Posts Tagged ‘Engels’

nachrichtenbrief20

10. Mai 2017

Die Geschichte der Orgonometrie

2. April 2017

Funktionalismus liegt vor, wenn man das Teil vom Ganzen her betrachtet. „Welche Funktion hat das Herz?“ Energetischer Funktionalismus liegt vor, wenn die jeweilige Funktion insbesondere vom Energiehaushalt her betrachtet wird. „Die Funktion des Orgasmus.“ Der orgonomische Funktionalismus entstand mit der Entdeckung der Orgonenergie, deren Grundcharakteristik ein autonomes spontanes Funktionieren ist, das beispielsweise im orgonomischen Potential und in der kosmischen Überlagerung zum Ausdruck kommt. „Die kosmische Lebensenergie.“

„Dialektik“ ist ein schillernder Begriff, der am ehesten mit dem Diktum umrissen werden kann, daß Wahrheit nicht behauptet werden, sondern nur im Widerstreit offengelegt werden kann. Alles hat jeweils zwei Aspekte, die, obwohl es Gegensätze sind, auf etwas Drittes verweisen, das sie zwar umfaßt, aber gleichzeitig auch übersteigt; sie, um mit Hegel zu sprechen, in jeder Bedeutung des Wortes „aufhebt“. Hegel, Marx, Engels und Lenin haben gezeigt, daß nicht nur das Reden über die Wirklichkeit dergestalt dyadisch bzw. triadisch strukturiert ist, sondern diese Wirklichkeit selbst, denn ansonsten wäre jede Erkenntnis unmöglich. Im Verlauf der Entdeckung des Orgons, das Geist und Materie zugrundeliegt, hat Reich Hegels Dialektik („Geist“) bzw. den Dialektischen Materialismus („Materie“) entsprechend zum orgonomischen Funktionalismus umgeformt und schließlich in Gestalt der Orgonometrie in seine endgültige Form gebracht.

Ich verweise auf meine beiden Bücher über Orgonometrie hier und hier, denen bald ein dritter Band folgen wird.

Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

13. März 2017

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Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

emotion (Teil 1: Marxismus)

6. November 2016

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Rackelmann: Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (1992)

21. September 2016

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Rackelmann: Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (1992)

Hoevels: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (2001)

2. September 2016

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Hoevels: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (2001)
 
 

David schrieb 2014: Diese Charakterdeformation ist untrennbar mit Verachtung verbunden, die Folge davon ist,

… daß wir Energie vom Becken zum Gesicht hinaufziehen, so daß wir uns überlegen fühlen. Verachtung ist im Grunde eine Ablehnung des Genitale und wird gegenüber einem Objekt ausgedrückt, das wir für sexueller als uns selber halten, oder gegenüber jenen, die sich in sexueller Hinsicht von uns unterscheiden. Das gilt immer, ganz gleich, was oberflächlich der Grund für die Verachtung zu sein scheint.

Mir ist – betreffend Verachtung – auch sehr wohl das Gegenteil von dem oben Gesagten vertraut. Hiermit meine ich Menschen, die man als „muskel-orientiert“ oder „konservativ“ bezeichnen könnte.
Die verachten – zu Recht – den Sozialisten, den Intellektuellen. Sie verachten auch den Homosexuellen.
Anders ist es gar nicht erklärbar, dass viele Arbeiter sich zu den Rechtsradikalen hingezogen fühlen.
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) hieß nicht nur so. Sie war es auch.
Gegenüber manchen Menschen in eher homophoben Kreisen geschieht es, wenn ich mich zu erkennen gebe, dass diese Menschen ihre Einstellung ändern. Es handelt sich um Menschen, die bisher einen Homosexuellen nie persönlich kannten.
Genau so wie Hamed Abdel-Samad als junger Mensch nie einen Juden persönlich kannte und deshalb glaubte, was ihm Gesellschaft und Schule in Ägypten über Juden erzählten.

Robert: Bei den Salonkommunisten im Westen fällt auf, dass sie immer nur die Redefreiheit der Demokratie ausnutzen, aber nie Anklagen, dass sie selbst in ihrem kommunistischen Paradiesen im Lager landen würden.

Robert 2016: Ich habe mich seit 1977 mit Hoevels beschäftigt, las zuerst seine Broschüre über den Ödipuskomplex, abonnierte später die Ketzerbriefe und System UBW, las viele Bücher aus dem Ahriman-Verlag etc. Ich habe viele gute Anregungen erhalten, mich z.B. mit der Evolutionsbiologie zu beschäftigen oder mit präkolumbischen Kulturen.
Ich war in den Achtzigern in einem Freud Lesekreis der MRI, kam an einem Nachdruck der Diplom-Arbeit (?) über das obige Buch (Reichs Beitrag) heran, was ich also schon Jahrzehnte früher lesen konnte.
Obwohl ich viele Ansichten Hoevels Teile (z. B. des Monoimperialismus), war für mich irgendwann eine Sackgasse erreicht, nämlich als mir klar wurde, dass die hoevelsche Utopie nichts weiter als eine Art trotzkistischer Diktatur auf mechano-biologischer Grundlage sein würde.
M. E. spricht Pirincci die Wahrheit inzwischen viel klarer aus, zumindest was Deutschland betrifft, obwohl man die Schnittstelle jetzt nicht gleich erkennt. Aber in den Ketzerbriefen gab es viele unterdrückte Nachrichten, z. B. über das Gesundheitswesen, allerdings war immer der US-Imperialismus daran Schuld (was tlws. stimmen mag, siehe TTIP). Jedoch die Aussaugung des deutschen Volkes durch Einwanderer östlicher und südlicher Herkunft wurde nicht thematisiert und das konnte ich persönlich manchmal erfahren genauso wie die linke masochistische Deutschenhasserei und Islamvergötterung.
Jede Wissenschaft oder jedes Gedankensystem wird durch die Panzerung des Interpreten gefiltert und geformt; so wird der Freudo-Marxismus zum hoevelschen und die Orgonomie zum nasselsteinschen Prokrustesbett.

rational/irrational

19. Juli 2016

In der Orgonomie gibt es keine Trennung zwischen dem Freudschen Primärvorgang (der ganz vom Lustprinzip bestimmt wird) und dem Sekundärvorgang (wo das Realitätsprinzip eingreift), zwischen den primären Gefühlen und der sekundären Ratio. Der Sekundärvorgang kann aus orgonomischer Sicht vollkommen irrational sein („Der Intellekt als Abwehrfunktion“, siehe Reichs Charakteranalyse), während der Primärvorgang Leitfaden eines rationalen Diskurses sein kann (Animismus, ozeanische Gefühle, orgonomischer Funktionalismus). Die Grenze zwischen rational und irrational ist die gleiche wie zwischen primären Trieben und sekundären Trieben. Psychoanalyse, Marxismus, etc. haben primäre Triebe und sekundäre Triebe vermengt und die Label rational bzw. irrational sowohl auf Äußerungen primärer als auch sekundärer Triebe verteilt. Zum Beispiel ist für die Psychoanalyse das ungepanzerte Kind in seiner Suche nach Lust irrational und muß an die rationale Realität angepaßt werden. Für den Marxismus ist die gesamte Geschichte des gepanzerten Menschentiers historisch-materialistisch notwendig und etwa die Trobriander, die diesen Prozeß nicht mitgemacht haben, irrationaler „Völkerschrott“, der ausgemerzt gehört, wenn er der Revolution im Wege steht (Engels). Zusammengefaßt kann man sagen, daß für die Orgonomie diese gesamte Zivilisation und ihre Wissenschaft verrückt ist, weil sie rational und irrational nicht trennen kann. Ein Kompliment, daß der Orgonomie dann spiegelverkehrt heimgezahlt wird: „Reich war verrückt“.

Siehe dazu auch Chronik der Orgonomie.

Auf dem Weg zur Antiorgonomie (Teil 1)

18. Mai 2016

Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre war Reich ein Kommunist. Reich wurde von der KPD zur Mitgliederwerbung mißbraucht. Heute nimmt z.B. entsprechend Die Linke buchstäblich alles Wahre, Gute und Schöne mitsamt ihrer Vertreter in Beschlag. Diese Grundtendenz zum Mißbrauch des Lebendigen ist keine Stalinistische Entstellung, sondern gehört zum falschen, verlogenen Grundwesen des Marxismus („die soziale Fassade“). Deshalb sind Marxisten, gerade wenn sie sich Reich positiv zuwenden, Todfeinde der Orgonomie. Das Fatale ist, daß sie zu diesem Mißbrauch von Reich selbst geradezu eingeladen wurden. Mit der Revision seiner alten Marxistischen Texte wollte Reich in den 1940er Jahren seinen eigenen Marxismus der 1920er/1930er Jahre zurückdrängen, doch dummerweise hatte dies bei der Veröffentlichung in Europa den gegenteiligen Effekt, denn so wurde die Orgonomie in einem Marxistischen Kontext vermittelt. Reich hatte sich bereits 1951 voller Selbstzweifel notiert:

Ich muß damit aufhören, meine früheren Bücher zu vertreiben, z.B. Massenpsychologie und Sexuelle Revolution. Nicht, weil sie falsch sind, sie stehen so da, wie sie geschrieben wurden, sondern weil sie die entscheidende Frage, d.h. die Orgonenergie, verdecken und von den Leuten mißbraucht werden. (z.n. Chester M. Raphael: Wilhelm Reich – Misconstrued – Misesteemed, New York 1970, S. 86)

Das Phänomen des „Reichschen Freudo-Marxismus“ kann man am besten anhand des orgonomischen Modells von der Dreischichtung der menschlichen Charakterstruktur erfassen:

Die oberflächliche soziale Fassade ist das Reich des Marxismus, der die Vorstellung, der Mensch sei primär Objekt der Biologie, vehement von sich weist, vielmehr läßt er den Einzelnen und seine Bedürfnisse in ein kollektivistisches Ensemble sozialer Beziehungen aufgehen. Es ist die kontaktlose Theorie des Intellektuellen, der vom Leben isoliert das Leben mit Theorien bewältigen will, ohne sich vorher auf das Leben einzulassen. Entsprechend kann die Marxistische Soziologie nur ökonomisch rationales Verhalten erklären. Reich schreibt im Rückblick auf seine Marxistische Periode:

Die Kluft zwischen ökonomistischer und bio-soziologischer Anschauung wurde unüberbrückbar. Der „Theorie des (vom rationalen ökonomischen Kalkül geleiteten, PN) Klassenmenschen“ trat die irrationale Natur der Gesellschaft des Tieres „Mensch“ gegenüber. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 21)

Was für Marx rational war (der durch unterschiedliche ökonomische Interessen bestimmte Klassenkampf), wurde für Reich zum Inbegriff der Irrationalität, während das, was für Marx irrational war (die Postulierung gemeinsamer Interessen zwischen den Klassen), für Reich die Essenz seiner Bio-Soziologie wurde: die alle Klassen übergreifende natürliche Arbeitsdemokratie.

Freud war in den Bereich des Irrationalen vorgestoßen, ist aber in der von den sekundären Trieben entstellten mittleren Schicht der Charakterstruktur steckengeblieben. Bei ihm löste sich das Leben in einen sadomasochistischen Alptraum auf, über den sich der menschliche Geist stoisch erheben muß. Während Marx mit seinem Hegelianischen Geschichtsmystizismus die gesamte bisherige Entwicklung, das gesamte bisherige Patriarchat gerechtfertigt hatte, da es im Paradies münden würde, leugnete der resignative Schopenhauerianer Freud überhaupt jede Entwicklung zum Besseren.

Reich hat die optimistischen Illusionen der sozialen Fassade und die Resignation der sekundären Schicht transzendiert und ist zum biologischen Kern des Menschen vorgedrungen. Zunächst war Reich aber selbst noch in Illusionen befangen und wollte einen ins optimistische gewendeten Freud mit Marx verbinden: das perverse Unbewußte sei ein Produkt jener sozialen Prozesse, die Marx beschrieben und beherrschbar gemacht hätte. Hatten die Marxisten aber schon Probleme mit Freud, der doch immerhin lehrte, der Mensch müsse in die anarchische Natur ähnlich eingreifen wie ins Marktgeschehen, konnten sie rein gar nichts mit der nun vollkommen dem menschlichen Zugriff entzogenen ahistorischen Biologie Reichs anfangen.

Reich selbst erkannte zunehmend, daß dieser Widerstreit von Psychoanalyse und Marxismus wenig mit Wissenschaft zu tun hatte, sondern daß die beiden Weltanschauungen eine Funktion des jeweiligen Charakters ihrer Exponenten waren. Dieser war für das resignative konservative Beharren auf der einen und die optimistische liberale Kontaktlosigkeit auf der anderen Seite verantwortlich. Die Psychoanalyse beharrte gegen Reichs Optimismus auf der Unwandelbarkeit der Conditio humana. Reich mußte aber auch erkennen, daß Marx ihm nichts zu geben hatte:

Die ökonomischen Bewegungen, die durch den Einfluß von Karl Marx auf die Soziologie entstanden sind, haben durch das Hervortreten eines neuen menschlichen und sozialen Problems die Basis ihrer Wirksamkeit verloren. (Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, Fischer TB, S. 10)

Die soziale Existenz des Lebewesens Mensch ist bioenergetisch betrachtet an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins. (Ausgewählte Schriften, S. 24)

Die Orgonomie kann mit dem Marxismus rein gar nichts anfangen. Doch leider ist es umgekehrt anders und es entwickelt sich eine „Antiorgonomie“.

Man versucht Reichs Lebenswerk systematisch Schritt für Schritt aufzuarbeiten, so wie es sich historisch entwickelt hat: von Freud über Marx zur „sexualökonomischen Lebensforschung“ und schließlich dem „kosmischen Orgon-Ingenieurswesen“. Demnach könne man beispielsweise Reichs Konzept der „Arbeitsdemokratie“ erst richtig verstehen, wenn man sich mit dem Marxismus beschäftigt hat (der in diesem Zusammenhang viel wichtigere Leninismus wird dabei stets ausgeblendet!); die Orgonbiophysik erschließe sich erst vor dem Hintergrund der Psychoanalyse, etc.

Ich, der Verfasser einer umfangreichen Chronologie und Bibliographie der Entwicklung des Reichschen Denkens bin sicherlich der letzte, der diese Herangehensweise nicht zu würdigen weiß, doch trotzdem ist ihr ein tiefgreifender Denkfehler inhärent, denn Reichs Entwicklung verlief sozusagen „falsch herum“. Er hat sich von der Psychologie (Psychoanalyse) über die Soziologie (Marxismus) zur Biologie (Orgon-Biophysik) entwickelt. Also vom oberflächlichsten Funktionsbereich zum tiefsten Funktionsbereich. Nun kann man jedoch daß Höhere nur vom Tieferen her verstehen.

Es geht schlicht darum, daß in der Natur tiefere und umfassendere Funktionsbereiche die höheren und weniger umfassenden Funktionsbereiche bestimmen statt umgekehrt. Das Umgekehrte ist, wie ich gestern ausgeführt habe, funktionell identisch mit widernatürlicher Panzerung. Wer also, wie die erwähnten „kritischen Orgonomen“, Reich „chronologisch“ aufarbeiten will, verfehlt die Orgonomie auf eine denkbar fundamentale Weise. Mehr Entstellung geht gar nicht!

Es ist schlicht und ergreifend Unsinn die Charakteranalyse, wie sie heute von Orgontherapeuten angewendet wird, von Freud her begreifen zu wollen, „um tiefer in sie einzudringen“. Desgleichen wird man die Arbeitsdemokratie grundlegend mißverstehen, wenn man sie von Reichs Beschäftigung mit Marx her begreifen will. Das gleiche gilt auch beispielsweise für den Orgonomischen Funktionalismus und Engels.

Die entsprechenden „systematischen“ Ausführungen „kritischer Orgonomen“ mögen ja alle sehr schlau und akademisch klingen, man wird alle möglichen Reich-Zitate anführen können (teilweise auch aus Reichs späteren Jahren!), aber das ändert nichts an der Tatsache, daß hier eine Art „Orgonomie“ konstruiert wird, die tatsächlich so etwas wie Antiorgonomie ist. Eine Orgonomie, die auf den Kopf gestellt ist.

Übrigens beruhte auch ein Gutteil des mittlerweile zum Glück weitgehend erloschenen „Reichianismus“ auf dieser „Antiorgonomie“. Ich kann mich noch gut an die arroganten Ergüsse erinnern: die Amerikaner könnten Reich gar nicht verstehen, weil sie seine Frühschriften nicht kennen; von Arbeitsdemokratie hätten sie keine Ahnung, da sie nichts von Marx verstünden, etc.pp.

Da gibt es Leute, die haben die erste Hälfte der Charakteranalyse gelesen, fangen an wild herumzupsychologisieren – und glauben allen ernstes damit Orgonomie zu betreiben. Nicht weniger schlimm sind jene, die angeregt durch die zweite Hälfte der Charakteranalyse, sich als „Körpertherapeuten“ verstehen, d.h. die Orgontherapie auf eine Art mechanische „Gymnastik“ reduzieren.

Oder man nehme jenen amerikanischen Erzieher, der vor vielen Jahren im Wilhelm Reich Museum einen Vortrag hielt, in dem er Elsworth F. Bakers Ausführungen über die soziopolitischen Charaktere als „Travestie der Orgonomie“ abkanzelte, denn wie man anhand der Massenpsychologie des Faschismus unschwer erkennen könne, habe Reich seine soziologischen Theorien von Marx und Engels abgeleitet, von denen Baker keine Ahnung habe. Baker erklärt soziologische Phänomene von der Orgon-Biophysik (d.h. hier von der Charakterstruktur) her – und wird dafür von einem „buchkundigen“ „kritischen Orgonomen“ angegriffen.

Fast alle diese Leute haben eine linksliberale Charakterstruktur und entsprechend „intellektualisieren“ sie alles: eine oberflächliche Funktion (das Gehirn, der Intellekt) maßt sich an, die tiefere Funktion (den Körper, die Bioenergie) zu bestimmen. Von ihrer verkorksten Struktur her können sie die Orgonomie unmöglich verstehen. Sie bleibt ihnen imgrunde fremd.

Die Bioenergetik der Politik

9. Februar 2016

Die folgende Aufreihung habe ich nicht beschriftet, da die Pfeile zu falschen Schlußfolgerungen führen können. Sie machen nur mit einer eingehenden Erläuterung Sinn.

Die Kreise beschreiben die Charakterstruktur, wie Reich sie in der Einleitung zur Massenpsychologie des Faschismus beschrieben hat: innen der natürliche, rationale Kern, in der Mitte die durch die Panzerung hervorgerufene „perverse“ irrationale sekundäre Schicht und außen die soziale Fassade, die es uns trotz unserer sekundären Triebe doch erlaubt in Gesellschaft zu leben.

Der Pfeil bei a soll die bioenergetische Grundlage des konservativen Charakters beschreiben: Impulse aus dem Kern werden durch die Panzerung verzerrt (Mystizismus, Religion). Bei c, dem liberalen Charakter, zeigt der Pfeil, wie mit Hilfe des Intellekts die sekundäre Schicht in Schach gehalten wird (Mechanismus, „Zivilisation“).

Die Abbildungen b und d zeigen jeweils, wie diese beiden soziopolitischen „Grundcharaktere“ faschistisch entarten können. Beim Schwarzen Faschisten (b) wird das, was normalerweise mit dem Kern assoziiert ist, etwa das Heimatgefühl oder die Wahrnehmung der Lebensenergie, zum faschistischen „Blutwallen“ (Okkultismus). Während beim pseudo-liberalen Roten Faschisten (d) der Intellekt benutzt wird, die sekundäre Schicht auszudrücken („Dialektischer Materialismus“).

Bis vor kurzem beherrschte die konservative Charakterstruktur (a) die Gesellschaft. Eine Welt, die von religiösen Gefühlen bestimmt wurde. Das urbane liberale Bürgertum und der von rationalistischen Überlegungen bestimmte „aufgeklärte“ Staatsapparat bildete dazu ein Gegengewicht (c). In Deutschland fällt dies in Ungefähr mit dem Gegensatz zwischen „Kultur“ und „Zivilisation“ zusammen.

Wie der Konservative entarten kann (a → b), wird im Rückblick auf das 19. Jahrhundert deutlich. Mit dem Vordringen der „westlichen Zivilisation“ griff als Abwehrreaktion der Okkultismus immer weiter um sich: „Rembrandtdeutsche“, Germanenkult, Antisemitismus, „Wagnerianertum“, diverse „…sophien“. Aus diesem Umfeld ging der Nationalsozialismus hervor. Heute findet es sich in der Esoterik, dem Kult um den Dalai Lama und andere „spirituelle Meister“. Inwiefern das eine Art „schwarze Orgonomie“ ist, habe ich in Der Blaue Faschismus diskutiert.

Die Entwicklung vom Liberalen zum Pseudoliberalen (c → d) wird anhand des „zivilisatorischen Projekts“ des Staatsapparats evident. Vor „1968“ war das gehobene Beamtentum liberal, d.h. ihm war es darum zu tun den Irrationalismus weitgehend in Schach zu halten und das „Projekt der Zivilisation“ voranzubringen. Heute, d.h. „nach dem Weg durch die Institutionen“, wird die gehobene Beamten- und Richterschaft von pseudoliberalen Grünen-Wählern dominiert, deren Bemühen darum kreist, die Zivilisation zu zerstören. Das reicht von der massenhaften Einbürgerung von immer mehr Gasthartzvierlern bis zur Solarenergie, die über kurz oder lang unsere Stromversorgung zerstören wird.

Die hier dargelegten Überlegungen finden sich ansatzweise bereits in Reichs Massenpsychologie des Faschismus. In der ersten Hälfte des Buches wird beschrieben, wie der Faschismus aus dem sexualfeindlichen Mystizismus erwachsen ist, in der zweiten Hälfte, wie die ursprünglich fortschrittliche linke Bewegung durch den Stalinismus abgewürgt wurde. (Etwas verwirrend ist nur, daß Reich die Natur des „ursprünglichen Marxismus“, ja sogar des „ursprünglichen Leninismus“, verkannt hat. Für ihn waren Marx, Engels und Lenin imgrunde „Demokraten“ und sozusagen „konsequente Liberale“, deren Botschaft leider von den Roten Faschisten ins Gegenteil verkehrt worden sei. Bioenergetisch hatte Reich natürlich Recht, nur im geschichtlichen Beispiel hat er sich vergriffen.)

Der Rote Faden: Aldous Huxley

7. Januar 2016

1929 umriß Reich die Geschichte der Sexualökonomie der breiten Massen wie folgt:

Zur Zeit der ersten Differenzierung des Proletariats, in den Anfängen des Kapitalismus, hat es, nach den Berichten von Marx im Kapital und von Engels in Die Lage der arbeitenden Klasse in England zu urteilen, so gut wie keinerlei Einschränkung oder Verdrängung der Sexualität im Proletariat gegeben. Die Sexualform des Proletariats war nur gekennzeichnet und beeinflußt durch seine desolate soziale Lage, wie etwa noch heute die des „Lumpenproletariats“. Aber im Laufe der kapitalistischen Entwicklung, als die herrschende Klasse, soweit es ihr eigenes Dasein und ihr Profitinteresse erforderte, sozialpolitische Maßnahmen ergriffen und „Fürsorge“ zu treiben begann, setzte eine heute immer mehr im Ansteigen begriffene ideologische Verbürgerlichung des Proletariats ein. Damit verschob sich die Wirkung der Sexualverdrängung auch ins Proletariat, ohne hier jedoch je solche Dimensionen erreicht zu haben, wie etwa im Kleinbürgertum (…). (Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse)

Das „Lumpenproletariat“ hatte Reich vier Jahre zuvor in seinem Buch Der triebhafte Charakter beschrieben. Das Proletariat wurde immer triebgehemmter mit den Folgen, die Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus diskutiert. Die Entwicklung ist fortgeschritten und mittlerweile kann man das genaue Gegenteil beobachten. Durch staatliche Eingriffe, angefangen von der Krippenerziehung, über die Kindergärten und Schulen, nicht zuletzt aber durch den Einfluß der Medienkonzerne, wird geradezu systematisch ein neues triebenthemmtes „Lumpenproletariat“ herangezüchtet.

Angesichts der überhandnehmenden Sexualisierung in der westlichen Welt wird von „Gesellschaftskritikern“ gerne angeführt, wie überholt die Theorien Reichs über die weltverbessernden Folgen einer „sexuellen Befreiung“ doch wären. Als mahnender Gegenentwurf wird gerne auf Aldous Huxleys Zukunftsroman Brave New World (Schöne neue Welt) von 1932 verwiesen.

Reich hat sich 1936 in seiner Zeitschrift mit diesem Werk auseinandergesetzt, da der niederländische Kommunist Jef Last mit Verweis auf Huxleys Roman ganz ähnliche Argumente, wie sie heute im Schwange sind, gegen die Sexpol anführte. Jef Last hatte „Genossen Reich“ geschrieben:

Huxley führt in diesem Roman die Gedankengänge der Sexpol eigentlich ad absurdum. Er zeichnet eine phantastische Zukunftsgesellschaft, in der alle Bindungen zwischen Fortpflanzung und Sexualität gelöst sind. Die Kinder werden in Staatslaboratorien ausgebrütet, der Sexualakt als Lust dagegen ist nicht nur stärkstens bejaht, sondern der Staat tut alles, damit der sexuelle Trieb fortwährend hemmungslos und restlos befriedigt werden kann. Auch in Huxleys Roman fordert man bereits die dreijährigen Kinder auf mit dem „Lulu“ zu spielen und bestraft nur diejenigen, die an sexuellen Spielen kein Vergnügen haben. Das Ergebnis ist eine scheinbar vollkommen glückliche Welt, aus der (bei genügender materieller Versorgung) jede Unzufriedenheit verschwunden ist und auch jede sexuelle Entartung. („Antwort auf Wilhelm Reich/Antwort an Jef Last“, Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, Bd. 3, Nr. 3/4, S. 169-171)

Negativ sei jedoch zu konstatieren, so Last, daß aus dieser „vollkommen glücklichen Welt“ leider „jede Spannung, jedes künstlerische Schaffen, jede geistige Hingabe und jede wirkliche Wissenschaft“ verschwunden sei. Und genau dies sei der implizite Vorwurf der reaktionären Gegner der Sexpol: „eine hemmungslose Bejahung des Trieblebens bedeute den Untergang aller Kultur, da diese nur auf einer bewußten Eindämmung und Beherrschung der Triebkräfte aufgebaut ist“.

Reich erwidert darauf, daß man es bei Huxleys Roman mit einem reinen Phantasiegebilde zu tun habe, während die Anschauungen der Sexpol aus der wissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien. Diese habe gezeigt, daß eine Trennung von Sexualität und Fortpflanzung eine ganz andere Zukunft zeitige.

[K]ein Trieb des Menschen wirkt so befruchtend und anregend auf seine Produktivität sowohl in Bezug auf künstlerisches Schaffen als auf wissenschaftliche Arbeit wie der Geschlechtstrieb, der eine Bejahung erlebt. So würde die Sexpol, wenn sie die Zukunftsgesellschaft schildern wollte, gerade zu entgegengesetzten Schlüssen kommen wie Huxley: Die Menschen, welche frei von Schuldgefühlen zu ihrem Sexualleben stehen und unabhängig von wirtschaftlichen Miseren ihren gesunden, natürlichen Trieb lustvoll befriedigen könnten, würden nicht wie bei Huxley, jede Spannung entbehren, sondern ihre Spannungen wie deren Lösungen bewußt erleben. Und aus der bewußten Bejahung ihrer Bedürfnisse und deren Befriedigung würde eine neue Kultur aufblühen. Kunst wäre nicht mehr Privileg einiger Auserwählter, sondern die Masse würde fähig werden, sie zu genießen! (ebd.)

Reichs Aussage kann man in folgendem dem Studenten der Orgonomie wohlbekannten (hier nur leicht abgewandelten) Diagramm zusammenfassen:

Damals gehörten beide, Huxley und Last, zur linken Kulturschickeria. (Später wurde Huxley Antikommunist.) Auf dem „Ersten Schriftstellerkongreß für die Verteidigung der Kultur“, von Willi Münzenberg, damals noch immer der Kopf des Agitprop der Komintern, in Paris organisiert (21.-25. Juni 1935), wurde jene Figur geschaffen, der Reich schließlich zum Opfer fallen sollte: der fellow traveller. Eine Kreatur, die noch heute, lange nach dem Untergang der UdSSR, die Kultur bestimmt und alles tut um die Orgonomie zu vernichten, teilweise mit den oben von Last vorgetragenen Argumenten.

Der damalige Kongreß sollte die ideologischen Grundlagen der Volksfront in Frankreich errichten. Leute wie André Gide, André Malraux, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Ernst Bloch und nicht zuletzt Aldous Huxley nahmen an ihm teil. Ganz allgemein umfaßte die pro-kommunistische anti-faschistische Intelligenz Europas um diese Zeit folgende Leute:

Vertreten sind auf französischer Seite Alain, Rolland, Barbusse, Aragon, Malraux, Gide, Guilloux und Vildrac, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Johannes Becher aus Deutschland, die Russen Ehrenburg und Aleksei Tolstoi, und aus England schließlich Aldous Huxley und E.M. Forster. (Francois Furet: Das Ende der Illusion, München 1998, S. 365)

Last war ein enger Freund von Andre Gide und hat ihn, zusammen mit Eugene Dabit, auf Gides berühmte und Gide enttäuschende Reise in Stalins UdSSR begleitet. Jef Last und Eugene Dabit, „die beide Kommunisten sind“.

Ziemlich genau ein Jahr nach Romain Rolland trifft Gide mit seinem Gefährten Pierre Herbart in den letzten Junitagen 1936 in Moskau ein; in Leningrad stoßen vier seiner engsten Freunde dazu, die bei dieser Reise mit von der Partie sind: Jef Last und Eugene Dabit, aber auch Louis Guilloux und der Verleger Schriffrin. (ebd., S. 367f)

So naiv Huxley auch immer argumentiert hat, etwa wenn Kinder dazu aufgefordert werden müssen mit dem „Lulu“ zu spielen und bestraft, wenn sie an sexuellen Spielen kein Vergnügen haben, hat er zweifellos in mancher Hinsicht recht behalten. Es breitet sich in der Tat eine Art „Sexualterror“ aus und die (vermeintliche) „Befreiung der Sexualität“ hat zu einem schier fassungslos machenden Kulturzerfall geführt. Ich brauche das hier nicht weiter ausführen.

Reich lebte in einer Gesellschaftsformation, der „autoritären Gesellschaft“, die weitgehend auf der Hemmung der Sexualität beruhte und sich entsprechend in einem Zustand chronischer Kontraktion befand. Das Leben war ein Jammertal, geprägt von Arbeit, Verzicht und Sparsamkeit.

Die Verwerfungen der Weltkriege, die diese „patriarchalischen“ Zustände im Mark erschütterten, die Entwurzelung der Menschen durch die Industrialisierung und nicht zuletzt die „Trennung von Sexualität und Fortpflanzung“ durch die Pille führten seit den 1960er Jahren zu einer vollkommen neuen Gesellschaftsformation, der „antiautoritären Gesellschaft“, die sich in einem chronischen Expansionszustand befindet. Der „Spaß regiert“, Arbeit ist nur eine leider notwendige Unterbrechung der Freizeit, und jeder, der sich gegen die allgemeine Enthemmung stellt, wird als Spaßbremse ins Abseits gestellt. Introvertierte und „stille“ Jugendliche wissen genau wovon ich spreche.

Beide Gesellschaftsformationen sind gepanzert: