Archive for the ‘Die Kinder der Zukunft’ Category

Die Bibel und die Kinder der Zukunft

2. Mai 2016

Nach Gen 8,21 ist der Mensch „böse von Jugend auf“, während Jesus sagte, man müsse wieder so gut wie die Kinder werden (Mt 18,3). In Dtn 21,18-21 lesen wir, daß, wenn jemand einen Sohn hat, „der so widerspenstig und ungehorsam ist, daß er trotz aller Strafen und Mahnungen weder auf seinen Vater noch auf seine Mutter hört“, dieser Sohn auf betreiben der Eltern von den Männern der Stadt gesteinigt werden soll! Das ist der biblische Begriff elterlicher Liebe, denn „wer seinem Sohn keine Schläge geben will, liebt ihn nicht. Wer seinen Sohn liebt, fängt früh an, ihn mit Strenge zu erziehen“ (Spr 13,24).

Streng Erziehung sei sowohl gut für die Kinder (Spr 19,18) als auch für die Eltern, deren Sohn dann „zur Quelle der Zufriedenheit und Freude“ werde (Spr 29,17). Strenge Erziehung heilt nicht nur von der angeborenen Dummheit der Kinder (Spr 22,15), sondern macht sie auch klug (Spr 29,15).

Später verschärfte sich diese kinderfeindliche Grundhaltung noch. Bei Sir 22,6 heißt es: „Strenge Erziehung und eine Tracht Prügel sind immer angebracht.“ Kinder müssen wie wilde Pferde gebändigt werden (Sir 30,8).

Solange es Kind ist, laß ihm nicht seinen Willen! Solange es klein ist, gib ihm tüchtig was hinten drauf, sonst wird es widerspenstig und gehorcht dir nicht mehr. (Sir 30,11f)

Da kann natürlich auch Paulus nicht zurückstehen:

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern und bezeugt dadurch eure Unterordnung unter den Herrn. So ist es recht und billig. „Ehre Vater und Mutter“ ist das erste Gebot, dem eine Zusage folgt: „Dann wird es dir gutgehen, und du wirst lange leben auf der Erde.“ Ihr Eltern, behandelt eure Kinder nicht so, daß sie widerspenstig werden! Erzieht sie mit Wort und Tat nach den Maßstäben, die der Herr gesetzt hat.

Und gleich im Anschluß daran heißt es: „Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren! Ehrt und fürchtet sie. Dient ihnen so aufrichtig, als dientet ihr Christus.“ (Eph 6,1-5)

Allein schon diese wenigen Stellen reichen, um die Bibel zu einem verhängnisvollen Buch zu machen. Nach diesen Maximen wurde zwei Jahrtausende ein Großteil der Menschheit malträtiert. Auch behandelten so die Kolonialisten die „kindischen“ Ureinwohner.
Elizabeth Gershoff (University of Texas at Austin) und Andrew Grogan-Kaylor (University of Michigan School of Social Work) haben in einer Analyse von Forschungsstudien der letzten 50 Jahre gezeigt, daß auch leichte körperliche Züchtigungen („einen auf den Hintern geben“) kontraproduktiv sind: Kinder, die ab und an einen Klaps kriegen, werden unartiger, entwickeln „psychische“ (emotionale) Probleme und werden antisozial. Die alten autoritären Erziehungsmethoden haben lang- und teilweise sogar kurzfristig die diametral entgegengesetzten Effekte zu dem, was uns „Gott“ in der Bibel verspricht! Ich möchte dazu einfügen: Man schaue sich doch nur die schrecklichen Gören unserer extrem autoritären türkischen „Mitbürger“ an!

Es geht hier nicht um wüsten Kindesmißbrauch, sondern die ganz gewöhnliche Erziehung, wie sie in der autoritären Gesellschaft Usus war und ist. Weltweit schlagen 80 Prozent der Eltern ihre Kinder. So eine Untersuchung der UNICEF von 2014. In den antiautoritären USA sind es noch immer etwa 50 Prozent.

Daß ein bloßes Versohlen derartig negative Folgen hat, paßt zu den Ergebnissen der bisherigen Forschung, die Prügel mit einem niedrigeren IQ, höherer Aggressivität, sowie Depression, Angst und Paranoia in Verbindung gebracht hat. Die Forschung zeigt, daß Kinder weniger Verhaltensprobleme zeigen, wenn man die Eltern dazu bringt sie weniger zu schlagen.

Anti-Summerhill

21. März 2016

Anlaß dieses Blogeintrags ist meine zufällige Entdeckung eines Interviews zum Thema auf brightsblog Das ist unendlich besser, als alles, was ich verzapfen könnte. Bitte auch den unten verlinkten Vortrag anschauen! Anyway:

Als 1934 die Gefahr bestand, daß seine Waldorfschule geschlossen wurde, schrieb der anthroposophische Lehrer René Maikowski, ein ehemaliger Mitarbeiter Steiners, einen Brief an Hitler und pries die wahrhaft deutsche Willens- und Charaktererziehung an Waldorfschulen. Steiner sei immer für den gleichen Geist wie die Nazis eingetreten. Maikowski führt die „Opferfreudigkeit“ seines Bruders, des „Blutordensträgers“ Hans Maikowski, eines SA-Führers, der bei der Machtübernahme von Kommunisten erschossen worden war, auf dessen Waldorferziehung zurück. 1935 schrieb Maikowski an Rudolf Heß im Namen des „Bundes der Waldorfschulen“ über die Haltung der Waldorferziehung zum Judentum: da Waldorfschulen jeden einseitigen Intellektualismus ablehnten und wegen ihrer christlichen Grundhaltung gäbe es sowieso nur sehr wenige jüdische Schüler und die meisten würden ohnehin die Waldorfschulen nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Obwohl sie die ideologische Exklusivität der Nazis gefährdete, wurde die autoritäre, anti-intellektuelle und anti-materialistische (und deshalb anti-Marxistische) Ausrichtung der Waldorferziehung anerkannt. Viele ihrer Elemente wurden 1936 Teil der damals eingerichteten offiziellen Adolf-Hitler-Schulen und Napola-Schulen. Tatsächlich ähnelten die Erziehungskonzepte der Nazi-Pädagogin Magdalene von Tiling ziemlich denen Steiners. Der Nazi-Pädagoge Alfred Baeumler fand für die Waldorferziehung lobende Worte. (Dieses Mitglied der SS und Nazi-Interpret Nietzsches pries Steiners Buch Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit als das beste Buch über Nietzsche, das er jemals gelesen habe.)

Die ungebrochene Tradition wird in folgenden Büchern dargelegt, deren wesentlichen Inhalt ich im Anschluß kurz referieren werde. Ob sich seit dieser Zeit Entscheidendes geändert hat, vermag ich nicht zu sagen.

  • Beckmannshagen, F.: Rudolf Steiner und die Waldorfschulen, Wuppertal 1984
  • Kayser, M./Wagemann, P.A.: Wie frei ist die Waldorfschule?, Berlin 1991
  • Prange, K.: Erziehung zur Anthroposophie, Bad Heilbrunn 1985
  • Rudolph, Ch.: Waldorf-Erziehung, Darmstadt 1987
  • Ulrich, H.: Waldorfpädagogik und okkulte Weltanschauung, Weinheim 1986

Die Autoren führen aus, man könne zwar als positiv konstatieren, daß es in der Waldorfschule keinen Leistungsstreß durch eine rigide Benotung gäbe, dafür gäbe es aber statt dieser einigermaßen objektiven und nachvollziehbaren Noten, persönliche, moralisierende Anmerkungen, die als Zeugnisse dienen. Da werde dann nicht eine Teilfunktion bewertet, sondern gleich die ganze Persönlichkeit. Die Kinder, die nicht ins anthroposophische Entwicklungsschema paßten, z.B. sexuell aktiv seien oder ein gestörtes Verhältnis zu Führerfiguren hätten, würden moralisch runtergemacht. Als Schüler weiß ich, daß mit einer 5 oder 6 nicht ich selbst gemeint bin, sondern einfach nur ein Teilaspekt meines Tuns, während in der Waldorfpädagogik genau mein intimer Wesenskern bewertet und angegangen werde. Das sei totalitär.

Waldorflehrer lebten in einem geschlossenen ideologischen System, in das sie ihre Schüler preßten. Es gäbe die rigiden Schemata der vier „Äther-Körper“, Zyklen von sieben Jahren und die traditionellen Aristotelischen vier Temperamente. Steiner stahl die mehr spezifischen Elemente des letzteren Konzepts, das entscheidende Zentrum der Waldorferziehung, aus den, Ende des 19. Jahrhunderts, populären Erziehungsbüchern von Bernhard Hellwig, zusammen mit all ihren herabsetzenden volkstümlichen Vorstellungen von z.B. dem „phlegmatischen“ Temperament. Auch gäbe es das vom Waldorflehrer zu unterstützende „karmische Gesetz“, das jede Möglichkeit einer persönlichen Entwicklung hintertreibe. Aufgrund von Steiners Version des karmischen Gesetzes erhält jedes körperliche Merkmal moralische Bedeutung, da der Geist diesen besonderen Körper aufgrund der vorherigen karmischen Tätigkeiten zugeteilt bekam – eine Art von Mikro-Rassismus. Eine kleine Schülerin erzählte ihrer Waldorflehrerin, daß ihr Vater sie sexuell mißbrauche, die Lehrerin antwortete: „Du hast dir deine Eltern selber ausgesucht“ – was bedeutet, du bist verantwortlich, aufgrund des karmischen Gesetzes, so trage dein Kreuz.

Waldorflehrer seien Opfer der persönlichen Neurose Steiners, wie sie sich in der Anthroposophie Struktur widerfindet. Sie unterdrücken ihre Gefühle, da Steiner von seinen eigenen Gefühlen entfremdet war. Waldorflehrer, insbesondere die Frauen, sähen stets sehr unattraktiv aus, ohne Make-up, grau, ausgemergelt, „vergeistigt“. In ihrem Ausdruck und Verhalten wirkten die männlichen Lehrer wie Klone von Steiner: asketisch, moralistisch, ohne Humor, trocken, mumifiziert, tot unterhalb des Kopfes. Das Alltagsleben unter Waldorflehrern sei im allgemeinen erfüllt von Intrigen und Gehässigkeiten. Als Priester der Anthroposophie ist der Waldorflehrer eine absolute Autorität mit einem nicht reproduzierbaren absoluten okkulten Hintergrund – das perfekte moralische allwissende Über-Ich. Der Schüler solle dieser Imitation Steiners folgen und selber zu einem kleinen Steiner bzw. zu einer kleinen Marie von Sivers werden. (Ewald Althans, der schwule Neonazi aus dem Film Beruf Neonazi, ist Produkt eines Waldorfkindergartens.)

Waldorflehrer setzten ihre unterdrückte Sinnlichkeit in asexuelle „Übersinnlichkeit“ um. Je mehr die Sexualität unterdrückt werde, desto mehr seien sie an der Kindererziehung interessiert als Ventil für ihre fehlgeleitete, sadistisch gewordene Sexualität. Sie werde von Zeit zu Zeit in wilden hysterischen Ausbrüchen körperlicher Bestrafung ausgelebt und sogar in buchstäblichen Exorzismen von „bösen Geistern“! In seinem Tagebuch notierte sich Franz Kafka als besonderes Merkmal der Anthroposophen ihre starren, stechend moralistischen Augen. Waldorflehrer schauten stets tief in deine Augen, um ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. Dieses typische hypnotische Starren ist eine unbewußte sexuelle Annäherung. Ganz allgemein arbeiteten sie nicht erzieherisch, sondern mit Moralurteilen, d.h. maskiertem Sadismus, der eine perverse sexuelle Äußerung ist. Alles werde aus moralistischer Sicht betrachtet. Sogar die künstlerischen Äußerungen des Kindes werden in Moral erstickt: keine Farbkontraste und keine scharfen Kanten sind erlaubt und allem wird eine ethische Bedeutung zugeordnet.

So kämpfe die Waldorfschule gegen alles, was unterhalb des Kopfes liegt. Der Blickwinkel von Waldorf sei patriarchalisch, moralistisch, antisexuell und konservativ. Die Märchenwelt des 19. Jahrhunderts werde den Kindern nahegebracht, mit all der Schuld und Angst. Ein kleines Mädchen, das keine Märchen mochte, wurde von Steiner als „Naturdämon“ bezeichnet, dem jedes Menschentum abgehe. Seit den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wären menschliche Gestalten geboren worden, die überhaupt keine Inkarnationen von Menschen sind, „sondern wo die Menschenform ausgefüllt wird von einer Art Naturdämon.“

Der Hauptfeind der Waldorferziehung sei das masturbatorische Interesse des Kindes für den eigenen Körper. Es gelte als Hindernis für die gesunde Entwicklung des Kindes. Steiner zufolge, sind kleine Kinder nicht egoistisch, nicht aggressiv, nicht neugierig, nicht erotisch, nicht sexuell – wenn sie es sind, stehen ahrimanische Kräfte dahinter. Vor dem Alter von 20 oder 21 Jahren werde die Sexualität als etwas Pathologisches und Perverses betrachtet, so daß Kinder aus Waldorfschulen geworfen würden, wenn ihre Sexualität zu offensichtlich werde. Jugendliche sollten durch das Spirituelle von der Pubertät abgelenkt werden. Kinder würden geschlagen. Es gäbe einen Fall, wo eine Erzieherin im Waldorfkindergarten einen kleinen Jungen eine heftige Ohrfeige verpaßt habe, als er sich einem kleinen Mädchen nackt zeigte. Der Mund eines kleinen Jungen wäre mit Seife ausgewaschen worden, nachdem er schmutzige Wörter benutzt hatte.

In Waldorfsonderschulen würden unruhige Kinder an ihre Sitze festgebunden. Andere Methoden der anthroposophischen Erziehung seien das hundertfache Niederschreiben des gleichen Satzes, in der Ecke stehen oder Schläge – wie in der guten alten preußischen Schule. Noch raffinierter sei die Methode des Liebesentzugs. Tatsächlich sei er die hauptsächliche Erziehungstechnik des geliebten Waldorflehrers. Die Lehrer arbeiteten natürlich auch mit vernichtenden Moralpauken – und okkulten Flüchen!

Waldorflehrer machten regelmäßig Hausbesuche und zwängen die ganze Familie in einen anthroposophischen Lebensstil hinein. Das reiche vom Verzicht auf Coca Cola bis zu dem auf Kartoffel, weil diese indianische Nahrung unserem germanischen Wesen widerspräche. Und in der Schule würden die Kinder über das Familienleben ausgefragt. Es sei wie in einem totalitären Staat. Waldorf als „Freie Schule“ zu bezeichnen, sei dasselbe, als würde man katholische Privatschulen so nennen.

Die Anthroposophie sei ein vom Staat unterstützter destruktiver Kult und viele Entscheidungsträger im Staatsapparat und in der Politik seien selbst Anthroposophen, insbesondere in den Erziehungsministerien. Nur dies erkläre, wie die Waldorfschulen gedeihen und so viel staatliche Unterstützung erhalten konnten und so wenig Kontrolle ausgesetzt wären. Selbst Helmut Kohl schickte seine Kinder in Waldorfschulen. Waldorfschulen seien ein Weg um neue Anthroposophen zu rekrutieren. Selbst wenn nur die Hälfte oder ein Drittel der Schülerschaft sich zu gläubigen Anthroposophen entwickelt, macht dies angesichts der derzeitig 221 Waldorfschulen in Deutschland eine beträchtliche Masse aus.

Waldorfschüler lernten Zeugs wie: der Mensch stamme nicht von den Affen ab, vielmehr seien die Affen eine Degenerationsform des Menschen. Und selbst wenn, wie es der offiziellen Waldorfdoktrin entspricht, inhaltlich nichts indoktriniert wird, komme es doch durch die Bewertung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers, durch die Schulstruktur selbst und durch die Entfremdung von der Realität zugunsten der „geistigen Welt“ zur kultischen Prägung.

1986 gründeten Opfer der Waldorferziehung die Selbsthilfeorganisation „Distel-Bund“ in Herne.

 

Die entgleiste Vagina

3. Februar 2016

Mit der Bakterienflora unserer Haut habe ich mich bereits in Apoptose beschäftigt. Speziell mit der Vaginalflora in The Journal of Orgonomy (Vol. 48, No. 1, Spring/Summer 2014): beim Durchgang durch den Geburtskanal wird die Bakterienflora des Säuglings von der Bakterienflora der Mutter geprägt.

Neuste Forschungen weisen darauf hin, daß die zunehmende Häufigkeit von Allergien und Autoimmunerkrankungen mit den steigenden Zahlen an Kaiserschnitt-Geburten zusammenhängen könnte, scheint doch der frühe Kontakt mit bestimmten Bakterienarten wichtig für die Entwicklung des Immunsystems zu sein.

Maria Dominguez-Bello (New York University) et al. versuchen das Problem zu lösen, indem sie eine Stunde vor dem Kaiserschnitt ein Schwämmchen in die Vagina einführen, um dann das Neugeborene damit einzureiben.

Im Gegensatz zu Kaiserschnitt-Babys ohne Behandlung wiesen die Test-Kinder Bakterien-Profile auf, die denen von natürlich geborenen Babys ähnelten. Konkret besiedelten sie verstärkt Bakterien, die zur Gruppe Lactobacillus und Bacteroides gehören. Frühere Studien haben bereits nahegelegt, daß gerade diese Mikroben für die günstige Entwicklung des kindlichen Immunsystems wichtig sind. „Unsere Studie ist die erste, die eine Möglichkeit zur teilweisen Versorgung von Kaiserschnitt-Babys mit einem natürlichen Mikrobiom demonstriert“, resümiert Dominguez-Bello.

Andere Forscher konnten zeigen, daß die Vaginalflora sogar Einfluß auf das Embryo hat.

Infektionen sind häufig Ursache für Frühgeburten. Bei Fehlgeburten vor dem vierten Monat sind auf 50 Prozent der Mutterkuchen Bakterien nachweisbar, bei Kaiserschnitt auf 41 Prozent.

Raina Fichorova (Harvard Medical School) und Kollegen nahmen bei Neugeborenen, die durch Kaiserschnitt frühzeitig auf die Welt kamen, Blut ab und untersuchten dieses auf 25 Eiweiße, die typisch für Entzündungsreaktionen sind. Gleichzeitig untersuchten sie den Bakterienbefall der Plazenta.

So konnten sie zeigen, daß unterschiedliche Mikrobenkolonien mit unterschiedlich starken Entzündungsreaktionen einhergingen. War der Mutterkuchen beispielsweise mit Bakterien besiedelt, wie sie auch bei einer sogenannten bakteriellen Vaginose – einer Scheidenentzündung – zu finden sind, waren auch die Entzündungswerte des Kindes sehr hoch. Umgekehrt schienen Milchsäurebakterien, die bei gesunden Frauen den Großteil der Scheidenflora ausmachen, die Kleinen vor Entzündungsreaktionen zu schützen.

Eine gezielte Veränderung der Bakterienflora in der mütterlichen Scheide zu Beginn einer Schwangerschaft könnte daher das Risiko für Frühgeburten verringern.

In Der Krebs hat Reich ausgeführt, daß sich die orgonotische Ladungsfähigkeit des Uterus auf das Embryo überträgt. Die sexuelle Gesundheit der Mutter, d.h. die Orgonität des gesamten Genitaltracks, sei entscheidend für die Gesundheit des Kindes. Die Forschungen an Harvard verweisen auf die Rolle des bionösen Zerfalls.

Hier ein interessanter Bericht über die bakterielle Vaginose, die mit einem störenden (anorgonotischen) Scheidengeruch einhergeht. „Der Grund, warum das Milieu in der Scheide entgleisen kann, ist unbekannt.“

Ein Bild von zerfallendem Uterusgewebe aus Reichs Der Krebs:

Die Emotionelle Pest auf der Entbindungsstation

28. Dezember 2015

Die Destruktivität des gepanzerten gegen das ungepanzerte Leben läßt sich in der Beziehung der Mehrzahl der Erziehungspersonen gegen neugeborene Kinder beobachten. (…) In unseren hochgeehrten Geburtshospitälern werden die Säuglinge nach einem ehernen Gesetz in den ersten 24 bis 48 Stunden nicht an die Mutterbrust gelegt. Es bedarf der Drohung, um eine Krankenschwester oder einen Arzt zu bewegen, diese eiserne Regel zu brechen. Die Säuglinge leiden und wimmern. Die „Kultur“ hat kein Ohr dafür. Man frage nach einer Begründung dieser Maßnahme. Es gibt keine vernünftige Antwort oder nur eine jener steifen Antworten, wie sie uns aus dem Munde einer Maske hervorkommen. Die Neugeborenen dürfen die Mutter nur wenige Minuten am Tage spüren. Man denke: Welch ein Vergehen gegen die Regeln der „Hygiene“! (…) Diese Massaker der Neugeborenen, deutlich hörbar im ohrenzerreißenden und herzerschütternden Schreien in allen Säuglingszimmern aller Geburtsanstalten der Welt – diese Massaker, sage ich, haben nichts mit hygienischen Rücksichten zu tun. Es ist die erste, unbewußte, aber energetische Maßnahme gepanzerter Organismen im Gewande von Ärzten, Direktoren und Eltern gegen das lebendige Leben, das ihnen unverdorben und unverzerrt entgegentritt. Man überlege eine lange Weile die Tatsache: Tausende Ärzte und Krankenschwestern hören das Brüllen der Säuglinge und begreifen nicht. Sie sind taub und stumm dagegen. (…) Der gepanzerte Arzt vernimmt das Schreien der Säuglinge nicht, oder er hält es für gottgegeben, weil er selbst das Schreien in sich erstickt hat, und weil sein Organismus nicht mehr wahrzunehmen vermag, was ein anderer Organismus ihm zuruft. (Äther, Gott und Teufel, S. 70f)

Das hat Reich 1947 geschrieben. 64 Jahre später schlägt eine Studie von Barak Morgan, University of Cape Town, South Africa, et al vor, die Trennung der Babys von ihren Müttern auf Geburtsstationen auf ein Mindestmaß zu minimieren.

John Krystal, Herausgeber von Biological Psychiatry, die Zeitschrift, in der diese Studie veröffentlicht wurde, und Psychiater an der Yale University School of Medicine sagt dazu:

Wir wußten, daß dies mit Streß behaftet war, aber diese Studie weist darauf hin, daß es ein bedeutender physiologischer Stressor für den Säugling ist.

Mit anderen Worten: die Babys haben geschrien und gewimmert, aber erst jetzt fängt man an das ernstzunehmen, weil irgendwelche objektiven physiologischen Parameter beunruhigende Werte anzeigen!

Es wurden zwei Tage alte schlafende Babys jeweils über eine Stunde hinweg während des Hautkontakts mit der Mutter und allein in einer Wiege, die neben dem Bett der Mutter stand, untersucht. Bei den letzteren Säuglingen war der Anteil ruhigen Schlafs zu 86 Prozent niedriger, während die Aktivität des autonomen Nervensystems um 176 Prozent höher lag. Reich hat das als „Sympathikotonie“ bezeichnet.

Zu Recht weisen die Forscher auf den „seltsamen Widerspruch“ hin, daß bei Tierversuchen, die Säuglinge von ihren Müttern getrennt werden, um künstlich Streß zu erzeugen und die zerstörerischen Wirkungen dieses Stresses auf die Hirnentwicklung zu studieren. Auf der anderen Seite wird menschlichen Kindern genau dies routinemäßig angetan… Warum dieser schier unglaubliche Wahnsinn? Reich hat die Frage beantwortet.

Erst in Extremsituationen stoßen Wissenschaftler und Mediziner auf das Lebendige! Grace Chan (Harvard T.H. Chan School of Public Health) et al. haben in einer Metaanalyse von 124 vorangegangenen Studien verifizieren können, daß Kinder, die mit einem zu geringen Geburtsgewicht zur Welt kommen, eine höhere Überlebenschance haben, wenn sie ständigen Hautkontakt mit der Mutter haben und von ihr gestillt werden. Die „Känguru-Methode“.

Der absurde Zustand der heutigen Medizin zeigt sich an beiden folgenden Abschnitten eines entsprechenden Berichts. Da ist zunächst die vollkommen rationale Seite:

Um die gesundheitlichen Vorteile der Känguru-Methode für Babys zu maximieren, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation derzeit kontinuierlichen Haut-zu-Haut-Kontakt für so viel Zeit am Tag wie möglich, sagte Chan. Einige Daten legen nahe, daß mehr als 22 Stunden am Tag von Vorteil sind, aber „das ist wirklich schwer zu schaffen“, sagte sie Life Science. Zwischen 8 und 12 Stunden wären wahrscheinlich hilfreich, fügte Chan hinzu.

Und dann bricht im darauffolgenden Absatz der ganze pestilente Wahnsinn der mechanistischen Weltanschauung, die nicht mal eine ferne Ahnung von den emotionalen, energetischen Zusammenhängen hat, hervor:

Es ist nicht ganz klar, warum die Känguru-Methode für die Gesundheit und das Überleben von Babys von Vorteil sein kann, sagen die Forscher. Eine Erklärung könnte sein, daß, da die Haut als Schutzbarriere gegen Infektionen wirkt und die Haut vieler Frühgeborener noch nicht vollständig entwickelt ist, „die enge Nähe des Babys zur Mutter das Baby vor dem Kontakt mit Organismen, die zu Infektionen führen, schützen kann“, sagte Chan.

Darüber hinaus könne der enge Kontakt der Mutter mit dem Baby ihr ermöglichen, die Anzeichen einer Infektion oder einer anderen Krankheit frühzeitig zu erkennen und so einen Arzt früher aufzusuchen, sagte Chan.

Man vergleiche das mit Reichs Ausführungen über die Bedeutung des orgonotischen Kontakts zwischen Mutter und Baby in Der Krebs!

Die drei Lügen der Orgonomie (Teil 1): Die Bukumatula-Lüge

27. August 2015

Die drei Lügen der Orgonomie lassen sich an drei Kernaussagen der Reichschen Sexualökonomie, wie Reich sie Anfang der 1930er Jahre entwickelte, festmachen: 1. daß Kinder und Jugendliche mit Gleichaltrigen ein Sexualleben haben wollen wie die Erwachsenen; 2. daß Kultur und Bildung nebensächlich sind und 3. der Staat für Bedingungen sorgen muß, in denen die Menschen ihren natürlichen Bedürfnissen gemäß leben können.

Eine von Reichs Fehleinschätzungen betrifft die jugendliche Sexualität. Sie geht auf Bronislaw Malinowski zurück, der für die Trobriander den Beginn des Geschlechtsverkehrs viel zu früh angesetzt hatte. „Reichianische“ Kinderfreunde a la Cohn-Bendit hat das stets fasziniert. (Hier ein Artikel über diese gottverfluchten Drecksäue.)

Dem Mediziner und Humanethologen Wulf Schiefenhövel zufolge, der wie Malinowski jahrelang zwischen den Trobriandern gelebt hat, ist Malinowski

einer typisch europäischen Fehleinschätzung erlegen. Die Mädchen, die er für elf oder zwölf hielt, waren in Wirklichkeit 16 oder 18 Jahre alt. Brustentwicklung und Menstruation beginnen bei den Trobrianderinnen heute ab 15 Jahren. Falsch ist ebenso die Aussage, sie hätten zügellosen Südsee-Sex gelebt. Wir wissen, daß Mädchen unter 16 und Jungen unter 18 Jahren nur sehr selten miteinander schlafen. (Geo, November 1993, S. 49)

Eine Studie des britischen Psychologen Jay Belsky von der Birkbeck University in London hat gezeigt, daß der immer frühere Beginn der Pubertät (10 Prozent der amerikanischen Mädchen entwickeln mittlerweile schon mit 7 Jahren Brüste!) mit der frühkindlichen Entwicklung zusammenhängt.

Belsky und Kollegen werteten die Daten von 373 Frauen aus einer großen Studie über die frühkindliche Entwicklung aus. Man hatte die Entwicklung von Mädchen zwischen ihrer Geburt und ihrem 15. Lebensjahr verfolgt.

Mit 15 Monaten wurde die Mutter-Kind-Bindung untersucht, indem man die beiden in einem psychologischen Labor voneinander trennte und nach einiger Zeit wieder zusammenführte. Babys, die bei der Rückkehr der Mutter lächelten, Laute von sich gaben oder auf andere Weise ihrer Freude kundtaten, hatten offensichtlich eine gute Mutterbindung. Anders war das bei den Mädchen, die ihrer zurückkehrenden Mutter auswichen oder die von der Mutter nicht wieder beruhigt werden konnten.

Ab 9 ½ Jahren wurde jährlich die körperliche Entwicklung der Mädchen untersucht. Es stellte sich heraus, daß jene Kinder, bei denen im Säuglingsalter eine schlechtere Mutter-Kind-Bindung vorlag, ungefähr 2 bis 4 Monate früher in die Pubertät eintraten. Die Pubertät wurde auch schneller durchlaufen und die Menstruation setzte früher ein als bei jenen Kindern, die aus einer guten Mutter-Kind-Bindung hervorgegangen waren. (Natürlich sind auch andere Faktoren zu berücksichtigen, insbesondere Umweltgifte und Ernährung.)

Früher Sex ist nicht etwa Zeichen dafür, daß paradiesische, sozusagen „Trobriandische“, Zustände anbrechen, sondern ganz im Gegenteil dafür, daß die Gesellschaft immer pathologischer („Saharasischer“) wird.

Ich kann mich an eine Sendung von vor einigen Jahren über Alexander Neills berühmte Summerhill-Schule erinnern. Der übliche Journaille-Müll. Kinder werden gezeigt, wie sie aufeinander schießen: „Ein Kinderparadies mit Plastikpistolen!“ Eine 12jährige erklärt bei einer Versammlung, was Oral-Sex ist. Unter anderem wurde ein deutschsprechender Lehrer interviewt und dieser Mensch muß ausgerechnet ein Osho-Anhänger sein. Interessant war seine Aussage, daß freie Kinder erst ab 17 oder 18 Interesse am Geschlechtsverkehr bekommen. Unfreie Kinder hätten schon mit 12 oder 13 Sex aus Prostest.

Neill hielt übrigens rein gar nichts von den 68er Kinderfickern, die sich so gerne auf ihn beriefen.

Das Nein!

10. Juni 2015

Forscher der Freien Universität Berlin und des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben bei Bonobos Hinweise dafür gefunden, daß diese vielleicht manchmal ihren Kopf schütteln, um das gleiche auszudrücken wie wir: „Nein!“ Das wurde nur bei Bonobos beobachtet, nicht jedoch bei den anderen Menschenaffen (Schimpansen, Orang Utans und Gorillas).

Die Frage ist, ob diese Kopfbewegung Teil unserer bioenergetischen Veranlagung ist oder nur eine kulturelle Konvention, denn in einigen Kulturen, wie Bulgarien, Nordgriechenland, Indien und Sri Lanka, wird leichtes Kopfschütteln als Zustimmung verstanden.

Die Verhaltensforscher können diese Frage noch nicht abschließend beantworten, jedoch weist aus orgonomischer Sicht einiges darauf hin, daß es wirklich zu unserer Biologie gehört.

Da wäre beispielsweise die Biopathie „Skoliose“, die offensichtlich darauf beruht, daß der Organismus des Jugendlichen zum Lebensstrom, der den Rücken emporsteigt, buchstäblich „Nein“ sagt (M.D. Brenner: „Adolescent Idiopathic Scoliosis Considered as a Biopathy“, Journal of Orgonomy, 17[2], November 1983, S. 178-200).

Diese Biopathie entspricht den „abwehrenden Bewegungen gegen den Orgasmusreflex, die normalerweise seitliche Hin-und-Her-Bewegungen sind“ (Elsworth F. Baker: „Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, 12[1], May 1978, S. 41-54).

Die zweite Art des „Neins“ ist schlichtweg die Wut: „Nein!“

Aus orgonomischer Sicht entstehen Entzündungen durch eine zu heftige „Erstrahlung“ der organismischen Orgonenergie. Diese Überreaktion ist die Gegenwehr des Organismus gegen die Blockierung des energetischen Flusses. In Maßen ist es natürlich und lebenserhaltend, im Übermaß ist es selbstzerstörerisch. In der Kindheit wurde die Umwelt als feindlich erfahren, d.h. man hat sich nicht als grundsätzlich angenommen gefühlt, so daß später in einer Panikreaktion auf jeden Widerstand mit maximaler Brutalität reagiert wird. Bei den einen richtet sich diese Wut auf ihre Mitmenschen, denen man wegen nichtiger Anläße das Nasenbein oder den Kiefer bricht, bei den anderen spielt sich das energetisch gleiche Geschehen innerhalb des Organismus ab, wenn normalerweise harmlose Keime (in einem ohnehin geschwächten Organismus) zu lebensbedrohlichen Entzündungen führen.

Für Menschen, die von ihrer Mutter nicht geliebt wurden, ist das Leben eine Hölle, sie verbrennen buchstäblich von innen bzw. sie machen das Leben ihrer Mitmenschen zur Hölle. Das sei jedem angeblichen „Lebensschützer“ ins Stammbuch geschrieben, der gegen Abtreibung und gar Verhütung wettert. Und auch jenen, die es zulassen, daß es in diesem Lande etwas anderes gibt als Liebesheiraten. All das sinnlose seelische, körperliche und soziale Leiden! Alles nur wegen Eurer gottverfluchten christlichen, islamischen und multikulturellen Ideologien! FAHRT ZUR HÖLLE!

Edith Chen (University of British Columbia) et al. haben 53 Erwachsene studiert, die aus armen Verhältnissen stammen. Dabei glichen sie den Zustand des Immunsystems, das durch die ökonomisch schwierigen Lebensverhältnisse in der Kindheit von früh auf besonders herausgefordert war, mit dem Mutter-Kind-Verhältnis ab.

Die 26 Teilnehmer, die ihre Mütter als warmherzig und fürsorglich beschrieben, hatten niedrigere molekulare Entzündungsprofile als die 27 restlichen Probanden. Oder mit anderen Worten: Kinder, denen es an mütterlicher Wärme gefehlt hat, leiden später in ihrem Leben unter chronischen und exzessiven Entzündungsreaktionen.

Ähnliches beobachten wir auf der Verhaltensebene. Man denke nur mal an die Kulturbereicherer aus der islamischen Welt und das „Was guckst du?!“-Phänomen. Aus nichtigsten Anlässen immer am Rande des „Messerns“! Es sind meistens Kinder aus Zwangsehen, in denen den Frauen der eigene Cousin aufgezwungen wurde. Die Familienatmosphäre ist entsprechend von Ekel (man kann sich da nahe verwandt buchstäblich nicht riechen!), Haß und Gewalt geprägt.

Werfe ich hier nicht wild alles durcheinander? Aus molekularbiologischer und sozialpsychologischer Sicht mögen ständige Entzündungen und dünnhäutige Aggressivität wenig bis nichts miteinander zu tun haben, aber wir betrachten die Welt von der Orgonenergie her!

Und schließlich gibt es das „Nein“ des Rückzugs, der in Reichs „Krebsschrumpfungsbiopathie“ kulminiert.

Reich zufolge zeichnet sich die Krebsbiopathie dadurch aus, daß eine periphere Störung sich immer weiter dem Zentrum des Lebensapparats nähert und schließlich diesen selbst schädigt.

Stellen wir uns die biologischen, physiologischen und seelischen Funktionen plastisch-räumlich vor; wir haben einen weiten Kreis mit einem Zentrum („Kern“) vor uns. Das Einschrumpfen der Kreisperipherie entspräche dem Einsetzen der charakterologischen und emotionellen Resignation. Der Kern, das Zentrum des Kreises, ist noch unberührt. Dieser Prozeß schreitet gegen das Zentrum zu fort, das den „biologischen Kern“ darstellt. Der biologische Kern ist nichts anderes als die Summe aller plasmatischen Zellfunktionen. Hat der Schrumpfungsprozeß diesen Kern erreicht, dann beginnt das Plasma selbst einzugehen. Dies fällt mit dem Prozeß des Gewichtsverlustes zusammen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 224).

Bisher glaubte man, daß die Kachexie, die mit manchen Krebsarten einhergeht (beispielsweise Darmkrebs und Lungenkrebs), nur die Skelettmuskeln betrifft, doch Untersuchungen von Martha Belury von der Ohio State University und Kollegen konnten bei Labormäusen, die an Dickdarmkrebs litten, nachweisen, das durch die Krebs-Kachexie auch Funktionsfähigkeit und Struktur der Herzmuskeln in Mitleidenschaft gezogen wird.

Im Bericht der Ohio State University heißt es:

Vorrangegangene Studien haben nahegelegt, daß Kachexie für etwa ein Fünftel bis ein Drittel aller Krebstode verantwortlich ist. Aber viele Aspekte des Zustandes bleiben unverstanden, einschließlich ihrer Ursache und wie man voraussagen kann, wer das größte Risiko für das Syndrom in sich trägt.

Belury sagt:

Die Erschöpfung und Schwäche bei Kachexie wurden dem Schwund der Skelettmuskeln zugeschrieben. Unsere Ergebnisse unterstützen jedoch die Vorstellung, daß eine unzureichende Herzleistung, die zu weniger Bewegung und damit zu noch mehr Muskelschwund führt, ebenfalls für das Schwächesyndrom verantwortlich sein könnte. Es ist ein Teufelskreis, die zu den Komplikationen bei Krebs-Kachexie beiträgt.

Das dem ganzen ein funktioneller Prozeß, nämlich die von Reich beschriebene Schrumpfung, zugrundeliegt, ist der mechanistischen Medizin prinzipiell unzugänglich, – obwohl es mehr den augenfällig ist. Beispielsweise fanden die Forscher um Belury heraus, daß die krebskranken Mäuse zwar weniger aßen als ihre gesunden Artgenossen, aber wenn man gesunden Mäusen die gleiche Nahrungsmenge zuführte, verloren diese zwar ebenfalls an Gewicht, dies führte aber nicht zum Verlust von Skelettmuskel-Masse und zeitigte auch keine Auswirkungen auf die Herzfunktion.

Am 14ten Tag der Studie hatten die Krebsmäuse einen Herzschlag pro Minute, der fast 21 Prozent niedriger lag, und das Herz pumpte signifikant weniger Blut durch den Körper.

Die Forscher untersuchten das Herzgewebe aller Mäuse mit Hilfe der Elektronenmikroskopie. Sie fanden eine Reihe von Anzeichen für Schäden im Herzmuskelgewebe der Mäuse mit Kachexie, darunter einen Zuwachs an fibrösem Gewebe und Veränderungen in den Mitochondrien, den sogenannten „Kraftwerken“ in den Zellen, die Kohlenstoff in Energie umwandeln.

„Die Mitochondrien sahen ziemlich schlecht aus, fast als fielen sie auseinander. Und wir sahen auch Hinweise für Vorläufer für Vernarbungen und Kollagenbildung, was man in keinem Muskel gerne sieht, insbesondere aber nicht im Herzmuskel“, sagte Belury. (…)

Da auch die genetischen Funktionen im Herzgewebe untersucht wurden, fanden die Forscher, daß die Eiweiße, die mit der Energieproduktion im Muskel verknüpft sind, sich in den Herzen der Mäuse mit Kachexie von ihrer erwachsenen Form in einen fetalen Typus zurückverwandelt hatten. Dieses Phänomen war in vorangegangenen Forschungen mit Herzversagen in Zusammenhang gebracht worden.

„Das Herz gab sich noch alle Mühe Funktion und Struktur aufrechtzuerhalten. Es versuchte mit dieser Vorgehensweise sich selbst zu heilen, was aber nicht gelingen konnte. Es war zu viel vorgefallen, als daß dies hätte funktionieren können“, sagte Belury. „Wir fragen uns, ob wir einiges dieses Wissens nutzen können, um Herzerkrankungen umzukehren.“

Zukünftige Forschungen könnten untersuchen, ob die Verabreichung von Medikamenten oder zusätzlicher Nahrung in den Frühphasen der Kachexie die Verschlechterung der Herzfunktion verhindern könnten, meinte sie.

Derartige Aussagen sind zutiefst tragisch. Einerseits bestätigen sie immer wieder aufs Neue Reichs grundlegende Theorie über die Biopathie Krebs, doch andererseits zeigt die Studie, daß die Medizin mehr denn jemals zuvor im mechanistischen Denken gefangen ist. Sie sehen mit ihren eigenen Augen den Zerfall des Zellplasmas, – und wollen dem mit Medikamenten und „Ernährungsumstellung“ Einhalt gebieten!

Es wird beschrieben, wie der Krebsprozeß die energetischen Plasmafunktionen angreift und wie der Körper verzweifelt versucht, sich auf einer primitiveren Funktionsebene zu reorganisieren. Diese Prozesse hat Reich bereits vor fast 70 Jahren beschrieben – und die Zusammenhänge erfaßt…

Über Alice Miller

24. Mai 2015

Ich habe mich bereits in einem Blogeintrag mit der abtrünnigen Psychoanalytikerin und „Kinderrechtlerin“ Alice Miller kritisch beschäftigt. Damals hagelte es heftige Kritik von Seiten ihrer Anhänger. Schließlich stand sie auf der Seite des Guten und der Unschuld gegen die lebenszerstörenden Erwachsenen; die „da oben“!

Wie kann man als „Reichianer“ auch ernsthaft jemanden kritisieren, der beispielsweise so etwas geschrieben hat – obwohl sich hier wieder zeigt, daß sie Reich nicht verstanden hat:

Meines Erachtens kommt jedes Kind nicht böse auf die Welt, sondern wird dazu durch Schläge und andere Demütigungen gemacht. Meine Bücher liefern auch die Erklärung für die Tatsache, daß fast alle gutmeinenden Appelle zugunsten der humanen Kindererziehung (ob sie nun von Wilhelm Reich, von mir oder von anderen stammen) erfolglos bleiben. Denn fast alle Menschen wurden als Kinder geschlagen und tragen in sich die Angst des kleinen Kindes vor der Bestrafung, falls es gegen die Grausamkeit und Ahnungslosigkeit der Eltern rebellieren sollte. So leben wir fast alle in der Verleugnung dessen, was uns in den prägenden Jahren widerfahren ist. Der französische Philosoph Montaigne hat schon im 16-ten Jahrhundert geschrieben, man solle Kinder nicht schlagen, aber kein anderer Philosoph, kein Kirchenvater, auch kein Reformator hat sich bis heute dieser Meinung angeschlossen. Im Gegensatz zu Montaigne, der gewaltfrei und respektvoll erzogen wurde, wuchsen die anderen offenbar mit Gewalt auf und mußten sehr früh lernen, diese Brutalität dem Kinde gegenüber als richtig und notwendig zu erachten. Indessen, erst die Befreiung von der Verleugnung des eigenen Leidens ermöglicht es den Eltern ihre Kinder in Respekt und ohne Lügen zu begleiten. (…) Es mag viele Jahrhunderte dauern, bis sich diese Haltung durchsetzt, vorläufig sind es nur wenige Ausnahmen, die es wagen konnten, die Taten ihrer Eltern zu verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern zu wiederholen.

Millers Ablehnung des Ödipus-Komplexes, ihre Rebellion gegen die zeitgenössische Wissenschaft (man findet in ihren Werken kaum Hinweise auf den aktuellen Stand der Forschung), überhaupt ihr ständiger Appell an die „Rebellion gegen die Eltern“, gehören zu einem Zeitgeist, den sie mitgeprägt hat.

In meiner Kritik ging es mir insbesondere um das „begabte Kind“, dessen empfindliches Wesen ganz besonders vor den Forderungen der Erwachsenen, die es sozusagen subkutan spürt, geschützt werden muß. Ich hatte Millers 1979 erschienenes Buch Das Drama des begabten Kindes nur immer als weitere Unterfütterung des Narzißmus von „Hochbegabten“ in meiner Umgebung erlebt. Allein schon die krankhafte Beschäftigung mit der eigenen Kindheit, die es „aufzuarbeiten“ gelte, war einfach nur – daneben. Es reicht schon, daß Miller ihr Leben damit vergeudet hat.

Zur Zeit und in jener bürgerlichen Umgebung, in der sie großgeworden ist, mag Millers Ansatz notwendig gewesen sein, doch heutzutage fördert die vorbehaltlose Unterstützung der „narzißtischen Bedürfnisse“ des Kindes nur dessen neurotischen Narzißmus, der diese Gesellschaft langfristig zerstören wird.

Die orgonomische Psychologin Virginia Whitener bringt dazu eine erhellende Geschichte, die ihr eine ihrer Patientinnen erzählt hat:

Sie hatte den Auftrag zusammen mit Kindergartenkindern eine Wand künstlerisch zu gestalten, macht versehentlich einen großen Farbfleck auf das fast fertige Wandbild und sagt spontan: „Oh, no, I made a mistake!“ Sie nahm ein Kind und zusammen machten sie aus dem Fehler irgendein kreatives Ornament. Daraufhin rief die Kindergärtnerin sie zu sich und belehrte Whiteners Patientin: „We never use that word. There are no ‚mistakes‘.“

Eine läppische Geschichte, aber absolut bezeichnend: im Namen einer „moralfreien“ Erziehung („es gibt keine Fehler!“) wurde die junge Frau aus ihrem Enthusiasmus herausgezogen und die Kinder sind verwirrt, werden rebellisch. Die ganze vorher so harmonische Situation wird einfach nur kontaktlos und „psycho“! (Whitener: „Adolescent Sexuality“, Journal of Orgonomy, 35(1), Spring/Summer 2001).

Derartiges gehört für mich zum zerstörerischen Erbe von Alice Miller. Allein schon die tiefgehende Verunsicherung ganzer Generationen von Eltern!

Der medizinische Orgonom Peter A. Crist hat darauf hingewiesen, daß Selbstregulation auch die Fähigkeit umfassen muß, zwischen Ausdruck und Zurückhaltung von Antrieben zu wählen und sich entsprechend „angepaßt“ benehmen zu können. Crist bezieht sich dabei auf bisher unveröffentlichte Notizen von Reichs Biographen Myron Sharafs zu dessen letztem Seminar im August 1955:

Reich betonte den offensichtlichen, aber häufig übersehenen Punkt, daß das Kind „Neins“ erfahren muß, daß das „Nein“ ein Teil der Wirklichkeit ist, und daß, wenn es sie nicht erlernt, solange es jung ist, sie nie erlernen wird. [Reich hat nie die Ansicht vertreten], daß es überhaupt kein „Nein“ geben solle, sondern nur jene „Neins“ keine Existenzberechtigung haben, die gegen das Leben gerichtet, haßerfüllt, und vernunftwidrig sind. (Crist: „Problems of Childhood Self-Regulation in an Age of Permissiveness“,Journal or Orgonomy, 33(1&2), Spring/Winter 1999)

Das hat nichts mit „Moralismus“ zu tun oder Verrat an irgendwelchen Reich‘schen „Prinzipien“. Im Vorwort zur zitierten Ausgabe des Journal or Orgonomy beklagt der medizinische Orgonom Charles Konia:

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft wird die liberale Ansicht, die vorbehaltlose Freiheit höher bewertet als Verantwortung, nicht als moralistisches Vorurteil betrachtet.

Whitener schließt ihren oben zitierten Aufsatz mit den Worten:

Jugendliche werden solange leiden müssen und die Gesellschaft wird sich solange im Niedergang befinden, wie Impulsivität und Entfremdung zunehmen, Loslösung und Feindschaft gegen die Gesellschaft ausagiert werden, und die vorhandenen Autoritäten und gesellschaftlichen Strukturen zerbröckeln.

Aber zurück zu Millers Auseinandersetzung mit Reich: es gehe nicht um bloße Appelle, Kinder beser zu behandeln, sondern darum, daß die Eltern (2. Generation) die kinderfeindlichen Untaten ihrer eigenen Eltern (1. Generation) verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern (3. Generation) zu wiederholen. Bei Freud sollten die Erwachsenen ihre eigenen persistierenden infantilen Strebungen verurteilen. Bei Miller sollen sie „stattdessen“ ihre Eltern verurteilen. Beider Blick ist rückwärts gerichtet und beider Blick ist moralistisch. Hinzu kommt, daß die „Millerianischen“ Eltern dabei selbst infantilisieren, wie ich am Beispiel Miller in dem bereits verlinkten Blogeintrag über sie gezeigt habe. Reichs Ansatz war dem diametral entgegengesetzt: es geht ums Hier und Jetzt, um Kontakt zu den Bedürfnissen des Kindes, um Kontakt zum eigenen bioenergetischen Kern, um den Kontakt zu „kosmischen“ Funktionen. Es soll nichts „verarbeitet“ und nichts „verurteilt“ werden und „Moral“ spielt keinerlei Rolle. Abgesehen von wirklich pathologischen Fällen ist dazu wirklich jede Mutter und jeder Vater in der Lage. Folge deinem Herzen! Früher folgte man stattdessen irgendwelchen abwegigen Traditionen („Wer sein Kind liebt, züchtigt es!“), heute hält man sich an irgendwelche vermeintliche „Experten“, etwa Alice Miller, statt einfach das zu tun, was richtig ist. Reichs Hauptproblem bei seinem Projekt „Kinder der Zukunft“ war es, die Mütter davon abzubringen, verkrampft „orgonomisch korrekt“ handeln zu wollen. Das letzte, was dieser Planet braucht, sind „Richtschnüre für Kindererziehung“ oder irgendwelche Heilslehren.

MillerGl

Sexueller Kindesmißbrauch

14. April 2015

Der deutsche Fernsehkrimi kennt nur zwei Themen: Neonazis und Kinderschänder! Das sind die beiden Feindbilder, mit denen man so gut wie jeden mobilisieren kann. Die heutige Diskussion um den angeblichen Kinderficker Werner Vogel, 1933 SA-Mann und 1980 Grüner der ersten Stunde, ist symptomatisch. Vogel ist das ultimative Faszinosum! Der Teufel schlechthin! Der viehische Haß auf ihn, hält die gepanzerte Gesellschaft zusammen. Das gleiche Pack frägt sich dann, wie es nur zum Holocaust kommen konnte…

Insbesondere der Vorwurf des sexuellen Kindesmißbrauchs ist der finale Stoß gegen den verhaßten Gegner. Die aufklärerischen Kräfte kühlen so ihren Mut an der Katholischen Kirche, während umgekehrt die Konservativen über Daniel Cohn-Bendit und die Odenwaldschule herziehen können.

Beide Lager verdrängen, daß es um die Grundlagen unserer Zivilisation geht. Solange wir hier nicht aufräumen, wird der Alptraum, der Mord an Kinderseelen immer weitergehen.

In den 1920er Jahren hat Reich dargelegt, daß der Erziehungszwang, der sich in der Unterdrückung der kindlichen Onanie äußert, auf der Sexualverdrängung der Erwachsenen beruht, die sie durch Unterdrückung ihrer Kinder aufrechterhalten müssen. Wobei die Erwachsenen selber aus ihren eigenen verdrängten Sexualwünschen heraus unbewußt das Kind durch Bewegungsspiele und Waschungen sexuell animieren. Schon das „Huckepackreiten“, das „Angstlust“ hervorrufende Angstmachen und das Beisein des Kindes im elterlichen Schlafzimmer erfüllen nach Reich den Tatbestand des sexuellen Kindesmißbrauchs. Triebtheorie und „Verführungstheorie“ sind demgemäß untrennbar miteinander verbunden (Wilhelm Reich: „Eltern als Erzieher – Teil II: Die Stellung der Eltern zur kindlichen Onanie“, Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, Bd. 1, Nr. 7/8/9, 1927, S. 263-269).

Alice Miller (mit der ich mich bereits auseinandergesetzt habe) hat in ihre Kritik an Freud Reich ausdrücklich einbezogen. Siehe meine Ausführungen in Alice Miller und die Emotionelle Pest.

Groteskerweise vertritt Miller selbst eine Freudsche Position, die Reich kritisiert hat, nämlich die Schlußfolgerung, die die Psychoanalyse aus der Theorie des Ödipuskomplexes gezogen hatte: Freudianische Mütter mochten ihre Babys kaum berühren, weil sie ständig Angst vor inzestuösen Gefühlen hatten, sich also genau gegensätzlich zu den Unterstellungen von Miller verhielten.

Reich zufolge ergibt sich der Inzestwunsch der Kinder u.a. „und, gewiß nicht in letzter Linie, aus der sexuellen Bindung der Eltern an die Kinder“. Dies sei seinerseits „wieder bestimmt durch die sexuelle Unbefriedigtheit der Erwachsenen“ (Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, S. 28).

Reich selber hat eine Entwicklung durchgemacht. Seine Töchter zeigten in den 20er Jahren Nacktfotos ihrer Eltern (Nadine Hauer/Wolfram Ratz: „Wilhelm Reich in Österreich“, emotion 9, 1989, S. 54). Damals vertrat er noch etwas, was im Titel eines Aufsatzes von 1928 zum Ausdruck kommt „Wohin führt die Nackterziehung?“ (Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, Bd. 3, Nr. 2/3, Nov./Dez. 1928, S. 44-50). In den 40er und 50er Jahren, d.h. vor dem Hintergrund besserer Einsichten in die Entwicklung der individuellen Panzerung, hat er sich selbst nie nackt, d.h. mit entblößtem Penis, vor seinem Sohn gezeigt (Peter Reich: Der Traumvater, München 1975, S. 58 und M. Glass: „Parental Nudity and Castration Anxiety“, Journal of Orgonomy, 15(1), May 1981, S. 79-82). Kein Orgonom wird jemals Nudist sein!

Wie entsteht ein Kinderschänder? Nach neueren Forschungen müssen drei Elemente zusammenkommen, um einen jungen Mann zu einem potentiellen Täter zu machen (Neuro-Depesche 4/2010):

  1. Angst vor Bindungen bei einem gleichzeitigen starken Bindungswunsch;
  2. „Hypersexualität“, die den Wunsch nach Intimität „sexualisiert“; und
  3. Angst von Gleichaltrigen als „wertlos“ zurückgewiesen zu werden.

Dies wurde durch eine Querschnittstudie von M.H. Miner (University of Minnesota) et al. von neuem bestätigt. Dazu wurden drei Gruppen von jugendlichen Straftätern untersucht: 107 Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergangen hatten, 49 an Gleichaltrigen und Erwachsenen und 122 mit nicht-sexuellen Delikten.

Die Ergebnisse deuten auf einen indirekten Effekt des Bindungsstils hin: Die signifikant höhere Bindungsangst beeinträchtigt die adäquate Beziehung zu Gleichaltrigen („Peers“) und den Selbstwert. Anhand dieser Merkmale – in Kombination mit einer ebenfalls signifikant häufigeren Hypersexualität und einer grundsätzlich positiven (!) Haltung gegenüber anderen (als Ausdruck eines starken Bindungswunsches) ließen sich pädophile Sexualstraftäter von den beiden Vergleichsgruppen unterscheiden.

Daß der in der Kindheit erworbene, unsicherheits-geprägte „Attachment style“ und die daraus folgende Isolation für den sexuellen Mißbrauch von Kindern eine maßgebliche Rolle spielt, stimmt mit den gängigen Urachentheorien überein.

Wollt ihr Kinder schützen, dann laßt Jungen in einer emotional stützenden Umgebung aufwachsen!

Wie ist die „Hypersexualität“ einzuordnen? Dieses Phänomen hat Reich bereits in seiner ersten großen psychoanalytischen Studie, in dem 1925 erschienenen Buch Der triebhafte Charakter untersucht. Triebhaftigkeit („Hypersexualität“) entsteht durch eine inkonsequente Erziehung, bei der auf unverantwortliche Nachgiebigkeit, um so stärkere abrupte Triebversagungen folgen.

In Der triebhafte Charakter und dem thematisch dazugehörenden Aufsatz „Eine hysterische Psychose in statu nascendi“ hat sich Reich bereits 1925 eingehend mit der sexuellen Kindesmißhandlung und ihren charakterologischen Folgen auseinandergesetzt (Frühe Schriften I, siehe z.B. die unterschiedlichen Fälle von sexuellem Kindesmißbrauch S. 233f, S. 296, S. 305 und S. 315).

In beiden Abhandlungen beschäftigt sich Reich unter der Bezeichnung „hysterische Spaltung“ mit der heute heißdiskutierten „multiplen Persönlichkeit“ infolge von sexueller Kindesmißhandlung.

Von Anfang an zu Krankheit und frühem Tod verurteilt

10. April 2015

Bislang wurde vor allem der Einfluß von Wochenbettdepression auf die Entwicklung von Kindern untersucht. Nun wurde von der Cardiff University, dem King’s College London und der University of Bristol in einer Langzeitstudie anhand von 120 Jugendlichen untersucht, welchen Einfluß eine Depression der Mutter während der Schwangerschaft auf das Leben ihrer Kinder hat. Dazu wurden die Mütter während der Schwangerschaft, nach der Geburt, und als ihre Kinder 4, 11 und 16 Jahre alt waren, interviewt.

Bei Müttern, die während der Schwangerschaft an Depressionen leiden, ist es viermal so wahrscheinlich, daß sie Kinder haben, die mit 16 gewalttätig sind. Das trifft sowohl auf Jungen als auch auf Mädchen zu. Auch zeigte sich, daß das eigene antisoziale Verhalten der Mütter, als sie Teenager waren, es wahrscheinlich macht, daß sie bei einer späteren Schwangerschaft unter Depressionen leiden werden.

Andere Faktoren neben dieser Verbindung zwischen der Depression in der Schwangerschaft und der Gewalttätigkeit der Jugendlichen konnten als Erklärung ausgeschlossen werden. Was hinter dieser offensichtlichen Kausalität steckt, können die Forscher jedoch nicht sagen.

Reich stellte sich die prä- und postnatale Entwicklung ungefähr wie folgt vor: Ab der neunten Schwangerschaftswoche werden die Bewegungen des Embryos zum ersten Mal koordiniert und harmonisch. Die Keimentwicklung ist dann mit der „Zusammenfassung aller Bio-Funktionen zu einem einheitlich, koordinierten Bio-System etwa im 10.-12. Lebensmonat“ nach der Geburt abgeschlossen (Der Krebs, Fischer TB, S. 398). Dies sei, so Reich weiter, die „kritische Periode“ für das spätere bioenergetische Funktionieren.

Die „kritische Periode“ der „psychischen“ Entwicklung liegt etwa zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr; sie ist in ihrem Ausgang weitgehend von dem Ablauf der biophysikalisch kritischen Phase bestimmt. (ebd.)

Diese Periode, die der „ödipalen Periode“ in der Psychoanalyse entspricht, hat Reich auch als „erste Pubertät“ bezeichnet. Mit der eigentlichen Pubertät ist die Entwicklung des Charakters endgültig abgeschlossen.

Reich sieht eine bruchlose Kontinuität in der bio-emotionalen Entwicklung des Menschen zwischen dem frühen Embryonalstadium, über die Geburt und die psychosexuelle Entwicklung, bis zum Abschluß der Pubertät. In der Pubertät kommt es mit der Sexualreife zum größten bioenergetischen Schub, der die Grundkonflikte in ein scharfes Relief setzt.

Bereits im Uterus sind Kinder depressiver Mütter in einer Art „trostlosen bioenergetischen Wüste“ herangereift. Jeder weiß, wie das ist, wenn man mit einem Depressiven ständig auf Tuchfühlung ist: man kann sich der negativen Einwirkung des fremden bioenergetischen Systems auf das eigene System kaum entziehen. Um wie viel mehr muß dies auf das sich entwickelnde Embryo einer depressiven Schwangeren zutreffen! Es ist nur natürlich, daß ein Mensch, der so schon vor der Geburt herangereift ist, sich in seiner Jugend entsprechend dem bioenergetisch eingeprägten Gefühl von innerer Leere und Hoffnungslosigkeit verhalten wird.

Aufgabe der Orgonomie ist es, den Teufelskreis, diese „bioenergetische Ansteckungskette über die Generationen hinweg“, zu durchbrechen.

Auch zeigen diese Forschungsergebnisse erneut, wie eng doch die Themen von Der Krebs und Die sexuelle Revolution miteinander verwoben sind.

Wie bereits in diesem Blog erwähnt, hängt Altern mit kürzeren Telomeren zusammen, den „Kappen“ am Ende der Chromosomen. Die Länge der Telomeren ist ein Maß des biologischen Alterns, weil sie mit jeder Zellteilung kürzer werden. Kürzere Telomeren hängen mit kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs und anderen Alterserscheinungen zusammen.

Im Zusammenhang mit meinen Ausführungen über Telomere verwies 2010 Heiko Lassek in einem Leserbrief auf Gerald Hüther: Biologie der Angst (über physiologische und genetische Veränderungen). Lassek: „Hüther war im persönlichen Gespräch gegenüber Wilhelm Reich sehr offen – er eröffnete unsere Veranstaltungsreihe ‚Was ist Leben‘ am 04.02.[2010].“

Audrey Tyrka und ihre Kollegen vom Butler Hospital und der Brown University, Rhode Island untersuchten die DNA von gesunden Erwachsenen, die in ihrer Kindheit physisch oder emotional mißhandelt worden waren. Die Forscher fanden bei ihnen kürzere Telomeren, als bei denjenigen, die eine gute Kindheit hatten.

Tyrka zufolge deuten diese Forschungsergebnisse an,

daß frühe Einwirkungen auf die Entwicklung tiefgreifende Auswirkungen auf die Biologie haben, die Zellmechanismen auf einem sehr grundlegenden Niveau beeinflussen und sogar zu beschleunigter Alterung führen können.

Idan Shalev und seine Kollegen von der Duke University in Durham und seine Kollegen konnten nachweisen, daß mißhandelte Kinder mit vorzeitig gealterten Chromosomen ins Leben starten:

Gewalterfahrungen in der Kindheit nagen an den Telomeren, den Schutzkappen der Träger des Erbgutes. Diesen Zusammenhang konnten Forscher nun bei fünf- bis zehnjährigen Kindern nachweisen, die Misshandlungen erleiden mussten. Verkürzte Telomere gelten als ein Zeichen der Alterung und sind mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen und einer verkürzten Lebenserwartung verbunden.

Derartige grundlegende Schädigungen des Lebendigen können sogar bereits im Mutterleib beginnen.

Der medizische Orgonom Michael A. Ganz führt dazu aus, daß bei einer Schwangerschaft der Energie- und Erregungspegel der Frau stark ansteigt. Ist sie chronisch gepanzert oder findet sie während der Schwangerschaft keine sexuelle Erleichterung, entwickelt sie starke Angst.

Der Kontakt und die orgonotische Strömung können ganz verschwinden und der Fötus wie ein fremder Eindringling innerhalb des mütterlichen Körpers erfahren werden. Das kann bewußt sein und bis zu dem Punkt fortschreiten, daß die Frau Haß auf den Fötus entwickelt und versucht ihn abzutreiben. Unter derartigen Umständen ist mit Sicherheit die Pulsations-Funktion verschwunden, die bioenergetische Abfolge von Kontraktion und Expansion sowohl innerhalb der Mutter als auch innerhalb des Fötus. Unsere klinischen Erfahrungen weisen darauf hin, daß dieses Schwinden von Pulsation den Fötus für biopathische Erkrankungen später im Leben anfällig machen kann. Im Journal of Orgonomy berichtete ich von einem Fall einer schwerwiegenden Lähmung, die im Verlauf der Therapie aufgetreten ist. Auch einige andere Therapeuten berichteten über ernste Erkrankungen während der Therapie bei Patienten, die eine ähnliche Panzerung zeigten. In jedem dieser Fälle gab es Hinweise darauf, daß die Mütter der Patienten ihre Kinder nicht wollten; daß sie aktiv und bewußt die Schwangerschaft ablehnten und sie abtreiben wollten. (M. Ganz: „Functional Child-rearing“, Journal of Orgonomy, 10(2), November 1976)

Bei dem von Ganz erwähnten Artikel handelt es sich um Ganz: „Anorgonotic Paralysis as a Complication of Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, 8(1), November 1974.

Streß während der Schwangerschaft kann die Gefahr für Asthma beim Kind erhöhen. Forscher der Harvard Medical School in Boston untersuchten Unterschiede von Immunmarkern im Nabelschnurblut zwischen Kindern von Müttern, die in einer Umgebung mit einem hohen Streßfaktor leben und solchen mit einem niedrigen. Sie fanden große Unterschiede, die mit einem erhöhten Asthmarisiko für die Kinder verbunden sein können. Entsprechendes wurde vor kurzem bei Labormäusen an der Harvard School of Public Health in Boston nachgewiesen.

Die Farben- und Formenwelt des Säuglings

6. April 2015

Es ist eine pestilente Mär, daß der Mensch als Baby von der Welt abgekoppelt, „autistisch“ sei („primärer Narzißmus“). Reich zufolge konnten Freud, Melanie Klein und andere nur deshalb zu dieser Theorie gelangen, weil sie bloß mit Säuglingen zu tun hatten, die durch eine widernatürliche Geburt und eine empathielose Pflege in einen entsprechenden Schockzustand versetzt worden waren.

Heute wird dieser „Autismus“ durch die technische und gesellschaftliche Umwelt verstärkt. Maria Luisa Nüesch, Präsidentin des Vereins Spielraum-Lebensraum e.V., sagt dazu in einem Interview:

In der von Ihrem Verein herausgegebenen Broschüre Neugeborene unter dem Einfluss von TV und Handys beklagen renommierte Wissenschaftler, daß allgemein der mütterliche Instinkt in Bezug auf die Säuglinge schwindet. Wie äußert sich das?

Man darf den jungen Müttern nicht die Schuld zuschieben, sondern muß die gesamtgesellschaftliche Entwicklung betrachten. Immer mehr Mütter sind mit ihrem Baby allein. Sie fühlen sich einsam und sind isoliert, weil die Familie nicht in der Nähe ist oder keine Zeit für sie hat. Die Freunde, der Kindesvater und die Großeltern müssen viel arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. So findet viel weniger soziales Miteinander statt. Verständlich, daß die Mütter dann per Handy und Computer Kontakt und Unterhaltung suchen. Diese Geräte gehören ganz selbstverständlich zum Alltag, so daß praktisch niemand auf die Idee kommt, der Umgang damit könnte für das Baby schädlich sein. Das Bewußtsein in dieser Hinsicht ist noch außerordentlich gering.

Deshalb sitzen manche Mütter beim Stillen vor dem Fernseher oder sie chatten stundenlang mit dem Baby im Arm am Computer. Manche Mamas reden mehr am Handy als mit dem eigenen Kind.

Manche Eltern scheinen tatsächlich das Gefühl für ihre Babys verloren zu haben. Wieso?

Ja. Väter bringen Säuglinge mit zu Rockkonzerten, Mützchen für Kinder gegen Sonne oder Wind und Wetter werden einfach vergessen, die Kinderwägen sind nach vorne ausgerichtet, so daß kein Augenkontakt mehr stattfinden kann, Kinder werden zu lange in den Autositzschalen gelassen, damit die Eltern mobil sind usw. Es gibt viele Beispiele.

Viele Eltern haben gar nicht die Chance, die Bedürfnisse ihres Babys kennenzulernen. Wenn schon am Wochenbett im Krankenhaus der Fernseher läuft und dauernd das Handy klingelt, wird es für Mütter schwer, sich auf ihr Neugeborenes einzulassen, dessen zarte Signale zu empfangen und zu deuten. Es gibt eine Menge Ablenkungen, die es Müttern erschweren, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen.

Anna Franklin, vom Surrey Baby Lab, hat bei über 250 Babys erforscht, welche Farben sie bevorzugen.

Es ist ein Mythos, daß Neugeborene farbenblind sind. Sie können Farben sehen, auch wenn es sich in den folgenden Monaten weiterentwickelt.

Babys bevorzugen reine Farben wie Rot, Blau, Gelb und Grün. Am wenigsten mögen sie Braun.

Einige Babys zeigen eine auffallende Vorliebe für nur eine Farbe, während andere mehrere Farben mögen.

Bei 105 Babys im Alter zwischen einem halben und sieben Tagen haben Teresa Farroni und Kollegen von der Universität in Padua die Reaktion auf stark stilisierte Gesichter untersucht und festgestellt, daß Babys bevorzugt auf aufrechte Gesichter reagieren. Offenbar, weil nur ein solches einen Kommunikationspartner signalisiert. Auch sind Babys auf helle Flecken mit einem dunklen Punkt in der Mitte fixiert. Diese Flecken signalisieren die stärkste Form des Kontaktes über eine Distanz: den Augenkontakt (die dunkle Iris im Weißen des Auges).

Neben dem Hell-Dunkel-Kontrast spielt aber noch ein zweiter Faktor eine Rolle, wenn sich die Aufmerksamkeit von Neugeborenen auf ein bestimmtes Bild richtet: die Beleuchtung. Die Forscher zeigten den Babys Fotos einer Frau, deren Gesicht einmal von oben und einmal von unten beleuchtet wurde. Die Kinder sahen wesentlich öfter und länger zum zweiten Bild, bei dem die Frau von oben angestrahlt wurde. Diese Form der Beleuchtung kommt auch in einem normalen Umfeld am ehesten vor, entweder durch die Sonne oder einer Lampe, und es entstehen dabei charakteristische Schattierungen rund um die Augen.

Mit dem Handy in der Hand oder vor dem Computer kommt heutzutage das Licht eher von unten.