Einen Punkt setzen

Ich kann mich lebhaft an eine Diskussion mit einem Freund erinnern. Wir saßen in der Küche und sprachen über unser Rechtssystem. Meine Idee war, was wäre, wenn ein Mann in einem hermetisch abgeschlossenen ABC-Anzug, der keinerlei Spuren hinterläßt, hereinstürmen würde, das Küchenmesser aus meiner Hand risse und meinem Freund ins Herz stieße? Oder umgekehrt, was wäre, wenn ich ihn ersteche und behaupte der unbekannte „ABC-Mann“ wäre es gewesen. Wer wollte mir jemals das Gegenteil beweisen! Es gibt keine Zeugen? Er hat sich halt aufs Grundstück geschlichen oder das Schweigen der Zeugen wurde von der Mafia, der CIA oder wem auch immer erzwungen. Meine Fingerabdrücke befänden sich auf dem Messer? Ich habe damit gegessen! Und was alle anderen Spuren betrifft: wir haben eine Stunde zusammen in der Küche gesessen und er ist in meinen Armen gestorben! Welches Gericht der Welt will mich verurteilen?!

Die Antwort ist einfach: jedes Gericht der Welt! Es gibt so etwas wie eine Lebenswirklichkeit und die von mir aufgetischte Geschichte ist einfach lebensfremd. Hinzu kommt das Prinzip des Rechtsfriedens: man kann nicht alles bis in alle Ewigkeit widerkäuen, denn dann gäbe es keine einzige Verurteilung. Oder nehmen wir die unrühmliche Geschichte von Lee Harvey Oswalds Mord an Kennedy. Niemand kann 100prozentig ausschließen, daß Oswald tatsächlich unschuldig war, aber dann gäbe es kein einziges Mordurteil. Niemals und nirgendwo! Schließlich sind Staatsanwälte, Richter und Geschworene keine unfehlbaren Götter, sondern nur fehlbare Menschen. Bis es nicht irgendwelche neuen und umstürzenden Erkenntnisse gibt, ist eine Diskussion über Oswald oder irgendeinen anderen überführten Mörder vollkommen sinnlos.

Derartige Debatten haben nur eine Funktion: Verwirrung zu stiften. Das ist eine der Haupttaktiken der Emotionellen Pest. Eine Arbeitsgruppe arbeitet produktiv zusammen, man kommt zu Ergebnissen und es geht voran. Und dann betritt der pestilente Charakter (oder auch nur ein akut an der Pest erkrankter!) die Szene und bringt alles mit „neuen Gesichtspunkten“ durcheinander. Die einzige Funktion dieser „neuen Gesichtspunkte“ ist es vom Wesentlichen abzulenken. Und es ist ja nicht so, daß der Störer unbedingt falsch liegen muß, vielmehr ist in diesem Moment die von ihm präsentierte Wahrheit nicht zielführend. Man betrachte nur, wie sich Reich hoffnungslos in einem unentwirrbaren juristischem Wirrwarr verfangen hatte, nachdem ihm von dem Modju Michael Silvert eingeredet wurde, man müsse die objektive Wahrheit durchsetzen und sich nicht von Anwälten in juristische Spitzfindigkeiten verwickeln lassen. Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hatte Silvert vollkommen recht, doch das Ergebnis in der realen Welt war, wie gesagt, ein wirklich unentwirrbarer juristischer Wirrwarr.

Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hätte tatsächlich der „ABC-Mann“ meinen Freund erstechen können, könnte Oswald vollkommen unschuldig gewesen sein, etc.pp. Sich auf dieses Spiel einzulassen, bedeutet in die Falle zu tappen. Übrigens ist das auch der tiefere Grund für all die Spaltungen in der Orgonomie nach Reichs Tod. Immer ging es darum, daß Dr. Elsworth F. Baker und nach ihm Dr. Charles Konia sich gegen Leute wenden mußten, die die Orgonomie hoffnungslos vom Weg abgebracht hätten. Man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen.

Hierher gehört auch die Sache mit dem gestern erwähnten David Jacobs. Er ist Historiker und die Geschichtswissenschaft gehört zu den aufwendigsten Studienfächern überhaupt, weil man angesichts der überwältigenden Materialfülle lernen muß, das Wichtige vom Unwichtigem, das Charakteristische vom Zufälligen zu scheiden. So ist Jacobs auch ans UFO-Phänomen herangegangen, hat gesehen, daß hinter all den Geschichten ein wahrer Kern stecken muß und hat Jahrzehnte damit verbracht diesen Kern freizulegen. Sein Ansatz war dabei, sich nicht durch das verwirrende Material von der Wahrheitssuche abbringen zu lassen, sich auf das Wesentliche, den besagten „Kern“ zu konzentrieren und nicht Passendes als „Konfabulieren“ zu entlarven, d.h. als falsche Aussagen aufgrund von Fehlwahrnehmungen und Gedächtnisstörungen. Das Hauptkriterium dabei ist, ob etwas unabhängig voneinander von unterschiedlichen Zeugen bestätigt wird. Es ist ähnlich wie beim Fall Oswald: natürlich gibt es immer wieder einzelne Zeugen und Aktennotizen, die nicht zum Gesamtbild passen, aber das entspringt nach aller Lebenserfahrung mit einiger Sicherheit „Konfabulation“. Praktisch bei jedem Fall, etwa von „Schulmassakern“, gibt es hier und da Zeugen, die einen „zweiten Schützen“ gesehen haben wollen. Nochmals: man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen oder man wird nichts, rein gar nichts zuwege bringen!

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11 Antworten to “Einen Punkt setzen”

  1. stephan Says:

    John Newman, David Kaiser, Howard Jones sind auch Historiker- und haben die nach 1992 Dokumente nutzen können, die belegen, dass JFK sich aus zurückziehen wollte.
    Gerald D McKnight, Autor des Buches „Breach of Trust- How the Warren Commission Failed the Nation and Why“

    James DiEuginio ist Historiker und hat ein Buch und zahlreiche Artikel über die Ermittlungen Jim Garrisons geschrieben.

    Und es gibt neue Erkenntnisse- z.B. dass Oswald unmittelbar nach den Schüssen im Erdgeschoss von einem Polizisten angetroffen wurde,
    siehe:
    ANATOMY OF THE SECOND FLOOR LUNCH ROOM ENCOUNTER.

    Die einzigen vereidigten schriftlcihen Statements zur Tatwaffe sprechen von einer Mauser, nicht von einer Mannlicher Carcano

    Es geht also nicht um einfache Irrtümer von Zeugen, sondern um die Ermittlungen und Beweislage an sich

    Und wie gesagt: JEDE Simulation die die „single bullet“ „beweisen“ sollte, MUSSTE die auf den Fotos und Flmen dokumentierte Realität abändern- die körerphaltung msuste verändert, Eintritts- und Austrittspunkt verschoben werden. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn immer wieder Simulationen kommen, die nicht die realität widerspiegeln heißt das, dass die single bullet mit der Realität nicht kompatibel ist.
    Hinzu kommen die FBI-Dokumente (nicht Zeugenaussagen!) über eien weitere Kugel

    für deine Kuba/KGB-Verbindung mit Oswakd hast bis jetzt keine Beweise erbracht, während es Unmengen an Kontakten zu Personen gab, die mit den US-Geheimdiensten assoziert waren

    warum bist du so ein Apologet der US-Geheimdienste?

    „Derartige Debatten haben nur eine Funktion: Verwirrung zu stiften.“
    „Die einzige Funktion dieser „neuen Gesichtspunkte“ ist es vom Wesentlichen abzulenken.“

    Interessant, das ist genau das was Vince Salandria beschreibt:

    I’m afraid we were misled. All the critics, myself included, were misled very early. I see that now. We spent too much time and effort microanalyzing the details of the assassination when all the time it was obvious, it was blatantly obvious that it was a conspiracy.
    …No doubt we are dealing now with an international conspiracy. We must face that fact – and not waste any more time microanalyzing the evidence. That’s exactly what they want us to do. They have kept us busy for so long. And I will bet, buddy, that is what will happen to you. They’ll keep you very, very busy and, eventually, they’ll wear you down.

    Aber egal- wenn Bugliosi engen Kontakt mit CIA-Veteranen hatte, die auch im Fall Oswald eine Rolle spielten, ist das natürlich irrelevant- aber wenn Mildred Brady kommunistische Verbindungen hat, ist das natürlich wichtig

  2. stephan Says:

    welcher Ex-Marine lief zur Sowjetunion über und arbeitete in der Radiofabrik in Minsk?

    siehe zum Kontext

    http://educationforum.ipbhost.com/topic/23279-steven-hager-the-two-oswalds/?do=findComment&comment=357289

    https://www.allmystery.de/i/t5493c0_OzCIA2.jpgdl0

    aber setzen wir hier einen Punkt

    • Renate Says:

      Zum Video, ich muss mir unbedingt die DVDs kaufen, die Filme sind einfach zu gut, hahah!!
      Zum anderen Problem, hat das irgendwas mit Reich zu tun, habe ich da was verpasst, ansonsten gibt es doch sicher Foren zu diesem Thema, dieses hier beschäftigt sich mit Wilhelm Reich und das ist sowieso schon umfangreich genug, da haben wir wirklich keine Zeit uns noch mit einem Thema zu beschäftigen, dass mir auch nicht grade einfach erscheint. Punkt. 🙂

      • stephan Says:

        Das hat eigentlich nichts mehr mit Reich zu tun, was Peter leider nicht bemerkt. Er sieht überal dieselbe kommunistische Verschwörung am Werk. Alles Böse scheint vom KGB zu kommen, alles Gute von der CIA.
        Und da scheint Peter auch egal zu sein dass Oswald mit antikommunistischen, CIA-nahen Personen und Gruppen Umgang pflegte

    • Renate Says:

  3. stephan Says:

  4. stephan Says:

    “I said that Casasin was another problem. The man had worked for us abroad under non-official cover …. He had run an agent into the USSR, that man having met a Russian girl and eventually marrying her. Our assumption is that the interest in the man is that the agent was successful in getting his Russian wife out of the country, as Oswald was in getting Marina out … “

    http://www.maryferrell.org/showDoc.html?docId=49667#relPageId=6

  5. Tzindaro Says:

    Most murders are never really solved. 80% of killings are done by friends, business partners, or close relatives of the victim. Of the remaining 20%, almost none are really solved. In America, 90% of all criminal cases are settled by plea bargining, meaning the accused is threatened with a harsher sentence unless he admits to being guilty, so 90% of prisoners may or may not be really guilty, but have been forced to give up their right to a trial and the police did not have to present evidence to a court.

    TV cop shows are pure propaganda to trick people into thinking they cannot get away with murder. The fact is that murder is one of the easiest crimes to get away with because instead of investigating, the police will try to list it as „solved“ as soon as possible by framing somebody, usually somebody too poor to afford a good lawyer.

    If you want to kill someone, go ahead and do it. There is nothing to fear from the legal system–unless you are innocent, that is.

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