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Besprechung von Andreas Peglau: RECHTSRUCK IM 21. JAHRHUNDERT (Teil 1)

13. August 2017

Der folgende Absatz faßt Andreas Peglaus Buch zusammen:

Je intensiver gesunde Gefühle und gesunde Sexualität weiterhin durch patriarchal-autoritäre Normen und Institutionen, durch Kleinfamilien und Kirchen unterdrückt und pervertiert werden, je schlimmere Erniedrigungen, je mehr Existenzangst der neoliberale Kapitalismus dem hinzufügt, desto mehr destruktives Potential steht zur Verfügung – gerade für „rechte“ Bewegungen. Hier läßt sich die anerzogene Unterwürfigkeit beibehalten; sie muß nur auf Ersatzführer und neue Idole umgelenkt werden. Der seit Kindheit angestauten Wut werden zudem sozial Schwächere, oftmals bereits Ausgegrenzte als Feindbilder präsentiert, an denen man sich ohne größeres Risiko abreagieren kann. (S. 85)

Die erste Hälfte des Buches (50 Seiten), wo es um Reichs Entwicklung bis 1933 geht, dessen Massenpsychologie des Faschismus und, wenn auch sehr kurz, um dessen späteres Schicksal, gehört zum Besten, was ich je über Reich gelesen habe. Hier möchte ich aber sogleich meinen ersten Kritikpunkt anbringen. Die heute verbreitete Version der Massenpsychologie des Faschismus verkleistert durch die wirre Aufteilung in Kapitel, die nicht mit der der Originalversion von 1946 übereinstimmt, daß das Buch aus drei klar voneinander getrennten Teilen besteht: das gering revidierte und mit Zusätzen versehene 1933 erschienene Buch über den Nationalsozialismus, eine Mitte der 30er Jahre verfaßte Abrechnung mit dem Stalinismus und drittens einen Anfang der 40er Jahre verfaßten Abschnitt über die Arbeitsdemokratie. Über diesen letzten Teil verliert Peglau kein einziges Wort! Peglau erwähnt, mit Berufung auf David Boadella, daß Reich am Ende psychisch zunehmend angeschlagener wurde, doch mit keinem Wort wird die Emotionelle Pest erwähnt oder wird erwähnt, daß der McCarthyismus (die „Rechte“ in den USA) bei Reichs Verfolgung keine Rolle spielte.

Wer heute von der Alternative „Kapitalismus oder Klima“ spricht (siehe S. 75), so als würde hier nicht „Wissenschaft“ für bestimmte Interessen manipuliert und instrumentalisiert, ist schlichtweg naiv. Ähnliches ließe sich über die angeblich „lebensbejahende“ Politik der offenen Grenzen sagen, die die Löhne und die Sozialstandards drückt! Übrigens setzt Peglau „Fremdenfeindlichkeit“ durchweg mit „Lebensfeindlichkeit“ gleich (S. 107). Die Biologie sieht das anders – jeder Schimpanse sieht das anders. Ja, jedes Volk auf dem Planeten sieht das anders, bis auf die Weißen. Was sollte daran „lebensbejahend“ sein, nicht für die Interessen der eigenen Gruppe einzutreten? Was sollte daran „lebensbejahend“ sein, Araber mit einem durchschnittlichen IQ von 85 und Afrikaner mit einem von 70 zu Millionen ins Land zu lassen? Was ist daran „lebensbejahend“, sich den Islam ins Land zu holen? Beide Faktoren (niedriger IQ und Islam) sind mit einer Demokratie nicht vereinbar.

In diesem Zusammenhang muß ich eine Stelle im Buch erwähnen, bei der ich laut auflachen mußte. Peglau setzt Demokratie mit „Volksherrschaft“ gleich, was alle Menschen, also auch die Fremden umfasse (S. 103). Der naheliegende Einwand von wegen „Volk“ wird in einer Fußnote abgebügelt: es wäre haltlos von einem ewig abgeschotteten „Staatsvolk“ zu reden, man brauche nur ins Berliner Telefonbuch schauen. Ohne die hier evident werdende „ständige Durchmischung inklusive Zuwanderung“, „dürfte wohl auch heute kein deutscher Staat mehr existieren: Nationalistische ‚Inzucht‘ führt planmäßig zum Aussterben“ (S. 151). Mal abgesehen davon wie abwegig dieser Gedanke bei einem 80 Millionen-Volk ist und daß Peglau hier plötzlich die Biologie anführt: Wie verpeilt ist es, Millionen von Moslems ins Land zu holen, die über viele Generationen hinweg tatsächlich systematisch Inzucht betrieben haben?

Peglau will uns aufklären, uns die Augen öffnen, uns Mitgefühl und Solidarität vermitteln, zeigt aber untergründig eine erschreckende Kälte, Kontaktlosigkeit und Ahnungslosigkeit. Peglau erwähnt den GULAG und Hiroshima, warum nicht das weitaus Näherliegendere: den Alliierten Bombenterror und die Vertreibung aus dem Osten? Warum beklagen deutsche Gutmenschen stattdessen den alliierten Bombenterror in Japan oder die Massenvertreibungen im Nahen Osten? Diese komplette Absurdität, für die Peglau offenbar jedes Sensorium fehlt, ist ein Thema der Massenpsychologie, das man mit Hilfe eines Buches aufschlüsseln kann, welches ich am Ende erwähnen werde. Antisemitismus? Der ist heutzutage wohl eher ein Problem der Linken, die geradezu besessen von „Israel und den Palästinensern“ ist. Sich für tote Juden zu „engagieren“ ist billig! Wer nicht zu Israel steht, soll gefälligst von der Shoa und vom Antisemitismus schweigen! Apropos Juden: die Juden von 1933 werden von Peglau mit den heutigen Moslems, Zigeunern, Homosexuellen und Arbeitslosen verglichen! (S. 84). Da zieht sich bei mir wirklich alles zusammen. Es ist auch geschichtsblind: die Juden waren überdurchschnittlich, teilweise geradezu sensationell erfolgreich… Es ist der helle Wahnsinn Reichs Widerstand gegen die NSDAP mit dem heutigen „Antifaschismus“ gleichzusetzen, der durchweg vollständig risikolos und schlichtweg verachtenswert ist. Die organisierte Emotionelle Pest auf deren Seite sich Peglau stellt – im Namen Wilhelm Reichs!

Peglau rückt den Neoliberalismus zumindest in die Nähe des Faschismus. Dagegen stellt er Gleichheit und Gerechtigkeit, so als würden diese sich nicht gegenseitig ausschließen. Das sieht man allein schon daran, daß es einen Sozialstaat nur bei geschlossenen Grenzen geben kann. Von einem „neoliberalen System“ in Deutschland zu sprechen, ist schon deshalb abwegig, weil die Staatsquote bei fast 45% liegt. Ebensogut könnte man von einem sozialistischen System sprechen. Aber ich möchte mich gar nicht auf die Diskussion einlassen, beispielsweise trat Friedrich von Hayek für eine staatliche Grundsicherung ein, sondern darauf hinweisen, daß Peglau eine linke Vision präsentiert, andere eine rechte Vision präsentieren könnten, – diese Visionen an sich aber vollkommen irrelevant sind. Sie sind der jeweilige Ausdruck unterschiedlicher Charakterstrukturen. Erst nachdem diese in ihrer Dynamik durchschaut worden sind, kann man sich daran machen, die Welt jenseits der beiden ideologischen Scheuklappen zu betrachten. Peglau selbst führt Reichs Dreischichten-Modell (Kern, sekundäre Schicht, Fassade) an (beispielsweise S. 105f), kommt aber nicht auf den Gedanken, daß der „Liberalismus“ (gemeint ist der Linksliberalismus und Sozialismus) und damit seine, Peglaus im Buch ausgebreitete Theorien direkter Ausdruck der oberflächlichen Schicht ist. Folgt man Elsworth F. Bakers Ausführungen in Der Mensch in der Falle ist Peglau ein „sozialistischer Charakter“.

Daß Peglau kein einfacher Liberaler ist, wird an seiner grundsätzlich positiven Haltung zur sogenannten „DDR“ deutlich (weil diese grundsätzlich antifaschistisch gewesen sei), insbesondere aber aus folgenden beiden Sätzen, die man mehrmals lesen sollte:

Klare „Verordnungen“ der Führenden gegen faschistoide Tendenzen und entsprechendes Handeln könnten einiges [für die antifaschistische Umerziehung] bewirken – trotz der autoritären Strukturen: Wer sich wünscht, einer Obrigkeit zu folgen, käme dadurch zumindest in Konflikt mit seiner Fremdenfeindlichkeit. (S. 114)

Der Terror des antideutschen Merkel-Regimes, der politischen Korrektheit, der Drohung mit der Vernichtung der bürgerlichen Existenz für bloße Meinungsäußerungen grinst uns an! Peglau, will jedweder Entwicklung nach rechts die Grundlage entziehen (S. 116). Für ihn gibt es nur eine einzige Richtung, die akzeptabel ist. Selbst Die Linke ist ihm mittlerweile zu rechts (S. 85).

Peglau analysiert den tiefenpsychologischen Hintergrund des AfD-Anhängers. Man sollte sich eher fragen, was in jemandem vorgeht, der so etwas bejaht wie das Parteiprogramm Der Linken. Elsworth F. Baker hat diese Frage beantwortet:

Der-Mensch-in-der-Falle

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Eine Ergänzung zu „nachrichtenbrief57“: Das Grundproblem mit Moslems

12. August 2017

Im Video habe ich ausgeführt, daß der Appell ans Ichideal, an das Wahre, Schöne und Edle, eine Abkürzung auf dem Weg zum bioenergetischen Kern sein kann. Wahrscheinlich können neurotische Gesellschaften, also Gesellschaften, die per definitionem aus der sekundären Charakterschicht heraus leben, nur mit Hilfe der Religion überleben. Man nehme den Hinayana-Buddhismus auf Ceylon oder in Thailand. An sich sind das Atheisten, aber explizit „beten“ sie zu ihrem Ichideal, in diesem Fall der historische Gautama Buddha. Mahayana-Buddhisten „beten“ zwar zu gottgleichen Buddhas und Bodhisattwas, doch im Prinzip ist es dasselbe. Der nächste Schritt sind echte Religionen wie der Hinduismus oder das Christentum, wo die Schöpfergötter Krishna und Christus als Identifikationsfiguren dienen. Man kann das aber alles auf das beste Beispiel reduzieren: die „Anbetung“ Gautama Buddhas.

Es ist ungemein schwer ein Arschloch zu sein, wenn einem ständig ein edler Mensch vor Augen geführt wird; jemand, der selbstlos, schön und entspannt ist. Hinzu kommt, daß die religiösen Gebote durchweg an das Beste an uns appellieren. Der Islam ist die einzige Religion, die ich kenne, die das explizit nicht tut. Parsen und Jainas dürfen nicht lügen, niemanden übervorteilen, etc. Sikhs und Bahai sollen allen Menschen als Brüder und Schwestern entgegentreten. Christen werden ständig zur Feindesliebe ermahnt. Hindus und Buddhisten sollen ihre Leidenschaften überwinden. Hingegen handelt ein Gutteil des Koran von Kriegslist und Kriegsbeute, Mord und Folter. Man soll kein Mitleid mit den Feinden des Glaubens, d.h. allen Nichtmoslems haben. Neben der Gewalt dreht sich alles um Sex. Das Paradies ist voller Lustknaben und willigen Jungfrauen. Der „Fastenmonat“ ist der Monat des nächtlichen Schlemmens. Gott selbst ist ein selbstsüchtiger Widerling, der absolute Unterwerfung abverlangt und erst zufrieden ist und dir schlichtweg jede Sünde vergibt, wenn du möglichst viele „Ungläubige“ mit in den Tod reißt.

Der Islam ist ein Ausdruck der sekundären Schicht und appelliert an die sekundäre Schicht. Das erklärt auch die ansonsten vollkommen absurde Nähe der modernen Linken zum Islam. Feministinnen, die sich am Kindermord („Abtreibung“) und der Zerstörung der Familien („Emanzipation“) ergötzen; Antifaschisten, die ansonsten alle Traditionen, insbesondere aber die christlichen, ausmerzen wollen; die Blockwarte der Political Correctness, die ansonsten jeden Konservativen am liebsten in den GULAG schicken würden, – sie verbrüdern sich mit dem Islam, weil sie nur sekundäre Triebe, Perversion, Häßlichkeit und Niedertracht ertragen können. Es ist kein Zufall, daß der typische wandelnde Kartoffelsack und die typische grünhaarige Social Justice Warrior beide derartig scheiße aussehen, daß man Augenkrebs bekommt und seine Heterosexualität an den Nagel hängen möchte, wenn man durch die Stadt geht. Beide sind ständig empört, hassen die Redefreiheit, die Freiheit schlechthin, das Leben schlechthin. „Ihr liebt das Leben (OR), wir lieben den Tod (DOR)“ – ist ihr gemeinsamer Schlachtruf.

Der NACHRICHTENBRIEF, ein Organ der Bilderberger

30. August 2016

Der eine Faktor, der immer wieder dafür sorgt, daß die Stimmung zwischen mir und meinen Lesern kippt, egal ob es „rechte“ Libertäre oder „linke“ Liberale sind, ist die Frage nach der Bedeutung von Institutionen, Machtkonzentrationen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen und Zwängen. Nun, beispielsweise wird praktisch jeder Arzt bestätigen, daß die Kassenärztlichen Vereinigungen wie dazu geschaffen wurden, das Leben von Ärzten und Patienten und ihre Beziehung zueinander regelrecht zu zerstören. Das kann man auf jeden Bereich und jede Ebene bis hin zur EU und UN ausweiten. Man kann die Machenschaften der Zentral- und Großbanken anprangern, die weltweite Kriminalität der Großkonzerne, etc.pp. – Und trotzdem wird so meiner Überzeugung nach am Kern des Problems vorbeigegangen und ich habe die nicht unbegründete Befürchtung, daß Alternativen zwar hier und da angebracht sein mögen, doch daß sie mit hoher Wahrscheinlichkeit letztendlich zu mehr Unglück führen und die Zerstörung vielleicht potenzieren würden. Nicht nur, daß das Bestehende allein schon durch sein bloßes Bestehen gerechtfertigt ist; was durch all die Reformwut ganz vergessen wird, ist der eine alles entscheidende Faktor, der Mensch oder, besser gesagt, das Individuum. Institutionen, Regelungen, Gesetze, etc. sind letztendlich nur Werkzeuge, deren Einsatz einzig und allein von der Charakterstruktur ihrer Benutzer bestimmt wird. Solange sich hier nichts ändert, d.h. aus irrationalen rationale Charakterstruturen werden, sind all die großartigen Gesellschafts-, Politik-, Wirtschafts- und Geldreformen nur Schall und Rauch. Mehr: sie lenken nur von diesem allen entscheidenden Problem ab. Es kann sich aber erst etwas ändern, wenn die Massen sehen, daß es hier überhaupt ein Problem gibt. Könnte man diese eine alles entscheidende Einsicht (daß praktisch das einzige Menschheitsproblem in der neurotischen Charakterstruktur und der Emotionellen Pest zu finden ist) verbreiten, wäre viel, sehr viel gewonnen.

Ich kann etwa das ewige Gelaber über die Bilderberger nicht mehr hören. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Eliten der westlichen Welt eingesehen, daß man dem damals fast ein halbes Jahrhundert anhaltenden Selbstvernichtungstrip aufgeben müsse. Der Erste Weltkrieg und damit der GULAG und Auschwitz waren nur möglich gewesen, weil die Politiker, Wirtschaftbosse und Meinungsführer Englands und Deutschlands nicht miteinander gesprochen und sich abgestimmt hatten, sondern England stur seine alte Politik fortführte, die Vorherrschaft einer Nation in Kontinentaleuropa unter allen Umständen zu verhindern. Im Geheimen, d.h. frei von politischer Irrationalität und dem Druck einer emotionalisierten Öffentlichkeit hätte man sich die Welt untereinander aufteilen können, ohne daß alles in allem 200 000 000 Menschen gestorben wären. Mit Japan hätte man sich einigen können, Indien wäre nie geteilt worden, Afrika könnte heute prosperieren, etc.pp. Aber nein, Verschwörungstheoretiker waten lieber durch Ozeane von Blut, um ihre Jeffersonschen Ideale hochzuhalten. Die Demokratie müsse ja regelmäßig im Blut der „Tyrannen“ gewaschen werden!

Wäre ich Manager eines Konzerns mit Milliardenumsätzen oder ein einflußreicher Parlamentarier würde ich gerne mit den Führungspersönlichkeiten anderer Länder etwa über meine Befürchtungen hinsichtlich Afrikas diskutieren können. Es kann nicht angehen, daß eine Bevölkerung mit einem Durchschnitts-IQ von 75 sich explosionsartig vermehrt, dabei das fragile Ökosystem eines ganzen Kontinents irreparabel zerstört und wir blind auf eine Menschheitskatastrophe zusteuern. Ich möchte dann nicht als „Rassist“ in die Öffentlichkeit gezogen werden und sehen müssen, wie wirklich jede Möglichkeit unendliches menschliches Leid zu verhindern hintertrieben wird. „Die Illuminati wollen die Schwarzafrikaner ausrotten!“

Daß heute die „Eliten“ offensichtlich noch dümmer und verpeilter sind als das ach so grandiose „Volk“ ist ein anderes Thema. Man denke nur an den korrupten Zombie Hillary oder an einen pestilenten Haufen Scheiße wie Obama:

Äh, aber entblößt dieses Video (hier noch eins) nicht die Machenschaften der perversen Machtelite? Ja! Aber, daß dieser Haufen Scheiße zum US-Präsidenten gewählt und wiedergewählt wurde und mit einiger Wahrscheinlichkeit ein stinkender Pestkadaver seine Nachfolgerin wird; daß die Massen das nicht nur zulassen, sondern derartiges Ungeziefer wählen, ist das eigentliche Problem.

Grundelemente einer orgonomischen Soziologie (Teil 2)

26. August 2012

Bei jeder orgonomischen Theorie der Gesellschaft ist die „Kontinuität der Funktion“, wie Reich sie etwa bei der Krebsbiopathie vorgelegt hat, nachzuweisen. Leider gibt es bei der Gesellschaft keine „Mikroskope“, „Labormäuse“ und „Klinik“ (im engeren Sinne), sondern nur spinnerte Gesellschaftstheorien á la Frankfurter Schule, nichtssagende Statistiken, idiotische Umfragen und Field Work (man versucht im zu untersuchenden Milieu zu leben) – alles ziemlich zerstückelt und nichtssagend.

Als ihm seine Schüler langatmige Anamnesen ihrer Patienten vorlegten, meinte Reich, daß eine halbe Seite genügen müsse, um die Vorgeschichte des Patienten zu beschreiben, mehr würde nur verwirren und in die Irre leiten. Für Reich war die „biographieanalytische Methode“ also in erster Linie die Kunst des Weglassens. Es ging darum, den roten Faden hervorzuheben, der eine Diagnose und damit eine Vorhersage des zukünftigen Verhaltens des Patienten ermöglicht. Auf die Soziologie übertragen, wo es nicht um das Verhalten von Einzelnen, sondern um das ganzer Gruppen geht, würde das eine noch weitere Reduzierung und Typisierung bedeuten. Ein radikales Absehen von allen zufälligen Besonderheiten und ein drastisches Hervorheben des Verhaltensmusters, das durch alles Geschehen hindurchgeht – mit anderen Worten die Bestimmung der Charakterstruktur. Ist diese „soziologische Diagnostik“ korrekt durchgeführt, müßte sie die Vorhersage zukünftigen Verhaltens ermöglichen. Man bestimmt den Verlauf des Flußbetts, in dem sich die Gruppe, die man untersucht, bewegt, und kann so sagen, wie sich die Gruppe in Krisensituationen verhalten wird.

Man beschreibt also die Art des strukturellen Zwangs, dem die betreffende Gruppe unterliegt und stellt fest, an welche Art von „emotionaler Verschwörung“ der Einzelne teilnimmt. Es ist vollkommen uninteressant, wie sich der Einzelne verwandelt und welche Verlaufskurve sein Leben nimmt. Das ist alles nur psychologisches „Noise“. Wichtig ist nur das, was sich nicht verändert, d.h. das biologische Panzerungsmuster, das sich in den konstanten, fixen, sich ewig wiederholenden Verhaltensmustern zeigt. Soziologisch ist nur das von Bedeutung, was allen Panzerungsmustern der untersuchten Individuen gemein ist. Das läßt sich dann in einer einfachen orgonometrische Gleichung ausdrücken. Auf Grundlage dieser Analyse lassen sich konkrete Maßnahmen vorschlagen, wie man ein soziales Problem angehen kann.

Wie in Teil 1 gezeigt, kann man sich der Soziologie prinzipiell von zwei Seiten her nähern: von der Psychologie her oder von der Biologie her.

Das erstere kann ganze schnell in einen primitiven Psychologismus abrutschen– gegen den Reich ganze Bücher geschrieben hat. Hier ist die Sache vergleichbar mit der Krebsforschung, wo die Reichschen Erkenntnisse allzuleicht in eine oberflächliche „Psycho-Onkologie“ aufgehen. (Auch wenn von der nach einem Boom heute niemand mehr spricht.)

Die Orgonomie nähert sich der Soziologie heute eher „von der anderen Seite her“, d.h. durch Übertragung biologischer Vorgänge (etwa die Krebsbiopathie) auf gesellschaftliche Vorgänge (etwa die kommunistische Unterwanderung einer Gesellschaft wie etwa China in den 1920er bis 1940er Jahren) hergestellt werden. Es gibt eindeutige Parallelen zwischen der biopathischen Schrumpfung im Organismus und dem „Werteverfall“ in einer Gesellschaft, zwischen Krebszellen und „Parteizellen“, etc. Genauso können wir beispielsweise den Untergang des Realsozialismus begreifen: der Tumor zerfällt, der Krebs löst sich auf, aber das gesellschaftliche Elend verschlimmert sich eher, weil der Organismus mit den Abbauprodukten nicht fertig wird, es zu Entzündungen kommt, sekundär eine latente Schrumpfungsneigung aktiviert und dergestalt ein neuer Schrumpfungsprozeß ingang kommt, etc.

Hier besteht natürlich die Gefahr platter Analogiebildungen und biologistischer Entgleisungen. Dazu ist zu sagen, daß es einen gewaltigen Unterschied zwischen Analogie und Funktionsverwandtschaft gibt (wie bereits an anderer Stelle ausgeführt) und daß man Soziologie nur dann betreiben kann, wenn man (wie in Teil 1 dargelegt) sie korrekt zwischen Biologie und Psychologie verortet.

Um soziologische Prozesse zu verstehen, führt es zu nichts, ein riesiges Blatt Papier zu nehmen und einen „orgonometrischen“ Baum aufzuzeichnen, der von der patriarchalischen Gesellschafsstruktur unten bis hinauf zu den Beziehungen in einem, sagen wir mal, Lehrerkollegium oder so führt. Wichtig ist doch nur, daß CFP (das Gemeinsame Funktionsprinzip) zu verstehen und wie es sich entfaltet:

Diese eine Gleichung, so Charles Konia, erklärt alle soziologischen Prozesse in einer gepanzerten Gesellschaft. Jedenfalls das Wesentliche! Es erklärt zwar nicht, warum Lehrerin Müller, die auf starken Kaffee steht, und Lehrerin Schmidt, die nur gefärbtes Wasser trinken will, sich wegen der Kaffeemaschine im Lehrerzimmer ewig in den Haaren liegen. Sie erklärt aber die wirklich wichtigen Auseinandersetzungen zwischen den progressiven und den reaktionären Lehrern – und warum beide ihren Schülern nicht helfen können – weil sie in dem CFP „gesellschaftliche Panzerung“ gefangen sind.

Was ich hier schreibe, ist leeres Geschwafel, solange ich nicht die Kontinuität der Funktion darlege. Ich muß zunächst aufzeigen, wie es zu der gesellschaftlichen Panzerung gekommen ist, also zu einem tieferen CFP vordringen (OR-DOR, Saharasia, etc.pp.), d.h. erst mal zeigen, wie der „Baum“ entstanden ist. Und dann muß ich nachvollziehbar machen, wieso es gerade zu der obigen „Grund-Bifurkation“ gekommen ist: Weil Mechanismus und Mystizismus die einzigen beiden Arten sind, wie der durch die Panzerung zweigeteilte Organismus seine Umwelt wahrnehmen kann! Und dann muß ich zeigen, wie diese Dichotomie alle gesellschaftlichen Institutionen durchdringt, bis hinein in die Lehrerschaft, die ihre ganz spezifischen Charakteristika hat (z.B. kaum Lebenserfahrung). Schließlich muß ich zeigen, wie sich das im Lehrbetrieb äußert und schließlich auf den einzelnen Schüler auswirkt.

Kontinuität der Funktion bedeutet also vom Samen, aus dem sich der Baum entwickelte, über den Stamm bis zum äußersten Blatt und dem Insekt vorzudringen, das auf dem Blatt sitzt. Konkret also vom kosmischen OR-DOR-Metabolismus über Saharasia zur französischen Revolution, dem Preußischen Schulwesen, den gesellschaftlichen Kämpfen zwischen Progression und Reaktion, „68“, bis hin zum Lehrerkollegium der Gesamtschule von Wuppertal-Ost und dem Schüler Kevin Müller. Dazu brauche ich nicht den ganzen Baum aufzeichnen, was eher kontraproduktiv wäre (und eh praktisch unmöglich), aber ich muß die rote Linie aufzeigen, die vom CFP zu einer bestimmten Variation führt. Das wäre die Aufgabe eines Fachsoziologen. Aufgabe der Orgonometrie kann nur sein, daß sich der Soziologe vom Fach nicht im Wirrwarr des Baumgeästs hoffnungslos verirrt und verwirrt. Und genau das ist mechanistische Soziologie: Das einzige, was man davonträgt, wenn man sich mit ihr beschäftigt sind Kopfschmerzen, weil nie das Wesentliche berührt und logisch klar entfaltet wird: die Hilflosigkeit des gepanzerten Menschentiers und seine Folgen.

Um zur Übertragung von der Biologie zur Soziologie zurückzukehren: Vergleichen ist wirklich ein leidiges Thema. Grundsätzlich kann man Dinge nur verstehen, wenn man sie vergleicht und „relativiert“. Vergleiche führen nur dort ins Leere, wo Dinge verglichen werden, die keine gemeinsamen Ursachen haben. Zum Beispiel ist es einfach nur eine polemische Schweinerei, wenn ich den Holocaust mit einer Naturkatastrophe in China vergleiche, die 6 Millionen Opfer zeitigte. Es ist aber sinnvoll, Auschwitz („Rassenkampf“) mit dem Gulag („Klassenkampf“) zu vergleichen. Um etwa besser begreifen zu können, wie das Unrechtfertigbare so „gerechtfertigt“ wird, daß Leute freiwillig mitmachen. Nichts kann nur mit Zwang funktionieren. – Also, nur durch Vergleiche kann ich vom Konkreten abstrahieren und zu gemeinsamen Funktionen durchdringen, die z.B. alle Arten von Massenmord bestimmen.

Natürlich ist es hanebüchener Unsinn eine Krebszelle mit einer KP-Zelle zu vergleichen. Ich kann aber den Zerfall von Systemen miteinander vergleichen, etwa das System Krebskranker und das System zaristisches Rußland. Das kann ich, weil das Soziale, das Psychische, das Somatische und das Bioenergetische eng zusammenhängen. Genausowenig, wie das Psychische im freien Raum schwebt („Geist“), sondern konkret in der biophysischen Struktur sich verkörpert, ist das Soziale etwas vom Biologischen Losgelöstes.