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Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Von Freud zu Reich (Teil 8)

24. Oktober 2015

Die bisherigen Ausführungen vermitteln ein etwas schiefes Bild der Entwicklung der Orgonomie. Denn sie hob nicht mit theoretischen Überlegungen über Energie an, sondern mit der unvermittelten existentiellen Erfahrung der Körperströmungen und des orgastischen Erlebens des einzelnen Menschen Wilhelm Reich.

Reich schrieb dazu 1947 in einer Darstellung der Geschichte des Orgonomischen Funktionalismus:

Der embryonale Funktionalismus gab der Energie in der natürlichen Entwicklung den Vorzug, ohne in der Lage zu sein, diesen Vorrang zu beweisen. Und es gab zu der Zeit nichts, das erklären würde, wo ein junger Naturwissenschaftler diese Voreingenommenheit ausgebildet haben könnte. (…) Aus heutiger Sicht scheint es so, daß diese Priorität einfach auf den Empfindungen von Bewegung in meinem eigenen Organismus beruhte. Es war nichts weiter als ein Vorurteil, das sich später als richtig herausstellte. (Orgonomic Functionalism, Vol. 1, S. 4; Hervorhebungen hinzugefügt)

In einer 1952 verfaßten Autobiographie stellt es Reich so dar, daß seine Lebensarbeit praktisch 1916 begann, als er im Alter von 19 Jahren, nachdem er bereits über sechs Jahre hinweg sexuell aktiv gewesen war, zum ersten Mal beim Geschlechtsakt das erfuhr, was er später „orgastische Potenz“ nennen sollte; das totale Verschmelzen mit einem anderen Organismus.

In dieser ersten wichtigen Erfahrung des süßen Strömens des lebendigen Lebens, wurzeln die meisten von WRs Hauptleistungen. (ebd., S. 88)

Die gesamte Orgonomie ist sozusagen die Verarbeitung dieser Urerfahrung des k.u.k.-Leutnants hinter der italienischen Front.

Man kann die Ursprünge der Orgonomie also nicht einfach mit dem „eigenartigen Kult des Energiebegriffs, der um 1890 herrschte und den Nährboden für allerlei energetische Spekulationen bildete“ (Russelman) gleichsetzen. Gemeint ist die Epoche der „Energetik“ von Wilhelm Ostwald und des „Monismus“ von Ernst Haeckel (der mit seinem „biogenetischen Grundgesetz“ entscheidenden Einfluß auf die Psychoanalyse und damit auf die Orgonomie nahm, wie in Biologische Entwicklung aus Sicht der Orgonomie gezeigt wurde).

Russelman führt Freuds Libidobegriff auf diesen „Kult“ zurück und von dort weiter auf den Beginn des Zeitalters der Dampfmaschinen und der sich aus dieser Technik entwickelnden Thermodynamik. So begegneten sich Reichs persönliches Erleben einer vollständigen Entladung überschüssiger Energie durch das genitale Ventil und eine wissenschaftliche Tradition, die in Freuds Libidotheorie kulminierte. Diese Verbindung bildete dann den Ursprung des Reichschen „Dampfkesselmodells“ der menschlichen Sexualität: die Energie, die die Neurose speist (EN), ist die Differenz aus der angesammelten (EA) und der entladenen Energie (EE).

Bis zum heutigen Tag kann sich die Orgonomie in dieser Hinsicht ohne jede Einschränkung auf den Energiebegriff der Physik berufen. Man nehme z.B. folgenden Satz aus dem dtv-Lexikon für Physik, in dem die Orgasmustheorie schon auf einer rein physikalisch-mechanischen Ebene vorgegeben ist:

Enthält ein physikalisches System Energie, so kann es Arbeit leisten und dabei Energie aus dem eigenen Energievorrat nach außen abgeben.

Beim Energiesystem Mensch entlädt sich die Energie ebenfalls, entweder indem es Arbeitet leistet oder durch die ganzkörperliche Plasmazuckung auf dem Höhepunkt der genitalen Umarmung.

Trotzdem hat man immer wieder Reichs Gebrauch des Begriffes „Energie“ angegriffen, da Reich diese von der Physik streng bestimmte Größe „biologistisch“ mißbraucht hätte. Man vergleiche dies mit der Darstellung des Physikers Nigel Calder in seinem Buch über Einsteins Universum (Frankfurt 1980):

Der Begriff Energie in der Physik unterscheidet sich nicht sehr von der allgemeinen Bedeutung im Alltagsleben. Eine „energische“ Person arbeitet und spielt mit Vehemenz und steckt auch ihre Umgebung damit an. Nationen durchleben „Energie-Krisen“ (…). Für den Physiker bedeutet Energie die Möglichkeit, Veränderungen in der Welt hervorzurufen: Dinge sich bewegen zu lassen (…) die Sonne strahlen zu lassen (…) Pflanzen wachsen zu lassen (…) Atome in statistisch willkürliche Bewegung zu versetzen (Wärmeenergie).

Nicht anders verstand Reich die Energie im allgemeinen und die Orgonenergie im besonderen.

Aber zurück zu Wilhelm Reichs Sexualleben: Wenn die Wissenschaftler ehrlich sind, muß wohl jeder einzelne zugeben, daß ihn als Heranwachsenden die „letzten Fragen“ zum Studium der Wissenschaften bewogen haben und daß der Kern dieser „letzten Fragen“ sein Sexualleben war. Doch nur Sexualwissenschaftler wie Havelock Ellis (1859-1939) haben dies offen zugegeben, der durch die Beunruhigung durch nächtliche Samenergüsse mit 17 den Entschluß faßte, die Sexualität zu erforschen. Er kam zur Erforschung der perversen Sexualität.

Genauso sieht es im Verborgenen mit den Motiven und den daraus folgenden „perversen“ Forschungsergebnissen fast aller Wissenschaftler aus. Dies ist der tiefste Kern von Reichs Aussage, daß „die Orgonphysik von vollkommen neuen Beobachtungen und neuen theoretischen Annahmen ausgeht“ (Äther, Gott und Teufel, S. 150). Es war Reichs vollkommen anderes Erleben, daß ihn dazu führte, das Orgon zu entdecken. Fast zwangsläufig mußten ihn die anderen deshalb für verrückt halten: von ihrem gepanzerten Bezugsrahmen aus gesehen, war Reich tatsächlich ver-rückt.

Die Pseudowissenschaft „Orgonomie“ (Teil 2)

1. Juni 2012

Man kann die Ursprünge der Orgonomie nicht einfach mit dem „eigenartigen Kult des Energiebegriffs, der um 1900 herrschte und den Nährboden für allerlei energetische Spekulationen bildete“ (G. Russelman: „Der Energiebegriff in der Bioenergetik Alexander Lowens“, Integrative Therapie, 1/88), gleichsetzen. Gemeint ist die Epoche der „Energetik“ von Georg Ferdinand Helm (1951-1932) und Wilhelm Ostwald (1853-1932) sowie des „Monismus“ von Ernst Haeckel (der mit seinem „biogenetischen Grundgesetz“ entscheidenden Einfluß auf die Psychoanalyse und damit auf die Orgonomie nahm). Russelman führt Freuds Libidobegriff auf diesen „Kult“ zurück und von dort weiter auf den Beginn des Zeitalters der Dampfmaschinen und der sich aus dieser Technik entwickelnden Thermodynamik. So begegneten sich Reichs persönliches Erleben einer vollständigen Entladung überschüssiger Energie durch das genitale Ventil, mit einer wissenschaftlichen Tradition, die in Freuds Libidotheorie kulminierte. Diese Verbindung bildete den Hintergrund des Reichschen „Dampfkesselmodells“ der menschlichen Sexualität.

Bis zum heutigen Tag kann sich die Orgonomie in dieser Hinsicht ohne jede Einschränkung auf den Energiebegriff der Physik berufen. Man nehme z.B. folgenden Satz aus dem dtv-Lexikon für Physik, in dem die Orgasmustheorie schon auf einer rein physikalisch-mechanischen Ebene widergegeben ist: „Enthält ein physikalisches System Energie, so kann es Arbeit leisten und dabei Energie aus dem eigenen Energievorrat nach außen abgeben.“ Beim Energiesystem Mensch entlädt sich die Energie ebenfalls, entweder indem es Arbeit leistet oder durch die ganzkörperliche Plasmazuckung auf dem Höhepunkt der genitalen Umarmung.

Trotzdem hat man immer wieder Reichs Gebrauch des Begriffes „Energie“ angegriffen, da Reich diese von der Physik streng bestimmte Größe „biologistisch“ mißbraucht habe. Man vergleiche dies mit der Darstellung des Physikers Nigel Calder:

Der Begriff Energie in der Physik unterscheidet sich nicht sehr von der allgemeinen Bedeutung im Alltagsleben. Eine „energische“ Person arbeitet und spielt mit Vehemenz und steckt auch ihre Umgebung damit an. Nationen durchleben „Energie-Krisen“ (…). Für den Physiker bedeutet Energie die Möglichkeit, Veränderungen in der Welt hervorzurufen: Dinge sich bewegen zu lassen (…) die Sonne strahlen zu lassen (…) Pflanzen wachsen zu lassen (…) Atome in statistisch willkürliche Bewegung zu versetzen (Wärmeenergie). (Einsteins Universum, Frankfurt 1980)

Nicht anders verstand Reich die Energie im allgemeinen und die Orgonenergie im besonderen.

Aber zurück zu Wilhelm Reichs Sexualleben: Wenn Wissenschaftler ehrlich sind, muß wohl jeder einzelne zugeben, daß ihn als Heranwachsenden die „letzten Fragen“ zum Studium der Wissenschaften gebracht haben und daß der Kern dieser „letzten Fragen“, zumindest in der Pubertät, sein Sexualleben war. Doch nur Sexualwissenschaftler wie Havelock Ellis (1859-1939) haben dies offen zugegeben, der durch die Beunruhigung durch nächtliche Samenergüsse mit 17 den Entschluß faßte, die Sexualität zu erforschen. Er kam zur Erforschung der perversen Sexualität. Ähnlich sieht es im Verborgenen mit den Motiven und den daraus folgenden „perversen“ Forschungsergebnissen fast aller Wissenschaftler aus. Dies ist der tiefste Kern von Reichs Aussage, daß „die Orgonphysik von vollkommen neuen Beobachtungen und neuen theoretischen Annahmen ausgeht“ (Äther, Gott und Teufel, S. 150). Es war Reichs vollständig anderes Erleben, daß ihn dazu führte, das Orgon zu entdecken und fast zwangsläufig mußten ihn die anderen deshalb für verrückt halten: von ihrem gepanzerten Bezugsrahmen aus gesehen, war Reich tatsächlich ver-rückt.

Inwieweit die „unsexuellste“ und wissenschaftlichste aller Wissenschaften, die Physik entsprechend aus der Sichtweise des Lebendigen ver-rückt ist, läßt sich besonders gut anhand einer Aussage Einsteins festmachen:

Für das physikalische wie überhaupt naturwissenschaftliche Denken ist es charakteristisch, daß es im Prinzip mit den „raumartigen“ Begriffen allein auszukommen trachtet und mit ihnen alle gesetzlichen Beziehungen auszudrücken strebt. Der Physiker sucht Farben und Töne auf Schwingungen zu reduzieren, der Physiologe Denken und Schmerz auf nervöse Prozesse, derart, daß das Psychische als solches aus dem Kausal-Nexus des Seienden eliminiert wird, also nirgends als selbständiges Bindeglied in den kausalen Zusammenhängen auftritt. Diese Einstellung, welche die Erfassung aller Zusammenhänge unter exklusiver Verwendung nur „raumartiger“ Begriffe für im Prinzip möglich betrachtet, ist es wohl, was man gegenwärtig unter „Materialismus“ versteht. (Über die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, Braunschweig 1960)

Dieser mechanistische Materialismus eliminiert alle spezifischen Charakteristika der Orgonenergie aus der Betrachtung von Umwelt und Innenwelt; die Emotionen werden bewußt beiseite geschoben. Zum Beispiel sollte doch jeder nicht zu arg gepanzerte Mensch spüren, daß die Atmosphäre in Räumen, die (noch) nicht mit Leuchtstoffröhren bzw. „Energiesparlampen“, sondern mit Glühlampen ausgestattet sind, sich „weicher und angenehmer“ „anfühlen“ und daß man sich hier wohler fühlt als unter Neonlicht. Und es ist wirklich grotesk, denn fast alle Menschen spüren es; jeder merkt es, verdrängt es aber gleich wieder, weil die Physik nichts nachweisen kann, außer vielleicht, daß das Spektrum des Leuchtstoffröhrenlichts „natürlicher“ ist. So zerstören wir unsere Umwelt und uns selbst, weil wir alles Störende, Emotionale, Qualitative, Ungesetzmäßige von vornherein ausklammern und „wissenschaftlich“ idealisierend an die Sache herangehen. Gehört es nicht zu fast jeder Behandlung der Radioaktivität in den Massenmedien, daß gesagt wird, man könne sie nicht spüren! In der Hamburger Uni lernt jeder angehende Physiker in seiner ersten Vorlesung, daß man seinen Sinnen nicht trauen kann und sie tunlichst aus der Physik heraushalten sollte. So entledigt man sich seines wichtigsten und empfindlichsten Forschungsinstruments und verläßt sich auf dumme, unendlich primitive Maschinen.

Alles ist perfekt darauf ausgerichtet, das Orgon nicht zu entdecken und orgonotische Phänomene perfekt wegzuerklären.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=4t5h-93bxOY%5D

Der orgasmische Affe (Teil 1)

8. November 2011

Anläßlich der gegenwärtigen Ausstellung SEX in Stuttgart, in der genüßlich die „bizarren Sexpraktiken“ der Tiere präsentiert werden, möchte ich die Reichsche Orgasmustheorie in den Rahmen der Evolutionsbiologie stellen.

In den 1930er Jahren, als Reich im Anschluß an die Formulierung seiner Spannungs-Ladungs-Funktion durch die mikrobiologische Bionforschung seine Orgasmustheorie im Tierreich (Amöben und Protozoen) verankerte, kam der holländische Verhaltensforscher Nikolas Tinbergen zu ganz ähnlichen Ergebnissen bei der Erforschung des Verhaltens von höheren Wirbeltieren. Jedenfalls gibt es in der klassischen Verhaltensforschung Ansätze, die der energetischen Betrachtung des Triebgeschehens durch Reich nahe kommen.

Hier stand man unmittelbar vor der Entdeckung der Orgasmusfunktion und des Orgons – hätten die Forschungsobjekte der Verhaltensforscher so „orgastisch“ funktioniert wie zur gleichen Zeit Reichs zwei Forschungsobjekte in Skandinavien auf der vegetotherapeutischen Couch (der Orgasmusreflex beim Menschen) und unter dem Mikroskop (der „Orgasmusreflex“, bzw. die Teilung der Einzeller). Siehe dazu meine Ausführungen in Hans Hass und der energetische Funktionalismus.

Heute wird leider der energetische Ansatz der klassischen Verhaltensforschung (Tinbergen, von Holst, Lorenz, Hass) von der angloamerikanischen Tradition der „Soziobiologie“ bzw. „Psychobiologie“ verdrängt (bekanntester Vertreter ist E.O. Wilson von der Harvard University), die sich vollständig von biophysikalisch-energetischen Betrachtungen gelöst hat. Das eigentlich Biologische an der Biologie sei die Entwicklung von Information in der Evolution. An die Stelle des Energiebegriffs ist der der Information getreten. Ganz im Gegensatz zur Physik frägt man nicht nach Wirkursachen, sondern nach Zweckursachen. Triebe spielen hierbei keinerlei Rolle mehr. Bezeichnenderweise hat Wilson seine Theorie aus der Untersuchung von Insekten, also „bionischen Maschinen“ geschöpft.

Im Vergleich mit der mechanistischen Soziobiologie kommt die ältere ganzheitliche, gestalterkennende Schule, die „deutsche“ Tradition der Verhaltensforschung der Orgonbiophysik sehr nahe; etwas, was bis jetzt noch niemand festgestellt zu haben scheint. Das Übersehen dieser Tradition kommt daher, daß Lorenz in Amerika nicht sehr populär ist und in Europa die Orgonomie wegen des Naziverdachts, insbesondere aber wegen der Theorie vom „Aggressionstrieb“ mit Lorenz nichts am Hut hat.

Auch die Verhaltensforscher schalten zwischen dem genetisch kodierten Verhaltensmuster und dem tatsächlichen Verhalten als „dritten Faktor“ (Hans Hass) den Trieb. Hass wendet sich gegen eine rein Pawlowsche Reduktion des tierischen Verhaltens auf bedingte Reflexe, vielmehr sei bei den Schlüsselreizen und der angeborenen Reaktion auf sie, das energetische Triebgeschehen zu beachten:

Diese Triebe sind veränderlich und führen gleichsam ein Eigenleben. Sind sie aktiv, dann sucht das Tier nur noch nach dem Schlüsselreiz, auf den sein Triebverhalten hinzielt. Ist der Trieb abreagiert, dann achtet es auf solche Schlüsselreize nicht mehr – und andere Triebe beherrschen sein Verhalten.

Die Unterschiede zwischen der Verhaltensforschung und Reich sind praktisch mit denen zwischen Freud und Reich identisch. Hass führt 14 „Haupttriebe“ an mit zusätzlichen „Nebentrieben“ und der Instanz „Einsicht“, mit der die Triebe beherrscht werden (Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978). Zusätzlich baut sich noch „jeder Haupttrieb in Wahrheit aus einer ganzen Hierarchie von Einzelheiten auf“. Dies ist praktisch die gleiche Situation, die schon in der Sexuologie und psychiatrischen Psychologie vor Freud herrschte, über die Reich schreibt, daß es in ihr „ebenso viele Triebe wie menschliche Handlungen, oder beinahe ebenso viele“ gegeben habe.

Es gab einen Nahrungstrieb, einen Propagationstrieb für die Fortpflanzung, einen Exhibitionstrieb für die Exhibition, einen Machttrieb, einen Geltungstrieb, einen Nährinstinkt, einen Muttertrieb, einen Trieb zur Höherentwicklung des Menschen, einen Kultur- und Herdentrieb, selbstverständlich auch einen sozialen Instinkt, einen egoistischen und einen altruistischen Trieb, einen eigenen Trieb für die Algolagnie (Schmerzsucht) und einen für den Masochismus, einen für den Sadismus und einen Transvestitischen Trieb – kurz, es war sehr einfach und doch furchtbar kompliziert. (Die Funktion des Orgasmus, S. 31)

Die Freudsche Triebtheorie mit ihren „Partialtrieben“ änderte daran wenig. Reich:

Jeder von ihnen, auch die, die Perversionen bedingen, war biologisch festgelegt. (…) Zerschlug ein Kind ein Glas, so war es der Ausdruck des Destruktionstriebes. Fiel es oft hin, so wirkte der stumme Todestrieb.

Dieser „Konstitutionslehre“ setzte Reich die „dynamische Auffassung des seelischen Erkrankungen“ entgegen, die auf seiner genitalorgastischen Theorie basierte.

Selbst für jeden einzelnen Schritt des Sexualablaufs gab es vor Reich einen eigenen „Trieb“. Albert Moll sprach von einem Konkrektations- und einem Detumenszenztrieb als den Teiltrieben des Geschlechtstriebes. Havelock Ellis hat den letzteren weiter in einen Tumeszenztrieb, der der physiologischen Vorbereitung des Geschlechtsaktes diente, und dem eigentlichen Detumenszenztrieb aufgespalten. Diese Triebe würden sich aus der Evolutionsgeschichte des Menschen ergeben. Die primitivsten Vorfahren des Menschen pflanzten sich asexuell durch Knospung oder Teilung fort, durch Spannung und Entspannung, während der mehr psychische Konkrektationstrieb, das Zueinander-Hingezogensein, erst in späteren Evolutionsschritten mit dem Auftreten zweier voneinander getrennter Geschlechter in Erscheinung getreten wäre (Frühe Schriften, S. 101, Die Funktion des Orgasmus, S. 31, Frank J. Sulloway: Freud – Biologe der Seele, Köln 1982, S. 419f).

Reich hat all diese komplizierten Formulierungen in seiner wissenschaftlichen Entwicklung durch einfache energetische Beschreibungen ersetzt. Wichtig ist jedoch festzuhalten, daß Reich aus einer Tradition stammt, die den Trieb evolutionär verstehen wollte. Die wissenschaftliche Matrix aus der sich der junge Reich heraus entwickelt hat, wurde in der Orgonomie aber praktisch noch gar nicht rezipiert.

Reich bietet hier einen neuen Ansatz zur Evolutionsbiologie, der einerseits schon in den Grundlagen der Psychoanalyse als „Biologie der Seele“ (Sulloway) angelegt war und andererseits formal dem Ansatz des Verhaltensforschers Hass entspricht, der sich dem Triebaufbau des Menschen ganz ähnlich nähert:

Wenn sämtliche Organismen Teile einer einzigen großen Entwicklung sind, dann eröffnet sich eine ganz neue Möglichkeit, die Phänomene unseres Verhaltens zu erforschen (…): bei den niedrigsten uns bekannten Organismen. Er beginnt bei den einfachsten Lebenserscheinungen, bei den einfachsten Formen von „Verhalten“ und führt dann Stück um Stück den weiteren Entwicklungsweg empor.

Wenn man die entsprechenden Entwicklungslinie der Orgasmusfunktion verfolgt; mit der Zellebene anfängt, die Reich erforschte, und diese direkt mit der menschlichen Baumspitze verbinden will, treten ganz entschiedene Schwierigkeiten auf, die das eigentliche Thema dieser Ausführungen sein sollen. Die zweifelnden Gedankengänge hinter diesen Ausführungen wurden von folgender Aussage ins Rollen gebracht:

Der Körper-Panzer des Menschen ist im Laufe der Menschheitsgeschichte dünner geworden. Schauen Sie sich mal den Muskelaufbau der Affen an. Der Cro-Magnon-Mensch hat sich bestimmt nicht für ein Sensitivitätstraining geeignet. Es scheint, als ob der Mensch immer aufrechter geht, seine Haut immer dünner wird, er überhaupt immer flexibler wird. Sexualität ist beim Menschen nicht auf bestimmte Zeiten im Jahr beschränkt.

Der Mensch sei, so der „Bioenergetiker“ Stanley Keleman weiter in einem Gespräch mit Psychologie heute (Juni 1975), in seiner Entwicklung verglichen mit den Affen immer freier geworden und habe eine immer reichhaltigere bioenergetische Ausdrucksmöglichkeit erlangt.

Diese Aussage (bei der die Tendenz, nicht der substantielle Inhalt wichtig ist) hat zweifellos etwas für sich, schlägt aber offensichtlich den Ansichten Reichs ins Gesicht.