Posts Tagged ‘Herbert Marcuse’

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 2)

17. Juni 2018

von Paul Mathews, M.A.*

Krieg und Frieden

Der Vietnamkrieg hat einen der schärfsten Angriffe gegen Amerika und seine Verbündeten in der Geschichte ausgelöst – und mit ihm eine Massen-Antikriegsbewegung, die im menschlichen Geschehen ohnegleichen ist. Welche Bedeutung hat diese Reaktion? Warum gab es so einen plötzlichen, massenhaften Gefühlsaufschwung wegen Bombardements, zivilen Opfern, der Einberufung usw.? Sind die Menschen außerordentlich human geworden oder hat es eine Neuausrichtung der Destruktivität gegeben, die die wahre Motivation verbirgt? Sind die ehemals Gewalttätigen gewaltlos geworden, um allen Hass zu beenden – oder haben sie effektivere Wege gefunden, das Leben auf der Erde zu zerstören? Sind die ehemals Nachgiebigen zu engagierten Teilnehmern einer Renaissance der menschlichen Liebe geworden – oder sind sie unbewusst Teilnehmer an einem beschleunigten Marsch Richtung Untergang? Dieses Problem hat zwei Aspekte: 1) die rein psychopolitischen Manipulationen der organisierten Pest, welche die Neurosen und die unorganisierte Pest der Massen mobilisiert, sowie ihre aufrichtigen und legitimen Sehnsüchte nach Frieden; und 2) die pubertierenden und postpubertierenden Energien der Jugend, die ohne Rückgriff auf ein regelmäßiges, gesundes Sexualleben in revolutionären Anliegen und Illusionen ihre vorübergehende Katharsis finden.

Der Aufstieg der rot-faschistischen Pest in unserer Zeit war ein allgegenwärtiger und bedrohlicher Faktor in unserem Leben, trotz einer Politik der „Liberalisierung“ und nuklearer Nichtverbreitungspakte.1 Es ist kein Zufall, dass im Zeitalter der Zweideutigkeit und der Doppelmoral in Politik und Außenpolitik die rechtschaffensten und lautstärksten Reaktionen jene Bereiche betreffen, in denen die freie Welt, insbesondere die Vereinigten Staaten, versuchen, mit der kommunistischen Unterwanderung fertig zu werden: Korea, Kuba, die Dominikanische Republik, Vietnam usw. und den Gebieten, in denen vermeintliche „nationale Befreiungskriege“ als Vehikel für die „Machterschleichung“ (Reich) benutzt werden. Jahr um Jahr antiamerikanischer Propaganda: von fortwährenden schweren Lügen; von falscher Gleichsetzung der offen eingestandenen, bereitwillig gesühnten Missetaten der USA mit dem grausamsten Pestverhalten der Geschichte;2 von neidischer Verunglimpfung; und von Beschwichtigung und Zugeständnissen, die auf liberalen Illusionen und dem Schuldgefühl beruhen, die in neurotischen Charakterstrukturen wegen ihres eigenen Wohlstands und ihres eigenen Wohlergehens ausgelöst werden – diese Dinge haben der Pest immens geholfen. Mit ihnen ist der Geist der Rebellion verbunden, der gegen das „Establishment“ (d.h. den Vater (3)) seitens einer unerfahrenen Jugend hervorbricht, die durch eine mystisch-mechanistische Freiheitsphilosophie von ihren Hemmungen befreit wurde. Ihr wahres Motiv – eine ziellose und zerstörerische Entladung ihrer Energien – zeigt sich deutlich in ihrem Mangel an konstruktiven Zielen. So nehmen sie marcusianischea Lehren an, die die Meinungsfreiheit ihres Gegners ausschließen (4)b. Sie machen aus der willkürlichen und leichtfertigen Zerstörung der Gesellschaft ein „Ziel“, basierend auf weit hergeholten Illusionen einer neo-marxistischen Utopie, die aus den Trümmern aufersteht.

Aus funktioneller, orgonomischer Perspektive muss die Erlangung dauerhaften Friedens durch ein naives mechanisches Organisieren der Antikriegsgesinnung auf lange Sicht scheitern und das aus zwei Gründen: Es erkennt weder die biologische Grundlage der Destruktivität in Form der sekundären Triebe an (häufig als humanistische Sorge um die Menschheit getarnt), noch versteht es die Technik der emotionalen Pest, die diese mechanistischen Programme nutzt, um ihre eigenen Ziele zu fördern und letztlich die humanen „Befreier“ zu versklaven.

Das Erreichen dauerhaften Friedens – wenn denn überhaupt möglich – ist ein langsamer, organischer Prozess, der die Schulung von Erwachsenen für eine verantwortungsvolle, naturgemäße Herangehensweise an die Erziehung der Kinder der Zukunft beinhaltet. Letztere werden hoffentlich eine Gesellschaftsordnung entwickeln, die auf gesünderen Charakterstrukturen beruht, die in der Lage sind, den Weltfrieden zuzulassen, weil sie in sich selbst friedfertig und zufrieden leben (5). Auf diese Weise, und nur auf diese Weise, können wir uns realistisch auf eine schlussendlich fruchttragende und friedliche Welt freuen.

Es wäre in der Tat ein wundermäßiges Geschehen, wenn eine Koalition von Mystikern, Pazifisten und anderen Visionären den Krieg besiegen und gegenseitigen Respekt für die Rechte und die Freiheit anderer durchsetzen könnte. Historische Fakten und klinische Beobachtungen dieser Art von Menschen unterstützen diese Hoffnung nicht im Geringsten. Die Pest hat allzu oft die Naivität und Immobilität der Wunschdenker ausgenutzt und für all die sehr wenigen, scheinbar humanen Zugeständnisse entsetzliche Verwüstungen angerichtet. Die menschliche Panzerung, individuell und in der Masse, ist sehr real und sehr wohl ein zu berücksichtigender Faktor; sie kann nicht durch mystische Beschwörungen und Appelle an die brüderliche Liebe beseitigt werden.

Daher liegt es in der Verantwortung derer, die ein endgültiges Ende der immer wiederkehrenden Kriege wünschen, auf das Ziel gesünderer künftiger Generationen hinzuarbeiten und sich gleichzeitig jenen Kräften entgegenzustellen und sie zu bekämpfen, die dies verhindern wollen. Dies erfordert Festigkeit und Entschlossenheit sowie physischen Widerstand gegen die Pest, wann und wo immer es nötig ist. In diesem Zusammenhang ist der Kommunismus in seiner gegenwärtigen Form des roten Faschismus die größte Bedrohung für die Freiheit der Welt, für die Selbstregulierung und für alle anderen Ideale des natürlichen, gesunden Lebens. Ihm muss aus diesem Grund (und nicht weil er antikapitalistisch ist) Widerstand entgegensetzt und er muss bekämpft werden. Die Kapitulation Vietnams vor dem roten Faschismus (unter dem Deckmantel der Beilegung des „Bürgerkriegs“)3 wird das vietnamesische Volk nicht befreien, sondern dazu dienen, vor der Pest einzuknicken und sie zu stärken.

Trotz der komplexen Probleme im Zusammenhang mit Vietnam gibt es eine klare Priorität: die Pest zu stoppen, bevor sie die Welt überrollt und alle verbleibenden Freiheiten vernichtet.

Der Faschismus der Linken stellt die bisher virulenteste Form der emotionalen Pest dar. Bei ihr stehen wir der größten Bedrohung für die menschliche Freiheit, die Selbstregulierung und alle von Reich dargelegten funktionellen Herangehensweisen gegenüber. Um zu überleben formt die Pest ihre Umgebung zu einer monolithischen Struktur um, die keine Bewegungsfreiheit zulässt. In einer erstarrten totalitären Welt hätte der Mensch keine Bewegungsfreiheit und keine Möglichkeit, rationale Lösungen für seine Probleme zu entwickeln – genauso wenig wie ein krebskranker Patient natürlichen Widerstand gegen Krankheiten leisten kann.

 

Fußnoten

* Pädagoge, Sprachlehrer und Kliniker. Doktorand der Psychologie, New York University. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

1 Die Invasion der Tschechoslowakei und die damit verbundenen Säuberungen, die Inhaftierung von Intellektuellen, die Hilfe an Nordvietnam und die Lage im Nahen Osten sollten dies verdeutlichen. Im Umgang mit der Pest muss man sich ständig fragen, was ist das eigentliche Motiv hinter der Handlung, die nicht dem Interesse der Menschheit förderlich ist, sondern dem der Pest.

2 Mississippi wurde häufig mit Russland gleichgesetzt und Amerika wurde mehr als einmal mit Nazi-Deutschland verglichen – zuletzt im Zusammenhang mit dem angeblichen Massaker von My Lai.c Kommunistische Gräueltaten, die regelmäßigsten und zahlreichsten in der Geschichte, werden entweder höflich ignoriert oder rationalisiert.

3 Tran Quoc Buu, Präsident des vietnamesischen Gewerkschaftsbundes (CVT), erklärte einer Versammlung von New Yorker Gewerkschaftern, dass er als aktiver Lehrer unter seinen Kollegen und Schülern für die Unabhängigkeit Vietnams (von den Franzosen) gearbeitet habe. Von den Kommunisten sagte er: „Ich kenne ihre Strategie gut, weil ich 10 Jahre lang mit ihnen in der Widerstandsbewegung und im Gefängnis gearbeitet habe.“ Er sagte, dass es keine Taktik gäbe, die sie bei der Verfolgung ihres Ziels, Südvietnam zu übernehmen, nicht anwenden würden. Obwohl sie hoffen, dies durch militärische und terroristische Taktiken zu erreichen, haben sie auch politische Vorgehensweisen entwickelt. (Berichtet in United Teacher, 14. Dezember 1969.)

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Bezieht sich auf den Aufsatz „Repressive Toleranz“ (9) von Herbert Marcuse, erschienen 1965, in dem er eine uneingeschränkte Toleranz gegenüber „rückschrittlichen“ Bewegungen ausschließt. Zitat: „Intoleranz vor allem gegenüber den Konservativen und der politischen Rechten.“

b Kennan, George F.: Rebellen ohne Programm. Demokratie und studentische Linke. Stuttgart (1968): Henry Goverts Verlag.
Auszüge auf: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46106815.html

c Als Mathews dies schrieb, war die Beweisaufnahme noch im Gange und die Toten waren laut offizieller Darstellung Soldaten des Vietcong.

 

Literatur

3. Feuer, L.S..: The Conflict of Generations. New York: Basic Books, 1969
4. Kennan, G.: “The Student Left – Rebels without a Program“, Reader’s Digest, Jan., 1969
5. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967
9. Marcuse, H.: „Repressive Tolerance“, A Critique of Pure Tolerance by H. Marcuse, R. P. Wolff, and B. Moore.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 111-125.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein

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Der Rote Faden: Reich und Stalin

24. November 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

4. Polithygiene

a. Reich in Norwegen

b. Reich und Marx

c. Reich und Lenin

d. Reich und Trotzki

e. Reich und Stalin

nachrichtenbrief83

31. Oktober 2017

nachrichtenbrief82

29. Oktober 2017

Der häßliche Linke

23. September 2017

Es ist wirklich auffällig. wie teilweise geradezu abstoßend häßlich linksgestrickte Menschen sind. Grüne Politiker*Innen sehen durchweg aus wie… Ähhmmm… Das versiffte Gesindel, das unter der Bezeichnung „Antifa“ sein faschistisches Unwesen treibt, erinnert mich stets an… Ähhmmm… Kurioserweise ist es auch so, daß wenn Konservative nach links driften, sie diese porentiefe Linkshäßlichkeit befällt als sei es die Beulenpest. Gestern war deine Tochter noch ein properes Mädel, kaum wurde sie von der linken Pest infiziert, sieht sie aus wie eine suizidale Heroinnutte. Man muß unwillkürlich an Besessenheit denken. Aus Menschen werden Brechreiz provozierende Dämonen.

Dieses Phänomen hat verschiedene Achsen. Zunächst einmal scheint das Lebendige durch die Mechanik verdrängt zu werden. Bestimmte nur die mechanische Genetik das Leben, würden die Lebewesen aussehen wie die Roboter in unseren Fabriken: mißgestaltete Monster. Die Orgonenergie sorgt für die radiale, segmentäre und bilaterale Harmonie, d.h. letztendlich für die Ästhetik. Die „mechanische Häßlichkeit“ des Linken entspricht dem diabolischen „Nein“, das er Gott (dem kosmischen Orgon) entgegen schleudert. Er identifiziert sich mit dem Mißerfolg, der Häßlichkeit, dem Verfall und tut alles, um alles Erfolgreiche, Schöne und Fruchtbare zu vernichten. Von nichts anderem redet er und nichts anderes stellt seine entartete „Kultur“ zur Schau. Linke sind DOR-Wesen: so riechen sie, so sehen sie aus, so empfinden sie sich und so denken sie auch über sich selbst. Ganz offen, explizit, identifizieren sie sich mit dem subversiven Rebellen Luzifer und dem niederträchtigen Ankläger Satan.

Alles, wirklich alles an ihnen signalisiert und verkörpert Prägenitalität und Perversion. Ihre Ideologie propagiert das ganz offen von Herbert Marcuse bis zur Geschlechtergleichschaltung („Gendermainstreaming“). Alles an ihnen ist ein Protest gegen die und eine Ablehnung der Biologie. Die natürliche Auslese wird abgelehnt und damit das Leben selbst. Sie hassen alles Eigene, sind Selbsthasser und Verräter. Ihr letztes Ziel ist die Selbstvernichtung. Ihre Utopie ist der Wärmetod des Universums. Auf der Zeitachse verfluchen sie die Ahnen („Bomber-Harris do it again!“) und auf der Funktionsachse verfluchen sie den bioenergetischen Kern (sie hassen das Lebendige in ihrem Inneren). Wer dieses stinkende Drecksgeschmeiß, etwa Anhänger der Partei der Kinderficker und andere derartige Kreaturen der Kloake, in seiner Umgebung duldet, ist nicht mehr zu retten! Abartiges Gesindel!

Der Archipel der Kitas

7. März 2017

Die „DDR“ wollte bis Mitte der 1960er Jahre das verwirklichen, was Krypto-Stalinisten auch bei uns einführen wollen: arbeitende Mütter ohne Doppelbelastung, d.h. die staatliche Krippenerziehung. In der „DDR“ sprach man von „Wochenkrippen“. Forschungen, die die negativen Folgen für die emotionale („psychische“) Entwicklung der Kinder zeigten, schränkten den anfänglichen Enthusiasmus der sozialistischen Obrigkeit zwar ein und das Programm wurde in der „DDR“ nicht mehr mit gleicher Vehemenz durchgesetzt, aber entsprechende Forschungsergebnisse wurden in der Folgezeit unterdrückt und die Bindungstheorie, also daß Kinder den unmittelbaren emotionalen Kontakt zur Mutter brauchen, um gesund heranzuwachsen, wurde zum Tabu. Und das, nachdem man herausgefunden hatte, daß sich gravierende Defizite im Vergleich zu normalen Kindern im Bereich Orientierung und Bewegung im Raum, beim Sprachvermögen und Sozialverhalten zeigten.

Die Pädagogin und Dozentin Ute Stary hat die Betroffenen befragt. „Sie schildern“, so Stary, „schwierige Beziehungsverhältnisse zu ihren leiblichen Eltern, daß sie das eher als angespannt empfinden, dieses Verhältnis, daß man sich auch ein stückweit fremd ist. Und daß sie selber Schwierigkeiten haben, in Beziehung zu kommen, sich auf Partnerschaften einzulassen und vor allen Dingen ihren eigenen Kindern gerecht zu werden.“

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung hat Ute Stary in einem Fachbuch publiziert. Weitere Forschungsarbeiten zum Thema Wochenkrippe gibt es in Deutschland bislang nicht. Schade, sagt Ute Stary, wäre doch hilfreich, jetzt, wo das Bundesfamilienministerium kräftig in 24-Stunden-Kitas investiert und in die sogenannte Randzeitenbetreuung, abends und nachts.

Sozialisten, etwa der Modju Herbert Marcuse, haben Säuglinge und Kleinkinder schon immer gehaßt. Diese bewegen sich nämlich in jenen Bereichen, gegen die die Sozialisten aufbegehren. Säuglinge und Kleinkinder funktionieren weniger im Zerebrum, als vielmehr im Vegetativum, während die Charakterstruktur des Sozialisten das energetische Orgonom (zu dem das Zentrale Nervensystem gehört) betont, zuungunsten des orgonotischen Systems (zu dem das Autonome Nervensystem gehört). Mit Kindern oder gar Säuglingen kann man keine intellektuellen Debatten führen, sie sind deshalb langweilig und, wenn man so will, „reaktionär“. Diese eklig aus dem Kern heraus lebenden gefühlsduseligen kleinen Wesen, d.h. „Konservative“, gehören solange unter Quarantäne, bis sie zu vollwertigen Menschen herangereift sind, mit denen die Marcuses dieser Welt angeregt über repressive Strukturen debattieren können.

The Mass Psychology of Fascism (1970) und andere Übersetzungen

27. Januar 2017

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DeMeo/Senf: Nach Reich (1997)

21. Januar 2017

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DeMeo/Senf: Nach Reich (1997)

Die sexuelle Revolution

7. Januar 2017

Als Reich aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte und nach einem Semester Jura anfing Medizin zu studieren, organisierte er zusammen mit seinem damaligen Freund Otto Fenichel ein privates Studentenseminar über eine Leerstelle im offiziellen Lehrplan: die Sexologie. Über dieses Seminar kam er in Kontakt mit Freud und wurde sehr schnell Psychoanalytiker. Was ihm bereits damals auffiel, war, wie imgrunde fremd ihm die Herangehensweise der damaligen Sexologen und Psychoanalytiker war, die sich detailversessen an allen möglichen Perversionen abarbeiteten, das eigentliche Thema aber verfehlten: die gewöhnliche Sexualität des Menschen bzw. das, was sich die meisten Menschen als erfüllende Liebe ersehnen. Entsprechend lebte er als Sexualaufklärer in einer vollkommen anderen Welt als etwa Magnus Hirschfeld. Es gab praktisch keinerlei Berührungspunkte. Man muß auch daran denken, daß zu der Zeit, als Reich in Berlin tätig war, Berlin als die „Sexhauptstadt“ der Welt galt. Nichts davon ist in seinem persönlichen Leben oder in seiner „Sexpol“-Arbeit zu finden. Entsprechend verband ihn in Amerika so gut wie nichts mit Leuten wie Henry Miller oder Alfred Kinsey. Vielmehr galt er wegen seines Beharrens auf der Genitalität als prüde und außerdem betrachteten ihn beispielsweise die damaligen Anarchisten, die für „sexuelle Freiheit“ fochten, als eine Gefahr, weil sie befürchteten mit seiner „Pseudowissenschaft“ in einen Topf geworfen zu werden.

In seiner Sexpol-Arbeit beschäftigte er sich natürlich auch mit Perversionen, Hermaphroditen, etc. doch dies nie in seinen öffentlichen Vorträgen, sondern nur in Einzelgesprächen, wo es darum ging, daß das ganze kein Problem der Moral sei, daß sich der betreffende nicht schämen müsse, wo er weitere Hilfe finde, etc. Das kontrastiert auffallend zur „modernen“ Herangehensweise, Minderheitenprobleme in den Mittelpunkt zu stellen und das, was „die Massen“ angeht, an den Rand zu schieben.

Kurioserweise wurde von Anfang an versucht Reich mit der „sexuellen Revolution“ der 1960er Jahre in Verbindung zu bringen, allein schon wegen des gleichnamigen Buchtitels von Reichs Mitte der 1940er Jahre erschienenen Buches. Doch ist es vollständig abwegig Reich in irgendeine Beziehung etwa zum Playboy oder anderen Vermarktern von „Sex“ zu setzen. Man schaue sich nur den Film What‘s New Pussycat aus dem Jahre 1965 an. Nichts verband ihn mit den Hippies und selbst in der Studentenbewegung, man denke nur an Cohn-Bendit, wurde eindeutig Herbert Marcuse bevorzugt und Reich der „Fetischisierung der Genitalität“ geziehen.

Die wahre „sexuelle Revolution“ hatte für Reich verschiedene Aspekte. Zunächst einmal ging es um die Herstellung einer grundsätzlich sexualpositiven, lebensfreundlichen und das hieß für Reich anfangs vor allem antireligiösen Atmosphäre. Diese stellte er etwa auf den Massenversammlungen der Sexpol in Wien und Berlin her. Heute kann man kaum sagen, daß die gesellschaftliche Atmosphäre „sexualpositiv“ ist, vielmehr ist sie von Angst geprägt nicht irgendwelchen Kriterien zu genügen und ständig wird Angst vor Geschlechtskrankheiten, insbesondere HIV eingeflößt. Hinzu kommt, daß heute „Sex“ weitgehend als Ersatz für familiäre Wärme und emotionalen Kontakt herhalten muß. Bei Migranten herrschen heutzutage ähnliche Verhältnisse wie damals im erzkatholischen Österreich oder in der damaligen deutschen Provinz und selbst die Deutschen sind alles andere als „antireligiös“, vielmehr greift eine „Spiritualität“ um sich, die die Menschen erst recht von ihrer Sexualität entfremdet.

Einer der Hauptgegensätze zwischen Reich und Freud war die Natur des Ödipuskomplexes. Für Freud war er eine biologische Gegebenheit, aus der sich die Kultur entwickelt hat, die deshalb untrennbar mit der Neurose verknüpft sei. Für Reich war er ein Kunstprodukt der patriarchalen Familienstruktur und würde sich, zusammen mit der Neurose, mit dem Verschwinden der Familie, wie wir sie kennen, in Luft auflösen. Er schaute dabei hoffnungsvoll nach Rußland und dessen Experimenten mit „kollektiver Erziehung“. Reich dachte dabei vor allen an von den Kindern selbstgesteuerte „Kinderrepubliken“, in denen kindliche Sexualität ausschließlich zwischen etwa gleichaltrigen Kindern stattfindet. Gleichzeitig erkannte Reich im Laufe der Zeit aber immer deutlicher, wie sehr das Kind vom Augenblick der Geburt an die körperliche und vor allem emotionale Nähe seiner Mutter braucht, um gesund heranzuwachsen. In der sogenannten „sexuellen Revolution“ kam es jedoch, nicht zuletzt durch den Einfluß der orthodoxen Psychoanalyse, die bei zu engem Kontakt zwischen Kindern und Eltern immer eine „Aktivierung des Ödipuskomplexes“ witterte, zu einem Wegbrechen dieses Urvertrauens. Für Kinder und Jugendliche wurde „Sex“ zu einem Ersatz für diese Nähe und Menschen mit pädophilen Tendenzen sahen sich berufen, die Sexualität von Kindern „zu befreien“, wobei sie sich irrwitzigerweise teilweise sogar auf Reich beriefen.

Durch den Zerfall der alten triebgehemmten autoritären Ordnung und ihre schrittweise Ersetzung durch eine triebenthemmte antiautoritäre „Unordnung“ ist es infolge der „sexuellen Revolution“ zu einer grundlegenden Veränderung der Panzerstruktur des Durchschnittsmenschen gekommen, nicht zuletzt auch durch die Verbreitung legaler und illegaler Drogen, insbesondere Marihuana: muskuläre Panzerung wurde weitgehend durch okulare (Augen-) Panzerung ersetzt, was zu einem Zustand allgemeiner Kontaktlosigkeit, einem höheren Angstpegel und allgemeiner Orientierungslosigkeit führt, die die Augenpanzerung immer weiter verstärkt.

Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

24. Dezember 2016

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Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)