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DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Bioenergetik im alltäglichen Medizinbetrieb

27. April 2016

Es kann leicht der Eindruck entstehen, daß die Orgontherapie auf lange Behandlungszeiträume ausgerichtet ist und bei akuten Problemen kaum helfen kann. Nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Tatsächlich ist es so, daß in den meisten Akutfällen die medizinische Orgonomie effektiver ist als die Schulmedizin, teilweise sogar die einzige effektive Hilfe zu bieten hat. Das gilt nicht nur für den psychiatrischen, sondern sogar für den allgemeinmedizinischen Bereich. Ich erinnere nur an den selbsterlebten Fall, den ich hier neulich in einem Leserbrief zum besten gab:

Eine 80jährige Verwandte, die für Außenstehende eher wie eine 60jährige wirkte, war in ihrer Wohnung hingefallen und kam nicht wieder hoch. Mein Bruder, der sie zufällig besuchen wollte und zum Glück einen Schlüssel hatte, fand die nach einem halben Tag auf dem Fußboden ganz verzweifelte alte Dame. Auf mein telefonisches Drängen hin brachte er sie ins Krankenhaus, weil sie sich beim Robben durch die Wohnung beide Ellenbogen aufgerissen hatte. Sie sollte nur richtig verbunden werden, stattdessen insistierten die Ärzte, daß sie ein paar Tage zur Kontrolle im Hospital bleiben solle. Aus Angst, daß sie erneut hinfällt und wegen Personalmangel bzw. Bequemlichkeit, zwang man sie drei Tage lang praktisch ununterbrochen im Bett zu bleiben. Resultat? Die für ihr Alter erstaunlich sportliche Frau, die unmittelbar nach dem Sturz festen Schrittes bei der Notfallaufnahme erschienen war, konnte nach den drei Tagen nicht mehr selbständig gehen und wenn wir gemeinsam durch den Krankenhausflur gingen, wollte sie nach wenigen Schritten sofort zurück und sich hinsetzen, aus panischer Angst wieder hinzufallen. Es hatte sich ein klassischer Fall von Fallangst entwickelt, wie Reich ihn in Der Krebs beschreibt. Hätten die Ärzte nur einen Funken bioenergetisches Verständnis gehabt, die Frau wäre nicht innerhalb von drei Tagen Jahrzehnte gealtert („geschrumpft“). Der Kontrast war wirklich erschreckend!

Allein schon diese Kontaktlosigkeit (ich hätte beinahe geschrieben „institutionalisierte Kontaktlosigkeit“)! Auch ohne Reich gelesen zu haben, weiß jeder, daß, wenn man mal vom Pferd gefallen ist (oder ähnliches), man sofort wieder aufsitzen muß – oder man wird sich nie mehr trauen. Wenn jemand hinfällt und die Gefahr besteht, daß er „Fallangst“ entwickelt, schont man ihn nicht, indem man ihn zu tagelanger (vollkommen sinnloser!) Bettruhe zwingt, „damit er nicht nochmal hinfällt“, sondern man insistiert, daß er jetzt gerade so viel aufrecht steht und spazieren geht wie nur irgend möglich (natürlich mit den entsprechenden Sicherungen, etwa einem Rolator).
Diese Kontaktlosigkeit, diese Ignoranz, diese Dummheit und Idiotie! Ich war schlicht fassungslos.

Die alte Dame hat Monate gebraucht, um zumindest einigermaßen buchstäblich „wieder auf die Beine zu kommen“. Ganz knapp am Dauerpflegefall vorbei. Und das alles nur, weil ich auf eine gute Wundverpflegung bestanden hatte.

Das, was einen Organismus lebendig macht, ist die Pulsation der Orgonenergie in einer Membran. Ist das hohe Energieniveau, das diese außerordentlich kräftige Pulsation aufrechterhält, nicht mehr aufrechtzuerhalten, bleibt beispielsweise das Herz stehen, tritt sehr schnell der Tod ein. In Windeseile zersetzt sich das, was pulsierte, „das Fleisch und die Innereien“, bionös und es bleibt das sozusagen „steinerne“ Knochengerüst zurück, daß unter den richtigen Bedingungen Jahrhunderte, wenn nicht viele Jahrtausende überdauern kann.

Nicht ohne Grund wird der Tod durch Knochen symbolisiert. Von allen Strukturen des Körpers scheinen sie am weitesten vom „Lebendigen“ entfernt. Sie entsprechen damit unseren Werkzeugen, etwa Lanzenspitzen aus Stein, die uns ebenfalls überdauern. Um so erstaunlicher ist die Tatsache, daß die Knochen das räumliche Zentrum des Körpers ausmachen, der kaum mehr ist als ein „mit Fleisch umwickeltes Gerüst“. Entsprechend schlägt sich der Zustand der organismischen Orgonenergie unmittelbar im Knochengerüst nieder. Man denke nur an Ernst Kretschmers Konstitutionslehre (Körperbau und Charakter, 1921), die wir bereits an anderer Stelle diskutiert haben.

Sie gilt zwar als weitgehend überholt, doch bei der einen oder anderen Beobachtung springt sie doch sinnhaft ins Auge. Der sich formende Charakter schlägt sich, leider Final, auch im sich ausformenden Skelett nieder. Man denke nur an Haltungsschäden, die unmittelbarer Ausdruck des emotionalen Zustandes sind. Der „Buckel“, der „die Last der Welt“ tragen muß oder etwa das zurückgezogene Becken, das Sexualangst signalisiert. Siehe dazu auch die orgonmedizinische Analyse der Skoliose.

In Der Krebs beschreibt Reich, wie ebenso am Ende des Lebens, d.h. wenn der Orgonenergie-Spiegel wieder sinkt, Knochen ganz besonders empfindlich auf den orgonotischen Zustand des Organismus reagieren. Reich beschreibt auch, wie umgekehrt Knochenbrüche durch ihren Einfluß auf die „Psyche“ (d.h. die Emotionen) den orgonotischen Zerfall ungeheuer beschleunigen. Das ist nicht nur bei den Krebspatienten der Fall, die Reich untersucht hat, sondern desgleichen bei Senioren, die kurz vor dem natürlichen Tod stehen. Jeder, der mit solchen Menschen zu tun hat, weiß welche zentrale Rolle in diesem Zusammenhang die „Fallangst“ spielt, die Reich bei Krebspatienten beschrieben hat. Der Rolator ist mehr eine seelische als eine körperliche Stütze. Er ist eine „energetische Stütze“ – was auch ziemlich genau die eigentliche Funktion des Skeletts widergibt!

Osteoporose ist in erster Linie eine Sache der Seele. So wurde vom 117. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2011 berichtet:

Depression und Osteoporose gehen oft Hand in Hand. Den Zusammenhang von Depression und abnehmender Knochendichte belegte eine große Metaanalyse. Dabei ist der Knochendichteverlust nicht nur eine Folge des veränderten Lebensstils depressiver Patienten mit Nikotin- und Alkoholkonsum sowie mangelnder Bewegung, betonte PD Dr. Kai G. Kahl, Hannover. Die Dysregulation des Streßhormonsystems und der relative Hyperkortisolismus beeinflussen die Knochendichte ebenfalls negativ. [Reich hat das im Begriff „Sympathikotonie“ zusammengefaßt!] „Das Knochenkompartment [der Raum, den die Knochen einnehmen] ist quasi ein Gedächtnis für Aktivität und Streß“, meinte Kahl. Dazu kommen ein negativer Einfluß bestimmter Antidepressiva auf die Knochendichte und ein erhöhtes Sturzrisiko (INFO Neurologie & Psychiatrie, Juni 2011).

Man sieht, wohin eine Medizin führt, bei der nicht energetische, sondern rein mechanische und chemische Überlegungen im Mittelpunkt stehen! Immerhin ist jedoch zu konstatieren, daß beim neusten Antidepressivum diese Probleme nicht auftreten:

Agomelatin (Valdoxan) führt nicht zur Orthostase [Schwindel beim Aufstehen, tritt interessanterweise auch bei Jugendlichen auf, die besonders groß und schlank sind] oder Sedation [Dämpfung des Zentralen Nervensystems, „Beruhigung“]. Die Substanz wirkt als Agonist an den Melatoninrezeptoren MT1 und MT2 und als 5-HT2c-Antagonist synergetisch auf den zentralen Taktgeber der inneren Uhr im Nucleus suprachiasmaticus. Prof. Göran Hajak, Bamberg, bezeichnete die Substanz deshalb als potenten Rhythmusstabilisierer. Wie wichtig die zirkadiane Rhythmik ist [also die dem Organismus inhärente Pulsation über den Tag hinweg], zeigt die erhöhte Mortalität bei der Dysregulation der Schlaf-Wach und Aktivitätskurve bei Depression. Bei schlechtem oder zu wenig Schlaf steigt zudem das Sturzrisiko. Kommen Hypnotika oder bestimmte Antidepressiva dazu, erhöht dies die Sturzrate älterer Patienten weiter – mit der Folge von Hüft- und Oberschenkelhalsfrakturen (ebd.).

Irgendwie erahnt die mechanistische Medizin einen Zusammenhang zwischen orgonotischer Pulsation und Skelett!

Die energetische Betrachtungsweise ist der materialistisch-mechanistischen fast immer überlegen! Die letztere ist sozusagen eine bloße „Hilfsdisziplin“ der ersteren. Alles andere ist gemeingefährliche Quacksalberei.

Morton Herskowitz beschreibt in „Treatment of an Episode of Catatonic Mutism“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 2, No. 1, March 1968) einen Fall aus seiner Tätigkeit in der Notaufnahme eines Allgemeinen Krankenhauses. Es geht um einen Patienten, der von seiner Frau in die Notaufnahme gebracht worden war, weil er bewegungslos vor sich hinstarrte und auf seine Umwelt nicht mehr reagierte. Ab und an zeigte sich auf dem sonst ausdruckslosen Gesicht eine gewisse Irritation, er blickte dann auf seinen Unterarm und rieb ihn mit der anderen Hand.

Herskowitz interpretierte dies als Versuch des Patienten energetische Bewegung und Kontakt wiederzuerlangen. Offenbar war das psychotische Gleichgewicht noch nicht ganz hergestellt, so daß die Möglichkeit bestand den Patienten „zurückzuholen“. Herskowitz setzte sich vor ihn hin und versuchte Augenkontakt herzustellen. Gleichzeitig nahm er die Hände des Patienten und streichelte sie sanft.

Nach etwa einer Viertelstunde begann der Patient seine Hände ungläubig anzuschauen und den Umriß der Finger der einen Hand mit denen der anderen nachzuzeichnen. Wobei der Therapeut ihm versicherte, dies sei seine Hand, seine eigene Hand.

Auf diese Weise löste ihn Herskowitz, indem er ihn beispielsweise „mütterlich“ in den Arm nahm, langsam aus seiner katatonen Erstarrung. Der Patient wurde in den Arm genommen, als er infolge des Streichelns, und der so erzeugten Bewegung von Energie („e-motion“), Zeichen von Traurigkeit zeigte. Das In-den-Arm-nehmen führte zu einem kurzen Weinen, wodurch sich die Atemsperre lockerte. Dies führte wiederum zu noch mehr energetischer Bewegung und entsprechend zu mehr Kontakt.

Die Augenpanzerung (das „Weggetretensein“) wurde durch die Herstellung von Augenkontakt und das Erklären der einfachsten Dinge, Vorgänge und Beziehungen angegangen. Als sich der Patient mit seinem leeren Blick beispielsweise für das Kissen zu interessieren begann, das auf dem Behandlungstisch lag, auf dem der Patient saß, zeigte ihm Herskowitz den Stoffbezug, nahm das Kissenfutter heraus und tat es wieder hinein, wobei er alles in einfachen Worten erklärte. Auf diese Weise lernte das Gehirn wieder Zusammenhänge herzustellen und wie gewohnt zu funktionieren.

Normalerweise kommen Patienten aus solchen katatonen Zuständen erst nach wochen- oder gar monatelanger Behandlung mit Neuroleptika, Elektrokrampftherapie oder Psychotherapie wieder heraus. Herskowitz schaffte das innerhalb weniger Stunden.

Es hat etwas zutiefst Beunruhigendes, daß die mechano-mystischen Ärzte nicht die geringste Vorstellung davon haben, was in solchen Patienten vor sich geht. Die kaum vorhandene Atmung, die „Sprachlosigkeit“, der leere Blick, die Ticks, das Berühren des eigenen Körpers bis hin zur Selbstverstümmelung sind für sie nur Ausdruck einer „gestörten Hirnchemie“ (Mechanismus), sie „gehören zum Störungsbild“ (Mystizismus, so als sei „das Störungsbild“ eine „platonische Idee“, die sich offenbart!).

Tatsächlich haben diese Symptome alle eine eindeutige Funktion: Die eingeschränkte Atmung mindert den Energiefluß und damit die Angst, die den Patienten „in den Wahnsinn treibt“. Entsprechend muß der Patient ganz langsam lernen, die Angst zu ertragen. Die orale Blockade weist auf tiefsitzende Abhängigkeitswünsche hin, die Augenblockierung auf die Spaltung zwischen Erregung und Wahrnehmung, d.h. den zentralen Mechanismus der Schizophrenie. Das Agieren schließlich ist tragischer Ausdruck des verzweifelten Versuchs des Organismus, irgendwie den energetischen Kontakt wiederherzustellen.

Psychiater sehen so etwas nicht. Es ist, als wenn ein Irrer einem anderen Irren gegenübersitzt. Einer kontaktloser als der andere!