Posts Tagged ‘GPU’

Der Rote Faden: Der Friedenskämpfer Nr. 1

8. August 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Der rote Parasit

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

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Der Rote Faden: Das rote Berlin

20. Juli 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Der Rote Faden: Reich und Trotzki

10. Juni 2016

Seit 1980 ist durch das Trotzki-Archiv eine kurze Korrespondenz zwischen Reich und Trotzki zugänglich (Karl Fallend: „Späte Kontakte: Reich-Trotzki-Briefe“, Werkblatt. Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik., Jg. 4, Nr. 1/2, 1987, S. 75-84). Zusätzlich seit 1992 ein Brief von Heinz Epe (Walter Held) an Albert Glotzer über das Treffen von Reich und Trotzki Anfang 1936 in Oslo (Fritz Erik Hoevels: Wilhelm Reichs Beiträge zur Psychoanalyse, Ahriman, 2001, S. 286f)

In einem Brief vom Oktober 1933 bat Reich Trotzki um ein Treffen, um über Reichs Enttäuschung hinsichtlich der kommunistischen Bewegung und auch über seine sexualpolitische Arbeit und deren Beziehung zur revolutionären Politik zu sprechen. Reich legte ein Exemplar seiner soeben erschienenen Massenpsychologie des Faschismus bei.

Insbesondere ist interessant wie Reich auf seine Sexpol-Aktivitäten in Berlin zurückblickt: Er habe in Deutschland seit 1931 die kommunistische sexualpolitische Bewegung organisiert. In Westdeutschland sei die Zusammenfassung von 40 000 Mitgliedern (der insgesamt 300 000 Mitglieder umfassenden Sexualreformbewegung) gelungen. Er habe zwei Jahre einen aufreibenden Kampf gegen die Parteibürokratie gefochten, um eine genuin kommunistische sexualpolitische Linie auszuarbeiten. Er sei jedoch seiner Leitungsfunktion enthoben worden und die Bewegung brach in sich zusammen. Nun versuche er die Kräfte international zu bündeln. Es sei eine eigene sexualpolitische Massenorganisation vonnöten, doch dies ginge nicht ohne Anbindung an eine politische Partei. Aus diesem Grunde wende er sich nun an Trotzki.

Rein politisch habe ich mich von der grundsätzlichen Richtigkeit Ihrer Auffassungen überzeugt und verfolge aufmerksam die Arbeit der L.O. [d.h. der „Trotzkistischen“ linken Opposition in der kommunistischen Bewegung]. Obwohl ich selbst immer weniger an die Möglichkeit einer Wiederherstellung der kommunistischen Partei glaube, konnte ich mich noch nicht restlos mit der Frage der Gründung einer neuen Partei ins Klare bringen. Ich bin noch Mitglied der KPD, stehe jedoch in schwerster Opposition und bin nur deshalb noch nicht ausgeschlossen worden, weil erstens sich kein Kompetenter findet, der meine sexualpolitische Theorie kritisieren kann, und zweitens, weil mein Einfluß so groß ist. Die Sache soll sich demnächst entscheiden. Sollte ich ausgeschlossen werden oder aber die Politik der Komintern, wie etwa die Außenpolitik der SU, nicht mehr durch Mitgliedschaft mitverantworten können und selbst austreten, dann bliebe zunächst nur die Möglichkeit, eine Zeitlang parteilos weiterzuarbeiten und die neue parteiliche Bindung abzuwarten. Da meine Arbeit sowohl in theoretischer wie auch in praktischer Hinsicht ein neues, bisher brachliegendes Gebiet der revolutionären Front betrifft, muß ich mir einige Selbständigkeit bewahren, ohne Partisan sein zu wollen, solange, bis entweder die revolutionäre Partei grundsätzlich einverstanden ist [oder?].

Trotzki antwortete am 7. November 1933, daß er auf Reichs Gebiet nicht sonderlich bewandert sei, doch an einem weiteren Austausch durchaus interessiert sei.

Zwei Jahre später am 10. September 1935 schrieb Reich an Trotzki, um dessen Meinung über sein Manuskript Masse und Staat (das später in Die Massenpsychologie des Faschismus Eingang fand) einzuholen. Trotzkis Antwort vom 18. September 1935 war fast identisch mit seiner Antwort 1933.

Bemerkenswert ist, daß Trotzkis Buch Die verratene Revolution in Norwegen zu der Zeit geschrieben wurde, als er mit Reich in Kontakt stand und daß zuvor Reich seine eigene „Die verratene Revolution“ an Trotzki gesandt hatte: Masse und Staat. Reich hatte das Manuskript damals nicht veröffentlicht, sondern nur an einige „Genossen“ geschickt – inklusive Stalin. Eine revidierte Fassung wurde erstmals 1946 in The Masspsychology of Fascism veröffentlicht.

Es ist möglich, daß Trotzki Reichs Manuskript las und daß es Die verratene Revolution beeinflußt hat.

Die verratene Revolution hatte zwei Effekte. Indem das Buch Stalins Haß explodieren ließ:

  1. löste es unmittelbar die blutigen Säuberungen, die Moskauer Prozesse von 1937 und 1938 aus; und
  2. hatte Trotzki mit der Veröffentlichung dieses Buches sein endgültiges Todesurteil unterschrieben.

Mit seinem Manuskript hat demnach Reich vielleicht ungewollt zum Tod von Hunderttausenden beigetragen – und sein eigenes Todesurteil unterschrieben. Nach der Veröffentlichung von The Masspsychology of Fascism wurde er von den amerikanischen Stalinisten als „Psychofaschist“ angegriffen – und ein Jahr später startete die Stalinistin Mildred Brady die Kampagne, die schließlich in Reichs Verhaftung und Tod im Gefängnis kulminierte.

Auf jeden Fall wird man in Moskau die Kontakte von Reich und Trotzki, bei denen es immerhin um organisatorische Fragen ging, mit äußerstem Interesse verfolgt haben! Wenn man etwa Dimitri Wolkogonows Buch über Trotzki (Das Janusgesicht der Revolution, Düsseldorf 1992) liest, wird es zur Gewißheit, daß in solchen Fällen Stalin höchstpersönlich informiert wurde. Er wurde ohnehin über alles, was im Umfeld Trotzkis geschah, auf dem Laufenden gehalten. Jede kleinste Einzelheit! Wolkogonow macht zwei bemerkenswerte Beobachtungen:

  1. Trotzki befand sich zwischen dem 18. Juni 1935 und dem 19. Dezember 1936 in Oslo – ein ziemlich langer Zeitraum! Agent „Gamma“ berichtete im November 1936 nach Moskau, daß aufgrund einer Übereinkunft zwischen Norwegen und der Sowjetunion die Korrespondenz Trotzkis geöffnet werde. Trotzki wurde nicht nur überwacht, es gab dabei auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Norwegen und der SU. Wurde Reichs Korrespondenz ebenfalls geöffnet? War er schon damals mehr im sowjetischen Netz gefangen, mit aktiver Unterstützung durch die Norweger, als er jemals zu denken gewagt hat?
  2. Wolkogonow beschreibt all die kleinen Parteien zwischen den stalinistischen KPs (Dritte Internationale) und den „revisionistischen“ SPs (Zweite Internationale). Parteien und Bewegungen wie Willy Brandts SAP oder Karl Franks Neu Beginnen (man könnte auch Reichs Sexpol nennen). Einige dieser „Zwischenparteien“ waren mit der Trotzkistischen „Vierten Internationalen“ verbunden. Wolkogonow, der seine Informationen aus den Geheimarchiven des KGB schöpfte, schreibt, daß diese Parteien nicht nur Mitglieder umfaßten, die (wie Reich) zuvor aus den KPs und SPs ausgeschossen worden waren, sondern auch eine ganze Reihe von GPU-Agenten, die alle Inforationen umgehend nach Moskau weiterleiteten. Als schließlich die Vierte Internationale am 3. September 1938 gegründet wurde (tatsächlich hatte sie seit 1933 funktioniert), gab es nur einen Trotzkistischen Repräsentanten für Rußland: Mark Sborowski, einer von Trotzkis engsten Mitarbeitern – und Agent der GPU.

Zur Verdeutlichung: die Zweite Internationale scheiterte am Ersten Weltkrieg, so daß sie mit einiger Berechtigung durch die 1919 in Moskau gegründete Dritte Internationale abgelöst wurde. 1923 gründeten die Sozialdemokraten die Sozialistische Arbeiterinternationale, die bis 1940 bestand hatte. 1951 wurde die Sozialistische Internationale durch Kurt Schumacher ins Leben gerufen.

Mark Sborowski (1908-1990) war Sohn russischer Emigranten in Polen und dort Mitglied der KP. Er wanderte nach Frankreich aus und trat dort in den Dienst der GPU. Auf Wikipedia heißt es über ihn (hier „Zborowski“ genannt):

In Paris arbeitete Zborowski ab 1933 unter dem Namen Etienne als stalinistischer Spion in den Reihen der trotzkistischen Bewegung in Frankreich. Seine Berichte wurden von Stalin persönlich gelesen. Er gilt als Beteiligter an der Ermordung von Erwin Wolf und Ignaz Reiss 1937, sowie Leo Sedow [Trotzkis Sohn] und Rudolf Klement 1938. Nach Sedows Tod wurde Zborowski Herausgeber und Redakteur des „Bulletins der Opposition“. Im September 1938 machte er Ramón Mercader mit der Trotzkistin Sylvia Ageloff bekannt, was diesem 1940 Zugang zu Leo Trotzki verschaffte und das tödliche Attentat auf ihn ermöglichte. Zborowski erhielt an der Sorbonne ein Diplom als Fachmann für Ethnologie und betrieb erfolgreich anthropologische Forschung. 1941 emigrierte er in die USA, wo er seine Agententätigkeit gegen die Vierte Internationale fortsetzte. In den 1950ern wurde er enttarnt und mußte vor einem Senatsausschuß für Innere Sicherheit aussagen. 1962 wurde er wegen Meineids verurteilt und saß zwei Jahre in Haft.

Wolkogonow beschreibt das Schicksal von Sborowski in Amerika. Beispielsweise gaben Margaret Mead und Sborowski 1952 eine ethnologische Studie über Juden in Osteuropa heraus. Mead war mit Sborowski engbefreundet und sollte ihn stets unterstützen. William Steig, Reichs Mitarbeiter, war von 1936 bis 1949 mit Elizabeth Steig (1909–1983), der Schwester von Margaret Mead verheiratet.

Es ist ziemlich aufschlußreich Stalins Kampagne gegen Trotzki und wie die geradezu dämonische Schmierkampagne funktionierte (sogar wohlmeinende Linke fingen an Trotzki als den letzten Dreck zu betrachten), mit der Schmierkampagne gegen Reich zu vergleichen!

Es muß aber auch gesagt werden, daß Trotzki eine Art „Ur-Stalin“ war. Stalin führte eine rein „Trotzkistische“ Politik durch: erzwungene Industrialisierung, Militarisierung der Gesellschaft, extrem anti-kapitalistische Maßnahmen, sektiererische ideologische Vereinheitlichung, Dogmatismus, Zensur, etc.pp. Sie, Trotzki und Stalin, haßten einander so sehr, weil sie, bei allen z.T. krassen Unterschieden der Persönlichkeit, sich in mancher Hinsicht so sehr glichen. Es war Trotzki, der als erster die Idee hatte Gefangene als Arbeitssklaven für den „Aufbau des Sozialismus“ zu nutzen. Natürlich war Trotzki nicht solch ein psychopathologisches Monster wie Stalin, aber er war ein „ideologisches Monster“. Ein hervorragendes Beispiel für den pseudo-liberalen „modern-liberal character”. Bronstein sprach Deutsch und auf Deutsch klingt der Name „Trotzki“ wie „Trotz”. Ödipaler Trotz gegen das „Establishment“.

Stalin ließ aus persönlichen Gründen töten, Trotzki wegen der „historischen Notwenigkeit”. Ich würde soweit gehen, daß bis etwa 1928 Stalins Herangehensweise weit rationaler und humaner war als die Trotzkis. Genau aus diesem Grund wurde er auch von den Apparatschiks vorgezogen, die Angst vor dem „Bonaparte“ Trotzki hatten. Danach verwirklichte Stalin genau das, was Trotzki zuvor gepredigt hatte: erzwungene Industrialisierung, Ausbeutung der „kleinbürgerlichen“ Bauernschaft um die Industrialisierung voranzubringen, Militarisierung aller Lebensbereiche, „Proletarisierung“ der Kader, so daß mediokere Volldeppen wie Chruschtschow und Breschnew an die Macht gelangen konnten, „proletarische Erbarmungslosigkeit“, das für Trotzki so typische Sektierertum, etc.pp.

Selbst der Hang zu Verschwörungstheorien, beispielsweise die „Sozialfaschismus“-Theorie, war zunächst bei Trotzki zu finden. Circa 1924 peinigte diesen die Frage, wie es möglich sei, daß je höher eine kapitalistische Gesellschaft entwickelt ist, desto schwächer die KP in dem betreffenden Land ist. Seine Antwort: die Sozialdemokratie sei zu einem Erfüllungsgehilfen amerikanischer Kapitalinteressen geworden (Alexander Watlin: Die Komintern 1919-1929, Mainz 1993, S. 90). Wenn etwas nicht nach Marxistischer Theorie lief, dann war nicht etwa die Theorie falsch, sondern Eingriffe von außen brachten die „historischen Gesetzmäßigkeiten“ durcheinander.

Und noch etwas zu Stalin: Wenn man Wolkogonows Buch über Stalin (Triumph und Tragödie, Düsseldorf 1993) liest: Stalin gab eine perfekte „Charakteranalyse“ jedes einzelnen der alten hochintellektuellen Bolschewisten, die er einen nach dem anderen umbringen ließ. Stalin selbst legte die charakterologische Basis des Kommunismus offen!

Soweit zur „Ehrenrettung“ Reichs als „Anti-Stalinisten“.

In Reichs vom Kommunismus inspirierten Werken finden sich Aussagen, die allem widersprechen, wofür Reichs Konzept der „fachbewußten“ Arbeitsdemokratie steht. Zum Beispiel wollte Reich in den 1930er Jahren ganz nach kommunistischem Muster die Stellung des Industrieproletariats ausnutzen, um als „Gegengewicht gegen die eng zünftlerischen und eng berufsfachlichen Interessen, die der Kapitalismus unter den Arbeitern gezüchtet hat“, zu wirken (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 228, d.h. im „Trotzkistischen“ Kapitel „Masse und Staat“). Reichs reife Position hat wirklich rein gar nichts mehr mit derartigen Marxismen zu tun.

Im Juni 1922 befaßte sich das Politbüro auf Initiative Lenins mit den „antisowjetischen Gruppierungen“ innerhalb der Intelligenz. Der hierzu gefaßte Beschluß, der in erster Linie auf Unschlicht, Kurski und Kamenew zurückging, glich den Richtlinien der mittelalterlichen Inquisition. Unter anderem wurde angeordnet, eine „Aussonderung bei den Studenten“ vorzunehmen, mit dem Ziel einer „strengen Aufnahmebeschränkung für Studenten nicht-proletarischer Herkunft und politisch unzuverlässiger Elemente“. Zudem sollte „eine sorgfältige Überprüfung aller Presseorgane“ durchgeführt werden. Man verfügte weiterhin, „daß weder Kongresse noch sonstige Versammlungen diverser Spezialisten (Ärzte, Agronome, Ingenieure, Rechtsanwälte usw.) durchgeführt werden dürfen, die nicht durch den NKWD genehmigt worden sind. Örtliche Kongresse oder Versammlungen dieser Personengruppen werden durch die Exekutivkomitees des Gouvernements kontrolliert. Gewerkschaftliche Vereinigungen dieser speziellen Berufsgruppen werden gesondert behandelt und aufmerksam beobachtet. (Dimitri Wolkogonow: Lenin. Utopie und Terror, Düsseldorf 1994, S. 137f)

Aber zurück zum Thema: Im folgenden beziehe ich mich auf Natalja Mussienko, Alexander Vatlin: Schule der Träume: die Karl-Liebknecht-Schule in Moskau (1924 – 1938), Klinkhardt Verlag, 2005, S. 243 plus Dokument 20 und auf Christopher Turners Adventures in the Orgasmatron (FS&G, 2011, S. 188f).

Otto Ernst Knobel (alias Brand), Jahrgang 1908, stammte aus Schwerin. 1922-1928 Besuch der Karl-Marx-Aufbauschule in Neukölln, Freundschaft mir Bruno Krömke. Mitglied des Sozialistischen Schüler-Bundes (SSB) und Redaktionsmitglied der Zeitschrift Schulkampf. Seit 1927 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland (KJVD), seit 1929 in der KPD, Redakteur der Zeitung Kommunistische Jugendinternationale. Er studierte fünf Semester an der Berliner Universität. 1933 Emigration nach Paris ohne die Partei um Einwilligung zu bitten. Er bekommt keinen offiziellen Emigrantenstatus zuerkannt. In Paris Kontakt mit Trotzkisten.

Zu dieser Zeit (1934) besuchte auch Reich die französische Hauptstadt und traf dort mit einigen Trotzkistischen Vertretern zusammen, die, nach seinen Angaben, alle Die Massenpsychologie des Faschismus gelesen hatten. Rückkehr Knobels nach Deutschland. 1935 Emigration nach Frankreich und Dänemark. In Kopenhagen arbeitet er in Reichs Verlagshaus. Das erwähnte Treffen in Paris sei vermutlich, so Christopher Turner, von Knobel arrangiert worden, der zu den Trotzkisten fand, bevor er zu Reich nach Dänemark ging. Er könnte es gewesen sein, der die Pariser Trotzkisten mit Exemplaren von Die Massenpsychologie des Faschismus versorgt hatte. Später gibt er an, mit Reich wegen persönlicher Konflikte gebrochen zu haben. Jedoch sagten andere Genossen bei den Verhören in Moskau aus, daß er mit Reichs Einwilligung zunächst nach Berlin ging und dann einen Monat später über Intourist in die UdSSR kam. Er habe Reich derartig nahegestanden, daß er dessen Briefe an Trotzki las und sogar selbst abgeschickt hatte.

Nachdem Knobel im Juni 1935 in der UdSSR ankommt, zeitweilige Arbeit am Moskauer Elektrotechnischen Institut für Nachrichtenwesen. Seit September 1935 unterrichtet er an der Karl-Liebknecht-Schule (Werken bzw. „Technologie“), ab September 1936 Klassenleiter und Biologielehrer, verantwortlich für das Biologiekabinett. Im Sommer 1936 einer der Leiter bei der Schulreise zum Sewan-See (Armenien). Im April 1936 informierte die Kaderabteilung die zuständigen Behörden über Knobels Vergangenheit. Er wird Anfang Oktober 1936 verhaftet und im Juni 1937 zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Vermutlich ist er im Lager ums Leben gekommen.

Turner:

Das Komintern-Dokument das ihn stigmatisierte, ein Bericht von 1936 mit dem Titel „Trotzkisten und andere feindliche Elemente in der Emigrantengemeinde der deutschen KP“ [Dokument 20] beschuldigte Knobel Reich beim Verfassen und Übersenden seiner Briefe an Trotzki geholfen zu haben und behauptete, daß Reich „aus der KPD wegen Trotzkismus ausgeschlossen worden war“ (William J. Chase: Enemies Within the Gates? The Comintern and the Stalinist Repression, 1934-1939, New Haven: Yale University Press, 2001, S. 166). Wahrscheinlich haben Sowjetagenten Reichs [ersten] Brief an Trotzki abgefangen und möglicherweise hat das, ohne daß Reich dies ahnte, zu seinem Ausschluß aus der Dänischen Kommunisten Partei im darauffolgenden Monat beigetragen.

Turner zieht in Zweifel, daß Reich und Trotzki sich getroffen haben, obwohl sie in der gleichen Stadt lebten, Oslo. Sein überzeugendes Argument: es paßt einfach nicht zu Reichs Ego, daß er darüber für den Rest seines Lebens Schweigen gewahrt hätte. Aber Reich hat Trotzki tatsächlich im April 1936 zu einer eingehenden Unterredung getroffen. Siehe dazu Christiane Rothländers extrem wertvolles Buch Karl Motesiczky 1904-1943 (Wien 2010, S. 217f).

Beispielsweise hat auch Willy Brandt Trotzki nie getroffen, obwohl Trotzki 1935 und 1936 der bei weitem prominenteste politische Flüchtling in Norwegen war. Zwar wurde Brandt Anfang 1935 mitgeteilt, er könne Trotzki sehen, aber dann lehnte Trotzki ein Treffen ab wegen Brandts „opportunistischer Haltung in der ‚Norwegen-Frage‘“ (was immer diese „Norwegen-Frage“ auch gewesen sein mag). Brandt zufolge war Trotzki in ideologischer Hinsicht äußerst puristisch (Willy Brandt: Links und Frei. Mein Weg 1930-1950, Hamburg 1982). Er traf also Reich, weil dieser ausreichend „linientreu“ war. Im übrigen verlief das Gespräch Reich/Trotzki, nach Epes Erzählung, ziemlich ernüchternd: Die sexuellen Lockerungen am Anfang der Sowjetunion waren Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse. Die üblichen Marxistischen Versatzstücke. – Reich war sicherlich „Leninist“, aber schlichtweg kein Marxist!

Ein weiterer Hinweis von Turner ist sehr interessant und wird angesichts des tatsächlich stattgefundenen Treffens in seiner Bedeutung nur nochmals unterstrichen. Es geht um Trotzkis bereits erwähntes 1936 veröffentlichtes Buch Verratene Revolution, dessen Einfluß auf Reichs politische Haltung, so Turner, „unermeßlich“ war:

Trotzki analysierte die Art und Weise in welcher die kommunistische Revolution seit Lenins Tod in die Hose gegangen war. Er glaubte, sie sei von Bürokraten gekapert worden und sagte als Ergebnis den Zusammenbruch der Sowjetunion voraus: er rief zu einem weiteren reinigenden Aufstand auf. Trotzki kritisierte den neuen „Familienkult“, der in Rußland unterstützt wurde und den er als zynischen Trick zur „Disziplinierung der Jugend durch 40 Millionen Stützpunkte der Autorität und der Macht“ betrachtete. Das war genau die Strategie, die Reich Hitler in Die Massenpsychologie des Faschismus vorgeworfen hatte. Trotzki dokumentierte auch Stalins „sexuellen Thermidor“, der die Reformen der Oktoberrevolution, die Ehe und Sexualität betrafen, rückgängig machte; nun war Abtreibung verboten, Sodomie wieder ein Straftatbestand und die Ehescheidungsgesetze waren verschärft worden. Reich war von den Berichten über die Unterstützung sexueller Unterdrückung angewidert; sie zerschlugen ein für allemal seine rosigen Illusionen hinsichtlich des russischen Kommunismus. Nachdem er Trotzkis Streitschrift gelesen hatte, bezeichnete er Stalin als „den neuen Hitler“ und die Stalinisten als „rote Faschisten“.

Es ist zwar mehr als fraglich, ob es dazu Trotzkis Buch bedurft hatte, aber ohne Zweifel hat es den sicherlich immer noch schwankenden Reich bestärkt. Was Turner nicht erwähnt: die Beeinflussung war wechselseitig. Rothländer:

Daß die Diskussion mit Reich nicht ohne Wirkung auf Trotzki geblieben ist, läßt seine wenig später veröffentlichte Arbeit Verratene Revolution vermuten. Darin kam Trotzki in dem „Familie, Jugend, Kultur“ überschriebenen Kapitel auch auf jene Fragestellungen, die im oben erwähnten Brief [an Trotzki] bereits angeschnitten wurden, ausführlich zu sprechen und unterzog, wie auch Reich in seiner Arbeit Die Sexualität im Kulturkampf (1936), die Verschärfung der der Sexualgesetzgebung in der Sowjetunion einer kritischen Analyse.

Es ist nicht nur „anzunehmen“, sondern schlichtweg sicher, daß all dies den Sicherheitsbehörden in Moskau, die sich praktisch ausschließlich mit Trotzki und den „Trotzkisten“ beschäftigten, nicht entgangen ist. Dies zu Reichs „paranoider“ Angst vor den Roten Faschisten in Amerika!

Wie bereits angeschnitten: als Die Sexualität im Kulturkampf neun Jahre später in Amerika unter dem Titel Die sexuelle Revolution erschien, 1946 Die Massenpsychologie des Faschismus, wurde Reich von den Stalinistischen Fellow Travellers als „Psychofaschist“ gebrandmarkt. Ein Jahr später, 1947, trat Mildred Brady auf den Plan…

Der Rote Faden: Der Hintergrund der „Einstein-Affäre“

3. Februar 2015

Reich traf 1941 mit Einstein zusammen und zeigte ihm den Temperaturunterschied zwischen dem Orgonenergie-Akkumulator und dessen Umgebung. Einstein hat das selbst im Labor nachgemessen, bestätigt, dann jedoch mit einer geradezu schwachsinnigen Begründung verworfen: ganz normale Konvektion. Wärme steigt auf und wenn man die Temperatur oberhalb eines Tisches (sozusagen in der „Wärmezone“) mißt, ist sie dort höher als unterhalb des Tisches (in der „Kältezone“). Nun stand Reichs Orgonenergie-Akkumulator im Labor jedoch auf dem Tisch, während das Kontrollthermometer frei im Raum hing.

Ein paar Handgriffe und dieser Einwand ließe sich überprüfen. Warum hat Einstein nach all seinen Bemühungen sich diese Zeit nicht mehr genommen und stattdessen die Sache nach der nächstbesten „Erklärung“ verworfen? Zumal Reichs Versuchsaufbau alles andere als abwegig war, wie ich in Reich und die Physik gezeigt habe.

Außerdem war Reichs Kontaktaufnahme mit Einstein und seine Begründung, daß er wegen der Natur seiner Entdeckung das übliche Procedere umgehen müsse, keineswegs ein Einzelfall. Der damals noch vollkommen unbekannte 27jährige Inder Satyendranath Bose, nach dem heute die „Bosonen“ benannt sind, schrieb 1924 seine später berühmt gewordene Abhandlung Planck’s Law and the Hypothesis of Light Quanta und schickte sie an Einstein zur Begutachtung. Darin versuchte er „den Koeffizienten in Plancks Strahlungsformel unabhängig von der klassischen Elektrodynamik abzuleiten“. Dazu griff er auf Boltzmanns statistische Theorie der Gase zurück.

Ein ziemlich mutiges Unterfangen für einen jungen Physiker am anderen Ende der Welt, sich mit einem solchen Ansinnen an den großen Einstein zu wenden. Aber ohne den einflußreichen Fürsprecher hätte Bose wohl keine Chance gehabt, seine Theorie in einem angesehenen wissenschaftlichen Journal zu veröffentlichen. (Brigitte Röthlein: Die Quantenrevolution, München 2004, S. 174)

Einsteins Eintreten für Immanuel Velikovsky zeigt, daß Einstein nichts so schnell von sich gewiesen hat, nur weil es unorthodox war. Man lese nur die Korrespondenz zwischen den beiden.

Also wie Einsteins Verhalten Reich gegenüber erklären?

Myron Sharaf sagt in seiner Reich-Biographie Fury on Earth (New York 1983, S. 508), daß „Einstein mit der Planung für die Entwicklung der Atombombe beschäftigt war“ und daß er, so eine Idee von Professor Arthur Efron, vor dem ehemaligen „Kommunisten“ Reich durch das FBI gewarnt wurde. Nun war erstens Einstein nie direkt in die Entwicklung von Kernwaffen verwickelt, schon gar nicht in das Los Alamos National Laboratory, und zweitens war einer der Gründe hierfür, daß er den Behörden als unzuverlässiger „Linker“ verdächtig war.

Einstein hatte mehr als genug Muße, sich mit „obskuren Entdeckungen“ zu beschäftigen, zumal er Reichs Entdeckung wörtlich als „eine Bombe“ bezeichnete (Reich: The Einstein Affair, Rangeley 1953, E-21). Einstein war bereit gewesen, Reich an einem Montag zu empfangen und er verbrachte mit ihm fünf lange Stunden (E-21). Zwischen dieser Begegnung und dem Brief, in dem er die Sache als „für völlig aufgeklärt“ erklärte (E-9), liegt fast ein Monat.

Was war nun der Beweggrund für Einsteins ablehnendes und überraschend verletzendes Verhalten Reich gegenüber? Reich zitiert (E-35) eine Meldung aus der New York Times vom 17. März 1950, daß ein ehemaliger Assistent Einsteins, Dr. Leopold Infeld, ins stalinistische Polen gehen wolle, um dort der kommunistischen Regierung beim sozialistischen Aufbau zu helfen. War es nicht vielleicht so, daß 1941 gewisse europäische Assistenten und Mitarbeiter Einsteins gegen den ihnen aus Europa suspekten „Trotzkisten“ und „Psychofaschisten“ Reich Stimmung gemacht haben und alles taten, um seine Entdeckungen wegzuerklären? (Selbst wenn man Infelds direkte Beteiligung so gut wie ausschließen kann, scheint seine kommunistische Grundhaltung doch symptomatisch für Einsteins Umgebung gewesen zu sein.)

Hinzu kam, daß Reichs Entdeckung einer, wenn nicht der zentralen, Grundannahme von Einsteins physikalischem Weltbild ins Gesicht schlug.

1931 hatte Arthur Eddington in Das Weltbild der Physik etwas geschrieben, was sicherlich auch Einsteins Grundhaltung widerspiegelte:

Ich glaube, daß dem Gesetz von dem ständigen Wachsen der Entropie – dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik – die erste Stelle unter den Naturgesetzen gebührt. Wenn jemand Sie darauf hinweist, daß die von Ihnen bevorzugte Theorie des Universums den Maxwellschen Gleichungen widerspricht, – nun, so können Sie sagen, um so schlimmer für die Maxwellschen Gleichungen. Wenn es sich herausstellt, daß sie mit der Beobachtung nicht vereinbar ist, – gut, auch Experimentalphysiker pfuschen manchmal. Aber wenn Ihre Theorie gegen den Zweiten Hauptsatz verstößt, dann ist alle Hoffnung vergebens. Dann bleibt ihr nichts mehr übrig, als in tiefster Demut in der Versenkung zu verschwinden. (z.n. Coveney P., R. Highfield: Anti-Chaos, Reinbek 1992, S. 198)

Reich hatte nicht Recht, weil er nicht Recht haben konnte. Oder wie Planck mal in einem anderen Zusammenhang seine Kollegen durch den Kakao zog: „Um so schlimmer für die Tatsachen, wenn sie nicht stimmen.“

Als Reich schließlich 1944 drohte, wegen all der Gerüchte um sein Zusammentreffen mit Einstein die ganze Angelegenheit öffentlich zu machen, protestierte Einstein, er wolle sich nicht für „Werbezwecke“ einspannen lassen. Was brachte ihn dazu, Reich derartig zu beleidigen?

16 Jahre zuvor hatte Einstein einen ziemlich abwegigen Kühlschrank patentieren lassen, der nicht mit Strom, sondern mit Wasser angetrieben und mit Alkohol gekühlt wurde. 1928 wurde er von der Hamburger Firma Citogel auf der Leipziger Messe vorgestellt. Einstein wollte aber auf keinen Fall mit seinem Kühlschrank in Verbindung gebracht werden und der Hersteller mußte ihm vertraglich zusichern, nicht mit seinem Namen für den Kühlschrank zu werben. Es ist begreiflich, daß er im Zusammenhang mit Reichs „Wärmeschrank“ noch weitaus vorsichtiger war.

Die Geschichte der roten Verschwörung gegen Reich kann sehr weit zurückverfolgt werden in Europa – bis 1919. So berichtet William S. Schlamm, der in Wien engen Umgang mit Reich pflegte, das folgende:

Zehn Jahre nach meinem [1927 erfolgten] Bruch mit dem Kommunismus traf ich in New York den früheren westeuropäischen Chef der G.P.U., General Walter Kriwitzki, der erst im vorangegangenen Jahr (1937) mit der Partei gebrochen hatte und damals gerade sein großes Bekenntnisbuch schrieb. Er verblüffte mich mit einer unheimlichen Detailkenntnis und einer noch unheimlicheren Erinnerungskraft. Er konnte sich privatester Einzelheiten meiner Lebensführung aus dem Jahre 1919 erinnern (Einzelheiten die ich völlig vergessen hatte), und das, obwohl ich ihm vor 1938 nie begegnet war. „Das ist doch ganz einfach“, entließ er meine verblüfften Fragen. „Ich war damals Chef des Wiener Geheimbüros und hatte natürlich gute Sicht.“ Dann könnte er mir vielleicht erklären, fragte ich, wie es passiert sei (…) daß ich nie von den Russen in jene Abgründe befohlen worden war, in denen so viele brauchbare, junge Menschen der Welt für immer abhanden kamen. (…) „Ach das kann ich Ihnen genau sagen“, lachte Kriwitzki. „Wir haben Ihnen nie getraut.“ (Schlamm: Die jungen Herren der alten Erde, Stuttgart 1962, S. 61f)

War damals schon der Name Reichs in Moskauer Akten zu finden? Wie dem auch sei „hatten die ‚Roten Faschisten‘ WR seit 1930 bekämpft.“ (Red Threat of Conspiracy, Rangeley 1955)

Ist Reichs Vermutung so abwegig, daß seine Schwierigkeiten in den USA unter roten Vorzeichen standen?

Ein anderer Mediziner ostjüdischer Herkunft war in seinen Forschungen wie Reich von Freud ausgegangen. Während Reichs klinische Kritik am späten Freud ihn zur Entdeckung der Orgonenergie im Organismus und später in der Atmosphäre, schließlich im Kosmos führen sollte, leitete Immanuel Velikovsky die Kritik an bestimmten historischen Vorstellungen Freuds über Ödipus, Echnaton und Moses bis an den Rand der dynamischen, unstatischen Orgonenergie unseres Planetensystems, dessen Bewegungen durch Orgonenergie-Ströme bestimmt werden. Die Planeten bewegen sich nicht ewig statischen mechanischen Gesetzen folgend im leeren Raum, sondern rollen auf offenen Kreiselbahnen. Die Welt ist kein festgelegtes Uhrwerk. Genau wie Reich mußte so Velikovsky den modernen Anhängern der materialistisch-marxistischen Religion zum Ziel ihres unbändigen Hasses gegen alles Dynamische werden. (Als Die Welt noch eine vernünftige Zeitung war, stand einmal in einem Kommentar zur Medienpolitik der SPD sehr gut geschrieben, „daß es den Sozialisten schwerfällt, in dynamischen, das heißt lebendigen Strukturen zu denken“, was „in mehr als hundert Jahren oft deutlich geworden ist“.)

Aber zur Verschwörung gegen Velikovsky: der Soziologe Alfred de Gracia weist darauf hin, daß staatliche Stellen die politischen Verbindungen des Astronomie-Professors Harlow Shapley erkundeten, einem der Hauptgegner Velikovskys. Linke wie Shapley standen mit Ausbruch des Kalten Krieges unter Beschuß und Velikovsky hätte, so de Gracia, „dann ein bequemes und recht hilfloses Ziel für abgelenkte Aggressionen abgegeben“. Das ist eine typische kommunistische Taktik: niemals in die Defensive geraten. Wenn du deine Gegner nicht direkt treffen kannst, sollten die dich angreifen, weil sie dir auf die Schliche gekommen sind, lenke ihre Aggression um und schlage mit ihnen zusammen auf ihre Leute ein, die von dir entsprechend diskreditiert wurden! Es hat Gracia zufolge auch noch andere Beweggründe geben können:

Ein Angriff auf das Werk könnte einem politischen Apparat samt seinen angeschlossenen Organisationen die nötige Gelegenheit zu Manövern bieten oder, mehr noch, einen dringend notwendigen Sieg im Augenblick ihres Tiefstandes. Der Konflikt könnte zudem noch dazu dienen, harmlose Sympathisanten, denen man einredet, es gehe um eine gemeinsame Sache der Wissenschaft, an die Gruppe zu binden. (Alfred de Gracia: Immanuel Velikovsky, München 1979, S. 199f)

Nun ein Professor der Soziologie der Universität von New York, wie de Gracia, kann so etwas sagen, wenn Reich in bezug auf sich aber ähnliches sagt, ist er „paranoid“ und „verrückt“. Dabei kannte er sich doch nun wahrhaftig mehr als gut in der kommunistischen Mentalität aus (vgl. Reich: Menschen im Staat).

De Gracia erwähnt auch, daß der Physiker Dr. Edward U. Condon unter dem gleichen politischen Druck stand wie Shapley und ihn in seiner Emotionalen Pest-Kampagne gegen Velikovsky unterstützte. Später wurde Condon mit dem sogenannten Condon-Report berühmt, der die gesammelten UFO-Berichte der US-Luftwaffe dokumentierte. Der Report selbst war ein überzeugendes Dokument für die Invasion der Erdatmosphäre durch außerirdische Raumschiffe, doch die angebliche „Zusammenfassung“ am Anfang des Buches, die Condon verfaßt hatte, behauptete das genaue Gegenteil. Siehe dazu die Ausführungen hier.

Condon war mit Robert Oppenheimer am Atomprojekt der USA beteiligt gewesen und dieser Oppenheimer erklärte 1951 in einem Brief auf Anfrage von Eleanor Roosevelt über den Plan des ORANUR-Experiments:

„Ich fürchte, daß das Material im Papier in mir den Verdacht erweckt, daß die Unternehmung ein Jux ist; ich war nicht in der Lage irgendetwas zu finden, das ermutigend wäre.“ Dieser Wissenschaftler in einer Schlüsselstellung wurde 1953 [wie auch Condon, PN] wegen fragwürdiger Loyalität und Beweisen für rotfaschistische Verbindungen untersucht. In einem Artikel über die Geschichte der Wasserstoff-Bombe wird Oppenheimers Einfluß so umrissen, daß er eine besonders „blockierende und emotional lähmende“ Bremswirkung ausübte, die bei der Entwicklung der Wasserstoff-Bombe Rußland einen Vorteil verschaffte. Man gewinnt den Eindruck, daß er seine Autorität benutzte, um die Orgonomie in hohen Zirkeln der AEC [d.h. der Atomenergie-Behörde der USA] zu blockieren. Man beachte die Tatsache, daß Oppenheimer am Princeton Institute of Advanced Studies in New Jersey arbeitet, dem Schauplatz des Infeld-Einstein-Vorfalls und ein Zentrum des Angriffs auf die Orgonomie. (Red Threat of Conspiracy, S. 19)

Shapley, Condon und Oppenheimer hatten sich genauso verhalten, wie es, so Reichs Verdacht, Infeld (oder ein entsprechender Assistent Einsteins) getan hatte.

Der Rote Faden: Mildred Brady

1. September 2012

(…) die „Partei“ schickte den Idioten mit einer Botschaft auf den Marktplatz; der Polizist hörte es und leitete es an die Kommission für Nahrungs- und Medikamentensicherheit weiter; von hier gelang es in mehrere Zeitungen, von dort in eine psychiatrische Zeitschrift und das Büro des für den Landkreis zuständigen Staatsanwalts (…). („Public Responsibility in the Early Diagnosis of Cancer“, Orgone Energy Bulletin, 1(3), July 1949, S. 113)

Ohne Frage lag Reich mit dieser Beschreibung richtig. Die einzige kritische Frage ist, ob Mildred Edie Brady wirklich auf Anweisung Moskaus handelte. Dies ist der eine kritische und entscheidende Punkt in Reichs Argumentation. Und da Karl Frank Reichs Hauptquelle war, ist Frank so wichtig. Der „ein gewisser Karl Frank“ bei Jerome Greenfield (USA gegen Wilhelm Reich, S. 85). Myron Sharaf spricht über „a friend of Reich’s“ (Fury on Earth, 1983, S. 366). Sowohl Greenfield als auch Sharaf legen nahe, daß die Hauptquelle für Reichs Verdacht, daß Brady im Auftrag Moskaus handelte, eine unbedeutende Person war, die Reich nur eine zufällige Beobachtung und nicht weiter ins Gewicht fallende Einschätzung mitteilt. In Wirklichkeit war dieser „Informant“ eine sehr bedeutende Figur und ein Experte, wie an anderer Stelle dargelegt.

Von Anfang an war das Unterwandern und Wühlen Taktik von GPU/NKWD/KGB. Später versuchten sie Immigranten zu eliminieren und zwar nicht nur solche, die aus Rußland, sondern auch jene, die aus der Komintern geflohen waren. Dimitri Wolkogonow berichtet über Angelika Balabanowa (1878-1965), eine ehemalige Freundin des Sozialisten Benito Mussolini und spätere Sekretärin der Komintern. Kurz vor der Oktoberrevolution wurde sie nach Schweden gesandt, um sich im Auftrag der Bolschewisten mit linksgerichteten Organisationen in Europa zu befassen. Jeden Samstag kamen Schiffe in Stockholm an mit Geldern aus Rußland, die sie weiterleitete. Ihr wurde gesagt, sie solle das Geld verwenden, um linksgerichtete Organisationen zu unterstützen, anti-bolschewistische („oppositionelle“) Gruppen zu untergraben und einzelne Personen zu diskreditieren (Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror, Düsseldorf 1994).

Genau das hat später Mildred Brady getan: Unterstützen linksgerichteter Gruppen in den Vereinigten Staaten, Untergraben von progressiven Gruppen, die dem Kommunismus gegenüber feindselig eingestellt sind und Diskreditieren bestimmter Personen, in diesem Fall Wilhelm Reich. Diese drei Punkte haben die Politik der Komintern bereits charakterisiert, bevor diese überhaupt offiziell gegründet wurde. (Das Büro für Auslandsarbeit wurde am 8. Oktober 1918 gegründet und bestand aus Balabanowa, Worowski, Bucharin und Axelrod.)

Jürgen Kuczynski war ein enger Freund von Mildred Bradys späterem Ehemann Robert A. Brady, einem Wirtschaftswissenschaftler, und dessen erster Frau. Im September 1926 ging Kuczynski in die Vereinigten Staaten, um an der Brookings School zu studieren. Viele Studenten dieser kleinen Eliteeinrichtung mit nur 20 bis 30 Studenten wurden später Mitglieder der Roosevelt Administration. Und sie waren alle untereinander befreundet und viele heirateten auch untereinander. Kuczynski zufolge hielten viele dieser Bekanntschaften und Freundschaften Jahrzehnte an und schlossen weitere Freundeskreise mit ein. Da die meisten Studenten wegen ihres Talents interessante Jobs bekommen hatten und einige hohe Positionen in der Roosevelt Administration innehatten, war Kuczynskis USA-Reise von 1938 in die USA, wo er für den kommunistischen Geheimsender „29,8“ um Spenden warb, so überaus erfolgreich. Er kehrte als der damals erfolgreichste Spendensammler für die KP heim (Kuczynski: Freunde und gute Bekannte. Gespräche mit Thomas Grimm, Berlin 1997, S. 115f).

Kuczynski war an der Brookings School von Sept. 1926 bis Juni 1927. Danach arbeitete er für die American Federation of Labor, die von William Green geleitet wurde. Sept. 1928 kehrte er zum Brookings Institute zurück, um ein Buch über Arbeitslosenstatistik zu schreiben. 1929 kehrte er nach Deutschland und seinem Familienstammsitz am Schlachtensee zurück. Ein Jahr später schloß er sich der Partei an, besuchte die UdSSR, usw.

Wir zeichnen das Jahr 1931. Kuczynski berichtet, daß viele Briefe mit den Freunden in Amerika ausgetaucht wurden. Elsie Gluck, Bob und Dorothy Brady besuchten ihn am Schlachtensee (Kuczynski: Memoiren, Köln 1983).

Die letztere schrieb damals an Kuczynski, daß ihr Ehemann Bob Brady mit ganzem Herzen auf ihrer Seite, d. h. auf Seite der Kommunisten stünde, aber leider gezwungen sei, an der Universität von Berkeley jede Menge Quatsch zu lehren. Zurück in den USA habe er das Gefühl seine Seele an den Mammon zu verkaufen. Kuczynski fügt jedoch an, daß sich Bob Brady keine Sorgen um seine Seele hat machen müssen, da er gute Bücher gegen den deutschen Faschismus und den Monopolkapitalismus im allgemeinen geschrieben habe. Zwar sei auch Dorothy nicht in der Partei gewesen, aber, wie Bob, auf kommunistischer Seite mit voller Überzeugung gesellschaftlich aktiv (ebd., S. 214f).

1934, ein Jahr bevor die damalige Mildred Edie ihren späteren Mann Bob Brady kennenlernte, wurde die junge Journalistin auf Reich aufmerksam, als sie den Psychoanalytischen Kongreß in Luzern besuchte. Siehe dazu Item 178 (Statement by Angelica M. Haymes on Masters [Consumer Reports], Dec. 7, 1948) von Reichs The Red Threat of a Conspiracy (Rangeley, Maine: Orgone Institute Press, 1955). Zusammen gründeten sie 1936 die kommunistisch inspirierte Consumers Union, eine Art „Stiftung Warentest“, um das kapitalistische System nicht nur von der Seite der „Produzenten“ (Werktätigen), sondern auch von der Seite der Konsumenten her zu untergraben. Ein Opfer dieser kapitalismuskritischen „Warentests“ sollte Wilhelm Reich werden.

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Kuczynski hat seine Wirtschaftsstudien (besonders über die Wirtschaftsstruktur des Nazistischen Deutschland) beim Verlagshaus der englischen KP veröffentlicht, in Amerika beim dortigen KP-Verlag. Dennoch hat 1944 die amerikanische Botschaft (d. h. dieselbe Botschaft, die einige Jahre später Neill die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrte) den Erzkommunisten Kuczynski eingeladen, sich dem United States Strategic Bombing Survey anzuschließen. Er und seine Mitarbeiter (z.B. Paul Baran, später der erste Marxistische US-Professor mit Lebensanstellung) hatten täglichen Kontakt mit dem Office of Strategic Services. Dort gab es ebenfalls, so Kuczynski, jede Menge „progressive Leute“. Die Amerikaner haben sich einfach nicht darum geschert, ob man ein Kommunist war oder nicht, soweit man für sie nützlich war. Kuczynski hat dort viele Freunde gefunden und hielt später Kontakt zu ihnen, mit einigen bis zu seinem Tode 1997. Als ziviler Fachmann bekam Kuczynski den militärischen Rang eines Oberst verpaßt. Der United States Strategic Bombing Survey wurde von vier Generälen befehligt, Alexander, George Ball, Paul Nitze und Ken Galbraith, aber nur einer von ihnen sei, so Kuczynski, „progressiv“ gewesen, Galbraith. Er blieb ein lebenslanger Freund. Damals sei Galbraith in der politischen Mitte verortet gewesen, er habe sich aber später mehr nach links entwickelt. Er wurde Freund und Berater von JFK. In seiner Autobiographie erwähnt Galbraith Kuczynski: dieser sei ein sowjetischer Spion gewesen.

Die geheimen Berichte des Office of Strategic Services, Vorgänger des CIA, über die Ökonomie des Deutschen Reiches wurden nur an vier Empfänger gesandt: Roosevelt, Eisenhower, Churchill und Ismay (der „englische Eisenhower“). Kuczynskis Schwester war die berühmteste Sowjetspionin (Ursula Kuczynski war identisch mit „Ursula-Marie Hamburger“, „Ruth Werner“ und der berühmten „Sonia“) und über sie gelangten diese hochgeheimen Berichte auf den Schreibtisch Stalins.

Beim „Office of Strategic Services” befand sich ein ganz besonders linker Linker: Joseph. Bis zu seinem Tode 1993 blieb er ein sehr enger Freund Kuczynskis. Gould erkundigte sich bei Kuczynski, ob es nicht gut sei fünf deutsche Kommunisten von England nach Deutschland mit amerikanischen Flugzeugen zu schicken. Kuczynski wählte fünf Kommunisten und informierte gleichzeitig seine Schwester. So warfen die Amerikaner fünf OSS-Agenten über Deutschland ab, die gleichzeitig über Kuczynskis Schwester für Stalin arbeiteten. Kuczynskis Schwester brachte auch Klaus Fuchs’ Dokumente über die Atombombe in die Sowjetunion. Kuczynski höchstpersönlich vermittelte den Deal.

Fuchs war Kommunist und als er in England eintraf, hatte er sich direkt an Kuczynski gewandt, da dieser der politische Führer der deutschen KPler in England war. Etwa 1942 erzählte Bernal, ein enger Freund Kuczynskis, diesem auf eine sehr vage Weise über eine hochgeheime Superwaffe. (John Desmond Bernal [1901-1971] war ein britischer Naturwissenschaftler, nach 1945 aktiv in der Weltfriedensbewegung und 1950 Präsident des Weltfriedensrates.) Klaus Fuchs teilte Kuczynski Details mit und fragte ihn, ob das nicht für die Sowjetunion von Bedeutung sei. Kuczynski brachte ihn in Kontakt mit den Sowjets. Als die Sowjets plötzlich alle Verbindungen mit Fuchs kappten, wandte sich dieser wieder an Kuczynski, der ihn in Kontakt mit seiner Schwester brachte (Kuczynski: Freunde und gute Bekannte).