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Historische Vorworte zur niederländischen Ausgabe von „Die Sexualität im Kulturkampf“ (Teil 1)

8. Juni 2018

Einführung [von Robert (Berlin)]

Es gelang mir nach langer Zeit, jemanden zu finden, der des Holländischen mächtig ist und bereit war, die zwei holländischen Vorworte ins Deutsche zu übersetzen. Die Vorworte sind allenfalls von historischer Bedeutung und bringen keine neuen Erkenntnisse. Die erste Ausgabe des Buches mit dem Vorwort von Max von Prag, „Sexualiteit En Nieuwe Cultuur“ erschien 1939 bei Uitgeverij voor Sociale Psychologie [dt. Verlag für Sozialpsychologie], Rotterdam. Es stellt die Übersetzung von Die Sexualität im Kulturkampf, 1936, dar. Eine weitere, von Reich nicht genehmigte Neuauflage erschien dann 1949, mit einem weiteren, hier mitübersetzten Vorwort von Jacques Rees.

 

EINLEITUNG

Ich werde gerne die Bitte erfüllen, ein kurzes Vorwort zu diesem Buch zu schreiben. Es ist keine leichte Aufgabe, Dr. Wilhelm Reichs Ideen in Ihren Leserkreis zu bringen. Ein großer Teil der frei-sozialistischen Bewegung steht mit Befremden, ja sogar abweisend den zwei Gedankengängen, aus denen Reichs Ansichten und Einsichten gewachsen sind, gegenüber. Diese beiden Gedankengänge sind der Marxismus oder, im weiteren Sinne, der dialektische Materialismus und die Psychoanalyse. Die große und dauerhafte Bedeutung von Reichs Werk ist die brillante Kombination marxistischer und psychoanalytischer Einsichten. Gerade durch diese Kombination entstand ein breiteres, tieferes und umfassenderes Verständnis der Probleme von Menschen und Gesellschaft; deshalb kollidierte Reich zwangsläufig mit den orthodoxen Marxisten und mit den orthodoxen Psychoanalytikern. In beiden Lagern geistig verwurzelt, prüft er marxistische Einsichten über die Psychoanalyse und psychoanalytische Einsichten über den Marxismus; er wuchs über beides hinaus und dies wurde der Anfang von etwas Neuem. Und das Neue ist vielversprechend; es öffnet weite Horizonte, es zeigt neue Möglichkeiten. Aber die übergroße Mehrheit der Arbeiter sehen diese Einsicht mit Befremden, stehen ihr misstrauisch, feindselig, ängstlich und abstoßend gegenüber. Diese neue Einsicht ist jedoch für alle unverzichtbar, die sich für die Befreiung der Arbeiter aus der kapitalistischen Sklaverei einsetzen. Deshalb begrüßen wir die Übersetzung dieses Buches durch Reich sehr und hoffen, dass diese Lektüre zu einem allmähligen Sieg über den Widerstand gegen seine Ideen führen wird.

Neue Erkenntnisse werden nicht im Sturm erobert, nicht sofort und nicht auf einfache Weise. Man muss sich dafür anstrengen. Obwohl faszinierend und klar geschrieben, ist die Arbeit von Reich keine leichte Literatur; sie muss eher studiert als gelesen werden. Was aber in erster Linie erforderlich ist, ist die Erkenntnis, dass für eine neue Erkenntnis eine neue Methode dringend benötigt wird. Wer mit der aktuellen Situation zufrieden ist, wer glaubt, dass die traditionelle sozialistische Weisheit ausreicht, wer nicht glaubt, dass die sozialistische Bewegung als Ganzes in eine Sackgasse geraten ist, wie soll man die Kraft finden solch neue Erkenntnisse zu erobern? Erst eine bestehende tiefe, innere, nagende und schmerzhafte Unzufriedenheit mit dem, was uns traditionellen Sozialisten, egal ob sie sich Partei-Sozialisten oder Frei-Sozialisten nennen, täglich gibt, macht uns fit zu einer neuen Erkenntnis zu kommen. Dieses Buch ist in erster Linie für solche Leser bestimmt, und für diese wage ich ausdrücklich zu sagen, dass sie nicht enttäuscht sein werden.

Neue Einsichten entstehen meist aus tiefer Entzauberung. Dies ist auch bei Reich der Fall. Die deutsche sozialistische Bewegung wurde vom Faschismus ausgelöscht, und das konnte passieren, weil die deutschen Massen der Nachkriegszeit hinter dem Faschismus standen. Der traditionelle Sozialismus hatte erwartet unter dem Druck des Elends der Nachkriegszeit einen großen Zustrom zur sozialistischen Bewegung zu bekommen; stattdessen gab es eine stürmische Massenbewegung gegen den Sozialismus, eine Massenbewegung gegen den Sozialismus, die ihre Anhänger tief in die proletarischen Linien fand. Diese schockierende Tatsache veranlasste Reich, sich zu fragen: „Wie kann es sein, dass sich die Massen nicht von der alten Welt trennen können, dass sie Parolen und Anführern folgen, der Antithese zu ihren wesentlichen Interessen?“ Seine marxistischen Einsichten ließen ihn erwarten, dass sich die Ideen der Arbeiter in einem sozialistischen Sinn wandelten. Aber diese sozialistische Umgestaltung kam nicht zustande; die völlig neuen Wirtschaftsbeziehungen schrien nach einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Aber wo ist die sozialistische Ideologie? Was bindet die Arbeiter dann an der alten Welt, was hält sie in der bürgerlichen Ideologie, obwohl sie durch diese Ideologie materielles und geistiges Leiden erleiden müssen und schließlich zugrunde gehen müssen? Ist denn diese bürgerliche Ideologie so unbeweglich verwurzelt, dass die Arbeiterklasse in den grausamen Tod des anstehenden Weltkrieges läuft, wie ein verängstigtes Pferd in den brennenden Stall läuft?

Die orthodoxe marxistische Antwort auf diese Fragen nämlich, dass die Umstände den Menschen schließlich verändern würden, konnte Reich nicht mehr befriedigen. Nicht dass Reich an der verwandelnden Macht der Umstände gezweifelt hätte; dafür war er zu tief in die marxistische Welt des Denkens eingedrungen, aber er erkannte, dass es tiefe Kräfte in der Seele der Arbeiter gab, die der Umwandlung ihres Denkens und Fühlens entgegenwirkten. Diese Hemmungen in der Seele der Arbeiter mussten gefunden und beseitigt werden. Wirtschaftliche und politische Einsichten können hier nicht helfen; hier musste die Lösung von der Seite der Psychologie kommen, und gerade, weil Dr. Wilhelm Reich neben Marxismus und Politik auch Psychologe von der Schule der Psychoanalyse war, konnte er diese Lösung finden.

Allerhand wirtschaftliche und politischen Meinungen und Einsichten über die Entwicklung der sozialen Verhältnisse sind allmählich in einem großen Teil der Arbeiterklasse verinnerlicht worden. Durch zahllose Bücher und Broschüren wurde in vielen kostenlosen Kursbesprechungen marxistischer Sozialwissenschaft zu den Arbeitern gebracht. Die klassenbewussten Arbeiter sind in diesem Bereich mehr oder weniger zuhause; zumindest sind sie mit vielen Konzepten und Denkformen vertraut, die in diesem Bereich üblich sind. Bei der noch so jungen Psychologie ist es ganz anders. Marx und Engels legten den Grundstein der sozialistischen Wirtschaft und sozialistischer Doktrin, die von Anfang an scharf im Gegensatz zu der Zivilgesellschaft und Wirtschaftsansichten standen. Die Ansichten der bürgerlichen und sozialistischen Gesellschaft waren fortan immer noch scharf und unvereinbar. Die sozialistischen Einsichten von Marx und Engels haben sich jedoch teilweise aus den bürgerlichen Erkenntnissen ihrer Zeit entwickelt und sind weit darüber hinausgewachsen.

Solch ein Prozess vollzieht sich heute auf dem Gebiet der Psychologie. Eine sozialistische Psychologie steht vor der Tür; sie befreit sich mühsam von den Fesseln bürgerlicher Ansichten. Dieser Prozess findet jedoch vollständig außerhalb der großen Mehrheit der Arbeiterklasse statt. Dies kann auch nicht sein, denn dafür braucht man ein tiefgehendes Wissen der bürgerlichen Psychologie und dieses Wissen gehört natürlich nur einigen Theoretikern. Dr. Wilhelm Reich ist sicherlich der wichtigste dieser Theoretiker, obwohl er glücklicherweise nicht der einzige ist. Die Erkenntnisse von Alfred Adler und seiner Schule sind auch in dieser Hinsicht von großem Wert.

Je mehr sich die sozialistische Psychologie entwickelt, desto schärfer wird ihr Gegensatz zur bürgerlichen Wissenschaft, aus der sie stammt. Die Sozialisten von heute stehen vor der Aufgabe, die sozialistische Psychologie zu stärken und zu vertiefen, sie gegen bürgerliche Psychologen zu verteidigen und die sozialistische Psychologie unter die Arbeiter zu bringen. Letzteres ist am schwierigsten. Die Leute wollen nichts über die Psychologie wissen, sie denken, das ist nur eine Frage des bürgerlichen Verhaltens und beurteilt, dass alle Psychologie nur vom Befreiungskampf abhält. Und doch ist ohne diese Psychologie die Befreiung der Arbeiter unmöglich.

Die Bücher von Reich sind klar geschrieben; trotzdem sind sie für all diejenigen, die auf dem Gebiet der psychologischen Wissenschaft Fremde sind, sehr schwer zu lesen. Seine Bücher setzen ein ziemlich großes Wissen über psychologische und sogar biologische und sexologische Aspekte voraus, will man wenigstens das Wesentliche verstehen. Das vorliegende Buch gehört zu seinen populäreren Schriften, ist aber für den ungebildeten Leser nicht ganz einfach. Der Bedarf nach populärer und einfacher psychologischer Erziehung der Arbeiter brennt trotz Reichs Schriften weiter.

Es versteht sich von selbst, dass es in diesem Vorwort völlig unmöglich ist zu erklären, wie sich die sozialistische Psychologie aus Freuds bürgerlicher Schule entwickelt hat und wo sie mit der offiziellen Psychoanalyse unvereinbar geworden ist. Nur auf einen Punkt, den Wichtigsten, wollen wir hier hinweisen.

Seit Freud wissen wir, dass die überwiegende Teil unserer Seele außerhalb unseres Bewusstseins liegt und das doch diese unbewussten Kräfte in uns, unser bewusstes Denken stark beeinflussen und sehr oft unser Verhalten bestimmen. Wir wissen, dass der Mensch für den größten Teil ein irrationales Wesen ist. Das heißt, dass er nicht aus vernünftigen, rationalen Motiven handelt, sondern getrieben wird durch unverstandene, unbewusste Gefühle, die stärker sind als sein Verstand. Diese unbewussten Kräfte zwingen unseren Verstand in eine bestimmten Richtung zu gehen, sie verhindern ihn in eine andere Richtung zu gehen, und führen oft zu Taten, die wir nicht wollten, die diagonal gegenüber unseren rationalen Einsichten stehen, und die wir dennoch tun, unwiderstehlich angetrieben durch diese inneren Kräfte unseres Unbewussten. Die neuere Tiefenpsychologie aber befasst sich mit der Erforschung dieser unbewussten Triebkräfte menschlichen Verhaltens. Diese unbewussten Antriebskräfte sind mit dem Wort ‘treiben‘ (driften) bezeichnet. Wir hoffen, dass der Leser nun aber nicht oh-jetzt-reicht-es-mir-das-Gesicht zieht, denn wie bekannt und vertraut ihm das Wort ‘treiben‘ aus der Literatur und Umgangssprache auch sein mag, Einsicht in der Art und Funktion dieses ‘treiben‘ hat er darum noch nicht.

Die Probleme und Gegensätze zwischen den modernen Psychologen drehen sich alle um die Frage der Art und Funktion menschlicher Triebe. Bürgerliche Psychologen sehen das Unbewusste des Menschen als einen Komplex wilder, egozentrischer, sadistisch-blutrünstiger, herrsch- und habsüchtiger Triebe. Alle diese Triebe sind durch die Kultur aus dem Bewusstsein ins Unbewusste verdrängt worden. Da aber liegen sie weiterhin als abscheuliche Raubtiere auf der Lauer, bereit um bei der erstbesten Gelegenheit auszubrechen. In seinem tiefsten Innern wäre der Mensch ein furchtbar grausames, aggressives, egozentrisches und asoziales Wesen. Je mehr sich die Kultur entwickelt, desto schärfer wird der Kontrast zwischen der unterdrückten natürlichen Person und dem bewussten Kulturmenschen. Und immer wieder wird es Zeiten geben, in denen der unterdrückte prähistorische Mensch die Staudämme der Kultur durchbricht und eine wüste Mord- und Vernichtungsorgie auslebt. In dieser Denkweise werden der ewige Frieden und die Brüderlichkeit unter den Menschen zu einem törichten Traum von schlaffen Idealisten, die es nicht wagen, der Realität in die Augen zu schauen.

Diese bürgerliche Sicht auf die Menschheit ist nichts anderes als die Projektion des gegenwärtigen individualistischen Menschen in der Vergangenheit. Der Urmensch wird bei Freud und seinen Gefolgsleuten zu einer Art von Haaren überwachsenen Manchester-Liberalen. Weniger wissenschaftlich gesehen findet man diese Auffassung bis tief in die Arbeiterklasse hinein. Der Mensch ist einfach ein Egoist; mit ihm ist nichts anzufangen; jeder Versuch, ihn in ein sanftes, soziales und vernünftiges Wesen zu verwandeln, ist nutzlos, weil die Natur nicht erzwungen werden kann. Wissenschaftlich betrachtet, finden wir in der bürgerlichen Psychoanalyse den christlichen Unglauben des Menschen wieder.

Nun ist es Reichs unsterbliches Verdienst, dass er in dieser bürgerlichen Auffassung eine Bresche geschlagen hat, ihre Unrichtigkeit gezeigt und Wege aufgezeigt hat, durch die eine wirkliche Verwandlung des Menschen zustande kommen könnte.

Reich zeigt, dass der aggressive, blutrünstig-sadistische, dominierende und gierige Charakter des modernen Menschen keineswegs sein ursprüngliches Wesen ist, sondern eher eine Folge der Unterdrückung seiner ursprünglichen Natur. Von Ursprung ist der Mensch ein etwas gemächliches, gütiges soziales Wesen, aber die Unterdrückung seiner natürlichen Triebbefriedigung, macht ihn zum Tiger. Diese Unterdrückung der natürlichen Triebbefriedigung beginnt beim Kind und muss dort beginnen, denn im späteren Leben wäre es nicht mehr möglich. Und wer ist für diese Unterdrückung des kindlichen Trieblebens verantwortlich? Das machen die Arbeiter selbst in ihrem Familienleben. Natürlich ohne es zu wollen und ohne zu verstehen, was sie tun. Von der bürgerlichen Moral selbst auferlegt, übertragen sie diese automatisch auf ihre Kinder. Die Familie ist eine Ideologiefabrik, sagt Reich. In der Familie wird die bürgerliche Ideologie Tag für Tag von den Arbeitern selbst aufgebaut. Die Hemmungen, die die Umwandlung des derzeitigen Arbeitnehmers verhindern, werden daher von diesem Arbeitnehmer selbst vorgenommen. Er zeigt das tragische Schauspiel eines Menschen an, der bewusst versucht, sich von seinen Ketten zu befreien und gleichzeitig unbewusst dabei ist diese Ketten zu schmieden. Eine solche Entdeckung ist tatsächlich in der Lage, jemanden mit Bestürzung zu erfüllen, aber dann durchbricht die freudige Erkenntnis, dass jetzt, wo wir dies wissen und durchschaut haben, wir dies jetzt ändern können. Die Wege, die zur Umwandlung des sozialistischen Sinnes für den Menschen führen, sind offen. Wir müssen es nur wollen.

Aber zwischen Wille und Tat liegt eine große Distanz. Denn es ist leichter Agitation und Propaganda zu machen, Treffen zu organisieren und Reden zu halten, als sich selbst umzubilden, altmodische Gewohnheiten und Sitten den Kampf anzusagen. Und doch ist gerade dies vonnöten; es ist das erste und das Notwendigste. Es gibt einen Bereich, in dem diese innere und äußere Veränderung am schwierigsten ist. Das ist der Bereich des Sexuallebens, der sexuellen Beziehungen. Und genau dieser schwierigste Punkt ist der Wichtigste. Die Unterdrückung der Sexualität, die bereits in der Kindheit beginnt, macht den Menschen für den Rest seines Lebens für ein glückliches Liebesleben im Erwachsenalter ungeeignet; diese Unterdrückung verzerrt, verformt die menschliche Seele in etwas Lahmes und Böses und zerstört Lebensfreude und Lebensmut. Und wie sollten wir ohne diese Lebensfreude und Lebensmut die Kraft finden, diese faule Welt aufzubauen?

Wie immens groß die Rolle der Sexualität ist, kann der Leser in diesem Buch lesen. Er wird zu der Erkenntnis gelangen, dass die altbekannte dreieinige Gott-Familien-Autorität in der Tat eine echte Dreieinigkeit ist, dass tatsächlich die bürgerliche Familie die Stütze der bürgerlichen Gesellschaft ist. Die Umbildung des Familienlebens von einer bürgerlichen Sicht auf die Gesellschaft in eine sozialistische, ist die große Aufgabe einer neuen sozialistischen Bewegung. Eine sozialistische Bewegung kann zunächst nur als wirklich neu bezeichnet werden, wenn sie diese Aufgabe tatsächlich als ihre größte und wichtigste anerkannt hat. Wo sich die bürgerliche Familie von der sozialistischen unterscheidet, können wir in diesem Vorwort nicht erklären. Mit Reichs Kritik an der bürgerlichen Sexual- und Familienmoral sind wir voll und ganz einer Meinung, aber wenn es darum geht, eine damit entgegengesetzte positive sozialistische Moral zu stellen – und das ist hauptsächlich was zählt –, dann treten Unterschiede zutage worüber wir, wie gerne wir das gerne machen würden, hier nicht schreiben können. Man muss zuerst Reichs Ideen verstehen und durchdenken, bevor sie kritisiert werden können.

Dr. Wilhelm Reich kommt aus dem Lager der Parteisozialisten. Er war Mitglied der deutschen kommunistischen Partei. Seine neugewonnenen Erkenntnisse brachten ihn jedoch in Konflikt mit der Partei und er wurde vertrieben. Reich macht unmissverständlich eine Entwicklung in Richtung des freien Sozialismus; seine Ansichten über das Schicksal einer sexualitätsfeindlichen und autoritären Erziehung in der Familie mussten ihn unausweichlich immer mehr mit den offiziellen kommunistischen Ansichten der Partei in Konflikt bringen. Die neuen Einsichten Reichs stehen grundsätzlich im Gegensatz zu parteisozialistischen Ansichten und führen unmissverständlich zum freien Sozialismus. Die Tatsache, dass Reich selbst diese Wahrheit nicht einsieht, genauso wenig wie viele seiner Anhänger, beeinträchtigt diese Wahrheit nicht. Für den freien Sozialismus haben Reichs Ideen daher eine ganz besondere Bedeutung, denn mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse wird es möglich sein, eine noch fruchtbarere Propaganda zu betreiben als bisher, zum Teil durch Reichs Ideen. Der freie Sozialismus hat durch Reich eine neue wissenschaftliche Grundlage erhalten oder ist zumindest auf dem Wege sie zu bekommen.

Wir freuen uns daher sehr über die Veröffentlichung von Reichs Arbeit in der niederländischen Sprache und hoffen, dass sie einen großen Beitrag zur notwendigen Innovation und Vertiefung der freien sozialistischen Bewegung leisten wird.

MAX VON PRAG

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MPGA

15. Mai 2018

Making Peter Great Again. Ich verweise auf das gestrige Video, wo ich das Energiefeld zwischen meinen „betenden“ Händen beschrieb – und wie es plötzlich verschwunden war, nachdem ich mich kleingemacht hatte, d.h. mir im Vergleich zu Reich jede „energetische Potenz“ öffentlich absprach. Das ist unsere Neurose: wegen unserer orgastischen Impotenz versuchen wir alles, unsere Energie zu drosseln. Tatsächlich wählen die meisten Menschen einen Partner bzw. eine Partnerin, die bei diesem Unterfangen behilflich ist. Alles dreht sich darum, uns selbst klein zu machen und wir heiraten Menschen, die uns dabei behilflich sind. Wegen unserer orgastischen Impotenz gehen wir sogar soweit, uns mit anderen zusammenzutun, um unsere eigene Gesellschaft gegen die Wand zu fahren. „Uns geht es zu gut!“ Die Energie muß unter allen Umständen gedrosselt werden, weil wir ansonsten drohen buchstäblich zu platzen. Warum sonst diese allgegenwärtige Begeisterung für das ruinöse Projekt „Europa“ und die auffallend ranzige Todesraute?

Und dann kommt der „agonische“ Trump, der nicht zuläßt, daß sich jemand in seiner Umgebung klein macht:

Ein Trump, der unter dem Slogan des Making America Great Again (MAGA) angetreten ist. Der Durchschnittsneurotiker kann das kaum ertragen und die Linke, die AUSSCHLIESSLICH neurotisch ist, rastet aus. Auf „MAGA“ reagieren sie wie Vampire, auf die ein Strahl der Morgensonne trifft.

Das, was ich hier beschreibe, ist keine Psychologie oder gar Ideologie, es sind biophysikalische Vorgänge jenseits aller bloßen Meinungen. – Dazu ein weiteres Beispiel: Ich schreibe dies im IC, neben mir ein Taz-Leser und höherer Regierungsbeamter, ein linksliberaler Eierkopf…

…und meine organismische Orgonenergie rebelliert ob seiner Nähe auf Tuchfühlung, ähnlich wie sie es bei einer ORANUR-Quelle tun würde. Linke, d.h. Menschen mit einer intellektuellen Abwehr gegen bioenergetische Strömungen, versetzen mich auf viszeraler Ebene in Aufruhr. Es ist eine „energetische Allergie“, eine wechselseitige Sequestration, die allen gesellschaftlichen Konflikten zugrundeliegt. Es überkommt mich ein Widerwille und ein fundamentaler Haß, den ich nur schwer kontrollieren kann. Dazu brauche ich nichts über meinen Nachbarn wissen – mein Organismus nimmt auf bioenergetischer Ebene wahr, was Sache ist! Ich spüre einen Brechreiz.

Arbeitsdemokratie (Teil 1)

20. April 2018

Übersetzung eines Auszugs aus einem Kommentar des medizinischen Orgonomen David Holbrook, M.D. auf Dr. Konias Blog. Hier abgedruckt mit freundlicher Genehmigung des Autors

Reich definierte Arbeitsdemokratie wie folgt:

Arbeitsdemokratie wird als natürliche und wirklich rationale Arbeitsbeziehung definiert, wie sie unter Menschen funktioniert. Das Konzept der Arbeitsdemokratie stellt die Realität (nicht die Ideologie) dieser Arbeitsbeziehungen dar, die, obwohl sie allgemein durch die bestehende Panzerung und irrationale Ideologien entstellt sind, trotz allem die Grundlage aller gesellschaftlichen Leistung bilden. (Reich, W. 1931/1951. Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral. Köln: KiWi, Fußnote [1951], S. 93, Hervorhebung im Original)

Reich spricht also von den „Arbeitsbeziehungen zwischen Menschen“, aber er faßt diese Arbeitsbeziehungen weder in ökonomischen noch politischen Begriffen. Er unterscheidet „soziale“ Vorgänge von „politischen“:

Ich glaubte niemals, daß Sozialisten und Kommunisten wirklich emotionelle Probleme des Menschen lösen könnten. (…) Ich war mir ihrer trockenen ökonomistischen Orientierung wohl bewußt (…) Zwar konnte mich die Politik nie betrügen, aber es dauerte lange, bis ich „soziale“ von „politischen“ Prozessen unterscheiden konnte. Ich hatte eine hohe Meinung von Karl Marx als einem Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts. Heute jedoch betrachte ich seine Theorie als weit überholt durch die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie. Ich glaube, daß von der Marxschen Theorie nur der lebendige Charakter der menschlichen Produktivkraft bestehenbleiben wird. Dies ist ein Aspekt seiner Arbeit, der völlig vernachlässigt (…) wurde (…). (Reich, W. 1953/1995. Menschen im Staat. Frankfurt: Stroemfeld, S. 20)

Er glaubte nicht, daß die Lösung des soziologischen Kernproblems des Menschen in der Ökonomie zu finden sei und [beispielsweise] etwas mit „Steuersenkungen für die Reichen“ zu tun hätte oder etwas, das durch ein System der „Meritokratie“ zu lösen wäre, in der Reichtum beim Tod einer Person konfisziert und neu verteilt würde:

Als ich im Banne der großen sozialistischen Bewegung stand und jahrelang mitten in den unteren Volksschichten als Arzt arbeitete, fiel ich dem groben Irrtum zum Opfer, daß der „Kapitalist am Elend schuld“ wäre. Es bedurfte der grausamen Erfahrung der Entartung der russischen Revolution, um mich von diesem Irrtum zu befreien. Sie hatten die Kapitalisten gemordet, und das Elend wurde größer und umfassender; das Lügen, die Diplomatie, das Politikantentum, die Spionage und Angeberei, die auszurotten sie ausgezogen waren, waren mächtiger denn je. (Reich, W. 1949. Äther, Gott und Teufel. Frankfurt: Nexus, S. 48f)

Die europäische Freiheitsbewegung (…) zwischen 1918 und 1935 (…) war im Irrglauben befangen, daß sich die autoritäre Gesinnung mit dem Lebensprozeß der „Bourgeoisie“ und daß sich freiheitliche Gesinnung mit dem Lebensprozeß des „Proletariats“ deckten. (…) Autoritäre und freiheitliche Gesinnung haben nichts mit den scharfen ökonomischen Klassengrenzen zu tun. Die Ideologie einer sozialen Schicht ist keine unmittelbare Spiegelung ihrer wirtschaftlichen Lage. Den emotionellen, mystischen Erregungen der Menschenmassen muß eine zumindest gleich große, wenn nicht weit größere Bedeutung im sozialen Getriebe zugeschrieben werden als den rein ökonomischen Interessen. Die Praxis autoritären Zwanges geht ebenso kreuz und quer durch alle Schichten der Gesellschaft aller Nationen, wie freiheitliches Denken und Handeln. Es gibt keine charakterlich-strukturellen Klassengrenzen (…) (Reich, W. 1949/1966 (ursprünglich 1929 verfaßt). Die sexuelle Revolution: Zur charakterlichen Selbststeuerung des Menschen, vierte Auflage. Frankfurt: Fischer TB. Vorwort zur dritten Auflage (1944), S. 12, Hervorhebungen im Original)

(…) die Ideologie [kann] nicht mehr als eine bloße Spiegelung wirtschaftlicher Verhältnisse betrachtet werden. Sobald eine Ideologie die Struktur der Menschen erfaßt und geformt hat, ist sie zu einer materiellen, sozialen Kraft geworden. Es gibt keinen sozial-ökonomischen Prozeß von historischer Bedeutung, der nicht in der seelischen Struktur der Masse verankert und in Form des Verhaltens dieser Masse tätig wäre. Es gibt keine „Entwicklung der Produktionskräfte an sich“, sondern nur eine Entwicklung oder Bremsung der menschlichen Struktur, ihres Fühlens und Denkens auf der Grundlage wirtschaftlicher und sozialer Prozesse. Der Wirtschaftsprozeß, d.h. die Entwicklung der Maschinen, ist mit dem seelischen Strukturprozeß der Menschen, die ihn schaffen, antreiben, hemmen und von ihm beeinflußt werden, funktionell identisch. Wirtschaft ohne menschliche, tätige Triebstruktur ist undenkbar, ebenso umgekehrt menschliches Fühlen, Denken und Handeln ohne wirtschaftliche Grundlage und Folge. (ebd., S. 20, Hervorhebungen im Original)

Blogeinträge August 2012

6. April 2018

Im NACHRICHTENBRIEF wird gegenwärtig Paul Mathews‘ Artikel „Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters“ aus dem Jahre 1967 veröffentlicht. Hier wie sich die orgonomische Soziologie ein halbes Jahrhundert später darstellt:

Blogeinträge August 2012

  • Die Emotionelle Pest gedeiht im Sozialismus
  • Das System der gegenseitigen Kontrolle in der amerikanischen Regierung ist gescheitert
  • Die Gefahren im Kapitalismus
  • Wie Linke und Rechte die Amerikaner betrachten
  • In der Politik ist die Linke im Vorteil
  • Der freie Markt ist nicht das Problem
  • Kennzeichen eines linken Ideologen

Der biologische Rechenfehler der sozialen Orgonomie…

15. März 2018

Dem informierten Leser etwa von Charles Konias Buch The Emotional Plague wird sehr bald eine verheerende Leerstelle der Orgonomie auffallen. Die Orgonomie betrachtet alle Menschen als gleich. Der einzige Faktor, der sie unterscheidet, ist die Panzerung und ihre sozialen Konsequenzen, die zwar ein Eigenleben führen können, etwa in Gestalt der Klassentrennung, doch prinzipiell ist die Panzerung die einzige Ursache der Unterschiede. Beseitige die Panzerung und die sozialen Fragen sind (zumindest langfristig) gelöst.

Das ist ohne Zweifel richtig, wenn man nur die bioenergetische Ebene im Auge hat, doch wird dabei geflissentlich ein rein „mechanischer“ Faktor übersehen, der einen empfindlichen Kontrapunkt zu diesem Konzept setzt: der angeborene IQ. Sehr grob dargestellt, ist man bei einem IQ unter 70 geistig behindert, bei unter 80 kann man seinen Lebensunterhalt in einer Industriegesellschaft nicht selbständig erwirtschaften, bei unter 90 ist man nicht in der Lage selbständig zu arbeiten und bei unter 100 bleibt der „kritische Bürger“, der erst eine Demokratie möglich macht, eine Illusion. Jetzt überlege man sich, daß es außerhalb Europas (inkl. Nordamerika, Australien, etc.) und Ostasiens kein Land gibt, wo der durchschnittliche IQ bei 100 und darüber liegt und daß er in weiten Gebieten Schwarzafrikas bei 70 und sogar darunter liegt.

Es gibt nicht nur charakterologisch (d.h. bioenergetisch) bedingte Hilflosigkeit, etwa der Hochbegabte, der sein Leben als Penner fristet, sondern auch eine rein mechanisch bedingte Hilflosigkeit. Werden im Süden Afrikas etwa Obstplantagen Schwarzen übereignet, fällen sie als erstes die Bäume, um Geld mit dem Verkauf des Brennholzes zu machen. Dieses unverantwortliche Verhalten hat nichts mit Panzerung zu tun, sondern sie ist Funktion einer rein organisch bedingten Einschränkung.

Wir können die Welt nicht erlösen! Zweifellos hat die Orgonomie als „linkes“ Projekt angefangen und das wirkt nach. Elemente davon haben sicherlich auch ihre Berechtigung, doch der linke Grundimpetus, die Welt an einem archimedischen Punkt geraderichten zu können und alle Probleme zu beseitige, ist nicht tolerabel. Man kann die Unterschiede der Rassen und Klassen nicht „aufheben“, auch nicht „bioenergetisch“!

Sozialismus und orgonomischer Funktionalismus

7. Oktober 2017

Rousseau war der archetypische Vertreter der kollektivistischen Grundhaltung der Linken. Sein „Gesellschaftsvertrag“ hat im Kern „einen einzigen Paragraphen: das vollständige Aufgehen des Individuums mit allen seinen Rechten in der Gesamtheit. Jedermann muß sich gänzlich hingeben, sich selbst und alle seine Kräfte, zu denen auch das Vermögen gehört, das er etwa besitzt. Ebenso wie die Natur jedem Menschen eine absolute Gewalt über alle seine Glieder gibt, verleiht der Gesellschaftsvertrag dem Gesellschaftskörper eine absolute Gewalt über seine Angehörigen“ (Klaus Hornung: Das totalitäre Zeitalter, Berlin 1993, S. 29).

Dieses Konzept hat eindeutig seine Wurzeln in der damals aufkommenden mechanistischen Lebensauffassung. Man vergleiche das mit Reichs Ausführungen in Äther, Gott und Teufel, wo er die die totalitäre Staats- und Gesellschafsauffassung mit der mechano-mystischen Auffassung des menschlichen Körpers gleichsetzt, wo das Gehirn als Diktator seine Anweisungen an die Organe und Gliedmaßen erteilt. Er kontrastiert das mit der arbeitsdemokratischen Vorstellung des gesellschaftlichen und organismischen Funktionierens.

Marx zitiert Rousseau in seinem antisemitischen Machwerk Zur Judenfrage (1843), einem Fanal sowohl für den rechten als auch für den linken Faschismus, wie folgt: „Wer den Mut hat, einem Volke eine Rechtsordnung zu geben, muß sich fähig fühlen, sozusagen die menschlich Natur zu ändern, jedes Individuum, das in sich selbst und für sich allein ein vollkommenes Ganzes ist, in den Teil eines größeren Ganzen umzuwandeln, von dem dieses Individuum in gewisser Weise sein Leben und Sein empfängt, an die Stelle einer physischen und unabhängigen eine moralische Teilexistenz zu setzen. Er muß dem Menschen seine eigenen Kräfte nehmen, um ihm fremde dafür zu geben, die er nur mit Hilfe anderer gebrauchen kann.“ Daran schließt Marx an, der behauptet, die „menschliche Emanzipation“ sei erst vollbracht, wenn der individuelle Mensch ganz im „Gattungswesen“ aufgegangen sei (Konrad Löw: Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie, München 1999, S. 38).

Mit erstaunlicher Offenheit reden die Linken von der „Vergesellschaftung des Menschen“. Erstaunlich auch, wie 1977 die angesehene Chronistin der SPD, Susanne Miller, in einer einschlägigen Untersuchung darlegte, worauf das letztendlich hinausläuft: „Der Ansatzpunkt der Freiheitsvorstellungen der Sozialisten war stets die Freiheit ‘des Proletariats’, ‘der Klasse’, ‘des Volkes’, ‘der Menschheit’, niemals die Freiheit des einzelnen. Das Problem der Freiheit des Individuums lösten sie durch einen Identifikationsprozeß von Individuum und Gemeinschaft auf, der sich in einer klassenlosen Gesellschaft vermeintlich von selber vollziehen werde. (…) Der einzelne wurde der Gesellschaft gegenüber als ‘nichtig’ betrachtet (Karl Kautsky), und es wurde ihm das Recht abgesprochen, seine Freiheitsansprüche gegenüber einer sozialistischen Gesellschaft geltend zu machen, sobald diese dem etablierten Kodex dieser Gesellschaft nicht entsprachen“ (z.n. Löw: …bis zum Verrat der Freiheit, München 1993, S. 66f). Freiheit oder Sozialismus!

Der Führer der national-sozialistischen Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley, verglich das Volk mit einem Kind, das genauso störrisch, trotzig und unartig sei, wie gläubig treu und liebebedürftig. Ley: „Das Volk hat einen Anspruch darauf, von seiner Führung gehegt und gepflegt zu werden. Es war die größte Torheit des demokratischen Systems zu glauben, daß sich ein Volk selber führen kann“ (z.n. Hornung: Das totalitäre Zeitalter, S. 233f).

Nur ein Traumtänzer kann glauben, daß die linken, die roten Faschisten mit ihrer Version des Sozialismus eine andere Haltung zur Selbststeuerung haben, sei es bei der Erziehung der Kinder oder bei der Organisierung der Gesellschaft. Es ist ein und der gleiche lebensfeindliche mechano-mystische Geist, den Reich in Äther, Gott und Teufel bloßgelegt hat.

Im National-Sozialismus „wurde die Anrede ‘Genosse’ benutzt, die Ferien sollten kollektiv organisiert werden, es galt das Prinzip ‘Das Volk ist alles, Du bist nichts’. Volk ist lediglich durch ‘Arbeiterklasse’ zu ersetzen, und von da ab gelten die gleichen Vokabeln“ (Erwin K. Scheuch,: „Vom Weiterwirken des Sozialismus“. In: Heiner Kappel/Alexander von Stahl: Für die Freiheit, Berlin 1996, S. 79f).

„Orgonomische“ Ideologie und funktionelles Denken

11. Juli 2017

Man kann aus Reichs Schriften herausziehen, was man will. Beinharten Atheismus oder christlichen Mystizismus, Rationalismus oder das New Age, Marxismus oder Kapitalismus, „Bernie Sanders“ oder „Donald Trump“. Das hat dann aber jeweils nichts mit Reich zu tun, sondern ist nur Ausdruck der Charakterstruktur des jeweiligen Reichianers. Gepanzerte Menschen können nicht mit dem Leben mitschwingen und reagieren deshalb starr wie Maschinen. Sind sie „Reichianische Körpertherapeuten“ haben sie eine vage Vorstellung, daß Sexualität etwas Gutes ist und wollen entsprechend die böse Beckenblockierung beseitigen. Sagt man ihnen, daß Orgonomen alles tun, damit sich etwa Schizophrene in den unteren Segmenten abpanzern, sehen sie nichts als Verrat an der Orgasmustheorie. Interessieren sie sich für gesellschaftspolitische Probleme, kämpfen sie gegen den „Faschismus“, den sie überall da sehen, wo auf Autorität beharrt wird. Erklärt man ihnen, daß diese nicht den „Faschismus“ verkörpert, sondern die Arbeitsdemokratie… Sie sind verwirrt, wenn man ihrer Schwärmerei von der „Wiederverzauberung der Welt“ entgegenhält, daß magisches Denken mindestens so kontaktlos ist wie das mechanistische Denken.

Ihre „Orgonomie“ ist pure Ideologie. Sie denken stets abstrakt und fragen nie, nach der konkreten Rolle, die Gegebenheiten jeweils im Zusammenhang spielen. Muskelverspannungen muß man stets von ihrer Funktion her betrachten. Beim Schizophrenen ist die Körperpanzerung ein Segen, wenn sie verhindert, daß das okulare Segment mit Erregung überflutet wird und es zur „Spaltung“ kommt. Panzerung ist ein Segen! Ideologien muß man von ihrer Funktion her betrachten. In islamischen Ländern ist es ein Segen, wenn die Völker zu ihrer vorislamischen Identität zurückfinden. „Faschistischer“ Nationalismus ist ein Segen! Wie Milos Djilas gesagt hat, waren die ersten 10 Jahre Kommunismus ein Segen für Jugoslawien, um in diesem Land endlich Ordnung und einigermaßen zivilisierte Zustände zu schaffen. „Rotfaschistischer“ Kommunismus ist ein Segen!

Es geht jeweils um die Zusammenhänge und die Folgen, d.h. um Funktionalismus – nicht um inhaltsleere Versatzstücke einer verschrobenen Lehre, die als „Orgonomie“ hinstellt wird, in Wirklichkeit aber das genaue Gegenteil ist.

Die Unterwanderung und Übernahme der Orgonomie durch die Kommunisten mittels ideologischer Gleichschaltung der Reich-Biographie

19. Mai 2017

Zunächst wird Reichs Stalinistischer (d.h. in der damaligen Zeit extrem linksradikaler) Fanatismus Ende der 1920er und Anfang 1930er Jahre kleingeredet. Das wird getan, um aus Reich einen charakterstrukturellen Linksliberalen zu machen. Dieser auf den ersten Blick für linke Verschwörer etwas absonderliche Schritt ist notwendig, um einen zweiten vorzubereiten, nämlich glaubwürdig zu machen, daß Reich in Amerika nicht etwa aus grundsätzlichen, sondern aus opportunistischen Gründen sich vom Marxismus distanziert hat.

Beides ist vollständig abwegig: in Wien und Berlin hat Reich sein Linksradikalismus die Karriere zerstört und ihn in akute Lebensgefahr gebracht, während in New York seine explizite Distanzierung von der UdSSR und den Linken ihm im alles entscheidenden Milieu der Intellektuellen nur Probleme beschert hat.

Reich soll zu dem umgelogen werden, was er in wirklich jeder seiner Phasen wahrhaftig nicht war: zu einem windelweichen, aggressionsgehemmten, opportunistischen Linksintellektuellen a la Otto Fenichel!

Reich hat den Verschwörern ungewollt in die Hände gearbeitet, als er selber in Amerika einerseits seine ehemalige Militanz herunterspielte, andererseits aber partout nicht von Marx und selbst nicht von Lenin lassen wollte. Das eine, wie das andere ist nur allzu verständlich, da es fast unmöglich war, Reichs ehemalige Militanz zu erklären, und andererseits Reich verständlicherweise auch nicht aufgeben wollte, was er in Wien und Berlin erarbeitet hatte. Tragischerweise können die Verschwörer heute durch bloße Akzentverschiebungen daraus eine ganz andere Geschichte machen. Eine, die Reich in den sozialistischen Befreiungskampf „zurückholt“, indem er sozusagen politisch gemainstreamt wird.

Der neue historische Materialismus

12. April 2017

Die gesellschaftlichen Zustände gehen auf die – gesellschaftlichen Zustände zurück. Konkret geschieht das durch den Menschen, dessen Charakterstruktur von den gesellschaftlichen Zuständen geformt wird und der entsprechend die gesellschaftlichen Zustände reproduziert. Da der Charakter aber nicht einfach „von der Gesellschaft“ geformt wird, sondern konkret von der Familie und derem unmittelbaren Umfeld, ist diese Umsetzung nicht mechanisch. Hinzu kommt, daß der Mensch nicht beliebig formbar ist, sondern die Charakterbildung bestimmten inhärenten, d.h. biologischen Gesetzen unterliegt (siehe Elsworth F. Bakers Der Mensch in der Falle). Der ständige Einbruch dieser biologischen Gesetzmäßigkeiten zusammen mit der Unvorhersehbarkeit der Zeitläufe (zufällige politische Entwicklungen mit weitreichenden Folgen, etwa der Ausbruch der beiden Weltkriege und deren unvorhersehbarer Verlauf, oder unvorhersehbare technische Entwicklungen, beispielsweise das Internet) sorgt für die gesellschaftliche Dynamik. Schon kleinste Veränderungen, geschweige denn gigantische Umbrüche wie die Weltkriege, können eine biologische Dynamik in Gang setzen, die aus rein ökonomischer und soziologischer Sicht nicht vorhersehbar sind. Hilfloserweise wird dann auf den Mystizismus zurückgegriffen, etwa indem von vermeintlichen „Materialisten“ der „Ideologie“ eine allesbestimmende Bedeutung zugemessen wird oder alles mit „Verschwörungen“ erklärt wird, etwa das Aufkommen von Al-Qaida oder ISIS.

Eine positive Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse hilft nur weiter, wenn der biologische Faktor berücksichtigt wird. Welche Veränderungen genau sind „positiv“? Hilft beispielsweise eine sozialistische Rundumversorgung den Menschen weiter? Reagieren sie aufgrund ihrer Charakterstruktur nicht vielleicht gegenteilig zu dem, was man aus abstrakter (ideologischer) Sicht vermuten sollte? Was immer man tut und wie immer man auf Ereignisse reagiert, man muß stets von charakterdynamischen Überlegungen ausgehen. Ohne auf das zu hören, was Wilhelm Reich, Elsworth F. Baker und Charles Konia in dieser Hinsicht erarbeitet haben, wird es niemals zu einem wirklichen Fortschritt kommen.

Die Ideologie der Merkel-Republik

16. Februar 2017

Es gibt jede Menge Verschwörungstheorien, die die deutschlandzerstörende Wahnsinnspolitik erklären. Der Hosenanzug sei Agentin der USA, der „Bilderberger“, eine Sklavin der Rothschilds, ein alter Stasi-Agent, etc. Aber hören wir einfach, was der Terrortrupp, etwa Dr. Seltsam, als Rechtfertigung selbst ständig preisgibt, warum sie so handeln, wie sie handeln. Sie handelten zum besten Deutschlands! Deutschland könne es nur gutgehen, wenn ganz Europa und die ganze Welt prosperiert. Ein selbstsüchtiges Deutschland wäre dem sicheren Untergang geweiht! Es wäre illusorisch, daß man in der Europa- und Weltpolitik zum Erfolg komme, wenn man für die eigenen Interessen, das Eigene, einsteht, denn nur gemeinsam und durch Selbstverleugnung könnten wir uns in einer globalisierten und vernetzten Welt zu mehr Wohlstand und Freiheit hin entwickeln. Helfen wir anderen, gewännen alle gemeinsam, nicht zuletzt wir selbst.

Das ganze atmet einen spirituellen, holistischen, ganzheitlichen, geradezu „funktionellen“ Geist! Tatsächlich ist es Wahrheits- und Freiheitskrämerei der übelsten Sorte. Wie es Faschisten schon immer getan haben, wird der Idealismus, insbesondere der gutwilligen und leicht zu begeisternden Jugend, mobilisiert. Mobilisiert für unrealistische, größenwahnsinnige und bei näherer Betrachtung vollkommen irre Ziele. In diesem Fall läuft das ganze darauf hinaus, daß das kleine Deutschland geopfert wird: – etwa so, als wenn ein Eimer Wasser in eine brennende Scheune geschüttet wird, um den Brand zu löschen. Das kostbare Wasser ist sinnlos vergeudet worden, womit langfristig allen geschadet wird.

Leute, die nicht in der Lage wären auch nur einen Gebrauchtwagenhandel erfolgreich zu führen, schulmeistern einen Donald Trump, daß man eine Nation nicht wie ein Unternehmen führen könne, dem es nur um das eigene Wohl geht. So als würden nicht Unternehmer wie Trump erst den Wohlstand erwirtschaften, den dann Politiker unproduktiv, wenn nicht kontraproduktiv wieder verschleudern. (Daß globale Großkonzerne die Politik der Merkels dieser Welt aktiv unterstützen, wenn sie sie nicht sogar initiiert haben, steht auf einem anderen Blatt!)

Wie könnten wir den wirklichen Flüchtlingen vor Ort helfen, wenn wir nicht jedes Jahr alles im allem vielleicht 50 Milliarden Euro pro Jahr für Scheinflüchtlinge und Ficki-Ficki-Abenteurer in Deutschland sinnlos verschwendeten! Wie könnten wir Griechenland helfen, wenn es noch die Drachme hätte und wir nicht Hunderte von Milliarden für die „Rettung“ Griechenlands in den Orkus geschüttet hätten! Was könnten wir für die Umwelt tun, wenn wir nicht Hunderte von Milliarden für die Zerstörung unserer Energiewirtschaft und der deutschen Landschaft verschleudern würden!

Man sieht, aus dem „Idealismus“ unserer Nomenklatura spricht das Gegenteil: ein mörderischer Vernichtungswille. Der ökologische, ganzheitliche, altruistische Idealismus ist nur eine Fassade, die vorgibt, gegen die sekundären Triebe zu sein („Antifaschismus“), tatsächlich führt sie aber in einem wahrhaften Todestaumel die Emotionelle Pest zum Triumph. Welche rationale Funktion sollte etwa die systematische Islamisierung Deutschlands haben, die unter dem Slogan „bunt“ durchgeführt wird? Welchen Sinn sollte es haben, unter dem Vorwand der „Solidarität“ Deutschland in den sicheren Bankrott zu führen und die Sozialkassen zum Kollabieren zu bringen?