Posts Tagged ‘Friedrich Engels’

Der Kern des orgonomischen Funktionalismus, die Orgonometrie

27. Oktober 2017

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

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nachrichtenbrief68

11. September 2017

Der Rote Faden: Der Warmduscher

6. September 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011:

Der aller letzte Rat, den Falk Brandt auf seinem Sterbebett in Schweden gab: da ganz Europa dem Faschismus anheimfallen wird, sollte eine Elitegruppe skandinavischer Sozialisten in die USA gehen um zu überleben, so daß sie eines Tages die sozialistische Idee zurück nach Europa bringen können

Unfassbar, wie genial dieser Falk war.
Auf solch eine Idee muss erst einer kommen. Hitler hätte unter günstigeren Umständen tatsächlich ganz Europa besetzen können.

Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mot_Dag

„Gegründet wurde Mot Dag 1922 von Studenten in Oslo. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Erling Falk, Harald Viggo Hansteen und Sigurd Hoel.“

Hoel war sogar Herausgeber der ZPPS.

http://en.wikipedia.org/wiki/Mot_Dag

„The first editor was Sigurd Hoel.
(…)
Many well-known authors, intellectuals, and future leading politicians and officials were among them. Of mention are filmmaker Olav Dalgard; the authors Helge Krog, Odd Eidem, Sigurd Hoel, Arnulf Øverland, Nic Waal and Inger Hagerup — the latter two of the few women who were connected to Mot Dag.“

Nic Waal war eine Schülerin von Reich. Sie war von 1927-36 mit Sigurd Hoel verheitatet.

http://en.wikipedia.org/wiki/Nic_Waal

http://www.psychoanalytikerinnen.de/skandinavien_biografien.html#Waal
„Als Wilhelm Reich vor den Nationalsozialisten nach Oslo floh, gehörten Nic und Sigurd Hoel zu der Gruppe von Anhängern, die sich um ihn scharten. Nic Hoel begann bei dem ebenfalls nach Oslo emigrierten Freudomarxisten Otto Fenichel eine weitere Analyse, die sie bei Reich fortsetzte. Sie war eine der wenigen, die Wilhelm Reich 1934 bei dessen Ausschluss aus der IPV offen verteidigte. Obwohl sie später seine Orgontheorie nicht nachvollzog, unterstützte sie Reich nach seiner Emigration in die USA weiterhin.“

http://en.wikipedia.org/wiki/Sigurd_Hoel
„From 1934 to 1939 Hoel was a co-worker of Wilhelm Reich who then had chosen Oslo as his exile. Hoel contributed to Reich’s German language periodical Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Journal for Political Psychology and Sex Economy) and was the editor-in-chief of the issues No. 13 to 15. One of his major essays deals with the Moscow Trials.“

Von Sigurd Hoel gibt es mehrere ins Deutsche übersetzte Werke.

Robert 2012:
Oliver Janisch: Das Kapitalismus Komplott, 2010 FinanzBuch Verlag, S.324 ff.

Zitat:
„Es sind oft gerade die beliebtesten Politiker, die einen höchst zweifelhaften Hintergrund haben. Erst nach Willy Brandts Tod stellte sich in Deutschland heraus, dass er bereits während des Zweiten Weltkriegs Informant des russischen Geheimdienstes KGB war. Sein richtiger Name war Herbert Frahm,
»Willy Brandt« ein seit 1934 benutzter Deckname. Falsche Identitäten anzunehmen scheint ihm gelegen zu haben: 1936 kehrte er aus dem norwegischen Exil unter dem Decknamen Gunnar Gaasland nach Deutschland zurück und sprach Deutsch mit norwegischem Akzent. Er war im Auftrag Jakob Walchers
als »Kriegsberichterstatter« unterwegs. Walcher hatte nach der russischen Revolution zusammen mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht den kommunistischen Umsturz in Deutschland geplant. Sie können das alles auf Wikipedia nachlesen, weil es in Deutschland nichts Verwerfliches ist, eine kommunistische
Revolution anzuzetteln.
Was auf Wikipedia natürlich nicht steht, ist, dass Brandt KGB-Informant war. Er wurde von einem ehemaligen KGB-Offizier mit Decknamen »Curb« als KGB-Spion enttarnt, wie der Focus 1998 schreibt. 1992 offenbarte sich »Curb« nach der Wende dem britischen Geheimdienst. Brandt erhielt vom KGB-Vorläufer NKWD den Decknamen »Polarforscher«. Laut Focus versuchte ausgerechnet der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Peter Frisch, mit aller Macht die Veröffentlichung von Willy Brandt betreffenden Geheimdienstinformationen, besonders in Form der geplanten Memoiren des Obersten »Curb«, zu verhindern. Die Vertuschungsaktion war laut Focus mit Helmut Kohl abgesprochen, der zu Brandt eine Freundschaft entwickelt hatte.
Behalten Sie das im Hinterkopf.Der Überläufer wurde vom Bundeskriminalamt als absolut vertrauenswürdig eingestuft, weil er zahlreiche Spione enttarnte. Focus zitiert einen Verfassungsschutzmitarbeiter so:
Uns wurde ganz mulmig, was der alles wusste. Moskau besitzt offensichtlich tonnenweise Erpressungsmaterial. Tonnenweise! Wir wissen nicht, was alles in den Akten stand, weil sie nie veröffentlicht wurden. Angeworben wurde Brandt während des Zweiten Weltkriegs. Am 14. Dezember 1966, zwei Wochen nach der Ernennung Brandts zum Vizekanzler in der großen Koalition, brachte die schwedische Hauptstadtzeitung Aftonbladet einen Artikel, in dem es hieß, dass Brandt immer noch in der aktuellen Datei der Stockholmer Sicherheitspolizei Säpo, die ihn seit seiner Anwerbung beobachtete, als »verdächtiger Ostblock-Spion« erfasst sei. Die SPD protestierte gegen den Bericht. Niemand kann sagen, wie lange Brandt spionierte. Auf jeden Fall war er vom KGB erpressbar. Im April 1972 startete Rainer Barzel das Misstrauensvotum gegen Brandt. Wie wir heute wissen, bestach die Stasi mindestens zwei Abgeordnete der Unionsfraktion, für Brandt zu stimmen. Da sollen wir glauben, dass er kein Ostagent mehr war? Zumindest arbeitete er offensichtlich im Interesse der Stasi. Er leitete zusammen mit Walter Scheel die Ostpolitik ein, also die Annäherung an die kommunistischen Regime, die schließlich zu den Ostverträgen mit der Sowjetunion und Polen führten. Am 6. Mai 1974 trat Brandt vom Amt des Bundeskanzlers zurück. Offizielle Begründung für diesen Schritt war die Enttarnung von Günter Guillaume, einem seiner Mitarbeiter, als DDR-Spion. Warum sollte ein Kanzler zurücktreten, nur weil er ausspioniert wurde? Liegt es nicht viel näher, dass Brandt befürchtete, dass seine KGB-Tätigkeit bekannt würde? Es ist immer verdächtig, wenn Akten nicht freigegeben werden. Also muss Brandt sich die Spekulation gefallen lassen.“

Robert fährt fort:
http://www.focus.de/politik/deutschland/spionage-kgb-dossiers-ruetteln-am-denkmal-willy-brandt_aid_170084.html

Robert 2016:
Besprechung Weg nach Berlin
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43065460.html

Robert:
Sehr interessant, was Ella Lingens über ihren Freund Karl von Motesicky schreibt:
„Motesicky selbst wohnte in einer großzügigen Wohnung in Wien und kam nur dann und wann zu Besuch. Auch er war gegen seine Familie aufgestanden (…), hatte sich dem Kommunismus zugewandt, ihn aber bald mit seltsamen sektiererischen
psychiatrischen Bewegungen verbunden oder gegen sie getauscht – ich bin da nie ganz durchgedrungen – und führte dank seines Vermögens das Leben eines Privatgelehrten auf der Suche nach dem wirklichen Leben, das wir für ihn zu verkörpern schienen.“

Ella Lingens, Gefangene der Angst, S. 43

Eine psychiatrische Sekte ist die Orgonomie bis heute geblieben.

Robert 2013:
Dieselbe Haltung des Zwiedenkens vertrat Lion Feuchtwanger in „Moskau 1937“. Da kann eine Gesellschaft, auf Vernunft gegründet, auch gerne blutige Opfer kosten.

Peter 2016:
Zum Tod von Egon Bahr:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_grosse_irrtum_des_egon_bahr

Er war ein typischer Sozialdemokrat: ein Verröter an der Freiheit, der sich zugute hielt, er, ausgerechnet er, hätte die Freiheit verteidigt und ausgeweitet. Siehe auch die Analyse der Entspannungspolitik durch Bukowski, wie ich sie hier dargelegt habe:

http://orgonomie.net/hdosozio.htm

Die Pest kann man nur besiegen, indem man ihrEinhalt gebietet, nicht indem man mit ihr „verhandelt“.

Peter 2013:
Wider die Romantisierung des Spanischen Bürgerkrieges:

http://www.pi-news.net/2013/10/gestern-522-von-roten-ermordete-spanische-martyrer-seliggesprochen/

Robert 2013:
„Brandt beherrschte also das Gedankengut der Sexpol fließend.“

Und beeinflusste auch seinen Sohn…
„Am schulfreien 17. Juni 1967 gründete sich das SDS-inspirierte Aktionszentrum unabhängiger und sozialistischer Schüler (AUSS) in Frankfurt. Dort referierte Willy Brandts ältester Sohn Peter über die Zumutungen des Kalten Kriegs unter der Fragestellung »Warum der 17. Juni gestorben ist«. Wie der Verfassungsschutz mitteilte, forderten die versammelten Gymnasiasten Zweierlei: die gründliche Reform der »seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unverändert gebliebenen patriarchalischen Schulstruktur« und »in aller Breite Aufklärung über den Geschlechtsverkehr einschließlich aller Perversionen«. Allen voran verlangte der junge Brandt die Pille für jedes geschlechtsreife Mädchen und »den Abbau der sexuellen Diskriminierung von Schülern durch die Schulautorität«.“

Und auch Ulbricht wurde vermutlich von Reich beeinflusst…
„Nicht so deutlich, doch erheblich, unterschied sich die Praxis der schulischen Sexualaufklärung in den beiden deutschen Staaten. Auch insoweit erging es den Zonenkindern besser. In der DDR hatte Walter Ulbricht 1958 höchst selbst auf dem V. Parteitag der SED die »natürliche Aufklärung« der Kinder verlangt, um sie vor »Schwierigkeiten und Konflikten« zu schützen. Fortan wurde in den DDR-Schulen Sexualkunde unterrichtet.95 Unvorstellbar, dass sich Ulbrichts westlicher Widerpart Adenauer jemals zu solchen Sätzen durchgerungen hätte.“

(Götz Aly, Unser Kampf)

Robert 2016
USA zahlten heimlich Geld an Willy Brandt

Bereits in den Siebzigerjahren kursierten Gerüchte über geheime Zahlungen der CIA an Willy Brandt. Der SPD-Politiker bestritt alle Vorwürfe. Neueste Archivfunde belegen nun: Ab 1950 floss Geld.

http://www.spiegel.de/einestages/willy-brandt-bekam-geheime-us-zahlungen-ab-1950-a-1096881.html

Der Rote Faden: Der Friedenskämpfer Nr. 1

8. August 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Der rote Parasit

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.15.

5. Juni 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

Reich und die Linke (Teil 2)

6. August 2015

Friedrich Engels schreibt in seinen Grundsätzen des Kommunismus, die kommunistische Gesellschaftsordnung werde

das Verhältnis der Geschlechter zu einem reinen Privatverhältnis machen, welches nur die beteiligten Personen angeht (…) Sie kann dies, da sie das Privateigentum beseitigt und die Kinder gemeinschaftlich erzieht und dadurch die beiden Grundlagen der bisherigen Ehe, die Abhängigkeit des Weibes vom Mann und der Kinder von den Eltern vermittelst des Privateigentums, vernichtet.

Abgesehen von der Sache mit dem Privateigentum (das ist kommunistische Dialektik: Privatheit durch Vernichtung der Privatheit!), paßt dies zu Reich wie sonst kaum etwas. Er ließ sich durch die Zerschlagung der bürgerlichen Sexualmoral in der Sowjetunion blenden und wurde zum eifernden „Kommunisten“. Doch dann schälte sich langsam das wahre Gesicht der Marxistischen Religion aus den Blutkrusten „revolutionärer“ Entmenschlichung:

Die Apologie der „festen und gesunden Familie“ und des Kinderreichtums geht mit einer juristischen Einengung des Scheidungsrechts, einer absoluten Ablehnung der Psychoanalyse, einem Appell zur Minimierung der Rolle der Sexualität und einer merklichen Behinderung der Diskussion über sexuelle und sexualpolitische Themata einher.

So beschreibt Hugo C.F. Mansilla (Systembedürfnis und Anpassung, Frankfurt 1973) die Sowjetunion der 1930er Jahre. Er zitiert A.G. Charnev, der als Hauptvertreter der modernen anti-moralistischen (!) Richtung der sowjetmarxistischen Ethik galt:

In diesem Zusammenhang muß auch erwähnt werden, daß bei uns die moralische Bildung, die Erziehung zu solchen sittlichen Werten wie Jungfräulichkeit und männlicher Würde noch sehr im Argen liegt.

Mansilla:

Gerade auf dem Gebiet der Erziehung wird den Jugendlichen Sport und Arbeit als Vorbeugung gegen die Versuchung des Fleisches und der „bürgerlichen Verfallserscheinungen“ (der freien Liebe) nahegelegt; diese frommen Ratschläge gehen nicht zuletzt auf Lenin zurück, der eine ausgesprochen konservative Meinung zu dieser Problematik vertrat und diese in seinen Äußerungen gegenüber Ines Armand und Clara Zetkin zum Ausdruck brachte.

Es gibt zwar auch Marxistische Gegner des Realsozialismus, die in ihm das gleiche sehen, was Reich oder z.B. Kurt Schumacher in ihm sahen: rotlackierten Nazismus, aber diese Marxistischen Kritiker übersehen in ihrer typisch ahistorischen Sichtweise z.B., daß sich sowohl Marx/Engels als auch die Hakenkreuzler bei ihrem „Klassenkampf“ bzw. „Rassenkampf“ auf ein und dieselbe Quelle beriefen und zwar explizit: auf (einen verzerrten) Darwin.

Zudem negieren beide das Individuum (vorgeblich) im Namen der Klasse bzw. „Rasse“. Daß Hitler sich einen Dreck um Deutschland scherte, braucht nicht näher erläutert werden. Aber kämpfen denn die Marxisten nicht für die Emanzipation? Fragt sich nur von wem bzw. für wen! Denn die Marxisten relativieren das „autonome Individuum“ als gesellschaftlich bedingtes, geschichtlich gewordenes kapitalistisch-liberales Ideal („genitaler Charakter“), das im Sozialismus zum kollektiven „ganzen Menschen“ werden wird, der nicht mehr Spielball der Ökonomie sein, sondern sie beherrschen wird. Fragt sich nur wer herrscht, wenn das selbstregulierende Individuum als „kleinbürgerlich“ verteufelt wird? Ein abstraktes Kollektiv? Die Marxisten sagen: „Wir werden die Geschichte selber machen!“ Und diese „Wir“ sind die Marxe, Lenine und andere stählerne Emanzen.

Der Abgrund an Nihilismus und an anti-arbeitsdemokratischer Grundhaltung bei Marx zeigt sich bei ihm schon allein darin, daß er in der Verelendung und zunehmenden Entfremdung des Proletariats und in dessen vollkommener Lostrennung von seiner handwerklichen und „kleinbürgerlichen“, d.h. arbeitsdemokratischen, Herkunft das Heil aufkeimen sah. Es war schon immer ein Slogan der Emotionellen Pest, daß schlimmer besser ist. Betrachtet man im Gegensatz zu Marx die Dinge historisch und dialektisch, sieht man, daß in Wirklichkeit jene Werktätigen sozial am kämpferischten waren, die noch Reste ihres vorproletarischen Bewußtseins in sich trugen – die noch etwas Arbeitsdemokratie in ihrer Charakterstruktur verankert fanden. Aus diesen Quellen ist der Anarchismus und der demokratische Arbeiterkommunismus gesprossen.

Reste dieser demokratischen Arbeiterbewegung, die durch das trojanische Pferd Marxismus schon fast zerstört war, hat Reich noch Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre in Österreich und Deutschland miterlebt – bevor die Faschisten jeder Coleur alles zertreten haben. Es ging beim ganzen Marxismus nie um die Emanzipation der Werktätigen, sondern um die deplazierter Intellektueller wie Marx oder Lenin!

Das muß man wissen, um zu verstehen, um was es sich wirklich handelt, wenn davon die Rede ist, daß „die Relevanz bestimmter gesellschaftsstruktureller Disproportionen systemsprengende Initiativaktionen an der Basis postuliert, um dort die internalisierte Akzeptanz dieser Situation exemplarisch in Frage zu stellen und dadurch den historisch-dialektischen Prozeß wieder zu akzelerieren.“ (oder so ähnlich)

In seinem Buch Weltflucht und Geschichtsgläubigkeit (Strukturelemente des Linksradikalismus, Mainz 1974) sagt Bernd Guggenberger dazu:

[Die] moralische Selbstaufrüstung durch Inanspruchnahme einer imaginären „Allgemeinheit“ und „Eigentlichkeit“ hat die Neue Linke zu einem virtuos gehandhabten Instrumentarium systematischer Verunsicherung erweitert. (…) [So] erfüllt die Berufung auf die „Basis“ für die Strategen der Systemüberwindung vor allem die Funktion, die fehlende Eigen-Legitimität auch für eine Position sicherzustellen, welche sich nicht auf die Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung berufen kann. (…) Die „Basisdemokratisierung“ (…) verkommt zum bloßen Instrument der Selbstversicherung der neuen Elite.

Man denke nur mal an die Durchsetzung des „multikulturellen Projekts“ oder gar das Geschwafel von der „Zivilgesellschaft“, die nichts anderes beinhaltet als die Majorisierung der Mehrheit durch militante Grüppchen. Guggenberger:

Die subkulturelle Version des Modells der Basisgruppen orientiert sich vor allem an Wilhelm Reichs Feststellung, das Klassenbewußtsein werde keineswegs allein durch die großen Kämpfe der Arbeiterklasse, durch Haupt- und Staatsaktionen der großen Politik bestimmt, sondern ganz wesentlich durch verinnerlichte Werte der Werbe-, Konsum- und Freizeitwelt, des sexuellen Bereichs, der Alltagssphäre. (Was ist Klassenbewußtsein?) Die bewußte Organisierung von „Basisprozessen“ auch außerhalb des direkten Machtkampfes war daher auch eine zentrale Forderung der „Kommune 2“.

War Reich denn Marxist? Lassen wir doch die Marxisten selber diese Frage beantworten: Schon 1932 hielt der orthodoxe (sozialdemokratische) Marxist Siegfried Bernfeld dem „Kommunisten“ Reich vor, er

wäre als anarchistischer Sexualethiker zu charakterisieren. Welcher ungeschlichtete Widerspruch oder Zufall aus ihm einen Marxistischen Kommunisten gemacht hat, ist unerfindlich.

1936 schrieb der Marxist Erich Fromm, Reich vertrete philosophisch

keineswegs den historischen Materialismus, sondern einen mechanischen Materialismus. (…) Den Marxismus hat er in Wirklichkeit nie kapiert.

Nun, selbst für den Mitbegründer der KPD, Karl Liebknecht, war dieser ominöse „historische Materialismus“ Marxens

nicht materialistisch, hat keinen materialistischen Faden an sich, wenigstens nicht im eigentlichen, im philosophischen Sinn, höchstens einen Anklang an den Materialismus im vulgär-moralisierendem Sinne. Nicht einmal das!! (…) Der „ideologische Überbau“ ist ungenügend, ja falsch definiert. Die Beziehung zwischen Ideologie und „wirtschaftlichen Verhältnissen“ ist mißverstanden (…)“ (z.n. Hermann von Berg: Marxismus-Leninismus, Köln 1986, S. 242)

Hat nicht Reich in Menschen im Staat nicht verhehlen mögen, daß er die Entdeckung des Wirtschaftsgesetzes der Arbeitswerttheorie „durch Karl Marx für eine der größten Taten halte, die je vom menschlichen Denken vollbracht wurde“? Bei Ossip Flechtheim (Von Marx bis Kolakowski, Köln 1978) kann man nachlesen, wie gering Karl Liebknecht auch diese Marxsche Leistung einschätzte: er sieht

im Gegensatz zu Marx Kategorien wie Wert und Tauschwert, Mehrwert und Ausbeutung weniger abstrakt-ökonomisch als historisch-machtgesättigt. (…) Im Gegensatz zu Marx ist für Liebknecht der Wert der Arbeitskraft ein klassenmäßig, kein allgemein gesellschaftlich bestimmter Wert. Der Lohn wird nicht nach diesem bemessen, sondern nach dem klassenmäßig empirischen „Wert“. (…) Marx sei insofern inkonsequent gewesen, als er in die Bestimmung des Lohnes historisch-moralische Momente aufgenommen habe [etwas was Reich erst den Stalinisten anlastet!]; dieses Moment sei aber in Wahrheit „das Sprengpulver zur Zersprengung der Marxschen Wertkonstruktion.“ Wert und Ausbeutung liegen für Liebknecht auf ganz verschiedenen Ebenen.

Der Ökonom und Experte für die Geschichte der Arbeiterbewegung Hermann von Berg behauptet, Marx habe das Wertgesetz vermurxt, „weil er Qualität und Quantität nicht auseinanderhalten kann“. Überhaupt war Marx

nie ein Wissenschaftler, sondern ein dümmlicher, aber fanatischer Ideologe, ein halbgebildetes Element, wie die demokratischen Arbeiterkommunisten seiner Zeit sagten (…): Synonym für Diktatur und Unmenschlichkeit in Person.

Marx, Freud, Reich (Teil 2)

22. April 2015

1951 schrieb Reich, daß die Kommunisten seit 1928 nicht aufgehört hätten, seine Ansichten zu bekämpfen, „offenbar in der Furcht vor der Konkurrenz zwischen dem Marxschen Ökonomismus und der Psychologie“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1995, S. 114). Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist, wie das Amerikanische original „Marx’s economism“ in der deutschen Ausgabe von 1982 übersetzt wurde: „Wirtschaftstheorie von Marx“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1982, S. 92).

Bereits 1930 mußte Reich in der Sexpol-Bewegung klarstellen,

daß die sexuelle Unterdrückung tiefer lag als die ökonomische Unterdrückung. Die Marxisten konnten das nicht ertragen. Die Marxisten akzeptierten mich, solange ich die Orgasmustheorie als zweitrangig hinter die ökonomischen und sozialen Faktoren plazierte. (Sharaf: „Further Remarks of Reich: Summer and Autumn, 1948”, Journal of Orgonomy, May 1971)

Man vergleiche dies mit der folgenden Aussage des Marxistischen „Reichianers“ und Wirtschaftsprofessors Bernd Senf aus dem Jahre 1982:

Die herrschende Ideologie ist so tief in den Strukturen unseres Denkens verankert, daß sie sich nicht von selbst auflöst, wenn die emotionale Struktur in Bewegung kommt. Auch eine (in bezug auf die Lockerung emotionaler Blockierung) wirksame Therapie befreit uns nicht von der Verbindung, die wir aufgrund der herrschenden Ideologie in unseren Köpfen haben und die uns mehr oder weniger blind machen gegenüber den tieferen Wurzeln der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen. (emotion 5, S. 114)

Wie eine entsprechende Auseinandersetzung mit dem Marxismus aussieht, läßt sich aus Reichs Vorwort zur revidierten Neuauflage von Massenpsychologie des Faschismus ableiten. Dort präsentiert Reich sein Modell von der Dreischichtung der menschlichen Charakterstruktur. Demnach wäre der Marxismus ohne jeden Zweifel der oberflächlichen Soziale Fassade zuzurechnen, ist doch für ihn, gemäß der 6. These über Feuerbach, der Mensch nur ein „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Nicht von ungefähr warfen die Marxisten Reich stets „Biologismus“ und „kleinbürgerlichen Individualismus“ vor.

Was für Marx rational war (der durch unterschiedliche ökonomische Interessen bestimmte Klassenkampf), wurde für Reich zum Inbegriff der Irrationalität, während das, was für Marx irrational war (die Postulierung gemeinsamer Interessen zwischen den Klassen), für Reich die Essenz seiner Bio-Soziologie wurde: die alle Klassen übergreifende natürliche Arbeitsdemokratie.

Während Marx im oberflächlichen Sozialen haften blieb, drang Freud zwar in den Bereich der biologischen Antriebe des menschlichen Verhaltens vor, blieb dabei aber in der von den irrationalen, „sekundären“ Trieben entstellten Mittleren Schicht der Charakterstruktur stecken. Daß Psychoanalyse und Marxismus mit der Orgonomie inkompatibel sind, sieht man daran, wie Freud und Marx die gesellschaftlichen Probleme lösen wollten. Freud ging es um die Bewußtmachung des Verdrängten, um so das böse Tier im Menschen der gesellschaftlichen Kontrolle zu unterwerfen. Entsprechend ging es Marx darum, den Menschen zum emanzipierten Herrscher über die Natur zu machen, indem er die „Anarchie“ der kapitalistischen Wirtschaftsweise meistert.

Hatten die Marxisten aber schon Probleme mit ihrem Geistesbruder Freud, der doch immerhin lehrte, der Mensch müsse in die Natur eingreifen, konnten sie rein gar nichts mit der nun vollkommen dem menschlichen Zugriff entzogenen ahistorischen, naturgeschichtlichen Determiniertheit des Reichschen Modells anfangen: sie hassen den bioenergetischen Kern, das Tier im Menschen.

Diesen Haß auf die Biologie verdeutlicht der „kritische Marxist“ Ira H. Cohen bei seinem Versuch eine m.E. korrekte Verbindung von Marx und Freud herzustellen. Demnach kann nicht die Frage sein, ob eine Harmonie zwischen den biologischen Trieben und dem sozialen Sein herzustellen ist, wie Reich es anstrebte,

sondern ob die spezifische Modifikation, die das Realitätsprinzip verlangt, Selbstregulation oder moralistische Unterdrückung fördert. Mit anderen Worten ist das Problem nicht eine spezifische Konzeption der „menschlichen Natur“, sondern eine spezifische Art der sozialen Konditionierung. Freud bestand darauf, daß die Modifikation der Primärprozesse eine soziale Notwendigkeit war. Seine Vorstellung von den Primärprozessen entspricht tatsächlich Marx‘ Vorstellung der menschlichen Natur als einer Verkörperung der Geschichte und Struktur der sozialen Beziehungen, in deren Rahmen sie sich ausdrückt.

Die Frage nach der Art der notwendigen sozialen Konditionierung werde nun durch „Reichs Libidotheorie“, also der Orgasmustheorie, verschleiert. Cohen weiter:

An die Stelle einer von der Geschichte bestimmten Charakterstruktur stellt Reich eine von Natur aus sich selbst regulierende Libido. Selbstregulierung wird nicht als ein menschliches Potential begriffen, das sich durch die Prozesse der individuellen und sozialen Entwicklung realisiert, sondern vielmehr als ein Naturgesetz des Lustprinzips, das in natürlicheren, prähistorischen Gesellschaften bis zum Auftauchen der Klassenbeziehungen verwirklicht wurde.

Die Selbstregulierung sei also nicht mehr der auf die Psyche einwirkenden sozialen Entwicklung unterworfen, sondern wohne „den naturgemäß und automatisch nach Entladung strebenden Instinkten selbst inne“ (Ideology and Unconsciousness, New York 1982, S. 180f)

Sexualökonomie und Marxismus sind absolut unvereinbar, bzw. nur vereinbar, wenn man Reich buchstäblich seines „Kerns“ beraubt.

Für Reich war die Biologie, waren die individuellen „Triebe“, das umfassendere Funktionsprinzip, das Soziale und Ökonomische nur oberflächlicher Überbau. Oder wie Reich es 1953 ausdrückte:

Die soziale Existenz des Lebewesens Mensch ist bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins. (Ausgewählte Schriften, S. 24)

Zu dieser Zeit beklagte Reich denn auch in Menschen im Staat Marx‘ „Unverständnis für die biologische Verwurzelung des Menschen, für seine Triebbestimmtheit“. Marx‘ Theorien hielt er durchweg für „weit überholt durch die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie“. Er machte nur eine einzige Ausnahme, die sogenannte „Arbeitswertlehre“.

In Massenpsychologie des Faschismus mußte sich Reich mit den fehlerhaften Grundannahmen des Marxismus herumplagen, die zu dem führten, was Reich „die Schere“ genannt hat. Mit diesem Begriff bezeichnet er die Diskrepanz zwischen dem „revolutionären“ Sein und dem „reaktionären“ Bewußtsein, die zum Faschismus führte. Das hätte nicht passieren können, wenn das Sein das Bewußtsein bestimmt!

In Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral schreibt Reich: Die Sexualität im

subjektiven Sinne als Bedürfnis zur Auslösung einer Spannung, die als sexuelle Befriedigung erlebt wird, einschließlich ihrer sublimierten Abwandlungen (Erfindergeist, technisches Interesse, wissenschaftliche Forschung) dürfen wir (…) analog zum Hunger als bewegendes Moment in die Geschichte einführen.

Die dreigeteilte Betrachtungsweise „Liebe, Arbeit und Wissen“ entspricht der modernen auf Max Weber zurückgehenden Geschichtsschau, die nicht im primitiven Unter-Überbau-Schema des Marxismus befangen ist, sondern die Bereiche Kultur, Arbeit und Herrschaft gleichberechtigt ins Kalkül zieht. Es sei nur an Webers Arbeiten über die Entwicklung von kapitalistischer Herrschaft und Arbeitsmoral aus der kulturellen Entfaltung des Protestantismus erinnert.

Ein schönes Beispiel ist die Entwicklung der organisierten Kriminalität in den USA des letzten Jahrhunderts. Anfangs wurde sie von Juden dominiert. Das, was man heute augenzwinkernd als „Kosher Nostra“ bezeichnet. Doch schon bald wurden sie von den Italienern verdrängt. Heute sind allenfalls noch Bugsy Siegel und Meyer Lansky geläufig. Es gibt schlicht keine jüdische Kriminalität mehr in den USA. Jüdische Slums sind ganz verschwunden und typische jüdische Berufe wurden Rechtsanwalt und Arzt. Anders bei den Italo-Amerikanern: eine Generation nach der anderen füllt die Reihen der Mafia von neuem auf. Es zeichnet sich in den letzten Jahren sogar eine „Re-Italianisierung“ ab, da nur so die „Umerta“ gesichert werden kann.

Die gleiche ökonomische Ausgangslage – und eine drastisch unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Entwicklung. Der Unterschied ist (neben dem angeborenen IQ) der Arbeitsethos, der sich im nüchternen Judentum kaum von dem des nüchternen Protestantismus unterscheidet. Der verschrobene Katholizismus italienischer Provenienz ist eine vollkommen andere Welt, die konsequent rationales Handeln fast unmöglich macht.

Reich hat in Menschen im Staat ganz entgegen dem Marxistischen „Materialismus“ folgendes über die bewegende Kraft der Geschichte geschrieben:

Die Bewegungskraft der Geschichte auf der Grundlage der technischen Prozesse ist die vegetative Energie, die sich im praktischen Leben der Masse wie des einzelnen als sexuelles Empfinden und Glückssehnsucht äußert. Die Erfolge dieser Äußerungen reichen nur so weit, als politische, soziale und wirtschaftlichen Voraussetzungen es zulassen.

Das „…auf der Grundlage der technischen Prozesse…“ läßt sich sehr schön am erwähnten Beispiel der gegensätzlichen Entwicklung von „Kosher Nostra“ und Cosa Nostra aufzeigen: Anfangs bestimmen selbstverständlich „historisch-materialistische“ Faktoren die Entwicklung. Wie sollte es auch anders sein! „Zuerst kommt das Fressen!“ Doch dann greifen doch sehr schnell und mit zunehmender Macht die bioenergetischen Faktoren. Mit Massenpsychologie des Faschismus hat Reich ein ganzes Buch darüber vorgelegt.

Nach Friedrich Engels, der trotz aller „Dialektik“ ganz vom primitiven Materialismus des 19. Jahrhunderts geprägt war, sollte es genau umgekehrt sein: kurzfristig möge der kulturelle „Überbau“ die geschichtliche Entwicklung beeinflussen, doch langfristig und vor allem in letzter Instanz sei der ökonomische „Unterbau“ bestimmend.

Die Geschichte ist „gefrorene Bewegung“ (Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, S. 174) und deshalb wie alle Strukturen aus der Kreiselwelle ableitbar. Genauso wie die kosmische Energie Galaxien und Wettersysteme bildet, formt sie auch die Lebewesen und damit ihre Charakterstruktur. Diese bestimmt das soziale Umfeld, besonders das der Familie, das wiederum auf die Verbindung zwischen Orgon und Charakterstruktur einwirkt (d.h. auf die Genitale Funktion) und dabei die Qualität der Energie verändert. Daraufhin kommt es zur Formation einer modifizierten Charakterstruktur usw. So ist der Charakter aus sozialen Prozessen ableitbar, die aber wiederum durch die Charakterstrukturen bedingt sind.

Was soll am Konservativsein gesund sein?

2. Februar 2015

Anlaß dieses Artikels sind die Facebook-Seiten einiger amerikanischer Reichianer aus dem Umfeld des Wilhelm Reich Museums, die ich neulich überflogen habe: Haß und Verachtung für Sarah Palin (sic!), ein militanter Atheismus, Angriffe gegen den Papst, weil der behauptete, Marx sei überholt, Angriffe gegen die Republikaner, Parteinahme für die Sozialdemokratisierung Amerikas durch Obama, etc. Ich war sowas von wütend, weil es dermaßen dem Zeitgeist entspricht, der Welt der New York Times. Und vor allem: mal wieder ist mir aufgegangen, daß die Orgonomie ohne Elsworth F. Baker, Charles Konia und das American College of Orgonomy schon längst verloren wäre – jedenfalls für mich. In der Welt des Liberalismus, der Gutmenschen und der Political Correctness kann ich nicht atmen.

Reichs negative Aussagen über den Konservatismus sind Legion. Er war für ihn vor allem eins: Ausdruck von Beharrung, Erstarrung und Rückschritt – mit einem Wort: Panzerung!

Was sollte also am Konservatismus gesund sein? Nun, man lese doch einfach den folgenden Artikel aus pi-news.net über den hessischen CDU-Politiker Hans-Jürgen Irmer und wie er von der organisierten Emotionellen Pest verfolgt wird. Zu Reichs Zeiten wurden so Linke verfolgt und systematisch fertiggemacht, weil sie es wagten auf die Realität hinzuweisen, etwa die Sexualnot der Jugend und die Doppelmoral der autoritären Gesellschaft, insbesondere was die Homosexualität betraf. Heute, in der antiautoritären Gesellschaft, findet dasselbe unter umgekehrten Vorzeichen statt.

Konservativ, gesund? Das fängt damit an, daß beim genuinen Konservativen die Ergebnisse nicht die Mittel rechtfertigen. „Fair Play“ steht über allem. Dies ist der Grund warum der Konservative, wie Reich sich ausdrückt, seine Seele nicht an den Teufel verkauft (Christusmord).

Ich beschäftige mich gerade mit der George Smiley-Saga des konservativen Schriftstellers John le Carré. Smiley ist der typische sexuell verklemmte und unsichere Konservative, der in einer Welt lebt, in der sich alle hinter einer Fassade verstecken und „die alten Werte“ nichts gelten. Er versteht einfach nicht was vorgeht, glaubt beispielsweise, daß es um „Liebe“ ginge, wenn seine Frau Anne ihn ständig mit immer neuen Liebhabern hintergeht. Aber trotzdem ist er der einzige, der effektiv gegen die organisierte Emotionelle Pest, verkörpert durch seinen Gegenspieler Karla, vorgehen kann, weil er zumindest teilweise aus seinem bioenergetischen Kern heraus lebt.

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Reich war zu seiner Zeit besonders verbittert, weil seine Gegner, die Psychoanalytiker, die Kommunisten und die FDA durchweg mit verdeckten Karten spielten, während er stets offen agiert hat. Für ihn sollte das sich Verstecken um des Versteckens willen, die Mimikry und das Vorspiegeln falscher Tatsachen zum Kennzeichen der kommunistischen Subversion werden, dem der „gradlinige“ Konservative schutzlos ausgeliefert ist. Heute ist der Konservative der Political Correctness ausgeliefert und wird von „Progressiven“ am Nasenring durch die politische Arena geführt.

Ein weiterer naheliegender Grund für die „Gesundheit“ des Konservativen ist seine Orientierung an der Praxis und der „Praktikabilität“. Das Leben wird nicht der Ideologie geopfert. Man nehme die großen Projekte der Linken: Umweltschutz wird vorgegeben, doch “Biosprit” ist die größte Gefährdung der Urwälder; Flüchtlingsschutz – doch die Heime sind mit wohlgenährten Afrikanern überfüllt, die nur ihr Glück machen wollen; nationale Sicherheit – doch der Terrorismus wird im Inneren nicht ernst genommen, gar geschützt (Minderheitenschutz), und im Äußeren nicht effektiv angegangen.

Der Konservative denkt von der Tendenz her funktionell, weil er immer die Frage vor Augen hat, was nach menschlichem Ermessen am Ende dabei herauskommen wird. Linke hingegen sehen sich nicht in einer Linie von Vor- und Nachfahren, denen sie jeweils verpflichtet sind, sondern sie leben „emanzipiert“ im Hier und Jetzt blind für die Zusammenhänge (trotz aller pseudointellektuellen „Analysen“). Es sind pestilente Parasiten, die rücksichtslos die Lebensgrundlagen ihrer Kinder und das zerstören, was die Generationen vor ihnen erarbeitet haben. Man denke nur an die gegenwärtige Ausmerzung Deutschlands durch „Migration“ und den obszönen A-Sozialstaat (Fachkräfte gehen und „Fachkräfte“ kommen). Eine Generation von ekelerregenden, eitrigen Pestratten wie dem Grünen Gesocks…

Ein Konservativer geht davon aus, daß das, was ist, zunächst einmal gut ist, einfach weil es „ist“. Es hat seine Überlebensfähigkeit durch seine bloße Existenz bewiesen. Jedwede Veränderung hingegen birgt in sich die Gefahr, daß alles schlechter wird, vielleicht alles zusammenbricht. Unendlich viele Einflußgrößen haben über einen unendlich langen Zeitraum auf das Gegebene eingewirkt, das Teil eines unendlich großen Netzwerkes ist. Dem Linken geht dieser Respekt vor der Komplexität vollkommen ab. Er hat dafür keinerlei Sinn. Beispielsweise wird die Monarchie abgeschafft – und nicht etwa die Demokratie ist das Resultat, sondern es entwickelt sich fast immer die eine oder andere Art von Faschismus.

Diese Respektlosigkeit gegenüber dem Überkommenen und die Rücksichtslosigkeit gegenüber den zukünftigen Generationen im Namen der „Freiheit“. Diese alles zersetzende Verantwortungslosigkeit und Blindheit im Namen der „Aufklärung“. Diese elende Lügnerei der Linken, dieses Spielen mit verdeckten Karten, dieses Reden und dann das Gegenteil tun, was Arbeit, Liebe und Wissen betrifft. Ein echter Konservativer läßt das nicht zu: er läßt nicht zu, daß die Fassade in den Dienst der sekundären Schicht tritt. Ansonsten, d.h. wenn bestimmte Essentials gewährleistet sind, sollen die Linken doch treiben, was sie wollen!

Ein konkretes Beispiel: Dient die Inklusion wirklich den Behinderten – oder sollen nicht vielmehr die Gesunden „behindert“ werden? Das Essential, um das es hier geht, ist schlichtweg ein funktionierender Schulalltag. Wenn der funktioniert: sollen doch die Progressiven mit der Inklusion fortfahren! Es ist der Konservative, der in solchen Fällen für Vernunft eintritt. Wird das abgedrängt, deskreditiert, als „Nazi“ denunziert, bricht der (linke) Wahnsinn aus und die Gesellschaft ist unrettbar dem Untergang geweiht. Am Ende steht dann nicht etwa ein „Neuanfang“, sondern die Barbarei, die potentiell ewig andauern kann. Der Konservative hat ein Gespür für die drohende Hölle, währen der kontaktlose Linke blindlings auf sie zusteuert.

Beispielsweise war der linke Reich anfangs von Aussagen wie denen Engels fasziniert:

Was wir also heutzutage vermuten können über die Ordnung der Geschlechterverhältnisse nach der bevorstehenden Wegwerfung der kapitalistischen Produktion ist vorwiegend negativer Art, beschränkt sich meist auf das, was wegfällt. Was aber wird hinzukommen? Das wird sich entscheiden, wenn ein neues Geschlecht herangewachsen sein wird: ein Geschlecht von Männern, die nie im Leben in den Fall gekommen sind, für Geld und andere sozialen Machtmittel die Preisgebung einer Frau zu erkaufen, und von Frauen, die nie in den Fall gekommen sind, weder aus irgendwelchen Rücksichten als wirklicher Liebe sich einem Mann hinzugeben noch dem Geliebten die Hingabe zu verweigern aus Furcht vor ökonomischen Folgen. Wenn diese Leute da sind, werden sie sich den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, daß sie tun sollen; sie werden sich ihre eigene Praxis und ihre danach abgemessene öffentliche Meinung über die Praxis jedes einzelnen selbst machen – Punktum. (Engels: Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, Berlin 1983, S. 98)

Ein echter Konservativer würde sich nie und nimmer auf einen derartigen Blindflug einlassen. Es stimmt zwar, daß er sich stets gegen notwendige Sexualreformen ausgesprochen hat, aber hätte man mehr auf seine Skepsis gehört, wäre uns viel von der heutigen Promiskuität und Pornographie erspart geblieben, die sexualökonomisch betrachtet nicht nur vollständig sinnlos sind, sondern auch in hohem Maße kontraproduktiv. In Christusmord schreibt Reich, es gäbe keine größere Katastrophe für die Menschheit als „eine Religion der permissiven, pornographischen Sexualität“ (Freiburg 1978, S. 183).

Ich erinnere nur daran, wie Mitte der 1970er Jahre die Pornographie durch die „Progressiven“ freigegeben wurde. Die Linke wollte nur eins: „Freiheit“, ohne Respekt vor der Weisheit von unzähligen Generationen. Exakt die gleichen Leute piesaken uns heute mit einer „sexuellen Korrektheit“, die das Spiel zwischen den Geschlechtern zunehmend zu einem Feld voller juristischer Mienen macht.

Ich erinnere mich noch gut an die Jungfernrede der ekelig pomadigen Grünen Waltraud Schoppe im Bundestag: es gäbe Sexualpraktiken, die sehr befriedigend seien und die Möglichkeit einer Schwangerschaft völlig ausschlössen. Helmut Kohl solle „hier stehen und die Menschen darauf hinweisen, daß es Formen des Liebesspiels gibt, die lustvoll sind und bei denen man nicht schwanger wird“. Aber man könne natürlich „nur über das reden, wovon man wenigstens ein bißchen was versteht“. Dazu noch diese verdruckste Stimme… Daß es Leute gab und gibt, die so etwas mit Reich verbinden… Als Folge wird dann Reich zu dem Haßobjekt der Konservativen, was wieder die linken Reichianer anspornt und so weiter und so fort.

Zum Dialektischen Materialismus

12. August 2012

Genau zu der Zeit als Reich den Dialektischen Materialismus in die Naturwissenschaft einführen wollte, begannen die Marxisten, darin eine ausschließlich philosophische, rein abstrakt-logische Sache zu sehen, einfach weil sich herausstellte, daß praktisch kein einziges Beispiel, das Engels zum „naturwissenschaftlichen“ Beleg des Dialektischen Materialismus vorgebracht hatte, stichhaltig war. Naturwissenschaftlich war der Kommunismus widerlegt. Bei manchen Reichianern jedoch gehören die Marx-Engels-Werke scheinbar immer noch zu den heiligen Schriften – mehr noch als bei den Kommunisten selbst. Marx und Engels bringen diese „Reichianer“ unverbrüchliche Loyalität entgegen, während sie Reich in Grund und Boden kritisieren.

Es ist bezeichnend, daß auch Reich selbst offenbar mit dem Dialektischen Materialismus nichts anfangen konnte und ihn sehr schnell umformte, bis schließlich wirklich nichts mehr vom Dialektischen Materialismus übrigblieb. Interessanterweise heben die besagten „Reichianer“ zwar den Dialektischen Materialismus hervor, aber welche Rolle er denn genau spielt und was er überhaupt ist, wird nie ausgeführt.

Reich hat später selbst bekundet, und es ist auch aus den zeitgenössischen Veröffentlichungen ersichtlich, daß er schon vor 1927 funktionell gedacht hat, bevor er sich mit dem Dialektischen Materialismus auseinandersetzte. Auch frage ich mich, was für eine Forschungsmethode der Dialektische Materialismus eigentlich sein soll, wenn er in seinem ureigensten Gebiet, dem Historischen Materialismus, zu Ergebnissen führte, die Reich schließlich ablehnte (z.B. die Lehre vom Klassengegensatz und seiner dialektischen Auflösung).

Ich kann in der gerne vorgebrachten Unterscheidung zwischen Dialektischen Materialismus als „geschichtlichem Konzept“ und als „Forschungsmethode“, und überhaupt im Verwenden des Begriffs „dialektisch“ (statt „funktionell“) nur ein Motiv erkennen: ein politisches. Nach dem Motto: Marx hat die Dialektik im Bereich des Ökonomischen angewendet und Reich im Bereich des Biologischen.

Selbst wenn die Dialektik auf das allerprimitivste Niveau heruntergeschraubt und gesagt wird, daß „sich alles verändert“, paßt Reich nicht hinein, etwa, wenn man daran denkt, daß er, fast schon „Schopenhauerianisch“, sagt, der Christusmord hätte sich überall und zu jeder Zeit exakt genauso ereignen können, sich gesellschaftlich also nichts wirklich verändert hat in der gepanzerten Gesellschaft.

Schauen wir uns den zentralen dialektischen Satz in Marx’ Kapital an:

Die kapitalistische Produktions- und Aneignungsweise, daher das kapitalistische Privateigentum, ist die erste Negation des individuellen, auf eigene Arbeit gegründeten Privateigentums (= Ausbeutung der Arbeitskraft der Proletarier, PN). Aber die kapitalistische Produktion erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigene Negation. Es ist Negation der Negation. Diese stellt nicht das Privateigentum wieder her, wohl aber das individuelle Eigentum auf Grundlage der Errungenschaften der kapitalistischen Ära, der Kooperation freier Arbeiter und ihrem Gemeineigentum an der Erde und den durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmitteln. (Frankfurt 1978, S. 705)

Das ist die zentrale Aussage des Historischen Materialismus: „Die Expropriateurs werden expropriiert“ (ebd.). Es geht um die Ermordung von 100 000 000 Menschen im Namen einer primitiven pseudo-materialistischen Scholastik; einer Art pseudo-materialistischer Religion mit absoluter Heilsgewißheit.

Findet der Leser die obige triadische Denkfigur (Position – Negation – Negation der Negation) auch nur ansatzweise irgendwo in der Sozialen Orgonomie? Diese Hybris, die einzig mögliche zukünftige „trichterförmige“ Entwicklung der Menschheit erkannt zu haben?

Ist die bescheidene Suche nach CFPs (Gemeinsamen Funktionsprinzipien) nicht etwas grundsätzlich anderes? Ist deren „fächerförmige“ Entwicklung (in den Grenzen des CFP) nicht zukunftsoffen?