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Die matriarchalen Wurzeln des Christentums

8. Juni 2016

Die erste geschichtlich greifbare Frau ist Debora. Debora bedeutet „Biene“. Ein Attribut, das sie mit der kämpferischen ägyptischen Göttin Neith verbindet. Neiths Kampf galt der Unterwelt, also dem Tod und der Dürre. Wurde dies dann in die Kampflegende um die streitbare Debora umgedeutet? Debora ist die Herrin über Efraim und sie ist die Amme der Rebekka, die Jakob gebiert, welcher zu Lea und Rahel geht. (Ein Schwesterpaar wie bei Ezechiel 23 „die beiden Schwestern Samaria und Jerusalem, Töchter derselben Mutter“.)

Lea bedeutet „Wildkuh“, die kuhgestaltige Himmelskönigin Anat, die kuhgestaltige Sonnengöttin Aschera, die hebräische Form der ägyptischen kuhgestaltigen Hathor, die der griechischen kuhgestaltigen Hera entspricht. Der Richter Schamgar wird „Sohn Anats“ genannt (Ri 3,31). Ihr kultischer Partner ist „der Sohn“ Ru-Ben, der wiederum Kultheros des Stammes Ruben ist. Dieser Stamm war mit Sicherheit „schon immer“ in Kanaan seßhaft und zwar im Gebiet nordöstlich des Toten Meeres, das man später dem „Stamm“ Juda zulog. In Beth-Anat im Lande Naftali lag der Kultort der Anat. Später wurden Anat und ihr Partnergott Baal zu den Kindern des Götterpaares Aschera und El herabgesetzt.

In der Bibel hat die patriarchale Darstellung der Lea als Gattin des Jakob die Funktion, zusammen mit Jakobs zweiter Frau und den „Mägden“ (Nebenfrauen) disparate Stammesgruppen aneinanderzubinden: Rinderzüchter und Schafzüchter, Alteingesessene und Spätankömmlinge. „Einheimische“ Stämme waren: Ruben, Ascher und Gad, die in Jos 8,33 gegen „die Fremden“ abgehoben werden.

Die Einwanderung wird aber für alle Stämme unter dem von Moses geleiteten Exodus Josefs aus Ägypten subsumiert und mit der Landnahme Benjamins aus der syrischen Wüste ins Westjordanland verknüpft (Jos 2-9), obwohl in Ri 1,1-2,5 Einzugsgeschichten für jeden einzelnen Stamm vorliegen. (Man sieht, daß das Alte Testament sogar noch zusammengestückelter und noch unglaubwürdiger ist als das Neue Testament.)

Zuerst kamen die Rinderzüchter, deren ursprüngliche Herrin Lea war: Ruben, Sachar und Sebulon. Simeon, Levi, Juda, die ebenfalls genannt werden, sind neuere Zusätze, da sie, wie auch die Südstämme, die später alle unter dem Oberbegriff „Juda“ fielen, im alten Deboralied fehlen und die Zuteilung von Stammesgebieten entweder problematisch ist oder ganz fehlt. Zur Lea-Sippe kommen jene, deren Urmutter Silpa war: Gad, Ascher. Dies sind die Stämme, die um das „Goldene Kalb“ tanzten und nachträglich auf den Sinai neben den Stamm Josef gesetzt wurden.

Nach den Rinderhirten kamen die Schafzüchter. Die Opferkulte um Rinder und Schafe wurden dementsprechend verbunden: siehe Ex 29,10.15. Herrin der Schafzüchter ist die jüngere Schwester Leas, Rahel das „Mutterschaf“ (vgl. Hld 6,6), die unsterbliche Gottesmutter Manasses und Efraims, sowie Benjamins (Jer 31,15). Benjamin ist der Widder und später das „Lamm Gottes“. Rahels Kultort war das „Grabmal“ Rama, zu dem noch Saul (1012-1004) als König Benjamins pilgert (1 Sam 10,2).

Wie fern Saul dem Jahwekult stand, sieht man daran, daß er Jahwe-Priester als judäisch-davidische Agenten töten ließ (1 Sam 22,17). Einer der Klangenossen Sauls hieß Belia („Jahwe ist Baal“), seine Söhne hießen Isch-Boschet, bzw. Eschbaal („Baal lebt“) und Meribaal („Baal belohnt“). Saul tritt uns in einem dionysischen Tanz entgegen (1 Sam 10,9-12; siehe auch 19,22-24); eindeutig ein Verhalten, wie es zur Baalsreligion gehörte (vgl. 1 Kön 18,26). Alle Söhne Sauls sind gefallen (1 Sam 31,2; vgl. 14,49), sodaß sein vorgeblicher Sohn Eschbaal nicht durch patriarchale Erbfolge Sauls Nachfolger geworden sein kann.

Was ganz allgemein die Baale betrifft: Der Bundesschluß mit Jahwe zu Sichem geht auf vorisraelitische Zeit zurück, auf den dortigen Baal-Berit, dem „Herren des Bundes“ (vgl. Ri 8,33; 9,4). Andere Baale wurden dämonisiert, wie z.B. der Baal-Sebub, an den sich noch König Ahasja (852-851) um Heilung wandte. Später wurde er zum verderbenbringenden Beelzebub (2 Kön 1,2 und Mt 10,25; 12,24).

Zur Rahel-Sippe gehört auch die Gruppe der Urmutter Bilha: Naftali und Dan. Was speziell Dan angeht, erwähnt Immanuel Velikovsky in seinem Buch über Ramses II. und seine Zeit, die Velikovsky in das zeitliche Umfeld von Judas Fall ansiedelt, einen Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Nebukadnezzar, in dem verschiedene Götter angerufen werden, über die vertraglichen Bestimmungen zu wachen. In der Liste der Götter taucht u.a. die „Göttin von Dan“ auf. Dazu kommentiert Velikovsky als Argument für seinen chronologischen Umbau:

Aber in der Zeit vor der Eroberung Dans durch die Daniter, in der Zeit der Richter (in die Ramses konventionellerweise verlegt wird), wurde dieser Ort Lais genannt (Ri 18,29), und es war Jerobeam (926-907), der dort einen Tempel baute. (Frankfurt 1983, S. 66)

Velikovsky geht gar nicht darauf ein, daß der Heiligen Schrift zufolge der besagte Tempel Jahwe galt, sich nun aber herausstellt, daß die Israeliten von Dan zu einer Göttin beteten!

Moses ist der Stammesfürst des Stammes Josef, den er aus Ägypten geführt hat. (Oder ist er der matriarchale Kultheros, der den Todesgott Mot, den Pharao, in die Unterwelt verbannt und den Frühling bringt – Manna vom Himmel fallen und Quellen sprudeln ließ?) Trotzdem Josef als (vor)letzter Ankömmling der äußeren, patriarchalen Schicht der Charakterformation Israels sehr nahe kommt, sind bei Josef noch Reste spätmatriarchalen „Fruchtbarkeitsheroentums“ zu finden. Josef „gleicht dem Erstgeborenen des Stiers, in Josef wohnt die Stärke seines Gottes. Er hat die Hörner eines Büffels“ (Dtn 33,17). Desgleichen haben wir ja auch Moses als „Stier der Göttin“ kennengelernt. Moses’ Nachfolger heißt Josua, was „Retter“ bedeutet, also auch ein Anklang an den „Heros der Göttin“. Übrigens ist „Jesus“ hiervon nur eine gleichbedeutende Namensvariante.

In Gestalt von Moses’ Schwester Mirjam taucht auch schon „Maria“ auf. Neben das Deboralied gehört das Lied der Mirjam (Ex 15,21) zum ältesten Überlieferungsgut. Sie tanzt mit einer Pauke dem „Siegesreigen der Frauen“ voran. Zusammen mit ihrem Bruder Aaron soll sie sich gegen Moses aufgelehnt haben, woraufhin sie mit Aussatz bestraft wird. Jahwe vergleicht seine Strafe mit der eines Vaters, der seiner Tochter ins Gesicht spuckt (Num 12,14) – das ist der Gott des Alten Testaments.

Josef, der von Moses aus Ägypten geführt wurde, fehlt es in Kanaan am Stammesgebiet. Er wurde einfach zum Vorfahren von Manasse und Efraim erklärt und so ins Stammessystem eingepaßt. Vollends patriarchal wird es mit Levi, dem letzten Stamm, der ebenfalls kein eigenes Stammesgebiet hat. Levi ist eng mit Juda verbunden, der gar kein Stamm ist, sondern mythische Absicherung der davidischen Herrschaft.

Doch selbst Juda, der nicht zu Israel gehört, hat einen matriarchalen Aspekt. In Ezechiels Klagelied (Ez 19) über den Untergang der Könige Judas steht deren „Mutter“ im Vordergrund, die mit einer Löwin und einer Weinrebe verglichen wird. Gemeint ist Tamar. Sie ist die Palme mit dem Steinbock, der sie „besteigt“ (vgl. Hld ,8f). Das ist ein sehr bekanntes Motiv („Ziegenbock am Lebensbaum“) aus Ur in Chaldäa, der Heimat Abrahams, das jeder kennt, der sich mit der Geschichte des alten Orients beschäftigt hat.

Tamar ist die judäische Kultheroin. Davids ältester Sohn Amnon, ein Priester, liebte seine Schwester Tamar (2 Sam 13). Auch eine Enkeltochter Davids hieß Tamar (2 Sam 14,27). Die Palme, die für Tamar stand, spielte eine herausragende Rolle bei der Ausstattung des Salomonischen Tempels (1 Kön 6,29.32.35; 2 Chr 3,5 und Ez 41,18f), in dem keine Knaben sangen, wie in der Katholischen Kirche, sondern Mädchen (Klgl 1,4).

Tamar ist die Stammutter der Südstämme Kaleb, Othniel, Kain und Jerachmeel, die alle vom davidischen Kunstgebilde „Juda“ verdrängt wurden. Hebron, der Kultort des Stammes Kaleb, war erster Regierungssitz Davids. Mamre bei Hebron ist wiederum Kultort Saras, deren Kultheros der „Stammvater“ Abraham war. Gerda Weiler schreibt über diesen Komplex:

Als Heimat Abrahams wird Haran angenommen, wo auch eine „Göttin“ namens Sara bekannt ist. „Sara“ bedeutet „Königin“, wird aber auch mit „Fürstin“ wiedergegeben. Noch bis ins 11. Jahrhundert u.Z. haben sich in Haran matriarchale Kulte erhalten – im Widerspruch zu Christentum und Islam. Der Kult Saras, der Frau des Abraham, stammt aus Hebron. Dort ist ihr Grab, an das eine alte kultische Überlieferung gebunden ist. Matriarchale Kulttexte erzählen von Sara, der Priesterin oder Königin am Heiligtum in Hebron, die eines jeden Jahres Unfruchtbarkeit in der Heiligen Hochzeit überwindet. (Das Matriarchat im Alten Israel, Stuttgart 1989, S. 117f)

Sara wird neben dem Stammvater Abraham als Stammutter Israels bezeichnet (Jes 51,2). Und in der Verheißung „an Abraham“ ist gar nicht von ihm als Stammvater die Rede, sondern: „Sara soll die Mutter ganzer Völker werden, und Könige sollen von ihr abstammen“ (Gen 17,16).

Mit Sara ist die Magd Hagar verbunden, die ihren Sohn aus der Wüste führt, so wie die Göttin ihren Kultheros aus der Unterwelt. Dieser Sohn, Ismael gilt im Islam als der Stammvater der Araber.

So läßt sich alles abgrundtief Patriarchale auf matriarchale Ursprünge zurückverfolgen. Beispielsweise stellen die Horden Dschingis-Khans ein prototypisches Beispiel für die brutale Ausbreitung des Patriarchats dar. Aber selbst diese Horden lassen sich auf Urmütter im Matriarchat zurückführen. Auf 5000 Jahre alten Felsbildern aus der Mongolei kann man diese Stammütter etwa in Form von Hirschkühen sehen. Motive, die sich kontinuierlich in der mongolischen Kultur verfolgen lassen, bis heute. So wird eine Hirschkuh namens Olun-Goa als Ur-Mutter der mongolischen Sippe der Bordschigin in Verbindung gebracht, der Sippe, aus der Dschingis-Khan stammte.

Noch in Ex 38,8 und 1 Sam 2,22 dienen Frauen Jahwe. Im Alten Testament treten Weise Frauen (2 Sam 14,2), die für ganze Städte sprechen (2 Sam 20,16ff), Schamaninnen (Hexe von Endor) und Prophetinnen auf. Bei Joel 3,1 verkündet Gott, Männer und Frauen zu Propheten in Israel zu machen. Jesaja 8,3 sagt: „Als ich mit meiner Frau, der Prophetin, schlief, wurde sie schwanger und brachte einen Sohn zur Welt.“ Noch bei der Einrichtung des eigentlichen Judentums spielen Prophetinnen eine entscheidende Rolle: die Prophetin Hulda gibt ein Gutachten über das im Tempel gefundene Gesetzesbuch Mose ab (2 Kön 22,14-20 und 2 Chr 34,22), während sich Nehemia bei der Durchsetzung des Judentums gegen die Prophetin Noadja zur Wehr setzen muß (Neh 6,14).

Für die Jahwisten sind alle Feinde, „die sich um eine Götzenpriesterin scharen“ (Jes 66,17). Schon das Alte Testament ruft zur Hexenverfolgung auf (Ez 13,17-23); Frauen im Volke, die „nach ihrem eigenen Gutdünken prophezeien“ und magische Hexenpraktiken ausführen, wird das göttliche Strafgericht angedroht.

Die Geschichte der Dirne Rahab, die eine bedeutende Rolle bei der israelitischen Landnahme spielt (Jos 2,1-21; 6,22-25), zeigt, daß schon im Alten Testament Dirnen Gott näher stehen, als andere Menschen – lange vor Jesus (Hebr 11,31 und Jak 2,25). Prostitution genoß hohe Wertschätzung; über sie wurde ganz unbefangen berichtet (z.B. Ri 16,1). Was mag sich ursprünglich hinter der Geschichte der Tamar verbergen, die Juda verführte, indem sie sich als Prostituierte ausgab? (Gen 38). Jiftach, ein Held der Richterzeit, „war der Sohn einer Prostituierten“ (Ri 11,1), wie ja auch Jesus. Vollends merkwürdig wird es, wenn dem einzigen originären Propheten des Nordreichs, Hosea (etwa 750-722 v.Chr.), von Gott befohlen wird eine Prostituierte zu ehelichen. Im Buch Hosea gilt dann diese Ehe als Gleichnis für die tragische Liebesgeschichte zwischen Jahwe und der Hure Israel, die sich den Baalen hingibt.

Doch das Volk „hurte“ weiter und bekannte sich zu alten matriarchalen Religionsformen. In dem betreffenden Bekenntnis Jer 44,17f ist auch von den Königen die Rede. Die Fruchtbarkeitskulte waren so verbreitet, daß die Könige aus staatspolitischen Gründen diese Kulte tolerierten, wenn sie nicht selbst, wie noch Saul, an ihnen teilhatten. Deshalb kommen die Könige in der Bibel fast durchweg schlecht weg. Asa von Juda (908-868) war einer der wenigen Könige, der von der Bibel nicht kritisiert wird. Er beseitigte die matriarchale Opposition und ging dabei soweit, ein ungeheuerliches Sakrileg zu begehen, nämlich seine Großmutter, die Königsmutter Maacha, abzusetzten, „weil sie ein verabscheuungswürdiges Götzenbild der Göttin Aschera aufgestellt hatte“ (1 Kön 15,13). So emanzipierten sich die Könige gegenüber den Königsmüttern langsam mit Hilfe eines patriarchalen Kults: „Steig von deinem Thron herunter (…) du feine Dame“ (Jes 47,1).

Asas Nachfolger Joschafat (868-847) sandte die Leviten aus, das Volk im Gesetz Jahwes zu unterweisen (2 Chr 17,7). Diese Missionierung zeigt, daß der patriarchale Glauben kein Volksglauben war, sondern Herrschaftsinstrument (siehe auch 2 Chr 19,4 im Vergleich mit 20,33). Joschafat war ein gottgefälliger Mann.

Ahab von Israel (871-852) ist demgegenüber für die Bibel der Inbegriff des heidnischen Bösewichts – bis hin zu Melvilles Moby Dick. Ahab heiratete Isebel, deren Namensvetterin noch im Neuen Testament Offb 2,20-23 auftaucht, sich als Prophetin ausgibt und zur Unzucht verführt, wofür Christus in seiner großen Güte u.a. ihre Kinder töten will. Ahab heiratete also Isebel und stellte für sie ein Bild der Göttin Aschera auf (1 Kön 16,32f). Zu dieser Zeit nutzte der Prophet Elija eine Dürre aus, um 850 Priester der Fruchtbarkeitsgötter Aschera und Baal abschlachten zu lassen (1 Kön 18). Dieser patriarchale Ausrottungszug wurde in die Vergangenheit projiziert: die Leviten schlachten dreitausend ihrer „Söhne, Brüder und Freunde“ ab, weil sie das Goldene Kalb anbeteten (Ex 32)), später diente er wiederum als Muster für die legendäre Gestalt des Daniel-Buches (2.Jahrhundert v.Chr.), der im babylonischen Exil Frauen und Kinder der Baal-Priester (Bel) umbringen läßt (kath Dan 14; Einheitsübersetzung DanZ C,1-22). In Wirklichkeit ereigneten sich all diese Greuel zur Zeit Isebels.

Nach Ahabs Tod wurden sein Sohn Ahasja und dessen Sohn Joram (852-845) Könige unter der Königsmutter Isebel. Königin Isebel leitet den (heidnischen) Staatskult, sie läßt Elija verfolgen und sie führt die Staatsgeschäfte, wobei sie das königliche Siegel benutzt – angeblich „verbotenerweise“ (1 Kön 21,8). Elijas Nachfolger Elischa salbte daraufhin den Oberst Jehu (845-818) aus Jorams Armee zum neuen König, der den rechtmäßigen König umbrachte. Die nachfolgende bestialische Ermordung der Könismutter Isebel wird von der Bibel in allen Einzelheiten genußvoll geschildert. Dies war der Anfang eines wahren Blutrausches, in dessen Verlauf 70 Söhne und Enkel Ahabs geköpft und ihre Köpfe in zwei Haufen vor dem Stadttor aufgestapelt wurden. Auch alle restlichen Mitglieder der Königsfamilie wurden umgebracht, desgleichen alle hohen Beamten, Ratgeber und Priester des Königs. Nachdem Jehu auch die 42 Verwandten des judäischen Königs Ahasja (den er bereits zusammen mit Joram) getötet hatte, ging Jehu daran, die Verehrer Baals systematisch auszurotten. Wie er dies getan hat (er berief als vorgeblicher Baalsanhänger ein großes Opferfest für Baal ein, um ausnahmslos aller Baalspriester habhaft zu werden) ist ein Paradestück der Emotionellen Pest und ein Vorbild, an dem sich z.B. die Eroberer Südamerikas orientiert haben (2 Kön 10,18-27).

Inzwischen hatte in Juda die Königsmutter Atalja, eine Tochter Ahabs, die Macht auch offiziell übernommen. Vorher sei „dieses schändliche Weib“ (2 Chr 24,7) Ahasjas Beraterin gewesen, die ihn dazu verleitet habe, dem schlechten Vorbild Ahabs zu folgen (2 Chr 22,3). Jedenfalls ließ sie alle Angehörigen der Familie umbringen. Nur der kleine Sohn Ahasjas, Joasch (840-801) konnte dem Gericht entkommen und im Tempel Jahwes versteckt werden. Nach sieben Jahren wurde Atalja von den Priestern Jahwes gestürzt und hingerichtet. Joasch wurde König und den Baalspriestern von Juda ging es an den Kragen. Bezeichnenderweise wurde die Mutter von Joasch Zibja nun nicht zur Königsmutter. Nicht sie, sondern der Levit Jojuda hatte den bei seiner Inthronisation siebenjährigen König erzogen. Statt der Königsmutter regierten jetzt die Leviten. Doch selbst Joasch sollte doch noch zum Astarte-Anhänger werden, um schließlich von treugebliebenen Jahwe-Anhängern erschlagen zu werden.

Als Israel 722 fiel, wurden noch immer „auf jeder höheren Erhebung und unter jedem größeren Baum geweihte Steinmale und Pfähle aufgestellt“ (2 Kön 17,10). Sogar „das Bild der Göttin Aschera in Samaria blieb unangetastet“ (2 Kön 13,6). Zur gleichen Zeit mußte Judas König Hiskija (725-697) noch immer „Opferstätten rings im Land zerstören, die geweihten Steinmale in Stücke schlagen und das Götzenbild der Aschera umstürzen“ (2 Kön 18,4).

Unter König Joschija (639-609) schließlich gewann Jahwe ganz. Er befahl

den Tempel des Herrn von den Spuren des Götzendieners zu säubern. Er ließ alle Geräte und Einrichtungen, die für den Gott Baal, die Göttin Aschera und die Gestirngötter bestimmt waren, aus der Stadt bringen und im Kidrontal verbrennen. (2 Kön 23,4)

Dazu gehörte auch „das Götzenbild der Aschera im Tempel des Herrn“ (2 Kön 23,6). „Außerdem ließ er die Häuser der Prostituierten abreißen, die im Tempelbezirk gestanden hatten. Dort hatten die Frauen Gewänder für die Göttin Aschera gewebt“ (2 Kön 23,7). Zu diesem Vernichtungswerk gehörte auch die Entweihung von Altären im Osten von Jerusalem, die Salomo für Astarte hat bauen lassen. Außerdem ließ der König ihre „Priester auf den Altären abschlachten“ (2 Kön 23,20). Aber Joschija gab sich nicht damit zufrieden nur Jerusalem und Juda zu reinigen, sondern „auch in den Städten der Stämme Manasse, Efraim, Simeon und bis nach Naftali durchsuchte er die Häuser“ (2 Chr 34,6), also im Gebiet des untergegangenen Israel.

Israel war der Himmelskönigin verhältnismäßig treuer geblieben als das kriegerische Juda, das Israel immer wieder bedrängte. Juda folgte zunehmend den Leviten. So entsprach im regenarmen Südland Juda (Ri 1,15) die geographische Wüste der Emotionalen Wüste. Doch erst mit dem Untergang Judas begann sich das ganz zu entwickeln, was man als voll ausgebildete patriarchalische Religion bezeichnen kann. Es fing mit der Durchsetzung der Mosaischen Gesetze unter König Joschija an. Alles wird der Vergeltung unterworfen; es kommen die Gesetze, die das gesamte Leben in ein Korsett pressen.

Die matriarchale Bindung (Heidentum) war zerbrochen und wurde durch eine Bindung an das patriarchale Gesetz ersetzt (Rabbiner sehen es lieber mit dem Wort „Wegweisung“ ins Deutsche übersetzt). Eigentliche Begründer des Judentums waren im babylonischen Exil Ezechiel, der „Vater des Judentums“, der am Ritual und Tempelkult interessiert war, und Esra, der als „Zweiter Moses“ (Neh 8,1) das Deuteronomium verlas und Juda den Namen Israel gab. Erst Esra ist der eigentliche Anfang des Monotheismus. Die Pharisäer sahen Esra als den Begründer ihrer Bewegung. Es setzt sich unter Nehemia und Esra eine feste Theokratie durch, wie sie sich in den Büchern Haggai, Sacharja und Maleachi widerspiegelt. Sacharja war der letzte Prophet, während Maleachi Wortführer der Priesterkaste war (vgl. Mal 3,8) und so Ahnherr der Sadduzäer.

Wir haben gesehen, wie zählebig das Matriarchat im alten Israel war. Selbst die beginnende jüdischer Orthodoxie konnte diese matriarchale Überlieferungskette nicht unterbrechen. Noch zur Zeit des Heiligen Hieronymus im 4 Jahrhundert n.Ch. versammelten sich in der Nähe von Betlehem (!) Frauen, um den blutigen Tod des Adonis zu beweinen, des Geliebten der Aphrodite. Adonis ist identisch mit Tammuz, dem „Liebling der Frauen“ (Dan 11,37). Der Hain von Betlehem, in dem die Felshöhle der Geburt Christi lag, war dem Adonis geweiht. Die Geburtshöhle entsprach nach alten Kulten dem gebärenden Mutterleib der großen Göttin.

Der ganze Wiedergeburtsmythos des Christentums ist zweifellos auf spätmatriarchale Ursprünge zurückzuführen, die es dem Christentum ermöglicht haben sich in den Randgebieten Saharasias problemlos einzunisten. Sei dies bei den Griechen mit ihren Mysterienkulten oder bei den Germanen, deren Siegfriedlegende sozusagen einen Übergang vom Christus des Fruchtbarkeitskultes (Überwindung der unfruchtbaren Jahreszeit) zum Christus aus Reichs Christusmord darstellt. Es würde sich lohnen, unter diesem Gesichtspunkt Richard Wagners Ring etwas genauer zu betrachten.

Die Ungewißheit um den Vater Jesu entspricht einem alten kultischen Muster des Orients: Gilgamesch, Sargon, etc. kannten alle ihren Vater nicht. Es war Tradition, daß junge Mädchen vor der Hochzeit als Tempelprostituierte im Ischtartempel dienen mußten. Ihr erstgeborener wurde als Kind Gottes betrachtet – daß gegebenenfalls geopfert (z.B. gekreuzigt), sozusagen zurückgegeben werden mußte. Der Psalm 22, den Jesus am Kreuz angestimmt hat, geht mit Sicherheit auf altorientalische Kultgesänge um die Himmelskönigin und ihren Fruchtbarkeitsheros zurück. Er wird nach der Melodie „Eine Hirschkuh am Morgen“ gespielt, was auf eine tiergestaltige Urmutter verweist.

Das Christentum steht in einer Kontinuität, die ständig geleugnet wird, obwohl erst diese „heidnische“ Kontinuität das Christentum, das gerne als hellenistisch-jüdischer Synkretismus denunziert wird, auf feste dogmatische Grundlagen stellt. Nehmen wir nur die Ankündigung der Christusgestalt bei Sacharja, „die Klage um den Durchbohrten“. In der Endzeit wird Gott die Bewohner Jerusalems mit Reue erfüllen, „weil sie meinen Beauftragten durchbohrt haben“ (vgl. Joh 19,37).

Sie werden um ihn trauern, wie man um den einzigen Sohn trauert, sie werden weinen und klagen wie um einen Erstgeborenen. Die Klage Jerusalems um ihn wird so groß sein wie die Klage um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo. (Sach 12,10f).

Dazu gibt die Einheitsübersetzung den Kommentar, Hadad-Rimmon sei der phönizische Gott der Vegetation (griechisch Adonis), „dessen ‘Sterben’ im Herbst rituell beweint (vgl. Ez 8,14) und dessen Auferstehung jedes Frühjahr gefeiert wird. Mit Megiddo verbunden ist auch der Tod des bedeutenden Königs Joschija, der noch spät in Klageliedern besungen wird (2 Chr 35,20-25).“ Hier fließen spätmatriarchaler Fruchtbarkeitskult vom sterbenden und auferstehenden Gott, altisraelitische Königsideologie und christlicher Mythos in eins. Der Menschensohn ist Adonis und Adonis ist Adonai und Adonai ist Jahwe – und Jahwe ist identisch mit dem Menschensohn Jesus.

Das Christentum ist demnach so etwas wie ein Urjudentum. Fast die gesamte Jesusliteratur leidet darunter, daß man vermeint ins rabbinische Judentum zurückzukehren, wenn man auf die Ursprünge Jesu zurückginge. Dabei vergißt man, daß neben dem Christentum nur rein zufällig eine weitere Tradition des Judentums den Fall des Tempels überlebt hat und daß das talmudische Rabbinertum nur eine Strömung von vielen im Judentum repräsentiert.

Ein heutiger Jude mag die Einzelheiten des Alten Testaments besser einordnen können als ein Christ, aber das übergreifende Verborgene des Textes versteht ein Christ sicherlich besser. Es ist tatsächlich der Schlüssel zu Jesus, aber nicht in dem Sinne, wie es uns von mit Schuldkomplexen beladene Theologen weismachen wollen.

Zum Beispiel wird von solchen Autoren, die aus Jesus einen pharisäischen Rabbiner (der sich nur mit seinen apokalyptischen Anwandlungen etwas von den anderen abhob) machen wollen, Jesus vollkommen unrabbinisches Verhalten gegenüber Frauen nie erwähnt. Wenn das Weib in der Gemeinde unmittelbar nach Jesu Tod wie im Judentum keine Rolle spielte, warum verlangt dann der judäische Ex-Pharisäer Paulus ausdrücklich, daß das Weib in der Gemeinde zu schweigen habe? (1 Kor 14,33f). Es war der einzige Judäer unter den ansonsten galiläischen Jüngern Jesu, der feindselig reagierte, als Frauen Jesus Liebe entgegenbrachten (Joh 12,1-8).

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Die bio-historischen Grundlagen des Christentums (Teil 3)

29. Februar 2016

Insbesondere zur Stadt Jerusalem hat Jahwe eine hocherotische Beziehung voll galliger Eifersucht. Städte waren überhaupt etwas Weibliches und manche trugen als Ehrentitel „Mutter in Israel“. Damit war wohl die Göttin gemeint, denen die Städte ursprünglich geweiht waren. Die alte Bezeichnung für Jerusalem war „Salem“ (Gen 14,18; Ps 76,3), was Abendstern bedeutet und auf Aschera verweist, die kanaanitische Entsprechung der Aphrodite, bzw. der Venus. Salem war der jebusitische Heros der Göttin, der Sohn der Aschera, der Priesterkönig der Stadt. Noch die Söhne Davids, der die alte jebusitische Stadt erobert und zu seiner Residenz gemacht hatte, wurden nach Salem Absalom und Salomo benannt.

Im Zuge der voranschreitenden Patriarchalisierung des Nahen Ostens hatte Aschera aber schon vor der Machtübernahme ihre Herrschaft an ihren Partner, den Gott El Eljon, den „Allerhöchsten“ abgeben müssen, der später einfach mit Jahwe gleichgesetzt wurde. El Eljons jebusitischer Priesterkönig war der sagenhafte Melchisedek und nach der Eroberung wurde David selbst Priester „nach der Ordnung Melchisedeks“, wobei sich Tempel und Opferkult auch fürderhin so gut wie gar nicht vom alten kanaanitischen Kult unterschieden. Ja offenbar wurde sogar der Brauch der Heiligen Hochzeit beibehalten. Jedenfalls wird von einer Bettgenossin des alten Davids berichtet, die ihn angeblich nur warmhalten sollte.

Man suchte im ganzen Land nach einem schönen Mädchen, und die Wahl fiel auf Abischag aus Schunem. Sie war außerordentlich schön. Man brachte sie zum König, und sie wurde seine Pflegerin. Aber der König hatte keinen Verkehr mit ihr. (1 Kön 1,3f)

Dieses Mädchen ist höchstwahrscheinlich identisch mit der Schulammit, die Bezeichnung oder der Name eines Mädchens aus dem Kulttext des heiligen Geschlechtsverkehrs, dem Hohelied (7,1). Den Sinn der betreffenden Strophe hat man nämlich Reclams Bibellexikon zufolge auf die Schunemiterin Abischag bezogen. Daß die Heilige Hochzeit vollzogen wurde, ist auch daraus ersichtlich, daß Abischag später mit dem Königsthron gleichgesetzt wurde (1 Kön 2,22) – als Vertreterin der Göttin auf Erden vergab sie den Thron!

Man sieht wie sehr der ganze Jerusalem-Mythos von matriarchalen Elementen durchwoben ist. Rückblickend besteht so eine enge Beziehung zwischen der Christusfigur und der Göttin aus der später El Eljons Gattin, Jahwes „Tochter Zion“ und schließlich „Maria“ wurde. Wenn Jesus, der „aus dem Hause Davids“ stammt, später im Hebräerbrief (7) mit Melchisedek gleichgesetzt wird – entpuppt sich Jesus Christus letztendlich als Priester der Aschera, als Heros der Himmelskönigin.

Im Christentum entwickelte sich der um Jahwes Tochter Zion gruppierte Vorstellungskomplex weiter zu Maria als „Mutter der Kirche“. Wenn in Offb 12,1-6 die Himmelsjungfrau das Himmelskind gebiert, wird dies traditionell auf Maria gedeutet, die Christus zur Welt bringt. Ursprünglich war aber wohl nicht Maria, sondern nach altisraelitischer Tradition Jerusalem gemeint. Die Kontinuität zwischen der Tochter Zion und der „Mutter Gottes“ ist auch daraus ersichtlich, daß die Heilsbotschaft für Jerusalem Zef 3,14-18 sich fast wörtlich in der an Maria gerichteten Verkündigung der Geburt Jesu in Lk 1,28-31 wiederfindet.

Auch später wurde Maria immer konsequent mit einstmals heidnischen Kultplätzen in Zusammenhang gebracht. Es waren kraftgeladene Orte, wie der Berg Zion, die der Göttin geweiht waren. Hier spürte der matriarchale Mensch sie, die kosmische Energie. Gerda Weiler schreibt dazu:

Wenn die ehemaligen matriarchalen Heiligtümer von christlichen Kirchen überbaut werden, sehen wir Marienkathedralen entstehen – ein Zugeständnis an den matriarchalen Ursprung des kraftgeladenen Ortes. Wenn Maria an diesen Heiligtümern „Wunder“ tut und Kranke heilt, wirkt der vergessene matriarchale Kultort, entfalten sich Kräfte, zu denen das matriarchale Bewußtsein einen direkten Zugang gehabt hat. (Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 315)

Man kann in dem ganzen Kampf der jahwistischen Propheten einen verzweifelten Verdrängungsversuch gegen die Orgonenergie sehen. Wenn sie gegen den „Götzendienst“ auftreten, dann doch letztlich gegen die Kraft, die diese Fetische auflud. Und dort wo tatsächlich Jahwe selbst als Statue dargestellt wird (!), ist es eine Frau, die Mutter Michas, von der die Initiative dazu ausging (Ri 17-18). Demgegenüber ist es bezeichnend, daß im Katholizismus mit seiner Rückkehr zum Konzept der „Gottesmutter“ und der Bilder- und Reliquienverehrung eine gewisse „Rückbesinnung auf die Orgonenergie“ zu konstatieren ist. So spricht z.B. der berühmte katholische Theologe Romano Guardini vom „strömenden Weltpneuma“.

Dieser Zusammenhang mag Reich u.a. dazu bewogen haben, in seinem Interview mit Kurt Eissler zu bekennen:

Während Freud im Judentum befangen war, war ich frei davon. Ich sympathisierte eher mit der christlichen Gedankenwelt und dem Katholizismus. Nicht, daß ich sie gutheiße oder daran glaube. Ich glaube nicht an diese Dinge. Aber ich verstehe sie gut. Die Christen haben die tiefste Perspektive, die Kosmische. Der amerikanische Jude hat sie auch, aber nicht der Europäer. (…) die Geschichte des Christentums interessiert mich sehr. (…) Christus (…) kannte die Lebensenergie.

Ilse Ollendorff berichtet, daß Reich ohne religiöse Feierlichkeit beerdigt werden wollte; „nur die Schallplatte mit Schuberts Ave Maria, von Marian Anderson gesungen, sollte abgespielt werden“ (Wilhelm Reich, München 1975, S. 201).

Man vergleiche nur die „Reden zum Sabbat“ mit den „Reden zum Sonntag“ im Radio und Fernsehen, um zu sehen, daß das rabbinische Judentum, um mit Reich zu reden,

auf den ausschließlich „menschlichen“ Bereich beschränkt ist. Es ist diese Beschränkung auf rein menschliche Angelegenheiten, eine Folge der Panzerung, die dafür verantwortlich ist, daß der Mensch keinen Kontakt mit dem Universum bekam (…)(Christusmord, Freiburg 1978, S. 68).

Der Katholizismus hat im Gegensatz zum irgendwie „rabbinischen“ Protestantismus diese „außermenschliche“, kosmische Perspektive. Dies mag auch der Grund dafür sein, warum so viele wirklich große Menschen zum Katholizismus übergetreten sind.

Reformer wie die Leviten, Propheten und christlichen Reformatoren wiederholen die alte dürre, patriarchale Leier, sich nicht an die Dinge dieser Welt z verlieren, so wie es die „fetischistischen“ Alten vor ihnen leider getan hätten. Man soll festumrissenes Eigentum des unfaßbaren „ganz anderen Du“, Eigentum Gottes bleiben, sich nicht verlieren, nicht loslassen. Die ewige Angst, von der Großen Mutter wieder verschlungen zu werden – die Geschichte von Religion und Philosophie als Geschichte einer Fallangst, als Geschichte der Orgasmusangst.

Die „Entzauberung“ der Welt bleibt das Grundthema der Aufklärung von den Leviten und Propheten abwärts. Jesus steht nicht für diese Entfremdung. Um dies ganz erfassen zu können, ist die Beschäftigung mit der Marienverehrung von solch großer Bedeutung. Erst sie bringt einen Wesenszug der jesuanischen Botschaft voll zum tragen, der in jeder nackten Christologie zu kurz kommt. Walter Grundmann beschreibt diesen besagten Wesenszug wie folgt:

Nicht Jesus „bringt“ das Reich – eine Vorstellung, die Jesus selbst ganz fremd ist – sondern das Reich bringt ihn mit. Daß Jesus das Reich bringt, ist eine Vorstellung der Christen. (Jesus von Nazareth, Göttingen 1975, S. 69)

Naturgemäß bringt Maria Jesus, nicht Jesus Maria. Welch ein perverser patriarchaler Horror, wenn Christus vom Himmel steigt und sich seine Mutter aussucht! Aber genau diesen naturfeindlichen (= frauenfeindlichen) Aspekt kann die Christologie schnell annehmen.

Jesus steht in einer matriarchalen Tradition, was sich in der späteren Geschichte des Christentums eindeutig an der Marienverehrung gezeigt hat. Und was Maria in den Evangelien anbetrifft, schreibt Ernst E. Vardiman in seinem Buch über Die Frau in der Antike (Düsseldorf 1982):

Die Evangelisten haben die Person Jesus idealisiert, damit er ja nicht anderen Menschen gleich erscheine. Rätselhaft bleibt, warum sie die Gestalt seiner Mutter und die Liebe der Mutter zum Sohn nicht auch idealisierten. Maria wird sehr selten erwähnt und oft – ganz entgegen der späteren Tradition – mit all ihren Unzulänglichkeiten gezeichnet. Liegen hier Tendenzen vor, gegen die Verehrung der Muttergöttin, die bei den Heidenvölkern in Galiläa seit Jahrhunderten verwurzelt war, anzukämpfen? (Hervorhebungen hinzugefügt)

Die Befreiungsbewegung der Pharisäer

12. März 2015

Warum wurde Jesus von den Pharisäern abgelehnt? Und warum ist er umgekehrt den Pharisäern derartig hart entgegengetreten? Kurz gesagt ging es um das Wesen des Judentums. Ging es um das Land, den Tempel, die wortwörtliche Einhaltung der mosaischen Gesetze, die wortwörtliche Erfüllung der Prophezeiungen über die „Befreiung“ Israels oder ging es um den humanitären Geist des Judentums? Die Pharisäer beteten, daß die „Ungläubigen“, insbesondere die Römer, von Gott unterworfen und Jerusalem zu einer Art neuem „Rom“ erklärt würde, dem die Nichtjuden Tribut zahlen müßten. Jesus antwortete darauf, daß die Pharisäer damit genauso empfanden wie die römischen Barbaren um sie herum, sie dergestalt also Gott aus ihren Herzen verbannt und seine Botschaft zerstört hätten und daß sie, wenn sie nicht ihm, dem Gesandten Gottes folgen würden, Gott sie und die gesamte jüdische Nation den Feinden, d.h. Satan (Rom) überantworten werde. Sie hätten sich mit dieser wörtlichen und materialistischen Auslegung der prophetischen Überlieferung von Gott getrennt und müßten jetzt die Konsequenzen davon tragen, daß sie ihre eigenen Wurzeln gekappt hätten. Das ist dann auch im Jahre 70 geschehen. Israel wurde restlos zerstört, der Tempel in Schutt und Asche gelegt – tatsächlich war die ganze Erde in Aufruhr. Man denke nur an den Untergang Pompejis 79! Das war die Apokalypse, die Jesus für seine Generation vorausgesagt hatte und die Johannes im allegorischen Stil der jüdischen Überlieferung beschrieben hat. Nero war der Antichrist, das Tier 666, Jerusalem war die Hure Babylon, die sich mit dem Blut der Propheten, der Apostel und Christi besäuft. Seit dem Unterhang Jerusalems sitzt Jesus zur Rechten Gottes und die Kirche ist das neue spirituelle Israel, das die humanitäre Botschaft Gottes frei von allen nationalen und ethnischen Begrenzungen über den gesamten Globus verkündet. Wir leben demnach in dem „Tausendjährigen Reich“, in dem Jesus über die Erde herrscht, das christliche Äon, in dem der Löwe (der römische Staat) und das Lamm (Israel, d.h. die Kirche Christi) friedlich koexistieren.

Ein Gutteil der Christen, insbesondere fundamentalistische Christen in Amerika, hängen heute den gleichen Glaubensvorstellungen an, die einst Jesus bei den Pharisäern angeprangert hatte. Die Pharisäer konnten nicht glauben, daß Jesus der Messias sei, denn all das materielle Tschingderassabum, das für das Kommen und das Wirken des Messias prophezeit worden sei, wäre ausgeblieben, statt dessen wurden sie mit Parabeln abgespeist. Er war nicht in den Wolken im Glorienschein erschienen, sondern nur als armseliger Wanderprediger. Genauso können heute die Christen nicht glauben, daß sich die Offenbarung bereits erfüllt hat, denn wo sei beispielsweise die Auferstehung der Toten? (So als wäre Christus nicht die Auferstehung der Gläubigen!) Ohne atomares Weltinferno a la Hollywood gibt es für diese „Christen“ keine Apokalypse! Jesus wirft den Pharisäern vor, daß sie das Goldene Kalb sehen wollen, eine große Show der nationalen Erweckung, einen „Messias“ als nationalen Superhelden, als Befreier, als Führer a la Mussolini, Stalin oder Hitler. Und deshalb werde sie am Jüngsten Tag, d.h. im Jahre 70 das gleiche Schicksal ereilen wie einst ihre Vorfahren am Berg Sinai.

Und du ERKENNST Gott. Du willst nicht glauben, daß es so etwas gibt: Gott NICHT zu erkennen oder gar, es nicht zu wagen, Gott zu erkennen. Es war der kranke, gottverlassene und vertrocknete Mensch, der das Märchen erfunden hat, man dürfe Gott nicht ansehen, erkennen, fühlen, leben. So versetzten sich die Menschen in die Lage, daß sie auf mühselige Art – bloß aufgrund von Gerüchten, Erwartungen und Hoffnungen – das suchen müssen, was sie einst so leichtfertig aufgegeben hatten. Es war auch das Volk, das Moses zwang, strenge Gesetze gegen die Verehrung des goldenen Kalbes, gegen das Essen von Schweinefleisch und für das Waschen der Hände vor den Mahlzeiten zu erlassen. Das alles war deshalb notwendig geworden, weil sie mit dem Verlust Gottes in sich auch ihren ERSTEN Sinn verloren hatten und anfingen, das Gold zu verehren.

Und das werden die Schriftgelehrten und Pharisäer Christus nie vergeben, das ist es, was sie dazu zwingt, ihn zu töten: Daß er seinem Volk sagte, wo der Ozean ist, während sie, die Gelehrten, weiter in ihren Büchern danach suchten und kleine Wasserbecken bauten, in denen sie mit Rudern herumstocherten, um einen Scheinozean zu haben.

Christus wagt es, ihnen die Tiefe des Ozeans zu zeigen. Und deswegen muß er sterben. Die Pharisäer von damals sind weder besser noch schlechter als die Genetiker, Bakteriologen, Pathologen und Marxologen von heute, was ihre Haltung dem Leben gegenüber betrifft. Über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg werden sie sich zusammenschließen, um Christus zu töten, ihren gemeinsamen Feind, der ihre entsetzlichen Ausflüchte angeprangert hat. Sie werden ihn töten, weil er den Leuten gesagt hat, wo sie das Leben finden können: in ihren eigenen Seelen, in ihrem Innern, in ihren Neugeborenen, in den angenehmen Gefühlen, die ihre Lenden während der sexuellen Umarmung durchströmen, in ihrer glühenden Stirn beim Denken, in ihren der lebensspendenden Sonne entgegengestreckten Gliedern. Sie werden ihn wegen all dem töten, weil er es nicht in talmudische Bücher vergrub. (Christusmord, Freiburg 1978, 169f)

Statt sich der lebendigen Wirklichkeit inner- und außerhalb ihrer selbst zuzuwenden, d.h. Gott in den unschuldigen Kindern und der aktuellen Bedrohung durch die Römer, würden sie sich haltlosen Spekulationen und Träumereien von nationaler Größe hingeben, die von der Wirklichkeit wegführen und zwangsläufig in die Katastrophe führen müssen. Aber Jesus und seine Botschaft würden schließlich triumphieren, wenn die alte jüdische Welt untergegangen sei – im Sinne der Botschaft, d.h. als ein Ereignis der Neugeburt im Inneren jedes einzelnen.

Reich mußte sich bei der Lektüre des Neuen Testaments in seine Zeit versetzt fühlen, in der die „Befreiungsbewegungen“ zu den sowjetischen Fünfjahresplänen und „vaterländischen Schlachten“ geführt hatten, während die Massen innerlich toter waren als jemals zuvor. Ähnlich den Pharisäern vor ihnen hatten die „Marxologen“ auf das Materielle, die nationale Glorie („proletarisches Vaterland“) und bloßes Buchwissen gesetzt und Christus‘, d.h. Reichs, Versuche ignoriert, das Ruder doch noch rumzureißen. Der neue „Untergang Jerusalems“ sollte der Fall der Mauer 1989 sein.

Und wieder werden die Pharisäer aufjohlen, wie man denn Jesus mit Reich gleichsetzen könne und die Heilsgeschichte mit der Entwicklung des Bolschewismus oder gar den Untergang des Kommunismus mit der Apokalypse. Doch es ist wieder der gleiche Denkfehler: die Unfähigkeit das Einfache, das Lebendige, das Unspektakuläre, das Alltägliche, das Bioenergetische zu sehen. Es ist die strukturelle Unfähigkeit Reichs Buch Christusmord, das Gedankenfeld, das es umreißt, auch nur annähernd zu erfassen.

jesusreich

PEGIDA: Zeige Respekt für den Islam, indem Du ihn studierst

21. Dezember 2014

In den letzten Tagen haben die Berufslügner, Vertreter der sogenannten „Zivilgesellschaft“, im Klartext Räte, irgendwelche „Zentralräte“ von Religionsgemeinschaft, die niemand demokratisch gewählt hat, und schließlich unsere Volkszertreter PEGIDA davor gewarnt, „Stimmung gegen Muslime“ zu machen. Es sei ungeheuerlich eine Religionsgemeinschaft anzugreifen. Das Gutmenschentum fordert Respekt, zeigt dabei aber selbst die ultimative Respektlosigkeit: man hat sich ganz offensichtlich gar nicht mit dem Islam beschäftigt!

Reich war einer der wenigen, die Hitlers Mein Kampf wirklich gelesen und ernstgenommen haben. Den Koran auf gleiche Weise zu entschlüsseln, ist so gut wie unmöglich. Nur eine Übersetzung zu lesen, bringt so gut wie nichts. Und wer will schon all die größtenteils gar nicht in europäische Sprachen übersetzten Kommentare durchgehen, die eine sinnvolle Lektüre erst möglich machen? Robert Spencer hat uns diese Arbeit abgenommen und ermöglicht so eine Massenpsychologie des Faschismus des 21. Jahrhunderts.

Siehe seinen ins Deutsche übersetzten ausführlichen Kommentar Sure für Sure. Dabei geht es nicht darum, was dieser oder jener Imam oder Islamwissenschaftler sagt, sondern was die Tradition sagt und wie die Tradition gewichtet.

Ein unrühmliches Bespiel für eine willkürliche Exegese ist Obamas berühmte Rede in Kairo 2009, die Amerika mit der islamischen Welt versöhnen sollte. Europa war unisono begeistert! Weil er das moralisch unvergleichbare gleichgesetzt hat, etwa Sklaverei und die Apartheid mit dem Schicksal der „Palästinenser“ oder die Unterdrückung der Frauen in der islamischen Welt mit dem Kampf der Feministinnen in den USA. Der Höhepunkt der Anbiederung ist wohl folgende Stelle:

Der Heilige Koran lehrt, daß wenn jemand einen Unschuldigen tötet, es so ist, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und der Heilige Koran sagt auch, wenn jemand einen Menschen rettet, ist es so, als habe er die ganze Menschheit gerettet. Der fortdauernde Glaube von mehr als einer Milliarde Menschen ist so viel größer als der engstirnige Haß einiger weniger.

Islamische Apologeten lieben diese Koran-Stelle. Sie ist ohnehin so gut wie die einzige, die zitierbar ist. Tatsächlich stammt dieser Satz ursprünglich aus dem jüdischen Bibelkommentar Mischna (aus dem sich wiederum der Talmud ableitet). Außerdem folgt im Koran unmittelbar das Gegenteil. Im Zusammenhang geht es in dem betreffenden Abschnitt der 5. Sure zunächst um die Geschichte von Kain und Abel – und führt nahtlos zu einem Aufruf zum Terror gegen die Juden:

30. Doch sein Sinn trieb ihn, seinen Bruder zu töten; also erschlug er ihn und ward der Verlorenen einer.
31. Da sandte Allah einen Raben, der auf dem Boden scharrte, daß Er ihm zeige, wie er den Leichnam seines Bruders verbergen könne. Er sprach: «Weh mir! Bin ich nicht einmal imstande, wie dieser Rabe zu sein und den Leichnam meines Bruders zu verbergen?» Und da wurde er reuig.
32. Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels verordnet, daß wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für (Mord) an einem andern oder für Gewalttat im Land -, so soll es sein, als hatte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen zu ihnen [den Juden] mit deutlichen Zeichen; dennoch, selbst nach diesem, begehen viele von ihnen Ausschreitungen im Land.
33. Der Lohn derer, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und Unordnung im Lande zu erregen trachten, wäre der, daß sie getötet oder gekreuzigt werden sollten oder daß ihnen Hände und Füße abgeschlagen werden sollten für den Ungehorsam oder daß sie aus dem Lande vertrieben würden. Das würde eine Schmach für sie sein in dieser Welt; und im Jenseits wird ihnen schwere Strafe;
34. Außer Jenen, die bereuen, noch ehe ihr sie in eurer Gewalt habt. So wisset, daß Allah allvergebend, barmherzig ist.

Aber unsere ungebildeten Pseudointellektuellen, unsere „Kulturelite“, ist entsetzt, wenn der „tumbe Populist“ Geert Wilders Mohammeds Koran mit Hitlers Mein Kampf gleichsetzt!

Wie in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie dargestellt, haben deutsche Sozialdemokraten und Linksintelligenzler sich ganz besonders dabei hervorgetan, das Ende des rotfaschistischen Imperiums zu hintertreiben. (Man denke nur an das skandalöse Verhalten der SPD, insbesondere von Willy Brandt, gegenüber Solidarność!) Heute richten die gleichen Leute alle ihre Anstrengungen auf eine Verhinderung einer entsprechenden grundlegenden Umgestaltung des Mittleren Ostens, dem Zentrum Saharasias. Sei es durch die Politik von George W. Bush oder sei es durch christliche Missionare, die diese „Aufgeklärten“ abgrundtief hassen und verachten, während sie für die islamischen Gotteskrieger nur Verständnis aufbringen, insbesondere wenn sie die christlichen Missionare töten. (Man lese in diesem Link insbesondere die Leserbriefe!)

Sie, die „Aufgeklärten“, „liberal Gesinnten“ und „Progressiven“, solidarisieren sich wieder mit den reaktionärsten, menschenverachtendsten, lebensfeindlichsten Regimen, die man sich überhaupt denken kann. Die panische Angst der Linken vor Bewegung, ihr abgrundtiefer Haß auf das Lebendige ist greifbar: „Frieden“.

Die Reaktion dieser Leute, dieser Gruppierungen, auf die Demokratie-Bewegung im Iran ist bezeichnend und rundet das Bild ab. Sie stellen sich nicht nur durch ihr auffallend unsolidarisches, passives Verhalten, sondern teilweise ganz offen auf die Seite der Mullahs! Man erinnere sich nur an Jürgen Trettin:

Er war Minister unter Schröder, der nun als dickster Kumpel der iranischen Machthaber auftritt. Unter acht Jahren rot-grün ist NICHTS, aber auch nichts geschehen, um von offizieller Seite iranische Oppositionelle zu unterstützen.

Die Linken sind sowas von moralisch bankrott! Verfault bis ins Mark. Stinkende Zombies:

Zu sagen, das ganze linksreaktionäre Gutmenschenpack bestehe zum großen Teil aus abgewrackten Antisemiten, wäre so neu wie die Behauptung, daß tote Fische stinken. Sie haben es zahllose Male bewiesen und sie beweisen es jedes Mal aufs Neue: Die Palästinenser gehen ihnen am Arsch vorbei, ebenso wie die Armenier in der Türkei, die Baha’i im Iran, die Kurden im Irak. Es sei denn, für die Not der Palästinenser sind die Juden mitverantwortlich. Dann geraten sie außer sich, demonstrieren, hyperventilieren und lassen den antisemitischen Schweinehund von der kurzen Leine. Tote Seelen, die für einen Moment zum Leben erwachen, um gleich danach wieder in den Schlaf der Selbstgerechten zu fallen.

Aber bei der nächsten Intifada werden sie wieder mit von der Partie sein. Solidarisch auf der Seite der unterdrückten Palästinenser. Von Berlin, Freiburg, Köln, Dortmund und Kassel aus.

Was für ein Gesindel.

Bei den Wahlen in den Niederlanden kann Geert Wilders’ Partei PVV immer wieder große Erfolge einheimsen. Das niederländische Volk wehrt sich gegen die erneute Okkupation des Landes. Dieser Befreiungskampf begann 2003 als die 10 Jahren zuvor aus Somalia eingewanderte Ayaan Hirsi Ali ins Parlament der Niederlande gewählt wurde. Sie hatte sich von der sozialdemokratischen Partei getrennt und wurde Mitglied der liberalkonservativen VVD, da sie bei den Sozialdemokraten nicht mit ihrer Botschaft durchkam, daß Ausländer (insbesondere Moslems) sich gefälligst an unsere Leitkultur anzupassen haben, was die Rechte von Frauen und Kindern betrifft. Endgültig Schluß mit der falschen, multikulturellen „Toleranz“: keine Beschneidung, keine „gottgewollten“ Züchtigungen, keine Zwangsheiraten, keine Kopftücher, keine Morde wegen der „Ehre“, keine straflosen Vergewaltigungen durch männliche Verwandte. Für Sozialdemokraten sind diese Themen tabu. 2006 wurde sie im Anschluß an eine vom „sozialdemokratischen“ (kommunistischen) Gesindel inszenierten Intrige aus der EUdSSR bzw. Eurabia nach Amerika vertrieben, dem letzten Hort der Vernunft und des Widerstandes gegen den Faschismus auf diesem Planeten…

Ja, der religiöse Fundamentalismus und insbesondere die Apokalyptik sind grundsätzlich verdammenswert. Und das nicht nur bei durchgeknallten Christen in Amerika, sondern auch bei Hindus, Lamaisten, Juden, etc. Aber nehmen wir mal den Buddhismus:

Wie ich schon im Vorwort zu meiner vernichtenden Kritik am Buddhismus (ja, ich nehme mir heraus eine Religion zu kritisieren!) sagte, ist dieser aus gesellschaftspolitischer Sicht harmlos. Europa steht vor der realen Gefahr einer Islamisierung, warum soll ich mich da groß um den Dalai Lama kümmern? Er ist eine Bastion gegen Islam und Kommunismus in Innerasien.

Ich habe nichts dagegen, daß der Westen einst mit dem Kommunismus paktierte, um den Nationalsozialismus in die Jauchegrube zurückzudrängen, aus der er gestiegen war. Ich finde es richtig, daß die Amerikaner sich des Islam bedienten, um den Kalten Krieg zu gewinnen. Und heute habe ich nichts dagegen, wenn man den religiös-faschistischen Nationalismus etwa in Israel und in Indien mobilisiert, um den Islam in seine Schranken zu weisen.

Auch sehe ich nicht (trotz apokalyptischen Atombomben in den Händen dieser Leute), daß fundamentalistische Christen, Juden, Hindus und Lamaisten auf die gleiche Ebene gestellt werden können wie die Islamisten. Auch wenn das weltverbesserische Atheisten a la John Lennon (die eben doch einer Religion anhängen, dem „Humanismus“) das anders sehen: Religionen sind ziemlich harmlose Neurosen (bzw. Psychosen) mit vereinzelten Ausbrüchen an Emotioneller Pest. Der Islam hingegen ist die Emotionelle Pest!

Das können einige aus eigener Anschauung bestätigen. Eine Familie türkischer Islamisten im Mehrfamilienhaus ist wirklich ein Traum: absolut angenehme, ruhige, zuvorkommende, freundliche Menschen. Bilden die türkischen Familien aber erst einmal die Mehrheit im Haus, wird es für die christliche Minderheit zu einem unerträglichen Alptraum. Und so überall und auf jeder Ebene. Die einzelnen Muslime sind wunderbare Menschen, aber der Islam ist wirklich eine Pest, die es auszurotten gilt.

Wie macht man das? Indem man Allah erniedrigt und als impotenten Götzen entlarvt etwa durch Rückeroberung einst freier Gebiete, die Errichtung des dritten Tempels in Jerusalem, die massenhafte Ausweisung gläubiger Moslems aus Europa oder indem man die stolzen Iraner daran erinnert, daß sie nichts mit diesem ekelhaften „Glauben“ der Araber gemein haben. Das hat alles etwas mit Nationalismus, wenn nicht sogar Rassismus, zu tun, den ich aus tiefsten Herzen hasse – aber es ist Krieg. Eins kommt nach dem anderen – und man muß vielleicht auch mit seinen Todfeinden paktieren. Es ist eine Frage des Überlebens des freien Westens. (Aber auch der ist letztlich unser Todfeind! Es geht um die Kinder der Zukunft, d.h.: ungepanzertes Leben muß möglich werden.)

Funktionelle Geschichtsbetrachtung am Beispiel der Bibel

8. Dezember 2011

In der Analyse des gepanzerten Organismus der Menschheit ist es wie in den Diagrammen aus Reichs Charakteranalyse: der ursprüngliche Impuls und seine Abwehr: die Geschichte, eine einzige Charakterneurose.

Diese Spaltung findet man z.B. in der später konstruierten Geschichte des Exodus wieder, wo die Wüstenwanderer auf die orgiastische Festgemeinde Aarons treffen. Dies entspricht der Ablehnung des enthemmenden Weingenusses durch die Wüstennomaden (Jer 35,6), entsprechend dem Alkoholverbot im Islam, während zum Kult im altkanaanitischen Jerusalem der rituelle Weinkonsum gehörte (Jer 35,2).

Hinter dieser Angst vor Enthemmung steckt ein tieferer Sinn. Ganz allgemein kann man von zwei Etappen in der Verankerung des Patriarchats sprechen. Im ersten „Ansturm aus der Wüste“ bricht das matriarchale Sozialgefüge zusammen und es kommt zu einer allgemeinen Pervertierung der Triebe, mit orgiastischen Fruchtbarkeitsriten, Tempelprostitution, etc. Zwangsläufig erhebt die Ethik ihr Haupt: neue Nomaden mit „hoher Ethik“ beschneiden die sekundären Triebe. Ähnlich wie heute in unseren Bahnhofsvierteln, wo die Türken mit ihrem Islam auf ein entmenschtes Sodom und Gomorra treffen.

Die Nomaden aus der arabischen Wüste trugen den Mondgott El an die phönizisch-kanaanitische Mittelmeerküste, wo er zum Hauptgott wurde. Auf El (Al) geht der moslemische Gott Allah zurück. Daher auch die Mondsichel als Zeichen des Islam. Ri 8,21 berichtet von den „goldenen Halbmonden“, die als Amulette an den Hälsen der Kamele der Midianiter hingen. Manche meinen, die Midianiter hätten Jahwe verehrt und diesen Gott nach Israel gebracht. Immanuel Velikovsky behauptet, die Midianiter stammten aus Medina. Bei Moses heißt der Hohepriester der Midianiter Jethro, was an Jathrib erinnert, den zweiten arabischen Namen der Stadt. Heute ist Medina die zweite heilige Stadt des Islam.

Israel, das heute gemeinhin als Prototyp einer patriarchalen Gesellschaft gilt („die Patriarchen des Alten Testaments“), ist eine charakterneurotische Mischung aus patriarchalen El-Stämmen mit in Kanaan ansässigen Ascher-Stämmen: Ascher-El = Israel. Der Mondgott El und die Sonnengöttin Aschera gingen eine Ehe ein – und gebaren, um mit Am 5,2 zu reden, „die Jungfrau Israel“. Ascher ist der irdische Heros der Göttin Aschera, der König des Stammes Ascher, „der noch jetzt mitten unter den Kanaanitern lebt“ (Ri 1,32).

So spiegelt schon der Name Israels die unheilvolle Zwiespältigkeit wider, der die gesamte spätere Geschichte Israels prägen sollte. Die Spaltung in der jüdischen Geschichte setzt sich fort mit der zwischen Juda und Israel, Sadduzäern und Pharisäern, Karäern und Talmudisten, bis hin zu den sephardischen Juden, die sich als reinrassige Judäer empfinden, und die, wie einst die Judäer auf das Nordreich, nun auf die „nordischen“ Juden herabblicken. Während Israel prächtige Paläste baute, errichtete Juda immer neue Festungen (Hos 8,14). „Noch“ heute gibt es in Israel die mehr aschkenasischen Zionisten, denen es um jüdisches Leben und geistige Tradition geht und rechte, meist sephardische Zionisten, denen um Land und militärische Macht zu tun ist.

In diesem aggressiven Sinne betrachtet man traditionell die alten israelitischen Stämme als patriarchale Nomadenstämme, die aus den Randgebieten der Wüste kommend, über die friedlichen kanaanitischen Matriarchate herfielen. Doch kann z.B. bei der Geschichte um Jakob, Lea und Rahel mit den festen Brunnen, um die sich seßhafte ViehzüchterInnen und AckerbäuerInnen gruppieren, kaum von patriarchalen Nomadenstämmen die Rede sein. Und Max Weber hat aus dem mit Sicherheit ältesten Teil der Bibel, „Deboras Siegeslied“ (Ri 5) historisch erschließen wollen, daß die ja (im Gegensatz zu den Griechen) durch und durch demokratisch verfaßten Hebräer nie ein Wüstenvolk waren, sondern eidgenössisch organisierte Bergstämme auf den damals noch dichtbewaldeten Hügelketten Palästinas. Im Deboralied wird beschrieben, wie sich freie israelitische Bergstämme als Fußkämpfer gegen die Unterwerfungsversuche der wagenkämpfenden despotischen Städte der Kanaaniter und Philister wehrten. Ein Muster für Israels spätere ständige Auseinandersetzung mit den „orientalischen Despotien“.

Die ursprünglichen israelitischen Stämme in Kanaan wurden vielleicht genauso unterdrückt von Vasallen der Ägypter wie der Stamm Josef in Ägypten selbst (Gen 49,14f). Später war es umgekehrt und die Kanaaniter mußten Fronarbeit für die Israeliten leisten (Ri 1,28ff). Die Unterdrückung der Israeliten dauerte an, bis Debora kam, „die Mutter Israels“ (Ri 5,7). Sie führt eine Reihe stolzer Frauen an, an erster Stelle Jael, die den feindlichen Heerführer der gegen Debora kämpfenden Kanaaniter tötete. So ist Israels frühe Geschichte voll von Matriarchinnen, Heerführerinnen, Hirtinnen, Richterinnen und Prophetinnen. Wie selbstverständlich wird neben Moses und Aaron, Mirjam unter die Führer des Volkes gezählt (Mi 6,4). Im späteren Judentum findet Debora ihre Fortführung in den beiden großen Retterinnen des Volkes Judit („Jüdin“) und Ester („Ischtar“).

Daß die vorgeblichen Matriarchate Kanaans genausowenig „gut“ waren wie die Eindringlinge „böse“, zeigt die Haltung der als letzte eindringenden Schafhirten. Ihr Vertreter ist der Hirte und Prophet Amos mit seiner donnernden Verurteilung „reicher Frauen“:

Hört, ihr Frauen von Samaria, rundlich und schön wie Baschans Kühe! Ihr unterdrückt die Schwachen und schindet die armen Leute. Ihr sagt zu euren Männern: „Los, schafft uns zu trinken herbei!“ (Am 4,1)

Will man diese verwirrende Verschränkung von matriarchalen und patriarchalen Aspekten verstehen, muß man sich charakteranalytisch von oben nach unten durch die verschiedenen Panzerungsschichten hindurcharbeiten. Dies wäre dann der eigentliche Beginn der Geschichtswissenschaft, die selbstverständlich erst mit der Orgonomie beginnt. Wie in der Charakteranalyse müßten wir uns

  1. von der Gegenwart in die Vergangenheit,
  2. von „oben“ (den Überlieferungen) nach „unten“ (den archäologischen Befunden),
  3. von der patriarchalen Peripherie zum matriarchalen Kern vorarbeiten.

Der Garten Eden (Teil 2)

27. Juli 2011

Was beim Jahwisten die Vertreibung aus dem Paradies ist, ist in der Priesterschrift die Sintflut. Hier sieht sich Gott zum Eingreifen genötigt, weil die „Gottessöhne“ mit den „Menschentöchtern“ schliefen (Gen6,1f). Die Erbsünde (Röm 5,12) scheint deshalb wohl auch schon für den Jahwisten selbst ein sexueller Akt gewesen zu sein – Reich hat also streng exegetisch doch recht mit seiner Analyse in Christusmord! Das Essen vom Baum der Erkenntnis war nichts anderes als ein „Besteigen der Palme“. Wie der Adam im Hohelied 7,8-10 frohlockt:

Schlank wie eine Dattelpalme ist dein Wuchs, und deine Brüste gleichen ihren vollen Rispen. Auf die Palme will ich steigen, ihre süßen Früchte pflücken, will mich freuen an deinen Brüsten, welche reifen Trauben gleichen. Deinen Atem will ich trinken, der wie frische Äpfel duftet, mich an deinem Mund berauschen, denn er schmeckt wie edler Wein…

Nach dem matriarchalen Paradies sollte man in der Bibel weniger bei der Genesis suchen, als vielmehr beim Hohelied. Wie in Gen 3 ist hier sehr viel von Heiligen Bäumen die Rede (ein matriarchales Kultelement), aber im Gegensatz zu Gen 3 treten hier nur Schwester, Bruder und Mutter auf, der Vater fehlt vollkommen. Bezeichnenderweise ist dieses matriarchale Idyll, das wir mitten in der Bibel finden, fast vollständig der patriarchalen Sexualverdrängung zum Opfer gefallen.

Nach dem Talmud ist die Geliebte im Hohelied als „die Weisung“ zu interpretieren.

Im Lehrhaus Raw Anans wurde gelehrt: Was bedeutet es, daß geschrieben steht: „Die Wölbung deiner Hüften“? Warum werden die Worte der Weisungen mit einer Hüfte verglichen? Um dir zu sagen: Wie eine Hüfte verborgen ist, so sollen auch die Worte der Weisung verborgen sein.

Raw legte aus: Was bedeutet es, daß geschrieben steht: „Wie schön sind deine Schritte in den Schuhen, du Tochter eines Edlen“? Wie schön sind die Schritte Israels zur Zeit, da sie hinaufziehen zum Wallfahrtsfest. (Eva M. Borer: Der Adam und Eva Report, München 1986, S. 170)

Die im Gegensatz zum Judentum überhaupt nicht profanen Christen haben das Hohelied zu einem spirituellen Drama zwischen der Seele und Gott verkitscht und sind so auf verzerrte Weise zum ursprünglichen sexuellen Gehalt zurückgekehrt. Bei den Christen erinnert das ganze sehr an die erotisch-spirituelle Geschichte der Hindus über „Krischna und die Gopis“.

Gerda Weiler betrachtet das Hohelied

als einen Kulttext, der zur Feier der Heiligen Hochzeit in Jerusalem benutzt worden ist. Zerstückelt und aus seinem Zusammenhang gebracht, ist das Lied seines ursprünglichen Sinnes beraubt worden und wirkt wie eine Sammlung lose hingewürfelter Fragmente. (…) Im Hohelied wird die Wiederkehr des Jünglingsgottes gefeiert, des Sohnes der Himmelskönigin, der sterbend in die Unterwelt eingegangen ist, von der Göttin beweint und betrauert. Sie hat ihn aus der Gewalt des Todes befreit und feiert nun mit ihm und dem ganzen Volk die Wiederkehr des Lebens, des Frühlings und der Liebe. (Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 270)

Nach Weiler sieht der Kultgesang ursprünglich wie folgt aus:

  1. Akt: Hld 8,13; 6,10; 1,5f; 5,9a; 5,10-15; 1,7f; 8,1f; 6,1f; 6,11-12a; 3,1f; 5,7; 3,4; 5,2-5a; 5,6b; 5,5b-6c; 3,3; 5,8; 5,9b.
  2. Akt: Hdl 4,8 („meine Braut“ streichen!); 8,5; 3,6-11; 8,5b-7; 8,66.
  3. Akt: 2,10-14; 7,1-6; 2,17; 1,9-14; 2,1-3; 4,12-5,1; 4,9-11; 2,16; 6,4-9; 4,1-5; 4,7; 7,11; 7,7-10; 5,16; 2,8f; 7,12-14; 1,2-4; 1,16f; 2,6f; 3,5; 8,4. (ebd., S. 276-302)

Die Heilige Hochzeit war eine der letzten Restbestände des Matriarchats. Ein Überbleibsel, das zunehmend zur Tempelprostitution (inkl. männliche Prostitution von Kastraten) und in Richtung sexueller Perversionen zerfiel. Als Reaktion auf den von ihm selbst erzeugten Zerfallsprozeß mußte das Patriarchat die Heilige Hochzeit schließlich ganz verdrängen, wollte es nicht im allgemeinen Chaos untergehen. Das Hohelied wurde zerstückelt und auf Biegen und Brechen uminterpretiert. Das gleiche geschah mit der Paradiesgeschichte der Genesis.

Trotzdem können wir, wie Weiler gezeigt hat, noch manches rekonstruieren. In den Worten des Mädchens Hld 8,5 haben wir sicherlich die ursprünglichen Worte Evas an Adam unter dem Baum der Erkenntnis vor uns: „Hier unterm Apfelbaum habe ich dich aufgeweckt, wo deine Mutter dich empfing und wo sie dich gebar.“ Es ist der radikale Gegenentwurf zu Jahwes Auftritt im Garten Eden. Das weitere finden wir im Gilgamesch-Epos, wo der Urmensch Enkidu von einer Tempelprostituierten verführt wird, was ihn erst auf die Ebene des wirklichen Menschseins hebt:

Schwach ward er, und es war nicht wie zuvor, doch nun hatte er Wissen, er begriff. Umkehrend sank er zu der Dirne Füßen, erhob zu ihrem Antlitz seine Augen und hörte auf die Worte, die sie sprach. Es hob die Dirne an zu Enkidu: Klug bist du nun, Enkidu, wie ein Gott!

Beim abschließenden Samenerguß erstirbt der Fruchtbarkeitheros. Es sei an Gen 3,3 erinnert, wo Gott sagt, man müsse sterben, wenn man vom Baum der Erkenntnis esse. Der Orgasmus als „Kleiner Tod“.

Vom Baum der Erkenntnis essen, bedeutet in der Heiligen Hochzeit von der irdischen Vertretung der Himmelskönigin initiiert zu werden. So ist denn auch der Garten Eden „ursprünglich der Heilige Hain der Himmelskönigin, wo die Priesterin mit dem für den Kult erwählten Mann das Fest der Heiligen Hochzeit feiert“ (Weiler, S. 276).

Manche Forscher glauben, der Garten Eden war einst ein Heiliger Hain auf dem Berg Zion bei Jerusalem (ebd., S. 69). Wo Eva als Göttin verehrt wurde? Dann war der „für den Kult erwählte Mann“, Adam ursprünglich niemand anderer als der König der Jebusiter, der Stadtfürst von Jerusalem. Adam war einst Abdi-Heba, der „Knecht Evas“ – so lautete der Titel der besagten Stadtfürsten von Jerusalem als irdischer Kultträger, bzw. Heros der Himmelskönigin. Nachdem David die Jebusiterstadt Jerusalem erobert hatte, ohne die Jebusiter ganz vertreiben zu können (1 Chr 11,4ff rückversetzt in Jos 15,63), übernahm er mit dem Priester Melchisedek (der im Hebräerbrief mit Christus identifiziert wird) auch Teile des jebusitischen Kults, der bald darauf so jahwisiert wurde, daß er verzerrt als Adam und Eva-Geschichte in die Bibel aufgenommen werden konnte (vgl. Weiler, S. 117f).

Diese Zusammenhänge erklären m.E. auch, warum der Jude den Namen seines Gottes Jahwe unter keinen Umständen aussprechen darf. Zwar durfte man nach Ex 23,13 auch die Namen der „anderen Götter“ nicht aussprechen, aber das Tabu, welches auf dem Namen Jahwe lag, war wirklich zentral und absolut. Durfte man den Namen des Gottes, dessen Heiligtum in Jerusalem lag, deshalb nicht aussprechen, weil er zu leicht an die ursprüngliche Form Jehwa, d.h. an die ehemalige Stadtgöttin Eva erinnerte? Zum Stichwort Jehwa (Hawwa, Heba, Hebe, Eva, Eve) schreibt Heide Göttner-Abendroth:

palästinensische Erd- und Liebesgöttin mit Phallusschlange (Jam) und Apfelgartenparadies; ihr Brudergatte und Heros ist Abdiheba (Adam); Hauptkultort: Jerusalem; Jehwas Vorläuferin ist die sumerische Liebesgöttin Iahu in Taubengestalt; ihre Parallelen sind die zyprische Aphrodite, die griechische Hera-Hebe, die keltische Morrigain, die germanische Freyja-Iduna; sie wurde vom jüdischen Vatergott entthront, der ihren Namen als Jehova übernahm. (Die Göttin und ihr Heros, S. 245)

In Hos 7,11f spricht Jahwe: „Efraim [was für das gesamte Zehn-Stämme-Reich Israel steht (Hos 4,17; Jes 7,2)] ist dumm wie eine Taube… Wenn er so weitermacht, spanne ich mein Netz aus und fange den Vogel.“ Ist dies vielleicht eine Erinnerung an die alte Stammesgöttin, bzw. die Urmutter des Stammes, die mit der Jebusiter identisch war? Natürlich sei hier auch an die Taube bei Jesu Taufe erinnert, an den Heiligen Geist, an die Kirche = Maria = Iahu.