kann. Es fing mit der Durchsetzung der Mosaischen Gesetze unter König Joschija an. Alles wird der Vergeltung unterworfen; es kommen die Gesetze, die das gesamte Leben in ein Korsett pressen.

Die matriarchale Bindung (Heidentum) war zerbrochen und wurde durch eine Bindung an das patriarchale Gesetz ersetzt (Rabbiner sehen es lieber mit dem Wort „Wegweisung“ ins Deutsche übersetzt). Eigentliche Begründer des Judentums waren im babylonischen Exil Ezechiel, der „Vater des Judentums“, der am Ritual und Tempelkult interessiert war, und Esra, der als „Zweiter Moses“ (Neh 8,1) das Deuteronomium verlas und Juda den Namen Israel gab. Erst Esra ist der eigentliche Anfang des Monotheismus. Die Pharisäer sahen Esra als den Begründer ihrer Bewegung. Es setzt sich unter Nehemia und Esra eine feste Theokratie durch, wie sie sich in den Büchern Haggai, Sacharja und Maleachi widerspiegelt. Sacharja war der letzte Prophet, während Maleachi Wortführer der Priesterkaste war (vgl. Mal 3,8) und so Ahnherr der Sadduzäer.

Wir haben gesehen, wie zählebig das Matriarchat im alten Israel war. Selbst die beginnende jüdischer Orthodoxie konnte diese matriarchale Überlieferungskette nicht unterbrechen. Noch zur Zeit des Heiligen Hieronymus im 4 Jahrhundert n.Ch. versammelten sich in der Nähe von Betlehem (!) Frauen, um den blutigen Tod des Adonis zu beweinen, des Geliebten der Aphrodite. Adonis ist identisch mit Tammuz, dem „Liebling der Frauen“ (Dan 11,37). Der Hain von Betlehem, in dem die Felshöhle der Geburt Christi lag, war dem Adonis geweiht. Die Geburtshöhle entsprach nach alten Kulten dem gebärenden Mutterleib der großen Göttin.

Der ganze Wiedergeburtsmythos des Christentums ist zweifellos auf spätmatriarchale Ursprünge zurückzuführen, die es dem Christentum ermöglicht haben sich in den Randgebieten Saharasias problemlos einzunisten. Sei dies bei den Griechen mit ihren Mysterienkulten oder bei den Germanen, deren Siegfriedlegende sozusagen einen Übergang vom Christus des Fruchtbarkeitskultes (Überwindung der unfruchtbaren Jahreszeit) zum Christus aus Reichs Christusmord darstellt. Es würde sich lohnen, unter diesem Gesichtspunkt Richard Wagners Ring etwas genauer zu betrachten.

Die Ungewißheit um den Vater Jesu entspricht einem alten kultischen Muster des Orients: Gilgamesch, Sargon, etc. kannten alle ihren Vater nicht. Es war Tradition, daß junge Mädchen vor der Hochzeit als Tempelprostituierte im Ischtartempel dienen mußten. Ihr erstgeborener wurde als Kind Gottes betrachtet – daß gegebenenfalls geopfert (z.B. gekreuzigt), sozusagen zurückgegeben werden mußte. Der Psalm 22, den Jesus am Kreuz angestimmt hat, geht mit Sicherheit auf altorientalische Kultgesänge um die Himmelskönigin und ihren Fruchtbarkeitsheros zurück. Er wird nach der Melodie „Eine Hirschkuh am Morgen“ gespielt, was auf eine tiergestaltige Urmutter verweist.

Das Christentum steht in einer Kontinuität, die ständig geleugnet wird, obwohl erst diese „heidnische“ Kontinuität das Christentum, das gerne als hellenistisch-jüdischer Synkretismus denunziert wird, auf feste dogmatische Grundlagen stellt. Nehmen wir nur die Ankündigung der Christusgestalt bei Sacharja, „die Klage um den Durchbohrten“. In der Endzeit wird Gott die Bewohner Jerusalems mit Reue erfüllen, „weil sie meinen Beauftragten durchbohrt haben“ (vgl. Joh 19,37).

Sie werden um ihn trauern, wie man um den einzigen Sohn trauert, sie werden weinen und klagen wie um einen Erstgeborenen. Die Klage Jerusalems um ihn wird so groß sein wie die Klage um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo. (Sach 12,10f).

Dazu gibt die Einheitsübersetzung den Kommentar, Hadad-Rimmon sei der phönizische Gott der Vegetation (griechisch Adonis), „dessen ‘Sterben’ im Herbst rituell beweint (vgl. Ez 8,14) und dessen Auferstehung jedes Frühjahr gefeiert wird. Mit Megiddo verbunden ist auch der Tod des bedeutenden Königs Joschija, der noch spät in Klageliedern besungen wird (2 Chr 35,20-25).“ Hier fließen spätmatriarchaler Fruchtbarkeitskult vom sterbenden und auferstehenden Gott, altisraelitische Königsideologie und christlicher Mythos in eins. Der Menschensohn ist Adonis und Adonis ist Adonai und Adonai ist Jahwe – und Jahwe ist identisch mit dem Menschensohn Jesus.

Das Christentum ist demnach so etwas wie ein Urjudentum. Fast die gesamte Jesusliteratur leidet darunter, daß man vermeint ins rabbinische Judentum zurückzukehren, wenn man auf die Ursprünge Jesu zurückginge. Dabei vergißt man, daß neben dem Christentum nur rein zufällig eine weitere Tradition des Judentums den Fall des Tempels überlebt hat und daß das talmudische Rabbinertum nur eine Strömung von vielen im Judentum repräsentiert.

Ein heutiger Jude mag die Einzelheiten des Alten Testaments besser einordnen können als ein Christ, aber das übergreifende Verborgene des Textes versteht ein Christ sicherlich besser. Es ist tatsächlich der Schlüssel zu Jesus, aber nicht in dem Sinne, wie es uns von mit Schuldkomplexen beladene Theologen weismachen wollen.

Zum Beispiel wird von solchen Autoren, die aus Jesus einen pharisäischen Rabbiner (der sich nur mit seinen apokalyptischen Anwandlungen etwas von den anderen abhob) machen wollen, Jesus vollkommen unrabbinisches Verhalten gegenüber Frauen nie erwähnt. Wenn das Weib in der Gemeinde unmittelbar nach Jesu Tod wie im Judentum keine Rolle spielte, warum verlangt dann der judäische Ex-Pharisäer Paulus ausdrücklich, daß das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe? (1 Kor 14,33f). Es war der einzige Judäer unter den ansonsten galiläischen Jüngern Jesu, der feindselig reagierte, als Frauen Jesus Liebe entgegenbrachten (Joh 12,1-8).

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.h.

30. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

h. Dreifaltigkeit

Jesus und die Frauen

6. April 2016

Bereits in Die bio-historischen Grundlagen des Christentums (Teil 3) habe ich Ernst E. Vardiman zitiert, der auf den eklatanten Widerspruch zwischen der Idealisierung der Person Jesu und der eher abträglichen Darstellung Marias hingewiesen hat. Dies deutet auf einen Verdrängungsprozeß, dem alles, was an die Himmelskönigin erinnern könnte, zum Opfer gefallen ist. Wie alles Verdrängte ist es dann natürlich später in Gestalt der Marienverehrung verzerrt wieder an die Oberfläche gedrungen.

Aber nicht nur Maria, sondern alle Frauen in der Umgebung Jesu werden in den Evangelien aus dem Vordergrund geschoben. Sie waren seine Hauptzeugen, wurden jedoch von jenen wieder in den Hintergrund gedrängt, die Jesus schmählich im Stich gelassen hatten und sich nun als „Apostel“ in den Vordergrund spielten. Aus dieser Tradition heraus konnte sich dann schließlich Epiphanius mit „apostolischer“ Autorität über die Kollyridianerinnen ereifern:

Dieser (Christus) hat wie ein Bildner und Herr des Geschehens sich aus der Jungfrau wie von der Erde gebildet, indem er als Gott vom Himmel herab kam und als Logos aus der heiligen Jungfrau Fleisch annahm; sicherlich aber nicht, damit die Jungfrau angebetet würde, nicht damit er sie zu Gott mache, nicht damit wir auf ihren Namen opfern, nicht damit er Weiber nach so vielen Generationen [männlicher Dominanz] zu Priesterinnen mache.

Schon immer haben Frauen gespürt, daß Jesus und nicht seine Jünger auf ihrer Seite stehen. So schrieb im 16. Jahrhundert die Heilige Theresia von Avila:

Herr, als du auf der Welt warst, hast du die Frauen nicht verachtet. Du warst immer für sie da und zeigtest ihnen dein großes Erbarmen. Du fandest bei ihnen auch mehr Glauben und gewiß nicht weniger Liebe als bei den Männern. Wir dürfen in der Öffentlichkeit nichts tun, was für dich irgendwie wichtig ist. Wir dürfen nicht einmal über einige Wahrheiten reden, über die wir im Stillen weinen aus Angst, daß du nicht hörst, was unser innigstes Sehnen ist. Trotzdem kann ich das um deiner Güte und Gerechtigkeit willen nicht glauben, Herr, denn du bist ein gerechter Richter, nicht wie die Richter dieser Welt, die alle Männer sind, Söhne Davids, und die von vornherein sogar den Tugenden der Frauen mißtrauen.

In den Seligpreisungen der Bergpredigt Mt 5,3-9 nennt Jesus in der patriarchalischen Gesellschaft typisch weibliche Attribute: geistig arm, da vom Bildungssystem ausgeschlossen; leidtragend, da die Hauptlast der Arbeit auf den Frauen ruht; sanftmütig, als primär biologische Anlage und als sekundäre patriarchale Verbiegung; unterdrückt, deshalb Hunger nach Gerechtigkeit; Barmherzigkeit als Merkmal der Mutterschaft; reinen Herzens und friedfertig, da frei von den korrumpierenden Einflüssen der Macht.

In ihrem Kommentar zu den Synoptischen Texten aus der Genesis schreiben Othmar Keel und Max Küchler über Jesus:

Die lukanische und johanneische Tradition verkünden immer wieder seine unbefangene, befreiende Hinwendung zu verschiedensten Frauen (Lk 7,36-50; 8,1-3; 10,38-42; Joh 4,27; 12,1-11). Die einseitig den Mann begünstigende Ehescheidungspraxis hat er trotz Dtn 24,1 unter Verweis auf Gen 2,24 abgelehnt (Mk 10,2-12; Mt 19,3-10; vgl. Joh 8,1-11). Die kultische Unreinheit, die die Frau viel schwerer belastete (Menstruation: Lev 15,19-30; Geburt: Lev 12), erklärte Jesus für inexistent (Mk 7,1-23 parr; vgl. Mk 5,25-34 parr). (Fribourg 1971, S. 94)

Weiter weisen Keel und Küchler darauf hin, die Jünger Jesu, vor allem der Rabbinenschüler Paulus, hätten dieses „kostbare Erbe“ Jesu nicht zur Entfaltung gebracht.

Durch frauenfeindliche Überlieferungen belastet (vgl. etwa 1 Kor 11,2-16) und im eifrigen Bemühen die christliche Frau den jüdisch-griechisch-römischen Idealbild der Ehefrau abzupassen (vgl. Kol 3,18-22; 1 Tim 2,11-15), gelang es diesen Männern nur noch gelegentlich in schwächlichen Korrekturen der stark frauenfeindlichen Traditionen, das genuin Christliche zur Geltung zu bringen.

Als bezeichnendes Beispiel nennen Keel und Küchler 1 Kor 11,13ff, wo Paulus gegen seine eigene christliche Aussage in 1 Kor 11,11f, „das noch weitgehend jüdisch-heidnische Empfinden der Gemeinde zur Hilfe ruft“.

Immerhin tritt schon im Buch Maleachi, dem Schlußpunkt des Alten Testaments Jahwe als Anwalt der Frauen auf. Da wird in Mal 2,14-16 von allen Sünden die Sünde hervorgehoben, seiner Frau die Treue zu brechen. „Der Herr kennt sie; er ist der Anwalt der Frauen, die von ihren Männern verstoßen worden sind.“ Seine Frau zu verstoßen, „ist so schlimm wie Mord.“ Um so schockierender ist es, daß Rabbi Hillel, ein Zeitgenosse Jesu, den Scheidungsartikel Dtm 24,1 schon als erfüllt ansah, wenn eine Frau das Essen anbrennen ließ (Walter Grundmann: Jesus von Nazareth, Göttingen 1975, S. 75).

Neben der Stelle bei Maleachi wäre auch noch das jüdische apokryphe Buch Daniel, bzw. eine Ergänzung desselben (DanZ B) zu nennen, wo Susanne von den patriarchalen Ältesten unschuldig verleumdet, jedoch dann vom Gottesmann Daniel rehabilitiert wird. Maleachi erinnert natürlich an das Scheidungsverbot bei Jesus (Mk 10,2.12), Daniel an Jesu Verteidigung der Ehebrecherin (Joh 8,1-11). Diese zu Jesus hinführenden jüdischen Versatzstücke sind aber nur Funken in einem universalen patriarchalen Dunkel. Und wenn man die betreffenden Stellen im Zusammenhang liest, sind es zumal recht lichtschwache Funken. Es bleibt doch der Bruch. Man vergleiche nur Jesu Fragen, wer denn sich anmaßen wolle, den ersten Stein zu werfen (Joh 8,7) mit der deuteronomischen Aufforderung: „Wirft den ersten Stein!“ (Dtn 13,10) oder auch mit der Aussage: „Eine Zauberin darf nicht am Leben bleiben“ (Ex 22,17).

In ihrem Buch über Heilige und Hexen schreibt Anke Jelsma:

In Bezug auf die Stellung der Frau erscheint es mir unverkennbar, daß das Auftreten Jesu eine befreiende Reaktion auf die patriarchalische Verhaltensweise war, die innerhalb des Judentums die Oberhand gewonnen hatte. (Konstanz 1977, S. 38)

Und weiter:

Immer wenn Männer gewissen schwierigen Frauen das Schweigen auferlegen wollten, beriefen sie sich auf Paulus. Immer suchten die Frauen dann Schutz bei Jesus. (ebd., S. 64f)

Wie schon erwähnt sind nach den Evangelien die ersten Zeugen der Auferstehung Frauen. Paulus schreibt jedoch in 1 Kor 15,4-8, Jesus habe sich zuerst Petrus gezeigt, „danach dem ganzen Kreis der zwölf Jünger. Später sahen ihn über fünfhundert Brüder auf einmal (…). Dann erschien er Jakobus und schließlich allen Aposteln“, einschließlich Paulus, der den Endpunkt, das Siegel darstellen will. Bei Markus 16 steht jedoch, daß es Maria Magdalena war, der sich der auferstandene Jesus als erster zeigte. Maria Magdalena, seine Geliebte; sie, mit der er ein Fleisch und Blut sein wollte (vgl. Mk 10,8): ihre genitale Liebe, die sich bis über den Tod hinauserstreckte, war der Ausgangspunkt des Christentums.

Ohne Übertreibung kann man die Vermutung wagen: Hätte Maria von Magdala nicht das leere Grab Jesu entdeckt, das die Voraussetzung zum Erlebnis seiner Auferstehung zunächst bei ihr selbst und dann bei den Jüngern wurde, so wäre das „Christentum“ vielleicht mit Jesu Kreuzigung zusammen bereits erloschen. (Salcia Landmann: Jesus und die Juden, München 1987, S. 293)

Von Anfang an zeigte sich das wirklich spezifisch Christliche an den Frauen. Wedding Fricke schreibt in seinem Buch Strafrechtlich gekreuzigt, schon die Tatsache, daß Jesus

den Frauen insgesamt Sympathie entgegenbringt, ist nach den damals geltenden gesellschaftlichen Regeln eine unschickliche Sache. Jesus soll aber noch einen entscheidenden Schritt weiter gegangen sein: Konkubinen und Ehebrecherinnen nimmt er in Schutz. Dirnen verspricht er [in Lk 7,47] mehr Vergebung als den Keuschen im Lande. (Buchschlag 1986)

Genau wie beim Essen scheint der „Vielfraß und Säufer“ (Mt 11,19) Jesus, wie Fricke schreibt, „auch in Bezug auf Frauen (…) nicht abstinent gewesen zu sein.“ Und weiter: „Jesus hat (…) offenbar den Ort, wo es leckere Sachen zu essen gibt, mit einem Brautgemach verglichen“. Fricke verweist auf eine „Szene mit erotischem Hauch“ bei Lk 7,36-50, wo sich Jesus „von einer Frau – Lukas nennt sie eine ‘Sünderin’ – im Hause des Pharisäers Simon bedienen läßt und ihre Annäherung, die selbst den toleranten Gastgeber zu weit geht, gut heißt“. Weiter verweist Fricke auf die Toleranz, die Jesus bei dem Gespräch „mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen zum Ausdruck bringt (Joh 4), die immerhin fünf Männer gehabt hat und nun mit einem zusammenlebt, der nicht ihr legitimer Ehemann ist“.

Außerdem möchte ich den Leser auf folgende Stellen in den Evangelien hinweisen: Mt 26,6-13; Mk 5,25-34; 15,40f; 16,1-8 (der ursprüngliche krönende Schluß des ältesten Evangeliums); Lk 8,1-3; 10,38-42; 23,26-31; Joh 11,1-45.

Wenn man derartige Stellen in Reihe liest, dann wird die folgende von Fricke zitierte Stelle aus dem apokryphen Phillipusevangelium alles andere als unglaubwürdig:

Die Frauen wandelten mit dem Herrn allezeit: Maria, seine Mutter, deren Schwester und Magdalena, die seine Paargenossin genannt wird (…) Maria Magdalena liebte den Soter mehr als alle Jünger, und er küßte sie oftmals auf ihren Mund. Die übrigen Jünger kamen zu ihr und machten ihr Vorwürfe. Zu ihm sagten sie: Weshalb liebst du sie mehr als alle?

Fricke weist darauf hin, daß „der Umstand, daß in den Evangelien jeder Hinweis auf eine Eheschließung Jesu fehlt, kein Indiz gegen, sondern gerade für den Verheiratetenstatus ist“. Schalom Ben-Chorim schreibt in seinem Buch über seinen jüdischen Bruder Jesus, daß die Ehe für einen Rabbi einfach selbstverständlich war und daß Jesu Jünger und insbesondere Jesu Gegner ihn gefragt hätten, warum er denn von diesem allgemeinen Brauch abwiche – so daß das Fehlen jedes Hinweises auf eine Ehe Jesu geradezu der Beweis für eine Ehe sei! (München 1967, S. 129).

Selbst Martin Luther ging davon aus, daß Jesus verheiratet war, „um der menschlichen Natur völlig teilhaftig zu werden“. Luther glaubte, daß Maria Magdalena die Ehefrau Jesu war. In allen Evangelien wird sie an herausragender und stets an erster Stelle der Frauen genannt. Sie ist als einzige nicht geflohen, hat Jesus nach Golgota begleitet und den Auferstandenen sah sie als erste.

Fricke schreibt:

Wenn nach kirchlicher Darstellung stets nur das Bild eines unverheirateten Jesus erscheint, so dürfte dies auf den Apostel Paulus zurückzuführen sein, der – nun in der Tat als Sonderling! – sein eigenes Junggesellendasein preist und es zum Modell eines guten Christen machen möchte.

Demhingegen ließe sich feststellen, „daß nirgendwo ein Ausspruch des Meisters erscheint, in dem er sich gegen die Sinnenfreuden der Ehe, gegen die Sexualität im allgemeinen und gegen die Sexualität der Frau im besonderen wendet“.