Posts Tagged ‘Hegel’

nachrichtenbrief20

10. Mai 2017

Die Geschichte der Orgonometrie

2. April 2017

Funktionalismus liegt vor, wenn man das Teil vom Ganzen her betrachtet. „Welche Funktion hat das Herz?“ Energetischer Funktionalismus liegt vor, wenn die jeweilige Funktion insbesondere vom Energiehaushalt her betrachtet wird. „Die Funktion des Orgasmus.“ Der orgonomische Funktionalismus entstand mit der Entdeckung der Orgonenergie, deren Grundcharakteristik ein autonomes spontanes Funktionieren ist, das beispielsweise im orgonomischen Potential und in der kosmischen Überlagerung zum Ausdruck kommt. „Die kosmische Lebensenergie.“

„Dialektik“ ist ein schillernder Begriff, der am ehesten mit dem Diktum umrissen werden kann, daß Wahrheit nicht behauptet werden, sondern nur im Widerstreit offengelegt werden kann. Alles hat jeweils zwei Aspekte, die, obwohl es Gegensätze sind, auf etwas Drittes verweisen, das sie zwar umfaßt, aber gleichzeitig auch übersteigt; sie, um mit Hegel zu sprechen, in jeder Bedeutung des Wortes „aufhebt“. Hegel, Marx, Engels und Lenin haben gezeigt, daß nicht nur das Reden über die Wirklichkeit dergestalt dyadisch bzw. triadisch strukturiert ist, sondern diese Wirklichkeit selbst, denn ansonsten wäre jede Erkenntnis unmöglich. Im Verlauf der Entdeckung des Orgons, das Geist und Materie zugrundeliegt, hat Reich Hegels Dialektik („Geist“) bzw. den Dialektischen Materialismus („Materie“) entsprechend zum orgonomischen Funktionalismus umgeformt und schließlich in Gestalt der Orgonometrie in seine endgültige Form gebracht.

Ich verweise auf meine beiden Bücher über Orgonometrie hier und hier, denen bald ein dritter Band folgen wird.

Reich und Hegel

23. Januar 2017

Ausgangspunkt von Hegels Philosophie ist die Frage, wie Bewegung überhaupt möglich ist. Zenons Paradoxon ist allgemein bekannt: ein Pfeil kann sich vom „philosophischen“ Standpunkt her nicht bewegen, denn in jedem Moment, an dem wir den Pfeil mit unserem „philosophischen Auge“ betrachten, steht er still. Es ist wie bei den Einzelbildern einer Filmrolle. Hegel zufolge ist Bewegung nur möglich, weil zwei sich gegenseitig ausschließende Tatsachen (der Pfeil ist entweder hier oder dort) koexistieren können (der Pfeil bewegt sich). Diese Einheit von „hier“ und „dort“ ist die synthetische Funktion des Geistes, und so ist alles um uns herum eigentlich nichts als Geist oder vielmehr die Entfremdung des „reinen Geistes“, d.h. der Logik und ihrer Bewegungsgesetze jenseits von Raum und Zeit. Dieser „Geist“ ist autonom, d.h. weder mein Verstand („hier“) noch dein Verstand („dort“), sondern der allgemeine Geist. Der „reine Geist“ wird zum „absoluten Geist“, wenn er sich in Kunst und Musik, Religion und Philosophie manifestiert, wo sich der Geist seiner selbst bewußt wird. Der „absolute Geist“ ist die höhere Synthese des „subjektiven Geistes“ des Individuums und des „objektiven Geistes“ der Ethik (Familie, Gesellschaft, Staat). Dieser „objektive Geist“ manifestiert sich in der Geschichte der Welt, und die Geschichte der Welt ist nichts anderes als die Geschichte von Staaten, Reichen und Dynastien. Das endgültige Ziel dieser Entwicklung ist, wie angedeutet, der „absolute Geist“. Daher muß das egoistische Individuum, das die Entwicklung des „objektiven Geistes“ behindert, unterjocht, d.h. vollkommen der Ethik unterworfen werden. Der Staat ist alles, denn der Staat ist die Manifestation Gottes, oder vielmehr führt der Staat zur endgültigen Manifestation Gottes als „absoluter Geist“. Dergestalt waren „Staaten mit einem philosophischen Ziel“, also kommunistische (und faschistische) Staaten die höchsten Manifestationen des Hegelschen Denkens. Marx war die Fortsetzung von Hegel: die vollständige Unterwerfung des egoistischen Individuums unter die Idee „Menschheit“ (heute „Globalismus“). Max Stirner war das Gegenteil von Hegel: die „subjektive“, „unethische“ Selbstregulierung.

Reich hat sich von Anfang an auf die Seite von Stirner gestellt. Warum er dann als „Marxist“ galt und sich auch selbst mehr oder weniger bis zum Schluß als solcher betrachtete? Weil er Anhänger der Dialektik war, d.h. glaubte, daß es bestimmte „Bewegungsgesetze“ gibt. Der Unterschied ist nicht nur, daß die „Reichsche Dialektik“ nach zur Zukunft hin offen ist. Er wurde aus der KPD geworfen, weil er behauptet hatte, daß die Kommunisten, auf der Seite doch „die Geschichte“ stand, verloren hatten. Er glaubte nicht an die Rationalität des bisherigen „eisernen“ Geschichtsablaufs. Aber vor allem: Reich vertrat nicht die „Vergesellschaftung des Menschen“, die „Ethik“, d.h. das Verinnerlichen der Vorgaben jener, die dich in der Hand haben. Stalin war die Verkörperung des Über-Ichs schlechthin, der Stalinismus die denkbar brutalste Vorführung, wie das Über-Ich installiert wird: werde wie ich oder stirb.

Die Irrationalität des Historischen Materialismus

15. Januar 2017

Reich war ein großer Verfechter der Marxschen Arbeits- und Mehrwerttheorie. An anderer Stelle habe ich meine, wie ich finde, schwerwiegenden Einwände ausgeführt. Marx gehört zweifellos nicht zur „Wiederentdeckung der Lebenden“, auch da er als Anhänger Hegels nicht an der Rationalität der gepanzerten Geschichte zweifelte („historischer Materialismus“). Reich:

Bleiben wir weiter außerhalb dieses St. Veitstanzes. Je länger wir um uns blicken, desto toller erscheint er. Hunderte kleiner Patriarchen, die sich zu Königen und Herzogen proklamiert hatten, beschuldigten einander der Sünde wider dies und jenes und führten Krieg, versengten die Landschaft, brachten Hunger und Epidemien über die Völker. Dies nannte sich später „Geschichte“. Und die Historiker zweifelten nicht an der Rationalität dieser Geschichte.

Allmählich begann das Volk auf den Plan zu treten. „Die Königin ist schuld“, riefen die Volksvertreter und köpften die Königin. Das Volk tanzte heulend um die Guillotine. Es produzierte Napoleon. „Die Österreicher, die Preußen, die Russen sind schuld“, hieß es nun. „Napoleon ist schuld“, klang es zurück. „Die Maschinen sind schuld“, schrien die Weber, und „Das proletarische Lumpenpack ist schuld“, klang es zurück. (…) (Äther, Gott und Teufel, S. 30)

Goethes Funktionalismus

20. September 2016

Das menschliche Gehirn erkennt auf Bildern andere Lebewesen weitaus schneller und zuverlässiger als tote Gegenstände. Forscher um Joshua New von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara zeigten Probanden jeweils zwei Bilder ein und derselben Szene, die sich nur durch ein Detail unterschieden. Beispielsweise ein Elefant bzw. ein Auto in einer afrikanischen Savannenlandschaft, eine Kaffeetasse auf einem Schreibtisch oder eine menschliche Gestalt in einer Urwaldszene. Für jedes Bildpaar ermittelten die Forscher, ob und wie schnell die Probanden die Veränderung bemerkten. Dabei zeigte sich durchweg ein großer Unterschied zwischen toten Gegenständen und Lebewesen, selbst wenn die ersteren viel kleiner waren und sich mit deutlich weniger scharfen Kontrasten vom Hintergrund abhoben. Das Getreidesilo auf dem Bild einer Landschaft oder die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch registrierten die Probanden bei weitem nicht so schnell wie eine vergleichsweise winzige Taube in einer Marktszene oder die menschliche Gestalt im tropischen Regenwald. Gerade die im Vergleich zu Lebewesen langsame Erkennung von Autos spreche dafür, so die Wissenschaftler, daß die Unterschiede nicht auf erlernten Fähigkeiten beruhen, sondern angeboren sind, denn für die meisten Menschen wäre es heute wohl eher ein Vorteil, Autos schnell zu erkennen. Eine Fähigkeit, die wir im Alltag ständig trainieren.

New und seine Kollegen erklären die Ergebnisse natürlich evolutionsbiologisch: unsere Vorfahren hätten vor Raubtieren auf der Hut sein müssen und wären vom Jagderfolg abhängig gewesen.

In Äther, Gott und Teufel beschreibt Reich den Animismus als natürlichen Geisteszustand. Die toten „mechanischen“ Gegenstände um uns herum sind unserem Wesen derartig fremd, daß wir sie “beseelen”. Durch die Dominanz der evolutionistischen Herangehensweise wurde diese „Goetheanische“ Betrachtungsweise fast vollständig verdrängt.

Dazu ein sehr interessanter Film auf YouTube in vier Teilen:

Liest man bestimmte Stellen bei Goethe, fühlt man sich stellenweise in die Welt des Orgonomischen Funktionalismus versetzt.

Wenn es bei Goethe heißt, daß ein ausgesprochenes Wort meistens „Widerspruch, Stocken und Stillstehen“ erregt, oder daß „der Begriff Summe ist“, dann auch, daß das Höchste „das Anschauen des Verschiedenen als identisch“ ist, so ist es leicht, über alle Unterschiede hinweg, die Verbindungslinien zu Grundgedanken Hegels zu ziehen, zum Beispiel zu seinem Axiom: „Das Wahre ist das Ganze.“ Die deutsche Klassiker bilden eine höchst harmonische Ganzheit, und sie stehen gemeinsam auf dem Boden einer großen Tradition, die in ihnen ihre letzte Aufgipfelung empfängt. (Predrag Grujic: Hegel und die Sowjetphilosophie der Gegenwart, Bern 1969)

Das Höchste ist das Anschauen des Verschiedenen als identisch!

Hans Hass, nach Reich mein zweiter Held des Funktionalismus (siehe Hans Hass und der energetische Funktionalismus), sei, nach eigenem Bekunden, „nahezu erschlagen“ gewesen von Gedankengängen bei Goethe, die der eigenen Energontheorie entsprachen.“Wie kein anderer“ habe Goethe „das Energonprinzip in der Natur erschaut.“ Wenn Goethe

nach dem Urtier und der Urpflanze suchte, dann dachte er nicht an gemeinsame Ahnen, sondern an ein gleiches Grundkonzept, das den höheren Pflanzen und den höheren Tieren, so verschieden sie sich unseren Sinnen auch darbieten, verbindend zugrunde liegt. „Alle Gestalten sind ähnlich und keine gleichet der anderen, und so deutet das Chor auf ein einigendes Gesetz, auf ein heiliges Rätsel“ – so schrieb er in einem Gedicht über die Metamophose der Pflanzen. Nirgends fand ich deutlicher ausgesprochen, was mich selbst in meiner Forschung bewegte, wohin sie mich Stück für Stück weiterführte. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Auch in der ganz konkreten Herangehensweise an Naturphänomene wirkt Goethe wie ein direkter Vorläufer Reichs. Insbesondere wenn Reich beispielsweise auf die Voraussetzungslosigkeit des funktionellen Forschungsansatzes abhebt. Hätte Reich Anfang der 1930er Jahre profunden Kenntnissen in der Bakteriologie Folge geleistet, hätte er nie die Bione entdecken können.

Goethe in einem Brief von 1780:

(…) wie der Hirsch und der Vogel sich an kein Territorium kehrt, sondern sich da äst und dahin fliegt, wo es ihn gelüstet, so, halte ich davon, muß der Beobachter auch sein. Kein Berg sei ihm zu hoch, kein Meer zu tief. Da er die ganze Erde umschweben will, so sei er frei gesinnt wie die Luft, die alles umgibt. Weder Fabel noch Geschichte, weder Lehre noch Meinung halte ihn ab zu schauen. Er sondere sorgfältig das, was er gesehen hat, von dem, was er vermutet oder schließt. Jede richtig aufgezeichnete Bemerkung ist unschätzbar für den Nachfolger, indem sie ihm von entfernten Dingen anschauende Begriffe gibt, die Summe seiner eigenen Erfahrungen vermehrt und aus mehreren Menschen endlich gleichsam ein Ganzes macht.

Bei der Naturforschung sei „der anschauende Begriff dem wissenschaftlichen unendlich vorzuziehen“ und man fühle „mit dem lebhaften Anschauen einen dunklen Wink in der Seele (…): so ist es erstanden!“

Eine solche empathische, d.h. gleichempfindende, Annäherung an die Natur erfordert natürlich „reine“ Sinneswerkzeuge, reine (Nach- und Mit-)Empfindung orgonotischer Prozesse, d.h. eine ungepanzerte Wahrnehmung. Goethe in einem Brief von 1779:

Mein Auge und meine Seele konnten die Gegenstände fassen, und da ich rein war, diese Empfindung nirgends falsch widerstieß, so wirkten sie was sie sollten.

Auch in sozialer Hinsicht war Goethe, der schließlich zu Zeiten der französischen Revolution und der beginnenden romantischen Bewegung lebte, hellsichtig und aktuell.

Für den Goethe-Verehrer Nietzsche war Romantik ein Rachesyndrom, dessen Gegensatz die klassischen Produkte eines Goethe waren, die der Dankbarkeit für das Leben entspringen, aus der heraus man allen Dingen einen Glorienschein geben will. Demgegenüber entspricht das romantische Syndrom dem Gefühl des Leidenden und Schlechtweggekommenen, der aus seinem Ressentiment heraus am Leben Rache nehmen will. Auch das Christentum sei eine solche Bewegung, aus der sich schließlich der „romantische Pessimismus der Entbehrenden, Mißglückten, Überwundenen“ entwickelte, wie er sich in der Wagnerschen Musik und Schopenhauers Willensmetaphysik ausdrückt. Der Romantiker nimmt Rache am Leben, indem er dem Dasein sein eigenes Leiden „zum verbindlichen Gesetz und Zwang“ aufprägen will (Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft, Aphorismus 370). Die eigene persönliche neurotische Not wird zunächst theoretisch und dann praktisch der ganzen Welt aufgezwungen, angefangen vom kleinbürgerlichen Christentum der Antike bis zu den gegenwärtigen linken „Bewegungen“.

Der konservative Philosoph Günter Rohrmoser führt aus, daß es den konservativen Menschen kennzeichnet, in der Kategorie der Dekadenz zu denken, während der Linke strukturell dazu nicht in der Lage ist.

Wer eine Gesellschaft oder einen einzelnen Menschen als dekadent empfinden kann, der ist ein Konservativer von Geblüt. Eine der ganz großen Schwierigkeiten in der Verständigung mit Sozialisten besteht darin, daß man sich mit noch so einsichtigen und gutwilligen Sozialisten nicht über Dekadenz verständigen kann. Im Falle, daß man sich mit einem Sozialisten über Dekadenz verständigen kann, stellt man fest, daß dieser Sozialist im Grunde genommen keiner ist. Die Behauptung vom inneren Zusammenhang von Sozialismus und Dekadenz hat eine lange Vorgeschichte. Der späte Goethe beispielsweise hat in diesem Punkte voll mit Nietzsche übereingestimmt. Goethe hat im Angesicht der Ausbreitung des Humanitarismus, und der Sozialismus ist nichts anderes als eine humanitaristische Ideologie, die Prognose gewagt, daß am Ende dieses Weges die Menschheit ein einziges großes Lazarett und jeder des anderen Krankenwärter werden würde. Wenn wir heute in der Analyse des fortgeschrittenen Sozialstaates Pathologien in den Mentalitäten der Wohlfahrtsempfänger und derer, die es werden wollen, entdecken, dann ahnen wir vielleicht, was Nietzsche unter der im Sozialismus angelegten Dekadenz verstanden und immer bekämpft hat. (Rohrmoser: Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 298f)

Goethe war natürlich in erster Linie Dichter, obwohl er zeitweise seine Farbenlehre als bedeutenderen Beitrag betrachtete als etwa den Faust!

In der Anfang der 80er Jahre in München erschienen Zeitschrift Die Wolken sterben wurde Goethes Funktionalismus anhand der Ballade Der Fischer von 1779 aufgezeigt. Der Autor, Werner Schiwy, führt aus, wie zu Beginn des Gedichts die Antithese von lebendigem Organismus „Fischer“ und totem Element „Wasser“ aufgehoben wird, indem der Fischer wesentlicher Attribute des Lebens entkleidet wird (er ist kühl und ruht bis ins Herz hinein), während das tote Element Wasser lebendig ist und durch eine Frau (eine „Nixe“) verkörpert wird. Im folgenden beschreibe Goethe die orgonotische Erregung und schließliche Vereinigung der beiden Anfangs unvereinbar erscheinenden Systeme.

In der Ballade heißt es:

Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?

Das erinnert mich an mein Lieblingsgedicht von Goethe, das mich immer an den äquatorialen Orgonenergie-Strom der Erde gemahnt hat. Es entstammt einem Brief von 1775 an die Gräfin Christine von Brühl:

Auf den Auen wanden wir
Und bleiben glücklich ohne Gedanken,
Am Hügel schwebt des Abschieds Laut,
Es bringt der West den Fluß herab
Ein leises Lebewohl.
Und der Schmerz ergreift die Brust,
Und der Geist schwankt hin und her,
Und sinkt und steigt und sinkt.
Von weiten winkt die Wiederkehr
Und sagt der Seele Freude zu.
Ist es so? Ja! Zweifle nicht.

Goethes Faust, das deutsche Nationalepos, wird von Anthroposophen als mystisches Mysterienspiel interpretiert. Marxisten wollen in den Schlußszenen Kritik am beginnenden Kapitalismus und Kolonialismus erkennen. Was m.W. kaum je gesehen wird, ist das, was sofort ins Auge fällt. Am Ende heißt es: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Das ist tatsächlich mystisch und doch hat es eine zutiefst funktionelle und sexualökonomische Bedeutung. Das Ewig-Weiblich ist nämlich nicht nur das Höchste, sondern auch das Tiefste, das Gemeinsame Funktionsprinzip. Taucht doch Faust im ersten Akt (Finstere Galerie) von Faust II in die namenlose Tiefe des Ungeformten, zu den „Urmüttern“ hinab, um Helena heraufzubeschwören. Er war ihr bereits in Faust I begegnet, denn in der Hexenküche hieß es: „Das schönste Bild von einem Weibe! Ist’s möglich, ist das Weib so schön? Muß ich an diesem hingestreckten Leibe den Inbegriff von allen Himmeln sehn? So etwas findet sich auf Erden?“ Das Weib ist natürlich niemand anderes als Helena.

In Faust I geht es um das Kindweib Gretchen, in Faust II um das Vollweib Helena. Die Gretchen-Tragödie mit dem Vorspiel des Osterspaziergangs, auf dem er Mephisto trifft und der zitierten Szene in der Hexenküche ist eine geradezu sexualökonomische Moritat. Es dreht sich alles um die Sexualnot junger Männer und Frauen, alleingelassener Frauen (Gretchens Nachbarin), mangelnde Empfängnisverhütung und einen überholten Sünden- und Ehrbegriff, der in Mord- und Todschlag endet. Der Hexensabbat auf dem Blocksberg ist das Gegenbild einer vom Christentum zerstörten Sexualökonomie: die Unfähigkeit Befriedigung zu finden, endet in frustrierenden Orgien. Faust hat „zwei Seelen in seiner Brust“, d.h. die für orgastische Impotenz ausschlaggebende Trennung zwischen sinnlichen und liebevollen Strebungen. Letztendlich beruht die gesamte Tragödie, auch im zweiten Teil, auf Fausts Lebenshunger bzw. Sexualhunger.

Im zweiten Teil versucht Faust der christlichen Sexualmisere mit Hilfe von Wissenschaft (dem ohne Geschlechtsakt erzeugten Homunkulus) und mit Rückbesinnung auf das heidnische Griechentum zu entfliehen, in das ihn der Homunkulus entführt. (In Faust I und in Faust II wird die Kirche als unmoralisch und geldgeil gezeichnet.) Schließlich endet Faust als Industriemogul, der ganze Landschaften erschließt und dabei neues Elend, himmelschreiende Ungerechtigkeit, Mord und Todschlag verbreitet. Goethe hat die Tragödie des gepanzerten Menschen gezeichnet, der Himmel (der bioenergetische Kern), Erde (die bürgerliche Fassade) und Hölle (die sekundäre Schicht) durchschreitet. Und bemerkenswerterweise erkannte Goethe den sexualökonomischen Kern dieser Tragödie.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.15.

5. Juni 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.13.

27. Mai 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

Antisemitismus (Teil 2)

16. November 2015

Aus charakteranalytischer Sicht setzt sich der moderne Antisemitismus aus zwei konträren Elementen zusammen, deren Gemeinsames Funktionsprinzip die Genitalangst ist: das Bild des alten bärtigen Patriarchen, der unschuldige kleine Christkindlein kastriert; und der glutäugige, großnäsige Jud Süß, der mit viehischer Gier über blonde Jungfrauen herfällt. Vom Bereich der Sexual- in die Arbeitsenergie übertragen, finden wir dieses Gegensatzpaar im jüdischen Kapitalisten und jüdischen Bolschewisten. Bei dieser Dichotomie handelt es sich einfach um den nach außen projizierten Ödipuskomplex. Man rebelliert gegen den kastrierenden und ausbeuterischen Vater, bekommt es mit der Angst zu tun und unterdrückt die Rebellion nach dem Vorbild, das einem der Vater geboten hat.

So glaubte Adolf Hitler, wie er in Mein Kampf schreibt, „im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Der Nationalsozialismus vereinigte in sich also die Revolution und die Reaktion. Er konnte die Erlösung bringen: wenn der Jude beseitigt ist, ist auch der Ödipuskonflikt gelöst und die Menschheit befreit. Die Endlösung war die nationalsozialistische Version der Sexuellen Revolution.

Das läßt sich am Ur-Nazi, Richard Wagner, exemplifizieren, dessen ganzes Leben ein einziges Aufbegehren gegen den ungeliebten jüdischen Stiefvater Ludwig Geyer war.

Dieses ödipale Moment findet sich heute insbesondere im sogenannten „Antizionismus“, der alle Probleme der Welt an einem geradezu grotesk unbedeutenden Lokalkonflikt (Israel ist so groß wie Hessen!) festmacht. Man erhebt sich gegen die angeblichen „Herrscher dieser Welt“ (die Freimaurer/Illuminaten/Bilderberger/das Finanzkapital, die glücklicherweise in einem kleinen Territorium greifbar sind) und solidarisiert sich dabei mit der denkbar finstersten Reaktion, dem islamischen Fundamentalismus.

Bei dieser faschistischen Rebellion der Nationalsozialisten und der heutigen Antizionisten (unter denen auch viele Juden sind – die Kapos der Jetztzeit) ging und geht es dabei nur vordergründig um Kapitalismus und „Zinsknechtschaft“. Primär geht es um ein Aufbegehren gegen Gott, das strafende Über-Ich, letztendlich gegen die Panzerung – es geht um Welterlösung.

Wirklich: die gesamte „Bewegung“ seit den 70er Jahren ist nichts anderes als Hitlerismus in grün!

Für Hitler unterscheidet sich der materialistische (d.h. „kapitalistische“, „unökologische“) Jude vom vergeistigten Christen dadurch, daß er sich nicht wie der Arier für ein Ideal opfern könne. Demgegenüber sei der opferwillige Arier in der Lage seine rein persönlichen Interessen zurückstellen. Überwindung des Egoismus in der sozialistischen Volksgemeinschaft, Gemeinschaftsgefühl, Glaube an Unsterblichkeit und ewige Werte sowie vor allem Aufopferungswille sei nur beim Arier ausgebildet.

Die grundsätzliche Gesinnung, aus der ein solches Handeln erwächst, nennen wir zum Unterschied vom Egoismus, von Eigennutz – Idealismus. Wir verstehen darunter nur die Aufopferungsfähigkeit des einzelnen für die Gesamtheit, für seine Mitmenschen. (Mein Kampf)

Insbesondere prangert Hitler als Folge der Prostitution die „Verjudung unseres Seelenlebens und Mammonisierung unseres Paarungstriebes“ durch „jüdische Mädchenhändler“ an und bringt das mit alle „Werte“ zerfressender Inflation, Wucher, „Zinsknechtschaft“, Profitgier und „Mädchenhandel“ in Zusammenhang.

Nach der Vorstellung Gottfried Feders, des Wirtschaftsexperten der NSDAP während der „Kampfzeit“, ist die „Zinsknechtschaft“ das eine Hauptübel der Welt, mit dessen Beseitigung sich alle anderen Übel von selbst erledigen würden. 1920 ging in das Parteiprogramm der NSDAP die Federsche Forderung nach „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens“ und „Brechung der Zinsknechtschaft“, sowie nach der Todesstrafe für „gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber“ ein.

Feder hob stets hervor, daß 1919 er es gewesen sei, der Hitler seine erste grundlegende politische Erkenntnis vermittelt habe.

Die „rationale“ Funktion des nationalsozialistischen Antisemitismus bestand darin, daß er so gut wie der einzige ideologische Kitt war, der den Nationalsozialismus überhaupt zusammenhielt. (Desgleichen vereinigt heute der „Antizionismus“ die hoffnungslos zersplitterte Linke!)

Das, was für die Nazis und Stalinisten die Unterwanderung der Gesellschaft durch „Juden“ („Kosmopoliten“) und „Saboteure“ war, ist für die Linksliberalen die „soziale Gerechtigkeit“: ein Vorwand, mit dem sich alles rechtfertigen läßt.

Der Holocaust war in der UdSSR und später in allen anderen kommunistischen Staaten ein großes Tabu und wurde fast nie erwähnt, weil natürlich Kommunisten, nicht „zionistische Juden“, die Heroen des Antifaschismus hätten sein sollen. Entscheidender war aber wohl, daß man nicht die eigene „antizionistische“ Propaganda hintertreiben wollte, denn zur Zeit Hitler-Deutschlands und danach gab es in der Sowjetunion die Kampagne gegen den „Trotzkismus“, die eindeutig antisemitische Züge trug und durchtränkt war von der Vorstellung, aus dem Ausland würden politische „Krankheitserreger“ das Mutterland des Sozialismus vergiften.

Ganz wie die Nazis dem „Weltjudentum“ sowohl den „jüdischen Bolschewismus“ als auch den „Wall Street-Kapitalismus“ zur Last legten, galt der „Linksabweichler“ Trotzki als Werkzeug des internationalen Faschismus. Daß das stalinistische mit dem nationalsozialistischen Muster identisch war, zeigte sich aber erst in der Zeit von 1949 bis 1953 mit der Kampagne gegen den „wurzellosen Kosmopolitismus und Zionismus“, der für den zersetzenden Einfluß des prosperierenden, libertären „dekadenten Westens“ stand, der sich dergestalt in den „Zionisten“ (Juden) personalisierte. Sie würden den sowjetischen Volkskörper vergiften und stünden außerdem hinter den angeblichen „zionistischen Sabotage-Aktionen“ des Westens, bei denen krankheitserregende Bakterien und landwirtschaftliche Schädlinge, z.B. Kartoffelkäfer, in den sozialistischen Luftraum eingebracht würden.

Ähnliches geschah 1968 in Polen, als die Partei von „zionistischen Elementen“ gereinigt wurde – und der Kommunismus endgültig sein wahres, nämlich Nazi-Gesicht zeigte. Manche Historiker sehen in den damaligen antisemitischen Ereignissen in Polen, die an schierer Widerwärtigkeit einfach nicht mehr zu überbieten waren, den Anfang vom moralischen Ende des Weltkommunismus.

Und dieses rote Nazitum war kein Ausrutscher: es gehörte durchgehend zum Kommunismus. Das ging soweit, daß die KPD die NSDAP gegen Ende der Weimarer Republik in Sachen Antisemitismus überholen wollte. (Ähnlich der „antizionistischen“ „Antifa“ heute!)

Für die KPD waren „die Nationalsozialisten nichts anderes (…) als die Speerspitze von Bourgeoisie und Großkapital. Da letzteres auch aus Sicht der Kommunisten jüdisch dominiert war, prophezeite Politbüro-Mitglied Hermann Remmele das baldige Verschwinden des zweiten Teils des nationalsozialistischen Schlachtrufs „Deutschland erwache! Juda verrecke!“. In ihrer ideologischen Verblendung gingen sie sogar so weit, im jüdischen Großkapital die Hinterleute Hitlers zu sehen. So hieß es in der Roten Fahne über antisemitische Ausschreitungen der SA im jüdischen Scheunenviertel Berlins: „Die Pogrome, die diese von dem jüdischen Großkapital gut bezahlten Horden durchführen, sind Mörderfeldzüge gegen arme Proletarier, die nicht nur in dem tiefsten Elend dieser kapitalistischen Gesellschaft ihr Dasein fristen, sondern auch Sklaven einer mittelalterlichen Zurückgebliebenheit sind.“ (Ralf Georg Ruth: Hitler. Eine politische Biographie, München 2005)

Wie die Verhältnisse heute sind, nämlich ganz ähnlich, beschreibt hier Henryk M. Broder:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=3ME4DDqBvdU%5D

Der Antisemitismus war von Anfang an konstitutionelles Element der sozialistischen Emanzipationsbewegung. Wie August Bebel so schön sagte: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der Dummen.“ Dies sieht man z.B. bei Fourier und Proudhon, sowie natürlich bei Michail Bakunin, der über seinen Jünger Netschajew direkter Vorgänger von Lenin war. 1871 hatte dieser Papst des Anarchismus hitleresk über seine Persönliche Beziehung zu Marx geschrieben:

Nun, diese ganze jüdische Welt, die eine einzige ausbeuterische Sekte, ein Blutegelvolk, einen einzigen fressenden Parasiten bildet, eng und intim nicht nur über die Staatsgrenzen hin, sondern auch über alle Verschiedenheiten der politischen Meinungen hinweg, – diese jüdische Welt steht heute zum größten Teil einerseits Marx, andererseits Rothschild zur Verfügung… Dies mag sonderbar erscheinen. Was kann es zwischen dem Kommunismus und der Großbank gemeinsames geben? O! Der Kommunismus von Marx will die mächtige staatliche Zentralisation, und wo es eine solche gibt, muß heutzutage unvermeidlich eine zentrale Staatsbank bestehen, und wo eine solche Bank besteht, wird die parasitische jüdische Nation, die in der Arbeit des Volkes spekuliert, immer ein Mittel zu bestehen finden…

Aber auch Marx und Engels waren wütende Antisemiten, nicht anders als ihr nationalsozialistischer Gegenspieler Dühring, dessen alles bestimmender Antisemitismus vom Antisemiten Engels im Anti-Dühring bezeichnenderweise nur kurz gestreift wird. Nach Dühring sollte Privateigentum durch autonome republikartige Wirtschaftskommunen ersetzt werden. Aus dieser Bewegung ging einerseits die asketische, antisexuelle, hochneurotisch-kollektivistische Kibbuz-Bewegung über den Dühring-Schüler Franz Oppenheimer hervor, der Wirtschaftsberater Theodor Herzls war (und bei dem der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard 1924 promovierte). Andererseits geht die antitschechische, antiklerikale und antisemitische „Deutsche Arbeiterpartei“ (DAP), die 1904 in Trautenau in Böhmen gegründet wurde, unmittelbar auf Dühring zurück. Nach dem Krieg wurde über diverse Neugründungen daraus schließlich die NSDAP (– und gegen Ende des Nazi-Regimes wurde der indirekte Dühring-Schüler Ludwig Erhard vom Inland-Chef des SD, Otto Ohlendorf beauftragt, Wirtschaftskonzepte für den Fall der Niederlage auszuarbeiten…).

Die Hitler-Tochter Ulrike Meinhof hat in einem Interview gesagt, daß hinter Auschwitz ein wahres, von den Nazis ausgebeutetes antikapitalistisches Gefühl gesteckt habe, bei dem die Juden stellvertretend für die Kapitalisten vernichtet wurden. Diese Äußerung der „antifaschistischen“ Walküre war eine Reflexion von Marxens Gleichsetzung von Kapitalismus und Judentum. Nach der Wiedervereinigung hat ein Neo-Nazi-Führer und Ex-SED-Genosse vor Gericht ausgesagt, daß sein Wechsel vom Real- zum Nationalsozialisten nicht so verwunderlich sei, denn die BRD hasse er genauso wie früher, außerdem hätten schon Marx und Engels den Kapitalismus auf das Judentum zurückgeführt.

Diese Gleichsetzung geht auf Hegel und auf Fichte zurück, der 1808 nach einem Holocaust verlangte. Das war wiederum ein direkter Ausfluß der Lutheranischen kollektivistischen Zwangsmoral, hatte Luther doch schon 1543 in seiner Schrift Von den Juden und ihren Lügen für einen Holocaust plädiert. Die Juden symbolisierten das freie Unternehmertum einer separaten, also freien, amoralischen Menschengruppe, die sich nicht in die Volksgemeinschaft einpassen will und Profite und Zins von ihr abschöpft. Daraus entwickelte sich bruchlos das sozialistische Bild von habgierigen, sündhaften, unmoralischen, entarteten und bösen Kapitalisten, die das arbeitende Volk wie Vampire aussaugen. Im Grunde sind Nazis, Kommunisten (einschließlich originale Marxisten) und die heutigen ökologischen und pazifistischen Dritte Welt-Aktivisten alle von dieser Art christlichem antisexuellen Moralismus geprägt.

Marx und die Orgonbiophysik (Teil 2)

31. Oktober 2015

Marx’ Arbeitsbegriff ist geradezu auf die Zerstörung der Biologie gerichtet. Für Hegel bedeutet Arbeit den Vollzug der Negation der Negation der Idee, d.h. die Konstituierung des nun nicht mehr nur subjektiven, sondern absoluten Geistes durch die Aufhebung seiner Negation: der objektiven Natur. Es entspringt einer primitiven Marxistischen Fehlinterpretation der Hegelschen Philosophie, wenn man dies ausschließlich als Arbeit der Gedanken faßt, sondern es ist durchaus auch materielle Arbeit gemeint, wenn auch „die Erfahrung, die das Bewußtsein hier macht, (…) die von der Geistigkeit aller Handarbeit“ ist (Hans-Georg Gadamer: Hegels Dialektik, Tübingen 1980).

Obwohl bei Hegel der Mensch durch seine Tätigkeit die Natur „negiert“, wird das immerhin durch Hegels Monismus abgeschwächt, demzufolge die Natur letztendlich „entäußerter Geist“ ist. Bei Marx, der Hegel angeblich vom Kopf auf die Füße gestellt hat, fehlt diese untergründige Einheit von Mensch und Natur vollständig. Was bleibt, ist der vollkommen entwurzelte Mensch als Zerstörer der Natur. So betrachtet wirkt der Marxismus wie der sado-masochistische Alptraum eines restlos entfremdeten Nihilisten.

Für Bernd Guggenberg (Weltflucht und Geschichtsgläubigkeit, Mainz 1974) unterscheiden sich die Dialektiken von Hegel und Marx darin, daß bei Hegel dem Willen zur Synthese die Lösung unmittelbar vorliegt, während bei Marx sich der antithetische Wille „erst ihre Möglichkeit und Bedingung erkämpfen (muß), indem er sich dem Universum des Bestehenden entgegengestellt.“ (Man denke in diesem Zusammenhang an Reichs „Funktionalismus“ – der so vollkommen anders als Marx‘ zerstörerische Dialektik geartet ist!) Selbst, bzw. gerade, das angeblich „humanistische“ Aufbegehren gegen den angeblich „unmenschlichen“ Kapitalismus gehört hierher, denn für Marx ist der ausbeuterische Kapitalismus „Natur“, nichts als Natur. Für ihn ist die (im Kapitalismus kulminierende) Natur der Feind, der revolutionär überwunden werden muß. Oder anders (und geistesgeschichtlich korrekt) formuliert: für Marx sind Arbeit und Zerstörung Synonyme. Marxismus ist Emotionelle Pest in Reinform.

Die Arbeit ist bei Marx nicht nur antibiologisch und zerstörerisch angelegt, sie wird auch abgewertet auf das Niveau reiner Maschinentätigkeit. Ausgerechnet diesen Aspekt nimmt Reich jedoch in Schutz, wenn er 1945 schreibt:

Ich hatte eine hohe Meinung von Karl Marx als einem Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts. Heute jedoch betrachte ich seine Theorie als weit überholt durch die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie. Ich glaube, daß von der Marxschen Theorie nur der lebendige Charakter der menschlichen Produktivkraft bestehen bleiben wird. (Menschen im Staat, Stroemfeld 1995, S. 20).

Damit meint Reich die Marxsche Arbeits- und Mehrwerttheorie, wie er sie auf den Seiten 65 bis 69 in Menschen im Staat referiert:

    Arbeitswerttheorie:

  1. Der Wert einer Ware wird bestimmt durch die menschliche Arbeitskraft, die in ihr verausgabt wurde.
  2. Diese wird in durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitszeit gemessen.
  3. Mehrwerttheorie:

  4. Tauschwert und Gebrauchswert sind bei allen toten Waren identisch, während der Gebrauchswert der lebendigen „Ware Arbeitskraft“ höher ist als ihr Tauschwert.
  5. Die in durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitszeit gemessene Differenz fällt dem Kapitalisten zu, der dergestalt das Lebendige aussaugt.

Hegel hatte seine dialektische Methode entwickelt, um das starre, atomistische, mechanistische Denken zu überwinden und um die Welt als Komplex, als Ganzheit erfassen zu können. Und wie fängt der famose „Dialektiker“ Marx sein Kapital an? Mit folgendem Satz:

Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Warensammlung“ (Marx 1859), die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.

Von hier aus versucht er dann baukastenartig sein System aufzubauen, was ihm natürlich nicht gelingen konnte. So ist sein Buch zwangsläufig ein unvollendetes Werk geblieben, das erst dann vollendet werden kann, wenn man die Gesellschaft so primitiv reorganisiert hat, daß sie in Marxschen Begriffen faßbar wird.

Es ist einer der Grundfehler der Mechanisten, gegen den Hegel angegangen ist, daß sie glauben, man könne einen Komplex verstehen, wenn man seine atomistische „Elementarform“ untersucht. Deshalb stand Marx in einer fundamental anderen Denktradition als Reich, nämlich in der der „Geometrisierung des Menschen“, vor der bereits LaMettrie zu Hochzeiten der sogenannten „Aufklärung“ gewarnt hatte (Ursula Pia Jauch: Jenseits der Maschine, München: Hanser, 1998). Diese Linie läßt sich bis zu Henri Bergson führen, dessen Philosophie maßgebenden Einfluß auf den jungen Reich hatte. Bergson wandte sich gegen die mechanistische „Vermessung“ des Menschen, gegen seine Einengung zur Maschine, gegen das, was man als „Entqualifizierung“ bezeichnen könnte. Für den Mechanisten zählt z.B. nur noch die Zeitspanne (Quantität), in der man eine Arbeit verrichtet und nicht mehr, wie man sie verrichtet (Qualität).

Wenn Reich also speziell auf den lebendigen Charakter der Arbeit abhebt, kann er sich nicht auf Marx‘ Arbeitswertlehre berufen, denn wie kann man sinnvoll von lebendiger menschentierlicher Arbeit sprechen, wenn man die Arbeit maschinenhaft auf die reine Quantität der verflossenen Zeit reduziert – wenn man nur von „abstrakter Arbeit“ spricht, wie es Marx mechanisierend und vermeintlich „verwissenschaftlichend“ explizit tut?! Dieses Kernstück der Marxistischen Ökonomie, die Mechanisierung, Quantifizierung, „Geometrisierung“ des Menschen, ist unvereinbar mit dem „Bergsonianismus“ Reichs!

Deshalb irrte sich Reich auch, als er schrieb:

Man wundert sich immer wieder über das sklavische Festhalten des Menschen an Schlagworte, wenn er etwas Neuem gegenübersteht. Zum Beispiel wird Wilhelm Reich als „Marxist“ bezeichnet, trotz seiner diversen veröffentlichten Stellungnahmen. (…) Wenn Wilhelm Reich ein „Marxist“ ist, ist er auch ein „Bergsonianer“. (N.N.: „The Position of Sex-Economy, A Clarification“,International Journal of Sex-economy and Orgone Research, Vol. 4, S. 213)

Das eine schließt das andere aus!

Wenn Reich in seinem Artikel über die Marxsche Arbeitswerttheorie Arbeit und Sexualität als oszillierende Funktionen nebeneinander stellt und beide auf die biologische Energie zurückführt (Menschen im Staat, S. 82), wird dies besonders deutlich. Man versuche nur den folgenden Satz von Marx auf die Sexualität zu übertragen:

Komplizierte Arbeit gilt nur als potenzierte, oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleines Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit.

Was ist das anderes als der lebenstötende mechanistische Ansatz von Sexualforschern wie etwa Masters und Johnson, wenn diese etwa den menschlichen Orgasmus zu erfassen versuchen?!

Am Anfang stand der Neuplatonismus

9. Oktober 2015

Zwischen 200 und 500 entwickelte sich der „Neuplatonismus“. In diesem mystischen System wurde alles in stufenweiser Abfolge aus dem letzten Urgrund abgeleitet. Durch Emanation gehen aus ihm zunächst die Platonischen Ideen hervor, aus diesen die Weltseele, die schließlich die Materie erschafft. In der Materie sind die Einzelseelen gefangen, indem sich aber jede bewußt wird, daß in ihr die ganze Weltseele gegenwärtig ist – daß also jeder Einzelne das ganze All in sich trägt und es erschaffen hat – kehrt sich der Prozeß der Emanation um. Die Seele kehrt in die Weltseele zurück, um letztlich wieder eins mit dem jenseitigen Gott zu werden.

Die Affinität des Neuplatonismus zum Christentum ist offensichtlich. So gab es zwischen den beiden immer wieder Überschneidungen, bis um 500 ein nicht weiter identifizierbarer syrischer Gelehrter unter dem Pseudonym „Dionysius Areopagita“ die neuplatonische Philosophie systematisch mit dem Christentum verband. In seiner „mystischen Theologie“ sollte der Mensch sich von seiner Anhänglichkeit an den Dingen „reinigen“, um vom Logos „erleuchtet“ zu werden, d.h. zu den reinen platonischen Ideen durchzudringen. Da diese aber noch einer Vielheit entsprechen, muß unser Geist noch einen letzten Schritt der „Einigung“ vollziehen, um wieder mit dem All-Einen zu verschmelzen. Aus dieser Sichtweise erkennen wir, daß wir Gott nicht fassen können, ihm keinen Namen geben können, daß alle Benennung auf Unterscheidung beruht, Gott aber das unvergleichliche All-Eine ist. Dem entspricht eine „negative Theologie“, die alle Aussagen von Gott fernhält und sogar alle negativen Aussagen, z.B. das Gott nicht existiert, verneint.

Hier sei kurz erwähnt, daß die Lehre vom Zusammenfall aller Gegensätze im absoluten Einen und die „negative Annäherung“ an das Eine, sowohl in abstrakter Weise Reichs orgonometrische Denkmethode als auch in mystischer Form Stirners solipsistischen Nihilismus vorwegnimmt. Ohne den Pseudo-Dionysius wäre die Entwicklung, die zu diesen beiden Männern führte, undenkbar gewesen.

Wenn Reich in Christusmord (Freiburg 1978, S. 200) schreibt, Bruno hätte sich in dem Hauptstrom des menschlichen Denkens bewegt, „der vierhundert Jahre später zur konkreten Formulierung der funktionellen orgonometrischen Gleichung führte“, bestätigt dies meine Einschätzung, denn Brunos unmittelbarer Geistesahn Nikolaus von Kues (Cusanus) schöpfte direkt aus dem Pseudo-Dionysius. Und was Stirner betrifft, möchte ich an dieser Stelle nur die beiden abschließenden Absätze seines Der Einzige und sein Eigentum zitieren:

Man sagt von Gott: „Namen nennen Dich nicht“. Das gilt von Mir: kein Begriff drückt Mich aus, nichts, was man als mein Wesen angibt, erschöpft Mich; es sind nur Namen. Gleichfalls sagt man von Gott, er sei vollkommen und habe keinen Beruf, nach Vollkommenheit zu streben. Auch das gilt allein von Mir. Eigner bin ich meiner Gewalt, und Ich bin es dann, wenn Ich Mich als Einzigen weiß. Im Einzigen kehrt selbst der Eigner in sein schöpferisches Nichts zurück, aus welchem er geboren wird. Jedes höhere Wesen über Mir, sei es Gott, sei es der Mensch, schwächt das Gefühl meiner Einzigkeit und erbleicht erst vor der Sonne dieses Bewußtseins. Stell’ ich auf Mich, den Einzigen, meine Sache, dann steht sie auf dem Vergänglichen, dem sterblichen Schöpfer seiner, der sich selbst verzehrt und Ich darf sagen: Ich hab’ mein’ Sach’ auf Nichts gestellt.

Der ungeheure Einfluß der vier areopagitischen Schriften auf das abendländische Denken verdankt sich der Tatsache, daß man sie, nach Apg 17,34, dem Apostelschüler und ersten Bischof von Athen zuschrieb. So kam im Mittelalter die Lehre des Pseudo-Dionysius gleich nach den Aposteln. Albertus Magnus glaubte sogar, sie wäre vom Heiligen Geist selbst verfaßt worden.

Bevor Dionysius seine nicht zu überschätzende Wirkungsgeschichte im Abendland entfalten konnte, mußte er erst aus dem damals so gut wie unbekannten Griechischen ins Lateinische übersetzt werden. Dies leistete der irische Mönch Johannes Scottus Eriugena (ca. 810 – ca. 880) am Hofe Karls des Kahlen in Paris. Mitten im finstersten Mittelalter brachte es Eriugena sogar fertig die areopagitische Philosophie weiterzuentwickeln. Dazu möchte ich zunächst noch einmal auf Christusmord zurückkommen, wo Reich schreibt: „Bruno kannte das Gesetz der gleichzeitigen funktionellen Identität und Gegensätzlichkeit, wenn auch nur in abstrakter Form.“ Dieses geht aber ursprünglich auf Eriugena zurück:

Er konnte (…) Einheit denken als bewegte Einheit von Gegensätzen; damit bereitete er den Weg für Nikolaus von Kues, Giordano Bruno, [Georg] Hamann und Hegel. Er ließ Koinzidenzphänomene gelten, so die Einheit von Aufstieg und Abstieg, von Ruhe und Bewegung, von Offenbaren und Verbergen. (Kurt Flasch: Das philosophische Denken des Mittelalters, Stuttgart 1986, S. 175)

In seinem fünfbändigen Werk „Über die Einteilung der Natur“ Periphyseon nahm Eriugena in seinem Bestreben Philosophie und Theologie in Übereinstimmung zu bringen geradezu Hegel vorweg. (Wie wir noch sehen werden, sollte Eriugena sogar seine eigenen „Stirner“ bekommen). Und Hegel wäre ohne die mittelalterliche deutsche Mystik undenkbar, die wiederum ohne Eriugena kaum vorstellbar ist.

Für die Neuplatoniker war die Materie das schlechthin böse, was sich natürlich mit der jüdisch-christlichen Lehre von der guten Schöpfung Gottes biß. Deshalb formte Eriugena den neuplatonischen Akosmismus in etwas um, was jederzeit in Pantheismus abgleiten konnte (was noch unvereinbarer mit der jüdisch-christlichen Lehre wäre), denn für Eriugena sind Gott und Welt wohl nicht formell aber substantiell identisch (weshalb es für Eriugena auch kein substantiell Böses geben konnte). Gott ist überall und in allem und hört doch nicht auf über allem zu stehen.

Nach Eriugena geht die Welt wie folgt aus Gott hervor:

  1. Gott ist die unverursachte Ursache für alles, er ist die schaffende aber nicht geschaffene Wirklichkeit, die
  2. die Entstehungsgründe für jedes einzelne hervorbringt, die Platonischen Ideen als geschaffene und schaffende Wirklichkeit, welche
  3. die einzelnen Dinge hervorbringt; dies ist die geschaffene aber nicht schaffende Wirklichkeit, welche
  4. im menschlichen Geist als nicht schaffende und (wie Gott) nicht geschaffene Wirklichkeit zu Gott zurückkehrt.

Eriugena zufolge sind im menschlichen Denken die Dinge wahrer als in sich selbst und indem der Mensch sie vereinigend in ihren Ursprung zurückführt, zeigt er seine Ebenbildlichkeit mit Gott. Der Mensch faßt die Welt zusammen und vergöttlicht sie so. So bekommt der Mensch bei Eriugena eine ganz eigentümliche Würde verliehen, die fast schon an Nietzsche gemahnt. Im Gegensatz zu Pseudo-Dionysius sah Eriugena den Menschen also nicht nur passiv der sich durch die Hierarchie vermittelnden Erleuchtung hingebend, sondern als aktiv tätigen Geist, mit einem unmittelbaren Bezug auf Gott. Implizit bedeutete dies natürlich eine Infragestellung der „kirchlichen Hierarchie“.

Gegenüber dem rein mystischen Dionysius bekam bei Eriugena die Vernunft einen hohen Stellenwert. Diese rationalistische Herangehensweise zeigt sich z.B. daran, daß Eriugena Himmel und Hölle nicht als reale Orte, sondern als Bewußtseinszustände betrachtete, demnach war der Mensch zeitlich auch nie im Paradies. Trotzallem galt Eriugena drei Jahrhunderte nicht als häretisch. Erst 1210 wurden seine Werke verurteilt und verbrannt.

Die Schuld daran trug der Theologe Amalrich von Bena (gestorben etwa 1206), der Dozent an der Pariser Universität war. Amalrich griff Eriugenas Ideen wieder auf und formte sie zu einem konsequenten Pantheismus um. 1204 wurde er von seinen theologischen Kollegen verklagt und daraufhin vom Papst zum Widerruf gezwungen, obwohl er sich ständig auf Paulus berief: Wie alle einschließlich unserer Körper seien Teile vom Leibe Christi (Eph 5,30; 1 Kor 6,15 und 12,27). Gottes Allgegenwart und Identität mit dem All sollte die Aussage von Paulus belegen, Gott habe alle Dinge geschaffen. „Sie bestehen durch ihn und haben in ihm ihr Ziel“ (Röm 11,36). Gott allein sei der Herr, „der alles und in allem wirkt“ (1 Kor 15,28). Alles im Himmel und auf Erden wurde durch Christus geschaffen und alles habe in ihm sein Ziel (Joh 1,3-4 und Kol 1,16).

Amalrichs pantheistische Anschauungen mußten natürlich mit der Vorstellung in Konflikt geraten, daß sich beim Abendmahl das Brot in den Leib Christi und der Wein in sein Blut umwandle. Überhaupt machten Sakramente angesichts einer solchen Weltheiligung und ihres „Pansakramentalismus“ keinen Sinn mehr. Und selbst die Moral und Ethik der Kirche mußten zu nichts werden, denn schließlich sei ja aller Wille letztlich göttlicher Wille und deshalb Gewissensbisse unnötig. Ganz paulinisch wurde bei Amalrich die göttliche Gerechtigkeit restlos von der göttlichen Gnade verdrängt. Die Liebe würde alles heiligen und alles was in Liebe geschehe, sei keine Sünde. Zumal ja schon Eriugena gelehrt hatte, daß es substantiell Böses gar nicht geben könne.

Eriugena hatte den weltflüchtigen, mystischen Neuplatonismus in einen rationalistischen Pantheismus (mit allen oben erwähnten Einschränkungen) „verwestlicht“. Diesen hatte Amalrich konsequent in eine Seinslehre der Weltheiligung umgeformt. Bis sie 1210 von der Inquisition verbrannt oder lebenslänglich eingekerkert wurden, wandelten nun Amalrichs Schüler, die Amalrikaner, diese Seinslehre in eine Lebenslehre. Ja, indem sie pantheistische Philosophie und paulinische Theologie mit der theologischen Geschichtsspekulation von Joachim von Fiore verbanden, riefen sie sogar eine neue Heilslehre ins Leben.