Posts Tagged ‘Erbsünde’

Blogeinträge Mai/Juni 2012

21. November 2017

Charles Konias Orgonsoziologie. Angesichts des gestrigen Beitrags zur Ökonomie möchte ich insbesondere auf seinen Blogeintrag „Wieso ‚Konjunkturpakete‘ nicht funktionieren“ verweisen:

Blogeinträge Mai/Juni 2012

  • Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Christentums
  • Wieso „Konjunkturpakete“ nicht funktionieren
  • Kommunismus/Sozialismus ist der Krebs des Gesellschaftskörpers
  • Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Liberalismus
  • Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Konservatismus
  • Der schwindende Kern-Kontakt bei den Menschen
  • Das Robin-Hood-Syndrom
  • Eines der Hauptsymptome eines emotionell pestkranken Charakters
  • Die Auswirkungen der sozio-politischen Rotverschiebung auf das Denken der Menschen

 

Kommentar zu „Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Christentums“:

Robert (Berlin) schrieb 2013:

Dieser Artikel ist ausgesprochen gut, leider aber sein Lösungsansatz sehr utopisch. Das deswegen, weil durch den Einbruch der islamischen Pest seine Lösung immer unwahrscheinlicher wird, abgesehen auch davon, dass es nie genügend Therapeuten geben wird. Man müsste eine freie „Insel“ schaffen, diese gut schützen und darin ungepanzerte Kinder aufwachsen lassen (unter der Aufsicht von Orgontherapeuten) und diese erziehen dann wiederum als Erwachsene weitere ungepanzerte Kinder.

O.:

„Die Emotionelle Pest ist eine medizinische Erkrankung und muß wie jede andere Infektionskrankheit behandelt werden.“ (laut Konia)
Dies würde sagen, EP sei keine psychische Erkrankung und könne nicht mit Psychotherapie behandelt werden.
Daher mein Gegenargument: Emotionelle Pest ist eine psychische Erkrankung und muss mit Psychotherapie behandelt werden.
Genauer betrachtet ist sie aber ein soziales Phänomen einer Masse psychisch Kranker (definiert nach Reich). Mit Einzeltherapie wird dem keiner beikommen können. Vielleicht wäre eine Kombination aus Grupen- und Einzeltherapie sinnvoll?
_______________
@ Robert: Ich möchte nicht auf der Insel leben, wo Orgontherapeuten die Aufsicht haben.

Zu „Wieso „Konjunkturpakete“ nicht funktionieren“:

David:

Die wirtschaftlichen Empfehlungen von Seiten der politischen Rechten, verantwortungsvolle Haushaltspolitik durch Ausgaben- und Steuerkürzungen und den Markt sich selbst regulieren lassen, kommt den aktuellen wirtschaftlichen Problemen der gepanzerten Menschheit näher als all die „Lösungen“ der heutigen linken Ideologen.

Richtig, die Deregulierung ist im Prinzip großartig.

Jedoch: de facto wird einseitig zugunsten der Konzerne und Firmen dereguliert, während – gegenwärtiger Berichterstattung zufolge – etwa ein Mini-Jobber sich mit Vertragswerken konfrontiert sieht, die bis oben voll gestopft sind mit Klauseln zugunsten des Stärkeren – für ihn gibt es also nicht weniger, sonder mehr Regulierung!

Das, was ich „Bürokratie westlichen Typs“ nenne, breitet sich immer mehr aus.

Knebelverträge nennt man sowas umgangssprachlich.

Es gibt – unter der Vortäuschung von Deregulierung von konservativer Seite her – eine gewaltige Verschärfung der Regulierung.

Und was kann Mann / Frau sonst machen, als sich verschärft ausbeuten zu lassen??

Mann / Frau braucht ja unbedingt das wenige Geld.

Diese ganze Freiheitsideologie und Dereguliererei ist genau so ein Lügengebäude wie der Marxismus, nur in entgegengesetzter Richtung .So sehe ich das.

David

—-

Übrigens hat der Autor dieser Zeilen online beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, die Leiharbeit – so genannte „Zeitarbeit“ – zu verbieten und unter Strafe zu stellen.

Auch als es die noch nicht gab, konnten dennoch die Firmen auf Auftragsspitzen reagieren:

Sie mussten eben zu den Treffpunkten der Gelegenheitsarbeiter gehen, wie etwa bei Haltestelle „Brendle“ am Stuttgarter Großmarkit, wo auch die „Servis“ des Arbeitsamtes war – die es heute nicht mehr gibt, und sie mussten sich dort Leute holen.

Das war keine Zeitarbeits-Einrichtung, sondern eine Vermittlung, d.h. der Arbeiter wurde nicht verliehen sondern vermittelt. Das muss wieder eingeführt werden.

Es ging also ohne weiteres, nur war es für die Firmen nicht so bequem.

Für die Firmen gab es auch nicht die Haftungs-Abwälzung, die man heutzutage um jeden Preis will – vielleicht wegen der amerikanischen Unsitte, dass übermäßig hoher Schadenersatz-Prozesse üblich sind.

Zu „Kommunismus/Sozialismus ist der Krebs des Gesellschaftskörpers“:

Robert (Berlin):

Ein anderer Krebs ist der Überwachungsapparat, der immer gigantischere Züge annimmt

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/steve-watson/senator-rand-pauls-botschaft-an-obama-genug-ist-genug-wir-wollen-unsere-freiheiten-zurueck-.html

David:

Wie bitte?

der Verzicht auf Rückzahlung der Darlehen für College-Studenten …

dieser Verzicht soll schlecht sein??

Hiermit bezieht sich Konia meines Erachtens auf eine Gesetzes-Änderung, die es erlaubt, von den Studienkredit-Schulden im Falle einer Privatinsolvenz genau so befreit zu werden wie von anderen Schulden auch.

Vorher waren Studienkredit-Schulden von der Privatinsolvenz ausgenommen, das heißt sie mussten auf jeden Fall bedingungslos – und mit Zins und Zinseszins – bis zum letzten Cent zurückgezahlt werden.

Bekanntermaßen stehen die jungen Menschen in Nordamerika – gehört habe ich es von Kanada aber USA ist vermutlich genauso – unter einem GEWALTIGEN sozialen Druck – verschuldet durch die Bildungs-Inflation die wiederum auf das Konto des Modern-Liberalen Charkters geht und zwar:

Kein College-Abschluss – keine Arbeitsstelle.

Die Personalchefs wollen College-Abschlüsse sehen heutzutage.

Glaubt hier etwa immer noch irgend jemand, dass die jungen – nicht besonders privilegierten – Kanadier und US-Bürger sich zum Spass so hoch verschulden??

Und wie könnte man die Bildungs-Inflation wieder zurückdrehen?

Robert (Berlin) schrieb 2016:

Gulag – Der lautlose Tod

GULAG – DER LAUTLOSE TOD
Kriegsdrama von Waris Hussein aus dem Jahr 1982.
Mit: John Savage, Willie Nelson, Francesca Annis, Ben Cross
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

INHALTSANGABE:
Als Abenteurer geht er nach Russland, wo er drei Jahre verbringen wollte. Doch Victors Leben wird zum Drama. Als angeblicher Spion verhaftet und in eine überfüllte Zelle eingesperrt, will man den amerikanischen Staatsbürger zu einer Unterschrift zwingen. In endlosen Verhören wird er brutal zusammengeschlagen und Tag für Tag fast leblos in das feuchte Rattenloch zurückgeschleift … bis er endlich unterschreibt sein eigenes Todesurteil. Denn die Antwort heißt 10 Jahre Gulag zehn Jahre lautloser Tod. Nur sein ungebrochener Stolz gibt dem US Bürger die Kraft, die grausame Zeit der Quälerei in Kälte und Eis zu überleben. Ausgezehrt und entkräftet wird Victor in ein abgelegenes Dorf verbannt. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten. Ständig überwacht und kontrolliert, findet sein kurzes Glück mit einer jungen Frau aus dem Dorf über Nacht ein jähes Ende. Russische Soldaten holen ihn ab und verschleppen den von Folter gekennzeichneten Mann in den Norden Sibiriens. Victors Alptraum beginnt erneut…

Zu „Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Liberalismus“:

Robert (Berlin) schrieb 2013:

Ein bestechender Artikel zu Obama

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_gott_der_keiner_war

O.:

Was unterscheidet Obama von seinem Vorgänger: Eigentlich nur seine vielen (falschen) Versprechen … ansonsten führt er im Einklang mit allen anderen Präsidenten die gleiche (eben konservative) Politik fort.
Seine Fassade scheint einem „liberalen Charakter“ entsprechen, sein Handeln ist „konservativ“. Wie seine Vorgänger spielt er eine Rolle, die des Präsidenten. Ihn als liberal-kommunistisch zu titulieren ist sicherlich eine gute Beleidigung für Linke, aber er tut was Globalisten tun. Hier blicke ich eher auf das Verhalten, woraus ich keinen liberalen Charakter ableiten würde. – Es mag ja sein, das ich hiervon auch gar nichts verstehe.

Zu „Aus der Geschichte der Emotionellen Pest: Die Lösung des Konservatismus“:

Robert (Berlin):

Im schwarzen Faschismus müsste es dementsprechend auch pseudo-konservative Typen aus der roten Ecke gegeben haben; sozusagen alles spiegelbildlich.

David:

Goebbels?

Robert (Berlin):

Ich merke gerade, dass ich quatsch geschrieben habe. Der Pseudo-Konservative wäre ja der schwarze Faschist, der in der Demokratie „als ob“ auf Konservativ macht, wenn der Trend zum Rechten stark ist. Das wären dann Konservative, die z.B. in der Weimarer Republik im Stahlhelm oder ähnlichem gewesen ist. aber in Wirklichkeit nur auf dem Nationalsozialismus warteten.

O.:

Konias späte Konstruktion des konservativen Gutmenschentum mag nachkommende Generationen überzeugen und ablenken von dem 80er Globalisierungskapitalismus (der nichts mit den Linken zu tun hatte). Hierzu haben die Konservativen geschwiegen und rein gar nichts gemacht, sie haben abgewartet oder Beifall geklatscht als Typen wie Schröder ihre Politik auch noch reaktionär übertrafen.
Konservative haben in den 60- bis 80-er gegen den Kommunismus gewettert mit Parolen „Lieber tot als rot!“.
Wer jetzt „aufsteht“ und eine konservative „Revolution“ fordert, hat den Zug lange verpasst und sorgt dafür, dass alles so weiterläuft. „Linke Geister“ werden beschworen, konstruiert, in Szene gesetzt und von „Konservativen“ neu geschaffen. Jedes Aufbegehren (z. B. gegen Globalisierung und für mehr Basisdemokratie oder Arbeitsdemokratie, für eine leistungsgerechte Bezahlung) wird in die linke Ecke gestellt. So wird sich nichts ändern, die Bevölkerung bleibt gespalten, gelähmt und nehmen ihr Schicksal nicht in die eigene Hand. Alle Selbstregulationsansätze fallen bei Konia unter die „linke Fahne“ und somit wird die emotionelle Pest weiterregieren, die sich Konia eigentlich wegwünscht.
Ich habe mir den Beleg erspart, wonach es in den 70ern eben keine „anti-autoritäre“ Entwicklung gab und die Konservativen zweifelsohne alles im Griff hatten. Mit dem Chaos kämpfen wir heute.
Ich glaube nicht, dass wir mit einer erneuten politisierenden Rechts-Links-Debatte ein Problem lösen werden, wir entfernen uns von jedem arbeits-(demokratisch-)orientierten Ansatz.
First of all – no politics.

Zu „Das Robin-Hood-Syndrom“:

David:

Zitat aus New York Times:

Was jetzt gebraucht wird, ist noch mehr Unterstützung, einschließlich Ausgaben der Zentralregierung für Bildung und öffentliche Bauvorhaben zur Schaffung von Arbeitsplätzen …

Und es wird – im Entwicklungshilfesektor – immer mehr in Ausbildungsplätze gesteckt, deren Fehlen jedoch nicht das Hauptproblem ist.

Zitat Muhammad Yunus, Die Armut besiegen, S. 139:

Die politischen Entscheidungsträger, die internationalen Berater und viele NGO … glauben, die Menschen seien arm, weil es ihnen an Kenntnissen mangle. Ausgehend von dieser Annahme leiten sie Maßnahmen zur Armutsbekämpfung ein, in deren Mittelpunkt umfassende Ausbildungsprogramme stehen

… dass die meisten Experten gute Absichten verfolgen. Sie geben der Ausbildung den Vorzug, weil sich diese Vorgehensweise folgerichtig aus ihren irrigen Annahmen ergibt.

Zitat Ende. Yunus relativiert dies ein wenig, indem er später sagt, dass doch Ausbildung in vielen Fällen hilfreich ist. Jedoch habe werde der Arme ausgebeutet, habe nicht die Möglichkeit, die Früchte seiner Arbeit selbst zu ernten, weil er dekapitalisiert ist. Er hat kein Kapital, das hat im Dorf nur der Zwischenhändler, Mittler, Geldverleiher, der dem Armen die Bedingungen diktiert.

Abgesehen von Aubildungsplätzen hat für Yunus auch das Schaffen von Arbeitsplätzen (Arbeitsstellen für abhängige Beschäftigung) nicht sehr hohe Priorität.

Zitat: Aber es ist falsch, anzunehmen, die Menschen müssten darauf warten, dass ihnen jemand einen Arbeitsplatz gibt,

Hervorhebung hier von mir, und weiter:

… die Menschen sollen zwischen verschiedenen Optionen wählen können, darunter abhängige und selbständige Erwerbstätigkeit.

… Der beschriebene Einschätzungsfehler geht mit einem weiteren blinden Fleck der herkömmlichen Wirtschaftstheorie einher. Gemeint ist die Annahme, das „Unternehmertum“ sei eine seltene Eigenschaft.

Den Lehrbüchern zufolge haben nur wenige Menschen das Talent, wirtschaftliche Chancen zu erkennen, und den Mut, ihr Kapital zu riskieren, um solche Chancen zu nutzen.

Zitat Ende, Hervorhebung von mir. Genau das hat man auch mir ein Leben lang immer gesagt.

… gibt man den Menschen geeignete Werkzeuge in die Hand, so werden die meisten von ihnen bereitwillig die Gelegenheit beim Schopf packen.

Zitat Ende.

Zurück aus der „Dritten Welt“ in unser Land zu unseren Hartz-Behörden.

Auch hier werden Bildungsprogramme groß geschrieben: die Abhängigen müssen gehorchen; immer noch eine Bildungsmaßnahme und immer noch eine (Blome / Augstein zufolge oft dieselbe mehrmals hintereinander), sonst ist ja die Stütze weg.

Einen Systemzusammenbruch möchte man fast wünschen. Erst dann können Zustände eintreten, in welchen die Armen (in Deutschland sind die Armen Relativ Arme) sich selber helfen können.

Zu „Eines der Hauptsymptome eines emotionell pestkranken Charakters“:

Robert (Berlin):

http://www.barack-obama-infos.de/

Zu „Die Auswirkungen der sozio-politischen Rotverschiebung auf das Denken der Menschen“:

O. schrieb 2014:

Welchen Beleg gibt es für diese Annahme: „Die Democratic Party in Amerika wurde in den 1960er Jahren, zu der Zeit, als sich die sozio-politische Rotverschiebung zutrug, von knallharten kommunistischen Charakteren unterwandert und erfolgreich übernommen.“?

Peter:

http://www.breitbart.com/Big-Journalism/2013/11/12/Horowitz-blasts-left-Heritage

Peter schrieb 2016:

Die Rotverschiebung hat mittlerweile selbst die CSU verfaßt, die heute in den wichtigen (!) Fragen eine linksradikale Haltung angenommen hat: http://www.pi-news.net/2016/01/csu-will-weitere-millionen-ins-land-lassen/

Wer die Blockparteien, die Volkszertreter, wählt, ist in meinen Augen ein Schwein!

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Peglau: Unpolitische Wissenschaft? (2013)

4. September 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Peglau: Unpolitische Wissenschaft? (2013)
 
 

2009 schrieb David: „Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche.“

… und besser als von den Kommunisten / Sozialisten, deren Bewegung wie ich glaube ebenfalls „abgebogen“ wurde. Nicht erst Stalin, schon Lenin verbreitete die Ansicht, die „Arbeiter“ seien dumm und sie selber, die Bolschewiki, seien ihnen intellektuell – „Kopf“ – weit überlegen, sie seien die Elite, sie müssten daher die Arbeiter führen, müssten ihnen das kommunistische Bewusstsein injizieren anstatt des gewerkschaftlichen „trade-unionistischen“ Bewusstseins, das sie von sich aus hätten.

Dazu Peter: Man muß noch weiter zurück bis zu den Quellen. Ich zitiere aus meinem Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie:

Nicht von ungefähr war „Zentralisation“ der Leitbegriff des Kommunistisches Manifests. Aus dem Wahn heraus der Geist, also ein Geist, könne alles überblicken, mußte sich logisch der Personenkult um das zentrale „Superhirn“ entwickeln (Marx, Lenin, Stalin, Mao, Castro, Abimael Guzman, etc.). Bereits in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie von 1844 sagt Marx in seinem typischen verquasten Stil, „der Kopf“ der „menschlichen Emanzipation“ sei „die Philosophie, ihr Herz das Proletariat“. „Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen (…) Die Philosophie kann sich nicht verwirklichen ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie“ (z.n. 26:93). Der „Masse“ fehle völlig, so Marx im Kommunistischen Manifest, die theoretische Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate ihrer Befreiung.

Das ist einer der Gründe, warum ich bei kommunistischer „Antifa“ säuerlich aufstoßen muß.

David: Theoretisch hatte z.B. Mao eine ganz gute Idee, nämlich die Sache mit den Dorf-Hochöfen. Eisen bzw. Stahl sollte dezentral hergestellt werden.
Tatsächlich ist dann etwas Unerwartetes geschehen. Es konnte nicht die gleiche Qualität hergestellt werden wie in den Stahl- und Hüttenwerken der Sowjetunion oder des Westens.
Hier kommen wir in ein Gebiet was möglicherweise allein mit der herkömmlichen Wissenschaft nicht so leicht erklärt werden kann. Gewisse Prozesse sind nur im Großen möglich, oder nur im Großen gelingen sie so gut wie wir sie kennen. So kann zum Beispiel Ammoniumnitrat im Labormaßstab nicht zur Explosion gebracht werden; es zerfällt bei Erhitzen LANGSAM zu Distickstoffoxyd (Lachgas). Dieselbe Reaktion aber trat in den zwanziger Jahren bei einem großen Chemieunfall bei der BASF explosionsartig ein.
Also muss jede / jeder, die / der die Welt verändern will, den Armen helfen will, usw., mit der Realität in Kontakt bleiben, wozu Kommunisten normalerweise nicht willens und vielleicht auch nicht fähig sind.
Eine Ausnahme mag vielleicht die Einführung der „Neuen Ökonomischen Politik“, das Wieder-Erlauben von privaten Kleinunternehmen durch Lenin sein. Offenbar begriff Lenin, dass mit einer reinen Zentralverwaltungswirtschaft eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und anderen wichtigen Dingen nicht möglich ist.
Wie, wann und warum die NEP wieder abgeschafft wurde, ist mir nicht ganz klar, ich glaube aber es ist noch vor Übernahme der Macht durch Stalin, also noch unter Lenin gemacht worden. Offenbar ging Lenins Bereitschaft, sich nach der Realität zu richten, wieder verloren.

Peter: Mao hatte auch die gute Idee, alle Vögel in Peking von den Roten Garden töten zu lassen. Seine Überlegung war, daß sie zu viel Getreide aufpicken. Ergebnis war eine Insektenplage. Reich hat gegen derartigen Wahnsinn sein Konzept der Arbeitsdemokratie gesetzt: jene Leute bestimmen, die wirklich im Arbeitsprozeß drinstecken und deshalb abschätzen können, was passieren wird, wenn man eine Maßnahme ergreift. Lenin hat die NEP durchgesetzt, und die Maoisten haben später entsprechendes getan, weil das Land schlichtweg vor dem ökonomischen Kollaps stand. Man hat die Fachleute (die „Kapitalisten“) wieder gewähren lassen – und dann nach getaner Arbeit erschossen. Das wird in China und im modernen Rußland nicht mehr geschehen, vielmehr geht das ganze System in einem undurchdringlichen Gewirr von Wirtschaftskriminalität auf.

Robert 2013: Gustav Hans Graber war später einer der Pioniere der pränatalen Psychologie, er vertrat so etwas wie eine Misch-Typenpsychologie von Jung und Freud. Seine Bücher sind heute noch lesenswert.

O.: Das „Fremde“ muss hier wohl eher als „Nicht-Ich“ als identifiziertes Elternteil aufgefasst werden und das Selbst soll diesen Teil des Ich abspalten. Das wäre inhaltlich an der Charakteranalyse orientiert mit einem anderen Lösungsansatz als Reich es vorschlug. –
Das Selbst könnte den Kern „psychisch repräsentieren“. Das wäre natürlich alles nur Psycho-Gefasel, aber immer hin an Reich angelehnt.

David 2013: Kontaktlosigkeit – ist da auch folgendes gemeint:
Wenn beispielsweise ein Vater befürchtet, er könne vielleicht auf seine Tochter einen inzestuösen Übergriff begehen – oder falls er tief unbewusst soger wünscht, das zu tun, könnte es dazu kommen, dass er jede, auch jede anständige freundschaftliche Berührung der Tochter vermeidet.
Der Schweizer Arzt Samuel Widmer hat über diese Dinge geforscht und er hat das den „Ehrbaren Inzest“ genannt. Samuel Widmer ist auch als Halluzinogen-Forscher bekannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Widmer#Das_Inzest-Tabu

O.: Welches Problem hinter einem „Inzestwunsch oder -gedanken“ steht, wird regelmäßig unbeachtet gelassen oder nicht erkannt.
Hier wird zumindest einmal Freuds (für mich) falsche These des Ödipuskonfliktes richtig gestellt. Nicht die Tochter begehrt den Vater, sondern umgekehrt.
__________________
Konia folgt dem Tenor der „modernen“ Körperpsychotherapeuten, die eine Zunahme der frühen Ströungen zu erkennen glauben. Letztere begründen dies mit ihrerer „Narzissmustheorie“, Konia mit „Kontaktlosigkeit“ (ouklare Blockierung).

Sebastian 2013: Helmut Dahmer wiederholt seit Jahrzehnten seine fruchtlose Kritik. Das Einzige, was er zu sagen hat, ist, dass Reich weder Freud noch Marx ist, was Reich aber selbst stets betonte. Worin liegt also der Erkenntnisgewinn seines Schreibens? Zudem stellt er die Theorie Reichs negativ dar, ohne sich auch nur die geringste Mühe zu geben, das sachlich zu begründen. Die Frage, die Dahmer unbeantwortet lässt, lautet: WAS für FAKTEN sprechen gegen diesen „naturalisierenden“, „technisierenden“ Ansatz?
Seine Botschaft ist, dass Reich weder Freud noch Marx verstanden hat und sein (Reichs) eigener Ansatz sich ideologisch im Technizismus und Naturalismus verrannt hat. Er will Reich restlos zerstören. Warum darf so jemand die Einleitung von Peglau’s Buch schreiben?

Peter: Dahmer ist halt Experte in Psychoanalysegeschichte und Peglau ist stolz darauf, mit Leuten fruchtbar („arbeitsdemokratisch“) zusammengearbeitet zu haben, die seiner Einschätzung Reichs teilweise diametral entgegengesetzt sind.

O.: Nun wenn Prof. Dr. H. Dahmer (bekannt geworden unter Mitscherlich) einen Herrn Peglau kennt, ist dies schon eine Ehre, folglich geht es um „Anerkennung“ (!), die Mutter aller falschen Motive. Damit ist er auch für die „Reichszene“ attraktiv und er kann sich mit ihnen schmücken und umgekehrt.
Außerdem verlegt er im Psychosozial Verlag Gießen, was nach Beziehungen aussieht, die er sich wohl erarbeitet haben wird.

Sebastian: Ich habe mir nochmal den Aufsatz des Soziologen Helmut Dahmer in Birgit Johlers „Wilhelm Reich Revisited“ durchgelesen und möchte den kurz besprechen.
Dahmer kritzelt seit 40 Jahren irrational über Reich herum. Eine gewisse Genugtuung scheint es ihm zu bereiten, dass die Faszination für Reich seit der Studenten- und Jugendbewegung erloschen ist und seine „skurrilen Züge deutlicher präsent“ sind, obwohl er sich wundert, dass immernoch Reich-Biografien und -Monographien erscheinen. Dahmer versucht Reich nicht durch Klatsch und Tratsch über sein Privatleben zu zerstören, wie zB Christopher Turner, sondern durch die Beurteilung seines Werkes, vor allem seiner „Metatheorie“ aus Psychoanalyse und Marxismus.
Dabei überschreitet Dahmer erstens immer wieder die Grenze seines soziologischen Fachgebietes, was ja nicht schlimm wäre, wenn er sachliche Argumente dafür hätte. Da man sich in der wissenschaftlichen Gemeinde etabliert hat, hat man es aber zweitens nicht nötig sich mit lästigen Fakten herumzuschlagen. So werden Fakten zu „glücklichen Einfällen“ und „vorschnellen Generalisierungen“ und technische Weiterentwicklungen und soziale Konsequenzen aufgrund neuer Faktenlage zu quasi aus der Luft gegriffenen „Erfindungen“ oder „faszinierend einfachen Lösungen“, die anschließend „dogmatisiert“ werden.
Diese unwissenschaftliche Vorgehensweise praktiziert Dahmer seit 40 Jahren, ohne den geringsten Skrupel. Wer nicht mit sachlichen Argumenten überzeugen kann, der muss mit Plakaten um sich schmeißen. Reich hätte zwar dies und jenes „versucht“, aber sei daran letztendlich „verzweifelt“. Was übrig bleibe, sei ein „revolutionärer Arzt“ und „wunderlicher Naturforscher“, auf theoretischem Feld ein „Pamphletist und Säbelfechter“, ein „Sexualutopist“ und „Naturromantiker“, der über die „kosmische Lebensenergie Orgon“ „spekulierte“ bzw. „quacksalberte“.
Sein ganzer Hass richtet sich ganz offen gegen die Orgasmustheorie. Reich „überhöhe“ bzw. „fetischisiere“ die genitale Sexualität zu einem „naturgegebenen Ziel“ und hätte damit die „gegenwärtige Sexualökonomie“ vorweggenommen. Die Realität hätte ihn widerlegt. Für Dahmer ist Genitalität unnatürlich bzw. „pseudonatürlich“, weil das, was vergesellschaftet ist, niemals Natur sein kann. Ein rotes Tuch beim Orgasmus ist für ihn die Bewusstseinsverdunkelung, die reflexionslose Ungehemmtheit, die vergleichbar mit dem Schlaf ist. Dagegen sieht er gerade in der Reflexion in Verbindung mit Arbeit und Klassenkampf die Lösung der Probleme unseres Zeitalters. Die gegenwärtige Sexualökonomie nennt er gemäß Herbert Marcuse „repressive Entsublimierung“, dh, dass sozusagen keine Energie mehr für Sublimierung bzw. Kultur bzw. Gegenkultur übrig ist, wenn man ständig Sex hat.
Wenn man sein bisheriges Wirken oberflächlich anguckt, ist sein gesamtes Werk ein Gegenan gegen alles und jeden. Abweichen („Divergieren“) um jeden Preis in seiner prägenitalen, emotionslosen, intellektuell hypertrophierten Welt.
Worin hat Dahmer recht? Er sieht genauso wie die ACO Orgonomen (und wie Reich es auch gesehen hätte), dass die gegenwärtige Sexualökonomie Mist ist. Er übersieht, dass es sich bei der gegenwärtigen um eine ungeordnete Sexualökonomie handelt und er hat vor 40 Jahren wie heute nicht den Unterschied zwischen Prägenitalität und Genitalität verstanden.
Außerdem kritisiert er an Reich, dass sich seine Theorie „wenig zur Analyse der Entwicklung sozialer Systeme“ eignet. Dabei hat er die 60er Jahre vor Augen, die Reich tatsächlich nicht vorschwebte. Allerdings finden sich genug Hinweise verstreut in seinem Werk, die eine solche Transformation erklärbar machen. Das haben seine Nachfolger vom ACO überzeugend getan.

Peter: Was will Dahmer eigentlich? Er “betont die Bedeutung der angestrebten »Freien Assoziation« bei Marx (der Individuen) und Freud (der Gedanken)“ http://www.jungewelt.de/2013/08-03/015.php
Auf so etwas muß man erstmal kommen! Die freie Assoziation bei Marx und Freud!
Mein Gott, mit Kategorienfehlern fängt Wissenschaft vielleicht an („Inspiration“ durch Verknüpfung von Dingen, die zuvor niemand verknüpft hat), aber bei Dahmer endet sie so. „Die freie Assoziation bei Marx und Freud“! Lol.

Peter: Hier, so sieht die freie Assoziation nach Marx und Freud konkret aus:

Eines meiner Lieblingslieder. DAS waren noch Schlager!

O. 2013: Wie es allen bekannt sei müsste, die sich mit der Geschichte der Psychologie auseinandergesetzt haben, hat C. G. Jung sich schon 1933, kurz nach der Machtergreifung Hitlers zum Führer schriftlich bekannt. Er unschied die arische (Psychologie) von der jüdischen Psychoanalyse und übernahm die führende Rolle (mit anderen) für die Psychologie im Nationalsozialismus. Freud und Reich wurden so verdrängt. Dennoch wurden gerade Freud und Reich bis ins Detail von den´Nationalsozialisten gelesen und verstanden! – Diese Haltung gilt ungebrochen bis in die Adenauerzeit und bis heute in der Psychologie, jedoch spricht man heute weder von Jung oder Reich, auch Freud wird mit Naserümpfen erwähnt. Der angebliche Positivismus und die „objektive, wissenschaftliche“ Haltung habe mit der Verhaltensmedizin (VT) eine „politische Psychologie“ (auch bezugnehmend auf Reich oder den Nationalsozialismus) überwunden und mit ihr quasi nichts mehr zu tun.
Das Bekenntnis zu Jung – und damit unweigerlich zum Nationalsozialismus – kommt in der psychologischen Literatur in Form von harmlosen Jungzitaten vor. Hiermit hisst man die NS-Fahne, ohne sich hierzu öffentlich bekennen zu müssen und kann Karriere machen. Die Verhaltenstherapie lehnt die (jüdische) Psychoanalyse kategorisch ab, trennt sich aber nicht und äußert sich nie kritisch gegenüber Jungs arischer Psychologie/ „Analyse“.
Die neuere Generation von Wissenschaftler weiß hierum selbstverständlich und versucht Jung nicht mehr die Bühne und Ehre zu geben, um eben nicht in denselben Verdacht zu geraten, aber ihre geistigen Väter sind natürlich dieser Tradition verbunden.
Es wundert also gar nicht das Deutschland gemäß dem 3. Reich in der Psychologie wieder einen eigenen Weg geht und alle anderen (jüdisch anmutenden) Methoden verdrängt, sagen wir es offen ausmerzt.
Dies müsste auch so bei Peglau stehen, wenn er nicht hierzu zu feige wäre.

Der orgonomische Bibelforscher (Teil 1): Freuds Christusmord

11. September 2015

Der Gott der Bibel war ursprünglich Mensch. Er wandelte im Garten Eden (Gen 3,8), er sprach mit Abraham von „Mensch zu Mensch“ (Gen 18,1ff), er kämpfte „Mann gegen Mann“ mit Jakob (Gen 32,23ff), er „sprach mit Mose Auge in Auge wie ein Mensch mit einem anderen“ (Ex 33,11 und Num 12,8).

Gott war ursprünglich der siegende Feind, der den unterworfenen symbolisch kastrierte, d.h. beschnitt. Man denke nur an die Großtaten des Kastrators David (1 Sam 18,25-27.)

So jedenfalls Freuds „Ägypterhypothese“ in seinem letzten Werk Der Mann Moses und die monotheistische Religion (Studienausgabe, Bd. IX), wonach sich die Juden homosexuell dem kastrierenden Ägypter Moses unterwarfen.

Freuds Hauptargument dafür, daß Moses ein Ägypter war, bestand darin, daß in allen anderen orientalischen Mythen über die Kindheit des Heros, er königlicher Herkunft sein soll, aber in einer ärmlichen Familie heranwächst, während Moses ganz atypisch von niederer Abstammung ist, jedoch von der Tochter eines Königs großgezogen wird. Genauso wenig wie die orientalischen Heroen wirklich königlicher Abstammung waren, sondern der Mythos ihre ärmliche Abstammung kaschieren sollte, war Moses wirklich jüdischer Abstammung. Moses war der leibliche Sohn der ägyptischen Prinzessin. Daß sie das Kind aus dem Wasser gezogen hatte, stellte nur eine Deckbehauptung dar.

In der biblischen Vorstellung von der Adoption des „Juden“ Moses durch die Tochter des Pharaos klingt durch die Verdrängung hindurch, daß, so jedenfalls Freuds These, die Juden vom Ägypter Moses „adoptiert“ worden sind. Ebenso wie in der späteren jüdischen Geschichte Sabbatai Zevi vom türkischen Sultan und Jakob Frank vom polnischen König „adoptiert“ wurden (David Bakan: Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958, S. 150f).

Der Ägypter Moses war es, so Freud, der den Juden die (vorgeblich) monotheistische Aton-Religion Echnatons aufzwang. Später wiederholte sich in der jüdischen Geschichte ähnliches mit der zweiten Gründungsfigur des Judentums, mit dem bereits erwähnten David, der ja auch kein Jude war. Man denke nur an die ambivalente Überlieferung in Ps 144,2, wo David Jahwe preist: „Du unterwirfst mir fremde Völker.“ So wird jedenfalls mit zahlreichen Handschriften übersetzt. In der Hebräischen Bibel heißt es „mein Volk“.

Das unterworfene Volk übernahm die Doktrin seiner Unterwerfer, den Monotheismus. Für Freud ist es die Religion des Urvaters, die wiederersteht, wenn sich Stämme und Völker zu immer größeren Einheiten zusammenfinden, wobei auch die Götter vereinigt werden.

Einer unter ihnen wird häufig zum Oberherrn über Götter und Menschen erhöht. Zögernd geschieht dann der weitere Schritt, nur einem Gott zu zollen, und endlich erfolgt die Entscheidung, einem einzigen Gott alle Macht einzuräumen und keine anderen Götter neben ihm zu dulden. Erst damit war die Herrlichkeit des Urhordenvaters wiederhergestellt, und die ihm geltenden Affekte konnten wiederholt werden. (Der Mann Moses, S. 578)

Der Einheit des Volkes entsprach die Einheit Gottes. Dies hat sich, Freud zufolge, zuerst unter der pharaonischen Weltherrschaft erfüllt, die zu Echnatons Monotheismus führte, welcher dann durch Moses zu den Juden kam. Sie wurden in Folge zu den Hauptträgern des Monotheismus. Die „Weltherrschaft“, auf die dies alles zurückging, eine Wunschphantasie, die vom jüdischen Volk längst aufgegeben worden ist, „lebt noch heute bei den Feinden des Volkes im Glauben an die Verschwörung der ‘Weisen von Zion’ fort“ (ebd., S. 533f). Aus den Sklaven der Ägypter sind gefürchtete „Superägypter“ geworden.

Freud sah die Ursache für den Antisemitismus auch darin, daß die Nichtjuden eifersüchtig auf die besondere Beziehung des „auserwählten Volkes“ zu Gott waren.

Wenn man der erklärte Liebling des gefürchteten Vaters ist, braucht man sich über die Eifersucht der Geschwister nicht zu verwundern, und wozu diese Eifersucht führen kann, zeigt sehr schön die jüdische Sage von Josef und seinen Brüdern. (ebd., S. 552)

Freud hält dem entgegen, die Juden seien nicht das auserwählte Volk Gottes, sondern das auserwählte Volk des Moses gewesen. Dieser Nichtjude sei darüberhinaus für das jüdische Gesetz verantwortlich zu machen, so daß der Antisemitismus an sich dem Nichtjuden Moses zu gelten habe (Bakan, S. 153).

Freuds Umwandlung von Moses in einen Nichtjuden ist für David Bakan ein Akt der Apostasie nach dem Vorbild der beiden berühmtesten Messiasse des Judentums, Sabbatai Zevi und Jakob Frank. Indem Freud aus Moses einen Nichtjuden machte, erfüllte er, Bakan zufolge, „die traditionelle messianische Funktion, von Schuld zu befreien“ und reiht sich so neben Jesus ein. Freud befreit von Schuld, indem er vom Gesetz befreit. Darüber hinaus befreit er die Juden vom Antisemitismus, denn sie sind nun nicht mehr verantwortlich für das verhaßte Gesetz, das ja von einem Nichtjuden stammt (ebd., S. 168).

Freuds Ägypterhypothese steht auf ziemlich wackeligen Füßen und ist für Freuds ganze Argumentation hinsichtlich von Ursprung und Entwicklung des Monotheismus vollkommen irrelevant (ebd., S. 146). Wir haben es also mit verborgenen Motiven bei Freud zu tun. „Auf der Grundlage der Freudianischen Theorie würde die Umwandlung von Moses zu einem nichtjüdischen Ägypter als eine Wunscherfüllung auf Freuds Seite erscheinen.“ Wenn Freud schreibt, Moses sei ein Ägypter gewesen, aus dem das Volk einen Juden machen mußte, kann eher so formuliert werden, daß Moses ein Jude war, aus dem Freud einen Nichtjuden machen mußte (ebd., S. S. 147f).

Neben dem Motiv der Abwehr des Antisemitismus, gibt es m.E. ein noch weit gewichtigeres, zwanghafteres Motiv bei Freud, nämlich Antisemitismus bei Freud selbst. Stellt doch die Ägypterhypothese eine merkwürdige Distanzierung vom Judentum dar, das seines Religionsstifters beraubt wird. Wenn Moses gar kein Jude war, dann ist der Jude, wie Bakan (S. 154) sagt, „der Hanswurst der Menschheitsgeschichte“. Moses, der nicht nur kein Jude war, sondern darüber hinaus auch noch Vertreter jenes Volkes, das die Juden unterdrückt hatte, hat den Juden mit der Idee ihre Köpfe verdreht, eine besondere Beziehung zu Gott zu haben. So werden die durch den Mann Moses verführte Juden mit ihrer ganzen Lebensgeschichte zu den homosexuell depürten „Deppen der Weltgeschichte“ (Bakan, S. 155).

Man kann darin, wie Bakan es tut, Freuds Versuch sehen, den Antisemitismus dadurch zu überwinden, daß nun der Jude „von einer bedrohlichen zu einer komischen und stumpfsinnigen Figur“ wird. Wenn man aber an Freuds offensichtlicher Identifizierung mit Moses denkt, ist es doch wohl eher Ausdruck schlimmsten Antisemitismus von Seiten des „Juden“ Freud. Etwas Pathologisches bei Freud, das man nur noch psychoanalytisch verstehen kann. Wenn Bakan Freud in der sabbatianischen Tradition eines Jakob Frank sieht, sollte er nicht vergessen, daß die Frankisten schlimmste Antisemiten waren und daß ihre Nachkommen später im polnischen Adel die widerwärtigsten Judenfeinde stellten.

Freuds zweite Hauptthese in Der Mann Moses und die monotheistische Religion besagt, daß Moses von den Juden ermordet worden ist. Da Moses eine hervorragende Vatergestalt gewesen sei, sei das jüdische Volk durch seine Tötung schicksalhaft der „Großtat und Untat der Urzeit, der Vatertötung“ nähergerückt. Womit die Juden, so Freud, zu den „Gottesmördern“ par excellence geworden sind. Hier steht der Jude also nicht mehr stellvertretend für das Über-Ich, sondern ganz im Gegenteil für schuldbeladene Rebellion. Die Christen hingegen haben ihre Schuld getilgt, indem sie zur Sühne für den durch den Mosesmord aktualisierten Mord am Urvater die Symbolfigur des rebellischen Sohnes opferten. Christus, der Nachfolger und die Reinkarnation des Anführers der vatermörderischen Brüderbande der Freudschen Urhorde.

Für Freud war Moses sozusagen der „Schnittpunkt“ zwischen dem Urvater und Jesus. Moses’ Monotheismus war nichts Neues, sondern nur die Wiederbelebung des Urvaters. Aber diese „Wiedereinsetzung des Urvaters in seine historische Rechte“ konnte nicht das Ende sein, da auch die anderen Elemente der prähistorischen Tragödie vom Urvatermord nach vorne drängten. Die Mordtat der Söhne verlangte nach Schuld und Sühne. Und genau die habe Paulus mit seiner „Erbsünde“ gebracht, die der „Sohn Gottes“, also der Sohn des Urvaters mit seinem Tod abbüßte und so die Welt erlöste: die frohe Botschaft (Der Mann Moses, Studienausgabe, Bd. IX, S. 534).

Die Wunschphantasie „Messias“ speiste sich aus der Reue um den Mord an Moses, so daß die Auferstehung Christi gleichzeitig die Auferstehung Mose und damit des Urvaters war. Indem aber Christus, der Sohn an die Stelle des Vaters rückt, endet die vorgebliche Versöhnung doch mit der Entthronung und Beseitigung des Vaters.

Das Judentum war eine Vaterreligion gewesen, das Christentum wurde eine Sohnesreligion. Der alte Gottvater trat hinter Christus zurück. Christus, der Sohn kam an seine Stelle, ganz so, wie es in jener Urzeit jeder Sohn ersehnt hatte. Paulus, der Fortsetzer des Judentums, wurde auch sein Zerstörer. (ebd., S. 535f)

Hat aber überhaupt ein Mosesmord stattgefunden? In seinem Buch über Moses – Der Mann aus Ägypten (Hamburg 1983) stimmt Johannes Lehmann vollständig mit Freud überein: „Seinen Befreier behält man anders im Gedächtnis als einen Mann, von dem man sich befreit hat“ (Lehmann, S. 265). Der Bibel nach muß Moses ständig einer Steinigung durch das Volk gewärtig sein. Niemand will ihn begraben haben. Die Lage des Grabes ist unbekannt. Alles weist also auf einen verdrängten Mord hin. Außerdem machte man aus dem Opfer einen Schuldigen, dem man keine Schuldgefühle schuldet. Moses wird in der Bibel ja nicht gerade als Idealgestalt, sondern voll negativer Züge gezeichnet.

Hingegen ist für David Bakan der Mosesmord eine Phantasietat Freuds, die Freud beim Akt des Schreibens beging. Was Freud um so leichter fiel, als er Moses vorher in der Ägypterhypothese zum Mitglied eines fremden, feindlichen Volkes gemacht hatte. Es war, so Bakan, Freuds Wunsch, daß Moses von den Juden ermordet worden ist. Doch sei es eben keine Tat der Juden, sondern Freuds gewesen, die gegen das mosaische „Joch des Gesetzes“ gerichtet war (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958, S. 164). Ein Schlag gegen Urvater = Gott = Über-Ich = Rabbinismus.

Spätestens hier möchte ich den wilden Spekulationen Bakans Einhalt gebieten, denn Freud war nun wirklich alles andere als ein Vertreter von Triebbefriedigung, die von der Moral nicht eingeschränkt wird. Vielmehr unterstellt Bakan Freud eine Anschauungsweise, die weit besser auf Reich zutreffen würde.

In einer hellen Minute schreibt Bakan:

Typischerweise wird behauptet, daß der Beitrag des Judentums zur westlichen Kultur seine starke ethische Orientierung ist und dies wird von Freud nochmals bestätigt. Moses Wirken bestand darin, die Juden zum leisten von „Triebverzicht“ zu führen. Die Juden nahmen das „Joch des Gesetzes“ auf sich und über sie wurde es auf das Christentum übertragen. Freud weist darauf hin, daß einer der Gründe für den Antisemitismus genau darin besteht, daß der Jude symbolisch für das Über-Ich steht. Antisemitismus, sagt Freud, ist bei jenen Menschen am stärksten ausgeprägt, die erst jüngst die Last der mosaischen Moral auf sich genommen haben. (ebd., S. 156f)

Und dies ist doch gerade der Punkt – daß Freud sich vollständig mit dieser rabbinischen Mission identifizierte. Auch die Psychoanalyse stand für Triebverzicht. Auch die Psychoanalyse wurde vom „triebhaften, wotanischen Heidentum“ des Nationalsozialismus bedroht. Und ihre Abwehr des Triebhaften erstreckte sich nicht nur auf die sekundären Triebe, wie sie der Nationalsozialismus verkörperte, sondern auch auf die primären Triebe der Sexualökonomie. In Reich Speaks of Freud führt Reich Freuds Ablehnung der Orgasmustheorie auf Freuds Verhaftetsein an mosaischen Moralvorstellungen zurück.

Freud hatte gar keine Veranlassung Moses zu töten, denn für ihn war Moses die Verkörperung des Erwachsenen, der mit dem Es vollständig fertig geworden ist. Um sich dies Ideal zu erhalten, fälschte Freud sogar das Mosesbild auf recht grobe Weise.

Freud sah in Moses eine (geläuterte) Wiedergeburt des tyrannischen mythischen Urvaters, während Christus den rebellischen Heldensohn verkörperte, der den Urvater stürzte. Freud stellte sich eindeutig auf die Seite des Vaters und betrachtete dementsprechend den Schritt vom Juden- zum Christentum als kulturelle Regression. Demgegenüber sah Reich darin einen kulturellen Fortschritt. Er identifizierte sich mit Christus, in dem er die Verkörperung des ungepanzerten Menschen sah. Das „Christuskind“, das eins mit seinen unverdorbenen Trieben ist. Bei Freud Sublimation, bei Reich Genitalität. Natürlich nahm Reich Freuds Haltung ein, wenn er mit sekundären Trieben konfrontiert war.

Freud glaubte, daß Moses von den Juden ermordet worden ist, weil er ihnen den Monotheismus und Triebverzicht aufgezwungen hatte. Ohne Reichs Haltung zu Moses zu kennen, würde ich nun ausführen, Reich hätte mit Sicherheit die Meinung vertreten, Moses wäre sozusagen der Christus der Hebräer gewesen, die ihn dann aus Angst vor der Freiheit ermordet hätten. Doch in Christusmord (Freiburg im Breisgau 1978, S. 194) scheint Reich eher mit Freuds Anschauung übereinzustimmen (obwohl Der Mann Moses merkwürdigerweise nicht in der Bibliographie von Christusmord erwähnt wird), nämlich, daß Moses nach der Manier von Paulus den Hebräern den hochvergeistigten Monotheismus brachte, um sie zu organisieren und zu zivilisieren, d.h. ihre sekundären Triebe in Schach zu halten. Reich teilt Freuds Meinung, Moses wäre als Abwehrreaktion gegen diesen zivilisatorischen Gewaltakt ermordet worden.

In der Mosessage kann man den Reichschen Christusmythos finden vom unverdorbenen Leben, das vom gepanzerten Leben gefürchtet und deshalb verfolgt wird. Die Kindheitsgeschichte des Moses erinnert fatal an das „Christkind“. Die Sage soll ursprünglich so gelautet haben, daß der Pharao durch einen prophetischen Traum gewarnt wurde, sein Sohn, bzw. ein Sohn seiner Tochter werde ihm Gefahr bringen. Deshalb läßt er das Kind im Nil aussetzen. Es wird von jüdischen Leuten gerettet und als ihr Kind aufgezogen (Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion, Studienausgabe, Bd. IX, S. 165).

Freud erwähnt auch die außerbiblische Sage, daß, als der Pharao einmal den dreijährigen Moses auf den Arm nahm, ihm das Kind die Krone vom Haupt riß und auf seinen eigenen Kopf setzte. Ein Vorfall, der den König sehr erschrocken hat (ebd., S. 482). Schließlich wendet sich Moses tatsächlich gegen den Pharao, indem er zunächst einen einzelnen Ägypter tötet, dann das ganze Land Ägypten ins Unglück stürzt und endlich den Pharao selbst in den Tod führt. Von Moses geht dabei die mythische Sohnesrolle auf das ganze Volk der Hebräer über, die sich im Land zu stark vermehren, vom Landesvater vertrieben werden, um dann doch über ihn zu triumphieren. Der Exodus und der Einzug ins Gelobte Land entspricht dabei der Auferstehung und Himmelfahrt Christi.

Während Reich seine Hoffnung auf den mythischen Sohn setzte, war Freuds Idealbild zumindest der liebende, nicht der strafende Vater. In Moses findet man natürlich beides, den liebenden und den strafenden Vater, was mit Spr 3,12 hervorragend zum Ausdruck gebracht werden kann: „Denn wenn der Herr jemand liebt, dann erzieht er ihn mit Strenge, genauso wie ein Vater seinen Sohn.“ Offenbar sehnte sich Freud nach einem Vater, der sich in dieser Hinsicht unter Kontrolle hat und nicht sozusagen „über die Strenge schlägt“. Das Idealbild „konfuzianischer“ Mäßigung, für das die ganze Psychoanalyse steht.

1914 stellte Freud in seinem Aufsatz über „Den Moses des Michelangelo“ Moses als archetypische Verkörperung der Sublimation vor. Bezeichnend ist, daß Freuds Interpretation nicht nur nicht durch die Bibel gestützt wird, sondern erst recht nicht durch die Statue Michelangelos. Freud zufolge soll Michelangelos Werk Moses nach dem ersten Abstieg vom Sinai zeigen, doch in der Bibel ist Moses ausgerechnet dort alles andere als ein Vorbild vornehmer Zurückhaltung und Sublimation. Freuds Manipulation geht so weit, daß er die betreffende Stelle Ex 32,7-35 zitiert, aber Ex 32,21-29 ausläßt, wo beschrieben wird, wie auf Anordnung von Moses die Leviten die jüdischen Götzenanbeter abschlachten.

Bakan schreibt zu Freuds Mosesbild:

Über die sinnbildliche Besprechung einer Statue bringt Freud zum Ausdruck, daß die befürchtete Bestrafung niemals erfolgen wird. Das Über-Ich hält sich zurück. Das Über-Ich wird seinen Zorn zurückhalten und bändigen. Das Über-Ich wird seinen Zorn zügeln und nicht zuschlagen. In diesem neuen Moses-Bild hat Freud ihn in ein steinernes Standbild verwandelt; eines das nicht jene töten wird, die um das Goldene Kalb tanzen; jene die die Vorschriften, die von der rabbinischen Tradition aufrechterhalten werden, nicht annehmen, sondern übertreten. (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958, S. 128)

Des weiteren unterschlägt Freud, daß der Moses des Michelangelo Hörner trägt. Hörner, die Moses erst nach dem zweiten Abstieg hatte. Freud selbst schreibt, Michelangelo habe im Vergleich zum unvollkommenen historischen Moses einen verbesserten, idealisierten Moses in Stein gehauen. In Wirklichkeit war es aber einzig und allein Freud, der besserte, idealisierte und „sublimierte“. Freud brauchte und wünschte sich einen solchen geschönten Moses. Freud verdrängt den Mann, der voll Zorn die Gesetzestafeln zerschmettert (Ex 32,19), und wählt stattdessen den „sanftmütigsten und geduldigsten aller Menschen“. Den Moses, der nichts gegen die frevlerischen Juden unternimmt, „denn er war der bescheidenste Mensch, der je auf der Erde gelebt hat“ (Num 12,3).

Freuds Moses-Buch und Reichs Christus-Buch waren jeweils Bücher der Hoffnung nach Unsterblichkeit angesichts der Nazi-Bedrohung, bzw. der Bedrohung der Orgonomie in den USA.

Moses’ Monotheismus setzte sich durch, trotzdem sich die Hebräer von ihm befreit hatten. Das Verdrängte kehrte zurück. Wenn im Exil die Priester ihre Gebote und Institutionen in die Zeit Mose zurückversetzten, um damit ihre Unanfechtbarkeit zu begründen, entbehrte dies Verfahren trotz seiner geschichtlichen Fälschung Freud zufolge

nicht einer bestimmten psychologischen Berechtigung. Es spiegelte die Tatsache wider, daß im Laufe der langen Zeiten (…) die Jahwereligion sich zurückgebildet hatte zur Übereinstimmung, vielleicht bis zur Identität mit der ursprünglichen Religion des Moses. (Der Mann Moses, S. 496)

Wenn Freud dann abschließend anfügt, dies sei „das wesentliche Ergebnis, der schicksalsschwere Inhalt der jüdischen Religionsgeschichte“, dann meinte er wohl in erster Linie sein eigenes Schicksal, bzw. das Schicksal seiner Psychoanalyse, die in einer vom Nationalsozialismus überrannten Welt doch eines Tages aus der Verdrängung wieder auftauchen würde, so wie Moses immer wieder in den Propheten und schließlich im biblischen „Priesterkodex“ wiedergekehrt sei.

Ganz ähnlich sah Reichs Vision aus: Trotz aller Panzerung bricht sich das Lebendige in Gestalt der Neugeborenen doch immer wieder Bahn und eines Tages würden die Kinder der Zukunft Träger der Orgonomie sein. Das gepanzerte Leben ist nur eine Oberflächenerscheinung, unter der im Verborgenen das Lebendige und die Arbeitsdemokratie autonom weiterlaufen, um in Zukunft wieder an die Oberfläche zu treten. Herbert Marcuse, der von Freuds Spätschriften ausging, die er ziemlich frei interpretierte, hat beide Visionen von der „Rückkehr des Verdrängten“ in der Vorstellung miteinander verbunden, daß die Erinnerung an nichtrepressive Traditionen eine befreiende Funktion hat, wenn sie sich mit revolutionärem Aktionismus verbindet.

Auf diese Weise ist Reich doch auch irgendwie in Freuds letztem Werk verborgen. Bemerkenswert an Der Mann Moses ist z.B., daß Freud wie ganz zu Beginn seiner Arbeit plötzlich wieder den frühen Traumen (insbes. der Kastrationsdrohung) eine zentrale Rolle einräumt. Es geht um Triebeinschränkung von außen. Der „Todestrieb“ wird in Freuds Buch an keiner Stelle erwähnt. In der Zeit, als das Buch veröffentlicht wurde, brachte Freud zum Ausdruck, daß ihm Das Unbehagen in der Kultur fremd geworden sei. Jenes Buch, das Freud faktisch gegen Reich geschrieben hatte (Walter Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984, S. 66).

Verglichen mit Totem und Tabu (1913) wird den Muttergottheiten in Der Mann Moses ein weit größerer Raum zuerkannt. Das Machtvakuum, das nach dem Urvatermord entstand und das durch die rivalisierenden Brüder nicht gefüllt werden konnte, sei auf die Frauen übergegangen, so daß sich das Urpatriarchat in das Matriarchat umgewandelt habe. In der Diskussion um die Umwandlung der totemistischen Tiergötter zu menschlichen Göttern schreibt Freud sogar, daß die Muttergottheiten wahrscheinlich vor den männlichen Göttern aufgetreten seien, von denen die Muttergottheiten dann langsam verdrängt wurden (Der Mann Moses, S. 531f). Leider sind Freuds Ausführungen sehr vage, z.B. sollen merkwürdigerweise die Muttergottheiten erst zur Zeit der Einschränkung des Matriarchats entstanden sein „zur Entschädigung der zurückgesetzten Mütter“. Im übrigen spricht Freud von nicht weiter bestimmten „äußeren Momenten“, die zur Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat geführt hätten (ebd., S. 560).

Freuds Theorie könnte man wie folgt zusammenfassen: Das Urpatriarchat wurde durch den Mord am Urvater beendet, der zum Totemismus führte. Über den Umweg des Matriarchats stabilisierte sich langsam die Sohnesherrschaft, was sich im patriarchalen Polytheismus widerspiegelte, bis der eine Urvater als Wiederkehr des Verdrängten im Monotheismus zurückkehrte, um dann im Christentum erneut vom Sohn gestürzt zu werden. Wie ich erwähnte, betrachtete Freud das Christentum als kulturelle Regression. Hier ist anzufügen: u.a. weil es mit Maria „die große Muttergottheit wiederherstellte“ (ebd., S. 536).

Im Zusammenhang mit dem Mord an Moses, der eine Wiederholung des Urvatermordes gewesen sei, erwähnt Freud, diese Tat hätte „sich in Urzeiten als Gesetz gegen den göttlichen König gerichtet“ und er verweist auf James George Frazer (ebd., S. 556). Frazer beschrieb, wie der König als Vegetationsheros geopfert wurde und daraufhin in der unfruchtbaren Jahreshälfte in der Unterwelt verweilte, die er dann in Gestalt seines Nachfolgers im Frühling wieder verließ, um mit seiner Herrin, der Himmelskönigin, die Heilige Hochzeit zu feiern. So erweist sich Freuds wirklich vollständig abwegige Theorie vom Mord am völlig abwegigen Konstrukt „Urvater“ als ein letztlich matriarchaler Mythos. Von Frazers Arbeit geht z.B. die Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth aus.

Für Freud selbst ist der mythische Heros natürlich der Anführer der vatermörderischen Brüderbande gegen den Urvater. Freud nennt als Beispiel die griechische Tragödie, in der der Held und der Chor eben diesen Anführer und seine Brüderbande darstellen sollen. Da auch Christus Reinkarnation dieses Urhelden ist, ist es nicht verwunderlich, daß im Mittelalter das Theater mit der Darstellung der Passionsgeschichte wieder neu beginnt (ebd., S. 535). Zu Ende gedacht führt praktisch Freud Christus auf den matriarchalen Kultheros zurück, denn die griechische Tragödie läßt sich auf matriarchale Mysterienspiele zurückverfolgen.

Außerdem macht Freud an der betreffenden Stelle folgende Anmerkung:

Ernst Jones macht darauf aufmerksam, daß der Gott Mithras, der den Stier tötet, diesen Anführer darstellen könnte, der sich seiner Tat rühmt. Es ist bekannt, wie lange die Mithrasverehrung mit dem jungen Christentum um den Endsieg stritt. (ebd., S. 535)

Dieser „Stiertöter“ leitet uns direkt zum spätmatriarchalen Moses des Stierkults, auf den ich bereits in Der verdrängte Christus zu sprechen gekommen bin. Der Sonnengott Mithras wurde relativ spät zum patriarchalen „Stiertöter“. Vorher war er der Fruchtbarkeitsheros der persischen Himmelsgöttin Anahita. Über den babylonischen Tammuz und den kanaanitischen Baal geht eine direkte Linie zum gehörnten Moses und dem Goldenen Kalb als „Heros der Göttin“. Nichts mit Freuds spinnerten Ideen über den „Urvater“ und den „Urvatermördern“! In wirklich jeder Hinsicht führt uns der ganz späte Freud schnurstracks zum einzig legitimen Erben der Psychoanalyse, Wilhelm Reich!

Der Garten Eden (Teil 2)

27. Juli 2011

Was beim Jahwisten die Vertreibung aus dem Paradies ist, ist in der Priesterschrift die Sintflut. Hier sieht sich Gott zum Eingreifen genötigt, weil die „Gottessöhne“ mit den „Menschentöchtern“ schliefen (Gen6,1f). Die Erbsünde (Röm 5,12) scheint deshalb wohl auch schon für den Jahwisten selbst ein sexueller Akt gewesen zu sein – Reich hat also streng exegetisch doch recht mit seiner Analyse in Christusmord! Das Essen vom Baum der Erkenntnis war nichts anderes als ein „Besteigen der Palme“. Wie der Adam im Hohelied 7,8-10 frohlockt:

Schlank wie eine Dattelpalme ist dein Wuchs, und deine Brüste gleichen ihren vollen Rispen. Auf die Palme will ich steigen, ihre süßen Früchte pflücken, will mich freuen an deinen Brüsten, welche reifen Trauben gleichen. Deinen Atem will ich trinken, der wie frische Äpfel duftet, mich an deinem Mund berauschen, denn er schmeckt wie edler Wein…

Nach dem matriarchalen Paradies sollte man in der Bibel weniger bei der Genesis suchen, als vielmehr beim Hohelied. Wie in Gen 3 ist hier sehr viel von Heiligen Bäumen die Rede (ein matriarchales Kultelement), aber im Gegensatz zu Gen 3 treten hier nur Schwester, Bruder und Mutter auf, der Vater fehlt vollkommen. Bezeichnenderweise ist dieses matriarchale Idyll, das wir mitten in der Bibel finden, fast vollständig der patriarchalen Sexualverdrängung zum Opfer gefallen.

Nach dem Talmud ist die Geliebte im Hohelied als „die Weisung“ zu interpretieren.

Im Lehrhaus Raw Anans wurde gelehrt: Was bedeutet es, daß geschrieben steht: „Die Wölbung deiner Hüften“? Warum werden die Worte der Weisungen mit einer Hüfte verglichen? Um dir zu sagen: Wie eine Hüfte verborgen ist, so sollen auch die Worte der Weisung verborgen sein.

Raw legte aus: Was bedeutet es, daß geschrieben steht: „Wie schön sind deine Schritte in den Schuhen, du Tochter eines Edlen“? Wie schön sind die Schritte Israels zur Zeit, da sie hinaufziehen zum Wallfahrtsfest. (Eva M. Borer: Der Adam und Eva Report, München 1986, S. 170)

Die im Gegensatz zum Judentum überhaupt nicht profanen Christen haben das Hohelied zu einem spirituellen Drama zwischen der Seele und Gott verkitscht und sind so auf verzerrte Weise zum ursprünglichen sexuellen Gehalt zurückgekehrt. Bei den Christen erinnert das ganze sehr an die erotisch-spirituelle Geschichte der Hindus über „Krischna und die Gopis“.

Gerda Weiler betrachtet das Hohelied

als einen Kulttext, der zur Feier der Heiligen Hochzeit in Jerusalem benutzt worden ist. Zerstückelt und aus seinem Zusammenhang gebracht, ist das Lied seines ursprünglichen Sinnes beraubt worden und wirkt wie eine Sammlung lose hingewürfelter Fragmente. (…) Im Hohelied wird die Wiederkehr des Jünglingsgottes gefeiert, des Sohnes der Himmelskönigin, der sterbend in die Unterwelt eingegangen ist, von der Göttin beweint und betrauert. Sie hat ihn aus der Gewalt des Todes befreit und feiert nun mit ihm und dem ganzen Volk die Wiederkehr des Lebens, des Frühlings und der Liebe. (Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 270)

Nach Weiler sieht der Kultgesang ursprünglich wie folgt aus:

  1. Akt: Hld 8,13; 6,10; 1,5f; 5,9a; 5,10-15; 1,7f; 8,1f; 6,1f; 6,11-12a; 3,1f; 5,7; 3,4; 5,2-5a; 5,6b; 5,5b-6c; 3,3; 5,8; 5,9b.
  2. Akt: Hdl 4,8 („meine Braut“ streichen!); 8,5; 3,6-11; 8,5b-7; 8,66.
  3. Akt: 2,10-14; 7,1-6; 2,17; 1,9-14; 2,1-3; 4,12-5,1; 4,9-11; 2,16; 6,4-9; 4,1-5; 4,7; 7,11; 7,7-10; 5,16; 2,8f; 7,12-14; 1,2-4; 1,16f; 2,6f; 3,5; 8,4. (ebd., S. 276-302)

Die Heilige Hochzeit war eine der letzten Restbestände des Matriarchats. Ein Überbleibsel, das zunehmend zur Tempelprostitution (inkl. männliche Prostitution von Kastraten) und in Richtung sexueller Perversionen zerfiel. Als Reaktion auf den von ihm selbst erzeugten Zerfallsprozeß mußte das Patriarchat die Heilige Hochzeit schließlich ganz verdrängen, wollte es nicht im allgemeinen Chaos untergehen. Das Hohelied wurde zerstückelt und auf Biegen und Brechen uminterpretiert. Das gleiche geschah mit der Paradiesgeschichte der Genesis.

Trotzdem können wir, wie Weiler gezeigt hat, noch manches rekonstruieren. In den Worten des Mädchens Hld 8,5 haben wir sicherlich die ursprünglichen Worte Evas an Adam unter dem Baum der Erkenntnis vor uns: „Hier unterm Apfelbaum habe ich dich aufgeweckt, wo deine Mutter dich empfing und wo sie dich gebar.“ Es ist der radikale Gegenentwurf zu Jahwes Auftritt im Garten Eden. Das weitere finden wir im Gilgamesch-Epos, wo der Urmensch Enkidu von einer Tempelprostituierten verführt wird, was ihn erst auf die Ebene des wirklichen Menschseins hebt:

Schwach ward er, und es war nicht wie zuvor, doch nun hatte er Wissen, er begriff. Umkehrend sank er zu der Dirne Füßen, erhob zu ihrem Antlitz seine Augen und hörte auf die Worte, die sie sprach. Es hob die Dirne an zu Enkidu: Klug bist du nun, Enkidu, wie ein Gott!

Beim abschließenden Samenerguß erstirbt der Fruchtbarkeitheros. Es sei an Gen 3,3 erinnert, wo Gott sagt, man müsse sterben, wenn man vom Baum der Erkenntnis esse. Der Orgasmus als „Kleiner Tod“.

Vom Baum der Erkenntnis essen, bedeutet in der Heiligen Hochzeit von der irdischen Vertretung der Himmelskönigin initiiert zu werden. So ist denn auch der Garten Eden „ursprünglich der Heilige Hain der Himmelskönigin, wo die Priesterin mit dem für den Kult erwählten Mann das Fest der Heiligen Hochzeit feiert“ (Weiler, S. 276).

Manche Forscher glauben, der Garten Eden war einst ein Heiliger Hain auf dem Berg Zion bei Jerusalem (ebd., S. 69). Wo Eva als Göttin verehrt wurde? Dann war der „für den Kult erwählte Mann“, Adam ursprünglich niemand anderer als der König der Jebusiter, der Stadtfürst von Jerusalem. Adam war einst Abdi-Heba, der „Knecht Evas“ – so lautete der Titel der besagten Stadtfürsten von Jerusalem als irdischer Kultträger, bzw. Heros der Himmelskönigin. Nachdem David die Jebusiterstadt Jerusalem erobert hatte, ohne die Jebusiter ganz vertreiben zu können (1 Chr 11,4ff rückversetzt in Jos 15,63), übernahm er mit dem Priester Melchisedek (der im Hebräerbrief mit Christus identifiziert wird) auch Teile des jebusitischen Kults, der bald darauf so jahwisiert wurde, daß er verzerrt als Adam und Eva-Geschichte in die Bibel aufgenommen werden konnte (vgl. Weiler, S. 117f).

Diese Zusammenhänge erklären m.E. auch, warum der Jude den Namen seines Gottes Jahwe unter keinen Umständen aussprechen darf. Zwar durfte man nach Ex 23,13 auch die Namen der „anderen Götter“ nicht aussprechen, aber das Tabu, welches auf dem Namen Jahwe lag, war wirklich zentral und absolut. Durfte man den Namen des Gottes, dessen Heiligtum in Jerusalem lag, deshalb nicht aussprechen, weil er zu leicht an die ursprüngliche Form Jehwa, d.h. an die ehemalige Stadtgöttin Eva erinnerte? Zum Stichwort Jehwa (Hawwa, Heba, Hebe, Eva, Eve) schreibt Heide Göttner-Abendroth:

palästinensische Erd- und Liebesgöttin mit Phallusschlange (Jam) und Apfelgartenparadies; ihr Brudergatte und Heros ist Abdiheba (Adam); Hauptkultort: Jerusalem; Jehwas Vorläuferin ist die sumerische Liebesgöttin Iahu in Taubengestalt; ihre Parallelen sind die zyprische Aphrodite, die griechische Hera-Hebe, die keltische Morrigain, die germanische Freyja-Iduna; sie wurde vom jüdischen Vatergott entthront, der ihren Namen als Jehova übernahm. (Die Göttin und ihr Heros, S. 245)

In Hos 7,11f spricht Jahwe: „Efraim [was für das gesamte Zehn-Stämme-Reich Israel steht (Hos 4,17; Jes 7,2)] ist dumm wie eine Taube… Wenn er so weitermacht, spanne ich mein Netz aus und fange den Vogel.“ Ist dies vielleicht eine Erinnerung an die alte Stammesgöttin, bzw. die Urmutter des Stammes, die mit der Jebusiter identisch war? Natürlich sei hier auch an die Taube bei Jesu Taufe erinnert, an den Heiligen Geist, an die Kirche = Maria = Iahu.