Die Orgasmustheorie ist tot, weil es den Menschen nicht mehr gibt

In seiner Orgasmustheorie ist Reich ein Kind des 19.Jahrhunderts, das gefesselt war vom Problem der psycho-physiologischen Folgen der „Samenverschwendung“, die zur Gehirn- und Rückenmarksschwindsucht und zur „Neurasthenie“ (Freud) führt – sie entspricht so Reichs „orgastischen Impotenz“.

In der antiautoritären Gesellschaft ist für die Orgasmustheorie kein Platz mehr, da sich der Mensch grundlegend anders empfindet: nicht mehr als „Haushalt“ mit Zufuhr und Abfuhr, nicht als „Dampfkessel“ mit einem Ventil, nicht als „Blase“, die platzen kann, etc., sondern infolge von Genetik („Code“, „Programmierung“), Robotik und Digitalisierung als „Hardware“, auf der „Software“ abgespielt wird. „Sex findet im Kopf statt.“ Wir sind vollkommen andere Lebewesen, eine komplett andere Spezies. Ja, den Menschen selbst gibt es nicht mehr. Der Transhumanismus holt nur physisch nach, was „metaphysisch“ längst eingetreten ist!

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

13 Antworten to “Die Orgasmustheorie ist tot, weil es den Menschen nicht mehr gibt”

  1. JanDavid Says:

    Wir sind vollkommen andere Lebewesen, eine komplett andere Spezies. Ja, den Menschen selbst gibt es nicht mehr.

    ?

    In der antiautoritären Gesellschaft ist für die Orgasmustheorie kein Platz mehr, da sich der Mensch grundlegend anders empfindet: nicht mehr als „Haushalt“ mit Zufuhr und Abfuhr, nicht als „Dampfkessel“ mit einem Ventil, nicht als „Blase“, die platzen kann, etc.,

    sondern infolge von Genetik („Code“, „Programmierung“), Robotik und Digitalisierung als „Hardware“, auf der „Software“ abgespielt wird. „Sex findet im Kopf statt.“

    Blockaden und Energiestauungen gibt es sehr wohl noch. Man muss nur eine andere Qualität feststellen. Nicht mehr wie Dampf, sondern mehr wie Elektrizität. Auch oftmals ein Grollen wie von unbändiger Wut.

    Wie bei unterirdischen Wasserstoffbomben-Tests.

    Man google mal beispielsweise nach Videos mit dem Suchwort „Canninkin“ – das ist ein Ort, wo ein H-Bomben-Test war – und versuche die emotionale Qualität zu spüren.

    Und: Blockaden vermehrt im Kopf anstatt der Muskulatur. Das ist nichts neues, darüber wird hier im Blog und in den Kommentaren immer wieder geredet.

  2. Jonas Says:

    Dann wäre die Foucaultsche Utopie eingetreten:

    http://www.untot.info/140-0-Ein-anderer-Posthumanismus-Foucaults-Ende-des-Menschen.html

  3. Zeitgenosse Says:

    Nun. Die Digitalisierung genau wie der ganze andere technische Fortschritt (Stichwort Industrie 4.0 (4te Industrielle Revolution)) ist unumkehrbar. Jedes Regime oder Partei die versucht hat, das Rad zurück zu drehen, ist gescheitert. Musste scheitern weil das NIE funktioniert. Zurück in die Vergangenheit geht einfach nicht. Daher halte ich auch von den Parolen diverser Blöcke nichts – siehe Trump und AfD. Die anderen Richtungen wie SPD/Demokraten und CDU/Republikaner haben ebenfalls keine Anwort auf diese Problemstellungen (Arbeitslosenraten von bis zu 60%; das wird kommen und ist schon im Gange). Warum gehen sie sie nicht an? Weil sie keine Lösungen für haben bzw. sich mit Kleinigkeiten befassen…Mauerbau (hat auch bei der DDR nicht funktioniert), Multi-Kulti-Wahn (hat schon die Römer ruiniert), künstliche Verlangsamung der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt (Arbeitgeber UND Arbeitnehmerverbände gleichermaßen) um zeit zu gewinnen. Sie halten die kleinen Probleme für lösbar – daher werden die ganz großen nicht angegangen.

    Eventuell wäre es sinnvoll die Chancen, die diese Entwicklungen inne wohnen, zu nutzen. Da ist die Orgonomie die einzige Institution die das möglicherweise einigermaßen bewerkstelligen KÖNNTE (Stichworte: Bildungsrevolution (kinder der Zukunft, Summerhill, R.-D. Prechts Überlegungen), Soziologie (Stärkung des Individuums durch Entpanzerung, …).

    ich selber bin Pragmatiker, worauf sich mir nur eine einzige Frage in diesem Kontext aufdrängt: Wie kann man die Menschen, die HEUTIGEN, nicht die Wunschvorstellung von Konia der 50er jahre (denn diese Zeit kommt nie wieder zurück), mitnehmen ohne ihnen Schaden zuzufügen? Oder anders formuliert: wie kann man einen Gesellschaftsentwurf schaffen, der die laufende Entwicklung mit einbezieht und nicht negiert, um einigermaßen sauber aus der geschichte rauszukommen?

    PS.: Gute Vorlesung Peter beim letztem Videobeitrag (nr. 39). Sehr gut analysiert.

    • claus Says:

      Der Beitrag von P.N. heute ist kurz und treffend.
      Aber dir, Zeitgenosse, stimme ich hier nicht zu. Wer will denn zurück in eine Vergangenheit? Es geht nicht darum, die Uhr zurückzudrehen, sondern darum, einem durch Veränderung der Panzerung bedingten umfassenden Linkstrend entgegenzuwirken. Typisch für diesen Linkstrend sind programmatisch v.a.:
      – Man will ‚den Menschen verändern‘.
      – Man will ‚die Welt verändern‘.
      Also sehr umfassende globale Eingriffe in Gewachsenes. (Heideggers Rede vom ‚Gemächte‘ ist da manchmal recht treffend.)
      Das Gelaber u.a. Prechts von den Mängeln der Schulen ist einerseits abgedroschen und steht andererseits im Dienste eben dieser großen Menschenveränderung. (Dazu passt auch Jonas‘ Beitrag.)

  4. Robert (Berlin) Says:

    Die Orgasmustheorie ist m. E. nicht tot, das sehen wir bei unseren Zuwanderern, die tatsächlich wie ein Dampfkessel funktionieren. Das Energieniveau und die muskuläre Panzerung des westlichen Menschen sind zu gering, als das die orgastische Ladung ausreicht. Erst müsste das Energieniveau erhöht werden.
    Das alles hat mit der Digitalisierung nichts zu tun.

    • Zeitgenosse Says:

      Die 4te Industrielle Revolution hat vieles damit zu tun, da für die Mehrheit der Menschen der Faktor Arbeit als Regulator der Energieökonomie wegbrechen wird. Es geht um eine technische Entwicklung die in ein neues menschenbild mündet. So habe ich zumindest Peters Blogbeitrag verstanden. Daraus resultierend dann mein eigener Beitrag dazu.

  5. Tzindaro Says:

    „We are completely different creatures, a completely different species. Yes, the human being is no longer there.“

    I once attended a workshop on how to become a member of a different species. The people there were interested in changing their species to see what it felt like to be something different. It was six hours of heavy indoctrination in feeling and thinking like some other form of life instead of being „stuck“ as a human solely because of accidentally being born into a human family.

    It was not very successful in my case, but many people there became convinced they had become something other than a human for a short time and returned home intending to continue practicing the techniques they had learned.

  6. Peter Nasselstein Says:

    Ich kann nur jedem raten, Reichs Aufsatz „Der biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“ (DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS) zu lesen.

    Letztendlich reduziert es sich wieder auf die Frage nach dem Eigenen: interpretiert man seine eigene Existenz nach dem Vorbild der Maschine und wird dadurch zur Maschine („Wissenschaft“) – oder interpretiert man umgekehrt die Umwelt nach dem Vorbild der eigenen Biologie („Orgonomie“).

    • claus Says:

      Ich begreife allerdings noch nicht Wissenschaft als Identifikation nach dem Vorbild der Maschine. Auch die Existenz des Orgons ist eine wissenschaftliche These.

      • Peter Nasselstein Says:

        Anführungszeichen! Ursprünglich wollte ich „mechanistische Materialismus“ schreiben, war mir dann abr zu eng und was besseres ist mir aber nicht eingefallen, deshalb neutral „Wissenschaft“ – in Anführungszeichen.

        • claus Says:

          Bin immer froh, wenn sich irgendwo noch etwas Übereinstimmung herstellen lässt. Überall Gegner und Dissens!

  7. O. Says:

    Mit der Funktion des Orgasmus (nicht des Samenergusses oder des Austausches von Flüssigkeiten) hat Reich desn Kern des Menschen beschrieben.
    Dies als „Dampfkesselmodell“ zu interpretieren ist an sich schon eine unpassende technische Analogie, heute auch nicht mehr zeitgemäß, aber vor allem eine Fehlinterpretation von Reich, dessen sich Körper-„psycho-„therapeuten und andere Anhänger gerne bedienen und so verstanden haben wollen.
    Der Mensch wird lieber als Maschine gesehen oder zu dieser abgerichtet bzw. mit Technik/ Biotechnik in Zukunft um gebaut. Und hier richtig erfasst geht es um „Sex im Kopf“ – um Mindfuck. Sex im Kopf ist kein Sex! Reich ging es auch nicht um Sex, sondern um die Funktion der Sexualität, reduziert auf die wesentliche Aussage in Bezug auf den Menschen.

    Die Erklärung die F. d. O. wäre für die triebgesteuerten Einwanderer gültig, wäre ein Armutszeugnis für die Menschen in diesem Staat, die zu Robotern ohne Sexualfunktion mutiert seien.
    Die Sexualität ist das Hauptziel der fortschreitenden Industriealisierung, diese für Konsum und Unterdrückung steuerbar zu machen. Und damit ist dies auch eine indirekte Bestätigung für Reichs Thesen. Reich als letzter Aufklärer bleibt somit Staatsfeind Nummer 1, ob tot oder lebendig – in den Köpfen der Menschen.

    • Robert (Berlin) Says:

      „wäre für die triebgesteuerten Einwanderer“
      Widersprichst du dich damit nicht selber, weil wir dann nicht mehr triebgesteuert wären, also ohne Trieb?

      „Die Sexualität ist das Hauptziel der fortschreitenden Industrialisierung, diese für Konsum und Unterdrückung steuerbar zu machen“
      Die alte These von der repressiven Entsublimierung. Marcuse und Reimut Reiche lassen Grüßen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: