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Der Rote Faden: Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

1. Juni 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Faschismus (Wien)

15. Mai 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

 

 

Robert (Berlin) schrieb 2011: Lebt zusammen mit seinem Bruder Robert und einem Mitstudenten, der später Psychoanalytiker wird (er wurde m.W. nie identifiziert)
Könnte es Edward Bibring gewesen sein?

O. schrieb: Was mit dem Bruder Robert passierte wird immer nur am Rande erwähnt oder mal in einem Gerücht ausgeschmückt, vielleicht gibt es dazu ja noch differenzierte Informationen. Um es mal einfach anzusprechen, angeblich hätte es einen Identitästausch zw. Robert u. Wilhelm gegeben, nach dem Tod eines der beiden (wie man es dann sehen möchte). Das klingt nach totalem Schwachsinn, soll aber mal intern benannt worden sein. – Das mal so als Hinweis, in welche Richtung man auch mal schauen könnte, wenn da was dran wäre.

Dazu Peter: 1922 hat Robert Ottilie Heifetz geheiratet. Mit der hat Myron Sharaf noch Anfang der 70er Jahre gesprochen. Es ist schlichtweg kein Raum für irgendein „Szenario“. BTW: Ich habe noch nie ein Photo von Robert gesehen. Kennt jemand eins?

Jonas: „Auf Wilhelm Rouxs zum gleichen Thema erschienenem Buch fußend, führt Kammerer den Begriff „Selbstregulation” ein, die als Fähigkeit des Organismus definiert wird, die unterschiedlichsten Eingriffe durch die Umwelt aufzufangen.“
Evt. lohnt es sich, Reichs späteres Verständnis von „Selbstregulation“ mit anderen Konzepten zu vergleichen, die sich direkt oder indirekt von Roux/Kammerer herleiten. Ich denke da z.B. an die Affekt-Theorie von Silvan Tomkins, in der auch gelegentlich die Orgasmusfunktion gestreift wird.
http://atheoryofmind.wordpress.com/2011/06/15/affect-week-part-2-silvan-tomkinss-affects/

Pierre: „Ab wann „zählen“ dann seine Schriften? Für Reich selbst war diese Wasserscheide ungefähr 1940 erreicht, als er sich der Entdeckung des Orgons sicher wurde und sich an das Verfassen seiner „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons: Die Funktion des Orgasmus machte.“
Dort lesen wir gleich zu Beginn, datiert Nov. 1940,
was so ganz anders klingt:
„Es ist nützlich, wissenschaftliche Biographien in jungen Jahren zu schreiben … Auch ich könnte nachgeben und ableugnen, was in jungen Kampfjahren ehrliche wissenschaftliche Überzeugung war.“
Wenig später, am 2. April 1941 schrieb er an Neill:
„1. Ich verfüge über die Orgonstrahlung … und niemand außer mir weiß, wie man mit ihr umgeht.
2. …
3. …
4. …
5. …
Mein lieber Neill, das bedeutet MACHT, und Du kannst sicher sein, ich werde sie gegen jeden gebrauchen, der …“
Was kann diesen Umschlag bewirkt haben? Das zwischenzeitliche Treffen mit Einstein?

Robert schrieb 2013: „Im ursprünglichen Manuskript“
Was ist damit gemeint. Etwa nicht die deutsche Ausgabe, sondern eine Xerox-Kopie?
„Folgende Sätze aus dem Originalmanuskript von 1937 strich er ganz“
Passt zu Bennets Theorie, dass Reich sich an die USA im Politischen anpasste.

Dazu Peter: In der vom Verlag Stroemfeld/Nexus zu verantwortenden Ausgabe von 1995 ist in spitzen Klammern eingefügt, was Reich aus dem ursprünglichen Manuskript von 1937 für die amerikanische Ausgabe von 1953 gestrichen hat. Es handelt sich dabei meistens um Interna aus der psychoanalytischen Bewegung und um Stellen, wo Reich als politischer Kommunist sichtbar wird. Er hat das alles damals mit Myron Sharaf zusammen gemacht, der bezeugt, wie Reich sich gewunden und mit sich gekämpft hat: nicht aus Angst vor „McCarthy“, sondern weil er sich selbst kaum widererkannt hat. Er habe dann aber der historischen Wahrheit nachgegeben – bis eben auf seine Tätigkeit als „Revolutionärer Sozialdemokrat“ und KP-Funktionär. Was idiotisch war, denn das hätte bewiesen, daß Reich in Moskau durchaus eine bekannte Größe war – von wegen der kommunistischen Verschwörung gegen ihn!
Es ist etwa so wie mit den Grünen: Ich kenne Leute, die haben sich Anfang der 80er Jahre bei denen engagiert und haben damals die Kinderfickerei mitgekriegt (NICHTS ist übertrieben – eher im Gegenteil!!!) und können heute nur noch den Kopf über sich selbst schütteln: „Wie blind und blöd konnte ich bloß sein!“ Andererseits ist die damalige Situation heute kaum nachvollziehbar. Damals waren die Grünen noch nicht flächendeckend in kommunistischer Hand wie heute.

Peter: Was bleibt, ist EKEL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html

Zeitgenosse: Eine Schande ist auch, dass sich viele Grüne der 68er, wie dieser Daniel Cohn-Bendit, auf Wilhelm Reich berufen haben.
Willy muss tatsächlich für vieles herhalten – auch posthum. Oder man fragt halt einen Hrn. Fischer um die Meinung eines toten Reichs.

Peter: „Sexualpolitik“ (Sexpol) heute…
http://www.spiegel.de/media/media-32292.pdf
Allein schon dafür werde ich die GRÜNEN ewig hassen!!!

Zeitgenosse: Ob Reich sich nun aus Überzeugung oder Opportunismus gewandelt hat, spielt im nachhinein kaum eine große Rolle. Es unterstreicht einfach nur, dass WR ein normaler Mensch und Forscher war und kein Halbgott, Prophet oder Mr.perfect (also nicht so, wie in manche Reichianer gerne hinstellen).
Auch aus diesem Grunde bin ich sehr vorsichtig bei der Interpretation von Reden und Äußerungen von Menschen – denn man weiß nicht in welchem genauen Kontext man sie einordnen kann. Auf alle Fälle keine unumstößliche Wahrheit und kein Bibel.
Hinsichtlich Anpassung: Ich kann es schon irgendwie nachvollziehen. Zuerst war die kommunistische Bewegung in Kontinentaleuropa eine Enttäuschung, der Rauswurf bei der Psychoanalytischen Vereinigung, der Kampf in Skandinavien und am Schluß das trügerische angeblich so „Freieste Land der Erde“; also die USA.

Zeitgenosse: Nachtrag: Daher meine Meinung, dass die Orgonomie in politischer Hinsicht keine absolute Wahrheit darstellen kann. Dafür ist zu viel Wendehals dabei in meinen Augen. Immerhin kann man sogar die Orgontherapie (wie alle anderen Therapien) als eine Art der Gehirnwäsche interpretieren. Man kann eine leere Hülle hinterlassen, die man mit „genehmen“ Ideologien wieder auffüllt. Daher mache ich auch keine.
Wo allerdings für mein dafürhalten die Orgonomie tatsächlich FAST an eine absolute Wahrheit hereinreichen kann, sind die Erkenntnisse in den Bereichen Medizin, Biologie und Physik. Aber diese Bereiche sind mir selber auch die liebsten wie ich zugeben muss.

Peter 2014: Die heutige SPÖ ist genauso verachtenswert wie ihre Vorgängerin, die SDAP zu Reichs Zeiten. Halt Sozialdemokraten… Ausspuck!!!
http://www.pi-news.net/2014/12/oesterreich-identitaere-stellen-neues-holzkreuz-auf/

Robert 2013: „Die Weltliga war 1928 in Kopenhagen gegründet worden als internationales sexualwissenschaftliche Diskussionsforum von den Deutschen Magnus Hirschfeld, Max Hodann, August Forel, Helene Stöcker,“
Auguste Forel ist meines Wissens Schweizer.

David: „Reich versucht in Massenversammlungen durch die kollektive Atmosphäre der Sexualbejahung den neurotischen Widerstand und die moralistische Hemmung des Einzelnen zu umgehen. Deshalb war Reich in gewisser Weise Begründer der Gruppentherapie.“
Begründer der Gruppentherapie – und auch eine Antithese zu Hitler und Goebbels, die auf ihre Weise die Hemmungen der Einzelnen umgingen („Wollt Ihr den Totalen Krieg?“)
Zu dieser Zeit wußte Reich nicht, daß die KPD nur an der parteipolitischen Mobilisierung der Massen interessiert war, aber nicht an Massen, die eigene Bedürfnisse vorbringen.
Nein, der Kommunist will nur die Massen anlügen, ausbeuten, sie vor seinen Karren spannen. Die Massen befreien will er nicht; das täuscht er nur vor. Nicht anders als die Nazis.

O.: Gibt es eine Quelle, die belegt, dass Emmy Rado beim OSS war (in leitender Funktion) und (daher auch) mit Reich Kontakt pflegte?
Robert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geheimreport

O. schrieb 2013: Sehr schöner klarer Artikel. Gibt es den Brady Artikel irgendwo zum Lesen? „Masse und Staat“ (Kap. 9 in Massenpsychologie d. Faschsimus) war also der direkte Auslöser, wo sich Frau Brady provoziert fühlte. Auch hier gibt es ein Auflagen-Wirrwarr mit hinuzgefügten Kapiteln, so dass sich Raubdrucke der 70-er (Nachdrucke der ersten Auflagen) und spätere Auflagen (meist auch unter Berücksichtigung der Orgonthese) unterscheiden. Dieses Kapitel ist aber auch nicht mit „Menschen im Staat“ zu verwechseln, wenn ich das richtig sehe. (Habe die Bücher nicht griffbereit.)

Dazu Peter: Hier das, was neben dem Mord an Reich, von Wertham übriggeblieben ist:
http://www.decaturdaily.com/stories/Anti-comics-crusader-seduced-himself,113321

Peter weiter: Und hier die Geschichte aus einer zugegeben bizarren Quelle:
http://books.google.de/books?id=VTx9dI9Iw4MC&pg=PT281&lpg=PT281&dq=wertham+brady&source=bl&ots=Aa0v9mog3_&sig=L-b9mmhMbBZQC1Gd0W9U6SnAy0s&hl=de&sa=X&ei=NAiUUZvzApHltQaaxoC4Dg&ved=0CFYQ6AEwBA

O.: Aus dem Turner Buch kann man nicht einen Satz zitieren, Ernst nehmen, aber es zeigt, zu was Reich-Hasser imstande sind, zu erfinden. Das Buch muss er doch in der geschlossenen Psychiatrie geschrieben haben als ihm langweilig wurde, normal ist das nicht.

Robert schrieb 2011: Zu Marie Frischauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Pappenheim

Zur Broschüre:
http://www.file-upload.net/download-3448844/Frischauf_Reich-Ist-Abtreibung-sch-dlich.pdf.html

Robert weiter: Siehe auch:
http://www.schoenberg.at/index.php?option=com_content&view=article&id=701%3Asatellite-collection-p10&Itemid=330&lang=de
„Zeitdokumente
Zeitungsartikel aus der Reichspost vom 5.5.1933/7, Nr. 124 „Wien die neue Zentrale der kommunistischen „Sexualreformbewegung“? – Hände weg von Österreich!“ 1 Seite
Der Artikel wirft Maria Frischauf vor in Österreich an der Verbreitung und Organisierung der Kommunistischen Sexualreformbewegung in Österreich beteiligt zu sein.
Bericht über Hausdurchsuchung des Münster-Verlag in Wien wegen Verbreitung unzüchtiger Duckwerke. Von der Bundes-Polizeidirektion in Wien an das Landesgericht für Strafsachen Wien I, Abt.26. am 25. März 1934. Es wurden 95 Stück des Buches von Dr. Marie Frischauf und Dr. Anni Reich: „Ist Abtreibung schädlich?“ gefunden. 3 Seiten“

Peter: Auch sei [so Reich] eine „sexualbejahende Ethik“ de facto ein Widerspruch in sich selbst.
Allgemein zur Lebensfeindlichkeit der Ethik siehe
http://www.pi-news.net/2011/05/weltwoche-die-ethik-und-moralseuche/

Robert 2014: Zu Arnold Deutsch
„Der Österreicher Arnold Deutsch hatte seinen Doktortitel mit 24. Er fing zuerst an als einfacher Geheimdienstkurier, dann schloss er sich Wilhelm Reichs Sex-Bewegung an, leitete einen Wiener Verlag für “sexuelle und politische Befreiung”. 1932 bekam er seine Ausbildung zum Auskundschafter für geheime Übergangsstellen und Kommunikationspunkte an den Grenzen zu Holland, Belgien und Deutschland. Später wurde er in England eingesetzt. In London gelang es ihm, 20 Personen als Agenten anzuwerben, darunter die Cambridge-Absolventen Anthony Blunt, Guy Burgess, John Cairncross, Donald MacLean und Kim Philby.“
http://recentr.com/2014/07/der-kunstliche-mythos-cia/

David 2016:

Geht die Sexualreformbewegung auf die damals vorhandene – eher bürgerliche – Lebensreformbewegung zurück?

Robert 2011: Siehe auch die Doku bei Laska
http://www.lsr-projekt.de/wrb/revsozdem.html
auf die sich Fallend ohne Quellenangabe bezieht.
Die Politik der Sozialdemokraten war leider tatsächlich so, alle Errungenschaften der erkämpften Republik zu verspielen. Sie redeten unentwegt von der Revolution, es war eine reine „Als-Ob“-Rhetorik, aber praktisch war es ein ständiges Zurückweichen vor der reaktionären Rechten, die quasi einen Faschismus a la Franco errichten wollten.
Insofern blieb Reich gar nichts anderes übrig, als bei dem winzigen Haufen der KPÖ anzuklopfen.

O. 2013: Wie ist das zu verstehen?
„…, daß seine charakterologische Forschung z.B. für die Durchsetzung der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion nutzbar zu machen sei.“
Wollte er die Arbeitskraft durch Steigerung der Liebeskraft und Liebesfähigkeit steigern, um so mehr zu Essen für die Menschen zu produzieren?
Gibt es Quellenangaben zu den spannenden Vorgängen dieser Zeit?

Peter antwortet: 1933 begrüßte er die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 64) – was er in späteren Ausgaben nicht mal kommentierte. Die Stelle, die ich referiert habe findet sich im vorletzten Absatz des 1. Vorwortes der Charakteranalyse.

Robert 2013: Die Massenpsychologie wurde übrigens bei
Frantz Christtreu’s
Bogtrykkeri, København K.
gedruckt und kostete
8 Dän. Kr (steht auf dem Buchrücken)

Bogtrykkeri heißt Buchdruckerei. Frantz Christtreu’s Bogtrykkeri hat meines Wissens bis 1974 bestanden.

O. 2013: Wäre die Massenpsychologie des Faschismus ein intellektuelles Aufklärungsbuch gegen den Faschismus gewesen, wie es mir in der dritten (amerikanisch-orgonomischen Version) Auflage erscheint, hätte es zur Charakteranalyse noch gepasst und hätte Reich Karrieres als Lehrpsychoanalytiker nicht geschadet.
In der ersten Auflage mit dem sozialistischen Vokabular und der Forderung nach einer straffen Organisation für eine kampfbereite Gegenbewegung mit Reich als kommunistisches Mitglied (also noch verwoben in dieser Struktur und Organisation und diese gleichzeitig in Seitenhieben angreifend) muss die Psychoanalytische Vereinigung (Freud) seine Psychoanalytikerkarriere unwiderruflich beenden.
Reich war gewarnt worden, seine politischen Ansichten nicht weiter (mit der Psychoanalyse in Verbindung) für 1-2 Jahre fortzusetzen. Doch was macht Reich? Er versucht sich zu versichern, ob er nicht trotzdem politisch weitermachen könne und Psychoanalytiker beliben könne, er bringt nach der Charakteranalyse auch die Massenpsychologie selbst heraus.
Hinter diesem Hintergrund – und alleine schon aus der sexpolitischen Haltung (mit „sozialistischem“ Parteibuch) – muss die Psychoanalyse ihn ausschließen und auch die Kommunisten folgen seinen Angriffen nur rational mit Ausschluss.
Reich ist danach in der Defensive. Von beiden Organisationen wird er als „gefährlich und radikal“ eingestuft und muss/ wird zeitlebens bekämpft. Nur sieben Jahre später formuliert Reich seine „Orgontheorie“ und entwickelt bis 1942-45 diese zur Orgonomie, in dem er seine Schriften Funktion des Orgasmus, Charakteranalyse und Massenpsychologie orgonomisch umschreibt.
Die Psychoanalytiker und Kommunisten haben ihn aber nicht vergessen und auch die Amerikaner (FBI) überprüfen seine „Gesinnung“, ob sie noch kommunistisch sei.
Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war. Unter diesen Vorzeichen hatte die Orgonomy im Wissenschaftsbetrieb keine Chance mehr – nicht unter Reich.
Konsequent als Reaktion wurde Reich 1934 ausgeschlossen, dies als emotionelle Pestreaktion zu deuten (wie ich es auch schon gemacht habe) finde ich wenig haltbar.
Natürlich hätte Freud aus persönlichen Gründen (Charakteranalyse) Reich auch ausgeschlossen, zumal er ihm die Show zu stehlen vermochte. Auf dieser Ebene hätte/ hatte Freud pestig reagiert.

O.: Eine Übersicht zur Sexpol:
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1544963

Jean:
„Ich stelle nach diesem Blogbeitrag die These auf, dass 1933 Reichs Schicksalsjahr war, in der er die kommende Forschung schon eigens zerstörte, bevor sie entwickelt war.“
Nachdem ich einiges aus „My eleven years…“ mehrfach gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum er sich in den USA auch noch mit den Gerichten angelegt hat. Inhaltlich natürlich voll nachvollziehbar. Aber hätte er auch anders gekonnt, oder gab es etwas in ihm, was ihm gar keine Wahl ließ, war kein Finger breit mehr zwischen seinen Strömen und der Blockade draußen.
Er hat es sich aus Überzeugung mit allen verscherzt, was für ihn und seine wundervolle Arbeit in einer Tragödie geendet hat.

O.: Nachdem Reich sich mit dem Faschismus angelegt hatte, was jeder junger anständiger Menmsch mit Weitblick und Mut wohl ähnlich gemacht hätte, ließ er sich mit dem zweiten Todfeind und Diktator Stalin (indirekt über die Kommunistischen Organisationen) ein und erkannte auch hier schon deren Destruktivität. Letztere halfen nicht – und dies hat Reich schon 1933 bloßgestellt – den Hitlerfaschismus zu zerstören.
In Amerika über Umwege (Kopenhagen und Oslo) angekommen, hielt sich Reich politisch bedeckt und konzentrierte sich auf seine eigene Forschung. Vielleicht hätte er so einer weiteren Verfolgung entkommen können, doch Reich war gekränkt, von Freud (und den Kommunisten) enttäuscht und wollte bzw. brauchte Anerkennung.
Er versuchte seine Orgonforschung der Atom-(Waffen-)Forschung entgegen zu stellen. Er kontaktierte das AEC und hielt die Regierungsorganisationen aktiv über die Orgonforschung auf dem laufenden. Er diskutierte mit Einstein über den ORAC (Temperaturdifferenz). Einstein wusste dies könnte eine „Bombe für die Physik bedeuten“. Tatsächlich wurde seine Bion und Orak Forschung zur Bombe für die Medizin und damit für die Chemieindustrie (= Pharmaindustrie), denn er versuchte das Krebsproblem zu lösen.
Reich hat sich mit seinem Geltungsbedürfnis und seiner rechthaberischen Art – stets bestehend auf die Wahrheit – naiv auf „Amerika“ vertrauend mit den größten „Menschheitsfreunden“ angelegt.
Dem natürlich nicht genug – Reich saß schon in der Tinte – und gerichtliche Aktionen über die FDA liefen vor Gericht, er musste nach dem ORANUR Disaster, dass das AEC sicherlich nicht erfreute, da der tödliche Charakter der atomarer Niedrigstrahlung schon erkennbar wurde, auch das Militär, speziell die ATIC (Luftwaffengeheimdienst) über seine Oranur 2 Experimente informieren: Er hatte sich nach eigener Vorstellung mit außeriridschen Raumschiffen angelegt. Die CIA trat hier auf dem Plan und kassierte Reichs Dokumente auf dem Treffen mit der ATIC ab. Nun waren auch Militär, CIA und Außerirdische alarmiert.
Doch Reich sollte schon 1947 mit der Entwicklung des ORAK vernichtet werden. Wen schickt man vor, wenn man jemanden loswerden will? Natürlich nicht gleich die eigene Armee, sondern für die Drecksarbeit werden Unterorganisationen zur Ablenkung aktiviert: Mafia oder „Kommunisten“. Brady schrieb ihren Schmierartikel über den „Sexbesessen“ und „Kurpfuscher“ Reich der mit „Sexboxen“ seine PatientInnen zum Orgasmus gegen den Krebs bringen möchte (Turnerstyle eben). Dann müsse eine „Gesundheitsbehörde“ (Amt für Chemie und Pharmaindustrie) handeln und brachte den „Fall Reich“ vor Gericht. Die AMA hielt sich im Hintergrund.
Das Gericht war nur ein Instrument, als der Richter zu weich war, wurde er ausgetauscht, damit das richtige Urteil gesprochen werde: Inhaftierung. In seinem Prozess glaubte Reich an die Gerechtigkeit (Amerika, den Präsidenten und an das Recht) und dass die Wahrheit siegen müsse. Er hat sich nicht mit dem Gericht angelegt!
Wundervoll ist seine Arbeit nur für Leute, die an die Wissenschaft glauben, als sei sie nicht Teil der privaten Industriekonzerne, für Menschen, die an die „Wahrheit“ glauben als wäre die Lüge nicht allgegenwärtig.
Ob Reich auch anders gekonnt hätte? Reich hätte von seiner Persönlichkeit her nicht anders gekonnt und die Pest kann nie anders in ihrem Zwang als Mr. Goodguy aufzutreten und im Stillen zu zerstören. Reich hat uns aufgezeigt, warum wir nicht anders können. Das macht ihn für alle Seiten sympatisch und sein Werk unsterblich; selbst wenn sein letztes Buch verbrannt werde – fast jeder kennt seine „Wahrheit“, ob er sie charakterlich ertragen kann oder nicht.

Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

1. November 2016

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Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

Neo-Psychoanalyse

27. August 2016

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Neo-Psychoanalyse
 

 

O. sagte 2013: “Es handelte sich um den Beginn der Orgon-Theorie. Fenichel und ich wagten nicht, uns anzugucken, denn kalte Schauer liefen uns den Rücken hinab.“
Ich mag mich ja irren, aber 1933 gab es noch keinen Beginn der Orgon-Theorie, weil es das Orgon noch nicht gab; dies enstand als Begriff 1939/40. Der Urgegensatz des Vegatativum war 1934 im enstehen, worüber sich die Herren unterhalten haben können und dies als „schizophrene Vorstellung“ betrachten.
Irgendwas kam Fenichel hier spanisch vor, was er als „schizophren“ versteht, wenn Reich dies noch mit einem Nachsatz wie „Kinder, wenn ich meiner Sache nicht so sicher wäre, würde es mich anmuten wie eine schizophrene Phantasie“ (Reich) kommentiert haben soll, dann hat Reich den Begriff selbst ausgedrückt, der im Gedächtnis haften blieb. Was war denn die „schizophrene Phantasie“? Das „Orgon“ war es noch nicht, sondern das eine biologische/bioelektrische Energie nachzuweisen wäre. Oder?

Darauf Robert: Naja, Reich hat seine Sachen erst dann veröffentlicht, wenn er sich seiner Sache absolut sicher war, also oft Jahre später. Er hat dann (1933) also sicher schon Vegeto-Therapie betrieben und gemeint, Libido wäre eine eigenständige biophysikalische Energie, die man evtl. am Hautwiderstand messen kann.

O.: Es war der hier genannte „erste Schritt“, der erinnert wird, verbunden mit genau der „Orgonthese“ (die später kam), als Reichs Untergang. Genau genommen ist es die Beschreibung der Funktion des Orgasmus als nachweisbarer Prozess, was nicht ertragen werden konnte. Solange es eine Theorie darüber gab, war noch alles einigemaßen ok, außer bei Freud. – Freud hätte ihn so oder so „gekillt“.

Renate fragte: Warum hätte ihn Freud „so oder so ‚gekillt’“ ?
Hatte den Eindruck, Freud war der einzige, der WR gegen Attacken verteidigt hatte (vor 1930), wo war dann der Bruch?

Sebastian: http://www.lsr-projekt.de/wrfreud.html#fueberr

O.: Meine schöne Erklärung hat sich im Äther verflüchtet ggrrrrr ….
Da nichts so ätzend ist, wie sich zu wiederholen, fällt die bessere Erklärung für Renate aus. Sorry.
Kurz gesagt: Reich und Freud inhaltliche Differenzen sind so groß, dass beide nicht zusammenpassten, was Freud sehr wohl bemerkte und Reich aber nicht sehen wollte.
Freud schmeißt Reich elegant raus (über Jones) und schmeißt ihn den Nazis zum Frass vor.
Die Freudsche Psychoanalyse passte hervorragend in die „arische Psychologie“, Reichs bessere Charakteranalyse hingegegen entarnte den Faschismus und wandte sich gegen Freuds Konzept der Triebsublimierung, um gesellschaftlich „besser“ zu funktionieren.

O.: Einerseits ging er auf Nummer sicher und hat später veröffentlicht. Die bioelektrischen Untersuchungen kamen aber erst nach 1933 – nämlich 1934 in Oslo als er dort die Geräte hatte.
Andererseits:
Sein „Orgon“ hat er in Anmerkungen erst im Nachhinein noch eingearbeitet in der 2. oder 3. Auflage der Charakteranalyse, die Zwischenphase der Vegetotherapie wird dadurch geschmälert und ein theoretisches Chaos entsteht durch mangelnde Abgrenzung der Phasen zum Nachteil der Orgontherapie, wie ich finde.

Robert: Aber die Hinweise von Sterba und Gerö lassen das Indiz zu, dass er schon angefangen hatte, in diese Richtung zu forschen. Wir wissen nicht, wann er erste Hypothesen diesbezüglich aufstellte, z. B auf der Nässetheorie von Kraus, die er schon in den Zwanziger Jahren laß.

Klaus schrieb 2011: „Es hat sogar ‚Satanisten’ gegeben, die sich auf Adler beriefen!“
Mag sein – besagt aber nicht viel. Man kann so viel Schauriges für „…“ einsetzen in „Es hat sogar … gegeben, die sich auf Reich beriefen!“
„Der Witz bei der ganzen Angelegenheit ist, daß Reich selbst bei sich von Anfang an, konstatierte, er stünde ‚draußen vor’.“ Ja ja, das behaupten allerdings so viele notorische Einzelgänger von sich, die sich für etwas ganz Einzigartiges halten, und spricht nicht für irgendetwas Relevantes.
Warum sich so sehr mit dem Mann Reich befassen und nicht eher nur insofern mit ihm, als es Beobachtung und Deutung interessanter Phänomene formulieren hilft?
Klar, das eine schließt das andere nicht aus; der Kult um IHN ist aber schon nervig genug und Wasser auf die Mühlen der Turners usw.

O.: Leute, die über vermeintliche Persönlichkeitsmerkmale anderer – hier über Reich – reden, sind mir suspekt. An anderer Stelle geäußerte und auch nicht neue Meinung Reich habe viele Frauen um sich gehabt oder die Frauen seien fasziniert von ihm gewesen, nun das halte ich für völlig normal für einen normal entwickelten Menschen. Wer das betonen muss, dem fehlt offensichtlich selbiges und sollte sich diesen Mangel mal anschauen. Das geht jetzt nicht direkt an Turner, der dies als Argument brachte, weil mich seine „Frauengeschichten“ eh nicht interessieren und bei einer solch unqualifizierten Bemerkung, ich ihn bemitleiden müsste.
Reich hatte nicht außergewöhnlich viel Frauen und hatte, was viel auffälliger war, doch schon in der psychoanalytischen Phase, sehen wir vom Altherrenclub einmal ab, und wohl auch in Berlin und Norwegen deultich viel attraktive und intellektuelle Männer um sich. Hieraus ist auch kein besonderer Schluss zu ziehen, außer dass auch diese Männer für Frauen eine Faszination gehabt haben dürften.
Männer, die stets auch (!) von Frauen umgeben sind, die ihnen zugeneigte sind, interessieren sich am wenigsten für dieses Phänomen, um nicht zu sagen, bekommen das meist auch gar nicht mit. Darüber mögen so manche Männer sich dann wundern und eifersüchtig werden. Viel Hass und Kontaktabbruch zwischen Männern kann hieraus resultieren, möglicherweise ist dies auch eher Reichs Problem geworden, dass die „konkurrierenden“ Männer sich in übler Rede selbst post mortem noch rächen wollen. Möglicherweise geht es gar nicht um den ORAC oder das Orgon, welches für die meisten ien Abstraktum bleibt, sondern um ihre eigenen geringe Anerkennung, die sie in ihrem Leben erhalten haben, speziell von Frauen und sich selbst als nicht liebenswert betrachten. Adler hätte dies in seinen Großgruppen themaisieren können. Das dahinterliegende Problem wäre dann wieder auch das der Sexualität geworden, ein Thema, das vorraussetzt, dass man welchen haben kann. Doch ohne ein Selbstwertgefühl wird man sich dem eigenen Gefühl, keine Chance gegenüber dem anderen Geschlecht zu haben, nicht stellen können.
Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.
Betrachtet man die Rolle der Frau innerhalb der Orgonomie, so spielen (von der Museumsleiterin ein mal abgesehen), die Frauen eine unterstützende und sich unterordnende Rolle. Nun das wäre mal auch für Kritiker ein interessantes Thema gewesen, aber offensichtlich sind sie immer nur an der Abarbeitung ihres Minderwertigkeitsgefühls orientiert, ohne dies auflösen zu können. Turner könnte sich mal fragen, wie männlich kommt er in seinem Reichroman rüber? Welche Frau wird so etwas lesen wollen? Frauen würden wohl eher etwas über die Psychologie oder Körpertherapie erfahren wollen, jedoch nicht „Eh, seht her, der Mann war ein Frauenliebling und schizophren! Nur damit alle, die nichts über ihn wissen, das nun endlich mal wissen.“ – So bleibt ein Autor doch single und kann mit seinem „orgasmotron“ spielen oder auf einen „Spontanorgasmus“ warten, der irgendwann dann tatsächlich doch eintritt – ohne einen auslösenden Reiz oder erkennbaren Anlass. Das kann dann auch beim Anblick der BILD-Zeitung passieren.

Darauf Peter: Barbara Koopman, Louisa Lance, Conny Huthsteiner, Irmgard Bertelsen, etc.

Peter: Barbara Koopman (einst zweite Frau des ACO, heute unabhängig), Louisa Lance (erst ACO, dann IOS, heute unabhängig), Conny Huthsteiner (IOS), Irmgard Bertelsen (erst ACO, dann IOS), etc.

Jonas: Sind all diese Damen in den USA ansässig, oder auch in Europa? Meines Wissens gibt es zwei Orgonominnen in Griechenland, und ansonsten noch Frau Fuckert in Waldbrunn. Würde mich interessieren, ob es noch mehr in Europa/Deutschland gibt.

Peter: Alles Ami-Frauen. Ansonsten weiß ich von keinen weiteren Therapeutinnen, nur das welche in Ausbildung sind. Das weiß ich aber nichts genaueres. Vor dem Facharzttitel halten Ärzte ihr Reich-Interesse eh geheim!

O.: Nun mir fällt eine andere Frage ein: Wie alt sind die Damen? Ist eine noch unter 40? Ich denke mal, dass es zu wenig Nachwuchs gibt. Und als 30-Jähriger zu einer 60-Jährigen Therapeutin zu gehen, passt auch nur schlecht.

O. weiter: Bitte keine Gerüchte in die Welt setzen: Fr. Dr. Buhl und Fr. Dr. Fuckert mögen Medizinerinnen sein, sie sind nicht vom ACO therapiert oder ausgebildet worden. Die Zertifikate möchte ich dann aber sehen. Eva Reich hat nie von einer Ausbildung bei ihrem Vater gesprochen, wir sind ja hier nicht in der Psychoanalyse bei den Freuds, wo der Vater die Tochter analysiert.
Barbara Koopman gehörte zum ACO. (s. JO) spielt aber keine führende Rolle, sondern bleibt „brav“ untergeordnet. (Baker, Blasband)
Eine „Schülerin“ von H. ist eben auch untergeordnete Schülerin will ich mal behaupten ohne zu wissen, wer sie ist. Von den anderen Damen habe ich auch noch nichts gehört, von daher scheinen sie in keinen führenden Positionen zu sein.
Es gab auch andere Ärtzinnen, aber das Studium macht sie meiner Ansicht nach nicht zu „führenden“ Persönlichkeiten, sondern lassen sie auch nicht aus der untergeordneten Rolle gegenüber Männern hervorstechen, insbesondere gegenüber ihren eigenen Partnern.

Robert: „Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.“
Es ist sowieso ein Wahnsinn, Perverse als Therapeuten auszubilden.

O.: Wenn es damals schon eine Ausbildung gegeben hätte, da gab es die Lehranalyse und fertig war der Therapeut.

Robert zu Rattner: Ich habe in den Siebzigern eine Menge Rattneranhänger kennengelernt, meist waren es Dipl-Psychologen/Innen oder LehrerInnen. Es war eine ganz normale Strömung zu der Zeit und sicherlich noch keine Sekte oder Guru-Fangemeinde.
Rattner ist zu verdanken, dass er viele Menschen mit der Tiefenpsychologie bekannt machte, die zu der Zeit noch weit unbekannt war oder falsch dargestellt.
Heutzutage wird die Tiefenpsychologie als eine minderwertige oder veraltete Strömung in der Psychologie angesehen und durch Pharmaka oder Kognitive Psychologie ersetzt (alles läuft nur im Gehirn!).
Einer seiner Anhänger meinte zu mir, es gäbe kar keine Libido, worauf ich fragte, und was ist mit dem Sexualtrieb?

O.: Tiefenpsychologie scheint nach neuerer Rechtslage zum berufsrechtlichen Verbot für Diplom Psychologen, die Psychotherapie ausüben zu können, einseitig als „Psychoanalyse“ definiert zu sein.
Dies ist historisch völlig falsch. Tiefenpsychologie ist ein Oberbegriff unterschiedlichster psychologischer und philosophischer Theorien, zu denen später auch die Psychoanalyse von Freud zählte. DAmit nicht nur die Psychoanalyse (PA) als Richtlinienverfahren anerkannt wurde, sondern auch Adlers Indiviualpsychologie und Jungs Analytische Psychologie wird die „Tiefenpsychologie“ erlaubt, die von Eugen Bleuler wieder popularisiert wurde. Mesmer und Reich würden hier genauso reinpassen, weswegen diese Therapien auch von der Kasse zugelassen wären. Da die Lobby um Prof. Grawe aber definiert, was wissenschaftlich fundiert sei, gelten nur Verhaltenstherapie (VT) und nochmals VT und mit geschlossenen Augen und Schmerz verzerrtem Gesicht auch PA.
Tiefenpsychologie ist schon sehr alt über 200 Jahre. Man kann argumentieren, das die PA keine Wirkung besäße. Dann sollte man auch erwähnen dürfen, das VT keine Therapie ist, sondern eine Verhaltensmodulation.
Faktisch gibt es in der BRD keine Psychotherapie mehr und der Ausspruch eines Prof. Eysenk wird Realität: Psychotherapie wirkt nicht. Daher kann man getrost alle Kosten für Psychotherapie einsparen, da Deutsche im Gegensatz zum Ausland keine Psyche (oder auch Seele genannt) haben. Es ist eben alles irgendwie somatisch und gehirnphysiologisch erklärbar und mit Medikamenten zu behandeln.
Die dt. Psychotherapie besteht modern aus drei Phasen: Aufnahmegespräch – Placebo – Entlassungsgespräch.
Wobei ein Placebo wissenschaftlich erwiesen mindestens genauso, wenn nicht wirksamer als ein Medikament ist.
Demnach besteht die dt. Orgontherapie modern auch aus drei Phasen:
Aufnahmegespräch – ORAC – Entlassungsgespräch.
Die Therapiedauer würde dann ca. 2 Stunden betragen.
Nun, es gibt natürlich auch die klassische Variante der Orgontherapie, die noch mehrere Jahre für die Therapie benötigt, aber so etwas wäre in Deutschland ja nicht nötig, da man die Blackbox der Psyche nicht unnötig überschätzen sollte.
Selbst Reich redete ja gegen Ende seiner therapeutischen Entwicklung nicht mehr von „Psycho-„, sondern Biotherapie zur Behandlung der Biopathie, statt Psychopathie.
Nun sicher wird diese moderne Sicht der „Psychotherapie“ nicht jedem gleich gefallen, aber man wird sich an alles gewöhnen können. Das Diplom wurde auch an den meisten Universitäten abgeschafft und durch Bachelor und Master ersetzt.

O.: Zu mir ist nie etwas durchgedrungen, vielleicht habe ich auch erfolgreich nicht mehr zugehört. Und was über einen selbst geredet wird, soll man ja eigentlich nicht erfahren. Ich würde auch auf Gerüchte nichts geben, sondern eine Person selbst kennenlernen wollen. Respekt bekommt eine Person, wenn sie authentisch ist in meinen Augen, ohne sich mit falschen Titeln aufzublasen und mir ist der Status eines Menschen völlig egal.
Im Gegenteil kann ich diese „ich bin Orgonom“ Haltung, weil ich eine Ausbildung gemacht habe (was meist nicht stimmt), nicht leiden. Das ist klarer Etikettenschwindel, weil es diesen Titel überhaupt nicht gibt. Bei Reich kann man nachlesen, was ein Orgonom ist. Da könnte die auch sagen „ich bin ein Bion, ausgebildet unter dem Mikroskop“.
Ferner gibt es auch keinen, der sich rühmen könnte die Orgonomie zu vertreten, außer Herr Nasselstein, der seit vielen Jahren sich hierum bemüht und dies nur auf theoretischer und inhaltlicher Weise macht. Auch Herr Dr. Müschenich hat nicht den Ansrpuch erhoben, die Orgonomie zu vertreten. Die Wilhelm Reich Institutionen usw. in Deutschland sind esoterische Fakes! Sie sind inhaltlich eine Schande für Wilhelm Reich und von ihm nicht authorisiert worden. Sie folgen auch nicht den Grundsätzen von ihm. Jeder Mensch ungeachtet seines Berufes hat das gleiche Recht sich dieser Titel zu bedienen, nur haben diese mehr Anstand, dies nicht zu benutzen, als die, die es tun.

David: In dieser Gesellschaft kann man, Baker zufolge, eh nur mit Einschränkung ein genitaler Charakter sein, nur ein „funktioneller genitaler Charakter“, d.h. man würde nur unter denkbar guten Bedingungen wie ein mustergültiger genitaler Charakter funktionieren – wenn Schwierigkeiten auftreten, fiele man früher oder später in seine alten neurotischen Verhaltensmuster zurück.
Das mit dem Rückfall wird wohl tatsächlich so sein – ich muss auch daran denken, wie berichtet wurde, dass während des Oranur-Experiments Rückfälle körperlicher Erkrankungen – an der biologisch schwächsten Stelle – aufgetreten sind.

O.: Baker bleibt mir zu allgemein: Ich kann dann sagen, ja – er hat da Recht (Irgendwo und irgendwie).
1. Das Erreichen des Genitalen Charakters ist ein Abstraktum, ein Ideal, dass keiner erreichen kann.
2. „Unter denkbaren guten Bedingungen …“, Wo soll es so etwas geben? Wieder ein Abstraktum und Ideal.
3. Ein „fertig therapierter“ Mensch wird nicht in die alten neurotischen Muster zurückfallen, da er sich schon strukturell weiterentwickelt hat, sonst wäre die Therapie wirkungslos gewesen.
4. Der therapierte Mensch muss zurück in die Familie …(aber nicht unbedingt) und in die Gesellschaft und wird dieselben Bedingungen vorfinden, die ihn geprägt und krank gemacht haben. Günstigerweise hat er den Arbeitplatz gewechselt und sich einen besseren besorgt oder einen für ihn günstigeren Weg eingschlagen. Dennoch wird er sich wieder verhärten müssen und seine Panzerung aufbauen und auch als Erwachsener ist er nicht viel kompetenter als er es als kompetenter Säugling war. Eva Reich hat immer gewarnt vor einer Auflösung der Blockaden (Panzerung) bei Säuglingen und Kindern, da sie in die gleiche Umwelt zu ihren neurotischen Eltern zurückkehren und sich nur stärker panzern müssen, um zu überleben. Tendenziell trifft das auch jeden therapierten Klienten. Es muss also auch nach der Therapie eine jahrelange Nachsorge geben, darüber wurde noch nicht nachgedacht!
Das Oranurexperiment war ein Schock und traf unvorbereitet. Oranur auch im kleinen wird den Körper immer treffen – und die Therapie oder ein Erreichen des Genitalen Charakters würde nichts nutzen, wie es auch vor Gift nichts nützt. Es aktiviert alte Wunden und Schwächen, trifft an den schwächsten Stellen zuerst.
Diese Einflüsse haben wir heute dauerhaft. Die Frage wie wir uns davor schützen können, wird zu wenig gestellt und beachtet. Die überkommene Vorstellung, dass man durch Körpertherapie „härter“ wird und nicht mehr so sensibel gegen Oranureinflüsse, dürfte dem therapeutischen Ziel widersprechen.
Baker meinte wohl: Ein Mensch kann auch (Jahre) nach einer Therapie bei einer Krise – meist geht es um das Thema Liebe (Entzug und Zurückweisung) – wieder in dem für ihn typischen Muster reagieren. Er durchlebt dann, genau wie in der Therapie sein Drama neu und intensiv. Es ist zu hoffen, dass er hier wieder alleine rausfindet oder sich Hilfe holt. Dies ist ein normaler Vorgang, eine Therapie gibt nicht die Garantie, das man nicht mehr im Leben leiden muss. Der Mensch stellt sich wieder seinen Problemen neu und kann sie hoffentlich besser lösen.

Breger: Freud. Darkness in the Midst of Vision (2000)

24. August 2016

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Breger: Freud. Darkness in the Midst of Vision (2000)
 

 

O. schrieb 2012: Mal abgesehen davon, dass Louis Breger keiner kennt – zumindest meine Wenigkeit hat nie zuvor von ihm gehört – sollte er seine Ansichten von Sexualität nicht für „reif“ oder „normal“ halten, damit fängt eine Kritik wohl schon mal an. Zweitens wovon man offensichtlich keine Ahnung zu haben scheint, sollte man schweigen.
Es ist erbärmlich, was für schräge Ansichten über Sexualität vorherrschen und wie stark die Sexualunterdrückung noch funktioniert – neben der pornographischen „Revolution“.
Welche Absurdität noch über den „Ödipuskomplex“ zu referieren ohne ein Wort ums Wesentliche zu verlieren: Die (zwangs-) moralische Sozialkontrolle über Partnerwahlen und die Vorstellung vom Glück in der Einehe-Beziehung, die lediglich der Geldakkumumulation und dem Anhäufen von Gütern dient und unter dem Mantel der „Liebe“ verdeckt wird, um diese zu ersticken bis Krebs das Ergebnis sein wird.
Im Ödipuskomplex steckt nicht die Liebe des Jungen zur Mutter, sondern die homosexuelle Neigung eines Freud, der wohl die Mutter als Nebenschauplatz brauchte, wo es doch immer um die Anerkennung um den Vater ging. Hier kann man viel deuten, wenn die eigene Fantasie dazu ausreicht. Man wird aber am allerwenigsten von der Liebe des Jungen (Ödipus) zu seiner Mutter (unbewußt) kommen, vielmehr zum inzestiösen Wunsch des Vaters nach seiner Tochter, wo wahre Vatergefühle durch Sexualverdrängung zu perversen Gelüsten führt. (vgl. Sigmund und Anna Freud miteinander turtelnd.)
Die Ursache ist klar: Die Partnerwahl zur Frau ist nicht mehr befriedigend und war wohl die falsche Wahl, zumindest für einen späteren Zeitpunkt, doch man verbleibt aus sozialen Gründen bei ihr bis das der Tod sie scheide. Und die Frau, die davon zehrt, dass der „Alte“ bei ihr bleibt, als Strafe für seine Wünsche zu anderen, will dass ihr Mann die Zeit mit ihr verbüßen muss und gibt dafür auch noch die Tochter her.
Eine ödipale Bindung entsteht wohl eher zwischen Tochter und Vater, wobei es nicht von der Tochter zunächst ausgeht.

Robert: Ferenczi hat ja schon zu Lebzeiten Freuds die Mutterbedeutung hervorgehoben und später dann Spitz und Winnecott die Mutter-Kind-Bindung. Also es gab immer Korrekturversuche an Freuds Vaterbild, wo der Vater typisch patriarchalisch eine übergroße Bedeutung hat, während heutzutage im Zeitalter des Staatsfeminismus (z.B. finanzierte die CIA die feministische Zeitschrift ‚Ms‘) der Vater und Mann eine marginale, ausgebeutete und versklavte Rolle zugewiesen bekommt.

Dolphin: Für mich gehörte der „Ödipuskomplex“ immer schon zu den abstruseren Fantasiegeburten.
Nie habe ich auch nur entfernt irgendetwas in dieser Art bei mir (oder Bekannten) feststellen müssen.
Ich lese mit großer Zustimmung „Freud war wirklich ein emotional zutiefst gestörter Mann mit den teilweise denkbar abstrusesten Vorstellungen!“.
Gab es aber davor nicht Zustimmung zu einem „libidinöse(n) Grunddrama des Ödipuskomplexes“?
Für überzeugende Aufklärung (ich meine vor allem bzgl. Ödipuskomplex …) bin ich durchaus offen.
Ich wundere mich sehr, wie solche abstrusen Lehren eines zutiefst gestörten Mannes eine solche Aufnahme und Wirkung entfalten konnten/können.
Vergleichbar mit z.B. Lehre und Wirken von Karl Marx.
Auch hier würde ich mich über Aufklärung sehr freuen.

O.: Nun ein Therapeut würde vielleicht fragen „Was hat das mit Ihnen zu tun, dass Sie den Ödipuskomplex, sprich die Liebe zur Mutter und den Hass auf den störenden Vater leugnen müssen?“
Und wenn man sich schon darum Gedanken machen muss, kommt man vielleicht auf sinnvolle Beziehungsmuster und Themen. Das Thema Liebe zum Beispiel oder meine Beziehung zur Mutter und schließlich die zum Vater,das sind alle zentrale und wichtige Themen, die in der Regel emotional besetzt sind.
Würde man umgekehrt an Freud die Frage richten, was keiner wagte aufgrund seiner Authorität, so würde man vielleicht hinterfragen wollen: „Herr Freud, was verdeckt der Ödipuskomplex, die Sohn-Mutter-Analyse? Wie sieht es mit ihrer Liebe zur eigenen Tochter aus? Würden Sie hieraus auch eine Tochterliebe zum Vater machen?“ Freud: „Unbedingt!“ müsste Freud kontern. Ist nicht die Fixierung der Tochter auf den Vater eine der Grundvoraussetzung für die spätere Partnerwahl?
Kinder weden psychisch an ihre Eltern gebunden, erzogen und geprägt. Und dies geschieht libidonös. Reich erklärte das bestens in der „Charakteranaylse“ (Reich 1933, 1945).
_______________________
Die Frage ist wie wörtlich will man den Ödipuskomplex als Motor der Psychodynamik eines Erwachsenen nehmen, dem etwas in der Kindheit unterstellt wird, was im Erwachsenen Schuldgefühle machen soll? Klienten mit unauflösbaren Schuldgefühlen bleiebn länger in Therapie und zahlen besser, sie bleiben abhängige Kinder vom „Vater“, dem Therapeuten.
Die Übertragung leitet sich hieraus ab, sie wird so eingeleitet. Dies erspürt der Therapeut in der Gegenübertragung. Eine Therapeutin wird mehr die Mutterrolle übernehmen.
Die Frage hinter dem Ödipus ist, was ist mit den eigenen Triebwünschen (kindliche Sexualität) geworden, wer hat sie versagt? In der Regel der gleichgeschlechtliche Elternteil – das ist die drohende Kastration des Kindes (psychisch gesehen) und kann bei jedem von uns angenommen werden, weil keiner (außer Reich :)) in der Kindheit seine Sexualität früh ausleben durfte. Stattdessen haben wir unsere Dispositionen zu zwanghaften, hysterischen, masochistischen oder narzisstischen Eigenschaften unseres Charakters (Persönlichkeit) entwickelt.
Unsere Liebe zur Mutter bleibt uns verborgen, so wie in der Mythologie Ödipus nicht wusste, dass er seine Mutter liebte und später seinen Vater töten wird.
Ich hoffe mal ein paar Gedanken hierzu ausgelöst zu haben, warum das was Freud sagte nicht völlig Unsinn ist, wenn es einem natürlich auch irgendwie so scheint. Ich stelle mir aber oft auch dieselbe Frage.

Dolphin: Vielen Dank für die Gedanken!
„die Liebe zur Mutter und den Hass auf den störenden Vater“: Das sind Begriffe/Gedanken/Gefühle der Erwachsenenwelt, die Welt des Kleinkindes ist eine andere (natürlich auch irgendwie erotisch=vom Orgon erfüllt).
Und überhaupt klingt das nach einem furchtbar „primitiven“ und armseligen Gefühlsleben, wenn jemand in solchen Begriffen fühlt (Hass, störend).
Die Liebe des Kindes oder von mir aus auch des Knabens zur Mutter ist eine andere als die spätere Liebe zur Frau.
Es scheint mir unbestreitbar, dass sich die „echte“ Sexualität erst später entwickelt, eben mit der Geschlechtsreife.
Schade, dass Meister Peter sich nicht äußert, meine Frage „wie solche abstrusen Lehren eines zutiefst gestörten Mannes eine solche Aufnahme und Wirkung entfalten konnten/können“ und nach Parallelen mit dem Kommunismus scheint mir doch eine gute und wichtige Frage zu sein.

O.: Bitte, gerne Dolphin!
Die Vorstellung Freuds in Bezug auf den Ödipuskomplex klingt sehr schematisch und abstrakt. Freud geht eben nicht auf die kindliche „Erotik“ ein (Erotik ist ein zu erwachsener Begriff), sondern bleibt in prägenitalen Phasen (oral, anal) stecken.
Das Kind darf gerade seine eigene Libido (Lust) nicht ausleben und fixiert sich auf den versagenden Elternteil, so entsteht erst etwas wie ein „Ödipuskomplex“. Das ist abstrakte Theorie, die zu erklären versucht, was mit dem (Liebes-)Trieb geschieht, wenn er sich nicht ausdrücken darf.
Die Liebe des Knaben bezog sich ursprünglich wohl kaum auf die Mutter, sieht man von der Brust ab, was aber unter notwendige Ernährung zu zählen ist. Freud hat schon die frühsten Verhaltensweisen analysiert und erotisiert. Die kindliche Sexualität hat er hingegen aufgegeben, da er hiermit nur Widerstand bei Kollegen erzeugte. Sobald der Knabe aus der Fütterungsphase heraus ist und sozial tätig wird, beginnt die Liebe primär zu anderen – in diesem Fall kleinen Mädchen. Die Mutter wird nur zum Ersatzobjekt, da sie die (kindlich-) genitalen Strebungen des Sohnes unterbindet.
Und somit nimmt die Katastrophe der psychischen Entwicklung ihren Lauf, die Befriedigungsfähigkeit des Kindes ist für immer zu einer (normal) neurotischen Persönlichkeit gestört.
Literaturempfehlung: W. Reich: „Charakteranalyse“ 1933, 1. Aufl. immer wieder mal lesen, das kann ich nur empfehlen, ich entdecke da immer wieder etwas Neues.
Freud hatte seine eigenen Konflikte und Kämpfe und war auch nicht so frei in seinen Gedanken, zum Schluss war er überangepasst und hatte keine Kraft mehr zu kämpfen. Sein Mundkrebs spricht Bände: Er hat sich oft den Mund verboten und die Kraft fehlte, da das Sexuelle nicht gelebt werden konnte bei ihm – mit dem Ergebnis des Krebses. Reichs Krebsforschung sehe ich als eine Art „Bringschuld“ oder seinem geistigen Vater Freud noch helfen wollend, wenn auch nur noch symbolisch mit dem Buch „Der Krebs“.
Angesichts FREUDS Leistungen – wie verquer man es heute auch beurteilen kann – bleibe auch ich mit ihm nachsichtig, trotz seines teilweise miesen Umgangs gegenüber Reich und anderen Psychoanalytikern.

edmalek 2014: In his early days (i.e., Studies in Hysteria), Freud was a functional thinker in the following ways:
a-He used direct observation of the natural state of his patients instead of following the mechanistic theories of his time (e.g., the „brain“ is the mind)
b-Was able to see discrepancy in his patient’s emotional state between what they said and how they reacted (precursor to Character Analysis).
c-Used words such as „foreign body and parasite“–indication of energy.
d-Was aware of an energetic factor in the buildup of emotions– which when not allowed expression, converted to hysteria.
e-Was able to „guess“ the functionality of the armor segments even though he was unaware of them: neuralgia in throat meant patient had to „keep quiet“ etc.
f-Hysteria did not follow the neurology of organs, but a functional one.
g-was aware that erotic life is most important for human development and did not dismiss this as his contemporaries did.
h-When Freud discovered a “law”, he always sought for the deeper level, never sufficing with the superficial.
He also was aware of symptomatic behavior of his patients (e.g., doubt revenge) that led him to discover resistance and transference.
Generally speaking, had Freud continued in his functional thinking instead of turning to “ego psychology” and nihilism, he would have possibly discovered bioenergetic orgone before his student Reich had the good fortune to.

O. 2012: „Psychologen“ (Psychotherapeuten und die bekannten Ärzte eingeschlossen, die sich mit Psyche beschäftigten) befassen sich mit der physikalischen „Energie“ und umgekehrt befassen sich die Physiker mit der Wirkkraft der „psychischen“ (dynamischen … etc.) Energie. Beide versuche zu beweisen, was nicht ihrer Fachrichtung angehört, den Beweis der Existenz auf dem anderen Gebiete.
Ein Physiker war bereits wesentlich konkreter und räumte mit dem „Placebo-Effekt“ auf, wie er hier benannt ist: „Breger zufolge seien Heilerfolge „zweifellos“ auf den Placebo-Effekt und die persönliche Zuwendung durch den Arzt zurückzuführen.“ (Zitat PN oben)
Breger ist der typische Schwätzer (wenn er solches behauptet hat, auch Stefan Zweig versuchte Mesmer in diese Richtung zu interpretieren, weil eine andere Richtung (wie die von Mesmer oder Reich) nicht gestattet zu sein scheint.
Über den Heilerfolg des Mesmerismus gab es zu seiner Zeit und danach keine Differenz, diese Methode hatte außerordentliche Erfolge. Über die Erklärung jedoch wurde gestritten: Es wurde Mesmer abgesprochen, dass es sich um eine physikalische Energie handeln dürfe, das Agens sollte eine „psychische Kraft“ sein. In diese Richtung ge- und verdrängt, entwickelte sich hieraus der Hypnotismus (Hypnose). Und der sog. Placeboeffekt wurde als mächtige „Wirkkraft ohne Erklärung“ akzeptiert und als Mystikum der Wissenschaft hinzugefügt, an der sich die Psychologie und Medizin messen lassen musste. Es ist falsch anzunehmen, das ein Placebo aus „Nichts“ bestehe, noch ist ihre suggestive Kraft wirkungslos. Der Glaube eines Menschen habe alleine schon eine Wirkung die eine Kraft des Mesmerismus darstellt, aber nicht deren ursprüngliche Kraft ist.
Freud hätte sich mit dem Phänomen hinter der Suggestion von Bernheim und der Hypnose von Charcot befassen können, statt einer „Bioelektrizität“ nachzujagen und in die Psychoanalyse abzudriften. Doch der Weg zum Mesmerismus war durch Meinungen und negative (Vor-)Urteile bereits versperrt. Heute geht es nicht mehr um die Frage, ob es eine physikalische Energie ist, die Mesmer benutzt hat – dies wird verneint, sondern um das Verschwinden der Heilkräfte und deren Methode.
Ebenso geht es in der Orgonomie weniger um dessen Effizienz, was gleichfalls bestritten wurde, sondern um das Verschwinden dieser Technik; und wie wir sehen gelingt dieses bestens – abseits von diesem Blog.

Robert: Wie Herbert Will in Was ist klassische Psychoanalyse?: Ursprünge, Kritik, Zukunft aufführt, ist das, was später als klassische Psychoanalyse bezeichnet wurde, ein Konstrukt der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, das selbst von Eissler u. A. stammt!
Freud selbst war viel flexibler zu seinen Patienten, wie man es bei den Erlebnissenberichten (Blum, Wortis, Kardiner, Blanton, Andreas-Salome, Koellreuter) der Patienten oder Schüler liest.

O.: Freud hat wohl immer wieder noch experimentiert, seine Technik verändert und war auf der Suche, wissend das er die Lösung noch nicht gefunden hatte. Nachfolger können tatsächlich eine „Pest“ sein, ohne das sie überhaupt verstehen warum – eben, weil sie nicht verstehen „warum“.
Sehr schön zu sehen hier, dass Freud empathisch und vernünftig Therapie machen konnte. Letztlich war dieser Einzelfall nach Reichs Thesen gelöst worden, wie es Breuer ihm zuvor auch schon geraten hatte und er es entweder nicht verstand oder zunächst ingnorierte und stattdessen die merkwürdige „Psychoanalyse“ entwickelte. – Merkwürdig aufgrund ihrer inhaltlichen Fantasterei über sexuelle Triebe – Interpretationen über vergangene Bedeutungen.
Nach der Karikatur schläft selbst der Analytiker dabei ein.
Freud hatte sich auch in der Suggestion und Hypnose versucht, sie studiert und scheiterte – auch daraus erwuchs die Psychoanalyse.
Reich studierte diese Seite von Freud nicht. Er war zu sehr von der Pychoanalyse überzeugt und sucht diese (unfähige) Therapie zu bessern – nachzubessern. Breuers Hinweis wird doch noch zum Leitbild: Katharsis – emotionale Erinnerung! Hieraus entstand die Vegetotherapie!
Keine Pulsationsarbeit, wie heutige Jünger es uns glauben machen wollen, auch kein Taoyoga der „energetischen Medizin“ – was nichts mit Reich zu tun hat außer ein Lippenbekenntnis, wie der christliche Glaube zu einem unsichtbaren Gott.
Die Therapieforschung und -geschichte könnte einmal belegen, dass der eingeschlafene Psychoanalyitker besser therapiert als der wach und smart agierende Analytiker.
Der Körperpsychotherapeut der hierüber schmunzeln möchte, sollte wissen, dass die Psychoanalyse bereits weiß, dass sie nicht wirkt und wirken konnte, die Körperpsychotherapie wird diese Erkenntnis erst noch erringen müssen.
Hatte (auch) Reich etwas falsch gemacht? Dies ist die nicht gestellte Frage. Was es von Freud zu lernen gibt, ist, dass Genialität nicht vor Fehlern schützt. Reich hat sich dieses Recht auf Fehler bewußt zugestanden, auch wenn er sich bezüglich seiner Therapie für unfehlbar hielt. Auch die Nachfolger halten ihn in allen seinen Phasen für unffehlbar, für therapeutisch genial. Dies steht auch außer Zweifel, doch darf man deswegen (vor Anbetung) nicht in Schreckstarre verfallen und nur noch Altare für Reich bauen, sondern darf weitergehen, neu forschen.
Reich hat Freud verteidigt, dies war seine Mission. Freuds Mission war es eine neue Theorie und Therapie zu schaffen und Psyche zu definieren. Missionen haben meist nur ein Ziel! Sie sind blind gegen den Prozess und dessen Früchte. Hier liegt der mögliche Fehler der beiden Pioniere.

Robert: „Indes hier ist es an der Zeit, ein Mißverständnis abzuwehren. Ich habe nicht die Absicht zu behaupten, daß die Analyse überhaupt eine Arbeit ohne Abschluß ist. Wie immer man sich theoretisch zu dieser Frage stellen mag, die Beendigung einer Analyse ist, meine ich, eine Angelegenheit der Praxis. Jeder erfahrene Analytiker wird sich an eine Reihe von Fällen erinnern können, in denen er rebus bene gestis vom Patienten dauernden Abschied genommen hat. Weit weniger entfernt sich die Praxis von der Theorie in Fällen der sogenannten Charakteranalyse. Hier wird man nicht leicht ein natürliches Ende voraussehen können, auch wenn man sich von übertriebenen Erwartungen ferne hält und der Analyse keine extremen Aufgaben stellt. Man wird sich nicht zum Ziel setzen, alle menschlichen Eigenarten zugunsten einer schematischen Normalität abzuschleifen oder gar zu fordern, daß der »gründlich Analysierte« keine Leidenschaften verspüren und keine inneren Konflikte entwickeln dürfe. Die Analyse soll die für die Ichfunktionen günstigsten psychologischen Bedingungen herstellen; damit wäre ihre Aufgabe erledigt.“
Wieso „theoretische“ Charakteranalyse? Freud schreibt doch überhaupt nicht davon.

Peter: Siehe bei Freud Anfang Abschnitt VIII:
In therapeutischen ebenso wie in Charakteranalysen wird man auf die Tatsache aufmerksam, daß zwei Themen sich besonders hervortun und dem Analytiker ungewöhnlich viel zu schaffen machen.

Robert: Nochmal: wo steht dort die ‚Theorie‘, da du von „(theoretischen) Charakteranalysen“ schreibst. Soll es die Charakteranalyse nur theoretisch geben und nicht praktisch?

Peter: „In therapeutischen [Analysen] ebenso wie in Charakteranalysen (…).“!

O.: Ist mir peinlich und unverständlich was Freud da über die Wünsche von der Frau (seiner Tochter?) und dem Manne (seine homo. Neigungen?) allgemeinsgültig vom Stapel lässt.
Die Anspielungen auf Reich sind auch wenig erhellend, wenn auch nur reflektierend „über den Anfang und Abschluss einer Therapie“ (natürlich ist die Charakteranalyse gemeint) und auch hier muss man fragen: Wieso kommt noch auf Reich?

Robert: ‚Wieso kommt er noch auf Reich?‘
So schnell konnte er ihn wohl doch nicht vergessen. 1935 bekam er noch einen Appell von Malinowski wegen der Aufenthaltsgenehmigung Reichs und 1939 erwähnt Federn Reich nochmal in „Das psychoanalytische Volksbuch“, außerdem hatte Reich ja noch Anhänger und Schüler in der IPV.

O.: Er nennt Reich nicht (soweit ich es wüßte), aber der hier zitierte Bezug ist auf Reich gemünzt, was mich auch verwundert, dass er überhaupt sich damit auseinandersgesetzt hat.

David: … als wenn man die Frauen bewegen will, ihren Peniswunsch als undurchsetzbar aufzugeben, und wenn man die Männer überzeugen möchte, daß eine passive Einstellung zum Mann nicht immer die Bedeutung einer Kastration hat
Penisneid??
Offenbar gibt es Mädchen, die ab und zu mit dem Penis männlicher Kameraden spielen.
In Heiden bei Rorschach (Schweiz) ist irgendwo der folgende Witz angeschrieben:
Verärgert fragt in der Schule die Lehrerin: wer hat meinen Namen in den Schnee gepinkelt?
Meldet sich in der letzten Reihe Fritz: „Prönzlet han i, aber gschribbe hat mei große Schwester.“
oder so ähnlich.

Robert: Freud hat sich nur indirekt öffentlich zu Reich geäußert, nämlich in Anspielungen. Siehe Hoevels: Wilhelm Reich, S.37f

Reich und Nietzsche

26. April 2015

Eine Nachbildung von Nietzsches Totenmaske hing an prominenter Stelle in Reichs Arbeitszimmer in Wien.

Also sprach Zarathustra war eines von Reichs „10 Büchern“. Nietzsche stand er in mancher Beziehung näher als Freud, z.B. sagte er in Reich Speaks of Freud ein Strindberg, Ibsen oder Nietzsche hätten keine Angst vor jenen intensiven Gefühlen des Lebens, wo „Freud anscheinend in seinem eigenen Bedürfnis zu ’sublimieren‘ befangen war.“

Für Reich stand Nietzsche mit Marx gegen den Zeitgeist Anfang des Jahrhunderts, als die Schuldidee und die absolute Moralität in den Vordergrund geschoben wurden. Nietzsches Kritik an der Moral öffnete den Weg „in den Bereich des unbewußten Seelenlebens, das von Freud erfaßt und erforscht wurde“ (Äther, Gott und Teufel).

Den Begriff „Es“ hatte Freud bei Georg Groddeck und dieser bei Nietzsche entliehen.

Reich schreibt in Der triebhafte Charakter:

„Im Manne ist ein Kind verborgen, welches spielen will.“ Mit diesen Worten hatte Nietzsche die klassische Formel Freuds über den neurotischen Konflikt antizipiert.

Reichs erster größerer Aufsatz über „Libidokonflikte und Wahngebilde in Ibsens Peer Gynt“ (Frühe Schriften) fängt mit einem Nietzsche-Zitat an, welches wohl auf die Leiden des Menschen an seinen inzestuösen Bindungen anspielen soll:

Ich lehre Euch den Übermenschen. Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Schau. Und ebenso soll der Mensch für den Übermenschen sein: Ein Gelächter oder eine schmerzliche Schau.

Das Genie ist seinen orgonotischen Strömungen gewahrer als Homo normalis, er empfindet die gepanzerte Agonie stärker. Nietzsche war ein solch zutiefst kranker Mensch – der gleichzeitig gesünder war. Reich schreibt:

Die Fähigkeit, Unlust und Schmerz zu ertragen, ohne enttäuscht in die Erstarrung zu flüchten, geht einher mit der Fähigkeit, Glück zu nehmen und Liebe zu geben. Um mit Nietzsche zu reden: Wer das „Himmel-hoch-Jauchzen“ lernen will, muß sich auch für das „Zum-Tode-betrübt“ bereithalten.“ (Die Funktion des Orgasmus)

Als zu viel zu ertragen war, brach der „Wissende“ schließlich doch an seiner Gesund-/Krankheit psychotisch (siehe Charakteranalyse, KiWi, S. 583).

Der homo normalis, der seinen ersten Sinn verloren hat, macht das Leben für derartige Individuen zu schwer und unerträglich.

Nietzsche wurde gebrochen, indem man ihn isolierte, ihn in die Einsamkeit abdrängte. (Reich Speaks of Freud)

In seiner Autobiographie (Die Funktion des Orgasmus) kommt Reich auf seine Beschäftigung mit der Ibsenfigur zurück und beschreibt sie als einen Menschen, der „aus der marschierenden Reihe dieser Menschen herausspringt. Man verlacht ihn, wenn er harmlos ist, man versucht ihn zu vernichten, wenn er kräftig ist.“ Was sie aber nicht davon abhielt den Peer Gynt zu einem Teil ihres „Kultur“gutes zu machen.

Reich hat die Popularisierer seines Werkes schon in Nietzscheanischer Gewandung durchschaut:

Es gibt geistreichelnde junge Leute, die man in ernsten Kreisen in Europa als „Kulturschmöcke“ zu bezeichnen pflegte. Sie waren klug, aber ihre Intelligenz diente einer Art Kunstbetätigung um ihrer selbst willen, ohne die todernsten Probleme eines Goethe oder Nietzsche je praktisch begriffen oder erlebt zu haben, lieben sie es, einander Klassik vorzuzitieren. Gleichzeitig ist ihr Wesen von Visionen geprägt. Sie betrachten sich als moderne, freisinnige von keiner Konvention belastete Lebewesen. Da sie ernsten Erlebnissen unfähig sind, ist ihnen die Geschlechtsliebe eine Art Kinderspiel. (Charakteranalyse)

Reich und Nietzsche ist es nicht gelungen, die Schweine und Schwärmer aus ihren sauberen Gärten zu halten. Doch trägt Nietzsche ohne Zweifel selber beträchtliche Schuld an dem was später kam. Reich schreibt:

Es hat wenig Sinn (…) sich einen Übermenschen zu erträumen, der sich von den Menschen in der Falle total unterscheidet, wie es Nietzsche getan hat, bis er, selbst in der Falle eines Irrenhauses gefangen, endlich die volle Wahrheit über sich selber schrieb – zu spät… (Christusmord)

So geht es den meisten, die nicht stillehalten, und die anderen wollen sich gar nicht erst blamieren. Sie sind von vornherein klug und überlegen gewesen. (Die Funktion des Orgasmus)

Dem deutschen Orgontherapeuten Walter Hoppe zufolge verband Schopenhauer seinen Begriff des Willens, der eine zentrale Bedeutung in der Philosophie Nietzsches erlangen sollte,

mit der Sexualenergie, die er [Schopenhauer] als identische Kraft mit der Natur schlechthin zur Darstellung bringt. Der Wille schreibt er, ist ebenso wie die Sexualität eine Kraft, der der gesamten Natur zugrunde liegt, die Kraft, die Liebhaber und Planeten anzieht. (Wilhelm Reich und andere große Männer der Wissenschaft im Kampf mit dem Irrationalismus, München 1984)

So ist auch Nietzsches „Wille zur Macht“ zu verstehen, als Ausdruck des orgonomischen Potentials, das Energie vom niedrigeren zum höheren Niveau fließen läßt. Er schreibt 1888:

Das Leben als die uns bekannteste Form des Seins ist spezifisch als Wille zur Akkumulation der Kraft –: alle Prozesse des Lebens haben hier ihren Hebel: Nichts will sich erhalten, alles soll summiert und akkumuliert werden. (Umwertung aller Werte, der gesammelte Nachlaß)

Und „sollten wir diesen Willen nicht als bewegende Ursache auch in der Chemie annehmen dürfen? – und in der kosmischen Ordnung?“

Im Nachlaß sind auch Anklänge an den spezifisch orgonomischen Bewegungsbegriff zu finden:

Die Bewegungen sind nicht „bewirkt“ von einer „Ursache“ (das wäre wieder der alte [aristotelische, PN] Seelenbegriff!) – sie sind der Wille selber, aber nicht ganz und völlig!

1881 oder 82 hat Nietzsche seinen folgenden „Hauptgedanken“ formuliert, der zeigt, wie er wohl den anthropoiden „theistisch patriarchalen Gott“ für tot erklärte, aber gleichzeitig die Entdeckung des wirklichen „Gottes“ als Ausdruck der Vereinigung von organismischer und kosmischer Orgonenergie ohne „mystische Abweichung“ vorwegnahm (der große Mittag und die Ewigkeit“, „das kosmische Ich“, etc.) und damit nach Kopernikus, Bruno und Darwin das letzte illusionäre Zentrum (das Ich) aufhob:

Hauptgedanke! Nicht die Natur täuscht (…) die Individuen (…), sondern die (…) legen sich alles Dasein nach individuellen, das heißt, falschen Maßen zurecht (…) In Wahrheit gibt es keine individuellen Wahrheiten, sondern lauter individuelle Irrtümer – das Individuum selber ist ein Irrtum. (…) Wir sind Knospen an einem Baume, – was wissen wir von dem, was im Interesse des Baumes aus uns werden kann! Aber wir haben ein Bewußtsein, als ob wir alles sein wollten und sollten, eine Phantasterei von „Ich“ und allem „Nicht-Ich“. Aufhören, sich als solches phantastisches Ego zu fühlen! (…) Den Egoismus als Irrtum einsehen! Als Gegensatz ja nicht Altruismus zu verstehen! das wäre die Liebe zu den anderen vermeintlichen Individuen. Nein! Über „mich“ und „dich“ hinaus! Kosmisch empfinden! (Kritische Studienausgabe, Bd. 9, S. 442f)

Wo Nietzsche 1875 schrieb: „auf immer trennt uns von der alten Kultur, daß ihre Grundlage durch und durch für uns hinfällig geworden ist“ und bis auf die Vorsokratiker zurückging, schrieb Reich: „der orgonomische Funktionalismus steht von vornherein außerhalb des Rahmens der maschinell-mystischen Zivilisation“ der letzten 6000 Jahre (Äther, Gott und Teufel).

Beide hatten jenen „Durst nach großen und tiefen Seelen – und immer nur dem Herdentier zu begegnen!“ (Nietzsche) – Reichs „Kleiner Mann“. Beide sind schließlich an gebrochenem Herzen gestorben „alone, like a dog“ (Reich); im Bewußtsein des Kleinen Mannes, der es schon immer besser wußte, in Scham und Schmach verreckt. Nietzsche nannte sich in einer, einen Tag nach seinem endgültigen Zusammenbruch verfaßten, Postkarte „Der Gekreuzigte“.

Wie etwa ein Goethe mußten sie sich in ihrer Einsamkeit mit Christus identifizieren, als Gebende denen ewig die Lust des Nehmens verwehrt sein würde, als Werkzeug einer höheren Macht, unfreiwillig sich opfernd für die Sache des „Übermenschen“ – dem „Kind der Zukunft“.

Ich liebe den, dessen Seele sich verschwendet, der nicht Dank haben will und nichts zurückgibt: denn er schenkt immer und will sich nicht bewahren. (Also sprach Zarathustra)

Ich könnte auch viel Schlechtes über Nietzsche schreiben – ich laß es:

Wer das Hohe eines Menschen nicht sehen willl, blickt um so schärfer nach dem, was niedrig und Vordergrund an ihm ist – und verrät sich selbst damit. (Jenseits von Gut und Böse, S. 228)

Robert hat diesen Aphorismus dahin interpretiert, daß „die Schwächen des anderen auch meine Schwächen (sind) und lehne ich dessen Schwächen ab, so lehne ich auch mich ab – verrate mich also selbst“. Ich hab das anders verstanden: Wer bei den Großen, etwa Freud oder Reich, wie heute in Biographien üblich, das sucht, was die Großen klein („niedrig“) und unbedeutend („Vordergrund“) macht, zeigt nur, „verrät“ nur, daß er selbst klein und unbedeutend ist. Die „Entlarver“ entlarven sich selbst!

Ein Jahr vor der Geburt des fanatischen Wagnerianers Hitler hat Nietzsche in seiner Beschreibung des Wagnerianertums praktisch schon alles über den Nationalsozialismus gesagt:

Dazu gehört bloss Tugend – will sagen Dressur, Automatismus, „Selbstverleugnung“. Weder Geschmack, noch Stimme, noch Begabung: die Bühne Wagner’s hat nur Eins nöthig – Germanen!.. Definition des Germanen: Gehorsam und lange Beine… Es ist voll tiefer Bedeutung, dass die Heraufkunft Wagner’s zeitlich mit der Heraufkunft des „Reichs“ zusammenfällt: beide Thatsachen beweisen Ein und Dasselbe – Gehorsam und lange Beine. – Nie ist besser gehorcht, nie besser befohlen worden. Die Wagnerischen Kapellmeister in Sonderheit sind eines Zeitalters würdig, das die Nachwelt einmal mit scheuer Ehrfurcht das klassische Zeitalter des Kriegs nennen wird. (Der Fall Wagner, A 11)

Trotzdem wurde immer wieder versucht, Nietzsches „Übermenschen“ mit für den rassistischen Nationalsozialismus verantwortlich zu machen. Nun, Hitler hat in Mein Kampf Nietzsches Namen, wie den jeder anderen deutschen Geistesgröße auch, nur als Mythus ausgenutzt und später in den Tischgesprächen gar nicht erwähnt. Wahrscheinlich hat er ihn nie gelesen, denn diesen Autor konnte Hitler nicht durchfliegen, wie es seine Art war, um ein ideologisches Destillat herauszuziehen. Der sich jeder Festlegung verweigernde Nietzsche eignet sich denkbar schlecht für die Verwurstung zur „fanatischen“ Weltanschauung:

Der Einwand, der Seitensprung, das fröhliche Misstrauen, die Spottlust sind Anzeichen der Gesundheit: alles Unbedingte gehört in die Pathologie. (Jenseits von Gut und Böse, A. 154)

Es stimmt, daß Nietzsches Schwester (mit ihrem unseligen Machwerk Der Wille zur Macht) und der Philosoph Alfred Baeumler versuchten, Nietzsche zum reaktionären „soziobiologischen“ Philosophen zu verkürzen. Doch der Versuch ihn zum neuen offiziellen Staatsphilosophen zu machen, war alles andere als erfolgreich. Die Nazis stoppten sogar die offizielle Kritische Gesamtausgabe, denn Nietzsche verkörperte all das, was die Nationalsozialisten haßten: Freigeist, Abweichler, Verächter der Volksgemeinschaft, Staats- und insbesondere Reichsfeind, Sympathisant der Judenheit und Frankreichs, etc. Man konnte beim vermeintlichen philosophischen Urvater der nationalsozialistischen Ideologie nachlesen, daß die Deutschen eine Mischrasse mit überwiegend vorarischen Anteilen seien (Jenseits von Gut und Böse, A 244), und was ihre „rassische Verbesserung“ betraf, fand Nietzsche die Juden als „Ingredienz bei einer Rasse, die Weltpolitik treiben soll, unentbehrlich“ (Studienausgabe Bd. 11, S. 457).

Neben Baeumler beriefen sich die beiden deutschtümelnden Existentialisten Karl Jaspers und Martin Heidegger auf Nietzsche. Aber beide zeigten in ihren Vorlesungen über Nietzsche auf, daß er so ungefähr das Gegenteil der Nazi-Ideologie vertrat. Georg Picht (Nietzsche, Stuttgart 1988) hält Heideggers Vorlesungen sogar für eine der mutigsten und wichtigsten Widerstandshandlungen in Hitlerdeutschland, denn Heidegger habe sich konsequent gegen jede oberflächliche Politisierung von Nietzsche, gegen jede biologistische Fehlinterpretation gewandt, das Gerede vom „wotanischen Archetypus der Macht“ verworfen und den Machtbegriff der Nazis verhöhnt.

Hatte Heidegger anfangs angenommen, „die Bewegung“ würde die Logik des von Nietzsche diagnostizierten Nihilismus überwinden und sich ihr zugewandt, weil sie scheinbar eine „grüne“ antitechnokratische Politik vertrat, sozusagen das Gegenteil der Tötungsfabrik Auschwitz, erkannte er in ihr schließlich die Vollendung des Nihilismus. Heidegger führt Nietzsches Diktum an, daß jeder Versuch, dem unvollständigen Nihilismus, in dem wir leben, zu entgehen, das Gegenteil des Erstrebten hervorrufen wird, nämlich den vollständigen Nihilismus, wenn bei diesem Versuch nicht alle bisherigen Werte umgewertet werden (Holzwege, Pfullingen 1963, S. 208).

Allenfalls kann man Nietzsche mit dem italienischen Faschismus in Zusammenhang bringen, denn Mussolini war in der Tat Nietzscheaner. Betrachtet man Nietzsches Schriften aus diesem Blickwinkel, findet sich dort ohne Zweifel faschistisches Gedankengut. Gleichzeitig hat Nietzsche aber auch die Psychoanalyse (sowohl Freud als auch Adler) vorweggenommen – und manchmal muß man sich beim Lesen die Augen reiben, wenn man über eine der vielen schlechthin orgonomischen Stellen bei Nietzsche stolpert. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?

Am Ende seines bewußten Lebens wollte Nietzsche eine „Partei des Leben“ gründen und sie gegen die Kräfte des Nihilismus mobilisieren, die das unschuldige Leben „jenseits von Gut und Böse“ unterminieren. Diese Kräfte sind der nihilistische Mystizismus und der nihilistische Sozialismus, d.h. die Entwertung des konkreten Lebens durch eine fiktive ideale Welt. Die „Partei des Lebens“ macht „die Physiologie zur Herrin über alle anderen Fragen“, das bedeutet Höherzüchtung der Menschheit und das Ausrotten alles „Entarteten und Parasitischen“, das sich in der „Partei alles Schwachen, Kranken, Missrathenen, An-sich-selber-Leidenden“ findet.

Diese zweite Partei, die mystische und utopische Partei, wolle Rache am Leben nehmen und das Leben auslöschen, wenn die Partei des Lebens ihr nicht zuvorkommen würde (so Nietzsche in seinen letzten Notizen, Studienausgabe Bd. 13, S. 638 und im Ecce homo Bd. 6, S. 374).

Bereits 1882 hatte er sich notiert:

Wir als die Erhalter des Lebens. Unvermeidlich entstehend die Verachtung und der Haß gegen das Leben. Buddhismus. Die europäische Thatkraft wird zum Massen-Selbstmord treiben. (…) Wenn wir nicht uns selber erhalten, geht alles zu Ende. Uns selber durch eine Organisation. Die Freunde des Lebens. (Studienausgabe Bd. 10, S. 43)

Reich hat mit seiner „Partei des Lebens“ Nietzsches Differenzierung zwischen dem neurotischen Mystiker, der das Leben nihilistisch abtötet, und dem freien, gewissenlosen Menschen aufgenommen. Aber Reich unterschied in der letzteren Gruppe weiter zwischen den freien Menschen, die ihre sekundären Triebe leben, und den freien Menschen, die ihre primären Triebe leben (Emotionelle Pest und Genitalität, die in Nietzsches Vorstellung vom Übermenschen noch eins waren), zwischen Faschismus und Arbeitsdemokratie. Ganz entsprechend hatte sich schon der Nietzscheanismus in zwei Gruppen aufgespalten: Vertreter des faschistischen Herrenmenschentums auf der einen und Verteidiger des Lebendigen auf der anderen Seite.

Die faschistischen Nietzscheaner haben nicht nur primäre und sekundäre Triebe miteinander vermengt (was ja auch Nietzsche selbst getan hatte), sondern überhaupt Nietzsche und „die Partei des Leben“ verraten, indem sie sie von neuem mit der nihilistischen, christlichen Moral vergifteten. Nietzsche wurde von all dem eingeholt, was er überwunden hatte. Dieses national-christliche Gedankengebäude faßte Nietzsches Schwester Elisabeth, die spätere Hohepriesterin des nationalsozialistischen Nietzsche-Kults, noch zu Nietzsches Lebzeiten zusammen, als sie schrieb, gemeinsam mit den Wagnerianer Bernhard Förster, ihrem späteren Ehemann, würde sie „schwelgen“ in „Mitleid, heroischer Selbstverleugnung, Christentum, Heldentum, Vegetarismus, Ariertum, südliche Kolonien“ (Peters: Zarathustras Schwester, München 1983, S. 108).

So ebnete sich der Weg für den nationalsozialistischen Mißbrauch Nietzsches. Hermann Josef Schmidt schreibt dazu:

Auch nationalsozialistische „Nietzsche“interpretation wäre ohne vorherige „christliche“ Nietzscheverkleisterungen, beginnend spätestens 1895 mit der opportunistischen „großen“ Nietzschebiographie seiner Schwester – und ohne eine Serie von Textstellen, die, aus ihrem Zusammenhang gerissen, sich schaurig lesen (z.B. das geklitterte Buch Der Wille zur Macht, PN) – zumindest in ihrer Breitenwirkung nicht möglich gewesen. Auch hier hat deutsches Christentum – man lese nur die Reden und „Abschiedsworte“, die am 28.8.1900 an Nietzsches Grab gehalten bzw. vorgetragen wurden (…) – dem Nationalsozialismus glänzend vorgearbeitet. (Nietzsche absconditus, Berlin 1991, S. 274)

Der radikale Nietzsche darf nicht verwässert werden, wenn man nicht alles zerstören und in sein Gegenteil verkehren will, vielmehr muß man, wie Reich es getan hat, Nietzsche weiter radikalisieren. Dies ist der einzige gangbare Weg. Es gibt keinen Weg zurück.

Man betrachte nur die gegenwärtige moralistische Kampagne in Deutschland gegen den „Fremdenhaß“. Von der äußersten Linken bis zum Papst sind sich, unterstützt von den neusten soziobiologischen Erkenntnissen, alle einig, daß man das teuflische „Tier im Menschen“ mit seinem „angeborenen Rassismus“ überwinden müsse. Es ist kaum etwas gegen das wissenschaftliche Fundament dieses Konzeptes zu sagen, zumal Malinowski sogar bei den Trobriandern rassistische Ressentiments gegen angrenzende Stämme und gegen Polen (Malinowski) festgestellt hat. Müssen wir uns also auf unsere humanistische Wertewelt besinnen, diese steinzeitlichen Triebe durch unsere zivilisatorische Energie überwinden und dergestalt die archaischen Sümpfe trockenlegen? Oder haben wir mit Nietzsche die „Partei des Lebens“ zu ergreifen? Die Orgonomie, die mindestens so weitreichende humanitäre Ziele hat wie die Humanisten, will die Sümpfe nicht in eine Wüste verwandeln, aber auch nicht das Gesetz des Dschungels in die Städte tragen, sondern für einen geregelten Abfluß sorgen, so daß sich eine schöne Auenlandschaft ausbilden kann.

Deutschland und die Emotionelle Pest (Teil 8)

30. Juli 2013

Die wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Beiträge unserer kleinen Nation (die kaum mehr als 1 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht) zum Fortschritt der Menschheit sind erstaunlich. Unter anderem haben die Deutschen erfunden: den Buchdruck, die Glühbirne, das Auto, den Diesel-Motor, den Fernseher (das allererste gesendete TV-Programm war Hitlers Eröffnungsrede bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin), das Farbfernsehen, den Hubschrauber, den Kaffeefilter, den Teebeutel, die Antibabypille, den Computer, Aspirin, das Telefon (Reis machte vor Edison ein Ferngespräch), die Waschmaschine, das Elektronenmikroskop, das Düsenflugzeug, das Luftschiff (Zeppelin), Bier, Homöopathie, Papier, das Periodensystem der Elemente, den Dynamo, Bakteriologie (Koch 1896), die Jeans, die Straßenbahn, das Motorrad, den Plattenspieler, funkgesteuerte Uhren, den MP3-Player, den Airbag, die Kreditkarte, den Mikrochip, die Kernspaltung, das Röntgengerät und den Scanner! In der Liste der zehn wichtigsten technischen Erfindungen In der Geschichte der Menschheit stammen fünf von Deutschen.

Das waren technische Erfindungen, aber der Einfluß der Deutschen auf die internationale Kultur ist ebenso groß! In der Liste der zehn wichtigsten klassischen Komponisten gibt es sechs Deutsche/Österreicher: Beethoven, Mozart, Bach, Haydn, Liszt, Schubert, Brahms, Schönberg, Wagner. In der Liste der zehn wichtigsten Philosophen der Neuzeit gibt es acht Deutsche/Österreicher: Kant, Hegel, Schopenhauer, Marx, Engels, Nietzsche, Husserl, Wittgenstein. Was wäre die Welt der Physik ohne die Früchte der Forschung von Einstein, Hahn, Meitner, Fahrenheit, Röntgen, Planck, von Braun, Kopernikus, Heisenberg, Born, Euler, Mach, Meißner, von Ardenne, Warburg, Schrödinger, von Weizsäcker? Und die Anthropologen und Psychologen betrifft siehe Reich, Freud, Adler, Eysenck, etc. Unter den Schriftstellern nenne ich nur Goethe. (Man beachte hier bitte den Beitrag der jüdischen Deutschen!)

Deutsche Sportler gewannen bei den Olympiaden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Medaillen. Vor allem bei den Olympischen Spielen in Berlin von 1936 dominierten sie alle anderen Länder. Und bis zu seiner Niederlage gegen Lewis war der Deutsche Max Schmeling der weltweit beste Boxer. Auch in der „kulturellsten“ Sportart – dem Schach – waren in den Jahrzehnten vor und nach 1900 die zwei besten Schachspieler der Welt Deutsche (Steinitz und Lasker).

Außerdem denke ich, daß wirklich jeder in der Welt die Namen der 4 Deutschen/Österreicher Luther, Marx, Freud und Einstein kennt. Niemand hat die moderne Welt mehr als diese 4 beeinflußt! Nicht zu vergessen Wilhelm Reich, der in seinem ganzen Denken sehr „deutsch“ war. (Schließlich erhielt er seinen Vornamen zu Ehren von Kaiser Wilhelm!)

Laut einer aktuellen Umfrage der BBC ist Deutschland das beliebteste Land auf der Erde.

Allerdings, obwohl „Nationalstolz“ (Liebe zum eigenen Land, Patriotismus, d.h. Stolz auf die Errungenschaften des eigenen Volkes) ganz natürlich sein sollten, ist dies in Deutschland ein sehr heikles Thema und auch für mich eine mit Konflikten besetzte Angelegenheit. Das ist so, weil unser Stolz (auf die enormen Leistungen der deutschen Geschichte) stets mit starken Schuldgefühlen wegen Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg und vor allem in der Schoah vermischt sind. Während Amerikaner „stolz sind, Amerikaner zu sein“, Franzosen und Engländer sehr nationalistisch sind und stolz auf ihre Streitkräfte (einschließlich der Atombombe) und gerne Uniformen tragen, ist bei Deutschen der Nationalstolz irgendwie gehemmt. Beispielsweise wurde vor kurzem jemand von einigen linken Studenten fast zu Tode geprügelt, nur weil er es gewagt hatte, die deutsche Flagge in seinem Garten zu hissen.

In französischen und englischen Städten sind die meisten großen Straßen und öffentlichen Plätze nach den Kriegshelden oder berühmten Schlachten ihrer Nationalgeschichte benannt (wie Avenue Foch, Nelson Square, Trafalgar Square, Waterloo Bridge) und es finden sich überall entsprechende Statuen – während in Deutschland sogar die öffentlich bekundete Bewunderung etwa von preußischen Generälen schlichtweg undenkbar wäre. Es wäre in Deutschland völlig unmöglich, daß eine Straße nach einer unserer großen Siege im Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder aus der Zeit der Preußen benannt werden würde. Allein, daß ich sage, es seien unsere Siege gewesen, bringt fast jeden „kritischen Geist“ auf die Palme!

Uniformen, die deutsche Flagge oder das Absingen der deutschen Nationalhymne wird in Deutschland automatisch mit einer rechtsextremen Einstellung verbunden. Diese seltsame Situation resultiert von gerade mal 12 Jahren Nationalsozialismus (die Hälfte davon ohne Kriegsführung) innerhalb einer deutschen Geschichte von 1200 Jahren, die im allgemeinen weitaus friedlicher verliefen als bei fast allen unseren europäischen Nachbarn.

Wenn du dich also traust zu sagen, daß du „stolz darauf bist, ein Deutscher zu sein“ – wegen Deutschlands enormen Beiträgen zur weltweiten Wissenschaft und Kultur –, kannst du auf die Gegenfrage gefaßt sein: „Wie können Sie es wagen, solche schrecklichen Dinge zu sagen? Haben Sie Auschwitz vergessen?!“ Aber ich habe nie erlebt, daß sich Engländer beschämt oder gar schuldig fühlen wegen der Verbrechen und der Völkermorde des britischen militanten Imperialismus seit Jahrhunderten. Oder das Gefühl in ihrem Nationalstolz gehemmt zu sein, wegen der Opfer der britischen Konzentrationslager in Südafrika, wo sie die Buren internierten. (In einer berühmten Rede sagte Hitler sinngemäß: „Wir haben einfach aus dem Wörterbuch gelernt, was ein Konzentrationslager ist und das dann von den Briten kopiert!“).

Nicht nur die britischen Konzentrationslager in Südafrika, sondern noch viel mehr die sowjetischen Gulags waren die historischen Vorläufer der späteren deutschen Konzentrationslager. Ich denke, daß die Kompetenz der Kommunisten in Sachen Massenmord von anderen Bewegungen unerreicht ist, einschließlich der der Nationalsozialisten. Heutige Historiker sagen, daß die Opfer des kommunistischen Terrors sich bis auf 100 000 000 Menschen summieren. Man erinnere sich nur all der ethnischen Völkermorde in der UdSSR, der brutalen Schauprozesse der 1930er Jahre, dem brutalen Überfall auf Polen im Herbst 1939, der Folterung von Dissidenten, dem Gulag in Sibirien und so weiter und so fort. Ein Teil des polnischen Offizierskorps hat nur überlebt, weil er nicht in sowjetische, sondern in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war. Die Russen haben ausnahmslos alle polnischen Offiziere, derer sie habhaft werden konnten, ermordet.

Es gibt eine einflußreiche Schule in den historischen Wissenschaften, die die deutschen Kriegsverbrechen und den Holocaust als kaum vermeidbare Gegenreaktion auf den sowjetischen Terror in der UdSSR interpretieren. Es sei auf Ernst Nolte verwiesen:

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Katholischen Familien, die ansonsten kaum was mit den Nazis am Hut hatten, wurden zu vehementen Unterstützern der deutschen Invasion in die UdSSR, nachdem sie gehört hatten, wie im spanischen Bürgerkrieg der 1930er Jahre katholische Priester von Kommunisten massakriert und Nonnen vergewaltigt wurden. Viel von dem brutalen Vorgehen der Wehrmacht und der SS in Rußland während des Zweiten Weltkrieges war eine Reaktion auf die unglaubliche Brutalität, die sie beobachtet und von Seiten der Kommunisten erlebt hatten. Wenn zum Beispiel russische Partisanen einen Wehrmachtssoldaten gefangennahmen, folterten sie ihn zu Tode – am häufigsten wurden die Deutschen kastriert und danach mit ihren eigenen abgeschnittenen Genitalien erstickt. Solche bestialischen „asiatischen“ Methoden waren zuvor in Europa unbekannt gewesen!

Nichtsdestotrotz galt die sowjetische Kriegführung gegen Deutschland immer als etwas „Heroisches“ und ich habe nie gesehen, daß je ein Russe ein schlechtes Gewissen wegen der Myriaden von Verbrechen hat, die sich in der russischen Geschichte zugetragen haben – immer wurden nur die Deutschen als die Bösewichte hingestellt. Entsprechend hatte es bei den Nürnberger Prozessen etwas Lächerliches, als die Sowjets forderten, daß alle deutsche Verbrechen streng geahndet werden, während die sowjetischen Ankläger selbst Ozeane von Blut an den eigenen Händen kleben hatten.

Die Nachgeborenen tragen nicht die Schuld, aber sie tragen die Verantwortung, schließlich genießt man ja auch, wie anfangs angedeutet, mit aller Selbstverständlichkeit all das, was an Gutem aus der Vergangenheit stammt. Funktionell betrachtet, gewährten uns unsere Vorväter einen Kredit, den wir abzahlen, indem wir den Nachgeborenen eine bessere Welt hinterlassen. Zu diesen unseren Aufgaben als Nachlaßverwalter gehört das Aufarbeiten der Vergangenheit, d.h. das Wegräumen des Schutts der Lügen, des Vergessenmachens, der Verdrehungen und der Fehldeutungen, damit ein Neuanfang möglich ist. Das ist die funktionelle Aufgabe des Geschichtsforschers: er dient den Kindern der Zukunft!