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nachrichtenbrief23

18. Mai 2017

Blogeinträge März/April 2011

30. November 2016

Im März und April stellte Dr. Konia folgende Blogeinträge ins Netz, auf die hier erneut hingewiesen wird, damit sie nicht verlorengehen:

Blogeinträge März/April 2011

  • Die arabische Rebellion und die Emotionelle Pest
  • Die Ausbreitung der anti-autoritären Gesellschaftsordnung auf die moslemische Welt
  • Der Niedergang der modernen Psychiatrie
  • Was ist zur Demokratisierung der islamischen Ländern erforderlich
  • Natürliche Autorität, Zwangs-Autorität und Anti-Autorität
  • Das Gehirn ist nicht der Geist: Was von der neuen Landkarte des Gehirns erwartet werden kann und was nicht
  • Verschwörungstheorien und die Wirkungsweise der Emotionellen Pest
  • Die zunehmende Anzahl von Kindern und Jugendlichen die psychiatrische Betreuung benötigen

 

 
Kommentar zu „Die Ausbreitung der anti-autoritären Gesellschaftsordnung auf die moslemische Welt”

Peter 2013: Beim zweiten Blick paßt das zu Konias Ausführungen:
http://www.bild.de/unterhaltung/leute/justin-bieber/fans-tun-alles-fuer-tickets-konvertieren-in-tv-show-zum-islam-30114444.bild.html

Zu „Der Niedergang der modernen Psychiatrie“

Robert (Berlin) Says: Aus der Frühzeit der Psychiatrie
http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackgroundXXL/a26903/l0/l0/F.html#featuredEntry

O.: Hier die Kurzfassung, da eben mein Text im Äther verschwunden ist (Pech, wenn ich ihn vorhernicht kopiere) …
Die Hysterie gibt es nach wie vor mit fast all ihren Symptomen nur unter anderen Namen im ICD. Sie ist keine Einbildung von Charcot, Freud oder Reich gewesen.
Die fiesen Methoden der Psychiatrie gibt es auch zum Teil noch: EKT, Fixierungen, Zwangsjacken und Psychopharmaka, die schlecht eingestellt sind.
Bei entsprechend „dämlicher“ Behandlung gibt es auch Todesfälle in der Psychiatrie, wie zu Charcots Zeiten, entsprechende Statistiken sind mir nicht bekannt und werden wohl auch nicht veröffentlicht. Beispielweise verstarb meine Großmutter nach wenigen Wochen aufgrund von Dauerfixierung, Bewegungsmangel und künstlicher Ernährung.
Nach dem die Psychiatriereform alle Dauerpateinten plötzlich entlassen hatte, die Betten reduziert wurden, ist die psychiatrische Bahndlung in Deutschland sichtbar besser geworden und ähnelt nicht mehr einem „Zuchthaus“. Dennoch sind EKT (Elektroshocktherapien) und Fixierungen gängige Praxis und werden an Universitäten umworben und gelehrt.

O.: Ein anderer Spiegelartikel (vermutlich von dieser Woche) unterstellt die Zunhame von psychischen Erkrankungen würde durch das DSM 5 und das kommende ICD begünstigt. Die APA, in der auch Psychopharma-Vertreter mitwirken, würde Diagnosen „erfinden“, um ihre Medikamente in großem Stil verkaufen zu können. Eine sehr plakative These, wie ich finde. Man würde einenGroßteil von psychisch „normalen“ Patienten jetzt Diagnosen verpassen und sie medikamentös behandeln wollen.
Hier wird nicht reflektiert, was die neue Arbeitswelt mit den Menschen gemacht hat. Leider gibt es auch immer mehr Menschen, die nicht mehr bis zur Rente arbeiten wollen, da sie keine adequate Arbeit für sich finden oder die zu schlecht bezahlt wird. Das Heraufsetzen des Rentenalters bewirkt außerdem, dass immer mehr Leute ihre positive Arbeitshaltung verlieren und sich dem Arbeitsmarkt innerlich verweigern. Ab 50 wird vermehrt an die Rente gedacht. Ab 60 ist kaum einer noch zu motivieren. Diesem Beispiel folgen auch schon jüngere. Die Angebote des Arbeitamtes sind völlig inakzeptabel, eine Vermittlung findet hier quasi nicht statt. Das Arbeitsamt kann man im Grunde schließen. Und Jugendliche ohne Abitur beginnen gleich mit Hartz IV Jobs wie Kranken- und Altenpfleger.
Viele Menschen sehen sich eben nicht mehr nur als körperlich leidend an, sondern fordern psychische professionelle Hilfe durch Psychologen. Sie warten hierfür bis zu einem Jahr auf die Therapie und bekomen dafür nur VT oder Tiefenpsychologie in der Kurzform.
Eine Verbesserung dieser Situation ist nicht in Sicht, von daher sollen wohl doch die Pillen alles richten, was sie nicht tun. Die Rehabilitaionseinrichtungen der Rentenversicherungen rüsten nun auf: weg von der Psyche, hin zur Arbeitswelt orientierten Medizin.

Robert: Du solltest nicht das Arbeitsamt mit dem Jobcenter verwechseln. Das Jobcenter kann jeden Ausbeuterjob aufzwingen, egal was und welche Bezahlung. Anders beim Arbeitsamt, das Strafen für Nichtvermittlung Zahlen muss.

Robert 2014: Psychiater bezeichnen Non-Konformität als Geisteskrankheit: Nur die Herdenmenschen sind »vernünftig«
Die moderne Psychiatrie ist zur Brutstätte der Korruption geworden, insbesondere die Strömung, die jeden verteufeln und für geisteskrank erklären will, der von der allgemein anerkannten Norm abweicht. Das geht eindeutig aus der neuesten Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders [Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen, ein Klassifikationssystem der Amerikanischen Psychiater-Vereinigung] oder kurz DSM hervor, in der Menschen, die nicht konform gehen mit dem, was die Verantwortlichen für normal erklären, als geisteskrank eingestuft werden
http://info.kopp-verlag.de/medizin-und-gesundheit/was-aerzte-ihnen-nicht-erzaehlen/jonathan-benson/psychiater-bezeichnen-non-konformitaet-als-geisteskrankheit-nur-die-herdenmenschen-sind-vernuenfti.html

Peter 2015: In der NEW YORK TIMES wird der Niedergang der Psychiatrie diskutiert, die immer noch mit den Mitteln, die Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre entdeckt wurden, hantiert, auf der Stelle tritt und die Psychotherapie und deren Weiterentwicklung sträflich vernachlässigt.

In Deutschland ist es, was die psychtherapeutische Ausbildung der Psychiater betrifft, vielleicht etwas besser bestellt, doch die neuen Psychiater lernen jetzt fast immer VT, während die Psychodynamik als „unwissenschaftlich“ mehr und mehr verpönt ist. Bald wird der Ödipuskomplex wieder ein großes Geheimnis sein.

Zu „Was ist zur Demokratisierung der islamischen Ländern erforderlich“

Robert 2013: Zu Tony Blairs Agenda
http://islamnixgut.blogspot.de/2012/07/warum-grobritannien-millionen-muslime.html

Zu „Natürliche Autorität, Zwangs-Autorität und Anti-Autorität“

Peter: Ein Aspekt der antiautoritären Entwicklung ist die Vertuntung der Männerwelt:
http://echtlustig.com/3205/filmhelden-damals-und-heute

Zu „Das Gehirn ist nicht der Geist: Was von der neuen Landkarte des Gehirns erwartet werden kann und was nicht“

Robert 2012: Wie ich schon öfters schrieb, die Psychiatrie ist wieder vor Freud zurückgefallen. Am besten, sie lesen wieder Charcot, Bernheim und Liebault.

Klaus: Worin ‚das Leib-Seele-Problem‘ eher besteht:
http://www.denkabende.de/kognition/bieri.rtf
Ja, die ‚Gehirn-Landkarten‘ entsprechen wohl einer recht naiven Vorstellung.

Peter 2015: Die Bewegung des Körpers macht das Gehirn fexibler: http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/hirnforschung/-/journal_content/56/12054/9088897/Bewegung-macht-das-Gehirn-flexibler/

Zu „Verschwörungstheorien und die Wirkungsweise der Emotionellen Pest“

Robert 2012: http://www.wissensmanufaktur.net/verschwoerungstheorie

Peter: Eine auf den Kopf gestellte Welt!
Verschwörungsleugnung:
„Behauptung, dass ein Ereignis nicht das Resultat einer Verschwörung ist“

Neben den sogenannten Verschwörungstheoretikern gibt es auch eine ganze Branche von Verschwörungsleugnern. Ein Verschwörungsleugner ist jemand, der behauptet, dass ein Ereignis nicht das Resultat einer Verschwörung ist. Eine Beweisführung, daß es etwas nicht gibt, ist allerdings grundsätzlich schwer bis unmöglich. Diese Branche hat sich offenbar in der vom Mainstream geprägten journalistischen Zunft entwickelt, die somit eher wenig zur Transparenz der tatsächlichen Sachverhalte beiträgt, sondern stattdessen die gelegten Nebelkerzen der Verwirrung energetisch versorgt.
Wenn mir jemand so einen Mist vorsetzen würde, würde ich schweigend den Raum verlassen, denn mit solchen Leuten kann man einfach nicht mehr diskutieren.

Robert: „Die Zusammenarbeit von Hugo Chavez in Venezuela, auf der extremen Linken, und Mahmud Ahmadineschad aus dem Iran, auf der extremen Rechten, zeigt die Tendenz von pestkranken Individuen sich spontan gegen ihren gemeinsamen Feind zu organisieren, der freien Welt (besonders Amerika),…“
Der Mann hat eine extreme Augenblockierung. Jeder Trottel kann sich zusammenreimen, warum diese Staaten zusammenarbeiten. Weil die Freie Welt, d.h. die imperialistische USA und ihre Vasallen jedes Land überfallen, was gegen ihre wirtschaftlichen Interessen vorgeht, außer es hat Atombomben. Menschenrechte und Demokratie spielen dabei nicht die geringste Rolle. Und diese Staaten sind auf der Abschussliste.
Chavez ist übrigens durch freie Wahlen an die Macht gekommen.

Peter: Immer langsam mit den Pferden! Erstmal weiß hier kaum jemand, wie eng die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden „frei gewählten“ Regierungen ist (http://latina-press.com/news/136708-iran-venezuela-ahmadinejad-gratuliert-seinem-bruder-hugo-chavez/). Und zweitens sind die wirtschaftlichen Interessen den „ideologischen“ (charakterologischen!) Interessen nachgeordnet, denn ansonsten hätten sich diese beiden Länder nicht praktisch aus der Weltwirtschaft ausgeklinkt und würden nicht offenen Auges dem wirtschaftlichen Ruin entgegentaumeln.

Robert: Na so doof sind deine Leser auch wieder nicht. Gegen die Beiden wird doch ständig gestänkert.
Komisch ist nur, dass immer nur die Gegner der Imperialisten als kranke Psychopathen hingestellt werden, während die Imperialisten sich mit jedem brutalen Diktator verbinden dürfen, ohne dass Konia seine verlogene Klappe aufreißt.

Klaus: Gefällt mir, wie hier die Weise nach dem alten ‚antiimperialistischen‘ Muster und Konias Weise, die Stellungen Irans und Venezuelas verständlich zu machen, gegenübergestellt werden. Es ist schon so, dass Konias Panzerungserklärung etwas Totschlagargumenthaftes an sich hat. Aber: die linke Masche auch. Und: Wer nicht völlig blnd ist, kennt die linken Maschen und … Charaktere. Erkennbar z. B. eben an Gewichtungen, wie sie in pi kommentiert werden:
“ ‚Sorge bereitet uns auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben.‘ Da bleibt einem die Spucke weg! Wo lebt eigentlich dieser Ignorant von Bundespräsident? Es ist nicht zu fassen! Laufend schlagen Leute mit dunkler Haut und schwarzen Haaren Deutsche zusammen und dann das!“

Robert 2013: »Verschwörungstheorie«: Grundlagen eines »Totschlagarguments«
James F. Tracy
Der Begriff der »Verschwörungstheorie« löst bei den meisten in der Öffentlichkeit stehenden Menschen und insbesondere bei Journalisten und Akademikern Angstgefühle und Beunruhigung aus. Seit den 1960er Jahren wurde diese Etikettierung zu einem Disziplinierungsmittel, das sich als überwältigend effektiv erwies, wenn es darum ging, zu verhindern, dass bestimmte Ereignisse untersucht oder kritisch hinterfragt wurden. Vor allem in den USA gilt es als schweres Gedankenverbrechen Orwellscher Prägung, die offizielle Darstellung zu bestimmten Ereignissen oder Einstellungen, die darauf abzielt, die öffentliche Meinung (und damit die öffentliche Ordnung) zu beeinflussen, berechtigterweise infrage zu stellen. Und von einem solchen Verbrechen muss das öffentliche Bewusstsein mit allen Mitteln abgehalten werden.
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/james-f-tracy/-verschwoerungstheorie-grundlagen-eines-totschlagarguments-.html

Zu „Die zunehmende Anzahl von Kindern und Jugendlichen die psychiatrische Betreuung benötigen“

Robert: Vermutlich spielt auch noch die Nahrung eine Rolle im asozialen Verhalten der Minderjährigen. Heutzutage essen sie viel mehr industriell denaturierte Nahrungsmittel, die besonders in den USA genetisch zerstört und mit chemischen Zusätzen angereichert und verfälscht sind. Einige dieser Zusätze lösen aggressives Verhalten aus.
Etwas anderes: die hier einwandernden autoritär strukturierten Menschen sind sicherlich zurecht entsetzt, wenn sie das Verhalten der antiautoritären Einheimischen erleben, das aus Rebellion gegenüber der traditionellen Autorität besteht.
In den Achtzigern fragte mich mal ein türkischer Kollege, ob ich sauer sei, dass er in den Ferien geheiratet hätte, weil er den Eindruck bekommen hatte, die Deutschen wären gegen das heiraten.

Jean: „Wenn man ihr Verhalten betrachtet, sind Eltern emotional nicht fähig, für das Aufziehen ihrer Kinder die Verantwortung zu tragen. Die Gesellschaft ist zerrissen.“
Ich fange allmählich an zu glauben, dass dies in „autoritären“ Zeiten wirklich anders war, so wie hier immer wieder argumentiert wird (konservativer Kernkontakt). Heute müssen Eltern zu allem einen eigenen Standpunkt finden, und wenn man nicht mit seinen Gefühlen verbunden ist, wird das ein stressiges Unterfangen. Die Fülle von Dingen, die man falsch machen kann, die widersprechenden „Experten“-Empfehlungen, und die belastenden Ergebnisse von schlechtem Kontakt zu den Kindern treiben einen geradezu in die Überforderung. Da war es früher vermutlich tatsächlich leichter, seinen Kindern mit Gefühl zu begegnen.

O.: Mit wie viel Gefühl Eltern ihren Kindern früher begegnet sind – vor, während und nach dem Krieg – läßt sich doch aus der Literatur autoritärer Zeiten ablesen: 1933 „Massenpsychologie des Faschismus“ und „Charakteranalyse“, beide Bücher so aktuell wie damals. Wer glaubt denn, dass wir heute wesentlich besser erziehen würden oder eine Gesellschaft (Schule, TV) die Kinder nicht charakterlich verbiegt, ängstigt und in die Abpanzerung zwingt? Diese Prozesse geschehen auch, wenn Eltern ihren Kindern gegenüber weitestgehend positiv gegenüberstehen, da sie ihre Kinder eben nicht (ausreichend) vor dem Umfeld schützen können.

Jean: Guter Einwand. Ich kenne ältere Menschen aus „autoritären Zeiten“, die ich als sehr herzlich erlebe. Es gibt aber auch viele andere.
„Diese Prozesse geschehen auch, wenn Eltern ihren Kindern gegenüber weitestgehend positiv gegenüberstehen, da sie ihre Kinder eben nicht (ausreichend) vor dem Umfeld schützen können.“
Ich erlebe eher, dass sich Eltern zwischen ihre Kinder und Schule stellen und nach beiden Seiten „gut Wetter“ machen wollen, was natürlich nicht klappen kann. Wenn sich viele Eltern mehr /ganz auf die Seite ihrer Kinder stellen würden, hätten sie vielleicht eine Menge Ärger mit den Schulen, würden aber auch etwas bewirken. Die Konflikte werden aber oft aus Angst vor Nachteilen für die Kinder nicht angegangen. Es ist wie immer: das Gestrüpp der vermuteten und angedrohten Gefahren hemmt eine klare Parteinahme für die Kinder.

O.: Es ist für Eltern absolut schwer sich in den Schulen (trotz Elternbeirat etc.) einzubringen, ohne sich emotional auch zu verwickeln und sich unverstanden zu fühlen. „Unabhängige“ Schulsozialarbeiter, die die Interessen der Schüler (in absolut erster Linie) und Eltern gegenüber der Schule moderieren oder (gemeinsam) vertreten, sind in jeder Schule zu fordern und in einigen auch schon vorhanden. Die emotionale Einmischung der Eltern kann dann besser auf der Sachebene diskutiert und gelöst werden. Als Elternteil sagt man evtl. einmal etwas oder bleibt eine kurze Zeit am Thema dran, dann muss aber darauf vertraut werden, dass eine Lösung gefunden wird. Schüler ohne (professionelle) Unterstützung in einer Schule laufen zu lassen, ist nicht nur nicht mehr zeitgemäß, sondern kontraproduktiv. Das ganze Arsenal der Sozial-Pädagogik ist absolut nowendig neben dem Unterricht, da es um Erziehung und nicht um „Bildung“ geht. Bleibt zu hoffen, dass die Fachkräfte sich klar für die Interessen der Kinder einsetzen. Die Nöte in den Familien sind häufig doch sehr gravierend, so dass man von den Eltern nicht so viel erwarten darf. (Das bezieht sich nicht nur auf die Finanzen.) Von daher hat sich charakterneurotisch nichts verändert, ob wir es autoritär oder antiautoritär nennen, evtl. sind durch eine gewisse (falsch verstandene) anitautoritäre Haltung die Eltern für Gespräche zugänglicher geworden und sind bereiter zum Wohl ihres Kindes etwas zu tun, wenn sie nur wüßten, was und wie.
Man überlege sich auch, wie sehr der normale Mensch – jeden Alters – heute nur allzugerne einen Psychologen/ Psychotherapeuten hätte, wenn die (wenigen) Praxen der VT oder PA nicht so überlaufen wären.
Was hier an therapeutischer Methodik in Germany als „Psychotherapie“ noch gelten darf (mit Kassenzulassung), ist ein anderes Kapitel und verdient dessen Bezeichnung kaum.

Jean: „Das ganze Arsenal der Sozial-Pädagogik ist absolut nowendig neben dem Unterricht, da es um Erziehung und nicht um “Bildung” geht. “
Zur Schule gehört auch für mich die Anerkennung der Tatsache, dass wir Erwachsenen immer erziehen, wenn wir mit Kindern und Jugendlichen zusammen sind, und uns damit nicht aus der Verantwortung nehmen können. Leider ist davon bisher sehr wenig zu sehen, ca. 1 Schulpsychologe auf 1500 Kinder, die Lehrerausbildung hauptsächlich fachwissenschaftlich orientiert, Kinder werden als Problem gesehen, dem viele Lehrer mit Ordnungsmaßnahmen zu Leibe rücken, anstatt sich oder ihre Anstalt zu reflektieren.
Ich weiß auch nicht, ob die Schule als „professionelles Umfeld“ alles richten kann und soll. Die Eltern sind doch auch in der Pflicht, ihren Anteil am Geschehen zum Guten der Kinder zu gestalten. Im Prinzip sollte es den Kindern sowohl in den Familien als auch an den Schulen so gut gehen, so dass nicht eine Seite die andere ausgleichen muss.

O.: Auf 150 Schüler sollte eine Vollzeitstelle eines Psychologen kommen, mit festgelegter Frauen- u. Männerquote: Psychologen müssten mindestens 50% der Stellen besetzen, da Männer in Schulen unterrepräsentiert sind in Schulen und im Umgang einen ganz anderen Umgang haben.
Da Eltern für den Lebensunterhalt beide arbeiten müssen, bleibt nur das Wochenende noch für die elterliche Erziehung. Ich denke, das sowohl Eltern als auch Lehrer so sehr in ihren Charakterstrukturen verhaftet sind, dass psychologisch-pädagogische Beratung die geleistete „Erziehungsarbeit“ von außen teilweise begleiten könnten.
Ebenso müssen andere helfende Systeme, wie Kinder- und Jugendclubs, wieder etabliert werden, statt sie abzuschaffen. Kinder brauchen Räume und Plätze, die geschützt sind, auch ohne Massenabfertigunng. – Ein Traum für unser Land.

Folter

25. August 2016

Was ist das Wesen der Folter? Warum foltert man überhaupt? Wenn du Opfer der Folterknechte bist, wird dein eigener Körper zu deinem Feind. So wird deine Hoffnung auf ein Ende des Schmerzes zum Komplizen der Folterer, einfach weil du alles tust, nur um keine Schmerzen mehr erleiden zu müssen. Du wirst gespalten und der äußere Konflikt zwischen dir und der politischen Polizei wird zu einem internen inner-biopsychischen Konflikt zwischen deinem schmerzempfindlichen Körper und deinem Überlebensdrang, zwischen deinen ursprünglichen Überzeugungen und der Hoffnung, den Schmerzen zu entkommen. Das ist auch das Geheimnis aller autoritären Erziehung. Dein Körper also du selbst wirst zum Feind und all deine Träume, Hoffnungen und Visionen werden identisch mit den Träumen, Hoffnungen und Visionen jener, die deinen Körper malträtiert haben. Das eigene Herz, die eigene Seele wird in ein fremdes Herz, eine fremde Seele verwandelt. Aus dem „Lust-Ich“ wird das „Über-Ich“. Stalin hat das gewußt: je mehr du die Menschen erniedrigst, schlägst und peinigst, desto mehr werden sie dich lieben und sich mit deinen Gedanken identifizieren.

Es ist interessant, daß Leute, die durch die Folter nicht gebrochen worden sind, und Menschen, die trotz einer schlimmen Kindheit zu genitalen Erwachsenen wurden, durch einen gemeinsamen Wesenszug ausgezeichnet sind: die ungebrochenen Folteropfer hatten nie geglaubt, daß sie ihre Folter-Situation hätten ändern können, und bei den ungebrochenen Kindern gingen die Tiraden der Eltern zum einen Ohr rein und zum anderen wieder heraus. Bestimmte Menschen kann man nicht brechen.

Siehe dazu auch Max Stirner und die Kinder der Zukunft.

Blogeinträge April 2010

15. Juli 2016

Im April 2010 stellte Dr. Konia folgende Blogeinträge ins Netz, auf die hier erneut hingewiesen wird, damit sie nicht verlorengehen:

Blogeinträge April 2010

  • Was ist falsch daran, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren?
  • Was ist ein Psychopath und wie entsteht er?
  • Warum wird Amerika zunehmend gehaßt?
  • Haben Shows wie „Hannah Montana“ einen schlechten Einfluß auf Kinder?
  • Ist es falsch Kindern einen Schnuller zu geben?
  • Warum Hirnleistungstraining nicht funktioniert
  • Der Ursprung des Konflikts zwischen Links und Rechts
  • Was Rush Limbaugh wissen sollte

 

 
Zu „Was ist ein Psychopath und wie entsteht er?“ schrieb Robert 2012: Ich frage mich immer, ob diese „sexuelle Revolution“ nicht auch indirekt durch Reichs Bücher entstanden ist.

Darauf Peter: Reich hat sich tierisch über die Rezeption seines Werkes bei den „Beatniks“ aufgeregt.

Robert: Es gibt allerdings einen Schwachpunkt in Konias Theorie. Die sozialistischen Länder waren alle autoritären Gesellschaften und demgemäß müssen die Menschen dort gesünder gewesen sein. Zumindest in der DDR waren die Frauen orgastisch potenter wie in der BRD.

„Warum wird Amerika zunehmend gehaßt?“

Peter schrieb 2012: Zu den Türken in Deutschland eine interessante sexualökonomische Analyse: Es geht nicht um Kultur und nicht um Religion. Es geht, davon ist Güner Yasemin Balci überzeugt, im Grunde um nichts anderes als Sex.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tuerkische-literatur-in-stuttgart-zurueck-in-die-steinzeit.87a85372-866f-4ce1-82b7-a6e66478015c.html

Darauf Robert: Die Ehre der Familie ist auch was Sexuelles, nämlich die Jungfräulichkeit der Tochter und damit wären wir beim „Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“. Und der ganze Islam besteht aus Vergewaltigung und Besitz der Frau und ist im Kern auch wieder sexuell. http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/11/463158/sexuelle-gewalt-gegen-frauen-faelle-in-der-tuerkei-sind-dramatisch-angestiegen/

O.: Je gebildeter türkische Familien, eben auch Männer sind, desto weniger herrschen „türkische Zustände wie in der „Steinzeit““, wie wir sie kennen und uns immer vorstellen. Uns fällt immer nur der „soziale Abschaum“ auf, der in der Türkei nichts geworden ist und zu uns kommt. Gebildetere Türken schämen sich genauso dafür.
Und dennoch ist das konservative „Familienglück“ auch noch in ihren Adern.
Mich stört der einseitige feministische Ansatz, Männer sollten gestärkt werden, wenn sie in ihrer Kultur etwas verändern wollen: gutes Beispiel, türkische Männer unterstützen sich gegenseitig in einem Verein, dass sie ihre Frauen und Kinder nicht prügeln.
Aber sicherlich muss da viel mehr passieren. Mehr Geld für Sozialarbeiter und Jugendhilfe. Und vor allem Ausbildung und Jobs, das, was die Globalisierung kaputt macht.

Darauf Robert: Das muss mit Bildung gar nichts zu tun haben, sondern kann auch mit einer festen religiösen Überzeugung zusammentreffen:

Der menschenverachtende Aufruf an unsere Politik, auch die Beschneidung von Mädchen aus religiösen Gründen zuzulassen, zeigt, dass die primitive Praxis der Genitalverstümmelung nichts mit mangelnder Aufklärung, geringer Bildung oder schlechter sozialer Lage zu tun hat. Der Aufruf des eloquenten und weltgewandten ägyptischen Professors ist vielmehr ein Beleg dafür, dass Genitalverstümmelung auch von gebildeten Eliten, die rückständigen Ideologien anhängen, gefördert wird.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/irre-professor-fordert-genitalverstuemmelung-von-maedchen.html

O.: „Warum wird Amerika zunehmend gehasst?“
Was für eine Frage? Amerikaner fühlen sich wohl immer schon per se gehasst und möchten doch nur geliebt werden.
Sharaf kam einmal auf mich zu und sagte: You hate me? Because I am jewish. – Äh, ich wusste nicht dass er jüdisch war und habe mir überhaupt keinen Gedanken gemacht.
Konia meint, dass Authoritäten per se gehasst werden, weil die „sexuelle Revolution“ ab den 50-ern jeden Respekt vor Authoritäten hat verblassen lassen.
Die plakative These ist schon sehr undiffernziert, Respekt bekommen „natürliche Authoritäten“, andere dürfen wohl keinen mehr erwarten, die Zeiten sind wohl wirklich vorbei.
Wobei den Kindern immer noch die Angst vor „Authoritäten“ beigebracht wird. Insbesondere haben Kinder Angst und Panik vor Alkoholikern, Drogenabhängigen, Polizisten oder TV-Stars, da diese für unberechenbar oder gewalttätig gehalten werden.
Konia meint wohl Amerika würde als Land eine Authorität darstellen müssen, die Respekt verdienen würde.
Aber vielleicht assoziiert man mit Amerika auch eher die Vernichtung der Ur-Amerikaner, Hiroshima, Nagasaki, Vietnam, Zerstörung des Irak, Hollywood, Kennedy, kalter Krieg, Nato-Doppelbeschluss und jubelt trotzdem Obama zu als er noch kein Präsident war und niemand wußte, dass sein Vater bei der CIA war.

Darauf Robert: Konia zählt nur die irrationalen, unbewußten Motive der USA-Gegnerschaft auf, aber es gibt auch eine rationale, faktenbasierte Grundlage, die brutale Außenpolitik abzulehnen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass man die USA hasst, sondern nur das Verhalten einer politischen Clique, die die Herrschaft aktuell inne hat.

Peter: Nichts, wirklich nichts wird die 9/11-Idioten jemals überzeugen! Man kann ihnen alles erklären – sie werden immer neue „Ungereimtheiten“ entdecken. Vollkommen hoffnungslos, weil es kein Problem der äußeren Realität ist, sondern eines der inneren: die chrakterstrukturelle Verformung aller Menschen, die sich der antiautoritären Gesellschaft nicht entziehen können.

Peter: Heute abend im Fernsehen WOLFERINE. Wieder ein Beispiel, wie der Antiamerikanismus aus Hollywood kommt. Hier geht es um unmenschliche Machenschaften des vollkommen entmenschten US-Militärs. Eine Bevölkerung die ständig (jeden Tag mindestens ein Film mit dieser Tendenz!) dermaßen indoktriniert wird, muß bei Ereignissen wie dem 11. September vollkommen automatisch an „It was an inside job!“ denken.
Das geht so seit 40 Jahren so, als etwa US-Western grundsätzlich Parabeln über den Vietnam-Krieg waren. Vielleicht die größte Massenindoktrination der Weltgeschichte.
Die massenpsychologischen Hintergründe erklärt Konia.

Klaus: Kann mir jemand kurz erklären, was genau Henry Kissinger vorgeworfen wird und warum manche ihn für einen Kriegverbrecher halten? ich finde in erster Linie Um-den-heißen-Brei-Gerede.

Peter: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Akte_Kissinger

Es wird gerne vergessen, daß zwischen etwa 1947 und 1989 der Dritte Weltkrieg wütete. Es mußten ständig „realpolitische“ Entscheidungen getroffen werden, die fast immer darauf hinausliefen, ob man, was weiß ich, beispielsweise 200 Menschenleben opfert, um WAHRSCHEINLICH 200 000 Menschenleben zu retten. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, wie die, ob man dem größten Massenmörder der Weltgeschichte (Mao) die Hand reicht, um so einen Atomkrieg zwischen den Großmächten ein Stück unwahrscheinlicher zu machen.
Jimmy Carter wollte mit seiner betont nicht realpolitischen Ausrichtung alles besser machen: er und niemand sonst hat die iranische Revolution, den Islamismus und Zimbabwe zu verantworten.

Darauf Klaus: OK, es geht also um mehrere Aktivitäten, die jener Hitchens genauso allen anderen Beteiligten vorwerfen dürfte.
„ständig ‚realpolitische‘ Entscheidungen getroffen werden, die fast immer darauf hinausliefen, ob man, was weiß ich, beispielsweise 200 Menschenleben opfert, um WAHRSCHEINLICH 200 000 Menschenleben zu retten.“
Das Dilemma sehe ich durchaus seit Langem und entspricht einem dümmlichen Pazifismus, der bekanntlich kaum zu rechtfertigen ist. Fragwürdig wird es nur, wenn man die Gefahr und die Erfolgsaussicht solcher Aktionen nicht richtig einschätzt, und vom Einschätzen hängt ja eine Menge ab. Was Pinochet angeht, hörte ich immer wieder von blutigsten Folter – bzw. Hinrichtungsorgien (Stadion Santiago); Viatnam My Lai; u. Ä., worauf natürlich die Linken dauernd herumgeritten haben, während sie zu gleich blind für die roten Verbrechen waren. Es bleibt schwierig …
Ich nehme an, dass Kissinger auch durch seine Kindheit (13 Verwandte ermordet) ‚realpolitisch‘ geprägt war.

Und weiter 2016: Die USA unterstützen die Taliban wegen ihrer anti-iranischen Einstellung und in der Hoffnung, diese würden das Land einigen und den Bürgerkrieg beenden, was die Region sehr viel stabiler machen würde.“
Wieder etwas mehr oder weniger weit Hergeholtes; der Vorstellung, in ihrem Land finde ein Stellvertreterkrieg statt, hängen auch einige Afghanen in Deutschland an. Gibt es klarere Hinweise darauf? Oder sind nicht Sachverhalte, die Charakter und Mentalität betreffen, ausreichend?

Peter 2015 zu „Haben Shows wie ‚Hannah Montana: einen schlechten Einfluß auf Kinder?“

The impact of scary TV on children’s wellbeing has been overstated, according to University of Sussex psychologists.
While research has shown that a small minority of children can have extreme reactions to a scary programme or film, the researchers found that, overall, children show very little sign of increased anxiety, fear, sadness or sleep.
problems.
http://www.sussex.ac.uk/broadcast/read/30650

O. 2012 zu „Ist es falsch Kindern einen Schnuller zu geben?”
Die dahinter stehende Diskussion ist, ob Kinder frühzeitig abgestillt werden sollten oder nicht. Wenn man einen Rat geben will, dann ist es besser nicht abzustillen! Das Kind weiß selbst, wann es nach Jahren abstillen möchte. Es geht hierbei nicht nur um Ernährung, die Muttermilch, die viele wichtige Stoffe liefert, sondern vor allem um den energetischen Kontakt, die auch erregenden Sensationen, die die Mutter zu lassen kann (oder nicht).
Wenn eine Mutter dies nicht erträgt, dann stillt sie nicht, einen „orgonomischen“ Zwang hierzu gibt es nicht, und sie wird die Flasche geben.
Der Ernährungsaspekt muss gesondert diskutiert werden. Wer nicht stillt, gibt Aletebrei und die Hipp-Gläschen, gestillte Kleinkinder bekommen dies viel später und nur als Ergänzung zur Muttermilch.
Nestle freut sich über jedes Kind, das nicht mehr gestillt wird. Warum dürfte klar sein.
Als Faustregel, die auch nirgendwo veröffentlicht wurde, können Kinder durch aus bis zur ersten Klasse gestillt werden, wobei es in den letzten Jahren eher um den beruhigenden Aspekt geht.
So und jetzt zum Schnuller. Es kommt auf das Stillen an. Wenn jemand nicht stillt, dann wird dem Kind ein Schnuller angeboten oder auch aufgedrängt, letzteres ist furchtbar. Auch gestillte Kleinkinder werden mal den Schnuller ausprobieren wollen, um zu wissen wie es ist. Dann sollte man auch auf den richtigen achten, der im Plastik nicht irgendwelche Schadstoffe hat.
Zusammenhänge zwischen Schnuller (und Nicht-Schnuller) zu Medienkonsum etc. sind wissenschaftlich nicht untersucht oder belegt, behaupte ich bis mir eine solche Untersuchung vorliegt. Es gehört in den Bereich der plausiblen Mythen, wie bei Navarro, die Idee, dass Kopfpanzerung mit Haarausfall bei Männern zusammenhängen würde.
Was aber anzunehmen ist, sind früh abgestillte Personen oral frustriert worden sind, was für die Psychotherapie insofern später von Bedeutung ist, dass Depressionen und depressive Reaktionen hier ihren Ursprung haben. Da man das später auch nicht mehr ändern kann, man könnte hier einen Schnuller zum therpeutischen Einsatz bringen, ist es nur für die Entwicklungspsychologie von Relevanz und für die Aufklärung der Mütter. Die emotionale Bedürftigkeit des Patienten kommt in der Körpertherapie deutlich zu Tage, hoffen wir, dass eine Therapeut damit umgehen kann und nicht selbst oral frustriert wurde. Die Verhaltenstherapie hat hierfür keinen Sinn und ignoriert dies, da es auch zu sehr an Freud (und Reich) erinnert.

Klaus sagte 2012 zu „Antworten zu “Warum Hirnleistungstraining nicht funktioniert“: Eine Tante von mir, deren einziges geistiges ‚Interesse’ in ihren letzten Jahren zu Hause darin bestand, Kreuzworträtsel zu ‚lösen’, hat Alzheimer.
Eine weitere Verwandte beschäftigt sich mit Sudoku und glaubt, dadurch ihr Gehirn …
Hüther nervt zwar, aber der nette Liebling der linksliberalen Bildungsesos hat hier sicher Recht:
„Das menschliche Hirn sei kein Ablageort für möglichst viel Wissen, da seien Bibliotheken und das Internet viel besser geeignet. Laut Hüther müsse das Hirn vorrangig dazu benutzt werden, um mit dem verfügbaren Wissen kreativ umzugehen und es richtig zu vernetzen. Denn wenn jemand eine Aufgabe mit Interesse und Begeisterung angehe, würden -auch in reiferen Jahren des Erwachsenseins- tiefer liegende Nervenareale des Gehirns dazu angeregt, neue Verknüpfungen zu bilden, die letztlich neue Ideen und Erkenntnisse ermöglichten, so Hüther weiter. Der „Dünger“ für diese erweiterten Hirnaktivitäten sei eigenes Interesse und echte Begeisterung für ein Thema und keinesfalls Leistungsdruck und Stress. In diesem Zusammenhang kritisiert der Professor auch das von vielen engagierten Eltern forcierte frühkindliche Lernen mit zahllosen Angeboten: Kinder, die dauernd etwas angeboten bekommen, lernten vielleicht, viel zu konsumieren; ihre eigene Neugier, Entdeckungsfreude und Kreativität würden auf diesem Weg jedoch nur unzureichend gefördert.“ (http://www.ihre-gesundheit.tv/medical-news/begeisterung-und-kreativitaet-sind-dunger-fuer%C2%B4s-gehirn/)
Vernetzen blabla … OK, aber vor allem: Begeisterung für Themen

Peter: http://www.zdnet.com/article/qa-new-evidence-shows-brain-training-games-dont-work/
New evidence shows brain-training games don’t work
New evidence fails to replicate the very study upon which the brain-training game industry depends
Es geht mal wieder um sehr viel Geld!

Robert: Hirntraining, zB Lernen, bringt durchaus etwas. Das kann man heutzutage sogar bildlich im CTG messen. Nur Lernen mit dem Computer bringt bei Minderjährigen nichts. Siehe Manfred Spitzer, Digitale Demenz.

Klaus: “ bringt durchaus etwas. Das kann man heutzutage sogar bildlich im CTG messen“ Dann kommt es darauf an, WAS es ggf. bringt und WAS gemessen wird. In dem smartplanet-Link wird auf Gedächtnisleistungen Bezug genommmen. Menschen können Alzheimer haben und sich dabei (je nach Stadium) an vieles detailliert erinnern und z. B. perfekt beim Mensch-ärgere-dich-nicht abzählen; das alles allerdings ohne das geringste erkennbare Interesse und ohne jegliche ‚innere‘ Beteiligung.

Und weiter: Ich meinte natürlich: in dem mir bekannten Fall ohne für MICH erkennbare ‚innere‘ Beteiligung. Es ist erstaunlich, wie hingegen Naomi Feil Kontakt herzustellen vermag (Beispiele bei Youtube). Das ist allerdings eine Sache, die wohl besondere Kompetenzen erfordert.

2015 schrieb Peter:

„Bike heißt Fahrrad… Apple = Apfel“… Statt Vokabeln nur stumpf zu wiederholen, sollten Schüler beim Lernen mehr Sinne ansprechen, sagen deutsche Forscher. Ihrer Studie zufolge prägen sich Vokabeln besser ein, wenn man gleichzeitig passende Bilder betrachtet, aber vor allem, wenn man sie durch eine Geste ausdrückt. Die Devise heißt also: Denk an den Begriff und steig auf das virtuelle Fahrrad oder beiß in den imaginären Apfel! Der Effekt dieser Strategie lässt sich sogar an der Aktivität des Gehirns erkennen.

http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/hirnforschung/-/journal_content/56/12054/5711178/Beweg-dich!-Gesten-pr%C3%A4gen-Vokabeln-ein/

Und weiter: In letzter Zeit häufen sich Belege in internationalen Studien, daß sich das Risiko, an Demenzen und Depressionen zu erkranken, insbesondere durch sportliche Betätigung signifikant verringern läßt. Noch gibt es für diesen Effekt keine schlüssige neurophysiologische Erklärung. http://www.assmann-stiftung.de/bestimmte-nervenzellen-erneuern-sich-ein-menschenleben-lang/

Klaus zu „Der Ursprung des Konflikts zwischen Links und Rechts“: „[…] keine Art von politischem Aktionismus […]“
Und es ist gerade Aktionismus, der Linke so sehr prägt: „Bist du aktiv? Was tust du gegen …?“
„[…] Verheißung von Freiheit, Glück […]“, die vielleicht auch darin einen Ausdruck findet, dass so viele der Szene sich mehr oder weniger als Künstler darstellen.
In dieser Gegend habe ich mal gewohnt, und es ist erstaunlich, wie prall gefüllt sie von ‚Künstlern’ sein soll:
http://klausenerplatz.de/online/kunst-und-kultur/kuenstler.html

O.: Nun unter „Szene“ hätte ich was anderes verstanden, jene künstlichen Kunstprodukte, deren Kunst so überflüssig ist, dass es einen wundert, dass es hierfür einen Markt geben soll.
Die hier aufgeführten Kiezkünstler – über Geschmack lässt sich streiten – haben keine MediaSpree hinter sich, keine „Universal Music“, sondern versuchen sich als Hobbykünstler, was doch einfach nur toll ist, dass jeder nach seinen Marotten sich zeigt. Sie bereichern, wenn man es mag, die sozialen Kontakte im Kiez.
Das ist besser als vor der Glotze DSDSS zu schauen.

Klaus: Tja, über diese Sachen, die man so von der Straße aus betrachtet, lässt sich schwer argumentieren – ähnlich wie Theoretisieren über Rechts und Links in der Politik mit Bezug auf ‚Kern‘ und ‚Schichten‘ recht schnell beliebig wird. Am Ende berufe ich mich innerlich wohl doch wieder auf persönliche Eindrücke. Das harte Argument erfordert Theorie auf der Basis klinischer Daten; und da ist man wieder bei den wissenschaftstheoretischen Debatten z. B. über Funktionalismus (das gefiel mir mit Jonas ganz gut).

Klaus: Wenn es einfach nur um Marotten ginge, ok. Marotten sind beispielsweise, wenn Egon jeden Nachmittag um vier Uhr vier Pralinen isst, und das aus Prinzip.
Für mich ist aber recht deutlich, dass die ‚Szene’ z. B. Folgendes praktiziert und zelebriert:
– Kunst = Selbstverwirklichung
– Nichts ist ganz ernst zu nehmen, jeder hat seine eigenen ‚Wahrheiten’
– Nur eins ist sicher: ‚Faschos’ sind böse und gehören weg
Auf einer derartigen Grundlage kann ich mich über nichts ernsthaft unterhalten; man teilt ja nichts. Da bleibt nur noch Selbstverliebtheit mit Stil.
Bin froh, aus Berlin raus zu sein, nun schon einige Jahre.
Und das (oben) nun etwas mit ‚Kern’ und ‚Schichten’ zu tun hat?

O.: Das Problem ist der gepanzerte Mensch … (Konia), sonst würde nach jeder Wahl spätestens nach 2-4 Wochen der Präsident als Gangster am Baum vor dem weißen Haus aufgenüpft werden.
Nachdem die „Konservativen“ (nehmen wir mal diese freundliche Umschreibung an) die Karre an die Wand gefahren haben, KZ mit Folter errichtet haben, was „Konservative“ so lange nicht stört, bis sie selber drin sitzen oder versuchten den harten Cowboy raushängen zu lassen und einen Atomkrieg riskieren oder provozieren mit der dümmlichen Vorstellung, Amerika wird von Gott geschützt oder dem SDI, oder der Patriot II Abwehrrakete und dem AWACS, in frühere Zeit „Neger“ und „Kommunisten“ zu jagen, kein Gesundheitssystem (für alle) zu haben etc. – kommt dann mal ein sogenannter „linker“ Liberaler dran, der die Freiheit verspricht, von der unter den Konservativen nichts übrig geblieben ist (außer für sich selber). Alle Hoffnung liegt auf ihm, eine völlig übersteigerte Hoffnung. Kennedy wurde dann mal eben von einem „Einzeltäter“ von allen Seiten durchlöchert, ein Vorgang, der nie einem Konservativen passierte.
Wilson, den kenn ich gar nicht. Also weiter mit Obama, der den Frieden vom Himmel verspricht und Revolutionen im Ausland lobt (Prag), solange sie nicht gegen Amerika gerichtet sind, er verkörpert auch die neue Hoffnung und Freiheit, die die Konservativen erdrückt und erstickt haben. Es ist der Ausdruck des gepanzerten Menschen, der diese Hoffnung nun will. Kein weiterer Konservativer hätte bestehen können, weil das Volk eben nicht mehr eine „konservative“ Regierung ausgehalten hätte. Obama verhinderte den Umsturz durch das Volk, er hielt seine Versprechen nicht, aber er war die bessere Wahl als zurück zur Bush/Reagan und Co. Regierung.
Nun dass Obama kein Linker ist, muss wohl als Staatgeheimnis aufrecht erhalten werden. Er rettet die Regierung und das demokratische Einparteiensystem zweier gleichgesinnter Fraktionen in die nächste Phase der Konservativen.
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Kaum wird es einen wundern, in D läuft dasselbe Spiel. Hat es die CDU mit allem übertreiben, darf sie pausieren und die SPD führt die Geschäfte in gleicher Manier weiter, doch die Arbeiter und Linken sind zufrieden und hoffen auf ein wenig mehr Freiheit, jedoch werden die „Antiterror und Überwachungsgesetze“ und „Notstandsgesetze“ (für einen Bügeraufstand) durchgesetzt, die unter der CDU nur Widerstand in der Bevölkerung hervorrufen würden. In diesem Sinne sind die „linken“ (und Grünen und FDP usw.) der verlängerte Arm des Teufels.
Wie die „demokratische“ Rückholung der Macht aussieht, weiß man, seit dem Rücktritt von Willy Brandt und dem anschließdenen Putsch von Kohl gegen Schmidt („konstruktiver Misstrauenantrag“ oder so) und Schröder bekommt einen fetten Posten und hebt Merkel in großer Koalition auf den Thron.
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Dann lass ich mich noch hinreißen ein paar Worte zu den „Rotfront-Kapitalisten“ zu sagen, die früher aus Moskau finanziert wurden, was die CDU wusste (der man ja kein Wort glauben kann) und wohl sich als solches herausstellte, als die Zahlungen eingestellt wurden. Doch fand sich leicht für „Linke“ eine neue Investorin, US-Fonds aus schwarzen Kassen. Nun finanziell besser ausgestattet, halten sie keinem festeren Blick mehr stand, der ihr schlechtes Gewissen enttarnt.
Spricht man sie auf Reich an, warum sie diesen nicht in ihren roten Buchläden verkaufen, erntet man misstrauische Blicke, mehr oder weniger offene Ablehnung, insbesondere wo sie jetzt so schön angepasst und konservative Mainstreamwissenschaften vertreten. (Hiervon sind die Grünen genauso betroffen).
Ich sehe keinen Konflikt zwischen rechts und „links“ – alle passen schön zusammen und spielen ihre Rollen.

Claus 2015: Konia:
„Die Ideologie des echten Liberalen wird bestimmt durch und ist Ausdruck der zugrundeliegenden menschlichen Hoffnung auf die Verheißung von Freiheit, Glück und dem Wunsch nach sozialen Verbesserungen, während die Ideologie des echten Konservativen von der Überzeugung bestimmt wird, daß diese angestrebten Zustände, sofern sie denn überhaupt realistisch sind, praktisch nicht, vorsichtig ausgedrückt, über das hinaus zu verwirklichen sind, was die Menschen in Amerika ohnehin schon haben.“
Könnte man sagen:
Konservativ zu sein, heißt, etwas als natürlich zu akzeptieren; also: bewahren
Links und linksliberal zu sein, heißt, nicht etwas als natürlich zu akzeptieren, und stattdessen, bestimmen (z.B. mitbestimmen) zu wollen
Ein Beispiel des linken Denkens ist das Gender Mainstreaming und auch schon die Gleichstellungspolitik, sofern sie Ungleichheit nicht akzeptiert, sondern als ungerecht abzuschaffen versucht.

Darauf Peter: Generell ist es ein Gegensatz von unten und oben:
# Konservative fühlen aus dem Bauch heraus, Liberale (Linke) denken zerebral „differenziert“.
# Konservative leben aus den „unten“ gelegenen Schichten der Vergangenheit heraus, Liberale orientieren sich an den zukünftigen („obigen“) Möglichkeiten.
# Konservative orientieren sich an den wenigen tieferliegenden Funktionsprinzipien, die Liberalen an den oberflächlicheren zahllosen Funktionsvarianten.
# Konservative resignieren („Es war immer so und wird immer so bleiben!“), während Liberale „expandieren“ voller Hoffnung in die Zukunft hinein.
# der Konservative werkelt stumm auf der Stelle, er ist der geborene Tüftler, während der Liberale typischerweise Handel betreibt und dabei redet und redet und redet.
# die Unterschicht ist imgrunde konservativ, die Oberschicht imgrunde liberal.

Claus antwortet: oben – unten ; mmh, wäre wohl ein wenig zu klären.
Auf das reichianische Lob der Bildhaftigkeit möchte ich mich nicht allzu sehr (allenfalls vorübergehend) einlassen.
„Konservative orientieren sich an den wenigen tieferliegenden Funktionsprinzipien, die Liberalen an den oberflächlicheren zahllosen Funktionsvarianten.“ Ja. Übrigens landet neuere begriffliche Behandlung von Naturgesetzen bei David Armstrong und Brian Ellis bei folgenden Merkmalen:
Es sind Allimplikationen („Alle F sind G“), die
notwendig (wenn auch nicht logisch, also aus semantischen Gründen, notwendig), daher auch kontrafaktisch (also auch „Wenn a F wäre, wäre a G“),
und
a posteriori (also so, dass es Erfahrungen bedarf, um sie zu erkennen)
sind.
Das hat sicher mit ‚Funktionsprinzipien‘ zu tun (wohlgemerkt: Das heißt nicht, dass WR daran gedacht hat; das Thema Reich-Talmudismus gab’s hier ja schon mal.)
http://www.cicero.de/salon/politisch-korrekt-oder-die-kultivierung-des-misstrauens/53946
„Die inhaltliche Leere des Konservatismus äußert sich gerade darin, dass entweder politisch korrekte Gepflogenheiten übernommen werden oder aber das Aufbegehren gegen ‚PC‘ verschwörungstheoretische Formen annimmt, ohne dass offensiv für eigene Positionen argumentiert und gestritten wird. Dies wohl, weil es einfacher ist, die Verlogenheit der ‚Anderen‘ anzuprangern, als sich mit dem Zerfall der traditionellen Moral auseinanderzusetzen.“
Man merkt, dass es wichtig wird, „konservativ“ nicht bloß als Festhalten an etwas Altem zu beschreiben, sondern eher als Glauben an dauerhaft Zutreffendes.

Peter: „Die inhaltliche Leere des Konservatismus…“ – Der Konservative ist nicht „politikfähig“, da Politik per se links ist.
Gerade im ARD-Presseclub: Pegida kann in Westdeutschland keinen Fuß fassen, weil hier die Zivilgesellschaft aktiver ist. Zivilgesellschaft??!!

Und: Überhaupt der Presseclub und ähnliches: absolut gespenstisch, wenn man mit Leuten von „ganz oben“ spricht: Deutschland steht mit absoluter Sicherheit kurz vor dem Kollaps, schlimmer als „1933“. Oder anders gesagt: die Katastrophe ist bereits eingetreten, es dauert nur bis die Schockwelle alle erreicht.
Und das weltweit. Trump sagt immer wieder, daß, wenn die nationalen Schulden nur noch ein wenig steigen, der point of no return für die USA erreicht ist. Die 1930er Jahren waren im Vergleich ein Kindergeburtstag.
Das Fernsehen ist wie das Orchester auf der Titanic.

Die Bibel und die Kinder der Zukunft

2. Mai 2016

Nach Gen 8,21 ist der Mensch „böse von Jugend auf“, während Jesus sagte, man müsse wieder so gut wie die Kinder werden (Mt 18,3). In Dtn 21,18-21 lesen wir, daß, wenn jemand einen Sohn hat, „der so widerspenstig und ungehorsam ist, daß er trotz aller Strafen und Mahnungen weder auf seinen Vater noch auf seine Mutter hört“, dieser Sohn auf betreiben der Eltern von den Männern der Stadt gesteinigt werden soll! Das ist der biblische Begriff elterlicher Liebe, denn „wer seinem Sohn keine Schläge geben will, liebt ihn nicht. Wer seinen Sohn liebt, fängt früh an, ihn mit Strenge zu erziehen“ (Spr 13,24).

Streng Erziehung sei sowohl gut für die Kinder (Spr 19,18) als auch für die Eltern, deren Sohn dann „zur Quelle der Zufriedenheit und Freude“ werde (Spr 29,17). Strenge Erziehung heilt nicht nur von der angeborenen Dummheit der Kinder (Spr 22,15), sondern macht sie auch klug (Spr 29,15).

Später verschärfte sich diese kinderfeindliche Grundhaltung noch. Bei Sir 22,6 heißt es: „Strenge Erziehung und eine Tracht Prügel sind immer angebracht.“ Kinder müssen wie wilde Pferde gebändigt werden (Sir 30,8).

Solange es Kind ist, laß ihm nicht seinen Willen! Solange es klein ist, gib ihm tüchtig was hinten drauf, sonst wird es widerspenstig und gehorcht dir nicht mehr. (Sir 30,11f)

Da kann natürlich auch Paulus nicht zurückstehen:

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern und bezeugt dadurch eure Unterordnung unter den Herrn. So ist es recht und billig. „Ehre Vater und Mutter“ ist das erste Gebot, dem eine Zusage folgt: „Dann wird es dir gutgehen, und du wirst lange leben auf der Erde.“ Ihr Eltern, behandelt eure Kinder nicht so, daß sie widerspenstig werden! Erzieht sie mit Wort und Tat nach den Maßstäben, die der Herr gesetzt hat.

Und gleich im Anschluß daran heißt es: „Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren! Ehrt und fürchtet sie. Dient ihnen so aufrichtig, als dientet ihr Christus.“ (Eph 6,1-5)

Allein schon diese wenigen Stellen reichen, um die Bibel zu einem verhängnisvollen Buch zu machen. Nach diesen Maximen wurde zwei Jahrtausende ein Großteil der Menschheit malträtiert. Auch behandelten so die Kolonialisten die „kindischen“ Ureinwohner.
Elizabeth Gershoff (University of Texas at Austin) und Andrew Grogan-Kaylor (University of Michigan School of Social Work) haben in einer Analyse von Forschungsstudien der letzten 50 Jahre gezeigt, daß auch leichte körperliche Züchtigungen („einen auf den Hintern geben“) kontraproduktiv sind: Kinder, die ab und an einen Klaps kriegen, werden unartiger, entwickeln „psychische“ (emotionale) Probleme und werden antisozial. Die alten autoritären Erziehungsmethoden haben lang- und teilweise sogar kurzfristig die diametral entgegengesetzten Effekte zu dem, was uns „Gott“ in der Bibel verspricht! Ich möchte dazu einfügen: Man schaue sich doch nur die schrecklichen Gören unserer extrem autoritären türkischen „Mitbürger“ an!

Es geht hier nicht um wüsten Kindesmißbrauch, sondern die ganz gewöhnliche Erziehung, wie sie in der autoritären Gesellschaft Usus war und ist. Weltweit schlagen 80 Prozent der Eltern ihre Kinder. So eine Untersuchung der UNICEF von 2014. In den antiautoritären USA sind es noch immer etwa 50 Prozent.

Daß ein bloßes Versohlen derartig negative Folgen hat, paßt zu den Ergebnissen der bisherigen Forschung, die Prügel mit einem niedrigeren IQ, höherer Aggressivität, sowie Depression, Angst und Paranoia in Verbindung gebracht hat. Die Forschung zeigt, daß Kinder weniger Verhaltensprobleme zeigen, wenn man die Eltern dazu bringt sie weniger zu schlagen.

Das Schicksal der Orgonomie (Teil 1): Die „Orgonomie“ des Kleinen Mannes

4. Februar 2016

Die Orgonomie wird zerstört, indem sie in ein „Gedankensystem“, eine Ideologie überführt wird: „One size fits all!“ und was nicht passend ist, wird passend gemacht. Diese zerstörerische Herangehensweise zeigt sich vor allem in drei Bereichen: 1. Erziehung, 2. Therapie und 3. Soziologie.

Ideologen fragen stets nach den Ursachen für etwas. Danach kann man dann Ideologien einteilen, etwa, frei nach Lenin, in idealistische und materialistische. Psychische Erkrankungen können beispielsweise tiefenpsychologisch auf frühkindliche Ereignisse zurückgeführt werden oder es wird verhaltenstherapeutisch eine „Lerngeschichte“ rekonstruiert. Reich hingegen hat gezeigt, daß man möglichst voraussetzungslos, d.h. ohne „Vor-Urteile“ (letztendlich ohne Augenpanzerung, „Verblendung“), an die Phänomene herangehen soll. Insbesondere trifft dies jedoch auf Menschen, hier Patienten, zu.

Deshalb sind aus orgonomischer Sicht die Ursachen für eine neurotische Erkrankung zunächst einmal denkbar gleichgültig. Der eine wurde von gewalttätigen Alkoholikern großgezogen und ist ein genitaler Charakter, der andere von Orgonomen und ist ein neurotisches Wrack. Jedes Neugeborene reagiert anders auf seine Umgebung. Es gilt diese nicht weiter reduzierbare Eigenheit zu erkennen und zu schützen. Das ist das Projekt „Kinder der Zukunft“ und nicht das Aufstellen irgendwelcher Erziehungsmaximen. Diese haben seit Neills mißverstandenem Buch Antiautoritäre Erziehung dazu beigetragen, diese Gesellschaft zu zerstören und aus Reichs Projekt „Kinder der Zukunft“ etwas zu machen, dem jeder anständige Mensch entgegentreten muß.

Entsprechend geht es in der Orgontherapie um den neurotischen Charakter, wie er sich gegenwärtig darstellt. Die vermeintlichen Ursachen der neurotischen Symptome, die irgendwo in der Vergangenheit liegen, sind ziemlich gleichgültig. Wichtig ist einzig, was man jetzt praktisch tun kann. Bei, beispielsweise, einer Hysterikerin verhindert man, daß sie wegrennt. Sie muß sich stellen. Sie muß miterleben, wie sie es mit der Angst bekommt und wie sie dann reagiert. Sie muß mit ihren neurotischen Mechanismen in Kontakt treten und sie kontrollieren lernen. Sie mit irgendwelchen vom Therapeuten zusammenphantasierten „ödipalen Geschehnissen“ aus der Vergangenheit zu konfrontieren, bzw. diese „gemeinsam aufzuarbeiten“, führt nur zu einem: die angstmachende, freiflotierende Energie wird im Gehirn gebunden – der Patient wird noch verpanzerter.

Eine genuin orgonomische Herangehensweise hat nichts mit „Körperpsychotherapie“ zu tun. Irgendwelche Deutungen oder gar Körperübungen führen zu nichts und tragen allenfalls zu einer weiteren Vertiefung der charakterlichen Abwehr bei. Zurück bleiben entweder restlos verunsicherte Menschen oder blasierte Arschlöcher, die wie Kultmitglieder wirken und sich benehmen, als hätten sie ein „höheres Bewußtsein“ erlangt. Sie sind niemals mit sich selbst in Kontakt getreten. Die Welt hat bereits genug „Kleine Männer“, sie braucht keine „Reichianischen“ Therapeuten, um zusätzliche zu produzieren.

Als Beispiel für ideologisches Denken nehme man das Locked-in-Syndrom. Nach eigenen Aussagen haben die Betroffenen eine teilweise sehr hohe Lebensqualität, obwohl sie ihren gesamten Körper nicht bewegen können. Das widerspricht allen „Reichianischen“ „Erkenntnissen“. „Du bist dein Körper!“

In der sozialen Orgonomie schließlich wird ein Destillat der Erkenntnisse Reichs gebildet und auf die Gesellschaft angewendet, nicht anders wie bei jeder anderen Ideologie auch. Irgendein ungenießbares Gebräu, das man aus Reichs Büchern herausdestilliert hat: Freud, Marx, Trobriander, sexuelle Revolution, Arbeitsdemokratie, etc. Wie in den unterschiedlichen „Schulen“ der Psychotherapie (die imgrunde nur den Dachschaden der jeweiligen Schulgründer weitertragen) der Einzelne mit einer Theorie malträtiert („analysiert“) wird, wird hier gleich die ganze Gesellschaft auseinandergenommen und wieder zusammengefügt. Oder mit anderen Worten: die Orgonomie wird zu einer weiteren beliebigen Ideologie ähnlich der „Kritischen Theorie“ und dergleichen Gehirnkaugummi für Neurotiker.

Was wir tatsächlich auf dem gesellschaftlichen Schauplatz vor uns haben, sind Menschen mit immer wiederkehrenden Verhaltensmustern, die die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen. Oder mit anderen Worten: wir haben die soziopolitischen Charaktertypen vor uns. Von hier aus betrachten wir dann die unterschiedlichen Ideologien, inklusive „Reichianische“ Gesellschaftstheorien, und führen sie auf bioenergetische Gegebenheiten zurück.

Die Menschheit braucht einiges, aber kein weiteres „Erziehungssystem“, keine weitere „Therapieform“ und mit Sicherheit keine weitere „Gesellschaftstheorie“. Das sind alles Dinge, mit denen die Falle dekoriert wird, um so weiter sicherzustellen, daß niemand die Falle, das Irrenhaus, verläßt.

Selbstkritisch muß ich hinzufügen, daß wir sicherlich auch keine „naturphilosophischen“ Ergüsse brauchen, sondern Daten aus einem gut ausgestatteten, von gut ausgebildeten Wissenschaftlern betriebenen Laboratorium. Wissenschaft steht und fällt mit der Reproduzierbarkeit ihrer Ergebnisse.

Hier ein Interview mit A.S. Neill, das sofort zeigt, warum Reich diesen Mann so sehr geliebt hat: er ist vollkommen unprätentiös, versucht niemanden zu beeindrucken und er vertritt keinerlei Ideologie.

Über Alice Miller

24. Mai 2015

Ich habe mich bereits in einem Blogeintrag mit der abtrünnigen Psychoanalytikerin und „Kinderrechtlerin“ Alice Miller kritisch beschäftigt. Damals hagelte es heftige Kritik von Seiten ihrer Anhänger. Schließlich stand sie auf der Seite des Guten und der Unschuld gegen die lebenszerstörenden Erwachsenen; die „da oben“!

Wie kann man als „Reichianer“ auch ernsthaft jemanden kritisieren, der beispielsweise so etwas geschrieben hat – obwohl sich hier wieder zeigt, daß sie Reich nicht verstanden hat:

Meines Erachtens kommt jedes Kind nicht böse auf die Welt, sondern wird dazu durch Schläge und andere Demütigungen gemacht. Meine Bücher liefern auch die Erklärung für die Tatsache, daß fast alle gutmeinenden Appelle zugunsten der humanen Kindererziehung (ob sie nun von Wilhelm Reich, von mir oder von anderen stammen) erfolglos bleiben. Denn fast alle Menschen wurden als Kinder geschlagen und tragen in sich die Angst des kleinen Kindes vor der Bestrafung, falls es gegen die Grausamkeit und Ahnungslosigkeit der Eltern rebellieren sollte. So leben wir fast alle in der Verleugnung dessen, was uns in den prägenden Jahren widerfahren ist. Der französische Philosoph Montaigne hat schon im 16-ten Jahrhundert geschrieben, man solle Kinder nicht schlagen, aber kein anderer Philosoph, kein Kirchenvater, auch kein Reformator hat sich bis heute dieser Meinung angeschlossen. Im Gegensatz zu Montaigne, der gewaltfrei und respektvoll erzogen wurde, wuchsen die anderen offenbar mit Gewalt auf und mußten sehr früh lernen, diese Brutalität dem Kinde gegenüber als richtig und notwendig zu erachten. Indessen, erst die Befreiung von der Verleugnung des eigenen Leidens ermöglicht es den Eltern ihre Kinder in Respekt und ohne Lügen zu begleiten. (…) Es mag viele Jahrhunderte dauern, bis sich diese Haltung durchsetzt, vorläufig sind es nur wenige Ausnahmen, die es wagen konnten, die Taten ihrer Eltern zu verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern zu wiederholen.

Millers Ablehnung des Ödipus-Komplexes, ihre Rebellion gegen die zeitgenössische Wissenschaft (man findet in ihren Werken kaum Hinweise auf den aktuellen Stand der Forschung), überhaupt ihr ständiger Appell an die „Rebellion gegen die Eltern“, gehören zu einem Zeitgeist, den sie mitgeprägt hat.

In meiner Kritik ging es mir insbesondere um das „begabte Kind“, dessen empfindliches Wesen ganz besonders vor den Forderungen der Erwachsenen, die es sozusagen subkutan spürt, geschützt werden muß. Ich hatte Millers 1979 erschienenes Buch Das Drama des begabten Kindes nur immer als weitere Unterfütterung des Narzißmus von „Hochbegabten“ in meiner Umgebung erlebt. Allein schon die krankhafte Beschäftigung mit der eigenen Kindheit, die es „aufzuarbeiten“ gelte, war einfach nur – daneben. Es reicht schon, daß Miller ihr Leben damit vergeudet hat.

Zur Zeit und in jener bürgerlichen Umgebung, in der sie großgeworden ist, mag Millers Ansatz notwendig gewesen sein, doch heutzutage fördert die vorbehaltlose Unterstützung der „narzißtischen Bedürfnisse“ des Kindes nur dessen neurotischen Narzißmus, der diese Gesellschaft langfristig zerstören wird.

Die orgonomische Psychologin Virginia Whitener bringt dazu eine erhellende Geschichte, die ihr eine ihrer Patientinnen erzählt hat:

Sie hatte den Auftrag zusammen mit Kindergartenkindern eine Wand künstlerisch zu gestalten, macht versehentlich einen großen Farbfleck auf das fast fertige Wandbild und sagt spontan: „Oh, no, I made a mistake!“ Sie nahm ein Kind und zusammen machten sie aus dem Fehler irgendein kreatives Ornament. Daraufhin rief die Kindergärtnerin sie zu sich und belehrte Whiteners Patientin: „We never use that word. There are no ‚mistakes‘.“

Eine läppische Geschichte, aber absolut bezeichnend: im Namen einer „moralfreien“ Erziehung („es gibt keine Fehler!“) wurde die junge Frau aus ihrem Enthusiasmus herausgezogen und die Kinder sind verwirrt, werden rebellisch. Die ganze vorher so harmonische Situation wird einfach nur kontaktlos und „psycho“! (Whitener: „Adolescent Sexuality“, Journal of Orgonomy, 35(1), Spring/Summer 2001).

Derartiges gehört für mich zum zerstörerischen Erbe von Alice Miller. Allein schon die tiefgehende Verunsicherung ganzer Generationen von Eltern!

Der medizinische Orgonom Peter A. Crist hat darauf hingewiesen, daß Selbstregulation auch die Fähigkeit umfassen muß, zwischen Ausdruck und Zurückhaltung von Antrieben zu wählen und sich entsprechend „angepaßt“ benehmen zu können. Crist bezieht sich dabei auf bisher unveröffentlichte Notizen von Reichs Biographen Myron Sharafs zu dessen letztem Seminar im August 1955:

Reich betonte den offensichtlichen, aber häufig übersehenen Punkt, daß das Kind „Neins“ erfahren muß, daß das „Nein“ ein Teil der Wirklichkeit ist, und daß, wenn es sie nicht erlernt, solange es jung ist, sie nie erlernen wird. [Reich hat nie die Ansicht vertreten], daß es überhaupt kein „Nein“ geben solle, sondern nur jene „Neins“ keine Existenzberechtigung haben, die gegen das Leben gerichtet, haßerfüllt, und vernunftwidrig sind. (Crist: „Problems of Childhood Self-Regulation in an Age of Permissiveness“,Journal or Orgonomy, 33(1&2), Spring/Winter 1999)

Das hat nichts mit „Moralismus“ zu tun oder Verrat an irgendwelchen Reich‘schen „Prinzipien“. Im Vorwort zur zitierten Ausgabe des Journal or Orgonomy beklagt der medizinische Orgonom Charles Konia:

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft wird die liberale Ansicht, die vorbehaltlose Freiheit höher bewertet als Verantwortung, nicht als moralistisches Vorurteil betrachtet.

Whitener schließt ihren oben zitierten Aufsatz mit den Worten:

Jugendliche werden solange leiden müssen und die Gesellschaft wird sich solange im Niedergang befinden, wie Impulsivität und Entfremdung zunehmen, Loslösung und Feindschaft gegen die Gesellschaft ausagiert werden, und die vorhandenen Autoritäten und gesellschaftlichen Strukturen zerbröckeln.

Aber zurück zu Millers Auseinandersetzung mit Reich: es gehe nicht um bloße Appelle, Kinder beser zu behandeln, sondern darum, daß die Eltern (2. Generation) die kinderfeindlichen Untaten ihrer eigenen Eltern (1. Generation) verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern (3. Generation) zu wiederholen. Bei Freud sollten die Erwachsenen ihre eigenen persistierenden infantilen Strebungen verurteilen. Bei Miller sollen sie „stattdessen“ ihre Eltern verurteilen. Beider Blick ist rückwärts gerichtet und beider Blick ist moralistisch. Hinzu kommt, daß die „Millerianischen“ Eltern dabei selbst infantilisieren, wie ich am Beispiel Miller in dem bereits verlinkten Blogeintrag über sie gezeigt habe. Reichs Ansatz war dem diametral entgegengesetzt: es geht ums Hier und Jetzt, um Kontakt zu den Bedürfnissen des Kindes, um Kontakt zum eigenen bioenergetischen Kern, um den Kontakt zu „kosmischen“ Funktionen. Es soll nichts „verarbeitet“ und nichts „verurteilt“ werden und „Moral“ spielt keinerlei Rolle. Abgesehen von wirklich pathologischen Fällen ist dazu wirklich jede Mutter und jeder Vater in der Lage. Folge deinem Herzen! Früher folgte man stattdessen irgendwelchen abwegigen Traditionen („Wer sein Kind liebt, züchtigt es!“), heute hält man sich an irgendwelche vermeintliche „Experten“, etwa Alice Miller, statt einfach das zu tun, was richtig ist. Reichs Hauptproblem bei seinem Projekt „Kinder der Zukunft“ war es, die Mütter davon abzubringen, verkrampft „orgonomisch korrekt“ handeln zu wollen. Das letzte, was dieser Planet braucht, sind „Richtschnüre für Kindererziehung“ oder irgendwelche Heilslehren.

MillerGl

Die Kulturdebatte zwischen Freud und Reich heute

11. Mai 2015

In seiner Ausgabe vom März 2006 berichtete das Deutsche Ärzteblatt über „75 Jahre Unbehagen in der Kultur“. Ein schockierender Text, da er zeigt, in welchem Ausmaß Freud über seinen Erzrivalen Reich triumphiert hat. Nach 75 Jahren ist es so, als hätte Reich nie gelebt.

Immerhin macht der Autor ungewollt deutlich, warum Freud gesiegt hat und siegen mußte:

Um das Leben zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren. Die Kulturentwicklung hält einige davon bereit – doch um den Preis der Nichtbefriedigung mächtiger Triebe. So tauscht der Kulturmensch für ein Stück Glücksmöglichkeit durch ungehemmte Triebbefriedigung ein Stück persönlicher Sicherheit ein.

Mit Freud aalen wir uns lieber in unserem neurotischen Sumpf – statt frei und „ungepanzert“ (verletzlich) zu sein. Oder wie Reich in seiner Rede an den kleinen Mann sagt: „Du bettelst um Glück, aber Sicherheit ist dir wichtiger.“

Entsprechend stellt der Kleine Mann ausgerechnet den Freudianismus als das Höchste an Mut, Illusionslosigkeit und Aufklärung hin. Hier ein beliebiges Beispiel:

Im „Büchermarkt“ des Deutschlandfunks besprach am 8. August 2005 Steffen Graefe das neue Werk des Kulturtheoretikers und Ethnopsychoanalytikers Hans-Jürgen Heinrichs Expeditionen ins innere Ausland (Freud. Morgenthaler. Lévi-Strauss. Kérenyi. Das Unbewußte im modernen Denken). Heinrichs ginge es um das „emanzipatorische Potential“, das heterodoxen Lebensformen innewohnt. Die bürgerliche Gesellschaft würde mit ihrer „tumben Normalität“ die Menschen einem „bürokratischen Selbstverstümmelungsprozeß“ ausliefern. Darauf Graefe:

Diese Kritik ist weder originell, noch neu: Schon Wilhelm Reich hatte ihr mit seinem Schlagwort vom Charakterpanzer einen illustren Ausdruck verliehen. Auch Heinrichs will innere Panzer beseitigen.

Heinrichs zufolge käme es darauf an, das „innere Ausland“ durch Verflüssigung der inneren Widerstände zu befreien. Und das heißt: alles ist erlaubt. Graefe wendet ein:

Hier schwimmt der Autor in einem universalisierten Toleranzprinzip, das in jeder noch so irritierenden und schockierenden Perversion nur ein an sich harmloses „Mittel zur Erhaltung ungerichteter Triebhaftigkeit“ zu erkennen glaubt. (…) Innerhalb einer immer entrückten Traumwelt ist selbst der Sadismus nur eine entzückende Spielart unter vielen anderen.

Heinrichs rettet sich mit Verweis auf Emmanuel Lévinas: ich gebe dem Anderen (dem „Ausland“ schlechthin) Vorrang vor mir selber. Graefe kehrt zu Freud zurück: in der

von den Ethnopsychologen idealisierten Natur-Gesellschaften gab es immer auch Tabus: (…) Das Heilige war nicht nur das Unendliche, sondern auch das endlich begrenzende, eben dasjenige, was die Romantiker des inneren Auslands nicht mögen: ein Über-Ich.

Diese „Debatte“ zwischen Heinrichs und Graefe zeigt plastisch das Dilemma der heutigen Gesellschaft und warum Reich den meisten Menschen so fremd bleibt: Triebhaftigkeit gegen Triebunterdrückung – so etwas wie „Genitalität“, „orgastische Potenz“ und „Selbststeuerung“ wird – undenkbar.

Bisher hat man versucht, Psychopathen vor allem von ihrem Mangel an Angst, was die Konsequenzen ihrer Taten betrifft, her zu verstehen. Neuere Forschungen zeigen jedoch, daß sie weit eher von dem Lustgewinn getrieben werden. Man nehme etwa Diebstahl: wenn der Psychopath eine fremde Geldbörse sieht, die er sich aneignen kann, ist subjektiv die Vorfreude und objektiv die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn (die man mit bildgebenden Verfahren verfolgen kann) weitaus größer als bei normalen Menschen. Er kann sich gar nicht gegen den Griff zum fremden Portemonnaie wehren. Psychopathen sind zu sofortiger Gratifikation Getriebene, ähnlich Drogenabhängigen.

Sie sind genau das, was Reich bereits Anfang der 1920er Jahre untersucht hat: triebhafte Charaktere (Frühe Schriften I). Aus heutiger orgonomischer Sicht sind triebhafte Charaktere Menschen, die zwar gepanzert sind, bei denen jedoch die Panzerung desorganisiert und in ewiger Fluktuation ist. Aus diesem Grunde sind sie auch untherapierbar, da sich kein festumrissener Ansatzpunkt darbietet, um die Neurose auszuhebeln. Dieses „Schillernde“ macht ihre ganze Faszination aus, die sie für den „richtig“ gepanzerten Menschen so überaus anziehend macht. Bekanntlich bezeichnete Reich den destruktiven Charismatiker Hitler als den „Generalpsychopathen“.

Der triebhafte Charakter bestimmt heute erneut die Führungsetagen. Man denke nur einmal an Obama und seine Botschaft „Vordere dein Recht ein!“ und vor allem an die „zockenden“ Führungsspitzen der „Wall Street“ a la Madoff.

Ein typischer triebhafter Charakter ist „Rambo“: ein haltloser junger Mann wird unter einer dominierenden Vaterfigur zu einem extrem guten Soldaten, der weder Angst noch Empathie kennt, verfällt dann wieder nach der Armeezeit und wird zu einem haltlosen Landstreicher. Während sich Rambo einen künstlichen Muskelpanzer antrainiert, um seine triebhaften Impulse unter Kontrolle zu halten, unterwerfen sich mehr intellektuelle Typen Konzentrationsübungen, um ihren Geist zu disziplinieren.

Ständig ist der haltlose Psychopath auf der Suche nach einem äußeren Halt. Wobei es ziemlich gleichgültig ist, ob er sich okkulten oder faschistischen Bewegungen anschließt. Es ist kein Wunder, daß auch die „Wilhelm-Reich-Bewegung“ von diesen Charakteren bevölkert ist, zumal Reich selbst eindeutig triebhafte Züge zeigte. Das erklärt auch Reichs frühe Beschäftigung mit dem triebhaften Charakter.

Man darf sich im übrigen nicht durch Äußerlichkeiten verwirren lassen. Genauso wie „Rambo“ kann auch eine spindeldürre „Schwuchtel“ ein triebhafter Charakter sein. Er kann ebenso gut aus einer Finanzdynastie wie aus dem Lumpenproletariat stammen. Er kann Self-Made-Millionär sein, aber auch Hartz-IV-Empfänger. Libertärer „Kapitalist“ oder sektiererischer Maoist. Grunzendes Umweltschwein oder pikierlicher Veganer.

Der „triebhafte Charakter“ ist Resultat sowohl allzu brutaler als auch zu nachgiebiger Erziehung (Reich in der Besprechung von Furrer, A.: „Der ‘moralische Defekt’, das Schuld- und Strafproblem in psychoanalytischer Beleuchtung“, Imago XIII(1), 1927, S. 141-142).

Beides verhindert (in psychoanalytischer Sprache) die Ausbildung eines funktionierenden „vernünftigen“ Über-Ichs bzw. (in orgonomischer Sprache) die Formierung einer konsistenten Panzerung. Das Übr-Ich bzw. die Panzerung des triebhaften Charakters läßt anfangs eine Luststeigerung zu, mehr als bei normalen Menschen, jedoch schlägt dann das „isolierte Über-Ich“ um so härter zu, die „unbefriedigte“ Panzerung verkrampft um so stärker, die Frustration ist um so größer, entsprechend die Triebhaftigkeit. Man denke nur an die Karikatur einer „alkoholkranken Nymphomanin“ oder an Charlie Chaplins Darstellung des „Hysterikers“ Hitler.

Von Anfang an zu Krankheit und frühem Tod verurteilt

10. April 2015

Bislang wurde vor allem der Einfluß von Wochenbettdepression auf die Entwicklung von Kindern untersucht. Nun wurde von der Cardiff University, dem King’s College London und der University of Bristol in einer Langzeitstudie anhand von 120 Jugendlichen untersucht, welchen Einfluß eine Depression der Mutter während der Schwangerschaft auf das Leben ihrer Kinder hat. Dazu wurden die Mütter während der Schwangerschaft, nach der Geburt, und als ihre Kinder 4, 11 und 16 Jahre alt waren, interviewt.

Bei Müttern, die während der Schwangerschaft an Depressionen leiden, ist es viermal so wahrscheinlich, daß sie Kinder haben, die mit 16 gewalttätig sind. Das trifft sowohl auf Jungen als auch auf Mädchen zu. Auch zeigte sich, daß das eigene antisoziale Verhalten der Mütter, als sie Teenager waren, es wahrscheinlich macht, daß sie bei einer späteren Schwangerschaft unter Depressionen leiden werden.

Andere Faktoren neben dieser Verbindung zwischen der Depression in der Schwangerschaft und der Gewalttätigkeit der Jugendlichen konnten als Erklärung ausgeschlossen werden. Was hinter dieser offensichtlichen Kausalität steckt, können die Forscher jedoch nicht sagen.

Reich stellte sich die prä- und postnatale Entwicklung ungefähr wie folgt vor: Ab der neunten Schwangerschaftswoche werden die Bewegungen des Embryos zum ersten Mal koordiniert und harmonisch. Die Keimentwicklung ist dann mit der „Zusammenfassung aller Bio-Funktionen zu einem einheitlich, koordinierten Bio-System etwa im 10.-12. Lebensmonat“ nach der Geburt abgeschlossen (Der Krebs, Fischer TB, S. 398). Dies sei, so Reich weiter, die „kritische Periode“ für das spätere bioenergetische Funktionieren.

Die „kritische Periode“ der „psychischen“ Entwicklung liegt etwa zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr; sie ist in ihrem Ausgang weitgehend von dem Ablauf der biophysikalisch kritischen Phase bestimmt. (ebd.)

Diese Periode, die der „ödipalen Periode“ in der Psychoanalyse entspricht, hat Reich auch als „erste Pubertät“ bezeichnet. Mit der eigentlichen Pubertät ist die Entwicklung des Charakters endgültig abgeschlossen.

Reich sieht eine bruchlose Kontinuität in der bio-emotionalen Entwicklung des Menschen zwischen dem frühen Embryonalstadium, über die Geburt und die psychosexuelle Entwicklung, bis zum Abschluß der Pubertät. In der Pubertät kommt es mit der Sexualreife zum größten bioenergetischen Schub, der die Grundkonflikte in ein scharfes Relief setzt.

Bereits im Uterus sind Kinder depressiver Mütter in einer Art „trostlosen bioenergetischen Wüste“ herangereift. Jeder weiß, wie das ist, wenn man mit einem Depressiven ständig auf Tuchfühlung ist: man kann sich der negativen Einwirkung des fremden bioenergetischen Systems auf das eigene System kaum entziehen. Um wie viel mehr muß dies auf das sich entwickelnde Embryo einer depressiven Schwangeren zutreffen! Es ist nur natürlich, daß ein Mensch, der so schon vor der Geburt herangereift ist, sich in seiner Jugend entsprechend dem bioenergetisch eingeprägten Gefühl von innerer Leere und Hoffnungslosigkeit verhalten wird.

Aufgabe der Orgonomie ist es, den Teufelskreis, diese „bioenergetische Ansteckungskette über die Generationen hinweg“, zu durchbrechen.

Auch zeigen diese Forschungsergebnisse erneut, wie eng doch die Themen von Der Krebs und Die sexuelle Revolution miteinander verwoben sind.

Wie bereits in diesem Blog erwähnt, hängt Altern mit kürzeren Telomeren zusammen, den „Kappen“ am Ende der Chromosomen. Die Länge der Telomeren ist ein Maß des biologischen Alterns, weil sie mit jeder Zellteilung kürzer werden. Kürzere Telomeren hängen mit kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs und anderen Alterserscheinungen zusammen.

Im Zusammenhang mit meinen Ausführungen über Telomere verwies 2010 Heiko Lassek in einem Leserbrief auf Gerald Hüther: Biologie der Angst (über physiologische und genetische Veränderungen). Lassek: „Hüther war im persönlichen Gespräch gegenüber Wilhelm Reich sehr offen – er eröffnete unsere Veranstaltungsreihe ‚Was ist Leben‘ am 04.02.[2010].“

Audrey Tyrka und ihre Kollegen vom Butler Hospital und der Brown University, Rhode Island untersuchten die DNA von gesunden Erwachsenen, die in ihrer Kindheit physisch oder emotional mißhandelt worden waren. Die Forscher fanden bei ihnen kürzere Telomeren, als bei denjenigen, die eine gute Kindheit hatten.

Tyrka zufolge deuten diese Forschungsergebnisse an,

daß frühe Einwirkungen auf die Entwicklung tiefgreifende Auswirkungen auf die Biologie haben, die Zellmechanismen auf einem sehr grundlegenden Niveau beeinflussen und sogar zu beschleunigter Alterung führen können.

Idan Shalev und seine Kollegen von der Duke University in Durham und seine Kollegen konnten nachweisen, daß mißhandelte Kinder mit vorzeitig gealterten Chromosomen ins Leben starten:

Gewalterfahrungen in der Kindheit nagen an den Telomeren, den Schutzkappen der Träger des Erbgutes. Diesen Zusammenhang konnten Forscher nun bei fünf- bis zehnjährigen Kindern nachweisen, die Misshandlungen erleiden mussten. Verkürzte Telomere gelten als ein Zeichen der Alterung und sind mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen und einer verkürzten Lebenserwartung verbunden.

Derartige grundlegende Schädigungen des Lebendigen können sogar bereits im Mutterleib beginnen.

Der medizische Orgonom Michael A. Ganz führt dazu aus, daß bei einer Schwangerschaft der Energie- und Erregungspegel der Frau stark ansteigt. Ist sie chronisch gepanzert oder findet sie während der Schwangerschaft keine sexuelle Erleichterung, entwickelt sie starke Angst.

Der Kontakt und die orgonotische Strömung können ganz verschwinden und der Fötus wie ein fremder Eindringling innerhalb des mütterlichen Körpers erfahren werden. Das kann bewußt sein und bis zu dem Punkt fortschreiten, daß die Frau Haß auf den Fötus entwickelt und versucht ihn abzutreiben. Unter derartigen Umständen ist mit Sicherheit die Pulsations-Funktion verschwunden, die bioenergetische Abfolge von Kontraktion und Expansion sowohl innerhalb der Mutter als auch innerhalb des Fötus. Unsere klinischen Erfahrungen weisen darauf hin, daß dieses Schwinden von Pulsation den Fötus für biopathische Erkrankungen später im Leben anfällig machen kann. Im Journal of Orgonomy berichtete ich von einem Fall einer schwerwiegenden Lähmung, die im Verlauf der Therapie aufgetreten ist. Auch einige andere Therapeuten berichteten über ernste Erkrankungen während der Therapie bei Patienten, die eine ähnliche Panzerung zeigten. In jedem dieser Fälle gab es Hinweise darauf, daß die Mütter der Patienten ihre Kinder nicht wollten; daß sie aktiv und bewußt die Schwangerschaft ablehnten und sie abtreiben wollten. (M. Ganz: „Functional Child-rearing“, Journal of Orgonomy, 10(2), November 1976)

Bei dem von Ganz erwähnten Artikel handelt es sich um Ganz: „Anorgonotic Paralysis as a Complication of Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, 8(1), November 1974.

Streß während der Schwangerschaft kann die Gefahr für Asthma beim Kind erhöhen. Forscher der Harvard Medical School in Boston untersuchten Unterschiede von Immunmarkern im Nabelschnurblut zwischen Kindern von Müttern, die in einer Umgebung mit einem hohen Streßfaktor leben und solchen mit einem niedrigen. Sie fanden große Unterschiede, die mit einem erhöhten Asthmarisiko für die Kinder verbunden sein können. Entsprechendes wurde vor kurzem bei Labormäusen an der Harvard School of Public Health in Boston nachgewiesen.

Wilhelm Reich und Aleister Crowley

10. Januar 2015

Genitalität läßt sich mit der folgenden Gleichung beschreiben:

genitalitätjungengewalt

Die Trennung der beiden Varianten der zugrundeliegenden Funktion, und damit die Negation der Genitalität, indem aus Hingabe Masochismus und aus Aggression Sadismus wird, ist Folge von Panzerung. Steht die Hingabe einseitig im Mittelpunkt, haben wir die masochistische Religion des Christentums vor uns, ist es die Aggression, folgt daraus die sadistische „Religion“ des Nationalsozialismus. Reich und sein Mitarbeiter Karl Teschitz haben sich in den 1930er Jahren umfassend mit der Sexualökonomie dieser beiden Gegenspieler beschäftigt. Beide Parteien sind gleich weit weg von einem natürlichen Lebensgefühl.

Heute wird die Gesellschaft von diesem Gegensatz, der im Übrigen, wie bereits in den 1930er Jahren, hervorragend koexistieren kann, noch immer geprägt. Er zeigt sich etwa in der merkwürdigen „Fernstenliebe“, die uns zwingt, dem Abschaum des Planeten Asyl zu gewähren (fast nur junge Männer!). Eine vollkommen endgrenzte Mutterliebe im Exzeß. Gleichzeitig feiert der „Satanismus“, der „Nächstenhaß“, einen kulturellen Triumph nach dem anderen. Dabei geht es stets um nur eins: Macht („Wille“) durch radikale Absage an die Liebe („Willenlosigkeit“). Der Zuhälter ist das Modell des Magus: er wird geliebt und saugt zum Dank die Frau aus, bis alle Lebensenergie ihm gehört. Die „Jugendkultur“ handelt heute von nichts anderem! Die emanzipierten Mädchen machen begeistert mit, sei es mit „Ritzen“ oder durch demonstratives Nuttentum.

In unserer Kultur wird systematisch, sozusagen „auf allen Kanälen“, die Sexualität („Sex“) von der Liebe getrennt. Implizit, erstaunlich oft explizit, geschieht dies unter Berufung auf den Kulturheroen der antiautoritären Gesellschaft: Aleister Crowley und seine Sexualmagie („Magick“). Dabei geht es nur um eins: keine Gefühle, insbesondere kein Mitleid haben, und stattdessen Sex benutzen, um Macht zu akkumulieren. Es werden ganz bewußt Seelen zerstört, letztendlich auch Körper. Die „Scarlett Woman“ ist die ausblutende Frau, entsprechend den auf Scheiterhaufen brennenden Hexen („Dakinis“) im tantrischen Buddhismus. Es ist phallische Rache im Exzeß. (Übrigens ist diese phallische Rache im Exzeß ein weiterer Beleg für die Nähe der antiautoritären Gesellschaft zum Nationalsozialismus!)

Das ganze läßt sich orgonometrisch wie folgt beschreiben:

Liebesex1

Genauso wie im sexualfeindlichen Christentum werden Liebe und Sex zu antagonistischen Gegensätzen. Wie Reich in seinen bioelektrischen Versuchen der 1930er Jahre verifizierte, ist orgastische Erfüllung jedoch nur möglich, wenn zur mechanischen Erektion eine bioenergetische Ladung hinzutritt, die nur bei liebevoller Hinwendung möglich ist. Liebe ohne Sex und Sex ohne Liebe sind unvorstellbar, will sagen sinnlos, „unhygienisch“ (wie Reich sich im Sinne der damaligen „Mentalhygiene“ ausgedrückt hat).

Liebesex2

Panzerung hat nicht nur ein somatisches Element (chronisch verspannte Muskeln), sondern auch ein psychisches (das Über-Ich). Das Kind ist den Erwachsenen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Seine einzige Überlebenschance ist die Anpassung: es nimmt die Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen jener an, die es unterdrücken. Es identifiziert sich mit den Tätern (den „Erziehungsberechtigten“) und bildet einen Charakter aus, der entweder weitgehend mit dem ihren identisch oder doch zumindest kompatibel ist.

So zugerichtet können dann später Autoritäten weiter mit uns spielen. Man denke etwa an den Stalinismus: je größer die Unterdrückung war, desto mehr wurde der Führer geliebt und ihm nachgeeifert. Ähnlich funktioniert jede Sekte und sogar jede Armee. Man denke auch an so manche Partnerschaft: je schlechter die Frau behandelt wird, desto hündischer folgt sie dem Schwein.

Diesen Grundmechanismus der Neurose findet sich auch in der Spiritualität, die weitgehend nichts anderes ist als die Identifikation mit „höheren Wesenheiten“. Dabei ist es zunächst gleichgültig, ob es diese „Wesenheiten“ wirklich gibt oder die Psychoanalyse recht hat, daß sie psychische Repräsentanten unserer Eltern sind. In jedem Fall sind sie „das Über-Ich“ – die psychische Seite der Panzerung.

Das wird in den verschiedenen tantrischen Schulen evident, die darum kreisen, daß man sich vollständig mit einer Gottheit, teilweise sogar einem „Dämon“, identifiziert bis man eins mit ihr bzw. ihm wird; sein Ich opfert. So funktioniert sowohl die „satanistische“ Magie eines Aleister Crowley als auch der „göttliche“ Bhakti-Yoga eines Sri Chinmoy.

Während man Reichs Ansatz mit dem Satz „Wo Über-Ich war, soll Ich sein!“ zusammenfassen kann, geht es in der Spiritualität im Kern darum, daß das Ich sich dem Über-Ich opfert.

Es geht, statt um Selbstbestimmung, um Fremdbestimmung. Dazu gehören „Channeling“, der Bezug auf „Erzengel“ und andere „Botschafter aus höheren Welten“ und insbesondere die Ritualisierung des Alltags, aus dem jede Spontanität weicht, weil alles, was einem widerfährt und was man tut, eine höhere Bedeutung hat und aufeinander abgestimmt werden muß. Es ist eine enge, bedrückende Welt – im Namen der „Befreiung“. Eine Art spiritueller „DDR“, in die sich die Menschen selbst einmauern.

Man nehme etwa die weitgehende „Tibetisierung“ weiter Teile der bildungsbürgerlichen „Elite“ dieses Landes. Hier ein beliebiges Beispiel einer „Lebensberaterin“. Innerhalb von vier Tagen habe ich sowohl im Münsteraner Schloßpark als auch hier am Rande Hamburgs im Park der Klinik Nord jeweils einen Baum gesehen, der mit tibetischen Gebetsfahnen umwickelt war.

Neulich in einem Park in der Innenstadt zwei Schülerinnen, die geheimnistuerisch eine große Figur in den Boden ritzen. Als ich es mir schließlich anschaue: ein fünfzackiger Druidenstern. Hier im Moor vor meiner Haustür habe ich auf einer Waldlichtung einen „satanistischen“ Altar mit entsprechenden unappetitlichen Opfergaben gesehen. Der Irrsinn greift um sich!

Das eigentliche Problem ist jedoch nicht die Selbstzerstörung von Leuten, die nie erwachsen werden, sondern das tatsächliche Heraufbeschwören negativer Energien (DOR), die sie und andere zerstören.

Interessanterweise geben dies diese Leute selbst so an: daß ein neuer Schritt in der Evolution des Menschen bevorstehe und dieser Planet in eine neue Ära „höherer und schnellerer Schwingungen“ eingehe. Nur jene werden überleben, die auf diese neue Umwelt eingestellt sind – die offenbar energetisch zu toxisch für lebendiges Leben sein wird. Crowley sprach vom kommenden Äon, in dem die Menschen mit den Göttern in Kommunion leben. Siehe dazu meine Ausführungen in Ea und die Wellenfunktion.

Ja, gibt es denn nicht auch lebenspositive Spiritualität? Was für eine Frage! Gibt es auch lebenspositive Neurosen? Oder konkret: man beschäftige sich doch bitte mit dem Dalai Lama oder irgendeinem anderen „Guru“. Das sind alles keine Einzelfälle oder bedauerliche Ausrutscher: die Schweinerei ist direktes Resultat des neurotischen Grundmechanismus, der hinter der Spiritualität steckt: wo Ich war, soll das Über-Ich herrschen!