Posts Tagged ‘Anthropologie’

nachrichtenbrief23

18. Mai 2017

Politische Biologie

29. August 2016

Seit Jahren überlegen sich Anthropologen, ob das Menschentier zu einem intelligenten und sozial kooperierenden Wesen geworden ist, weil er aggressiver Jäger oder weil er verängstigter Gejagter war. Im ersten Fall mußte er Jagden vorbereiten, organisieren, strategisch planen, mit anderen eng zusammenarbeiten, im zweiten Fall habe „der frühe Mensch Mechanismen entwickelt, die seine Fähigkeit zur Kooperation stärkten, sein Sozialverhalten und seine Teamfähigkeit. Diese Mechanismen haben den Menschen kooperativ gemacht statt aggressiv.“

Es ist offensichtlich, daß hier einiges durcheinander geraten ist, da Jäger, etwa Löwenrudel, und Gejagte, etwa Wildpferde, in ihrem Sozialverhalten innerhalb des Rudels bzw. der Herde kaum Unterschiede aufweisen! Hört man den Anthropologen zu, die den Urmenschen als brutale „kapitalistische“ Bestie zeichnen, und denen, für die er der geborene „Kommunist“ war, kommt einem der Verdacht, daß der oben konstruierte Gegensatz mehr eine Funktion der soziopolitischen Charakterstruktur des jeweiligen Anthropologen ist als eine der objektiven Wissenschaft. Das läßt sich auf die gesamte Biologie ausdehnen. Ich erinnere nur an die Diskussion um Stephen Jay Gould. Generell tendierten die Biologen in der alten autoritären Gesellschaft zu einer brutalen Version des Darwinismus, während sie heute, in der anti-autoritären Gesellschaft jedenfalls tendenziell überall friedliche Symbiose und Kooperation sehen wollen.

Wer Elsworth F. Bakers soziopolitische Charakterologie nicht studiert hat, kann die Welt nicht verstehen! Siehe dazu Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie.

Der Einbruch des Inzestes

4. April 2016

Nicht zuletzt angesichts des Islam ist mir ein bestimmter Aspekt des Reichschen Lebenswerks schlichtweg unerträglich.

Für Reich erklärt sich das Mutterrecht „aus der natürlichen Generationsfolge, mit der Tatsache des Inzestes und der primitiven Arbeitsdemokratie [in der Urfassung: Urkommunismus] in der Urzeit“. Der „Inzest in der Urzeit“ sei eine „unwiderlegliche Tatsache“ (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 95). Reich geht einen Schritt weiter und setzt vor das Mutterrecht das „Naturrecht“. „Das ‚Naturrecht‘ könnte der inzestuösen Urhordensituation, das Mutterrecht der exogamen Clanorganisation zugeordnet werden“ (S. 124). Die „Urhorden“ seien „naturrechtlich und arbeitsdemokratisch [in der Urfassung: urkommunistisch] sowie inzestuös“ organisiert gewesen (S. 123). Er bezieht sich dabei auf Morgan und dessen Konzept der „Blutverwandtschaftsfamilie (die Elterngeneration, die Brüder-Schwester-Generation und deren Kinder, jede untereinander in genitalem Verkehr stehend)“ (S 108).

Hier ist demnach einzufügen, daß Reich bei „Inzest“ in erster Linie an den Geschlechtsverkehr innerhalb der Generationen denkt. Anders als bei Freud ist bei ihm nicht der „Sohn-Mutter-Inzest“, sondern der „Bruder-Schwester-Inzest“ das entscheidende (S. 143). Freud ging von einer „Urhorde“ aus, bei der sich alles darum dreht, daß der „Urvater“ verhindern muß, daß seine Söhne mit ihrer Mutter schlafen. Darauf wollte Freud den Ödipus-Komplex zurückführen. Tatsächlich haben genetische Untersuchungen gezeigt, daß die Menschen vor 50 000 Jahren noch so rar gesät waren, daß es tatsächlich zur Inzucht kam, – gleichzeitig kam es aber auch zu Geschlechtsverkehr mit Neandertalern und anderen Menschenunterarten. Das Tierreich zeigt, daß es nur infolge von geographischer Isolierung zu Inzucht kommt und es sich deshalb um alles andere als um „Naturrecht“ handelt. Man schlief sogar mit Neandertalern, um der eigenen Familie zu entgehen! Heute kommt es bei Menschen zu Inzucht nur unter extremen sozialen Druck wie etwa in der zutiefst pathologischen islamischen Welt. Siehe auch hier.

Reich selbst hatte gezeigt, daß in der gepanzerten Gesellschaft die Bindung an die Mutter zur unlösbaren sexuellen Fixierung wird und verhindert, daß andere Bindungen eingegangen werden. Wie kommt er dann dazu die Inzucht unter Geschwistern zu „vernatürlichen“? Reich geht so weit zu behaupten: „Die Schädlichkeit der Inzucht ist nirgends nachgewiesen“ (S. 136). Im Zustand der „Wildheit“ hätten die Menschen „jahrtausendelang im Inzest (gelebt), ohne daß der geringste Anhaltspunkt für eine Schädigung vorliegt“ (S. 136f). Der Inzest sei „als jahrtausendelang dauernde Regel mythologisch und durch direkte Beobachtung nachgewiesen“ (S. 142). Reich gibt u.a. ausgerechnet die Saudi-Araber, die „Wahabi-Stämme des Njed, des Gebirgsplateaus im Inneren von Arabien“ als Beispiel dafür an, wie der gesellschaftliche Zusammenhang zwischen ihnen „nur durch Heiraten aufrechterhalten (wird), die zwischen Geschwisterkindern ersten Grades … geschlossen werden“ (S. 135).

Reichs Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral ist wirklich ziemlich weit von James DeMeos Saharasia-Theorie entfernt. Was die Vorgeschichte, d.h. die Zeiten des „Naturrechts“ betraf, herrschte, Reich zufolge, „Frieden nach innen, Gewalt nach außen – das war die Situation der Urzeit“ (S. 132). Innerhalb der Horde galt Inzest und „Urkommunismus“ mit vollständiger Gleichberechtigung der Frau, während außerhalb die von langen Jagdexpeditionen sexuell frustrierten Männer mordschatzend die Gegend unsicher machten, die Männer fremder Stämme massakrierten und deren Frauen vergewaltigten!

Freud hatte sich auf die Zoologie berufen, doch Reich verbietet sich Beispiele aus dem Tierreich, die auf ein von einem Leitmännchen geführte hierarchische Strukturen verweisen:

Die einzige hypothetische Grundlage dieser Auffassung ist die supponierte Eifersucht des führenden Mannes und das notabene seltene Vorkommen von Tierhorden (wilde Pferde, Hirsche, Affen), bei denen es einen „Führer“ gibt. Diese immer wieder aus dem Tierreich herangezogenen biologischen Beweise verschwinden aber gegenüber der Tatsache, daß die Millionen anderer Tierarten erwiesenermaßen, mit Ausnahme gelegentlicher Paarungen für die Zeit der Brut, geschlechtlich ungeregelt leben; trotzdem müssen sie immer wieder zur Stützung der patriarchalischen Ideologie herhalten. (S. 95)

Bei Säugetieren und Vögeln, andere Gattungen brauchen uns nicht interessieren, ist es jedoch fast durchweg so, daß um die Weibchen gekämpft wird und der Sieger eifersüchtig über seine erkämpften Privilegien wacht, dabei aber trotzdem ein gewichtiger Teil der Nachkommen der Weibchen von Nebenbuhlern stammt – was Biologen teilweise erst durch Gentests entdeckt haben… Das „geschlechtlich Ungeregelte“ ist deutlich eine Tendenz, aber die Regel ist das eifersüchtige Alphamännchen, das (sozusagen „offiziell“) alleinigen Zugang zu den Weibchen hat. Angesichts der Bonobos ist es durchaus möglich, daß sich beim Urmenschen die besagte Tendenz Bahn brach, aber sicherlich nicht im Sinne eines inzestuösen „Jeder mit Jedem“!

Inzest (Inzucht) kommt allenfalls bei degenerierten Haustieren vor, denn natürlicherweise geht die sexuelle Spannung zwischen genetisch weitgehend identischen Tieren gegen Null. Warum dann das starke Inzesttabu etwa bei den Trobriandern? Dem Psychoanalytiker Reich zufolge verweist das doch auf entsprechend starke unbewußte Wünsche! Dazu ist zu sagen, daß Reich selbst bei den Trobriandern alle möglichen „Tabus“ beschreibt, die nicht gerade auf starke Wünsche verweisen, etwa den Geschlechtsverkehr mit häßlichen Frauen und ähnliche unappetitliche Sexualpraktiken, etwa Vergewaltigung oder Onanie, die der Trobriander verachtet, da sie seinen Stolz verletzen.

Reich geht vom ursprünglichen Mutterrecht, Urkommunismus und der „unwiderleglichen Tatsache des Inzestes“ aus. Merkwürdigerweise kann er aber nur für die ersten beiden Elemente ethnographische Belege beibringen. Das einzige Beispiel für so etwas ähnliches wie Inzest ist die Kreuz-Vetter-Basen-Heirat bei den Trobriandern und anderen Primitiven, die aber doch engstens mit dem Heiratsgut verbunden ist, das nach Reich der Hauptmechanismus der Überführung des Matriarchats ins Patriarchat ist. „Inzestuöser Urkommunismus?“

Aber nicht nur durch das Festhalten am Freudschen Dogma vom Inzest als einem Grundtrieb des Menschen gerät Reich mit sich selbst in Widerspruch (er, der die sexuelle Abstumpfung in der Ehe beschrieben hatte – um wieviel mehr muß es diese in der Familie geben), sondern auch durch seinen Marxismus: Dadurch, daß der Trobriander den kleineren Teil seiner Ernte als Gebrauchswert für den eigenen Konsum, den größeren Teil jedoch als Heiratsgut herstellt, das eine Vorstufe der Ware ist, kommt die Trennung von Gebrauchs- und Tauschwert in die Welt. Reichs eigener Text und noch weit stärker Malinowskis Originaltexte zu den Trobriandern läßt jedoch durchblicken, daß der ja wechselseitige Austausch des Heiratsguts (und andere „Tauschgeschäfte“) geradezu das Grundwesen der matriarchalen Ökonomie der Trobriander ausmacht. Marx ökonomische Theorien über guten Gebrauchs- und bösen Tauschwert führen da nur in die Irre.

Reich hätte sich auf seine ihm eigene sexualökonomische Theorie vom Akkumulationsmechanismus Kreuz-Vetter-Basen-Heirat beschränken sollen, den er anhand von Diagrammen aus Malinowskis Text und anderen Quellen rekonstruiert hat. Reich (und mit ihm die Realität) ist mit Freud und insbesondere mit Marx einfach inkompatibel.

einbruch

Irrsinniges Gebrabbel unter dem Mond

20. Januar 2016

In Christusmord hat Reich „schöpferische Gedanken“ mit dem „Gegenstück des Kleinen Mannes“ über fünf Seiten hinweg kontrastiert. Aus dem Gedanken der Freiheit wurde unsere Porno-Gesellschaft, aus dem einheitlichen Äther wurden bei Rudolf Steiner unterschiedliche „Äther“ für unterschiedliche Naturbereiche, aus der Gesetzlichkeit wurde Bürokratie, aus der Psychologie wurde, daß jeder sich zum Psychotherapeuten aufschwingt, aus dem medizinischen Orgonomen wurde der Reichianische Körpertherapeut („Muskelquetscher und Panzerdrücker“), aus dem gesunden Kind, das artige Kind, das keine Probleme macht, etc. Dergestalt richtet der gepanzerte Mensch seine aus der Arbeitsdemokratie erwachsene Kultur so ein, daß sie ein Hort des Gegenteils der Arbeitsdemokratie wird: der Emotionellen Pest.

Eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Orgonomie herumschlagen muß, ist eine Begrifflichkeit, der man sich bedienen muß, um in der gepanzerten Welt verstanden zu werden, die aber mechanistisch bzw. mystisch verzerrt ist und die bioenergetisch bestimmte Wirklichkeit deshalb nicht adäquat wiedergeben kann. Man denke etwa an die sozio-politische Orgonomie, die mit Begriffen wie „konservativ“ und „liberal“ hantieren muß, welche sich im Laufe der Geschichte mit unterschiedlichsten Inhalten gefüllt haben und ohnehin zunehmend jede Bedeutung verlieren. Oder man nehme Reichs Auseinandersetzung mit kontaktelektrischen Phänomenen, bei denen „positive Elektrizität“ und „negative Elektrizität“ („Ladungstrennung“) wie dazu geschaffen sind, orgonotische Vorgänge quasi unsichtbar zu machen.

Bereits 1931 beklagte Reich im Bereich der Ethnologie und Sexologie:

Wir sehen, wie wenig die hochtrabend wissenschaftlichen Kategorien der „Monogamie“, „Polygamie“, „Polyandrie“, „Promiskuität“ mit [den bei den Trobriandern] nur von der genitalen Bedürfnisbefriedigung gelenkten und geregelten Sexualbeziehungen zu tun haben. Diese Paare sind ebensowohl monogam wie gelegentlich polygam, bei Festen sogar promiskue; doch die Klassifizierungen sagen nichts aus in [der Trobriandrischen Gesellschaft] und bekommen erst ihren Sinn und Gehalt als Prinzipien unserer moralistischen Regulierungsbestrebungen, nicht mehr. Auch bei uns decken sie keinen Tatbestand. Auch bei uns sind die sexuellen Beziehungen verschiedenstartig. Der Unterschied zum Primitiven – das sei besonders hervorgehoben, weil es unsere sexualökonomische Betrachtungsweise von jeder anderen in jeder Beziehung trennt – liegt nicht darin, daß jene polygam oder promiskue und wir monogam leben; es läßt sich auch keine monogame Forderung aus dem monogamen Leben der Primitiven, wie manche Sexualforscher und Ethnologen versuchen, ableiten, sondern er ist einzig und allein ausgedrückt in der sozialen Ordnung des Geschlechtslebens und in der verschiedenartigen Erlebnisweise der Umarmung, die von jener abhängt. Der Genitalapparat an sich ist mit allen seinen Konsequenzen hier wie dort gleich angelegt (…). Und das macht das Kopfzerbrechen unserer Sexualforscher aus, daß er ihre Kategorien der verschiedenen „-gamien“ nicht kennt, sondern nur das Ziel der Sexualbefriedigung. (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 40f, Hervorhebungen hinzugefügt)

Den Anthropologen und Soziologen ist es um oberflächliche „objektivierbare“ Erscheinungen zu tun, Reich um das „innere“, „subjektive“ Erleben, d.h. um die Bioenergetik, die sich vor allem in den Emotionen und dem Gefühl der Befriedigung zeigt. An diesem Gegensatz muß jede Diskussion um unsere gesellschaftlichen Zustände scheitern. Beispielsweise führt Reich weiter aus, daß es in unserer Gesellschaft Entsprechungen zu den sexuellen Festivitäten der Trobriander durchaus gibt, etwa gemeinsame Bordellausflüge der Studenten, „die Wanderungen der Jugend, die zu genitalen Betätigungen führen“, etc. (heute ließe sich ganz anderes anführen!). Der zentrale Unterschied, der einzig ausschlaggebende Punkt sei: „Unsere Sexualfeste enden mit Katzenjammer aus der unerfüllten, ja vor sich selbst meist verschleierten und mit Heuchelei und ‚Ehrbarkeit‘ verdeckten Erwartungen genitaler Befriedigung. Diese Einrichtungen der Primitiven haben sich bis in unsere Zeit, wenn auch in anderer Form, fortgesetzt, sie verloren nur ihren sexualökonomischen Wert, statt zu befriedigen, steigern sie bloß die sexuelle Spannung“ (ebd., S. 46, Hervorhebungen hinzugefügt).

Man nehme auch Reichs folgende Aussage:

Es gibt in unseren Kulturkreisen sicher nicht weniger genitale Umarmung als in den primitiven; die Promiskuität der männlichen Jugend ist sicher ausgesprochener. Die eheliche Untreue ist infolge des strengeren ökonomischen und moralischen Druckes und infolge der Genitalstörungen sicher verbreiteter als bei den „Wilden“. (ebd.)

Unsere heutigen Pseudointellektuellen können ganze Bücher, etwa über „Sex“ schreiben, ohne jemals zu diesem Kern durchzudringen, der das ganze Gelaber mit einem Satz aufhebt! Sie sind verfangen, gefangen in der gepanzerten Begrifflichkeit. Auf diese Weise wird Wissenschaft, ein zentrales Element der Arbeitsdemokratie, zu einem Organ der Emotionellen Pest.

Angesichts des allgegenwärtigen irrsinnigen Gebrabbels verfiel Reich in die Haltung des „stillen Beobachters“ und versetzte sich von der „Bühne“ auf die „Wiese“ (siehe Menschen im Staat und Die kosmische Überlagerung). Ein schönes Bild hat auch Rocko Schamoni gefunden:

Wladimir Putin und Lew Gumiljow

25. September 2015

Lew Gumiljow (1912-1992), ein sowjetischer Historiker, Ethnologe und Anthropologe prägt seit der Endzeit der Sowjetunion den antiwestlichen, „eurasischen“ Diskurs sowohl der rechtsradikalen Kreise in Rußland als auch bei den russischen Randvölkern, den von Gumiljow glorifizierten „Steppenvölkern“. Das ganze bezeichnet man als „Neo-Eurasianismus“. Gumiljow ist sozusagen der „Karl Haushofer“ eines neuen Nationalsozialismus.

In den 1950er Jahren begann Gumiljow sich mit der Geschichte der Kazaren und anderer Steppenvölker im mittelasiatischen Teil der Sowjetunion zu beschäftigen. Für ihn stellen die Russen im Verbund mit den Steppenvölkern eine „Großethnie“ dar, die sich immer wieder gegen den Hauptfeind, die Großethnie „katholisches Europa“, zur Wehr setzen mußte. Die Steppenvölker hätten dabei der gemeinsamen Mission wiederholt neue Kampfkraft beigesteuert, nachdem die Russen jeweils der Trägheit verfallen waren.

Die in einzelnen Erscheinungen vielleicht bedauerliche, in ihrer Gesamtheit jedoch fruchttragende Migration aus den südlichen Steppengebieten sei von Trockenperioden und der Wüstenausbreitung bestimmt gewesen, die wiederum auf die Sonnenaktivität und andere kosmische Einflüsse zurückgingen. Die „kosmischen Strahlen“ hätten diesen Völkern gleichzeitig auch „passionarnost“ verliehen; die Passion, Energie, Vitalität, den inneren Impetus, um andere Völker zu übermannen. Diese Strahlen seien vielleicht sogar für Mutationen und das Auftreten neuer „Rassen“ verantwortlich.

Im Rückgriff auf u.a. Wladimir Wernadski sind für Gumiljow Menschen „Funktionen“ der Biosphäre. Die Ethnien seien nicht nur eine Ansammlung von Individuen, sondern Teil umfassender „biogeochemischer“ Prozesse. Sie wären dem Zweiten Thermodynamischen Gesetz unterworden, der zum Energieausgleich und Stillstand führt, gäbe es nicht Phänomene gleicher Stärke, die dem entgegenwirkten. Die lebendige Materie besäße anti-entropische Eigenschaften. Diese Energie sei genauso real wie jene, die von den Physikern studiert wird.

Sie bringt die Organismen dazu sich zu entfalten und zu vermehren. Dazu zählten auch die Menschen und Völker. Ausgelöst durch die bereits erwähnten „kosmischen Strahlungen“, die bestimmte Abschnitte der Erdoberfläche unabhängig von geographischen Barrieren träfen, würde es zu „passionierten“ Eruptionen und Exzessen bei den Völkern kommen, mit deren Hilfe sie die akkumulierte Energie wieder entladen. Dies erkläre warum mächtige Eroberer schnell wieder in Vergessenheit geraten. Ihr „Erschlaffen“ ist nur allzu natürlich.

Die entsprechenden energetischen Prozesse führen gesetzmäßig nacheinander zum Aufstieg einer Ethnie, ihrer Entwicklung, dem imperialen Höhepunkt, gefolgt von Trägheit, Rückzug und Erinnerung an die glorreichen Zeiten. Beim Aufwallen der nationalen Passion und ihrer „orgasmischen“ Entladung komme es zu den großen Eroberungen. So sah Gumiljow beispielsweise das derzeitige Verhältnis zwischen dem trägen Europa und dem von nationaler Passion getriebenen Arabien.

James DeMeo verweist in seinem Buch Saharasia zwar auf Gumiljows Forschungen über die Auswirkungen von Dürreperioden in Zentralasien auf die Wanderungsbewegungen der Steppenvölker, erwähnt jedoch weder die quasi „orgonomischen“ Anteile von dessen Theorie noch, daß Gumiljow sozusagen eine „faschistische Variante der Saharasia-Theorie“ vertritt. Geradezu zwangsläufig muß dieser „Anti-DeMeo“ im Antisemitismus münden: Für ihn stehen die Juden außerhalb der beschriebenen energetischen Prozesse. Sie seien ein merkantiler Fremdkörper, der in keiner organischen Beziehung zu seiner Umwelt steht.

Um das richtig einordnen zu können, verweise ich auf meine Ausführungen in Der Blaue Faschismus, wo gezeigt wird, daß der Nationalsozialismus auf ähnlichen quasi „orgonomischen“ Theorien beruht.

Gut möglich, daß der Westen (Gumiljows „europäisch-katholische Großethnie“) wie zuvor im Zweiten Weltkrieg erneut ein dem Wahnsinn anheimgefallenes Volk zur Räson bringen muß…

Die Weltgeschichte ist imgrunde nur eins: die Ausbreitung der Emotionellen Pest aus dem eurasischen Kernland und die Abwehrschlacht der „merkantilen Seemächte“ (insbesondere England und seine Kolonien) dagegen. Gumiljow ist der Prophet der Emotionellen Pest.

Sein Werkzeug ist der Faschist Putin, der von einer absurd hohen Prozentzahl von Islamkritikern und Pegida-Sympathisanten. „Präsident Putin hebt oft die Bedeutung des Islam für Rußland hervor. Rußland sei ein multinationales und multireligiöses Land, und Europa könne, was das Zusammenleben angehe, von Rußland lernen. Bei einer Rede hat er sogar Experten zitiert, die meinten, die russische Orthodoxie sei dichter am Islam als am Katholizismus.“

Zur Rassenfrage

25. Mai 2015

Das erste, was der Arzt in der Gerichtsmedizin auf Band spricht, wenn er eine unidentifizierte Leiche seziert, ist die Feststellung der rassischen Zugehörigkeit, sie kommt gleich nach der Geschlechtszugehörigkeit. Selbst innerhalb von Völkern kann man ziemlich leicht unterschiedliche Typen ausmachen, etwa Bayern (Strauß), Schwaben (Stoiber) und Franken (Beckstein).

Und es gibt nicht nur offensichtliche anatomische Unterschiede, sondern auch physiologische und geistige. Jeder weiß, daß man in einem Chinarestaurant kein Glas Milch bestellen kann. Chinesen sind nicht in der Lage, frische Milch zu verdauen. Nur ein Ignorant kann die Unterschiede im IQ zwischen den Rassen bestreiten.

Die „Bell-Kurve“, der zufolge sich statistisch nachweisen läßt, daß in Amerika und weltweit der ökonomische Status von Menschengruppen mit ihrem Hirnvolumen und angeborenem IQ korreliert, ist stimmig, wie kaum etwas sonst. Das trifft übrigens auch auf den Unterschied zwischen Frauen und Männern zu! Ja, „Statistik“ und man wisse doch gar nicht, was man eigentlich genau messe, wenn man den IQ bestimme, etc.. Schön, aber ich kenne keine andere Theorie, die so augenfällig mit der Realität übereinstimmt. Beispielsweise haben nordamerikanische Universitäten schwer mit dem „Problem“ zu ringen, daß, wenn es ausschließlich um intellektuelle Leistungen ginge, sie fast ausschließlich von Ostasiaten und Juden bevölkert wären. Stattdessen wird nach Rasse sortiert („Affirmative Action“).

Obwohl sich die Menschengruppen schon rein äußerlich mehr unterscheiden als die unterschiedlichen Außerirdischen bei Raumschiff Enterprise wird nicht nur die Existenz der Rassen bestritten, sondern selbst die Erwähnung des Begriffs „Rasse“ als „rassistisch“ gebrandmarkt. Jedenfalls fordert das „Deutsche Institut für Menschenrechte“ die Streichung des Begriffs Rasse aus dem Grundgesetz.

Die Kommissare wollen alles gleichschalten: Klassenunterschiede, Rassenunterschiede und schließlich sogar Geschlechtsunterschiede („Gendermainstreaming“). Ihr Hauptfeind ist dabei die Biologie (der „Biologismus“). Es darf (und kann deshalb) nicht sein, daß Unterschiede im Wohlstand in letzter Instanz aus angeborenen Unterschieden in der Leistungsfähigkeit hervorgehen. Es darf (und kann deshalb) nicht sein, daß sich kleine Mädchen von Anfang an anders verhalten als kleine Jungs. Und von rassischen Unterschieden zu sprechen, ist eh von vornherein intellektueller Selbstmord!

Leider Gottes macht die Biologie linken Träumern immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Wir alle wissen, wie die Stimmung in einer vertrauten Gruppe kippt, wenn Leute hinzutreten, die nicht dazugehören. Ich selbst habe aus unmittelbarer Anschauung miterleben müssen, wie die deutsche Arbeiterkultur durch die Gastarbeiter zerstört wurde. Das Gefühl der Kameradschaft, die komplexe Verständigung durch bloße Blicke, das Gefühl, wie weit man mit dem ständigen Frotzeln gehen kann, das Gefühl der Heimat ging vor die Hunde. Was blieb war freudlose Maloche und einsame Abende im Fernsehsessel.

Menschen bleiben „unter sich“, nur so können sie sich entspannen und sich gehenlassen. Werden sie dazu gezwungen, in einer „multikulturellen Gesellschaft“ zu leben, erstarren sie emotional und ziehen sich in sich selbst zurück. Selbst wenn in amerikanischen Familienserien, in krasser Abweichung von der gesellschaftlichen Realität, sich Schwarz und Weiß treffen, um die Abende gemeinsam unter guten Freunden zu verbringen, spürt man den Krampf, das Aufgesetzte, Unechte. Entsprechend kommt es in Deutschland einfach nicht vor, daß sich deutsche und türkische Familien etwa zu gemeinsamen Feiern treffen. Mein Gott, bereits unterschiedliche deutsche Landsmannschaften haben genug Probleme miteinander!

Derartige Probleme wachsen zweifellos mit dem Grad der Panzerung, da die orgastische Impotenz je nach ihrem Ausmaß die biologischen Impulse verstärkt. So entsteht etwa Fettleibigkeit: der natürliche Appetit wird zum Heißhunger. Entsprechend ist es mit dem Rassismus: das natürliche „Fremdeln“ wird zum faschistischen Rassenhaß. Und genauso wie ein Anorektiker nicht weniger gepanzert ist, sondern nur anders, ist auch der „antirassistische“ Gutmensch alles andere als rational!

Robert hat in einem Kommentar auf diesem Blog angemerkt:

Die Antirassisten haben eine Reaktionsbildung auf ihre eigenen Impulse, weil sie ihre Haßgefühle gegen Andersartige nicht wahrhaben wollen und ertragen können. Sie bekämpfen an den „Rassisten“ in extrem neurotischer Weise das, was ihre verdrängten feindlichen Impulse sind. Alle werden bei ihnen zu Rassisten, welche die natürliche Ungleichheit der Menschen anerkennen, ohne zu bewerten („höher“ oder „niedriger“). Das macht ihre Irrationalität aus.
Die Ungleichheit der Ethnien und anthropologischen Rassen spielt immer mehr in der Medikamentenforschung eine Rolle.

Daß ein gewisses Ausmaß an „Rassismus“ angeboren und deshalb natürlich ist, zeigt ein überraschendes Forschungsergebnis von Andreas Meyer-Lindenberg (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit) et al.:

Die Zuschreibung bestimmter Merkmale zu einem Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht ist allgegenwärtig. So zeigen auch dreijährige Kinder Mißtrauen gegenüber Menschen aus fremden ethnischen Gruppen und bevorzugen Mitglieder der eigenen Gruppe. Dies gilt nicht für Kinder mit Williams-Syndrom, wie die Wissenschaftler nun gezeigt haben. Die Ursache dieser Krankheit ist das Fehlen von 26 Genen auf einem bestimmten Chromosom. Die Patienten haben eine veränderte Kopfform, das sogenannte Elfengesicht, und leiden unter Eß- und Hörstörungen sowie Infektionen und kognitiver Behinderung. Eine Besonderheit ist, daß die Erkrankten oft auch sehr kontaktfreudig sind und offen auf fremde Menschen zugehen: Ihnen fehlt die bei vielen Kinder typische Schüchternheit oder Angst in neuen gesellschaftlichen Situationen.

Es gibt einen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die vermaledeite Biologie!

Mit einem besseren Verständnis der dafür verantwortlichen Gehirnprozesse hoffen die Forscher, Ansätze zu finden, um rassistischen Vorbehalten begegnen zu können: Kontaktfreudiges Verhalten sei ein Mittel gegen rassistische Vorurteile.

Dieser Blog bekennt sich offen zu Israel. Zu solchen „Bekenntnissen“ neulich auf der Achse des Guten: wenn Leute wie ich herausfänden, daß Israel von auf die Nerven gehenden lauten Orientalen, eben Juden, bevölkert ist, würde sich unser schleimiger Philosemitismus sehr schnell ins Gegenteil umkehren!

Klingt überzeugend, der Autor vergißt jedoch, daß dieser Bruch auch mitten durch die israelische Gesellschaft selbst geht, wo orientalische Juden die europäischen Juden schon mal als „Nazis“ titulieren, weil sie sich von oben herab behandelt fühlen. Da wird von säkularen Juden alles getan, damit keine orthodoxen Juden in die Nachbarschaft ziehen, die, wenn sie eine kritische Masse erreicht haben, den Rest der Einwohner mit ihren Forderungen nach Sabbatruhe und ähnlichem terrorisieren. Die sprechen dann von „Antisemitismus“ mitten in Israel!

Bleiben wir beim richtigen Nazi – heute ist das der „Israelkritiker“:

Er leugnet zwar nicht den Holocaust, stellt ihn aber mit der israelischen Behandlung der Palästinenser gleich und reduziert ihn damit auf ein unwesentliches Maß. Er spricht nicht vom jüdischen Blutmordritual, stellt aber israelische Soldaten dar, die genüßlich palästinensische Kinder bei lebendigem Leibe verspeisen. Er wirft den Juden keine volksfeindliche Illoyalität vor, nennt aber den Zentralrat das Sprachrohr Israels. Er grölt nicht „kauft nicht bei Juden! “, fordert aber den Boykott israelischer Waren und Firmen. Er schreit nicht „Juden raus“, bestreitet aber ihr Niederlassungsrecht in ihrem Heimatland Israel. Er sagt nicht, „die Juden sind unser Unglück“, geißelt aber Israel als größtes Hindernis zum Weltfrieden.

Dieser „antizionistische“ Abschaum dominiert heute die öffentliche Meinung, auch die „philosemitische“!

„Rassismus“ ist tief in uns verankert. Selbst bei Reich finden sich schier unglaubliche Sätze wie:

Ich liebe meine Vögel und Rehe und Wiesel, die den Negern nahe sind! Ich meine die Neger aus dem Busch, nicht die Neger aus Harlem in steifen Kragen und Zoot-Zoot-Anzügen! Ich meine nicht die fetten Negerinnen mit Ohrgehängen, denen die behinderte Lust in Fett der Hüften überhing, deren Lust Jesus entdeckte. Ich meine die schlanken, weichen, biegsamen Körper der Mädchen der Südsee, die du, sexuelles Schwein dieser oder jener Armee, bevögelst; die Mädchen, die nicht wissen, daß du ihre reine Liebe wie in einem Bordell in Denver nimmst. (Rede an den Kleinen Mann, S. 94)

Ich glaube nicht, daß in unserer Familie jemals das Wort „Pole“ gefallen ist. Ich kann mich auch sonst nicht erinnern, daß mir von irgendjemanden eine „anti-polnische“ Haltung nahegebracht wurde, trotzdem steckt es in mir. Beispielsweise, daß ich Polen und Aussiedler dezidiert unfreundlich behandele – und mich danach über mich selbst wundere, teilweise über mich selbst entsetzt bin.

Was offenbar stört, wenn ich mich denn selbst verstehen kann, ist ihr serviles Gehabe, das „Unwestliche“, fast schon „Unzivilisierte“, das „Unpreußische“ oder, wenn man so will, „Unhanseatische“.

In dieser Hinsicht fängt mein „Rassismus“ schon bei Süddeutschen, insbesondere Bayern an.

Neulich hat mir ein Mann aus dem Ruhrgebiet, den es nach Hamburg verschlagen hat, gesagt, wie schrecklich kalt und abweisend doch die Menschen hier seien.

Gerade in diesem Moment gehen Berliner, die in Hamburg zu Besuch sind, unter meinem Fenster lang, laut berlinernd, große Show; die Frauen (irgendwo zwischen 50 und 70) grell rot gefärbte Haare und angezogen wie Transvestiten. Ich spüre geradezu wie sich, von mir unkontrollierbar, alles voller Widerwillen in mir zusammenzieht. Ein genuin rassistischer Affekt. „Ich hasse Berlin!“

Es geht beim Rassismus immer nur um das eine: darum, um Reichs Massenpsychologie des Faschismus zu paraphrasieren, „das Nicht-Tiersein, das grundsätzliche Anders-als-das-Tier-sein, immer wieder zu betonen“. Ich bin etwas besseres, ich habe mich unter Kontrolle, ich gebe mich nicht meinen Impulsen hin, bin nicht laut und vulgär – ich bin Hanseat. Oder mit anderen Worten: ich bin asexuell! („Ich bin kein Tier!“)

So schauen wir auf die mediterranen „heißblütigen“ Türken herab – und so schauen sie auf uns „zügellose Schweinefleischfresser“ herab. Diese Haltung ist untrennbar mit Verachtung verbunden, die daraus resultiert,

daß wir Energie vom Becken zum Gesicht hinaufziehen, so daß wir uns überlegen fühlen. Verachtung ist imgrunde eine Ablehnung des Genitale und wird gegenüber einem Objekt ausgedrückt, das wir für sexueller als uns selber halten, oder gegenüber jenen, die sich in sexueller Hinsicht von uns unterscheiden. Das gilt immer, ganz gleich, was oberflächlich der Grund für die Verachtung zu sein scheint. (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, München 1980)

Solange die weit überwiegende Mehrheit der Menschen gepanzert ist und damit unter einer verheerenden Sexualstörung leidet (orgastische Impotenz), wird dieser im wahrsten Sinne des Wortes „hochnäsige“ Rassismus weiter grassieren und Träume von Völkerverständigung, internationaler Solidarität und Multikulturalismus immer wieder in blutige Alpträume umkippen lassen.

Hier ist gleichzeitig auch die Ursache für den „Klassenhaß“ zu finden, etwa die Verachtung eines sauberen, gradlinigen Proletarierkindes wie mich für das halt- und disziplinlose Bürgertum (das sich am verlotterten, inzuchtgeschädigten Adel orientierte) – und umgekehrt, deren Verachtung für einen „ungehobelten Klotz“ wie mich. Dazu gehört auch mein „viszeraler“ Haß auf das stinkende, ungewaschene „Lumpenproletariat“. Siehe dazu meine – Peter, Du alter Wichtigtuer! – Ausführungen in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie.

Man schaue auf das 20. Jahrhundert zurück: jederzeit können sich die Pforten der Hölle öffnen – Jugoslawien und Ruanda sind jederzeit möglich.

Man muß bei der Bundeswehr gewesen sein, um auch nur erahnen zu können, was für ein viehischer Haß auf Frauen, Schwule und Behinderte in der Seele „normaler“ Männer schlummert. Von ihrem Haß auf „Schwarze“ ganz zu schweigen!

Funktionalismus und Arbeitsdemokratie, unsere einzige Hoffnung!

8. Mai 2015

Während die Tiere traumwandlerisch eine apokalyptische Katastrophe nach der anderen überleben, tapsen wir fremd und hilflos durch die Welt, als wären wir auf einen fremden Planeten gestrandet.

In Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht wird der Volksstamm der Shom Pen auf Groß-Nikobar als Beispiel für ein ungepanzertes Leben angeführt.

Da die von Indien verwalteten Nikobaren und Andamanen direkt beim Epizentrum des verheerenden Seebebens lagen, das Ende 2004 Südasien in Mitleidenschaft gezogen hat, standen diese letzten Rückzugsgebiete einer Menschheit im Naturzustand, sozusagen der Gegenpol Saharasias, damals erstmals überhaupt im Zentrum des Weltinteresses.

In der ARD wurde über die Shom Pen berichtet:

Eine Art „Sechster Sinn“ habe die Völker gerettet, vermuten Ethnologen. (…) Gerettet hat sich z.B. das Volk der Shom Pen auf der Insel Great Nicobar. Angeblich besteht das ganze Volk aus gerade mal noch 200 Clanmitgliedern. Die Jäger und Sammler flohen offenbar in die Berge ihrer Inseln oder kletterten auf Palmen. Die Tier- und Wasserbeobachtungen der Urvölker [aus der sie Anzeichen für die unmittelbar bevorstehende Springflut ablasen] hat die hochtechnisierte Welt ersetzt durch milliardenteure Rechenzentren und Forschungsstationen…

Die Naturvölker leben ein funktionelles Leben (vgl. Interview mit Jerome Eden), d.h. sie leben wirklich in ihrer Umgebung, sind Teil der sie umgebenden Welt, während wir (einschließlich der uns nacheifernden Menschen auf Sri Lanka und in Indonesien) wie hilflose Touristen durch die Landschaften eines fremden Planeten stolpern…

Gnade uns Gott, wenn das weltweite Finanzsystem kollabiert und beispielsweise tatsächlich eine Klimakatastrophe eintreten sollte. Wir können uns weder auf die Stabilität des Klimas, noch der Erdkruste unter uns oder gar die Regelhaftigkeit der Himmelsmechanik verlassen. Seit längerem können wir uns nicht mal mehr darauf verlassen, daß wir abends unbehelligt durch unsere Städte gehen können. Griechenland zeigt uns, daß der „Sozialstaat“ sehr bald kollabieren wird. Das Leben selbst zwingt uns in Kontakt mit uns selbst und unserer Umwelt zu treten. Kontakt! Nichts anderes bedeutet „funktionell“ zu leben. Leider treibt uns das „Ersatzleben“, das wir führen systematisch in die Kontaktlosigkeit.

Die Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert wurde im Spiegel gefragt, was sie denen antwortet, die die Kinderkrippe in den ersten drei Lebensjahren für widernatürlich halten. Das sei, so Ahnert, Unsinn. Es gäbe kein naturgegebenes Betreuungssystem. Dabei verweist sie auf zwei Naturvölker: die Efe-Pygmäen in Zentralafrika und die !Kung-Buschmänner in der Kalahari. Die Efe würden ihre Säuglinge „von Schoß zu Schoß weiterreichen“.

So ein Efe-Baby verbringt manchmal nur ein Fünftel der Zeit bei der leiblichen Mutter und hat im Schnitt 14 Betreuerinnen. Einige der Frauen stillen es sogar. Wir sehen aber auch Mütter wie die der !Kung (…), die ihre Kleinen drei Jahre lang praktisch immerzu am Körper tragen. Was ist jetzt das Natürliche?

Ganz offensichtlich ist der zentralafrikanische Urwald eine vollkommen andersgeartete Umgebung als die südwestafrikanische Wüste. Entsprechend haben sich die Pygmäen und Buschmänner an ihre Umwelt angepaßt, inklusive was den Umgang mit Säuglingen anbetrifft.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen der mechanistischen und der funktionellen Lebensauffassung. Obwohl Ahnert selbst ausdrücklich betont, die Efe würden ihre Säuglinge „von Schoß zu Schoß weiterreichen“ und diese dabei, so Ahnert, „sogar“ gestillt werden, bleibt sie doch vollkommen abstrakt und „mechanisch“ an dem nebensächlichen Umstand haften, daß die Efe-Mütter anders als bei den !Kung ihre Säuglinge aus der Hand geben. Dabei übersieht sie ganz das Wesentliche: den engen Körperkontakt, der sowohl bei den Efe als auch bei den !Kung gegeben ist. Aus funktioneller Sicht gibt es demnach gar keinen Unterschied, d.h. keinen wesentlichen Unterschied, im Umgang mit Säuglingen: sie bleiben stets in engem Körperkontakt.

Es ist vollkommen hoffnungslos mit Leuten wie Ahnert zu diskutieren.

Der amerikanische Sozialwissenschaftler John McKnight beschreibt in seinem Buch The Careless Society: Community and its Counterfeits, wie die Behörden mit all ihren Sozialprogrammen nachweislich zum sozialen Chaos, zur wachsenden Armut und Kriminalität beitragen, statt sie einzudämmen. Verschärft wird der Trend dadurch, daß, dank Arbeitsplatzabbau in der Industrie, Jobs im sozialen Dienstleistungsgewerbe immer attraktiver werden. Ein neuer Markt wird erschlossen und immer neue Bedürfnisse ausgemacht, unabhängig davon, ob es sie wirklich gibt. Aufgaben für die einst Nachbarschaft und Familie zuständig waren, werden zur ökonomischen Grundlage einer neuen sozialen Schicht.

Die Folgen verdeutlicht McKnight anhand einer faszinierenden Parabel. Als die amerikanischen Pioniere die Prärie erreichten, waren die alten gußeisernen Pflüge nicht mehr zu gebrauchen. Deshalb entwickelte 1837 ein gewisser John Deere den ersten selbstreinigenden Stahlpflug, mit dem man wie mit einem Messer durch die klebrige Erde schneiden konnte. In dem County in Wisconsin, in dem McKnight lebt, wurden die bodenständigen Sauk-Indianer von den Siedlern, die die Prärie mit dem neuen Pflug urbar machen wollten, in die Reservation verdrängt, wo sie sehr schnell die alten Anbaumethoden vergaßen. Der Landstrich hatte die Indianer über unzählige Generationen hinweg ernährt, doch nun war der Boden dank des agronomischen Fortschritts in einem Zeitraum von nur 30 Jahren ausgelaugt, so daß viele der Siedler weiterziehen mußten. McKnight faßt das Geschehen dahin zusammen, daß John Deeres Erfindung innerhalb einer Generation drei Wüsten produziert hatte: Wisconsin, die Reservation und das geistige Erbe der Indianer.

Zwar habe Wisconsin sich durch den Übergang zur Milchviehwirtschaft wieder erholt, aber heute bräche über Sauk County eine neue verheerende Invasion herein. Die Sozialbürokratie schicke bereavement counselors (Trauerbeistände) ins Land, die mit einer eigens entwickelten „Trauertechnik“ nun jenen beistehen, die einen ihrer Lieben verloren haben. Vor dem Auftauchen der Trauerarbeiter standen Nachbarn und Verwandte den Hinterbliebenden bei. Durch Teilen der Trauer und die gemeinschaftlichen Zeremonien war ein Todesfall etwas, das die Gemeinschaft enger zusammenschweißte und vermehrte Kraft zum Weitermachen schenkte. Doch nun werde, so McKnight, der Hinterbliebene den Trauerarbeiter mit einem Freund verwechseln und die Menschen, die dafür schließlich ihre Steuern zahlen, auf ihr Recht zur professionellen Trauerbegleitung pochen. Aus Angst, die Arbeit des professionellen Trauerarbeiters zu stören, werden die Nachbarn nicht mehr vorbeischauen.

McKnight schließt:

Das neue Werkzeug der Berater wird durch die Sozialstruktur schneiden und Verwandtschaft, Beistand, nachbarschaftliche Verpflichtungen und das gemeinschaftliche Erleben und Verarbeiten beiseiteschieben. Wie John Deeres Pflug werden die Werkzeuge der Trauerberatung eine Wüste hinterlassen, wo einst eine Gemeinschaft blühte.

Man sieht, wie abstrakte Zielvorgaben das lebendige Leben zerstückeln und zerstören.

Wisconsin war nur Teil einer den ganzen Kontinent in Mitleidenschaft ziehenden Entwicklung, die erst richtig ingang kam, als nach dem Ersten Weltkrieg die US-Regierung ein gigantisches farming program zur Industrialisierung der Landwirtschaft ins Leben rief, um Getreideexporte im großem Stil möglich zu machen. Die Agrarindustrie brach über den Mittleren Westen herein und verwandelte die vielfältige Landschaft in eine großflächige Getreidemonokultur. Viele Monate im Jahr waren die von schweren Traktoren, Mähdreschern und Motorpflügen malträtierten Böden ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Eine große Dürre tat ein übriges und die Katastrophe war da. Staubgeschwängerte „schwarze Blizzards“ trugen die fruchtbare Bodenkrume bis nach New York.

In einem kleineren Maßstab kann man heute ähnliches in Spanien und Portugal beobachten, wo die EUdSSR mit unseren Steuergeldern riesige Flächen irreparabel zerstört. Nutznießer sind letztendlich nur die Agrarindustrie, die Großbanken und die perfekt abgesicherten Bürokraten. In Deutschland geschah in den letzten 80 Jahren ähnliches, nachdem die Nationalsozialisten die „Flurbereinigung“ eingeführt hatten. Nur das feuchte mitteleuropäische Klima hat verhindert, daß aus unseren ausgeräumten Agrarsteppen Wüsten geworden sind. Die dilettantische Agrarpolitik der EUdSSR hat ein Übriges getan, um aus weiten Teilen des flachen Landes eine öde Sozialbrache zu machen. Und die Krankheit breitet sich, via Exportsubventionen, weiter aus in alle Welt durch Zerstörung der bodenständigen Agrarmärkte.

All diesen malignen Erscheinungen liegt ein Nenner zugrunde: das lebendige Geschehen wird in das Prokrustesbett lebensfremder Pläne gezwängt. Was dergestalt allgegenwärtig auf diesem Planeten passiert, wird wohl am ehesten anhand des Mussolinis der Karibik deutlich, der Kuba wie eine große Hazienda leitet und dessen Landwirtschaftspolitik zu einer beispiellosen ökologischen und ökonomischen Katastrophe geführt hat. Castro wird ein in jeder Hinsicht restlos zerstörtes Eiland hinterlassen. Bekannter ist, was Mao in China angerichtet hat oder Chruschtschow in Mittelasien. Man ist erschüttert über den Kommunismus, ohne zu ahnen, daß er nur die grotesk überzeichnete Karikatur unserer eigenen hoffnungslosen Lage darstellt. Zum Beispiel läßt sich mit einiger Sicherheit voraussagen, daß dank der Saatgutmultis die Standardisierung des (mittlerweile nicht nur sortenreinen, sondern auch erbgleichen) Saatgutes eines Tages für eine globale Katastrophe unausdenkbaren Ausmaßes sorgen wird, da durch die Uniformierung Erreger aller Art ein leichtes Spiel haben. Dann wird es auch keine Alternativen mehr geben, mit deren Hilfe man neu anfangen könnte…

Angesichts der Globalisierung der Wirtschaft (was freier Welthandel bedeutet, kann man ermessen, wenn man an die paradoxe Wirkung importierter Arten auf die heimische Artenvielfalt denkt), angesichts wachsender Fremdbestimmung durch parasitäre und inkompetente nationale und gar internationale Administrationen und multinationale Konzerne, dem Wechsel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und der kontaktlosen „Virtualisierung“ aller Lebensbezüge läßt sich prognostizieren, daß sich die Verwandlung der Erde in einen Wüstenplaneten beschleunigen wird. Die einzige Überlebenschance ist die radikale arbeitsdemokratische Reorganisierung der Gesellschaft von unten nach oben.

Menschenopfer und Kannibalismus

1. März 2015

Die Welt ist voller magischer Mythen vom Töten und Verspeisen von Kindern und dem Trinken ihres Blutes, was „Kommunion“ schenkt und damit das Leben verlängert. In unserer Kultur hielt man schon seit dem Alten Testament „Kanaanäern“, Häretikern, „Hexen“, Indianern und anderen „Primitiven“ projizierend Menschenopfer und Kannibalismus vor. Bis vor nicht allzu langer Zeit war praktisch jeder davon überzeugt, unsere Urahnen hätten sich an ihren erschlagenen Artgenossen gütlich getan, so als sei dies die selbstverständlichste und natürlichste Sache der Welt.

Selbst Reich läßt sich von der Literatur zu der Behauptung hinreißen, es hätte Menschenfresserei bei unseren Vorfahren und sogar bei den heutigen Australiern und Polynesiern gegeben (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, S. 107).

In Wirklichkeit ist das alles Unsinn. Zwar hat man Verstorbene mitunter rituell entbeint, aber niemals zu Ernährungszwecken. In Bolivien haben jetzt Archäologen einen Raum freigelegt, wo sterbliche Überreste in großen Bottichen mit Hilfe entsprechender Chemikalien gekocht worden waren, um dann die blanken Knochen als Reliquien aufzubewahren. Früher hätte man mit Sicherheit (und absurderweise) sicherlich an Kannibalismus gedacht… Ritueller Kannibalismus ist ein Phantasieprodukt unserer blutdurstigen saharasischen „Kultur“.

Vor 6000 Jahren kam es James DeMeos Saharasia-Theorie zufolge im Gebiet von Nordafrika, Arabien und Zentralasien zu einem klimatischen Umbruch mit verheerenden Dürrekatastrophen. Wüstenbildung, nachfolgende Kriege und Stadtbelagerungen führten zu Notkannibalismus. Hunger kann soweit entmenschen, daß Eltern ihr eigenes Kind kochen und aufessen (vgl. 2 Kön 6,28f und Klgl 4,10). Darauf ist der Mythos vom rituellen Kannibalismus zurückzuführen. Durch Projektion wurden in der Folgezeit die glücklicheren Menschen am Rande Saharasias des rituellen Kannibalismus angeklagt. Aber es gibt keinen einzigen Fall von unbezweifelbarem rituellen Kannibalismus in der Anthropologie. (Ich verweise auf die Arbeiten des US-Anthropologe William Arens und der deutschen Archäologin Heidi Peter-Röcher.)

Kurioserweise gibt es so etwas nur bei uns selbst: das Dogma, daß mit den Worten des Priesters „das ist mein Leib“ sich Brot und Wein tatsächlich in Leib und Blut Christi verwandeln, macht uns alle zu Kannibalen. Bereits Zwingli hatte sich gegen dies Dogma gewandt und verkündet, er würde diesen Gottesfraß nicht mitmachen.

Der ehemalige Pastor Hans-Dieter Leuenberger ging sogar soweit, die Verwandlung von Brot und Wein als schwarzmagisches Ritual zu bezeichnen. Schon zu seiner Zeit als Dorfpfarrer hätte er beim Feiern des Abendmahlrituals „ein äußerst unangenehmes Gefühl“ gehabt.

Jedesmal, wenn ich die Worte sprechen mußte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, da war etwas Grauenhaftes in mir, das nach meinem Herzen griff.

Bei seiner Beschäftigung mit der „Esoterik“ ging Leuenberger auf, daß die Kreuzigung Christi einem magischen Ritual entsprach, und da Blut im Spiel war, das im Judentum absolut tabu ist, sogar ein schwarzmagisches Ritual, das den zerstörerischen Virus im Christentum ausmacht.

Als ich diese Zusammenhänge sah, war mir klar: In der Passionsgeschichte Jesu haben wir die Darstellung eines alten Menschenopfer-Rituals. Menschenopfer aber sind schwarzmagisch. Und wenn dies nun rituell in der Kirche weiterzelebriert wird, so ist das praktische Magie. Jetzt verstand ich das unangenehme Gefühl, das ich damals hatte, als ich am Altar stand und den Kelch hochhob. Ich vollzog schwarze Magie, ohne es zu wissen. (…) Die gesamte Kirchengeschichte ist für mich nichts anderes als ein Resultat dieses jeden Tag überall wieder zelebrierten schwarzmagischen Rituals. Von daher kann ich mir alle Entartung des Christentums logisch erklären. (esotera, 6/90)

Hier schlägt die paranoide Projektion, die Wahnwelt des Patriarchats, auf tragikomische Weise auf die Kirche selbst zurück!

Das die Verbindung von Christentum und Kannibalismus alles andere als weit hergeholt, sondern vielmehr ganz offensichtlich ist, zeigt der berühmteste Fall von neuzeitlichem Notkannibalismus, der sich christlich vermittelt in einen rituellen Kannibalismus umwandelte:

1972 stürzte eine uruguayische Chartermaschine in den Hohen Anden ab. Von den 40 Insassen überlebten sechzehn den Aufprall. Um die 72 Tage zu überleben, die sie im Hochgebirge zubringen mußten, bevor sie gefunden wurden, waren sie gezwungen, jene zu essen, die nicht überlebt hatten. Vor der kannibalistischen Mahlzeit setzten sie sich in einen Kreis, beteten den Rosenkranz und zitierten Jesus: „Nehmet und esset, dies ist mein Leib, dies ist mein Blut.“ Nach der Rettung sagte einer der Überlebenden auf einer Pressekonferenz:

Wenn Jesus beim letzten Abendmahl seinen Leib und sein Blut allen Jüngern anbot, gab er uns zu verstehen, daß wir das gleiche tun müssen.

Ein anderer erklärte dem Vertreter einer Nachrichtenagentur, die „unaussprechlichen Dinge“, die sie getan hätten, wären „wirklich christlich“ gewesen.

Wir gingen bis an die Quellen des Christentums zurück.

Ein dritter sagte:

Wir schluckten die Fleischstücke mit dem Gefühl, Gott verlange es von uns. Wir fühlten uns wie Christen.

Die Mär vom Menschenopfer könnte ähnlich mit dem Beginn Saharasias verbunden sein, wie es oben beim Kannibalismus beschrieben wurde. Es kann sein, daß die Katastrophe, die den Anbruch Saharasias auslöste, soviele Leben forderte, daß die Menschen glauben mußten, den nunmehr als patriarchal empfundenen Göttern Gelüste es nach dem Fleisch ihrer irdischen Kinder á la Saturn. Infolge kam der Mythos auf, man müsse ihnen präventiv Menschenopfer darreichen, um sie ruhigzustellen. Dies scheint z.B. bei einer altägyptischen Grabinschrift durch. Es wird dort von einem Aufstand der Menschen gegen die Götter erzählt, nachdem diese beschlossen hatten, die ganze Menschenrasse zu vernichten. Aber mit einem Getränk aus Menschenblut und Alraunensaft hätte man die Götter wieder beschwichtigt, die einen Teil des Tranks zurückgaben und über die Erde schütteten. Das Leben kam zur Erde zurück. Dies sei, so die Legende, der Beginn des Opfers (Ready Tannahill: Fleisch und Blut, München, 1979, S. 16). Doch genauso wie den rituellen Kannibalismus hat es das rituelle Opfern von Menschen nie gegeben, wenn man von der christlichen Praxis absieht.

Jedermann ist fest davon überzeugt, daß die Irokesen, auf die sich Reich (über seine Rezension von Morgan und Engels) neben den Trobriandern beruft, Menschen zur Volksbelustigung an Marterpfählen über Tage hinweg langsam zu Tod gefoltert haben. Genauso steht es mit praktisch allen Völkern außerhalb des Kernbereiches Saharasias. Doch eine kritische Betrachtung der Anklagen gegen z.B. die Azteken zeigt, daß es keinen einzigen unvoreingenommenen Augenzeugenbericht über nichtchristliche Menschenopfer gibt. Alle „Belege“ stammen von der spanischen Inquisition!

Das Popol Vuh der Maya als ein Hauptbeleg wurde unter spanischer Kontrolle nach Jahrzehnten von spanischer Gehirnwäsche verfaßt und seine Übersetzungen sind sowieso nicht verläßlich. Und was ist mit den mesoamerikanischen Bildern, die Menschenopfer zeigen? Zunächst einmal stellen Kulturen so gut wie nie ihre eigenen Rituale dar, sondern nur ihre Mythen! Und dann schaue man sich mal die Bilder in einer katholischen Kirche an, die das Abschlachten der Märtyrer durch die Römer zeigt (Winni Marold: „Vereint im starken Glauben? Zu den Spekulationen über Menschenopferkulte“, Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart, VI:82-95, Juli 1994).

Der Anthropologe Jeffrey Schwartz (University of Pittsburgh) hat die jahrhundertealte These widerlegt, daß im antiken Karthago regelmäßig Kinderopfer dargebracht wurden.

Demnach weisen die Knochenfunde in alten Begräbnisurnen der phönizischen Handelsstadt darauf hin, daß die meisten Kinder eines natürlichen Todes starben. So kam ein Großteil der Kinder bereits vor oder unmittelbar nach der Geburt ums Leben und war damit noch nicht alt genug, um geopfert zu werden (…). Auch aus anderen antiken Städten wie Rom oder Pompeji sei bekannt, daß dort viele Fehlgeburten und eine hohe Säuglingssterblichkeit vorherrschten. Gleichzeitig widersprechen die Ergebnisse den Berichten antiker Chronisten und Zitaten aus der Bibel, wonach in Karthago regelmäßig Kinder geopfert wurden.

„Die bisherige Vorstellung, daß in Karthago regelmäßig Kinder geopfert wurden, beruht (…) nur auf Berichten einiger weniger Chronisten, einigen Grabinschriften und Aussagen im Alten Testament“, sagt Schwartz. „Dies zeigt, daß Geschichtswissenschaftler alle vorhandenen Belege berücksichtigen müssen, wenn sie die Verhaltensweisen einer antiken Gesellschaft entschlüsseln wollen.“

Opfer der haltlosen Spekulationen über Menschenopfer und Kannibalismus war von jeher die Frau, die vom Patriarchat als furchterregend, schrecklich und verschlingend aufgefaßt wurde. Der unschuldige Mann folgt der verdorbenen Frau, „wie ein Ochse, der zum Schlachtplatz geführt wird“ (Spr 7,22). Sie war das „verlockende Böse“ aus dem alles Unheil hervorging. Wie Eva brachte sie das Böse in die Welt. Ihr Geschlechtsorgan wurde zur „Büchse der Pandora“. Bei den Israeliten wird die „Verunreinigung“ einer Frau durch die Monatsblutung mit der Verunreinigung des Landes durch Götzendienst und Mord, also durch Menschenopfer gleichgesetzt (Ez 36,17f). Mitten in der Aufzählung der verbotenen geschlechtlichen Verirrungen taucht das Gebot auf, seine Kinder nicht den Götzen zu opfern (Lev 18,21). Die mittelalterliche Hexerei war denn auch ursprünglich synonym mit weiblichem Kannibalismus á la „Hänsel und Grethel“.

Angeblich wurden der kanaanäischen Anat Kinder geopfert, so daß sich die Bibel veranlaßt fühlt, ständig zu mahnen:

Keiner von euch darf seinen Sohn oder seine Tochter als Opfer auf dem Altar verbrennen. (Dtn 18,10)

Noch Mohammed verehrte vor seiner Übermannung durch Gabriel Anat, bzw. die arabische Venus al-Usa, der bis in jüngste Zeit Kinder geopfert wurden – das behaupten jedenfalls die Mullahs.

Anläßlich der Durchsetzung des Monotheismus in Juda durch Hiskias Kultreform wurde sein Vorgänger Ahas angeklagt, seinen Sohn als Opfer verbrannt zu haben und „damit den abscheulichen Sitten der Völker, die der Herr vor den Israeliten aus dem Land vertrieben hatte“ gefolgt zu sein (2 Kön 16,3). Desgleichen soll Hiskijas abtrünniger Nachfolger Manasse im Tempel von Jerusalem „seinen Sohn als Brandopfer dargebracht“ haben (2 Kön 21,6). Systematisch werden Abtrünnige mit dem Stigma versehen, Menschen zu opfern, z.B. die infolge der assyrischen Eroberung Samarias nach Syrien umgesiedelten, die aus ihren eigenen Reihen Priester einsetzten und „sogar ihre Kinder ihren Göttern Adrammelech und Anammelech als Brandopfer darbrachten“ (2 Kön 17,31f).

In Dtn 12,31 heißt es, die Israeliten dürften Jahwe nicht nach dem Brauch der anderen Völker verehren, denn diese „haben sogar ihre Kinder als Opfer für die Götzen verbrannt“ und dadurch Jahwes Heiligtum unrein gemacht und Jahwes Namen entehrt (Lev 20,3). In Jer 7,31 sagt Jahwe, er habe nicht befohlen, es sei ihm auch nie in den Sinn gekommen, von den Menschen Judas zu verlangen, daß sie im Hinnom-Tal (Ableitung der Bezeichnung Hölle: Gehinnom, Gehenna) die Opferstätte Tofet bauen, um dort ihre Söhne und Töchter in den glühenden Schlund des Götzen Moloch zu schleudern.

Du hast meine Kinder geschlachtet und als Opfer für deine Götzen verbrannt. (Ez 16,21)

Diese Horrorstory, aus der sich die Vorstellung von der Hölle und später der ganze Hexen- und Dämonenwahn entwickelte, ist eine einzige gegen die matriarchalen Völker gerichtete Volksverhetzung. Die Israeliten hätten die Völker Kanaans nicht „ausgetilgt“, wie es Jahwe befohlen hatte (Ps 106,34), so daß sie schließlich die angebliche Menschenopferpraxis der Kanaaniter selbst aufnahmen:

Das Blut von Schuldlosen vergossen sie, das Blut ihrer eigenen Kinder, die für den Götzen Kanaans geschlachtet wurden. (Ps 106,38)

Als Strafe für diese grausame Sitte will Gott Jerusalem vernichten, er will die Stadt belagern lassen, so daß die Einwohner sogar ihre eigenen Kinder essen werden (Jer 19,9). Der Gott der Vergeltung, dessen Jünger im Blut der Unheilstifter waten werden (Ps 58,11). Der Gott der Rache, der die abtrünnigen Israeliten den Feinden preisgibt, die sie wie Opfertiere abschlachten werden (Jes 65,12). In Ez 39,17f lädt nach der für seine Feinde verlorenen Schlacht von Harmagedon Gott die Raubvögel „zum große Opfermahl“:

Ihr bekommt Fleisch zu essen und Blut zu trinken, soviel ihr wollt, das Fleisch der tapfersten Krieger und das Blut der edelsten Fürsten. Sie sind die wohlgemästeten Schafe, Böcke und Stiere, die ich für mein Opfermahl schlachte.

Über dem Stamm Efraim sagt Gott:

Und wenn sie noch Kinder bekämen, würde ich sie, ihre Lieblinge, unbarmherzig töten. (Hos 9,16)

Grade wenn die jüdischen Propheten verkünden, daß Jahwe keinerlei Opfer will (Ps 40,7), sie ihm zuwider sind (Am 5,22), offenbart sich der Projektionsmechanismus. Denn stattdessen will er Gehorsam (Jer 7,21-23) und Reue (DanZ A,16f). Zeichen des Gehorsams ist neben dem „Teil-Menschenopfer“, der Beschneidung, das Gebet, das stets etwas mit Geben, mit Opfern zu tun hat. So lautet ein Gebet des Rabbi Shoshet:

Herr der Welt, als der Tempel noch stand, brachte dir ein Sünder ein Opfer dar, von dem nur das Blut und das Fett genommen wurden, und dadurch wurden ihm seine Sünden vergeben. Ich habe heute gefastet, und durch dieses Fasten sind mein Blut und mein Fett weniger geworden. Betrachte gnädig den Teil meines Blutes und meines Fettes, den ich durch mein Fasten verloren habe, als ein Opfer und vergib mir dafür meine Sünden. (z.n. Ready Tannahill: Fleisch und Blut, München 1979, S. 34f)

Auch in Röm 12,1 findet sich der Aufruf, sich selbst Gott als leckeres Menschenopfer darzubringen. Jenen, die nicht Gottes Gebot folgten, warf man dann reflexartig Menschenopfer vor.

Die Mär vom Menschenopfer ist Ausdruck der saharasischen blutdürstigen Charakterstruktur des vorgeblichen Beobachters, und hat nichts mit den tatsächlichen Begebenheiten zu tun. In dieser Hinsicht ist das Alte Testament nur ein Propagandabuch, das von krächzenden Khomeinis geschrieben wurde. Bezeichnend ist, wie, neben empörten Beschreibungen angeblicher Menschenopferhandlungen, gleichzeitig das patriarchale Opfern des erstgeborenen Kindes für den alten Mann dort oben gepredigt wird. In Ex 22,28 heißt es: „Eure erstgeborenen Söhne müßt ihr mir übereignen.“ Und noch bei Micha 6,7 fragen die Israeliten:

Sollen wir unsere erstgeborenen Söhne opfern, damit Gott uns unsere Schuld vergibt?

Die Opferung der Erstgeburt ist wie eine „Bezahlung“ an Gott. Hierher gehört auch Moses‘ Erstgeborener. In Ex 4,24-26 fällt Jahwe über Moses her und will ihn töten. Doch zur Beschwichtigung schnitt Moses‘ Frau die Vorhaut vom Glied ihres Sohnes ab und berührte damit Moses Bein. Opferte sie ihren Sohn stückchenweise? Dies hatte, wie gesagt, nichts mit tatsächlichen Opferungen zu tun, aber das Denkmuster, das dahinter steckt, ist bezeichnend. Es wirkte fort im Neuen Testament, wo das Opferlamm tatsächlich geschlachtet wurde:

Ihn ließ er sterben zu unserer Rettung. Unsere ganze Schuld hat er uns vergeben, weil Christus sein Blut vergossen hat. So zeigt uns Gott den ganzen Reichtum seiner Gnade. (Eph 1,7)

So wie beim Exodus das Blut eines Lammes, das Passa-Lamm, das Zeichen der Bewahrung und Errettung war, so galt später das Blut Christi als Reinigung von Schuld und Sünde (1 Joh 1,7).

Psychologismus, Soziologismus, Biologismus

22. Januar 2015

Freud hat darum gerungen, kein Biologe („Naturkundler“) mehr zu sein, sondern als Psychologe anerkannt zu werden. Die Soziologie hat er als eigenständiges Wissensgebiet abgelehnt:

Denn (…) die Soziologie, die vom Verhalten der Menschen in der Gesellschaft handelt, kann nichts anderes sein als angewandte Psychologie. Streng genommen gibt es ja nur zwei Wissenschaften, Psychologie, reine und angewandte, und Naturkunde. (Freud z.n. Béla Grunberger und Janine Chesseguet-Smirgel: Freud oder Reich?, Frankfurt 1979, S. 31)

Angesichts von Reichs Schriften Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wird den Orgonomen von „Reichianern“ ab und an vorgehalten, „biologistisch“, gar im Freudschen Sinne „psychologistisch“ zu sein. Und wenden Orgonomen nicht tatsächlich „bioenergetische“ Konzepte auf die Gesellschaft an, so wie es einst Psychoanalytiker mit weitgehend identischen psychoanalytischen Konzepten getan haben? Was doch Reich heftig kritisiert hat! Dazu sollte man sich folgendes grundlegendes Schema in Erinnerung rufen (vgl. Äther, Gott und Teufel):

biosoziopsy1

Reich ist in seiner Entwicklung von der Psychologie ausgegangen (Freud), hat diese Beschränkung über seine Beschäftigung mit der Marxistischen Bewegung überwunden (Soziologie) und ist dann weiter zur „sexualökonomischen Lebensforschung“ vorgedrungen (Biologie). Dabei war die Soziologie bereits in der Tiefenpsychologie angelegt (der Ödipuskomplex geht auf die Beziehung zwischen Menschen zurück) und die Biologie sowohl im Freudismus als auch im Marxismus (Libidotheorie, „lebendige Arbeitskraft“, Dialektischer Materialismus). Man kann psychologische Phänomene von der Soziologie her betrachten und beides von der Biologie her, aber es macht keinen Sinn diese Reihe umzukehren, soweit nicht rechte Bereiche (siehe das Schema oben!) in linken Bereichen bereits angelegt sind – was aber erst sichtbar wird, wenn man von rechts nach links zurückschaut.

Beispielsweise geht es bei einem Streik um „materielle“, „objektive“ Interessenkonflikte, die mit tiefenpsychologischen Begriffen nur verkleistert werden. Wenn es jedoch um offensichtlich irrationale Überlagerungen ökonomischer Interessenkonflikte durch Ideologien und um Machtmißbrauch geht, macht eine biologische Betrachtung durchaus Sinn: der gepanzerte (sozusagen „biologisch behinderte“) Mensch handelt irrational und sozusagen „unsoziologisch“. Diese biologische (d.h. charakterologische) Betrachtung kann dann durchaus auf psychoanalytische Versatzstücke zurückgreifen. Das ist auch deshalb so, weil es sich sowohl bei der Psychoanalyse als auch bei der sexualökonomischen Lebensforschung im Gegensatz zur Soziologie um die Betrachtung innerer Phänomene handelt.

In diesem Zusammenhang verlohnt sich zu erwähnen, daß die Freudsche Therapie ausschließlich kopfzentriert ist (Psychologie). In der Orgontherapie geht es hingegen nicht um die „Innenschau“ und darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern ein befriedigendes Liebes- und Arbeitsleben aufzubauen, d.h. um unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen (Soziologie) und natürlich um den Körper, Atmen, Ausdruck (Biologie).

Einerseits haben gesellschaftliche Phänomene ein Eigenleben und andererseits spielt sich das, was es an orgonotischen Erregungsprozessen gibt, nicht in der Gesellschaft, sondern im Inneren der Individuen ab. Beispielsweise kann man den Kommunismus mit Krebs vergleichen. Die „Energieproduktion“ der Gesellschaft wird eingestellt, die Gesellschaft stirbt und hinterläßt einen zerfallenden Leichnam, der seine Umgebung vergiftet („T-Bazillen“). Wir sehen dies gerade in der Ukraine. Die wirkliche Schrumpfung findet jedoch in den Organismen der Individuen statt. Nicht die Gesellschaft schrumpft bioenergetisch, sondern das Protoplasma der Individuen. Nicht Orgonenergie fließt durch die Gesellschaft, sondern Informationen und Güter, die dann sekundär die Orgonenergie in den Individuen anregen. Umgekehrt hört der besagte Informations- und Güte-„Fluß“ auf, wenn die Orgonenergie in den Individuen aufhört zu fließen.

Gesellschaften haben Grenzen, so wie das Individuum eine Membran hat. Ich habe das an anderer Stelle ausführlich dargelegt. Jedoch haben diese Grenzen weder die charakteristische Orgonom-Form, noch pulsieren sie. Zwar pulsiert die Ökonomie, angefangen von Saat und Ernte in primitiven Gesellschaften bis hin zu den Wirtschaftszyklen in entwickelten Gesellschaften, jedoch ist das nicht unmittelbarer Ausdruck konkreter expandierender bzw. kontrahierender Orgonenergie-Ströme, wie Reich sie bei seinen bio-elektrischen Experimenten gemessen hat.

Diese Zusammenhänge kann man erst dann ganz erfassen, wenn man im Gegensatz zur Psychoanalyse streng zwischen sekundären (gepanzerten) und primären (ungepanzerten) Trieben unterscheidet. Die Psychoanalyse beruht geradezu auf der Negation dieser Unterscheidung! Die orthodoxen Psychoanalytiker Grunberger und Chesseguet-Smirgel drücken das wie folgt aus:

Der Ödipuskomplex ist überall im Unbewußten gegenwärtig, die Grundtriebe sind bei allen Menschen dieselben. Auf diese Weise wird es möglich, vom Gebiet der Geistesstörungen auf das Gebiet der „Normal“-Seele überzublenden, und umgekehrt. So wird die Differenz zwischen dem Normalen und dem Pathologischen, zwischen dem Individuellen und dem Allgemeinen, allmählich getilgt, und es kommt der unveränderliche Kern einer Menschenseele zum Vorschein, beherrscht von Gesetzen, die bei allen Menschen gleichartig sind. (ebd., S. 20)

Das ist genau jene Sicht der Dinge, die Reich als groben Unfug bekämpft hat. Man lese dazu etwa sein Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral. Freud hat mit dieser Haltung wirklich alles verbaut. Er hat den Einfluß der teilweise drastischen vertikalen und horizontalen gesellschaftlichen Unterschiede negiert, d.h. die Unterschiede zwischen Klassen, Kasten, etc. innerhalb der Gesellschaften und die Unterschiede zwischen den Gesellschaften selbst. Und er hat nicht zuletzt den „Einbruch ins biologische Fundament“ geradezu systematisch verbarrikadiert, denn er war ja vermeintlich bereits zum „unveränderlichen Kern der Menschenseele“ vorgedrungen.

Die Biologie jenseits der Biologie: Rassenkampf, Männeremanzipation und Tierliebe

8. September 2014

Sowohl zu Zeiten der autoritären Gesellschaft, als auch heute in der anti-autoritären Gesellschaft gibt es zwei zentrale Dogmen, die niemand in Frage stellen darf: erstens gäbe es einen fundamentalen Unterschied der Geschlechter und zweitens unterscheiden sich die Rassen und Kulturen fundamental. Galt früher Freuds Diktum, daß „man“ „das Weib“ nicht verstehen könne und daß es „minderwertig“ sei, gilt heute die Frau als eine Art gesonderte Spezies, der alle möglichen Rechte und Privilegien zustehen. Zu Zeiten des Kolonialismus galten „die Farbigen“ als „minderwertig“, während ihnen heute als automatisch „Höherwertige“ alle möglichen Rechte und Privilegien zugestanden werden. „Den Menschen“ gäbe es nicht und habe es nie gegeben.

In seiner Sexualökonomie sprach Reich jedoch explizit über den Menschen. In seiner Orgasmusforschung machte er keinerlei Unterschied zwischen den Geschlechtern, jedenfalls was den zentralen Punkt betrifft: die Erregungskurve des Geschlechtsakts. Eine Ungeheuerlichkeit sowohl in der viktorianischen Zeit, als auch für die moderne Sexualmythologie.

Und was natürliches Sexualverhalten anbetrifft, machte er keinerlei Unterschied zwischen den diversen Menschengruppen. Liest man hingegen die anthropologische Populärliteratur werden beispielsweise westafrikanische Aschanti und finnische Lappen als zwei Menschengruppen dargestellt, die sich in ihrem Sexualverhalten derartig unterscheiden, als handele es sich nicht um Vertreter ein und derselben Spezies Homo sapiens.

Michel Odent zitiert in seinem Buch Die Natur des Orgasmus (München 2010, S. 40f und 57) drei bemerkenswerte Studien, die darauf verweisen, daß es unterhalb aller vermeintlich „offensichtlichen“ Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Rassen eine tiefere Ebene gibt, die Reich erschlossen hat:

E. Vance und N. Wagner führten mit Collegestudenten eine interessante Studie durch, in der sie Orgasmen von Frauen und Männern unter der Perspektive des subjektiven Erlebens verglichen. Sie ließen Studentinnen und Studenten Berichte über ihre eigenen Orgasmen verfassen. Eine Gruppe von Beurteilern (…) versuchte zu erraten, welcher Bericht von einer Frau oder einem Mann stammte. Die Forscher hatten geschlechtsspezifische Wörter in den Berichten durch neutrale Bezeichnungen ersetzt (…), ehe sie sie den Beurteilern vorlegten. In ihrer Analyse der Daten kamen die Autoren zu dem Schluß, daß „die Beurteiler nicht in der Lage waren, aus der schriftlichen Beschreibung eines Orgasmus das Geschlecht der jeweiligen Person abzuleiten. […] Außerdem waren weder Frauen noch Männer besser darin, in der Beschreibung eines Orgasmus Merkmale zu erkennen, die darauf hindeuteten, ob sie von einer Frau oder von einem Mann verfaßt war […].“

Anthropologische Untersuchungen stützen die Vorstellung, daß Verliebtheit ein fest einprogrammiertes Verhaltensmerkmal des Menschen ist. Die romantische Liebe scheint ein universelles Phänomen zu sein, das nicht nur unter ganz bestimmten kulturellen Bedingungen entsteht. Forscher von der University of Honolulu verglichen die Werte, die Collegestudentinnen und -studenten aus einer individualistischen Kultur (den USA) und aus einer kollektivistischen Kultur (Korea) auf der „Skala der leidenschaftlichen Liebe“ und der „Skala der kameradschaftlichen Liebe“ erzielten. Sie konnten keine kulturellen Unterschiede feststellen. Eine 1992 bei einer Tagung der American Anthropological Association vorgestellte Studie ergab, daß die Vorstellung der romantischen Liebe in 147 von 166 untersuchten Kulturen existierte. Wie steht es um die übrigen 19? Die Teilnehmer der Tagung halten es für wahrscheinlich, daß die betreffenden Anthropologen ganz einfach nicht in der Lage waren, die für diese fremdartigen Kulturen typischen Spielarten romantischen Verhaltens zu erkennen.

Klaus hat hier neulich indirekt auf den neurechten „Männerrechtler“ Jack Donovan hingewiesen. Was Donovan sagt, hat viel für sich. Tatsächlich ist es extrem erhellend, wenn man menschliches Verhalten mit der Brille des Primatologen betrachtet, aber erstens sind wir genausowenig Schimpansen (oder Bonobos), wie Gorillas Schimpansen sind und zweitens ist die Tierart Homo sapiens etwas besonderes, weil wir einen direkten Zugang zur kosmischen Orgonenergie haben. Ich habe das – narzißtisch spreizt er sich der Peter – in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht ausgeführt.

Entsprechend glaube ich, daß die von Donovan propagierte Männerbündelei, so natürlich sie auch ist, in einer nicht-neurotischen Gesellschaft nicht mehr in diesem Sinne aufträte. Weder die moderne Verschwuchtelung, noch die „alten Kameraden“. Sondern:

Erstens (Baker), die Liebe zwischen Mann und Mann unterscheidet sich in nichts zwischen der Liebe zwischen Mann und Frau (sie wird sogar in den Genitalien verspürt!) – mit dem alles entscheidenden Unterschied, daß es keinerlei Drang zur genitalen Überlagerung gibt.

Zweitens (Konia), Beziehungen werden vollkommen unabhängig vom Geschlecht (oder gar von der kulturellen Zugehörigkeit) durch die Zusammenarbeit bestimmt und hören auf, wenn beispielsweise die Arbeitsfunktion einer oder eines der Beteiligten zusammenbricht.

Diese beiden Funktionen (Liebe und Arbeit) sind direkter Ausdruck unserer Natur als „pulsierende Orgonenergie-Säcke“ und nicht im üblichen Sinne genetisch verankert.

Dieser, man verzeihe mir die Wortschöpfung, „meta-genetische“ Bereich tritt uns insbesondere in unserer Beziehung zu Tieren entgegen:

Die meisten Menschen sind sich gar nicht bewußt, wie vollkommen bizarr unser Verhältnis zu Tieren und teilweise auch der Tiere zu uns ist. Wenn man mal von „vermenschlichten“ Haustieren absieht, interessieren sich Tiere unterschiedlicher Arten nicht füreinander. Raubtiere sind keine Ausnahme, denn schließlich haben sie keine emotionale Beziehung zu ihren Opfern – genausowenig wie wir zu dem Hähnchen, das wir essen. Nur wir Menschen fühlen uns emotional zu Tieren hingezogen und, was noch verwunderlicher ist, Tiere zu uns Menschen. Es ist, als würden wir im jeweils anderen etwas Unnennbares erkennen.

Zu diesem Blogeintrag wurde ich inspiriert, als ich zufällig auf YouTube folgendes Video sah und dazu den anschließenden Kommentar las:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=8fNAIoHlYBY%5D

Das ist geil! Es zeigt nur, daß die Menschen wirklich die einzige Spezies auf der Erde sind, die das Wohlbefinden aller anderen Arten bewahren können. Die meisten Tiere fahren nicht fort so liebevoll zu sein, auch nicht gegenüber ihren eigenen Eltern, sobald sie erwachsen sind, doch so viele Tiere, sowohl wilde als auch domestizierte, neigen dazu, wenn sie durch Menschen großgezogen wurden, immer eine Art Zuneigung zu ihren ehemaligen Betreuern zu bewahren. Es ist wirklich erstaunlich!

Was sieht ein solcher Löwe (oder ein beliebiges anderes Säugetier) in uns? Er ist mit etwas konfrontiert, was unmittelbar aus der Orgonenergie heraus operiert und nicht auf der Grundlage bloßer Biorobotik funktioniert. Für die Tiere gibt es keine Mutterliebe jenseits der Aufzucht der Kleinen, keinen Sexus außerhalb der Saison, keine Solidarität jenseits der „egoistischen Gene“.

Um was es geht, läßt sich am ehesten mit folgender heterogenen Funktionsgleichung beschreiben:

biobio1

Evolution ist die Transformation von primordialen Orgonenenergie-Funktionen (OR) in Materie (M); freies, „ungeregeltes“ Funktionieren wird in mechanisches Funktionieren umgewandelt. Man lese ein Buch über Verhaltensbiologie: es ist, als hätte man es nicht mit Lebendigem zu tun, sondern mit Robotik. Erst im Menschen wird der „OR-Bereich“ wieder sichtbar. Das zieht Tiere magisch an – sie werden sich sozusagen ihrer eigenen Natur „bewußt“, wenn sie uns sehen und spüren. Wir kommen dem entgegen, weil wir im Tier („wie süüüüüß!“) nur das Lebendige sehen und spüren können:

biobio2