Archive for the ‘Die Kinder der Zukunft’ Category

Die Bibel und die Kinder der Zukunft

2. Mai 2016

Nach Gen 8,21 ist der Mensch „böse von Jugend auf“, während Jesus sagte, man müsse wieder so gut wie die Kinder werden (Mt 18,3). In Dtn 21,18-21 lesen wir, daß, wenn jemand einen Sohn hat, „der so widerspenstig und ungehorsam ist, daß er trotz aller Strafen und Mahnungen weder auf seinen Vater noch auf seine Mutter hört“, dieser Sohn auf betreiben der Eltern von den Männern der Stadt gesteinigt werden soll! Das ist der biblische Begriff elterlicher Liebe, denn „wer seinem Sohn keine Schläge geben will, liebt ihn nicht. Wer seinen Sohn liebt, fängt früh an, ihn mit Strenge zu erziehen“ (Spr 13,24).

Streng Erziehung sei sowohl gut für die Kinder (Spr 19,18) als auch für die Eltern, deren Sohn dann „zur Quelle der Zufriedenheit und Freude“ werde (Spr 29,17). Strenge Erziehung heilt nicht nur von der angeborenen Dummheit der Kinder (Spr 22,15), sondern macht sie auch klug (Spr 29,15).

Später verschärfte sich diese kinderfeindliche Grundhaltung noch. Bei Sir 22,6 heißt es: „Strenge Erziehung und eine Tracht Prügel sind immer angebracht.“ Kinder müssen wie wilde Pferde gebändigt werden (Sir 30,8).

Solange es Kind ist, laß ihm nicht seinen Willen! Solange es klein ist, gib ihm tüchtig was hinten drauf, sonst wird es widerspenstig und gehorcht dir nicht mehr. (Sir 30,11f)

Da kann natürlich auch Paulus nicht zurückstehen:

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern und bezeugt dadurch eure Unterordnung unter den Herrn. So ist es recht und billig. „Ehre Vater und Mutter“ ist das erste Gebot, dem eine Zusage folgt: „Dann wird es dir gutgehen, und du wirst lange leben auf der Erde.“ Ihr Eltern, behandelt eure Kinder nicht so, daß sie widerspenstig werden! Erzieht sie mit Wort und Tat nach den Maßstäben, die der Herr gesetzt hat.

Und gleich im Anschluß daran heißt es: „Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren! Ehrt und fürchtet sie. Dient ihnen so aufrichtig, als dientet ihr Christus.“ (Eph 6,1-5)

Allein schon diese wenigen Stellen reichen, um die Bibel zu einem verhängnisvollen Buch zu machen. Nach diesen Maximen wurde zwei Jahrtausende ein Großteil der Menschheit malträtiert. Auch behandelten so die Kolonialisten die „kindischen“ Ureinwohner.
Elizabeth Gershoff (University of Texas at Austin) und Andrew Grogan-Kaylor (University of Michigan School of Social Work) haben in einer Analyse von Forschungsstudien der letzten 50 Jahre gezeigt, daß auch leichte körperliche Züchtigungen („einen auf den Hintern geben“) kontraproduktiv sind: Kinder, die ab und an einen Klaps kriegen, werden unartiger, entwickeln „psychische“ (emotionale) Probleme und werden antisozial. Die alten autoritären Erziehungsmethoden haben lang- und teilweise sogar kurzfristig die diametral entgegengesetzten Effekte zu dem, was uns „Gott“ in der Bibel verspricht! Ich möchte dazu einfügen: Man schaue sich doch nur die schrecklichen Gören unserer extrem autoritären türkischen „Mitbürger“ an!

Es geht hier nicht um wüsten Kindesmißbrauch, sondern die ganz gewöhnliche Erziehung, wie sie in der autoritären Gesellschaft Usus war und ist. Weltweit schlagen 80 Prozent der Eltern ihre Kinder. So eine Untersuchung der UNICEF von 2014. In den antiautoritären USA sind es noch immer etwa 50 Prozent.

Daß ein bloßes Versohlen derartig negative Folgen hat, paßt zu den Ergebnissen der bisherigen Forschung, die Prügel mit einem niedrigeren IQ, höherer Aggressivität, sowie Depression, Angst und Paranoia in Verbindung gebracht hat. Die Forschung zeigt, daß Kinder weniger Verhaltensprobleme zeigen, wenn man die Eltern dazu bringt sie weniger zu schlagen.

Anti-Summerhill

21. März 2016

Anlaß dieses Blogeintrags ist meine zufällige Entdeckung eines Interviews zum Thema auf brightsblog Das ist unendlich besser, als alles, was ich verzapfen könnte. Bitte auch den unten verlinkten Vortrag anschauen! Anyway:

Als 1934 die Gefahr bestand, daß seine Waldorfschule geschlossen wurde, schrieb der anthroposophische Lehrer René Maikowski, ein ehemaliger Mitarbeiter Steiners, einen Brief an Hitler und pries die wahrhaft deutsche Willens- und Charaktererziehung an Waldorfschulen. Steiner sei immer für den gleichen Geist wie die Nazis eingetreten. Maikowski führt die „Opferfreudigkeit“ seines Bruders, des „Blutordensträgers“ Hans Maikowski, eines SA-Führers, der bei der Machtübernahme von Kommunisten erschossen worden war, auf dessen Waldorferziehung zurück. 1935 schrieb Maikowski an Rudolf Heß im Namen des „Bundes der Waldorfschulen“ über die Haltung der Waldorferziehung zum Judentum: da Waldorfschulen jeden einseitigen Intellektualismus ablehnten und wegen ihrer christlichen Grundhaltung gäbe es sowieso nur sehr wenige jüdische Schüler und die meisten würden ohnehin die Waldorfschulen nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Obwohl sie die ideologische Exklusivität der Nazis gefährdete, wurde die autoritäre, anti-intellektuelle und anti-materialistische (und deshalb anti-Marxistische) Ausrichtung der Waldorferziehung anerkannt. Viele ihrer Elemente wurden 1936 Teil der damals eingerichteten offiziellen Adolf-Hitler-Schulen und Napola-Schulen. Tatsächlich ähnelten die Erziehungskonzepte der Nazi-Pädagogin Magdalene von Tiling ziemlich denen Steiners. Der Nazi-Pädagoge Alfred Baeumler fand für die Waldorferziehung lobende Worte. (Dieses Mitglied der SS und Nazi-Interpret Nietzsches pries Steiners Buch Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit als das beste Buch über Nietzsche, das er jemals gelesen habe.)

Die ungebrochene Tradition wird in folgenden Büchern dargelegt, deren wesentlichen Inhalt ich im Anschluß kurz referieren werde. Ob sich seit dieser Zeit Entscheidendes geändert hat, vermag ich nicht zu sagen.

  • Beckmannshagen, F.: Rudolf Steiner und die Waldorfschulen, Wuppertal 1984
  • Kayser, M./Wagemann, P.A.: Wie frei ist die Waldorfschule?, Berlin 1991
  • Prange, K.: Erziehung zur Anthroposophie, Bad Heilbrunn 1985
  • Rudolph, Ch.: Waldorf-Erziehung, Darmstadt 1987
  • Ulrich, H.: Waldorfpädagogik und okkulte Weltanschauung, Weinheim 1986

Die Autoren führen aus, man könne zwar als positiv konstatieren, daß es in der Waldorfschule keinen Leistungsstreß durch eine rigide Benotung gäbe, dafür gäbe es aber statt dieser einigermaßen objektiven und nachvollziehbaren Noten, persönliche, moralisierende Anmerkungen, die als Zeugnisse dienen. Da werde dann nicht eine Teilfunktion bewertet, sondern gleich die ganze Persönlichkeit. Die Kinder, die nicht ins anthroposophische Entwicklungsschema paßten, z.B. sexuell aktiv seien oder ein gestörtes Verhältnis zu Führerfiguren hätten, würden moralisch runtergemacht. Als Schüler weiß ich, daß mit einer 5 oder 6 nicht ich selbst gemeint bin, sondern einfach nur ein Teilaspekt meines Tuns, während in der Waldorfpädagogik genau mein intimer Wesenskern bewertet und angegangen werde. Das sei totalitär.

Waldorflehrer lebten in einem geschlossenen ideologischen System, in das sie ihre Schüler preßten. Es gäbe die rigiden Schemata der vier „Äther-Körper“, Zyklen von sieben Jahren und die traditionellen Aristotelischen vier Temperamente. Steiner stahl die mehr spezifischen Elemente des letzteren Konzepts, das entscheidende Zentrum der Waldorferziehung, aus den, Ende des 19. Jahrhunderts, populären Erziehungsbüchern von Bernhard Hellwig, zusammen mit all ihren herabsetzenden volkstümlichen Vorstellungen von z.B. dem „phlegmatischen“ Temperament. Auch gäbe es das vom Waldorflehrer zu unterstützende „karmische Gesetz“, das jede Möglichkeit einer persönlichen Entwicklung hintertreibe. Aufgrund von Steiners Version des karmischen Gesetzes erhält jedes körperliche Merkmal moralische Bedeutung, da der Geist diesen besonderen Körper aufgrund der vorherigen karmischen Tätigkeiten zugeteilt bekam – eine Art von Mikro-Rassismus. Eine kleine Schülerin erzählte ihrer Waldorflehrerin, daß ihr Vater sie sexuell mißbrauche, die Lehrerin antwortete: „Du hast dir deine Eltern selber ausgesucht“ – was bedeutet, du bist verantwortlich, aufgrund des karmischen Gesetzes, so trage dein Kreuz.

Waldorflehrer seien Opfer der persönlichen Neurose Steiners, wie sie sich in der Anthroposophie Struktur widerfindet. Sie unterdrücken ihre Gefühle, da Steiner von seinen eigenen Gefühlen entfremdet war. Waldorflehrer, insbesondere die Frauen, sähen stets sehr unattraktiv aus, ohne Make-up, grau, ausgemergelt, „vergeistigt“. In ihrem Ausdruck und Verhalten wirkten die männlichen Lehrer wie Klone von Steiner: asketisch, moralistisch, ohne Humor, trocken, mumifiziert, tot unterhalb des Kopfes. Das Alltagsleben unter Waldorflehrern sei im allgemeinen erfüllt von Intrigen und Gehässigkeiten. Als Priester der Anthroposophie ist der Waldorflehrer eine absolute Autorität mit einem nicht reproduzierbaren absoluten okkulten Hintergrund – das perfekte moralische allwissende Über-Ich. Der Schüler solle dieser Imitation Steiners folgen und selber zu einem kleinen Steiner bzw. zu einer kleinen Marie von Sivers werden. (Ewald Althans, der schwule Neonazi aus dem Film Beruf Neonazi, ist Produkt eines Waldorfkindergartens.)

Waldorflehrer setzten ihre unterdrückte Sinnlichkeit in asexuelle „Übersinnlichkeit“ um. Je mehr die Sexualität unterdrückt werde, desto mehr seien sie an der Kindererziehung interessiert als Ventil für ihre fehlgeleitete, sadistisch gewordene Sexualität. Sie werde von Zeit zu Zeit in wilden hysterischen Ausbrüchen körperlicher Bestrafung ausgelebt und sogar in buchstäblichen Exorzismen von „bösen Geistern“! In seinem Tagebuch notierte sich Franz Kafka als besonderes Merkmal der Anthroposophen ihre starren, stechend moralistischen Augen. Waldorflehrer schauten stets tief in deine Augen, um ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. Dieses typische hypnotische Starren ist eine unbewußte sexuelle Annäherung. Ganz allgemein arbeiteten sie nicht erzieherisch, sondern mit Moralurteilen, d.h. maskiertem Sadismus, der eine perverse sexuelle Äußerung ist. Alles werde aus moralistischer Sicht betrachtet. Sogar die künstlerischen Äußerungen des Kindes werden in Moral erstickt: keine Farbkontraste und keine scharfen Kanten sind erlaubt und allem wird eine ethische Bedeutung zugeordnet.

So kämpfe die Waldorfschule gegen alles, was unterhalb des Kopfes liegt. Der Blickwinkel von Waldorf sei patriarchalisch, moralistisch, antisexuell und konservativ. Die Märchenwelt des 19. Jahrhunderts werde den Kindern nahegebracht, mit all der Schuld und Angst. Ein kleines Mädchen, das keine Märchen mochte, wurde von Steiner als „Naturdämon“ bezeichnet, dem jedes Menschentum abgehe. Seit den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wären menschliche Gestalten geboren worden, die überhaupt keine Inkarnationen von Menschen sind, „sondern wo die Menschenform ausgefüllt wird von einer Art Naturdämon.“

Der Hauptfeind der Waldorferziehung sei das masturbatorische Interesse des Kindes für den eigenen Körper. Es gelte als Hindernis für die gesunde Entwicklung des Kindes. Steiner zufolge, sind kleine Kinder nicht egoistisch, nicht aggressiv, nicht neugierig, nicht erotisch, nicht sexuell – wenn sie es sind, stehen ahrimanische Kräfte dahinter. Vor dem Alter von 20 oder 21 Jahren werde die Sexualität als etwas Pathologisches und Perverses betrachtet, so daß Kinder aus Waldorfschulen geworfen würden, wenn ihre Sexualität zu offensichtlich werde. Jugendliche sollten durch das Spirituelle von der Pubertät abgelenkt werden. Kinder würden geschlagen. Es gäbe einen Fall, wo eine Erzieherin im Waldorfkindergarten einen kleinen Jungen eine heftige Ohrfeige verpaßt habe, als er sich einem kleinen Mädchen nackt zeigte. Der Mund eines kleinen Jungen wäre mit Seife ausgewaschen worden, nachdem er schmutzige Wörter benutzt hatte.

In Waldorfsonderschulen würden unruhige Kinder an ihre Sitze festgebunden. Andere Methoden der anthroposophischen Erziehung seien das hundertfache Niederschreiben des gleichen Satzes, in der Ecke stehen oder Schläge – wie in der guten alten preußischen Schule. Noch raffinierter sei die Methode des Liebesentzugs. Tatsächlich sei er die hauptsächliche Erziehungstechnik des geliebten Waldorflehrers. Die Lehrer arbeiteten natürlich auch mit vernichtenden Moralpauken – und okkulten Flüchen!

Waldorflehrer machten regelmäßig Hausbesuche und zwängen die ganze Familie in einen anthroposophischen Lebensstil hinein. Das reiche vom Verzicht auf Coca Cola bis zu dem auf Kartoffel, weil diese indianische Nahrung unserem germanischen Wesen widerspräche. Und in der Schule würden die Kinder über das Familienleben ausgefragt. Es sei wie in einem totalitären Staat. Waldorf als „Freie Schule“ zu bezeichnen, sei dasselbe, als würde man katholische Privatschulen so nennen.

Die Anthroposophie sei ein vom Staat unterstützter destruktiver Kult und viele Entscheidungsträger im Staatsapparat und in der Politik seien selbst Anthroposophen, insbesondere in den Erziehungsministerien. Nur dies erkläre, wie die Waldorfschulen gedeihen und so viel staatliche Unterstützung erhalten konnten und so wenig Kontrolle ausgesetzt wären. Selbst Helmut Kohl schickte seine Kinder in Waldorfschulen. Waldorfschulen seien ein Weg um neue Anthroposophen zu rekrutieren. Selbst wenn nur die Hälfte oder ein Drittel der Schülerschaft sich zu gläubigen Anthroposophen entwickelt, macht dies angesichts der derzeitig 221 Waldorfschulen in Deutschland eine beträchtliche Masse aus.

Waldorfschüler lernten Zeugs wie: der Mensch stamme nicht von den Affen ab, vielmehr seien die Affen eine Degenerationsform des Menschen. Und selbst wenn, wie es der offiziellen Waldorfdoktrin entspricht, inhaltlich nichts indoktriniert wird, komme es doch durch die Bewertung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers, durch die Schulstruktur selbst und durch die Entfremdung von der Realität zugunsten der „geistigen Welt“ zur kultischen Prägung.

1986 gründeten Opfer der Waldorferziehung die Selbsthilfeorganisation „Distel-Bund“ in Herne.

 

Die entgleiste Vagina

3. Februar 2016

Mit der Bakterienflora unserer Haut habe ich mich bereits in Apoptose beschäftigt. Speziell mit der Vaginalflora in The Journal of Orgonomy (Vol. 48, No. 1, Spring/Summer 2014): beim Durchgang durch den Geburtskanal wird die Bakterienflora des Säuglings von der Bakterienflora der Mutter geprägt.

Neuste Forschungen weisen darauf hin, daß die zunehmende Häufigkeit von Allergien und Autoimmunerkrankungen mit den steigenden Zahlen an Kaiserschnitt-Geburten zusammenhängen könnte, scheint doch der frühe Kontakt mit bestimmten Bakterienarten wichtig für die Entwicklung des Immunsystems zu sein.

Maria Dominguez-Bello (New York University) et al. versuchen das Problem zu lösen, indem sie eine Stunde vor dem Kaiserschnitt ein Schwämmchen in die Vagina einführen, um dann das Neugeborene damit einzureiben.

Im Gegensatz zu Kaiserschnitt-Babys ohne Behandlung wiesen die Test-Kinder Bakterien-Profile auf, die denen von natürlich geborenen Babys ähnelten. Konkret besiedelten sie verstärkt Bakterien, die zur Gruppe Lactobacillus und Bacteroides gehören. Frühere Studien haben bereits nahegelegt, daß gerade diese Mikroben für die günstige Entwicklung des kindlichen Immunsystems wichtig sind. „Unsere Studie ist die erste, die eine Möglichkeit zur teilweisen Versorgung von Kaiserschnitt-Babys mit einem natürlichen Mikrobiom demonstriert“, resümiert Dominguez-Bello.

Andere Forscher konnten zeigen, daß die Vaginalflora sogar Einfluß auf das Embryo hat.

Infektionen sind häufig Ursache für Frühgeburten. Bei Fehlgeburten vor dem vierten Monat sind auf 50 Prozent der Mutterkuchen Bakterien nachweisbar, bei Kaiserschnitt auf 41 Prozent.

Raina Fichorova (Harvard Medical School) und Kollegen nahmen bei Neugeborenen, die durch Kaiserschnitt frühzeitig auf die Welt kamen, Blut ab und untersuchten dieses auf 25 Eiweiße, die typisch für Entzündungsreaktionen sind. Gleichzeitig untersuchten sie den Bakterienbefall der Plazenta.

So konnten sie zeigen, daß unterschiedliche Mikrobenkolonien mit unterschiedlich starken Entzündungsreaktionen einhergingen. War der Mutterkuchen beispielsweise mit Bakterien besiedelt, wie sie auch bei einer sogenannten bakteriellen Vaginose – einer Scheidenentzündung – zu finden sind, waren auch die Entzündungswerte des Kindes sehr hoch. Umgekehrt schienen Milchsäurebakterien, die bei gesunden Frauen den Großteil der Scheidenflora ausmachen, die Kleinen vor Entzündungsreaktionen zu schützen.

Eine gezielte Veränderung der Bakterienflora in der mütterlichen Scheide zu Beginn einer Schwangerschaft könnte daher das Risiko für Frühgeburten verringern.

In Der Krebs hat Reich ausgeführt, daß sich die orgonotische Ladungsfähigkeit des Uterus auf das Embryo überträgt. Die sexuelle Gesundheit der Mutter, d.h. die Orgonität des gesamten Genitaltracks, sei entscheidend für die Gesundheit des Kindes. Die Forschungen an Harvard verweisen auf die Rolle des bionösen Zerfalls.

Hier ein interessanter Bericht über die bakterielle Vaginose, die mit einem störenden (anorgonotischen) Scheidengeruch einhergeht. „Der Grund, warum das Milieu in der Scheide entgleisen kann, ist unbekannt.“

Ein Bild von zerfallendem Uterusgewebe aus Reichs Der Krebs:

Die Emotionelle Pest auf der Entbindungsstation

28. Dezember 2015

Die Destruktivität des gepanzerten gegen das ungepanzerte Leben läßt sich in der Beziehung der Mehrzahl der Erziehungspersonen gegen neugeborene Kinder beobachten. (…) In unseren hochgeehrten Geburtshospitälern werden die Säuglinge nach einem ehernen Gesetz in den ersten 24 bis 48 Stunden nicht an die Mutterbrust gelegt. Es bedarf der Drohung, um eine Krankenschwester oder einen Arzt zu bewegen, diese eiserne Regel zu brechen. Die Säuglinge leiden und wimmern. Die „Kultur“ hat kein Ohr dafür. Man frage nach einer Begründung dieser Maßnahme. Es gibt keine vernünftige Antwort oder nur eine jener steifen Antworten, wie sie uns aus dem Munde einer Maske hervorkommen. Die Neugeborenen dürfen die Mutter nur wenige Minuten am Tage spüren. Man denke: Welch ein Vergehen gegen die Regeln der „Hygiene“! (…) Diese Massaker der Neugeborenen, deutlich hörbar im ohrenzerreißenden und herzerschütternden Schreien in allen Säuglingszimmern aller Geburtsanstalten der Welt – diese Massaker, sage ich, haben nichts mit hygienischen Rücksichten zu tun. Es ist die erste, unbewußte, aber energetische Maßnahme gepanzerter Organismen im Gewande von Ärzten, Direktoren und Eltern gegen das lebendige Leben, das ihnen unverdorben und unverzerrt entgegentritt. Man überlege eine lange Weile die Tatsache: Tausende Ärzte und Krankenschwestern hören das Brüllen der Säuglinge und begreifen nicht. Sie sind taub und stumm dagegen. (…) Der gepanzerte Arzt vernimmt das Schreien der Säuglinge nicht, oder er hält es für gottgegeben, weil er selbst das Schreien in sich erstickt hat, und weil sein Organismus nicht mehr wahrzunehmen vermag, was ein anderer Organismus ihm zuruft. (Äther, Gott und Teufel, S. 70f)

Das hat Reich 1947 geschrieben. 64 Jahre später schlägt eine Studie von Barak Morgan, University of Cape Town, South Africa, et al vor, die Trennung der Babys von ihren Müttern auf Geburtsstationen auf ein Mindestmaß zu minimieren.

John Krystal, Herausgeber von Biological Psychiatry, die Zeitschrift, in der diese Studie veröffentlicht wurde, und Psychiater an der Yale University School of Medicine sagt dazu:

Wir wußten, daß dies mit Streß behaftet war, aber diese Studie weist darauf hin, daß es ein bedeutender physiologischer Stressor für den Säugling ist.

Mit anderen Worten: die Babys haben geschrien und gewimmert, aber erst jetzt fängt man an das ernstzunehmen, weil irgendwelche objektiven physiologischen Parameter beunruhigende Werte anzeigen!

Es wurden zwei Tage alte schlafende Babys jeweils über eine Stunde hinweg während des Hautkontakts mit der Mutter und allein in einer Wiege, die neben dem Bett der Mutter stand, untersucht. Bei den letzteren Säuglingen war der Anteil ruhigen Schlafs zu 86 Prozent niedriger, während die Aktivität des autonomen Nervensystems um 176 Prozent höher lag. Reich hat das als „Sympathikotonie“ bezeichnet.

Zu Recht weisen die Forscher auf den „seltsamen Widerspruch“ hin, daß bei Tierversuchen, die Säuglinge von ihren Müttern getrennt werden, um künstlich Streß zu erzeugen und die zerstörerischen Wirkungen dieses Stresses auf die Hirnentwicklung zu studieren. Auf der anderen Seite wird menschlichen Kindern genau dies routinemäßig angetan… Warum dieser schier unglaubliche Wahnsinn? Reich hat die Frage beantwortet.

Erst in Extremsituationen stoßen Wissenschaftler und Mediziner auf das Lebendige! Grace Chan (Harvard T.H. Chan School of Public Health) et al. haben in einer Metaanalyse von 124 vorangegangenen Studien verifizieren können, daß Kinder, die mit einem zu geringen Geburtsgewicht zur Welt kommen, eine höhere Überlebenschance haben, wenn sie ständigen Hautkontakt mit der Mutter haben und von ihr gestillt werden. Die „Känguru-Methode“.

Der absurde Zustand der heutigen Medizin zeigt sich an beiden folgenden Abschnitten eines entsprechenden Berichts. Da ist zunächst die vollkommen rationale Seite:

Um die gesundheitlichen Vorteile der Känguru-Methode für Babys zu maximieren, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation derzeit kontinuierlichen Haut-zu-Haut-Kontakt für so viel Zeit am Tag wie möglich, sagte Chan. Einige Daten legen nahe, daß mehr als 22 Stunden am Tag von Vorteil sind, aber „das ist wirklich schwer zu schaffen“, sagte sie Life Science. Zwischen 8 und 12 Stunden wären wahrscheinlich hilfreich, fügte Chan hinzu.

Und dann bricht im darauffolgenden Absatz der ganze pestilente Wahnsinn der mechanistischen Weltanschauung, die nicht mal eine ferne Ahnung von den emotionalen, energetischen Zusammenhängen hat, hervor:

Es ist nicht ganz klar, warum die Känguru-Methode für die Gesundheit und das Überleben von Babys von Vorteil sein kann, sagen die Forscher. Eine Erklärung könnte sein, daß, da die Haut als Schutzbarriere gegen Infektionen wirkt und die Haut vieler Frühgeborener noch nicht vollständig entwickelt ist, „die enge Nähe des Babys zur Mutter das Baby vor dem Kontakt mit Organismen, die zu Infektionen führen, schützen kann“, sagte Chan.

Darüber hinaus könne der enge Kontakt der Mutter mit dem Baby ihr ermöglichen, die Anzeichen einer Infektion oder einer anderen Krankheit frühzeitig zu erkennen und so einen Arzt früher aufzusuchen, sagte Chan.

Man vergleiche das mit Reichs Ausführungen über die Bedeutung des orgonotischen Kontakts zwischen Mutter und Baby in Der Krebs!

Die drei Lügen der Orgonomie (Teil 1): Die Bukumatula-Lüge

27. August 2015

Die drei Lügen der Orgonomie lassen sich an drei Kernaussagen der Reichschen Sexualökonomie, wie Reich sie Anfang der 1930er Jahre entwickelte, festmachen: 1. daß Kinder und Jugendliche mit Gleichaltrigen ein Sexualleben haben wollen wie die Erwachsenen; 2. daß Kultur und Bildung nebensächlich sind und 3. der Staat für Bedingungen sorgen muß, in denen die Menschen ihren natürlichen Bedürfnissen gemäß leben können.

Eine von Reichs Fehleinschätzungen betrifft die jugendliche Sexualität. Sie geht auf Bronislaw Malinowski zurück, der für die Trobriander den Beginn des Geschlechtsverkehrs viel zu früh angesetzt hatte. „Reichianische“ Kinderfreunde a la Cohn-Bendit hat das stets fasziniert. (Hier ein Artikel über diese gottverfluchten Drecksäue.)

Dem Mediziner und Humanethologen Wulf Schiefenhövel zufolge, der wie Malinowski jahrelang zwischen den Trobriandern gelebt hat, ist Malinowski

einer typisch europäischen Fehleinschätzung erlegen. Die Mädchen, die er für elf oder zwölf hielt, waren in Wirklichkeit 16 oder 18 Jahre alt. Brustentwicklung und Menstruation beginnen bei den Trobrianderinnen heute ab 15 Jahren. Falsch ist ebenso die Aussage, sie hätten zügellosen Südsee-Sex gelebt. Wir wissen, daß Mädchen unter 16 und Jungen unter 18 Jahren nur sehr selten miteinander schlafen. (Geo, November 1993, S. 49)

Eine Studie des britischen Psychologen Jay Belsky von der Birkbeck University in London hat gezeigt, daß der immer frühere Beginn der Pubertät (10 Prozent der amerikanischen Mädchen entwickeln mittlerweile schon mit 7 Jahren Brüste!) mit der frühkindlichen Entwicklung zusammenhängt.

Belsky und Kollegen werteten die Daten von 373 Frauen aus einer großen Studie über die frühkindliche Entwicklung aus. Man hatte die Entwicklung von Mädchen zwischen ihrer Geburt und ihrem 15. Lebensjahr verfolgt.

Mit 15 Monaten wurde die Mutter-Kind-Bindung untersucht, indem man die beiden in einem psychologischen Labor voneinander trennte und nach einiger Zeit wieder zusammenführte. Babys, die bei der Rückkehr der Mutter lächelten, Laute von sich gaben oder auf andere Weise ihrer Freude kundtaten, hatten offensichtlich eine gute Mutterbindung. Anders war das bei den Mädchen, die ihrer zurückkehrenden Mutter auswichen oder die von der Mutter nicht wieder beruhigt werden konnten.

Ab 9 ½ Jahren wurde jährlich die körperliche Entwicklung der Mädchen untersucht. Es stellte sich heraus, daß jene Kinder, bei denen im Säuglingsalter eine schlechtere Mutter-Kind-Bindung vorlag, ungefähr 2 bis 4 Monate früher in die Pubertät eintraten. Die Pubertät wurde auch schneller durchlaufen und die Menstruation setzte früher ein als bei jenen Kindern, die aus einer guten Mutter-Kind-Bindung hervorgegangen waren. (Natürlich sind auch andere Faktoren zu berücksichtigen, insbesondere Umweltgifte und Ernährung.)

Früher Sex ist nicht etwa Zeichen dafür, daß paradiesische, sozusagen „Trobriandische“, Zustände anbrechen, sondern ganz im Gegenteil dafür, daß die Gesellschaft immer pathologischer („Saharasischer“) wird.

Ich kann mich an eine Sendung von vor einigen Jahren über Alexander Neills berühmte Summerhill-Schule erinnern. Der übliche Journaille-Müll. Kinder werden gezeigt, wie sie aufeinander schießen: „Ein Kinderparadies mit Plastikpistolen!“ Eine 12jährige erklärt bei einer Versammlung, was Oral-Sex ist. Unter anderem wurde ein deutschsprechender Lehrer interviewt und dieser Mensch muß ausgerechnet ein Osho-Anhänger sein. Interessant war seine Aussage, daß freie Kinder erst ab 17 oder 18 Interesse am Geschlechtsverkehr bekommen. Unfreie Kinder hätten schon mit 12 oder 13 Sex aus Prostest.

Neill hielt übrigens rein gar nichts von den 68er Kinderfickern, die sich so gerne auf ihn beriefen.

Der Rote Faden: Schulmädchen-Report

7. August 2015

Die Probleme, mit denen Wilhelm Reich während der 1920er und 30er Jahre in Österreich und Deutschland im „Kulturkampf“ konfrontiert war, unterscheiden sich im Grunde kaum von denen, mit denen sich seine Schüler noch heute in den USA auseinandersetzen müssen. Es werden jedenfalls noch immer die gleichen Dinge diskutiert.

Der „Bund Sozialistischer Mittelschüler Österreichs“ war mit seiner „sozialistischen Sexualmoral” typisch für das Umfeld, in dem Reich in der Vorkriegszeit tätig war. Der Bund favorisierte, so 1930 sein Organ Der Schulkampf, eine „reine“, eine rein platonische Beziehung zwischen den Geschlechtern ohne „schmutzigen Sex“ (Georg Tidl: Die sozialistischen Mittelschüler Österreichs von 1918 bis 1938, Wien: Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, 1977).

In einem Interview fast 50 Jahre später sagt das ehemalige Bund-Mitglied Ernst Epler, daß die „sozialistische Sexualmoral” im Grunde anti-sexuell gewesen sei. Es habe eine sexuelle Mangel-Ideologie entsprechend der damaligen Mangel-Gesellschaft geherrscht. Der Geschlechtsakt wurde als etwas Niedriges bewertet. Die Suche nach Lust in der Sexualität wäre als typisch für den bürgerlichen „Schlurf“ betrachtet worden. Ein sozialistischer Jugendlicher schlafe erst dann mit seinem Mädchen, selbstverständlich einer Sozialistin, nachdem er mit ihr eine richtige Lebens- und (sozialistische) Kampf-Partnerschaft aufgebaut hat.

Vorträge, die sich um die sexuelle Frage drehten, hätten, so Epler, immer die meisten Leute angezogen. Was die Jugend dabei interessierte, war weniger die Theorie, als vielmehr die eine Praxis, die sie kannten: die Masturbation. Man brauchte die Versicherung, daß Onanie nicht schädlich sei.

Das offizielle Ignorieren der Sexualität und das Ausweichen vor der Frage der sexuellen Probleme von Jugendlichen wird in Der Schulkampf deutlich. In seinen 27 Ausgaben und 9 Jahrgängen hatte es nur drei Artikel, die sich indirekt mit Sexualität befaßten, gegeben: einen über Koedukation und zwei über Mädchen in der sozialistischen Jugendorganisation.

1926 veröffentlichte Anton Tesarek das offizielle Handbuch der sozialdemokratischen Jugendorganisation „Rote Falken“ für Jungen und Mädchen zwischen 10 und 16: RF – Das Buch der Roten Falken. Im Kapitel „Moralische Reinheit“ warnt Tesarek vor schmutzigen Geschichten und Witzen, schlechten Büchern und Bildern. Gäbe sich ein Jugendlicher mit solchen Dingen ab, würde er sich nicht nur selbst schaden, sondern vor allem seine Mutter beschmutzen!

90 Jahre später dreht sich in den USA die „liberale” schulische Sexualaufklärung darum, die Jugendlichen vor den verheerenden körperlichen, seelischen und auch geistigen Folgen von sexuellen Aktivitäten zu bewahren. Es wird ihnen vollständige sexuelle Abstinenz nahegelegt.

Die beiden Soziologen Bill McCarthy und Eric Grodsky konnten aufgrund landesweiter Erhebungen zeigen, daß es zwar eine Korrelation zwischen schulischen Problemen und sexuellen Aktivitäten außerhalb liebevoller Partnerschaften gibt, jedoch kaum ein Unterschied zwischen den schulischen Leistungen von Abstinenzlern und jenen Schülern festzustellen ist, die eine liebevolle sexuelle Partnerschaft leben.

McCarthy und Grodsky:

Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, daß die Schädlichkeit, die allgemein jugendlichem Geschlechtsverkehr zugeschrieben wird, größtenteils in nicht-romantischen Zusammenhängen auftritt. Diese Ergebnisse stellen die Richtigkeit von Programmen zur sexuellen Aufklärung in Frage, die jugendlichen Sex mit jeder Menge von negativen Folgen verbinden.

Offenbar geradezu revolutionäre Forschungsergebnisse für die USA Anfang des 21. Jahrhunderts. Genauso revolutionär wie die „überraschende“ Erfahrung, die Colorado gemacht hat: die Geburtenhäufigkeit bei jungen Frauen zwischen 15 und 19 fiel innerhalb von fünf Jahren um sage und schreibe 40 Prozent, als kostenlose bzw. verbilligte Verhütungsmittel an die entsprechende Klientel mit geringem Einkommen verteilt wurden. Die einzige Alternative, nämlich die „Erziehung zur Abstinenz“, führt nachweislich zu keiner Abstinenz, sondern allenfalls zu einem schlechten Körpergefühl und mehr Verantwortungslosigkeit.

abstinenzficken

Zu Reichs Zeiten wurde der linke Teil dieser Gleichung beispielsweise von Julius Schaxel, einen Marxistisch orientierten Biologen, verkörpert, der 1931 erklärte, „daß im Realsozialismus Sex wie jede andere Art der Erholung oder des Sports wäre: persönliche ‚Liebe‘ (ein Phänomen des kapitalistischen Besitzdenkens) stürbe langsam aus“ (James E. Strick: Wilhelm Reich, Biologist, Cambridge 2015, S. 44).

Das Nein!

10. Juni 2015

Forscher der Freien Universität Berlin und des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben bei Bonobos Hinweise dafür gefunden, daß diese vielleicht manchmal ihren Kopf schütteln, um das gleiche auszudrücken wie wir: „Nein!“ Das wurde nur bei Bonobos beobachtet, nicht jedoch bei den anderen Menschenaffen (Schimpansen, Orang Utans und Gorillas).

Die Frage ist, ob diese Kopfbewegung Teil unserer bioenergetischen Veranlagung ist oder nur eine kulturelle Konvention, denn in einigen Kulturen, wie Bulgarien, Nordgriechenland, Indien und Sri Lanka, wird leichtes Kopfschütteln als Zustimmung verstanden.

Die Verhaltensforscher können diese Frage noch nicht abschließend beantworten, jedoch weist aus orgonomischer Sicht einiges darauf hin, daß es wirklich zu unserer Biologie gehört.

Da wäre beispielsweise die Biopathie „Skoliose“, die offensichtlich darauf beruht, daß der Organismus des Jugendlichen zum Lebensstrom, der den Rücken emporsteigt, buchstäblich „Nein“ sagt (M.D. Brenner: „Adolescent Idiopathic Scoliosis Considered as a Biopathy“, Journal of Orgonomy, 17[2], November 1983, S. 178-200).

Diese Biopathie entspricht den „abwehrenden Bewegungen gegen den Orgasmusreflex, die normalerweise seitliche Hin-und-Her-Bewegungen sind“ (Elsworth F. Baker: „Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, 12[1], May 1978, S. 41-54).

Die zweite Art des „Neins“ ist schlichtweg die Wut: „Nein!“

Aus orgonomischer Sicht entstehen Entzündungen durch eine zu heftige „Erstrahlung“ der organismischen Orgonenergie. Diese Überreaktion ist die Gegenwehr des Organismus gegen die Blockierung des energetischen Flusses. In Maßen ist es natürlich und lebenserhaltend, im Übermaß ist es selbstzerstörerisch. In der Kindheit wurde die Umwelt als feindlich erfahren, d.h. man hat sich nicht als grundsätzlich angenommen gefühlt, so daß später in einer Panikreaktion auf jeden Widerstand mit maximaler Brutalität reagiert wird. Bei den einen richtet sich diese Wut auf ihre Mitmenschen, denen man wegen nichtiger Anläße das Nasenbein oder den Kiefer bricht, bei den anderen spielt sich das energetisch gleiche Geschehen innerhalb des Organismus ab, wenn normalerweise harmlose Keime (in einem ohnehin geschwächten Organismus) zu lebensbedrohlichen Entzündungen führen.

Für Menschen, die von ihrer Mutter nicht geliebt wurden, ist das Leben eine Hölle, sie verbrennen buchstäblich von innen bzw. sie machen das Leben ihrer Mitmenschen zur Hölle. Das sei jedem angeblichen „Lebensschützer“ ins Stammbuch geschrieben, der gegen Abtreibung und gar Verhütung wettert. Und auch jenen, die es zulassen, daß es in diesem Lande etwas anderes gibt als Liebesheiraten. All das sinnlose seelische, körperliche und soziale Leiden! Alles nur wegen Eurer gottverfluchten christlichen, islamischen und multikulturellen Ideologien! FAHRT ZUR HÖLLE!

Edith Chen (University of British Columbia) et al. haben 53 Erwachsene studiert, die aus armen Verhältnissen stammen. Dabei glichen sie den Zustand des Immunsystems, das durch die ökonomisch schwierigen Lebensverhältnisse in der Kindheit von früh auf besonders herausgefordert war, mit dem Mutter-Kind-Verhältnis ab.

Die 26 Teilnehmer, die ihre Mütter als warmherzig und fürsorglich beschrieben, hatten niedrigere molekulare Entzündungsprofile als die 27 restlichen Probanden. Oder mit anderen Worten: Kinder, denen es an mütterlicher Wärme gefehlt hat, leiden später in ihrem Leben unter chronischen und exzessiven Entzündungsreaktionen.

Ähnliches beobachten wir auf der Verhaltensebene. Man denke nur mal an die Kulturbereicherer aus der islamischen Welt und das „Was guckst du?!“-Phänomen. Aus nichtigsten Anlässen immer am Rande des „Messerns“! Es sind meistens Kinder aus Zwangsehen, in denen den Frauen der eigene Cousin aufgezwungen wurde. Die Familienatmosphäre ist entsprechend von Ekel (man kann sich da nahe verwandt buchstäblich nicht riechen!), Haß und Gewalt geprägt.

Werfe ich hier nicht wild alles durcheinander? Aus molekularbiologischer und sozialpsychologischer Sicht mögen ständige Entzündungen und dünnhäutige Aggressivität wenig bis nichts miteinander zu tun haben, aber wir betrachten die Welt von der Orgonenergie her!

Und schließlich gibt es das „Nein“ des Rückzugs, der in Reichs „Krebsschrumpfungsbiopathie“ kulminiert.

Reich zufolge zeichnet sich die Krebsbiopathie dadurch aus, daß eine periphere Störung sich immer weiter dem Zentrum des Lebensapparats nähert und schließlich diesen selbst schädigt.

Stellen wir uns die biologischen, physiologischen und seelischen Funktionen plastisch-räumlich vor; wir haben einen weiten Kreis mit einem Zentrum („Kern“) vor uns. Das Einschrumpfen der Kreisperipherie entspräche dem Einsetzen der charakterologischen und emotionellen Resignation. Der Kern, das Zentrum des Kreises, ist noch unberührt. Dieser Prozeß schreitet gegen das Zentrum zu fort, das den „biologischen Kern“ darstellt. Der biologische Kern ist nichts anderes als die Summe aller plasmatischen Zellfunktionen. Hat der Schrumpfungsprozeß diesen Kern erreicht, dann beginnt das Plasma selbst einzugehen. Dies fällt mit dem Prozeß des Gewichtsverlustes zusammen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 224).

Bisher glaubte man, daß die Kachexie, die mit manchen Krebsarten einhergeht (beispielsweise Darmkrebs und Lungenkrebs), nur die Skelettmuskeln betrifft, doch Untersuchungen von Martha Belury von der Ohio State University und Kollegen konnten bei Labormäusen, die an Dickdarmkrebs litten, nachweisen, das durch die Krebs-Kachexie auch Funktionsfähigkeit und Struktur der Herzmuskeln in Mitleidenschaft gezogen wird.

Im Bericht der Ohio State University heißt es:

Vorrangegangene Studien haben nahegelegt, daß Kachexie für etwa ein Fünftel bis ein Drittel aller Krebstode verantwortlich ist. Aber viele Aspekte des Zustandes bleiben unverstanden, einschließlich ihrer Ursache und wie man voraussagen kann, wer das größte Risiko für das Syndrom in sich trägt.

Belury sagt:

Die Erschöpfung und Schwäche bei Kachexie wurden dem Schwund der Skelettmuskeln zugeschrieben. Unsere Ergebnisse unterstützen jedoch die Vorstellung, daß eine unzureichende Herzleistung, die zu weniger Bewegung und damit zu noch mehr Muskelschwund führt, ebenfalls für das Schwächesyndrom verantwortlich sein könnte. Es ist ein Teufelskreis, die zu den Komplikationen bei Krebs-Kachexie beiträgt.

Das dem ganzen ein funktioneller Prozeß, nämlich die von Reich beschriebene Schrumpfung, zugrundeliegt, ist der mechanistischen Medizin prinzipiell unzugänglich, – obwohl es mehr den augenfällig ist. Beispielsweise fanden die Forscher um Belury heraus, daß die krebskranken Mäuse zwar weniger aßen als ihre gesunden Artgenossen, aber wenn man gesunden Mäusen die gleiche Nahrungsmenge zuführte, verloren diese zwar ebenfalls an Gewicht, dies führte aber nicht zum Verlust von Skelettmuskel-Masse und zeitigte auch keine Auswirkungen auf die Herzfunktion.

Am 14ten Tag der Studie hatten die Krebsmäuse einen Herzschlag pro Minute, der fast 21 Prozent niedriger lag, und das Herz pumpte signifikant weniger Blut durch den Körper.

Die Forscher untersuchten das Herzgewebe aller Mäuse mit Hilfe der Elektronenmikroskopie. Sie fanden eine Reihe von Anzeichen für Schäden im Herzmuskelgewebe der Mäuse mit Kachexie, darunter einen Zuwachs an fibrösem Gewebe und Veränderungen in den Mitochondrien, den sogenannten „Kraftwerken“ in den Zellen, die Kohlenstoff in Energie umwandeln.

„Die Mitochondrien sahen ziemlich schlecht aus, fast als fielen sie auseinander. Und wir sahen auch Hinweise für Vorläufer für Vernarbungen und Kollagenbildung, was man in keinem Muskel gerne sieht, insbesondere aber nicht im Herzmuskel“, sagte Belury. (…)

Da auch die genetischen Funktionen im Herzgewebe untersucht wurden, fanden die Forscher, daß die Eiweiße, die mit der Energieproduktion im Muskel verknüpft sind, sich in den Herzen der Mäuse mit Kachexie von ihrer erwachsenen Form in einen fetalen Typus zurückverwandelt hatten. Dieses Phänomen war in vorangegangenen Forschungen mit Herzversagen in Zusammenhang gebracht worden.

„Das Herz gab sich noch alle Mühe Funktion und Struktur aufrechtzuerhalten. Es versuchte mit dieser Vorgehensweise sich selbst zu heilen, was aber nicht gelingen konnte. Es war zu viel vorgefallen, als daß dies hätte funktionieren können“, sagte Belury. „Wir fragen uns, ob wir einiges dieses Wissens nutzen können, um Herzerkrankungen umzukehren.“

Zukünftige Forschungen könnten untersuchen, ob die Verabreichung von Medikamenten oder zusätzlicher Nahrung in den Frühphasen der Kachexie die Verschlechterung der Herzfunktion verhindern könnten, meinte sie.

Derartige Aussagen sind zutiefst tragisch. Einerseits bestätigen sie immer wieder aufs Neue Reichs grundlegende Theorie über die Biopathie Krebs, doch andererseits zeigt die Studie, daß die Medizin mehr denn jemals zuvor im mechanistischen Denken gefangen ist. Sie sehen mit ihren eigenen Augen den Zerfall des Zellplasmas, – und wollen dem mit Medikamenten und „Ernährungsumstellung“ Einhalt gebieten!

Es wird beschrieben, wie der Krebsprozeß die energetischen Plasmafunktionen angreift und wie der Körper verzweifelt versucht, sich auf einer primitiveren Funktionsebene zu reorganisieren. Diese Prozesse hat Reich bereits vor fast 70 Jahren beschrieben – und die Zusammenhänge erfaßt…

Über Alice Miller

24. Mai 2015

Ich habe mich bereits in einem Blogeintrag mit der abtrünnigen Psychoanalytikerin und „Kinderrechtlerin“ Alice Miller kritisch beschäftigt. Damals hagelte es heftige Kritik von Seiten ihrer Anhänger. Schließlich stand sie auf der Seite des Guten und der Unschuld gegen die lebenszerstörenden Erwachsenen; die „da oben“!

Wie kann man als „Reichianer“ auch ernsthaft jemanden kritisieren, der beispielsweise so etwas geschrieben hat – obwohl sich hier wieder zeigt, daß sie Reich nicht verstanden hat:

Meines Erachtens kommt jedes Kind nicht böse auf die Welt, sondern wird dazu durch Schläge und andere Demütigungen gemacht. Meine Bücher liefern auch die Erklärung für die Tatsache, daß fast alle gutmeinenden Appelle zugunsten der humanen Kindererziehung (ob sie nun von Wilhelm Reich, von mir oder von anderen stammen) erfolglos bleiben. Denn fast alle Menschen wurden als Kinder geschlagen und tragen in sich die Angst des kleinen Kindes vor der Bestrafung, falls es gegen die Grausamkeit und Ahnungslosigkeit der Eltern rebellieren sollte. So leben wir fast alle in der Verleugnung dessen, was uns in den prägenden Jahren widerfahren ist. Der französische Philosoph Montaigne hat schon im 16-ten Jahrhundert geschrieben, man solle Kinder nicht schlagen, aber kein anderer Philosoph, kein Kirchenvater, auch kein Reformator hat sich bis heute dieser Meinung angeschlossen. Im Gegensatz zu Montaigne, der gewaltfrei und respektvoll erzogen wurde, wuchsen die anderen offenbar mit Gewalt auf und mußten sehr früh lernen, diese Brutalität dem Kinde gegenüber als richtig und notwendig zu erachten. Indessen, erst die Befreiung von der Verleugnung des eigenen Leidens ermöglicht es den Eltern ihre Kinder in Respekt und ohne Lügen zu begleiten. (…) Es mag viele Jahrhunderte dauern, bis sich diese Haltung durchsetzt, vorläufig sind es nur wenige Ausnahmen, die es wagen konnten, die Taten ihrer Eltern zu verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern zu wiederholen.

Millers Ablehnung des Ödipus-Komplexes, ihre Rebellion gegen die zeitgenössische Wissenschaft (man findet in ihren Werken kaum Hinweise auf den aktuellen Stand der Forschung), überhaupt ihr ständiger Appell an die „Rebellion gegen die Eltern“, gehören zu einem Zeitgeist, den sie mitgeprägt hat.

In meiner Kritik ging es mir insbesondere um das „begabte Kind“, dessen empfindliches Wesen ganz besonders vor den Forderungen der Erwachsenen, die es sozusagen subkutan spürt, geschützt werden muß. Ich hatte Millers 1979 erschienenes Buch Das Drama des begabten Kindes nur immer als weitere Unterfütterung des Narzißmus von „Hochbegabten“ in meiner Umgebung erlebt. Allein schon die krankhafte Beschäftigung mit der eigenen Kindheit, die es „aufzuarbeiten“ gelte, war einfach nur – daneben. Es reicht schon, daß Miller ihr Leben damit vergeudet hat.

Zur Zeit und in jener bürgerlichen Umgebung, in der sie großgeworden ist, mag Millers Ansatz notwendig gewesen sein, doch heutzutage fördert die vorbehaltlose Unterstützung der „narzißtischen Bedürfnisse“ des Kindes nur dessen neurotischen Narzißmus, der diese Gesellschaft langfristig zerstören wird.

Die orgonomische Psychologin Virginia Whitener bringt dazu eine erhellende Geschichte, die ihr eine ihrer Patientinnen erzählt hat:

Sie hatte den Auftrag zusammen mit Kindergartenkindern eine Wand künstlerisch zu gestalten, macht versehentlich einen großen Farbfleck auf das fast fertige Wandbild und sagt spontan: „Oh, no, I made a mistake!“ Sie nahm ein Kind und zusammen machten sie aus dem Fehler irgendein kreatives Ornament. Daraufhin rief die Kindergärtnerin sie zu sich und belehrte Whiteners Patientin: „We never use that word. There are no ‚mistakes‘.“

Eine läppische Geschichte, aber absolut bezeichnend: im Namen einer „moralfreien“ Erziehung („es gibt keine Fehler!“) wurde die junge Frau aus ihrem Enthusiasmus herausgezogen und die Kinder sind verwirrt, werden rebellisch. Die ganze vorher so harmonische Situation wird einfach nur kontaktlos und „psycho“! (Whitener: „Adolescent Sexuality“, Journal of Orgonomy, 35(1), Spring/Summer 2001).

Derartiges gehört für mich zum zerstörerischen Erbe von Alice Miller. Allein schon die tiefgehende Verunsicherung ganzer Generationen von Eltern!

Der medizinische Orgonom Peter A. Crist hat darauf hingewiesen, daß Selbstregulation auch die Fähigkeit umfassen muß, zwischen Ausdruck und Zurückhaltung von Antrieben zu wählen und sich entsprechend „angepaßt“ benehmen zu können. Crist bezieht sich dabei auf bisher unveröffentlichte Notizen von Reichs Biographen Myron Sharafs zu dessen letztem Seminar im August 1955:

Reich betonte den offensichtlichen, aber häufig übersehenen Punkt, daß das Kind „Neins“ erfahren muß, daß das „Nein“ ein Teil der Wirklichkeit ist, und daß, wenn es sie nicht erlernt, solange es jung ist, sie nie erlernen wird. [Reich hat nie die Ansicht vertreten], daß es überhaupt kein „Nein“ geben solle, sondern nur jene „Neins“ keine Existenzberechtigung haben, die gegen das Leben gerichtet, haßerfüllt, und vernunftwidrig sind. (Crist: „Problems of Childhood Self-Regulation in an Age of Permissiveness“,Journal or Orgonomy, 33(1&2), Spring/Winter 1999)

Das hat nichts mit „Moralismus“ zu tun oder Verrat an irgendwelchen Reich‘schen „Prinzipien“. Im Vorwort zur zitierten Ausgabe des Journal or Orgonomy beklagt der medizinische Orgonom Charles Konia:

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft wird die liberale Ansicht, die vorbehaltlose Freiheit höher bewertet als Verantwortung, nicht als moralistisches Vorurteil betrachtet.

Whitener schließt ihren oben zitierten Aufsatz mit den Worten:

Jugendliche werden solange leiden müssen und die Gesellschaft wird sich solange im Niedergang befinden, wie Impulsivität und Entfremdung zunehmen, Loslösung und Feindschaft gegen die Gesellschaft ausagiert werden, und die vorhandenen Autoritäten und gesellschaftlichen Strukturen zerbröckeln.

Aber zurück zu Millers Auseinandersetzung mit Reich: es gehe nicht um bloße Appelle, Kinder beser zu behandeln, sondern darum, daß die Eltern (2. Generation) die kinderfeindlichen Untaten ihrer eigenen Eltern (1. Generation) verurteilen, um sie nicht an ihren Kindern (3. Generation) zu wiederholen. Bei Freud sollten die Erwachsenen ihre eigenen persistierenden infantilen Strebungen verurteilen. Bei Miller sollen sie „stattdessen“ ihre Eltern verurteilen. Beider Blick ist rückwärts gerichtet und beider Blick ist moralistisch. Hinzu kommt, daß die „Millerianischen“ Eltern dabei selbst infantilisieren, wie ich am Beispiel Miller in dem bereits verlinkten Blogeintrag über sie gezeigt habe. Reichs Ansatz war dem diametral entgegengesetzt: es geht ums Hier und Jetzt, um Kontakt zu den Bedürfnissen des Kindes, um Kontakt zum eigenen bioenergetischen Kern, um den Kontakt zu „kosmischen“ Funktionen. Es soll nichts „verarbeitet“ und nichts „verurteilt“ werden und „Moral“ spielt keinerlei Rolle. Abgesehen von wirklich pathologischen Fällen ist dazu wirklich jede Mutter und jeder Vater in der Lage. Folge deinem Herzen! Früher folgte man stattdessen irgendwelchen abwegigen Traditionen („Wer sein Kind liebt, züchtigt es!“), heute hält man sich an irgendwelche vermeintliche „Experten“, etwa Alice Miller, statt einfach das zu tun, was richtig ist. Reichs Hauptproblem bei seinem Projekt „Kinder der Zukunft“ war es, die Mütter davon abzubringen, verkrampft „orgonomisch korrekt“ handeln zu wollen. Das letzte, was dieser Planet braucht, sind „Richtschnüre für Kindererziehung“ oder irgendwelche Heilslehren.

MillerGl

Der Rote Faden: William S. Schlamm (Teil 2)

13. Mai 2015

Am 5. April 1970 erschien in der konservativen Welt am Sonntag eine Kolumne von Reichs persönlichem Freund der 20er Jahre, William S. Schlamm (Am Rande des Bürgerkriegs, Berlin: Zeitbuch Verlag, 1970, S. 341-348). Auf ihn und sein Verhältnis zu Reich werde ich in Teil 3 näher eingehen.

Schlamms Ausführungen unter dem Titel „Der Vater der ‚Sex-Revolution’„ sind deshalb lesenswert, weil sie m.E. geradezu prototypisch widergeben, was Reichs Zeitgenossen, sein desillusioniertes Umfeld und das allgemeine Publikum im Querschnitt gegen Reich einzuwenden haben. Es ist ein wildes Sammelsurium aus konservativer Kulturtheorie und bildungsbürgerlichem Mief auf der einen, intellektualistischem „Witz“ und pornographischen Phantasien auf der anderen Seite. Der zum Konservativen und McCarthy-Anhänger mutierte Schlamm erinnert verdammt an die Stalinistin Mildred Brady, die mit ganz ähnlichen Kolumnen (die erste hieß „The New Cult of Sex and Anarchy“) die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA auf Reich aufmerksam machte.

Schlamm führt aus, daß Sex für den humanistischen Konservatismus Europas eine Privatsache sei. Die modische „Sex-Revolution“ würde daraus nun eine öffentliche Angelegenheit machen. Die Sex-Revolution sei Fortsetzung der Revolution mit anderen Mitteln. Es werde jedoch immer deutlicher, daß dieses Mittel unbrauchbar ist, denn durch den Abbau individueller Hemmungen verliere man an Disziplin, die nicht zuletzt für die Revolution notwendig sei.

Der „Karl Marx“ der „Sexuellen Revolution“ hieße Wilhelm Reich. Ihr denkbar simples Aktionsprogramm laute: der größtmögliche Orgasmus für möglichst große Massen. Freud habe gezeigt, daß der sexuell disziplinierte Mensch lernt sich den Forderungen der Gesellschaft anzupassen. Reich habe daraus die entsprechenden Schlüsse für die Zerstörung der Gesellschaft gezogen. Dabei tue sich ein Widerspruch auf, denn je mehr ein Mensch über den Orgasmus nachdenke, darüber spräche und nach ihm strebe, desto minderwertiger sei der Orgasmus.

Schlamm fährt dergestalt in seiner Kolumne fort Reichs Orgasmustheorie gründlich mißzuverstehen und führt gegen sie Freuds Kulturtheorie an: Reich habe Freuds Kulturtheorie sozusagen vom Kopf auf die Genitalien gestellt, womit Schlamm offensichtlich auf Freuds Sublimationstheorie anspielen will, die Reich durch die Orgasmustheorie ersetzt habe. Dabei habe Reich Freuds wissenschaftliche Entdeckungen gar nicht infrage gestellt. Es ging nämlich gar nicht, so Schlamm, um Freuds Kulturtheorie, sondern um Freuds Kultur. Reich habe der „libidinösen Unterdrückung“ den Krieg erklärt, nicht weil er aus dem maximalen Orgasmus einen kulturellen Gewinn erwartete, sondern weil er die „bürgerliche“ Welt seines geliebten Meisters Freud so haßte.

Reich, den Schlamm schließlich in Wien persönlich kannte, habe eine große innere Unruhe getrieben. Die anfängliche wissenschaftliche Offenheit wich langsam aber sicher die Überzeugung, daß ihm, dem zufälligen Wilhelm Reich, die Rolle des Erretters der Welt zugefallen sei. Die Wasserscheide sei schließlich Reichs Übersiedlung nach Berlin gewesen. (Es ist bei Schlamm wie bei wirklich allen von Reichs „Freunden“: Reich ist ihrer Meinung nach genau zu dem Zeitpunkt ab- bzw. durchgedreht als er aus ihrem jeweiligen Gesichtsfeld entschwunden ist!)

Ziel der Berliner „Sexpol“ sei die Politisierung der lethargischen bürgerlichen Welt durch Sex gewesen. (sic!) Revolution, predigte Reich gegenüber den Berliner Kommunisten, bliebe Illusion, solange der Arbeiter nicht sexuell „ungehemmt” sei. Die Berliner Kommunisten dieser fiebrigen Zeit seien, so Schlamm, alles andere als prüde gewesen und ließen den Wiener Sonderling anfangs amüsiert gewähren. Mit seiner ansteckenden Illusion der Erlöser zu sein, habe er sogar einigen organisatorischen Erfolg gehabt. Bis sich die Partei langsam darüber sorgte, daß so viele talentierte Leute der direkten Parteiarbeit entzogen wurden.

In Skandinavien seien dann Reichs Kommentare immer selbstgewisser, egozentrischer und bitterer geworden. Er, Wilhelm Reich, hatte den Weg zum Glück und zur Befreiung gefunden – und die niederträchtige Welt wollte nicht auf ihn hören. In der gesamten deutschen Emigration, die ohnehin generell einer wachsenden Isolation anheimfiel, gab es, Schlamm zufolge, niemanden der auch innerhalb der Emigration mehr isoliert war als Reich.

Die Spaltung zwischen dem vorsichtigen Wissenschaftler und dem besessenen Sexualrevolutionär wäre Reichs Untergang gewesen. Der Sexualrevolutionär glaubte, mit dem unkontrollierten Orgasmus den Hebel zur Beseitigung der bürgerlichen Gesellschaft gefunden zu haben. Der Wissenschaftler in ihm bestand auf einer materiellen Erklärung für diese politische Annahme – und dieser Punkt habe Reich in den klinischen Wahnsinn getrieben. Er gab vor, die unbekannte atmosphärische Strahlungsenergie entdeckt zu haben, die die Erde mit sex-geladenen Energiequanten bombadiert, die Reich „Orgonteilchen“ nannte. Und er gab dies nicht nur vor – der gebildete Mann glaubte an diesen primitiven Unsinn mit einer Obsession, die ihn vernichtet hat. Er baute und Verkaufte „Orgonkisten“, in die man sich hineinlegen mußte, um sich regelmäßig aufzuladen und so den maximalen Orgasmus zu lernen. (sic!)

Ja, wirklich tragisch. Wäre Reich doch nur seinem Freund Schlamm gefolgt, denn der kannte die Medizin, die Lösung: Humor! Reichs wahres Unglück sei, so Schlamm, sein Mangel an Humor gewesen.

Dies würde noch immer die „Sex-Revolution“ kennzeichnen. Schlamm fährt fort auszuführen, daß, im Gegensatz zum reinen physiologischen Akt, die Liebe spielerischen Humor benötige. Hemmungsloser Sex führe entweder in den Drogenmißbrauch oder man finde schließlich doch die wahre Liebe. In beiden Fällen sei man für die „Sex-Revolution“ verloren.

Die Sexualrevolutionäre behaupten, sie seien gegen den Konsum, aber sie seien selbst die größten Konsumenten. Und was „Make love, not war“ beträfe fielen gerade im Krieg die sexuellen Hemmungen weg wie sonst nirgends. Hemmungsloser Sex sei die vollständige „Entfremdung“. Das Individuum forme sein Ich nun mal außerhalb des Vegetativen und im bewußten Kampf gegen das Vegetative. Insbesondere werde die Frau durch die „Sexuelle Revolution“ entfremdet, da sie zu einer sinnlosen genitalen Maschine reduziert werde. Der Sexualrevolutionär nähme die Frau, irgendeine Frau, als Werkzeug für seine Selbstbefriedigung.

Persönlich habe Reich zweifellos mit vollem Ernst seine eigenes Rezept gelebt, mutig alle seine Inhibitionen von sich geworfen und sich dem Orgasmus im kultischen Dienst hingegeben. (sic!) Er hatte nie den Frieden der Seele gefunden, die Freude des Humors, nie die liebende Sicherheit einer gewachsenen und erwachsenen Beziehung. Dieser Prophet des „Orgons“ sei gewissermaßen ein Puritaner gewesen. „Mit Sex kannte er keinen Spaß.“ Er war besessen von der höheren Qualität des bewußtlosen Vegetativen.

Dieser gewiefte Wissenschaftler habe nie verstanden, was vor kurzem ausgerechnet der Filmstar Raquel Welch von sich gegeben hatte: „Meine erogene Zone ist das Gehirn.“ Das Gehirn sei, so Schlamm, die erogene Zone jeder gesunden Frau und jedes gesunden Mannes. An sich sei das Jucken und Pochen des Vegetativen ziemlich lächerlich. Es wandelt sich erst in privates Glück, wenn es das liebende und humorvolle Spiel zweier Menschen werde, die sich vom Herzen und vom Gehirn aus lieben. Diese Tatsache sei dem Psychoanalytiker Dr. Wilhelm Reich natürlich bekannt gewesen, aber der Sexualpolitiker Willi Reich wies sie von sich.

Der ach so schlaue Schlamm hat wohl nicht mal geahnt, daß er und nicht etwa Reich der angeblichen „Sex-Revolution“, der Entfremdung und Pornographisierung das Wort redete. Irgendwo sagt Reich (sinngemäß), daß Modju mit seinem Genital denkt und mit seinem Gehirn – fickt.

Und – so abwegig waren Schlamms Erläuterungen nicht, angedenk des Gesindels, mit dem er es zu tun hatte. Wenn nicht aktiv, so haben die 68er jedenfalls Kinderfickerei geduldet, diente es doch der „Befreiung“. Man denke nur mal an die Kommune 1 und die Kommune 2 oder an den „Provokateur“ Daniel Cohn-Bendit. Dazu die katholische Tagespost 2008:

Dazu gab es ja eine umfangreiche theoretische Grundlegung. Der marxistische Sexualtheoretiker Wilhelm Reich, der Star der Bewegung, schrieb: „Die Unterdrückung des kindlichen und jugendlichen Liebeslebens hat sich als Kernmechanismus der Erzeugung von hörigen Untertanen und ökonomischen Sklaven erwiesen“.
Das ist in der Tat der Punkt, an dem eine bis dahin eher humane Vorstellung von Befreiung der Sexualität umschlug. Das ist paradox: Das Kind muß zur sexuellen Freiheit gezwungen werden, aber was diese Freiheit sei, das definieren die Erwachsenen. Wenn wir uns ansehen, was in den Kinderläden und Familien passiert, was dokumentiert und theoretisch legitimiert worden ist, dann war 68 bezogen auf die Kinder eine grenzverletzende, keineswegs eine lässige Bewegung. Das ist auch ein Erbe von 1968. Es wurde und wird außer Acht gelassen, daß freie oder befreite Sexualität auch die Freiheit beinhaltet, nein zu sagen, Grenzen zu setzen, sogar, gegebenenfalls, auf Sexualität zu verzichten, im Zölibat zu leben oder eine unspektakuläre Sexualität zu haben oder nicht dauernd und mit jedem über sein Intimleben quatschen zu müssen.

Damals erschien im Stern ein Artikel über die 68er mit dem gleichen Reich-Zitat. Und das wiederum entstammte offensichtlich einem Artikel aus der Zeit von 1991.

2007 erschien im Spiegel ein guter ausgewogener Artikel über Neills Summerhill, in dem auch Reich kurz Erwähnung fand (was in der Berichterstattung über Neill und Summerhill nicht selbstverständlich ist). Es wurde sogar hervorgehoben, daß Summerhill nichts mit „antiautoritärer Erziehung“ zu tun hat.

Der deutsche Buchtitel hängt bis heute wie ein Fluch über der Schule. Dabei hatte Neill den Begriff antiautoritär nie benutzt, sein Motto war „Freiheit, nicht Zügellosigkeit“. Seine Schule war kein experimenteller Kinderladen, seine Schüler kamen klar mit der Freiheit. (…) „Laßt mich bloß in Ruhe mit den deutschen 68ern“, soll Neill oft gewettert haben.

Eine Kritik, die von einer ehemaligen Schülerin angebracht wird, ist sicherlich berechtigt: das Problem in Summerhill sind Lehrer, die ihre eigene Kindheit auf Kosten der Kinder nachholen wollen.

Irgendwo schreibt Neill (leider finde ich das genaue Zitat nicht), daß, wenn er von der Sexualität von Kindern und Jugendlichen spricht, er natürlich davon ausgehe, daß seine Leser wirklich erwachsen sind – und deshalb nicht selbst Interesse an „kindlicher Sexualität“ haben. Siehe auch meinen Blogeintrag Sexueller Kindesmißbrauch.

Genau das, daß Erwachsene aufgrund einer eigenen unerfüllten Kindheit emotional zurückgeblieben sind, trifft den Nagel auf den Kopf. Die 68er, die nie erwachsen geworden sind, haben ihre neurotische infantile Rebellion ausgelebt. Der Schaden, den diese antiautoritären Wichser der Orgonomie in Deutschland zugefügt haben, ist schier unermeßlich!

Sexueller Kindesmißbrauch

14. April 2015

Der deutsche Fernsehkrimi kennt nur zwei Themen: Neonazis und Kinderschänder! Das sind die beiden Feindbilder, mit denen man so gut wie jeden mobilisieren kann. Die heutige Diskussion um den angeblichen Kinderficker Werner Vogel, 1933 SA-Mann und 1980 Grüner der ersten Stunde, ist symptomatisch. Vogel ist das ultimative Faszinosum! Der Teufel schlechthin! Der viehische Haß auf ihn, hält die gepanzerte Gesellschaft zusammen. Das gleiche Pack frägt sich dann, wie es nur zum Holocaust kommen konnte…

Insbesondere der Vorwurf des sexuellen Kindesmißbrauchs ist der finale Stoß gegen den verhaßten Gegner. Die aufklärerischen Kräfte kühlen so ihren Mut an der Katholischen Kirche, während umgekehrt die Konservativen über Daniel Cohn-Bendit und die Odenwaldschule herziehen können.

Beide Lager verdrängen, daß es um die Grundlagen unserer Zivilisation geht. Solange wir hier nicht aufräumen, wird der Alptraum, der Mord an Kinderseelen immer weitergehen.

In den 1920er Jahren hat Reich dargelegt, daß der Erziehungszwang, der sich in der Unterdrückung der kindlichen Onanie äußert, auf der Sexualverdrängung der Erwachsenen beruht, die sie durch Unterdrückung ihrer Kinder aufrechterhalten müssen. Wobei die Erwachsenen selber aus ihren eigenen verdrängten Sexualwünschen heraus unbewußt das Kind durch Bewegungsspiele und Waschungen sexuell animieren. Schon das „Huckepackreiten“, das „Angstlust“ hervorrufende Angstmachen und das Beisein des Kindes im elterlichen Schlafzimmer erfüllen nach Reich den Tatbestand des sexuellen Kindesmißbrauchs. Triebtheorie und „Verführungstheorie“ sind demgemäß untrennbar miteinander verbunden (Wilhelm Reich: „Eltern als Erzieher – Teil II: Die Stellung der Eltern zur kindlichen Onanie“, Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, Bd. 1, Nr. 7/8/9, 1927, S. 263-269).

Alice Miller (mit der ich mich bereits auseinandergesetzt habe) hat in ihre Kritik an Freud Reich ausdrücklich einbezogen. Siehe meine Ausführungen in Alice Miller und die Emotionelle Pest.

Groteskerweise vertritt Miller selbst eine Freudsche Position, die Reich kritisiert hat, nämlich die Schlußfolgerung, die die Psychoanalyse aus der Theorie des Ödipuskomplexes gezogen hatte: Freudianische Mütter mochten ihre Babys kaum berühren, weil sie ständig Angst vor inzestuösen Gefühlen hatten, sich also genau gegensätzlich zu den Unterstellungen von Miller verhielten.

Reich zufolge ergibt sich der Inzestwunsch der Kinder u.a. „und, gewiß nicht in letzter Linie, aus der sexuellen Bindung der Eltern an die Kinder“. Dies sei seinerseits „wieder bestimmt durch die sexuelle Unbefriedigtheit der Erwachsenen“ (Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, S. 28).

Reich selber hat eine Entwicklung durchgemacht. Seine Töchter zeigten in den 20er Jahren Nacktfotos ihrer Eltern (Nadine Hauer/Wolfram Ratz: „Wilhelm Reich in Österreich“, emotion 9, 1989, S. 54). Damals vertrat er noch etwas, was im Titel eines Aufsatzes von 1928 zum Ausdruck kommt „Wohin führt die Nackterziehung?“ (Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, Bd. 3, Nr. 2/3, Nov./Dez. 1928, S. 44-50). In den 40er und 50er Jahren, d.h. vor dem Hintergrund besserer Einsichten in die Entwicklung der individuellen Panzerung, hat er sich selbst nie nackt, d.h. mit entblößtem Penis, vor seinem Sohn gezeigt (Peter Reich: Der Traumvater, München 1975, S. 58 und M. Glass: „Parental Nudity and Castration Anxiety“, Journal of Orgonomy, 15(1), May 1981, S. 79-82). Kein Orgonom wird jemals Nudist sein!

Wie entsteht ein Kinderschänder? Nach neueren Forschungen müssen drei Elemente zusammenkommen, um einen jungen Mann zu einem potentiellen Täter zu machen (Neuro-Depesche 4/2010):

  1. Angst vor Bindungen bei einem gleichzeitigen starken Bindungswunsch;
  2. „Hypersexualität“, die den Wunsch nach Intimität „sexualisiert“; und
  3. Angst von Gleichaltrigen als „wertlos“ zurückgewiesen zu werden.

Dies wurde durch eine Querschnittstudie von M.H. Miner (University of Minnesota) et al. von neuem bestätigt. Dazu wurden drei Gruppen von jugendlichen Straftätern untersucht: 107 Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergangen hatten, 49 an Gleichaltrigen und Erwachsenen und 122 mit nicht-sexuellen Delikten.

Die Ergebnisse deuten auf einen indirekten Effekt des Bindungsstils hin: Die signifikant höhere Bindungsangst beeinträchtigt die adäquate Beziehung zu Gleichaltrigen („Peers“) und den Selbstwert. Anhand dieser Merkmale – in Kombination mit einer ebenfalls signifikant häufigeren Hypersexualität und einer grundsätzlich positiven (!) Haltung gegenüber anderen (als Ausdruck eines starken Bindungswunsches) ließen sich pädophile Sexualstraftäter von den beiden Vergleichsgruppen unterscheiden.

Daß der in der Kindheit erworbene, unsicherheits-geprägte „Attachment style“ und die daraus folgende Isolation für den sexuellen Mißbrauch von Kindern eine maßgebliche Rolle spielt, stimmt mit den gängigen Urachentheorien überein.

Wollt ihr Kinder schützen, dann laßt Jungen in einer emotional stützenden Umgebung aufwachsen!

Wie ist die „Hypersexualität“ einzuordnen? Dieses Phänomen hat Reich bereits in seiner ersten großen psychoanalytischen Studie, in dem 1925 erschienenen Buch Der triebhafte Charakter untersucht. Triebhaftigkeit („Hypersexualität“) entsteht durch eine inkonsequente Erziehung, bei der auf unverantwortliche Nachgiebigkeit, um so stärkere abrupte Triebversagungen folgen.

In Der triebhafte Charakter und dem thematisch dazugehörenden Aufsatz „Eine hysterische Psychose in statu nascendi“ hat sich Reich bereits 1925 eingehend mit der sexuellen Kindesmißhandlung und ihren charakterologischen Folgen auseinandergesetzt (Frühe Schriften I, siehe z.B. die unterschiedlichen Fälle von sexuellem Kindesmißbrauch S. 233f, S. 296, S. 305 und S. 315).

In beiden Abhandlungen beschäftigt sich Reich unter der Bezeichnung „hysterische Spaltung“ mit der heute heißdiskutierten „multiplen Persönlichkeit“ infolge von sexueller Kindesmißhandlung.


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