Posts Tagged ‘Eriugena’

Der verdrängte Christus: 18. Am Anfang stand der Neuplatonismus

8. August 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

18. Am Anfang stand der Neuplatonismus

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DER ROTE FADEN: Der Übermensch

12. Juni 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

 

 

Manuel schrieb 2011: Das EINZIGE was Sinn macht, ist nach einem „persönlichen Motiv“ zu suchen!
Das Hitler seinen Selbsthass und seine Selbstverachtung auf „die Juden“ projeziert hat – ist das etwa kein „persönliches“ Motiv ?
Das Hitler an einer einzigen Stelle – dem Arzt gegenüber, der seine Mutter behandelte- so etwas wie Mitgefühl zeigte – was könnte „persönlicher“ sein?
Das Hitler von allen Deutschen einen Nachweis der „arischen“ Abstammung bis in die dritte Generation verlangte, den er selbst nicht erbringen konnte – ist das nichts „persönliches“??
Das Hitler seinen Vater hasste – von dem er annahm, daß er jüdischer Herkunft war – weil dieser ihn einsperrte, täglich schlug, verspottete (zB. wegen angeblich mangelnder Intelligenz!) und nicht mit seinem Namen, sondern mit einem Pfiff -wie einen Hund- rief, weil dieser Vater seine „arische“ Mutter mit „jüdischer“ Grausamkeit behandelte…
keine persönlichen Motive?
Mir reicht die genaue Betrachtung der Kindheit Adolf Hitlers aus, um das Phänomen Hitler vollständig und logisch zu erklären. Für den Rachefeldzug gegen seine in der Kindheit erlittenen Demütigungen standen dem Führer genügend Menschen zur Verfügung, die aufgrund ähnlicher Kindheitserfahrungen ähnlich strukturiert waren.
Diese Geschichte ist kein Rätsel mehr – dank Alice Miller ( „Am Anfang war Erziehung“).
Hitler hat übrigens versucht, die Spuren seiner Herkunft zu tilgen – er ist sogar so weit gegangen, Gräber seiner Vorfahren zerstören zu lassen!
Trotzdem ist seine Kindheit aussergewöhnlich gut durch übereinstimmende Zeugenaussagen seiner Verwandten und Bekannten dokumenmtiert, so daß es keinen Zweifel an der Situation geben kann, in der er aufgewachsen ist.

Dazu Peter: An Hitlers Werdegang von der Geburt an ist kaum etwas Außergewöhnliches. Nichts unterschied ihn von Millionen anderen. Der Bruch zum exterminatorischen Antisemiten mit Messiaskomplex fand irgendwann zwischen Ende 1918 und Herbst 1919 statt. Was nun der Auslöser war, wird sich wohl kaum je rekonstruieren lassen, zumal bei einem paranoid-schizophrenen Charakter, der darüber hinaus durch eine lange Reihe von Inzucht erblich vorbelastet war, wirklich so gut wie alle Anlässe sonst was auslösen können.
Reich hatte in vieler Hinsicht eine weitaus traumatischere Kindheít, Jugend, Kriegszeit und Nachkriegszeit als Hitler!

Peter: Noch mal zur Verdeutlichung: es geht um MASSENpsychologie, sozusagen um Statistik, nicht um individuelle Biographien. Es gibt genitale Charaktere, die aus einer Familienhölle mit Alkoholismus und Mißbrauch hervorgegangen sind, und es gibt neurotische Wracks, deren Eltern Orgonomen waren.
Statistik wie sie DeMeo in seiner Saharasia-Arbeit vorexerziert hat. Individuelle Biographien sind ziemlicher Quark. Es hilft kaum etwas beim Psychotherapeuten und erst recht nicht bei „Fernanalysen“, die etwa Fromm und Miller bei Hitler vorgenommen haben. Das erinnert mich an eine Möchtegerntherapeutin, bei der ich mal in „Therapie“ war und der ich mal von mir erzählt habe: Ich konnte ihr einfach nicht mehr ausreden, daß meine Kindheit von Gewalt geprägt war. Vollkommener Quatsch! „Arbeiterkind >> Gewalt gegen Kinder!“ Und wenn man dagegen argumentiert, ist das Ausdruck von „Verdrängung“!
Ein Orgontherapeut interessiert sich ausschließlich für das Hier und Jetzt und nicht für irgendwelche mythischen Vergangenheiten – die eh eine Funktion der Gegenwart sind. Ja, diese Gegenwart ist aus der Vergangenheit hervorgegangen, aber das ist ein massenpsychologisches Problem.
Reich: erst Biologie (die Gegenwart), dann Soziologie (Massenpsychologie) und schließlich weit abgeschlagen ein bißchen Psychologie (Freud). Bei Miller und Konsorten ist diese Reihenfolge umgekehrt.

Manuel: „Es ist auffallend, daß alle Charakterisierungen des Juden, auf die Nazis am besten selbst zutreffen.“
Diesem Punkt möchte ich aus eigener Erfahrung zustimmen. Ich hatte einmal einen Alt-Nazi als Chef, der im Geschäftsgebaren alle den Juden zugeschriebenen Eigenschaften zeigte. Er selbst bemerkte das natürlich überhaupt nicht, sondern fühlte sich „arisch-rein“. Das war damals ein Aha-Erlebnis für mich -ich hatte einen Grundmechanismus des Antisemitismus „entdeckt“ (d.h. live erlebt und somit seine Wahrheit bestätigt). Wie wohltuend war es für diesen Mann, all seine miesen PERSÖNLICHEN Eigenschaften einem Sündenbock -den Juden- zuschreiben zu können und sich selbst gut und rein und stark zu fühlen. Vor diesem Erlebnis hatte ich es nicht für möglich gehalten, das die Motivation für antisemitischen Hass so einfach und durchschaubar und bloß auf persönlichen Defiziten basieren könnte, von denen man sich befreien möchte ohne an sich „arbeiten“ zu müssen.
Was Reichs traumatische Kindheit angeht: Reich hatte keinen emotionalen Rückhalt in seiner Familie aber zB. bei seinem Hauslehrer. Ich denke, das hat ihm sehr geholfen und seinen späteren Lebensweg als Wissenschaftler stark beeinflußt. Adolf Hitler ist aber scheinbar ohne eine EINZIGE Person aufgewachsen, die ihm liebevolle Zuwendung gegeben hätte.

Manuel: Ich bin gerade auf folgenden Artikel gestoßen:
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/zeitgeschichte/michael-grandt/adolf-hitler-teufel-daemon-oder-schwer-misshandeltes-kind-.html
Leider wird hier die möglicherweise jüdische Herkunft des Vaters als „Ammenmärchen“ abgetan. Es ist aber wahrscheinlich, daß Hitler dieses Gerücht in seiner Kindheit zu hören bekommen hat. Die Ungewißheit hat in jedem Fall an ihm genagt, denn er versuchte alles über seine Herkunft herauszufinden und gleichzeitig so viele Spuren wie möglich zu verwischen.

Peter : David hat mich neulich auf folgendes verwiesen:
http://www.bild.de/BILD/ratgeber/kind-familie/2010/11/15/horror-eltern-historischer-figuren/joerg-zittlau-luther-balzac-liz-taylor-hitler.html

O.: Was mich immer erstaunte, war, dass es soviel schwule Nazis gab, die aber nicht offen so auftreten konnten. Und gerade aus diesem Zwiespalt wurde der eigenen Trieb (Neigung) ständig unterdrückt und suchte sich um so heftiger ein Ventil …
Ebenso ist die „Elite“ alles andere als arisch, sportlich (athletisch) und nordisch. Auch heute noch sieht die Nazi Szene nicht als typisch arisch aus und würde nach eigenen Maßstäben „ausgesondert“ werden. Aber da sie ihren Hass nach außen projezieren können, scheint die Verdrängung der eigenen Häßlichkeit zu glücken. Je mehr sie sich selbst für minderwertig halten, desto brutaler gehen sie vor. Und wenn die neue „Elite“ besser zu sein scheint, gibt es dann den inszenierten „Röhm-Putsch“ und sie werden vernichtet.
Die Liquidation des SA durch die SS zeigte dem Volk, dass jeder willkürlich vernichtet werden könne, der nicht richtig spurt und ein Widerwort gibt.
Man müsste sich noch einmal die Attribute anschauen, die den Juden angedichtet worden sind: Diese passen wohl am besten zur eigenen Lebensweise und Motivation. (Projektion)
Dennoch kann man nicht die Macht des geschlossenen Gedankensystems, der Propaganda und der Einbeziehung jeder gesellschaftlichen und beruflichen Gruppe in ihrer Wirkung unterschätzen. Und das ist genau das Problem, dass uns heute nicht mehr der „Zauber“ gegenwärtig ist, den die Nazis wirkungsvoll und theatralisch aufgebaut haben.

Peter: Bei der ganzen „Bewegun“g ging es immer nur um eins: Sex, insbesondere Sadomaso. Allein schon der Uniformenfetisch. Das ganze nahm seinen Anfang mit Wagners Musikdramen und all den hysterischen, schwulen Wagnerianern, die bei der „überwältigenden“ Musik zu Gelee wurden. Wirklich alles war auf „Überwältigung“ ausgerichtet.

Manuel Says:
25. März 2011 um 12:52 | Antwort
Und wie kommt es, daß Sex mit Sadomasochistischen Vorstellungen besetzt wird?
Damit schließt sich der Kreis zu dem, was ich Eingangs schon erwähnte

O.: Ich stutze über diesen Satz:
„Nietzsche hat diese „negative Egologie“ [gemeint war Stirner] in eine positive umgeformt, indem er den theologischen Bezugsrahmen zu einem biologischen machte:…“
Ich würde umgekehrt eher von positiver „Egologie“ sprechen bei Max Stirner, da er einen positiv besetzten Egoismusbegriff diskutiert. Beim hier gezeigten Nitzsche Zitat gilt das „Ich“ als „negative besetztes Ich“ mit allen destruktiven Anteilen (sekundäre Schicht bei Reich) und das „Selbst“ bei Nitzsche – als positives Gegenstück (der biologische Kern bei Reich). Die Selbst-Psychologie scheint diesen Begriff dann wohl von Nietzsche übernommen zu haben …

Peter: Anfang des 19. Jahrhunderts hat Stirner die Theologie, die besagt, daß man Gott durch Festlegungen nicht dem Menschen verfügbar machen kann, radikal umgekehrt: ICH bin nicht verfügbar – „habe meine Sache auf nichts gestellt“, bin eigenschaftslos wie Gott. Am Ende des Jahrhunderts war der Bezugrahmen nicht mehr theologisch bzw. antitheologisch, sondern biologistisch: „Ich bin eine wilde Bestie“, d.h. nicht domestiziert – aber ich habe jede Menge „positive“ (definierbare) Eigenschaften.

Erik Jan van Hanussen: Naja Alice Miller hat Adolf Hitler unter die Lupe genommen mit Biographien die auf undurchsichtigen Quellen beruhen.
So ist von der Nekrophilie Hitlers die Rede, der sich gern unter scheissende Frauen gelegt hat und der den Orgasmus bekam wenn er mit Tritten penetriert wurde. Die Quelle ist der damalige englische Geheimdienst OSS.
Den Werdegang von Hitler logisch zu erklären schafft niemand, warum hat er denn während des 2. Weltkriegs jeden Tag das eiserne Kreuz getragen was ihm von einem jüdischen Offizier überreicht wurde? Warum hat er Amerika den Krieg erklärt zu einem Zeitpunkt wo man sich vor Moskau zurückzog?
Vielleicht wurde ihm ja wirklich der Zippedäus von einer Ziege abgebissen sowie es ein Mitschüler aus Leonding später an der Ostfront erzählt und deshalb vom NS-Gericht zum Tode verurteilt wird. Man kann und wird es wohl niemals begreifen.

Peter: Was Hitler letztendlich angetrieben hat, ist ziemlich gleichgültig, Vielleicht war es ja die lange Linie von Inzucht, aus der er hervorgegangen ist. So wie der süße „reinrassige“ Familienhund, der aus heiterem Himmel zur Bestie wird und von der Polizei erschossen werden muß. Wichtig ist nur, daß solch ein Individuum nur wirksam wird, „wenn seine persönlichen Anschauungen, seine Ideologie oder sein Programm am die durchschnittliche Struktur einer breiten Schicht von Massenindividuen anklingt“ (Massenpsychologie des Faschismus, S. 53). Meines Erachtens war dies bei Hitler seine widersprüchliche Doppelstruktur: einerseits das Feige und Beharrende (ein unglaublich willensschwacher Mann, der keine Entscheidungen traf = die Panzerung) und andererseits das Treibende, Kompromißlose (die radikalsten Lösungen wurden jeweils bewilligt = die aufgestaute Energie will RAUS). Das treibt die Massen bis heute: eine alles erstickende feige reaktionäre Indolenz hier und doch der Traum von Glorie, revolutionärer Rache und Befreiung da. Man schaue sich doch die zahllosen heimlichen bis unheimlichen Hitler-Fans im Internet an: sie glauben heroisch gegen den Zeitgeist anzukämpfen, doch tatsächlich verkörpern sie diesen wie kaum welche.

Tzindaro schrieb 2016: Hitler was not unusual. His attitudes toward Judaism was close to the Central European norm, in a tradition going back centuries. Look at the anti-semitic writings of Martin Luther for example. Anyone writing such things today would be arrested for volkverhetzung.
The anti-semitic teachings of the Catholic church over hundreds of years set the stage for the extermination of the Jews. If there was any single root cause of Nazism, that was it. Hitler and almost all the Nazi leadership were brought up in the church and instructed in it’s teachings. They remained church members in good standing throughout their lives. In fact, when they had lost the war, many Nazis were helped to escape by the church, which hid them in monasteries and got them safe passage to South America, where they were granted refuge at the request of the Vatican.
Seen from the long viewpoint of history, Nazi anti-semitism was only the latest outbreak of the long-term program of the Catholic Church to rid Europe of the main competing religion. Nazism, like Lutheranism, was only a sect of the Christian culture that created it.
Fortunately, Europe since the war has rejected religion of all kinds and embarked on an experiment: the first truely secular society in history. An agressive secularism, following the French model, is the best hope of avoiding any future holocausts.

Robert schrieb 2011: Der Hinweis auf Rainer Zitelmann war mir neu. Bei Wikipedia steht etwas über ihn.
Ich frage mich, ob Theleweits „Männerphantasien“ ebenfalls durch Reich angeschoben wurden und ob es neben Zitelmann noch weitere Geisteswissenschaftler gibt, für die Reich den Anstoß gab.

Robert weiter: Diskussion „Hitler Heute“ von 1995 mit Rainer Zitelmann:

Manuel 2011: Die widersprüchliche Persönlichkeitsstruktur Hitlers, die Wilhelm Reich treffend mit den Worten charakterisiert: „Rebellion gegen die Autorität mit gleichzeitiger Anerkennung und Unterwerfung“ lässt sich nur durch die Kindheitssituation Hitlers erklären: Als Kind eines brutalen, sadistischen (usw.) Vaters muss man sich auflehnen und rebellieren um als eigenständiges Wesen zu überleben, gleichzeitig muss man seine Autorität anerkennen, ihn lieben und bewundern, sonst könnte man als KIND emotional (und manchmal auch physisch) nicht überleben.

O.: Rainer Zitelmann scheint Hitler positiv als „Revolutionär“ zu verstehen (Wikipedia) und kann seine Begeisterung auch in der Gesprächsrunde kaum unterdrücken, zumindest passt sein Bart zur inneren Haltung, von der er sich wohl frei glaubt. Ein 25-jähriger Zuschauer betitelt ihn als „mother fucker“, da er Frau M. Mitscherlich aufdringlich widersprechen muss und stellt die interessante Frage, die nicht beantwortet wird: Ob die Deutschen nicht Hitler gegen Ende des Krieges darüber getäuscht haben, dass sie noch hinter ihm stehen würden und vielmehr boykottieren würden?
Die Reduzierung von des deutschen Faschismus auf Hitlers Wahn und die Vernichtung der Juden, wie es in dieser Sendung Tenor ist, verkennt, dass die Basis für einen neuen Faschismus weiter existiert. Um meine Oma zu zitieren: „Hitler war nicht verkehrt, nur das mit den Juden, hätte er nicht machen sollen.“ Hitler hat begeistert und fasziniert und die damalige „deutsche“ Jugend in seinem Sine erzogen, ein Erbe, dass weiter besteht. Insbesondere bei den Arbeitern konnte er Punkten … und seine SA/SS-Terrorherrschaft ausbauen.
Wo Bildung fehlt – wie heute – wird Faschismus geschaffen, an Führer/innen fehlt es nicht. Nur ein neues Feindbild müßte her …
Da der Mut fehlt, W.R.´s Massenpsychologie des Faschismus zu verstehen, gibt es kein Jenseits des Faschismus. Er lebt in den autoritären Gesellschaftsstrukturen weiter und Hitler-Analysen sind Heucheleien.
Hitler war „nicht“ wahnsinnig, sondern hat den üblichen Wahnsinn auf die Spitze getrieben und ihn benutzt. Er hat den Faschismus in der „Demokratie“ entlarvt, in dem er den Faschismus offen ausgelebt hat. Dass er nicht siegreich war, verdanken wir nicht einem „deutschen Widerstand“ (des Militärs) – sondern seiner Dummheit, stets den größten Unsinn zu verzapfen. Wäre er nur ansatzweise genial gewesen, nicht auszudenken, wo wir jetzt leben würden.
Dennoch wird ihm nachgeeifert aller Orten.
Ob Reich hier die (einzig) richtige Antwort gefunden hat, ist schwer zu sagen, doch es ist ein Anfang, die Sache zu verstehen.

Robert: Um meine Oma zu zitieren: „Hitler war nicht verkehrt, nur das mit den Juden, hätte er nicht machen sollen.“
Jede Zeit hat ihre Mythen und heutzutage wird geglaubt, unsere Urgroßeltern wären alle verführte Trottel gewesen, die einem geisteskranken Schreihals hinterherrannten. Womöglich wird man ebenso in 70 Jahren unsere heutige Überzeugung als Unsinn entlarven.
Meiner Überzeugung nach besteht das Problem mit M. Mitscherlich mit ihrem Psychologismus, der bar der Fakten Psyche erklärt. Das Gleiche passt übrigens zu Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“ von 1933, die geprägt ist von Reichs kommunistischer Ideologie, die letzlich die eigene Position als Selbstverständlich voraussetzt.
Bei den letzten freien Wahlen waren immerhin 60% der Wähler gegen Hitler, also schneiden unsere Vorfahren gar nicht so schlecht ab. Verwechselt werden heutzutage ständig Volksabstimmungen über Gebiete mit Parlamentswahlen.
Meiner Erfahrung nach ist historisches Faktenwissen zur damaligen Zeit sehr gering. Da liegt der Hang zum Psychologismus nahe.

Manuel: „Hitler war nicht verkehrt, nur das mit den Juden, hätte er nicht machen sollen.“
Ja, so ähnlich habe ich das auch schon öfter von Menschen dieser Generation gehört. Mir scheint, daß ausser einzelnen Perversen kaum jemand in Deutschland die „Endlösung“ wollte – trotz allgemeinem (latenten) Antisemitismus. Ohne Hitler hätten wir einen „ganz normalen“ Faschismus gehabt, so wie in Italien, Spanien etc.
Der Verlauf des Krieges und die Obsession der Judenvernichtung zeigen, daß Hitler wirklich wahnsinnig war und nicht „bloß“ ein manipulativer politischer Stratege.

Robert schrieb 2011: Deswegen auch der irrsinnige Hass auf Sarrazin, der sich Gedanken über Genetik und Intelligenz gemacht hat. Für die linken „Antifaschisten“ soll es soviel Inzucht und künstliche Auslese Richtung Verblödung geben wie nur möglich.
https://i0.wp.com/www.spiegel.de/images/image-20024-panoV9free-ljud.jpg?zoom=2

O.: … Dann wäre die freie und selbstbestimmte Partnerwahl der „Wissenschaft“ geopfert und die Liebe hätte (auch wieder) keine Chance, so wie der Gutsherr, der bestimmt, welcher Knecht welche Magd ehelichen dürfe oder der Vater, der den Schwiegersohn für die Tochter aussucht, was wir ja in der muslimischen Welt noch so als Brauch haben. … „Schöne neue Welt“ – da war es doch ähnlich. Retortenkinder (ohne energetischen Zeugungskontakt), ausgesucht nach deren Erbmaterial.

O.: Was soll die Genetik hervorbringen?
Resistente und somatisch gesunde „Körper“? – Oder das Konstrukt, von dem wir glauben, jemand sei intelligent?
Demnach wäre Intelligenz vererbbar??? Darüber ließe sich trefflich philosophieren und, weiß Gott, streiten.
Mit der Intelligenz verhält es sich so, dass das gemessene IQ-Kontrukt (meist sprach- und kulturgebunden, sowie altersgebunden) eine Varianz um den Mittelwert 100 für die meisten Menschen misst (so ist der Test angelegt). Wer zwei Standardabweichungen drunter oder drüber liegt, bekommt einen auffallenden Wert, der klinisch interessant werden könnte, da er aus dem Rahmen fällt. Nun mag man sich freuen, wenn ein Kind einen höheren IQ nach HAWIK hat als 130, doch was sagt diese Intelligenz für die soziale Realität aus?
Das Kind ist „überbegabt“ (hochbegabt) und wird Probleme bekommen, die nur mit Soziapädagogik auszugleichen wären. Die wenigsten finden eine Nische, in der sie mit ihren einseitgien Fähigkeiten etwas anfangen können. Die meisten werden scheitern. Die Hochbegabung wird zur „quasi-geistigen Behinderung“, wie für jemanden der unter 70 IQ-Punkten liegt. Was nützt also das Geschwafel von der Intelligenz? Jeder normal Begabte hat die Möglichkeit sich besser zu entwickeln und dies hängt von sozialen und finanziellen Mitteln ab.
Hätte Hr. Sarrazin einen Bachelor in Psychologie und hätte die Vorlesung in Differenzielle Psychologie besucht, müssten die Leser nicht solch Laienwissen sich anhören, behaupte ich mal. Ebenso wird es sich mit seinen Genetikkenntnissen verhalten. Aber als Politiker reicht es ja meist nur fürs Jurastudium und dies behaupte ich mit Nichtwissen, wie es Juristen zu tun pflegen.

O.: Wer sich zum Thema Intelligenz noch mal „intelligent“ machen will, dem sei diese Seite empfohlen:
http://www.stangl-taller.at/TESTEXPERIMENT/testintelligenzwasistdas.html
Über Genetik steht da auch so manch amüsantes.

Robert: Ich habe mich schon als Jugendlicher mit der Kritik der IQ-Messung beschäftigt. Das Problem ist, die Literatur ist leider ideologische Pseudo-Wissenschaft. Während im Physischen jederman akzeptiert, dass es unterschiede gibt, soll es im geistigen nicht gelten. Klar ist es schwieriger, Intelligenz statt Renngeschwindigkeit zu messen, ohne Frage. Doch es funktioniert, sogar weltweit.. Man kann Japaner mit Afrikaner vergleichen usw. Die Unterschiede von Völkern, Rassen und Individuen anzuerkennen, heißt nicht automatisch, sie in schlecht oder gut einzuteilen.

Peter: Leute, die die „Gleichheit aller Menschen“ propagieren, vermeinen mehr Humanität zu verbreiten. In Wirklichkeit verbreiten sie Terror. Man denke nur an all die armen durchschnittlich, vielleicht sogar unterdurchschnittlich intelligenten Kinder, die von ehrgeizigen Eltern durchs Gymnasium gepeitscht werden. Früher hatte jedes Unterschichtkind normale Rechtschreib- und Rechenkenntnisse. Heute, wo wirklich alle Kinder mit hochwissenschaftlichen Methoden unterrichtet werden, bleiben die weniger intelligenten Kinder auf der Strecke und lernen gar nichts. Beispielsweise macht aus abstrakt mathematischer Sicht es wirklich Sinn mit der Mengentheorie anzufangen (weil die Menge fundamentaler ist als die Zahl) – mit der aber leider kein Mensch etwas anfangen kann, der nicht Mathematik studieren will.
Diese Gleichmache sind zutiefst inhuman. Es geht eh nur darum, daß SIE (die Gleichmacher) sich gut fühlen. „Ich bin kein Rassist!“

claus schrieb 2015:
“ […] manche Leute können einfach nicht genug kriegen von Hitler und Konsorten. Es bringt Bewegung in die erstarrten Glieder.“
Er ist das einzige, was alle Hauptschüler von deutscher Geschichte kennen. Und viele (alte Linke) behaupten immer noch, man laufe Gefahr, den NS nicht ausreichend zu behandeln. Was ja stimmt: Es fehlt Kontext – also Geschichte vor dem NS.

claus: Sehe gerade: „Neuheidentum“ auf dem mittleren Strang. Nee, das ist ähnlich wie Schuler, Wolfskehl, … eher schon etwas, das den NS auf einem Seitenstrang vorbereitet. Es ist einfach zu ästhetisch, träumerisch, versponnen. Man denke auch an Georges Maximin-Kult, der sicher sehr verwandt damit ist, und auch an den theosophischen Runenforscher, dessen Name mir nicht einfällt, …

Peter: Akif Pirincci und das faschistische Merkel-Regime: http://www.pi-news.net/2015/11/p489523/

Peter: Ja, die hege Bunte Republik ist eine Wiedergängerin des Dritten Reiches! Helldeutschland ist ein Terrorstaat, der quasi offiziell Mordaufrufe ausgibt!
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/helldeutsche_wirklichkeit_hass_hetze_brand

OR gegen DOR

14. August 2015

Wie Reich in Äther, Gott und Teufel (S. 133ff) ausgeführt hat, steht das Wort „Gott“ für den Oberbegriff aller moralischen Forderungen. „Gott“ hält den „Teufel“ in Schach – der Oberbegriff für die pervertierten Triebe. Des weiteren führt Reich aus, daß durch Stärkung der Moral Perversionen und Brutalität nur noch weiter zunehmen. Versucht man aber die Moral einfach in einem rebellischen Akt wegzufegen, wird durch das entstehende Chaos zwangsläufig eine noch stärkere und strengere Moral das letztendliche Resultat sein. So gesehen sind Gott und Teufel nur zwei Seiten ein und derselben Medaille.

In diesem Kontext ist von Interesse, daß der unmoralische Teufel des Christentums im ursprünglichen israelitischen Verständnis eine hochmoralische Funktion im Hofstaat von König Jahwe innehatte. Zum Beispiel wendet Satan gegenüber Jahwe ein, Ijobs Frömmigkeit beruhe nur auf dessen Selbstsucht (Ijob 1,6ff).

Gleichzeitig symbolisiert Gott den mystisch verzerrten Kontakt mit dem bioenergetischen Kern, der für den konservativen Charakter typisch ist. Dem (links-) liberalen Charakter ist der Kern prinzipiell unzugänglich. Er bleibt in der oberflächlichen, äußeren Fassade haften. Sein einziger „Kontakt“ mit Gott ist die „subversive Rebellion gegen den Vater (-Gott)“. Er identifiziert sich dabei teilweise ganz offen mit dem Teufel, der wie bereits gesagt die Sekundäre Schicht, die sekundären, perversen Triebe verkörpert.

Hier paßt, was Gerhard Zacharias vor drei Jahrzenten in seinem Buch über Satanskult und Schwarze Messen (Der dunkle Gott, Wiesbaden 1982) festgestellt hat:

Auffällig ist die Tatsache, daß viele Teilnehmer an den satanischen Riten Angehörige der höheren Gesellschaft und Intellektuelle sind. Der Grund dafür liegt vermutlich in der Tatsache, daß Menschen, die in besonderer Weise von den Quellen ursprünglicher Vitalität abgeschnitten sind, im Satanskult und in den mit ihm verbundenen Orgien den Zugang zu Erfahrungen elementarer Art suchen.

Zacharias verweist auch auf „die direkt-satanischen Züge in jener Subkultur, die sich seit der Entstehung der Hippie-Bewegung an der kalifornischen Küste im Sommer 1967 in vielen Formen fast weltweit verbreitete.“ Er erwähnt auch „satanische Einflüsse auf die erste Generation von Terroristen“ und auf „die satanischen Aspekte zeitgenössischer Sekten, vor allem der Jugendsekten.“

Wichtiger aber ist die Entwicklung seit 1968 (…) Die Protestbewegung, die in vielen Ländern aufflammte, vollzog sich zum Teil als sexuelle Revolution, deren Banner vor allem den Namen Wilhelm Reich trug.

Wilhelm Reich als Satanist! So muß er jedenfalls dem konservativen Charakter erscheinen. Schon sein Vorgänger Jesus wurde von den rechtgläubigen Pharisäern als mit dem Teufel im Bund stehend angegangen (Mk 3,22). Die abergläubischen Bauern baten diesen unheimlichen Mann, doch ihr Gebiet zu verlassen (Mk 5,1-20).

Auch heute noch muß für manchen Christen die Orgonomie unheimliches Teufelswerk sein. Wer sich mit den wogenden Lebensströmungen befaßt, muß in jedem Gläubigen Todesängste provozieren. Sein Gott hat ja die Welt geschaffen, indem er die Wellen des Meeres brach (Ijob 38,4 und 8-11). Dies entspricht der Panzerung, die die Strömung der Lebensenergie einschränkt. Nachdem die Lebensenergie unter der Panzerung entartete, packte Jahwe „den Drachen, die alte Schlange, die auch Teufel und Satan genannt wird, und fesselte ihn“ (Offb 20,2). Wehe, diese Fessel wird wieder gelöst…

Auf die Verdächtigung der Teufelei erwiderte Jesus:

Jede Sünde kann den Menschen vergeben werden und auch jede Gotteslästerung. Wer aber den Heiligen Geist beleidigt, für den gibt es keine Vergebung, denn er ist auf ewig schuldig geworden. (Mk 3,28f)

Es geht ganz einfach darum, streng zwischen den primären und sekundären Trieben zu unterscheiden, die unter keinen Umständen miteinander verquickt werden dürfen.

Genauso wie Jesus will auch die Orgonomie „böse Geister austreiben“.

In der Sprache des wahren Christen würde man – ohne mystisch zu werden – sagen, daß der „Teufel“ durch die Funktionen „Gott“ oder „Jesus“ ausgetrieben wird. Ich drücke mich absichtlich auf diese Weise aus, um den Leser davon zu überzeigen, daß große Wahrheiten in derartigen religiösen Lehren stecken, auch wenn sie durch das gepanzerte Menschentier entstellt worden sind. (Äther, Gott und Teufel)

Dies schrieb Reich 1947, als er noch davon ausging, daß das „Böse“ genauso wie auch die Panzerung nicht wirklich in der Natur verankert ist, sozusagen nicht zur „Wirklichkeit“ gehört. Oder, um mit dem irischen Gelehrten des 9. Jahrhunderts, Eriugena zu sprechen, das Böse wurde von Reich als „substanzlos“ betrachtet. Dann kam aber nach 1951 mit dem katastrophalen Ausgang des ORANUR-Experiments und der daran anschließenden Entdeckung des DOR der große Umbruch in Reichs Denken. Der Teufel war wirklich. Das Böse brach wortwörtlich ins Paradies ein. Die schwarzen Wolken ziehen auf:

Im November 1961 veröffentlichte der Psychologe Charles Kelley, ein Schüler Reichs, in seiner Zeitschrift Creative Process eine Kritik an Reichs Auffassung, die dieser in Die kosmische Überlagerung dargelegt hatte, der Ursprung der Panzerung liege im Wechselspiel zwischen Bewußtsein und Orgasmusfunktion. Der Mensch sei sozusagen „gestrauchelt“, als er sich erstmals seiner selbst bewußt wurde und sich den orgonotischen Strömungen ausgeliefert sah. Die Frage bleibt dabei schlicht unbeantwortet, warum und wovor der Mensch es denn eigentlich mit der Angst kriegen sollte, gegen die er sich dann abpanzerte. Reichs Theorie mag anregend sein, erklärt aber so gut wie nichts, zumal Reich selber sie nicht weiter verfolgt hat und sie in seinem Oeuvre sehr bald durch die Vorstellung verdrängt wurde, die Panzerung ließe sich auf die abtötende Wirkung von atmosphärischem DOR zurückführen. Kelley ließ durchblicken, daß er sich dieser letzteren Theorie als einzig stimmiger anschließt.

Charakteristischerweise verwarf Kelley einige Jahre später sowohl die „DOR-Theorie der Panzerung“ als auch gleich Genitalität und Orgonenergie und fand seine Erklärung für die Panzerungsgenese in der Psychologie. Panzerung sei durch den Mechanismus der willentlichen Aufmerksamkeit und Kontrolle bedingt, der in der Evolution neu sei, weshalb wir ihn mühsam erlernen müßten, ohne uns abzupanzern. Kelley kehrte also in abgewandelter Form zu Reichs ursprünglicher Auffassung zurück – mit dem Anspruch von „Originalität“.

Auf ganz ähnliche Weise verdrängte der italienische Reichianer Luigi DeMarchi das DOR, wobei er in seinem Buch Der Urschock (Darmstadt 1988) ebenfalls von einer Kritik an Reichs erster Theorie ausgeht, die er so darstellt, als sei sie Reichs letztes Wort gewesen. Für DeMarchi liegt der Ursprung der Panzerung im „existentiellen Urschock“, den die ersten Menschen erfuhren, als sie sich ihrer eigenen Sterblichkeit bewußt wurden. Reich habe die Sterblichkeit verdrängt. Dabei erwähnt DeMarchi an keiner Stelle Reichs Konzept einer „Todesenergie“ (DOR).

Man gewinnt den Eindruck, daß Kelley und DeMarchi ängstlich vor etwas flohen, was auch mit ihrer Leugnung der Genitalität verbunden sein muß. In seinem Aufsatz „Die emotionale Wüste“ (Ausgewählte Schriften) wies Reich 1955 auf den „wohlverborgenen Haß“ gegen jeden hin, „der auf die Existenz einer tödlichen, übelriechenden DOR-Energie hinweist“ und auf „die grundsätzliche Neigung, alles, was mit Genitalität, dem System der Energieentladung, zu tun hat, zu ‚verbergen‘.“ Diese Verdrängung sei Ausdrucksform der grundlegenden Tatsache, daß das DOR im eigenen Organismus selbst zum Preis des Todes verborgen werden muß.

Reich denkt dabei an die „negative therapeutische Reaktion“, die einst Freud dazu veranlaßte den „Todestrieb“ zu postulieren. Anders konnte Freud sich nicht erklären, warum Patienten wirklich alles tun, wirklich alles in Kauf nehmen, nur um nicht zu gesunden, nur um nicht leben zu müssen.

Es fängt damit an, daß man keine Fremden anspricht, weil man Angst davor hat, mit der eigenen Unbeholfenheit konfrontiert zu werden. Es ist letztendlich die Angst davor mit dem eigenen DOR in Kontakt zu kommen.

Kurioserweise versinkt man bei dieser „Taktik“ erst recht zunehmend im DOR, so als gäbe es Freuds ominösen „Todestrieb“ tatsächlich. Es sei etwa an „Gruftys“ erinnert oder an Drogenabhängige. Was sie tatsächlich fliehen, ist die bioenergetische Reaktion, die mit dem Kontakt von ORgon und DOR einhergeht. In einer Art „Entzündung“ wird das DOR sequestriert, was mit einer ungeheuren Erregung des OR verbunden ist. Es ist diese orgonotische Erregung, letztendlich die Genitalität, die wir mit allen Mitteln fliehen. Deshalb meiden die Menschen instinktiv die Orgontherapie. Und wenn sie doch in Orgontherapie sind, tun sie alles, um dieser Erschütterung zu entgehen. Gegebenenfalls schreiben sie Essays wie Kelley und DeMarchi.

Das Elend dieser Welt hängt nicht damit zusammen, daß wir irgendwie fehlerhaft konstruiert sind und unser Bewußtsein mit der Wirklichkeit nicht zurande kommt, sondern damit, daß wir darauf konditioniert wurden uns im sozusagen „emotionalen Sumpf“ einzurichten. Wir erleiden lieber unzählige kleine Schmerzen, als daß wir uns dem großen Schmerz aussetzen, der damit verbunden ist, uns dem Leben zu stellen. Beispielsweise versinken wir lieber in der Agonie der Einsamkeit oder einer festgefahrenen Beziehung, als auf die Frau zuzugehen, in die wir uns verliebt haben.

Das, diese Angst des Rigiden und Abgestorbenen vor dem pulsierenden Leben durchzieht alles. Es treibt ganze Nationen an.

Während des Franquismus war das Motto der spanischen Fremdenlegion „Viva la muerte!

Es lebe der Tod, da, um mit Mussolini zu reden, der Tod die Voraussetzung der Wiederauferstehung ist. Der Widerauferstehung im Mythos. Der Tod überwindet die Zumutungen des Organischen (Pulsierenden!). Frei nach Marinetti wird das Reich des Organischen vom Reich des Maschinellen abgelöst.

Der Spiegel faßt den Futurismus denkbar knapp zusammen:

Sie waren Prediger einer brutalen Avantgarde: Vor 100 Jahren veröffentlichten die Futuristen ihr Manifest – sie liebten den Tod, das Tempo, Maschinen. Sie haßten Frauen und das Establishment. Wortführer Tommaso Marinetti wurde Mussolinis Kulturminister – und kämpfte für Hitler vor Stalingrad.

Die Wirkung des DOR auf dem sozialen Schauplatz hat mit unübertrefflicher Prägnanz J.P. Stern erhellt, als er sein Buch über Hitler mit der Bemerkung abschloß, er habe genügend Beweise dafür genannt, daß „nicht Eroberung, sondern blinde Vernichtung“ Hitlers Ziel gewesen sei.

Dies – und nicht irgendeine heroische Selbstbehauptung, nicht einmal die Aussicht auf materiellen Gewinn – war das Geheimnis, das seine Anhänger an ihn band; und nicht nur seine Anhänger. Auf diesem heimlichen Einverständnis beruhte seine Karriere. (Der Führer und das Volk, München 1978, S. 209)

Getreu dem Nibelungenmythos siegte man im Untergang, indem der eigene Opferwille unter Beweis gestellt wurde. Den Feind mit in den Untergang zu reißen, komplementiert den Triumph. Schon während des Ersten Weltkrieges soll Clemenceau, Thomas Mann zufolge, gesagt haben:

Die Deutschen lieben den Tod. Sehen Sie ihre Literatur an! Sie lieben im Grunde nur ihn.

Mit dem Langemarck-Mythos galt es die Westmächte genauso einzuschüchtern wie es heute die islamischen Gotteskrieger versuchen: „Ihr liebt das Leben und wir lieben den Tod“, bekundeten Dschihadisten im Bekenner-Video zum Attentat von 2004 ausgerechnet in Madrid.

Wenn man Mohammed liest, vermeint man die Stimme Himmlers zu hören:

Töten ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, daß euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, daß euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Allah weiß es, doch ihr wisset es nicht. (Sure 2:216)

Das führt direkt zum heutigen Islamismus:

1938 erschien Al-Bannas Werk „Die Todesindustrie“, in welchem die Abwendung vom Leben radikalisiert und die Verherrlichung des Märtyrertums entfaltet wird: „Derjenigen Nation, welche die Industrie des Todes perfektioniert und die weiß, wie man edel stirbt, gibt Gott ein stolzes Leben auf dieser Welt und ewige Gunst in dem Leben, das noch kommt. Die Illusion, die uns gedemütigt hatte, besteht in nichts anderem als der Liebe zum weltzugewandten Leben und dem Haß auf den Tod.“).

Die gleiche „Todesverherrlichung“ manifestierte sich z.B. im japanischen Kamikaze-Kult, der die Amerikaner wirklich in Angst und Schrecken versetzte – und die Atombombe unausweichlich gemacht hat. Ich habe mich damit in meiner Besprechung von Hitler, Buddha, Krishna beschäftigt.

So könnte ich mit beliebig vielen anderen Beispielen fortfahren, ohne jemals den ganzen Gehalt des funktionellen Gegensatzes von OR und DOR ausschöpfen zu können!