Ein Leben in Zwangsjacke und Gummizelle

Als Kind wäre ich in der Schule beinahe draufgegangen. Mich hat dieser ganze Müll an der Tafel nicht die Bohne interessiert. Ich wollte nur eins: den ganzen Tag die mit allen möglichen und unmöglichen exotischen Pflanzenkeimlingen aus dem nahen Hafen verwilderte Industriebrache durchkämmen und am Ufer des Tidekanals nach dem suchen, was aus der Nordsee bis nach Hamburg angespült wurde. Ich wollte mich BEWEGEN. Heute würde man mich vielleicht mit der Droge Ritalin vollpumpen. Ich kann jetzt noch spüren, wie die Energie in meinem Körper rebellierte und wütete. Und diese verlogenen Schweine regen sich über das Schicksal von Legehennen auf!

Dazu berichtet die ÄrzteZeitung für Neurologen und Psychiater (Juni 2017) über ein interessantes Projekt aus Bremen. Seit Februar stehen Heimtrainer in einer 5. Klasse. Sie sind mit hohen Tischen ausgestattet, so daß die Kinder ihre Schularbeiten machen können, während sie in die Pedale treten. Erstmals eingeführt wurden sie 2007 von einem Gymnasiallehrer und Sportwissenschaftler in Wien. Die Schüler können sich besser konzentrieren, die Noten und das Sozialverhalten verändern sich zum Besseren.

Die Idee ist so lächerlich einfach und naheliegend, daß man sich fragt, warum nicht schon längst jemand auf sie verfallen ist. Haben denn die Leute nie Jungtiere beobachtet, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ununterbrochen herumtollen? Und was machen wir! Wir wickeln („pucken“) Babys, Sperren Kinder in Zuchthäser („Schulen“) und haben selbst nichts besseres zu tun, als vor Bildschirmen zu hocken. Es ist ein schieres Wunder, daß es nicht öfter Schulmassaker und Amokläufe gibt!

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

9 Antworten to “Ein Leben in Zwangsjacke und Gummizelle”

  1. Claus Says:

    „ … und haben selbst nichts besseres zu tun, als vor Bildschirmen zu hocken“
    Das entspricht allerdings bekanntlich längst dem Wunsch vieler Schüler. Man müsste also erst mal öffentlich klar machen, was ‚ursprünglich‘ und was ‚degeneriert‘ ist.
    Die Sache mit den Schülern, die sportliches Training machen, während sie typische Schulaufgaben lösen, ist etwas zweischneidig: Ich glaube, dass man ‚normalerweise‘ schon eher ‚bei einer Sache‘ ist, jedenfalls wenn einen eine Aufgabe interessiert. Wenn einen ein Problem, eine Theorie, … interessiert, wird man nicht nebenbei Gewichte stemmen o.ä., sondern an der Sache geistig arbeiten und dazwischen eben auch anderes (‚körperlich‘) tun. Interesse ist der Knackpunkt. Couchkartoffeln haben typischerweise auch kein Interesse. Oder soll man Punktesammeln beim Computerspiel als Interesse ansehen? Ich meine: Nein. Interesse hat damit zu tun, die Welt zu erkunden.

    • Claus Says:

      Übrigens: Ich suche verzweifelt Leute, die nach Wissen streben, aus Interesse! Stattdessen begegne ich persönlich fast nur Menschen, die ‚helfen wollen‘ (oder so).
      Erstmals lerne ich tatsächlich Interessierte neuerdings in einem – ich sag mal – ‚libertären Club‘ kennen.

    • Frank Says:

      Ja, das ist schon etwas komisch oder modern oder unkonzentriert – oder multitasking … Ich trenne Sport und Studium – wenn man das jeweils ernst nimmt (Claus sagt treffend: Interesse), geht es für den Normalsterblichen nicht anders. Oder?
      Vielleicht ist „Bremen“ die Lösung: Das Niveau ist so niedrig, dass die Schularbeiten so nebenbei zu erledigen sind. Und ohne den Sport fehlt jegliche „Basiskonzentration“ = und es läuft gar nichts.
      Wir gehen da wohl mit „akademischen“ Vorstellungen ran, die keinen Bezug zu der heutigen abgründigen Realiät haben.

  2. O. Says:

    Das Schulsystem von heute hat sich in den letzten 2 Jahren verändert, obwohl der Trend mit G8 schon deutlich wurde: Mehr Effektivität auf Kosten der Gesundheit der Kinder.

    Der neue Trend heißt, neben der alten Erziehung zum Konformismus, „wir sind ein Industrieunternehmen und gehen über Leichen“. Was zählt ist die Erfüllung von Lehrplänen und Lehrzielen. Schaffen Schüler das nicht, werden sie durch schlechte Punkte (Punktesystem wie damals zum Abitur von 0 – 15 statt Noten 1-6) bewertet. Die Schüler haben dem (sich auch ständig ändernden Lehrplan) zu folgen.

    Äußerlich wirkt eine solche Schule mit 90% Ausländeranteil entspannt. Schüler geben sich cool, freundlich und friedlich. Unfreundlich ist gleich die Sekretärin, die schon mal beim Empfang klarmacht, wie dumm man als Elterteil ist, wäre dochj klar gewesen, dass man im Foyer bei den Schülern zu warten habe, statt sie zu stören, wo man denn hin solle zu Elterngespräch, zu dem man pünktlich zu erscheinen hat, weil jede Minute wertvoll getaktet ist. Also ein Nummer ziehen fehlt noch (Verbesserungsvorschlag). Vom Schüler schon geimpft, bloß nichts zu sagen und zu problematisieren, weil das auf den Schüler zurückfallen würde (Angst vor den Lehrern und deren Willkür beim Schüler).

    Dann wird man ins nächste Gebäude geschickt. Der zweite Lehrer verspätet sich unwesentlich, was zeigt wie hoch der Druck der Termine ist. Es folgt ein Gespräch über Leistung und ob man denn mit einer schlechten Note einverstanden wäre und keinen Druck ausüben wolle, weil das Kind den gymnasialen Zweig nie erreichen werde. (Mein Kommentar: Als Wessi an einer Ostschule mir (west-) deutschen Hintergrund hat man keine Chance gehobene Bildung zu erreichen.) Als Elternteil ist man schon froh, wenn das Kind lebend die Schule übersteht, d. h. nicht von Schülern oder Lehrern in den Selbstmord getrieben.
    Die Noten waren im letzten Halbjahr schlecht, über die bekannten Gründe wird hier im Elterngespräch nicht mehr gesprochen, das scheint im neuen Schulsystem nicht mehr opportun. Über die klaren Äußerungen der Schüler von islamistischen Mitschülern rassistisch gemobbt zu werden, wird auch nicht gesprochen. Es wird positiv erwähnt, dass es einen hohen Migrationshintergrund gibt. Und Schülerinnen sich nicht zu „sexy“ anziehen mögen, um nicht die Gefühle der Muslime zu verletzten!!! Obwohl diesbezüglich keine Beschwerden von Muslimen vorliegen, werde dies im Vorfeld angemerkt. Die Noten, die erst in der nächsten Woche von den anderen Lehrern eingetragen werden, könnten noch nicht benannt werden. Ob es also eine Besserung gab, kann nicht geklärt werden.
    Besonderes Highlight der Schule: Die gesamte Klasse habe keine Lust auf Musikunterricht und kassiere größtenteils „eine Nullpunkte 6“. Gaußsche Verteilungskurve funktioniere hier nicht. Ebenso stehe „eine Nullpunkte 6“ in Kunst schon fest.

    Kinder von bildungsnahen Eltern/ über Generationen bildungsnahen Familien haben auf solchen Schulen keine Chance. Hinzu kommt die offen rassistische Ausgrenzung und das ständige sich erklären müssen, warum man nicht der Islamkultur zugehörig sein möchte und seinen Körper nicht verhülle. Oder konkret permanent gefragt, warum sei man denn Nazi (weil man deutscher Abstammung ist) sei?

    Alternativ bleiben die westlichen Pauker G8 Schulen, die jetzt wieder auf G9 umsatteln wollen, wo kein Lehrer mehr weiß, wie das noch mal ging und die Schulbücher nicht mehr existieren.

    In beiden Systemen müssen die Schüler psychiatrisch behandelt werden. Im ersteren Typ schon während Schulzeit.

    Den dritten Ghetto Schultyp, wo Lehrer von Schülern bedroht werden, habe ich hier nicht behandelt.

    Und nun mein letzter Kommentar: Für den Scheiß zahl ich auch noch Steuern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: