Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 5)

von Paul Mathews, M.A.*

Das Jugendproblem

Die Jugend scheint heute einen Siedepunkt erreicht zu haben. Überall hören wir von ihren drastischen Aktionen: Schlachten mit der Polizei, Blockade konträrer Meinungsäußerungen oder die Besetzung von Gebäuden großer Universitäten. In vielfältiger Weise – Kleidung, Verhalten, Lebensgestaltung, Drogenkonsum, Sprache und Gewalt – hat die moderne Jugend eine Unruhe und Unbeständigkeit gezeigt, die vielleicht ohne Vergleich ist. Professor Feliks Grossg beschreibt in The Seizure of Political Power (6) eine Klasse junger Andersdenkender, die die Tendenz hat in Zeiten der Spannung in Erscheinung zu treten, um unterschiedliche radikale und faschistische Ziele zu unterstützen. Diese jungen Dissidenten werden nach Catilina, dem radikalen Gegner von Cicero, der sich an junge und machthungrige Männer wandte, Catilinarianer genannt. Professor Gross schreibt:

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten die Kommunisten in Italien und Frankreich einen Anteil, einen mächtigen Anteil der catilinarianischen Intellektuellen. In der Sowjetunion genießen sie einen hohen Status und eine privilegierte wirtschaftliche Position [wenn sie der Parteilinie folgen – P.M.]. Ein verarmtes, müdes Europa konnte den Schriftstellern, Dichtern, Malern und einigen der ehrgeizigen, machthungrigen Studenten wenig bieten. Moskau bot mit seiner gewandten und wirksamen Taktik, seinen politischen Fähigkeiten und seiner starken ideologischen Anziehungskraft eine verlockende Alternative … Viele schlossen sich indessen an, weil der Kommunismus eine emotionale und ideologische Anziehungskraft hatte (6: S. 389f).

Der hergebrachte Kommunismus (roter Faschismus) ist schnell dabei, die Jugendrebellion für seine eigenen Zwecke auszunutzen, indem er emotionale Pestreaktionen schürt, obwohl die jungen Rebellen den revolutionären Zielen der Neuen Linken treu ergeben sind. Das Credo der Rebellen ist der marcusianischen Ethik entnommen, die alles Abschreckende, alle Regeln und Vorschriften meidet, die das Millennium der aktuellen radikalen Ideale aufhalten würden. Die Marcusianer gedeihen unter der liberalen Toleranz ihres ungeheuerlichsten Verhaltens, aber charakteristischerweise verachten sie genau diesen Liberalismus. Laut Marcuse und seinen jugendlichen Anhängern ist nur die marcusianische Ideologie gültig. Da die Massen „verblödet“ und von den technologischen und materiellen Belohnungen des Kapitalismus verführt wurden, obliegt es einer elitären Gruppe, diesen Massen der Freiheit und Gleichheit zu berauben, bis sie durch die richtige Gehirnwäsche des evangelikalen Marcusianismus „entlaust“ wurden. So schlägt er in seinem Aufsatz „Repressive Toleranz“ (9)h vor, „dass Gruppen und Bewegungen die Rede- und Versammlungsfreiheit entzogen wird, die eine aggressive Politik, Aufrüstung, Chauvinismus und Diskriminierung aus rassischen und religiösen Gründen befürworten oder sich der Ausweitung öffentlicher Dienste [ein Euphemismus für ‚Sozialismus‘ – P.M.] widersetzen.“ Man braucht nicht viel Phantasie, um zu sehen, wohin dieses Rezept führen könnte.

Eine andere Facette der Jugendrebellion ist paradoxerweise die Vergötterung des alternden Ideologen. Sie ersetzen somit die entthronte ältere Generation durch einen Vertreter, der ein entfremdeter, ewiger Rebell ist. Dies gibt ihnen ein selbstgerechtes Gefühl, mit einem quasi-religiös im Beigeschmack, und befriedigt ihr geheimes Bedürfnis nach erwachsener „Führung“. Platon, Sokrates, Catilina, Michael Bakunin, Marcuse, Spock und Paul Goodman präsentieren ein historisches und aktuelles Spektrum solcher älterer Führer. Lewis S. Feuer weist in seinem jüngsten Buch auf die unbewussten ödipalen Faktoren in den Studentenbewegungen, sowie auf ein homosexuelles Element in dieser älteren Gruppe hin (3: S. 525-27)i.

Man kann hier ein Muster nachzeichnen, das ungefähr am Ende des Zweiten Weltkriegs begann: ein Muster verstärkter Kommunikation; erhöhter Katastrophenangst in unserem Atomzeitalter; erhöhter Druck seitens der faschistischen Linken in Europa, China, Korea, Kuba, dem Nahen Osten und Vietnam; zunehmender verfehlter Nachgiebigkeit gegenüber dieser faschistischen Linken; zunehmender Zynismus in Bezug auf traditionelle Werte, sowohl weltlicher als auch religiöser (letztere initiiert vom Ökumenischen Konzil unter Papst Johannes XXIII.); und die Selbstgeißelung von Individuen und Nationen aufgrund von Schuldgefühlen und liberaler Propaganda.

 

Fußnoten

* Pädagoge, Sprachlehrer und Kliniker. Doktorand der Psychologie, New York University. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

 

Anmerkungen des Übersetzers

g Polnisch-US-amerikanischer Soziologe. Nach Promotion in Polen Stipendium in England, wo er als Mitarbeiter des Anthropologen Bronisław Malinowski an der London School of Economics forschte. Bis zu Malinowskis Tod 1942 blieb die enge Verbindung zwischen Lehrer und Schüler bestehen (Feldforschung bei den Arapahoi aus dem Wind River Reservat in Wyoming, USA). 1946 bis 1977 Fakultätsmitglied der Abteilung für Soziologie am Brooklyn College.

h https://www.marcuse.org/herbert/pubs/60spubs/65reprtoleranzdt.htm

i https://www.questia.com/read/99893234/the-conflict-of-generations-the-character-and-significance

 

Literatur

3. Feuer, L.S..: The Conflict of Generations. New York: Basic Books, 1969

6. Gross, F.: The Seizure of Political Power. New York: Philosophical Library, 1958

9. Marcuse, H.: „Repressive Tolerance“, A Critique of Pure Tolerance by H. Marcuse, R. P. Wolff, and B. Moore

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 111-125.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein

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19 Antworten to “Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 5)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    „Spock und Paul Goodman“
    Spock war der berühmte Kinderarzt, der uns schon früher in einem anderen Artikel von Mathews genannt wurde und Paul Goodman der Anarchist, der einmal Reich besuchte.

    • Robert (Berlin) Says:

      Während in der deutschen Ausgabe von Ilse Ollendorffs Reich Biografie Neill das Vorwort schrieb, war es in der englischen der homosexuelle Anarchist Paul Goodman. Mieser geht es kaum noch.

    • Robert (Berlin) Says:

  2. Robert (Berlin) Says:

    „letztere initiiert vom Ökumenischen Konzil unter Papst Johannes XXIII.)“
    Bezieht sich auf das ll. Vatikanische Konzil. Es begann 1962 und zeigt gut die Wandlung zum Liberalismus und der Zerstörung uralter Traditionen.

  3. Peter Nasselstein Says:

    Amerika ist im Bürgerkrieg

    Und die Leute vom Wilhelm Reich Museum haben Partei ergriffen. James Strick auf Facebock:

    This is what Wilhelm Reich brilliantly diagnosed and described in 1933 as The Mass Psychology of Fascism.
    „Lock her up! Trump that bitch! They’re rapists– coming for your wives and daughters! They’re animals coming to infest our country! Sieg Heil! Heil Trump!“

    Gegen Hillary, gegen illegale zu sein und für Trump zu sein, macht dich zum Nazi. Wilhelm Reich habe das ja schon 1933 analysiert!

    Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich Paul Mathews verehre! Ohne Baker, Mathews und Konia wäre heute die Orgonomie zu 100% in den Händen der kommunistischen Verschwörer. Leute, die unter dem Banner Ho Che Minhs in Mexiko die „Orgonomie“ vertreten.

    • Peter Nasselstein Says:

      Wer sich gegen solche Zustönde wehrt ( http://www.pi-news.net/2018/06/maennergruppe-pruegelt-auf-koelner-paar-ein-insgesamt-sechs-opfer/ ), ist in den Augen solcher Leute wie Strick jemand, den Reich schon 1933 durchschaut hat,

      Und das alles im Namen der „Orgonomie“.

    • Robert (Berlin) Says:

      Zitate aus „Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters“:

      „Es ist dieser Hass auf die einfache Wahrheit, der die wahnsinnigen intellektuellen Begründungen der Liberalen hervorbringt und die erstaunliche Blindheit hervorruft, die ihre Wahrnehmungen und Ideen charakterisiert.“

      „Seine Wahnideen sind Produkt seiner Kontaktlosigkeit und des charakteristischen Augenblocks, den Reich, Baker und andere beschrieben haben.“

    • Peter Nasselstein Says:

      Diese Leute sind schwer krank. Jetzt verlinkt Strick einen Artikel über einen Empfang im Weißen Haus, wo Trump die vergrößerten Photos von jugendlichen Opfern von illegalen Migranten signierte. OK, amerikanische Geschmacklosigkeit. Aber abgesehen davon geht es einfach um das Gedenken an Opfer, die von den Massenmedien politisch korrekt vollkommen verschwiegen werden, die gesichtslos bleiben und vergessen werden. Die vergessenen Opfer des Roten Faschismus (Opfer der „liberalen“ Sozialingenieure mit deren „open borders“). Darauf kommentiert ein weiterer „Orgonom“, Grier Sellers: „The Nazis did this too. Any crime committed by a Jew received wide publicity, with the false implication that most or all Jews were criminals.“

      Da bleibt einem doch die Spucke weg! Diese Leute sind vollständig irre. Und sie merken nicht mal, welche Verachtung sie für die damaligen Juden ausdrücken, wenn sie sie mit schwerstkriminellen Desparados aus Lateinamerika wie „MS-13“, wo nur Möder Mitglied werden dürfen, gleichgesetzen.

      Ideologisch vollkommen vernebelt. Balabala im Kopf! Zu allem Überfluß ziehen diese Leute dann über Baker, Mathews und Konia her, daß die Reichs Beitrag zur Soziologie nicht verstanden hätten. Beispielsweise hier: https://orgonomicscience.org/2017/08/

      • claus Says:

        “With regard to Dr. Konia’s claim that those on the political left use their intellect as a defense, Reich stands as an example of the utter inadequacy of this position. His factual membership in the Socialist and Communist parties, and his theoretical interest in work-democracy assure the exclusion of Reich from Dr. Baker’s ‘conservative character’.”
        Es ist wirklich seltsam, wie man Mitgliedschaft in einer KP lange vor dem Krieg als Indiz für eine nicht-konservative Haltung werten kann. Wer zu einer Zeit sozialreformerisches oder sozialrevolutionäres Denken rechtfertigen kann, kann zu einer anderen Zeit Positionen gut rechtfertigen, die dann als ‚rechts‘ gelten. Es kommt sehr auf Kontexte an. Und zum Beispiel ist über 70 Jahre nach dem NS etwas, was äußerlich – z.B. in Phrasen – nach NS klingt, vielleicht eher kindischer Trotz und sind ‚Anfänge‘, denen man ‚wehren‘ müsste, nun ganz woanders auszumachen. Das ganze Antifantentum ist solch eine Suche nach heute her belanglosen äußeren NS-Kennzeichen. Unvorstellbar, dass Reich heute Antifant wäre. Er müsste seinen ganzen Blick für Infantilismen verloren haben. Politische Strömungen gehören in Kontexte.

        • Peter Nasselstein Says:

          Das ganze kann man auch „räumlich“ sehen: lebte ich in der Türkei, wäre ich wirklich nicht „konservativ“, sondern würde selbstverständlich die Linke unterstützen. Alles hat seine Zeit und seinen Ort! Den Ideologen erkennt man daran, daß er zu allen Zeiten und überall den gleichen Gespenstern huldigt.

          • claus Says:

            Übrigens sehe ich da einen Zusammenhang zu einem ‚Objektivismus‘, der gerade an ‚der Wirklichkeit‘ vorbeigeht. Irgendwie hat Hegel Recht und habe ich deshalb erneut mit einem nervenden Buch angefangen: „The View from Nowhere“ von Thomas Nagel ….

        • Robert (Berlin) Says:

          Herskowitz:
          „Einer der oft wiederholten politischen Aussagen des „College“ ist „weder links noch rechts“, aber man sieht dort niemals eine linke politische Position auf einer besseren Position.“

          Mathews:
          „Um es zu wiederholen, sowohl der Liberale als auch der Konservative sind gepanzerte Typen, aber der Konservative hat immer noch einen Grad an Kontakt, Aggression und Zusammenhalt in seiner Funktionsfähigkeit, der ermutigender ist als beim Liberalen. Das war die Bedeutung bei Reich, als er konstatierte, der »Konservative hat eine Chance, anständig zu bleiben«.“

          Fazit: Es ist schon nachteilig, nur Konservative (statt Genitale) in der Leitung des ACO zu haben, aber noch krankere Liberale einzusetzen, würde die Situation nicht verbessern.

        • Robert (Berlin) Says:

          Mathews:
          „…die abfälligen, höhnischen Verleumdungen von Reich und der Orgonomie, die Angriffe auf Reichs „letzte Periode“, auf seinen eindeutigen Standpunkt gegen freiheitshausierende Liberale und rotfaschistische Modjus, auf seinen Zurechnungsfähigkeit und die Bezeichnung der gegenwärtigen orgonomischen Arbeiter als „ultrarechte Konservative.“ Viele dieser Angriffe kommen in Artikeln, Büchern und sogar Biografien vor, die vorgeben, für Reichs Werk ganz besonders positiv zu sein… „

      • Peter Nasselstein Says:

        Übrigens sind die Ausführungen von „Herskowitz“ (der das mit Garantie nicht selbst geschrieben hat!) von einem geringen intellektuellen Niveau. Man muß immer dessen Gewahr sein, daß Linke ihr Gehirn nicht zum Denken, sondern zur ABWEHR des Denkens gebrauchen.

    • Robert (Berlin) Says:

      Wie krank diese Vergleiche sind und wie sadistisch die Liberalen selbst


      Peter Fonda will Trump-Sohn von Pädophilen vergewaltigen lassen | Linke bedrohen Kinder

  4. Peter Nasselstein Says:

    Es gibt keine stärkere Kraft als die Begeisterung und den Glauben der Jugend:

    Aber, wenn ich mich so umschaue,die heutige Jugend – lauter Erloschene, ohne Seele, ohne Feuer, ohne Glauben, ohne alles verzerrende Liebe:

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