Posts Tagged ‘Bronislaw Malinowski’

Der Rote Faden: Reich in Norwegen

2. November 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

4. Polithygiene

a. Reich in Norwegen

 

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Der genitale Charakter und die genitale Welt (Teil 2)

12. Oktober 2017

Paul Mathews, M.A

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des American College of Orgonomy; übersetzt durch Robert (Berlin). Der Aufsatz wurde aus Zweckmäßigkeitsgründen in drei Teile aufgeteilt.

Trotzdem ist es interessant, über die Natur einer genitalen Welt zu spekulieren. Wir wissen, dass es in bestimmten primitiven Gesellschaften Anzeichen für ein solches genitales Leben gab. Das der Trobriander, wie es in Malinowskis Forschung (1929) und in Reichs interpretierenden Studie der Ergebnisse von Malinowski (1971) gezeigt wurde, möglicherweise die australischen Aborigines nach Roheims Studien (1950) und die Buschmänner der Kalahari. Das sind sanfte, liebevolle und freundliche Menschen – Jäger und Sammler. Die Trobriander waren eine matrilineare Gesellschaft, in der die genitale Sexualität vom frühesten Alter an bejaht wurde. Sie zeigen uns, wie sich eine mehr zivilisierte genitale Welt möglicherweise darstellen könnte.

Aufgrund von Reichs Arbeit und die seiner orgonomischen Kollegen können wir zumindest einige fundierte Spekulationen über eine genitale Welt machen. Zu diesem Zweck verlohnt ein Blick auf das, was wir über die Natur der Genitalität gelernt haben.

Von Freud (1962) und Reich (1949a) haben wir gelernt, dass der Mensch mehrere Stufen in seiner sexuellen Entwicklung durchläuft – oral, anal, phallisch und genital (bei einem Alter von 4). Reich betrachtete die anale Stufe als Artefakt der Reinlichkeitserziehung in unserer Gesellschaft. Wir wissen, dass eine Fixierung auf einer dieser Stufen, entweder durch Unterdrückung oder Unbefriedigung, zu einer Neurose führt, die für diese Fixierung charakteristisch ist, d.h. oral-abhängig oder depressiv; anal-zwanghaft oder masochistisch; phallisch-narzisstisch, genital-hysterisch usw. Baker hat postuliert, dass die Augen eine erogene Zone sind, die bei Fixierung einen okularen Charakter (Schizophrenie) erzeugen kann.

Der genitale Charakter kann nicht auf frühere Entwicklungsstufen regredieren, um seine Konflikte und Spannungen zu bewältigen und muss ihnen auf seiner eigenen Stufe begegnen. Entweder durch rationale Konfrontation (wie im gesunden genitalen Typus), durch Aggression (phallisch) oder durch Flucht und Kontaktlosigkeit (hysterisch) (Baker 1967). Der gesunde genitale Charakter akzeptiert seine Genitalität. Dies beinhaltet eine bestimmte Reihe von Bedingungen. Wir wissen aus Reichs Arbeit, dass man nur durch orgastische Entladung den geordneten Energiehaushalt aufrechterhalten kann, der Voraussetzung für Gesundheit ist. Der echte genitale Charakter ist zu dieser Ökonomie fähig, weil er mit einem Minimum an Panzerung überlebt hat, der flexiblen Panzerung, die für den Schutz in einer gepanzerten Welt notwendig ist. Er hat keinen Ödipuskonflikt, denn er hat seine genitalen Wünsche auf ein heterosexuelles Liebesobjekt übertragen, das ein reales Liebesobjekt und kein Ersatz für das Inzestobjekt ist. Welche prägenitalen Wünsche er auch immer hat, sie stehen entweder im Dienste seiner genitalen Sexualität – als Vorspiel, das die Bewegung der Energie zum Becken anregt – oder in irgendeiner Art der Sublimation durch Arbeit.

Weil er kein schuldbesetztes ödipales Problem hat, kann er die Sexualität um ihrer selbst willen genießen und ist folglich sexualbejahend, während jeder Neurotiker bis zu einem gewissen Grade sexualverneinend sein muss. Der Konflikt zwischen der ödipalen Schuld des Neurotikers von innen und dem ödipal-fixierten sozialen Druck von außen einerseits und seinen grundlegenden biologischen Bedürfnissen andererseits berauben ihn sowohl seiner Energie als auch seiner Willenskraft. Folglich zieht es der Neurotiker vor, die sexuelle Frage zu vermeiden, betrachtet sie philosophisch oder bekämpft sie auf zerstörerische Weise (emotionale Pestreaktion), wenn er hoch geladen und im Becken stark blockiert ist. Während der Neurotiker unbedingt versuchen muss, seine Potenz zu beweisen, oder resigniert, empfindet der genitale Charakter sie als naturgemäß und nimmt sie als so selbstverständlich als Teil seines Daseins hin wie die Atmung.

Reich äußerte über den Neurotiker (1949a, Seite 167):

Da immer ein mehr oder minder bewusstes Impotenzgefühl besteht, werden viele soziale Leistungen in erster Linie kompensierende Potenzbeweise, was die Minderwertigkeitsgefühle nicht verringert; im Gegenteil: Da die sozialen Leistung oft Potenzbeweise sind, aber das genitale Potenzgefühl in keiner Weise ersetzen können, wird der neurotische Charakter das Gefühl der inneren Leere und Unfähigkeit nie los, er mag noch so gut kompensieren.

Aus diesem Zitat können wir die Ätiologie des sogenannten getriebenen Charakters erschließen, der Erfolg und Macht sucht, weil diese Dinge einen Ersatz für seine orgastische Potenz darstellen. Darüber hinaus löst allein schon der Vorgang des sozialen Strebens mehr Energie aus, erhöht den Druck, verstärkt Unzulänglichkeitsgefühle und produziert in einem Teufelskreis noch weiteres neurotisch bedingtes Streben.

Die soziale Leistung des genitalen Charakters beruht dagegen auf seinen angenehmen und sogar freudvollen Empfindungen hinsichtich seiner Arbeit und weil er sich mit dem identifiziert, was für die Menschen und die Gesellschaft am besten und am befriedigendsten ist. Er hat drei Grundformen des Kontaktes: mit seinem Kern oder Selbst (Unabhängigkeit), mit seiner Umgebung (Verantwortung) und mit dem Kosmos (Zugehörigkeit) (Baker). Weil er unblockiert ist, kann er alle seine Gefühle angemessen und eindringlich erfahren und sie entweder mit seiner natürlichen Aggression oder der Fähigkeit zur natürlichen Hingabe ausdrücken, d.h. er ist weder destruktiv aggressiv noch neurotisch unterwürfig. Er hat einen gesunden Körper, der flexibel und kräftig, aber nicht hart ist, eine gute Gewebespannung der Haut und glänzende, kontaktvolle Augen. (Siehe Reich (1949), Baker (1967) und Raknes (1971).)

Während das Verhalten des Neurotikers durch Angstvermeidung und durch Schuld motiviert wird, wird der genitale Charakter durch das motiviert, was ihm Freude und Zufriedenheit schenkt. Er ist weder in irrationalen Hass und Rache noch in Resignation als Folge eines ungelösten ödipalen Problems festgefahren. Entsprechend werden Menschen als das wahrgenommen, was sie wirklich sind und nicht als Symbole von frustrierenden und verdrängten Objekten in der Düsternis der sekundären Schicht. Folglich verhält sich der genitale Charakter rational gegenüber Menschen, reagiert mit Respekt und Freundlichkeit, wenn sie ihm entgegen gebracht wird, und mit Zorn und Wut, wenn das angebracht und angemessen ist, wenn notwendig auch mit tödlicher Gewalt. Seine Beziehung zu einem Partner wird durch Liebe und Lust bestimmt sein, nicht durch Schuld und Zwang. Sein monogames Verhalten wird durch gesunde Kriterien bestimmt und er kann polygam sein, wo es notwendig oder rational ist (Reich 1945). Der Neurotiker hingegen bleibt in einer klebrigen, zwanghaften Beziehung oder wird promiskuitiv und kontaktlos von einem Partner zum anderen schwirren oder sich in sadomasochistischen Formen von polygamem Sex ergehen, z.B. polymorph-perversem Gruppensex. Das Letztere rationalisiert er häufig als therapeutisch oder als Ausdruck freier und alternativer Formen der Sexualität. Dr. Elsworth F. Baker (Seite 103) erklärte zum genitalen Charakter: „Perversionen sind ihm gleichgültig, und Pornographie stößt ihn ab.“

Die Intelligenz des genitalen Charakters steht in Harmonie mit seinem genitalen Primat (orgastische Potenz) und dient als getreuer Ausdruck seiner Pulsation vom Kern zum Kosmos. Das heißt, während der Neurotiker an gestörter Pulsation leidet, entweder in der Richtung Kontraktion gegen Expansion oder Expansion gegen Kontraktion, abhängig von der Charakterologie und den Umständen, pulsiert der genitale Charakter einfach. (siehe Abb. 1 und Abb. 2)

Anders als der Neurotiker benutzt der genitale Charakter seine Intelligenz nicht als Abwehr gegen die Bedrohung wahren Wissens oder als zerstörerische Waffe auf dem sozialen Schauplatz. Der emotionale Pestcharakter ist das klassische Beispiel des letzteren (Reich 1953). Seine Rationalisierungen stellen eine Verkleidung dar, die ein Ausdruck von etwas tieferem ist, das um jeden Preis verteidigt werden muss.

Der genitale Charakter toleriert nicht nur Gefühle, sondern genießt und fördert den natürlichen Ausdruck der Lebendigkeit in jeglicher Form. Ich betone „natürlich“, weil seine orgonotischen Sinne ihm sofort sagen, wann etwas falsche Lebendigkeit, Ersatzkontakt (Reich 1949a, Baker) oder heimtückischer Missbrauch von natürlichen biologischen Strebungen ist. Er kennt den Unterschied zwischen Perversion, Pornografie und natürlicher Sexualität, zwischen Volkssängern und Volksagitatoren, Freiheitsliebenden und Freiheitskrämern, Wahrheitsliebenden und Wahrheitskrämern; er kennt den Unterschied zwischen gut, mittelmäßig, schlecht und noch schlechter – zwischen den Unzulänglichkeiten der Ideale und der Regierung Amerikas und dem Schrecken einer rotfaschistischen oder schwarzfaschistischen Gesellschaft (Reich 1953). Der neurotische Freiheitskrämer hat kein Gefühl für diese Dinge und der rotfaschistische Modju weiß, dass eine solche Gesellschaft zerstört werden muss, wenn er überleben will.

In Anbetracht einiger dieser technischen und sozialen Voraussetzungen für den gesunden genitalen Charakter und seine Differenzierung von nicht gesunden genitalen Typen und prägenitalen Typen, was können wir über eine genitale Welt mutmaßen? Zuerst wollen wir den nicht existierenden idealen genitalen Charakter von dem realen unterscheiden. Reich erklärte (1949a, Seite 165): „Die realen Charaktere stellen Mischformen dar, und es kommt bloß auf die Entfernung von dem einen oder anderen Idealtyp an, ob die Libidoökonomie gewährleistet ist oder nicht.“ Das heißt, es gibt eine Unterscheidung zwischen einem idealen genitalen Typus und einem, der im Wesentlichen wie ein genitaler Charakter funktioniert. Dr. Elsworth Baker glaubt, dass Reich so ein funktionaler genitaler Charakter war (Reich 1949b). Zum Beispiel kann ein funktionaler genitaler Charakter arbeiten, konkurrieren und kämpfen für etwas, das er sehr stark will, ob für einen Partner oder für einen bestimmten materiellen Besitz oder für Status und Stellung. Sein Wunsch nach diesen Zielen ist nicht durch neurotische Bedürfnisse (Ersatzpotenz) motiviert, sondern durch echte Freude am Erfolg. Seine gesamte Leistungsweise wird jedoch eine qualitativ anständige, ehrliche und realistische Prägung haben. Als „Mischtyp“ kann er sogar gelegentlich einer neurotischen oder emotional pestkranken Manifestation nachgeben, wird aber in den meisten Fällen in der Lage sein, es zu erkennen, zu handhaben und sich davon zu erholen.

 

Literatur:

Ardrey, R. 1966. The Territorial Imperative. New York: Dell (paperback), 1971.
(deutsch: Adam und sein Revier, Wien, München, Zürich: Molden, 1968)

Bacon, F. 1626. New Atlantis. New York: Odysseus Press, 1973.
(deutsch: Neu–Atlantis, Stuttgart: Reclam, 2003)

Baker, E.F. 1967. Man in the Trap. Princeton: The American College of Orgonomy Press, 2000.
(deutsch: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980)

Butler, S. 1960. Erewhon. New York: New American Library.
(deutsch: Erewhon, München: Goldmann 1985)

Freud, S. 1962. Three Essays on the Theory of Sexuality. New York: Basic Books.
(deutsch: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Frankfurt a. Main: Fischer, 1991)

Hilton, J. 1933. Lost Horizon. New York: Pocket Books, 1976.
(deutsch: Der verlorene Horizont, München, Zürich: Piper, 2003)

Hobbes, T. 1660. Leviathan. New York: Penguin (paperback), 1968.
(deutsch: Leviathan, Stuttgart: Reclam, 1986)

Kuehnelt-Leddihn, E. von. 1977. „Utopias and Ideologies„, Modern Age 21:263.
(URL: https://isistatic.org/journal-archive/ma/21_03/kuehnelt.pdf)

Malinowski, B. 1929. The Sexual Life of Savages. New York: Harcourt, Brace and World.
(deutsch: Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien, Frankfurt a. M.: Syndikat, 1979)

Mathews, P. 1974. The Sociopolitical Diathesis. Journal of Orgonomy 8:204-15; und
The Mechanisms of the Emotional Plague. Journal of Orgonomy 9:206-218, 1975.

Plato. 360 B.C . The Republic. New York: Penguin (paperback), 1974.
(deutsch: Der Staat, Stuttgart: Reclam, 1982)

Plutarch: 75 A.D. Lycurgus in his Lives of the Noble Greeks. New York: Dell (paperback), 1974.
(deutsch: Große Griechen und Römer: 6 Bände (Bibliothek der Alten Welt), Berlin: De Gruyter, 2011)

More, T. 1975. Utopia. New York: Dutton Press.
(deutsch: Morus: Utopia, Stuttgart: Reclam, 2016)

Raknes, O. 1970. Wilhelm Reich and Orgonomy. Princeton: The American College of Orgonomy Press, 2004.
[New York: Penguin, 1971 (Anm. Übers.)]
(deutsch: Wilhelm Reich und die Orgonomie, Frankfurt a. M.: Fischer, 1973)

Reich, W. 1945. The Sexual Revolution. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Die sexuelle Revolution, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst., 1966)

Reich, W. 1946. Mass Psychology of Fascism. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Die Massenpsychologie des Faschismus, Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1971)

Reich, W. 1949a. Character Analysis. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Charakteranalyse. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1970)

Reich, W. 1949b. Ether, God and Devil. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Äther, Gott und Teufel. Frankfurt: Nexus, 1983)

Reich, W. 1953. The Murder of Christ. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Christusmord. Olten, Freiburg im Breisgau: Walter, 1978)

Reich, W. 1971. The Invasion of Compulsory Sex-Morality. New York: Farrar, Straus and Giroux.
[3rd edition prepared by Wilhelm Reich, 1951.(Anm. Übers.)]
(deutsch: Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, Köln: Kiepenheuer und Witsch, 1972)

Roheim, G. 1950. Psychoanalysis of Primitive Culture. New York: International Universities Press.
(deutsch: Psychoanalyse und Anthropologie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1977)

Rousseau, J.J. 1976. The Social Contract. New York: Penguin
(deutsch: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2005)

Der genitale Charakter und die genitale Welt (Teil 1)

9. Oktober 2017

Paul Mathews, M.A

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des American College of Orgonomy; übersetzt durch Robert (Berlin). Der Aufsatz wurde aus Zweckmäßigkeitsgründen in drei Teile aufgeteilt.

Basierend auf einen Vortrag, der in einem Kursus für soziale Orgonomie an der New York University im Frühjahr 1977 gegeben wurde.

 

Anmerkung der Redaktion: Es ist erstaunlich, wie gut dieser Artikel, der ursprünglich vor fast 30 Jahren im [Journal of Orgonomy] 11 (2), 1977, veröffentlicht wurde, den Test der Zeit bestanden hat. Die utopischen Entstellungen, die Mathews 1977 entlarvte, erscheinen noch immer regelmäßig in Publikationen derjenigen, die behaupten, die Orgonomie zu vertreten und deren unbegründete Phantasien über die Trobriand-Inselbewohner nehmen einen führenden Platz in diesen Entstellungen ein. Die wiederkehrenden Bilder eines nicht konkurrierenden, gewaltfreien, halbanarchischen Ideals der Gesundheit stellen einen Versuch dar, die spontane Bewegung des Lebens vom menschlichen Denken auszuschließen und sie durch ein kastriertes, immobilisiertes Phantasieleben zu ersetzen, das weniger bedrohlich für den übermäßig Intellektualisierten ist. Eine eingehende Überprüfung aller Schriften Malinowskis über die Trobrianer zeigt ein Volk, das ausgesprochen wettbewerbsorientiert ist, was den Erwerb und das Präsentieren von Reichtum betrifft, ohne Zögern Krieg und andere Formen von Gewalt anwendet, um ihre ureigensten Interessen zu verteidige, aggressiv voller Lebensfreude ist und fähig ist, soziale Konflikte mit spontaner Flexibilität und Respekt vor den Tücken der menschlichen Natur zu bewältigen, die mit den modernen Maßstäben der politischen Korrektheit nichts gemein hat.

Mathews bahnbrechender Artikel verdient eine erneute Lektüre durch unsere langjährigen Abonnenten und ist ein erfreuliches „Fundstück“ für neue Generationen von Studenten der Orgonomie. [Dr. Robert A. Harman]

 

 

Die soziale Existenz des Lebewesen Mensch ist, bioenergetisch betrachtet, an sich nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seines biologischen Daseins.

Wilhelm Reich (Vorbemerkung, Ausgewählte Schriften)

 

Manchmal scheint es, dass sich die Kurse über Orgonomie hauptsächlich mit der kranken, neurotischen Struktur der Menschen und ihrer Welt beschäftigen, was nicht so verwunderlich ist, wenn wir diese Welt betrachten. Tatsächlich ist es so, dass wir derartig in die Probleme der neurotischen, biopathischen Menschheit eingebunden sind, dass wir nicht viel Zeit haben uns dem Thema der Genitalität und der genitalen Welt zu widmen. Wie viele von uns haben tatsächlich ideale genitale Charaktere kennengelernt oder die Modalitäten einer wirklich genitalen Welt erlebt? Vielleicht in unseren Träumen – Träume vom Paradies, von Schönheit und Liebe – vielleicht in der magischen Welt von Literatur, Kunst und Musik. Reich führte aus, dass der Mensch das Wesen seiner Genitalität am meisten in den Künsten bewahrt hat (1946); und sicher für diejenigen, die liebesfähig sind, findet sie sich in den Armen ihrer Geliebten.

Seit Urzeiten haben die Menschen von idealen Welten geträumt und sie beschrieben: Platos Republik, Plutarchs Sparta, das „verlorene Atlantis“ der griechischen, nordischen, keltischen und arabischen Legenden, Sir Thomas Morus‘ Utopia, die idealen Welten von Hobbes und Rousseau, Bacons New Atlantis, Butlers Erewhon, Hiltons „Shangrila“ und selbstverständlich die himmlische Erfüllung der jüdischen, christlichen, islamischen und anderer Theologien sowohl von zivilisierten als auch von primitiven Kulturen. Einiges des zeitgenössischen Science Fiction ist ebenfalls Ausdruck eines idealen Universums jenseits unserer begrenzten irdischen Existenz. Alle diese Visionen haben die Phantasie und die Sehnsüchte der Menschen seit Jahrtausenden angeregt.

Warum hat die Menschheit diese Sehnsüchte und Visionen so beständig zum Ausdruck gebracht? Ist es die Erinnerung an das einst Erlebte während der sonnigen Unschuld in Kindheit und Jugend? Ist es eine Form von kosmischem Kontakt, der sich nach der idealen Schönheit des Universums sehnt? Wir können nur spekulieren.

Leider waren die meisten Utopisten an mystisch-mechanistische Konzepte von Glück und Erfüllung gefesselt, die zugleich kompensatorisch und schädlich waren. Wie alle neurotischen Mechanismen neigten sie dazu, die Sinne abzustumpfen oder Euphorie und Illusionen zu verstärken. Dies wiederum verzerrte die Wahrnehmung und das Denken, was in irrationalen gesellschaftlichen Konzepten zum Ausdruck kam. Für Plato war der Intellekt die Utopie – das Reich des „Philosophenkönigs“; für Morus war es die gemeinschaftlich organisierte Gesellschaft, mit Verbrechern und Ehebrechern als Sklaven und patriarchalischen Ältesten als die führenden Geister; Shangrila ist eine verträumte, passive Welt pazifistischer und asketischer Ideale; in den neueren Welten der Sci-Fi-Utopien befinden wir uns im Reich des emotionslosen, sterilen und/oder sadomasochistischen Daseins, in computerisierten, robotisierten Horror-Welten, wie sie in Literatur und Kino dargestellt wurden, in „Clockwork Orange“, „2001“, „Logan’s Run“ und „Star Wars“.

Die Beziehung zwischen Utopien und der politischen Charakterologie wurde vor kurzem von Erik von Kuehnelt-Leddihn (1977) klar erläutert. Er stellt fest:

Es kann kaum Zweifel darüber bestehen, dass die Utopien sehr oft als säkularer Ersatz für das religiöse Konzept eines jenseitigen Himmelreichs oder sogar für das hier auf Erden verloren gegangene Paradies dienen … Die Anstrengungen zur Errichtung von Utopien haben ohne Zweifel ungeahnte Schäden verursacht; Ozeane von Blut waren die Folgen. … unnötig zu sagen, dass eine Ideologie der treibende Motor bei der Umwandlung der meisten utopischen Visionen in die Realität ist.

Hier hat Kuehnelt-Leddihn die utopischen politischen Ideologien des Nazismus und des Kommunismus im Sinn.

Es ist für den funktionellen Denker ersichtlich, dass den Stammvätern aller dieser Systeme das entgangen ist, was Freud und Reich als genitalen Primat bezeichnet haben. Keine dieser utopischen Bewegungen hat den biologischen Kern des Problems verstanden, eine bessere Welt zu erschaffen. Alle diese Systeme, die neurotischen Charakterstrukturen entsprungen sind, waren sexualverneinend. Reich zeigt in der Charakteranalyse (1949a, Seiten 164-73) die von sexueller Schuld und Sexualablehnung geprägte Struktur des Neurotikers. Das Konzept einer gesünderen, besseren Welt als einer Weiterentwicklung von orgastisch potenten Menschen war und ist den Utopisten fremd. Selbst heute, mit einem gewissen intellektuellen Verständnis der funktionellen Konzepte Reichs, ist die Menschheit wohl kaum strukturell bereit, diese Prinzipien zu leben.

 

Literatur:

Ardrey, R. 1966. The Territorial Imperative. New York: Dell (paperback), 1971.
(deutsch: Adam und sein Revier, Wien, München, Zürich: Molden, 1968)

Bacon, F. 1626. New Atlantis. New York: Odysseus Press, 1973.
(deutsch: Neu–Atlantis, Stuttgart: Reclam, 2003)

Baker, E.F. 1967. Man in the Trap. Princeton: The American College of Orgonomy Press, 2000.
(deutsch: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980)

Butler, S. 1960. Erewhon. New York: New American Library.
(deutsch: Erewhon, München: Goldmann 1985)

Freud, S. 1962. Three Essays on the Theory of Sexuality. New York: Basic Books.
(deutsch: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Frankfurt a. Main: Fischer, 1991)

Hilton, J. 1933. Lost Horizon. New York: Pocket Books, 1976.
(deutsch: Der verlorene Horizont, München, Zürich: Piper, 2003)

Hobbes, T. 1660. Leviathan. New York: Penguin (paperback), 1968.
(deutsch: Leviathan, Stuttgart: Reclam, 1986)

Kuehnelt-Leddihn, E. von. 1977. „Utopias and Ideologies„, Modern Age 21:263.
(URL: https://isistatic.org/journal-archive/ma/21_03/kuehnelt.pdf)

Malinowski, B. 1929. The Sexual Life of Savages. New York: Harcourt, Brace and World.
(deutsch: Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien, Frankfurt a. M.: Syndikat, 1979)

Mathews, P. 1974. The Sociopolitical Diathesis. Journal of Orgonomy 8:204-15; und
The Mechanisms of the Emotional Plague. Journal of Orgonomy 9:206-218, 1975.

Plato. 360 B.C . The Republic. New York: Penguin (paperback), 1974.
(deutsch: Der Staat, Stuttgart: Reclam, 1982)

Plutarch: 75 A.D. Lycurgus in his Lives of the Noble Greeks. New York: Dell (paperback), 1974.
(deutsch: Große Griechen und Römer: 6 Bände (Bibliothek der Alten Welt), Berlin: De Gruyter, 2011)

More, T. 1975. Utopia. New York: Dutton Press.
(deutsch: Morus: Utopia, Stuttgart: Reclam, 2016)

Raknes, O. 1970. Wilhelm Reich and Orgonomy. Princeton: The American College of Orgonomy Press, 2004.
[New York: Penguin, 1971 (Anm. Übers.)]
(deutsch: Wilhelm Reich und die Orgonomie, Frankfurt a. M.: Fischer, 1973)

Reich, W. 1945. The Sexual Revolution. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Die sexuelle Revolution, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst., 1966)

Reich, W. 1946. Mass Psychology of Fascism. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Die Massenpsychologie des Faschismus, Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1971)

Reich, W. 1949a. Character Analysis. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Charakteranalyse. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1970)

Reich, W. 1949b. Ether, God and Devil. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Äther, Gott und Teufel. Frankfurt: Nexus, 1983)

Reich, W. 1953. The Murder of Christ. New York: Orgone Institute Press.
(deutsch: Christusmord. Olten, Freiburg im Breisgau: Walter, 1978)

Reich, W. 1971. The Invasion of Compulsory Sex-Morality. New York: Farrar, Straus and Giroux.
[3rd edition prepared by Wilhelm Reich, 1951.(Anm. Übers.)]
(deutsch: Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, Köln: Kiepenheuer und Witsch, 1972)

Roheim, G. 1950. Psychoanalysis of Primitive Culture. New York: International Universities Press.
(deutsch: Psychoanalyse und Anthropologie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1977)

Rousseau, J.J. 1976. The Social Contract. New York: Penguin
(deutsch: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2005)

Der Rote Faden: Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

29. September 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

 

 

Robert (Berlin) 2012: Dahmer hat sich etwas mit Reichs Analyse der sowjetischen Reaktion beschäftigt, aber als typischer Kathedersozialist und natürlich negativ, da sein Idol Trotzki alles besser erklärt habe. Dahmer gab dann auch mehrere Schriften Trotzkis heraus.

O.: Reich ab 1927 noch völlig unfertig in seiner therapeutischen Sichtweise, versucht das erste Verständnis von der Wichtigkeit der sexuellen Befriedigung auf soziale Erziehung zu übertragen, um einen „besseren Typus“ zu schaffen: Kritisch, selbsbewußt, arbeitsfähig und befriedigt. Hier scheint das Missverständnis zu entstehen, es gehe überhaupt nur um die Möglichkeit zur Befriedigung, was eine Vorbedingung zu einer qualitativen Verbesserung des Einzelnen ermöglichen mag, wenn eine charakterliche Veränderung hierdurch (durchs Quantitative) möglich ist.
Ist der Stand der Orgontherapie heute weiter? Oder hängen wir in einer Charakteranalyse von 1933 fest, die heute zu sozialpolitischer Charakterologie einlädt? Erkenntnistheoretisch und am (geistes-)wissenschaftlichen Ansatz orientiert, müsste man es dann auch so benennen.

O.: „… Ihr Vater und ihre Brüder hielten Gericht über sie und verurteilten sie zum Tode. Sie wurde lebendig in Stücke geschnitten. (ebd., S. 216f)
Die gleiche Geschichte könnte sich heute so in Berlin zutragen, aber was kümmert das eine bestimmte Spezies von „Reichianern“!“ (s.o.)
Nun zuerst die Revolution auszurufen ist vielleicht auch etwas ungeschickt, insbesondere wenn man wissen sollte, wer die Peiniger sind und dass sie ihre Familienehre beschmutzt sehen. – Jedes Mädchen und jede Frau bekocht ihre Patriarchen und Peiniger täglich und bringt ihnen Tee, da gibt es genug Möglichkeiten mal ein scharfes Messer zur Hand zu nehmen oder den Tee mit Ergänzungsstoffen zuzubereiten.
Vor wenigen Jahren, gab es einen Fall eines kleinen Mädchens, dass, ich weiß nicht mehr von wo (Jemen oder so?), von ihren Eltern abgehauen ist. Die Presse berichtete darüber und sie sollte dann zu den Eltern zurückgeführt werden, wo es mit Sicherheit umgebracht worden wäre.
Wäre da die Bundesregierung mal von selbst auf die Idee gekommen, das Kind herauszuholen und in Deutschland geschützt und mit Bildung aufwachsen zu lassen? Nein, da musste man geschickt an die Ehre appellieren, damit schließlich diplomatisch eine deutsche Firma sich für das Kind einsetzte (eine Randnotiz ein paar Tage später). Offiziell ging das wohl nicht, weil da gewisse Gefühle der muslimischen Welt vermutlich verletzt worden wären. Ob das Mädchen tatsächlich von den Eltern „freigekauft“ wurde und man sich um sie kümmerte, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie auch tot.
Hier bedarf es nicht nur eines politischen Signals, sondern einer schützenden und mit allen Mitteln ausgestattete Organisation.
Aber auch hier bleibt dann die Frage, was ist mit dem Rest des Elends?

O.: Geschichten wie diese machen fassungslos:

http://www.welt.de/politik/article1904570/Achtjaehriges-Maedchen-reicht-seine-Scheidung-ein.html

O.: In Berlin führte man vor Jahren die „Vorschule“ ein. Statt dass das Kind in den Kindergarten geht, musste es zur Schule mit 5 Jahren, damit es schneller „intelligent“ werde. Was ein denkender und empfindender Mensch schon vorher hätte sagen können, traf dann auch ein: Die Sprachentwicklung war nicht wirklich besser und die Kinder dieser Jahrgangsstufe hatten wohl deutlich mehr Probleme. Natürlich sprechen wir hier von Ganztagsschulen, wo die Kinder um vier abgeholt werden dürfen.
Ohne Kommentar (und Entschuldigung) ließ man dieses Modell wieder fallen und versuchte hingegen die Kindergärten besser auszustatten und die Kinder sollten eben da schon wissenschaftlich (ver-/) gebildet werden bei einem Personalschlüssel, der natürlich überhaupt nicht geht – d. h. die Kinder nicht individuell fördern kann, sondern fast wie in der DDR massenhaft abfertigt. Nur dank empathischer Erzieher wurden die Kinder dort gut aufgebhoben.
Wer mal so nebenbei in den ehemaligen Ost-Verwahrungstätten (Kindergärten) so rein schnuppern kann, sieht die kolllektive Abfertigung noch. Mittags wird dann gemeinsam geschlafen, dann gibt den superleckeren Einheitstee – mit oder ohne Zucker ist dann die pädagogische Diskussion – wo Eltern auch nichts mitzureden haben. Das Essen was Kinder an Schulen etc. bekommen ist so schlecht und minderwertig, das man es sich als Erwachsener kaum antun möchte. Montags Nudeln mit Tomatensoße mit Tee und Apfelmus… usw. (Das gilt in allen Schulen West und Ost).
…. ich lass mal lieber die weitere Beschreibung, das muss man einfach erlebt und gesehen haben, das ist heute immer noch nicht anders in diesen Blocksiedlungen, wo in der Mitte das kleinere Gebäude mit dem Arzt, dem Kindergarten und dem Einkaufsladen um die Ecke ist.
Die seelische Behinderung der Kinder ist hier vorprogrammiert und wird über Generationen weitergetragen werden. Da muss ich mich einfach nur schämen für dieses „arme“ Land.

O.: Mit geht es nicht darum „Ost-Pädagogen“ schlecht zu machen, darunter gibt es heute auch sehr nette und taugliche Pädagogen. Es geht mir um die Atmosphäre, die in den Neuzigern noch sehr deutlich zu sehen war und teilweise sich bis heute gehalten hat, weil eine Durchmischung von West und Ost nicht stattgefunden hat.

O.: Das ist absolut korrekt, ich habe es gelesen. Das ist einfach zu gut gemeint mit illusorischen Ansprüchen ohne finanzielle Umsetzung und Ressourcen. D.h. es geht auf Kosten der Kinder und pädagogischen Fachkräfte und an Schulsozialarbeiter und Soziale Gruppenarbeit in Schulen wird nicht gedacht (nur als Alibi-„Projekte“), ebenso weinig an Kinderclubs, Schüler- und Jugendzentren mit entsprechendem Personal. Was machen die sogenannten „Lückekinder“, wenn nach der Überbetreuung/ Überwachung, sie dann ab der 5. Klasse plötzlich nur noch die Straße haben? Drogen verticken und Banden bilden? Die Eltern und Lehrer wissen davon nichts.

Robert (Berlin): Man braucht nur solch einen abgehobenen Blödsinn wie das Berliner Bildungsprogramm ( http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/bildungswege/vorschulische_bildung/berliner_bildungsprogramm_2004.pdf ) zu lesen und dann die beschissene Realität zu kennen, um zu merken, wie Schwachsinnig die Verantwortlichen vorgehen.

Robert (Berlin): „Projekt Frankenstein 2.0“
Die künstliche Gebärmutter befreit die Frauen
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/03/die-kunstliche-gebarmutter-befreit-die.html

Jonas: Mit dem Erstarken derartiger Bestrebungen wird mehr und mehr Menschen klar werden, dass sie eine solche Zukunftsgesellschaft *nicht* wollen. Man wird dies dann sicherlich als „bloßes Gefühl“ oder als „Irrationalismus“ abtun.
Wenn die Orgonomie mit ihren Erkenntnissen Recht hat, dann kann wohl nur sie objektive und wissenschaftliche Gründe liefern, warum eine solche Zukunft tatsächlich nicht erstrebenswert ist.
Wer ernsthaft an der Orgonomie als Wissenschaft arbeiten möchte, sollte auf diesen Zeitpunkt vorbereitet sein – mit klaren und empirisch untermauerten Argumenten, warum sich das Leben eben nicht wie jede „andere“ beliebige Maschine behandeln lässt.

Peter 2013: Kinderkrippen sind ein rotfaschistisches Verbrechen am Kind und an der Menschheit. Seelenmassenmord – die Spezialität der Kommunisten.

http://www.pi-news.net/2013/02/roger-koppel-zweifelt-an-kinderkrippen/

Peter 2016: Krippenerziehung ist Mord an Kinderseelen:

http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2016-06/kita-qualitaet-mitarbeiter-fehlverhalten-umfrage

Claus: Man bedenke, dass es nicht nur um Krippen geht, sondern um Kitas überhaupt: Staatsbetreuung. Dabei wird so getan, als wäre nur mangelnde personelle Ausstattung zu bemängeln. Dadurch will man also auf noch mehr Staatsversorgung, eben auch für die Betreuer, hinwirken. Und die – das habe ich selbst so erlebt – vertreten vor allem das Interesse, Jobs zu schützen. In ‚Ganztagsschulen‘ werden Grundschulkinder geradezu daran gehindert, sich zu beschäftigen (sei es etwa mit Fußballspielen), weil es nicht dem jeweiligen Gruppenangebot entspricht.

Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

DeMeo/Senf: Nach Reich (1997)

21. Januar 2017

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DeMeo/Senf: Nach Reich (1997)

Lesebegleitungen zu den späten Schriften Wilhelm Reichs (1995-1997)

18. Januar 2017

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Lesebegleitungen zu den späten Schriften Wilhelm Reichs (1995-1997)

Igitt: Bornemann

24. Oktober 2016

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Igitt: Bornemann

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.g.

28. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

f. Die gesellschaftlichen Tabus

g. Animismus, Polytheismus, Monotheismus